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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

68. Verhandlungstag, 23.7.1964

 

Vernehmung des Zeugen Franz Ruprecht

 

Vorsitzender Richter:

Sie wurden also damals wegen »deutschfeindlicher Umtriebe« verhaftet, und zwar wann?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es war im August 1941.

 

Vorsitzender Richter:

1941. Und wann kamen Sie nach Auschwitz?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

In Auschwitz kam ich an am 23.4.42.

 

Vorsitzender Richter:

Am 23.4.42. Und sind dort geblieben wie lange?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Bis Anfang Dezember 1944.

 

Vorsitzender Richter:

Als Sie nach Auschwitz gekommen sind, wo wurden Sie ausgeladen, zunächst einmal?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich wurde in Auschwitz am Bahnhof ausgeladen.

 

Vorsitzender Richter:

Von der Stadt Auschwitz?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Stadt Auschwitz, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Im Güterwaggon.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wie viele Menschen waren ungefähr mit Ihnen zusammen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es waren damals über 1.000 Menschen.

 

Vorsitzender Richter:

Über 1.000 Menschen.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nur Männer oder auch Frauen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Damals kamen nur Männer, ich habe bloß Männer gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Nur Männer gesehen. Sie wurden dort ausgeladen. Und wurden Sie dann auch ausgesondert, wer ins Lager kommen sollte und wer etwa vergast werden sollte?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, bei den Ausgesonderten, da handelte es sich meistens um jüdische Transporte.

 

Vorsitzender Richter:

Aha.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Bei arischen Transporten sind alle ins Lager gekommen. Die konnten im Lager als »Muselmänner« dann auch zur Vergasung ausgesondert werden, aber die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das kommt nachher. Wir sind jetzt zunächst einmal bei Ihrer Ankunft. Da fand also eine solche Selektion nicht statt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Sie wurden dann, wie das dort üblich war, zunächst umgekleidet und bekamen Häftlingskleider und die Häftlingsnummer und wurden dann ins Lager eingewiesen.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Auf welchen Block kamen Sie denn?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich kam auf Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar im Stammlager?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Im Stammlager.

 

Vorsitzender Richter:

Im Stammlager, Block 11. War das ein Quarantäneblock, oder blieben Sie längere Zeit dort?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, das war ein Bunkerblock, ein Todesblock. Dort wurden die Erschießungen durchgeführt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und waren Sie im ersten Stock untergebracht?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich war im ersten Stock.

 

Vorsitzender Richter:

Im ersten Stock waren Sie untergebracht?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie dort ungefähr?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich blieb mit Unterbrechungen circa drei Monate dort.

 

Vorsitzender Richter:

Und wodurch waren die Unterbrechungen erfolgt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nach drei Wochen sind meine Hände angeschwollen. Nach vier Wochen waren meine Beine geschwollen. Nach fünf Wochen wurde ich durch Doktor Gehring operiert. Ich hatte Phlegmone am linken oder rechten Fuß, ich kann mich nicht erinnern. Und dann kam ich auf die chirurgische Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Im Krankenbau?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Im Krankenbau. Nach einer Woche habe ich Fleckfieber gekriegt. Dann, nach drei Wochen, war die Krisis vorüber. Ich habe glücklicherweise das Fleckfieber überstanden. Dann noch nach circa zehn Tagen, nach dem Fleckfieber, haben sie mich wieder auf Block 11 entlassen. Auf Block 11 war ich vielleicht noch zwei, drei Wochen, wieder mit Unterbrechungen, denn nach jeder Woche bin ich wieder auf den Krankenbau eingewiesen worden. Ich konnte nicht zu mir kommen. Die Zeitdauer nach so einer schweren Krankheit wie Fleckfieber war zu kurz, um zu sich zu kommen. Ich war ein »Muselmann« geworden.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. Wo wurden Sie denn beschäftigt in dieser Zeit?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

In dieser Zeit hatte ich am Bauhof gearbeitet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und zwar wo?

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Dort war der Kapo Nummer 22, August sein Vorname.1

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ein grausamer Mann. Wie die meisten grausam waren. Es ist unvorstellbar, mit welcher Wucht er und seine Kapos zugeschlagen haben. Als ob das ganze Leben von dieser Wucht abhängen möchte. Ich habe einmal so einen Schlag gekriegt. Ich konnte nicht atmen, ich konnte nicht weinen, ich konnte nicht sprechen. Ich dachte, die Welt bricht in mir zusammen. [Pause] Übrigens war ich bloß darauf bedacht, nie Schläge [+ zu bekommen], nie unter die Füße der Kapos zu kommen, denn das wäre bestimmt mein Ende gewesen. Denn wenn man heute die SS vor Gericht stellt, da möchte ich doch sagen, daß die reichsdeutschen Kapos, die BVer, tausendmal schlechter waren als die SS- Leute. Denn unter SS-Leuten ist man auch sehr vielen Menschen begegnet.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Herr Ruprecht, Sie sind, wie Sie sagten, mit dem Bau beschäftigt gewesen. Wurden diese Bauten auch in Auschwitz

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Nein, das war ein Bauhof, das waren keine Bauten. Das war ein Lager für Rohmaterialien.

