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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

106. Verhandlungstag, 30.10.1964

 

Vernehmung des Zeugen Bronislaw Stasiak

 

Vorsitzender Richter:

Ihre Aussage auf ein Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie nach Auschwitz gekommen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nach Auschwitz bin ich gekommen entweder Ende März oder Anfang April 42.

 

Vorsitzender Richter:

März/April 1942. Und wo kamen Sie damals her?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Von Warschau.

 

Vorsitzender Richter:

Von Warschau. Und warum sind Sie damals verhaftet worden?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich wurde angezeigt wegen Flugblättern. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also aus politischen Gründen.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Aus politischen Gründen.

 

Vorsitzender Richter:

Und welchen Winkel haben Sie getragen in Auschwitz?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Roten.

 

Vorsitzender Richter:

Den roten Winkel. Wo haben Sie in dieser Zeit gearbeitet, wo Sie in Auschwitz waren?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich habe gearbeitet im Krankenbau als Pfleger und als Musiker in der Kapelle.

 

Vorsitzender Richter:

In welchem Krankenbau?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Im Krankenbau in Auschwitz I erst und dann nachher in Buna/Monowitz.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann in Monowitz?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Aber nicht im Krankenbau schon in Monowitz. Nur in Auschwitz im Krankenbau.

 

Vorsitzender Richter:

Im HKB in Auschwitz I haben Sie in welchem Block gearbeitet?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Erst habe ich gelegen auf Block 28.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dann?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Und dann auf Block 21.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Und dann auf Block 19.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Und auch, wo ich krank war, flecktyphuskrank, war ich auf dem Block 20, auf dem Typhusblock.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dann kamen Sie wann nach Monowitz?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich kann es nicht genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ungefähr.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

43, zirka im Sommer, ganz genau kann ich nicht sagen, ob das Anfang oder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Und was haben Sie in Monowitz gearbeitet?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

In Monowitz war ich als Kapellmeister.

 

Vorsitzender Richter:

Als Kapellmeister. [Pause] Während Sie nun im Krankenbau waren, haben Sie da auch Ärzte kennengelernt und Sanitätsdienstgrade?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Welche Ärzte haben Sie denn kennengelernt?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Sie meinen die SS-Ärzte, oder?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Hauptsturmführer Entress und am Anfang Unterscharführer und dann Oberscharführer Josef Klehr.

 

Vorsitzender Richter:

Also den Arzt Entress und den Sanitätsdienstgrad Klehr?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war, wenn ich mich nicht irre, von April 42 bis zum Sommer 43.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

So ungefähr. April [42], das ist beinahe sicher, Ende März/April [42]. Und das andere, ich weiß nicht ganz genau, nicht. Ungefähr im Sommer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ja. Haben Sie noch in Erinnerung, wie lange Klehr dort geblieben ist in dem Krankenbau als Sanitätsdienstgrad?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Wie ich mich erinnern kann, die ganze Zeit, wo ich dort war, war der Unterscharführer Klehr auch da.

 

Vorsitzender Richter:

Auch da?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das wäre bis zum Sommer 43 gewesen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ungefähr.

 

Vorsitzender Richter:

So ungefähr.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

So wie ich mich erinnern kann.[...]

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie bei dieser Gelegenheit auch festgestellt, daß Klehr selbst Selektionen durchgeführt hat, ohne einen Arzt?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Von Zeit zu Zeit ja.

 

Vorsitzender Richter:

Von Zeit zu Zeit ja. Daß er also ohne einen Arzt Leute ausgewählt hat, die getötet werden sollten?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja. Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wie er das gemacht hat? Können Sie uns das mal erzählen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich war nicht dabei.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren nicht dabei.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Aber ich habe gehört, wie es gemacht wurde, und ich habe gesehen die Leichen. Die wurden durch unseren Leichenträger von dem Josef-Klehr-Zimmer rausgetragen. Das war das erste Zimmer links in Block 28, gegenüber von der Ambulanz und der Apotheke.[...]

