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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

108. Verhandlungstag, 5.11.1964

 

Vernehmung des Zeugen Alfred Wetzler

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein] Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Wetzler, Sie sind ebenfalls in Auschwitz gewesen. Wollen Sie uns bitte sagen, wann Sie dorthin gekommen sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Am 13. April 1942.

 

Vorsitzender Richter:

Am 13. April 1942. Und hatten welche Häftlingsnummer?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

29.162.

 

Vorsitzender Richter:

29.162. Und Sie waren dort in Auschwitz bis zu welchem Tag?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

7. April 44.

 

Vorsitzender Richter:

44. Also fast zwei Jahre.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind herausgekommen aus dem Lager, indem Sie...

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In Birkenau geflüchtet.

 

Vorsitzender Richter:

Geflüchtet sind in Birkenau und zwar nach der – Slowakei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nach der Slowakei.

 

Vorsitzender Richter:

Nach der Slowakei. Sie haben wo gearbeitet?

 

Dolmetscher Schamschulla:

[Pause] Kde jste pracoval?

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In Auschwitz war ich eine sehr kurze Zeit. Ich bin nach zwei oder drei Tagen nach der Ankunft gleich nach Birkenau gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und von Birkenau wieder zurück nach Auschwitz in einen Transport mit 120 Häftlingen. Und dann bin ich in Buna bis Sommer 42 gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Im Sommer 42 nach Buna. Und am Ende des Sommers 42 sind Sie wo

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Zurück ins Krankenbau nach Auschwitz und dort wieder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nach Auschwitz oder nach Birkenau?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nach Auschwitz und von dort nach Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Und von dort nach Birkenau. In den Krankenbau?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In den Krankenbau.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar warum?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, als Buna-Häftling, nach Typhus geschwächt, waren wir der Isolierstation auf Block 7 zugeteilt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also es war in Buna Typhus ausgebrochen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie kamen nach Birkenau auf Block 7 als geschwächter Häftling

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Der eben arbeitsunfähig war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und bin dort geblieben.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo lag denn dieser Block 7 oder die Baracke 7? In welchem Lager?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In Bauabschnitt Ib. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Was für Häftlinge waren denn sonst in diesem Lager Ib drin?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In der Zeit war das Lager schon von vielen slowakischen Häftlingen besetzt, im August 42. Es war der Rest der sowjetischen Kriegsgefangenen, es war der Rest von dem ersten Transport von Franzosen, die nach Birkenau einige Tage vor uns gekommen sind. Und es waren viele aus polnischen Ghettos und polnische Kriminelle. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie bitte, dieser Block 7 oder die Baracke 7, hatte die noch eine besondere Umzäunung, also etwa eine Mauer oder so etwas?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Als wir angekommen sind, habe ich gewohnt in Block 13 oder 14, glaube ich, im April 42. Wie ich zurückgekommen bin im August, war schon keine Umzäunung dort, weil in den Baracken, in diesen Räumen, haben gewohnt die Kriegsgefangenen. Nachdem die Kriegsgefangenen schon so dezimiert waren, war dann kein Zaun mehr. Aber der Block 7 hatte vorne eine Mauer. Vorne war eine große hölzerne Türe, und an der Rückseite der Baracke war auch eine hohe Mauer. Also er war isoliert von der Baracke 8. Und diese Baracke hat für die geschwächten Häftlinge gedient. Und der Stand auf dieser Baracke war manchmal 1.200 bis 1.400.

 

Vorsitzender Richter:

Häftlinge, die dort drin waren.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Häftlinge, von denen die Hälfte auf der Baracke lag. Die andere Hälfte, da kein Platz war, lag auf dem Hof, schon ohne Behandlung, und wartete auf die Selektionen und auf den Transport ins Krematorium.

 

Vorsitzender Richter:

Also diese Leute, die dort untergebracht waren in Baracke 7, die waren zunächst einmal bestimmt dafür, daß sie mehr oder weniger in die Gaskammer kommen sollten? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Immer.

 

Vorsitzender Richter:

Sind denn auch Leute dort wieder ins Lager zurückgekommen? Ich will mal sagen, die sich also wieder ein bißchen rausgemacht haben.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es waren auch solche. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Was haben Sie denn dort in dieser Baracke für eine Tätigkeit gehabt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Von Anfang an hat dort jeder alles gemacht. Ich bin dort geblieben nach einer Selektion als...

 

Vorsitzender Richter:

Helfer?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Als Helfer.

 

Vorsitzender Richter:

Pfleger? Leichenträger?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Alles in einer Person. Und später habe ich noch zugeteilt gehabt durch den Blockältesten Mordarski die sogenannte Leichenhalle, die am Ende des Lagers war bei der Umzäunung bei Baracke 25, die auch dazugehört hat zu dieser Baracke 7. Das heißt, die Leichen von dem Lager hat man gesammelt in der Leichenhalle. Die gehörten nicht zu dem Stamm der Baracke 7. Also die Baracke 7 hat ironisch geheißen Isolierstation oder Krankenbau, aber es war keine...

 

Vorsitzender Richter:

Keine ärztliche Hilfe da.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Keine ärztliche Hilfe und keine Arzneien. Und es war in der ersten Zeit so, daß jede 14 Tage, so glaube ich, also in 10, 14, 18 Tagen, die gesamten Transporte in die Gaskammer transportiert waren. Später, Ende des Jahres und dann Anfang 43, waren schon öfter diese Transporte. Manchmal ist es auch zweimal in der Woche passiert, daß man den Block 7 »gereinigt« hat bis auf manche Häftlinge. Das heißt, in der Zeit, in der ich dort war, kann ich sagen, daß etwa 30.000 Häftlinge von Block 7 in die Gaskammer ausgesucht wurden. Ich habe gemacht dort den Leichenträger, eine Zeit den Schreiber und eine Zeit einen sogenannten Pfleger. Und ich bin auch in die Küche gefahren um die Suppe und das Brot. Also ich habe keine [eindeutige] Funktion gehabt. Meistens war ich aber der Leichenträger und...

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie mal bitte, wie lange blieben Sie denn in dieser Baracke 7?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Bis zur Übersiedlung auf den neuen Bauabschnitt IId. Ganz sicher kann ich es nicht sagen, ob es war Ende Juni oder Anfang Juli 43, wie der Bauabschnitt Ib durch die Frauen dann belegt war. Es war im Sommer 43, als das ganze Lager übersiedelt wurde auf den neuen Bauabschnitt IId.

 

Vorsitzender Richter:

Und kamen Sie da wieder in eine Baracke Nummer 7, oder hatte die jetzt einen anderen Namen? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Einige Tage war ich angestellt auf dem Planierungskommando, und nach ein paar Tagen kam ich als Schreiber auf Baracke 9. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatten Sie dort zu tun? War das einfach ein Blockschreiber?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ein Blockschreiber, und das war, wie man sagt, eine normale Baracke, besetzt mit Häftlingen, die in der Arbeit

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zur Arbeit gingen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Zur Arbeit gingen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie Sie nun auf Baracke 7 waren, haben Sie uns erzählt, waren wiederholt Selektionen, das heißt, man suchte Leute aus. Und was geschah denn mit den Leuten?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also die Praxis war so, daß zu der Baracke 7 Lastwagen gekommen sind. — V prevažnej väcšine.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Prosím?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

V prevažnej väcšine.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Die überwiegende Mehrzahl.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Die überwiegende Mehrzahl waren schon tote Häftlinge, die wir auf den Lastwagen schmeißen mußten, und den Rest hat man müssen auf die Lastwagen [+ bringen] bei der Assistierung der SS-Ärzte, manchmal der Sanitätsdienstgehilfen und manchmal auch gewöhnlicher SS-Leute, die dort assistiert haben. Man hat müssen noch einschreiben die pünktlich die Nummer. Und dann sind sie gefahren im Jahre 42 nach Auschwitz in die Gaskammer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und haben Sie das verfolgen können, daß die in die Gaskammern fuhren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wir haben müssen die Karteikarten abgeben auf der Hauptschreibstube mit der Anordnung, daß wir noch außerdem von Baracke 7 auch Totenmeldungen schreiben müssen. Und die selbst haben die Diagnose auf manche Totenmeldungen schreiben müssen, bei dem mir der Blockälteste sagte sechs oder sieben Diagnosen, die auf diese Totenmeldungen geschrieben seien. Das heißt, es war Phlegmone, Flecktyphus und die letzte Zeit Epidemie, Malaria, Dysenterie, es waren solche angeordneten sechs oder sieben Diagnosen. Das heißt, diese Leute waren abgeschrieben vom Stand des Lagers, und es war doch ganz klar, wo die Leute geendet sind.

 

Vorsitzender Richter:

Wie wurde denn nun bei dem Abtransport dieser Häftlinge verfahren? Zunächst, wer hat denn entschieden, wer hat selektiert, und wann wurde denn selektiert?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wenn ich mich ganz klar ausdrücken kann, es handelte sich nicht um eine Selektion, da an der Baracke 7 nur etliche Häftlinge blieben. In der ersten Zeit waren es die SS-Ärzte Doktor Thilo und Doktor Rohde, die alle Häftlinge vor Baracke 7 rausgejagt haben. Ich glaube, daß in der Zeit, als ich dort war, bloß diese zwei Ärzte einmal die Isolierstation angeschaut haben. Sie war in so einem Zustand und so einer Lage, daß sie sich vor den Mund Taschentücher gehalten haben , da es so ein Gestank von Chlor und von Blut war, daß niemand von den SS-Leuten hinein in die Baracke gehen wollte. Ich glaube, wegen Ansteckung, oder sie wollten nicht das sehen, was sie dort verübt haben.

Also sie haben herausgejagt alle diese Häftlinge und: »Los!« und »Los!« und »Los!« Sie haben nicht die Zahl bestimmt, manchmal hing es nur so davon ab, wie viele Lastwagen dort waren oder was für ein Bestand dort war. Oder daß das Lager von den schwachen Häftlingen so überfüllt war, daß man hat müssen die Isolierstation, den Block 7, leer machen wegen den andere Häftlingen. Also die Selektion war so, daß sie nur bestanden hat aus dem Herausjagen und Heraufjagen auf den Wagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war da Befehlshaber? Also wer hat das da angeordnet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In der ersten Zeit, wie ich gesagt habe, Herr Vorsitzender, das waren Doktor Thilo und Doktor Rohde.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch noch andere SS-Leute dabei feststellen können, etwa Sanitätsdienstgrade oder...

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Später, es war im Frühjahr, habe ich erkannt und gesehen dort Sanitätsdienstgrade und auch gewöhnliche SS-Männer, da schon die Ärzte damit nichts zu tun haben wollten. Und die Praxis war später schon so, daß sie bloß gefragt haben, was für ein Stand auf Baracke 7 ist. Und zum Beispiel, wenn man 1.100 war, haben sie nur angeordnet also 1.000. Es war schon keine Rede mehr von Selektionen. Und ich denke an den Angeklagten Klehr, der schon oft im Jahre 43 im Frühjahr zu dieser Isolationsstation gekommen ist mit anderen SS-Männern, die nur assistiert haben. Die Aktion sollte schnell durchgeführt werden.

Und ich denke an einen Fall, da auf der Baracke 7 zufälligerweise bloß 610 Häftlinge waren und der Angeklagte Klehr persönlich gesagt hat: »600«. Es war sehr schwer, weil auf der Baracke waren auch ziemlich gesunde Häftlinge, hauptsächlich polnische politische Häftlinge, die man dort einige Zeit versteckt hat. Am Wagen waren [599] abgeschriebene Häftlinge, und wir mußten stehen vor der Baracke, außer dem Blockältesten Mordarski, in einer Reihe, und der Angeklagte Klehr hat lange unsere Reihe durchgeschaut. Sind wir dagestanden, also zehn außer dem Blockältesten, und er hat noch einen gebraucht zu der Zahl der 600. Hat ausgesucht einen französischen Arzt nur wegen einer Kleinigkeit, der einen Furunkel am Hals gehabt hat, und hat ihn in die Gaskammer geschickt als vollendete Nummer 600. Den Angeklagten habe ich auch daher gekannt: Wenn dort gesunde Häftlinge waren, war in der Baracke 8 Isolierstation, also ein Krankenbau, bessere Bedingungen wie in der Isolierstation. Und von Baracke 8 hat geführt ein kleines Türchen auf den Hof zum Block 7, und dort war eine kleine — strecha?

 

Dolmetscher Schamschulla:

Dach.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ein kleines Dach, wo die Leichen waren. Und von Block 8 hat man die durch Phenolinjektionen Getöteten herausgeschleppt auf Block 7. Es war so, daß man hat schon nicht müssen assistieren, also alles waren geschwächte und tote Häftlinge, die man auf die Lastwagen geladen hat. Bei den Assistierungen beim Block 7 waren viele SS-Männer, weil in der späteren Zeit haben diese SS-Ärzte mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun haben wollen. Das heißt, ich will klarmachen, daß Birkenau so ein Lager war und genauso die Isolierstation, daß dort jeder eine solche Macht gehabt hatte, daß er auf eigene Faust in dem Block 7 Anordnungen geben kann.

 

Vorsitzender Richter:

Was er wollte. Ja, Herr Zeuge, jetzt würde mich folgendes interessieren: Sie haben uns vorhin gesagt, im Frühjahr 1943, da kam Klehr und hat auch Selektionen durchgeführt. War er da ganz dort, oder kam er nur zum Zwecke dieser Selektionen? Verstehen Sie, was ich meine? Also ob er dauernd dort war im Block 7 oder in Block 8, oder ob er nur hinkam, wenn er diese Leute aussuchen wollte und bestimmen wollte, und dann wieder wegging.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es waren Intervallzeiten, weil bis sich die Baracke 7 wieder gefüllt hat mit Häftlingen, sind oftmals eine Woche, zehn Tage und 14 Tage vergangen, bis es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und da war er nicht da?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Da hat er kein Interesse an der Baracke 7 gehabt von dem Standpunkt als SDG oder als Arzt, oder die Bedingungen, daß die Leute sterben ohne Arzneien und bloß auf den

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun sagen Sie, wissen Sie, wo Klehr eigentlich damals beschäftigt war, im Frühjahr 43?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Na, es hat geheißen, daß über Birkenau hat das — rozhodovanie.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Sie haben zu entscheiden.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Entscheiden, daß Auschwitzer, wie die SDG, wie die Politische Abteilung, haben auch die Macht über Birkenau. Wir haben in Birkenau keinen selbständigen SDG und keine Politische Abteilung gehabt. Ich kann deduzieren, daß er zu den SDG in Auschwitz dazugehörte, und ich habe ihn auch oftmals gesehen, wie er nach dem Frühjahr 43, als die Krematorien gestanden sind, auf der Straße zu den Krematorien gegangen ist und wieder zurück. Seine Funktion, was er dort gemacht hat, kann ich nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Das war im Frühjahr

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Beweisen, ich kann ja nur deduzieren, was er dort gemacht hat.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Frühjahr 43?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Frühjahr 43.

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie ihn zum Krematorium gehen sehen und wieder zurück. Nun, wissen Sie, ob er auch dort irgendwie sich betätigt hat bei den Vergasungen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, das weiß ich nur, wie ich — ako som bol po ucený.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Wie ich belehrt wurde.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe gehört von den Häftlingen, die dort gearbeitet haben, daß er auch Manipulationen bei den Vergasungen [+ vorgenommen hat]. Das weiß ich von dem Häftling, der mit mir nach Auschwitz gekommen ist und der im »Sonderkommando« angestellt war, wenn man so sagen kann, dem Filip Müller. Der war in meinem Transport, mit dem ich nach Auschwitz gekommen bin 1942, und hat das Krematorium überlebt. Konkret kann ich nichts sagen, also wir haben es deduziert nur so. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Wieso haben Sie denn nun den Namen dieses Mannes erfahren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Des Angeklagten? Durch den Blockältesten, glaube ich. Es war so, daß auch durch diesen Blockältesten und durch die Häftlinge, die am Block 7 waren, ich den Namen erfahren habe. So wie von Doktor Thilo und von Doktor Rohde, so haben wir erfahren den Namen von jedem SS-Mann, der sehr exponiert und selbständig gehandelt hat. Und ich glaube, ein Jahr nach unserer Verhaftung haben wir uns doch interessiert, so wie von den Pansegrau, Stiwitz, Palitzsch und so weiter, also die sehr initiativ waren. Ich kann überhaupt nicht sagen die Namen von einem gewöhnlichen Blockführer oder Rottenführer. Aber diese Leute, die ständig gekommen sind oder die eine Funktion gehabt haben, Sudeten, [+ da] war es doch ganz klar, daß wir den Namen dieser SS-Männer behalten haben.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben ihn gehört schon damals, wie Sie im Lager waren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

»Es kommt der SDG Klehr.«Es war schon genug

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Jetzt kommt der

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Wenn man diesen Namen und SDG gehört hat. Ja und...

