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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

139. Verhandlungstag, 25.2.1965

 

Vernehmung des Zeugen Alfred Schlage

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zur Stützung des Gedächtnisses] des Gerichts?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Schlage, Sie waren während des Kriegs ebenfalls Soldat?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie denn eingezogen worden?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Zuerst zum Arbeitsdienst.

 

Vorsitzender Richter:

Wann?

 

Zeuge Alfred Schlage:

1942 im Februar.

 

Vorsitzender Richter:

1942 zum Arbeitsdienst. Wie lange blieben Sie bei dem Arbeitsdienst?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Von da aus kamen wir nach Rußland raus und wurden da gleich in die Wehrmacht übernommen.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Rußland kamen Sie?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wurden in die Wehrmacht übernommen. Und zwar in welchen Teil der Wehrmacht kamen Sie?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Bei der Infanterie, Regiment 636, wurden wir übernommen.

 

Vorsitzender Richter:

Zum Infanterieregiment 636. Wo lag das damals?

 

Zeuge Alfred Schlage:

In Smolensk.

 

Vorsitzender Richter:

Das war 1942?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Im Sommer oder

 

Zeuge Alfred Schlage [unterbricht]:

Nein, im Spätherbst.

 

Vorsitzender Richter:

Im Spätherbst 42 waren Sie bei dem Regiment. Und wie lange waren Sie dort?

 

Zeuge Alfred Schlage:

[Pause] Das muß ich mir überlegen.

 

Vorsitzender Richter:

Na, ich will Ihnen helfen. Waren Sie irgendwann einmal verwundet?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Verwundet nicht, ich hatte eine Erfrierung gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Eine Erfrierung haben Sie gehabt.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, das war aber später.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo war denn das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

In Rumänien, bei Winniza.

 

Vorsitzender Richter:

In Rumänien. Und bei welcher Einheit waren Sie denn damals?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Wir wurden da übernommen, und unser Ersatztruppenteil lag in Göttingen, das 82er Infanterieregiment.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie waren bei dem 82er Infanterieregiment?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, nachher.

 

Vorsitzender Richter:

In Rumänien?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und dort hatten Sie eine Erfrierung?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Des linken Vorfußes.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie dort in ein Lazarett gekommen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war denn das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das muß so Mitte oder Ende April 1943 gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Mitte oder Ende April 1943.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Wie lange waren Sie dort im Lazarett?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Da kamen wir mit dem Truppentransport nach Brieg in Schlesien.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Nach Brieg in Schlesien. Und dann?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Da haben mich mein Vater und meine Mutter besucht. Mein Vater hat damals noch mit dem Stabsarzt gesprochen wegen einer Verlegung nach dem Heimatlazarett, nach Königsberg. Und aufgrund dessen wurde ich verlegt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie mal: Wie konnten Sie denn damals von dem Vater besucht werden? War der Vater nicht auch Soldat?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Der Vater war Soldat. Und ich hatte nach Hause geschrieben, daß ich in Brieg im Lazarett lag, und war ganz erstaunt, als mein Vater und meine Mutter mich besuchten.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso konnte denn der Vater Sie besuchen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Weil er vorher im Lazarett gelegen hat. Er hatte eine Blinddarmplatzung gehabt und eine Vereiterung. Und er hatte im Krankenhaus einen Genesungsurlaub gekriegt, und da war der Vater zu Hause und hat mich da besucht.

 

Vorsitzender Richter:

Während seines Genesungsurlaubs?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie oft hat er Sie denn besucht?

 

Zeuge Alfred Schlage:

In Brieg einmal, und nachher in Königsberg.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das auch mal dem Anwalt Ihres Vaters gesagt?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das dem genau so erzählt, wie Sie mir das jetzt erzählen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Genau so.

 

Vorsitzender Richter:

Also der Herr Rechtsanwalt Bürger schüttelt mit dem Kopf. In seinem Beweisantrag steht nämlich drin, Sie hätten sich Mitte April 44 bis Ende April 44 im Lazarett in Brieg befunden und dann im Lazarett in Königsberg.1

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja. 1944 im April bin ich ins Lazarett reingekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Und da hat mein Vater mich besucht.

 

Vorsitzender Richter:

Also gerade hatten Sie mir gesagt, es wäre April 43 gewesen. Das war mir sehr interessant. Aber Sie sagen jetzt, es ist April 44 gewesen.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Genau auf dem Schriftstück, was da oben steht. Da habe ich mich jetzt eben versprochen. Nein, das ist 1944 gewesen.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Da haben Sie sich versprochen. Im April 44.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie das bestimmt?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Also ich habe jetzt 44 geschrieben.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und das stimmt auch?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das stimmt. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. [Pause] Im April 44. [Pause] Ist noch eine Frage?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Als Sie sich die Füße erfroren hatten, war da Ihr Regiment im Einsatz gewesen an der Front?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, wir waren vorne an der Front.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

In welcher Gegend war das denn?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Bei Winniza in Rumänien.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Bei Winniza. Na ja, das war der Uman-Kessel, das war 1944. Das stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Staatsanwalt, hatten Sie noch eine Frage?

