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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

56. Verhandlungstag, 18.6.1964

 

Vernehmung des Zeugen Wilhelm Prokop

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar wann?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Anfang Juli. Ich glaube, 6. Juli 43.

 

Vorsitzender Richter:

Im Juli 43. Und wie lange sind Sie dort geblieben?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Bis zum Oktober, wo ich von dort aus nach Oranienburg-Sachsenhausen überführt wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie waren praktisch nur in Auschwitz: Juli, August, September, Oktober?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, nein, das ganze Vorjahr.

 

Vorsitzender Richter:

Also sind Sie erst Oktober 44 nach Oranienburg gekommen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

44.

 

Vorsitzender Richter:

Aha, vom Juli 43 bis zum Oktober 44.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

44. Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Prokop, sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein Tonband aufnehmen zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts? Es soll das nicht veröffentlicht werden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Bitte sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Prokop, als Sie hinkamen nach Auschwitz, kamen Sie in welche Abteilung, in welche Baracke oder welchen Block und wurden mit welchen Arbeiten beschäftigt zunächst?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich möchte eventuell meine Aussage in polnischer Sprache [machen], deswegen, weil es mir in der deutschen Sprache trotz alledem an Worten fehlt. Und ich fürchte, daß ich dann auf Umwegen meine Aussage werde machen müssen oder daß ein Wort mißverstanden werden kann. Also ich würde sehr gern meine Aussagen in polnischer Sprache wiedergeben. Und falls bei der Dolmetschung irgend etwas nicht so wiedergegeben wird, wie ich es meine, so behalte ich mir dann noch eine...

 

Vorsitzender Richter:

Eine Verbesserung vor, ja. Also dann sagen Sie uns bitte auf Polnisch, in welchen Block Sie eingeteilt wurden und mit welchen Arbeiten Sie beschäftigt worden sind.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja dostalem sie na blok 9.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kam auf den Block 9.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Aber das sind ja schließlich weniger wichtige Sachen. Die kann ich noch in deutscher Sprache beantworten. Ich kam auf den Block 9 und wurde der SS-Apotheke zugeteilt. Ich arbeitete in der Häftlingsapotheke, die eine Abteilung der SS-Apotheke war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, würden sie uns noch ganz kurz sagen, warum Sie eigentlich verhaftet worden sind.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

1939 wurde ich von der Gestapo verhaftet und vom Sondergericht in Kattowitz zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt laut § 39b. Das ist Zugehörigkeit zu polnischen Verbänden in Polen. Also deswegen wurde ich abgeurteilt. Und diese drei Jahre habe ich in Papenburg in den Moorlagern zugebracht. Zum Teil, denn ich kam auch von Papenburg über Lüttringhausen zurück nach Polen und wurde nach Verbüßung der drei Jahre Strafhaft nach Auschwitz überführt, wurde da nicht freigelassen, sondern kam nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Und nun schildern Sie uns doch bitte das Haus, in dem die Häftlingsapotheke untergebracht war, und die Gliederung zwischen SS-Apotheke und Häftlingsapotheke.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A wiec to byl budynek SS-rewiru.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war also ein Gebäude des SS-Reviers.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Budynek ten lezal juz poza drutami.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Gebäude befand sich bereits außerhalb des Drahtzauns.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Obok tego pierwszego, ze tak powiem, pierwszego krematorium.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Neben dem sozusagen ersten Krematorium.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

W tym budynku byla apteka SS.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In diesem Gebäude befand sich die SS-Apotheke.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Od wyjscia po prawej stronie, a po lewej stronie

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar vom Eingang rechts und links.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Byla to oczywiscie, nieprawdaz, pracownia dla wiezniów, Häftlingsapotheke.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und links befand sich so ein Arbeitsraum für die Häftlinge, die Häftlingsapotheke.

 

Vorsitzender Richter:

Auf einem Stockwerk?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Parterre.

 

Vorsitzender Richter:

Im Parterre. Und was war in dem Haus sonst noch untergebracht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das zahnärztliche Revier, nachher war der Lagerarzt Doktor Wirths da im ersten Stock, und kranke SS-Angehörige.

 

Vorsitzender Richter:

Krankenstuben.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Krankenstuben.

 

Vorsitzender Richter:

Das war im ersten Stock. Und was war auf dem Dachboden?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Na strychu byla, wlasciwie ubikacja taka, pracownia.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Co znaczy ubikacja? Klozet?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To byla pracownia.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ach, pracownia.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Pracownia do gotowania medykamentów, które otrzymalismy z tak zwanej »Kanady«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf dem Boden befand sich eigentlich so ein Raum, wo man die Medikamente sortiert hat, die wir von dem »Kanada«-Kommando bekommen haben.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und was war im Keller?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Im Keller war ein Waschraum, ein Kessel, und weitere Räume waren für uns nicht zugänglich.

 

Vorsitzender Richter:

Waren aber noch weitere Räume da?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Waren die verschlossen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wußten Sie, was darin aufgehoben wurde?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mialem sposobnosc stwierdzic to, co tam bylo.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hatte Gelegenheit festzustellen, was dort war.

 

Vorsitzender Richter:

Wie sind Sie da hineingekommen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich bin nicht hineingekommen. — Co, ja tam nie wszedlem, tylko z pierwszej piwnicy, pierwszej czesci piwnicy widzialem druga czesc piwnicy oddzielona od pierwszej.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin nicht hineingegangen. Ich habe aber aus dem ersten Teil des Kellers den zweiten, davon getrennten Teil gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przez otwarte drzwi.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar durch die geöffnete Tür.

 

Vorsitzender Richter:

Und was war darin?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja widzialem tam cztery puste sciany.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe dort vier nackte Wände gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To zdziwilo mnie oczywiscie, zaskoczylo. Po co tam ktos wchodzi do pustej po prostu piwnicy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das erstaunte mich, und ich war sehr verwundert: Warum geht man überhaupt in einen leeren Keller hinein?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I dopiero wtedy, kiedy zauwazylem, ze przystepuje sie na przeciwna strone do sciany, polozone naprzeciw drzwi. Zauwazylem, ze w tej scianie mieszcza sie drzwi zelaznej szafy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Je szcze raz. Ach, ze tam sa drzwi zelaznej szafy, ze stoi zelazna szafa. — Und erst nachdem ich bemerkt habe, daß man sich einer gegenüberliegenden Wand nähert, sah ich, daß sich dort die eiserne Tür eines Schrankes befindet.

 

Vorsitzender Richter:

Und was in dem Schrank drin war, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Dort wurde Zyklon-Gas aufbewahrt.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie das?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Weil ich gesehen habe, wie der Unterscharführer Klehr mit einer leeren Tasche hineinging und mit einer vollen herausging. Und da den Inhalt nachher im Hausflur...

 

Vorsitzender Richter:

Aufbaute.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aufstellte. — Ustawial.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie. Ustawial sobie to w teczce, nieprawdaz, zeby tam sie wiecej pomiescilo.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und den Inhalt hat er dann später in der Tasche noch genau sortiert, daß möglichst viel gut [hineinpaßt] in die Tasche.

 

Vorsitzender Richter:

Und bei diesem Sortieren haben Sie gesehen...

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Widzialem, ze to jest, ze to sa puszki z cyklonem, Zyklon-Gas.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dabei habe ich gesehen, daß es Dosen mit Zyklon waren.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hatte denn den Schlüssel für diesen Raum in Verwahrung?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Doktor Capesius, Chef.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wissen Sie das?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Eines Tages arbeitete ich unten im Keller. — Bylismy tam razem w piwnicy z wspólwiezniem, z Hugo Sonnenscheinem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir waren dort zusammen mit einem Mithäftling namens Hugo Sonnenschein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Hugo Sonnenschein byl u nas kalifaktorem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hugo Sonnenschein war bei uns Kalfaktor.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I spelnial roboty, takie podrzedne.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er hat so untergeordnete Tätigkeiten ausgeübt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jednego pieknego dnia dostal polecenie czyszczenia butelek do

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eines Tages bekam er den Befehl, die Flaschen zu säubern.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przygotowac dla medykamentów, zeby byly czyste.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also die Flaschen für Medikamente vorzubereiten, daß sie sauber sind.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja dalem mu oczywiscie wskazówki, jak ma to zrobic.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihm natürlich Anweisungen gegeben, wie er das machen soll.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Polecilem jemu, zeby na poczatku w czystej wodzie wyplukal butelki, które sa tylko zaprószone.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihm gesagt, er möchte zuerst mal die Flaschen in reinem Wasser ausspülen, weil die Flaschen ja lediglich verstaubt sind.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A potem polecilem mu, zeby nastepnie butelki, które sa zanieczyszczone przez jakies plyny nie olejne i nie tluszczowe, zeby te myl potem nastepnie osobno.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich habe ihm auch eine Anweisung gegeben, die anderen Flaschen, die mit nicht-öliger Flüssigkeit vorher gefüllt waren, getrennt auszuspülen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A pod koniec, zeby wymyl juz tam oczywiscie z dodatkiem sody czy tez jakiegos proszku do prania czy [czegos] takiego, te butelki, które byly, byly olejem zanieczyszczone i gdzie trzeba bylo oczywiscie ten olej wyplukac.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ganz zum Schluß, habe ich gesagt, soll er mit Soda oder mit Waschpulverwasser die Flaschen spülen, die mit Öl beschmutzt sind und die auf diese Weise eben verunreinigt wurden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Oczywiscie mój kochany Hugo Sonnenschein zrobil wedlug swojej tam mysli.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Natürlich hat es mein lieber Hugo Sonnenschein ganz anders, nach eigenem Gutdünken gemacht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wszystkie butelki razem wrzucil do kotla.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hat alle Flaschen zusammen in den Kessel reingetan.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I powstala taka bryja z tego, ze po prostu powiem, ze juz potem te zaprószone flaszki byly zaoliwione, wszystko bylo...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und darin entstand so eine Brühe, daß sogar die ganz sauberen, die nur verstaubten Flaschen ganz verunreinigt wurden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. To oczywiscie bylo powodem, ze zamiast czyscic te butelki przez jeden dzien, przez jedna dobe, czyscil te butelki co najmniej przez osiem dni.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und infolgedessen mußte er die Flaschen nicht an einem Tage saubermachen. Sondern er hat sie acht Tage lang gereinigt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I przez to byl wlasciwie powód, ze ja przez tych osiem dni czesciej [przychodz ilem] do piwnicy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war der Grund, warum ich während dieser acht Tage öfter in den Keller ging.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Poniewaz to kontrolowalem i bylem quasi wspólodpowiedzialnym.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil ich das ja kontrollierte und weil ich ja quasi mitverantwortlich dafür war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wieso wissen Sie nun, daß der Schlüssel für diesen Raum und den Schrank dem Herrn Capesius zustand?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Pieknego dnia przycho dzi do piwnicy Oberscharführer Klehr.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eines Tages kam der Oberscharführer Klehr in den Keller.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

W towarzystwie Oberscharführera Juraska.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Begleitung des Oberscharführers Jurasek.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jurasek otwiera drzwi do tej piwnicy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jurasek öffnete die Tür zu diesem Keller.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I udaje sie, drzwi nie zamykal za soba, to znaczy

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er schloß die Tür nicht hinter sich

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak, ze mialem wglad do tej piwnicy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So daß ich hineinschauen konnte.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I udal sie wprost na przeciwna strone, na sciane, ta przeciwna tej piwnicy

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er begab sich direkt auf die gegenüberliegende Wand zu.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Szuka w kieszeni i nie znajduje kluczy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er sucht in seinen Taschen herum und findet keine Schlüssel.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wtedy mówi:

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da sagt er:

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»Ja, ich habe ja die Schlüssel nicht. Der Chef hat mir die Schlüssel nicht gegeben.«— Ja to powtarzam, mówie to po niemiecku, bo to chcialem juz doslownie wlasnie

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das möchte ich in Deutsch wiederholen, damit ich das wortwörtlich sage.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. »Ja musze leciec na góre do apteki po klucze.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Niech pan po niemiecku powie!

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»Ich muß hinauf zum Chef, die Schlüssel holen. Er hat ja vergessen, mir die Schlüssel zu geben.«— Przez to wiedzialem, ze wlasciwie klucze sa w posiadaniu szefa, to jest doktora Capesiusa.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dadurch erfuhr ich, daß die Schlüssel eigentlich im Besitz des Chefs, des Doktor Capesius, sind.

