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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

123. Verhandlungstag, 30.12.1964

 

Vernehmung des Zeugen Karlheinz Schulery

 

Vorsitzender Richter:

Aussage auf ein Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, ich bin schon einverstanden.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind einverstanden. Herr Zeuge, Sie kennen den Angeklagten Doktor Capesius?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Jawohl, ich kenne ihn.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wollen Sie uns bitte einmal erzählen, wieso Sie ihn kennen und was Sie uns von ihm sagen können.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich selbst bin ja Pfarrer in Rumänien gewesen und habe ja dieselbe Schule absolviert wie er. Ich war einige Klassen unter ihm. Die Familie Capesius ist mir bekannt aus Schäßburg, wo die elterliche Apotheke ist. Mein Schwiegervater, der nach dem Zusammenbruch Rumäniens, also nach dem Abfall Rumäniens, Bischofsvikar wurde, war Stadtpfarrer in Schäßburg. Und ich selbst war auch sehr oft in dieser Stadt Schäßburg und habe mit der Familie Capesius in der Apotheke auch hie und da mal verkehrt. Ich kannte Capesius außerdem, weil ich die letzten Jahre Wehrmachtspfarrer, lutherischer Wehrmachtspfarrer, in der rumänischen Armee war, und habe ihn da auch mal getroffen, als Apotheker bei der rumänischen Armee.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hat er da für einen Dienstgrad gehabt?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Wie es üblich war in der rumänischen Armee: Jeder Apotheker wurde, wenn er seine Ausbildungszeit hinter sich hatte, als Hauptmann eingestuft. Genauso wie wir Wehrmachtspfarrer gleich mit dem Rang eines Hauptmanns übernommen wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wissen Sie, was mit Doktor Capesius geworden ist, nachdem Rumänien eben von den deutschen Truppen besetzt worden ist?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja. Es ist mir soweit einiges bekannt, da ja erst einmal der Staatsvertrag zwischen Rumänien und Deutschland zur Zeit der Regierung Antonescu uns Volksdeutsche gewissermaßen zwang, von der rumänischen Armee zur deutschen Wehrmacht zu gehen. Wir wurden also gewissermaßen überstellt. Ich selbst habe damals im Auftrag von mehreren Offizieren, volksdeutschen Offizieren – wenn ich recht erinnere, war auch Capesius unter denen, aber ich kann nicht namentlich alle nennen – bei meinem Korpsgeneral vorgesprochen, ob es nicht möglich wäre, daß wenigstens wir Offiziere bei der rumänischen Armee verbleiben, weil es ja natürlich auch nicht erfreulich war, noch einmal, wie es hieß, eine Ausbildung und so weiter – ich war damals schon kriegsversehrt – mitzumachen.

Es ging aber nicht. Man erklärte mir, man müsse sich fügen, der rumänische Staat gegenüber Deutschland. Und wir wurden dann einberufen durch deutsche Stellen und wurden dann verladen. Ich kann mich sogar noch auf den Tag erinnern, denn am Tag darauf ist mein Sohn geboren. Und ich konnte es nicht einmal durchsetzen bei den deutschen Dienststellen, daß sie mir noch einige Tage Urlaub gewährten, um bei der Entbindung dabeizusein. Wir wurden dann, ich glaube, am 28. Juli, einwaggoniert.

 

Vorsitzender Richter:

Welchen Jahres?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

43.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, in Hermannstadt. Und ich kann mich noch da auf Capesius erinnern. Denn wir Offiziere kamen ja zusammen und sprachen darüber, daß es eben nicht möglich ist, daß wir in der rumänischen Armee verbleiben. Und wir kamen dann nach Wien, wurden da in dem sogenannten Arsenal, glaube ich, so hieß diese Räumlichkeit, streng bewacht, und wir durften uns nicht fortbewegen.

Wir verhandelten dann, ob wir nicht auch, besonders wir Pfarrer, zur Wehrmacht gehen könnten. Aber es wurde auch uns Pfarrern und auch den anderen Offizieren abgeschlagen. Wir hatten allerdings das dann erreicht, daß man uns Siebenbürgern, die wir ja sehr kirchlich gebunden waren, ausdrücklich in einer Anweisung – ich habe die auch mal in Händen gehabt – Befehle herausgegeben hat, also von der SS-Führung, daß man uns nicht beeinflussen soll und zwingen soll, aus der Kirche auszutreten. Das war das einzige, was wir damals dann erreichten, 43.

