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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

94. Verhandlungstag, 28.9.1964

 

Vernehmung des Zeugen Franz Tomaszewski

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden,] Herr Tomaszewski, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts? Einverstanden. Herr Tomaszewski, ich will ganz kurz einmal Ihren Werdegang vortragen bis zu dem Augenblick, wo Sie nach Auschwitz gekommen sind. Sie sind in Rumänien geboren, wurden Anfang November 1940 nach Deutschland umgesiedelt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Das stimmt, ja? Nach der Umsiedlung haben Sie zunächst in Ulm bei der Bahn gearbeitet. Und wann wurden Sie zur Waffen-SS eingezogen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Am 21. Oktober 41.

 

Vorsitzender Richter:

41. Hatten Sie sich damals freiwillig gemeldet?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Nun, bei der rumänischen Armee hatten Sie gedient und sind dort als Gefreiter abgegangen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ihre militärische Grundausbildung haben Sie in Buchenwald bekommen, kamen nicht zum Fronteinsatz, sondern wurden wann nach Auschwitz überstellt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Es muß Herbst 42 gewesen sein, also [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Herbst 1942.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das weiß ich nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dort wurden Sie zunächst eingeteilt zum Wachdienst?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar wo?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nach Buna.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Buna. Und dann meldeten Sie sich wohin?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Dann meldete ich mich zur Fahrbereitschaft.

 

Vorsitzender Richter:

Zur Fahrbereitschaft. Kamen auch dahin?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar wann?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das kann ich nicht genau...

 

Vorsitzender Richter:

Anfang 43?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja, Anfang 43 muß es gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, kann es gewesen sein. Und fuhren einen Lkw?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Diese Lkws waren damals wo untergebracht?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

In der Praga-Halle.

 

Vorsitzender Richter:

In der Praga-Halle. Und dort blieben Sie auch, bis Auschwitz evakuiert wurde im Januar 1945.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind im Sommer 44 zum Rottenführer befördert worden und sind mit diesem Dienstgrad auch abgegangen.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Tomaszewski, der Leiter der Fahrbereitschaft war wer?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Der Leiter der Fahrbereitschaft war Untersturmführer Wiegand.

 

Vorsitzender Richter:

Untersturmführer Wiegand. Und wer war dessen Vorgesetzter?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das kann ich nicht hundertprozentig sagen. War das der Unterscharführer Siebald, oder war noch mal ein anderer Unterscharführer da.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, es ist ja wohl kaum möglich, daß ein Unterscharführer der Vorgesetzte eines Untersturmführers war. Ich will wissen, wer der Vorgesetzte von dem Untersturmführer Wiegand war.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Der Vorgesetzte vom Untersturmführer Wiegand?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

War der Lagerkommandant.

 

Vorsitzender Richter:

War der Lagerkommandant persönlich?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Also wieviel ich weiß, unterlag er der Kommandantur.

 

Vorsitzender Richter:

Aha, die Lagerkommandantur. Das ist ja keine Person. Aber Sie wissen es anscheinend nicht genau.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ich weiß es nicht genau. Das muß nur der Obersturmbannführer, der Lagerkommandant oder Obersturmbannführer [+ gewesen sein], zuletzt der Obersturmbannführer Baer als Lagerkommandant.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, was hatten Sie denn zu fahren mit Ihrem Lkw?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Die erste Zeit bin ich mit einem Untersturmführer mitgefahren, und wir haben hauptsächlich Wäsche von der Häftlingsbekleidungsanstalt nach Bielitz in die Wäscherei gefahren und zum Teil Verpflegung, Bekleidung an die Außenlager.

 

Vorsitzender Richter:

Aber außerdem haben Sie auch Häftlingseffekten transportiert?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Häftlingseffekten, also Häftlingswäsche, Häftlingsbekleidung...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das haben wir jetzt schon mal gehört. Ich habe Sie jetzt nach Häftlingseffekten gefragt. Sie wissen doch genau, was das ist. Ich frage Sie, ob Sie das Gepäck der ankommenden Menschen, das an der Rampe niedergelegt war oder in den Eisenbahnwaggons noch drin war, ob Sie das nach »Kanada« gefahren haben?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das habe ich auch zum Teil getan.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch getan?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Da kamen Sie bei dieser Gelegenheit auch auf die Rampe?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auf der Rampe das auch gesehen, wenn die Transporte ankamen und wenn dort diese sogenannten Selektionen stattfanden?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das haben wir in Wirklichkeit nicht gesehen. Das weiß ich bloß durch Erzählen. Wo ich auf die Rampe mußte, das war bloß selten. Und wo ich auf die Rampe mußte, da war die Rampe schon leer, bloß voll mit Effekten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Also Koffer und...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. Ganz recht. Haben Sie auch Menschen gefahren, die von der Rampe nach den Gaskammern gefahren wurden? Sie können die Antwort auf diese Frage verweigern. [Pause]

