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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

97. Verhandlungstag, 5.10.1964 und 98. Verhandlungstag, 8.10.1964

 

Vernehmung des Zeugen Filip Müller

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage] auf ein Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Dolmetscher Stegmann:

Jste s tí m srozuměn, aby byla Vaše výpověď [nahrána na magnetofon pro oporu paměti soudu?]

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte Ihre Personalien. Sie heißen mit Vornamen?

 

Zeuge Filip Müller:

Herr Rechtsanwalt, ich werde probieren...

 

Vorsitzender Richter:

Deutsch zu sprechen.

 

Zeuge Filip Müller:

Deutsch zu sprechen. Und vielleicht, wenn ich mich nicht gut ausdrücke, daß der Herr Dolmetscher soll mir...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Dann ist es vielleicht besser.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie heißen mit Vornamen?

 

Zeuge Filip Müller:

Filip. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Wie alt?

 

Zeuge Filip Müller:

43 Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ich denke, 42 sind Sie?

 

Zeuge Filip Müller:

[unverständlich] 43 [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

42 Jahre alt. Sind Sie verheiratet?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Von Beruf?

 

Zeuge Filip Müller:

Beamter.

 

Vorsitzender Richter:

Beamter. Sind Sie nicht geschieden? Oder sind Sie wieder verheiratet?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich bin einmal geschieden, zum zweiten [+ Mal] verheiratet.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind zur Zeit verheiratet, sind Beamter und wohnen in?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich wohne in Prag.

 

Vorsitzender Richter:

In Prag. Herr Zeuge, Sie sind im Konzentrationslager Auschwitz gewesen, und zwar wurden Sie dorthin gebracht aus der Slowakei.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie hingekommen nach Auschwitz?

 

Zeuge Filip Müller:

Aus rassischen Gründen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wann?

 

Zeuge Filip Müller:

Nach Auschwitz kam ich am 13. April 1942.

 

Vorsitzender Richter:

42. Und hatten welche Häftlingsnummer?

 

Zeuge Filip Müller:

29.236.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. In welches Lager sind Sie zunächst aufgenommen worden?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich wurde aufgenommen ins Stammlager des Konzentrationslagers Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Waren Sie nicht einige Tage auch in Birkenau?

 

Zeuge Filip Müller:

Nachher war ich in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Nachher. Zunächst kamen Sie nach Auschwitz. Und wie lange blieben Sie dort im Stammlager?

 

Zeuge Filip Müller:

Also am nächsten Tag wurden wir abtransportiert nach Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo wurden Sie in Birkenau untergebracht, in welchem Lager?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, damals war noch das Lager, wo im Jahr 43 schon die Frauen waren.

 

Vorsitzender Richter:

Also in dem Lager BI. Und wie lange blieben Sie dort?

 

Zeuge Filip Müller:

In Birkenau blieb ich ein paar Tage, nicht viel. Fünf, sechs oder sieben Tage, daran kann ich mich nicht [mehr] erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Und kamen dann erneut wieder ins Stammlager?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Auschwitz, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo wurden Sie beschäftigt?

 

Zeuge Filip Müller:

In Birkenau?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, wie Sie wieder nach Auschwitz kamen.

 

Zeuge Filip Müller:

[+ Als] ich nach Auschwitz kam, kam ich in Block 11. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Block 11. War das ein Quarantäneblock?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein. Das war auch Quarantäne, aber auch 250 Juden von meinem Transport kamen in den Block 11 damals.

 

Vorsitzender Richter:

War das damals noch kein Gefängnis, also noch kein Bunker, wie sich die Leute ausdrückten?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, das war ein Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Arrest.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Aber beim ersten Mal habe ich es nicht gewußt. Ich kam dorthin, und die Bunker waren schon da, damals.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo waren Sie in Block 11 untergebracht, im ersten Stock oder im Parterre?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, unten.

 

Vorsitzender Richter:

Im Keller?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Im Parterre?

 

Zeuge Filip Müller:

In dem ersten

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Erdgeschoß?

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Nicht im ersten Stock, sondern...

 

Dolmetscher Stegmann:

[+ V] přízemí?

 

Zeuge Filip Müller:

[+ V] přízemí.

 

Dolmetscher Stegmann:

Im Erdgeschoß.

 

Vorsitzender Richter:

Im Erdgeschoß. Nun, wie lange waren Sie in Block 11 untergebracht? Bis wann?

 

Zeuge Filip Müller:

Na, in Block 11 waren wir einige Tage nach dem Buna-Kommando.

 

Vorsitzender Richter:

Einige Tage nach dem Buna-Kommando? [...] Wie soll ich das auffassen? Wie lange sind Sie dort gewesen?

 

Zeuge Filip Müller:

In dem Buna-Kommando?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, im Block 11.

 

Zeuge Filip Müller:

Im Block 11 war ich bis zum? Aber danach war ich im Bunker in Block 11. Erst mal bin ich ausgerückt im Buna-Kommando.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Na, nachher, das war einmal [+ an einem] Samstag, da kann ich mich sehr gut erinnern, weil die Häftlinge schliefen immer am Samstag, [es war eine Stunde] oder mehr vielleicht zum Schlafen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Eine Pflichtruhe, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und ich und ein Kamerad, ein Franzose, er heißt Lulus, Maurice, wir haben großen Durst gehabt. Wie die Häftlinge schlafen, da gehen wir am — na dvůr...

 

Vorsitzender Richter:

In den Hof?

 

Zeuge Filip Müller:

In den Hof in den Block 11. Und dort war Tee in so einem großen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

In einem Kessel, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und wir wollen den Tee trinken, ja. Und damals hat uns dort gesehen der Kommandant von Auschwitz, Aumeier1.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und dabei war noch einer, ich weiß nicht, ob er Unterscharführer oder Oberscharführer war, aber das war der Blockführer von dem Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und sie sehen uns und fragen, was wir hier tun. Da habe ich gesagt, daß wir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Tee trinken wollen.

 

Zeuge Filip Müller:

Daß wir Durst haben und daß wir den Tee getrunken haben. Der Aumeier sagt zu uns: »Also zeigt, welches Faß das war, woraus ihr das getrunken habt?« Wir haben es gezeigt. Nachher hat er uns Bescheid gegeben, daß wir sollen uns satt trinken. Dann tranken wir, und er drückte uns in...

 

Vorsitzender Richter:

Den Kopf hinein.

 

Zeuge Filip Müller:

Den Kopf hinein, mit dem Blockführer. Ich weiß nicht, ob der Aumeier mich festgehalten hat oder der zweite. Und wir, — my jsme se topili. [...]

 

Dolmetscher Stegmann:

Sie waren mit dem Kopf unter Wasser.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und wir konnten schon nicht [+ mehr] atmen, es war schon schlecht.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie waren am Ersticken, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und da liegen wir. Ich selbst weiß, nach einer Minute komme ich hoch, da kommt der Blockälteste von dem Block 11 zu mir. Das war ein deutscher Häftling, der dort war.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß denn der? Den Vornamen wissen Sie auch nicht?

 

Zeuge Filip Müller:

Auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Filip Müller:

[Das weiß ich nicht mehr.] Und er sagt uns, daß wir zu der Blockführerstube, vom Hof in den Block gehen sollen. Da gehen wir [...] über den Gang, und auf die linke Seite, wo der Gang war, ist eine Stube gewesen, wo der Blockführer [...] seinen Sitz hatte. Na, und dann [führt uns] der Blockführer über das Lager, uns zwei, den Franzosen und mich. Und er nimmt uns mit zu dem Tor, wo geschrieben war: »Arbeit macht frei«. Dort stehen wir ein paar Minuten, und nachher kommen zwei Posten, SS-Posten, und sie sagen uns, wir sollen rechts und dann geradeaus gehen. Und wir kommen zu einem Gebäude. An dem Gebäude war ein Tor, es waren zwei Tore, von zwei Seiten. Und dort war [...] keine Klinke. Sie...

 

Vorsitzender Richter:

Haben geklopft.

 

Zeuge Filip Müller:

Geklopft. Und da haben wir einen Hof gesehen, wo wir hineingehen sollten. Da kommen wir herein. Das Tor hat damals ein Unterscharführer aufgemacht. Ich kenne ihn. Ich kann zeigen, wer es war, wenn Sie es [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, dann zeigen Sie das.

 

Zeuge Filip Müller:

Das war Unterscharführer Stark.

 

Vorsitzender Richter:

Na, dann suchen Sie mal, wo er ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dieser da? Ja, gut, dann setzen Sie sich wieder hin. [Pause] Und was geschah?

 

Zeuge Filip Müller:

Und die Posten gehen weg. Der Stark hatte eine Peitsche, und er schlägt uns gleich und sagt: »Los, los, herein! Herein, ihr Schweinehunde!« So hat er es gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Wir wissen nicht, wo wir sind.

 

Vorsitzender Richter:

War das am Samstag, oder?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war am Samstag, Samstag nachmittag.

 

Vorsitzender Richter:

Samstag nachmittag, aha.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich weiß es nur darum, weil wir am Samstag immer geschlafen haben, die Häftlinge. Darum weiß ich es. Na, da kommen wir, und nachher gehen wir herein — a proti nám

 

Dolmetscher Stegmann:

Gegenüber, uns gegenüber.

 

Zeuge Filip Müller:

Gegenüber noch eine Tür, da sehen wir einen roten Ofen. Und dort haben schon drei Häftlinge an einem Wagen gearbeitet. Sie legen auf den Wagen ein paar Leichen, Menschen, ja. Ich war 20 Jahre alt, ich habe niemals eine Leiche gesehen. Ich mußte [stehenbleiben], ja. Er nimmt wieder die Peitsche: »Los, herein! Herein, schnell, die Leichen ausziehen!« Und er treibt uns rechts in ein Tor. Das war ein Tor, und da sehe ich so gegenüber – ich habe sie nicht [+ gezählt], aber ich meine, das waren 700 Leichen. Aber sie waren [...] angezogen. Koffer, Kinder, Männer, Frauen. Und Pakete waren [auch dabei], alles. Und an der rechten Seite wohl noch, so gegenüber, 100 Menschen in [...] gleichen Hemden. Hier haben sie gehabt: »SU«, Sowjetunion. [...] Und Koffer, die waren — už byly otevřeny, rozbity.

 

Dolmetscher Stegmann:

Die Koffer waren geöffnet und zerstört.

 

Zeuge Filip Müller:

Zerstört. Brot war drin und alle Kleider, was sie mithatten, und voller Blut, ja, alles verblutet. Und die Leichen liegen dort, und wir stehen wieder, und er: »Also los, die Leichen müßt ihr ausziehen. Ausziehen die Leichen!« Er schlägt uns. Jetzt gehen wir zu den Leichen. Ich fange an mit den Schuhe. Das war eine, nicht nur physische, sondern [auch] eine schreckliche Arbeit. Die Leichen waren steif. Da können wir sie nicht ausziehen, und da geben wir das auf einen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haufen.

