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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

92. Verhandlungstag, 24.9.1964

 

Vernehmung des Zeugen Hans Spicker

 

Vorsitzender Richter:

Herr Spicker, Sie heißen mit Vornamen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Hans.

 

Vorsitzender Richter:

Hans. Wie alt sind Sie?

 

Zeuge Hans Spicker:

56 Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

Von Beruf?

 

Zeuge Hans Spicker:

Schriftsetzer.

 

Vorsitzender Richter:

Wohnhaft in?

 

Zeuge Hans Spicker:

Berlin.

 

Vorsitzender Richter:

Berlin. Sind Sie verheiratet?

 

Zeuge Hans Spicker:

Jawohl, wieder verheiratet.

 

Vorsitzender Richter:

Und mit den Angeklagten nicht verwandt und nicht verschwägert?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Spicker, Sie sind ebenfalls von der Gestapo verhaftet worden, und zwar in Berlin.

 

Zeuge Hans Spicker:

In Berlin. Meine letzte Wohnung zu dieser Zeit war in der Elisabethstraße 26.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, wann das war?

 

Zeuge Hans Spicker:

Es war Anfang Februar 1943.

 

Vorsitzender Richter:

Anfang Februar 1943.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und mit Ihnen zusammen verhaftet worden ist

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Meine Frau.

 

Vorsitzender Richter:

Ihre Frau. Und Sie sind verhaftet worden aus welchen Gründen, oder was hat man Ihnen gesagt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Als Juden.

 

Vorsitzender Richter:

Also nicht aus politischen Gründen, daß Sie

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern als Juden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Als Juden.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind nach Ihrer Verhaftung zunächst in ein Sammellager gekommen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Große Hamburger Straße, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange waren Sie ungefähr dort?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das können ungefähr zwei Wochen [+ gewesen sein]. Etwa, ich kann es nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also einige Wochen. Zwei, drei Wochen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Höchstens zwei Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Höchstens zwei Wochen gewesen sein. Und Sie sind dann wohin gekommen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir sind dann verladen worden und fuhren mit einem großen Sammeltransport, landeten, was uns vorher nicht bekannt war, in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, waren in diesem Transport nur Juden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nur Juden, soweit mir bekannt ist.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie ungefähr, ich meine, Sie können die genaue Zahl natürlich nicht wissen, aber ungefähr, wie viele Menschen das gewesen sein können?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, also später sprach man oft davon, daß dieser Transport über 1.000 Menschen waren.

 

Vorsitzender Richter:

Über 1.000 Menschen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Einschließlich Kinder.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Als Sie in Birkenau ankamen, wo sind Sie da ausgeladen worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Soweit ich es in Erinnerung habe, wenn ich so mal sagen kann, in Fahrtrichtung stockte der Zug. Es war vor uns ein – es [machte] den Eindruck eines irgendwie unfertigen, etwas primitiv gewalzten Bahndammes, aber ohne erhebliche Erhöhung, soweit habe ich das wahrnehmen können. Viel sehen konnte man nicht, es war ein furchtbares Durcheinander.

 

Vorsitzender Richter:

Durcheinander, ja, das kann ich mir denken. Nun, Herr Zeuge, etwas können Sie uns vielleicht noch sagen: War diese Ausladestelle vor dem Lager Birkenau oder in dem Lager Birkenau?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich nahm wahr, als der Zug sich noch bewegte, bevor er endgültig hielt – er fuhr die letzte Zeit ziemlich verhalten –, daß wir an einem riesengroßen Gelände vorbeifuhren, wo wir auch erstmalig Häftlinge in gestreifter Kleidung sahen. Wo wir selbst anhielten, muß außerhalb des Lagers gewesen sein, denn wir wurden ja später durch das Lagertor hereingeführt.

 

Vorsitzender Richter:

Das wollte ich wissen. Also Sie sind vor dem Lager ausgeladen worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, auf jeden Fall.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und das war etwa im Februar noch, 43?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ende Februar 43.

 

Vorsitzender Richter:

1943. Nachdem Sie ausgeladen waren, wer hat Ihnen die Türen aufgemacht von dem Waggon? Wissen Sie das?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich nicht sagen. Ich befand mich in diesem Augenblick nicht an der geöffneten Tür, also an der Tür, wo ausgestiegen wurde.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie konnten es nicht sehen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir waren auch ziemlich gerammelt voll. Es war also ein fürchterliches Durcheinander. Es wurde alles herausgejagt. Ich wollte im letzten Moment

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wer hat Sie denn herausgejagt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Na, das nahm ich wahr, das war SS.

 

Vorsitzender Richter:

War es SS?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das war SS, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gesehen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wir fragen Sie deshalb, weil verschiedene Zeugen uns gesagt haben, daß da ein Häftlingskommando bestanden hätte, das die Leute rausgejagt hätte.

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Ihnen war es die SS?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich sah Häftlinge nachher, als wir schon in der Gruppe zusammenstanden, die sich mit dem Gepäck beschäftigten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie von diesen SS-Leuten später mal wieder einen erkannt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wen denn?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, also dann kann ich sagen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich meine, auf der Rampe jetzt.

 

Zeuge Hans Spicker:

Auf der Rampe, wo meine Frau von mir fortgetrieben wurde und ich noch zu ihr nachher hinwollte. Ich wurde nach links rübergejagt und sah, daß auf der rechten Seite eine größere Gruppe stand. Also da waren die Frauen, Alte, Kinder, es waren auch Kinder, die bei mir mit im Wagen waren, dabei. Weil ich noch eine Tasche hatte, die mir dann aber unmittelbar danach auch aus der Hand gerissen wurde, bin ich rübergegangen zu meiner Frau. Ich weiß nicht, was mich da bewog, Abschied oder irgend etwas. Wir hatten ja keine Vorstellung, was mit uns geschehen sollte.

Als ich rüberging, wurde ich von jemanden zurückgestupst zu der kleineren Gruppe, die sich auf der linken Seite [+ befand], an der Seite, wo unser Zug noch stand. Ja, da war eine kleinere Gruppe, zu der ich vorher schon einmal hingeschickt wurde. Und bin da sogar also ein bißchen, ich möchte mal gelinde sagen, sehr unsanft...

 

Vorsitzender Richter:

Hart angefaßt worden.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja. Auch mit Fußtritten bedacht worden. Das war aber da, wie ich später

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Zeuge, wer hat denn angeordnet, daß die kleinere und die größere Gruppe sich bildete?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wer das angeordnet hat, entschuldigen Sie, das ist mir nicht bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nicht.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich habe soviel aber fest wahrgenommen, als ich aus dem Wagen sprang, daß mehrere SS-Leute, höhere Chargen auch dabei, mich links rüberjagten und fast alle Älteren, alle Kinder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Frauen und Kinder, ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Und die Frauen nach rechts zu dem Gros hinjagten.

 

Vorsitzender Richter:

Also wer das im einzelnen gewesen ist, wissen Sie nicht, und Namen können Sie uns

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ja, ich kann einen genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich welchen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Denn den sah ich einige Zeit später wieder, und ich erfuhr den Namen: Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Würden Sie uns einmal die Person dieses Angeklagten näher schildern?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, es war eine Situation, Herr Vorsitzender, in der ich mich da befand, daß man sich einige besonders markante, unangenehm markante, Gesichter merkt. Ich weiß nicht, ob ich jetzt nach dieser Zeit in der Lage bin, aber ich glaube es. Das war ein unvergeßlicher Anblick für mich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wie sah der Mann aus? War er klein, war er dick, war er groß, war er hager?

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Nein, nein, der war weder klein noch dick. Vor allen Dingen das Gesicht, die Physiognomie, die habe ich mir wahrscheinlich gemerkt. Ich nehme an, daß ich sie jetzt noch wiedererkennen könnte. Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Es war ein Habichtsgesicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Habichtsgesicht.

 

Zeuge Hans Spicker:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, ob er in der Uniform eines höheren Offiziers war oder ob er in der Uniform eines Mannschaftsdienstgrades war?

 

Zeuge Hans Spicker:

Den Rang, also das bedaure ich, das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie konnten doch vielleicht unterscheiden, ob es überhaupt ein höherer

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ein Offizier war es. Ein Offizier war es auf jeden Fall.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, ja. Und was spielte der da für eine Rolle? Was hat der da gemacht, dieser Mann, den Sie als Mulka später bezeichnet bekommen haben?

 

Zeuge Hans Spicker:

Er war daran beteiligt, die Einteilung vorzunehmen, also links rüber, das heißt links zu der kleinen Gruppe, zu der ich gehörte, rechts mit an dem Gros, wo die Kinder, Frauen und Älteren waren.

 

Vorsitzender Richter:

War das auch derselbe, der Sie zurückgeholt hat, als Sie zu Ihrer Frau wollten?

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ja, genau der gleiche auch. Ich machte ein paar Schritte rüber und wurde zurückgezerrt und dort rübergestupst.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Sie kannten damals auch noch die Frau Naphtali?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, das war eine Frau mit einem Jungen, etwa acht bis höchstens zehn Jahre.1 Es waren auch noch mehr Namen, die ich mir da gemerkt hatte. Es waren alles Berliner: Herbert Batt mit Frau und Kind, Tischauer, Max, mit Frau. Mein Schwager Siegfried war mit dabei, Siegfried Samuel. Ist auch nicht wiedergekommen.

 

Vorsitzender Richter:

War der auch zu dieser Gruppe

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Der war mit meiner Gruppe.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Ihrer Gruppe?

