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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main
140. Verhandlungstag, 4.3.1965

 

Vernehmung des Zeugen Josef Zimmermann

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie denn nach Auschwitz gekommen, Herr Zimmermann?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

[Pause] Genau weiß ich es nicht. Ich weiß nicht, November war es vielleicht. Oktober/November 43.

 

Vorsitzender Richter:

1943.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo sind Sie denn verhaftet worden?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

In Przemyśl.

 

Vorsitzender Richter:

In Przemyśl. [Pause] Wie lange blieben Sie denn in Auschwitz, wann sind Sie wieder dort herausgekommen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wir sind im Mai nach Bobrek.

 

Vorsitzender Richter:

Im Mai sind Sie nach Bobrek gekommen.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie in Bobrek?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Bis Januar.

 

Vorsitzender Richter:

Bis zum Januar 1945?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

45.

 

Vorsitzender Richter:

Wo wurden Sie denn untergebracht, solange Sie in Auschwitz oder in Birkenau waren?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wir waren in Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

In Block 11. War das in Birkenau?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und kannten Sie die anderen Zeugen, die wir heute von diesem Block 11 gehört haben, zum Beispiel den Herrn Schwarzbaum oder den Herrn Steinfeld oder den Herrn Preston oder den Herrn Woloski? Kannten Sie die dort?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, wir waren alle zusammen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren alle zusammen. Und Sie sagten, Sie sind etwa im Mai 1944 nach Bobrek gekommen.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Kamen da alle diese Herren auch mit nach Bobrek?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Oder waren einige krank, so daß sie erst später hingekommen sind?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, nein, das ganze Kommando ist auf einmal...

 

Vorsitzender Richter:

Auf einmal hingekommen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Hingekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, wie der Blockälteste hieß von dem Block 11?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Emil Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso kennen Sie seinen Namen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Der Name war sehr bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Er war sehr bekannt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Sehr bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sind Sie denn auf diesen Namen gekommen, wer hat Ihnen denn den Namen genannt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ich war doch dort, ich habe doch gelebt in dem Block.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben gelebt in dem Block. Sie haben ihn vermutlich von anderen Häftlingen erfahren, daß andere Gefangene Ihnen den Namen genannt haben?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, wir wußten es doch, der Name war bekannt im ganzen Lager. Das war ein Strafblock.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Strafblock.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, das war...

 

Vorsitzender Richter:

Wieso kamen Sie denn auf den Strafblock? Haben Sie was angestellt gehabt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum kamen Sie trotzdem dorthin?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das Siemens-Werk, die Verwaltung vom Siemens- Werk

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die Verwaltung von Siemens hat Sie auf den Strafblock gebracht?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Warum? Haben die was Böses mit Ihnen vorgehabt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Sie wollten uns alle zusammenhalten, daß wir uns auch besser ernähren und nicht auf Außenkommando gehen sollten.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, wurde man denn auf dem Strafblock besser ernährt als anderswo?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das kann man nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das kann man nicht sagen. Also war das doch kein Grund, weshalb man Sie auf den Strafblock gebracht hat?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Daß wir nicht mit den anderen Kommandos hinausgehen sollen. Wir waren

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie sollten nicht ausrücken zu anderen Kommandos?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Die Leute, die auf dem Strafblock waren, die sind aber doch auch auf Arbeit ausgerückt, die hatten doch auch Arbeitskommandos.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das war ein ganz anderes Kommando.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber die lagen auch auf Block 11?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wir sind nicht zusammen hinausgegangen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind nicht zusammen hinausgegangen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Sie also den ganzen Tag im Lager selbst?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein. Wir haben diese Abteilung gebaut für Bobrek, das heißt für Siemens in Bobrek.

 

Vorsitzender Richter:

Für Siemens gebaut. Aber da sind Sie doch nachher zu diesem Zweck auch nach Bobrek in ein Lager gekommen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Aber das dauerte, bis wir [das Lager aufgebaut hatten.]