 

Zeuge Filip Müller:

Und wenn der Stark sieht, daß, sagen wir, eine

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Etwas zerrissen worden ist.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Punčochy. — Wie sagen wir?

 

Dolmetscher Stegmann:

Strumpf.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Strumpf zerrissen wird, da schlägt er uns. »Los, los, machen! Arbeiten! Arbeiten! Los, los!« Und so waren wir dort. Aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Waren denn diese Leichen, Sie sagten voller Blut? Haben Sie denn gesehen, ob die Wunden an sich hatten?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Waren sie erschossen, oder

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Nein, sie waren nicht erschossen. Sie waren vergast. Aber als ich zum ersten Mal kam, da habe ich es nicht gewußt. Nachher haben wir gesehen, unten, da war ein Saal. Unten war einen großer Ventilator, der in Betrieb war. Dort unten waren noch solche grünen Kristalle. Und einen Meter [+ entfernt] von ihnen waren keine Menschen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und [mehr als einen Meter entfernt] war es voll, weil die Menschen im Stehen starben. Es war voll, es war übervoll. Sagen wir, da haben wir gesehen ein Kind, das ist an der Brust, die Mutter hat — pěnu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Schaum.

 

Zeuge Filip Müller:

So Schaum

 

Dolmetscher Stegmann [unterbricht]:

Schaum vor dem Mund.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und so, im Stehen, starben die Menschen, weil es war so hoch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was waren da, grüne Kristalle noch gelegen, sagten Sie?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war das Gas.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, haben die denn kein Gas mehr abgegeben, die grünen Kristalle?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, die grünen Kristalle, die haben nachher kein Gas [+ abgegeben]. Und es [war] nur so ein Geruch. So war es. — Jako když se pálí líh, ten pevný líh.

 

Dolmetscher Stegmann:

Když se pálí co?

 

Zeuge Filip Müller:

Pevný líh.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ah ja. Wenn ein fester, Petroleum

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Nein.

 

Dolmetscher Stegmann:

Öl.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, Spiritus.

 

Dolmetscher Stegmann:

Spiritus.

 

Zeuge Filip Müller:

Wenn ein [unverständlich] so einen, ich möchte so sagen...

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Trockenspiritus.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Spiritus

 

Sprecher (nicht identifiziert) [unterbricht]:

Alkohol.

 

Vorsitzender Richter:

Fest.

 

Zeuge Filip Müller:

Fester Spiritus, und man zündet ihn an.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und ich sage es, weil wenn ich mit meiner Frau und [+ meinen] Kindern auf

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Auf Wanderschaft war, ja.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Gehe [unverständlich] ja, da durften sie es nicht, weil das geht mir immer...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

So ein Geruch war es. So ein bißchen wie Mandeln.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber so ein Geruch war es.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und Sie haben also dann diese Leichen ausziehen müssen, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, wir müssen diese Leichen ausziehen, und nachher kommt wieder der Stark, weil nur zwei Öfen im Krematorium brennen. Also das war so eines, und drin waren zwei Öfen. Im Krematorium Auschwitz waren sechs Öfen zusammen. Sechs Öfen, und Schienen, auf denen man das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die Wagen hin- und herschieben konnte.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Ja, für Wagen. Ja. Na, und nachher kam wieder Stark und trieb uns. Er nimmt zwei Häftlinge. Bei den zweien war der Franzose, der neue, der Lulus, Maurice, und ich, wir sollen gehen und die Öfen entschlacken. Aber wir haben doch nicht gewußt, wo. Da kriegen wir einen Hammer und noch einen...

 

Vorsitzender Richter:

Einen Meißel, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Einen Meißel. Und ich konnte es nicht. Na, da schlägt er uns wieder. Und die zwei Öfen wurden dann entzündet von Stark und von einem Häftling mit Namen Fischl. Fischl sage ich jetzt darum, weil der Stark das Kommando so genannt hat. Er hat ja nie zu uns »Sonderkommando« gesagt, sondern Fischl-Kommando. Der Fischl, das war ein polnischer Häftling, der dort als Vorarbeiter gearbeitet hat. Und nachher

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und wie viele waren jetzt drin von den Häftlingen in diesem Krematorium?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, in diesem Krematorium waren wir sieben jetzt. Ich kann auch die Namen sagen. [...] Also es war dort mit mir gekommen Lulus, Maurice. Das ist ein Franzose. Dort war damals Moritz Schwarz aus Prešov oder Bardejov, das [weiß ich schon nicht mehr].

 

Vorsitzender Richter:

Wie? Das habe ich eben nicht verstanden.

 

Zeuge Filip Müller:

Moritz Schwarz. Schwarz, Moritz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Schwarz, Moritz.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Jude aus der Slowakei.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was war mit dem?

 

Zeuge Filip Müller:

Der hat dort vorher gearbeitet, bis wir kamen. Als wir kamen, waren dort schon fünf Häftlinge. Drei haben gearbeitet bei der Verbrennung, und die zwei haben die Leichen ausgezogen.

 

Vorsitzender Richter:

Also waren doch die Öfen schon in Brand?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, in Brand, aber nur zwei.

 

Vorsitzender Richter:

Nur zwei. Und wie viele Öfen waren da?

 

Zeuge Filip Müller:

Sechs. — To byl kvádr a v každém kvádru byly dvě pece. Tedy byly tři kvádry.

 

Dolmetscher Stegmann:

Es waren Quadrate, Quader.

 

Zeuge Filip Müller:

Quadrate, das waren drei Quadrate. In jedem Quadrat waren zwei Öfen. Zusammen also sechs. So ist es. Und dort waren also Lulus, Maurice, mit mir, der Moritz Schwarz aus der Slowakei. Nachher war [+ dort] Neumann, der hat ein Auge gehabt, hier einen Verband, nur ein Auge. Dann war dort Goldschmidt. Dann war dort, wenn ich [mich noch recht erinnere,] Filip Weiss. Er heißt Filip Weiss, ist aus der Stadt, wo ich geboren wurde, von Sereď am Waag in der Slowakei. Also zusammen waren wir dort sieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, und nachher war es so: [Als die Öfen brannten, mußten] wir die Leichen hereinschieben. Auf einen Wagen mußte man drei Leichen legen, drei Leichen. Das war so ein Wagen — z plechu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Aus Blech. Ein Wagen aus Blech.

 

Zeuge Filip Müller:

Blechwagen, ja. [Darauf war] Wasser, und auf dieses Wasser legte man drei Leichen. Dort waren Schienen und...

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sie hineingeschoben.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, viele Male. Davon habe ich noch ein Andenken. Weil wenn der eine Häftling den Wagen herauszieht, mußte einer die Schiene halten. Ich habe das da hier, und das macht mir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und nach dem, nach ein paar Minuten, als die Leichen schon brannten, mußte man die Ventilatoren – dort waren auch Ventilatoren – einschalten. Und wir konnten das nicht, wir sahen das zum ersten Mal. Und die Ventilatoren, die waren zu lange in Betrieb, und da kommt es zu einem Feuer im Krematorium.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Feuer ist ausgebrochen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ein Feuer. Weil die Ventilatoren [liefen länger] als sie durften, und darum war da ein Feuer. Und da müssen wir es mit Wasser löschen. Und dabei können schon [drei Häftlinge nicht mehr], weil Stark hat geschrien: »Los!« und geschlagen. Das kann ich noch nicht schildern, was er dort gemacht hat. Und die drei Häftlinge können schon nicht [+ mehr].

 

Vorsitzender Richter:

Wie? Die drei Häftlinge

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Die waren schon — ti už byli zničení. Fyzicky už nemohli.

 

Dolmetscher Stegmann:

Die waren schon physisch vernichtet.

 

Zeuge Filip Müller:

Sie können schon nicht laufen mit dem Wasser

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Würden Sie, Herr [Dolmetscher], auch bitte ins Mikrofon sprechen, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Sie können nicht [+ mehr]. Da nimmt Stark den Revolver, vor meinen Augen schießt er. Filip Weiss, Goldschmidt und Neumann, diese drei wurden erschossen, von Stark.

 

Vorsitzender Richter:

Drei.

 

Zeuge Filip Müller:

Da habe ich es gesehen, da war ich dabei. Nachher, das war schon so gegen Abend, kommen Autos, große Autos, Lastautos. Und wir müssen die Leichen auf das Auto [+ laden] und fahren bei Nacht heraus aus dem Lager und kommen auf ein Feld. Wir wissen nicht, wo wir sind. Und dort war eine große, große Grube. Wir haben nur gesehen, daß in der Grube Wasser war, in dieser Nacht. Aber da waren wir schon vier, nicht sieben. Weil die drei wurden schon erschossen. Und wir müssen die Leichen in diese Grube in das Wasser — naházet.

 

Dolmetscher Stegmann:

Hineinwerfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Hineinwerfen in dieser Nacht. Es können 400 oder 500 Leichen gewesen sein, weil [einige] hat man im Krematorium verbrannt vor dem Feuer. Und diese Leichen müssen wir in diese Grube werfen. In der Nacht, wie wir mit den Autos fahren, da [unverständlich] unter uns ein Auto mit einem roten Kreuz – es hatte ein rotes Kreuz und einen großen Reflektor –, als wir dort fuhren. Zurück nicht mehr, zurück waren mit uns SS-Posten, zwei oder ich weiß nicht, wie viele. Wir kamen ins Lager, und Stark selbst führte uns wieder in Block 11, diese Nacht wieder in Block 11. Da [übernimmt] uns der Blockführer von Block 11 und [steckt] uns in den Bunker. Da habe ich zum ersten Mal den Bunker von Block 11 gesehen. In der Zelle des Bunkers war kein Licht. Überhaupt, das war...

 

Vorsitzender Richter:

Dunkel.

 

Zeuge Filip Müller:

Dunkel. Aber damals war doch Nacht, [in der Frühe] haben wir das überhaupt erst gesehen. Da waren wir und kommen in den Bunker. Nachher sperrt er zu, da hören wir schon, daß es früh ist. Vom Bunker aus hat man es gehört, weil die Häftlinge am Block 11 waren; da hört man es gut. Aber kein Licht. Wir wissen nicht, wo wir sind. Und so sind wir vier Menschen in diesem Bunker.

Nachher wieder die Schlüssel. Ich möchte noch sagen, daß der Bunker, wenn man heruntergeht, auf der linken Seite war. Wenn man herunterkommt, auf der linken Seite. Und nachher also wieder die Schlüssel des Blockführers. Und diese Schlüssel – das war doch furchtbar, wenn der Häftling, der im Bunker war, den Schlüssel wieder hört. Wenn mit dem Schlüssel der Blockführer kam, das war schrecklich. Macht man die Tür auf und gibt uns Essen [Pause] und Suppe.

 

Vorsitzender Richter:

Am Morgen?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war schon gegen Mittag. Aber wir haben es nicht gesehen, weil es dunkel war. Nach dem Essen, nur eine halbe Stunde nachher, kommt, wieder mit dem Schlüssel, der Blockführer und bringt drei Häftlinge zu uns in den Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

In den dunklen Raum.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und das waren – als wir dann herausgingen, haben wir ein bißchen gesprochen – Franzosen, französische Häftlinge. Ich glaube, einer lebt, er ist aber krank. Er heißt – er lebt noch – Samuel Jankowski2, aus Frankreich. Und nachher hören wir, wie von dem — ze dvora

 

Dolmetscher Stegmann:

Von dem Hof.