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie auch irgendwie einmal Wahrnehmungen gemacht, daß er bei Ihnen Leute mit Phenolinjektionen getötet hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auf Baracke 7 habe ich es nicht gesehen, es war in Baracke 8, wie ich schon erwähnt habe. Dort, glaube ich, im Frühjahr 43 ist sehr oft Doktor Mengele hingekommen mit seinem polnischen Assistenten, das war der Doktor Zenkteller. [...] Ich glaube, es war ein polnischer Major. Nun, nachher habe ich dort oft selbst den Angeklagten Klehr gehen sehen. Und von Block 7 haben müssen die Häftlinge geschleppt werden. Ich erinnere mich an zehn griechische Juden, die in Verdacht waren, Malaria zu haben, die Phenolinjektionen bekommen haben und denselben Tag mit anderen toten und halbtoten Häftlinge in die Gaskammer gegangen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht in die Gaskammern, sondern in die Krematorien wohl, nicht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In die Krematorien [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, daß Klehr aber derartige Injektionen gemacht hat, das haben Sie nicht feststellen können?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nicht feststellen können, aber ich habe wieder nur deduziert, daß es niemand war von den Ärzten und von den SDG als er. Man hat die – und ich selbst war auch dabei – griechischen Juden hingeführt vor Block 8 und dann durch die kleine Tür auf Block 7 nach einer Pause hingeschleppt. Also nach der Logik kann ich nur beweisen, daß niemand dort war.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Herr Zeuge, Sie haben uns aber grade eben gesagt, Sie hätten hingehen sehen den Doktor Mengele und den polnischen Arzt Doktor Zenkteller. Sie haben nicht gesagt, daß Klehr hingegangen ist. Können denn die nicht die Injektionen gemacht haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe mich so geäußert, daß ich oft Doktor Mengele mit Doktor Zenkteller gesehen habe. Aber oft habe ich auch gesehen selbst den Sanitätsdienstgrad Klehr ohne diese zwei dort in den Block gehen.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ohne die zwei. Und auch da, wenn Sie den Klehr alleine haben dort gesehen, hat man nachher die Leichen herausgebracht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, vom Block 8 durch die kleine Türe, in dem kleinen Dach in dem Winkel waren schon Leichen, die man da zusammengestaffelt hat, und von dort hat man wieder die Toten von Block 8 an Block 7 [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und haben Sie die Leute selbst dorthin geführt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es waren mehrere. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie haben sie auch mit hingeführt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und da wissen

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Und ich habe müssen auch von den Leuten, die zum Transport in die Gaskammer gingen, vielmals die Nummer abschreiben und bin bei dem Lastwagen gestanden und mußte bloß pünktlich abschreiben die Nummer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wenn Sie die Leute dorthin geführt hatten, da haben Sie bei den vier Malen gesehen, daß Klehr allein dort war. In Block 8, wie Sie diese Menschen hingeführt haben, die nachher

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Also ich habe ihn gesehen hereingehen, und ich habe ihn gesehen herausgehen. Ob inzwischen jemand anderer, ein dritter, dort war, nicht. Aber in der Zeit waren dort nicht mal Mengele und nicht mal Doktor Zenkteller. Es war selbst der Angeklagte Klehr dort damals. Und der auch die Selektionen, wenn man es so nennen kann, selbständig an Baracke 7 gemacht hat.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Sie haben uns ja die beiden Fälle da erzählt, wo es einmal 610 waren, und er hat gesagt 600, und wo es einmal 599 waren, und er hat noch einen dazu

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Das waren circa 30 gesunde Häftlinge, die nur dort auf zwei, drei Tage gekommen sind, um sich zu verstecken. Und er hat gesagt: »Wo ist die Nummer 600?« Das war die Zeit, wie ich die Totenmeldungen unterschrieben habe. Weil der Blockälteste nicht wollte unterschreiben diese Totenmeldungen, habe ich geschrieben in Vertretung des Blockältesten. Und ich habe damals wieder gemäß den sechs Diagnosen diese 600 Tote differenzieren müssen: Phlegmone, Dysenterie und so weiter. Und später war es auch so, daß es war bewilligt zu schreiben auf die Totenmeldungen: »Auf der Flucht erschossen«.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, sagen Sie bitte, haben Sie dort in dem Lager auch noch andere Angeklagte kennengelernt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, ich möchte von der Historie noch den Block 7 [+ erwähnen]. Bei diesen Selektionen, diese langen Monate, waren dort Hunderte SS-Männer. Die haben assistiert und zugeschaut bei diesen Selektionen, angefangen von Blockführern und geendet mit Rapportführern. Ich glaube, es war für sie ein sehr schönes Theater. Je mehr sie dort waren, desto schneller ist die ganze Aktion gegangen.

Von den Angeklagten war dort [Pause] Wilhelm Boger, der zur Politischen Abteilung Auschwitz gehört hatte, den ich gekannt habe auch davon, daß er manchmal mit der Liste p olitischer Häftlinge von Auschwitz auf die Hauptschreibstube gekommen ist und mit dem Namensverzeichnis der polnischen Häftlinge. Wenn zum Beispiel eine Sabotage wie in Lublin oder Posznan, in Kraküw oder in Warschau passiert ist, waren Repressalien, daß politische Häftlinge, die geboren sind oder wohnhaft waren in Lublin oder Kraküw, nach der — podla rozhodnutia.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Entscheidung.

 

Vorsitzender Richter:

Daß Geiseln

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Nach der Entscheidung der Politischen Ab teilung zum Beispiel 200 Kraküwer oder Lubliner oder 300 [+ herausbefohlen wurden]. Und es waren vielmals diese Häftlinge auch auf Baracke 7. Es waren nicht viele, es waren drei oder vier Häftlinge von Kraküw, die dort waren. Hat man sie vorne müssen rufen zu der Blockführerstube und mit den Karteikarten dort stehen lassen. Und am Abend waren sie abgeschrieben [+ mit der Begründung], daß das die Repressalien sind. Wir haben es gewußt, daß ausgehend von dieser Aktion in Lublin oder in Kraküw od er in Warschau etwas passierte. Das war sehr oft, wie der gekommen ist. Und der Angeklagte war auch sehr oft bei der Ladung auf die...

 

Vorsitzender Richter:

Lastwagen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Lastwagen. Und von den Angeklagten war dort, ich weiß nicht, in was für einer Funktion, der Angeklagte Baretzki, der bloß dem SS-Mann assistiert hat. Also, es waren dort Hunderte und Hunderte SS-Männer in der Zeitspanne bis Juni oder Juli 43, die dort das Theater beguckten und assistierten, damit es bloß schneller geht und schneller und schneller und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, Sie haben also Boger nur gesehen, wenn er da geholfen hat bei dem Beladen dieser Wagen, oder wenn zum Beispiel Sabotageakte vorgekommen waren, wenn er dann Leute aus der Umgebung dieses Ortes herausgesucht hat als Repressalie?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, er war bekannt auch deshalb, weil er, wenn Exekutionen in Birkenau waren, das heißt Exekutionen zum Beispiel wegen Flucht oder Exekutionen, die von noch höheren Institutionen veranlaßt waren, also Leute zum Tode verurteilt waren und vor der Küche in Birkenau zwei oder drei Galgen aufgebaut waren, der Exekutionsleser war. Wenn es also hieß »im Namen des Reichsführers« und so weiter und so weiter, war es der Angeklagte Boger, der immer diese

 

Vorsitzender Richter:

Der es verlesen hat.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Verlesen hat. Und das war in vielen, vielen Fällen. Und hauptsächlich von Januar 44 ab habe ich ihm näher kennengelernt, da im Januar 44 die — út eky boli castejšie. [...]

 

Dolmetscher Schamschulla:

Die Kontakte waren häufiger.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Úteky. [...]

 

Dolmetscher Schamschulla:

Es waren mehr Fluchtversuche.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Also im Januar 44 gab es mehrere Fluchtversuche. Also es war eine Etappe, eine Psychose, in der viele Häftlinge versucht haben zu flüchten. Also das war, kann ich sagen, alle zehn, 14 Tage jedesmal ein Zeremoniell vor der Küche. Ich denke an die letzten zwei vor meiner Flucht. Es war im März 44, wie der Angeklagte fünf Häftlinge, die »auf der Flucht erschossen« waren, zwischen der Schreibstube und der Kapelle und zwischen dem Tor auf fünf Stühlen diese fünf erschossenen Häftlinge sitzenließ. Wir haben müssen, 12.000 Häftlinge, x-mal vor diesen fünf erschossenen Häftlingen im Parademarsch vorbeigehen.

Und die letzte Flucht, wie ich war bei der Exekution, war so, daß ein polnischer Jude von der Effektenkammer mit einem polnischen Major mittags bei der Blockführerstube gefangen wurde, und man hat bei ihnen gefunden eine große Summe Geld. Das war im März 44. Diese zwei Häftlinge haben gearbeitet im Effektenblock in Birkenau, BIId. Dort war ein Magazin mit Klamotten, wie sie es haben genannt, an der Baracke 15. Wie immer sind sie mittags gefahren mit dem Wagen mit den Klamotten nach Auschwitz, Stadt Auschwitz. Und bei dieser Gelegenheit wurden sie beim Tor gefangen mit dieser Summe Geld und gleich ins Strafkommando gegeben. Erstens sind sie gestanden angezeigt bei der Blockführerstube. Und am selben Tag wurden sie zum Tode verurteilt wegen Fluchtverdacht und deswegen, weil sie mit vielen Valuten und vielen Wertsachen flüchten wollten. Und wieder hat der Angeklagte Boger dieses Verdikt allein vorgelesen. Und bei dieser Gelegenheit waren noch an der Baracke 11 – das war das Strafkommando – vier Flüchtlinge, die vor denen gefangen wurden und damals in der Strafbaracke eingesetzt waren. Und die waren ebenfalls bei dieser Zeremonie. Es sind gewesen vier jüdische Häftlinge, die geflüchtet sind. Aus irgendwelchen Gründen waren sie nicht erschossen oder gehängt worden. Aber sie waren bei diesen Zeremoniell. Und damals sind circa 12.000 Häftlinge gestanden bei den Galgen, als sie die zwei Häftlinge, den Mietek und den polnischen Major, gehängt haben. Also es war so, daß es Mittag war, und am selben Tag war schon die Exekution ausgeführt. Hauptsächlich von Januar bis April, bis zu meiner Flucht, kann man sagen, waren circa 30 oder 40 Fluchtversuche, die immer endeten unter dem Galgen. Oder es hieß: »Auf der Flucht erschossen«, oder die Geflüchteten wurden im Bunker durch Quälen und bei der Untersuchung getötet.

Wenn ich darf noch weiter von dem Angeklagten reden, es waren etliche Transporte, bei denen er assistiert hat, und zwar bei der Liquidierung des Theresienstädter Lagers am 9. März 44, wie alle Straßen gesperrt waren und man den tschechischen Transport von 8. März auf 9. März, über 3.800 gesunde Leute, vergast hat. Dann war ich als Schreiber auf Block 9 anwesend bei einer solchen Sache: Auf der Baracke waren zwei Zigeuner, Kroaten, die gefehlt haben beim Appell und unglücklicherweise, wie man so sagt, im Waschraum waren, versteckt. Man hat sie nicht gefunden, und deshalb hat der Appell so lange gedauert, bis die Politische Abteilung zu Hilfe gekommen ist. Es hat sich schon genähert zu Mitternacht. Da ist der Angeklagte gekommen, weil er so gute Ergebnisse gehabt hat in der Untersuchung, und inzwischen ein paar Minuten vor dem hat man diese zwei Häftlinge im dem Waschraum gefunden. Der Blockführer von meiner Baracke hat gemeldet dem Angeklagten, und der hat ironisch gesagt: »Also wasch sie dort gründlich ab.« Der Blockführer hat diese zwei Zigeuner erschossen. — Proste na ironický príkaz obžalovaného. — Auf den ironischen Befehl des Angeklagten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, auf den Befehl des Angeklagten Boger wurden die beiden Leute erschossen, die sich da im Waschraum versteckt hatten?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar unmittelbar, nachdem sie gefunden worden waren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Unmittelbar, es hat sich genähert zu Mitternacht schon, und das Lager war [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Sie haben nur gehört, wie er gesagt hat: »Wasch sie richtig ab«?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

»Wasch sie richtig ab«, das habe ich gehört, und dann habe ich mit zwei oder drei anderen, die Dienst gehabt haben am Block 9, die Toten müssen vor die Baracke legen, da sie zum Stand der Baracke 9 gehörten. An den Namen des Blockführers kann ich mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nicht mehr. Ja, nun noch etwas anderes: Kannten Sie einen Lagerältesten Mietek? Oder nannten Sie nicht den Namen Mietek? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Lagerältesten, Blockältesten? Nein, nein. Von dem ich als Mietek gesprochen habe, das war einer von Polen, einer von Krakau, konkret ein Schneider. Und der polnische Offizier war auch ein Krakauer, und die haben zusammen gearbeitet in der Effektenkammer. Das ganze Kommando hat bestanden aus circa drei oder vier von diesen. Dort war ein deutscher Häftling. Er war Regisseur in der deutschen Ufa damals, oder wie es geheißen hat, und der war der Chef der Effektenkammer des Blocks 15. Dort waren die Klamotten. Und die zwei Häftlinge sind zu dem Geld so gekommen: Bevor man die Kleidungsstücke abgeliefert hat, hat man müssen durchsuchen die Kleider, und dort hat man [+ Geld] gefunden in so vielen Klamotten. Da haben sie sich zusammengespart so viel Geld, daß sie sich gedacht haben, daß das auf der Flucht wird ihnen helfen und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

So, bevor wir nun uns noch mit anderen Angeklagten befassen, Sie haben vorhin den Namen Baretzki genannt, da müssen wir noch etwas darüber sprechen. Und kennen Sie auch sonstige Leute noch von der Politischen Abteilung?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Im Zusammenhang mit Block 7, oder?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, überhaupt. Vielleicht im Zusammenhang mit dem Zigeunerlager?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vom Zigeunerlager habe ich nicht mehr so viele

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Erinnerung mehr.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Erinnerungen, da ich am 7. April geflüchtet bin. Aber ich habe Erinnerungen an den Angeklagten Broad, gegen den ich auch ausgesagt habe, an den ich mich selber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Broad.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

An den ich mich erinnere, da wir im selben Alter fast waren, also er, der Mörder, und ich, das Opfer.

 

Vorsitzender Richter:

Na, da wollen wir nachher nach der Mittagspause drüber sprechen, wir wollen jetzt

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

in der Vernehmung des Herrn Wetzler. Herr Wetzler, Sie hatten heute vormittag damit angefangen, uns zu erzählen, daß Ihnen Pery Broad bekannt sei. Wollen Sie uns doch bitte einmal sagen, woher Sie ihn kennen und bei welcher Gelegenheit Sie ihn beobachtet haben.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also physisch habe ich ihn das erste Mal gesehen im Dezember 42. Es war eines frühen Morgens, daß das »Sonderkommando« nicht ausgerückt ist zur Arbeit. Frühmorgens habe ich erfahren, daß sie verraten worden waren und unter Fluchtverdacht standen. Dieses »Sonderkommando« mit einer Stärke von 300 Mann war in der Baracke Nummer 21, glaube ich, damals untergebracht. Sie rückten nicht in die Arbeit, frühmorgens haben sie sie rausgejagt aus der Baracke. Inzwischen habe ich bekommen einen Brief von einem Häftling dort von dem »Sonderkommando«, ich soll ihn übergeben seiner Schwester, daß er sich von ihr verabschiedet. Und später sind gekommen viele SS-Männer und haben diese 300 Häftlinge vor der Baracke auf die Straße gestellt. Ich weiß nicht aus welchen Gründen. Ich bin mit dem Brief, habe ihn versteckt, auch mit einem Stück Wäsche in die Leichenhalle. Ich weiß nicht aus welchen Gründen, 15 Häftlinge von diesen 300 wurden herausgenommen. Ich habe gesehen den Angeklagten mit Palitzsch und Stiwitz, wie sie kamen zur Leichenhalle. Sie sagten mir, ich soll die Leichenhalle verlassen. Ich kam zurück zu der Straße und habe beobachtet, was mit den 15 Häftlingen wird, die zu der Leichenhalle geführt worden waren, und mit dem Rest der Häftlinge, die noch nicht ausgerückt waren zur Arbeit.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, das habe ich jetzt nicht ganz verstanden. Also zunächst, habe ich Sie richtig verstanden, daß das am 10. Dezember gewesen sein soll, 1942?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

1942. Ich habe mich nicht geäußert: am 10. September

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Dezember 1942. Und da waren Sie damals wo?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich war damals am Block 7 noch immer und zugeteilt zu der Leichenhalle.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Noch immer Block 7 im Lager b.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

BIb. [...]

 

Vorsitzender Richter:

BIb. Und da habe ich Sie nun so verstanden: Eines Morgens sind die Häftlinge des »Sonderkommandos« nicht ausgerückt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und da hat man 300 Häftlinge verhaftet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vor der Baracke...

 

Vorsitzender Richter:

Das ganze Kommando, und 15... [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das war nicht das ganze Kommando, das war eine Schicht von dem Kommando. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und 15 von diesen 300...

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Hat man

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In die Leichenhalle

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Geführt.

 

Vorsitzender Richter:

Geführt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich weiß nicht den Zweck, weil es waren da zwei Burschen aus meinem Heimatort. Ich weiß nicht, warum man eben diese 15 rausgesucht hat. Sie waren keine Vorarbeiter, also keine wichtigen Häftlinge. Ich kam von der Leichenhalle raus und war da auf der Straße und habe beobachtet beide Seiten. Vor mir, also auf der rechten Seite, sind gestanden die 285 Häftlinge, und dort waren die 15 Häftlinge. Und zu der Leichenhalle kamen Palitzsch, Stiwitz und der Angeklagte.

 

Vorsitzender Richter:

Welcher Angeklagte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Broad. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben die getan?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also es war ein großes Haus, das haben sie doch gefüllt mit den 285 Menschen, die im »Sonderkommando« gearbeitet haben. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also, Sie sagten, auf der einen Seite standen 285.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Auf der andern Seite die 15.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das war schon bei der Leichenhalle, das war die Ecke des Lagers. Es waren dort viele SS-Männer bei den 285, da es um so ein Kommando gegangen ist, das nichts zu verlieren hatte. Sie haben sich gefürchtet vor einer Rebellion oder einem Aufstand. Sie wollten sich nicht formieren lassen. Und dann sind noch mehr SS-Leute gekommen, und sie haben die 285 auf der Straße nach Auschwitz abgeführt. Die 15 Häftlinge haben diese drei, die ich genannt habe, erschossen vor der Türe der Leichenhalle.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat das gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wie ich gesagt habe, das waren Palitzsch, Stiwitz und der Angeklagte.

 

Vorsitzender Richter:

Die drei haben die 15 Leute erschossen?

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Die haben sie erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben da mittlerweile die andern 285 gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Man hat die abgeführt nach Auschwitz. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Da waren bei dem Abführen Broad, Stiwitz und Palitzsch nicht dabei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, sie haben die Sache fertiggemacht, und sie sind nachher gegangen. Sie haben nichts mehr im Lager zu tun gehabt. Ob sie sie haben geführt bis nach Auschwitz, das kann ich nicht sagen. Sie haben das Lager verlassen.