 

Vorsitzender Richter:

War das außerhalb des Lagers?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Das war außerhalb der Drähte.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Des Stammlagers?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und im Lager selbst haben Sie an Bauten nicht gearbeitet?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Nun haben Sie vorhin schon erwähnt, daß auch in dem Lager Selektionen durchgeführt wurden.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, die Selektionen wurden durchgeführt auf dem Krankenbau und dann auch von Zeit zu Zeit im ganzen Lager. Wer, sagen wir, geschwollene Beine hatte, konnte damit rechnen, daß er zur Vergasung wandern wird.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie solche Selektionen selbst einmal miterlebt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Einmal auf dem Krankenbau. Ich dachte schon, ich käme zur Vergasung, denn meine Karte mit verschiedenen anderen – also die Stammkarte vom Lager – wurde mitgenommen zur Politischen Abteilung. Und dann, merkwürdigerweise, kam meine einzige Karte zurück, alle anderen wurden vergast. Und ein zweites Mal, das war Mitte August, [es könnte] vielleicht auch Ende August gewesen sein, da war eine große Selektion im Lager. Und damals war ich ganz geschwollen, und da hat ein SS- Hauptscharführer die Selektion [durchgeführt]. Und alle die, die dicke Beine hatten und angeschwollen waren, sind zur Vergasung ausgesondert worden. Ich war damals auch dabei. Und da ist mein Ende im Stammlager von Auschwitz, denn von dort aus kam ich dann mit 1.200 anderen Häftlingen nach Birkenau. Wir sollten dann in Birkenau vergast werden und verbrannt werden. [Pause] Ich weiß nicht, ob ich weitersprechen soll, oder haben Sie noch [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, dazu kam es aber nicht.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, es kam dazu. Eines Sonntags, Ende August könnte es gewesen sein, 1942.2 Die 1.200 Männer, die sie ausgesondert haben damals, haben sie dann zwei Tage lang in die Keller der Blocks 20 oder 21, kann ich gar nicht mehr sagen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Da drüben ist die Karte. Hier ist Birkenau, ja. War das in Birkenau?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, das war in Auschwitz, in der Zentrale. [Pause] Ich glaube, es waren die Blocks 8 und 9. In die zwei Blocks kam man rein – oder 10 könnte es gewesen sein – in die Keller. [...] Dort war man fast zwei Tage in den Kellern, und es war gerade Sonntag. Ende August sind wir dann nach Birkenau getrieben worden.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo sind Sie nach Birkenau hingekommen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

[Pause] Wir kamen in Birkenau an, unterwegs wurden wir von SS begleitet, und da kam ein SS-Mann zu mir und sagt: »Weißt du auch, wo das hingeht?« Sage ich, ja, ich wüßte, wo es hingeht. Und meint er: »Und glaubst du daran, daß du sterben wirst?« Sage ich: »Ich glaube nicht daran, daß ich sterben werde.« Sagt er: »Kerl, bist du noch zu retten! Du gehst doch«, sagt er, »zur Vergasung. Ist doch unmöglich, daß du am Leben bleibst.« Da sagte ich noch dem SS-Mann: »Schneller wirst du krepieren als ich.«

Ich hatte einfach nicht geglaubt, daß ich sterben werde. Es war unmöglich, das war unfaßbar, daß man einen lebendigen Mensch zur Vergasung treibt. Ich habe daran nicht geglaubt. Es war irgendwas in mir, ich konnte es nicht glauben. Da hat dieser SS-Mann noch zwei andere SS-Leute herbeigerufen, oder drei waren es, und haben mich so ausgelacht: »Kerl«, sagt der eine, »wenn du noch morgen lebst, dann stehle ich dir eine Gans. Dann kannst du sie voll auffressen.« Ich lebe noch heute. Wir kamen dann in Birkenau an das Tor. Das sehen Sie da.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wollen Sie das zeigen vielleicht auch an der Karte?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Das ist die Rampe. Das ist der Bahnhof. Moment mal, was kann ich sagen. Das war genau so ein Haus wie dieses. Ja. Ja, also hier kam man an. Und dann sind wir vielleicht zwei Stunden stehengeblieben dort. Wir wußten nicht, was los ist. Weil in der damaligen Zeit waren bloß zwei kleine Krematorien3. Die Gaskammern [hatten] ein Fassungsvermögen [je] Gaskammer zu 1.000 Menschen, die konnten da vergast werden. Die zwei großen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo lagen denn diese beiden Krematorien, die damals bestanden? Also da oben sehen Sie diese vier Krematorien. Die waren damals noch nicht da?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, zwei Krematorien waren da.

 

Vorsitzender Richter:

Zwei. Waren das ehemalige Bauernhäuser?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich kann es Ihnen nicht sagen. Alte Häuser waren das.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es waren alte Häuser, ob das Bauernhäuser waren, ich kann Ihnen das nicht genau erklären.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war gewesen wann? Im August 42?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ende August 42.

 

Vorsitzender Richter:

42, ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Da waren die zwei großen Krematorien noch nicht da.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Moment mal, das ist Lager a, Lager b, Lager c, Lager d. [unverständlich] Hier waren die zwei kleinen Krematorien, hier war die Effektenkammer.

 

Vorsitzender Richter:

Da war die Effektenkammer?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, und hier waren die zwei großen Krematorien, die erst 43 gebaut wurden. Und hier war die Rampe, wo die Selektionen stattgefunden haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Nun, und wo sind Sie dann hingeführt worden in Birkenau? Wollen Sie uns das noch zeigen? Sie standen also vorn am Tor ein paar Stunden.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, also das Lager hat damals noch gar nicht existiert. Das ist erst 43 fertiggestellt worden. Und das, glaube ich, erst 44. Das ist das sogenannte Mexiko4, so hat es bei uns in der Lagersprache geheißen. Moment mal.