 

Vorsitzender Richter:

Und sind da die Leute getötet worden mit diesen Einspritzungen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das wissen Sie nicht?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich war nicht da drin. Auf jeden Fall sah ich die Schlange stehen draußen, und ich sah die toten Menschen, die wurden rausgetragen und unten in den Leichenkeller gebracht, in die Leichenhalle.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum verbinden Sie das mit der Person des Angeklagten Klehr?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Weil ich habe ihn immer gesehen da reingehen. Und nach allen Spritzungen habe ich ihn auch gesehen rausgehen. Und ich wußte, daß er drin war.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie noch, wann das war? Während der ganzen Zeit oder war das nur am Anfang, oder?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Mehr im Anfang, wo ich dort war. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wie von der Verteidigung1 behauptet wird, sollen Sie auch damals den Angeklagten Broad kennengelernt haben.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns mal erzählen, wieso Sie ihn kennengelernt haben, wieso Sie wissen, wie er heißt, und was Sie mit ihm erlebt haben?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl. Den Angeklagten Broad habe ich gekannt ganz am Anfang, wo ich in Auschwitz war. Und zwar es könnte sein Ende April, ungefähr zwei, drei Wochen, nachdem ich als Zugang kam. Da habe ich eine kleine Kapelle gegründet, ungefähr fünf Mann, alles Häftlinge. Und ich kann mich genau erinnern, wir haben gespielt hinter dem Block 28, ganz in der Nähe vom Zaun. Und da habe ich den Herrn Broad auf der anderen Seite vom Zaun gesehen. Und ich habe bemerkt, daß der sehr begeistert war von unserem Musikmachen.

Dann habe ich ihn eine Zeitlang nicht mehr gesehen, und auf einmal war er im Lager und hat die Kapelle gesucht. Herr Broad war immer, was sich später herausgestellt hat, Musikliebhaber und hat selbst Akkordeon gespielt. Ich spiele auch Akkordeon, und meine Art zu spielen hat ihm sehr gefallen. Und er hat verschiedentlich Rat bei mir gesucht, wie man Akkordeon spielen soll. Und er war immer sehr interessiert an dem kleinen Orchester, das wir hatten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sind Sie selbst einmal verwickelt gewesen in eine Untersuchung wegen einer Widerstandsbewegung?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Dann erzählen Sie uns einmal, wie das kam und wer Sie damals verhaftet hat beziehungsweise zur Vernehmung gebracht hat.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Es war schon während meiner Anwesenheit in Buna. Da wurde ich eines Tages von Oberscharführer Wieczorek geholt und nach Auschwitz gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Das war also nach dem Sommer 43?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, ich weiß nicht wie lange, aber auf jeden Fall war ich schon ein paar Wochen in Buna, und ich war beim Aufbau von meinem Orchester dort. Von dem Oberscharführer Wieczorek wurde ich gebracht nach Auschwitz, dem Herrn Oberscharführer Boger zur Verfügung. Da stand ich bei der Politischen Abteilung in der Baracke, die ganz in der Nähe vom Krematorium war. Und da habe ich gesehen einen Häftling, der zusammen mit mir in demselben Transport nach Auschwitz kam, und zwar Herrn Oberst Gilewicz. Herr Oberst Gilewicz hat mich aufmerksam gemacht damals, wo wir beieinander standen da, daß er ausgesagt hat ein Gespräch, daß ich mit ihm vorher hatte in der Schuhfabrik.

Und zwar ich bin sehr oft nach Auschwitz gefahren, Auschwitz I, weil ich immer Musik geholt habe für meine Kapelle von Auschwitz von der Hauptkapelle. Und auf einer Fahrt sind wir vorbeigefahren an der Schuhfabrik, um Schuhe aufzuladen für unsere Bekleidungskammer. Und da habe ich gesehen den Herr Oberst Gilewicz. Der ist zu mir gekommen und er hat mich gefragt, ob ich wußte, daß sein Bruder in Buna war, wo ich war damals. Habe ich gesagt: »Ich weiß es nicht.« »Ja, er ist da, bitte seien Sie so gut und grüßen Sie ihn.« Das war alles, was wir gesprochen haben. Ich habe keine Zeit wirklich gehabt, um den Mann ausfindig zu machen, und ich habe ihn nicht gegrüßt.