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Und wie lange [dauerte] denn der Aufbau ungefähr?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Fünf, sechs Monate. Ich weiß nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Mußten Sie dorthin marschieren, nach Bobrek, oder wurden Sie gefahren?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, wir sind mit Transport

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit Transportwagen sind Sie hingekommen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie sagten, besser sind Sie nicht ernährt worden in dem Block 11 als die anderen Häftlinge.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

War denn das vorgesehen, daß Sie dort besser ernährt werden sollten?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Hat man denn darüber gesprochen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Man hat gesprochen, daß wir besser zu essen bekommen werden und wir auch geschont werden.

 

Vorsitzender Richter:

Haben das vielleicht die Ingenieure gesagt oder die Zivilisten von Siemens? Oder woher wissen Sie das?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Man hat so gesprochen. Ich erinnere mich nicht ganz genau.

 

Vorsitzender Richter:

Sie erinnern sich nicht ganz genau. Also Sie sagten, Sie sind nicht besser ernährt worden.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und vordem Sie nun den Aufbau begonnen haben, mußten Sie da im Lager bleiben?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn die anderen morgens ausgerückt sind, blieben Sie im Lager?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, wir sind ja auch hinausgegangen zu unseren

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, dieser Bau fing ja nicht sofort an. Oder haben Sie sofort angefangen zu arbeiten, als Sie

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

Sofort, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, Herr Zimmermann, wenn Sie im Lager waren, haben Sie da Feststellungen machen können, wie der Blockälteste Bednarek sich den Gefangenen gegenüber aufgeführt hat?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wenn wir zurückgekommen sind von der Arbeit, war es viel schlimmer als auf dem Außenkommando [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

War es schlimmer als auf dem Außenkommando. Und warum war es schlimmer? Was passierte?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Weil bei jeder [unverständlich] weiß man doch nicht, was vorkommt.

 

Vorsitzender Richter:

Das habe ich jetzt nicht verstanden. Weil man?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Bei jeder Regung, in jedem Moment, weiß man nicht, was vorkommt.

 

Vorsitzender Richter:

Man weiß nicht, was im nächsten Moment vorkommt. Und was kam denn vor?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Was für eine Laune der Herr Bednarek gehabt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Was für eine Laune der Herr Bednarek gehabt hat. Nun wollen wir mal annehmen, er hätte schlechte Laune gehabt. Was kam denn da vor?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Dann ist man bis zum Tode geschlagen worden.

 

Vorsitzender Richter:

Ist man bis zum Tode geschlagen worden. Haben Sie auch einmal Schläge bekommen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Auch, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben auch Schläge bekommen. Warum, was war denn der Grund dafür?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Kein Grund.

 

Vorsitzender Richter:

Kein Grund. Und bei welcher Gelegenheit bekamen Sie denn die Schläge?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das war bei der Läusekontrolle und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Läusekontrolle?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, und beim Appell-Rausgehen und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Beim Zum-Appell-Antreten, ja?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Antreten, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie sagen, man wurde geschlagen bis zum Tode. Haben Sie denn gesehen, daß jemand totgeschlagen wurde?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Zwei Fälle habe ich...

 

Vorsitzender Richter:

Zwei Fälle haben Sie gesehen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns diese beiden Fälle einmal näher schildern?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Einen Fall habe ich gesehen, als ein Pole, ich weiß nicht von wo, ins Straflager reingekommen ist in den Block 11. Und der Herr Bednarek hat ihn auf den Hof genommen und hat ihn zu Tode geschlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Wo standen Sie denn da, als das passiert ist?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ich habe nur gesehen, wie er schon auf dem Boden gelegen hat. Er hat einen Befehl gegeben, daß man ihn in den Waschraum hineinnehmen und mit kaltem Wasser [abspritzen] soll.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, wo haben Sie da gestanden, als Sie das

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

[unverständlich] ist er schon nicht mehr zum Leben gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Er war schon nicht mehr

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er war schon nicht mehr am Leben.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Am Leben.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wo haben Sie denn gestanden, als das geschehen ist?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wir sind herausgegangen zum... Das heißt, wir haben diesen Waschraum gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie mußten den Waschraum in Ordnung halten?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und deshalb waren Sie im Waschraum, als das geschah?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, deshalb weiß ich das.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie den Mann auch gesehen, wie er in den Waschraum getragen wurde?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat ihn denn dorthin getragen? [...]