Später einmal traf ich dann noch Capesius und kann mich erinnern, daß er mir da davon sagte, daß er einen Dienst habe, wo er gerne weg wolle, aber es würde ihm nicht gelingen. Also Genaues kann ich darüber sonst nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie etwas über das Verhalten des Angeklagten Doktor Capesius vor dieser Zeit, also vor der Verbringung nach Wien, wie er noch im Zivilberuf tätig war?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Wissen Sie, es ist ja so in Siebenbürgen: Bei uns in Siebenbürgen waren ja die Volksdeutschen eine Minderheit. Darf ich da vielleicht ausführlicher das erläutern, um die Situation zu verstehen?

Wir waren ja eine Minderheit, und alle Minderheiten unter sich kapselten sich ab und lebten möglichst für sich. Wir waren ja, na ja, man soll es ja nicht sagen, aber eine unterdrückte Minderheit, auch als Deutsche. Zum Beispiel meine Familie hat einen Großgrundbesitz gehabt, den uns der rumänische Staat, nachdem wir von Ungarn an Rumänien kamen, einfach enteignet und [+ uns dafür] wertlose Staatspapiere gegeben hat. Wir standen unter Druck, es durfte dann kein Deutscher mehr eine neue Apotheke zum Beispiel erwerben oder ausbauen. Und an verschiedenen Stellen also wurden wir immer mehr, immer sehr benachteiligt. Das galt aber für alle Minderheiten. In Rumänien waren ja bekanntlich von den 17 Millionen Einwohnern mehrere Millionen Minderheiten.

Durch die Volksdeutsche Mittelstelle wurde dann auch eine sogenannte Volksgruppenorganisation aufgezogen. Aber zu diesen Leuten gehörte Capesius bestimmt nicht. Ich habe auch weder einen Artikel da von ihm gelesen in diesen Blättern – Ich habe sie auch nicht so regelmäßig verfolgt. Ich stand auf der Seite von Bischof Glondys, und wir waren ja ständig angefeindet von diesen Leuten. Es ging ja auch darum: Man wollte uns unsere kirchlichen Schulen wegnehmen und hat es ja dann auch durchgesetzt. Aber ich könnte wirklich mich nicht erinnern, ich kann mit bestem Gewissen sagen, es ist mir nicht bekannt, daß Capesius irgendwie nun antisemitisch sich in Wort oder Schrift betätigt hätte. An unseren Schulen, auch in meiner eigenen Klasse, waren zwei Juden drin, und wir waren befreundet. Und es kam dann natürlich so – ich kann mich nicht recht erinnern –, 42/43 wurden dann die Juden ein wenig schikaniert in Rumänien. Und wir haben aber die Beziehungen zu diesen Familien nicht abgebrochen.

Also ich könnte mir nicht vorstellen, daß er nun sich irgendwie antisemitisch betätigt hat. Denn diese Aktionen, die dann später kamen – das war allerdings zum Teil dann schon, als wir schon weg waren mit unseren Transporten –, waren ja zuerst von der Eisernen Garde1, der Garda de Fier, wie die Organisation hieß, und dann von Regierungsstellen. Es ist ja nicht so, daß in Rumänien die Deutschen irgendwie Machtbefugnisse hatten, wie etwa, ich weiß nicht, vielleicht die Polen oder so. Es war eine rumänische Regierung, und wir waren ja eine Minderheit in diesem Staat. Also wir hatten ja gar keine Möglichkeiten, hier selbstherrlich irgendwie eine Aktion zu unternehmen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sind noch von Seiten des Gerichts Fragen zu stellen? Bitte schön, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Pfarrer, Sie waren also auch nach Wien gekommen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Jawohl, jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wo kamen Sie denn dann anschließend hin? Zunächst mal eine Vorfrage: Welchen Dienstrang hatten Sie in der rumänischen Armee?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

In der rumänischen Armee hatte ich Pfarrer

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ah, Sie waren Pfarrer

 

Zeuge Karlheinz Schulery [unterbricht]:

