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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

126. Verhandlungstag, 11.1.1965

 

Vernehmung des Zeugen Paul Schaffer

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Schaffer, Sie waren ebenfalls in Auschwitz?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns bitte sagen, wann Sie hingekommen sind?

 

Zeuge Paul Schaffer:

En novembre 1943.

 

Dolmetscherin Fietel:

Im November 1943.

 

Vorsitzender Richter:

Und was war der Grund, weshalb Sie dorthin gekommen sind, politische oder rassische Gründe?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Raciales.

 

Dolmetscherin Fietel:

Aus rassischen Gründen.

 

Vorsitzender Richter:

Aus rassischen Gründen. Und sind Sie von Frankreich aus dorthin geschafft worden?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie groß war der Transport ungefähr, mit dem Sie gekommen sind?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je suis arrivé dans la région d'Auschwitz en 1942, en partant de Drancy en 1942, je crois que notre convoi comptait environ 1.000 personnes.

 

Dolmetscherin Fietel:

J'ai dit 43 avant

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

En 42. Je suis arrivé à Auschwitz enfin directement à Bobrek en 1943, mais j'ai été déporté en août 1942.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich wurde schon im August 1942 deportiert. Unser Transport zählte ungefähr 1.000 Personen.

 

Vorsitzender Richter:

Im August 1942. Und wohin wurden Sie damals deportiert?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Tarnowitz.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Tarnowitz. Und im November 43 von Tarnowitz

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Nein. — De Tarnowitz nous sommes partis six mois plus tard à Schopinitz.

 

Dolmetscherin Fietel:

Von Tarnowitz sind wir sechs Monate später nach Schopinitz abgereist.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et en novembre 1943 seulement nous étions amenés à Auschwitz.

 

Dolmetscherin Fietel:

Und erst im November 1943 wurden wir nach Auschwitz gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Waren das auch wieder etwa 1.000 Mann?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele waren das ungefähr noch?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne saurais pas vous le dire avec exactitude.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das kann ich nicht mehr genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie mit der Eisenbahn dorthin transportiert worden?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo sind Sie ausgeladen worden?

 

Zeuge Paul Schaffer:

À la quarantaine.

 

Dolmetscherin Fietel:

In der Quarantäne.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie in Birkenau ausgeladen worden oder in Auschwitz?

 

Zeuge Paul Schaffer:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau. An der sogenannten Rampe?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sind alle Angehörigen dieses Transportes ins Lager gekommen, oder sind auch welche in die Gaskammern gekommen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non, nous sommes tous arrivés à la quarantaine et nous avons passé un examen de vigueur, si je puis dire, puisqu'on nous a fait courir pour vérifier si nous étions aptes au travail.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nein, wir sind alle in der Quarantäne angekommen, und dann mußten wir eine Prüfung über uns ergehen lassen, eine sehr strenge, kann ich wohl sagen. Man ließ uns nämlich laufen, also springen, um zu sehen, ob wir noch fähig seien zu arbeiten.

 

Vorsitzender Richter:

Wo war dieser Quarantäneblock, wo Sie hingekommen sind?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne suis pas resté très longtemps, je suis resté deux ou trois jours seulement à Birkenau. C'était le moment le plus difficile, et je ne saurais pas préciser, à l'heure actuelle, quel était le numéro du bloc.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir waren nur etwa zwei bis drei Tage in Birkenau

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

In der Quarantäne.

 

Dolmetscherin Fietel:

In der Quarantäne. Und ich könnte also heute nicht mehr mit Genauigkeit angeben, welches die Nummer dieses Blocks war.

 

Vorsitzender Richter:

Nach zwei bis drei Tagen sind Sie ins Stammlager gekommen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, in welchen Block Sie dann gekommen sind?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Bloc 11.

 

Dolmetscherin Fietel:

Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Meinen Sie damit Birkenau, oder meinen Sie Auschwitz I, das Stammlager in Auschwitz?

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'était le camp de travail.

 

Dolmetscherin Fietel:

Es war das Arbeitslager.

 

Vorsitzender Richter:

Arbeitslager. In Birkenau?

 

Zeuge Paul Schaffer:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau. Und wissen Sie noch, welche Bezeichnung dieses Lager gehabt hat?

 

Zeuge Paul Schaffer:

SK.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, die Strafkompanie, Strafabteilung, oder wie sie hieß. Strafkompanie, glaube ich

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Strafkommando.

 

Vorsitzender Richter:

Strafkommando. Und dieses Strafkommando war untergebracht in welchem Lager?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Dans le camp de travail. En quelque sorte un camp dans les camps, si je puis dire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Im Arbeitslager. Es war sozusagen ein Lager im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und zwar in dem Lager d, wenn es richtig ist?

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'est exact.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja, das ist richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Dora.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je crois.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind also noch im November 1943 in dieses Strafkommando gekommen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war damals Blockführer von der Strafkompanie?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Emil Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Das war der Blockälteste?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war von der SS der Blockführer?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je me souviens simplement de SS-Schulz, je crois.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich nur an SS-Schulz, glaube ich.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Mais je ne me souviens pas du nom d'autres responsables SS.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich jedoch nicht an den Namen anderer verantwortlicher SS-Leute.

 

Vorsitzender Richter:

Den Moll haben Sie nicht mehr gekannt?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne me souviens pas personnellement de son nom.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich nicht persönlich.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie sagen, der Blockälteste war Bednarek?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sprach Bednarek mit Ihnen? In deutscher Sprache? Oder in welcher Sprache redete er Sie an?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Si on peut appeler ça parler. Il hurlait, il ne parlait pas.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wenn man das überhaupt sprechen nennen kann. Er hat gebrüllt, er hat nicht gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Und nun erzählen Sie uns bitte, wie Bednarek die Häftlinge behandelt hat, die bei ihm untergebracht waren.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Puis-je me permettre d'attirer votre attention sur un livre qui à été écrit en 1947 par un de mes camarades, Monsieur Erich Altmann?