 

Vorsitzender Richter:

Und da standen Sie vorn am Tor

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Ja, ja. Ja, und von da, da kam man hier durch. Diese Gleise waren auch noch nicht da. Sind wir dann den Weg hier marschiert, hier war die Blockführerstube. Hier, das war die Blockführerstube, und das war ein Raum für Dusche, für Bad und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Die Sauna, die sogenannte.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Die »Sauna«, ja. Und da kam man erst hier in die Sauna rein. Und da waren wir circa sechs Stunden da, so bis circa neun oder zehn Uhr abends. Denn die Krematorien waren damals von einem holländischen Transport belegt. Die hatten [einfach] keinen Platz für uns. Und da haben sie uns dann von der »Sauna« nachts, als sie gesehen haben, daß kein Platz in den Krematorien war, [hierher] geführt. Ich glaube, auf diesen Block. Es war 20 oder 21, kann ich nicht genau sagen. Das ist ein alter Steinblock. Das waren Baracken, und das war aus Stein, Hühnerzuchtfarm oder so was war das. Und da war der Blockälteste ein Jude, ein Mundek, der ist dann aus dem Lager geflohen.

Und dann nach zwei Tagen kamen die Autos an und sollten uns dann abholen zur Vergasung. Wie Sie sehen, bin ich nicht vergast worden. Von 1.200 Menschen bin ich [+ als einziger] am Leben geblieben. Ich weiß nicht, ob das mein Geist ist. Es ist ein Wunder geschehen. Die meisten Leute glauben nicht an Wunder. Es ist ein Wunder geschehen. 1199 sind vergast worden, ich bin am Leben, nicht durch eine Hilfe eines SS-Mannes oder eines Blockältesten. Durch eine Hilfe vom Himmel. Ich bin da.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie ist das zugegangen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

[Pause] Als der Tag kam, wo wir vergast werden sollten, mußten wir uns alle ausziehen. Nein, ich kann mich nicht mehr erinnern. Wir mußten den Oberkörper freimachen und einzeln uns aufstellen in einer Reihe. Und vor dem Block ist also Auto hinter Auto gefahren gekommen, und die Häftlinge mußten immer in das Auto einsteigen. Bevor sie aber ins Auto reingegangen sind, [kamen] der Blockschreiber und ein SS-Mann, der die Nummer kontrolliert hat und die Nummer eingetragen hat, damit man dann die Häftlinge, die zur Vergasung bestimmt waren, aus der Karteikarte ausstreicht und in das Totenregister einträgt.

Mich haben noch circa 20 Männer getrennt von den Wagen. Es konnte gewesen sein vielleicht 15 Meter. Plötzlich ging ein Jüngling vorbei, ein junger Mensch, und stellte sich hin. Wir waren bewacht von den SS-Leuten und von Stubendiensten von Block 20 oder 21, kann ich mich nicht mehr erinnern. Und ging ein Jüngling vorbei und sagt: »Und du stehst auch hier?« Wir sind so in der Reihe gestanden. Nun, sage ich: »Na, was soll ich denn machen?« Sagt er: »Und weißt du auch, wo das hingeht?« Sage ich: »Ja, nur was soll ich denn machen?« Sagt er: »Geh fort von hier.«

Ich habe mir das zweimal nicht sagen lassen. Ich habe meine Holzschuhe runtergenommen. Die SS-Leute und die Stubendienste, die haben gestanden mit den Knüppeln. Kein Mensch hat sich gerührt. Ich bin dann durch die Kette, aber wo sollte ich hin? Ich wußte nicht wohin. Das Lager Birkenau war doch zu jener Zeit ein einziges Vernichtungslager. Ich bin an die nächste Ecke gegangen, wo ein Block zu Ende ging, und da stand ein zweiter junger Mensch und fragte mich: »Wo willst Du hin?« Sage ich, ich wüßte nicht. »Der Mann hat mir da gesagt, ich soll raus.«»Ach so, komm mit«, sagt er. Er hat mich geführt, und er hat mich geführt dann auf den Krankenbau.

Und auf dem Krankenbau war der Häftlingschefarzt Doktor Zenkteller. Der hat mich so angeguckt, eine lange Weile hat er nachgedacht, und dann sagt er zu mir: »Willst du noch leben?« Sage ich: »Ja, ich will leben.«»Na gut, ich nehme dich auf den Krankenbau auf.« Der junge Mensch, der mich dorthin gebracht hat, ist gleichfalls auf dem Krankenbau aufgenommen worden. In zwei Tagen habe ich gesehen, daß er gestorben war. Ich war fast ein halbes Jahr auf dem Krankenbau, ich konnte nicht zu mir kommen. Ich habe ewig unter 50 Kilo gewogen.

Und dann plötzlich Ende 42 wurden von der SS Lebensmittelpakete zugelasse n. Mein Schwager hatte damals eine Bäckerei in Lódz , und er schickte mir zu Weihnachten 1942 drei Lebensmittelpakete. Die haben vielleicht zusammen gewogen – ich will nicht übertreiben – 50 Kilo. Ich habe an einem Tag vielleicht zwölf Pfund Zucker gegessen. Ich habe nicht gegessen, ich habe gefressen. Ich habe in drei Wochen 30 bis 40 Pfund zugenommen.

Ich habe im Krankenbau einen Mann kennengelernt namens Piskon. Es war ein Schlesier, er war ein Oberkapo auf dem größten Kommando in Birkenau, das geheißen hat Planierung. Die haben gebaut an dem Lager, das neu entstanden ist. Und ich habe mich da auf dem Krankenbau mit dem Mann sozusagen befreundet, auch ein bißchen bestochen, ich habe viele Pakete gekriegt und konnte dadurch sein Vertrauen [erlangen]. Und als der Mann dann vom Krankenbau entlassen wurde, da hat er mir gesagt: »Wenn du einmal vom Krankenbau rauskommst, kommst zu mir auf mein Kommando.«