 

Zeuge Hans Spicker:

Mit meiner Gruppe links, ebenfalls Tischauer und Batt. Herbert Batt, Max Tischauer. Ich weiß nicht, vielleicht finden sich Listen. Es ist durchaus denkbar. Das wird meine Aussage wahrscheinlich irgendwie bekräftigen oder bestätigen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Sie sind dann mit Ihrer Gruppe wohin gegangen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir mußten uns formieren. Es wurde mehrmals gezählt, [dazwischengeprügelt,] ja, wie das da so landesüblich war. Wir mußten dann den Weg links – wie soll ich das beschreiben –, wir kamen von der linken Seite so rein, der Zug blieb stehen. Das Gros sammelte sich drüben rechts, wir mußten dann später links rausmarschieren. Ich sah dann noch, als der größte Teil der Gruppe, die rechts stand, auf – zum Teil, alle weiß ich nicht – Lkws geladen wurden. Während dieser Zeit mußten wir links heraus und machten eine Rechtsschwenkung und gingen dann nach mehreren Schritten – das war aber nicht sehr weit – durch ein Tor.

 

Vorsitzender Richter:

Durch ein Tor.

 

Zeuge Hans Spicker:

Durch ein Tor. Und damit waren wir in einem Lager, das machte noch einen unfertigen Eindruck. Ich hörte später, kann es aber nicht genau sagen, ob es wirklich das Zigeunerlager war. Aber es waren unmittelbar nach uns ja auch die ersten Zigeunertransporte angekommen. In meiner Gegenwart wurde die erste Z-001 Nummer2 tätowiert. Auch Holländer kamen kurz nach uns. Es war alles zur gleichen Zeit.

 

Vorsitzender Richter:

Als Sie in das Lager kamen, wissen Sie noch, in welchen Teil des Lagers Sie aufgenommen worden sind?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das habe ich mehrmals zu rekapitulieren versucht, aber es ist mir nicht möglich. Ich weiß, daß wir rechts rübergingen. Zum Teil wurde an der Lagerstraße, die wir reingingen, noch gebuddelt. Es wurden Gräben ausgehoben. Es war ein furchtbar naß- lehmiger Boden. Die Schuhe zog es einem aus. Das ging dort sehr grausam zu. Es waren zum Teil noch Blocks, die unfertig waren. Auch der Lagerteil, in dem ich selbst in Quarantäne lag, war noch unfertig. Hinter uns, das habe ich ewig in Erinnerung, war ein einfacher Drahtzaun, also kein elektrisch geladener. Und da sammelten sich dann auch die ersten Zigeunerfamilien, die noch in der ersten Zeit auf freiem Felde dort hausten. Wie lange, das kann ich leider nicht sagen.

Wir wurden dann in unseren Blocks, die ebenfalls noch unfertig waren – wir hatten also weder Stroh noch Holzwolle, Decken, nichts –, wir wurden dann abends immer regelmäßig bis zum Morgengrauen von zusätzlichen Wachposten bewacht, die diese Böcke aufstellten mit den leichten Maschinengewehren, nehme ich an, ich bin da nicht waffenkundig. So daß ich daraus schließen konnte, daß dieses Lager, wegen dieser besonderen Sicherung, noch nicht ganz abgeschlossen war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Könnten Sie uns vielleicht an dieser Karte zeigen, wo Sie da hingekommen sind?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich will es versuchen, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber bitte, seien Sie nicht böse, wenn es nicht gelingt. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Also wenn Sie links unten sehen wollen

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Wo ist das Gleis?

 

Vorsitzender Richter:

Da ist ein braunes Tor. Links.

 

Zeuge Hans Spicker:

Hier.

 

Vorsitzender Richter:

Links, Herr Zeuge.

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ach so, da, Verzeihung.

 

Vorsitzender Richter:

Links. Da ist ein braunes Tor. Sind Sie da durchgekommen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, nein, nein. Wir sind ja von hier marschiert. So und so. Es kann aber hier weiter unten gewesen sein. Wir mußten hier ungefähr gelandet sein und sind dann hier durchgeholt worden, gingen dann durch dieses Tor – das heißt, wir gingen gar nicht, wir wurden gejagt, geprügelt – hier rein, und dann mußten wir... Moment. [Pause] Ja, das irritiert mich jetzt.

 

Vorsitzender Richter:

Das irritiert Sie. Also das ist die spätere Ankunftsrampe, das Gelbe, was Sie da sehen. Da ist später ein Bahngleis verlegt worden, und da wurden später die Transporte ausgeladen. Und oben, ganz am Ende dieser braunen Linie, da sehen Sie zwei rotbraune Gebäude. Das sollen die Krematorien gewesen sein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Na, das waren sie auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich selbst bin zwar dort oben nie hingekommen, denn wir waren ja auch während der Quarantäne in unserer – Freiheit kann ich nicht sagen –, in unserer Beweglichkeit eingeengt. Sehr sogar.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Können Sie uns sagen ungefähr, wo dieses Quarantänelager war?

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Ja, es kann hier drü[+ ben gewesen sein]. Also die Seite ist es gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

War es nicht vielleicht links?

 

Zeuge Hans Spicker:

Die Seite war es.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie es nicht mehr?

 

Zeuge Hans Spicker:

In der Nähe waren auch, das fällt mir eben ein, irgendwie auch noch im Neubau Küchen. Da waren zwei große oder wenigstens ein großer Küchenblock, massiv gebaut. Wir waren ja in Holzbaracken. Die Pferdeställe mit den durchgehenden Kaminen.

 

Vorsitzender Richter:

Ganz recht, ja. Also Sie wissen nicht mehr, ob Sie vielleicht in dem BI waren. Das war also links von dem Tor, was nachher das Frauenlager war. Wie lange sind Sie denn dort geblieben?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir waren [+ dort] circa drei Wochen und kamen dann ins Stammlager.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann ins Stammlager. Auschwitz I?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja. Da war ich dann bis

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

So. Na, dann nehmen Sie wieder Platz. [Pause]

Wie lange sind Sie in Auschwitz geblieben, Herr Zeuge?

 

Zeuge Hans Spicker:

Bis zur offiziellen Auflösung, das heißt, wie mir später bekannt wurde, Kranke blieben noch da. Es muß die Nacht vom 17./18. Januar gewesen sein. Bis da war ich in der Lagerdruckerei.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, 17./18. Januar neunzehnhundert?

 

Zeuge Hans Spicker:

45. Wir gingen dann Mauthausen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

45. Herr Zeuge, kannten Sie den Blockältesten von dem Quarantäneblock, in den Sie hineingebracht worden sind?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja. Das heißt, kennen ist zuviel gesagt. Soweit ich das mitbekam, hatten dort fast alle irgendwelche Spitznamen. Ich habe kennengelernt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Einen »Napoleon«?3

 

Zeuge Hans Spicker:

»Napoleon«. Ein kleiner Dicker, Untersetzter, von dem ich auch den Namen Mulka gehört habe, der mir im Gedächtnis geblieben ist.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte: Das war der Blockälteste?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das war ein Blockältester. Der Nebenblockälteste wurde Schwabbel genannt.

 

Vorsitzender Richter:

Und welchen Winkel hatte denn dieser Blockälteste? Wissen Sie das?

 

Zeuge Hans Spicker:

Also das muß ein Bver gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Muß ein Bver gewesen sein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Muß ein Bver gewesen sein. Der Schreiber, kann ich mich erinnern, war ein Wiener, also ein österreichischer jüdischer Häftling mit dem SV-Winkel drin. Es gab ja auch gelb und grün gespitzte. Das war – den Namen weiß ich leider nicht mehr. Es war ein älterer Blockschreiber. Wir sind auch einmal dann verlegt worden in den Nebenblock, da ging es ja noch sehr durcheinander.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun also, Sie können uns jedenfalls diesen Mann nicht mehr näher identifizieren. Wie der »Napoleon«

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

»Napoleon« ist bekannt gewesen in diesem Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, nach wie langer Zeit sind Sie nach Auschwitz gekommen, nach Auschwitz I?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich glaube, die Quarantäne-Zeit war etwa drei Wochen, nicht länger.

 

Vorsitzender Richter:

Etwa drei Wochen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Nicht länger. Inzwischen sammelten sich sehr viele andere Transporte noch. Und wir wurden dann auf dem Appellplatz, nachdem die Stammhäftlinge, die schon bereits da waren, in die einzelnen Berufe aufgerufen. Dadurch kam ich als Schriftsetzer in die Lagerdruckerei.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar in Auschwitz I?

 

Zeuge Hans Spicker:

Im Stammlager, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Im Stammlager.

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir hatten draußen die Druckerei, später sind wir dann noch verzogen. Also erst war unsre Druckerei in der SS-Unterkunftskammer, neben dem Kasino. Auch da war eine Rampe, wo allerdings nur die Güterwagen, Papier, Materialien und so weiter, verladen wurden. Rechts von uns war TWL. Auf der schräg gegenüber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was heißt TWL?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das war wohl Truppenwirtschaftslager, so was Ähnliches. Da durften wir nicht irgendwie viel hin, da war wohl allerhand Material. Aber ich habe auch noch sehr deutlich in Erinnerung, daß etwas weiter hinter gelegen, ich will mal sagen, so die Luftlinie vom SS-Kasino, wo die SS-Leute essen gingen – das war ja gleich neben unserer [+ Unterkunft]. Das war das ehemalige Tabakmonopol, dieser alte Bau, in dem wir untergebracht waren. Wir gehörten als Druckerei anfänglich noch zur SS-Unterkunftskammer.