Na, was ist? Sie wissen es ganz genau. Es kommt nur auf die Frage an, ob Sie die Frage beantworten wollen oder nicht.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Es ist auch vorgekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Es ist auch vorgekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist auch vorgekommen. Nun, wenn Sie diese Leute abgeholt haben, da sind Sie doch auf die Rampe gekommen, als offensichtlich noch diese Einteilung im Gange war. Wer hat denn diese Einteilung vorgenommen, der Menschen, die in die Gaskammer sollten, und der Menschen, die ins Lager kommen sollten?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das waren Offiziere, Unteroffiziere. Aber ich habe persönlich keinen einzigen gekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo haben Sie denn die Leute dann hingefahren?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

An einen Bunker, an eine »Sauna«.

 

Vorsitzender Richter:

In einen Bunker, eine »Sauna«. Und wo waren denn diese Bunker? Und wann war das ungefähr? War das 42 oder 43 oder 44?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Ein paarmal, als ich gefahren bin, das muß schon 44 gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie meinen, es war 44?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja, das muß 44 gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo wurden denn da die Leute ausgeladen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

An einem Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Zunächst: Wo sind denn die Eisenbahnwagen ausgeladen worden?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Da waren also Gleise da, so wie am Bahnhof, bloß ohne Gebäude und Bahnsteige.

 

Vorsitzender Richter:

Und war das im Lager Birkenau zwischen den Baracken?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Rechts und links waren Baracken.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo waren denn da nun diese Gaskammern, wo Sie Leute hingeführt haben?

 

Zeuge Franz Tomaszewski [unterbricht]:

Die Bunker waren hintendran.

 

Vorsitzender Richter:

Hintendran?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sehen Sie mal auf die Karte da rauf. Da sehen Sie in der Mitte links so einen braunen Strich. Das sollen die Eisenbahngleise sein.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Moment.

 

Vorsitzender Richter:

Und oben links und rechts

 

Zeuge Franz Tomaszewski [unterbricht]:

Moment, Moment, Moment.

 

Vorsitzender Richter:

Ein bißchen mehr links müssen Sie gucken. Das ist da. [Pause] Na ja. Haben Sie da oben in diese Gaskammern die Leute gefahren?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Moment, erstens bin ich [Pause] da rüber.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, Herr Zeuge, Sie sind falsch im Bild. Da, wo der Herr Staatsanwalt eben hindeutet, da ist das Eingangstor gewesen, da sind die Eisenbahnwagen. Und nach oben gehen die Gleise.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und oben stehen zwei braune Gebäude, braunrot gezeichnet.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[unverständlich] Ich glaube, rechts war das.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie haben dann die Leute dort ausgeladen. Da mußten Sie vermutlich in Ihrem Wagen sitzenbleiben, ja.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Durfte ich nicht aussteigen vom Wagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie durften nicht aussteigen, ja. Und dann? Was haben Sie dann mit Ihrem Wagen gemacht? Sind Sie zurückgefahren, um neue zu holen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Da bin ich zurückgefahren und habe Effekten geladen.

 

Vorsitzender Richter:

Effekten geladen. Und wer war denn damals der Werkstattleiter bei Ihnen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Unterscharführer Siebald.

 

Vorsitzender Richter:

Siebald.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ich glaube, daß er so geheißen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, heute morgen war er da. Haben Sie ihn nicht gekannt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr gekannt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

So. Nun, gab es denn dafür, daß Sie da hinaufgefahren sind, auch besondere Zulagen, also zum Beispiel Zigaretten oder Schnaps oder Verpflegung oder Wurst oder so etwas?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das habe ich ein paarmal bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wer hat Ihnen denn das gegeben? Haben Sie da Gutscheine bekommen?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Da hat man einen Gutschein bekommen und hat [+ ihn] immer an der Küche eingelöst.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat Ihnen denn die Gutscheine gegeben?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Das war manchmal verschieden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und zwar zum Beispiel?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Unterscharführer Vollrath. Dann noch mal einer.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Na, wollen wir mal bei Vollrath bleiben: Was hatte denn der Vollrath dort für eine Aufgabe?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Der Vollrath war auch Lkw-Fahrer. Ich kenne ihn als Rottenführer, und er war nachher wohl Unterscharführer und hat zum Teil die Fahrzeuge eingeteilt.