 

Vorsitzender Richter:

Das hat der Jurasek gesagt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl, das hat der Herr Jurasek gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. Dann hat er den Schlüssel geholt. Oder?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl. — Polecial po te klucze, przyniósl je, mial juz w rece.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der lief dann die Schlüssel holen, der brachte sie, hatte sie in der Hand

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I otworzyl drzwi do tej szafy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und öffnete die Tür zu diesem Schrank. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah dann?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Widzialem, wlasciwie w szafie tej, puszki.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe eigentlich im Schrank die Dosen gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale wtedy doslownie nie zdawalem sobie jeszcze sprawe, ze ta cala szafa jest zapelniona tylko cyklonem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber damals war ich buchstäblich nicht der Meinung, daß der Schrank nur mit Zyklon [gefüllt] ist. [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, ich habe davon nichts gewußt.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Doslownie nie wiedzialem.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No tak, przedtem nie wiedzialem o tym.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie es dann gesehen, als nachher Klehr diese Büchsen im Obergeschoß sortierte?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja wtedy, kiedy Oberscharführer Jurasek wydal te puszki Klehrowi i te puszki zostaly umiejscowione w tej teczce, uswiadomilem sobie, ze to jest cyklon, widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als Jurasek diese Dosen dem Klehr gab und sie in der Tasche untergebracht wurden, kam mir zu Bewußtsein, daß es sich dabei um Zyklon handelt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. Ale tym wiecej, ze Oberscharführer Jurasek postawil Klehrowi pytanie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Desto mehr, weil der Oberscharführer Jurasek dem Klehr folgende Frage gestellt hat: [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»Da ist wohl eine Großaktion im Gange?«— Na to pytanie odpowiadal Klehr tylko potakiwaniem glowy z usmiechem na ustach.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf diese Frage antwortete Klehr lediglich mit Nicken und mit Lächeln. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Hat er sonst nichts dazu gesagt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nic nie powiedzial?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nichts. Er bejahte das.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wiec potwierdzil to.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit Nicken.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mit lächelnder Miene, — jak sie to mówi. Wiec usmiechajac sie przy tym i nic wiecej. Nic nie powiedzial.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er lächelte dazu, aber sagte ja nichts mehr. Er sagte nichts.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben einmal bei Ihrem Schreiben an das Internationale Auschwitz-Komitee geschrieben, der Jurasek hätte den Klehr so gefragt, wie Sie das eben geschildert haben. Und das war zur Zeit der Judentransporte aus Ungarn: »Klehr lächelte vor sich hin und bestätigte die Frage Juraseks mit den Worten, daß eine großzügige Ungeziefervernichtung im Gange ist.« 1

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

[Pause] Ich muß wiederholen, daß der Herr Jurasek die Frage stellte: »Da ist wohl eine Großaktion im Gange?«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Und diese Frage hat Klehr kopfnickend bejaht.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er nicht von einer »Ungeziefervernichtungsaktion« gesprochen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das kann ich nicht sagen. Das kann ich heute nicht sagen. Es ist möglich, daß er das gesagt hat. Aber das kann ich wirklich heute nicht wiederholen.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben wörtlich geschrieben: »Klehr lächelte vor sich hin und bestätigte die Frage Juraseks mit den Worten, daß eine großzügige Ungeziefervernichtung im Gange ist. Und tatsächlich setzte schon an diesem Tag eine Großaktion ein.« 2 Wie soll ich das verstehen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To mialem na mysli, ze oczywiscie od tego czasu mialy miejsce wielkie zagazowania przybylych.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, er hatte das gemeint, daß tatsächlich von diesem Zeitpunkt an die großen Vergasungen stattfinden werden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest. Tak. Tak jest.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich muß Sie deshalb sehr genau danach fragen, weil der Angeklagte Klehr uns gegenüber behauptet hat, er sei niemals an irgendwelchen Menschenvergasungen beteiligt gewesen, sondern er sei lediglich Desinfektor gewesen und habe nur Kleider und Räume entwest.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja nigdy nie widzialem Klehra przy gazowaniu ludzi.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe Klehr niemals bei den Menschenvergasungen gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wiec tego nie moge powiedziec.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also kann ich das nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nur deshalb wäre es mir wichtig zu wissen, wenn Sie fortfahren: »Und tatsächlich setzte schon an diesem Tag eine Großaktion ein« 3, was verstehen Sie unter dieser »Großaktion«?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zrozumialem, ze to byla akcja gazowania.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe verstanden, daß es sich um die Vergasungsaktion handelt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ze to ten »Ungeziefer«, wiec to robactwo, to byli wlasciwie Zydzi wegierscy, którzy wtedy w ten sposób byli tyt ulowani.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe das so verstanden, daß unter dem Wort »Ungeziefer« die Juden gemeint werden, die mit diesem Wort eben benannt wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Und wenn Sie fortfahren: »Und an diesem Tag setzte tatsächlich eine Großaktion ein«, verstehen Sie darunter auch eine »Großaktion« der Vernichtung von Menschen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Haben denn diese beiden Männer diese Unterhaltung in Ihrer Gegenwart geführt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, das war im allgemeinen weder üblich, noch war es ungefährlich für den Häftling, der das mitanhörte.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Rozumiem, ale sprawa byla taka. Rozmawiali ci panowie w odleglosci okolo czterech metrów ode mnie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich verstehe, das ist auch so. Aber die Herren haben in einer Entfernung von etwa vier Metern von mir gesprochen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale ja to slyszalem, tak jak ja to podalem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich habe das gehört, so wie ich es angegeben habe.

 

Vorsitzender Richter:

Hat man Sie nicht gefragt, ob Sie das gehört hätten oder was Sie hier rumstünden und so weiter?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nikt mnie sie nie pytal o to, dlatego ze przedtem

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Niemand hat mich danach gefragt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Widzieli, ze jestem tam zajety w poprzedniej oczywiscie, w poprzedniej czesci piwnicy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar weil sie ja vorher gesehen haben, daß ich dort im Vorderteil des Kellers beschäftigt bin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und warum glauben Sie, daß man Sie da gar nicht danach gefragt hat? Also wir haben das hier schon öfter gehört, daß dann die Häftlinge angesprochen worden und bedroht worden sind.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja musze powiedziec, ze moze tutaj w tym wypadku zawdzieczam to Juraskowi.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich muß sagen, daß ich das in diesem Fall vielleicht dem Jurasek verdanke.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mial do mnie wielkie zaufanie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hatte großes Vertrauen mir gegenüber.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

On jest z zawodu drogista.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er ist von Beruf Drogist.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak samo jak i ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Genau wie ich.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I darzyl mnie rzeczywiscie no, jak to powiedziec?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sympatia.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Sympatia, tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er zeigte mir gegenüber Sympathie.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sehr intelligent war er wohl nicht, der Jurasek?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Byl mlodym czlowiekiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er war ein junger Mensch.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja go oceniam, ocenialem wtedy na 20, 22, 23 lata.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich schätzte ihn damals auf 20, 22, vielleicht 23 Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Sie hatten damals noch eine Schilderung gegeben, die aber hier nicht sehr wichtig ist. Wegen dieser Frontverkürzung, die er für einen großen Schachzug gehalten hat. Und Sie haben ihn darüber aufgeklärt, daß das gar nicht so günstig sei, wie das im ersten Augenblick aussehe. Haben Sie bei dieser Gelegenheit auch den Apotheker Doktor Capesius kennengelernt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und war Doktor Capesius in dieser Zeit der Leiter der Apotheke?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Das war also in den Jahren?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

W 44 roku.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

44.

 

Vorsitzender Richter:

Kleinen Moment, Herr Prokop. [Pause] Das war 44. Und hatten Sie mit dem Doktor Capesius näher zu tun?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatten Sie mit ihm zu tun? Und was haben Sie mit ihm erlebt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Capesius, kiedy go po raz pierwszy widzialem, zrobil na mnie wrazenie czlowieka.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als ich Capesius zum ersten Mal sah, hat er auf mich den Eindruck eines Menschen gemacht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak, dla którego [wiezien jest] tylko numerkiem. Przeznaczonym.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar in anderem Sinne. Ich habe in ihm einen Menschen gesehen, für den ein Häftling nichts anderes als eine Nummer war.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Die einzig und allein dazu bestimmt war, eines Tages ausgelöscht zu werden.

 

Vorsitzender Richter:

Und woraus haben Sie sich dieses Urteil gebildet?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jednego pieknego dnia potwierdzil mi to moje, oczywiscie, przypuszczenie osobiscie przez to, ze grozil mi smiercia.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eines Tages bestätigte er meinen ursprünglichen Eindruck über ihn dadurch, daß er mir mit dem Tod drohte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und zwar in welcher Beziehung und bei welcher Gelegenheit?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, jednego pieknego dnia bylo glosno pomiedzy nami w komando, ze szef, doktor Capesius udal sie na rampe do Brzezinek.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eines Tages wurde in unserem Kommando bekannt, daß der Chef, also Doktor Capesius, sich auf die Rampe nach Birkenau begab.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Po to rzekomo, zeby tam na miejscu zabezpieczyc przydzial medykamentów w

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Um dort angeblich die Zuteilung von Medikamenten sicherzustellen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Für die SS-Apotheke. — I rzeczywiscie, cos dwie godziny pózniej przyjechal doktor Capesius autem i przywiózl ze soba rózne walizki i kufry, torby, torebki i wydal polecenie, zeby to auto natychmiast wypakowac i czym predzej wyniesc na strych.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Na strych?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wirklich, zwei Stunden später kam Doktor Capesius zurück und brachte verschiedene Koffer, Taschen und Täschchen mit. Er befahl uns, den Wagen sofort auszuladen und alles auf den Speicher zu bringen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, auf den Boden zu bringen. — Tam byla pracownia na tym strychu, sortownia, sortowanie oczywiscie

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort auf dem Boden befand sich so eine Werkstatt, so eine Sortierstube.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Która ja kierowalem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und die wurde von mir geleitet.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I rzeczywiscie naturalnie w tej chwili, jak po wypakowaniu wynieslismy, biegiem »Marsz, marsz!« wszystkie te rzeczy na góre, na strych. I to tak szlo w góre i na dól, w góre i na dól, az zesmy wszystkie te walizki, nieprawdaz, tam wniesli.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Tatsächlich im Laufschritt marsch, marsch! luden wir alles aus und brachten das schnell nach oben. Das ging alles in einem sehr schnellen Tempo: rauf, runter, rauf, runter.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Dostalismy polecenie, raczej ja, zeby ustawic te walizki osobno od innych walizek, które wlasciwie dostawalismy w przydziale z »Kanady«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir bekamen dann einen Befehl, also ich eigentlich bekam einen Befehl, diese Koffer abseits zu stellen, nicht mit den Koffern zusammen, die wir aus dem Kommando »Kanada« erhielten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ledwo wlasciwie bylem, bylismy z ta czynnoscia gotowi, to juz tez byl i Capesius u góry, azeby osobiscie dobrac sie do wypakowania tych kufrów.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sobald wir mit dieser Arbeit fertig waren, erschien Capesius oben, um beim Auspacken dieser Koffer dabeizusein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest. I dobral sie [najpierw] do jednej wielkiej skrzyni transportowej – Kofferkiste bym to nazwal po niemiecku.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er begann sich an eine große Kiste – ich würde das Kofferkiste nennen – heranzumachen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Otw orzyl.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er öffnete sie.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I ja widzialem, ze skrzynia ta byla pelna pieknie ulozonych medykamentów.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich habe gesehen, daß diese Kiste mit wunderbar ordnungsgemäß...

 

Vorsitzender Richter:

Sortierten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Verteilten und sortierten Medikamenten gefüllt war.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. Wiec pomyslalem sobie, no, to naprawde tutaj jest cala apteka w tej skrzyni.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe mir damals gedacht: Wirklich, da ist eine ganze Apotheke drin in der Kiste.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. Te rzeczy wypakowywal, a mysmy je musieli znowu znosic ze strychu na dól do magazynu SS, który sie znajdowal obok pracowni naszej häftlingows kej na parterze, naprzeciw apteki.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er packte alles aus, und wir mußten die Medikamente in das SS-Magazin bringen. Das befand sich neben unserem Häftlingsmagazin unten im Erdgeschoß.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, Parterre.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Parterre ist Erdgeschoß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Parterre.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ist erster Stock.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, jest gut, dobrze. Tak.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da haben Sie also die Kiste ausgeladen.

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Na, erster Stock. — Na pierwszym pietrze czy na parterze, prosze pana?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Na parterze do stu diablów!