 

Zeuge Filip Müller:

Von dem Hof, weil der Bunker, ich kann es zeigen vielleicht, hatte eine – nein, so war es: Er macht mit dem Schlüssel auf. Und wir gehen mit dem Blockführer wieder zu der Blockführerstube, wo das »Arbeit macht frei« am Tor [+ steht]. Vor der Fahrbereitschaft steht ein Auto — hasičské auto.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ein Feuerwehrauto.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Feuerwehrauto. Das war ein [geschlossenes] Auto. Und in dieses Auto [steigen] wir alle sieben ein, Stark war dort auch. Und wir fahren wieder zu der Grube, wo wir in der Nacht waren. Sie lassen uns gegen eine Stunde...

 

Vorsitzender Richter:

Abseits stehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Sie lassen uns abseits, weil das Auto nimmt...

 

Vorsitzender Richter:

Das Wasser heraus.

 

Zeuge Filip Müller:

Das Wasser heraus. Und nachher war es dann schrecklich. Diese sieben Häftlinge, die wir dort waren, mußten in den Graben. Aber bisher war es... Vorsitzender Richter:

Schlamm.

 

Zeuge Filip Müller:

War es nicht Wasser, sondern schon...

 

Vorsitzender Richter:

Schlamm.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo [+ to] už bahno.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ja, ein Sumpf. Ein Sumpf war es.

 

Vorsitzender Richter:

Sumpf, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und wir müssen die Leichen zusammen auf einen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Auf einen Haufen bringen.

 

Dolmetscher Stegmann:

Auf einen Haufen zusammentun.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. [Pause] Oben war Aumeier.

 

Vorsitzender Richter:

Was war oben?

 

Zeuge Filip Müller:

Aumeier, der Kommandant. Dann war dort Grabner, die waren oben, noch mehr SS-Offiziere, wie ich mich erinnern kann — a po straně toho svahu, dole.

 

Dolmetscher Stegmann:

Zur Seite diese Abhangs

 

Zeuge Filip Müller:

War wieder Stark. Der dirigierte es, der dirigierte. Wir müssen alle die Leichen ziehen.

 

Vorsitzender Richter:

Herausziehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Aus dem Wasser auf einen...

 

Vorsitzender Richter:

Haufen.

 

Zeuge Filip Müller:

Haufen geben. Und wir konnten nicht, weil die Leichen schon voll Wasser waren. Und als wir sie nahmen, da...

 

Vorsitzender Richter:

Glitschte man ab.

 

Zeuge Filip Müller:

Fließt es, ja, und wir fallen in das Wasser. Und der Stark treibt uns wie die, na, Tiere, das kann man überhaupt nicht sagen. Und wieder zwei französische Häftlinge konnten schon nicht [+ mehr]. Und das war so: Das war mehr als zwei Meter oben so die Leichen, von der anderen Seite, und sie machen so, weil sie schon — oni se opřeli o ty mrtvé, oni už nemohli stát.

 

Dolmetscher Stegmann:

Sie haben sich gestützt auf die Toten. Sie konnten nicht mehr stehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Nicht mehr stehen. Und der Stark sagt: »Was ist los, ihr Moritze? Ihr seid schon kaputt?« Nimmt den Revolver, einen, den zweiten erschießt er. Das habe ich auch gesehen. Ich war dabei.

Nach diesem allem kommen wir wieder in das Lager Auschwitz. Und damals fuhren wir schon nicht [+ mehr] mit dem Auto, sondern wir müssen im Laufschritt — utíkat.

 

Dolmetscher Stegmann:

Wir müssen zu Fuß laufen.

 

Zeuge Filip Müller:

Zu Fuß laufen, nicht mit dem Auto fahren. In den Gräben waren wir — oblečení

 

Dolmetscher Stegmann:

Wir waren bekleidet.

 

Zeuge Filip Müller:

Bekleidet, voll mit Blut und voll mit — zablácení, špinaví.

 

Dolmetscher Stegmann:

Beschmutzt.

 

Zeuge Filip Müller:

Verschmutzt. Und so mußten wir laufen. Da kamen wir wieder zu der Blockführerstube, und von der Blockführerstube wieder nach Block 11, aber in Zelle Nummer 13 des Bunkers. Also in dieser Zelle waren wir. Dort [gab es] Licht. Dort waren wir in dieser Nacht, dieser schrecklichen Nacht. Wir waren so schon, ich möchte sagen — duševně a fyzicky zničení.

 

Dolmetscher Stegmann:

Seelisch und...

 

Vorsitzender Richter:

Zusammengebrochen.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ja [unverständlich] vernichtet.

 

Zeuge Filip Müller:

Und [zusammengebrochen], daß wir dort auf der Erde wie die Tiere schliefen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Nachher kommt es so: Am andern Tag kommt wieder – in der Früh war es – der Blockführer von Block 11 zum Essen. Aber er macht nur die Tür auf, weil die Häftlinge geben dort das Essen aus. Und wir sagen ihm, er soll uns vielleicht uns waschen lassen waschen, und er macht es. Und wir gehen in den Waschraum rauf, rechts vom Hof die letzte Tür, wie wir aus dem Bunker rausgehen. Und in diesem Waschraum bekommen wir andere Kleider. Und wir gehen wieder in die Zelle in den Block 13 herunter. Nachher, am Abend – ich will nicht das Ganze schildern – auf einmal hören wir vom Hof jemand schreien: »Fischl-Kommando! Fischl-Kommando bereitmachen!« Wir haben gut erkannt, daß das Stark ist. Ich kann noch heute sagen, wie Stark spricht. Er spricht so: »Los, Kommando machen, los, schneller!« So spricht Stark. Das [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, was hat er gesprochen? »Fischl-Kommando bereitmachen«?

 

Zeuge Filip Müller:

»Los, bereitmachen! Los!« Da ziehen wir uns die boty, die Schuhe an, — to byly tedy dřevěné boty.

 

Dolmetscher Stegmann:

Das waren Holzschuhe.

 

Zeuge Filip Müller:

Holzschuhe. Und nachher hören wir die Schlüssel wieder, die Schlüssel. Und es kommt wieder der Kommandoführer und macht auf. Stark [führt] uns durch das Lager, und wir sind wieder auf dem Hof des Krematoriums. Aber vorher wollte ich noch sagen: Wie wir schon gewaschen waren, kommen wieder Häftlinge, zwei slowakische. Einer mit Namen Burger. Burger heißt er. Waren wir wieder sieben.

 

Vorsitzender Richter:

Wie heißt er?

 

Zeuge Filip Müller:

Burger. Hans Burger. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und er macht das Tor auf zu dem Hof, wo das Krematorium ist, und er [stellt] uns an eine Wand und sagt, Stark wieder: »Hier werdet ihr stehen, mit niemandem dürft ihr sprechen, und ihr wartet auf meinen Bescheid, sonst erschieße ich euch.« Das war schon am Abend, aber es war noch ein bißchen Licht, man hat noch gesehen, aber gegen Abend war es, schon nach dem Appell. Da [öffnet] sich die Tür. Da kommen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Welche Tür?

 

Zeuge Filip Müller:

Des...

 

Vorsitzender Richter:

Krematoriums?

 

Zeuge Filip Müller:

Das Tor vom...

 

Vorsitzender Richter:

Vom Hof zum Krematorium?

 

Zeuge Filip Müller:

Vom Hof, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Zum Krematorium?

 

Zeuge Filip Müller:

Von der Seite, wo das Lazarett war, ein Gebäude war das Lazarett.

 

Vorsitzender Richter:

Ach, die Tür nach außen also, [...] nach der Straße?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, nach der Straße. Dort waren zwei Türen, eine, wo das Lazarett war, und [+ eine] zweite von der Seite, wo die Politische Abteilung nachher war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und es kamen so gegen 300 oder 350 jüdische Kinder, Frauen, also sie kamen herein in Zivil. Aber damals waren dort noch andere Offiziere, die ich [wiedererkannte]: Grabner als der Chef von der Politischen Abteilung, wie ich dann gehört habe. Und damals war dort Aumeier und von den Unteroffizieren, die bei Stark waren, war einer Unterscharführer und einer Rottenführer — měl zrzavé vlasy a nosil brýle.

 

Dolmetscher Stegmann:

Jaké vlasy?

 

Zeuge Filip Müller:

Červené.

 

Dolmetscher Stegmann:

Der rote Haare

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Rote Haare, — a měl takové diplomatické brýle.

 

Dolmetscher Stegmann:

Eine Diplomatenbrille.

 

Zeuge Filip Müller:

Nicht Diplomatenbrille, aber...

 

Dolmetscher Stegmann:

So eine eckige.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Ja.

 

Dolmetscher Stegmann:

[Hranaté.]

 

Zeuge Filip Müller:

Takové čtvercové, neohraničené, jenom otevřené.

 

Dolmetscher Stegmann:

Eine offene Brille, ohne Rand.

 

Zeuge Filip Müller:

Ohne Rand. Und Stark fängt an: »Los, alle ausziehen!« Die andern zwei machen auch mit. Die Offiziere, die stehen bei der anderen Seite vom Tor. [Pause] Ich möchte schildern, wie das ausgeschaut hat. Also die Menschen, das waren Juden aus Polen. Das haben wir dann gesehen, weil wir dann die Klamotten noch dort sortieren mußten. Die Menschen, wie wir gesehen haben, hatten nicht gewußt, wohin sie gehen. Aber sie haben gewußt, das ist nicht gut. Etwas ist nicht gut hier, wenn man [den Frauen, den Kindern, den Männern allen befiehlt:]»Los, los, ausziehen!« Und sie schauen einer auf den andern: Was wird hier sein? Und sie ziehen sich, ich möchte sagen, so langsam [+ aus], [als hätten sie die Zeit gebraucht, um zu spekulieren,] was kann...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, sie überlegen sich, was sein könnte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja, langsam, sie spekulieren. Und das geht ein paar Minuten. Und da war Stark wieder mit den zwei SS-Angehörigen, also der Rottenführer und der Unterscharführer, mit einer Peitsche erwischen sie aber nur die, die vor ihnen waren. »Los, ausziehen, ausziehen!« So war es: Da [war] ein Mann, der zieht sich die Krawatte aus, wollte sie sich ausziehen, aber er hat sie schon nicht [+ mehr]. Er hat sie schon vorher ausgezogen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Oder er zieht sich hier die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Stiefel aus.