Später waren wir ein selbständiges Kommando, bekamen neue Gebäude. Links von uns, etwas weiter hinter liegend, war der alte Theaterbau. Und da – das war in den ersten Tagen, als ich allerdings als Schriftsetzer im Kommando war – wurde ich einmal ganz schnell mit hinzugezogen zum Ausladen von Wagen. Das kam vor. Und da stand ein Sanitätswagen, ein sogenannter Sanka, vorm Theaterbau. Und ich wurde mit dazu getrieben zum Abladen und habe selbst Zyklon B mit abladen müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Von wo nach wo?

 

Zeuge Hans Spicker:

Aus diesem Sanka in den Theaterbau. Und das schwöre ich mit tausend Eiden.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns vielleicht mal auf der anderen Karte zunächst [zeigen], wo dieser Theaterbau war.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, gern.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Also wenn Sie da sehen wollen: Links unten ist ein schwarzer Pfeil, das ist wieder das Eingangstor. Und dann war rechts der Küchenbau.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja. Wir gingen so auf Kommando, das war ja nicht innerhalb des Lagers, wir gingen ja raus jedesmal.

 

Vorsitzender Richter:

Ach, Sie gingen raus. Wo waren Sie denn untergebracht, in welchem Block?

 

Zeuge Hans Spicker:

Block 23.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie mal zeigen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja. Moment. Das irritiert jetzt hier. War es jetzt anders? Nein. Wir kamen hier rein, Block 24, unten war der sogenannte Musikersaal. Da waren die Musikinstrumente. Die Kapelle, die auch sonntags aufspielen durfte in weißer Uniform, hatte hier ihre Instrumente zu pflegen. Sie probten bei schlechtem Wetter innen, sonst standen sie hier rechts. Es wurde musiziert. Ich weiß nicht, ob Ihnen das bekannt ist. Bei jeder Gelegenheit [unverständlich] So. Hier oben war die erste Zeit noch 24a, wurde genannt Sperlingslust, Kapoblock. Später – ist Ihnen bekannt, entschuldigen Sie, daß ich frage

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, bitte schön.

 

Zeuge Hans Spicker:

Was sich dort oben später ereignete? Die Kapos wurden rausgelegt, und man hatte, um irgendwie einigen besonders... also verbunden mit verschiedenen Annehmlichkeiten, zum Teil auch für sich selbst, ein Bordell gebaut. Hier oben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das ist uns bereits gesagt worden.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ist bekannt, ja?

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ich lag hier unten, 23. Mein Blockältester war Roman, ein Pole.

 

Vorsitzender Richter:

Roman?

 

Zeuge Hans Spicker:

Roman mit Vornamen. Ein junger, großer Kerl, ein fabelhafter Mensch. Wir haben uns sehr gut verstanden. Der Nebenblock, ja, das war 22, das ist eigentlich nicht wichtig. Wir wurden später hier rausgezogen – das war dann aber ungefähr schon das letzte halbe Jahr, etwa Herbst 44 –, wurden auf 16 verlegt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo ist 16?

 

Zeuge Hans Spicker:

Hier drüben, 16. Also hier will ich erst sagen, aus welchem Grunde unsere beiden Blocks geräumt wurden: weil Frauen dort mit dazukamen, ich glaube aber, als Schuhkommando und andere. Um denen den weiten Weg immer nach Birkenau abzunehmen, wurde bei uns geräumt. Es kam hier ein Extrazaun herum. Wir wurden nach 16 verlegt. Mein Blockältester in Block 16 später war Hans Knocker-Eicke. Kaduk wird ihn gut in Erinnerung haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dann nehmen Sie doch mal bitte wieder hier Platz. [...] Ja, das »Theatergebäude« wollten Sie noch zeigen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ach so. [Pause] Moment. Das ist hier nicht mit drauf. Das ist nicht mit drauf.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, es ist nicht drauf, da haben Sie recht. Aber ungefähr in welcher Gegend es gestanden haben muß?

 

Zeuge Hans Spicker:

Es war auf der Linie gegenüber dem SS-Kasino.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, zeigen Sie es uns doch mal bitte. Also links oben das kleine Weiße, ganz links oben, das ist die Villa von dem Lagerkommandanten Höß gewesen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Die habe ich vom Block aus gesehen. Hier wurde ja auch mitunter musiziert und so weiter. Hier ging ja sonntags die Kapelle vorbei in der weißen, prächtigen Uniform und spielte dann für die anderen auf.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo, in welcher Gegend ungefähr, mag das »Theatergebäude« gewesen sein?

 

Zeuge Hans Spicker:

Also ich will mich nicht verbürgen. Es muß ungefähr hier in dieser Richtung gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

In dieser Richtung. War es nicht etwas weiter seitlich noch?

 

Zeuge Hans Spicker:

Na ja, wir gingen hier ein ganzes Stück erst mal, mußten dann hier rüber. Moment mal. Das Gleis schnitt hier unsere Gebäude, denn wir mußten ja da auch die Papierballen ausladen. Das kann also hier ungefähr

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hier in dieser Gegend.

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

In der Richtung gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und das war das »Theatergebäude«, das war Ihrer Druckerei gegenüber?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, es war halb rechts rüber. Es war dazwischen noch ein bißchen so wirres Gelände.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie uns Ihr Gebäude zeigen, wo Sie drin gearbeitet haben? Oder ist das auch nicht drauf?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das ist nicht mit drauf.

 

Vorsitzender Richter:

Ist auch nicht drauf.

 

Zeuge Hans Spicker:

Das war das alte Tabakmonopolgebäude.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, gut. Dann nehmen Sie bitte wieder Platz.

Also Sie wurden herausgerufen, haben Sie gesagt, zum Abladen und haben aus dem Sanka heraus Büchsen mit Zyklon [+ ausgeladen]. Was stand denn da drauf, auf diesen Büchsen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich habe zuerst gar keine Ahnung gehabt, was das war. Es waren einige in Karton gepackt. Wir wurden getrieben, weil der Fahrer es wohl eilig hatte. Oder ich weiß nicht, was der Anlaß war, es mußte ja alles in Eile gemacht werden. Und der Vorarbeiter Schlesinger – er ist dort in der Gegend zu Hause gewesen, ein Vater mit zwei Söhnen, ich weiß nicht, was aus denen geworden ist –, dem unterstand ich jetzt zur Zeit dieses Abladens. An sich gehörte ich ja gar nicht dazu. Und der rief mir dann noch zu: »Mach bloß schnell! Das Zeug, was du da in der Hand hast, das ist das, woran deine Frau und alle kaputtgegangen sind.«

Und ich sah dann aber auch noch offene Kartons mit runden Büchsen, wobei ich beim besten Willen – ich habe überlegt – nicht mehr sagen kann, ob es Metall oder anderes Material war. Es waren runde Büchsen, ungefähr aussehend wie Konserven, wenn ich nicht irre, vielleicht etwas größer. Und es war auch etikettiert. Ich weiß nicht mehr, es war auch ein Totenkopf sogar erkennbar darauf.

 

Vorsitzender Richter:

Aber was auf dem Etikett draufstand, wissen Sie nicht mehr?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich nicht mehr [+ sagen], da müßte ich irgend etwas konstruieren, und das möchte ich nicht.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das sollen Sie nicht, nein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber ich weiß ganz genau, es war Zyklon B. Das war dann nachher auch Lagergespräch. Es wurde im Sanka befördert. Ich habe es ausgeladen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, welche SS-Leute diesen Sanka befördert haben und gefahren sind? Die kannten Sie wohl nicht?

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Das ist mir leider nicht möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Die kannten Sie nicht. Ja, ist ja auch klar. Nun weiter, Herr Zeuge: Sie haben uns vorhin erzählt von diesem Mann, der auf der Rampe Dienst getan hat und den Sie als den Adjutanten Mulka bezeichnet haben. Wer hat Ihnen das gesagt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Daß er Adjutant war, das war mir nicht bekannt, aber Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Mulka.

 

Zeuge Hans Spicker:

Mulka. Den Namen hörte ich von »Napoleon«. Ich war damals – es war gleich zu Anfang – noch im Besitz von Zigaretten. An sich läßt sich ja so ein Blockältester nicht mit uns ein; wir als Neuzugänge, wir waren ja für die auch nichts. Aber ich habe mir ein Herz gefaßt und habe gehört im Gespräch und bin dann noch zu ihm gegangen, ja, er hatte noch so eine Bemerkung gemacht: »Die Zigaretten und alles werdet ihr sowieso los«, es wurde auch mehrmals gefilzt, und habe ihn nochmals gefragt: Wer war der, der da eben gekommen ist oder vorbeiging? Das war

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment. »Eben gekommen ist«, wo gekommen ist?

 

Zeuge Hans Spicker:

Es waren im Block mehrere. Es ging rein und raus, es kamen dauernd [+ welche]. Einer hat sich bemüßigt gefühlt, eine Begrüßungsansprache zu halten mit entsprechenden Drohungen. Ein anderer, der kam und machte dann irgendwelche Hinweise. Papiere wurden uns abgenommen. Die wurden, soweit ich es noch in Erinnerung habe, wohl alle verbrannt an Ort und Stelle. Die Ringe wurden abgezogen; [wenn einer] nicht schnell genug den Trauring abbekam, mit der Kneifzange.