Hauptmann, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Pfarrer im Hauptmannsrang, ja?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und was geschah nun in Wien mit Ihnen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Nun, wir waren damals sechs Pfarrer in dem Transport, es waren nicht alles Reservehauptleute. Und ich hatte natürlich, trotzdem ich versehrt war, eben gebeten, mich zu einer Fronteinheit einzuteilen. Aber es ist so: Besonders Ärzte und Apotheker und Tierärzte, die ja bei uns sehr zahlreich waren, die wurden natürlich gleich aufgrund ihrer Fachkenntnisse herausgezogen, nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Was geschah mit Ihnen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich? Ich kam also zu einem Feldausbildungsbataillon und kam dann an die Ostfront.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wie wurden Sie dienstrangmäßig eingestuft?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich wurde nach kurzer Zeit, nach einigen Wochen, Unteroffizier und kam dann auf einen Lehrgang für ausländische Offiziere und bekam dann Leutnantsrang, bekam allerdings von Anfang an den Wehrsold und das Gehalt eines Hauptmanns. Ja, den hatte ich laut Soldbuch, das könnte ich auch nachweisen. Ich habe es aber nicht mit heute.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und Sie waren also immer bei der Truppe?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich war bei der Truppe, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wurde versucht, Sie wegen Ihrer Sprachkenntnisse anders einzusetzen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Es war geplant für mich, zu der sogenannten rumänischen Division zu kommen. Aber das war dann schon in den Monaten des Zusammenbruchs

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Da kam nichts mehr

 

Zeuge Karlheinz Schulery [unterbricht]:

Da kam es nicht mehr dazu. Ich sollte dann als Offizier zur rumänischen aufgestellten Division kommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wurden Sie in Ihrer Zeit bei der Waffen-SS, so daß Sie es merkten, irgendwie als nicht ganz zuverlässig behandelt, oder wurden Sie normal behandelt?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, das war verschieden. Ich hatte zum Beispiel schon auch Auseinandersetzungen. Es waren ja – leider muß ich sagen, ich will niemand beleidigen – immer Reichsdeutsche, die also oft sich bei Kirchen und so schauderhaft benommen haben, nicht. Da habe ich natürlich Konflikte mit denen gehabt. Und sonst kann ich ja nicht sagen, daß man... Man hat mich vielleicht manchmal mißtrauisch betrachtet. Aber im großen und ganzen – ich habe meinen Dienst getan, ich war einige Male verwundet, und ich kann nicht klagen, so daß

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Hatten Sie irgendwann mal Anlaß, um Versetzung zu einer anderen Einheit zu bitten?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Das habe ich versucht, das habe ich versucht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wo wollten Sie hin?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Gleich am Anfang bei der Einstellung im Arsenal in Wien und dann noch einmal auf der Offiziersschule bat ich – da war der Herr Rühle von Lilienstern damals Kommandeur –, und ich bat ihn, ob es nicht doch möglich wäre, daß ich zu einer Wehrmachtseinheit käme.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das wurde Ihnen abgeschlagen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Das wurde nicht gestattet, nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Hatten Sie automatisch mit der Übernahme in die Waffen-SS die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, oder waren Sie nach wie vor rumänischer Staatsangehöriger?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, das weiß ich heute noch nicht richtig. Denn in meinem Paß steht zwar »Deutscher«, aber beim Meldeamt meint man immer, ich wäre nur als Volksdeutscher den deutschen Staatsbürgern gleichgestellt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke schön.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Bin ich fertig?

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Kann ich gehen, ja?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, Moment noch. Sind noch Fragen? Keine Fragen? Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie sagten vorhin, Sie seien als Leutnant dann zu Ihrer Truppe gekommen. Sie müssen doch Untersturmführer gewesen sein.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

[...] Ja, im Range eines Untersturmführers. Aber

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Sind Sie nicht zum Untersturmführer befördert worden in der Waffen-SS?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Bei mir war es so: Weil ich ja nicht Soldat war, ich war ja Wehrmachtsgeistlicher, nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aber bei der Waffen-SS gab es doch keine [unverständlich]

 

Zeuge Karlheinz Schulery [unterbricht]:

Das gab es eben nicht. Und darum habe ich im Gegensatz zu den anderen Offizieren noch einmal Rekrutenausbildung gemacht. Weil ich ja in der rumänischen Armee schon während meiner Soldatenausbildung – ich hatte auch Wehrdienst vorher schon getan – Unteroffizier war, hatten sie mich dann gleich als Unteroffizier dann nach kurzer Zeit übernommen. Und hatten mich dann nach dem Offizierslehrgang als Oberfähnrich und dann zuletzt als Untersturmführer [+ eingestuft].

