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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

121. Verhandlungstag, 11.12.1964

 

Vernehmung der Zeugin Elisabeth Pickardt

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein Tonband] nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Pickardt, Sie sind bekannt mit dem Angeklagten Broad.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wann haben Sie ihn denn kennengelernt?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ich schätze, daß wir zwölf oder 13 Jahre alt waren. Ich kann es nicht genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, das war also etwa in welchem Jahr?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

[Pause] 34 vielleicht.

 

Vorsitzender Richter:

Etwa 1934. Und

 

Zeugin Elisabeth Pickardt [unterbricht]:

Es kann auch etwas später gewesen sein. Das weiß ich nicht ganz genau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo haben Sie ihn denn da kennengelernt?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Wir wohnten in Spandau, Berlin-Spandau, Jordanstraße 26, und seine Großeltern damals Jordanstraße 24, und da war er oft.

 

Vorsitzender Richter:

Jordanstraße 24, da lebte Broad damals?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Zuerst war er oft zu Besuch bei den Großeltern, und dann lebte er selbst da, später.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, waren das seine Großeltern oder Ihre Großeltern?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Seine Großeltern.

 

Vorsitzender Richter:

Seine Großeltern.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bei denen lebte er damals.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein, er war oft zu Besuch dort. Er lebte bei seiner Mutter wohl. Aber er war sehr viel bei der Großmutter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und von da ab kannten Sie ihn.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind Sie dann später, wie Sie dann erwachsen waren, noch mit ihm wiederholt zusammengetroffen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, wir wohnten ja laufend nebeneinander. Unsere Familien verkehrten familiär miteinander.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Und wir waren auch laufend zusammen dann.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Auch während des Kriegs?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Während es Krieges auch.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie etwas Näheres über seinen Werdegang während des Kriegs?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Zunächst war er noch Schüler und hatte Abitur gemacht, angefangen zu studieren, soviel ich weiß, an der Technischen Hochschule. Ich kann Ihnen aber nicht sagen, wie viele Semester.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Und dann, er ist ja Ausländer, sollte er, soviel ich weiß, interniert werden. Und dann hatte er die Auswahl, als Dolmetscher eventuell bei der SS anzufangen oder eben ins Internierungslager zu gehen. Das ist mir in Erinnerung.

 

Vorsitzender Richter:

Und was tat er?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Und da hat er dann den zweiten Weg wohl gewählt, denn sonst wäre er ja nicht dahin gegangen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wissen Sie, wann er dann zur SS kam?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Oh, das kann ich Ihnen nicht genau sagen, in welchem Jahr.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht genau?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein, nicht genau zu sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie etwas davon, ob er auch in Auschwitz gewesen ist?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

In Auschwitz war er, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wieso wissen Sie das?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Weil er ja oft von Auschwitz in Berlin war.

 

Vorsitzender Richter:

Er war öfter von Auschwitz in Berlin?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, er war öfter da.

 

Vorsitzender Richter:

Und da trafen Sie ihn dann jedesmal?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Der wohnte dann immer zu Hause, und dann sahen wir uns.

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt bei den Großeltern?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Der Großvater war dann tot.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Mit seiner Mutter und seiner Großmutter lebte er dann zusammen da.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und da haben Sie ihn dann manchmal gesehen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, laufend. Wir wohnten ja immer im Nebenhaus.

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie in dieser Zeit schon beruflich tätig?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, ich habe schon gearbeitet. Ich war damals im Stickstoffsyndikat.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wissen Sie, wann er in Auschwitz angefangen hat, wann er dorthin gekommen ist?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein, das kann ich Ihnen nicht sagen, das Jahr.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das wissen Sie nicht. Und wissen Sie, was er dort getan hat in Auschwitz, was er für eine Tätigkeit hatte?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Der war Dolmetscher.