Und tatsächlich war es so. Ich bin dann im März 1943, oder Ende Februar könnte es gewesen sein, von dort entlassen worden, vom Krankenbau. Und der Arzt sagte mir noch: »Wenn du kannst, geh nur zu Piskon, der wird dir schon helfen.« Und tatsächlich, ich bin zu Piskon gegangen, und er hat mich auf sein Kommando aufgenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie, haben Sie noch eine Ahnung, wer damals diese Selektionen auf dem Krankenbau und im Lager vorgenommen hat?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Den [Namen des] Hauptscharführers kenne ich nicht. Es kann vielleicht ein bekannter Name sein. Aber ich war wie ein gehetztes Tier, ich hatte keinen Begriff, wer Kaduk ist, meine Sinne waren darauf gerichtet, nicht unter die Räder, nicht unter die Füße zu kommen. Es war zum Verzweifeln.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Erst ab 43 habe ich einen Überblick übers Lager gekriegt, weil in der Paketstelle bin ich durch Zufall als Häftling Chef der Paketstelle geworden, und die ganzen Karteikarten, die im Lager waren, waren auch bei mir. Denn jede Totenmeldung, jede Verlegung kam dann durch meine Hände.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie wissen also nicht mehr, wer diese Selektionen in dem Krankenbau durchgeführt hat. Wissen Sie noch, wer die Selektion durchgeführt hat in dem Lager, wo damals diese 1.200 Menschen

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Es war ein Hauptscharführer, wer das war, weiß ich nicht. Die meisten Selektionen an der Rampe hat Doktor Mengele durchgeführt. Ich habe ihn des öfteren im Lager gesehen. Auch im Lager Birkenau wurden die Selektionen von Doktor Mengele durchgeführt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Er war sehr emsig, sehr fleißig dabei.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie bitte, kennen Sie von den Angeklagten, die heute hier vor Gericht stehen, irgendwelche Leute persönlich?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, ich müßte die Leute mir anschauen, wenn sie gestatten, Herr...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, natürlich gestatte ich es. Bitte schön.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nach 20 Jahren ist es schwer, es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Natürlich ist das sehr schwer. Ich möchte Ihnen nur die Möglichkeit geben.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

[Pause] Ist das nicht Herr Baretzki? [Pause] [unverständlich] Blockältesten [unverständlich] Herr Baretzki, wie alt waren Sie damals, als Sie ins Lager kamen?

 

Angeklagter Baretzki:

[unverständlich] Ich war damals [unverständlich]

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Als Sie ins Lager kamen.

 

Angeklagter Baretzki:

Bitte?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Als Sie ins Lager kamen.

 

Angeklagter Baretzki:

43 im August, Juli, August.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, wie alt waren Sie da?

 

Angeklagter Baretzki:

Ja, bin 19 geboren. [unverständlich] 22 Jahre, 23.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es ist eine Tragik von diesen Leuten. Ich habe einmal einen SS-Mann gekriegt von Ungarn, der war 18 Jahre alt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Der kam zu mir mit meinem alten Chef. Der alte Chef war ein SS-Mann, ein alter Parteigenosse. Knurre hat er geheißen. Er war aus Berlin, ein Beamter aus Berlin. Das war ein sehr anständiger Mensch. Bei der Paketkontrolle hat er selbst Schwarzbrot gegessen mit Margarine. Der hat von den Paketen, wo doch gute Sachen bestimmt drin waren, nichts angerührt. [...] Er mußte dann weg und hat seinen Vertreter gebracht, einen 18jährigen Burschen. Den haben sie schon vorher gedrillt, daß er kommt ins Lager auf die Paketstelle und dann sehr aufpassen muß, daß dort lauter Schwerverbrecher sind. Und dieser junge Mensch kam an, hatte keine Ahnung, wer da tatsächlich im Lager ist oder bei uns ist. Hat sich ewig an die Pistole gehalten, wußte nicht, was da los ist eigentlich. Aber mein Chef hat ihm erzählt: »Paß auf, wenn du was nicht weißt, fragst du Herrn Ruprecht, der wird dir alles erzählen.« Und der hat sich so ziemlich daran gehalten. Nach zwei, drei Tagen hatte ich ihn gefragt, sage ich: »Mensch, was ist denn los, Sie halten sich immer so an die Pistole, hier macht Ihnen doch kein Mensch was.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Da hat er mich mit großen Augen angeguckt, sagt er: »Mir haben sie doch erzählt, daß hier lauter Verbrecher sind.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Sagt er: »Ich will an die Front.« Sage ich: »Paß auf«, sage ich, »passen Sie auf, warten Sie ein bißchen, gucken Sie sich erst die Leute an. Sie sind jung, Sie sind aus Ungarn, Sie kommen aus einer anderen Welt, und da werden Sie sich erst selbst überzeugen, ob wir auch tatsächlich Verbrecher sind.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nach einer Woche oder nach zwei Wochen wollte der Mann nicht mehr an die Front. Er hat tatsächlich erkannt, daß das ein Verbrechen war, was man dort mit den Leuten getrieben hat. Und das war bei jedem SS-Mann so. Der kam rein in die Mühle, es gab kein Zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, haben Sie auch mal erlebt, daß Leute auf Block 11 erschossen worden sind?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Des öfteren. Wenn wir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und erzählen Sie das einmal, wie das gewesen ist.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Wenn wir vom Kommando zurückkamen, mußten wir doch immer zurück auf Block 11. Dort hat man das Essen gekriegt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es war vielleicht jeden zweiten oder jeden Tag, wenn man mittags zurückkam, mußten wir bei der verschlossenen Tür erst warten, weil am Block 11 Erschießungen durchgeführt wurden. Ich konnte es nicht glauben, daß man da so viele Leute erschießt. Ich habe da manchmal gewartet – da waren circa 1.000 Häftlinge auf dem Block –, bis das Tor sich öffnet. Und da kamen meistens ein Wagen oder zwei Wagen oder fünf Wagen, so eine Art Kisten haben sie da rausgefahren. Und da sagte einer: »Guck mal, da tropft noch Blut durch.« Primitive Kisten waren das, mit Löchern darin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich denke, ist denn das möglich? Sage ich: »Wo ist denn das?« Ich bin da hingegangen, und tatsächlich war da eine Masse wie Blut. Ich war erschrocken, ich hatte Angst gehabt. Ich denke, Menschenskinder, wie ist denn so was möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Der Mann, der [am häufigsten] die Erschießungen durchgeführt hat, war Palitzsch. Ich weiß nicht, ob der Mann heut noch lebt. Und ich möchte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und wieso wissen Sie das, haben Sie das gehört oder haben Sie das gesehen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich habe ihn gesehen persönlich, durch Zufall. Das Lager Auschwitz I und das Lager Birkenau [muß man auseinanderhalten.]