Also ich will damit sagen: Es war ein Durcheinander, ein Kommen und Gehen, teils vor dem Block, teils im Block. Und dabei sah ich auch ebenfalls wieder dieses markante, will ich mal ausnahmsweise sagen, Gesicht, und fragte den »Napoleon« noch mal: »Wer war denn das?« »Ha, das ist Mulka.« Der Name Mulka ist mir im Gedächtnis geblieben. Wir haben in Berlin eine Mulackstraße, das ist ein bißchen anrüchig.

 

Vorsitzender Richter:

Das war also in Birkenau?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das war in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. Welche Nummer hatten Sie, Herr Zeuge?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich habe 103.926.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Herr Zeuge, vielleicht können Sie sich einmal umsehen, ob Sie diesen Mann hier wiedererkennen würden. Haben Sie inzwischen Bilder gesehen von diesem Prozeß?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, das ist mir nicht in Erinnerung. Ich habe mal im Fernsehen bei uns [+ welche gesehen]. Es waren aber sehr, sehr schwache Wiedergaben, also da kann ich nichts sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und von der Polizei oder so haben Sie nie Bilder vorgelegt bekommen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, ist mir nichts vorgelegt worden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wollten Sie noch etwas sagen, Herr Staatsanwalt?

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, ich möchte anregen, wenn eine solche Gegenüberstellung gemacht werden soll, daß diejenigen Angeklagten, die heute behaupten, damals keine Brille getragen zu haben, die Brille absetzen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob der Betreffende eine Brille getragen hat?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich nicht genau sagen. Also ich muß sagen, das Markanteste [für mich] war irgendwie der Gesichtsausdruck mit einer sehr gebogenen Nase.

 

Vorsitzender Richter:

Ich bitte die Angeklagten, einmal aufzustehen. Bitte wenden Sie sich mal hin und sehen Sie sie sich mal an. Sie können ruhig hingehen.

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Kaduk habe ich.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Nein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Kann ich nicht sein.

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Das ist Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das ist Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Welche Nummer hat er dabei? Welche Nummer steht unter ihm?

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] 2.

 

Vorsitzender Richter:

2. Dann bitte nehmen Sie wieder Platz.

 

Zeuge Hans Spicker:

Das ist Mulka. Verzeihung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Vielleicht darf ich noch jemanden herauserkennen, ja?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Das ist Schlage hier, acht, ja?4

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein?

 

Vorsitzender Richter:

Nein. [Pause] Ja, danke schön. Herr Zeuge, Sie haben eben den Namen Schlage genannt. Wie kommen Sie auf diesen Namen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Da ist etwas, das will ich Ihnen von vornherein sagen, da bin ich etwas unsicher. Das heißt, es ist jetzt etwas weiter dann zurückliegend gewesen, das heißt also vorgegriffen vielleicht von meinem Aufenthalt im Stammlager. Ich wurde einmal gerufen über den Blockschreiber von 11, Rolf Huth. Der war Blockschreiber in 11, im Bunker. Ich wurde von dem geholt und wurde dem dortigen – na, wie soll ich sagen, es war ein Unterscharführer, ich weiß aber leider nicht, war es Schlage oder sein Ablöser. Für den habe ich unter, na, wollen wir mal sagen, gewaltigem Druck und für mich mit großem Risiko fälschen müssen. Ich habe mich dort als Fälscher betätigen müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was sollten Sie fälschen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ich habe für ihn Marketendermarken drucken müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Marketender?

 

Zeuge Hans Spicker:

Marketendermarken, und zwar 14 bis 17 Stück. Mit diesen Marken war er in der Lage, sich zusätzlich Schnaps, Zigaretten, Schokolade und so weiter zu holen. Das bekamen die SS-Leute.

 

Vorsitzender Richter:

Die sogenannten Bons?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja, es war immer so eine Karte mit Abschnitten ringsum. Es hat ja da auch jeder versucht [+ zu sehen], wo er blieb. Und ich wurde ein bißchen sehr unter Druck gesetzt mit dem Hinweis, ich wüßte ja wohl, wo ich jetzt in 11 bin, und es würde doch ganz gut sein, sich mit diesen Leuten gut zu stellen. Und ich habe, nachdem ich mit Kameraden darüber gesprochen habe, abgesprochen, jawohl, ich mache das. Denn ich konnte mit dem, was ich dafür bekam... Jawohl, ich habe auch dafür was bekommen. Aber nicht den angebotenen Schnaps, darauf legte ich keinen Wert, der dort als Valuta wohl galt, aber nicht bei mir. Ich habe mir mehrmals zusätzlich Margarine, Brot, Wurst, Zigaretten geholt. Zum Teil über andere Leute, mit denen ich ein sehr gutes Einvernehmen hatte, die die Möglichkeit hatten, in den Frauenblock 10 zu gelangen, habe ich dort Lebensmittel und Zigaretten reinbringen lassen.

Das ist die eine Sache aus der Tätigkeit meiner Druckerei. Aber ich habe dort auch eine Arbeit verrichtet, die ich sehr, sehr gerne gemacht habe. Sehr gern. Das war im Sommer 44. Ich wurde mit noch ein paar Kameraden kommandiert, das heißt, wir durften länger bleiben. Und wir haben Kranzschleifen drucken dürfen. Und das habe ich mit einer, ich sage es hier, großen Wonne und Freude und Begeisterung gemacht. Das war, als bei einem angekommenen Transport jüdischer Häftlinge aus, ich glaube, Italien, eine Frau dabei war, die einem Offizier die Pistole wegnahm, und einige den Lohn für den Empfang bezahlt hatten. Dafür durfte ich Kranzschleifen drucken. Die Arbeit hat mir Freude gemacht.5

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, Herr Zeuge, wann war das gewesen, wie Sie damals diese Bons gedruckt haben?

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Also es muß schon im Jahre 1944... Nein, wir waren noch in der alten Druckerei, das weiß ich. Wir waren noch in der alten Druckerei vor dem Umzug in das neue Gebäude. Wann sind wir umgezogen? 43 zu 44. Das ist es eben, wir haben kein Tagebuch führen können.

 

Vorsitzender Richter:

Also vor Ende 43?

 

Zeuge Hans Spicker:

Es kann vor 43 gewesen sein. Da will ich mich nicht festlegen.

 

Vorsitzender Richter:

Also um die Jahreswende 43/44.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja, es war vor unserem Umzug. Es war noch in der alten Druckerei. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wenn ich Ihnen jetzt hier zwei Bilder zeige, dann ist das natürlich sehr gefährlich. Aber ich möchte es trotzdem tun und Sie bitten, mir zu sagen, ob Sie den Mann kennen, der darauf abgebildet ist.

 

Zeuge Hans Spicker:

[Pause] Natürlich. Das ist Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn so in Erinnerung?

 

Zeuge Hans Spicker:

So in Erinnerung. Wenn ich nicht irre, hatte er einen Mantel an.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, das ist ja möglich, nicht. Es war ja schließlich Februar, als Sie ankamen. [Pause]

Also das können Sie beschwören, daß dieser Mann auf der Rampe war?

 

Zeuge Hans Spicker:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Daß dieser Mann Sie sogar noch zurückgeschoben hat, als Sie zu Ihrer Frau kommen wollten

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Zu der kleinen Gruppe.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Oder zurückgeprügelt hat?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß dieser Mann auch verantwortlich war dafür, wer zu dieser Gruppe und wer zu der anderen Gruppe geht?

 

Zeuge Hans Spicker:

Halt. Das, Herr Vorsitzender, das kann ich nicht sagen, ob er die Verantwortung trug. Da habe ich keine Übersicht gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Aber der eingeteilt hat?

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber er war aktiv daran beteiligt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich habe keine Frage mehr an den Zeugen. Sind von seiten des Gerichts noch Fragen zu stellen?

 

Richter Hotz:

Herr Spicker, Sie nannten vorhin den Namen Roman.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Richter Hotz:

Wissen Sie, was aus ihm geworden ist?

 

Zeuge Hans Spicker:

Leider nicht.

 

Richter Hotz:

Wie lange war er mit Ihnen zusammen als Ihr Blockältester?

 

Zeuge Hans Spicker:

Bis wir aus dem Block rausmußten. Das heißt, bis wir die Blocks für die Frauen freimachten.

 

Vorsitzender Richter:

Also das war zwischen 43 und 44?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, nein, das war schon Ende 44.

 

Vorsitzender Richter:

Ende 44?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ende 44. Der Schreiber war ein jüngerer

 

Richter Hotz [unterbricht]:

War er ein Pole?

 

Zeuge Hans Spicker:

Polen. Der Schreiber war Staszek. Und der Blockälteste – ja, wenn ich seinen Zunamen wüßte. Ist ein Prachtkerl gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Er hieß mit Vornamen Roman?

 

Zeuge Hans Spicker:

Roman. Ein junger Mensch noch, aber, wir sagen bei uns: ein Packerjan, wirklich ein prächtiger Kerl.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Verzeihung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich weiß auch noch: Der Blockälteste von nebenan, von 22, der muß noch leben, denn den traf ich einmal in Berlin. Der hatte einen kriminellen Winkel und mein Roman nicht, er hat einen politischen Winkel getragen. Das war der Willi, ach Gott, na, der sich da als Akrobat noch immer betätigt hat da, mit seiner tanzenden Puppe und so, der da so ein bißchen für Fetz sorgte. Dieser Willi – ach Gott, ach Gott, ich komme auf den Namen –, der dürfte vielleicht, da ich weiß, daß er am Leben sein muß, den Namen des Roman wissen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das ist ein anderer Roman, den wir gemeint haben eben. Herr Staatsanwalt, haben Sie noch eine Frage?