 

Vorsitzender Richter:

Waren denn die 285 noch da, als die 15 erschossen worden sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Die standen noch?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, ja. Es hat sehr, sehr lange gedauert, bis sie sie formiert haben und bis sie sie auf diesem Weg abgeführt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie haben selbst gesehen, wie man die 15 umgebracht hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Erschossen hat? Oder haben Sie sie hinterher nur als Leichen gesehen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, ich habe gesehen, wie sie geschossen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wie sie geschossen haben? [...] Womit haben sie denn geschossen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich bin kein Fachmann für Gewehre.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Gewehren oder mit Pistolen oder?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie haben getragen, hauptsächlich Palitzsch, Stiwitz, das ist ganz bekannt, auf dem Arm solche, ich weiß nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Kleinkalibergewehre, ja?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl. Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er sagt, so kleine.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also auf dem Arm, und es war so lang, aber es war so ein kleines. Wie ein kleiner Automat hat es ausgeschaut.

 

Vorsitzender Richter:

Wie groß war es denn ungefähr? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es war so lang. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nicht länger? [...] Für ein Gewehr ist das eigentlich sehr kurz.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ich kann es nicht schildern, weil ich habe es nicht beobachtet. Ich habe mich nie für Gewehre interessiert.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie das um die Schulter getragen, wie Sie eben gezeigt haben? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Das hatten Sie mitgebracht und haben die 15 Menschen da erschossen und nachher die 285 abgeführt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das waren die anderen, das andere Kommando von der SS, die sie abgeführt haben, die 285.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und Broad und Palitzsch und Stiwitz sind hinterhergegangen, oder wie?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das haben sie fertiggemacht und sind weggegangen aus dem Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war, wie Sie sagten, im Dezember 1942.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

42 wurde das erste »Sonderkommando« mit slowakischen Häftlingen gebildet. Hauptsächlich aus Häftlingen aus meinem Transport, hauptsächlich mit der Nummer 36.000, die von Lublin zurück nach Auschwitz kamen, bestand dieses »Sonderkommando«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und Sie wissen gar nicht, was den Häftlingen vorgeworfen worden ist, die da erschossen worden sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein. Es war mir damals ein Rätsel, und heute ist es mir weiter ein Rätsel, warum

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber in Preßburg bei ihrer Vernehmung haben Sie den Grund angegeben. Sie haben damals gesagt: »Anfang Dezember 42 beteiligte sich der Genannte an einer Liquidierung des ›Sonderkommandos‹, das wegen Fluchtversuch«, in Klammern: »300 Häftlinge, liquidiert wurde.«2

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das habe ich doch auch jetzt gesagt, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich weiß ja nicht, warum haben Sie abgeteilt die 15 von den 300.

 

Vorsitzender Richter:

Ach, das wissen Sie nicht? Aber im übrigen sind sie auch

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Sie wurden verraten, diese Burschen, daß sie wollten an diesem Tag, da Transporte aus Holland gemeldet waren, die Gelegenheit zur Flucht ergreifen. Und der ganze Verrat ist so herausgekommen, daß es auch andere Häftlinge erfahren haben, daß sie wollen flüchten, und sie haben doch nicht können mehr nehmen als das Kommando stark war, nämlich 300. Also aus diesen Differenzen ist es entstanden, daß es verraten wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie gehört, was aus den 285 geworden ist? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das habe ich gehört von den Auschwitzer Häftlingen, daß sie liquidiert wurden in Auschwitz durch Injektionen oder...

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Im Krematorium. Das habe ich gehört also. Sie wurden liquidiert, das war mehr wie sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie wissen also nicht, wie sie umgebracht worden sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Und Sie wissen auch nicht wo?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nur so, wie ich es gehört habe.

 

Vorsitzender Richter:

Im Krematorium mit Spritzen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

So habe ich es gehört. [...] Es war sechs Kilometer entfernt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, sagen Sie mal, haben Sie den Angeklagten Broad sonst noch irgendeinmal beobachtet in dem Lager?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er ist sehr oft gekommen mit dem Angeklagten Boger beim Aufbau der Krematorien im MärzApril, also das ganze Frühjahr und Sommer 43, um zu kontrollieren, wie die Arbeit dort geht, als Politische Abteilung, ob dort nicht etwas gegen oder – — odboj, ci sa tam nerobí nieco nezáko nného. [...] Dolmetscher Schamschulla:

[Widerstand.]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es war bekannt von dem Angeklagten, daß er auch in Häftlingskleidern unter die Häftlinge gegangen ist. Das war ganz bekannt. Und dann habe ich ihn gesehen, als er ein paarmal mit dem Angeklagten Boger im Lager [+ war], noch in BIb und BIIb. Mit was für Instruktionen und mit was für — poslanie.

 

Vorsitzender Richter:

Aufträgen und was für

 

Dolmetscher Schamschulla [unterbricht]:

Sendungen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Was für Sendungen, das war nicht bekannt. Also die Politische Abteilung hat dort viele, viele Angehörige gehabt, aber sie sind immer gekommen, wenn zum Beispiel Fluchtverdacht war oder Inspektionen waren, auch unter den SS-Männern. Man muß verstehen, vor der Politische Abteilung haben auch die SS-Männer Angst gehabt.

Es war eine solche Hierarchie dort, daß oftmals die SS-Männer vor der Politischen Abteilung Respekt und auch Angst gehabt haben, weil es ist klar, daß viele Schmuggeleien und so weiter dort vorgekommen sind. Und sie haben sich gefühlt, diese SS-Männer von der Politische Abteilung, noch mehr nazistisch als die Gewöhnlichen, also [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und sagen Sie mal, haben Sie auch mal erlebt, daß Häftlinge ausgesucht worden sind zum Zwecke der Erschießung bei irgendwelchen Sabotageakten, die in Polen vorgekommen waren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auch das gab es. Das heißt, sie sind gekommen von der Politischen Abteilung mit der Liste, wie ich schon am Vormittag erwähnt habe. Es war von Polen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das haben Sie schon erwähnt. War da der Broad auch dabei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, er ist mitgekommen mit Boger. In der ersten Zeit war ich persönlich der Ansicht, er ist der Chef der Politischen Abteilung. Ich habe persönlich den Grabner nicht mal gekannt, wie ich [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie haben gemeint, Boger wäre der Chef der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Na ja, er war also so oft hier, und er hat solch einen Ruf gehabt, und er hat so alles dort dirigiert, daß zum Beispiel der [unverständlich] Angeklagte Boger, wenn ich kann zurückkommen zu diesem Angeklagten, zu der Schreibstube [+ kam], und hat gebracht Abertausende Listen zu der Schreibstube, zu dem Lagerschreiber Kazimierz Gork, mit sogenannten Entlassungsscheinen, die persönlich Boger gebracht hat.

Da es eine solche prompte und sehr große Arbeit war, diese Entlassungsscheine zu schreiben, haben sie zur Hilfe genommen von der Hauptschreibstube auch andere Schreiber. Und ich habe etliche Hunderte dieser »Entlassungsscheine« geschrieben. Vom Hauptbuch haben wir müssen schreiben die Namen, die im Hauptbuch schon [notiert] waren wie Tote. Also Entlassungsscheine für Häftlinge, die tot waren. Nun, jedesmal wenn Boger nach Birkenau kam, hat man immer etwas gespürt, daß etwas ist. Also die anderen, die neben Boger gekommen sind, sind mir vorgekommen – und auch heute scheint es mir so –, daß sie waren ganz unter seiner...

 

Vorsitzender Richter:

Gewalt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Gewalt. Und sie haben nicht so ein Recht gehabt wie er. Darum ist es mir auch so vorgekommen, daß der Angeklagte Boger der Chef der Politischen Abteilung ist. Zum Beispiel war er auch dabei, so habe ich erfahren, da ich in Kontakt war mit dem Hirsch, als es bei der Liquidierung des tschechischen Lagers so gekommen ist, daß die tschechischen Juden aus dem Theresienstädter Lager haben müssen schreiben zwei Tage vor der Vergasung nach Hause Postkarten. Wir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wann war denn das?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Circa am 5., 6. März haben diese müssen schreiben ohne Datum Postkarten nach Hause. Es gelang mir, zwei dieser Karten, ohne Datum, ohne Poststempel, die die Politische Abteilung dann nachher gestempelt hat, blanko, ohne Stempel, bei der Flucht mitzunehmen. Und ich hatte viel Arbeit, um die Leute zu überzeugen, mit denen ich gesprochen habe, daß diese vom 8. auf 9. März vergast worden sind. Weil auf den Postkarten war der Stempel vom 27. oder 25. April 1944. Also diese Maginationen haben sie gehabt, und ich habe gehabt Blanko-Karten von zwei vergasten tschechischen Häftlingen. Und sie haben gesagt: »Was erzählst du uns da hier, daß sie wurden am 9. März vergast. Sie haben uns doch geschrieben, mit Poststempeln von Birkenau bei Waldsee, und Post [unverständlich] bei Neu-Berun ist vom 24. März datiert.« Also solche Sachen hat der Angeklagte Boger gemacht. Ich weiß nicht, ob es seine Initiative war, solche Camouflagen zu machen, daß es soll nicht in der Welt herauskommen, was sich dort tat. Also wir haben es sehr, sehr schwer gehabt, dann mit Dokumenten zu beweisen, was sich dort in Birkenau tut.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, wieso wußten Sie den Namen von Broad?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe bemerkt am Anfang, daß ich ihn nach dem Namen nicht gekannt habe. Bei der Gelegenheit im Dezember 42 haben wir erkannt damals, als er schon öfters gekommen ist ins Lager, später, da war wieder für mich auffallend, daß er noch jünger war vielleicht als ich, ein junger Mensch, ein fescher Mensch. Und wer sich sehr oft dort gezeigt hat oder wer oft gekommen ist, waren solche wie Pansegrau, Kaduk, Stiwitz, Perschel, Baretzki. Also die waren sehr oft bei uns, also für einen alten Häftling war es doch nicht schwer, den Namen zu [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist auch der Angeklagte Baretzki öfter zu Ihnen gekommen? Sie haben es, glaube ich, eben gesagt, nicht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wenn ich mich erinnere an meine Aussage, habe ich gesagt, er war, wie man es nennen kann, Assistent bei der Isolierstation, bei dem Block 7. Er war bekannt auch dadurch, daß er bei jeder solcher »Sport«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Veranstaltungen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vorführungen war. Und er war auch bei einer großen Selektion anwesend, die am 8. Oktober, ich kann mich an den Tag erinnern, das war der große jüdische Feiertag 1943, bei dem ein Arzt angeordnet hat, eine große Selektion im Lager zu machen. Selbstverständlich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ein Arzt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Selbstverständlich unter den Juden. Ich erinnere mich an die Anzahl, es waren 800 ziemlich gesunde Häftlinge von 26 Baracken ausgesucht worden. Und im Monat Oktober gab es sehr viele Ereignisse. Damals kamen viele, viele Transporte, hauptsächlich aus den polnischen Ghettos. Das war dort ein Rummel, daß alle Krematorien gebrannt haben, bis auf eins, das damals nicht in Ordnung war. Und den Angeklagten Baretzki habe ich noch gesehen circa Ende Oktober. Das waren wieder, wie sie das genannt hatten, Repressalien für den erschossenen Rapportführer Schillinger3, der, glaube ich, Ende Oktober erschossen worden war im Krematorium. Also Repressalien haben sie wieder im Lager BIId gemacht, einen »Sport«, und den Posten war es erlaubt, vom Turm zu schießen. Und an den Tagen war es so, daß für diesen erschossenen SS-Mann mußten bluten diese Häftlinge und so weiter. [...] Also ich habe ihn nicht erschießen sehen einen Häftling, aber er war anwesend immer bei diesen »Sport«-Prozeduren. Ich glaube, er war sehr jung, es hat ihm so gut gepaßt, immer [dabei] anwesend zu sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also Sie sagen: »Es hat ihm gepaßt, immer bei diesen Selektionen anwesend zu sein.« Hat er denn da auch etwas getan dabei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, so wie die Methoden der SS-Männer waren. Sie haben die Macht über uns doch gehabt. Also: »Los, los!« und: »Dalli und dalli!« und so weiter, und sie haben sich ein Passionsgelächter gemacht also, wie sie das genannt haben: »Verzeihung, du Scheißkerl, geh schon los! Ihr seid sowieso zu nichts hier.« Und er hat sich nicht – — nelíšil sa.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Nicht unterschieden.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er hat sich nicht unterschieden von den anderen, von den jungen SS-Männer, die bei solchen Sachen assistiert haben. Ich glaube, daß er initiativ war, nach meiner Information war er auch bei der Rampe. Ich weiß nicht, ich habe ihn nie dort gesehen. Er war dort, er war überall, aber ich habe ihn nie einen Häftling erschießen sehen. Das, glaube ich, habe ich nicht mal in meiner Aussage gesagt über den Angeklagten Baretzki.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie mal, Sie hatten uns grade von diesem »Sport« erzählt, der als Repressalie für den ermordeten SS-Angehörigen Schillinger vorgenommen worden ist. Hat er diesen »Sport« selbst befehligt, hat er da die Befehle gegeben? Oder hat er nur dabeigestanden?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich glaube, den Befehl zu so einem »Sport« zu geben, hatte er nicht die Funktion gehabt, daß er hat können für 26 Baracken, also für 12.000 Häftlinge, »Sport« machen lassen. Ich glaube, es waren dort damals höhere Chargen, die vom Tor dirigiert haben, was man tun soll. Und ich weiß, daß damals bei der Schreibstube ein Bassin zu diesem Zweck gemacht war, daß man hat die Häftlinge auch ins Wasser geschmissen. Und es scheint zum Beispiel sehr oberflächlich zu sein, das »Sport« zu nennen. Aber bei diesem »Sport« sind viele, viele Häftlinge , wie sie haben gesagt nach ihre Terminologie, »kaputtgegangen«.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, Sie hatten bei Ihrer richterlichen Vernehmung gesagt: »Er beteiligte sich an diesem ›Sport‹.«4 Womit hat er sich beteiligt, wenn Sie sagen, da waren höhere Chargen da, die die Befehle gegeben haben? Was hat er denn da nun eigentlich getan dabei? Hat er bloß herumgestanden, oder was hat er gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe erwähnt, daß sich 26 Baracken haben müssen an diesem

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, »Sport« beteiligen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

»Sport« beteiligen. Also jeder hat für eine Baracke oder zwei Baracken ein Patronat bekommen über diese [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und hat sie herumgejagt? Und das hat er auch gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Hat er auch gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Und welche Baracke hat er denn bekommen? Wissen Sie das noch?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich war damals am Block 9, ich glaube, daß es war so vis-à-vis Block 12 oder 10.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben auf Block 9 gearbeitet? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und dieser Block war es nicht, der damals von Baretzki gejagt worden ist?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das kann ich gar nicht mit Sicherheit behaupten.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Weil Sie nämlich gesagt haben: »Zwei, die diesem ›Sport‹ erlagen, waren aus Baracke 9, wo ich Schreiber war.«5 Also wenn er die Baracke 9 nicht zu befehligen hatte an diesem Tag, hat er ja die auch nicht zum Erliegen gebracht, die zwei.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wollte mit der Aussage sagen, daß dieser »Sport« viele Tote gebracht hat. Und ich beweise nur das mit der Aussage, daß auch von der Baracke, wo ich Schreiber war, nach diesem »Sport« Tote waren. Aber ich habe nicht behauptet, nicht vorher, nicht jetzt, daß der Angeklagte [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Baretzki, daß der Baretzki die umgebracht hätte.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Daß er die 9er-Baracke zur Verfügung damals gehabt hat. Aber er war sehr initiativ und hat sich sehr gut dort bewegt, und er hat sehr viele Bekannte unter den alten Häftlingen und den Blockältesten gehabt, da er auch ganz gut Polnisch gesprochen hat.

 

Vorsitzender Richter:

So? Haben Sie ihn selbst sprechen hören?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Polnisch?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Polnisch. Also diese Ausdrucksweise, die im Lager herrschte, also keine perfekte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, was wir bisher von ihm an polnischen Ausdrücken gehört haben, das war eigentlich sehr mager. Das war nicht viel.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na also, was zu dem Lagerwortschatz gehört, das war doch nicht viel. Also er stand sehr gut, ich wiederhole, mit dem Blockältesten. Ich weiß nicht, warum mit den Häftlingen, stand aber sehr gut mit dem Blockältesten, an den ich mich sehr gut erinnere, ein polnischer Häftling, Alfred Zabielski, an dessen Nummer ich mich auch gut erinnere, 20.779. Und der Angeklagte wird sich gewiß äußern, ob er diesen Blockältesten gekannt hat. [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wissen Sie, ob er auch Ukrainisch gesprochen hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sein Akzent, wie ich ihn im Gedächtnis habe, war so ein Polnisch und Ukrainisch gemischt. Und ich glaube, damals hat man gesagt: »Das ist einer, der ist geboren in Rumänien von Ukrainischen.« Ich habe es nicht können unterscheiden damals, was Russisch, was Ukrainisch ist und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und bei dieser Räumung des Theresienstädter Lagers vom 8. auf 9. März, da war er zwar, wie Sie uns erzählt haben, auch auf diesem Platz dort in dem Lager

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Dort waren Hunderte SS-Männer, kann ich sagen, ohne zu übertreiben. Das Ganze hat gedauert circa zwei Tage, von der Vorbereitung bis zur Liquidierung. Also fast jeder war dort anwesend von denen, die nicht im Dienst waren und so weiter. Und ich habe den gesehen. Auf den Straßen haben [+ sie] solch ein Spalier manchmal gemacht. Vorher haben sie den Transport aus Theresienstadt transferiert ins andere Lager. Und ich habe ihn bloß gesehen bei der Vorbereitung der Aktion für die Gaskammer. Es war der Tag vorher, als alles vorbereitet wurde, und an dem Tag auch habe ich den Angeklagten gesehen, als Assistent oder so was. Es war schon nicht mehr so wichtig, da die doch zum Tode verurteilt waren.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, haben Sie auch den Angeklagten Schlage gekannt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Den Schlage habe ich getroffen das erste Mal gleich bei meiner Ankunft, wie wir die toten sowjetischen Kriegsgefangene zusammengetragen haben. Wir haben damals so ein — úzkokolajku, — so ein Gleis gebaut und in

 

Dolmetscher Schamschulla [unterbricht]:

Eine engspurige.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Engspurige mit — s takými vozíkmi.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Mit Wägelchen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Mit Wägelchen, und dort haben wir die sowjetischen Kriegsgefangenen reingeschmissen. Und rechts, wo dann das Krematorium III oder IV gestanden ist, war eine große Grube, und dort haben wir...