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Parter to jest po niemiecku Erdgeschoß.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ach so. — Ja wciaz rozumiem erster Stock.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie. Erdgeschoß, dobrze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Zeuge hat sich geirrt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

No, w porzadku, dobrze, dobrze.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also Sie haben die Kiste ausgeladen und haben den Inhalt in die SS-Apotheke im Parterre gebracht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wiec tak, to mysmy te rzeczy tam oczywiscie, nieprawdaz, do magazynu je zlozyli, gdzie mielismy polecenie, je znowu osobno, oddzielnie ustawic do regalu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir brachten also alle diese Medikamente ins SS-Lager. Und wir bekamen dann wieder eine Anweisung, sie alle genau in die Regale zu sortieren.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, nie, moja piekna pani. — Nein, wir bekamen die Anweisung, die Medikamente gesondert von anderen Medikamenten abseits ins Regal zu stellen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Abseits und gesondert?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, abseits und gesondert. [...] Das heißt, nicht mit den anderen Medikamenten der SS-Apotheke, die sich in diesem Raum befanden, zusammen. Damit sie nicht zusammengemischt werden. Also abseits und gesondert.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatten die für ein Schicksal, diese Medikamente?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie moge powiedziec.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das kann ich nicht sagen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was war der Grund, weshalb Sie diese Medikamente abseits aufbewahren sollten?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tez nie wiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das weiß ich auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, was war sonst in den Koffern drin?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wiec, to byla ta pierwsza walizka, ta skrzynia.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war also der erste Koffer, diese Kiste.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale teraz przyszla kolej na walizy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann kamen der Reihe nach Koffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Lederkoffer.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Lederkoffer waren das.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Byly dwie przesliczne, skórzane, nowiusienkie walizy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das waren zwei wunderschöne neue Lederkoffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Które wylozyl sobie Capesius na ta skrzynie, na wierzchu tej skrzyni, prózne juz, nieprawdaz.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Koffer, bereits entleert, legte Capesius oben auf die Kiste.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I otworzyl jedna, pierwsza walizke.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

To znaczy, ze kufry te nie byly puste?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, te kufry nie byly puste, tylko ta skrzynia byla pusta.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also die Kiste war ja schon leer, und auf den Deckel oben stellte er diese Koffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

So wie auf den Tisch sozusagen, nicht wahr.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er öffnete sie.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Öffnete sie. Und zu meinem Erstaunen, — to widzialem wlasciwie, ze tam nie ma zadnych medykamentów, a sa pierwszorzedne ubrania. Nowiusi enkie ubrania.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zu meinem Erstaunen sah ich, daß in diesen Koffern sich keine Medikamente befinden, sondern erstklassige neue Anzüge.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Capesius wyciagal marynarke, ogladal ze wszystkich stron z zadowolona mina, wyciagal kamizelki i spodnie. Wszystko pieknie ogladal, no i ukladal znowu szybko, raczej na boku i wtedy

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Capesius [nahm] dann die Jacke, schaute sie mit hochzufriedenem Gesicht an, dann wieder die Westen und die Hose. Und das alles legte er abseits mit zufriedenem Gesicht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zlozyl to znowu pieknie razem i wlozyl znowu z powrotem do walizki.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er legte das alles schön zusammen und tat das Ganze wieder zurück in den Koffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Druga walizka zawierala bielizne, buciki i takie wlasciwie, nieprawdaz, przybory, ale zadna równiez medykamentów nie zawierala.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der zweite Koffer enthielt Wäsche, Schuhwerk und andere Sachen. Aber es waren keine Medikamente darin.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest. I nic wlasciwie, które by interesowalo faktycznie apteke SS.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und nichts, was tatsächlich die SS-Apotheke hätte interessieren können.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja musialem, naturalnie ja to widzialem, pracujac, ale kiedy, dlatego, dzialo sie to w odleglosci trzech metrów najwyzej ode mnie. Widzialem to oczywiscie, no, i bylem zdziwiony i moja mina byla oczywiscie troszeczke moze glupia, nie moge za to, ze tak bylo.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe das alles gesehen, weil ich doch in einer Entfernung von drei Metern etwa dort gearbeitet habe. Mein Miene, mein Gesicht dabei war erstaunt, und etwas dumm habe ich geguckt. Ich konnte ja nichts dafür, daß ich so geschaut habe.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To zauwazyl Capesius.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das hat Capesius bemerkt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I zupelnie niespodziewanie zwraca sie do mnie slowami – ja cytuje to po niemiecku:

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Völlig unerwartet wandte er sich an mich und sprach mich mit folgenden Worten an. Ich werde das jetzt in deutsch zitieren.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»Prokop, Sie wissen, wozu Sie da sind. Eher oder später sind Sie ein Kandidat des Todes. In Ihrer Hand liegt es, wann dieser Augenblick eintritt. In Ihrem Interesse liegt es, diesen Zeitpunkt soweit wie möglich hinauszuziehen. Sollten Sie jedoch etwas gesehen oder bemerkt haben und darüber ein Wort irgend jemand gegenüber äußern, so kann dieser Augenblick eher eintreten, als es Ihnen recht ist oder als Sie vermuten.«— Tak, ja mu na to odpowiedzialem. Wiec, tak konczyl z tymi slowami.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er endete damit:

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»Ich hoffe, Sie haben mich richtig verstanden.«— No, ja go zrozumialem bardzo dobrze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihn sehr gut verstanden.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, Herr Doktor Capesius, das ist eigentlich gar keine Veranlassung zum Lachen. Was der Zeuge hier sagt, ist ja doch, wie er vorhin mit Recht gesagt hat, eine Todesdrohung gewesen, nicht. Nun, weiter.

 

Verteidiger Laternser:

Oder eine Warnung zur Vorsicht, Herr Vorsitzender, wenn Sie diese Bemerkung machen. Das weiß man noch nicht, die Auslegung.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. [...] Das wird sich ja dann noch finden. Sie haben eben gesagt, Herr Zeuge, sie haben ihn sehr gut verstanden. Und zwar war der letzte Satz: »Sollten Sie etwas darüber verlauten lassen«

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

»So kann das eher eintreten als Sie vermuten.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was haben Sie darunter verstanden, was da eher eintreten konnte?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Kugel in den Kopf, Gas oder auf eine andere Art und Weise.

 

Vorsitzender Richter:

Also jedenfalls, daß Sie sterben müßten, nicht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Daß ich dann eben, wie gesagt, sterben müßte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Der Zeuge müßte eventuell entfernt werden, unschädlich gemacht werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, das war diese Angelegenheit. Nun sagen Sie bitte mal, was geschah denn mit diesen Sachen, die da alle herbeigeschleppt worden sind?

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, entschuldigen Sie, wenn ich unterbreche. Ich weiß nicht, ob Ihnen auch die richterliche Vernehmung des Zeugen vorliegt. Die ist in der Anklageschrift aus irgendeinem Grund nicht aufgeführt. Auf Blatt 13.900.4

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Was geschah denn mit diesen Sachen nachher?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Capesius kontrollierte noch schnell, aber weiter oberflächlich die weiteren Koffer und so weiter, die nichts Besonderes enthielten: ebenfalls Kleider, einige Medikamente, einige Instrumente und so weiter, aber nichts von besonderem Wert. Ich sah darin auch Uhren und dergleichen. Aber ich schaute ja gar nicht mehr hin. Ich wollte ja auch gar nichts mehr sehen, nachdem ich diese Worte von seiten Capesius vernommen habe. — Ale najwazniejsze jest to, ze oczywiscie na pytanie sedziego odpowiadam, ze te dwie walizki zamknal Capesius z tymi ubraniami i tak dalej, kluczami i kazal mi je odstawic w takie miejsce, zeby gdyby ktos przyszedl na strych, zaraz nie wpadly mu w oczy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das Wichtigste dabei ist, und hier antworte ich auf die Frage des Vorsitzenden, daß Capesius die beiden Koffer abgeschlossen hat und mir den Befehl gab, diese beiden Koffer so zu stellen, daß sie jemand, der auf den Boden kommt, nicht sofort vor die Augen kommen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah mit den Koffern?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Die waren am nächsten Tag bereits verschwunden. — Ale przedtem jeszcze musze podac, ze Capesius kazal sobie wskazac miejsce, gdzie je dalem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vorher muß ich ja noch sagen, Capesius ließ mich zeigen, wohin ich diese beiden Koffer gestellt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I wypróbowal to miejsce.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er hat dann diese Stelle genehmigt, für gut geheißen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale zdziwilo mnie to, ze mial klucze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Was mich verwunderte, war die Tatsache, daß er die Schlüssel hatte.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I to od tej skrzyni drewnianej, Kofferkiste, jak równiez do obu dwóch tych walizek skórzanych.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar sowohl für diese Kiste, von der ich vorher sprach, als auch für die beiden Lederkoffer.

 

Vorsitzender Richter:

Na, die Kiste war ja leer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Vorher, als die Kiste noch voll war. — Otworzyl ta skrzynie za pomoca kluczy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hat die Kiste mit Hilfe eines Schlüssels geöffnet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

On mial cala wiazke.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hatte einen ganzen Schlüsselbund.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale tez byly tam tylko te klucze [+ do] tych dwóch walizek i tej skrzyni.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dort waren eben Schlüssel für diese eine Kiste und für die beiden Koffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I dlatego wywnioskowalem, ze nalezal do jednego wspólnego bylego wlasciciela.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und daraus konnte ich den Schluß ziehen, daß diese drei Sachen einem Besitzer gehörten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Z którym sie musial Cypesius skontaktowac.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und mit diesem Besitzer mußte Capesius doch in Verbindung gestanden sein.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

In Verbindung getreten sein. — Nieprawda, — auf der Rampe. — Tak, przy odebraniu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zusammenkommen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, zusammengekommen sein und mit ihm gesprochen haben und die Schlüssel abgeholt haben und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie bitte, vorhin haben Sie bei Ihrer Aussage erwähnt, daß diese Koffer und Kisten abseits gestellt werden sollten von den Gepäckstücken, die Ihnen von dem Kommando »Kanada« geliefert worden seien.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist uns ja nun mittlerweile im Laufe des Verfahrens auch bekanntgeworden, daß die Medikamente, die von Ärzten und sonstigem Sanitätspersonal mitgebracht worden waren auf die Rampe, in »Kanada« aussortiert und dann der SS-Apotheke zur Verfügung gestellt wurden, soweit nicht die Häftlinge untereinander das organisiert haben. Nun hat uns aber der Doktor Capesius gesagt, er hätte selbst auf die Rampe fahren müssen, um dort diese Medikamente und diese Sachen, also dieses Gepäck des Sanitätspersonals, zu holen und auf Arzneimittel und so weiter hin zu untersuchen. Haben Sie mich verstanden, was ich gesagt habe?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja. — I ja nie bylem nigdy na rampie. I nigdy nie widzialem tam czynnosci Capesiusa.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war selbst nie auf der Rampe. Und ich habe auch dort niemals die Tätigkeit des Doktor Capesius gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Otrzymalismy tylko oczywiscie z »Kanady« porozbijane, otwarte walizy, prawda. Zadna nie byla zamknieta.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir erhielten von dem Kommando »Kanada« die bereits geöffneten, aufgeschlossenen Koffer. Kein Koffer davon war jemals geschlossen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, alle waren aufgerissen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Die von »Kanada« kamen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und waren in den Koffern, die von »Kanada« kamen, nur Medikamente oder auch andere Sachen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Byly przede wszystkim medykamenty, ale byly i opatrunki, wata.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hauptsächlich gab es Medikamente dort. Aber es waren auch Verbandszeug und Watte dabei.