 

Zeuge Filip Müller:

Er war irgendwie geschockt.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er war völlig verwirrt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, und die kleinen Kinder, wenn sie es sagen, die gehen zu den Eltern, aber sie weinen nicht. Sie weinen nicht. Sie waren wahrscheinlich aus dem Ghetto oder was, und sie weinen nicht, aber so schnappen sie [+ nach Luft]. Und so geht es, also diese ersten 300 oder 350. Und dann gehen sie in ein Zimmer, in das Krematorium, vorne rechts in eine kleine Stube. Dort gehen sie nur durch und gleich in die Gaskammer. Die Gaskammer, die war nicht so groß, wie ich dann von Birkenau die Gaskammern schildern werde. Kein Fenster drin, oben nur, unten ein Ventilator und Licht. Sie kommen herein. Nachher sperren sie die Tür zu. Und wieder kommt Stark heraus und gibt uns den ersten Bescheid: »Die Klamotten zusammenziehen!« Und wir geben die Klamotten auf die linke Seite, weil dort — to krematorium mělo rovnou střechu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Das Krematorium hatte ein flaches Dach.

 

Zeuge Filip Müller:

Flaches Dach, ja. — A odtamtud [šel] svah. Takže se tam [dalo] jít nahoru po svahu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Es gab einen Abhang dort.

 

Zeuge Filip Müller:

Da kann man rauf.

 

Dolmetscher Stegmann:

Dort konnte man die Sachen hinlegen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und unten auf der linken Seite, wie man es sieht, da müssen wir schnell diese Klamotten durchwerfen und mit ein paar Decken, vielen Decken [zudecken.] Dort waren Decken, die müssen wir...

 

Vorsitzender Richter:

Drüberlegen.

 

Zeuge Filip Müller:

Drüberlegen. Nachher [+ mußten wir] wieder dort stehen, und da [öffnet] sich die Tür wieder. Da kommen wieder Menschen, 300, mehr, 350. Und wieder geht es wie beim ersten Mal. So war es. Nachher waren wir nicht drin. Nur auf dem Hof waren wir. Und jetzt sehen wir, daß alle Türen schon zugesperrt waren. Auch die Tür, durch die man ins Krematorium hineingeht, sperrt man zu. Stark geht heraus, wo an der Seite zu dem SS-Lazarett die Türe war. Und da hören wir auf einmal schweren — kašel.

 

Dolmetscher Stegmann:

Husten.

 

Zeuge Filip Müller:

Einen Husten. Und sie schreien, die Menschen. Man hört die Kinder, und alles zusammen schreit. — Bouchají na dveře

 

Dolmetscher Stegmann:

Sie schlagen an die Tür.

 

Zeuge Filip Müller:

Jako z dálky je to slyšet.

 

Dolmetscher Stegmann:

Wie aus der Ferne ist das zu hören.

 

Zeuge Filip Müller:

Zu hören, wie sie an die Tür schlagen. Dann langsam, wieder Schlagen und nicht mehr, langsamer, langsamer, langsamer, noch [hustet] so.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Husten, und dann

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Ein Husten.

 

Vorsitzender Richter:

Verstummte das Geschrei.

 

Zeuge Filip Müller:

Und so geht es. Und dann auf einmal sehen wir oben, wo das Krematorium war, vor der Türe steht Stark. Gasmaske hier und zwei Büchsen.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwei?

 

Zeuge Filip Müller:

Wie Konserven.

 

Vorsitzender Richter:

Zwei Büchsen, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Zwei Büchsen. Und er geht herunter und fängt an – auch die zwei. Dann gehen die Offiziere weg. Einmal waren sie noch dort, ein anderes Mal nicht. Das war verschieden. Aber sie gehen weg, und jetzt müssen wir alle Klamotten [durchsuchen], und wir müssen aus den Taschen alles nehmen. Und da war eine große Kiste, offen. Damals war die Kiste noch offen, war nicht zugesperrt. Und wir finden viel Geld. Dort waren [unverständlich] Dollar, Gold

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Juwelen, Edelsteine, ja.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Alles voll, ja. Und der Stark hat nachher zu einem Unterscharführer »Klaus« gesagt, aber ich kenne ihn nicht. Ein Unterscharführer, »Klaus« hat er gesagt. Und den Rottenführer, den kenne ich überhaupt nicht. — Ten měl jenom zrzavé vlasy, si pamatuji.

 

Dolmetscher Stegmann:

Zrzavé?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, červené vlasy.

 

Dolmetscher Stegmann:

Rote Haare.

 

Zeuge Filip Müller:

Nur rote Haare hat er gehabt. Und diese zwei stehen auch dort, wo das...

 

Vorsitzender Richter:

Gold hineinkam.

 

Zeuge Filip Müller:

Und steckten sich, ja...

 

Vorsitzender Richter:

In die Tasche.

 

Zeuge Filip Müller:

In die Tasche, ja. Und dann müssen wir, zwei Häftlinge oder drei Häftlinge, weil das war...

 

Vorsitzender Richter:

Schwer.

 

Zeuge Filip Müller:

Oh, das war schwer, es nehmen und herausgehen zu der Baracke. Damals war noch die Baracke der Politischen Abteilung ein Gebäude unter dem Kamin. Und der Kamin war nicht wie jetzt, der Kamin war noch — byl kulatý.

 

Dolmetscher Stegmann:

Der Kamin war rund.

 

Zeuge Filip Müller:

Rund damals. Was nachher stand, das ist schon ein neuer.

 

Vorsitzender Richter:

Neu.

 

Zeuge Filip Müller:

Neu gebauter Kamin in diesem Krematorium Auschwitz. Da nehmen sie es in das Gebäude der Politischen Abteilung, und die andern gehen um einen Wagen. Dort war, wenn man herausgeht aus dem Tor zu dem SS-Lazarett, dann rechts die Fahrbereitschaft.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und dort ist ein — dřevěný vůz.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ein hölzerner Wagen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein hölzerner Wagen, und den Wagen müssen wir nachher dann volladen mit diesen Klamotten und im Lager in der Effektenkammer das runter...

 

Vorsitzender Richter:

Abladen.

 

Zeuge Filip Müller:

Abladen. Also [Vergasungen] habe ich nicht einmal gesehen, [sondern] viele, viele Male.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und ich möchte so sagen: Vergast hat man immer. Damals – ich spreche so von Mai, Juni 1942 – hat man vergast, entweder vor dem Appell oder abends nach dem Appell, nie damals [während]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Am Tag, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

[Während des Tages.] Das war so, sagen wir, wenn wir ausrücken um halb vier oder vier Uhr, wenn die Häftlinge kommen, dann ist es schon acht, dann ist schon alles

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Erledigt.

 

Zeuge Filip Müller:

Alles, alles.

 

Vorsitzender Richter:

Alles vorbei.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber ich muß noch sagen zu den ersten Verbrennungen, die wir dort machen mußten: [Es gab damals schon] die Heizer des Krematoriums. Aber wie wir dort waren, damals an dem Samstag, waren sie nicht dort. Ich kann auch die Namen der Heizer nennen. Das waren drei Polen, politische Häftlinge. Sie haben geheißen Józek, Wacek und Mietek.3 Und der Mietek, der blieb dann als Kapo in diesem Krematorium. So war es.

Man hat vergast entweder am Abend nach dem Appell oder früh vor dem Appell, so daß [+ um] acht Uhr, nach acht Uhr nur mehr die Klamotten [+ da waren]. So gegen dreimal in einer Woche hat man die Menschen so vergast. Die Szene war immer so, wie ich schildere. Aber wenn die Offiziere weggingen, dann war die Szene so schrecklich. Ich möchte nun schildern nicht das, was ich gehört habe, [sondern] das, was ich gesehen habe ein, zwei Meter vor Stark, was er mit den Frauen machte. Sagen wir, es war ein Transport, ein jüdischer Transport. Einer von den Juden, entweder war er Rabbiner, er hatte einen so

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Bart.

 

Zeuge Filip Müller:

Er war so klein. Weil die Polen wußten damals nicht – so glaube ich –, wohin sie gingen. Aber sie haben gesehen, es ist etwas nicht in Ordnung. Die Menschen ziehen sich aus. Einer, der Rabbiner – ich weiß nicht, ob er Rabbiner war –, einer von diesen Menschen, das war ein kleiner Mensch, versteckt sich unter den Klamotten. Da waren die andern, und er unter den Klamotten.

 

Vorsitzender Richter:

Hat sich verkrochen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und jetzt kommt der Befehl, die Klamotten...

 

Vorsitzender Richter:

Zusammenräumen.

 

Zeuge Filip Müller:

Zusammenräumen. Und da sieht es Stark. »Ah, Israel, nein, komm mal, los!«[Da stellt er ihn an die Wand.] Er schießt ihm zuerst in den einen Fuß. Er fällt. Er läßt ihn ein bißchen liegen, dann nimmt er ihn wieder hoch, er selbst, [+ schießt] in den zweiten Fuß. Der Mensch, der fällt. Da nimmt er einen Koffer, weil er noch lebt, in beide Füße wurde er geschossen. [Er stellt einen Koffer an die Wand.] So stellt er den Koffer hin, und er setzt den Menschen, unschuldigen Menschen drauf und schießt ihn zum dritten...

 

Vorsitzender Richter:

In den Kopf.

 

Zeuge Filip Müller:

Das weiß ich nicht, ob es in den Kopf war. Er schießt also auf ihn, daß er tot ist. Schauen Sie, Herr [Richter], ich möchte auch nur [+ ein] paar, ich möchte nicht – aber ich sollte Ihnen zeigen, was Stark war. Sagen wir, es kommt ein Transport. Viele Male nimmt er sich jüdische Frauen, acht, zehn, fünf [unverständlich]: »Sarah, zu der Wand!« Die gehen alle ins Gas. Jetzt nimmt er zwei Frauen, aber vorher geht er in die Politische Abteilung und bringt eine — pušku.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ein Gewehr.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Gewehr. Aber das Gewehr hört man nicht, da war nur: »tschck«.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ein lautloses.

 

Zeuge Filip Müller:

Und er packte es immer, und herauf lief so eine kleine Patrone mit Z, eine kleine rote Patrone. Und er stellt sich die zwei Frauen – das war nach dem Vergasen, aber nicht einmal, viele Male –, da stellt er sich die Frauen, und die Frauen sehen, daß er auf sie [+ zielt]. Die Frau — si klekla.

 

Vorsitzender Richter:

Sie zittert.

 

Dolmetscher Stegmann:

Sie kniet nieder.

 

Zeuge Filip Müller:

Sie kniet. Und sie sagt, weil sie nicht weiß, was Stark ist: »Herr Kommandant, ich bitte Sie, lassen Sie mich leben. Ich habe doch nichts gemacht.« Und: »Los, Sarah, stehen! Sarah stehen! Sarah stehen! Los, du mußt stehen!« Er spricht ja so. So spricht er. Er schießt erst mal hier oder hier, dann wieder in die Füße. Die fünf, sagen wir, müssen zuschauen, die anderen. Das kann man nicht schildern. Und da erschießt er sie alle. Ich will nicht noch so eine [Erinnerung], eine schrecklichere. Ich sage so: Ich sehe mein ganzes Leben Stark. Mein ganzes Leben. Wo ich gehe, sehe ich ihn. Furchtbar.

