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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

152. Verhandlungstag, 30.4.1965

 

Vernehmung des Zeugen Joachim Noack

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was war das?

 

Zeuge Joachim Noack:

In der Mittagspause am 4. März, also nach der Vernehmung von Frau Pozimska, war ich unten hier im Restaurant

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment. Sind Sie damit einverstanden, daß ich ein Tonband einschalte zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja. Also in der Mittagspause am 4. März, nach der Vernehmung der Zeugin Pozimska, saß ich unten in der Kantine hier im Gallus-Haus allein an einem Tisch und sah plötzlich Frau Müller in Begleitung einer anderen Dame und der Zeugin Pozimska ebenfalls das Restaurant betreten. Sie standen so etwas suchend herum, und Frau Müller unterhielt sich noch mit Frau Pozimska, deutete auf meinen Tisch, kam dann heran. Ich begrüßte sie auch, ich kannte sie vom Sehen vorher. Und sie fragten, ob sie Platz nehmen könnten. Sie nahmen also Platz am Tisch, wir stellten uns vor.

Dann kam das Gespräch auf ihre Aussage, auf die Aussage von Frau Pozimska. Das heißt, Frau Pozimska sagte, daß sie Bedenken hätte, daß sie in Warschau Schwierigkeiten haben könnte. Ich sagte: »Weshalb? Das begreife ich nicht. Denn wenn Sie hier die Wahrheit gesagt haben, dann haben Sie also nach meiner festen Überzeugung keinerlei Schwierigkeiten.«

Im Laufe des Gesprächs kam dann zur Sprache, daß Herr Rechtsanwalt Eggert am Abend vor der Vernehmung bei Frau Pozimska war. Und zwar sagte Frau Pozimska nichts davon, daß sie Herrn Eggert vorher angerufen habe. Sondern sie sagte mir, Herr Eggert habe also plötzlich in der Wohnung dort gestanden und habe sich vorgestellt. Und sie, also Frau Pozimska, machte einen sehr zerfahrenen Eindruck, möchte ich sagen. »Ich fühlte mich«, sagte sie wörtlich, »regelrecht überfahren.«[Pause]

Ich kann mich entsinnen, daß ich also sie zweifelnd anguckte, also erwartete, daß sie das noch etwas erklärte. Aber das geschah nicht. Sie wiederholte dann lediglich noch einmal: »Ja, ich fühlte mich völlig überfahren«, äußerte dann zum Abschluß also noch mal Zweifel: »Ach, wenn ich jetzt zurückkomme, vielleicht habe ich da Schwierigkeiten.« Und ich habe ihr dann noch einmal wiederholt, daß nach meiner festen Überzeugung sie mit keinerlei Schwierigkeiten zu rechnen hat, wenn sie hier vor dem Gericht die Wahrheit sagt.

Das war es.

 

Vorsitzender Richter:

Noch Fragen zu stellen? Herr Staatsanwalt? Herr Rechtsanwalt Ormond, Raabe, Doktor Kaul? Herr Doktor Eggert.

 

Verteidiger Eggert:

Herr Doktor Noack, dieses Gefühl, sie sei überfahren worden, kam das eindeutig zum Ausdruck, daß sie das gefühlt hat an dem Abend, als ich bei ihr war, oder am nächsten Morgen hier in der Vernehmung, als ich sie gefragt habe, was ihr Mann arbeitet oder was er jetzt arbeitet? Hat sie da den Unterschied gesagt?

 

Zeuge Joachim Noack:

Sie bezog diese Äußerung nach meinem festen Eindruck auf beide Gelegenheiten.

 

Verteidiger Eggert:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Sie sagten eben, Herr Zeuge, daß die Zeugin Ihnen gesagt habe, sie habe sich regelrecht überfahren gefühlt.

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Und Sie hätten sie dann zweifelnd angesehen. Sie hätten die Zeugin dann zweifelnd angesehen.