 

Dolmetscherin Fietel:

Darf ich mir gestatten, Ihre Aufmerksamkeit auf ein Buch zu lenken, das im Jahre 1947 von einem meiner Lagerkameraden, einem Herrn Erich Altmann, geschrieben wurde.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il décrit dans son livre »Im Angesicht«, de la page 72 à la page 92, notre séjour dans le bloc 11.1

 

Dolmetscherin Fietel:

In diesem Buch [beschreibt] er auf Seite 72 bis 92 unseren Aufenthalt in Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie uns aus Ihrer Erinnerung noch einmal sagen, was Sie dort besonders noch als bemerkenswert in Ihrem Gedächtnis haben?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Nous sommes arrivés dans le bloc 11, en fait, en qualité de spécialistes de la métallurgie, et sélectionnés par Siemens-Schuckert.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir kamen in Block 11 als Spezialisten der Metallurgie an, wir waren ausgewählt worden von Siemens-Schuckert.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Nous sommes arrivés en novembre 43, nous étions une cinquantaine, sélectionnés par un ingénieur de la maison Siemens.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir sind im November 1943 angekommen. Es waren unserer etwa 50. Wir waren ausgewählt worden von einem Ingenieur der Siemens-Werke.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et il avait recommandé de nous soigner, enfin de nous remettre un tout petit peu en forme afin de pouvoir construire, à quelques kilomètres de Birkenau, l'usine de Siemens-Schuckert qui était exactement située à Bobrek.

 

Dolmetscherin Fietel:

Er hat empfohlen, daß man auf uns schaut, für uns sorgt und daß man uns wieder ein bißchen in Form bringt, damit wir, etwa 50 Kilometer weit weg, die Fabrik Siemens-Schuckert erbauen können, die dann tatsächlich auch in Bobrek erbaut wurde.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et, c'est pour cette raison – afin de ne pas nous perdre dans la masse du camp – que nous avons été mis dans le SK, enfin dans le bloc 11. C'était uniquement pour nous préserver, en quelque sorte, pour nous maintenir groupés à l'intérieur du camp qu'on nous avait amenés dans le SK, mais non pas comme sanction, plus particulièrement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Es war eigentlich, um uns zusammenzuhalten, damit wir uns nicht verlieren in der Masse der Lagerinsassen, daß man uns in diesen Block SK gebracht hat, um uns da also zusammenzuhalten und nicht eigentlich als Strafe.

 

Vorsitzender Richter:

Welche Häftlingsnummer hatten Sie denn?

 

Zeuge Paul Schaffer:

160.610.

 

Dolmetscherin Fietel:

160.610. [...]

 

Zeuge Paul Schaffer:

Eh bien, Bednarek ne pouvait pas voir que nous puissions bénéficier d'un traitement spécial.

 

Dolmetscherin Fietel:

Emil Bednarek konnte es nicht sehen, daß wir eine Sonderbehandlung erhielten.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Nous avons ainsi subi des traitements très particuliers, notamment nous avons subi cette »gymnastique«. Particulièrement réputée d'ailleurs puisqu'elle a coûté la vie à pas mal de gens durant le séjour dans le bloc 11.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir wurden daher verschiedenen besonderen Behandlungen unterworfen, unter anderem auch der ziemlich bekannten »Gymnastik«, die einige Insassen das Leben gekostet hat.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie das bitte mal näher erzählen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Un soir, nous étions dans le bloc. Il fallait se coucher en l'espace de deux ou trois minutes; il fallait être couché tous feux éteints.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir waren in diesem Block, wir mußten uns innerhalb von zwei bis drei Minuten niederlegen, ausstrecken.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Le SS-Schulz, si mes souvenirs sont exacts, rentre dans le camp et demande: »Qui est qui a fumé?«

 

Dolmetscherin Fietel:

Wenn ich mich genau erinnere, war es der SS-Schulz, der in das Lager reinkommt und sagt: »Wer hat hier geraucht?«

 

Zeuge Paul Schaffer:

»Je vous donne deux ou trois minutes; tout le monde doit sortir du bloc«– Et, à coup de cravache, à coup de canne, nous avons été poussés dehors par une porte qui faisait peut-être un mètre cinquante.

 

Dolmetscherin Fietel:

Mit Peitschenhieben wurden wir alle aus der Baracke gejagt. Wir mußten innerhalb von zwei bis drei Minuten alle im Freien sein, und zwar durch eine Türe, die etwa anderthalb Meter nur breit war. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und wie viele Menschen waren da drin ungefähr?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je crois que le bloc devait contenir deux cents cinquante, deux cents personnes probablement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube, der Block mußte etwa 200 Personen enthalten.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et à l'intérieur du bloc 11, il y avait une cour. Cette cour était séparée du camp même.

 

Dolmetscherin Fietel:

In dem Block 11 gab es auch einen Hof, der von dem Lager selbst getrennt war.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et c'était à l'intérieur de cette cour que nous devions courir.

 

Dolmetscherin Fietel:

Und in diesem Hof mußten wir laufen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Là, il s'agissait de courir, courir très rapidement. Tout autour, il y avait des BV n'est-ce que pas – ces détenus qui étaient pour des raisons autres que raciales dans les camps – qui participaient ainsi que Bednarek, évidemment, à cette »gymnastique«.