Da, wo ich stand bei der Politischen Abteilung – wie ich schon vorher gesagt habe, wurde ich gewarnt von demselben Herrn Gilewicz –, konnte ich sehen die Baracke. Und auf einmal sah ich Herrn Broad rauskommen. Und er hat mich auch gesehen, hat mich zu sich gerufen und sagte: »Mensch, was machen Sie denn hier?« Ich sage: »Ich bin gerufen worden hierher und dem Herrn Boger zur Verfügung gestellt.« Da habe ich gesehen, daß er war ein bißchen blaß geworden, und hat er mich gefragt: »Haben Sie was zu tun mit diese Gruppe hier?« Ich sagte: »Mit dieser Gruppe habe ich nichts zu tun gehabt«, aber ich habe ihm erzählt die Sache mit dem Oberst Gilewicz. Darauf hat mir der Herr Broad geantwortet: »Die Sache sieht ein bißchen schlecht aus, aber ich werde sehen, was ich machen kann.«

Was er gemacht hat, weiß ich nicht. Jedenfalls ich wurde bestellt zu Herrn Boger zur Vernehmung, und ich habe genau dasselbe ausgesagt: daß ich den zweiten Gilewicz nicht gekannt und nicht begrüßt habe. Da wurde ich wieder in den Bunker geschickt, weil damals habe ich im Bunker gesessen. Und am nächsten Tag wurde ich wieder zu Herrn Boger gerufen, und ich wurde gegenübergestellt – was ich vermutet habe – dem anderen Gilewicz. Und Herr Boger hat mich gefragt, ob ich den kenne, da habe ich gesagt »nein«. Und den hat er auch gefragt, ob er mich kenne, darauf hat er geantwortet: »Ich habe ihn nur verschiedene Male gesehen beim Aus- und Einrücken im Lager, wo er die Kapelle dirigiert hat. Aber wir haben nie miteinander gesprochen.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie ging es dann weiter?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Gut, das war alles. Ich habe noch eine ganz kurze Vernehmung durch Herrn Boger gehabt dann nachher. Er hat die verschiedenen Fakten feststellen wollen. Und ich ging wieder zurück in den Bunker, und ungefähr nach einem Tag oder so was wurde ich wieder entlassen und nach Buna geschickt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und bei dieser Vernehmung bei Boger, wurde Ihnen da irgendwie Gewalt angetan?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie gesehen, daß die übrigen Leute, die mit Ihnen zusammen dorthin bestellt waren, daß die dort irgendwie mißhandelt worden sind oder getötet worden sind?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, ich habe das nicht gesehen, erstens. Und zweitens in der Zelle im Bunker, wo wir gesprochen haben unter uns, habe ich auch keine Klagen gehört wegen schlechter Behandlung bei der Vernehmung.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben selbst in einem Bunker gesessen, sagten Sie.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar in welchem Block?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

In Block 11.[...]

 

Vorsitzender Richter:

War das zur gleichen Zeit, wie auch die beiden Brüder Gilewicz dort gesessen haben?[...]

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Moment, ich habe nichts gesagt von dem zweiten Gilewicz, daß der gesessen hat. Der erste bloß, der mit mir im Transport gekommen ist. Beim zweiten weiß ich nicht, ob der im Bunker saß. Ich habe mit ihm bloß ein Zusammentreffen gehabt bei Herrn Boger.

 

Vorsitzender Richter:

Wir wollen mal das Bunkerbuch ansehen. Ja, Herr Zeuge, haben Sie dann Broad später noch einmal gesehen? [...]

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Den Herrn Broad habe ich dann gesehen vielleicht ein- oder zweimal in Buna. Und dann nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Bei welcher Gelegenheit?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Er war im Lager. Ich habe ihn einfach gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Was er dort gemacht hat, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, nein. Einmal ist er gekommen, und ich war interessiert von wegen der Kapelle im Zigeunerlager. Also hat er mich mitgenommen, hat mir die Kapelle vorgestellt, die haben ein bißchen gespielt. Und dann hat er mich wieder zurück nach Buna gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie etwas sonst von dem Verhalten des Angeklagten Broad, ob er irgendwo bei der Rampe beim Selektieren tätig war oder wie er sich bei Vernehmungen benommen hat und so weiter?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal gehört von irgendeinem andern Häftling, wie er sich ihm gegenüber benommen hat, ob er bei Vernehmungen die Leute geschlagen hat oder ob er sich anständig betragen hat?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich habe nie was Schlechtes über ihn gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Wissen Sie, was aus diesem Oberst Gilewicz geworden ist, der damals auch verhört worden ist?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Der Gilewicz, der mit mir gesessen hat und mit mir zusammen gekommen ist, ist erschossen worden mit der ganzen Gruppe, die im Bunker gesessen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Das war aber nicht der Oberst?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Alle beide waren Oberst.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Beide waren Oberst. Also, Sie haben uns zuerst gesagt, ein Oberst Gilewicz hätte Ihnen die Grüße aufgetragen für seinen Bruder.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Für den anderen, seinen Bruder.