So eine konkrete Sache wieder: In der Früh rücken wir aus zu einem Transport. Nachher wurde der Transport schon vergast, und die Menschen – wenn man die Pakete aufmacht – haben kleine Pakete noch mit, Brot, und das liegt auf der Erde. Es war [noch] früh, als die Kommandos ausrückten. Damals war schon alles vergast, ich weiß nicht, es war so gegen sieben oder acht Uhr. [Pause] Das Tor hatte einen — škvíru, měl dole díru.

 

Dolmetscher Stegmann:

Das Tor hatte einen Spalt unten.

 

Zeuge Filip Müller:

Unten. Und die Häftlinge, die arbeiten — metou, metař i.

 

Vorsitzender Richter:

Haben es geworfen, das Brot.

 

Zeuge Filip Müller:

Metou zem. Metaři.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ja, sie haben dort aufgekehrt.

 

Zeuge Filip Müller:

Die kehren, das Kommando. Dieses Kommando sieht von der anderen Seite, daß in dem Tor ein Stückchen Brot liegt.

 

Vorsitzender Richter:

In dem Spalt, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, in dem Spalt. Und jetzt geben sie von der entfernteren Seite den...

 

Vorsitzender Richter:

Häftlingen.

 

Zeuge Filip Müller:

Und auf einmal sieht das er, Stark. Wie elektrisiert [springt] er auf, bringt er drei Häftlinge – das waren Häftlinge, nicht Juden. Das waren, wie ich mich noch erinnern kann, Deutsche, das waren die Bibelforscher. Zwei Stunden mordete er sie, bis er sie erschoß. Das ist eine Seite.

So geht es sechs Wochen, wie ich Stark bei dieser Arbeit sehe. Wenigstens mußte er – wenigstens, sage ich – 10.000, 11.000 Menschen selbst ins Gas [+ geschickt haben]. Er schickt sie ins Gas, und er vergast sie auch. Weil damals war es noch nicht so, im Jahre 1942, daß das Auto kommt mit dem roten Kreuz und man aufmacht. Damals war es noch nicht so. Er machte es selbst. Und die zwei Unteroffiziere, die helfen. Wenn Stark schlägt, dann schlagen sie auch. Er war der, ich möchte nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Der Antreiber.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Er war der Initiator. Was er macht, [+ machen sie auch], als hätten sie vor ihm Angst gehabt. Ich kann das nicht anders [+ ausdrücken]. Wenigstens 10.000, 11.000 wurden vergast, wenigstens, was ich mit meinen Augen ein, zwei Meter neben mir gesehen habe. Das ist die eine Sache, was er gemacht hat. Die ganze Arbeit des Fischl-Kommandos – ich muß es Fischl nennen, der Stark wird sich gut [erinnern] an den Häftling Fischl; dem Fischl- Kommando gab er den Namen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Die Arbeit in diesem Fischl-Kommando [betraf] nur die Klamotten, erst mal, und wir arbeiteten nicht mehr als zwei Stunden. Wenn wir um halb vier ausrücken, ist ab acht Uhr den ganzen Tag schon nichts [+ mehr] zu tun. Ich weiß nicht, was er gearbeitet hat, aber nicht mehr. Und wir gehen in den Bunker. Wir müssen gehen, unter ihm oder unter dem Blockführer, der uns führt, durch die Lagerstraße in den Bunker, Block 11, und sind in die Zelle Nummer 13, diese sechs Wochen [ungefähr].

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange waren Sie dort?

 

Zeuge Filip Müller:

In dem Auschwitzer Krematorium war ich so bis gegen Ende Juni oder Anfang August, das kann ich nicht, das kann ich nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, wieviel Wochen waren es denn ungefähr?

 

Zeuge Filip Müller:

Sechs Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Sechs Wochen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ungefähr sechs Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagten, Sie sind hingekommen wann ungefähr?

 

Zeuge Filip Müller:

Den 13. April.

 

Vorsitzender Richter:

Am 13. April sind Sie nach Auschwitz

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Ich kam nach Auschwitz am 14., am 15. April gehe ich nach Birkenau. Dort bleibe ich [ungefähr] drei, vier Tage, [+ dann] wieder nach Block 11, dann rücke ich für ein paar Tage, acht oder zehn, in Buna ein, und an dem Samstag komme ich in das »Sonderkommando«, Fischl-Kommando, wenn ich es so sage, wie Stark es sagte.

 

Vorsitzender Richter:

Das war also Ende April, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Mai, glaube ich.

 

Vorsitzender Richter:

Im Mai zum Fischl-Kommando und blieben dort bis?

 

Zeuge Filip Müller:

Dort bis Ende Juni.

 

Vorsitzender Richter:

Bis Ende Juni?

 

Zeuge Filip Müller:

Juni 1942.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kamen Sie wohin?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, das war so: Also ich muß auch schildern, wie ich aus dem Krematorium herauskam. Das war so: Entweder Stark oder der Unterscharführer führten uns immer zu der Blockführerstube, von dort nachher ins Lager. Aber beim letzten Mal schon, ich weiß nicht warum — či snad z pohodlnosti

 

Dolmetscher Stegmann:

Aus Bequemlichkeit.

 

Zeuge Filip Müller:

An den Toren stehen Häftlinge, ein Arbeitsdienst, und sie sagen: »Nehmt die Häftlinge ins Lager!« Ja, das war schon am Ende, wie ich dort war. Und er nimmt uns ins Lager. Da kommt zu mir der Arbeitsdienst und sagt zu mir: »Du, wenn du mir viele Dollars bringst«– viel, ja, er sagt nicht, wieviel – »[hol ich dich raus] von dort.« Und ich habe es gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Was haben Sie ihm gebracht?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe ihm ein großes, so ein Paket amerikanische Dollar gebracht, dem Häftling.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Das war in der Früh. Wie wir zurückkamen, gebe ich es ihm, und er sagt zu mir: »Bleib hier.« Und wo die Küche war, war auf der anderen Seite ein Block, und er sagt zu mir: »Hier, bleib in dem Waschraum.« Ich bleibe dort, er kommt, und er gibt mich auf den Block 14. Und auf dem Block 14 habe ich gearbeitet. Nachher wurde ich, abtransportiert nach Buna, Monowitz.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie sind mit den Leuten, die auf Block 14 gewohnt haben, nach Buna transportiert worden?

 

Zeuge Filip Müller:

Nach Buna, ja. Und dann war ich bis zum Frühling 1943 in Monowitz.

 

Vorsitzender Richter:

In Monowitz?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und in Monowitz schlägt mir auf — na pravé stehno.

 

Dolmetscher Stegmann:

Auf den rechten Schenkel.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich bekomme eine — spadlo mi tam jedno břemeno, jedno železo.

 

Dolmetscher Stegmann:

Es fiel dort ein Eisen darauf.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, auf

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wie war das noch mal?

 

Dolmetscher Stegmann:

Es fiel ihm ein Eisen auf — na stehno, nebo? — Es fiel ihm ein Eisen auf den rechten Schenkel.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und ich bekomme eine große Phlegmone. Ich konnte nicht [mehr] arbeiten, im Krankenbau hatte ich Angst [vor dem], was dort war. Und einmal sieht uns ein Unterscharführer. Da waren noch drei. Einer hatte, ich glaube, das war Typhus. Er hat Fieber gehabt. Und wir arbeiten nicht. Also wir verstecken uns. Er sieht uns, [holt] uns heraus, und am anderen Abend kamen wir mit anderen 30 Häftlingen nach Birkenau. In Birkenau, das war die längste

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wieso nach Birkenau? Sie wohnten doch in Block 14, sagten Sie, gell?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, Block 14.

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz.

 

Zeuge Filip Müller:

Von Block 14 kam ich nach Buna.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, da sind Sie [...] auch in Buna untergebracht worden.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, untergebracht. In Monowitz, ja. Nachher kam ich von Buna als »Muselmann« nach Birkenau. Und in Birkenau – das war der letzte Block auf der linken Seite, ich weiß nicht, in welchem Block ich damals war – war mein guter Freund, den ich kannte: Josef Vacek. Das [+ war] einer, und der zweite Mann, das war Doktor Čespiva. Und [unverständlich]: »Slowak, von wo bist du?« und so.

Und [wegen ihnen] bleibe ich dort, ich kriegte Tabletten zudem. Der Čespiva wollte es operieren. Er sagte: »Wenn man es operiert, könnte es in ein paar Tagen gut sein. Aber ich darf nicht.« Wir waren zehn in einem Zimmer, die nur Tabletten bekommen. Und das war so, daß der SDG kommt, und wir müssen die Tablette vor ihm...

 

Vorsitzender Richter:

Hinunterschlucken.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und nachher hat es der Vacek so gemacht, daß ich komme in den...

 

Vorsitzender Richter:

Chirurgischen Saal.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber das war schon so, nicht zu Anfang des Frühlings, [sondern gegen Ende des] Frühlings.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Da kam ich in den Block in Birkenau. Aufgeschrieben haben sie: »leichte sitzende Arbeit«, ja?

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Schonungsblock.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, »leichte [sitzende Arbeit]« und »Kartoffelschälerei«. Und dort bleibe ich, bei dieser Kartoffelschälerei, ein paar Tage. Auf einmal kommen die Offiziere. Ich denke, ich kann mich anmelden, sehr gut. Also Schwarzhuber, und der andere, Aumeier, denkt, er kennt mich. Er geht so: »Was machst du hier?« So. Und ich schaue, ich war doch aber...

 

Vorsitzender Richter:

Mager.

 

Zeuge Filip Müller:

Mager. Woran könnte er mich...

 

Vorsitzender Richter:

Wiedererkennen.

 

Zeuge Filip Müller:

Wiedererkennen. Und er nimmt mich zum Tor. Nein, der »Pipel«, der Läufer, oder was das war, geht zu der Blockführerstube, kommt ein SS-Angehöriger, der nimmt mich zum Tor. Und dort warte ich wenigstens eine Stunde. Ich habe geglaubt, daß ich erschossen werde. Nein, er nimmt mich in Block 13 in Birkenau4. Das war schon — to bylo v létě.

 

Dolmetscher Stegmann:

Das war schon im Sommer.

 

Zeuge Filip Müller:

Gegen Sommer. Und dort war das große »Sonderkommando« Birkenau, das schon gearbeitet hat in den großen – wie man es genannt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Krematorien.

 

Zeuge Filip Müller:

»Fabriken des Krematoriums«.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, kannten Sie auch den Angeklagten Boger?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich kannte ihn gut.

 

Vorsitzender Richter:

Persönlich?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Woher kannten Sie ihn persönlich?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich kann es auch schildern. Im Jahre 1942 habe ich ihn nie gesehen, Boger. Habe ich ihn nicht gesehen. Aber im Jahre 1943, wo ich im Krematorium [+ war] – ich werde schildern, wie das im Krematorium war –, ist er vielmals gekommen, immer mit dem Rad, mit bicykl, Aktentasche, ja.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit dem Fahrrad oder mit einem Motorrad?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein. Fahrrad.

 

Vorsitzender Richter:

Mit dem Fahrrad.