 

Zeuge Joachim Noack:

Sehr richtig. Aufklärung suchend, möchte ich sagen.

 

Verteidiger Laternser:

Also Sie waren durch die eine Bemerkung noch nicht davon überzeugt, daß ein Überfahren tatsächlich stattgefunden hatte?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ich erwartete, daß sie es noch näher erläutert.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Das hat sie aber dann nicht getan?

 

Zeuge Joachim Noack:

Das hat sie nicht getan.

 

Verteidiger Laternser:

Und wer hat dann den Antrag auf Vernehmung des Kollegen Eggert gestellt und entworfen? Waren Sie das, oder war das der Nebenklägervertreter Doktor Kaul?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Präsident

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Sie haben doch

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

[unverständlich] Ihnen, daß die Anträge, die von mir stammen, von mir stammen. Ich widerspreche dieser Frage, die nicht das geringste mit dem Beweisthema zu tun hat.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Herr Doktor Laternser, ich verstehe diese Frage nicht. Der Herr Doktor Noack kann ja hier gar keine Anträge stellen.

 

Verteidiger Laternser:

Nein, nein. Aber er kann sie doch... Ich wollte nur wissen: Er zweifelte an der Angabe mit dem Überfahren, erwartete noch weitere Aufklärung, hat die dann nicht bekommen. Und gleichwohl wird ein Antrag gestellt, vom Nebenklägervertreter wird der Antrag gestellt, Doktor Eggert habe

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Aus guten [unverständlich]

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Die Zeugin beeinflußt.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Unzulässigerweise beeinflußt.

 

Verteidiger Laternser:

Das ist das, was ich jetzt fragen wollte. Wenn der Kollege Noack gezweifelt hat und eine weitere Aufklärung erwartete, die aber dann nicht gekommen ist, wie er selbst sagt, und dann ist gleichwohl der Antrag mit der Behauptung gestellt worden, Doktor Eggert, ein angesehener Kollege, habe die Zeugin beeinflußt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Das wollte ich nur aufklären, daß also sich ergibt, daß der Nebenklägervertreter Kaul einen Antrag gestellt hat, für den er irgendeine Grundlage, eine feste oder eine annähernd sichere Grundlage, nicht gehabt hat.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Auch ich bekomme meine Aufklärungen nicht nur von meinen engsten Mitarbeitern, allerdings nicht von den Stellen, von denen Herr Doktor Laternser die seinen bekommt. Im übrigen geht es

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich verbitte mir das, Herr Vorsitzender. Ich bitte, dagegen einzuschreiten.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, es ist nicht nötig, Herr Doktor Laternser. Denn der Herr Doktor Kaul wird sagen, er habe gemeint, selbstverständlich hätte jeder seine eigenen Informanten. Das sollte keine Wertung sein, wie ich annehme?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich freue mich, wie Sie mich verdolmetschen, Herr Präsident.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es konnte so herausgenommen werden, es war etwas verfänglich, diese Diktion. Aber immerhin. Herr Doktor Laternser, haben Sie noch eine Frage zu stellen?

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Ich wollte fragen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und zwar welche Frage?

 

Verteidiger Laternser:

Ob noch weitere Informationen vor Antragstellung über das Gespräch Doktor Eggerts mit der Zeugin Ihnen beziehungsweise Doktor Kaul zugegangen sind?

 

Zeuge Joachim Noack:

Darüber, was Professor Doktor Kaul zugegangen ist, kann ich selbstverständlich keine erschöpfende Auskunft geben.