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Denn im Lager Auschwitz I war die Ordnung noch immer besser als in Birkenau. Denn im Lager Auschwitz waren die Wohnräume auch schon besser. Wenn auch das Lager Auschwitz [normalerweise] nicht mehr als 1.000 bis 1.500 Menschen aufnehmen konnte, und dort haben ja meistens 20.000 gehaust.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Dann die Läuse und kein Wasser. Das Essen war schlecht, und sehr schwere Arbeit, von sechs Uhr früh morgens bis sechs Uhr abends. Auf Block 11 war noch was anderes. Wenn die Leute abends nach Hause gekommen sind, haben sie noch zwei, drei Stunden »Sport« treiben müssen. Also wenn auf Block 11 jemand vier Wochen ausgehalten hat, ohne Blockschreiber zu sein oder Stubendienst zu sein, der mußte eine eiserne Natur haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, was wissen Sie von den Erschießungen im einzelnen? Haben Sie einmal zugesehen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja. Der ganze Transport, mit dem ich gekommen bin, ist erschossen worden. Das waren meistens Krakauer Professoren, Zeitungsverleger und so weiter. Es waren vielleicht 350 bis 400 Menschen, Häftlinge. Mich haben sie zu diesem Transport gegeben. Ich wußte das nicht, ich war damals auf dem Krankenbau. Und als ich vom Krankenbau zurückgekehrt war, habe ich von diesen [keinen mehr] angetroffen, bloß einen Mann aus Krakau, sein Name war Mich, Alois.

Und als der Mann mich gesehen hatte, sagt er: »Mensch, du lebst noch, wie ist denn das möglich, der ganze Transport ist erschossen worden.« Und selbst einmal, als ich zur Arbeit gehen sollte, frühmorgens, wollte noch ein bißchen waschen, es [gab] ja wenig Wasser, und da hörte ich auf dem Hof so ein Klappern. Nicht bloß Schüsse, darf ich es vormachen? Der Schuß hört sich so an, als [+ ob] jemand mit der Hand...

 

Vorsitzender Richter:

Auf den Tisch schlägt.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Auf den Tisch schlägt. Ich wußte nicht, daß das Geschosse sind. Und ich gehe dann zum Fenster, ich dachte mir nichts dabei. Und da sah ich einzelne Häftlinge rausgehen vom Bunker unten, also vom Gang, und auf die Wand zugehen. Und hinten stand ein SS-Mann, das war der Palitzsch. Ich habe bloß den erkannt, weil ich war nicht fähig, das in mich aufzunehmen so schnell. Denn es war gleich ein Geschrei: »Fenster zu, Fenster zu!« Und ich habe gesehen, wie er von hinten zielt, von hinten einen Genickschuß.

 

Vorsitzender Richter:

Also haben Sie nur den Palitzsch gesehen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Oder Sie können sich jedenfalls nur an ihn erinnern. Ja. Sie haben vorhin den Angeklagten Baretzki erkannt. Was wissen Sie von ihm?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Baretzki war unentschlossen. Ich möchte sagen, Baretzki stand ganz unter dem Einfluß von deutschen Berufsverbrechern.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Er ist bestimmt von diesen Leuten sehr schwer erzogen worden. Es war bestimmt ein junger Mensch, so wie ich sehe, ist er bestimmt ein Auslandsdeutscher. Er hatte keine Ahnung von der Welt. Was in der Welt los [ist], wußte er nicht. Er konnte sich bestimmt keinen Begriff machen, was Mord ist.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn erlebt, daß er mal einen Menschen umgebracht hat?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich habe es nicht erlebt, aber ich muß sagen, er hat mich selbst einmal geschlagen. [...] Er hat mich selbst einmal geschlagen in Wut. Aber es war nicht so, daß er einen Menschen, sagen wir, zu Tode getrampelt hätte. Er war wohl sehr lebendig, er hat mit den Häftlingen auch Schnaps getrunken. Aber ich sage, nur mit Funktionshäftlingen, mit Kapos. Und die haben sein ganzes Wissen beeinflußt. Er wußte nicht, was gut ist und was schlecht ist. Es war ja eine Zeit der Rechtlosigkeit. Denn die Helden, die guten Menschen, die erkennen, was gut ist und schlecht, sind sehr dünn gesät. Ich habe Helden im Lager selten erlebt.

 

Vorsitzender Richter:

Tja. Wissen Sie [...] von Baretzki irgendwie, daß er einmal jemand erschossen hat oder daß er bei dem Schlagen jemand so geschlagen hat, daß er gestorben ist?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich glaube nicht, daß die SS-Leute soviel geschlagen haben wie die Berufsverbrecher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich möchte sagen, es waren ja keine Engel, aber im allgemeinen waren die Berufsverbrecher viel gefährlicher.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch den Angeklagten Boger im Lager erlebt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich möchte dem Herrn Boger einige Fragen stellen, wenn Sie gestatten.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, stellen Sie die Fragen mal an mich, dann kann ich sie nachher vielleicht an Boger weiter...