 

Zeuge Filip Müller:

Fahrrad. Ich habe ihn gesehen mit dem Fahrrad. Das weiß ich bestimmt, daß, wenn er kommt, eine halbe Stunde nachher schon ein Transport angekommen ist. Aber kein Transport zum Vergasen, sondern ein Transport zum Erschießen. Weil im Krematorium IV, wo ich nachher war, hat man geschossen. Dort haben geschossen Oberscharführer Voss5 und Rottenführer Gorges, [Johann] Gorges, nachher war er Unterscharführer. Die schoßen dort.

Also wenn Boger kommt, da wissen wir schon bestimmt, daß eine halbe Stunde nach dem oder nach zehn, 20 Minuten Häftlinge kamen zum Erschießen. Entweder Häftlinge, oder es waren auch dort so kleine Transporte, die sie [aus dem Bunker geholt haben]. Juden, Kinder und so fort. Das war so: Sie waren nicht im Ghetto, sie waren versteckt unter der Erde. Und sie fanden sie. Und mit ihnen kommt immer ein Wagen. Ein Zivilist ist es, mit so einem — měl malý fousky.

 

Dolmetscher Stegmann:

So einem kleinen [unverständlich]

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ein Chauffeur in einem Lastwagen. Wie wir gehört haben, war der von Kattowitz, von der Kattowitzer Gestapo. Und dann wurden die Menschen erschossen. Das »Sonderkommando« hat zu Boger gesagt: »Es kommt der Malech Hamuwes.« Das heißt: »Es kommt der Tod.« Boger hat man im Krematorium so genannt: »Es kommt der Malech Hamuwes.« Das heißt jiddisch: »Es kommt der Tod.« Wenn Boger kommt, da sagt man nicht: »Es kommt Boger«, sondern da sagt man: »Es kommt der Malech Hamuwes.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und er [+ hat] nur die Papiere, weil er vorher zu dem Unterscharführer Gorges oder Voss6 geht, [+ je nachdem], wer dort war, und nachher kommt der Transport. Was er dort in dieser Stube machte, das weiß ich nicht. Und dann sind diese Menschen erschossen worden. Also ich habe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wer hat geschossen?

 

Zeuge Filip Müller:

Es haben geschossen Oberscharführer Voss und Unterscharführer Gorges, diese zwei. Weil ich habe damals Stark nie gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Stark?

 

Zeuge Filip Müller:

Stark 43

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, ich meine

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Ich habe ihn nie, nie gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben doch eben von Boger gesprochen. Der hat nicht geschossen?

 

– Schnitt –

 

Zeuge Filip Müller:

Das war schon so gegen Herbst 44. Da kommt der Scharführer Hermann Buch, ein älterer SS-Angehöriger, Scharführer, glaube ich. Er könnte damals schon 46 oder 50 Jahre [alt gewesen sein]. Und er war immer besoffen. Bei ihm, bei dem Buch, war die Disziplin auch bei den Häftlingen...

 

Vorsitzender Richter:

Gelockert.

 

Zeuge Filip Müller:

Hauptsache, daß er zu trinken hatte, Wodka oder was.

 

Vorsitzender Richter:

Schnaps.

 

Zeuge Filip Müller:

Und er nimmt immer vier, fünf Häftlinge mit der Pumpe, also eine Pumpe zum [Wasserpumpen]. Nur so, daß man ins Frauenlager [kam]. Wie viele Male war es? Die Häftlinge haben ihn gesehen, wie er oben mit den Frauen dort...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und für uns war es aber gut, möchte ich sagen, daß er so war. Für die Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

In welchem Krematorium war der Buch?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war in Krematorium IV.

 

Vorsitzender Richter:

IV.

 

Zeuge Filip Müller:

IV. Das heißt, ich weiß nicht, wie Sie es sagen, aber das Auschwitzer Krematorium, das nennen wir nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das nennen Sie nicht. [...] Also es war das vierte große Krematorium in Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

In Birkenau. Und damals kommt ein slowakischer Transport zum Vergasen. [...] Boger war damals auch dabei. Er war vielmals [+ dabei], die [+ Hauptzeit], wo ich ihn gesehen habe, war immer vor dem Schießen, wie ich erzählt habe. Und auf einmal – die Menschen waren schon eingesperrt –, man hat schon

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die Gaskammern, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Aber eine Gaskammer im Krematorium IV war nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Zugeschlossen.

 

Zeuge Filip Müller:

Zugeschlossen, weil die Disziplin war schon... Und jetzt, Herr [Richter], war es so: Das Gas hat man...

 

Vorsitzender Richter:

Hereingegeben.

 

Zeuge Filip Müller:

Und die Menschen – das ist doch logisch, daß sie zu der Tür gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Drücken.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber jetzt war sie offen, weil das muß man zuschrauben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und die Menschen gehen auf den Hof, schon halb...

 

Vorsitzender Richter:

Betäubt.

 

Zeuge Filip Müller:

Betäubt von dem Gas, und laufen auf den Hof – es können 150, 200 Menschen gewesen sein – heraus. Und die andern wurden, als sie es sahen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zurückgehalten.

 

Zeuge Filip Müller:

Die auf der anderen Seite laufen. Und dort waren damals schon Drähte. Es waren doch elektrische Drähte an dem Hof des Krematoriums hier von der unteren Seite.

 

Vorsitzender Richter:

Abgeschirmt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und Boger [+ war dort] mit den anderen. Dort haben auch Chauffeure geschossen, die damals, wie ich gesagt habe, die Kleider abholten von den vergasten Menschen. Chauffeure, alles, was dort war. Aber Boger habe ich doch gekannt. Damals waren dort der Buch, Kramer, der Kommandant, und die Chauffeure, einige Blockführer, weil die Blockführer auch vielmal bei Vergasungen waren. Die waren auch dort. Und [+ es] war dort auch der Boger.

Und der Boger hat geschossen auf die [+ Menschen]. Das habe ich gesehen. Das waren vielleicht 10 oder 15 Meter oder 20, das kann ich nicht [mehr] sagen. Aber ich habe ihn gesehen. Nur dieses Mal habe ich ihn gesehen, also sonst habe ich ihn nur gesehen, daß er ins Krematorium kommt, nur in die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die Papiere brachte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, mit einer Aktentasche – ich glaube, eine Aktentasche war es – und geht zu dem Kommandoführer, dort besprechen sie was. Aber wir wissen schon: »Der Malech Hamuwes kommt.« Das ist: »Der Tod kommt.« Und die Menschen wurden erschossen, Politische und auch die [Juden, die sie im Ghetto in kleinen Bunkern gefunden haben].

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wir wollen jetzt eine Pause einlegen bis

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Auschwitz I und von dem Krematorium nach Buna. Stimmt das?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Buna. Und wie lange waren Sie in Buna?

 

Zeuge Filip Müller:

In Buna bis Frühling 1943.

 

Vorsitzender Richter:

43. Und was geschah dann? Dann kamen Sie ins Krankenhaus, sagten Sie. Und dann kamen Sie zu diesem Kartoffelschälkommando.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kamen Sie wiederum, sagten Sie vorhin noch, in das »Sonderkommando«.

 

Zeuge Filip Müller:

In das »Sonderkommando« in Block

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und das war wann?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war schon — v létě.

 

Dolmetscher Stegmann:

Sommer.

 

Zeuge Filip Müller:

Im Sommer.

 

Vorsitzender Richter:

Im Sommer 1943.

 

Zeuge Filip Müller:

43.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie in diesem Kommando?

 

Zeuge Filip Müller:

In diesem Kommando blieb ich bis zur Evakuierung von Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Das war am 18. Januar 45.

 

Zeuge Filip Müller:

18. Januar 1945.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, an welches Krematorium kamen Sie zunächst?

 

Zeuge Filip Müller:

Also ich kam zunächst in Krematorium I.

 

Vorsitzender Richter:

Krematorium I. Sie nennen jetzt die Zahlen von Birkenau?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Krematorium I in Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wer war damals Leiter dieses Kommandos?

 

Zeuge Filip Müller:

Der Chef von allen vier Krematorien war damals Oberscharführer Voss.

 

Vorsitzender Richter:

Voss. Und wer war nun in dem Krematorium I Ihr Vorgesetzter?

 

Zeuge Filip Müller:

Dort war dann ein Kommandoführer, der war ein Rottenführer, ein hoher, so ein hoher SS-Angehöriger.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Rottenführer?

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Rottenführer.

 

Vorsitzender Richter:

Aber wie er hieß, wissen Sie nicht? Nein. Wie lange blieben Sie denn in dem Krematorium I?

 

Zeuge Filip Müller:

Dort blieb ich [+ ein] paar Wochen, gegen fünf oder sechs Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Fünf, sechs Wochen?

 

Zeuge Filip Müller:

Vielleicht auch weniger, aber ich kann [mich] nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie sagten doch, im Sommer 1943 kamen Sie dahin und blieben etwa fünf bis sechs Wochen?

 

Zeuge Filip Müller:

Vier, fünf, sechs, ich weiß nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dann?

 

Zeuge Filip Müller:

Dann wurde ich überstellt in das Krematorium IV.

 

Vorsitzender Richter:

Krematorium IV.

 

Zeuge Filip Müller:

IV.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar war das dann wohl im Herbst schon, 1943.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, das war noch nicht Herbst, das war noch...

 

Vorsitzender Richter:

Auch im Sommer?

 

Zeuge Filip Müller:

Sommer, so.

 

Vorsitzender Richter:

Im Sommer 1943 ins Krematorium IV.

 

Zeuge Filip Müller:

IV.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war da Ihr Vorgesetzter?

 

Zeuge Filip Müller:

Dort war damals der Kommandoführer – den habe ich mir auch sehr gut gemerkt, weil er die ganze Zeit, bis 44, dort war – Rottenführer Gorges.

 

Vorsitzender Richter:

Gorges.

 

Zeuge Filip Müller:

Gorges. Nachher war er Unterscharführer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dort arbeiteten Sie dann bis zur Evakuierung?

 

Zeuge Filip Müller:

Bis zur Evakuierung am 18. Januar 1945.

 

Vorsitzender Richter:

1945, ja. War das Krematorium IV bis dahin in Betrieb, bis zum 18. Januar 45?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, bis zum 18. Januar 45 war es in Betrieb.

 

Vorsitzender Richter:

War es in Betrieb. Nun, was mußten Sie dort machen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich arbeitete dort als Heizer.

 

Vorsitzender Richter:

Als Heizer.

 

Zeuge Filip Müller:

Bei beiden Öfen.

 

Vorsitzender Richter:

Die ganze Zeit?

 

Zeuge Filip Müller:

Die ganze Zeit, aber vielmals war es auch so, daß wir in dem Block 13 wohnten. Ich möchte so sagen: Wie wir nach Birkenau kamen, da war es in dem »Sonderkommando« schon ein bißchen besser für den Häftling, der dort arbeitete, weil er nicht [mehr] im Bunker ist. Weil der Block 13, das war ein normaler Block, wo das »Sonderkommando« wohnte. Und Häftlinge waren dort, die achtgeben mußten, daß der Häftling nicht herauskonnte. Wir durften nicht mit den anderen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sprechen.