 

Verteidiger Laternser:

Nein, nein, aber nach Ihrem eigenen Wissen, also ob Sie erfahren haben, daß noch andere Informationen Ihnen oder Doktor Kaul zugegangen sind über das Gespräch Doktor Eggerts und der Zeugin.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Präsident, ich widerspreche dieser Frage. Diese Frage dient nur zur Aufklärung des Entstehens des Beweisantrags von Professor Doktor Kaul. Und diese Frage ist aber für die Wahrheitsfindung hier gar nicht von Interesse, das ist eine bürointerne Frage, das ist völlig uninteressant.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hier geht es nur darum, wie diese Zeugin sich verhalten hat. Wie Beweisanträge im Büro Kaul getippt oder zusammengestellt werden, ist für die Wahrheitsfindung und für die Schuld dieser Angeklagten uninteressant. Ich widerspreche daher der Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ich halte meine Frage aufrecht, und ich bitte, darüber zu entscheiden.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Raabe, so ist es nicht. Es ist hier unter Beweis gestellt worden von dem Herrn Doktor Kaul, daß der Rechtsanwalt Doktor Eggert in unzulässiger Weise die Zeugin beeinflußt habe. Und der Zeuge, der hier vernommen worden ist, hat uns lediglich gesagt, die Zeugin habe ihm zweimal versichert, sie fühlte sich überfahren. Der Zeuge hat uns weiterhin gesagt: »Ich selbst erwartete eine weitere Aufklärung oder weitere Begründung dieser These, sie fühlte sich überfahren.«

Und nun will der Herr Doktor Laternser wissen: Haben Sie von anderer Seite Kenntnis, daß der Doktor Eggert diese Zeugin irgendwie beeinflußt hat? Das kann er ja schließlich fragen, nachdem der Beweisantrag gestellt worden ist und behauptet worden ist, der Doktor Eggert hat die Zeugin in unzulässiger Weise beeinflußt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Das kann er fragen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich weiß nicht, was von anderer Seite beantragt wird. Ich habe die Vernehmung dieses Zeugen hier beantragt zur Aufklärung des Verhaltens der Zeugin Pozimska. Es mag sein, daß andere Leute sich für das Entstehen der Beweisanträge im Büro Kaul interessieren. Ich nicht. Dann mögen die anderen Leute diese Beweisanträge stellen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Herr Rechtsanwalt Raabe, wenn

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ach Gott, die anderen, ich meine, das ist ein

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ein Zeuge geladen ist und hierherkommt, muß er alles aussagen, was er über diesen Komplex weiß. Und das muß er nachher auch beschwören, daß er die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen hat. Also wenn deshalb der Doktor Laternser ihn fragt in diesem Zusammenhang, ob der Zeuge etwas wisse davon, daß der Doktor Eggert diese Zeugin unrechtmäßig beeinflußt habe, ist nach meinem Dafürhalten die Frage richtig.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aber das ist doch gar nicht gefragt, Herr Präsident.

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Aber das ist ja nicht, das ist ja nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Es kann nur einer nach dem anderen sprechen. Erst der Herr Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja. Das ist doch aber gar nicht gefragt, sondern der Herr Verteidiger Doktor Laternser hat ja eben selbst die Begründung für meinen Widerspruch gegeben. Er hat gesagt: Es interessiert ihn, wie der Beweisantrag im Hause Kaul zustande gekommen ist. Aber das interessiert mich, der diesen Zeugen beantragt hat, nicht. Sondern hier geht es um die Wahrheitsfindung bezüglich der Taten dieser Angeklagten. Und dafür ist erforderlich, daß wir wissen, was die Entlastungszeugin Pozimska für eine Persönlichkeit ist. Und das kläre ich dadurch auf, daß ich diesen Zeugen benannt habe, der uns sagt, daß sie nun ihm die fünfte oder dritte oder siebente Version geliefert hat. Was anderes

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich glaube, Sie können schlecht zählen, Herr

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also Herr Rechtsanwalt. Moment, Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Ja, Sie können sicherlich besser zählen als ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Doktor Laternser, wollen Sie den Zeugen gefragt wissen, ob ihm bekannt sei, daß der Doktor Eggert diese Frau irgendwie unzulässig beeinflußt hat? Diese Frage wollen Sie stellen?