 

Vorsitzender Richter:

Und welcher hat nun mit Ihnen zusammen im Bunker gesessen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Derselbe, aber nicht in derselben Zelle.[...]

 

Vorsitzender Richter:

Nicht in derselben Zelle, aber in derselben Zeit?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

In derselben Zeit, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie dort in diesem Bunker auch Erschießungen miterlebt?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie dort erlebt in dem Bunker, daß Leute ausgewählt worden sind zum Erschießen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nicht in dieser Zeit, wo ich da war.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lange haben Sie denn im Bunker gesessen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ein paar Tage, ich kann nicht genau sagen, wie viele Tage es waren.[...]

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie da allein in einer Zelle oder waren Sie

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Nein, nein, nein, es waren acht oder zehn Häftlinge in derselben Zelle. Sogar kann ich mich an die Namen jetzt gut erinnern. Da war dabei ein sehr bekannter Rechtsanwalt in Polen, Wozniakowski. Ein ganz großer Mann, dicker Mann.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Józef Wozniakowski.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Den Vornamen weiß ich nicht. Er war sehr bekannt in dem Prozeß von einem Mordattentat auf die Tochter von einer Stiefmutter namens Gorgonowa. Das war schon eine alte Geschichte. Aber er war sehr bekannt in Polen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, danke schön. Also, es wird festgestellt, aus dem Bunkerbuch, daß die beiden Brüder Gilewicz, und zwar Häftlingsnummer 31.033 und 71.886

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Das ist der zweite Gilewicz.

 

Vorsitzender Richter:

Der eine ist am 16.9, der andere am 17.9.43 eingeliefert worden. Und beide sind am 11.10.43 gestorben. Ist wohl anzunehmen, daß sie erschossen worden sind.2

 

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ist ein Kreuz dabei. Und der Zeuge selbst, [Pause] Sie hatten welche Nummer?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

31.309.

 

Vorsitzender Richter:

309, jawohl, als politischer Gefangener

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Politischer, ja

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Eingeliefert von der Politischen Abteilung am 1.10.43 und entlassen worden am 4.10.43.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Das kann stimmen.

 

Vorsitzender Richter:

Also insofern deckt sich die Eintragung im Bunkerbuch3 mit den Bekundungen des Zeugen. Herr Rechtsanwalt Steinacker, Sie haben den Zeugen benannt, bitte schön.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, wir hatten Sie dafür benannt, daß Sie Ihr Leben dem Angeklagten Broad zu verdanken haben.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Es ist doch einfach, wenn er mich aus so einer Geschichte rausgezogen hat, wo ich dabei war, wo verschiedene Menschen sind erschossen worden, die übrigen, die im Bunker geblieben sind. Ich nehme an, der Mann hat mir das Leben gerettet.

 

Verteidiger Steinacker:

Ach so, Sie ziehen also aus der Tatsache, daß er gesagt hat zu Ihnen: »Ich möchte sehen, was ich für Sie tun kann«, und daß Sie nachher rausgekommen sind, da ziehen Sie den Schluß daraus.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, gehörten Sie der polnischen Widerstandsbewegung an im Lager?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, nicht dem militärischen und nicht dem politischen.[...]

 

Verteidiger Steinacker:

Nicht dem politischen. Hatten Sie gute Verbindungen zu der polnischen Widerstandsbewegung?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja sicher, ich war ein sehr guter Freund von dem jetzigen Premierminister Cyrankiewicz.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, Sie waren in Block 28, 21, 19 und 20 untergebracht. Ihre Tätigkeit in Block 28 – was haben Sie dort getan?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Am Anfang habe ich den Korridor geputzt und das WC. Und dann habe ich eigentlich nicht viel getan, weil meine Hauptarbeit war dann Musik. Wir mußten doch irgendwo in einem Block sein, daß wir auch arbeiteten.