 

Staatsanwalt Vogel:

Wegen dieser Erfrierung wollte ich nur noch mal fragen. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie den ersten Winter als Soldat erlebt haben?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, das war doch, als ich vom Arbeitsdienst übernommen wurde in die Wehrmacht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie sagten, im Herbst 42 sind Sie bei Smolensk zur Wehrmacht übernommen worden.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Kamen Sie dann zum Einsatz?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Nein, ich wurde krank und kam zurück nach Göttingen und von da aus nach Frankreich. Und 1943 zu Weihnachten, das weiß ich ganz genau, am Heiligen Abend, waren wir auf dem Transport nach Rumänien.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und wann haben Sie diese Erfrierungen erlitten?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Die habe ich 44 gekriegt. Das war so um Februar rum, März. Es war schon Tauwetter. Wir hatten zuerst Filzstiefel, und dann kam der Matsch und wir bekamen Lederstiefel. Die Füße waren naß, und dann setzte der Frost ein. Da habe ich mir meinen linken Fuß erfroren.

 

Staatsanwalt Vogel:

Also Sie wollen sagen, im Winter 1942/43 hatten Sie auf keinen Fall

 

Zeuge Alfred Schlage [unterbricht]:

43 zu 44

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Lassen Sie mich doch bitte mal aussprechen. Im Winter 1942/43 hatten Sie auf keinen Fall an Erfrierungen zu leiden?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das war erst im Februar, März, meinen Sie, 44 in Rumänien?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und sind Sie sicher oder woher wissen Sie, daß Ihr Vater Sie, als er in Brieg bei Ihnen aufgetaucht ist, selbst Urlaub hatte, daß er nicht etwa von Auschwitz her auf Besuch nach Brieg rübergekommen war?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Weil mein Vater doch im Lazarett gelegen hat. Das hat er mir gesagt, daß er eben Urlaub gekriegt hat jetzt, durch seine schwere Krankheit. Und da hat er mich besucht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Haben Sie bei diesem Besuch in Brieg zum erstenmal davon gehört, daß Ihr Vater auch im Lazarett gelegen hatte?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Meine Mutter hatte das schon mal geschrieben.

 

Staatsanwalt Vogel:

Hatten Sie mit Ihrem Vater keine Postverbindung?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Selten, nicht viel.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie wurden über das Schicksal Ihres Vaters durch Ihre Mutter

 

Zeuge Alfred Schlage [unterbricht]:

Von meiner Mutter

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Unterrichtet?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wissen Sie etwas darüber, wo sich Ihr Vater im Sommer 1941 befunden hatte?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das kann ich nicht sagen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Da waren Sie doch noch zu Hause.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, da war ich noch zu Hause. Er war eingezogen worden. Er ist in Plock, glaube ich, gewesen und dann in Auschwitz gewesen. Aber wo und wann, das kann ich nicht genau sagen. Es ist schon so lange her.

 

Staatsanwalt Vogel:

Können Sie sich noch erinnern, wann sonst Ihr Vater auf Urlaub war?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Nein, daran kann ich mich nicht erinnern.

 

Staatsanwalt Vogel:

Hatte er auch mal Urlaub, während Sie noch zu Hause waren, vor Ihrer Einziehung, vor Ihrer Einberufung?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Vor meiner Einberufung? [Pause] Das weiß ich nicht mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie können sich also, wenn ich Sie recht verstehe, aus dem ganzen Krieg an keinen Urlaub Ihres Vaters erinnern, nur mit der einen Ausnahme, daß er Sie in Brieg besucht hatte und Ihnen bei dieser Gelegenheit davon erzählte, er hätte selbst auch Urlaub?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja. Weil er ja in Uniform erschienen war.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und ist das Ihre Erinnerung heute noch

 

Zeuge Alfred Schlage [unterbricht]:

Ja

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Aus eigener Bemühung Ihres Gedächtnisses? Oder ist das inzwischen aufgefrischt worden?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja nun, mein Bruder und meine Mutter, wir haben uns darüber unterhalten und so weiter, daß der Vater diese schwere Operation hinter sich hatte, und es war eine Überraschung, daß der Vater einen besuchte damals so plötzlich im Krankenhaus

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Wann haben Sie sich darüber unterhalten, über dieses Thema? Damals oder jetzt kürzlich?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Jetzt haben wir uns darüber unterhalten.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut, danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Und hat Ihr Vater Sie nicht auch in Königsberg mal besucht?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, anschließend. Ich wurde ja eine Woche später verlegt nach Königsberg.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben mir vorhin auf meine Frage gesagt, er hätte Sie einmal besucht, und zwar in Brieg.