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, hat man denn dort bei Ihrer Truppe gewußt, daß Sie von Beruf Pfarrer sind?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, in meinem Soldbuch stand drin: Pfarrer und Lehrer.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und konnten Sie nicht daraufhin dann erreichen, daß Sie doch nicht gerade bei einer Waffen-SS- Einheit, die doch antichristlich eingestellt war, dienten? Haben Sie je den Versuch gemacht, von der Waffen-SS

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er hat es doch gesagt. Er hat doch wiederholt auf Fragen gesagt: »Ich habe den Versuch gemacht, zur Wehrmacht zu kommen, von der SS wegzukommen, und ich bin auch wiederholt deshalb vorstellig geworden, aber es ist mir nicht gelungen.« So habe ich den Zeugen jedenfalls verstanden.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, so stimmt es.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das scheint mir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Selbst beim Kommandeur nicht.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Nein, das war direkt der Kommandeur, Herr Rühle von Lilienstern, in Pölz. In Pölz war das, nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine Frage.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Nur ganz wenig. Herr Pfarrer, Sie sagten vorhin, Doktor Capesius habe Ihnen einmal erzählt, als Sie ihn getroffen haben, er habe sich weggemeldet, aber diese Bemühungen seien ohne Erfolg gewesen. Nun die Frage: Wissen Sie, daß auch die Vertreterfirma von Bayer in Rumänien sich bemüht hat, den Doktor Capesius vom Wehrdienst befreien zu lassen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja. Also wir hatten uns ja damals im Transport unterhalten über die Sache. Und ich berichtete ihm, daß mir der General Dragalina sagte, es wäre also nicht möglich. Und da erwähnte Capesius eben, auch seiner Firma sei bis jetzt nichts gelungen.

 

Verteidiger Laternser:

Ah so. Also das war auch eine Erzählung von Doktor Capesius?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

So [+ ist mir das] in Erinnerung, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Jawohl, ja. Nun, Sie waren in Belgien in Kriegsgefangenschaft?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Nein, ich war in Deutschland in Kriegsgefangenschaft.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Waren Sie nicht zusammen mit Doktor Capesius zeitweise in Kriegsgefangenschaft?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich habe ihn kurz mal getroffen, als ich Lagerpfarrer in Dachau war.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Wie hat er sich dort benommen?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ja, wir hatten auch über diese schrecklichen Zustände gesprochen, und er hat mir erzählt. Aber ich hatte eigentlich damals nicht den Eindruck – es ist ja vielleicht hier kein seelsorgerisches Geheimnis, ich kann darüber schon [+ sprechen], kein Beichtgeheimnis war es –, ich hatte nicht den Eindruck, daß er irgendwie sich belastet fühlt.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun noch eine letzte Frage: Welchen Ruf hatte die Familie Capesius in Schäßburg?

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Die Familie Capesius galt als eine sehr kirchliche und als eine Familie, die sozial sehr viel Gutes tat. Ich weiß nicht, ob ich es erwähnte: Er und auch sein Bruder, die ganze Familie, waren in Schäßburg sehr angesehen und sehr kirchlich und taten ja auch sehr viel Gutes. Denn unsere siebenbürgische Kirche und unser kirchliches Schulwesen wurden ja nicht vom Staat irgendwie unterstützt, trotzdem wir die größten Steuerzahler in Siebenbürgen waren. Sondern wir erhielten das alles aus eigenen Mitteln.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr. Von seiten der Verteidigung sonst noch Fragen zu stellen? Nein. Der Angeklagte Capesius?

 

Angeklagter Capesius:

Ich habe auch keine Fragen. Das einzige vielleicht: daß ich nicht beim Militär damals war. Also wir mögen gesprochen haben, aber ich war nicht bei der Delegation mit Dragalina und so weiter.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Nein, das hatte ich auch nicht gesagt.

 

Angeklagter Capesius:

Eben.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Ich habe nur gesagt, daß einige Offiziere sprachen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Vorsprachen

 

Zeuge Karlheinz Schulery [unterbricht]:

Ich sollte da vorgehen. Und ich weiß nicht, ich war ja allein damals bei dem

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja.

 

Zeuge Karlheinz Schulery:

Das Armeekorps, bei dem ich in Rußland war, war zurückgezogen und war in Hermannstadt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn von Seiten der Angeklagten keine Erklärungen mehr abzugeben sind, keine Fragen mehr zu stellen sind, dann muß der Zeuge beeidigt werden. Werden Anträge gestellt? Nein.

 

– Schnitt –

 

1. Antisemitische Bewegung in Rumänien. Vgl. Enzyklopädie des Holocaust, Bd. 1, S. 403 f.

 

 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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