 

Verteidiger Steinacker:

Waren Sie auch als Pfleger in einem der Blocks tätig?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, aber bei ganz kleinen Sachen. Dann später im Block 19 habe ich geholfen, die Phlegmone zu verbinden und so weiter.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, können Sie sich daran erinnern, wohin die Erschossenen von Block 11 als Leichen gebracht wurden?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Meistens wurden unsere Leichenträger gerufen zum Block 11, und die Leichen wurden zu uns gebracht in den Krankenblock 28 in den Keller. Und immer abends nach dem Appell wurden sie mit einem Wagen rausgefahren zum Krematorium I. Das war ganz in der Nähe von der Politischen Abteilung.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie oder haben mit Ihnen andere Häftlinge gemeinsam so eine Art Kontrolle darüber geführt, wenn Leichen Ihnen aus Block 11 angeliefert wurden?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich persönlich habe keine Kontrolle geführt. Aber wahrscheinlich wurde eine Kontrolle geführt.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, Sie sagen: »wahrscheinlich«. Wissen Sie es, oder

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Ja, weil man hat gesagt: »Soviel und soviel Menschen sind heute weggebracht worden«, aber

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Ach so, das habe ich

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Keine genaue

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Also keine genaue Buchführung.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie selbst Leichen gesehen, die aus Block 11 in Block 28 in den Leichenkeller gekommen sind?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Die Leichen selbst habe ich nicht gesehen. Aber ich habe gesehen die Leichenträger mit den Kisten.

 

Verteidiger Steinacker:

Wie sie sie reingebracht haben.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Und unten im Keller habe ich gesehen sehr oft die Leichen, weil ich war befreundet mit dem Kapo da unten vom Leichenkommando.

 

Verteidiger Steinacker:

Wer war das, bitte?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ein Pole, wenn ich mich noch erinnern kann, war sein Name Teo. Ein ganz kleiner Kerl. Teofil oder Teo.

 

Verteidiger Steinacker:

Wie wurden die Leichen, wenn es also nicht größere Mengen waren, angeliefert? In Kisten oder wie?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

In Kisten. Immer in Kisten.

 

Verteidiger Steinacker:

In Kisten. Waren die offen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, die waren offen.

 

Verteidiger Steinacker:

Die waren offen. Herr Zeuge, können Sie sich, als Sie in Block 28 tätig waren oder in einem der Blocks tätig waren, an ein außergewöhnliches Ereignis erinnern, das in Verbindung steht mit einem Transport von Leichen aus Block 11 nach Block 28 oder 21, in dem, wo Sie waren?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Wo ich da war, habe ich nichts davon gewußt und habe ich nichts davon erfahren. Aber wo ich schon in Buna war, habe ich mal gesprochen mit Häftlingen. Jetzt weiß ich nicht den Namen, wenn ich mich nicht irre, das war der Zygmunt Wojsczyk, einer meiner sehr guten Kollegen, auch Musiker. Und er hat mir erzählt von einem Fall, daß einmal sind Kisten gekommen, die wurden zugenagelt. Wo normalerweise die Kisten immer offen geblieben sind, bloß mit einem losen Deckel oben.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Ja und, was war mit diesen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Und selbstverständlich waren die Häftlinge neugierig

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Neugierig.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Warum die zugenagelt waren, und die haben die aufgemacht. Da haben die gefunden eine Frau und zwei kleine Kinder.

 

Verteidiger Steinacker:

Die erschossen worden waren?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, die erschossen waren.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, und was haben Sie weiter gehört?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Weiter habe ich gehört, daß die Häftlinge dann wollten wissen, wieso das vorgekommen ist und wer es getan hat. Also die haben sich in Verbindung gesetzt mit Block 11, auch mit Häftlingen, und die konnten erfahren, daß da waren die zwei Kinder und die Frau. Und die Exekution hat gemacht der damalige Rapportführer im Lager Auschwitz, Hauptscharführer Palitzsch.

 

Verteidiger Steinacker:

Das haben Sie aber nur gehört?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak :

Nur gehört.

 

Verteidiger Steinacker:

Und Sie haben das gehört, wenn ich Sie richtig verstanden habe, von Mithäftlingen, die in Block 11 waren oder in einem der Blocks, in denen die Leichen von Block 11 nach Block 8 gebracht wurden?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Der Häftling, von dem ich annehme, daß er mir das gesagt hat – ich bin auch nicht hundertprozentig sicher – war der Zygmunt Wojsczyk. Und er war in Verbindung mit den Leichenträgern und den Häftlingen, die waren auf dem Block 11. [...]