 

Vorsitzender Richter:

Die Fahrzeuge eingeteilt. Hat er Sie

 

Zeuge Franz Tomaszewski [unterbricht]:

[unverständlich] Normal mußte man sich morgens zu den Fahrten in der Fahrbereitschaft bei Untersturmführer Wiegand melden. Da hat man aufgetankt. Wo ich an die Rampe mußte, die paar Male, da wurde ich von der Praga-Halle direkt beordert, daß ich auf die Rampe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hinfahren mußte. Und wer hat das gemacht, wer war das?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das war der Vollrath und... Wie hieß der? An den anderen Namen kann ich mich [+ nicht erinnern]. Ein Kleiner, ein Kleinerer. Ist möglich, daß er Lorenz heißt, aber genau...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht mehr genau.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das kann ich nicht genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie mal, ist der Vollrath auch auf die Rampe gefahren?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

[Pause] Das weiß ich nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Nein?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Aber jeder einzelne Fahrer ist mal drangekommen in der Zeit.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wissen Sie, ob der Vollrath das vielleicht recht gern gemacht hat wegen der Rationen, die es da gab? [Pause] Ob der Vollrath recht gern zu der Rampe gefahren ist?

Sie haben das mal gesagt bei Ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter Düx in Sigmaringen. Am 9. August 1963 haben Sie gesagt: »Es gab bei den Lkw-Fahrern solche, die die Einsätze gern mitmachten, weil es eben die oben beschriebenen Sonderzuteilungen gab. Vollrath gehörte zu dem Typ, die solche Einsätze gerne mitmachten. Er war immer dienstbereit.«1

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ah ja, es waren schon so Fahrzeuge da, die für die Arbeit bestimmt waren.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Ich habe keine Frage mehr an den Zeugen. Bitte? Haben Sie gesehen, daß der Kommandant Baer ab und zu auf der Rampe war?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Den hat man auch schon auf der Rampe gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie sonst noch Leute gesehen dort, die Sie kannten?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Von der Politischen Abteilung, von den Blockführern und Rapportführern habe ich keine einzelne Person, weder mit Namen noch sonst, gekannt. Ich habe nie irgendwie ein Interesse zu [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Aber Herr Zeuge, den Baer haben Sie doch gekannt, den Kommandanten?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ach ja, man wird wohl den Bataillonskommandanten kennen.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, schön. Ich mache Ihnen ja keinen Vorwurf draus, daß Sie ihn gekannt haben. Ich frage ja nur, ob Sie ihn gekannt haben.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie auch den Adjutanten gekannt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Gesehen habe ich ihn schon, aber...

 

Vorsitzender Richter:

Wer war denn das?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Kann ich mit Namen nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Haben Sie mal den Namen Mulka gehört?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Gehört habe ich ihn schon, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn auch gekannt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Das könnte ich heute nicht sagen, welche Person das ist.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch den Adjutanten Höcker gekannt?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nicht einmal dem Namen nach.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mal dem Namen nach?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Überhaupt nicht gekannt? [Pause] Aber Sie meinen, daß Sie Baer auf der Rampe gesehen hätten?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Das Gericht nicht. Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting.

 

Verteidiger Stolting II:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt? Keine? Herr Rechtsanwalt Ormond, entschuldigen Sie einen Augenblick. Haben Sie ins Protokoll aufgenommen, daß der Rechtsanwalt Ormond als Vertreter der Nebenklage da ist? Ich hatte das vorhin übersehen.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ich bitte um Entschuldigung. Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Sie haben vorhin erklärt, Sie hätten nicht aus dem Führerhaus des Lkws aussteigen dürfen, wenn Sie auf der Rampe waren.

 

Verteidiger Stolting II:

Verzeihung, dieser Vorhalt ist nicht korrekt, Herr Direktor. Herr Kollege Ormond, er hat das nicht gesagt. Er hat nach meiner Erinnerung gesagt, er durfte aus dem Führerhaus nicht aussteigen, wenn er die Menschen an der Gaskammer ausgeladen hatte.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, auch das.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja. Nein, nicht auch das, sondern nur das.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also Frage: ob er auf der Rampe aussteigen durfte.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ob Sie auf der Rampe aussteigen durften.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Auf der Rampe durfte man nicht aussteigen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Erinnern Sie sich an einen Vorgang, wo jemand aus Ihrer Heimat Sie einmal erkannt hat?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Würden Sie das dem Gericht erzählen?

 

Vorsitzender Richter:

Gehen Sie ans Mikrofon, ja? [Pause] Wo steht das?

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Was ich schon angegeben habe und was ich jetzt erzähle, ob das auf wirklicher Wahrheit beruht oder das eine Phantasie durch die Jahre ist, das kann ich nicht beschwören.

 

Vorsitzender Richter:

Na, erzählen Sie mal, was Sie wissen.

 

Zeuge Franz Tomaszewski:

Ich war mal zum Effektenfahren ganz raus2

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. richterliche Vernehmung vom 09.08.1963 in Sigmaringen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 85, Bl. 16.402.

2. Der Zeuge Tomaszewski blieb »gemäß § 60, Abs. 3 StPO unbeeidigt, da der Verdacht besteht, daß er an den strafbaren Handlungen, die den Angeklagten zur Last gelegt werden, beteiligt ist.« Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 28.09.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 102, Bl. 737.

 

 
 
 
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