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie die Leichen verbrannt, dort?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, wir haben sie nur hereingeschmissen. Ich war in keiner dieser Gruben.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und wo haben Sie die denn aufgelesen, wo kamen die denn her? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wie ich kam, waren dort damals circa 600 oder 700 sowjetische Kriegsgefangene in Baracke 7. Und wie ich sie habe können verstehen in der Zeit, da ich nicht Russisch verstand, es waren etliche Transporte, per je hundert, die noch 1941, so gegen Oktober oder November bei Minsk und Witebsk verhaftet worden waren. Die Zahl dieser Kriegsgefangenen war 12.000. Das war der Rest, die wieder gekommen sind. Das war im März, also nach einem halbem Jahr. Sie haben unter schwierigen Bedingungen dort gelebt unter freiem Himmel. Das war der Rest von den 12.000 Kriegsgefangenen von Minsk und Witebsk, die in Gefangenschaft gekommen sind im Oktober 41. Bei meiner Flucht waren meines Wissens nach von diesen Kriegsgefangenen bloß 17 übrig, die in der Brotkammer und in der Küche angestellt waren. Das war meines Wissens der Rest. Na, damals war anwesend der Angeklagte Schlage. Damals habe ich ihn zum ersten Mal kennengelernt, da er sich persönlich vorgestellt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Wie kam das?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

»Ich kann schlagen, weil ich heiße Schlage.«

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war denn das, wie Sie ihn da gesehen haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das war im Lager BIb. Das war im Frühjahr 42. Später habe ich ihn erkannt, das war

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ist das richtig, im Frühjahr 42? Oder können Sie sich da nicht irren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, ich irre mich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Denn Sie haben gesagt bei Ihrer Vernehmung in Preßburg: »Das erste Mal sah ich ihn Anfang Dezember 1942 beim Abführen von 284 Häftlingen.«6

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auf BIId war es schon, das war im zweiten Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie gesagt, das erste Mal hätten Sie ihn im Dezember 42 gesehen. Heute meinen Sie, es wäre im Frühjahr 42 gewesen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das erste Mal habe ich ihn gesehen bei den Haufen der...

 

Vorsitzender Richter:

Russischen Kriegsgefangenen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Kriegsgefangenen, ja. Das war

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und das war wann?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das war im Frühjahr 42. Ich war dort etliche Tage, da bin ich dann zurück ins Stammlager Auschwitz und von dort nach Buna. Damals war der Angeklagte schon dort.

 

Richter Hotz:

[unverständlich]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Habe ich mich schlecht ausgedrückt? [...] Ich denke, meine Aussage war so, daß ich ihn gesehen habe bei der Liquidierung der 49 Burschen aus Kraküw, bei der Transporte aus den Ghettos Bedzin und Sosnowitz liquidiert worden waren. Damals war Schlage mit dem Blockführer oder Rottenführer Lausmann zusammen auf der Straße, ich beziehe mich auf meine Aussage. Und dieses Kommando, das Planierungskommando von 50 Häftlingen bei diesem Transport, hat verlangt Brot von den Opfern, die schon ins Gas gegangen sind. Und der Lausmann

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo waren denn die russischen Kriegsgefangenen, die ins Gas gehen sollten? [...] Sie sagten doch eben, »man verlangte Brot von denen, die ins Gas gehen sollen«.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das war von den Ghetto-Juden aus Bedzin und Sosnowit z, als man sie mit Lastwagen geführt hat durch die Hauptstraße beim Lager BIId.

 

Vorsitzender Richter:

Woher kamen die, direkt von... [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vom Ghetto. Das waren immer solche Trucks. Sie sind vielleicht einmal umgedreht. Also sie haben gebracht 2.000, und bis sie vergast waren, sind sie wieder zurückgekommen. Und damals hat es auch gedauert zwei Tage. Und wie die letzte Kolonne gegangen ist, waren schon die Kommandos draußen, und der Lausmann war mit denen. Ich weiß nicht ganz sicher, ob er dazugehört hat als Blockführer oder Kommandoführer des Planierungskommandos. Da haben die junge Burschen verlangt von den Insassen in den Lastwagen: »Schmeißt uns Brot! Ihr werdet es sowieso nicht brauchen.« In so einem Ton haben sie das gesagt. Ich war ein paar Schritte entfernt. Und der Lausmann hat sie damit konfrontiert, wer es gesagt hat und so weiter. Und Schlage war weiter, also, ich weiß nicht, ob er dazugehört hat damals zur Politischen Abteilung. Er ging damals hin, also ist er hergesprungen und hat gefragt: »Was «

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Schlage?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

»Was ist da los?« Nun, nach einer ganz langen Konfrontation haben die beiden gesagt, daß sie etwas hier verraten haben, daß die Leute ins Gas gehen oder was. Außer dem Unterkapo, der dort war bei den 50 Häftlingen, sind alle 49 ausgezogen worden schon dort am Weg und in die Gaskammer gekommen als Warnung dafür, daß man nicht verraten soll, wohin die Leute gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt also

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Damals habe ich den Schlage wieder dort gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Die 50 Häftlinge, die da gearbeitet haben

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

49.

 

Vorsitzender Richter:

Und die den anderen zugerufen hatten auf den Wagen: »Gebt uns euer Brot, ihr braucht doch keins mehr«, die hat Schlage zusammen mit dem anderen...

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Lausmann.

 

Vorsitzender Richter:

Hat Schlage mit Lausmann sich ausziehen lassen und hat sie in die Gaskammern gebracht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Außer dem Unterkapo. [...] Weil, das Planierungskommando war verteilt auf circa sechs oder sieben Kommandos bis zu 50 oder mehr Häftlingen. Also eine Gruppe von dem Planierungskommando.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben die damals gearbeitet, Planierungsarbeiten gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie haben gerade die Straße repariert, und der Rest hat schon gearbeitet auf dem neuen Bauabschnitt III7, und der andere Teil hat schon gearbeitet auf der Rampe, auf den geraden Gleisen, die ins Krematorium geführt haben, zur Vorbereitung für die ungarischen Juden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und damals wußten Sie schon, daß dieser Mann Schlage hieß?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ganz sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hat er denn damals für eine Funktion gehabt, dieser Schlage? War er Wachmann, oder war er Blockführer, oder war er sonst etwas?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Damals habe ich gewußt, daß er Angehöriger der Politischen Abteilung in Auschwitz ist und daß er sich dort bewegt und daß er ist der Chef am Block 11. Ob er gehört hat zur Politischen Abteilung, ob er war wirklich der Chef? Er hat diesen Ruf gehabt, und der hat sich herumgesprochen. Auch von den Häftlingen habe ich es gehört, die im Bunker waren und glücklicherweise von dem Bunker vom Block 11 noch ins Lager zurückgekommen sind. Das haben wir doch gewußt, wer...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, sagen Sie mal bitte, wann war denn das ungefähr mit dieser Arbeit auf der Rampe, von der Sie eben sprechen, wo da diese Lastwagen vorbeigekommen sind mit den Juden aus dem Ghetto.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Es kann gewesen sein September oder Oktober 43. Aber das Kommando, das es hat vorbereiten müssen in der Zeit, war das Planierungskommando, das in einer größeren Stärke schon damals gegangen ist von der Rampe zu den Haupttoren und von dort die Gleise bis zum Krematorium vorbereitet hat.

 

Vorsitzender Richter:

Sie meinen, im September und Oktober 43?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, soweit das Gedächtnis noch fungiert.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Und wissen Sie, ob Schlage damals schon im Block 11 war oder ob er wieder weg war von Block 11, oder was mit ihm los war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich muß aufrichtig sagen, meine Informationen waren aus dem Stammlager. Ich habe mich befaßt mit Informationen von Birkenau. Im Stammlager, diese Funktion war für die Häftlinge in Birkenau nicht interessant, und jeder hat sich also gefürchtet davor, daß er einmal in den Block 11, das war so eine Fama, hereinkommt. Und hauptsächlich ein jüdischer Häftling. Ich kenne sehr wenige, die von dem Block 11 aus dem Bunker herausgekommen sind. Also der Ruf war so: »Das ist der Chef von Block 11.« Ob er es war oder nicht. Ob er der Blockführer war oder eine andere Funktion gehabt hat, kann ich nicht beweisen. Der Name war dort, das kann ich beweisen, ein Schreckensname. Also Schlage hat den Ruf gehabt, daß er sich nicht lange mit einem Häftling aufhält. Also er ist nicht neugierig, ob er noch etwas erfahren wird von ihm oder herausziehen. Er macht das gleich, also [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er tötet ihn gleich? Nun, sagen Sie mal, was war das mit dem Abführen der 285 Häftlinge? Waren das die, von denen Sie vorhin sprachen, nämlich dieses »Sonderkommando«, von dem 15 gleich erschossen wurden und 285 weggeführt wurden? War da der Schlage auch dabei? Weil Sie nämlich bei Ihrer Vernehmung in

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ich denke schon.

 

Vorsitzender Richter:

Preßburg gesagt haben: »Das erste Mal sah ich ihn Anfang Dezember 42 beim Abführen von 285 Häftlingen, die er nach Auschwitz in den Tod begleitete.«8

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich kann mich nicht genau erinnern. Damals waren nach meiner Meinung wenigstens 30 oder 40 SS-Männer bei diesen 285 Häftlingen.

 

Vorsitzender Richter:

Da wissen Sie nicht, ob der Schlage dabei war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er auch mal irgendwo selektiert oder bei einer Selektion mitgewirkt, der Schlage?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Die Literatur spricht vielleicht etwas anderes über Birkenau, aber wer eine Funktion in Auschwitz gehabt hat, hauptsächlich in der Politischen Abteilung, der war auch, wie man sagt, »ein Herrgott in Birkenau«. Also bei jeder Aktion hat jeder Funktionär von Auschwitz nach Birkenau kommen können. Sie waren dort die Herren über Leben und Tod der Häftlinge. Und ich glaube

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das ist theoretisch möglich. Ich will von Ihnen nur wissen, ob Sie ihn gesehen haben dabei.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also die Selektionen im Stammlager, bis ich am Block 7 war, waren nur bei den Ärzten und mit den SDG. Ich wiederhole, das waren keine Selektionen, das war nur Abführen ins Krematorium. Und im neuen Lager dann schon, in BIId, also ausgesprochen bei den Selektionen habe ich ihn nicht gesehen. Aber wenn Selektionen waren, habe ich ihn auch herumgehen sehen und so weiter. Na, es war ganz leicht dort. Die Praxis war so, daß zum Beispiel auch eine niedrigere Charge, wie es damals der Angeklagte war, herausziehen konnte von der Baracke, was weiß ich, 10 oder 20 Häftlinge und sagen konnte: »Du bist arbeitsunfähig und gehst in den Krankenbau.« Fertig. Das galt nicht nur für die Ärzte oder für SDG damals. Der Herr über Leben und Tod in Birkenau war jeder Blockführer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber selbst gesehen haben Sie ihn bei derartigen Dingen nicht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie war es denn mit »Sportmachen«? Hat er sich daran beteiligt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, dort hat er sich viele Mal beteiligt. Ich glaube, es war ein Mensch, der sich sehr gern gehört hat und der vielleicht das erste Mal im Leben auch über andere geherrscht hat. Er hat sich amüsiert bei solchen Sachen und daß er hat können, was weiß ich, 50 andere Menschen in — dostat do pohybu.

 

Dolmetscher Schamschulla:

In Bewegung setzen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In Bewegung setzen und so weiter, daß er solche Macht hat. Na, er ist mir vorgekommen sehr primitiv, diese Methoden, damit er sich als — uspokojoval.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Befriedigt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Befriedigt.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal gesehen, daß die Häftlinge, mit denen er »Sport« getrieben hat, ums Leben gekommen sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, ich muß das generalisieren. Bei jedem »Sport« waren immer Tote. »Sport« war dazu geeignet. Es waren doch Häftlinge, die fast »Muselmänner« waren, nach der schweren Arbeit, unterernährt. Also es war sowieso, daß nach diesem »Sport« etliche Häftlinge immer...

 

Vorsitzender Richter:

Tot waren.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Tot waren. Und wenn nicht, so waren sie in einem solchen Zustand, daß sie nach ein, zwei Tagen im Krankenbau oder wo...

 

Vorsitzender Richter:

Verstorben sind.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Verstorben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie gesehen, daß er auch auf der Rampe beim Ankommen von Transporten Dienst machte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich war nie auf der Rampe.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren nicht auf der Rampe. Haben Sie ihn im Jahr 43 gesehen, als die Transporte aus den nahe gelegenen polnischen Orten mit Autos ins Krematorium kamen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Dort habe ich ihn gesehen, da dort viele Organisatoren waren. Und bei diesen Transporten, die nicht mit der Bahn gekommen sind, also von Griechenland oder von Holland oder von Frankreich, haben sie müssen also — zabezpecit riadny chod práce. [...]

 

Dolmetscher Schamschulla:

Sichern.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, sichern, Ordnung machen und so weiter. Damit niemand sich nähert, damit niemand herausspringt und so weiter und so weiter. Damit es alles vertuscht wird bis zur letzten Minute, bis sich die Gaskammern öffnen. Es wurde nur abgezählt, jeder hat dort gezählt, die Lastautos zum Beispiel, wie viele gekommen sind, wie viele zurückgehen und so weiter. Das war für die Politische Abteilung diese organisatorische und die typische — presnost.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Genauigkeit.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Genauigkeit und so weiter. Genauigkeit, was sie alles eingeschrieben haben. Und sie haben müssen doch nach Berlin schicken Bescheid, wie was passiert ist. Es wurde jeder Schritt dort notiert.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und von diesen Leuten, die damals von Schlage und Lausmann ins Gas geschickt wurden, stammten da auch welche aus Ihrer Baracke?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie stammten von Block 9, und das war damals eine, ich kann nicht sagen Ironie, weil Ironie war das Ganze. Wir haben bloß bekommen von der Schreibstube die Nummer, also die Fetzen, wo die Nummern draufstanden, und haben sie identifiziert auf der Hauptschreibstube, von welcher Baracke die Nummern waren. Und nach denen haben sie dann zugeteilt die Nummer dem Blockschreiber, und der hat müssen dann abends abmelden von dem Stand und...

 

Vorsitzender Richter:

Und auch eine Todesmeldung schreiben?

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Totenmeldung wieder aufschreiben.

 

Vorsitzender Richter:

Und was mußte für eine Todesursache

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Wie ich mich erinnere, habe [+ ich] dort wieder benützt diese Totenmeldung »auf der Flucht erschossen«. Ich bin nicht ganz sicher. Aber es ist vielleicht nicht wichtig, was für eine Diagnose das damals war. Aber ich glaube, »auf der Flucht erschossen«.

 

Vorsitzender Richter:

So. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Haben Sie

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Richter Perseke:

Herr Zeuge, wie viele Häftlinge hat der Broad von den 15 Häftlingen des »Sonderkommandos« erschossen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich will aufrichtig sein, ich habe solch eine Frage erwartet. Also, ich will so antworten: Ich bin kein Filmregisseur, der schildern kann, wie das Ganze war und wie viele von diesen Broad erschossen hat. Es war eine Entfernung

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, Sie können es nicht sagen? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, ich kann diese Zahl [+ nicht sagen]. Ob 14 diese zwei erschossen haben oder er. Alle drei haben das Gewehr von den Schultern [genommen.]

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Also Broad hat auch ein Gewehr gehabt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Richter Perseke:

So. Und Sie haben gesehen, daß er mindestens einen erschossen hat? Selbst, eigenhändig?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das Feuer habe ich gesehen von drei Pistolen gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Das habe ich nicht verstanden.

 

Richter Perseke:

Sie haben das Feuer gesehen von drei Gewehren, wollen Sie sagen, ja?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Ganz sicher. [...]

 

Richter Perseke:

Haben die drei Schützen gleichzeitig geschossen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auch gleichzeitig.

 

Richter Perseke:

Gleichzeitig.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Manche haben sich gebückt, manche haben noch flüchten wollen. Niemand will sich erschießen lassen.

 

Richter Perseke:

Und das Ganze hat sich, wenn ich Sie richtig verstanden habe, im Freien abgespielt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vor der Leichenhalle.

 

Richter Perseke:

Vor der Leichenhalle?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vor der Türe der Leichenhalle.

 

Richter Perseke:

Daß alle es sehen konnten, auch die 285 anderen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Alle, alle. Im Jahr 42 hat man alles sehen können. Sie haben sich nicht geniert vor den Häftlingen, das zu machen.

 

Richter Hotz:

Herr Wetzler, Sie hatten vorhin den Namen eines Häftlingsschreibers, Kazimierz Gork, genannt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Richter Hotz:

Wissen Sie zufällig, wo der sich heute befindet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein. Ich weiß, von wo er stammt, von wo er und wann er ins Lager gekommen ist.

 

Richter Hotz:

Woher stammte er?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich glaube, wie wir dort informiert waren, einer vom anderen, war er aus Warschau. Er war ein Bankbeamter, nach dem, wie er gesagt hat. Und er hat circa die Nummer 31.000 gehabt, über 31.000, er ist nach mir ins Lager gekommen ist, wie ich noch...

 

Richter Hotz:

Welchen Dienstgrad hat damals der Angeklagte Schlage gehabt, als dieser Vorfall war, an dem auch ein anderer SS-Mann nach Ihrer Darstellung beteiligt war, ein anderer SS-Mann namens Lausmann? Welchen Dienstgrad hatte Schlage, welche Charge?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe viele Dokumente [+ mitgenommen] bei meiner Flucht, aber ich habe keine Uniformen gekannt. Unter uns war es wichtig, ob er Rapportführer ist oder Unterscharführer. Ich habe nicht mal gewußt, was für einen Rang der Höß hatte oder der andere. Also ich kann nicht sagen, wir haben gewußt von dieser Funktion, die er hat. Und ich wiederhole: Ich bin kein Kenner der SS-Uniformen.

 

Richter Hotz:

Gut, das genügt mir, Herr Wetzler. Ich frage dann anders: Wer hat das Kommando geführt, Schlage oder der Lausmann? Oder waren beide selbständig für ihr Kommando zuständig?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wer das geführt hat?