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, in Brieg. Und anschließend war ich doch [+ verlegt]. Mein Vater hatte doch damals mit dem Stabsarzt gesprochen, und deswegen wurde ich doch verlegt nach Königsberg.

 

Vorsitzender Richter:

Und dort hat er Sie auch noch mal besucht?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, da hat er mich auch noch besucht.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war denn das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das muß Ende April bis Anfang Mai gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Herr Rechtsanwalt Bürger.

 

Verteidiger Bürger:

Herr Schlage, wann haben Sie erstmals erfahren, daß Ihr Vater im Lazarett lag? Waren Sie da noch in Frankreich, oder wo war das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Durch das Schreiben von meiner Mutter. Da war ich in Frankreich. Da hatte ich ja Bescheid gekriegt, daß mein Vater eben krank ist durch diese Blinddarmplatzung.

 

Verteidiger Bürger:

Wann war das etwa?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, das war, wie ich kurz sagte, im Oktober oder November, da lag ich an der Kanalküste bei Boulogne in Frankreich. Da bekam ich die erste Nachricht, daß mein Vater krank ist und im Lazarett, [Pause] Laurahütte oder Königshütte, so ungefähr.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Im Herbst 43.

 

Vorsitzender Richter:

43. Da lagen Sie bei Boulogne?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja. Da wurden wir zusammengestellt, und da ging es nach Rumänien raus.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Weiter, bitte schön.

 

Verteidiger Bürger:

Danke schön. Das wollte ich nur wissen.

 

Vorsitzender Richter:

Ist sonst noch eine Frage? Von seiten des Angeklagten Schlage?

 

Angeklagter Schlage:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Erklärungen mehr abzugeben von den Angeklagten, von den Verteidigern keine Fragen mehr zu stellen. Werden wegen der Beeidigung Anträge gestellt?

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich beantrage, von der Vereidigung gemäß § 61 Ziffer 2 der Strafprozeßordnung abzusehen.2

 

Vorsitzender Richter:

Keine Anträge. Erkennen Sie das Bild hier?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer ist das?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das sind mein Bruder und ich.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann ist das aufgenommen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das hat mein Vater aufgenommen, als ich nach Königsberg kam, als ich verlegt wurde.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

War da Ihr Bruder auch?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Was?

 

Vorsitzender Richter:

War Ihr Bruder auch in Königsberg?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja, der wartete damals auf seine Einberufung in die Marine. Er war vom Arbeitsdienst gekommen und hatte so lange zu Hause gewartet, bis er einberufen wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Wo wohnten denn Ihre Eltern damals?

 

Zeuge Alfred Schlage:

In Königsberg, Erlenweg Nummer 10.

 

Vorsitzender Richter:

In Königsberg selbst?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie waren auch im Lazarett in Königsberg?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und da hat Sie Ihr Vater nur einmal besucht?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bei dieser Gelegenheit hat er das Bild aufgenommen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Zu Hause haben wir das aufgenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ach, da sind Sie nach Hause entlassen oder

 

Zeuge Alfred Schlage [unterbricht]:

Ja, entlassen nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Beurlaubt worden?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Beurlaubt. Ich konnte dann die Woche ein-, zweimal nach Hause gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Da war Ihr Vater dort?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange war der Vater dort zu Hause?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das kann ich nicht mehr genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Wie lange waren Sie denn überhaupt in Königsberg?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ich war dort ungefähr bis September. Und dann wurden wir verlegt nach Pillau. Und von da aus ging es nach Swinemünde, und in Bad Oeynhausen, in Herbers Kurhotel, kamen wir dann eben praktisch ins neue Lazarett da rein. Da wurde

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also im September 44 kamen Sie von Königsberg weg?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Ja. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Sie von wann ab in Königsberg? Wann sind Sie denn von Brieg nach Königsberg gekommen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Das muß so im Mai gewesen sein. Von Mai bis September ungefähr, 1944, war ich zu Hause beziehungsweise in Königsberg im Hindenburg-Haus im Lazarett. Von da aus wurden wir verlegt.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar von Königsberg nach Bad Oeynhausen?

 

Zeuge Alfred Schlage:

Bad Oeynhausen. Da haben wir zuerst im Königshof gelegen, dann in Herbers Kurhotel.

 

Vorsitzender Richter:

So. Dann nehmen Sie bitte einstweilen dahinten Platz, und wir wollen den Bruder rufen.

 

– Schnitt –

 

 

1. Vgl. Beweisantrag von Verteidiger Bürger vom 08.02.1965, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 12.02.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 108.

2. StPO § 61 »Von der Vereidigung kann nach dem Ermessen des Gerichts abgesehen werden (...) 2. beim Verletzten sowie bei Personen, die im Sinne des § 52 Abs. 1 Angehörige des Verletzten oder des Beschuldigten sind«.

 

 
 
 
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