 

Dolmetscherin Fietel:

Und zwar mußten wir sehr, sehr schnell laufen. Und es waren also in diesem Lager auch Häftlinge, die aus anderen als rassischen Gründen dort waren, und die mußten schnell laufen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, sie wurden angetrieben mit »Laufen, laufen! Schneller, schneller!« Und wer hat das getan? Bednarek?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui, Bednarek était participant bien sûr.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja. Ganz sicher war Bednarek dabei.

 

Zeuge Paul Schaffer:

D'après ce que nous savions, Bednarek était professeur de gymnastique.

 

Dolmetscherin Fietel:

Soweit wir wußten, war Bednarek Turnlehrer.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et il disait: »Bien, puisqu'il faut vous maintenir en forme, je me chargerais de vous maintenir en forme en vous faisant faire de la gymnastique régulièrement«. Puisque nous ne sortions pas travailler tous les jours, chaque fois que nous restions à l'intérieur du camp, nous étions donc à la merci de Bednarek.

 

Dolmetscherin Fietel:

Bednarek sagte: »Ich werde euch schon in Form halten und werde euch turnen lassen, denn ihr müßt ja nicht jeden Tag zur Arbeit hinaus.« Und sooft wir eben im Lager waren, waren wir auf Gnade und Ungnade dem Bednarek anheimgegeben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ainsi, un jour, j'ai eu le malheur de rester dans le bloc.

 

Dolmetscherin Fietel:

Eines Tages hatte ich das Pech, in dem Block zu bleiben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et j'ai dormi là une matinée – il fallait se lever à quatre heures du matin; enfin on était debout à quatre heures du matin.

 

Dolmetscherin Fietel:

Um vier Uhr morgens mußten wir aufstehen. Ich schlief.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Alors, après l'appel, je suis retourné dans le bloc, j'étais avec un autre camarade. Nous avons dormi dans cette couchette.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nach dem Appell bin ich dann mit einem anderen Kameraden in den Block zurückgekehrt, und wir haben auf dieser Schlafstätte oder Pritsche geschlafen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Alors Bednarek nous a surpris commettant ce méfait.

 

Dolmetscherin Fietel:

Aber Bednarek hat uns bei dieser Missetat überrascht.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et il nous a frappé, à cette occasion, avec sa canne dont il ne se séparait jamais ou presque jamais. Et j'ai reçu personnellement cinq coups qu'il a fallu que je compte, bien sûr, en embrassant un tabouret.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir haben dann mit seinem Stock, von dem er sich nie oder fast niemals trennte, Schläge erhalten. Ich selber habe fünf Schläge erhalten. Die mußte ich auszählen, während ich mich an einem Hocker festhielt.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Quant à mon camarade, qui était le suivant, il a reçu les cinq coups qui étaient le tarif – soi-disant.

 

Dolmetscherin Fietel:

Mein Kamerad kam nach mir. Der erhielt ebenfalls die fünf Schläge, die der Tarif waren.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ensuite, nous avons été accompagnés jusqu'à la cour et nous devions rester dans la position des fameux »Kniebeuge«, dans le froid.

 

Dolmetscherin Fietel:

Dann wurden wir in den Hof gebracht und mußten da in der Kälte in der berühmten »Kniebeuge« verbleiben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

D'autre part, une autre spécialité était le fameux »Läusekontrolle«.

 

Dolmetscherin Fietel:

Unsere Spezialität war übrigens

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Non, pas la nôtre, c'était la sienne!

 

Dolmetscherin Fietel:

Comment?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ce n'était pas notre spécialité, c'était la spécialité de Bednarek, le »Läusekontrolle«.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ah, de Bednarek, excusez. — Die Spezialität Bednareks war die berühmte »Läusekontrolle«.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ainsi, aussitôt qu'on nous avait distribué le repas – c'est-à-dire la ration de pain et ce qui accompagnait la ration de pain – nous devions nous déshabiller et vérifier nos chemises pour voir s'il y avait des poux à l'intérieur.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir mußten also, sobald wir das Essen verteilt hatten und das Brot und was halt noch bei dem Brot dabei war, uns entkleiden und unsere Hemden prüfen lassen, ob da

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Non, nous devions les chercher nous-mêmes.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ah, vous-mêmes. — Mußten also selber unsere Hemden prüfen, ob darin Flöhe waren.

 

Vorsitzender Richter:

Läuse.

 

Dolmetscherin Fietel:

Läuse.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ainsi, après cela, nous passions au contrôle chez Bednarek. Et si Bednarek trouvait encore des poux dans la chemise après ce contrôle, il y avait un certain nombre de traitements particuliers, entre autres la douche froide: tout habillé sous la douche qui était après la cour. Je ne sais pas si vous voyez: il y avait les blocs d'un côté, il y avait la cour et, après la cour, il y avait le lavabo, enfin ce qui servait de lavabo où coulait un mince filet d'eau toujours froid.

 

Vorsitzender Richter:

Un moment.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wenn nach dieser Kontrolle, die von uns selbst ausgeführt wurde, Bednarek noch Läuse in unserem Hemd fand, dann wurden wir einer »Sonderbehandlung« unterworfen, nämlich der kalten Dusche, völlig angekleidet. Diese Dusche war, der Zeuge hat das eben gezeichnet, wie Sie vielleicht gesehen haben

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nach dem Hof, da war die Toilette, oder was als Toilette diente

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Und ein Waschraum.

 

Dolmetscherin Fietel:

Und ein Waschraum.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe das nicht ganz verstanden. Er hat gesagt »après la cour«, das heißt nach dem Hof.

 

Dolmetscherin Fietel [unterbricht]:

Nach dem Hof.

 

Vorsitzender Richter:

War es innerhalb des Gebäudes?

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'était à l'intérieur même du bâtiment. En quelque sorte, le bloc SK était composé d'une baraque, d'une cour, d'un lavabo et de WC.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja, es war innerhalb des Gebäudes. Der Block SK bestand sozusagen aus dem Hof und aus dem Waschraum und WC.