 

Richter Hotz:

Das Kommando, wer da der Befehlsgeber war von beiden?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich bin nicht ganz nahe dabeigestanden. — Môžem predpokladat.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ich nehme an.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich nehme an, daß der Herr Schlage dort war als Organisator dieses Transports von dem Ghetto, und Lausmann war dort, glaube ich, als Kommandoführer. Also er hat sich nicht mit dem befaßt. Er hat bloß gesagt, nach den Gestikulationen, wie sie ihn abführen ins Krematorium. Und das war eine ganz bekannte Historie im ganzen Lager. Ich weiß nicht, ob die Häftlinge, die Zeugen vor mir ausgesagt haben

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Nein, ist bis heute noch nicht geschildert worden. [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Was?

 

Richter Hotz:

Ich habe keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr. Hat das Gericht sonst noch Fragen? Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Wetzler, können Sie noch beschreiben, wie Schlage damals ausgesehen hat? Ob er alt oder jung, groß oder klein war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

V strednom veku.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Er war in mittlerem Alter. [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also ich nehme den Standpunkt von damals ein, als ich 23 Jahre alt war, 24 Jahre. Also für mich war ein 35jähriger schon ein Mittelalter, oder ich kann sagen, ein Älterer.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ein Älterer.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Glaube ich.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und haben Sie noch eine Vorstellung über seine Körpergröße?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Er war, glaube ich, so groß wie ich, war ganz — Vráskavú tvár, tvrdý výraz.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ein hartes Gesicht.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Taký zavalitý, znacne silný chlap.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Stark und hatte einen strengen Ausdruck.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Strengen, harten, stupiden Ausdruck.

 

Staatsanwalt Vogel:

Dann hatte ich sie vorhin in einem Punkt nicht richtig verstanden. Hatten Sie den Namen des Angeklagten Broad schon gekannt bei diesem Vorfall im Dezember 1942, oder haben Sie den Namen als solchen erst später erfahren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, das habe ich auch heute vormittag gesagt, daß ich ihn visuell gesehen habe damals. Und dann, wie er mehrere Male mit Boger und anderen ins Lager gekommen ist, haben wir erfahren, wie der heißt. Und mich hat es persönlich sehr interessiert, daß diese Leute, junge Leute, also in meinem Alter, entscheiden über mein Leben. Es hat mich nicht so empört bei den Älteren, also 40jährigen Leuten, die, das habe ich gewußt, zum Ausschuß der Unterwelt gehören. Aber daß ein Mensch, der in derselben Zeit zur Welt gekommen ist wie ich, soll jetzt — Môže rozhodovat.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Kann entscheiden.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Kann entscheiden über mein Leben. Sonst habe ich ihm

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja. Sie haben ihn von Ansehen her gekannt und haben dann erfahren, daß sein Name Broad ist.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und war das nun noch vor diesem Vorfall im Dezember 1942?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, nein. Das war nachher, das war im Jahre 43.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das war später, 43.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er ist oft genug ins Lager gekommen, und er war auch oft ins Frauenlager gekommen. Dorthin ist er sehr gerne.

 

Staatsanwalt Vogel:

War Ihnen an Broad außer seinem Alter irgend etwas besonderes aufgefallen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nerozumiem.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Zaujalo Vás na nem ješte neco krome jeho veku?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

No tak, že bol pomerne vysoký. — Er war ein ziemlich großer, fescher Mensch und hat Augengläser getragen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Augengläser getragen, ja?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und es war mir sehr [+ verwunderlich], daß auch solche beim Militär genommen werden. Und damals habe ich es gewußt, das ist nicht die spätere Information, weil ich hier die Dokumente habe, ich kann das beweisen. Ich habe vieles gewußt, und ich habe über ihn erfahren, daß er überhaupt kein deutscher Staatsangehöriger ist. Das hat mich noch mehr...

 

Staatsanwalt Vogel:

Haben Sie das damals schon im Lager erfahren, daß er kein deutscher Staatsangehöriger war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, wollen Sie noch etwas sagen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wollte nicht [sagen] Staatsangehöriger, er ist nicht in Deutschland geboren. Vielleicht hat er die Staatsbürgerschaft nach den Eltern gehabt oder was.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut. Befanden sich bei diesem »Sonderkommando« auch persönliche Bekannte von Ihnen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, selbstverständlich. Ich habe es doch schon erwähnt in der Früh, daß es eine Gruppe war

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Sie sagten, es waren Slowaken, ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Eine Gruppe von slowakischen Burschen, die mit mir gekommen sind, also die Nummer 29.000 gehabt haben. Aber die größere Zahl von diesem Kommando waren auch slowakische Häftlinge, jüdische Häftlinge, die nicht geradeaus nach Birkenau gekommen sind, sondern nach Lublin. Und von Lublin mit der Nummer 36.000 wieder zurück nach Birkenau kamen. Also slowakische Juden, die noch vor mir aus der Slowakei deportiert wurden, aber nicht nach Auschwitz kamen, [+ sondern] nach Lublin und von Lublin nach Birkenau kamen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Ich frage Sie deshalb, weil Sie bei Ihrer richterlichen Vernehmung9 in der CSSR zwei Namen genannt hatten von Häftlingen, die sich bei den 15 befanden, die in der Leichenhalle erschossen worden sind.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl, jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Können Sie noch die Namen sagen, um wen es sich dabei gehandelt hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es waren zwei Burschen, die mit mir aufgewachsen sind, das waren ein gewisser Wagner und Spitzer. Einer war mit mir [+ zusammen] Leichtathlet und später Fußballspieler. Spitzer und Wagner, weil ich mich noch gut erinnern kann – es waren mehrere von meiner Heimat, aber an die zwei Burschen erinnere ich mich, da wir in einer Straße aufgewachsen sind und gelebt haben.

 

Staatsanwalt Vogel:

Die befanden sich unter den 15, die in der Leichenhalle erschossen worden sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl, jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und hatte ich Sie richtig verstanden: Sie selbst hielten sich in der Leichenhalle auf, als diese Erschießungen vorgenommen wurden?

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, ich war dort, und man hat mich

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja, ich bitte um Entschuldigung. Ich habe nicht alles richtig verstehen können.

 

Vorsitzender Richter:

Er hat ihn hinausgejagt vorher.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ach, Sie waren vorher da und mußten die Leichenhalle verlassen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Die Erschießung war doch im Freien.

 

Vorsitzender Richter:

Die Erschießung war auch nicht in der Leichenhalle, sondern sie war vor der Leichenhalle im Freien, und jeder konnte sie sehen, auch die 285, die noch dort standen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, das war mir klar. Ich wollte nur wissen, ob der Zeuge auch zum Zeitpunkt der Erschießung noch in der Leichenhalle war. Aber ich habe jetzt gehört, er ist dann vorher rausgejagt worden.

Dann eine letzte Frage noch: Sie nannten den Namen Stiwitz vorhin im Zusammenhang mit diesen Erschießungen. Wissen Sie noch, welche Funktion Stiwitz damals gehabt hat und woher Sie ihn kannten?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Herr Stiwitz war sehr bekannt, und ich kann Ihnen vielleicht Palitzsch und Stiwitz schildern als zwei typische Filmschauspieler. Sie waren sehr fesche Menschen. Sie haben die Funktion eines Rapportführers gehabt. Und sie haben sehr oft an den Selektionen bei uns und hauptsächlich im Frauenlager — Zúcastnili sa.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Teilgenommen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Teilgenommen. Und Palitzsch war dafür bekannt, daß er, wann er wollte und wie er wollte, geschossen hat.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Mich interessiert also vor allen Dingen Stiwitz. Wissen Sie, ob der schon bei Ihrem Eintreffen in Auschwitz oder in Birkenau als Rapportführer tätig war? Oder können Sie sagen, wann er diese Funktion übernommen hatte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das kann ich nicht

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Auf jeden Fall im Dezember 42, da sind Sie sicher, war er als Rapportführer oder in einer ähnlichen Funktion tätig?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, so haben wir ihn genannt, Rapportführer. Und ich glaube, später, in 43, hat Schillinger seine Funktion übernommen. Das hat sich ganz rasch dort auch geändert.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut, danke schön. Ich habe sonst keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Wetzler, könnten Sie uns bitte kurz schildern, wie Ihnen die Flucht aus Auschwitz gelungen ist?

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche dieser Frage. Sie ist ohne Bedeutung für diesen Rechtsstreit.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also wir haben es ja neulich schon mal exerziert.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich kann antworten mit einem Wort.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Es ist ganz kurz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ohne Hilfe der SS-Männer. Aber wenn Sie wollen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Nun, sind Sie dort heimlich weggelaufen oder

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Ich würde vielleicht etwas konkreter fragen: Sind Sie mit einem Herrn Vrba geflüchtet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Sind Sie in die Tschechoslowakei dann geflüchtet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Slowakei, ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In die Slowakei. Haben Sie zusammen mit Herrn Vrba einen Bericht über Auschwitz angefertigt nach Ihrer Flucht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe ihn mit. Ich habe ihn mit.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Vorsitzender

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Herr Vorsitzender ich widerspreche. Diese

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Ich muß dazu ein Wort sagen, Verzeihung, darf ich bitte ausreden. Ich muß dazu ein Wort sagen: Dieser Bericht ist ein historisches Dokument von außerordentlicher Bedeutung. Das ist wahrscheinlich der erste Bericht, der von einem Häftling aus Auschwitz herausgekommen ist. Und mir scheint, dieser Bericht ging damals auch nach Ungarn und hat dazu beigetragen, daß einige Hunderttausend von Juden wahrscheinlich nicht nach Auschwitz gekommen sind. Dieser Bericht wurde dem Papst vorgelegt und wurde den verschiedensten europäischen Regierungen vorgelegt.

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Herr Vorsitzende ich widerspreche den weiteren Ausführungen.

 

Vorsitzender Richter:

Was wollen Sie?

 

Verteidiger Steinacker:

Ich widerspreche den weiteren Ausführungen.

 

Vorsitzender Richter:

Warum? Wer sagt denn so was? Wo steht denn geschrieben, daß Sie mich hier unterbrechen können und von mir verlangen können, daß ich dem Rechtsanwalt Raabe das Wort entziehe?

 

Verteidiger Steinacker:

Nein, ich will ja nur

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er stellt ja gar keine Frage, er begründet, warum er diesen Bericht vorgelegt haben will. Das steht ihm doch zu.

 

Verteidiger Steinacker:

Gut, bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich habe das eben kurz angedeutet, die Bedeutung dieses Berichts. Und ich möchte jetzt zunächst die Frage an den Zeugen stellen: Ist das das Original dieses Berichts, Herr Zeuge?

 

Vorsitzender Richter:

Ist das der Originalbericht, oder ist das ein Abdruck?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das ist eine Fotokopie aus Washington. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wo ist denn der Originalbericht? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Bei Präsident Truman damals geblieben, in Washington.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und das erste Original liegt in Ungarn, es war zweimal geschrieben worden. Das erste Mal als Warnung für die ungarischen Juden, am 27. April 44, also drei Tage nach Überschreitung der Grenze. Und das ist schon das verbreitete Dokument. Nach uns gekommen sind noch zwei Flüchtlinge von Auschwitz, am 27. Mai 44.

 

Vorsitzender Richter:

Ist denn das geschrieben vor Beendigung des Krieges?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, am 27. April 44.

 

Vorsitzender Richter:

Ich meine auch dieses Buch, das Sie hier haben. Sie haben doch von zwei Exemplaren [+ gesprochen]: das eine, das Sie zuerst geschrieben haben, und das andere, das später geschrieben worden ist.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das alles war noch im Krieg. [...] Eins wurde geschrieben am 27. April 44, und die zweite Nachricht hat der päpstliche Nuntius [bekommen] am 7. Juli 44.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Dieser Bericht – wenn ich unterstützen darf, was der Kollege gerade sagt – ist bereits während des Krieges in Amerika veröffentlicht worden und teilweise bekanntgeworden. Es ist überhaupt die erste Nachricht in der Kulturwelt über diese Vorgänge in Auschwitz gewesen und hat insofern gerade mit Rücksicht auf die Authentizität der Angaben dort – ich kenne es aus Amerika, war um diese Zeit dort interniert – eine besondere Bedeutung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also, und was wollen Sie nun, Herr Rechtsanwalt Raabe? Daß er uns diesen Bericht übergibt?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Daß dieser Bericht übergeben wird, wenn Sie dazu in der Lage sind und dieses Exemplar entbehren können. Und ich behalte mir vor, zu gegebener Zeit noch einen Verlesungsantrag zu stellen.

 

Vorsitzender Richter:

Na, geben Sie doch mal das Buch her, vielleicht, ja, damit wir mal

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Aber es ist in englischer Sprache.

 

Vorsitzender Richter:

In englischer Sprache? Na, geben Sie mal her. Ja, und wer hat es denn geschrieben? Verstehen Sie soviel Englisch, daß Sie ein Buch in englischer Sprache schreiben können?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe es in deutscher Sprache geschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

In deutscher Sprache?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, 44, weil ich mich getroffen habe mit einem schweizerischen Journalisten. Und er hat mich gebeten, ich soll es nicht Slowakisch schreiben. Also mit meinem schwachen Deutsch habe ich es 44 [+ geschrieben], aber das sind keine Romane, das sind Faktographien, die ich im Jahre 44 geschrieben habe und die ich über die Selektionen von Bedzin und Sosnowitz und von dem »Sonderkommando«, das im Jahre 42 Jahr liquidiert [wurde], schon damals geschrieben habe. Und ich kann es noch heute nicht anders sagen, als es damals war. Und das war ein Dokument, von dem die Historie noch im Jahre 44 – wenn es dann auch im Nürnberger Prozeß...

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Vorsitzender, ich darf dazu noch ein Wort sagen. Dieser Bericht ging nach meinen Informationen über einen Rabbiner Weissmandel aus Preßburg, wurde während der Ungarn-Aktion nach Budapest geschmuggelt und wurde dort in Budapest in Windeseile von ungarischen Juden übersetzt und auf geheimen Wegen an alle Regierungen der freien Welt geschickt, damit diese Regierungen einwirken mögen unter anderem auf die Regierung Horthy, damit den deutschen Deportationen Einhalt geboten wird. Und soweit ich also eine deutsche Übersetzung dieses Berichtes kenne – vielleicht eine Rückübersetzung oder das Original, das kann ich jetzt nicht sagen –, enthält dieser Bericht genaue Detailangaben über das Lager Auschwitz und ist im

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Wo ist denn das Original

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also Herr Rechtsanwalt Raabe, was ich zunächst dazu sagen möchte: Dieser Zeuge hat ein Buch in deutscher Sprache geschrieben.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was ich hier vorliegen habe, ist ein Buch in englischer Sprache. Das kann von ihm bestimmt nicht stammen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich sagte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Es ist möglich, daß es eine Übersetzung seines Buches ist.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist möglich. Ob es eine Übersetzung ist, ob die Übersetzung richtig und vollständig ist, das weiß ich nicht.

 

Richter Hotz:

Das weiß der Zeuge auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das weiß selbst der Zeuge noch nicht mal.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, der von dem Rechtsanwalt Raabe genannte Mithäftling Rudolf Vrba, war der im Lager als Walter Rosenberg registriert?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und das ist derjenige, der mit Ihnen zusammen geflohen ist?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Der war aber nun damals, als Sie flohen, nicht im selben Lagerbezirk. Sie waren damals in BIIb und er in BIIa.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

In BIIb und er in BIIa.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Stimmt das?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Aber Sie sind gemeinsam geflohen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Hat der Rosenberg, oder wie er richtig hieß, Vrba, hat der sich beteiligt an dem Buch, oder haben Sie das ganz allein gemacht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er hat sich beteiligt, weil er im Juni 42 von Lublin gekommen ist. Und er hat die ganze Anabasis von Lublin geschrieben. Er hat die Anabasis geschrieben, weil er bei der Rampe gearbeitet hat.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, also alle diese Dinge, von denen Sie nichts wußten, hat er geschrieben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, es wurde zugegeben. Und dann, wie das Aufräumungskommando nach Birkenau gekommen ist, ist die Anabasis schon als ein...

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, und wissen Sie, wo Vrba jetzt lebt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Würden Sie es vielleicht dem Gericht sagen?

 

Staatsanwalt Kügler:

Er ist als Zeuge benannt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ist benannt?

 

Staatsanwalt Kügler:

Von der Staatsanwaltschaft, ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

In dem letzten Beweisantrag, Ziffer 10.10

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ah, im letzten Beweisantrag. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was soll nun geschehen, Herr Rechtsanwalt? Also dieses englische Buch, das führt uns meines Erachtens nicht viel weiter.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, haben Sie auch noch, zwar vielleicht nicht hier, ein deutsches Exemplar Ihres seinerzeitigen Berichtes?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole, in deutscher Sprache habe ich am 27. April kein Buch, sondern ein Protokoll über 60 Seiten geschrieben. Es ist in die Schweiz gegangen, in die Türkei. Der päpstliche Nuntius, Doktor Guiseppe Burzio, der noch heute lebt, hat es selbst übertragen. Ich weiß nicht, was für einen [Rang] er heute hat, er lebt im Vatikan, Doktor Guiseppe Burzio. — Ako sa volá? — Also diese Nachricht ist gegangen nach Ungarn als Warnung wegen der Vorbereitungen für die Transporte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wo ist denn nun das Buch jetzt? Oder diese Schrift von 60 Seiten? Wo ist denn die geblieben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie haben es benützt, es liegt gewiß in ungarischen Archiven. Von diesem Bericht haben auch die schweizerischen »Basler Nachrichten« und die »Neue Zürcher Zeitung« geschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, die Zeitungen haben geschrieben. Ich will wissen, wo Ihr Original hingekommen ist. Wissen Sie das?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, wir haben es übergeben, wie gesagt, an die ungarischen Juden, dann wurde es übergeben an den päpstlichen Nuntius, und sie haben es in die ganze Welt getragen. Ich war doch in der Illegalität, ich habe es doch nicht für mich behalten können.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie verstehen nicht, was ich wissen will. Ich will wissen, ob Sie mir sagen können, wo diese original 60 Seiten, die von Ihnen stammen, hingekommen sind. Wo die jetzt sind, wo die heute sind! Wissen Sie das nicht?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das müssen Historiker beurteilen. Sie werden es finden, die Historiker. Sie zitieren aus

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie meinen, in einem Archiv irgendwo?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, sie zitieren es, wo man es in welcher Literatur benützt.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Vorsitzender, dürfte ich vielleicht empfehlen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich werde mich gerne bemühen, und ich glaube auch den Weg zu wissen, eine beglaubigte Fotokopie oder das Original herbeizuschaffen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aber es würde vielleicht die Dinge erleichtern – falls der Weg, den ich mir vorstelle, nicht gangbar ist –, daß Sie trotzdem dieses Exemplar schon bei den Gerichtsakten behalten und man sich unter Umständen an den Verlag wendet und von dort das herbeischafft. Ich glaube, das wäre ein gangbarer Weg. Ich werde mich gerne bemühen, das zu tun.