 

Zeuge Filip Müller:

Häftlingen sprechen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Dort war der Blockälteste Szawinski, Serge Szawinski7, er hatte die Nummer 28.000 [etwa]. Ein Franzose, aber aus Polen. Er sprach auch polnisch- jiddisch. Und das Leben für den Häftling war gegenüber dem Block 11, wo wir in dem Bunker8 waren, doch besser. Ich konnte vielmals herausgehen aus diesem Block.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn in Block 11 die ganze Zeit in diesem dunklen Raum gelebt?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein. Nein, nur einen, nach den [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, und dann kamen Sie in die Zelle 13?

 

Zeuge Filip Müller:

In Zelle 13.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Die paar Wochen, die fünf bis sechs Wochen, wo Sie im Krematorium I waren, was haben Sie dort getan?

 

Zeuge Filip Müller:

In Auschwitz?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, in Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

In Birkenau? Also die ersten Tage, wie wir dort [waren], kam kein Transport, wurde nicht vergast.

 

Vorsitzender Richter:

Die Krematorien wurden nicht benötigt, nein?

 

Zeuge Filip Müller:

Sie waren fertig, aber...

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren nicht in Betrieb.

 

Zeuge Filip Müller:

In Betrieb waren sie vielleicht ein- oder zweimal, das kann ich Ihnen nicht mehr...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber sonst haben wir draußen gearbeitet. Der Kapo war dort Kaminski. Aber damals war dort der Oberkapo ein reichsdeutscher Häftling, ein älterer Mensch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und was haben Sie dann getan in diesen fünf bis sechs Wochen?

 

Zeuge Filip Müller:

Wir arbeiteten draußen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren also eigentlich nicht eingesetzt zu Krematoriumsarbeiten, die ganzen fünf bis sechs Wochen nicht?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich war bei den Öfen so gegen zwei- oder dreimal, weil die Transporte nicht kamen. Sondern wir arbeiteten draußen auf dem Hof. Planieren und solche Arbeiten haben wir gemacht, Koks

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und sonst haben Sie auch nur bei den Öfen gearbeitet?

 

Zeuge Filip Müller:

Den Öfen.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie haben nicht bei den Häftlingen mitgeholfen, die die Menschen in die Gaskammern reingepreßt haben?

 

Zeuge Filip Müller:

Das könnte ich nicht sagen, daß die Häftlinge das gemacht haben. Die Häftlinge haben doch nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun ja, es war doch auch ein »Sonderkommando« von Häftlingen, die vor den Gaskammern waren und die die Leute in die Gaskammern mit hineinführen sollten, damit sie sich nicht aufregten, die sie beruhigen sollten und die ihnen sagen sollten: »Das ist ein Bad, was hier genommen wird« und so weiter und so weiter. Da war doch ein besonderes Häftlingskommando da, wir haben es doch schon auf Bildern gesehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich werde schildern, wie das war. Damals, wie ich am Anfang in das Krematorium komme, das war schon...

 

Vorsitzender Richter:

Im Sommer 43.

 

Zeuge Filip Müller:

Sommer 43. Nachher, als ich in Krematorium IV kam, [gab es solche] Fälle, daß die Häftlinge von den »Sonderkommandos«... Damals war es nicht so, daß man gesagt hat, diese zehn, sie arbeiten dort oder dort. Man hat 50 oder 60 Häftlinge genommen, und sie wurden auf verschiedene Arbeiten [verteilt].

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie sprechen jetzt nur von dem »Sonderkommando«?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, vom »Sonderkommando«. Verschiedene Arbeiten. Sagen wir, die Klamotten zusammennehmen oder vergasen, nicht vergasen, ich sollte sagen...

 

Vorsitzender Richter:

In die Gaskammern führen?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, in die Gaskammern nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Filip Müller:

Niemals, niemals war das. Die Klamotten, dann die Zähne...

 

Vorsitzender Richter:

Herausbrechen.

 

Zeuge Filip Müller:

Herausbrechen. Die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haare abschneiden.

 

Zeuge Filip Müller:

Haare abschneiden. In den Lift die, weil dort

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also von den bereits gestorbenen Menschen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, von den gestorbenen Menschen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich frage jetzt zunächst nach dem Kommando, das dafür zu sorgen hatte, daß die ankommenden Häftlinge sich ausgekleidet haben, um nachher in die Gaskammern zu gehen. Angeblich, um dort geduscht zu werden oder gebadet zu werden, oder was man ihnen da sagte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ich verstehe. Ich muß das so sagen: In dem Jahr 1943 waren einige Fälle – zwei oder drei, ich kann mich nicht [+ mehr] erinnern – in Krematorium IV, wo ein oder zwei Häftlinge den Menschen gesagt haben, wohin sie gehen sollten. Und nachher habe ich auch so einen Fall gesehen. Das war bei dem Unterscharführer Gorges. Da kommt ein Mensch vom Transport zu ihm und sagt: »Wir gehen in den Tod?« Ja. Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zu dem Gorges?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und er fragt: »Wer hat es Ihnen gesagt?«

 

Vorsitzender Richter:

»Wer hat es Ihnen gesagt?«

 

Zeuge Filip Müller:

Und er zeigt.

 

Vorsitzender Richter:

Auf einen Häftling?

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Auf einen Häftling, ja. Und der Häftling wurde — zaživa spálenej.

 

Dolmetscher Stegmann:

Wurde lebendig verbrannt.

 

Zeuge Filip Müller:

Lebendig verbrannt.

 

Dolmetscher Stegmann:

Der Häftling.

 

Zeuge Filip Müller:

[Solche] waren viele Fälle. Im Jahre 1943 kann man nicht so...

 

Vorsitzender Richter:

Schildern.

 

Zeuge Filip Müller:

Sagen, daß vielleicht im »Sonderkommando« Häftlinge waren, die nur eine Arbeit gemacht haben. Da waren keine speziellen Häftlinge, die das Kommando nur, wie sie sagen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hineinführten.

 

Zeuge Filip Müller:

Hereinführen die Menschen oder nicht. Die stehen bloß, die stehen drin.

 

Vorsitzender Richter:

Wer stand?

 

Zeuge Filip Müller:

Die Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

Welche?

 

Zeuge Filip Müller:

30, 35.

 

Vorsitzender Richter:

Die im »Sonderkommando«?

 

Zeuge Filip Müller:

Im »Sonderkommando«, in dem [Auskleideraum]. Und wenn der letzte Häftling...

 

Vorsitzender Richter:

Ausgezogen ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Der letzte Mensch ausgezogen ist und in die Gaskammer geht, da mußte man aber schnell diese Klamotten [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zusammenraffen.

 

Zeuge Filip Müller:

Weil schon Autos drauf warten. Und man mußte sie aufladen, diese Klamotten, aufladen auf das Auto. So war es, ja. Erst nach den ungarischen Transporten, als die ungarischen Transporte [+ kamen], da war ich auch im Bunker, wo man in dem Graben die Leichen verbrannt hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Als Moll [noch] dort war, der Hauptscharführer Moll – weil noch zwei Fälle waren auch dort, am Bunker –, machte er es so, aber das war schon zuletzt, daß er ein paar Häftlinge wählte, die nur dort sein durften, wo die Menschen sich auszogen, nur die konnten dort sein. Aber vorher nicht. Das war nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also Sie sagen, vorher waren alle Häftlinge, die im Krematorium eingesetzt waren, mit allen vorkommenden Aufgaben betraut, nicht?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt, es stand nicht nur einer am Ofen und hat da die Leichen verbrannt, sondern er mußte auch vorher mit in die Auskleideräume gehen, um nachher dort die Kleider wegzuschaffen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, waren Sie auch bei denen, die da die Kleider weggeschafft haben und die in diese Auskleideräume gegangen sind?

 

Zeuge Filip Müller:

Vielmals.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie auch viel dabei. Nun, sagen Sie bitte, Sie kamen also im Sommer 43 in das Krematorium IV. Ihre Tätigkeit haben Sie uns eben geschildert. Nun kam es aber doch auch zu einem Aufstand in dem Krematorium. Was wissen Sie davon?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ich war bei dem Aufstand, das könnte ich [+ erzählen]. Aber, Herr Vorsitzender, ich möchte noch zu dem Jahr 1942 was sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich bitte, wenn es möglich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das war also wo?

 

Zeuge Filip Müller:

In Auschwitz noch.

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz I, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

In Auschwitz. Ich muß das auch noch sagen, zu Stark noch einmal. Also ich habe doch gesagt, daß das Fischl-Kommando, das »Sonderkommando«, diese Klamotten dort [+ aufgesammelt] hat, und nachher blieben sie immer im Bunker. Jeden Tag nimmt der Kommandoführer diese sieben Häftlinge, die dort sind, daß sie an die Luft gehen sollen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Das war am Hof von Block 11. Aber Stark hat auch Menschen erschossen an der Wand in Block 11, dort, wo wir zuerst waren. Weil wir mußten die Leichen erst – so war es erst – in die Kisten, das waren solche Kisten...

 

Vorsitzender Richter:

Hineinlegen.

 

Zeuge Filip Müller:

Hineinlegen. Und nachher war es auch so: Auf einem großen Wagen, einem Wagen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Rollwagen.

 

Zeuge Filip Müller:

Mußten wir die Leichen so...

 

Vorsitzender Richter:

Aufschichten.

 

Zeuge Filip Müller:

Und dann mit einer großen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Plane drübermachen.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Zumachen und mit diesem Wagen fahren in...

 

Vorsitzender Richter:

Das Krematorium.

 

Zeuge Filip Müller:

Krematorium. Aber wir ließen ihn nur selten dort. Ja. Im Jahre 1942, die sechs Wochen, die ich dort war, hat auch Stark dort die Menschen erschossen. Das waren die kleinen Judentransporte, die man bei den Bunkern aufgriff, von denen ich schon gesprochen habe. 80, 100, 120, 60 einmal, ja. Und wir mußten dabeisein. Das war so: Die Kapos, die dort waren, das waren die Häftlinge, die nehmen bei der Hand den...

 

Vorsitzender Richter:

Den Menschen, der erschossen werden soll.

 

Zeuge Filip Müller:

Den führen sie. Und Stark hatte einen Karabiner. Und der Mensch steht hier, und er schießt, es machte nur noch so [imitiert Schuß].

 

Vorsitzender Richter:

Es war ein Schalldämpfer drauf, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und wir mußten dann die Leichen der verstorbenen Menschen erst in die Kisten [+ legen], nachher war es so: auf die Wagen. Dort stehen auch zwei, die mit ihm in der Gaskammer zusammengearbeitet haben, die SS-Angehörigen. Ja, der Rottenführer von der Politischen Abteilung und der Unterscharführer. Weil man hat nicht [+ vergast] im Krematorium Auschwitz, wenn 80 oder 100 Menschen kommen, die wurden nicht vergast in dieser Gaskammer. Nur mehr, 500, 600, 700 oder 300, so. Und damals, wenn mehr als 60, 70, 80 oder 100 Menschen kamen, dann schoß mit ihm der Unterscharführer zusammen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Schossen sie zusammen, zu zweit. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Wie der Unterscharführer hieß, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Filip Müller:

Sie haben miteinander gesprochen. »Klaus« hat er immer zu ihm gesagt, »Klaus«.