 

Zeuge Franz Ruprecht:

[unverständlich] Boger sehen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn denn erkannt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich hätte ihn nicht erkannt, er hat sich sehr verändert. Was wollte ich sagen, wer war Herr Lachmann?

 

Vorsitzender Richter:

Herr Lachmann war bei der Politischen Abteilung beschäftigt.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, ja, ja. Aber war er zusammen mit dem Herrn Boger?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Wer war Herr Lachmann?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, warum wollen Sie denn das wissen, Herr Zeuge? Sagen Sie uns doch bitte, was Sie wissen noch von Boger.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, weil es ist sehr wichtig, weil Lachmann sollte aus Lódz gewesen sein, und ich nehme an, daß durch Lachmann ich vielleicht am Leben geblieben bin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also Lachmann lebt meines Erachtens nicht mehr. [Pause] Soviel ich weiß, lebt er nicht mehr.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Aber war er aus Lódz, Herr Boger?

 

Vorsitzender Richter:

War der Lachmann aus Lódz, wissen Sie das so?

 

Angeklagter Boger:

Mit Sicherheit kann ich es nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Angeklagter Boger:

Aber er stammte aus polnischem Gebiet [unverständlich]

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Moment mal, aber kennen Sie mich, Herr Boger?

 

Angeklagter Boger:

Nein, kann ich mich nicht erinnern.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein? Kennen Sie die Paketstelle nicht in Birkenau?

 

Angeklagter Boger:

Na, ich bin mal da hingekommen, aber ich kann mich da nicht erinnern.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, aber wir wurden doch oft denunziert bei euch. Ich bin doch einmal zum Lagerkommandanten Höß gerufen worden.

 

Angeklagter Boger:

Sind Sie von mir einmal vernommen worden?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, nein, nicht von Ihnen. Aber Sie haben doch bestimmt von den Denunziationen gewußt, die mich

 

Angeklagter Boger [unterbricht]:

Ja, das sind so viele Vorgänge, also da kann ich mich bestimmt nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, also das kann der Angeklagte Boger wirklich nicht wissen. Die hatten so viele

 

– Schnitt –

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich konnte nicht die Namen in mich aufnehmen, ich war mit mir so beschäftigt, mit meinem Leben.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen es nicht mehr?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie eine Erinnerung an den Angeklagten Boger persönlich? Haben Sie mit ihm mal etwas zu tun gehabt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich habe mit dem nichts zu tun gehabt, aber ich habe ihn oft gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich will den Herrn Boger nicht in Schutz nehmen, aber ein anderer wäre vielleicht schlechter gewesen, sagen wir, wie Palitzsch. Der Boger war ein bißchen langsam, ich möchte sagen ein bißchen lahm.

 

Vorsitzender Richter:

So. Nun, Herr Zeuge, können Sie sich vielleicht entsinnen auf die Angeklagten Dylewski oder Broad, die auch in der Politischen Abteilung waren?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

[Pause] Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Zeuge, Sie erwähnten vorhin, daß Sie vom Block 11 aus einmal Erschießungen an der Schwarzen Wand mit angesehen haben. War das im Sommer 1942?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Da hatten Sie also die Möglichkeit, vom Fenster des Blocks 11 im ersten Stock aus zu sehen, daß an der Schwarzen Wand Häftlinge erschossen wurden?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke schön. Von dem Angeklagten Baretzki erwähnten Sie, daß er mit Funktionshäftlingen gelegentlich sogar Schnaps getrunken habe und zu denen recht freundlich gewesen sei. Wie war denn sein Verhältnis zu den anderen, zu den, na, sagen wir, zu den gewöhnlichen Häftlingen? Wie war denn da sein Ruf und sein Verhalten?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie hatten bei Ihrer

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Also man muß das Lagerleben auseinandernehmen in zwei Teile.

 

Staatsanwalt Vogel:

Also wollen wir uns zunächst einmal beschränken auf den Baretzki, ohne Teilung.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie hatten früher bei Ihrer Vernehmung5 gesagt, daß Baretzki sehr gefürchtet und als Schläger bekanntgewesen sei. Ist das richtig?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Baretzki war ein unbeständiger Mann.

 

Staatsanwalt Vogel:

Unberechenbar meinen Sie.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Unberechenbarer.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Er konnte in einem Augenblick mit Ihnen Schnaps trinken, und im zweiten Augenblick konnte er mit den Füßen treten.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut, danke schön. Ich habe sonst keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich habe eine Frage. Herr Zeuge, Sie haben uns von den Verbrechen der Kapos berichtet.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Wer hat denn eigentlich diese Berufsverbrecher zu Vorgesetzten der anständigen Häftlinge gemacht? Wie kamen denn die in die Positionen, diese Verbrechen an den anständigen Häftlingen begehen zu können?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, die wurden meistens von den SS-Leuten eingesetzt. Ich kann nicht

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Schön, ich danke. Ich habe keine weitere Fragen.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, Herr Rechtsanwalt.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, ich habe eine Frage. Kannten Sie einen Kapo oder Oberkapo namens Kral?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich kannte ihn vielleicht, ich kannte viele Kapos. Aber der Name ist mir [entfallen]. Ich kann es ihnen nicht sagen.

 

Verteidiger Laternser:

Er war Kapo oder Oberkapo eines Baukommandos.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich weiß nicht.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Ruprecht, kannten Sie den Angeklagten Bednarek?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, ich kannte ihn gut.

 

Verteidiger Stolting II:

Was wissen Sie von ihm? Von welcher Zeit kannten Sie ihn? Sofort wie Sie ins Lager kamen oder von wann ab?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich kannte den Bednarek erst vom Lager aus. Seit 43.