 

Staatsanwalt Kügler:

Darf ich in dem Zusammenhang eine Frage [+ stellen]? Verstehen Sie die englische Sprache? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nein. Der Zeuge Vrba, der also der Mitverfasser dieses Berichts ist, hat in der Voruntersuchung angegeben – er lebt in England, er spricht perfekt Englisch –, daß diese Übersetzung dem Original entspricht. Er wird dazu hier befragt werden können, falls es nicht gelingt, das Original zu beschaffen. Ich bitte daher, das Buch bei Gericht zu behalten, damit es dem Zeugen Vrba vorgelegt werden kann.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe noch einen Satz anzugeben: daß ich selbst mein Buch im Jahre 45, auch 46 herausgegeben habe. Ich habe es hier in meinem Hotel. Ich kann es vorlegen. Das ist die slowakische Übersetzung der Faktographie, die ich übergeben habe im Jahr 44. Das Buch nennt sich »Die Hölle der vier Millionen Leichen«. Ich habe die Exemplare 44 und 46 in der Slowakei in Preßburg herausgegeben.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, wollen Sie uns denn diese Exemplare hierlassen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Beide kann ich lassen.

 

Vorsitzender Richter:

Beide können Sie lassen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Na schön. Dann überreichen Sie sie, geben Sie noch die Hülle dazu. Und das andere können Sie ja dann noch abgeben, nicht.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Kann ich auch abgeben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Keine weiteren Fragen mehr.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Zeuge, Sie haben dem Herrn Vorsitzenden diese Fluchtabsicht des Häftlings Mietek mit einem polnischen Offizier geschildert. Und Sie haben gesagt, das wurde am Vormittag entdeckt, und mittags wurden die beiden schon exekutiert.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Habe ich Sie recht verstanden?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe gesagt, es war knapp vor Mittag, und am Abend desselben Tages war die Exekution.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Konnte es möglich sein, daß diese Exekution erst noch von Berlin bestimmt wurde oder befohlen wurde, oder war die Zeit zu kurz?

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche der Frage. Das ist eine Frage nach einem Urteil und nicht nach einer Tatsache.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also, Herr Rechtsanwalt

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Bitte geben Sie mir die Zeit an...

 

Vorsitzender Richter:

Sie fragen den Zeugen

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Einverstanden, einverstanden!

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Geben Sie mir bitte die Zeit an, wann die beiden festgehalten wurden. Wann war das?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vormittag, knapp Vormittag.

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Vormittag. Um welche Zeit etwa? Etwa?

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Es war vor der Mittagung.

 

Vorsitzender Richter:

Vor dem Mittagessen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Essen? Mittagung haben wir es geheißen. Essen war nicht, nur Mittagspause.

 

Vorsitzender Richter:

Vor der Mittagspause.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Vor der Mittagspause. Also vor zwölf?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Und wann wurden sie gehängt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, man hat gewartet, bis die Kommandos ins Lager kommen, damit es alle die 12.000 Häftlinge sehen. Kann ich nicht gescheit sagen, es war März, daß um fünf oder halb sechs waren schon alle Kommandos drin. Um sechs Uhr war schon Nebel und Nacht. Also es hat können sein zwischen so circa sieben, halb acht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Zwischen sieben und halb acht. Na schön.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ja, und es war noch so eine Situation, das wird vielleicht auch der Angeklagte Bednarek bestätigen, es waren vier Häftlinge wegen Flucht an dem Block 11, die von der Baracke 11 auch herausgekommen sind. Und wir dachten, daß vier und zwei, also sechs, diese sechs werden heute gehängt und zum Erstaunen, zum Herrichten. — Na podivanie.

 

Vorsitzender Richter:

Zur Abschreckung?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Zum Erstaunen.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Zum Betrachten, zum Anschauen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Und diese vier sind wieder zurückgekommen auf die Baracke 11, auf die SK-Baracke, und die zwei wurden am Abend gehängt, und das Verdikt hat gelesen der Angeklagte. Und ich kann sagen, daß ihn vielleicht gelockt hat die enorme Summe des Geldes oder was, daß er es so rasch gemacht hat.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Sagen Sie, Herr Zeuge, Sie haben weiterhin gesagt, daß Sie den Angeklagten Klehr wiederholt zum Krematorium haben gehen sehen. Haben Sie dabei festgestellt, ob er eine Gasmaske bei sich trug?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, auf der Straße habe ich ihn nicht gesehen. So naiv waren sie doch nicht, daß sie hätten die Gasmaske auf der Straße getragen weiter.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aha. Danke schön.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, würden Sie mal bitte mir an der Karte zeigen, wo die Baracke ist, in dem das »Sonderkommando«, von dem Sie gesprochen haben, untergebracht war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Verteidiger Laternser:

Würden Sie mal bitte zeigen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] [unverständlich] Maurerbaracken hier, diese Seite. Hier waren die Maurerbaracken, die erste Reihe Maurerbaracken. Hier war die Leichenhalle. Hier war das »Sonderkommando«, hier war der Block, Isolierstation 711.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun sagten Sie, daß diese 300 Häftlinge, wenn ich Sie richtig verstanden habe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Noch vor Block 7.

 

Verteidiger Laternser:

Aus ihrer Unterkunft herausgejagt worden seien. Waren Sie dabei, als das gemacht wurde? Wo standen Sie? Würden Sie mir mal bitte zeigen, wo Sie gestanden haben und das gesehen haben, daß die rausgejagt worden sind?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie waren vor der Küche, dort war ein

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Bitte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vor der

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Würden Sie es mal mit dem Stock zeigen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Hier war die Küche. Und hier war

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Wo? Da? Da.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Hier war die Küche, und da war die Straße.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und da war der Ausgang.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Jetzt lassen Sie mal. Wo standen dann die Häftlinge? Sie sagten, die mußten vor der Baracke antreten. Sie sagten, auf der einen Seite standen dann die 285 und auf der anderen die 15. Würden Sie mal zeigen, wo diese 285 und wo die 15 gestanden haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Eben habe ich gezeigt, wo die 285 gestanden sind. Die 15 sind nicht mehr gestanden, weil sie

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Na, bis jetzt, Herr Zeuge, haben Sie es noch nicht

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Abgeführt worden waren zu der Leichenhalle.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun zeigen Sie doch bitte mal. Ich habe es noch nicht gesehen, wo diese 285 gestanden haben.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie mit dem Stock auf die Karte drauf fahren, damit wir den Punkt richtig sehen können? Denn wenn Sie entfernt sind von der Karte – so, ja. Richtig.

 

Verteidiger Laternser:

Und wo standen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Moment! Was ist denn da? Standen da die 285? Sie sind so schnell. Bleiben Sie doch mal mit dem Stock auf der Karte, ja? So. Und was ist da gewesen? Standen da die 285?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, sie standen, und dann haben sie sich ein bißchen zerrissen wieder, sie haben nicht wollen stehen, weil sie haben gewußt, zu was es ist. Wieder haben sie sie zusammengejagt, und wieder haben sie sich aufstellen müssen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Und die ganze Prozedur hat gedauert mehr als eine Stunde, bis sie zusammengestanden haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wo waren die 15 erschossen worden?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In der Leichenhalle, die war hier an dieser Ecke.

 

Verteidiger Laternser:

Wo, in der Leichenhalle?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, vor der Leichenhalle.

 

Vorsitzender Richter:

»Vor der Leichenhalle« hat er gesagt.

 

Verteidiger Laternser:

Ja, wo standen Sie denn? Als diese Erschießung stattfand?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In der ersten Baracke vor der Straße.

 

Verteidiger Laternser:

An der ersten Baracke?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Zeigen Sie doch mal den Punkt etwa, wo Sie gestanden haben damals.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Circa hier.

 

Verteidiger Laternser:

Da. Ja, nun sagten Sie eben, die Sache hätte eine Stunde gedauert. Haben Sie eine Stunde da gestanden? Haben Sie den ganzen Vorgang, wie er ablief, beobachtet?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, da bin ich wieder in Baracke 7 zurückgegangen und wieder raus. Und wieder habe ich sie stehen gesehen. Aber es war nicht interessant. Weil es meine Kollegen waren, ist so eine Zeremonie

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja. Nun, Herr Zeuge, bitte, ich möchte doch, daß Sie mir meine Fragen beantworten.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Bitte.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Also Sie standen nicht die ganze Stunde dort, sondern? Jetzt sagen Sie mal, wo standen Sie zu Beginn, und wo standen Sie, als die 285 angetreten sind? Und wo standen Sie, als die Erschießung erfolgte? Bitte zeigen Sie mir zunächst einmal, wo standen Sie, als

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Als die Exekution der 15 war, war ich hier.

 

Verteidiger Laternser:

Waren Sie da?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Dort war keine Promenade, ich habe dort nicht eine Stunde stehen können, weil man hat gejagt, man ist gegangen

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja, ja, sicher. Ja, deswegen frage ich ja auch.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Also. Und wie weit ist die Entfernung von da bis zur Leichenhalle?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Das wird vielleicht der Verteidiger besser wissen als ich, ich habe

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Bitte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vielleicht werden Sie das besser wissen, aber ich glaube, es waren 80 oder

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Nein, nein, nein, ich würde Sie dann nicht fragen. Ich würde Sie dann nicht fragen. Sie waren doch dort, und ich weiß nicht

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ich glaube, circa 80 Meter, 60, 80 Meter.

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

80 Meter, ja. Nun, als die Erschießung erfolgte, wo standen die zu Erschießenden? Oder die, die leider erschossen worden sind? Zeigen Sie mal, wo die gestanden sind.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Die, hier.

 

Verteidiger Laternser:

Sie sagten »vor der Leichenhalle«. Das ist aber nicht vor der Leichenhalle.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Die Leichenhalle war hier an der Ecke, und die Türe von den Leichen hat man geöffnet zu der Straße.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Die Leichenhalle war en passant zu der letzten Baracke.

 

Verteidiger Laternser:

Nun, also Sie standen an diesem Gebäude dort oben, rechts neben dem Gebäude, ja?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Und wo standen die Schützen, die die 15 Leute erschossen haben. Wo standen die?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ein paar Schritte hinter ihnen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja, bitte, ja, ich

 

– Schnitt –

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das Gesicht haben sie gehabt zu dem Zaun hier.

 

Verteidiger Laternser:

Zu dem Zaun.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also zu der Leichenhalle, zu der offenen Türe der Leichenhalle, also von rückwärts.

 

Verteidiger Laternser:

Aha. Die haben das Gesicht zur Leichenhalle gehabt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Verteidiger Laternser:

Und wie weit standen die Schützen entfernt von den Leuten, die

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Es hat können sein auch zwei Meter, auch fünf Meter. Von solcher

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja. Ja. Herr Zeuge, [Pause] nun haben Sie vorhin gesagt auf die Frage des Herrn beisitzenden Richters, daß Sie beim Schießen das Feuer aus drei Gewehren gesehen haben.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Verteidiger Laternser:

Wieviel Uhr war es etwa? War es hell, oder war es dunkel?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Die Kommandos waren schon aus dem Lager. Das heißt, es war schon der Nebel. Die Kommandos hat man nicht herausgelassen, wenn Nebel war. Aber es war schon...

 

Vorsitzender Richter:

Hell.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Hell.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun haben aber die Schützen, wie Sie es eben gezeigt haben, in eine Ihnen entgegengesetzte Richtung geschossen. Wie können Sie dann sagen, daß Sie das Feuer aus drei Gewehren gleichzeitig gesehen haben? Und es hell war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nerozumiem tomu.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Strelci stríleli v protismeru od Vás.

 

Vorsitzender Richter:

Sprechen Sie doch bitte laut. Es ist hier keine Geheimverhandlung.

 

Dolmetscher Schamschulla [unterbricht]:

Jak jste tedy mohl videt, že stríleli tri najednou?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Tí, co nestrielali, stáli opodial. — Abgefahren, weitere, weitere.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Prosím, ješte ten zacátek.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Tí prví traja odpadli a nasledovali další.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Die ersten sind gefallen, und die nächsten kamen dann an die Reihe. Aber ich glaube, er hat es nicht richtig verstanden.

 

Verteidiger Laternser:

Nein. Ich hatte Sie folgendes gefragt, Herr Zeuge: Sie haben auf die Frage des Herrn beisitzenden Richters gesagt, daß Sie beobachtet haben das Feuer aus drei Gewehren gleichzeitig. Und nun sage ich, wenn Sie da gestanden haben, wo Sie eben es bezeichnet haben, und wenn es richtig ist, was Sie weiter gesagt haben, daß die zu Erschießenden mit ihrem Gesicht zum Leichenhaus standen und also in die Richtung Leichenhaus geschossen worden ist und es schon hell war, dann frage ich Sie: Wie können Sie denn dann das Feuer aus diesen drei Gewehren gesehen haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ciže by som povedal: — Feuer — je u nás po slovensky obrazne povedané pálení.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ano, výstrel.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Iste, ja som nepovedal, že som videl blesky alebo nieco od ohna, ale traja padli a potom dali dalších troch. Aby ste porozumel, — ich will nicht zurückziehen und ich will auch nicht zurückziehen, was ich gesagt habe. Also wie ich habe mir übersetzen lassen vom Slowakischen: Das Feuer ist bei uns — strielanie.

 

Dolmetscher Schamschulla [unterbricht]:

Unter Feuer versteht der Zeuge

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Und das heißt, daß die drei Häftlinge sind gefallen und wieder

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ach so, Sie wollen sagen, daß Sie unter Feuer den Knall verstehen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auf Slowakisch übersetzt sagt man also für Feuer Knall.

 

Verteidiger Laternser:

Also das Schießen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Wie können Sie denn sagen, daß Sie gleichzeitig drei Schüsse, wenn Sie Schüsse meinen, den Knall, daß Sie gleichzeitig drei Schüsse gehört haben? Wie können Sie das sagen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ob ich das sagen kann?

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Gleichzeitig?

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, ich habe das schon einmal gesagt, und ich werde nie was anderes sagen.

 

Verteidiger Laternser:

Ach so. Sie nehmen es an, daß das, was Sie gehört haben, gleichzeitig drei Schüsse gewesen sind.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na ja, nach 20 Jahren sehe ich das wieder noch so gut.

 

Verteidiger Laternser:

Ja, gut, nun

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Und vorläufig lebe ich noch.

 

Verteidiger Laternser:

Noch etwas: Sie sagten auf die Frage des Herrn Vorsitzenden des Gerichts, daß die Erschießung im Freien stattgefunden habe und daß alle 285 hätten zusehen können. Nun

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Sie waren [unverständlich]

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Zeigen Sie doch mal, wo standen denn die 285?

 

Vorsitzender Richter:

Hat er doch schon gezeigt.

 

Verteidiger Laternser:

Nein, nein. Als geschossen wurde. Er hat sie so gezeigt, daß sie das nicht hätten sehen können.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, eben.

 

Verteidiger Laternser:

Nun gut. Sie sind dann weiter gefragt worden von dem Herrn Vorsitzenden, wie diese Gewehre ausgesehen haben. Dann sagten Sie, sie würden von Gewehren nicht viel verstehen, und zeigten dann eine Strecke, so groß etwa seien sie gewesen. Und Sie sagten weiter, die seien über die Schulter gehängt getragen worden. Würden Sie das mal bitte etwas näher beschreiben? Wie sah das Gewehr aus?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich bin kein

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

So ein kleines Gewehr?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich bin kein Fachmann für Gewehre. Ich muß Ihnen sagen, ich war in dem slowakischen Widerstand, ich habe keinen Deutschen erschossen. Ich habe eine Pistole bei mir gehabt, und ich kann nicht sagen, was das für ein Gewehr war, weil es mich nicht interessiert hat. Das Schießen von solcher Pistole kann ich nicht wiederholen und

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

War es vielleicht keine Gewehr, sondern ein

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Und wenn ich hätte sagen wollen, was für Gewehre, hätte ich mir es vielleicht zugelernt vor der Aussage. Aber ich kann wieder heute nicht sagen, was für Gewehre. Ob sie haben zwei dieser Schüsse auf einmal oder sechs Schüsse [unverständlich] Die SS-Männer haben dort Gewehre gehabt, und da im Lager Birkenau, Herr Verteidiger, 175.000 Häftlinge gestorben sind, waren zwischen denen auch Erschossene. Aber ich bin kein Experte auf

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Herr Zeuge, es kommt mir jetzt im Augenblick darauf an: Diese Gewehre, von denen Sie behauptet haben, daß sie an diesem Morgen benutzt worden sind, wie groß die gewesen seien und wie sie ausgesehen haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ich habe nicht gesagt der Morgen, ich habe gesagt, sie haben solche Gewehre getragen, und am Morgen haben sie auch solch ein Gewehr über der Schulter, ein kurzes Gewehr, getragen damals.

 

Verteidiger Laternser:

Nun, eine andere Frage: Sie sagten, daß Palitzsch, Stiwitz und Broad an dieser Erschießung teilgenommen hätten. Wie viele hat denn Palitzsch erschossen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole, ich habe gesehen, wie die beim ersten Schuß, wie bei dem ersten die meisten sind gefallen die drei. Also, das war doch kein Zirkus dort, es war eine Gefahr, dort zuzuschauen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also ich wiederhole das. Ich bin in der Stunde oder eineinhalb Stunden, bis die 285 – die sind auch nicht gestanden wie Lämmer, weil sie haben gewußt, wohin sie gehen. Da haben sie sich wieder zusammengruppieren müssen zwischen dem Block 7, wieder zurück und wieder auf die Straße und wieder zurück. Und ich habe gesehen zum Ende, wie die 285 Häftlinge die Straße nach Auschwitz gingen.

 

Verteidiger Laternser:

Nun, die 285 Häftlinge, die waren doch bewacht, ja? Da waren doch SS-Leute dabei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Gewiß, gewiß.