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Auf den Befehl von Emil Bednarek die Aufsicht im Stubendienst.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat denn den Stubendienst damals gemacht, wer war denn das?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Den Namen weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Den Namen wissen Sie nicht mehr?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie mit getragen an dem Mann?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ich selber nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie selbst nicht. Kennen Sie keinen mehr von den Leuten, die den Mann weggetragen haben?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. [Pause] Warum hat er denn mit diesem Mann diese bösen Sachen getrieben? Was hat denn der gemacht gehabt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das weiß ich auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie auch nicht.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Womit hat er denn den Mann geschlagen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Mit einem Stock.

 

Vorsitzender Richter:

Mit einem Stock. Oder war es ein Schaufelstiel?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Mit einem Stock.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Stock. Und wann war es gewesen ungefähr?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das war Winterszeit. Genau weiß ich aber [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In der Winterzeit. Nun, Sie waren ja nur einen Winter dort in dem Block 11.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Es muß also im Winter 43 auf 44 gewesen sein.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob es um die Weihnachtszeit war?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

So Jänner, Februar, ich weiß nicht ganz genau.

 

Vorsitzender Richter:

So genau wissen Sie es nicht mehr. Sie haben den Mann gesehen, als der gebracht wurde, und

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

Ja, der ist hereingekommen in den Block und ist gleich auf den Hof herausgeführt worden, und dorten hat man ihn totgeschlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das auch mit eigenen Augen gesehen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und als der Mann nachher in den Waschraum gebracht wurde, haben Sie das auch gesehen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Als der Mann schon im Waschraum war, das habe ich gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Er war schon im Waschraum?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und war er da tot?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

War er tot.

 

Vorsitzender Richter:

War er tot. [Pause] Und können Sie uns sonst noch etwas erzählen über das Verhalten von dem Angeklagten Bednarek?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja. [...] Der Herr Bednarek hat uns immer gequält, hat verschiedene [Torturen] ausgesucht, rollen, sich biegen und noch so viele andere Sachen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er das »Sporttreiben« genannt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ich weiß nicht, wie man es nennen soll, »Sporttreiben« oder Quälen.

 

Vorsitzender Richter:

Ich meine, hat er es so genannt? Hat er gesagt, »Gymnastik« oder »Sport« machen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Er hat das »Sport« genannt, das war sein [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Sportmachen« hat er es genannt. Es war eine Quälerei für Sie. Nun wollten Sie uns noch einen zweiten Fall erzählen, wo ein Mensch dabei getötet worden ist. Was war das für ein Fall?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das waren zwei junge Burschen, nicht einer, zwei wurden getötet. Erst haben wir diese »Gymnastik« gemacht. Und dann hat er zwei junge Leute genommen und hat gesagt zum einen, daß mit seiner Mutter etwas nicht in Ordnung war und so weiter. Und er hat sie gezwungen, daß einer den zweiten schlagen soll.

 

Vorsitzender Richter:

Er hat sich zwei junge Leute vorgenommen und hat dem einen jungen Mann gesagt, der andere hätte seine Mutter beleidigt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und er hat sie dazu gebracht, daß sie sich geschlagen haben?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hat er dann gemacht?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Na, sie haben sich doch nicht schlagen wollen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wollten sich nicht schlagen?

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

Nicht schlagen. Da hat er sie fertiggemacht, der Herr Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Er hat sie fertiggemacht?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso hat er sie denn fertiggemacht?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Der hat sie so lange geschlagen, bis sie in Ohnmacht gefallen und nicht mehr zum Leben gekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Bis sie in Ohnmacht gefallen sind?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Gefallen und nicht mehr zum Leben gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie, daß Sie nicht mehr zum Leben gekommen sind?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Sie waren doch bei uns immer. Gleich dort war so eine kleine Totenkammer, und man hat sie in diese Totenkammer gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

In die Totenkammer sind sie gebracht worden, nicht etwa in ein Krankenrevier?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

In eine Krankenstube nicht, sondern in die Totenkammer?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, in die Totenkammer.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das gesehen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und standen Sie auch dabei, als die beiden jungen Leute sich geschlagen haben oder sich

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

Ja, die wollten sich nicht schlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wollten sich nicht schlagen. Wie weit waren Sie denn entfernt von diesem Ganzen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Fünf Meter.