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt also, in einem Raum, der als Toilette oder als Waschraum diente, in diesem Raum wurden Sie mit Brausen oder mit einem Schlauch abge[+ duscht]?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Mit Brause. — Une sorte de douche.

 

Dolmetscherin Fietel:

Mit Brause.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ceci était évidemment une chose, mais nous avions plusieurs fois subi des douches froides et nous devions traverser la cour tout déshabillé évidemment. Et cela en plein hiver, bien sûr.

 

Dolmetscherin Fietel:

Déshabillé alors?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui, mais il s'agit ici d'autres circonstances.

 

Dolmetscherin Fietel:

Unter anderen Umständen hatten wir mehrmals kalt duschen müssen und mußten dann völlig unbekleidet mitten im Winter den Hof überqueren.

 

Vorsitzender Richter:

Den Hof überqueren wohin?

 

Zeuge Paul Schaffer:

In die Baracke. — Pour nous rendre de la douche à la baraque.

 

Dolmetscherin Fietel:

Um von der Dusche in die Baracke zu gehen.

 

Vorsitzender Richter:

War der Duschraum nicht der Baracke angeschlossen? War das ein besonderes Gebäude?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non, c'était à part. Il fallait traverser la cour pour y arriver.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das war gesondert. Man mußte durch den Hof gehen, um dahin zu kommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ist es dabei vorgekommen, daß Menschen getötet wurden?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je peux vous dire que nous sommes arrivés en novembre une cinquantaine et lorsque, enfin, l'usine de Bobrek a été construite et que nous avons pu quitter ce bloc – donc au mois de mai 1944 – je ne crois pas que nous restions plus d'une vingtaine sur notre première équipe.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich kann Ihnen nur sagen, daß wir etwa 50 waren. Und nachdem die Fabrik von Bobrek gebaut war und wir diesen Block verlassen konnten – das war im Mai 1944 –, da waren unser nicht mehr als etwa 20.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das ist richtig. Das haben Sie auch schon in Ihrem Brief2 geschrieben. Nun interessiert es uns hier in erster Linie, zu erfahren, ob und inwieweit Bednarek ein Verschulden an diesem Tod dieser 30 Menschen vorzuwerfen ist. [Pause]

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il était en quelque sorte la main; il n'était pas la tête, mais il était la main.

 

Dolmetscherin Fietel:

Er war sozusagen die Hand, er war nicht der Kopf, aber er war die Hand.

 

Vorsitzender Richter:

Ich verstehe nicht. Er war?

 

Dolmetscherin Fietel:

Er war sozusagen die Hand. Er war nicht der Kopf, aber er war die Hand.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il aurait pu aider à ce que nous survivions, il avait les moyens de nous aider.

 

Dolmetscherin Fietel:

Er hätte uns helfen können zu überleben. Er hatte die Mittel, uns zu helfen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et il fait exactement le contraire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Und er hat genau das Gegenteil getan.

 

Vorsitzender Richter:

Welche Mittel hatte er, um Ihnen zu helfen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il aurait pu simplement appliquer les ordres qu'il avait reçus en ce qui nous concerne.

 

Dolmetscherin Fietel:

Er hätte einfach die Befehle, die er erhalten hatte, anwenden können, in dem, was uns anlangte.

 

Vorsitzender Richter:

Die Befehle gingen wo hinaus?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Les ordres venaient de Siemens-Schuckert.

 

Dolmetscherin Fietel:

Die Befehle kamen von Siemens-Schuckert.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Par l'intermédiaire du responsable du camp.

 

Dolmetscherin Fietel:

Durch die Verantwortlichen des Lagers, durch die Lagerleitung.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et le responsable de Siemens était un SS de haut rang qui s'appelait Bundzus et semblait avoir une très grande influence. Il avait une attitude extrêmement favorable et avait demandé une double ration de nourriture pour nous ainsi que des vêtements également doublés, c'est-à-dire que nous avions droit à un deuxième manteau pendant les grands froids. [...]

 

Dolmetscherin Fietel:

Der Leiter von Siemens-Schuckert war ein SS[+ -Mann] von hohem Rang. Der hatte eine ganz besondere Einstellung.[...] Er hieß Oberingenieur Bundzus. Er hatte den Befehl gegeben, zunächst uns doppelte Rationen zu geben, um uns anständig zu ernähren, und auch, um uns besser zu kleiden, also uns noch ein Kleidungsstück zu geben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et le comportement de Bednarek était plein de haine envers nous pour des motifs apparemment raciaux.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das Verhalten Bednareks gegenüber uns war

 

– Schnitt –

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je n'ai pas vu personnellement des gens mourir directement sous son traitement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich habe nicht persönlich Leute gesehen, die unter seiner Behandlung gestorben sind.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Mais qui sont morts consécutivement à son traitement, c'est à dire à la »gymnastique«, au froid, aux séjours prolongés dans la cour. Cela est absolument certain.

 

Dolmetscherin Fietel:

Aber welche, die unter den Folgen seiner Behandlung gestorben sind, durch die »Gymnastik«, durch die Kälte und den langen Aufenthalt im Hof. Das ist sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Car, si vous permettez, je vous voudrais tout de même dire même ceci:

 

Dolmetscherin Fietel:

Wenn Sie erlauben, möchte ich das sagen

 

Zeuge Paul Schaffer:

Rien n'interdisait à Bednarek après l'appel, qui durait déjà suffisamment longtemps, de nous laisser pénétrer dans la baraque lorsque nous ne sortions pas travailler.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich möchte sagen, daß nichts Bednarek gehindert hätte, uns nach dem Appell, der sowieso schon lang genug war, wieder in die Baracke gehen zu lassen, weil wir nicht immer zur Arbeit gingen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

A cette époque, nous sortions de temps à autre – enfin une semaine sur quatre – pour la construction de l'usine puisque nous étions réputés métallurgistes, et à l'époque on construisait l'usine, donc on avait besoin de maçons et d'autres personnes, d'autres corporations. Alors, nous, nous restions à l'intérieur du camp, et Bednarek, sous prétexte de la propreté de la baraque, nous maintenait à l'extérieur, dans la cour. Nous restions donc dans le froid et sans pouvoir pratiquement nous réchauffer; enfin, nous sommes finalement restés des heures entières.