 

Vorsitzender Richter:

Und kam das öfter vor, daß Doktor Capesius auf die Rampe fuhr, um dort derartige Koffer zu holen und auf den Boden hinaufschaffen zu lassen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, jeden, jedyny raz zauwazylem ten transport, który sam do góry wynosilem. To byl transport autem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein. Ich habe nur ein einziges Mal so einen Transport von Sachen mit dem Auto beobachten können, wobei ich ja selbst diese Sachen nach oben geschafft habe.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale teraz oczywiscie nie moge powiedziec, ile razy Capesius byl tam.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jetzt kann ich natürlich nicht sagen, wie oft Capesius dort gewesen ist.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak, bo nie widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil ich das nicht gesehen habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dieses eine Mal haben Sie selbst gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, haben Sie auch erlebt, daß Doktor Capesius irgendwelche Goldzahnarbeiten oder Goldzähne oder Brücken oder so irgend etwas verwaltet, in Besitz gehabt oder sortiert hat?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

[Pause] To jest najwstretniejszy moment, który tutaj zmuszony jestem poruszyc.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist der widerlichste Augenblick, von dem ich gezwungen bin, jetzt zu berichten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jednego pieknego dnia przyszedl Capesius do góry na strych celem przeprowadzenia inspekcji na strychu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eines schönen Tages kam Capesius oben auf den Boden, um eine Inspektion durchzuführen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja mialem obowiazek oprowadzic go po calym strychu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hatte die Aufgabe, ihn überall auf dem Boden herumzuführen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Pokazac mu wszystko, co do apteki nalezy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ihm alles, was zur Apotheke gehört, zu zeigen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Pokazywalem mu poza tym wszystkie bandaze, opatrunki, lignine.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihm also alles gezeigt: das Verbandszeug, die Watte.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Bo to przede wszystkim, oczywiscie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil das hauptsächlich dort war.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, i potem te walizki z tymi medykamentami naturalnie, to sobie prosze wyobrazic, nie tylko medykamenty, to tez byly i smieci w tym, rozpoczete

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und auch die Koffer mit den Medikamenten. Aber bitte denken Sie nicht, daß das alles Medikamente waren. Es war auch furchtbar viel Lumpenzeug dabei.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, i wlasciwie kiedy go oprowadzilem po calym strychu, kiedy juz wracamy z powrotem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihn also durch den ganzen Boden geführt. Und als wir zurückgingen

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zauwazyl Capesius po prawej stronie tego st rychu, no, kufry.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bemerkte Capesius auf der rechten Seite dieses Bodens Koffer

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przepelnione szczekami, zebami, protezami.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die mit Prothesen, Zähnen, Kiefern gefüllt waren.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Kiefern, einzelnen Zähnen, — to znaczy z korzeniami, — Kiefer, ja, doch. — Dobre.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einzelne Zähnen mit...

 

Vorsitzender Richter:

Platten und

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Mit Wurzeln.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, mit Wurzeln zum Beispiel.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit Wurzeln, die noch gefüllt waren.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Na tym wszystkim znajdowaly sie jeszcze oczywiscie i kosci kostne, nastepnie dziasla.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dabei waren noch Kieferstücke und Knochensplitter zu sehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Dziasla. — Also dieses – wie nennt man das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zahnfleisch.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To wszystko przeszlo i przechodzilo w rozklad, smierdzialo to okropnie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und das alles war bereits im Verwesungszustand, und es stank fürchterlich.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. Zawsze mijalem to jak najdalej.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich machte immer einen großen Bogen darum.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tam bylo kufrów, walizek, plus minus, ja tego nigdy nie liczylem, ale najmniej 50, a nawet jeszcze i 80, 100.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe diese Koffer niemals gezählt. Aber es waren ja mindestens 50, 60 bis 100 solche Koffer.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Kufry byly otwarte.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die waren geöffnet.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Byl to makabryczny widok.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein makabrer Anblick.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zapytal sie mnie Capesius, co to jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Capesius fragte mich: »Was ist das?«

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Powiedzialem mu, ze to nie nalezy do nas. A nalezy raczej do Zahnrevier.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe geantwortet: »Das gehört eigentlich nicht zu uns, sondern zum Zahnrevier.«

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale Capesius zrobil w prawo zwrot, podszedl do tych kufrów.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Capesius kehrte dann nach rechts um, ging auf diese Koffer zu.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Poszedl, przysiadl przy jednym, przy jednej walizce i zaczal wlasnymi rekami grzebac w tych smierdzacych zebach.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hockte sich daneben und fing mit den eigenen Händen an, in diesen stinkenden Zähnen herumzuwühlen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wyciagnal jedna proteze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er zog eine Prothese heraus.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Trzymal ja przed swoimi oczami, szacujac wartosc tej protezy.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hielt sie eine Weile vor seinen Augen und schätzte ab, wieviel sie wert sei.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A ja ucieklem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich, ich bin davongelaufen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja tego nie moglem wytrzymac.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich konnte das nicht aushalten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przeszlo moje nerwy. Nie liczylem sie z tym, co bedzie, ze poszedlem, ale

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das [ging] über meine Kräfte. Ich habe nicht mehr beachtet, was mit mir weiter geschieht. Ich ging fort.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja wtedy oczywiscie, nieprawdaz, czulem, ze nie mam juz czlowieka przed soba.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe damals gefühlt, daß ich keinen Menschen mehr vor mir sehe. [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tylko oczywiscie, wszystko, tylko nie czlowieka. Tak czulem sie zdeprawowany jako czlowiek.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nur irgend jemanden, aber nicht einen Menschen habe ich dann in ihm gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I wtedy tez oczywiscie zdeprawowany i zniewazony jako byly zolnierz

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich fühlte mich so erniedrigt und beleidigt als ehemaliger Soldat.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Und als Mensch entwürdigt. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah mit diesen Koffern?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich beobachtete die Koffer, denen ich früher keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, nachher tagtäglich. Und mußte feststellen, daß der Inhalt dieser Koffer täglich kleiner wurde, abnahm. — No, powiedzialem juz wlasciwie kto sie tymi kuframi zainteresowal, ale widziec go, nie widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe doch eigentlich schon gesagt, wer sich für diese Koffer interessierte. Ich habe nun nichts mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. Sagen Sie bitte, noch folgende Fragen: Zunächst einmal haben Sie vorhin gesagt, Doktor Capesius sei mit dem Wagen von der Rampe Birkenau gekommen. Mit was für einem Wagen ist er da gekommen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ein Lieferwagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Lieferwagen, nicht etwa ein Sanka?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jaki?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sanitarka.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, das war kein

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Kein Sanitätswagen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Es war ein Lieferwagen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Lieferwagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie haben nur das eine Mal beobachtet. Ob er also mehrmals hinausgefahren ist auf die Rampe, das wissen Sie nicht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie etwas darüber sagen hören, oder haben Sie dann öfter Koffer gesehen, die oben auf dem Boden standen, die auch abseits aufbewahrt werden mußten?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie. Nie zauwazylem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe nichts gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mnie sie zdaje, ze ten incydent, który sie zdarzyl miedzy nami, to byl moze powodem, ze wyszukal sobie na przyszlosc Capesius inne lokum na to.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin der Meinung, daß dieser Vorfall, der zwischen uns beiden stattfand, Capesius beeinflußte, einen anderen...

 

Vorsitzender Richter:

Einen anderen Weg zu suchen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Versteck, eine andere Stelle zu finden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, er hatte doch Stellen genug. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Wie, er hatte?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hatte doch Plätze genug gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Plätze genug gehabt. Sie haben bei Ihrer richterlichen Vernehmung einmal die Anzahl dieser Koffer mit 30 bis 40 angegeben. In Ihrem Schreiben haben Sie allerdings gesagt: »Er durchkramte die auf dem Boden unseres Arbeitsplatzes befindlichen zumindest 50 bis 100 Koffer voll stinkender Zähne.« 5 Sie haben heute auch gesprochen von 40 bis 50 bis 100.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Ihrer richterlichen Vernehmung in Schlesien, in Wodzislaw, haben Sie ausgesagt: »In einem Raum erblickte ich etwa 25 bis 40 verschiedene Koffer mit Tausenden von herausgerissenen einzelnen Zähnen und ganzen Prothesen.« 6 Damals haben Sie 25 bis 40 Koffer gesagt. Heute sagen Sie 50 bis 100.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das ist damit erklärlich, daß der Bodenraum ziemlich lang war. Und wenn man einen Teil des Bodens berücksichtigt, so können in einem Teil 30, 50 Koffer vorliegen und dahinter weitere, aber die ganze linke Seite des Bodens, des halben Gebäudes war ja mit diesen Koffern vollgefüllt. Aber ich habe mir nie die Mühe [gemacht], festzustellen, wieviel. Jedenfalls waren da Zehntausende von Zahnbrücken und Prothesen und so weiter in den Koffern enthalten.

 

Vorsitzender Richter:

Nun weiterhin, wie lange standen denn diese Koffer schon dort? Und wußten Sie, daß die dort standen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przez caly czas jak tam bylem, staly tam.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ganze Zeit lang, während ich mich dort befand.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben einmal gesagt: »In einem Raum erblickte ich etwa 25 bis 40 verschiedene Koffer mit Tausenden von herausgerissenen Zähnen und ganzen Prothesen.« Das hat sich so angehört, als ob Sie da selbst erst zufällig drauf gestoßen wären. »Ja, selbst die zu den Vergasungen herausgerissenen Zähne« und so weiter, »Gebisse, umgeben mit verwesendem Zahnfleisch, interessierten ihn. Er durchkramte die auf dem Boden unseres Arbeitsplatzes befindlichen« und so weiter. Also Sie wußten, daß die Koffer dort standen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und Sie hatten dem Doktor Capesius gegenüber gesagt: Das sind Koffer, die die Zahnstation beziehungsweise das Zahnrevier angehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat sie denn bei Ihnen hingestellt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie widzialem. [One] staly [+ juz] tam.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Te juz tam staly. — Die waren bereits dort, als ich hinkam. Und neue Koffer mit Zahnprothesen wurden nicht zugetragen, habe ich nicht mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie nicht mehr gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nicht mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Obwohl doch in der damaligen Zeit, als Sie dort waren, Massentransporte kamen und auch Massenvergasungen vorgenommen wurden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl, aber da wurden keine Zähne mehr zu uns hinaufgeschafft.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr zu Ihnen hinaufgeschafft.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hatte denn die Herrschaft über diese Koffer? Wer hatte denn zu befehlen, was damit zu geschehen hatte?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Moim zdaniem, podlegalo to tym dentystom na rewirze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Meiner Meinung nach [oblag] das den Zahnärzten auf dem Revier.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wenn nun dauernd weniger wurde aus diesen Koffern, wer hatte denn das zu verantworten? Waren Sie nicht dafür verantwortlich?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, ale m ozna by bylo ewentualnie pociagnac mnie za to, ewentualnie, do odpowiedzialnosci.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, aber man konnte mich natürlich auch dafür zur Verantwortung ziehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Es war doch so: Wir wissen, daß sehr viele Wertgegenstände in dem Lager hin und her geschoben worden sind von Häftlingen und von anderen Leuten und so weiter. Und jeder hatte ein Interesse, in den Besitz solcher Gegenstände zu kommen, weil er damit unter Umständen sein Leben etwas erleichtern konnte. Wenn nun diese Gegenstände gestohlen worden wären – will ich mal sagen – von anderen Häftlingen, dann hätte man das doch unter Umständen Ihnen in die Schuhe schieben können und hätte Sie dafür verantwortlich machen können.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak, slusznie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie es denn dann nicht einmal für nötig befunden, da mal ein besonderes Auge drauf zu halten und zu wissen, wer stiehlt hier eigentlich?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, nie interesowalo mnie to.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das interessierte mich nicht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A zreszta Wysoki Sadzie. Ja nie wierzylem w to, ze kiedykolwiek opuszcze Oswiecim.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Übrigens, bitte, ich habe niemals geglaubt, daß ich jemals Auschwitz verlassen werde.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A zatem, po co mnie »organizowanie« jakichkolwiek wartosci.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und aus diesem Grunde, wozu sollte ich mir irgendwelche Wertgegenstände »organisieren«?

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Ich habe nicht behauptet, daß Sie sich die »organisiert« hätten. Aber daß Sie verantwortlich gemacht werden würden, daß man Sie eines Tages unter Umständen umbringen würde mit der Begründung, Sie hätten sich hier bereichert und hätten gestohlen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No tak, Wysoki Sadzie, jeden dzien wczesniej czy pózniej wisiec, to jest obojetne.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einen Tag früher, einen Tag später aufgehängt werden, das ist schon gleichgültig.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A powód...

 

Vorsitzender Richter:

Na?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich habe es nicht geglaubt, daß ich jemals lebendig Auschwitz verlassen werde.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Und das war auch die Ansicht meiner Vorgesetzten: »Sie wissen, wozu Sie da sind. Eher oder später sind Sie ein Kandidat des Todes.« Das war nichts Neues und [hatte] auf mich auch gar keine Wirkung. Ich wußte, daß ich Auschwitz lebendig nicht verlassen werde. Aber Gott, es sollte eben sein, daß ich es verlassen habe, daß ich lebendig aus dem

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sagen Sie bitte, war der Doktor Capesius schon dort Apotheker, als Sie hingekommen sind?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wer war denn dort?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Apotheker war Doktor Krömer.

 

Vorsitzender Richter:

Doktor Krömer, ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Hauptsturmführer, wohnhaft in Oppeln. Der ist dort im Frühjahr, glaube ich, im Februar, oder so ungefähr, 44 verstorben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Und an seiner Stelle übernahm die Apotheke nachher Doktor Capesius.