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Spicker, ich habe nur noch eine Frage an Sie und möchte Sie bitten, da Ihr Gedächtnis doch mal ganz klar anzustrengen: Was hat der Mulka getan in der Baracke oder vor der Baracke, als der »Napoleon« Ihnen sagte: »Das ist der Mulka«?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich sagte schon, es sind mehrere dagewesen. Teils haben sie Reden gehalten, teils nicht, oder sie waren ruhig. Ich kann das jetzt beim besten Willen nicht sagen, ob er einer von denen war, die ebenfalls da so eine Begrüßungsrede hielten. Aber auf jeden Fall war er in der Baracke. Ich habe ihn gesehen und habe von »Napoleon« den Namen Mulka gehört.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Und doch noch eine weitere Frage, Herr Spicker. Hat der »Napoleon« Ihnen gesagt: »Das ist der Mulka«, als er noch da ging oder als er schon weg war, der Mulka? Verstehen Sie?

 

Zeuge Hans Spicker:

Moment, ja. Das war unmittelbar danach. Unmittelbar danach. Da faßte ich mir ein Herz, gab ihm meine letzten Zigaretten, die ich noch hatte, und fragte: »Wer war das jetzt eben?«

 

Staatsanwalt Kügler:

»Wer war das«?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Danke schön, Herr Spicker.

 

Zeuge Hans Spicker:

Bitte.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ich habe vorhin Ihre Nummer nicht mitbekommen. Würden Sie mir sie

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

103.926. [...]

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Diese Nummer müßte bei dem Transport, der am 20. Februar eingelaufen ist, ausgegeben worden sein.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich sagte, Ende Februar. Den Tag wußte ich leider nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Wissen Sie ungefähr aus eigener Anschauung, aus Berichten von Kameraden, wie viele Männer und wie viele Frauen damals zum Leben ausgesucht wurden und ins Lager kamen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, es hieß, etwa 120 Männer.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie ins Mikrofon bitte sprechen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Verzeihung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Zeuge Hans Spicker:

120 Männer, so wurde immer nachher gesagt. Verbürgen kann ich mich dafür nicht, aber mehr waren wir bestimmt nicht. Von Frauen weiß ich nichts. Ich sah nachher nur außer der großen Gruppe unsere kleine. Von den 120, die wir zuerst waren, sind meines Wissens nach nur noch drei übrig.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und der gesamte Transport hatte schätzungsweise, wie Sie vorhin sagten?

 

Zeuge Hans Spicker:

Über 1.000.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke, ich habe keine Frage.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich habe keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Stolting II.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Spicker, Sie sagten vorhin, als Sie in den Waggons ankamen, wurden Sie aus den Waggons von SS herausgetrieben. Waren bei diesem Heraustreiben auch Offiziere beteiligt?

 

Zeuge Hans Spicker:

»Herausgetrieben« habe ich nicht gesagt. Wir wurden veranlaßt, schnellstens die Waggons zu räumen. Da waren Offiziere

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ich muß Ihnen vorhalten, daß Sie vorhin gesagt haben: »herausgetrieben«. Und in Ihrer eidesstattlichen Versicherung, die Sie am 27. Januar 1964 abgegeben haben, haben Sie auch gesagt: »Bei unserer Ankunft in Auschwitz während der letzten Tage des Februar 1943 wurden wir von der SS aus den Waggons getrieben.« 6

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ich möchte dazu folgende Erklärung abgeben: Der Begriff »herausgetrieben« ist ein allgemein gebräuchlicher. Es soll darunter aber jetzt – ich möchte vorsichtig sein – nicht verstanden sein, daß die SS in die Waggons reinkam und uns rausprügelte. So war das nicht. Man kann auch herausgetrieben werden durch Aufforderung und durch Rufe, durch Zerren und so weiter. Und so war das.

 

Verteidiger Stolting II:

Es kommt mir darauf an, zu wissen, ob dabei auch SS-Offiziere beteiligt waren.

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Waren beteiligt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Wodurch unterschieden sich in der Uniform SS-Offiziere von sonstigen Angehörigen der SS?

 

Zeuge Hans Spicker:

»In der Uniform« kann ich nicht ohne weiteres sagen, aber man erkannte es ja an

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Woraus?

 

Zeuge Hans Spicker:

Einigen Rangabzeichen, die mir allerdings nicht so geläufig sind. Aber es waren immerhin höhere Rangabzeichen. Man sah ja auch an den Mützen diese sogenannte Zuckerschnur oder wie es genannt wurde. Also es waren schon Unterschiede.

 

Verteidiger Stolting II:

Schön. [Pause] Ich möchte noch mal auf den Vorgang zurückkommen, als Ihnen in dem Quarantäneblock der Name des Angeklagten Mulka von dem »Napoleon« gesagt worden ist. Wenn ich Sie recht verstanden habe, waren mehrere SS-Offiziere zu gleicher Zeit in dem Quarantäneblock. Oder nicht?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, ich sagte, es ging herein und heraus. Jeder wollte irgendwie versuchen, entweder uns mit einer Predigt die »Himmelfahrt« zu erleichtern durch ermunternde Hinweise. Andere waren bestrebt, uns darauf hinzuweisen, wir sollen uns ja kein Gold in den Hintern reinstecken, sie würden es doch finden. Und all solche Dinge. Ich habe nicht gesagt, sie kamen alle zu gleicher Zeit.

 

Verteidiger Stolting II:

Schön.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich nehme beinahe an, daß einer vom anderen nichts wußte.

 

Verteidiger Stolting II:

Waren das alles SS-Offiziere?

 

Zeuge Hans Spicker:

Andere habe ich nicht gesehen.

 

Verteidiger Stolting II:

Andere haben Sie nicht gesehen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Verzeihung, mir fällt auch ein, daß einmal ein Offizier reinkam, der auf dem Kamin [+ herumlief]. Da waren ja diese Mitteldinger, das war immer eine beliebte Tribüne für sie. Sie spazierten darauf schaftstieflerisch herum, um uns damit Eindruck zu machen. Und es hat einer sogar gefragt, ob einer von den Neuankömmlingen, also von uns, mit Schnapsbrennerei Bescheid weiß. Und es war tatsächlich zufällig einer da. Der wurde dann gleich mit herausgeholt. Es wurde ihm aber gesagt: »Du, aber wehe, wenn dein Schnaps nicht schmeckt, dann bist du erledigt.«

 

Verteidiger Stolting II:

Wissen Sie heute noch, was der Angeklagte Mulka gemacht hat, als Sie nachher den »Napoleon« gefragt haben, wer das sei, wie der Name des Betreffenden sei?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche. Die Frage ist beantwortet.

 

Verteidiger Stolting II:

Ich halte die Frage aufrecht.

 

Vorsitzender Richter:

Also die Frage ist schon einmal gestellt worden von dem Herrn Staatsanwalt Kügler, Herr Rechtsanwalt.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Direktor, dann darf ich Sie bitten, mir zu sagen, was der Zeuge geantwortet hat. Dann ist mir es entgangen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Es ist Ihnen entgangen.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie können sie noch mal beantworten, ja?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, er entfernte sich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Er entfernte sich, das heißt also, er weiß nichts mehr Konkretes außer

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Sie wissen also nicht, welche dienstliche Obliegenheit er ausgeführt hat? Das wissen Sie nicht?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, das wußte er nicht.

 

Verteidiger Stolting II:

So. Haben Sie den Angeklagten Mulka später im Stammlager noch einmal gesehen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Also das möchte ich beinahe verneinen. Denn das war ja ein Gesicht, das ich suchte. Während ich ja fast täglich Kaduk beispielsweise sah und andere, die ja hier wohl wahrscheinlich... Aber an alle kann ich mich leider nicht erinnern. Man wußte ja auch nicht von allen die Namen.

 

Vorsitzender Richter:

Eben. Natürlich.

 

Zeuge Hans Spicker:

Von vielen wußte man [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also Sie können sich nicht drauf erinnern, daß Mulka noch mal im Stammlager war?

 

Zeuge Hans Spicker:

Da will ich sehr vorsichtig sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er kann es jedenfalls nicht sagen.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Zeuge, können Sie sich daran erinnern, daß Sie im Januar 1964 vor einem Ostberliner Notar eine eidesstattliche Erklärung abgegeben haben?

 

Zeuge Hans Spicker:

Natürlich kann ich mich erinnern. Aber nicht vor einem ostzonalen, sondern bei unserem staatlichen Notariat in der Hauptstadt der DDR.

 

Verteidiger Stolting II:

Bei einem Ostberliner Notar, habe ich Sie gefragt.

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten.

 

Verteidiger Stolting II:

Nicht? Herr Direktor, darf ich Sie dann vielleicht bitten, den Zeugen zu veranlassen...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

[unverständlich] das staatliche Notariat, glaube ich [unverständlich]

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Ist das Ostberlin, ist das Ostberliner Notariat

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

[unverständlich] Notariat

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Herr Direktor, ich habe ja den Herrn Kaul nicht gefragt, sondern ich frage den Zeugen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

[unverständlich] antworten

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, also

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ja, es wäre erfreulich, wenn Sie es nicht täten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Waren Sie bei dem staatlichen Notariat Berlin Mitte?

 

Zeuge Hans Spicker:

Jawohl, da war ich.

 

Vorsitzender Richter:

In Berlin C 2.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, bei dem war ich.

 

Verteidiger Stolting II:

Ist es richtig, daß Sie da am 27. Januar 1964 eine eidesstattliche Erklärung abgegeben haben?