 

Dolmetscherin Fietel:

Une semaine sur quatre vous travaillez seulement

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

C'était pendant une certaine époque; nous travaillions une semaine sur quatre et nous restions trois semaines dans le camp à l'intérieur.

 

Dolmetscherin Fietel:

Eine gewisse Zeit arbeiteten wir nur jede vierte Woche. Und zwar, weil wir Metallurgen waren und man beim Bau der Fabrik vor allem Maurer brauchte. Und während dieser Zeit hat Bednarek uns unter dem Vorwand der Reinlichkeit in der Baracke den ganzen Tag in der Kälte im Hof gehalten. Wir hatten nicht die Möglichkeit, uns zu wärmen.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie gesehen, daß Menschen aufgrund dieser Behandlung direkt gestorben sind, oder nur, daß sie durch diese allgemeinen Zustände im Lager nach und nach entkräftet wurden und dann starben?

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'est plutôt dans ce deuxième cas. Je n'ai pas vu personnellement de personnes mourir pratiquement sous les coups de Bednarek, je n'ai pas vu.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja, so war es. Ich habe praktisch niemanden gesehen, der unter den Schlägen Bednareks starb.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Herr Staatsanwalt hat hier einen Beweisantrag3 gestellt, nach dem Sie bekunden könnten, daß der Angeklagte Bednarek auf dem Strafblock 11 in Birkenau mehrere Häftlinge totgeschlagen habe. Das stimmt wohl nicht.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je n'étais dans le bloc 11 que du mois de novembre 1943 au mois de mai 44. Toutefois, je puis dire que la réputation de Bednarek était quelque chose de bien établi au camp. Et ce qu'il a pu faire auparavant, évidemment je ne puis le dire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich möchte betonen, daß ich in dem Block 11 nur vom November 1943 bis Mai 1944 war. Und der Ruf, den Bednarek da hatte, der war schon ganz fest. Aber was also da geschehen sein kann, das kann ich nicht sagen. Ich habe es nicht selbst gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je peux simplement dire que pendant notre séjour – cela m'a été rappelé par Altmann – il y a un violoniste de réputation mondiale qui est mort à l'intérieur de ce bloc 11.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich kann nur sagen, daß während dieser Zeit – und mein Gedächtnis ist aufgefrischt worden von Altmann – ein international berühmter Violinvirtuose in dem Block 11 gestorben ist.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das miterlebt?

 

Zeuge Paul Schaffer:

J'étais dans les camps, j'étais présent à cette époque, mais je ne l'ai pas vu personnellement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich war in dem Lager zu jener Zeit, aber ich habe ihn persönlich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie damals im Lager etwas davon gehört, daß dieser Mann gestorben ist?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Bien sûr.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja gewiß.

 

Vorsitzender Richter:

Damals im Lager?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Bien sûr.

 

Dolmetscherin Fietel:

Gewiß.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je me souviens d'ailleurs de lui, je me souviens de la personne, mais je ne me rappelle pas...

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich an ihn auch noch. Ich erinnere mich noch an seine Person.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie hieß er denn?

 

Zeuge Paul Schaffer [unterbricht]:

Je ne me rappelle simplement pas les conditions exactes dans lesquelles il est mort.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich nur nicht an die genauen Umstände, unter denen er gestorben ist.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß denn dieser Mann?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Si vous permettez.

 

Dolmetscherin Fietel:

Darf ich mal nachschauen, wenn Sie gestatten.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne peux pas.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, haben Sie damals seinen Namen gewußt?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Damals wußten Sie ihn nicht?

 

Zeuge Paul Schaffer:

J'avais 18 ans l'époque.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich war damals 18 Jahre alt.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et je n'avais qu'une seule envie, c'est de survivre.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich hatte nur einen Gedanken, einen Wunsch, und das war zu überleben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Peter, son nom est ici, voilà ce que dit Erich Altmann: »Hier starb der bekannte Geiger Peter Dymhoff. Er konnte sich kaum noch auf den Füßen halten, aber er wollte leben, wollte durchhalten.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben das damals gehört?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je me souviens qu'un jour, il n'était plus là.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich erinnere mich bloß, daß er eines Tages eben nicht mehr da war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne peux vous dire dans quelles conditions exactes il est mort.

 

Dolmetscherin Fietel:

Die genauen Umstände, unter denen er gestorben ist, kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie nicht sagen. Sind noch Fragen von seiten des Gerichts? Bitte schön.

 

Richter Hotz:

Herr Schaffer, Sie sagten vorhin, Bednarek habe Sie, diese Gruppe von 50 Franzosen, wohl aus rassischen Gründen verfolgt.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Permettez-moi: nous n'étions pas que des français. Il y avait de tout.

 

Dolmetscherin Fietel:

Entschuldigen Sie bitte, wir waren durchaus nicht nur Franzosen. Da war alles drin.

 

Richter Hotz:

War diese Gruppe von 50 Personen im wesentlichen aus jüdischen Häftlingen zusammengesetzt?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ausschließlich.