 

Verteidiger Stolting II:

Anfang oder Ende 43?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es war Anfang 43. Herr Bednarek war Blockältester auf Block 11, nicht zu verwechseln mit Block 11 in Auschwitz I. Er war Blockältester im Block 11 Birkenau6. Also das war ein Strafblock. Jeder, der auf Block 11 kam, hat irgendwas mit Flucht oder mit irgendwelchen Vergehen gegen die Lagerordnung zu tun gehabt. Dort konnte man auf den Block kommen, für eine kurze Zeit, für drei Monate, für fünf Monate. Man konnte auch auf Dauer kommen auf Block 11.

 

Verteidiger Stolting II:

Waren Sie selbst einmal auf Block 11?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

In Birkenau war ich oft im Block 11. Ich habe dort gebadet.

 

Verteidiger Stolting II:

Sind Sie da oft mit dem Angeklagten Bednarek zusammengekommen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Wenn ich zu meiner Dienststelle in die Paketstelle gehen sollte – ich habe auf Block 2 gewohnt, auf Block 4 –, da mußte ich am Block 11 vorbeigehen. Und da habe ich oft den Blockältesten Bednarek gesehen am Eingang vom Block, denn er war ja genauso ein Gefangener wie die Häftlinge, die dort gewohnt haben. Er konnte sich wohl frei bewegen, aber man hat verlangt von einem Blockältesten, daß er sich an seinen Arbeitsplatz sozusagen hält.

 

Verteidiger Stolting II:

Haben Sie einmal gesehen, daß der Angeklagte Bednarek als Blockältester Leute mißhandelt hat oder getötet hat?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Wissen Sie etwas über seinen Ruf?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich kam 42 ins Lager, hatte aber viele Freunde, also Häftlingsfreunde, die schon 40/41 ins Lager gekommen sind. Einer hat mal erzählt: »Du kannst dem Bednarek auch nicht so sehr glauben, du weiß nicht, was er früher gemacht hat.« Aber es war ja so im Lager. Ein Einzelmenschenleben stand da gar nicht auf dem Spiel. Nicht [jedermanns] Sache ist es, einen Menschen zu töten. Es sind viele, die das können. Ich weiß nicht, ob der Herr Bednarek Leute zu Tode geprügelt hat. Seit dieser Zeit, von der an ich ihn kenne, war er in meinen Augen ein sehr anständiger Mensch.

 

Verteidiger Stolting II:

Danke sehr, ich habe keine Frage mehr.

 

Staatsanwalt Kügler:

Eine Frage. Sie sagten, daß Sie da auf dem Block 11 gebadet haben. Wo war denn da das Wasser? Können Sie das beschreiben? War da eine Waschanlage?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Block 11 war der einzige Block, wo eine Waschanlage war. Und die hatte Herr Bednarek von sich selbst aus gebaut, also schwarz gebaut. Denn im Lager waren doch verschiedene Kommandos, Dachdecker [...] und Straßenbauer, Installateure, Elektriker. Und die Sachen, die dazu benötigt wurden, um ein Bad zu bauen, hat er sich wahrscheinlich sozusagen zusammengeklaut. Denn anders ging es nicht. Auf unserem Bauabschnitt, das ist auf Bauabschnitt d...

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Wir hatten wohl zwei Baderäume, also von Heißwasser war gar keine Rede, und im Sommer war das Wasser im allgemeinen knapp.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Wissen Sie, ob da Schläuche auch waren zum Abspritzen? Oder Brausen oder was, wie war das eingerichtet?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Es waren Brausen. Es waren Brausen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Können Sie sich an Schläuche erinnern, an Gummischläuche?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Nein, nein. Ich jedenfalls bin selbst von Herrn Bednarek aufgefordert worden, ich solle zu ihm baden kommen, also die ganze Paketstelle. Nicht daß er davon was gehabt hätte, denn die wußten, daß es in der Paketstelle Lebensmittel gibt. Also auf Lebensmittel waren alle scharf, weil doch das ganze Lager unterernährt war. Ich möchte sagen, 80 Prozent der Häftlinge waren unterernährt.

 

Richter Hotz:

Meine Frage ist erledigt.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Eine Frage. Herr Zeuge, Sie erwähnten eben, daß Sie viele Freunde hatten im Lager, die schon 40/41 dorthin gekommen sind.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Waren das Reichsdeutsche?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Das waren meistens Polen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Es waren meistens Polen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja. Ich hatte keinen Kontakt zu Reichsdeutschen, denn das waren ja meistens die größten Verbrecher.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Herr Zeuge, waren Sie selbst Kapo?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Man könnte es Kapo nennen. Ich war Chef der Postpaketstelle.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Also wurden Sie Kapo genannt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ich wurde Kapo genannt, aber hatte keine Binde.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Danke schön.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Verteidiger Erhard:

Ich habe noch eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, Herr Rechtsanwalt Erhard.

 

Verteidiger Erhard:

Herr Zeuge, Sie haben uns heute den Doktor Zenkteller in Ihrer Aussage erwähnt.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Verteidiger Erhard:

Früher haben Sie einmal über den Doktor Zenkteller ausgesagt, man könnte ihn als Judenfresser bezeichnen. Ich möchte von Ihnen gerne wissen: Wie war das denn im Lager, waren da die einzelnen Nationalitäten sich gegenseitig Freund oder Feind?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja, das ist ja das. Man müßte das Lager nach Nationalitäten trennen. Im Lager Auschwitz waren Juden, Polen, Russen, Tschechen, Holländer, Belgier, Franzosen, Ukrainer. Das Lager Auschwitz war ja [hauptsächlich] bestimmt für die Ostgebiete. Selbst in so einem Staat wie Polen sind die Leute verschiedener Art und verschiedener Mentalität. Die Leute in Polen standen sich im Grunde genommen alle feindlich gegenüber. Ein Ukrainer war feindlich zum Polen, aber ein Pole war auch feindlich zu einem Ukrainer. Anders waren die Leute in den früheren besetzten österreichischen Gebieten, anders in den früher besetzten russischen Gebieten, und anders waren die Leute im Posener Gebiet, im Schlesier-Gebiet von der früheren deutschen Besatzungszeit.