 

Zeuge Hans Spicker:

An das Datum kann ich mich jetzt nicht erinnern.

 

Verteidiger Stolting II:

Wie kam es zur Abgabe dieser eidesstattlichen Erklärung? Wieso kamen Sie dazu, vor einem Notar eine eidesstattliche Erklärung abzugeben?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich verstehe diese Frage nicht, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, der Herr Verteidiger will wissen, warum Sie dort überhaupt hingegangen sind, wer Sie dazu veranlaßt hat.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ach, wer mich dazu veranlaßt hat?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, es existiert bei uns ein Komitee. Wir haben ein Komitee, auch ehemalige Auschwitz-Häftlinge. Und es ist selbstverständlich, daß wir auf diesen Moment – das heißt auf diese Tatsache, daß Sie sich löblicherweise damit befassen, hier ein gerechtes Urteil zu finden –, daß wir dazu bereit sind, das, was wir wissen, auszusagen. Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Es ist gewissermaßen, ich will nicht zynisch werden, aber verständlicherweise der Teil der Abstattung meines Dankes für das, was ich dort erlebt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Und ich muß mich bemühen, jetzt hier wirklich noch so einigermaßen Fassung zu behalten.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Zeuge, darf ich Sie dann dahin verstehen, daß Sie dieses Komitee veranlaßt hat, bei einem Notar in Ostberlin eine eidesstattliche Erklärung abzugeben?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das Komitee sind meine Kameraden.

 

Verteidiger Stolting II:

Dann muß ich Sie noch direkter fragen: Haben Sie vor Abgabe dieser eidesstattlichen Erklärung mit dem hier anwesenden Nebenkläger Doktor Kaul aus Ostberlin gesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich bin kein Nebenkläger. Ich bin ein Vertreter der Nebenkläger. Herr Direktor, vielleicht weisen Sie den Herrn Rechtsanwalt darauf hin.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Zeuge, Sie wurden gefragt, ob Sie mit dem Herrn Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Doktor Kaul, vor Abgabe Ihrer notariellen Erklärung gesprochen haben.

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich so nicht sagen, daß wir vorher gesprochen haben. Aber es war mir bekannt, daß als Vertreter der Nebenkläger Herr Professor Doktor Kaul unsere Interessen wahrnehmen wird. Und als ich zu ihm [+ ging] – die Frage überziehe ich jetzt, ja –, als ich mich ins Büro von Herrn Professor Doktor Kaul in der Wilhelm-Pieck-Straße begab, mußte ich hören, daß er gerade den Tag wohl irgendwie woanders beschäftigt war, wie das bei Anwälten ist. Und es wurde dann empfohlen, daß wir auch diese Aussagen bei einem staatlichen Notariat machen können. Und das habe ich getan.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja. Und sind Sie dann zu Herrn Doktor Kaul noch mal gegangen, nach Abgabe Ihrer eidesstattlichen Erklärung?

 

Zeuge Hans Spicker:

Später bekam ich ja doch diese, na, Durchschrift. Die habe ich dann dorthin gebracht mit der Bitte, meine Interessen wahrzunehmen.

 

Verteidiger Stolting II:

Sie sagten, Herr Spicker, später bekamen Sie diese Durchschrift. War das ein paar Tage später oder am selben Tag?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich nicht mehr genau sagen. Nein, denselben Tag war es nicht.

 

Verteidiger Stolting II:

War es nicht?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Sind Sie denn am nächsten Tag bei Herrn Doktor Kaul gewesen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Am Tage, als ich diese, na, Durchschrift hatte.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, dann muß ich Ihnen vorhalten, daß die Verhandlung vor dem Notar Hans Otto Koch am 27. Januar 1964 war und daß der Nebenklägervertreter Doktor Kaul mit Schriftsatz vom 28. Januar 1964 bereits diese Urkunde vorgelegt hat.7 Wenn Sie also diese Urkunde nicht am gleichen Tag mitbekommen haben, dann

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Dann habe ich am nächsten Tage das hingebracht. Das wird aufgehen.

 

Verteidiger Stolting II:

Das wird aufgehen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Das wird aufgehen, das ist durchaus denkbar.

 

Verteidiger Stolting II:

Und Sie schließen aus, daß Sie vor Abgabe dieser eidesstattlichen Erklärung mit dem Nebenklägervertreter Doktor Kaul gesprochen hatten?

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber ich sagte bereits, ich habe Herrn Professor Doktor Kaul nicht persönlich angetroffen, habe dort hinterlassen, welchem Zweck mein Besuch galt, und bin anschließend dann zum Notariat gegangen. Und es ist doch durchaus in einem ordentlich geführten Anwaltsbüro üblich, daß gesagt wird, daß sich dort ein Klient, oder wie man das nennt, gemeldet hat. Also da finde ich gar nichts dabei.

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Dann haben Sie Herrn Doktor Kaul am 28. Januar 1964 erstmals kennengelernt?

 

Zeuge Hans Spicker:

Professor Doktor Kaul ist bei uns sehr bekannt.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja. Ist er auch Mitglied dieses Komitees, von dem Sie vorhin sprachen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Auf die Frage

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Ich widerspreche dieser Frage, Herr Direktor, und zwar aus Gründen der Standeswürde.

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Oh, die ist sehr wesentlich, diese Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, an und für sich wäre die Frage ja durchaus nicht...

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Obwohl Sie ohne weiteres beantwortet werden kann.

 

Vorsitzender Richter:

Eben, eben.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich bin nicht Mitglied des Komitees, weil ich nicht in Auschwitz war

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und selbst wenn

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Sondern in Lichtenburg und in Dachau. Das hat mir gereicht.

 

Vorsitzender Richter:

Eben.

 

Zeuge Hans Spicker:

Na.

 

Verteidiger Stolting II:

Ich dachte, der Zeuge würde die Frage beantworten, Herr Direktor. Aber nachdem es von dem Herrn Nebenklägervertreter vorgesprochen worden ist, brauche ich keine weiteren Fragen mehr zu stellen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Noch Fragen von seiten der Angeklagten? Nein. Werden bezüglich der Beeidigung Anträge gestellt? Keine Anträge. Ja, dann wollen wir jetzt

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Verzeihung. Darf ich?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich hatte mir also wirklich nur hier so ein paar Stichworte...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Interessiert es noch, ja, also mehr zu wissen über die Durchführung von Selektionen und so weiter im Lager?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in der Hauptsache würde uns interessieren, wenn Sie uns Namen nennen könnten.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, also ich kann Ihnen sagen, daß Kaduk sehr häufig dabei war.

 

Vorsitzender Richter:

Im Lager?

 

Zeuge Hans Spicker:

Im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Selektionen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dann schildern Sie uns doch mal, wie die vor sich gegangen sind.

 

Zeuge Hans Spicker:

Meistens war es dann so, daß nach dem Abendappell, nach dem Zählappell, unvermittelt das Kommando kam: »In die Lager abrücken! Juden bleiben draußen!« Also Juden links dann eben oder rechts, je nachdem, das variierte häufig. Dann war allgemeine Lagersperre: Juden blieben draußen, marschierten zur Wäscherei, und zwar mal zur Alten Wäscherei, später dann zur Neuen Wäscherei wohl. Alles ausziehen, nackig, draußen die Sachen auf einen Haufen werfen, durchgehen. Da waren dann meist mehrere SS-Leute. War dann auch dabei der, na, wie hieß er, Clausen. Auch Kaduk war häufig dabei.

Da war das, diese berüchtigt gewordene Methode: links, rechts. Wobei man ja gar nicht wußte, welche Bewandtnis hat links, was ist rechts. Sind das noch die Tauglichen und das die Untauglichen? Man wußte überhaupt nichts. Dann kam es vor, daß man noch die ganze Nacht eingesperrt blieb im Waschhaus und noch immer nicht wußte, wird man nun abgeholt und rübergebracht ins Krematorium, das heißt in die Vergasung, oder kommt man wieder zurück in seinen Block.

Ich habe auch zweimal im Krankenbau liegen müssen und bin einmal buchstäblich im letzten Moment durch einen Pfleger [+ gerettet worden]. Das war ein kleiner Berliner, Horst Schilling, der mich nachts wach machte und sagte: »Sofort abhauen!« Er hatte gerade was spitzbekommen: Es wird selektiert. Und ich bin dann nachts noch heimlich mit meiner Decke durchs Lager geschlichen zu mir in den Block rein. Und tatsächlich fanden gleich am frühen nächsten Morgen in diesem Krankenbau ebenfalls Selektionen statt. Ja, also solche Begebenheiten, die waren ja laufend.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, haben Sie auch einmal erlebt, daß Kaduk eine Selektion selbständig geleitet hat, ohne daß jemand dabei war?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ob selbständig, das will ich nicht sagen. Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie nicht sagen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Aber dabei war er häufig.

 

Vorsitzender Richter:

Dabei war er. Hat er auch ausgesondert, wer nach links oder nach

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Ja, mit dabei. Ja, ja. Meistens waren sie irgendwie

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Angetrunken?

 

Zeuge Hans Spicker:

Sichtlich alkoholisiert, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ob er selbst die Leute nach links oder nach rechts geschickt hat, wissen Sie das?

 

Zeuge Hans Spicker:

Also da will ich vorsichtig sein, aber dabei war er.

 

Vorsitzender Richter:

Dabei war er.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich habe ihn ja oft genug gesehen. Clausen auf jeden Fall. Der hatte gestanden und...

