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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

137. Verhandlungstag, 18.2.1965

 

Vernehmung des Zeugen Günther Stark

 

Vorsitzender Richter:

Herr Stark, sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Günther Stark:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Stark, es handelt sich bei Ihrer Vernehmung nur um folgendes: Ihr Bruder war, wie er uns hier sagte, beurlaubt, um zu studieren und einmal bei einem Kurs oder einem Lehrgang in Dachau [+ teilzunehmen]. Und es kommt ihm darauf an, zu wissen oder festgestellt zu wissen, wann das gewesen ist und was Sie davon noch wissen.

 

Zeuge Günther Stark:

Das war im Jahre 1943.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Günther Stark:

Und zwar war mein Bruder im Wintersemester 1942/43 hier in Frankfurt und hat hier studiert. Als sein Studienurlaub vorbei war, fuhr er wieder zurück, wie ich wußte, nach Auschwitz, und kam wenige Tage später – ich möchte mich jetzt auf die Tage nicht festlegen, es hat sich aber nur um eine kurze Zeit gedreht, sagen wir mal, höchstens drei bis vier Tage – wieder zurück. Und zwar weiß ich das deshalb so genau, wenn ich mir das jetzt vorstelle: Erstens einmal haben wir da nur ein Zimmer gehabt, wir waren nur zu zweit. Und da mein Bruder weg war, habe ich das eine Zimmer gehabt. Sein eigentliches Zimmer war vermietet. Als er dann seinen Studienurlaub beendet hatte, durfte ich also das Zimmer wieder beziehen. Ich schlief da im Wohnzimmer. Und gleichzeitig ist die Vorstellung noch mit einer anderen assoziiert: Nämlich als er zurückkam, unmittelbar, nachdem er abgefahren war, das heißt, wie gesagt, nach drei bis vier Tagen, sagte er, er käme zu einem Offizierslehrgang. Und wegen dieser beiden Vorstellungen glaube ich mich ganz bestimmt erinnern zu können, daß das so war, wie ich es vorhin gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Und sagen Sie mal, wann war denn dieses Semester zu Ende, 43?

 

Zeuge Günther Stark:

Herr Vorsitzender, daran kann ich mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht mehr genau. Sie wissen also deshalb gar nicht, in welchem Monat das war, daß er da noch mal nach Hause gekommen ist?

 

Zeuge Günther Stark:

Darauf möchte ich mich nicht festlegen. Es kann sich also, grob gesprochen, nur ums Frühjahr gedreht haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nur um das Frühjahr. Noch eine Frage? Herr Rechtsanwalt? Herr Staatsanwalt? Herr Nebenkläger? Nein?

Stark, wollen Sie selbst noch etwas dazu sagen?

 

Angeklagter Stark:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Anträge zur Beeidigung?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

61,2.

 

Vorsitzender Richter:

61,2.1

 

Verteidiger Erhard:

Ich glaube, es muß eine Beeidigung erfolgen, denn es gibt keine Anhaltspunkte, mindestens sind mir keine erkennbar, die in irgendeiner Weise die Unglaubwürdigkeit des Zeugen beinhalten könnten. Das wäre Voraussetzung auch nach 61, 2.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Erstens ist der Antrag nach 61, 2 gestellt. Zweitens ist keine Voraussetzung der Unglaubwürdigkeit dafür notwendig, sondern es ist ausschließlich das Ermessen des Gerichtes, nach dem Wortlaut 61. Auf Seite2

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. StPO § 61, Abs. 2: »Von der Vereidigung kann nach dem Ermessen des Gerichts abgesehen werden (...) 2. beim Verletzten sowie bei Personen, die im Sinne des § 52 Abs. 1 Angehörige des Verletzten oder des Beschuldigten sind«.

2. Der Zeuge Stark wurde beeidigt. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108, Bl. 1.168.

 

 
 
 
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