 

Verteidiger Laternser:

Jawohl. Das ist der Sinn meiner ganzen Frage.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Jetzt wollte der Herr Staatsanwalt Kügler was dazu sagen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Dieser Frage widerspreche ich nicht. Ich hatte nur der vorherigen Frage widersprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Gut, dieser Frage widersprechen Sie nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich möchte dieser Frage nicht widersprechen, möchte aber über das Gericht Herrn Rechtsanwalt Doktor Laternser einen kleinen Vorhalt machen. Vielleicht

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Jetzt ist aber keine Zeit, mir Vorhalte zu machen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Doch. Herr Rechtsanwalt – lassen Sie mich doch mal sprechen –, vielleicht verzichten Sie dann auf Ihre Frage. Der Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting II oder der Herr Rechtsanwalt Eggert haben einen Beweisantrag gestellt, in dem stand, daß zwei Staatsanwälte ihrer Dienstpflicht entgegen einem Zeugen Versprechungen gemacht haben. Wir haben davon abgesehen, Herrn Rechtsanwalt Doktor Eggert hier im Zeugenstand zu fragen, welche Anhaltspunkte er für diese Behauptung hatte. Vielleicht ist es möglich, daß wir gleichziehen und Sie auf diese Frage, die Sie jetzt stellen wollen, verzichten.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Darf ich ergänzend

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich sehe diese Art der Aufrechnung nicht ein.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Darf ich ergänzend sagen, der Rechtsanwalt Stolting II und der Rechtsanwalt Eggert haben einen Beweisantrag gestellt, der Zeuge Rawicz möge aussagen, daß er mit Rechtsanwalt Kaul fortgesetzt abstimmt, welcher Zeuge vernommen werden soll oder nicht. Ich habe mit Rawicz in meinem ganzen Leben einmal ein paar konventionelle Worte gewechselt, ihn nie gesehen. Welche Anhaltspunkte bestehen? Ich habe sehr gewichtige Anhaltspunkte gehabt. Im übrigen widerspreche ich der Frage keineswegs, soweit sie sich lediglich auf das Wissen des Kollegen Noack beschränkt. Wobei ich erkläre, daß ich meine Beweisanträge, wenn ich sie fasse, weit begründeter und aus weit, weit größerer Sorge für die Wahrheitsfindung fertigstelle, als das, wie ich hier eben dargelegt habe, in anderen Fällen geschehen ist.

 

Verteidiger Laternser:

Das meinen Sie.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Das meine ich [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, Herr Zeuge, Sie werden gefragt, ob Ihnen bekannt ist, und was Ihnen eventuell darüber bekannt ist, daß Doktor Eggert in unzulässiger Weise die Zeugin beeinflußt hat.

 

Zeuge Joachim Noack:

Mir persönlich ist das bekannt, was ich hier vor Gericht gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Was soll ich darunter verstehen: »Mir persönlich ist das bekannt«? Machen Sie da einen Unterschied, was Ihnen im allgemeinen und was Ihnen persönlich bekannt ist?

 

Zeuge Joachim Noack:

Nein. Ich will damit sagen: Mir ist lediglich das bekannt, was ich hier vor Gericht gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was Sie eben ausgesagt haben. Das heißt also, Einzelheiten darüber, worin die Beeinflussung des Doktor Eggert bestanden haben soll, sind Ihnen nicht bekannt?

 

Zeuge Joachim Noack:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Und noch eine Frage, Herr Zeuge: Wissen Sie, ob der Nebenklägervertreter Doktor Kaul mit der Zeugin gesprochen hat?

 

Zeuge Joachim Noack:

Das weiß ich nicht.

 

Verteidiger Laternser:

Das wissen Sie nicht. Ja. Noch ein paar andere Fragen. Herr Zeuge, Sie sagten eben, Sie seien juristischer Mitarbeiter. Sind Sie Volljurist?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Und

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Sind Sie Mitglied der SED?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ja, ist er auch, Mitglied der SED ist er auch.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das kommt doch jetzt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Rechtsanwalt Kaul, ich möchte Sie doch bitten

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich finde das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Derartige Zwischenrufe... Oder war es der Rechtsanwalt Ormond

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

[unverständlich] weil ich jetzt den Fragebogen abrollen sehe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Herr Rechtsanwalt Ormond, es ist hier kein Parlament, wo Zwischenrufe gestattet sind, nicht?