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Ich hätte doch noch eine Frage, Herr Direktor.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Stolting.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Spicker, Sie schilderten vorhin, als der Angeklagte Mulka Sie aus der Gruppe, in die Sie rübergelaufen waren, in der sich Ihre Gattin befand, zurückgestoßen hat und, Sie sagten zunächst, unsanft behandelt hat, und haben dann hinzugefügt, Sie auch mit Fußtritten bedacht hätte – habe ich Sie da recht verstanden?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Spicker, ist noch eine Erweiterung dieses Unsanftbehandelns Ihnen in Erinnerung? Hat er sonst etwas getan, außer den Fußtritten?

 

Zeuge Hans Spicker:

Na, ich wurde zurückgeschlagen. Irgend jemand anders riß mir die Tasche weg. Das weiß ich noch ganz genau. Also ich war da wirklich ein bißchen naiv, ich weiß auch nicht. Ich hatte gar keinen Begriff, was überhaupt los war. Die Tasche wurde mir aus der Hand gerissen. Und ich wollte jetzt rüber zu dem Gros und bin von dort, auf dem halben Wege noch, weggerissen worden, rumgestoßen worden, bekam einen Schlag irgendwie ins Kreuz oder Genick, das kann ich jetzt nicht so präzis sagen. Und als ich noch wohl eine Bemerkung dazu machte, da bekam ich den Fußtritt. Von Mulka.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, den Fußtritt von Mulka oder auch von

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Von Mulka.

 

Verteidiger Stolting II:

Verzeihung, Herr Spicker. Nur den Fußtritt von Mulka oder auch das andere?

 

Zeuge Hans Spicker:

Auch das Herumreißen.

 

Verteidiger Stolting II:

Auch den Stoß und das Herumreißen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Und sind Sie dabei auch hingefallen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Nein? Dann muß ich Ihnen doch noch vorhalten, daß Sie bei Ihrer eidesstattlichen Erklärung folgendes gesagt haben: »Als ich sie erreicht hatte«, nämlich die Gruppe, »wurde ich von dem SS-Offizier, der mich bereits von meiner Frau getrennt hatte, zusammengedroschen, mit Fußtritten bearbeitet und wieder in die andere Gruppe zurückgestoßen.« 8

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Das ist das eine, was Sie heute auch sagen. An einer weiteren Stelle sagen Sie: »Ich hatte mir dessen Gesichtszüge insbesondere deshalb genau eingeprägt, weil er mich von meiner Frau getrennt und brutal niedergeschlagen hatte.« Aus dem Wort »niedergeschlagen hatte« muß man eigentlich zwangsläufig den Schluß ziehen, daß Sie auf der Erde gelegen haben.

 

Zeuge Hans Spicker:

Na, das will ich nicht unbedingt sagen.

 

Verteidiger Stolting II:

Das wollen Sie also nicht aufrechterhalten?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Können Sie sich vorstellen, wie das nun in diese eidesstattliche Erklärung von Ihnen bei dem Notar hineinkam? Ich habe Ihnen das ja aus Ihrer eidesstattlichen Erklärung vorgelesen, die Sie bei dem Ostberliner Notar abgegeben haben. Das wissen Sie nicht mehr, wie das da reinkam? Sie werden mir doch zugeben: Es ist ein Unterschied, ob ich getreten und geschlagen werde oder ob diese Behandlung so weit geht, daß ich auch niedergeschlagen, brutal niedergeschlagen werde.

 

Zeuge Hans Spicker:

Dann, will ich sagen, hätte ich formuliert: zu Boden geschlagen. Man kann ja auch niedergeschlagen sein, seelisch niedergeschlagen

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ach

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Und kraucht auch nicht wie ein Regenwurm unten lang.

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ach Sie meinen das psychisch. Danke sehr.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nein, das meint er [unverständlich]

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, ich meine es ganz genau so.

 

Staatsanwalt Kügler:

Eben.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, wann ist dieses Komitee ehemaliger Häftlinge in Ostberlin gegründet worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Also es tut mir leid, ich muß doch eine kleine Korrektur... Es belustigt mich, wenn ich Fragen nach Ostberliner Einrichtungen oder Organisationen beantworten soll.

 

Verteidiger Laternser:

Gut, darauf kommt es mir nicht an. Wann ist dieses Komitee gegründet worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das existiert schon sehr lange.

 

Verteidiger Laternser:

Seit wann sind Sie Mitglied dieses Komitees?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir sind da von uns aus, alle Auschwitzer, wir sind da erfaßt. Wir sind erfaßt. Um auch unter Umständen, was uns in der ersten Zeit sehr nützlich war, irgendwelche Elemente aussortieren zu können, die sich später irgendwie darauf berufen wollten, Häftlinge unter den Bedingungen, wie wir es waren, [+ gewesen zu sein], irgendwie versucht haben unterzuschlüpfen. Das war für uns eine sehr, sehr dankbare Lumpensortieranstalt, möchte ich mal sagen, daß wir das entfernen konnten, was sich eingeschleust hatte oder es versuchte. Also das Komitee existiert schon sehr lange.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Gibt dieses Komitee jetzt Rundschreiben heraus, daß also die Mitglieder informiert werden über den Lauf dieses Prozesses?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das ist mir nicht bekannt.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn keine Fragen mehr sind, muß das Gericht entscheiden über die Beeidigung der bisher vernommenen Zeugen und über diese Fragen – wollen Sie die aufrechterhalten, Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser? Wann er Hauptmann geworden ist und welche Funktion er jetzt hat. Ich glaube, die letzte Frage, die braucht er nicht zu beantworten: bei welcher Waffengattung er ist. Da habe ich auch Bedenken, also [+ das] hat meines Erachtens keinen großen Sinn.

 

Verteidiger Laternser:

Ich bitte zu entscheiden.

 

Vorsitzender Richter:

Sie bitten zu entscheiden.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, der Angeklagte Mulka verweigert seit dem Tag, an dem das Dokument Gegenstand der Hauptverhandlung wurde, daß also sechs Lastkraftwagen für die Vergasungstransporte eingesetzt wurden, die Beantwortung der Fragen der Staatsanwaltschaft. Er hat sich bei seiner Begründung auch darauf berufen, daß die Staatsanwaltschaft seine Einlassung als unwahr und den Tatsachen nicht entsprechend bezeichnete.

Nun haben wir – und ich möchte im Hinblick auf § 244 der Strafprozeßordnung das anregen –, nun haben wir von dem Angeklagten Kaduk in der Voruntersuchung, und bestätigt in der Hauptverhandlung, gehört, daß sich der Angeklagte Mulka, auch der Angeklagte Mulka, auf der Rampe befunden hat. Wir haben heute von dem Herrn Vertreter der Nebenklage9 ein Dokument vorgelegt bekommen, das der Angeklagte Mulka nicht etwa »für die Richtigkeit« oder dergleichen unterzeichnet hat, sondern regelrecht »auf Befehl, Mulka, SS-Hauptsturmführer«, und das den Betreff hat: »Erforderliche dringende Fertigstellung sämtlicher Krematoriumsbauten«.10

 

Vorsitzender Richter:

Geben Sie mal her.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich möchte doch anregen, daß dem Angeklagten Mulka in Gegenwart dieses Zeugen Gelegenheit gegeben wird, zumindest dazu Ausführungen zu machen – ob er bereit ist, als SS-Führer, der er war, angesichts des Zeugen und angesichts der niedrigeren Chargen, die hier im Saal angeklagt sind, die Wahrheit zu sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt, Sie beziehen sich auf ein Dokument. Ist das das Dokument, was Sie herausgesucht haben?

 

Staatsanwalt Kügler:

Nein, das ist das Dokument, was Herr Professor Doktor Kaul heute morgen überreicht hat: »Betrifft: Erforderliche dringende Fertigstellung sämtlicher Krematoriumsbauten«, das von Mulka unterzeichnet ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also ich habe leider das Dokument nicht da. Herr Doktor Stolting, haben Sie es noch da? Ich hatte es dem Herrn Doktor Eggert gegeben zur Einsichtnahme.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Kollege Ormond hat es auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, hier ist es schon. Ja. Herr Mulka, wollen Sie mal herkommen und wollen

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

[unverständlich] Herr Direktor, bevor ein derartiger Vorhalt gemacht wird, muß der Verteidigung erst mal Gelegenheit gegeben werden, zu diesen Dokumenten Stellung zu nehmen. Und das kann

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie haben sie ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, das kann aber nicht jetzt geschehen. Wir müssen das erst mal überprüfen.

 

Vorsitzender Richter:

Ich will doch nur den Angeklagten fragen, ob die Unterschrift von ihm stammt. Sonst doch gar nichts.

 

Verteidiger Stolting II:

Da habe ich nichts dagegen, Herr Direktor. Darf ich aber noch etwas sagen: Der Vortrag des Herrn Staatsanwalts Kügler bedarf doch einer kleinen Berichtigung. Es ist nicht richtig, und es würde einen falschen Eindruck erwecken, daß der Angeklagte Mulka irgendwelche Erklärungen zur Sache verweigert hätte, nachdem Dokumente vorgelegt worden seien. Er hat sich verweigert, er hat erklärt, daß er Fragen der Staatsanwaltschaft nicht mehr beantwortet, nachdem er von Herrn Staatsanwalt Kügler als »feige und verlogen« und als »Führer eines Mordkommandos« bezeichnet worden ist. Erst daraufhin hat der Angeklagte Mulka erklärt, daß er sich nicht mehr in der Lage sieht, Fragen der Staatsanwaltschaft zu beantworten. Dieses ist notwendig, daß es richtiggestellt wird. Insoweit war der Vortrag des Herrn Vertreters der Anklagebehörde eben nicht ganz korrekt.