Also die haben sich ja im Lager zum Teil selbst zerfleischt. Ohne das Zutun der SS haben die sich selbst aufgefressen. Denn wenn, sagen wir, ein Pole ein Blockältester war von einem Block, wo viele Ukrainer waren, da konnten Sie schon mit Bestimmtheit annehmen, daß der keine Rücksicht nimmt auf die Ukrainer.

 

Verteidiger Erhard:

Was verstehen Sie unter »keine Rücksicht genommen«?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Also er konnte sie zu Tode trampeln, und kein Recht hat ihm das verboten.

 

Verteidiger Erhard:

Und wie sind die Juden behandelt worden von den Polen?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Dann müßte man gleich die Gegenfrage [+ stellen]: Wie sind die Juden von den Polen behandelt worden, und wie sind die Polen von den Juden behandelt worden? Denn es war ja so, nicht bloß Polen waren Blockälteste, auch Juden waren Blockälteste.

 

Verteidiger Erhard:

Ja gut, dann beantworten Sie die Frage doch so doppelt.

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Also wenn ein Pole Macht über einen Juden gehabt hat – die Polen waren stark antisemitisch. Noch mehr, möchte ich sagen, als die Deutschen. Denn in Polen haben fünf Millionen Juden gelebt. Und überall, wo viele Rassen, viele Menschen zusammenleben, das sehen wir jetzt in Amerika, gibt es Haß. Die Menschen sind nicht gleich. Und allgemein wurden die Juden von den Polen sehr schlecht behandelt, wenn ein Pole die Macht hatte, also [eine] Funktion ausgeübt hat über Juden.

 

Verteidiger Erhard:

Danke, ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr. Herr Rechtsanwalt Gerhardt.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ich hätte noch gern von dem Zeugen gewußt: Wie viele Häftlinge befanden sich im d-Lager? Haben Sie ungefähr

 

Zeuge Franz Ruprecht [unterbricht]:

Im d-Lager, das war verschieden, aber man konnte rechnen 10.000 bis 12.000.

 

Verteidiger Gerhardt:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Ist von seiten der Angeklagten noch eine Erklärung abzugeben oder eine Frage zu stellen?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe noch eine andere Frage an den Angeklagten Mulka. Sie haben nun gehört, daß zu der Zeit, als Sie Adjutant waren, in Birkenau die zur Vergasung bestimmten Menschen mit Lastkraftwagen zu den Gaskammern gefahren wurden. Haben Sie davon gewußt?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja. Ich habe

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Nein, ich meine nicht Sie. Ich meine hier den Angeklagten Mulka.

 

Angeklagter Mulka:

Ich habe die Zeit nicht verstanden, die der Herr Zeuge genannt hat. Zu welcher Zeit war das?

 

Staatsanwalt Kügler:

Das war im Sommer 1942. Die Zeit spielt ja auch so in dieser Frage keine Rolle.

 

Angeklagter Mulka [unterbricht]:

Doch, ja, die Zeit spielt eine Rolle.

 

Staatsanwalt Kügler:

Er hat jedenfalls geschildert, daß im Jahre 1942, zu einer Zeit, als Sie Adjutant waren, die Leute in Birkenau, die auf ihren Vergasungstod gewartet haben, von dem Block, in dem sie warteten, mit Lastkraftwagen zur Gaskammer gefahren worden sind. Und der Zeuge hat eine detaillierte Schilderung gegeben, wie das vor sich gegangen ist. Ich frage Sie nun, ob Sie davon gewußt haben, daß die Leute mit den Lastkraftwagen zu den Gaskammern gefahren

 

Angeklagter Mulka [unterbricht]:

Davon bekam ich keine Kenntnis.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und wie können Sie erklären, daß Ihnen das verheimlicht worden ist? Nachdem Sie das heute alles erst erfahren?

 

Angeklagter Mulka:

Es lag keine Veranlassung vor, da ich mit Schutzhaftlager und Häftlingen nichts zu tun hatte.

 

Staatsanwalt Kügler:

Das ist ja eine Sache der Vergasung gewesen, und die hat mit dem Schutzhaftlager doch wohl kaum etwas zu tun gehabt.

 

Angeklagter Mulka:

Ich hatte auch mit Vergasungen nichts zu tun, Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich frage, ob Sie es gewußt haben.

 

Angeklagter Mulka:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich frage nicht, ob Sie etwas damit zu tun hatten. Ich frage, ob Sie es gewußt haben.

 

Angeklagter Mulka:

Ich bekam keine Kenntnis davon, insoweit habe ich es nicht gewußt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie wollen also sagen, Sie haben damals, als Sie Adjutant waren, nicht gewußt, daß die Lastkraftwagen eingesetzt wurden, um die zur Vergasung Bestimmten zu den Gaskammern zu transportieren?

 

Angeklagter Mulka:

Nein, man fragte mich nicht danach.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie haben es nicht gewußt, wollen Sie sagen?

 

Angeklagter Mulka:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Gut.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Franz Ruprecht:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben Sie den Eid zu leisten.

 

– Schnitt –

 

 

1. Häftling August Müller, Häftlingsnummer 22.

2. Am 29.08.1942 fand im Häftlingskrankenbau eine große Selektion statt. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 289 f.

3. Der Zeuge meint die Vernichtungsanlagen Bunker 1 und Bunker 2.

4. Lager »Mexiko«, BIII.

5. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 20.07.1960 in Mannheim, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 36, Bl. 6.179.

6. Männerlager BIId.

 

 
 
 
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