 

Richter Hotz:

Ausschließlich. Und in welcher Weise haben Sie denn erkannt, daß Bednarek diese 50 Personen aus rassischen Gründen verfolge? Hat er das irgendwie zum Ausdruck gebracht?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Na, daran hat es nicht gemangelt. — Ses expressions envers nous étaient d'une violence extrême.

 

Richter Hotz:

Hat er denn Ihnen die

 

Dolmetscherin Fietel [unterbricht]:

Daran hat es nicht gemangelt. Seine Ausdrücke uns gegenüber waren von äußerster Heftigkeit.

 

Richter Hotz:

Können Sie solche Ausdrücke noch zitieren?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Le langage dans les camps était très particulier, d'une assez grande vulgarité et très imagé. Les expressions, notamment en langue polonaise, comme »skurwysyn« et autres étaient très courantes; et pratiquement tout le monde était traité de ce nom, par Bednarek en particulier.

 

Dolmetscherin Fietel:

Die Lagersprache war sehr eigenartig.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non, elle était vulgaire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja, sehr ordinär, sehr vulgär. Und der Ausdruck... — Quelle était cette expression?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Une expression polonaise.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das ist also ein polnischer Ausdruck, und jeder wurde, glaube ich... Wie heißt er?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Skurwysyn.

 

Dolmetscherin Fietel:

Skurwysyn. Also ich weiß nicht, da müßte man einen Polen fragen. Jeder von uns wurde von Bednarek mit diesem Ausdruck tituliert: Skurwysyn.

 

Vorsitzender Richter:

Es wird wohl »Schwein« heißen, nicht? Stimmt's, Bednarek? Wie heißt das? Dieser Ausdruck da, Skurwysyn oder so ähnlich.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Hurenbock. [unverständlich] heißt Hure. Hurenbock.

 

Vorsitzender Richter:

So.

 

Angeklagter Bednarek:

Diese Ausdrücke habe ich nie gebraucht.

 

Richter Hotz:

Ich habe keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr. Ja, bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, Sie sagten, Sie seien nur bis Mai 44 in Block 11 gewesen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wo kamen Sie dann anschließend hin?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Nach Bobrek. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

In ein anderes Lager?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui, Bobrek, une usine.

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Wo die Fabrik gebaut wurde?

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'est ça.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und da hatten Sie doch auch einen Blockältesten?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und hat der sich auch so benommen wie Bednarek?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Absolument pas.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nein, gar nicht, keineswegs.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wie war es denn dort? Schildern Sie uns das doch mal.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Vivable. J'ai survécu.

 

Dolmetscherin Fietel:

Dort konnte man leben, dort bin ich am Leben geblieben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Si nous avons survécu, je le dois essentiellement à ces conditions particulières qui ont régné dans le camp Bobrek qui était tout de même vivable.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wenn ich am Leben geblieben bin, dann verdanke ich das nur den besonderen Umständen, die in dem Lager von Bobrek herrschten. Dort konnte man leben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non. — Überleben.

 

Dolmetscherin Fietel:

Überleben. — Vivable.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Also der Blockälteste war nicht so?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Absolument pas.

 

Dolmetscherin Fietel:

Keineswegs.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Noch etwas ist mir nicht ganz klar geworden. Sie sagten, Sie waren zwei bis drei Tage in Quarantäne, und da seien Sie sehr hart geprüft worden, wer zur Arbeit geeignet sei.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui. C'est ça.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wer machte denn das?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne saurais vous le dire avec exactitude. C'était en présence de gardes SS; nous sommes arrivés de Schopinitz.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ob da Ärzte dabei waren, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne saurais vous le dire avec précision.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das kann ich nicht genau sagen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je sais simplement que lorsqu'un soir on nous a embarqué à Schopinitz – nous connaissions l'existence d'Auschwitz – nous avions évidemment une crainte d'être emmenés à Auschwitz. Alors, pour nous rassurer, on nous a dit: »Non, non, vous n'allez pas à Auschwitz, vous allez à Birkenau.«

 

Dolmetscherin Fietel:

Eines Abends hat man uns von Schopinitz weggeführt. Wir hatte alle Angst, nach Auschwitz zu gehen. Und um uns zu beruhigen, sagte man zu uns: »Nein, nein, Sie kommen ja gar nicht nach Auschwitz, Sie kommen nach Birkenau.«

 

Zeuge Paul Schaffer:

Nous ignorions à l'époque que Birkenau n'était, en fait, que l'arrière-plan d'Auschwitz et pire qu'Auschwitz même.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir wußten zu der Zeit ja nicht, daß Birkenau sozusagen das Hinterzimmer von Auschwitz und noch ärger als Auschwitz selber war.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et mon arrivée dans la quarantaine correspond probablement à l'époque la plus pénible de mon séjour dans les camps de concentration.

 

Dolmetscherin Fietel:

Meine Ankunft in der Quarantäne entspricht wohl dem schmerzlichsten, leidvollsten Zeitraum meines Aufenthaltes in dem Konzentrationslager.

 

Zeuge Paul Schaffer:

En fait nous étions tatoués, c'est à dire que nous avons reçu notre numéro d'immatriculation seulement en novembre 43. C'est à dire que de 42 à 43 nous n'étions pas immatriculés, nous n'avions pas de tatouage sur les bras comme nous l'avions à Birkenau.

 

Dolmetscherin Fietel:

Wir haben also erst im November 1943 unsere Tätowierung, nämlich unsere Nummer, empfangen. Das heißt also, daß wir in der Zeit vorher eigentlich gar nicht richtig eingetragen waren, weil wir unsere Tätowierung noch nicht hatten.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und was wurde nun aus denen, die sich bei der Überprüfung nicht als arbeitsfähig erwiesen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ils ont disparu. Ils sont morts soit dans les sélections ultérieures qui ont eu lieu, soit alors carrément ils étaient gazés et brûlés, enfin.