 

Vorsitzender Richter:

Von Medikamenten, die herausgegeben worden sind, wissen Sie wohl nichts? Das war nicht in Ihrem Ressort?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich habe zweimal im Monat für das Hauptlager, öfter, fast täglich, kleinere Partien für die Nebenläger Medikamente zusammengestellt. Ich bitte, unter dem Wort Medikamente nicht das zu verstehen, was man gewöhnlich unter Medikamenten versteht. Bitte, sich das vorzustellen, daß wir in diesen Koffern allen möglichen Kram bekamen und erst mal feststellen mußten, was da eigentlich drin ist. — Mysmy mieli nakaz i rozkaz, jezeli jest jakis cenny medykament, czy tabletki chininowe, czy tam atebryne, czy tam jakies zastrzyki i tak dalej, odkladac osobno dla apteki SS.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben den Befehl gehabt, wenn wir unter diesen Medikamenten etwas Seltenes finden

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Wertvolles.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Atebrin, Chinin oder irgendwelche Spritzen, sollen wir das zur Seite legen und für die SS-Apotheke bereithalten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mysmy musieli uzupelniac medykamenty. Na przyklad byla plasmofina czy chinina i tak dalej. W jednej rolce oryginalnie bylo szesc, siedem tabletek. To musielismy z innej paczki, albo innej rurki, gdzie znowu znajdowaly sie, kilka tam tabletek uzupelnic.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir mußten oft die Medikamente ergänzen. Wenn wir zum Beispiel ein Röhrchen gefunden haben mit Chinin, und da waren sechs Stück drin, da mußten wir im anderen Koffer unter anderen Medikamenten wieder die restlichen Pillen suchen und das zusammentun, damit das Röhrchen voll ist.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak. A jak te medykamenty byly w ten sposób przygotowane, poszly potem do apteki SS. A za tym nie dla wiezniów.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und sobald diese Medikamente also auf diese Weise vorbereitet waren, da gingen sie in die SS-Apotheke. Also nicht für die Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dann hätte ich noch eine Frage: Wie ist es denn mit Phenol gewesen? War das dort auch verwahrt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Fenol znajdowal sie w róznych miejscach.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Phenol befand sich an verschiedenen Stellen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja widzialem, kiedy fenol zostal wydawany Klehrowi, który czekal w korytarzu z magazynu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gesehen, wie Phenol dem Klehr, der auf dem Korridor gewartet hat, ausgehändigt wurde aus dem Magazin.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Der SS-Apotheke. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aus dem Magazin der SS-Apotheke.

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

In der SS-Apotheke.

 

Vorsitzender Richter:

Das wurde wem ausgehändigt? [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Dem Klehr.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gesehen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wann das war?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

44, April, Mai, so in dieser Zeit.

 

Vorsitzender Richter:

44 oder 43?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, 44. 43 war ich noch gar nicht im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Moment. [Pause] Sie sind im Juli 43 gekommen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Also wir haben bisher gehört, daß Klehr ab Frühjahr 43 spätestens als SDG, Sanitätsdienstgrad, ausgeschieden sein soll und daß er von dieser Zeit ab nur noch als Desinfektor tätig gewesen sein soll.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie wiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie wollen sagen, Sie haben bestimmt gesehen, wie dem Klehr in der SS-Apotheke Phenol ausgehändigt worden ist?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, Klehra znam osobiscie, to znaczy dostalem

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kenne doch Klehr persönlich.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. Dieses Phenol wurde in der SS-Apotheke aufbewahrt, sagen Sie?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Magazin.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie war es nun mit dem Doktor Capesius? Wußte der von dieser Verwahrung Bescheid?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Naturalnie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Natürlich.

 

Vorsitzender Richter:

Und woher wußten Sie, was mit dem Phenol geschah und wozu man es gebrauchte?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To juz nie bylem swiadkiem. Ale wiedzialem, to znaczy co do uzywania i zastosowania tego fenolu, bo do celów dezynfekcyjnych na pewno nie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war ja nicht Zeuge dessen, was man mit dem Phenol gemacht hat, also wie es gebraucht wurde. Daß das Phenol nicht für Desinfektionszwecke genommen wurde, das war bekannt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale moze tez byc, ze, prawda, czesc fenolu zostala uzyta i na tym Krankenbau do przygotowania dajmy na to wody korbolowej, albo czegos, do przygotowania jakis

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist aber möglich, daß ein Teil von Phenol auch auf den Krankenbau gebracht wurde, um irgendwie eine Lösung damit vorzubereiten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Karbolwasser. Karbolwasser oder so was Ähnliches. Aber das ist so minimal.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber das war minimal.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe keine Frage mehr an den Zeugen.

 

Richter Perseke:

Ich habe noch eine Frage. War der Boden, wo die Koffer aufbewahrt wurden, abgeschlossen oder nicht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Richter Perseke:

Wer hat den Schlüssel gehabt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

SS-Apotheke, also Doktor Capesius.

 

Richter Perseke:

Doktor Capesius?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja.

 

Richter Perseke:

Und wenn Sie auf den Boden gehen wollten – Sie waren ja verantwortlich für die Ordnung dort –, mußten Sie sich dann den Schlüssel bei Doktor Capesius holen, oder wo?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wir bekamen die Schlüssel von Doktor Capesius, durch den Kalfaktor. Der öffnete den Boden, wir gingen in unseren Arbeitsraum, es wurde wiederum abgeschlossen, und der Schlüssel wurde unten abgegeben. Aber ich möchte bemerken, wir arbeiteten auch im unverschlossenen Raum. Nur während der Mittagszeit wurden wir eingeschlossen. Und die ganze Mittagspause saßen wir hinter Schloß und Riegel sozusagen.

 

Richter Perseke:

Konnten die SS-Zahnärzte auch in diesen Raum rein da oben, oder hätten die sich den Schlüssel auch bei Doktor Capesius holen müssen? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy wchodzili tez tam, czy musieli [+ za] kazdym razem brac klucze od Capesiusa?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przychodzili bardzo rzadko, ale w godzinach, kiedy bylo otwarte.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie kamen sehr selten dahin und in den Stunden, in denen der Boden offenstand.

 

Richter Perseke:

Offen war. Ist Ihnen etwas darüber bekannt, ob es eine Stelle gab, wo Gold eingeschmolzen wurde durch Häftlinge?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To taka skrzynia znajdowala sie na dole w tym pokoju, w sortowni.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So eine Kiste befand sich unten in diesem Sortierraum.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Im Sortierraum unten im Parterre.

 

Richter Perseke:

Ja, von was?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Im Erdgeschoß.

 

Richter Perseke:

Von geschmolzenem Gold oder?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Z czym byla, z czym bylo to?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To wlasciwie byla skrzynia drewniana.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Z czym, z czym, co bylo w srodku w tej skrzyni?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wszystkie wartosciowe przedmioty.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle Wertgegenstände waren drin. [...]

 

Richter Perseke:

Waren in der Kiste?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In der Kiste. Darf ich die Frage in Polnisch bitte wiederholen?

 

Richter Perseke:

Ja, bitte.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy panu jest wiadomym, ze gdzies sie znajdowalo miejsce, pomieszczenie, gdzie wiezniowie plawili zloto z zebów?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Topili, tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

No, tak, czy panu wiadomym jest, gdzie to bylo, [gdzie] to wiezniowie robili?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Niewiadomym mi jest, gdzie to bylo. Slyszalem tylko

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Ze to robili?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ze wlasciwie roztapiali zloto.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gehört, daß das Gold geschmolzen wird. Aber wo die Stelle war, das weiß ich nicht, wo es getan wurde.

 

Richter Perseke:

Nur noch zu dieser Kiste: Wie sah diese Kiste aus? War die abgeschlossen, und wer hatte den Schlüssel?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Doktor Capesius. Das heißt, das kann ich jetzt nicht sagen, Doktor Capesius. Aber seinerzeit habe ich bemerkt, daß Doktor Krömer, der Vorgänger, den Schlüssel hatte und eines Tages öffnete, nicht wahr.

 

Richter Perseke:

Ja.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, das sah ich. Und da Capesius sein Nachfolger ist, nehme ich an, daß die Schlüssel in der SS-Apotheke aufbewahrt waren.

 

Richter Perseke:

Und war da so ein Schlitz, durch den man diese Wertgegenstände hineinwerfen konnte in die

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Es war ungefähr so ein Schlitz, wie man das gewöhnlich bei Kisten sieht, wo man, — jak sie to mówi, zbiera tam jakies ofiary [unverständlich]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So wie man ihn in einer Sammelbüchse hat.

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Wie bei einer Sparkassenbüchse.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, ja, ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sammelbüchse.

 

Richter Perseke:

Sparbüchse.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Aber natürlich war die Kiste ziemlich schön und groß. [...] Und oben war die

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Ist Ihnen etwas bekannt, ob außer im Keller dieses SS-Reviers beziehungsweise der SS-Apotheke auch anderweitig noch das Zyklon B gelagert wurde? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy panu jest wiadomym, ze cyklon B byl przechowany jeszcze w innym miejscu, nie tylko w aptece SS?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mial byc przechowywany w róznych miejscach, bo wiem, ze tam, mielismy tam tez jeszcze w lazni magazyn, ale

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

W lazni?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

W lazni, ale to jest takie — neue...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es hieß, daß das Zyklon B auch an anderen Stellen aufbewahrt wird, zum Beispiel in der Wäscherei.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Waschraum.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, nie. — Im Baderaum. — W lazni.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Baderaum.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, im neuen Baderaum. — A oprócz tego, tez tam jeszcze mial byc, ale ja tego nie widzialem, w starym krematorium.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Angeblich soll es auch im Alten Krematorium gewesen sein. Aber das habe ich nicht gesehen.

 

Richter Perseke:

Also nur vom Hörensagen wissen Sie das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Pan wie tylko ze slyszenia?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja tam widzialem wazeline magazynowana, prawda, w starym krematorium i tak dalej, ale z takich miejsc, to czlowiek chcial sie jak najpredzej wydostac.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ja gesehen, wie man im Alten Krematorium auch Vaseline aufbewahrt hat. Aber von diesen Stellen, da wollte man so schnell wie möglich fort, wenn man dort war.

 

Richter Perseke:

Noch eine letzte Frage. Sie sagten, im Jahre 1944 hätten Sie gesehen, wie dem Klehr das Phenol ausgehändigt worden sei. Wer hat dem Klehr oder irgendeinem anderen das Phenol ausgehändigt?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Doktor Capesius.

 

Richter Perseke:

Doktor Capesius persönlich?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Persönlich.

 

Richter Perseke:

Persönlich. Danke schön. Keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

In diesem Zusammenhang keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen. Herr Rechtsanwalt Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ich hätte gerne von Ihnen gewußt, ob in der Handhabung der SS-Apotheke – Ausgabe der Medikamente für die Häftlinge und die SS – ein Unterschied eingetreten war, nachdem Doktor Capesius den Apotheker Krömer ablöste, oder ob das gleichmäßig war.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es war kein Unterschied eingetreten. Die Versorgung der Häftlinge mit Medikamenten von seiten der SS-Apotheke war ja voll und ganz unzulänglich. — Jakzesmy chcieli pomóc naszym kolegom, którzy koniecznie pomocy potrzebowali, to my musielismy z narazeniem wlasnego zycia zorganizowac to sobie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn wir unseren Kameraden helfen wollten, die unbedingt solche Hilfe gebraucht haben, mußten wir unter Lebensgefahr die Medikamente besorgen, »organisieren«.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mit einem Wort gesagt, die Medikamente entwenden und so ins Lager schaffen, daß sie durch das Lagertor hineinkamen auf den Krankenbau oder eventuell in die Krankenstuben gelangten, in die Hände der polnischen Ärzte, die dort amtierten. — Inaczej nie szlo.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Anders ging es nicht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale jakikolwiek wartosciowych medykamentów nie otrzymalismy. Prosze sobie wyobrazic tylko to jedno, ze dostalismy, dajmy na to mascie jakies, obojetnie jakie to mascie. To bylo troche wazeliny, to pól puszki, to cwierc puszki, to tam cos bylo nad dnie. Tu jakies tabletki, tu jakis plyn. Czlowiek nie wiedzial, czy to jest hyrolina, czy to jest jodyna, czy to jest lizol, czy lizophorm, czy tez tam inny jakis srodek.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie müssen ja bedenken, wir bekamen oft irgendwelche Salben oder irgendwelche Tabletten. Wir waren gar nicht im Bilde, was das gewesen ist, was das für eine Salbe ist oder was das für Tabletten sind. Und dadurch war das sehr erschwert.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das mußte erst festgestellt werden so manches Mal, dafür waren wir verantwortlich. Na, steht drauf, nicht wahr, Lysol, ja, ist gut. Ist es Lysol oder nicht? Das mußten wir feststellen. Wir stellten fest, daß es ein feiner Schnaps war.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, eine andere Frage. Wir haben bisher immer gehört, daß 1944 der Klehr nur noch Desinfektor war. Konnte Phenol auch in irgendeiner Weise für Desinfektionszwecke benutzt werden?