 

Vorsitzender Richter:

War denn das anläßlich eines sogenannten Sportmachens?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, beim »Sport«.

 

Vorsitzender Richter:

Und hatten die beiden jungen Leute denn irgend etwas getan, daß er gerade auf den Gedanken kam, sie zu schlagen oder sie

 

Zeuge Josef Zimmermann [unterbricht]:

Nein, nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Die hatten nichts getan?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war die Totenkammer? Können Sie uns das näher schildern?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Die war gleich in der Ecke, wo das Badezimmer war.

 

Vorsitzender Richter:

Wo das Badezimmer war.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Da war auch die Totenkammer?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Sind da noch mehr Tote hingebracht worden in diese Totenkammer? Haben Sie das öfter gesehen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Öfter habe ich das nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Und als Sie nachher nach Bobrek gekommen sind, war es da besser mit der Behandlung als im Block 11?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das ist kein Vergleich.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist kein Vergleich gewesen.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Kein Vergleich. Diese Leitung von Siemens... Wir sind sehr dankbar, und wir können auch... sind auch – ich weiß nicht, wie das ausdrücken –, daß wir am Leben geblieben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagen, Sie sind der Leitung von Siemens sehr dankbar, und Sie glauben, daß das der Grund war, weshalb Sie überhaupt am Leben geblieben sind?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, das ist es. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie haben gar keinen Zweifel, daß diese beiden Fälle, die Sie uns eben geschildert haben, sich so abgespielt haben, daß Sie das so gesehen haben und sich nicht irren?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, ich irre mich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie kannten doch diese Zeugen, die wir heute vernommen haben, den Herrn Schwarzbaum zum Beispiel.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Wir waren alle zusammen in einem Block. Wir sind zusammen nach [+ Bobrek].

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Herrn Schwarzbaum nach dem Krieg noch einmal gesprochen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie sich heute mit dem Herrn Schwarzbaum unterhalten?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, nein, also [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, er wird Sie doch begrüßt haben vermutlich?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Na ja, das ist aber so noch, aber das ist nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Hat er Ihnen auch etwas erzählt von diesem Vorfall, oder hatten Sie den selbst noch in Erinnerung?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein, wir haben überhaupt nicht über diese Sachen gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Über diese Sache haben Sie gar nicht gesprochen.

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Richter Hotz:

Herr Zimmermann, noch mal zurück zu diesem Fall mit den beiden jungen Leuten, die sich schlagen sollten und sich nicht schlagen wollten. Wissen Sie vielleicht, an was für einem Wochentag das gewesen ist? Waren Sie an diesem Tag ausgerückt zum Arbeiten oder nicht?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein. Nein, das war

 

Richter Hotz [unterbricht]:

War es dann ein Samstag oder ein Sonntag?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Sonntag.

 

Richter Hotz:

Ist da irgend etwas gesagt worden, ehe das losging mit der Aufforderung an die beiden, sich schlagen zu sollen? Ist etwas gesagt worden, daß jetzt irgend etwas veranstaltet würde?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Nein.

 

Richter Hotz:

Ein »Zirkus« etwa?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Das ist ein »Theater«, ein sogenanntes. Ein »Zirkus«, ein »Theater«– ich erinnere mich nicht ganz genau, wie die Ausdrücke waren, aber es war so ähnlich. Das war für den Herrn Emil Bednarek eine große Freude, wenn er so was...

 

Richter Hotz:

Hat er selbst gesagt, er wolle so etwas vorführen?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Er hat es selbst gesagt.

 

Richter Hotz:

Er hat das gesagt?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja, der Herr Bednarek.