 

Dolmetscherin Fietel:

Die sind verschwunden. Die sind dann entweder umgekommen in den weiteren Selektionen, die stattgefunden haben, oder sie wurden vergast.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke schön. Keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Schaffer, können sie uns das Buch von Herrn Altmann überlassen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Naturellement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und wissen sie, wann Herr Altmann wieder nach Frankreich zurückkommen wird?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je crois, au mois de février ou au mois de mars au plus tard.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube, im Februar, spätestens im März.

 

Staatsanwalt Kügler:

Würden sie ihm bitte sagen, wenn er zurückkommt, daß er sich bei uns noch mal melden möchte.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il le fera certainement avec plaisir.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das wird er sicher gerne tun.

 

Vorsitzender Richter:

Wo befindet sich Herr Altmann zur Zeit?

 

Zeuge Paul Schaffer:

En voyage d'affaires en Amérique.

 

Dolmetscherin Fietel:

Auf Geschäftsreise in Amerika.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr seitens der Staatsanwaltschaft? Herr Rechtsanwalt Ormond, Herr Rechtsanwalt Raabe? Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting II? Herr Rechtsanwalt Eggert ist nicht mehr da.

Wie ist es, Bednarek, wollen Sie noch etwas dazu sagen?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein, das ist nicht wahr, was hier behauptet wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Was ist denn nicht wahr?

 

Angeklagter Bednarek:

Was hier der Zeuge über mich ausgesagt hat.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Puis-je poser une question à l'accusé s'il vous plaît?

 

Dolmetscherin Fietel:

Darf ich dem Angeklagten eine Frage stellen?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Vous ne vous souvenez pas des coups que vous m'avez donnés personnellement avec votre canne?

 

Dolmetscherin Fietel:

Erinnern Sie sich nicht mehr an die Schläge, die sie mir persönlich mit ihrem Stock versetzt haben?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein. Ich kann nur eins behaupten: daß in der Strafkompanie nie ein Sonderkommando angekommen ist. Alle, die in die Strafkompanie gekommen sind, mußten gemeinsam zur Arbeit und zum Arbeitskommando ausmarschieren. Wir haben nie ein Kommando von Siemens [+ gehabt]. Das höre ich heute zum ersten Mal. In der Strafkompanie gab es nicht zweierlei Gruppen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'est fou, il a perdu la mémoire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Er scheint das Gedächtnis verloren zu haben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Le livre est ici et Siemens-Schuckert existe: nous venons de recevoir de la part de Siemens-Schuckert une indemnité qui doit être fixée ces prochains jours pour tous ceux des détenus qui ont travaillé pour le Kommando Siemens. Oberingenieur, si vous permettez, je voudrais aller jusqu'au bout. L'Oberingenieur Bundzus est vivant, l'ingénieur Hanke est vivant, et ils ont connu notre mode de vie dans le bloc 11. J'ai du reste des photos

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich möchte nur sagen, daß Siemens-Schuckert existiert und daß wir sogar, alle, die dort gearbeitet haben, in diesen Tagen eine Entschädigung bekommen, die eben erst festgesetzt wird. Der Ingenieur Bundzus lebt noch. Der Ingenieur Hanke lebt auch noch. Die erinnern sich noch ganz genau an unsere Lebensweise dort, und außerdem habe ich auch Fotos.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ces photos viennent de nous être envoyées par l'ingénieur Hanke.

 

Dolmetscherin Fietel:

Diese Fotos hat uns Ingenieur Hanke vor kurzem eingeschickt.

 

Vorsitzender Richter:

Wo sind die Fotos aufgenommen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

A Bobrek.

 

Dolmetscherin Fietel:

In Bobrek.

 

Vorsitzender Richter:

In Bobrek.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Bien sûr.

 

Vorsitzender Richter:

Aber irgendwelche präzise Kenntnis darüber, daß ihre Abteilung in Block 11 untergebracht war, hat die auch der Ingenieur?

 

Zeuge Paul Schaffer:

L'ingénieur Bundzus est certainement au courant, bien sûr.

 

Dolmetscherin Fietel:

Der Ingenieur Bundzus weiß das sicherlich.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Et c'est l'ingénieur Bundzus personnellement qui avait demandé que nous bénéficions d'un traitement particulier.

 

Dolmetscherin Fietel:

Denn es war ja Ingenieur Bundzus persönlich, der darum gebeten hat, daß wir eine Sonderbehandlung bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Eine bessere Behandlung.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Enfin, le fait que nous sommes arrivés dans le bloc 11 est irréfutable et ne souffre aucun doute.

 

Dolmetscherin Fietel:

Die Tatsache, daß wir im Block 11 angekommen sind, ist unwiderleglich und über jeden Zweifel erhaben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting II.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Direktor, ich möchte jetzt den Zeugen nur fragen, ob er weiß, wo der Oberingenieur Bundzus wohnt, und ob er seine Anschrift kennt.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne connais pas l'adresse de l'ingénieur Bundzus. Il est à Berlin, je crois.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich kenne seine Anschrift nicht. Ich glaube, er war in Berlin.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Mais je peux me procurer l'adresse de l'ingénieur Hanke.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich kann aber die Adresse des Ingenieurs Hanke verschaffen.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, dann würde ich darum bitten, daß der Zeuge vielleicht gebeten wird, daß er die Adresse dem Gericht mitteilt.

 

Vorsitzender Richter:

Der Oberingenieur Hanke, wo wohnt er?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je crois qu'il habite également à Berlin.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube, er wohnt auch in Berlin.

 

Vorsitzender Richter:

Die nähere Anschrift haben Sie nicht?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Pas pour l'instant.

 

Dolmetscherin Fietel:

Nicht im Moment.