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche, das ist keine Zeugenfrage. Das ist eine Sachverständigenfrage.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, dann stelle ich die Frage anders: Herr Zeuge, ist Ihnen bekannt, ob Klehr 1944 etwa als Urlaubsvertreter für andere SGDs gearbeitet hat?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Er hat geamtet. Ich sah ihn in der Apotheke in dieser Zeit, [nach] der der Herr [Rechtsanwalt] fragt. Aber ob er in Urlaub war oder so, das weiß ich nicht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nie, pan nie zrozumial pytania.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

O co chodzilo? Nie zrozumialem.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Kannten Sie auch andere SDGs

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Darf ich bitte die Frage aber noch mal übersetzen. Das ist nicht ganz klargeworden. — Chodzi o to, czy pelnomocnik powoda cywilnego w sprawie karnej, to nie jest prokurator, pyta sie, czy to jest mozliwe, zeby w tym czasie, w 44 roku, Klehr spelnial obowiazki, zastepowal kogos bedacego na urlopie i w tej funkcji bral fenol?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie, [tego] nie wiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das weiß ich nicht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

[Tego] nie wiem.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Kannten Sie andere SDGs, die 1944 Phenol in der Apotheke abgeholt haben?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke schön, keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Prokop, sind Sie ganz sicher, daß zu dem Zeitpunkt, als Sie das Gespräch zwischen Jurasek und Klehr im Keller der Apotheke hörten, Doktor Capesius schon Leiter der Apotheke war?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl. Ganz sicher.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja. Können Sie mir sagen, wie groß etwa der Schrank im Keller war, in dem das Zyklon aufbewahrt wurde? [Pause] Ich will Sie also nicht auf den Zentimeter festlegen, aber in etwa. War der mannshoch?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mniej wiecej, drzwi na metr [Pause] 50.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wysoki?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wysoki. I szerokosc, tez tam co najmniej na metr, metr dwadziescia.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ungefähr war die Tür einen Meter, einen Meter fünfzig hoch und etwa einen Meter breit.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, doch. — Tak mniej wiecej.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ungefähr.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Konnten Sie auch sehen, wie tief dieser Schrank war?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ni e mialem czasu, zeby wlasciwie brac takie pomiary.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hatte keine Zeit, um nach den Ausmaßen zu gucken.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Prokop, können Sie mir sagen, von welchem Zeitpunkt an Material der Apotheke auch im Alten Krematorium aufbewahrt wurde?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja widzialem wlasciwie to w maju w 44 roku.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe das eigentlich im Mai 1944 gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Skad bralem do podzialu przeznaczona wazeline.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zu der Zeit, als ich Vaseline, die zur Verteilung bestimmt war, von dort entnommen habe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Prokop, hatten Sie auch Anweisungen bei der Aussortierung von Medikamenten, die Sie auf dem Boden wohl geleitet haben, die Medikamente auf Wertsachen zu untersuchen, die Tuben?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Können Sie das bitte etwas ausführlicher schildern. Mußten Sie da jede Tube öffnen, oder mußten Sie nur Stichproben machen? Wie waren Ihre Anweisungen da?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

No, te, oczywiscie te przedmioty, które sie do nas dostaly, byly juz raz gruntownie przeszukiwane przez »Kanade«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es war natürlich so, daß die Gegenstände, die zu uns gelangten, vorher schon gründlich in »Kanada« untersucht wurden.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

A jezeli tam sie znajdowalo cokolwiek, to juz tam tylko przypadkowo znalazlem tam

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wenn sich dort irgend etwas befand, war das ja nur zufällig.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To sie tam zdarzalo, ze tam cos bylo, dajmy na to w wacie, co uszlo uwadze kontroli w »Kanadzie«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es geschah manchmal, daß dort in der Watte eingewickelt irgend etwas war, was der Aufmerksamkeit derer in »Kanada« entgangen ist.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale to tam, oczywiscie, byly ewentualnie: szczotki do zebów i pasta.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber was war denn dort: Zahnpasta, Zahnbürsten.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Tez tam byly oczywiscie jakies tam kawalki jakiegos lanciuszka bezwartosciowego [unverständlich] byc.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da waren auch zum Beispiel Glieder von irgendwelchen Goldkettchen oder so was.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja. Dann eine letzte Frage: Die Koffer, die von »Kanada« zu Ihnen kamen auf den Boden der Apotheke, wer brachte diese Koffer?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie wiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das weiß ich nicht.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hat sie Doktor Capesius gebracht?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie wiem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich weiß es nicht.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale to, oczywiscie, uwazam byloby ponad jego sily. To tam musialo byc.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich glaube, das wäre über seine Kräfte [gegangen].

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

To musialo byc oczywiscie wojsko raczej SS, albo häftlindzy pod nadzorem SS, albo cos, ale nie wiem. Nie wiem i nie widzialem. To bylo w takich godzinach, juz bylo po sluzbie naszej. Nie widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sicher waren es SS-Angehörige oder Häftlinge unter Aufsicht von SS-Angehörigen. Aber ich weiß es nicht, und ich habe es nicht gesehen. Das geschah in den Stunden nach unserem Dienst. Also ich weiß es nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Zeuge, haben Sie sich die Gasbüchsen des Zyklon B, die an den Klehr ausgehändigt wurden, genauer angesehen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja [ich] w rekach nie mialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe sie nicht in den Händen gehabt.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale widzialem

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich widerspreche der Frage des Doktor Kaul, denn Doktor Kaul ist nicht zugelassen in bezug auf den Komplex des Doktor Capesius.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ach Gott, Unfug, ich habe ja grade von Klehr gesprochen. Ist doch Unfug. Antworten Sie bitte weiter, Herr Zeuge.

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Das ist nicht Unfug, sondern ich habe dem Fragen durch Doktor Kaul widersprochen, weil er im Komplex Capesius nicht als Nebenkläger zugelassen ist.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich stelle die Frage für den Komplex Klehr. Ganz deutlich habe ich das erklärt, indem ich den Herrn Zeugen gefragt habe, ob er sich die Büchsen angeguckt hat, die an Klehr ausgeliefert wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also diese Frage muß zugelassen werden, denn der Herr Doktor Kaul vertritt die Nebenklage gegen Klehr. Wenn Sie eine Entscheidung haben wollen, wird das Gericht Ihnen diese Entscheidung geben, aber es hat wohl gar keinen Zweck. Wir werden auch sehr bald dahin kommen, daß der Zeuge das gar nicht genau sehen konnte, denn so wie ich die Sache aufgefaßt habe, konnten Sie das nur von einer gewissen Entfernung aus sehen. Die Büchsen mit dem Etikett und der Aufschrift und der Lieferfirma und so weiter – haben Sie das gesehen? Das will doch sicher der Doktor Kaul wissen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja bylem pewny dopiero wlasciwie, ze to jest Cyklon, wtedy kiedy Klehr umiejscowial te puszki w torebce obok siebie po to, zeby tam miejsce jeszcze zrobic.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war erst dann sicher, daß es sich dabei um die Dosen mit Zyklon B handelt, nachdem ich gesehen habe, wie Klehr diese Dosen in seiner Tasche sortierte und nebeneinanderstellte.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ale to mialo miejsce nie juz w piwnicy, a mialo miejsce w korytarzu przed magazynem, poniewaz Klehr tam zamierzal umiescic jedna butelke fenolu i wlasciwie wtedy to widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das fand aber nicht im Keller unten statt, sondern schon oben vor dem Magazin.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Vor der SS-Apotheke.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vor der SS-Apotheke, weil Klehr bemüht war, noch eine Flasche mit Phenol darunter zu verstauen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Konnten Sie feststellen, ob auf diesen Büchsen ein Vermerk war: »mit Warnstoff« oder »ohne Warnstoff«?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja mialem nos pelny.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hatte die Nase voll. [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nie widzialem wlasciwie, te puszki znalem, widzialem.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kannte diese Dosen. Ich habe sie gesehen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

I to mi [wystarczylo].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und das hat mir genügt, sie zu erkennen.

 

Vorsitzender Richter:

Das möchte ich gern noch wissen: Wieso kannten Sie diese Dosen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Przy transporcie z »Kanady« wlasciwie, którym przyjechal Capesius, przy wyladowaniu tych walizek, w aucie lezaly 2, 3 puszki. Czy byly prózne czy pelne, nie moge powiedziec, [+ puszki] cyklonu. To byly te same puszki, które widzialem wlasciwie...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als Doktor Capesius mit dem Wagen und mit den Koffern ankam, da befanden sich im Wagen noch zwei bis drei Dosen. Ich weiß nicht, ob das leere oder volle Dosen waren, aber das waren genau dieselben Dosen, die ich dann bei Klehr gesehen habe.

 

Vorsitzender Richter:

So. Damit wollen wir die Vernehmung des Zeugen unterbrechen und sie fortsetzen um 13.30 Uhr. Bis dahin werden wir eine Mittagspause einlegen. Ich bitte Sie also, um 13.30 Uhr wieder hierzusein.

 

– Schnitt –

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, [Pause] Sie sagten ja heute vormittag, daß Sie den Doktor Capesius auf diese Koffer mit den Gebissen aufmerksam gemacht haben. Da habe ich Sie richtig verstanden?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein. Nein. Das stimmt nicht.

 

Verteidiger Laternser:

Sagten Sie nicht, daß Doktor Capesius, so habe ich es mir notiert, Sie fragte: »Was ist das?« Und dann haben Sie geantwortet, Sie sagten also wörtlich, so habe ich es mir notiert: »Ich habe geantwortet: ›Das gehört nicht zu uns, sondern zum Revier.‹ «

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zum Zahnarztrevier. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Zum Revier, sagten Sie.

 

Vorsitzender Richter:

Zahnrevier. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Zum Zahnrevier, richtig, ja. Dann haben Sie doch den Doktor Capesius darauf aufmerksam gemacht, daß diese Koffer vorhanden seien?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein. Ich möchte nochmals wiederholen, daß nicht ich Doktor Capesius auf die Koffer aufmerksam machte, sondern daß vor allen Dingen Doktor Capesius mich fragte: »Was ist das? Was sind das für Koffer?«

 

Verteidiger Laternser:

Ja. [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Also der Herr Capesius fragte mich: »Was ist das, was sind das für Koffer?« Ich habe ihn nicht aufmerksam gemacht, sondern er wurde selbst aufmerksam auf diese Koffer. Den Unterschied möchte ich feststellen wollen, daß nicht ich ihn aufmerksam machte, sondern er selbst aufmerksam wurde und mich nur gefragt hat, was das für Koffer sind, was das ist. Und darauf gab ich ihm die Antwort, daß das nicht zur Apotheke gehört, sondern das unterliegt dem Zahnrevier. So.

 

Verteidiger Laternser:

Hatten Sie vorher schon mal in diese Koffer hineingesehen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein. Nein.

 

Verteidiger Laternser:

Nicht? Sie wußten nicht, was in den Koffern ist?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Aber Herr Rechtsanwalt, verzeihen Sie, die Koffer waren doch offen. Hineingesehen hat jeder, der auf dem Boden war, denn die Zähne lagen ja offen da. Also die Koffer waren doch geöffnet. Und die waren überfüllt, und das sah man doch. Aber unter: »Haben Sie nicht hineingesehen«, unter dieser Frage verstehe ich: Haben Sie da nicht herumgegrabscht? Nein. Also gesehen habe ich das wohl, und gerochen habe ich es auch.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun haben Sie dann gesagt, im Verlaufe Ihrer Befragung, daß Sie beobachtet haben, daß diese Koffer tagtäglich abnahmen, daß der Inhalt also weniger wurde.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, das habe ich gesagt, und das ist auch der Fall gewesen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Tagtäglich, sagten Sie? Haben Sie da sich häufiger dann mit diesen Koffern befaßt, also nachgesehen, ob es weniger geworden ist?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Verzeihen Sie, wörtlich »tagtäglich«? Hier möchte ich mich nicht an das Wort halten. [Denn dann] müßte ich ja jeden Tag diese Koffer kontrolliert haben. Aber sooft ich am Boden war – und das war auch tagtäglich tatsächlich –, habe ich einen Blick hingeworfen und sah, daß der Inhalt dieser Koffer abnimmt. Die Tage habe ich nicht gezählt, ob ich da einen Tag eventuell diese Tätigkeit nicht ausgeführt habe, die Koffer nicht gesehen habe, weil eine andere Beschäftigung vorhanden war. Aber das ist so im Gebrauch, dieser Ausdruck »tagtäglich«, aber nicht wörtlich zu nehmen, »tagtäglich«.