 

Verteidiger Steinacker:

Hatte dieser Zeuge Verbindung zu Häftlingen, die in Block 11 waren?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nicht speziell, nicht direkt Verbindung. Wissen Sie, mit Block 11 war das so eine Sache, daß wir verschiedene Male da eingeladen wurden mit der ganz kleinen Kapelle, um zu spielen. So wie wir auf allen Blocks gespielt haben und zwischen Blocks gespielt haben. Also das war die einzige Verbindung, was er hatte mit den Häftlingen da.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie wissen also nicht, von wem es derjenige, der Ihnen das gesagt hat, erfahren hat von Block 11.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, das sicher nicht.

 

Verteidiger Steinacker:

Hat Ihnen derjenige, der Ihnen über diesen Vorfall – Frau und zwei Kinder in einer Kiste von Block 11 kommend

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Ob das in einer Kiste war, weiß ich nicht. Ich sage Kiste oder Kisten.

 

Verteidiger Steinacker:

Ach so, ja. Von Block 11 kommend – hat er Ihnen gesagt, von wem er es hat?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, er hat es mir nicht gesagt. Er hat mir bloß erzählt, daß so was passiert ist und daß der Hauptscharführer Palitzsch diese Exekution gemacht hat.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. War das ein außergewöhnlicher Fall, oder war das etwas Normales, wenn in Block 11 Kinder oder eine Familie erschossen wurden?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, ich glaube, das war ganz außergewöhnlich, weil ein Kind war ganz klein. So ein Kind, das mußte wahrscheinlich auf dem Arm getragen werden. Ein ganz kleines Kind.

 

Verteidiger Steinacker:

Nach der Darstellung, die Sie gehört haben.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Das, was der mir auch erzählt hat.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Dann noch eine andere Frage: Kennen Sie den Angeklagten Dylewski?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Persönlich kenne ich ihn nicht, der Name kommt mir bekannt vor, aber ganz von weitem. Ich könnte nicht sagen, wo er gearbeitet hat und was er im Lager getan hat. [...]

 

Verteidiger Steinacker:

Wurde dieser damalige SS-Unterscharführer zu irgendeinem Zeitpunkt mal mit dieser Exekution in Block 11 in Verbindung gebracht, die Sie eben geschildert haben, also von der Sie ja nur vom Hörensagen wußten?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, wir haben immer darüber gesprochen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, über diesen Fall. Aber ob dieser Angeklagte, Dylewski, mit diesem Vorfall, von dem Sie gesagt haben: »Es war der Palitzsch, ist uns gesagt worden«, in Verbindung gebracht wurde?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein, das habe ich nie gehört.

 

Verteidiger Steinacker:

Nie gehört. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Zeuge, Sie erwähnten vorhin, daß Sie persönlich nicht gesehen und auch nicht selbst erduldet haben, daß bei der Politischen Abteilung bei Vernehmungen von Broad oder von Boger im Zusammenhang mit Ihrem Fall Häftlinge geschlagen wurden.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Persönlich nicht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Haben Sie denn überhaupt etwas davon gehört, daß bei der Politischen Abteilung sogenannte verschärfte Vernehmungen durchgeführt worden sind?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, das habe ich gehört.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, und sind da auch Namen genannt worden in diesem Zusammenhang?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ja, im Lager wurde bekannt, daß die Vernehmungen beim Oberscharführer Boger ganz schlimm waren, auch beim Herr Lachmann.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Also bei Boger, die waren besonders schlimm, die Vernehmungen?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Den Boger haben alle gefürchtet im Lager, das ist gewiß. Und außerdem, alle haben Angst gehabt vor dem Herrn Lachmann auch. Und da war auch der Herr Wosnitza.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut. Und können Sie sich aus den paar Tagen Ihres Aufenthalts im Bunker noch an den Namen eines Arrestaufsehers erinnern?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Alle andere Häftlinge?