 

Vorsitzender Richter:

Es kann beides richtig sein, Herr Rechtsanwalt, das eine zeitlich, das andere motivmäßig.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, ich bitte mir Gelegenheit zu geben, dazu Stellung zu nehmen. Das, was jetzt gesagt worden ist, das ist nun absolut unrichtig. Der Angeklagte Mulka hat in der Hauptverhandlung vom 24. Juli dieses Jahres auf eine Frage in sachlicher Beziehung, die ich ihm gestellt habe, geantwortet: »Als Soldat weiß man das und das.« Daraufhin habe ich ihm gesagt: »Sie sind in Auschwitz nicht Soldat gewesen, sondern waren dort Angehöriger eines uniformierten Mordkommandos.«

In der Hauptverhandlung vom 3. August 1964 wurde der Zeuge Böck vernommen, der uns sagte, er könne sich erinnern, daß im Sommer, im August 1942 sechs Lastkraftwagen beschafft worden sind, die ausschließlich für die Vergasungstransporte eingesetzt wurden. Daraufhin habe ich [gesagt]: »Ich habe in diesem Zusammenhang eine Frage an den Angeklagten Mulka.« Worauf der Angeklagte Mulka aufstand und eine längere Erklärung des Inhalts abgab, daß er Fragen der Staatsanwaltschaft nicht mehr beantworte, unter anderem auch aus dem Grund, weil ich gesagt hätte, er sei Angehöriger eines uniformierten Mordkommandos gewesen. Erst daraufhin habe ich gesagt: »Sie waren nicht nur nicht Soldat, sondern Sie sind obendrein auch noch verlogen und feig.« So ist es gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Schön, jetzt haben wir das also genügend geklärt. Und jetzt soll der Angeklagte Mulka sich einmal diesen Brief hier ansehen, den Sie ja, Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting, in der Hand haben. Oder er kann sich es auch hier ansehen, eingegangen am 2. Februar 43, und sagen, ob das seine Unterschrift ist. »14 KL. 1/43/MU./V. Betreff: Erforderliche dringende Fertigstellung sämtlicher Krematoriumsbauten. Bezug: ohne, Anlagen: ohne. An die Abteilung IIIa, SS-T-Sturmbann, Zentralbauleitung der Waffen-SS in Auschwitz. Infolge der Dringlichkeit der Fertigstellung dieser Bauten hat der Lagerkommandant angeordnet, daß die an diesen Bauten eingesetzten Häftlingskommandos und Posten auch am Sonntag, den 31.1.43, genau wie werktags ausrücken, arbeiten und Dienst tun. Die Abteilungen sorgen für ordnungsmäßige Durchführung dieser Anordnung, a. B. Mulka, SS-Hauptsturmführer und Adjutant.« 11 Haben Sie das unterschrieben?

 

Angeklagter Mulka:

Ja, ist meine Unterschrift.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und haben es auch diktiert? Es steht im Diktatzeichen M-U, vermutlich Mulka.

 

Angeklagter Mulka:

Offenbar ja.

 

Vorsitzender Richter:

Offenbar ja. Mehr wurde nicht gefragt. Herr Staatsanwalt, oder hatten Sie noch eine weitere [+ Frage]?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe die Frage angeregt, ob er nicht bereit ist, die Wahrheit zu sagen, daß das so gewesen ist, daß er auf der Rampe war. Angesichts [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Angeklagter Mulka:

Herr Vorsitzender, darf ich dazu noch mal etwas erklären?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Angeklagter Mulka:

Alle meine Einlassungen entsprechen den Tatsachen und der Wahrheit, in diesem gesamten Verfahren bisher.

 

Staatsanwalt Kügler:

Darf ich darauf erwidern, daß bei der ersten Vernehmung, die stattgefunden hat, der Angeklagte Mulka erklärt hat, er wisse von überhaupt keinen Handlungen wie Vergasungen und Tötungen im Lager.

 

Angeklagter Mulka:

Dazu habe ich mich auch schon geäußert.

 

Vorsitzender Richter:

Gut. Also wir werden jetzt entscheiden über die Fragen

 

– Schnitt –
92. Verhandlungstag, 24.9.1964

 

Fortsetzung der Vernehmung des Zeugen Hans Spicker

 

Verteidiger Laternser:

Sind Sie auch, wie andere Zeugen, mit einem Wagen der Ostberliner Staatsanwaltschaft nach hier verbracht worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Wir sind gemeinsam gekommen gestern.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Gestern. So. Und die anderen Zeugen, wo sind die? Ach so, gemeinsam gekommen in was? Mit was für einem

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Mit der Bahn.

 

Verteidiger Laternser:

Mit der Bahn.

 

Zeuge Hans Spicker:

Mit der Bahn. Wir haben die Fahrkarten bei uns.

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Und als Sie das... Brauchen Sie nicht. Und als Sie das erste Mal hierher kamen? Oder sind Sie heute zum ersten Mal hier?

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, wir waren vorige Woche bereits zweimal auf Wunsch des Herrn Vorsitzenden oder der Justiz hier erschienen, sind aber nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Vernommen worden, ja.

 

Zeuge Alois Eisenhändler:

Zur Vernehmung herangekommen.

 

Verteidiger Laternser:

Und wie sind Sie damals, beim ersten Mal, hierher gekommen?

 

Zeuge Hans Spicker:

Ja, da bin ich auch mit einem Wagen gekommen, aber mit einem anderen. Mit einem Wolga.

 

Verteidiger Laternser:

Ach so. Nicht mit einem Wagen von der Staatsanwaltschaft in Berlin?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das ist mir nicht bekannt.

 

Verteidiger Laternser:

Ach so. Und die anderen Zeugen, die vernommen worden waren? Sind die gleich

 

Zeuge Hans Spicker [unterbricht]:

Fragen Sie die bitte selbst.

 

Verteidiger Laternser:

Ja nun, vielleicht wissen Sie das. Sind die dann gleich nach der Vernehmung wieder zurückgebracht worden?

 

Zeuge Hans Spicker:

Das kann ich Ihnen nicht im einzelnen beantworten. Aber ich möchte Sie bitten.

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Na, ich glaube doch schon, wenn Sie hierher gefahren... Im einzelnen? Das ist doch nur eine einzige Frage.

 

Zeuge Hans Spicker:

Bitte, Herr Vorsitzender, muß ich, soll ich diese Fragen beantworten?

 

Vorsitzender Richter:

Ja wenn Sie es wissen, können Sie es natürlich sagen.

 

Zeuge Hans Spicker:

Ich kann Ihnen das nur also unvollständig sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind doch sicher mit den Leuten selbst zurück oder

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

[unverständlich]

 

Zeuge Hans Spicker:

Nein, das stimmt nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie nicht. Na ja, schön, ist ja dann nicht so wichtig.

 

Verteidiger Laternser:

Wissen Sie etwas davon, daß vier Zeugen mit einem Wagen der Oberstaatsanwaltschaft in Ostberlin hierher gebracht und nach der Vernehmung sofort wieder zurückgefahren worden sind? Wissen Sie das?

 

Zeuge Hans Spicker:

Da ist mir nichts bekannt.

 

Verteidiger Laternser:

Nichts bekannt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Direktor, die am Freitag vernommenen Zeugen Lill, Porębski und Kühne sind in meinem Wagen Opel Rekord 1A 1752 zurückgefahren nach ihrer Vernehmung. Der Zeuge Spicker ist mit mir zusammen am Abend zurückgefahren.

 

Zeuge Hans Spicker:

So ist es.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Mit dem Wagen 1A 0180, Fiat 200 und [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Damit ist die Frage beantwortet. Keine Fragen sind mehr zu stellen. Die Angeklagten haben keine Fragen mehr, keine Erklärung

 

– Schnitt –

 

 

 

1. Die Ehefrau des Nebenklägers Erwin Naphtali, Jettel Naphtali, geborene Weiss, und ihr Sohn Wolfgang wurden auf der Rampe zur Vergasung ausgesondert. Vgl. Schreiben von Nebenklagevertreter Kaul vom 28.01.1964 an das Schwurgericht. Siehe Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.01.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 95.

2. Die seit dem 26.02.1943 nach Birkenau deportierten Sinti und Roma erhielten Häftlingsnummern mit dem Buchstaben Z vor der Ziffer. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 423 sowie den Beitrag von Kazimierz Smoleń und Michael Zimmermann in: Sterbebücher von Auschwitz, Bd. 1, S. 149-161.

3. Vgl. die notarielle Erklärung des Zeugen Spicker vom 27.01.1964, Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.01.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 95.

4. Die Nummer 8 hatte der Angeklagte Capesius.

5. Der Zeuge Spicker meint den Vorfall im Krematorium II am 23.10.1943, als eine Frau Widerstand leistete und SS-Oberscharführer Schillinger erschoß. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 637.

6. Vgl. notarielle Erklärung des Zeugen Spicker vom 27.01.1964, Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.01.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 95.

7. Vgl. Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.01.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 95.

8. Vgl. notarielle Erklärung des Zeugen Spicker vom 27.01.1964, Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.01.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 95.

9. Vgl. den Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 24.09.1964, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 24.09.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 102.

10. Vgl. Schreiben des Angeklagten Mulka vom 29.01.1943 an die Abteilung IIIa, Zentralbauleitung der Waffen-SS, Anlage 10 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 16.11.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 104.

11. Anlage 10 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 16.11.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 104.

 

 
 
 
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