 

Vorsitzender Richter:

War Dolmetscher. Wissen Sie, ob er auch anfänglich dort mal im Wachsturmbann gewesen ist?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Er war Dolmetscher. Und bei welcher Dienststelle war er Dolmetscher?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das kann ich Ihnen auch nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht genau. Hat er Ihnen mal etwas erzählt, was Auschwitz eigentlich bedeutete? Hat doch kein Mensch gewußt, was eigentlich Auschwitz war, wo das

 

Zeugin Elisabeth Pickardt [unterbricht]:

Ach doch, das hat er erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Das hat er erzählt.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Daß es ein Konzentrationslager ist und daß er als Ausländer dort auch bewacht wird.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das hat er mir mal so erzählt. Also er war ja oft da. Und da wir ja im Krieg auch sehr viel Fliegeralarm hatten, wie Sie vielleicht wissen, haben wir oft halbe Nächte zusammengesessen, uns unterhalten dann.

Da hat er mir erzählt einmal, daß er selber bewacht wird. Und zwar, wenn er dann arbeitet am Schreibtisch oder so, würde sich die Tür mal einen Spalt öffnen. Er sieht dann nur den Lauf eines Revolvers, weiß aber nicht, wer es ist, und dann schließt sich die Tür wieder.

 

Vorsitzender Richter:

Das hat er Ihnen erzählt?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das hat er mir damals erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Und was soll diese ganze Vorführung für einen Sinn gehabt haben?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das weiß ich nicht, vielleicht nur eine Bewachungsart. Ich kann es ja nicht sagen, ich bin nie in Auschwitz gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Na.

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Die ganze Vorführung für einen Sinn gehabt haben?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das weiß ich nicht, vielleicht nur eine Bewachungsart. Ich kann es ja nicht sagen, ich bin nie in Auschwitz gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Na. [Pause] Frau Pickardt, wie ist es dann weiter gewesen? Sie sagten, er war öfter da in Berlin auf Urlaub, und

 

Zeugin Elisabeth Pickardt [unterbricht]:

Nein, nicht immer auf Urlaub, es waren auch Kurierdienste. Daß er über ein Wochenende auch so mal auf ein, zwei Tage da war, und wohnte dann immer bei seiner Mutter und Großmutter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und haben Sie ihn im Jahr 44 auch gesehen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, oft sogar.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, hatten Sie einmal eine Verschüttung?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Durch einen Fliegerangriff?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Durch einen Fliegerangriff.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann war das?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ich habe einen Beleg darüber noch mit. Das war genau am 19. Juni 1944.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und anschließend an diese Verschüttung

 

Zeugin Elisabeth Pickardt [unterbricht]:

Also an dem Tage war er auch da. Denn das weiß ich deshalb, weil wir abends dann wieder Fliegeralarm hatten. Und die Wohnung seiner Großmutter lag im Parterre, und ich habe einen Teil der Alarmstunden dort zugebracht, weil ich es im Keller nicht aushielt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das war nach Ihrer Verschüttung?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das war danach.

 

Vorsitzender Richter:

Also am nächsten Tag?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Es kann auch in der gleichen Nacht schon gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Die Verschüttung war am Vormittag. Mein Vater war auch in dem Stickstoffsyndikat tätig, und wir sind zu Fuß vom Bahnhof Friedrichstraße bis nach Spandau gegangen, obwohl mir sehr schlecht war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nachdem Sie also diesen Fliegerangriff überstanden hatten, haben Sie dann Urlaub genommen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ich war erst krank, war dann aber wieder im Dienst und habe noch vier Wochen Sonderurlaub bekommen. Darüber habe ich auch einen Beleg mit.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wann war dieser Sonderurlaub?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Der war vom 19. Juli bis Mitte August.

 

Vorsitzender Richter:

Bis Mitte August. Und wo haben Sie diesen Sonderurlaub verbracht?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

14 Tage davon war ich in Schlesien bei Verwandten von mir. Die hatten dort ein Gut. Und die zweiten 14 Tage war ich in Berlin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie Sie nun in Schlesien waren, sind Sie da mit Broad zusammengetroffen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

In Schlesien nicht.