 

Verteidiger Laternser:

Wie viele waren etwa dabei?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe gesagt, am Anfang war es so, daß es 20 waren. Es hat sich aber kompliziert. Sie wollten nicht gehen, 30, 40, und es war eine schwere Operation, sie nach Auschwitz zu bringen, da sie schon gewußt haben, wo sie hingehen. Das war das erste. Sie haben doch geahnt, daß einmal der Tag kommt, daß sie liquidiert werden, daß man solche Zeugen nicht brauchen kann. Aber als der Tag gekommen ist, ist in dem Menschen doch die Hoffnung noch. Er wollte doch leben. Ich will nur soviel sagen: — Ja som nútený vypovedat . [...]

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ich bin gezwungen [auszusagen.]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich will aussagen, aber ich habe keine andere Aussagen benützt, die ich nicht gesehen habe. Ich habe nicht gesagt, daß der Angeklagte Broad zum Beispiel beim Krematorium dort gelaufen ist und hat geschossen, und her und hin. Ich sage nur das aus, was ich gesehen habe, und nicht, was ich gehört habe. Ob vielleicht durch die Kugel, die der Angeklagte geschossen hat, der Häftling gestorben ist, das überlasse ich schon den Fachleuten. Ich war nur dort, wo 175.000 Häftlinge bei der Arbeit gestorben sind. Und die sind nicht von selbst gestorben.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Herr Zeuge, nun hatten Sie vorhin dann weiter gesagt, daß es bekannt gewesen sei, daß Broad sich in Häftlingskleidern im Lager bewegt habe.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Verteidiger Laternser:

Haben Sie ihn selbst mal in Häftlingskleidern gesehen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, das habe ich gewußt, weil es bekannt war. Und er hat sich schon so...

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun, war das allgemein bekannt, wie Sie sagen? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es war bekannt von zehn oder zwölf SS-Männern, die also sich bewegt haben, wenn sie haben sie nicht gefunden. Also bei alten Häftlinge war es doch nicht möglich, daß ein SS-Mann – wenn er auch anders angezogen war. Man hat es gesehen nach der Physiognomie, daß es ist etwa ein Zivil. Sie haben immer etwas gesucht, vielleicht Kontakte, die die Häftlinge gehabt haben mit den Zivilen, mit der Bevölkerung. Sie haben immer bloß gesucht. Und das ist doch ganz bekannt, daß sie nach der Flucht immer sind rein, umgezogen, sie sollten erfahren, wo die Flüchtlinge sind, wie sie sich geholfen haben zu der Flucht und so weiter.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Herr Zeuge, sagten Sie nicht vorhin, daß es allgemein bekannt gewesen sei oder daß es bekannt gewesen sei, daß Broad sich in Häftlingskleidern im Lager bewegt habe?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole, das, was ich vielleicht auch nicht so wichtig finde [unverständlich]

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja gut, ja, wenn das nun bekannt war, daß er das tat, was hatte es denn dann für einen Sinn, es zu tun?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche der Frage. Die Frage ist beantwortet. Die Frage ist beantwortet. Der Zeuge hat erklärt, bei den alten Häftlingen, da hat es gar keinen Sinn gehabt, aber bei den neuen Häftlingen, die die Physiognomie nicht kannten, da war es schon ganz sinnvoll, sich da umzuziehen und in Häftlingskleidern zu versuchen, irgendwas auszuspionieren, aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, im übrigen ist es ja keine Tatsache, die der Zeuge

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Ganz richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Beobachtet hat.

 

Verteidiger Laternser:

Sicher, diesen Einwand, Herr Vorsitzender, erkenne ich an. Ich habe keine weiteren Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. Da wollen wir zunächst, eh wir weiterfahren, noch eine kleine Pause

 

Verteidiger Aschenauer [unterbricht]:

Ich habe eine kurze Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Eine kurze Frage. Na, bitte schön.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, wie ist der Angeklagte Boger in das Lager gekommen? Zu Fuß, mit einem Fahrzeug?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Bei meiner Aussage in Preßburg in der Tschechoslowakei habe ich ausgesagt, daß der Angeklagte Boger mit Schlage [+ gekommen ist]. Die Literatur sagt es vielleicht anders. Er kam vielmals ins Lager nach Birkenau auf einem Motorrad. — S takým prívesným vozíkom.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Mit einem Beiwagen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Beiwagen. Und immer damals, wie das Aufräumungskommando – also wie man es dort genannt hat, »Kanada«-Kommando – ins Lager gekommen ist. Und seine größte Passion war es, das Kommando zu filzen, was es trägt von den Rampen, also die Ziele. Und ich kann nur wiederholen, vielleicht hat der Angeklagte keinen Schein fürs Motorrad gehabt. Aber ich kann wiederholen und werde nicht zurückziehen, daß der Angeklagte viele Male mit dem Schlage mit dem Motorrad mit dem Beiwagen nach Birkenau gekommen ist. Und viele Male war es so, wenn die Häftlinge gekommen sind — a tak dalej. — Außerdem hat er sich sehr gut amüsiert, wenn die Flüchtlinge so...

 

Vorsitzender Richter:

Zur Seite gesprungen sind. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also er sagt, mit einem Motorrad mit Beiwagen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Und der Herr Boger, der saß auf dem Motorrad und Herr Schlage im Beiwagen. War es so?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Sie haben sich [abgewechselt]. War ganz egal. Einmal so und einmal so.

 

Verteidiger Aschenauer:

Danke, keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Dann wollen wir eine Pause einlegen bis um zehn nach halb vier.

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl. Bitte schön.

 

Verteidiger Laternser:

Danke sehr. Herr Zeuge, Sie hatten doch eben gesagt, daß diese Erschießung der 15 Erschossenen im Freien stattfand und daß die 285 Gelegenheit hatten, da zuzusehen.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Zuzusehen.

 

Verteidiger Laternser:

Erst sprachen Sie vom Feuer, und dann haben Sie das korrigiert, was verständlich ist, daß Sie vom Knall sprachen. Sie sagten dann auch noch, daß Sie bei dieser Darstellung bleiben. Nun, Herr Zeuge, möchte ich Ihnen aus Ihrer Vernehmung folgenden Satz vorlesen. Sie haben bei Ihrer Vernehmung gesagt, und ich zitiere jetzt – ich gebe es sofort zurück – Blatt 77 dieses Bandes: »Ich erinnere mich an diese, daß sie unter 15 in die Leichenkammer Gebrachten waren, wo ich mich zu dieser Zeit befand, und dort wurden alle 15 mit lautlosen Schüssen erschossen.«12 Nun möchte ich Sie fragen, Herr Zeuge, welche Darstellung ist nun richtig? Die, die Sie hier dem Gericht gegeben haben, oder die, die Sie bei dieser Vernehmung angeführt haben?

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Das, was ich habe in der Tschechoslowakei ausgesagt, daß ich sie gesehen habe. Und dann diese haben benutzt — tlmené strely. [...]

 

Dolmetscher Schamschulla:

Maschinengewehre.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Áno,tlmené.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ach so, Kleinkaliber.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ten zvuk nebol taký presný.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ach so, lautlose.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nicht ganz lautlose.

 

Staatsanwalt Vogel:

Mit Schalldämpfer.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Schalldämpfende.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Nun gut. Aber Sie sagten doch, daß diese Erschießung im Freien stattfand, daß die 285 hätten zusehen können. Daß Sie von einer bestimmten Stelle diese Erschießung gesehen haben. Und dort sagen Sie, daß die Erschießung in der Leichenhalle stattfand und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Vor!

 

Verteidiger Laternser:

Daß Sie Sich auch in der Leichenhalle befunden haben. Was ist nun richtig?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole, was ich gesagt habe hier: Ich war in der Leichenhalle. Man hat mich aus der Leichenhalle herausgejagt. Ich ging auf der Straße an die Reihe von den ersten Baracken und habe zugeschaut. Also wenn ich wiederholen kann: Wenn man sieht einen Mord durch Schüsse, das sind reflexive Sachen, Herr Verteidiger, reflexive. Ich sehe einen Schuß, und ob ich ihn höre oder nicht – also es ist ein Schuß, wenn ich sehe den Häftling, wenn ich den Ermordeten fallen sehe, also kommen alle Reflexe in den Menschen herein. Ich kann nicht, und es ist

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich glaube, daß ich keine weiteren Fragen mehr zu stellen brauche, Herr Vorsitzender. Es genügt auch die Antwort

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ich sage, ich...

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Joschko.

 

Verteidiger Joschko:

Ja. Herr Zeuge, können Sie mit einfachen Strichen den Grundriß von Block 7 mit der umgebenden Mauer und dem Tor darin aufzeichnen?

 

Dolmetscher Schamschulla:

Mužete to nakreslit ?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Pockajte, mám to upresnit.

 

Vorsitzender Richter:

Geben Sie vielleicht ein Blatt Papier.

 

Verteidiger Joschko:

Einen Grundriß, Block 7, mit der Mauer herum und dem Tor und dem Block 8.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ne nijak komplikovane.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Iste, iste.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Ich bin kein Zeichner, aber es wird schon.13 [Pause]

 

– Schnitt –

 

Verteidiger Joschko:

das hinein könnte. Sagen Sie mal, war der Block 7 streng isoliert? Das heißt, durfte nicht jeder hinein?

 

Dolmetscher Schamschulla:

Byl ten blok prísne izolován, nebo k nemu mel každý prístup?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Koho myslí pán, väzna ci SS? Kto ci mal prístup?

 

Dolmetscher Schamschulla:

Zutritt für wen? Für SS oder für Gefangene? Bitte

 

Verteidiger Joschko [unterbricht]:

Ja, das frage ich. Konnte ein Häftling von BIId herübergehen zu BIb nach dem Block 7 und dort irgend jemanden besuchen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das hat er nicht können, weil damals BIId nicht mit Häftlingen belegt war.

 

Verteidiger Joschko:

Gut. Konnte ein Häftling von irgendeinem anderen Lager oder von einem anderen Block nach Block 7 hineingehen? Ein fremder Häftling, der nicht zum Block 7 gehörte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jeder Häftling war froh, daß er wenigstens 100 Schritte von dem Block 7 [+ entfernt] ist.

 

Verteidiger Joschko:

Habe ich Sie richtig verstanden: War froh, daß er nicht in Block 7 hineinkonnte oder -mußte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Daß er dem Block ausweichen kann.

 

Verteidiger Joschko:

Ausweichen konnte?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Aber da sind gekommen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Zeuge hat gesagt, der Block hatte einen so schlechten Ruf, daß jeder froh war, wenn er nicht dorthin gehen mußte. Und keiner ist freiwillig hingegangen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Aber, wenn ich

 

Verteidiger Joschko [unterbricht]:

Eigentlich ist die Frage nicht beantwortet.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wenn ich antworten kann, dann war Block 7 für eine Sache doch gut. Und das war, daß polnische Häftlinge gekommen sind, und dort haben sie die — odboj tam robili.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Den Widerstand.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Daß sie sich abends dort getroffen haben und etliche Sachen...

 

Vorsitzender Richter:

Also, sie konnten hineingehen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, weil hinter dem Tor ein, wie man sagt, Wächter war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ein Häftling, der das war. Und wen wir lassen wollten, haben wir vielleicht reingelassen.

 

Vorsitzender Richter:

Reingelassen. Also

 

Verteidiger Joschko [unterbricht]:

Konnte das möglich sein am Tage noch vor dem Appell oder erst nach dem Appell, nach dem Abendappell?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es konnte immer sein, wenn jemand von uns also Aviso gegeben hat, daß er hereinkommen kann.

 

Vorsitzender Richter:

Also er sagt: Tag und Nacht konnten die herein, die der Häftling, der Türhüter war, hineingelassen hat.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Verteidiger Joschko:

Ich mache Ihnen einen Vorhalt, Herr Zeuge: Vor einiger Zeit oder am Montag oder letzten Freitag hat ein Häftling uns gesagt: Die zwei Blöcke waren nicht durch eine Mauer verbunden, sondern durch einen Maschen- beziehungsweise Stacheldraht.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Bloky nebyly spojeny zdí, nýbrž drátem.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe, glaube ich, nachmittags gesagt, daß der Stacheldraht im Jahre 42 im März und April war, wie die russischen Kriegsgefangenen dort gewohnt haben, und nachher wurde der Stacheldraht liquidiert. Also zur Zeit, wie die Isolierstation dort war, war dort nicht der Stacheldraht, war die Mauer.

 

Verteidiger Joschko:

Ich habe keine Frage mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Göllner.

 

Verteidiger Göllner:

Herr Zeuge, Sie haben geschildert, daß der Angeklagte Klehr sich auf dem Weg zum Krematorium befunden hätte und daß Sie ihn dort selbst gesehen hätten. Auf die Frage des Herrn Vorsitzenden, ob Sie wüßten, was Klehr im Krematorium getan hätte, haben Sie geantwortet, das wüßten Sie nicht, Sie wüßten nur vom Hörensagen von Ihrem Freund Filip Müller, daß er sich im Krematorium irgendwie betätigt hätte. Ist das richtig?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nerozumiem celkom otázke.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Na otázku, co obžalovaný Klehr delal v krematoriu, jste odpovedel... — Das war etwas lang, darf ich das vielleicht noch...

 

Verteidiger Göllner:

Ja, ich wiederhole es noch mal.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ja.

 

Verteidiger Göllner:

Es kommt auf die Tätigkeit von Klehr im Krematorium an.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Jde o to, co delal Klehr v krematoriu. [...]

 

Verteidiger Göllner:

Auf die Frage des Herrn Vorsitzenden hat er geantwortet heute, daß er das nicht gesehen hätte, aber von seinem Freund Filip Müller gehört hätte, Klehr habe sich im Krematorium irgendwie betätigt.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Na otázku [+ pana] predsedy jste odpovedel, že Vy jste o tom nic nevedel, ale že jste se o tom, co tam Klehr delal, dozvedel od Müllera.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

No tak: — Ich habe solche Informationen gehabt, daß der SDG dort eine gewisse Funktion hat, da bekannt war, daß SDG — obhospodaruje.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Daß er sich betätigt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also betätigt an dem Mechanismus des Krematoriums und der Gaskammer. Also ich kann nur behaupten, entweder hat er das Gas in die Ventilöffnungen geschmissen oder das Rote-Kreuz-Auto, das das Zyklon B geführt hat, [+ gefahren]. Also jedenfalls hat der SDG Klehr sicher eine Funktion gehabt. Das kann er doch nicht

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Ihr Freund Filip Müller, der ist hier vom Schwurgericht vernommen worden am 5. und 8. Oktober 64. Er ist uns noch in Erinnerung durch die Schilderung über das sogenannte Fischl-Kommando. Der Zeuge Filip Müller hat nicht bekunden können, daß Klehr im Krematorium irgendwelche Aufgaben durchgeführt hätte. Das halte ich Ihnen vor.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In Auschwitz oder in Birkenau?

 

Verteidiger Göllner:

In Birkenau.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich weiß nicht, was für eine Funktion er gehabt hat, aber ich habe ihn gesehen etliche Male

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Nur auf dem Wege dorthin.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auf dem Wege...

 

Verteidiger Göllner:

Danke. Herr Zeuge, Sie haben bei der Schilderung der Selektion der 600 Häftlinge bei Ihrer früheren Vernehmung bekundet, daß dabeigewesen wäre ein polnischer Arzt. Den haben Sie heute nicht namhaft gemacht.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Vy jste rekl, že pri té selekci byl jeden polský lékar.

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Nein, nein. Nein, nein, ein anderer. Blatt...

 

Dolmetscher Schamschulla:

A dnes jste o tom nerekl nic.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Požiadal by som, keby mi to precítali. — Ich möchte bitten

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Ich kann den Namen nicht lesen, er ist verdruckt in dem Aktenstück, Herr Direktor. Es steht auf Blatt 80 in der Aussage vom 11.2. Der Name könnte heißen Hordorski, er könnte heißen Mordarski.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er heißt Mordarski, das war kein Arzt, er hat sich ausgegeben als Mediziner. Das war der Blockälteste von dem Block 7. Er war kein Mediziner.

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Sie haben gesagt, es war ein polnischer Häftlingsarzt, Wiktor Mordarski. [...] Herr Zeuge, lebt dieser Mordarski noch?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das kann ich nicht

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Wissen Sie nicht. War Klehr ein Brillenträger, als Sie ihn in Birkenau sahen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Ich glaube nicht, wie ich mich noch erinnern kann. Vielleicht hat er eine Brille getragen, aber als ich ihn dort gesehen habe, nicht. Ich weiß nicht, ob er war — krátkozraký.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Ob er kurzsichtig war.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Kurzsichtig war. Es war bekannt, daß er immer mit den Augen so was...

 

Vorsitzender Richter:

Blinkte.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Daß er mit den Augen so blinkte, zwinkerte.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Ob er nachher oder vorher die Augengläser getragen hat oder sie beim Lesen gebraucht hat, [...] das weiß ich nicht, aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Sie können sich nicht mit Bestimmtheit drauf erinnern, daß er damals eine Brille getragen hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht, nein?

 

Verteidiger Göllner:

Herr Zeuge, wissen Sie, wie der Klehr nach Birkenau gekommen ist, zu Fuß oder mit dem Motorrad oder mit dem Sanka [...] nach Baracke 8?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Er war nicht avisiert, wir haben keine Zeremonien gemacht, wenn der Herr Angeklagte gekommen ist. Ich habe erfahren, daß er in Birkenau ist, weil er vor dem Tor von Block 7 war.

 

Verteidiger Göllner:

Und ging von 7 nach 8?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Manchmal hat er die Prozeduren gemacht ganz bei Block 7, wenn es keine Komplikationen waren. Und man hat [angeordnet], daß der ganze Block, was weiß ich, 1.000 Häftlinge, 800 Häftlinge, auf den Wagen geladen wurde. Ich habe nicht einmal [...] behauptet, daß er immer zu Block 8 gegangen ist.

 

Verteidiger Göllner:

Können Sie sich noch erinnern, welche Uniform Klehr damals getragen hat? Lange Hose mit Knobelbechern oder eine Reithose?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das kann ich ganz sicher behaupten, ich glaube, eine Hose mit so halb kurzen Stiefeln, so

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Also Stiefelhose. Danke.

 

Verteidiger Joschko:

Eine Frage, ich hätte noch eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Joschko:

Herr Zeuge, Sie sagten vorhin bei Ihren Angaben zur Person, Sie wären Beamter. Was für ein Beamter sind Sie, beziehungsweise was ist Ihre Tätigkeit?