 

Verteidiger Laternser:

Und wie sah es denn mit den Koffern aus, als Sie dann wegkamen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wie die Koffer aussahen?

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Als Sie dann weggingen und nach Sachsenhausen kamen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja nun, dann stellen Sie sich das bitte vor, bevor ich wegging. Also erst mal waren die Koffer so schön überfüllt, daß die Zähne rechts und links aus den Koffern fielen. Und nachher war der Inhalt immer kleiner geworden und sozusagen kaum zur Hälfte aufgefüllt. So sahen die Koffer aus, nachdem ich im Oktober 1944 [+ wegkam]. Der Inhalt wurde also über die Hälfte geringer.

 

Verteidiger Laternser:

Der Inhalt wurde über die Hälfte geringer. Nun, darf ich mal folgendes Ihnen vorhalten von Ihrer Vernehmung. Haben Sie bei Ihrer Vernehmung am 11.8.62, so wie es hier in diesem Protokoll vor dem Kreisgericht aufgenommen worden ist, folgendes ausgesagt? »Es kam schließlich dazu, daß man zuletzt kein Gebiß mehr finden konnte, welches noch Spuren von Gold und Platin aufwies.« 7

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, das habe ich gesagt. Das heißt, [wenn man] in die Koffer [blickte], die noch da waren und die man sehen konnte, ohne diese Zähne, diese Zahngebisse berühren zu brauchen, so sah man tatsächlich keine Spuren mehr von Gold, Platin, Silber oder so was Ähnliches. Das habe ich gesagt, und das behaupte ich auch heute noch.

 

Verteidiger Laternser:

Nun sprachen Sie heute während Ihrer Vernehmung von einem Kellerraum. Waren Sie öfter oder ab und zu in diesem Kellerraum?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Im Kellerraum war ich öfter.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Und wen haben Sie in diesem Kellerraum noch gesehen, als Sie da waren?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Den Hugo Sonnenschein, einen Häftling. Er wird wohl heute in Prag leben, oder ob er noch lebt, weiß ich nicht.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun, ich meine jetzt den Raum, in dem dieser Schrank stand, von dem Sie heute gesprochen haben.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja. Da habe ich ja weiter niemanden gesehen als die erwähnten Personen. Das sind der Unterscharführer Klehr und Jurasek, Oberscharführer, und Doktor Capesius, diese drei Personen. Andere habe ich dort nicht gesehen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Gut. Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Göllner, bitte schön.

 

Verteidiger Göllner:

Herr Zeuge, ich will an diese Frage anschließen, die mein Kollege Laternser eben an Sie gerichtet hat. Sie sagen, daß Sie öfters im Keller waren. Welche Einzelheiten waren außer dem Waschraum und dem Kessel, den Sie heute morgen geschildert haben, in dem Keller? Ist das richtig, daß dort die Heizungsanlage sich befand für die Baderäume?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er sagt doch, der Kessel. Ich nehme an, daß das der Kessel für die

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Ich will das bestätigt haben.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das war ein Kessel, bestimmt zum Kochen von Wäsche, Bettwäsche oder Spitalwäsche und dergleichen, aber nicht ein Kessel für die Wärmeöfen und dergleichen.

 

Vorsitzender Richter:

Also war es mehr ein Waschkessel, wie man

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Ein Waschkessel, richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Waschkessel. [...] Und Sie wollten noch wissen, Herr Rechtsanwalt Göllner?

 

Verteidiger Göllner:

Ja also, das genügt mir. Es kommt jetzt die Überleitungsfrage: Ob bei solchen Räumen überhaupt – frage ich ihn als Drogisten – die Möglichkeit der Aufbewahrung von Zyklon B gegeben war wegen der Explosivkraft des Zyklons.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Wie ich sagte, war der Keller getrennt. Es waren zwei Räume. Im ersten Raum war dieser Kessel eingebaut. Und da wurde allerdings das Wasser gekocht und so weiter. Im zweiten Raum war gar nichts drin, vier nackte Wände mit dem eingebauten Schrank.

 

Verteidiger Göllner:

Und war dieser zweite Raum besonders abgesichert durch eine Eisentür oder so eine Art Luftschutztür?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl. Der zweite Raum war abgesichert.

 

Verteidiger Göllner:

Haben Sie denn einmal eine Zyklon-B-Dose in eigenen Händen gehabt, entweder gefüllt oder leer? [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich habe solche Büchsen gesehen, und zwar wiederholt sagte ich bereits heute vormittag, daß ich solche Büchsen in dem Lieferwagen gesehen habe, der aus Birkenau ankam mit diesen Koffern und Kisten und Taschen und so weiter, die der Herr Capesius aus Birkenau mit sich brachte. Da, nach dem Auspacken, sah ich zwei oder drei Zyklon- Gas-Büchsen. Und eine Zyklon-Gas-Büchse, die rollte zu mir heran, weil ein SS-Mann, der auch noch drin saß, sie zur Seite stieß.

 

Verteidiger Göllner:

Wie hoch waren die Zyklon-B-Dosen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es waren Kilo-Büchsen.

 

Verteidiger Göllner:

Und wie breit?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

[unverständlich] Zentimeter. Ich habe es ja nicht gemessen, aber

 

Verteidiger Göllner [unterbricht]:

Ich frage Sie deshalb, weil Klehr zu mir gesagt hat, daß es unmöglich gewesen wäre, Zyklon-B-Dosen in einer Aktentasche oder Handtasche unterzubringen. Dazu hätte man einen Reisekoffer benötigt. Eine Dose wäre mindestens 35 Zentimeter hoch gewesen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

[Pause] Diese Behauptung stimmt nicht. Die eine Dose war nicht viel größer und war nicht viel höher als mein Glas, das vor mir steht, aber dafür etwas breiter, so. Das war alles. Das war eine Zyklon- Dose, so wie ich sie gesehen habe. Wenn eine originale Zyklon-Dose, wie hier behauptet wird, 35 Zentimeter hoch ist, so was habe ich nicht gesehen. Also das kommt da nicht in Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Und – wenn ich das dazwischen mal fragen darf – wieso wußten Sie aber, daß Zyklon in diesen Dosen war, insbesondere in der Dose, die da auf sie zugerollt ist? Stand das drauf?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl, das stand drauf.

 

Vorsitzender Richter:

Was stand drauf?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Zyklon B oder so was Ähnliches. [...]

 

Verteidiger Göllner:

Andere Zeugen in diesem Verfahren haben erklärt, daß die Verpackung der Zyklon-B-Dosen nur in Kartons oder in Holzlatten mit Drahtgeflecht vorgenommen worden sei.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was wollen Sie nun den Zeugen fragen?

 

Verteidiger Göllner:

Ja, ich will ihn fragen, ob er tatsächlich gesehen hat, daß die Dosen in einzelner Form...

 

Vorsitzender Richter:

Aufgehoben waren.

 

Verteidiger Göllner:

[unverständlich] worden sind, jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Die Frage ist beantwortet. Er hat gesagt, es waren einzelne Dosen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es waren einzelne Dosen.

 

Verteidiger Laternser:

Einen Vorhalt kann er doch machen.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Zeuge, der Herr Rechtsanwalt macht Ihnen einen Vorhalt. Und zwar sagt er: Sie haben uns berichtet, Sie hätten einzelne Dosen gesehen, die nachher im Parterre umgepackt worden sind und so weiter. Während die Zeugen bisher gesagt haben, die Dosen wären in Paketen geliefert worden, sei es in Pappkartons oder in Kisten.

 

Verteidiger Göllner:

Es wurde auch die Zahl von den Zeugen genannt. In Kartons zu sechs und in Kartons zu zwölf, hat ein Zeuge gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

In Kartons zu sechs Büchsen und in Kartons zu zwölf Büchsen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das, was ich gesehen habe, waren lose Dosen. [...] Keine Dosen in Pappkartons und so weiter zu soviel Stück oder soviel Stück. Das waren lose Dosen.

 

Verteidiger Göllner:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr. Herr Staatsanwalt, noch eine Frage?

 

Staatsanwalt Kügler:

Der eine Herr Verteidiger fragte Sie noch mal, wer in dem Keller gewesen sei, Herr Prokop. Und da hatten Sie zunächst, als Sie Ihre Aussage machten, das Gespräch Jurasek=Klehr geschildert.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Da haben Sie nichts davon gesagt, daß Doktor Capesius im Keller gewesen sei. Und auf die Frage des Verteidigers sagten Sie jetzt, der Doktor Capesius sei auch im Keller gewesen. In welchem Zusammenhang? War der bei diesem Gespräche dabei, oder war das an anderen...

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein. An einem anderen Tag.

 

Staatsanwalt Kügler:

Einem anderen Tag.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja. Das war nicht zu der Zeit, wo der Oberscharführer Klehr und Jurasek zusammen im Keller waren. Das war nicht der Fall. Capesius, habe ich ausdrücklich gesagt, befand sich in der SS-Apotheke und hat dem Oberscharführer Jurasek nicht die Schlüssel ausgehändigt oder vergessen auszuhändigen, so was Ähnliches. Er war nicht dabei.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie haben ihn also bei anderen Gelegenheiten im Keller

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Anderen Gelegenheiten.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Dann hätte ich noch eine Frage an den Angeklagten Klehr. Wann waren Sie in dem Nebenlager Gleiwitz?

 

Angeklagter Klehr:

Herr Direktor, als ich die Desinfektoren gemeldet habe, die sich an den Wertsachen bereichert haben, das war im Sommer 43. Anschließend habe ich drei Wochen Krankenurlaub bekommen, und anschließend bin ich in die Nebenlager gekommen, die Entwesung durchzuführen. Nach Beendigung der Entwesung bin nach dem Nebenlager Gleiwitz gekommen, wieder als SDG. Also ich war praktisch ab Herbst 43 nicht mehr in Auschwitz.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Ist in dem Nebenlager Gleiwitz auch Phenol gebraucht worden?

 

Angeklagter Klehr:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Dann habe ich noch folgende Frage: Bei dem Vergasungskommando kann es ja so gewesen sein, daß Büchsen von Zyklon B nicht verwendet wurden bei der Vergasung. Es läßt sich ja denken, daß zwei Büchsen mal übriggeblieben sind. Daß die in der Apotheke abgestellt wurden unten im Keller. Wissen Sie darüber etwas? [...]

 

Angeklagter Klehr:

Solange ich die Entwesung nicht durchgeführt habe, weiß ich nicht, wo das Zyklon B gelagert war. Von dem Moment an, wo ich mit der Entwesung beauftragt wurde, da lagerte das Gas niemals im SS-Revier, sondern das Zyklon B lagerte im »Theatergebäude« und anschließend im Monopolgebäude.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, das mag richtig sein, Herr Klehr. Aber wir haben ja doch schon gehört, daß man zur Vergasung rausfuhr mit einem Sanka, und zwar dort von der Stelle ab, wo das SS-Revier stand. Und es kann ja möglich sein, daß dort übriggebliebene Büchsen abgeliefert wurden nach der Vergasung und dann das nächste Mal dort wieder abgeholt worden sind.

 

Angeklagter Klehr:

Herr Staatsanwalt, das ist unmöglich. Sobald die Desinfektoren eine Vergasung durchgeführt haben oder bei mir die Baracken vergast haben

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ich meine die Vergasungen von Menschen in Birkenau.

 

Angeklagter Klehr:

Ja, da ist es unmöglich, weil die Desinfektoren genau wußten, wieviel Zyklon-B-Büchsen sie brauchten. Die brauchten gar nicht mehr rauszufahren, weil sie von Anfang an wußten, die brauchten etwa zwei Büchsen oder die brauchten drei Büchsen. Und wenn zweieinhalb Büchsen benötigt wurden für den Raum, dann wurden eben drei reingeschickt, weil die halbe Büchse nicht mehr aufbewahrt werden konnte.

 

Staatsanwalt Kügler:

Woher wissen Sie, daß die Desinfektoren genau wußten, wieviel Gas sie zur Vergasung von Menschen brauchten?

 

Angeklagter Klehr:

Herr Staatsanwalt, das habe ich schon bei meiner Vernehmung zur Sache gesagt. Ich lag mit dem Unterscharführer Theuer über zwei Jahre auf einer Unterkunft zusammen. Da war ich noch nicht mit der Entwesung beauftragt, da lag ich mit ihm zusammen. Und Unterscharführer Theuer hat das ganz plausibel, wenn er zurückkam, alles erzählt, wie, was und wo und so.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, wie viele Büchsen brauchte man denn für eins dieser Krematorien?