 

Vorsitzender Richter:

In Schlesien nicht.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das war in der Nähe von Hirschberg.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nach 14 Tagen sind Sie zurückgekommen, sagen Sie. Darüber haben Sie keinen Beleg?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein, daß ich nach 14 Tagen wieder zurückgekommen bin, nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nun sagten Sie, nach 14 Tagen waren Sie dann in Berlin und haben den Rest in Berlin verbracht.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Warum aber, wo Sie doch den Urlaub hatten? So angenehm war es doch damals im August 1944 nicht in Berlin.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein, das war es nicht. Aber ich weiß nicht, ob Sie das verstehen können, meine Familie war in Berlin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Und ich habe oft versucht zu telefonieren. Und wenn man dann keinen Anschluß bekam, das hat mich mehr erregt, als wenn ich selber mit in Berlin gewesen bin.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind also wieder zurückgekommen.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie in dieser Zeit auch den Broad getroffen wieder?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das kann sein, daß er in den 14 Tagen, die ich dann noch zu Hause war, auch in Berlin war. Aber das könnte ich nicht beschwören.

 

Vorsitzender Richter:

Das können Sie nicht beschwören. Dann, bitte, wollen Sie uns doch mal diese Urkunden vorlegen, die Sie da mitgebracht haben.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Eine Sekunde. [Pause] Moment.

 

Vorsitzender Richter:

Die Angeklagten sollen nicht miteinander sprechen. Boger und Capesius, Sie sollten sich nicht mit Ihren Nachbarn unterhalten.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

[Pause] Können Sie bitte rübergeben?

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nehmen Sie ins Protokoll auf: Die Zeugin legt folgende Urkunden vor: erstens eine Postkarte des Polizeipräsidenten in Berlin vom 10.4.45: »Betrifft Verleihung des Verwundetenabzeichens. Der von Ihnen zur Verleihung des Verwundetenabzeichens vorgeschlagenen Angestellten Elisabeth Heyn wurde diese Auszeichnung verliehen. Es wird gebeten, die Beliehene zur Entgegennahme der Auszeichnung zum Schutzpolizei Abschnittskommando Linden, Berlin, zu entsenden.«

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Habe ich mir nie abgeholt.

 

Vorsitzender Richter:

Dann eine Bescheinigung Doktor med. E. Freifrau von Brandenstein, Ärztin. Berlin-Spandau am 4.8.44: »Fräulein Elisabeth Heyn stand wegen«, anscheinend muß das heißen »Folgen«, ich weiß es aber nicht, »einer Commotio cerebri nach Terrorangriff in meiner Behandlung. Außerdem bestanden Hautverletzungen« und noch etwas. Folgt die Unterschrift der Ärztin. Ausgestellt am 4.8.44. [Pause]

Stickstoff-Syndikat vom 14.7.44: »Aufgrund eines Attestes unseres Vertrauensarztes Herrn Doktor med. Pfeiffer gewähren wir Ihnen einen Krankenurlaub von vier Wochen. Wir wünschen Ihnen weiter gute Besserung und grüßen Sie herzlich.« Unterschrift des Stickstoffsyndikats. Dasselbe einen Tag später, am 15.7.44: »Wir bescheinigen hiermit, daß Fräulein Elisabeth Heyn, Belegschaftsmitglied unseres wehrwirtschaftlichen, durch das Rüstungskommando Berlin geschützten Betriebs ist. Sie ist mit Rücksicht auf einen im Dienst erlittenen Unfall vom 19. Juli 1944 bis zum 29. August 1944 beurlaubt und hat gemäß der Anordnung des Staatssekretärs für den Fremdenverkehr zur Längerung des Fremdenverkehrs im Kriege die Berechtigung zu einem Erholungsaufenthalt. Stickstoff-Syndikat«, folgt die Unterschrift.