 

Verteidiger Stolting II:

Ist es Westberlin?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Westberlin.

 

Verteidiger Stolting II:

Westberlin. Auch mit dem Herrn Bundzus? Auch Westberlin?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je crois, oui.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube.

 

Verteidiger Stolting II:

Wissen Sie, ob die beiden Herrn heute noch bei Siemens beschäftigt sind?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne crois pas vu leur âge... je crois qu'ils sont retraités actuellement.

 

Dolmetscherin Fietel:

In Anbetracht ihres Alters glaube ich das nicht, sondern glaube, daß sie jetzt im Ruhestand sind.

 

Verteidiger Stolting II:

Darf ich noch etwas fragen, Herr Direktor? Haben Sie sich auf diese beiden in Ihrem Entschädigungsverfahren als Zeugen bezogen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Cela n'était pas nécessaire... la documentation qui existe à Arolsen témoigne de tout mon séjour dans les camps et de tout ce que j'ai fait pendant toute la période.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das war nicht notwendig. Denn die Eintragungen, die sich in Arolsen fanden, waren Zeugnis genug für meinen Aufenthalt in dem Lager und alles, was ich dort getan habe.

 

Verteidiger Stolting II:

Wenn ich Sie recht verstanden habe, haben Sie doch Fotografien bekommen von dem Herrn Bundzus?

 

Zeuge Paul Schaffer:

De Monsieur Hanke.

 

Vorsitzender Richter:

Vom Herrn Hanke.

 

Verteidiger Stolting II:

Ach, von Herrn Hanke. Und woher wissen Sie, daß der Herr Bundzus in Berlin lebt? Wissen Sie das von Herrn Hanke?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Par un camarade qui était en rapport avec l'ingénieur Hanke.

 

Dolmetscherin Fietel:

Das weiß ich von einem Kameraden, der mit Ingenieur Hanke in Verbindung war.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Ist.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ist.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie wären in der Lage, dahin geht die Frage von dem Herrn Rechtsanwalt Doktor Stolting, uns die Adresse von Herrn Hanke oder von Herrn Bundzus noch schriftlich mitzuteilen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ferai l'impossible si cela est nécessaire.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich werde das möglichste tun, wenn es notwendig ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Wissen Sie vielleicht die Vornamen noch? Dann würde ich eigene Ermittlungen noch anstellen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Non.

 

Verteidiger Stolting II:

Nein.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Mais je suis persuadé qu'auprès de Siemens, on doit pouvoir retrouver facilement le nom de ces ingénieurs.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ich glaube, daß man bei Siemens die Namen dieser Ingenieure leicht erfahren könnte.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Danke schön.

 

Staatsanwalt Kügler:

Darf ich noch eine Frage an den Zeugen [+ stellen]?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Haben Sie den Herrn Bundzus oder den Herrn Hanke selbst je in Auschwitz gesehen?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Bundzus, oui.

 

Staatsanwalt Kügler:

Bundzus ja.

 

Zeuge Paul Schaffer:

C'est l'Oberingenieur Bundzus qui a fait en quelque sorte le choix des cinquante premières personnes dans la quarantaine. Et c'était pour moi la première surprise – je tiens tout de même à le préciser, car je ne voudrais pas qu'on puisse penser que je sois de parti pris. L'ingénieur Bundzus était le premier allemand durant la guerre qui m'ait vouvoyé dans les camps et qui ait eu une attitude strictement humaine. On était donc en droit d'attendre de la part d'un détenu tel qu'Emil Bednarek qu'il aie au moins une attitude analogue. Or, Emil Bednarek avait une attitude exactement contraire.

 

Vorsitzender Richter:

Einen Moment.

 

Dolmetscherin Fietel:

Der Oberingenieur Bundzus war derjenige, der ja die erste Auswahl im Lager getroffen hat. Und ich möchte das hier feststellen, damit man nicht glaubt, daß ich voreingenommen bin. Das war der erste Deutsche während des Krieges, dieser Oberingenieur Bundzus, der eine ausgesprochen menschliche Haltung einnahm. Das hätte man ja von Bednarek ebenso erwarten können. Der hatte jedoch die genau gegenteilige Haltung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Herr Staatsanwalt wollte aber nun, wenn ich recht verstanden habe, wissen, ob Sie einmal den Herrn Bundzus im Lager selbst gesehen haben.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Il était à la quarantaine. C'est lui qui a procédé à l'intérieur

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, bei dem Auswählen.

 

Zeuge Paul Schaffer:

Oui.

 

Vorsitzender Richter:

Richtig. Und nachher auch in dem Block 11?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Je ne saurais pas dire s'il a pénétré dans le bloc 11, mais je crois qu'il était dans le camp, à l'intérieur du camp.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ob er in den Block 11 hineingekommen ist, das könnte ich nicht sagen. Ich weiß aber, daß er ins Lager gekommen war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Keine Fragen mehr. Wenn keine Fragen mehr sind: Herr Zeuge, sind Sie bereit, das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen zu beschwören?

 

Zeuge Paul Schaffer:

Naturellement.

 

Dolmetscherin Fietel:

Ja natürlich.

 

– Schnitt –

 

 

1. Vgl. Erich Altmann: Im Angesicht des Todes. 3 Jahre in deutschen Konzentrationslagern. Auschwitz –Buchenwald –Oranienburg. 1. Aufl. Luxemburg: Verlag Luxemburgensia, 1947.

2. Vgl. Schreiben des Zeugen Schaffer vom 26.01.1965 an Georg Hanke, vormals Angestellter der Siemens-Schuckert-Werke in Bobrek, 4 Ks 2/63, Sonderheft Bednarek.

3. Vgl. den Beweisantrag der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Frankfurt am Main vom 27.11.1964, Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 10.12.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 105.

 

 
 
 
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