 

Verteidiger Laternser:

Ja, ich muß sagen, daß ich mich gegen diese Art, wie sich die Nebenklägervertreter hier gerieren, verwahre. Und ich habe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Sie haben ja gesehen, ich habe es bereits eingewandt.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Keine weiteren Fragen mehr. Bitte schön, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Aber das ist nicht der Erfolg der Nebenklage.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kann ich jetzt fragen, Herr Rechtsanwalt Laternser?

 

Verteidiger Laternser:

Ja bitte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Doktor Noack, sagte Ihnen die Zeugin, wo Doktor Eggert sie aufgesucht habe?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja. In dem Quartier, das sie hier in Frankfurt bezogen hat. Ich kann mich entsinnen, daß sie mir damals auch bereits den Namen der Vermieterin und die Adresse nannte. Allerdings sind mir Name und Adresse in der Zwischenzeit entfallen. Es ist mir jetzt erst wieder in Erinnerung gekommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Weiter: Sagte sie Ihnen, wie lang sie schon in dem Quartier war zu dem Zeitpunkt, als Doktor Eggert dorthin kam?

 

Zeuge Joachim Noack:

Nein, sie sagte mir nur, es sei am Abend vorher gewesen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Am Abend vor der Vernehmung?

 

Zeuge Joachim Noack:

Am Abend vor der Vernehmung. Und sie sei am gleichen Tage, also am Tage vor der Vernehmung, aus Darmstadt wieder nach Frankfurt zurückgekommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie war also, nach dem, was Sie von ihr erfuhren, erst wenige Stunden in dem Quartier?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja. Nach dem was sie mir sagte, war es so.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Richtig. Ja. Fragten Sie nun die Zeugin nicht, ob sie erstaunt gewesen sei, daß der Herr Doktor Eggert – immerhin, Frankfurt ist ja kein ganz kleines Nest – sie da in diesem Quartier gefunden habe? Oder haben Sie darüber nicht gesprochen?

 

Zeuge Joachim Noack:

Nein, darüber wurde nicht gesprochen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und waren Sie nicht erstaunt darüber, daß Doktor Eggert... Er hat ja nun heute als Zeuge – Sie waren ja dabei – gesagt, die Frau Pozimska habe ihn angerufen, während doch die Frau Pozimska, nach dem, was Sie sagen, es Ihnen andersrum dargestellt hat. Da lag doch an sich die Frage nahe: Na sagen Sie mal, wieso hat er Sie denn da gefunden? So was haben Sie nicht gefragt?

 

Zeuge Joachim Noack:

Habe ich nicht gefragt. Ich...

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Zeuge, ist es richtig, daß der Nebenkläger Kaul in Kattowitz erklärt hat, er habe seine Informationen über das Gespräch mit der Zeugin Müller ausschließlich von Ihnen?

 

Zeuge Joachim Noack:

Nein, das ist nicht richtig. Professor Kaul hat in Kattowitz gesagt, daß er Informationen von mir hat. Und zwar das auch nicht wörtlich, sondern, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat er sich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aus den Notizen.

 

Zeuge Joachim Noack:

In einem Vorhalt auf dieses Gespräch bezogen. Es war aber nicht davon die Rede, daß er ausschließlich Informationen von mir erhalten hat.

 

Verteidiger Gerhardt:

Hat er die Worte gebraucht: »Mein Mitarbeiter hat mir gesagt«?

 

Zeuge Joachim Noack:

[Pause] Ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie auch mit in Kattowitz dabei?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

So. [Pause] Sind sonst keine Fragen mehr zu stellen? Von seiten der Angeklagten keine Erklärung und keine Frage?

Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Joachim Noack:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

 

 
 
 
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