 

Dolmetscher Schamschulla:

Vy jste rekl, že jste státní zamestnanec.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich bin angestellt als Beamter in einer slowakischen Großbuchhandlung und arbeite in einem — odbore.

 

Dolmetscher Schamschulla:

In der Abteilung.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In der Abteilung für antiquarische Bücher.

 

Vorsitzender Richter:

Antiquariat.

 

Verteidiger Joschko:

Ist das eine Privatfirma, oder ist das eine...

 

Vorsitzender Richter:

Nein, es ist ein Nationalunternehmen. Slowakische Büchereien, Großhandlung in Preßburg.

 

Verteidiger Reiners:

War die gleiche Frage.

 

Vorsitzender Richter:

War die gleiche Frage. Ist erledigt. Sonst noch eine Frage? Dann bitte ich die Angeklagten, alle aufzustehen und sich mal hier in die Mitte zu begeben, damit wir sie dem Zeugen einmal gegenüberstellen können.

 

– Schnitt –

 

Angeklagter Klehr:

Herr Direktor, ich erkläre, daß ich außer der Entwesung im Lager Birkenau keinen SDG-Dienst gemacht habe. Wenn mich der Zeuge gesehen hat, dann ist es möglich, als ich die Entwesung durchgeführt habe. Aber als SDG habe ich in Birkenau keinen Dienst gemacht und war auch nicht eingeteilt. Und wenn ich in das Lager kam, dann kam ich immer mit dem Motorrad ins Lager gefahren nach Birkenau, um das Entwesungskommando zu kontrollieren. Sonst habe ich nichts mehr zu sagen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nerozumiem. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wollten Sie noch etwas sagen? Bitte übersetzen Sie ihm. Oder haben Sie es verstanden?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, ich habe gerade...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Schamschulla:

Obžalovaný Klehr rekl, že SDG-službu v tábore v Birkenau vubec nedelal.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Also da verlasse ich mich schon auf das Gericht, weil ich der Zeuge bin, und er ist Angeklagter. Ich will nicht diskutieren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie wollen also bei Ihrer Aussage bleiben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Broad.

 

Angeklagter Broad:

Ich möchte bitte erklären, daß die gegen mich vorgebrachten Beschuldigungen nicht zutreffen.

 

Staatsanwalt Vogel:

[Pause] Herr Vorsitzender, der Zeuge hat eben den Angeklagten Kaduk erkannt. Ich möchte deshalb den Zeugen fragen: Woher kennen Sie Kaduk? Und was können Sie über seine Tätigkeit angeben?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Wenn ich mich gut erinnere, habe ich den Angeklagten Kaduk erkannt. Ende des Jahres 43 habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, nach der Ermordung des Rapportführers Schillinger. Was für eine Funktion [+ er hatte] und warum er nach Birkenau gekommen ist, ob er zugeteilt war, weiß ich heute noch nicht zu sagen. Ich bleibe bei der Aussage, die ich in der Tschechoslowakischen Republik über Kaduk [gemacht] habe, und an mehr erinnere ich mich nicht. Das heißt, wenn Sie wollen, kann man das vorlesen. Das heißt, er ist manchmal im Lager geblieben nach dem Ausrücken der Kommandos und hat schwache Häftlinge sortiert: Sie sollen am Lager bleiben, da sie schon nicht mehr fähig seien, und wie [+ das] in ihren Ausdrücke [+ hieß], ich will das nicht wiederholen. Er ist schon unfähig zu arbeiten und lästig, und man lieferte diese Häftlinge dann auf BIIf. Hie und da ist er auch hergekommen bei dem »Sport« und bei diesen Repressalien immer. Aber ich kann nicht mehr angeben gegen Kaduk, als ich in der Tschechoslowakischen Republik angegeben habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sagen Sie bitte, wissen Sie ganz bestimmt, daß Kaduk in Birkenau gewesen ist?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole, Herr Vorsitzende, wenn die Historie das auch nicht notiert hat: In Birkenau war das Lager in 43 und hauptsächlich in 44, dort sind sie gegangen, wer hat wollen und wie hat wollen, und das [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das haben Sie uns schon gesagt, daß es möglich war für die Leute, dorthin zu kommen. Das wissen wir. Nein, wir wollen von Ihnen wissen, ob Sie die ganz bestimmte Erinnerung daran haben, daß Sie Kaduk dort, in Birkenau nämlich, gesehen haben.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ganz bestimmt, weil ich kein Interesse an der Aussage gegen den einzigen von 1.000 SS-Männer habe, den ich nicht gekannt habe. Ich sage, ich habe ihn

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, Herr Zeuge, Sie verstehen nicht richtig, was ich will. Sehen Sie, der Angeklagte Kaduk hat gesagt: »Ich war Rapportführer im Lager Auschwitz I, nämlich im Stammlager.«

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das habe ich gewußt.

 

Vorsitzender Richter:

»Ich hatte in Birkenau überhaupt nichts zu tun. Und deshalb bin ich auch nie nach Birkenau gegangen. Was wollte ich dort? Ich hatte ja dort keinen Aufgaben, und ich habe mir dort keine Arbeit gesucht.« Sie aber sagen, Sie haben den Kaduk in Birkenau gesehen. Und meine Frage geht jetzt dahin: Wollen Sie mit aller Bestimmtheit sagen, daß Sie ihn in Birkenau gesehen haben? Nicht daß es ihm möglich war, dorthin zu gehen, oder daß es allen möglich war, dorthin zu gehen. Das wissen wir. Nein, ob Sie ihn mit eigenen Augen dort gesehen haben, das ist meine Frage.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das wiederhole ich, das ja. Und ich betone noch den Zeitpunkt, nach der Ermordung des Rapportführers Schillinger. Also wir waren in BIId oder in Birkenau ohne Rapportführer. Also vielleicht ist es möglich, daß es...

 

Vorsitzender Richter:

Daß er vertretungsweise dort war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Vielleicht, das ist möglich, aber gesehen haben ich ihn.

 

Vorsitzender Richter:

Gesehen haben Sie ihn ganz bestimmt.

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Ganz bestimmt. Ganz bestimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Das wollen Sie auch beeiden heute?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich wiederhole es heute.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Reiners:

Noch eine Frage, Herr Direktor.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Reiners.

 

Verteidiger Reiners:

Herr Zeuge, wie oft haben Sie den Kaduk dort gesehen in Birkenau?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Leider, habe ich kein Tagebuch in Auschwitz geschrieben, Herr Verteidiger

 

Verteidiger Reiners [unterbricht]:

Wie oft Sie ihn

 

Zeuge Alfred Wetzler [unterbricht]:

Es hat zwei- oder dreimal sein können, es hat auch viermal sein können. Wir haben es nicht notiert, weil so viele SS-Männer dort waren, daß wir es nicht notiert haben. Ich betone, daß ich ihn gesehen habe, es kann möglich sein zweimal oder dreimal.

 

Verteidiger Reiners:

Also mehr wie einmal meinen Sie auf jeden Fall?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ganz sicher. Ganz sicher.

 

Verteidiger Reiners:

Danke schön. Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Moment noch mal, Kaduk. [...] Ich meine jetzt Sie, den Zeugen, ob der Zeuge sich dran erinnern kann, daß Kaduk im Winter 43/44 nach der Zählung am Abend die Häftlinge vor den Baracken hat stehen lassen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ganz sicher, weil er ist dort mehrmals spaziert, ob die Häftlinge zwischen den Baracken strammstehen. Es war wieder so ein Ereignis zur Dezimierung der Häftlinge, weil das Stehen manchmal viel ärger war als die Arbeit. Nach der Arbeit stehen und ohne Essen und so weiter, stundenlang stehen, von fünf Uhr in der Früh bis neun Uhr abends. Also sie haben die Disziplin wieder einführen wollen, wenn etwas passiert ist. Ich habe ihn gesehen und wiederhole es und bestehe auf der Aussage, was ich gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun sagen Sie mal, sind dabei auch Leute erfroren?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, ich kann nur wiederholen so im allgemeinen, daß bei jedem solcher mehrstündigen Appelle die Leute erfroren sind und es nicht ausgehalten haben strammzustehen. Und wenn einer sich einmal gesetzt hat, dann war er schon fertig, dann ist er eingefroren. Das war doch selbstverständlich, ein Mensch, der 35 Kilo oder wieviel wiegt und keine Vitamine hat, war auch nicht viel. Noch vier, fünf Stunden also in Frost und im Winter Stehen, und das war bei jedem solchen lang Stehenden

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Zeuge, das ist uns alles verständlich, was Sie sagen. Wir wollen nur wissen, ob Sie gesehen haben, daß Leute dabei erfroren sind und gestorben sind.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja, ich bestehe auf der Aussage, was ich gesagt habe, Herr

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch einmal gesehen, daß Kaduk Häftlinge zu einer anderen Arbeitsstätte schickte und sie dann von hinten erschoß?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, das war schon die Fama von den Auschwitzer

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das war die Fama?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Auschwitzer Häftlingen.

 

Vorsitzender Richter:

Aha.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Das habe ich auch nicht mal in meiner

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das haben Sie selbst nicht erlebt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nein, und nicht mal in meiner Aussage erwähnt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Kaduk, Sie wollten noch etwas sagen?

 

Angeklagter Kaduk:

Herr Vorsitzender, ich hatte keinen Dienst in Birkenau getan. Ich war nur im Stammlager Auschwitz gewesen, hatte Dienst von 5 Uhr 30 bis abends vielleicht 18, 20 Uhr. Ich hatte in Birkenau gar nichts zu tun gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das haben Sie uns schon mehrfach gesagt, und Sie haben ja auch gehört, daß ich dem Zeugen diesen Vorhalt gemacht habe. Und der Zeuge ist bei seiner Aussage geblieben.

 

Angeklagter Kaduk:

Er hat die Wahrheit nicht gesagt, das ist nicht wahr. Ich streite das ab. Ich war nur im Stammlager gewesen. Draußen in Birkenau waren andere Blockführer und Rapportführer gewesen, da war Plagge, da war [unverständlich] und Polotzek. Ich hatte gar nichts zu tun gehabt. Mein Revier war das Stammlager Auschwitz gewesen. Da habe ich nur Dienst getan. Ich streite es ab, das ist nicht wahr, was der Zeuge...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich wollte den Angeklagten Kaduk noch fragen: Können Sie sich an die Erschießung von Schillinger erinnern?

 

Angeklagter Kaduk:

Ich kann mich nicht erinnern, Herr Staatsanwalt, ich war im Stammlager Auschwitz gewesen. Ich habe nur gehört, daß der Schillinger, glaube ich, beim »Sonderkommando« war. Im Krematorium wurde er erschossen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Also haben Sie doch davon gehört?

 

Angeklagter Kaduk:

Gehört

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja.

 

Angeklagter Kaduk:

Das ist aber allgemein bekannt gewesen bei uns Rapportführern und Blockführern. Wir mußten ja alles wissen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Eben. Und es wäre schön, wenn Sie alles, was Sie wußten und heute noch wissen, auch gelegentlich mal dem Gericht erzählen würden. Wie ist es, Sie waren aber doch auch auf der Rampe von Birkenau. Auf der Rampe von

 

Angeklagter Kaduk [unterbricht]:

Herr Staatsanwalt, jetzt werde ich Ihnen mal was sagen. Ich hatte in Birkenau an der Rampe gar nichts zu tun. Die alte Rampe, da war ich öfters gewesen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wollen Sie sagen, Sie waren weder im Lager Birkenau in einzelnen Teillagern noch jemals auf der Rampe innerhalb des Lagers Birkenau.

 

Angeklagter Kaduk [unterbricht]:

Da war ich überhaupt nicht gewesen. Ich war nur im Stammlager, durch die SS abkommandiert. Freiwillig sind wir nicht gegangen. An der alten Rampe, da war ich öfters gewesen, ob es Tag war oder Nacht, das gebe ich selber zu, das stimmt, ganz genau. Aber was der Zeuge sagt, daß ich in Birkenau war, das stimmt nicht. Das ist nicht wahr.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen aber, daß schon andere Zeugen vor ihm das auch gesagt haben.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, hören Sie mal, Herr Vorsitzender, es waren Zeugen dagewesen, die haben mich belastet, und zu dieser Zeit war ich ja gar nicht [+ dort] gewesen. Da habe ich in Birkenau im b-Lager oder a-Lager Häftlinge »erschossen«, »ermordet«. Und zu dieser Zeit war ich ja gar nicht drüben gewesen. Ich war nur im Stammlager. Und zweitens habe ich in der Zeit im Krankenhaus gelegen. [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Na ja.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich möchte zwei Fragen stellen, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ob er sich erinnert, ob er bei meiner Flucht mich suchen war, also im Suchkommando. Und zweitens, ob der Angeklagte hat gekannt den Lagerältesten Danisch. [...] Franz Danisch, den Lagerältesten von Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den gekannt?

 

Angeklagter Kaduk:

Ich habe nur im Stammlager Dienst gemacht, aber ich kannte ihn nicht. Aber gehört habe ich von ihm, das war ein Berufsverbrecher gewesen, ein gewisser Danisch. Ja, das ist mir bekannt.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe noch eine Frage. Warum

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und haben Sie sich auch bei der Flucht dieses Zeugen beteiligt bei der Verfolgung?

 

Angeklagter Kaduk:

Nein, gar nicht, mir ist nichts bekannt. Ich war ja gar nicht in Birkenau gewesen. Nur im Stammlager gewesen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Wieso weiß der Angeklagte, daß dort ein Danisch war und daß er Berufsverbrecher war? [...] Ich habe den Angeklagten in Birkenau sprechen sehen mit dem Franz Danisch, dem Lagerältesten. Die beiden haben in einem schlesischen Dialekt gesprochen in Birkenau. Und ich vermute, daß die beiden – der Berufsverbrecher und der SS-Mann – aus einer Stadt stammen.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gehört? Oder angenommen?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Angenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Angenommen haben Sie das. Herr Rechtsanwalt Doktor Eggert.

 

Verteidiger Eggert:

Herr Zeuge, ich habe eben aus Ihrer Bemerkung entnommen, daß Sie den Lagerältesten Danisch gekannt haben. War das der Lagerälteste vom ganzen Lager Birkenau oder nur von einem bestimmten Lagerabschnitt? [...]

 

Zeuge Alfred Wetzler:

In unserem Lager, BIId. [...]

 

Verteidiger Eggert:

BIId. Und wie alt war der damals?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

[Pause] Nach meiner Ansicht auch in den mittleren Jahren. Ich kann Ihnen bestimmt sagen seine Häftlingsnummer, 11.182. Er war faktisch ein Berufsverbrecher, und er konnte sehr gut mit dem Angeklagten [Pause] Kaduk, und ich vermute, daß der Häftling Danisch Zutritt gehabt hat zu Wertsachen und so weiter. Und vielleicht von Zuhause oder aus diesem Grund stammt diese Freundschaft. Also es ist nicht wahr, daß der Angeklagte Kaduk nicht in Birkenau war.

 

Verteidiger Eggert:

Was hat denn dieser Danisch bei seinen Mithäftlingen für einen Ruf gehabt?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Na, zu Hause war er Berufsverbrecher, und dort war er Berufsmörder.

 

Verteidiger Eggert:

Danke.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich muß leider an diese Frage noch eine Frage anschließen: Herr Zeuge, bestand eine Ähnlichkeit zwischen dem Danisch und dem Bednarek, dem Aussehen nach? Konnte man die zwei verwechseln?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Danisch hatte ein langes Gesicht, ein ovales Gesicht. Und Bednarek war doch ein kräftiger, kleiner Mensch. Und Danisch ist im Lager immer rumgelaufen wie ein schwarzer Mephisto, in einem ganz schwarzen Anzug und so weiter.

 

Staatsanwalt Kügler:

War der Danisch schmal und groß?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Schmal und hatte so einen länglichen Pferdekopf.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, den Bednarek haben Sie auch erkannt. Haben Sie von ihm etwas gehört, wie er sich als Blockältester betragen hat?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ich habe gehört von ihm, daß er im alten Lager, im BIb, der Blockälteste, ich glaube, im Strafkommando war. Aber ich habe ihn näher gekannt in dem Lager BIId, wo er in der Nebenbaracke der Blockälteste war. Ich war, ich wiederhole, auf Block 9 als Schreiber, er war in Block 11 im Strafkommando als Blockältester, und Block 13 war das »Sonderkommando«[unverständlich]

No, in der Zeit nach der Übersiedlung nach Birkenau, nach dem Bauabschnitt IId, kann ich über ihn nichts sagen, da waren schon ganz andere Verhältnisse. Man hat dann auch die Häftlinge von außen zugelassen in das Strafkommando. Also ich weiß aus dieser Zeit, also von Juni oder Juli 43 bis zu meiner Flucht, über den Angeklagten nichts.

 

Vorsitzender Richter:

Sie können nichts Nachteiliges sagen.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Nichts Nachteiliges.

 

Vorsitzender Richter:

Wie er vorher war, wissen Sie nicht, weil Sie da nicht so nah mit ihm zusammen waren, über sein früheres Betragen, vordem er da in BIId war?

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Es war die Fama nicht am besten. Aber die Baracke, wo das »Sonderkommando« war – früher ist das Strafkommando in das alte Lager gekommen –, es war so isoliert, daß...

 

Vorsitzender Richter:

Wenig herausgekommen ist.

 

Zeuge Alfred Wetzler:

Ja. Also isoliert. Also ich kann nichts angeben.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn keine Fragen mehr sind, keine Erklärungen mehr verlangt werden, dann

 

– Schnitt –

 

1. In Lagerabschnitt BIb. Zur Liquidierung der Häftlinge des »Sonderkommandos« vgl. Czech, Kalendarium, S. 349.

2. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.594.

3. Laut Czech, Kalendarium, S. 637 f. wurde SS- Oberscharführer Josef Schillinger am 23.10.1943 von einer Frau im Krematorium erschossen.

4. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.600.

5. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.600.

6. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.597.

7. BIII, »Mexiko«.

8. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.597.

9. Kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.596.

10. Beweisantrag vom 21.10.1964, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 22.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103.

11. Männerlager BIb.

12. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.02.1964 in Bratislava, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.596.

13. Skizze, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 05.11.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 104.

 

 
 
 
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