 

Richter Hotz:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ist noch eine Frage [+ an den Zeugen] zu richten? Herr Rechtsanwalt Raabe? Herr Rechtsanwalt Eggert?

 

Verteidiger Eggert:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Bednarek, stimmt das auch nicht?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein, Herr Präsident, das ist nicht wahr. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Sie können sich auch nicht erklären, wieso dieser alte Mann dazu kommen soll, so etwas zu sagen?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Einfach aus der Luft zu greifen?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sehen Sie mal, die Zeugen kommen doch aus ganz verschiedenen Gegenden, nicht. Und trotzdem sagen sie uns alle das gleiche aus. Die einen kommen aus Amerika, die anderen kommen aus Israel, jeder aus einem anderen Land, und alle sagen dasselbe.

 

Angeklagter Bednarek:

Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich habe keine Antwort.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Staatsanwalt Vogel:

In dem Zusammenhang hätte ich noch eine Frage an den Angeklagten Baretzki.

Bednarek wurde vorhin gefragt, ob gelegentlich Zusammenkünfte der Blockältesten durchgeführt worden sind mit Belehrungen über ihr Verhalten gegenüber ihren Mithäftlingen. Er hat dann gesagt, das sei nie der Fall gewesen. Und wenn ich richtig gesehen habe, haben Sie daraufhin den Kopf geschüttelt. Haben Sie das anders in Erinnerung?

 

Angeklagter Baretzki:

Ich habe Sie nicht richtig verstanden, Herr...

 

Staatsanwalt Vogel:

Der Bednarek wurde vorhin gefragt, ob von Zeit zu Zeit etwa in Auschwitz Belehrungen für die Blockältesten durchgeführt wurden, wie sie sich gegenüber den Häftlingen verhalten sollten. Da hat er gesagt, das sei nie geschehen, das sei nie der Fall gewesen. Er hat die Frage verneint. Und daraufhin haben Sie den Kopf geschüttelt. Haben Sie das anders in Erinnerung?

 

Angeklagter Baretzki:

Soviel ich in Erinnerung habe, rief nach dem Ausrücken, morgens, wenn das Kommando ausrückte, eine halbe Stunde nachher, gewöhnlich der Lagerälteste: »Blockälteste antreten!« Und da hat er denen Instruktionen gegeben. Was er zu denen gesprochen hat, das weiß ich nicht, das habe ich ja nie erfahren. Aber [unverständlich]

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Sie sagen, er hat ihnen Instruktionen gegeben.

 

Angeklagter Baretzki:

Ja, die mußten alle antreten, wie so eine Gruppe, nach dem Block. Da mußte alles nach dem Block stehen, Block 1, Block 3, Block 4, Block 5. Da hat der Lagerälteste mit denen gesprochen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und was für eine Art von Instruktion hat er denn da erteilt?

 

Angeklagter Baretzki:

Ja, genau die Instruktionen vielleicht, die er vom Alten gekriegt hat oder vom Rapportführer. Das kann ich ja nicht sagen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie haben da nie zugehört?

 

Angeklagter Baretzki:

Ja, Sie müssen rechnen, bei uns der Lagerälteste war ja kein

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ich frage Sie nur deshalb, weil Sie vorhin so ostentativ den Kopf geschüttelt haben, als der gesagt hat, das sei nie der Fall gewesen.

 

Angeklagter Baretzki:

Ja, weil er sich nicht dran erinnern konnte. Deswegen habe ich vielleicht so gemacht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ach so. Und Kaduk, wissen Sie davon oder etwas dazu?

 

Angeklagter Baretzki [unterbricht]:

Aber ich will dazu noch was sagen, Herr [+ Staatsanwalt].

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja.

 

Angeklagter Baretzki:

Sie müssen rechnen, wir hatten einen Lagerältesten, das war ja kein Häftling. Das war ein Berufsverbrecher, das war ein grüner Winkel. Zum Schluß, als es zu Ende ging, kurz vor Weihnachten, haben die ihm den grünen Winkel [abgenommen] und haben ihm einen roten gegeben. Was der Grund war, weiß ich nicht, warum er einen roten gekriegt hat. Vor dem Abmarsch, also zwei, drei Wochen vor dem Abmarsch, hat er einen roten Winkel bekommen, der Danisch. Sonst war er Berufsverbrecher. Das weiß ich.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja.