 

Angeklagter Klehr:

Ja, das kann ich nicht wissen, wie viele Büchsen sie gebraucht haben.

 

Staatsanwalt Kügler:

Er hat Ihnen nur erzählt, er brauchte soundso viel Büchsen. Er wüßte das genau.

 

Angeklagter Klehr:

Mehr weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, zunächst mal eine Frage: Hatten Sie später mal Gelegenheit, eine Zyklon-B-Büchse zu sehen, daß Sie also im Vergleich zu dem, was Sie damals gesehen haben, aus der Erinnerung heute sagen können, Sie haben wirklich Zyklon-B-Büchsen gesehen. Oder haben Sie damals erkennen können durch die Aufschrift, daß es Zyklon B war?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Eines wie das andere ist der Fall. Ich habe damals festgestellt, daß es Zyklon B war, wo ich die Büchsen zum ersten Mal gesehen habe. Und nach vielen Jahren besuchte ich das Museum in Auschwitz und sah auch da hinter Glas ebenfalls Zyklon-Büchsen stehen. Das waren dieselben Büchsen. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Dieselben Büchsen waren das? Genauso hoch?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Diese kleinen. Ja, genauso hoch.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Dann noch etwas: Wie viele Büchsen waren denn das ungefähr, die da Klehr zusammenpackte?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es waren [Pause] na, gezählt habe ich sie nicht. Das weiß ich nicht genau, wie viele Büchsen. Aber die Aktentasche war voll. Ich schätze

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Na, nun gibt es ja verschiedene Aktentaschen.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich schätze auf Minimum sechs, acht Dosen. So eine große Aktentasche, die war zusammengelegt, nachher wurde sie aufgemacht, die Dosen nebeneinander- und übereinandergelegt. Ich glaube, es waren in zwei

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Sechs bis acht Dosen, meinen Sie?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Entweder waren die Dosen stehend oder liegend, die zweiten hingestellt. Das weiß ich nicht mehr genau.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Jedenfalls meinen Sie, sechs bis acht Dosen? [...]

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, sechs Dosen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Klehr, Sie wollten noch was sagen?

 

Angeklagter Klehr:

Ich wollte noch eine kurze Erklärung abgeben, Herr Direktor: Wie der Zeuge sich hier so einläßt, wer das Zyklon B im SS-Revier gelagert hat – ich habe schon vorher die Frage von Herrn Staatsanwalt beantwortet, daß das Zyklon B im SS-Revier nie gelagert wurde. Wie mir bekannt war, wo ich die Entwesung durchgeführt habe, befand sich das Zyklon B im »Theatergebäude« und anschließend im Monopolgebäude.

Zweitens: Die Zeitangabe, die der Herr Zeuge angibt, 44, da befand ich mich nicht mehr in Auschwitz. Ich habe das ja schon bei meiner Vernehmung zur Sache dargelegt, daß ich im Herbst 43 nicht mehr in Auschwitz war.

Drittens habe ich den Doktor Capesius erst hier in Untersuchungshaft kennengelernt. Ich habe Doktor Capesius in Auschwitz nie zu Gesicht bekommen. Und die Lagerung des Zyklon B, der Keller: Das Zyklon B, das mußte kühl, trocken [+ lagern], und es durfte nicht mal ein Sonnenschein reinkommen, der Raum mußte verdunkelt sein. Die Explosionsgefahr war ja so [groß]. Über dem Keller des SS-Reviers befanden sich die Krankenstuben vom SS-Revier. Wer so unverantwortlich sein wollte und dort unten Zyklon B lagern – dafür habe ich kein Verständnis mehr.

 

Vorsitzender Richter:

So, bitte.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Doktor Capesius möchte auch noch eine Erklärung abgeben.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Angeklagter Capesius:

Wenn der Zeuge, Herr Drogist Prokop, zwei Lederkoffer erwähnt hat, dann sind das Koffer, die nach »Kanada« zurücksollten. Sie enthielten Sachen, die für die Apotheke nicht gebraucht wurden, jedenfalls nicht für mich oder meinen Eigengebrauch. Ich habe bei meiner Revision im Oktober 44 festgestellt, daß in einem einzigen Pappkoffer, Größe etwa 30 mal 50 mal 10 Zentimeter oder 12 Zentimeter, ausgekochte Zahnprothesen, ohne auch nur eine einzige Goldkrone, sich befunden haben. Die stellte ich erst etwa Anfang Oktober 44 fest. Der Pappkoffer war noch oben zerrissen, er kennt ihn gut. Ich habe nach Befragung, [Pause] wem das gehöre, es der Zahnstation angeboten. Aber das Köfferchen wurde zurückgeschickt. Man habe dafür keine Verwendung.

In sämtlichen Räumen, Kellerräumen und auch sonstigen der Apotheke unterstehenden Räumen, befand sich kein Zyklon B während meiner Anwesenheit. Im Kellerraum, von dem der Zeuge gesprochen hat, befand sich der reine Alkohol. Eine Korkflasche von 60 Litern mit 50 Kilogramm Alkohol, monatliche Lieferung. Dieser Raum durfte nur von einem Häftling gemeinsam mit einem SS-Dienstgrad betreten werden. Also jeder Häftling hatte Zutritt, auch er, wenn er sich einen SS-Mann mitnahm. In diesem Raum waren außerdem nur Ende September bis Ende Oktober etwa drei Kartons einer Lieferung mit Ovomaltine, einem Kakaopräparat, das aus der einzigen Rot-Kreuz-Sendung herstammte. Der Raum mußte wegen des Alkohols ständig verschlossen sein.

Ich habe niemals Klehr Phenol ausgehändigt. Ich habe Klehr 1944 nicht gekannt. In jeder Apotheke muß Phenol vorrätig gehalten werden. Und ein Standgefäß mit Phenolum purum war auch in unserer Apotheke. Rohphenol war in einer Korbflasche vorhanden. Es lagerte 1944 im Alten Krematorium, das zu meiner Zeit Bunker hieß und wieder umgeformt war auf den alten K.u.k.-Bunker. Das Rohphenol, auch Karbolsäure genannt, wurde an alle Häftlingsapotheken abgegeben, für Umschläge und Karbolwasserherstellung. Die Drohung, die ich dem Zeugen gegenüber ausgesprochen haben soll, hat nie stattgefunden.

 

Vorsitzender Richter:

So.

 

Angeklagter Capesius:

Das war es.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kannten Sie den Mithäftling Sikorski?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Was hat der denn da gemacht? Wohnten Sie zusammen mit ihm, oder arbeiteten Sie mit ihm zusammen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich arbeitete mit ihm. Wir waren zusammen in einem Kommando. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und war der auch in der Häftlingsapotheke, oder war der woanders?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

In der Häftlingsapotheke.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und war er selbst Apotheker?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Er ist Apotheker von Beruf.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und war das Ihr Chef sozusagen unter den Häftlingen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Mithäftling, weiter nichts, Kamerad.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und machte er dieselben Arbeiten wie Sie?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Dieselben Arbeiten wie ich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

War er schon länger da als Sie?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Er war vor mir da.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und als Sie weggingen, war er da auch noch da?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

War er dortgeblieben und hat den Marsch nachher, Auschwitz-Loslau, mitgemacht. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Haben Sie ihn seitdem mal wieder gesehen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl, ich habe ihn wiedergesehen nach der Zeit.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Zu Hause?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es ist ja 20 Jahre her. Einmal war er bei mir während einer Durchfahrt mit seiner Familie und seinem Bruder. Das wird schon 15, 20 Jahre beinahe her sein. Und einmal sah ich ihn wiederum in Warschau, wo ich auch ihn besuchte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Hat Sikorski auch in der SS-Apotheke mitgeholfen bisweilen? Oder war er nur mit Ihnen zusammen in der Häftlingsapotheke?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Vielleicht hat er auch etwas in der SS-Apotheke mitgeholfen, aber das war, glaube ich, sehr wenig.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Also er hat nicht jeden Tag da in der SS-Apotheke drüben

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Nein, nein, nein. Da war er

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Die war ja auf der anderen Seite, das haben Sie uns heute morgen ja geschildert.

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Auf der anderen Seite, jawohl. Da war der Häftling Fritz Strauch tätig.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Fritz Strauch, der war in der SS-Apotheke?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

In der SS-Apotheke, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und Sikorski war also gemeinhin mit Ihnen zusammen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl, jawohl, jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aha. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn keine Fragen mehr

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Herr Vorsitzender, ich habe im anderen Zusammenhang eine Frage: Herr Prokop, können Sie sich an den Angeklagten Kaduk noch erinnern?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ist es richtig, daß Sie den von früher her schon aus dem Zivilleben kannten?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das heißt, persönlich kannte ich ihn nicht. Ich wußte nur, daß er da aus Chorzów stammt, daß er da einen Wärterposten oder Aufseherposten hatte, so was Ähnliches. Aber weiter kannte ich ihn nicht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Und was können Sie bekunden über sein Verhalten in Auschwitz?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich habe ihn tagtäglich gesehen bei dem Einmarsch ins Lager, von der Arbeit zurück ins Lager. Das habe ich gesehen, daß er da plötzlich, so ganz unverhofft, in die Reihen unter die Häftlinge fuhr und diese kontrollierte nach dem Inhalt ihrer Taschen und dergleichen. Und er hat dabei allerdings so manchen Puff, Tritt oder Hieb verteilt. Das war das tägliche Bild. Wenn er bei der Kontrolle etwas ausfindig machte, dann ging es allerdings etwas bunt zu. Das war das, was ich über Kaduk sagen könnte.

 

Staatsanwalt Vogel:

Was verstehen Sie darunter: Wenn er etwas fand, ging es »etwas bunt« zu? Können Sie das noch

 

Zeuge Wilhelm Prokop [unterbricht]:

Dann wurde einfach der Mann, bei dem etwas gefunden wurde, an die Wand gestellt: Ausziehen und eine gründliche Durchsuchung und eine Portion Nachhilfe mit dem Gummiknüppel. Der wurde also geschlagen dabei. Das ist alles. Und das war ein tägliches Bild. Ihm imponierte das scheinbar, er wollte groß sein dabei, das ist alles.

 

Staatsanwalt Vogel:

Hat er die Häftlinge zusammengeschlagen? Ich meine, es ist ein Unterschied, ob Sie sagen, der hat Häftlinge geschlagen, einen »Puff« gegeben, wie Sie erst sagten, oder manchmal wurde es auch »etwas bunt«. Haben Sie beobachten können, daß er Häftlinge so zusammengeprügelt hat, daß sie zusammengebrochen sind, umgefallen sind?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Hat er mit den Händen geschlagen oder mit Stöcken, Gummiknüppeln?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Es war mit Händen und auch mit dem Knüppel und so weiter.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wie es gerade kam?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ja, wie es gerade kam.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut, danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Sind keine Frage mehr zu stellen? Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie den Eid in religiöser oder in bürgerlicher Form leisten?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Religiösen Eid.

 

Vorsitzender Richter:

Ich spreche Ihnen den Eid zunächst vor.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Deutsch oder in Polnisch? Soll ich übersetzen?

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Nein, das kann ich auch in deutscher

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In deutscher Sprache. Sie schwören bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen haben. Heben Sie bitte die rechte Hand, und sprechen Sie mir nach: Ich schwöre es

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

Ich schwöre es

 

Vorsitzender Richter:

So wahr mir Gott helfe.

 

Zeuge Wilhelm Prokop:

So wahr mir Gott helfe.

 

Vorsitzender Richter:

Ich danke schön. Gegen die Entlassung des Zeugen wird nichts eingewandt? Im allseitigen Einverständnis sämtlicher Prozeßbeteiligten ist der Zeuge entlassen. Ich danke schön. Ja, nun hätten wir noch

 

– Schnitt –

 

 

 

1. Vgl. Schreiben des Zeugen Prokop vom 09.06.1960 an das Comité International d'Auschwitz, Wien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 38, Bl. 6592.

2. Vgl. Schreiben des Zeugen Prokop vom 09.06.1960 an das Comité International d'Auschwitz, Wien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 38, Bl. 6592.

3. Vgl. Schreiben des Zeugen Prokop vom 09.06.1960 an das Comité International d'Auschwitz, Wien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 38, Bl. 6592.

4. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.08.1962 in Wodzislaw, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 74, Bl. 13.898-13.904.

5. Vgl. Schreiben des Zeugen Prokop vom 09.06.1960 an das Comité International d'Auschwitz, Wien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 38, Bl. 6592R.

6. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.08.1962 in Wodzislaw, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 74, Bl. 13.901.

7. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 11.08.1962 in Wodzislaw, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 74, Bl. 13.902.

 

 
 
 
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