Doktor H. Oster, Berlin, den 4. Juli 1944: »Liebes Fräulein Heyn, mit lebhaftem Bedauern mußte ich hören, daß Sie sich von dem Schaden, den Sie sich bei dem schweren Angriff am 21. Juni in unserem Bürohaus zugezogen haben, noch nicht wieder völlig erholt haben. Wenn Sie auch bereits wieder im Dienst sind, bitte ich Sie, doch alles zu tun, was der Arzt etwa im Interesse Ihrer Gesundheit für erforderlich hält, damit die Folgen des bösen Schocks völlig überwunden werden. Sollten Sie irgendwelche geldlichen Sorgen haben oder sollte Ihnen der Arzt noch einen Erholungsaufenthalt verordnen, so bitte ich Sie, mich direkt oder über Herrn Werther rechtzeitig zu benachrichtigen, weil sich die Firma an den entstehenden Kosten beteiligen möchte. Einstweilen wünsche ich Ihnen baldigste völlige Wiederherstellung. Mit freundlichen Grüßen, Ihr sehr ergebener Oster.« Oster. Ist der verwandt gewesen mit dem General Oster?1

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Er war bei uns Generaldirektor. Ob er einen General als Verwandten hatte, weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja nun... Bitte schön?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich] Am 21.

 

Vorsitzender Richter:

Am 21.6.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja, ich muß mich da revidieren. Ich habe vorhin 19. gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

21. bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie meinen am 21.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Am 21.6. war der Angriff, dann sind Sie in ärztliche Behandlung gekommen. Am 14.7. hat der Vertrauensarzt Ihnen vier Wochen Krankenurlaub verschrieben. Und Sie haben den Urlaub vom 19.7. bis zum 29. August bekommen.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und nun legen Sie das ärztliche Attest vom 4. August vor.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das habe ich für irgend etwas anderes später gebraucht. Andere Bescheinigungen habe ich nicht mehr da gehabt. Und deshalb habe ich das mitgebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie wollen damit unter Beweis stellen, daß Sie am 4. August in Berlin gewesen sind.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber daß Broad zu dieser Zeit in Berlin war, das, sagten Sie, könnten Sie nicht beschwören.

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Genau, das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das können Sie nicht wissen. Sie wissen auch nicht, ob er am 1. August in Berlin war?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Ob er am 1. August da war, weiß ich nicht. Er ist auch dann noch mal in Arolsen gewesen, und da kann ich auch nicht sagen, genau in welcher Zeit. Aber ich weiß, daß er da war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie lang war er denn in Arolsen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das kann ich Ihnen wirklich nicht genau sagen. Ich weiß nur, daß er dagewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Noch eine Frage.

 

Richter Hotz:

Frau Pickardt, wissen Sie, ob Herr Broad in der Zeit, als diese Verschüttung war, einige Tage in Berlin gewesen ist, also vor dem 21. und nach dem 21.6.?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das kann sein. Das kann sein, daß er da einige Tage in Berlin war.

 

Richter Hotz:

Aber mehr, als daß Sie sagen, es kann sein, können Sie nicht dazu erwähnen?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Nein. Wirklich nicht, das kann ich nicht.

 

Richter Hotz:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Von seiten der Staatsanwaltschaft? Keine Fragen mehr. Von seiten des Herrn Rechtsanwalts Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Lediglich eine Frage an Herrn Broad. Was haben Sie der Zeugin erzählt über Ihre Erlebnisse in Auschwitz? Auch diese Geschichte mit der sich öffnenden Tür und dem Revolver?

 

Angeklagter Broad:

Ja, Herr Rechtsanwalt, mit dem Revolver, das muß ein Irrtum sein. Die sich öffnende Tür steht im Zusammenhang mit den Kontrollen durch Oberscharführer Kirschner. Was dann zu sehen war, das war nicht seine Pistole, sondern nur seine Mütze. Das habe ich vielleicht erzählt. Er kontrollierte uns häufig.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Nehmen Sie ins Protokoll auf: Die Urkunden wurden verlesen und der Zeugin wieder zurückgegeben.2 Augenblick noch. Von seiten der Verteidigung? Keine Fragen mehr. Von seiten der Angeklagten? Keine Erklärung, von Ihnen auch nicht?

 

Angeklagter Broad:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Frau Zeugin, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeugin Elisabeth Pickardt:

Das kann ich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, dann müssen Sie den Eid leisten.

 

– Schnitt –

 

 

 

1. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.12.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 105, Bl. 1.006.

2. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.12.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 105, Bl. 1.006.

 

 
 
 
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