 

Angeklagter Kaduk:

Herr Staatsanwalt, das Ausrücken war um sechs Uhr gewesen, 6.45 Uhr. Nach 6.45 Uhr mußten sämtliche Blockältesten am Block 24 an der Mauer antreten. Da kam der Lagerälteste und hat dem Schutzhaftlagerführer gemeldet. Und wir standen dabei. Da hat der Block 1 [+ gemeldet]: »keine besonderen Vorkommnisse«. Von Block 2 haben sie gemeldet: »Läuse«. Auf Block 3 wurden vier durch den Rapportführer Kaduk beim Kartenspiel erwischt. Und da ging es durch bis zum Block 28.

 

Staatsanwalt Vogel:

Na ja, das waren praktisch die Rapportmeldungen der Blockältesten.

 

Angeklagter Kaduk:

Da war der Blockälteste dabeigewesen. Und da wurde bekanntgegeben: soundso schlechte Decken oder Verpflegung oder sonst dergleichen. Da wurde immer alles aufgeschrieben, und die haben dann bekommen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und gab es da auch irgendwelche Belehrungen, oder wurden die Blockältesten ermahnt, schärfer durchzugreifen, oder wie ging das?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Das war in Auschwitz I.

 

Angeklagter Kaduk:

Herr Staatsanwalt, wir hatten eine Stärke im Stammlager von 16.000 Häftlingen. Davon waren gewesen

 

– Schnitt –

 

Angeklagter Hofmann:

Geistliche. Es waren damals in Dachau so circa 300 inhaftiert. »Ich mache Sie darauf aufmerksam«, wenn ich mich nicht durchsetzen kann gegen die Geistlichen, dann wird er mir ein Jahr KZ geben, dann wird er mir Gelegenheit geben, daß ich das auch erlebe, wie es hinter dem Draht zugeht.

Ich konnte machen, was ich wollte. Ich habe mich mit [unverständlich] von den anderen Lagern. Es war nicht nur in Auschwitz so, muß ich immer wieder betonen, es war auch in den anderen Lagern so, Außenlagern. Ich persönlich wandte mich nach Berlin an den damaligen Verwaltungsführer von den gesamten KZ, der gesamten Konzentrationslager, persönlich. Das Schreiben ging nach Natzweiler zurück mit der Bemerkung, ich habe mich an den Dienstweg zu halten. Gut. Ich setzte mich privat mit Firmen in Heilbronn [+ in Verbindung]. Ich möchte die Firma heute noch finden, wenn ich hingefahren wäre. Die Firma hat mir Tausende Paar Schuhe angeboten. Von den Privatfirmen, wo die Häftlinge zur Verfügung standen, in den [unverständlich] sonst was. Die hatten mir sämtliches... Ich brauche nur einen Zettel haben, soundso viel Paar Schuhe erhalten, die Firma bezahlt es, wird alles erledigt.

Ich hatte Geld zur Verfügung, aber was hatte ich nicht? Einen lumperten Papierfetzen, wo man draufgeschrieben hätte: 5.000 Paar Schuhe für Häftlinge. Wer hat das verweigert? Obergruppenführer Pohl, unsere Herren in Oranienburg. Und uns schickt man von einem Lager zum anderen: »Schafft Ordnung, schafft Ordnung! Und wenn ihr es nicht könnt, dann kommt ihr dahin, wo die anderen auch sind, hinter den Draht!« Ja. Das hat mir der Reichsführer angedroht, das hat mir Pohl angedroht.