 

Staatsanwalt Vogel:

Nein, im Bunker, der Blockführer von Block 11 oder der Arrestverwalter

 

Zeuge Bronislaw Stasiak [unterbricht]:

Blockführer? Ja. Aber der Kapo oder der

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Nein, das meine ich nicht.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein. Aber den Blockführer ja, das war der Oberscharführer Gehring.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gehring. Haben Sie noch andere Namen da in Erinnerung im Zusammenhang damit?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nein. Etwas ganz anderes: Sie erwähnten vorhin zu Beginn, daß es in Buna Ihre offizielle Tätigkeit war, als Kapellmeister zu arbeiten.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Jawohl. Speziell am Anfang.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Für welche Zwecke wurde diese Kapelle benötigt?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Für welche Zwecke war die Kapelle? Die Kapelle hat gespielt in der Früh, um auszurücken

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Beim Ausmarsch der Häftlinge?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Des Kommandos. Und abends beim Einrücken des Kommandos, und manchmal haben wir am Sonntag auch Konzerte gemacht für die Häftlinge. Und auch am Sonntag verschiedene Male haben wir gespielt draußen für die SS in der SS-Unterkunft.

 

Staatsanwalt Vogel:

Standkonzerte für die SS. Wie groß war die Kapelle etwa?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Die war etwa 40, 45 Mann.

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke. Ich habe dann keine Fragen an den Zeugen. Aber ich möchte den Angeklagten Broad fragen, ob die Schilderung, so wie sie der Zeuge gegeben hat über sein Zusammentreffen mit ihm, richtig ist.

 

Angeklagter Broad:

Herr Staatsanwalt, wie wir uns kennengelernt haben, meinen Sie, oder?

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja überhaupt, also insbesondere auch dann, als Sie gemerkt haben, er steht vor der Politischen Abteilung zur Vernehmung bereit.

 

Angeklagter Broad:

Daran kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie können sich also auch nicht mehr erinnern

 

Angeklagter Broad [unterbricht]:

Nein, gar nicht

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Daß Sie blaß geworden sind, als Sie hörten, daß er durch Boger vernommen werden soll?

 

Angeklagter Broad:

Nein, nein. Ich weiß noch, diese Untersuchung damals mit dem Oberst Gilewicz, also das war ja eine große Angelegenheit. Aber daß überhaupt Herr Stasiak dabei war und daß wir da gesprochen haben, das weiß ich nicht mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Halten Sie es denn für möglich, daß Sie blaß geworden sind, als Sie gehört haben, der Zeuge soll durch Boger vernommen werden, wie es der Zeuge geschildert hat?

 

Angeklagter Broad:

Schwer zu sagen, Herr Staatsanwalt, ich habe vielleicht einen Schrecken gekriegt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, eben, weshalb haben Sie dann einen Schrecken bekommen?

 

Angeklagter Broad:

Mir war ja soviel bekannt, daß das eine sehr ernste Angelegenheit war, diese Geheimorganisation der Offiziere. Und wer da wirklich verwickelt war...

 

Staatsanwalt Vogel:

Wären Sie also nur erschrocken, weil es eine ernste Angelegenheit an sich war, oder speziell, weil der Zeuge durch Boger vernommen werden sollte?

 

Angeklagter Broad:

Nein, ich möchte sagen, weil das an sich eine ernste Angelegenheit war.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut, danke.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Zwei kurze Fragen, Herr Vorsitzender. Herr Zeuge, ich habe doch recht verstanden, daß Sie mit dieser Widerstandsbewegung nicht das geringste zu tun hatten?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Zweite Frage: Solange Sie Kapellmeister waren, haben Sie da noch offiziell eine andere Tätigkeit ausgeübt oder war das Ihre ausschließliche Funktion?

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

In Buna? In Buna, meinen Sie?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

In Buna.

 

Zeuge Bronislaw Stasiak:

Ich habe gearbeitet in dem Elektro-Magazin in Buna, solange, bis die Polen auf einmal nicht mehr ausrücken durften. Damals wurde ich Blockältester auf Block 38. Vom Kapellmeister wurde ich zum Blockältesten, wo ich auch meine ganze Kapelle auf dem Block gehabt habe.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hat die Kapelle bis zum Schluß bestanden in Monowitz?

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. Beweisantrag der Verteidiger Laternser und Steinacker vom 30.10.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103.

2. Vgl. Bunkerbuch II, Bl. 42.

3. Vgl. Bunkerbuch II, Bl. 49.

 

 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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