Ich kenne die beiden Herrn genau, ja, ich kenne Sie genau. Und wo sind die Herren, wo sind die? Ich möchte nicht aufzählen, Herr Präsident, da ist der Platz zu klein hier, um die unterzubringen, die vor uns standen, die die Befehle erteilt haben. [unverständlich] Pohl gab mir zur Antwort: »Hofmann, wenn Sie das nicht schaffen, hier in [unverständlich] Ordnung zu bringen, da bringe ich Sie da hin.« Sage ich: »Obergruppenführer, ich bringe Ihnen einen Befehl. Vor 14 Tagen habe ich einen Befehl erhalten mit der Unterschrift Pohl, Obergruppenführer.«

So wahr ich hier stehe, das kommt woanders zur Sprache. Aber ich möchte das mit anführen, wie es überall war, nicht nur in Auschwitz, auch überall. Wie es von oben runter, von Oranienburg aus befohlen wurde.

»Wenn Sie hier keine Ordnung schaffen!« Sage ich: »Obergruppenführer, ich habe vor 14 Tagen einen Befehl bekommen mit Ihrer Unterschrift, ich habe mit der Bekleidung, die ich auf Lager habe, auszukommen.« Was hatte ich auf Lager? Nichts hatte ich auf Lager. Ich organisierte mir eine alte Nähmaschine, ging auf die Landratsämter, ging betteln, weil ich es von meiner Dienststelle nicht bekommen habe. Ja, diese Landratsämter, Hechingen, Balingen und alles mögliche, die haben es auch abgelehnt. »Ja, wir können auch von Privathaushalten nichts wegziehen«, das habe ich verstanden.

Nach langem Hin und Her habe ich halt doch was bekommen. So war es mit Verpflegung, und so war es mit allem. Wir standen da, sie haben uns die Hände gebunden: »Ihr müßt eben einfach zurechtkommen, wie ist egal.« Bekleidung bekamen wir keine. »Kommt aus, seht zu, wie ihr zurechtkommt.« Stroh bekamen wir keins, Decken bekamen wir nicht, und so ging es am laufenden Band.

Es kamen Häftlinge an vom Arbeitseinsatz, das ging nicht durch unsere Hand als Lagerführer in den Außenlagern, sondern, nein, das ging vom Arbeitseinsatz Oranienburg mit den Privatfirmen, telefonisch, per Schreiben, wo wir nichts erfahren haben. Das eine Lager meldet: »Ich habe heute 50 Häftlinge zuviel.« Wir mußten ja jeden Tag unseren Rapport abgeben. »50 Häftlinge habe ich heute zuviel.« Morgen kam schon das Schreiben, die 50 Häftlinge sind da und da hinzubringen.

Freilich, 50 Häftlinge hatte ich zuviel gehabt. Ich habe 50 Häftlinge abgeben müssen. Das gestehe ich. Daß ich da nicht die 50 besten Häftlinge abgegeben habe, das gebe ich zu heute, jawohl. Warum? Ich gebe doch nicht die besten ab, wenn ich Häftlinge abgeben mußte. Wenn ein anderer Häftlinge abgeben mußte, und ich habe zum Beispiel zuwenig gehabt, der hat mir auch nicht die besten geschickt, er hat mir die schlechtesten geschickt. Und so ging es umeinander, und so wurden, auf Deutsch gesagt, die Häftlinge aufgearbeitet. Ja.

Da waren nicht wir schuld in den Außenlagern. Nein. Da waren die Herren oben schuld, die nur alles im Büro gemacht haben, am Schreibtisch, nur mit ihrem Papier und mit dem Telefonhörer in der Hand. Die Herren waren schuld, ja, die haben das alles gemacht – Maurer, und ich möchte die ganzen Herren gar nicht alle aufzählen. Ich erwähne noch einmal: Hier ist kein Platz, daß man die Herren unterbringt, die vor uns standen und die das befohlen haben und die das angeschafft haben, wo wir uns heute, wir 20 Mann, hinstellen müssen. Ich gehe von hier aus weiter, das ist mir egal, was geschieht.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe, wir wollen jetzt erst mal den Zeugen hier zu Ende hören beziehungsweise ihn vereidigen. Nachher können Sie noch Ihre Fragen stellen. Werden bezüglich der Beeidigung dieses Zeugen Anträge gestellt? Nein.

Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Josef Zimmermann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

 

 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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