 

Vorsitzender Richter:

»Klaus« hat er immer zu ihm gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber der Rottenführer, da weiß ich überhaupt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Da wissen Sie nichts.

 

Zeuge Filip Müller:

Da weiß ich es nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wie der aussah, dieser Klaus?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe ihn schon gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Filip Müller:

[Pause] Und ich könnte auch sagen, wie er es machte. Er hatte eine Monteuruniform. Wenn Stark schoß, dann schoß er nur in der SS-Montur.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Der, der dort...

 

Vorsitzender Richter:

Klaus.

 

Zeuge Filip Müller:

Klaus, [+ wenn] er schoß, er hatte immer eine blaue Monteur.

 

Vorsitzender Richter:

Was? Eine blaue?

 

Zeuge Filip Müller:

Montérky, jako pracovní oblek.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ah so. Der hatte einen Anzug wie ein Monteur.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, der Monteur.

 

Dolmetscher Stegmann:

Blaue Monteurjacke.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Hat er damals eine Brille getragen, der Klaus?

 

Zeuge Filip Müller:

Was ist das?

 

Vorsitzender Richter:

Sie sehen doch, daß er eine Brille trägt. Sagen Sie ihm, was eine Brille ist. [...]

 

Dolmetscher Stegmann:

Eine Brille — zdali nosil brejle? Měl ten Klaus brejle?

 

Zeuge Filip Müller:

[...] Neviděl jsem ho v brejlích.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ich habe ihn nicht mit der Brille gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben nicht gesehen, daß er

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Kann nicht. Aber ich glaube, er hatte [keine]. Ich glaube, weil

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie glauben, er hatte keine Brille auf?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, weil er war nur... Ich möchte so sagen: Der ganze Initiator für das Vernichten damals war Stark.

 

Vorsitzender Richter:

War Stark.

 

Zeuge Filip Müller:

Und er war nur so: Was Stark machte, das machte er auch, und der Rottenführer auch zusammen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben die auch geschossen, der Rottenführer

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Der Rottenführer nein. Den Rottenführer habe ich nie

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie nicht gesehen. Und der Klaus?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Der hat auch geschossen?

 

Zeuge Filip Müller:

Wenn viele erschossen wurden, dann schießen sie zu zweit. Und er hat eine blaue, so eine...

 

Vorsitzender Richter:

Eine Schlossermontur, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. Das wollten Sie noch nachtragen. Und nun kommen wir wieder zu dem Sommer 1943. Da wurden Sie eingeteilt in das Krematorium IV. Und wie lange wurden denn in diesem Krematorium Leichen verbrannt?

 

Zeuge Filip Müller:

Also Leichen verbrannt im Krematorium IV wurden bis zum

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Schluß.

 

Zeuge Filip Müller:

Schluß. Aber vergast nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Bis wann?

 

Zeuge Filip Müller:

So ein, zwei Monate vorher schon nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Also Ende 1943, meinen Sie?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, Ende 1944.

 

Vorsitzender Richter:

44, jawohl.

 

Zeuge Filip Müller:

44 so gegen November schon...

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr.

 

Zeuge Filip Müller:

Nur die Leichen vom Krankenbau kamen. Auf dem Wagen, ja, einem großen Wagen, da sind sie, das Auto ließ es am...

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie bitte, was war mit dem Aufstand im Krematorium?

 

Zeuge Filip Müller:

Oh, ich muß mehr schildern. Der Aufstand, wo ich selbst war, da müßte man in das Jahr 1943 gehen. Im Jahr 1943 [kam die Organisation] der Häftlinge von Birkenau, von BIId, wo wir erst auf dem Block 13 wohnten, zu dem Kapo Kaminski vom Krematorium I. Der war der Organisator dieses Aufstands im Krematorium. Und sie stellten ihm die Frage so – weil ich vielmal mit ihm gesprochen habe: daß das »Sonderkommando« zum Tod verurteilt ist, das ist sicher. Also wenn das »Sonderkommando« einen Aufstand macht, da könnte man es so machen, daß das ganze Lager [mitmacht]. Das war im Jahre 1943. Aber jetzt war doch dort auch eine Situation, man muß es so nennen, es waren dort, sagen wir, Häftlinge – allen konnte man das nicht sagen, was wir dort machen wollten.

 

Vorsitzender Richter:

Es mußte geheim bleiben, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber nicht deshalb, weil sie es [+ verraten] hätten. Aber es waren da solche Häftlinge, die so...

 

Vorsitzender Richter:

Ängstlich.

 

Zeuge Filip Müller:

Verzweifelt.

 

Vorsitzender Richter:

Verängstigt.

 

Zeuge Filip Müller:

Verstehen Sie? Die einen haben gesagt, wenn wir ein bißchen so von denen sprechen: »Ah, das machen wir nicht, das hat keinen Zweck.« Es [gab] auch solche Häftlinge. Weil noch eine Stunde leben, noch eine Minute leben, noch fünf Stunden, 24 ist gut. Wer weiß, was in 24 Stunden geschieht. So eine [Einstellung] hatten einige.

Es war auch eine zweite Sorte dort: Menschen, die überhaupt apathisch [+ waren], ihnen war alles egal. [+ Ihre] Kinder haben sie vergast gehabt, sie haben niemanden [mehr] gehabt. Und sie waren schon so...

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren seelisch gebrochen.

 

Zeuge Filip Müller:

So, daß sie schon überhaupt nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nichts mehr dachten.

 

Zeuge Filip Müller:

Denken. Das waren keine Menschen [mehr], das waren Roboter.

Nun, die dritten, die Vielzahl, da waren viele, die das akzeptierten, diesen Plan. [...] Aber jetzt fing es wieder an. Es [gab] viele Häftlinge, viele Häftlinge, die wollten es gleich machen. Sie sagten: Nicht auf die Organisation warten, nicht warten, sondern, wenn wir ausrücken

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Losschlagen.

 

Zeuge Filip Müller:

[Losschlagen.] Die zweite Hälfte von denen, die mit den Plänen...

 

Vorsitzender Richter:

Vom Lager einig [+ waren].

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. — Souhlasili tedy se vzpourou.

 

Dolmetscher Stegmann:

Die zustimmten, die sich mit dem Aufstand einverstanden erklärten.

 

Zeuge Filip Müller:

Diejenigen, die zustimmten, [+ bestanden aus] zwei Teilen. Und die zweiten sagen: Man muß warten, weil man das organisieren muß und so. Und so geht es. Dann kommt Kapo Kaminski wieder zu uns und sagt uns: »In dieser Zeit müßt [+ ihr] [folgendes] machen: Ihr müßt von jedem Transport [aufschreiben,] wie viele Menschen vergast wurden. Ihr müßt einige Fotografien von diesen Menschen [machen]. Ihr müßt bei den Häftlingen, die nicht so verzweifelt sind, schauen, was für einen Charakter sie haben.«— Poznat je, poznat jejich charakter.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ihren Charakter erkennen.

 

Vorsitzender Richter:

Helfen, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

»Erkennen, damit wir mehr sind.« Aber damals hat man noch nicht gesprochen, wie man das überhaupt machen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Aufstand sich abspielen solle, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

So geht es, so geht es. Nachher aber, im Jahre 1944, war es schon wieder nicht gut.

 

Vorsitzender Richter:

Ich denke, 43?

 

Zeuge Filip Müller:

Das ganze Jahr 43 sammelten wir die Fotografien.

 

Vorsitzender Richter:

Wofür?

 

Zeuge Filip Müller:

Wir [schrieben auf], wie viele Menschen dort umgebracht wurden, welche SS-Angehörigen dort sind, wer dort war, wer dort gearbeitet hat und so. Aber nicht konkret, wie den Aufstand also machen. So war es vorher. Und darum waren die Häftlinge in zwei Teile [gespalten], waren nervös. Die einen wollten gleich, die andern nicht. Die ersten sagten: »Es dauert schon zu [+ lange]. Es kommt eine andere Selektion und«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Ich bin dabei.«

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. »Ich bin dabei.« Was jetzt also machen? So war es das ganze Jahr 1943. Und im Jahr 1944 im Mai, als schon die Ungarn kamen, kommt auf einmal der Hauptscharführer Moll.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Moll war älter als Herr Stark. Der Stark könnte damals 21 gewesen sein, als ich Stark gesehen habe. Hauptscharführer Moll [+ hatte nur] ein Auge, das war ein ausgesprochener Organisator bei den Verbrennungen. Er machte es mit so einer Liebe wie ein Direktor, wenn er eine Fabrik baut, die Vernichtung. Und [+ er besaß] eine starke Disziplin. Mit den Kommandos machte er es so: »50 Menschen brauche ich.«[+ Nicht] daß die Kapos sagen sollten, »der und der geht«, sondern er selbst nahm sich die Häftlinge, und ich war auch vielmals bei den Häftlingen. Meine Nummer ist 21.236. Und der Häftling von Frankreich, der hat die Nummer 28, [Stanlislaw] Jankowski. Also die ältesten Häftlinge mußten auf den Bunker. Und die Disziplin [+ war] so, daß die Menschen, die schon zusammen waren, auf einmal sind sie...

 

Vorsitzender Richter:

Auseinander.

 

Zeuge Filip Müller:

Auseinander. Aber ich glaube, er wußte nicht, daß wir Pläne [+ hatten]. Aber so war es. Ja, so war das Ganze. Das war das Jahr 1944. Jetzt, in dem Jahre 1944, kam es, daß der Kapo Kaminski erschossen wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Wie kam das?

 

Zeuge Filip Müller:

Er wurde im Krematorium IV erschossen. Und unten am Hof, wo noch die — kde byly yykopaný jámy, kde se pálilo.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ausgehobene Gruben waren dort. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Dort waren auch Gruben. Ich werde schildern, wie das war. Und das war die Nacht, als das Zigeunerlager vergast wurde. Das Zigeunerlager wurde vergast im Krematorium IV.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war wann?

 

Zeuge Filip Müller:

Das war im Jahr...

 

Vorsitzender Richter:

44.

 

Zeuge Filip Müller:

44, so nach den ungarischen Transporten, glaube ich, nach den ungarischen Transporten.9

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nicht mehr genauer den Monat?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht mehr. Na ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und damals – wir wußten überhaupt nichts – kommt der Hauptscharführer Moll, und er läßt uns alle antreten, und er sagt: »Grade diese Nacht wurde Kapo Kaminski erschossen, weil er ein Attentat [...] auf den Oberscharführer Muhsfeldt [+ machen wollte].« Damals in Krematorium II war der Kommandoführer Oberscharführer Muhsfeldt. Und man braucht nicht [zu betonen], daß der Kapo Kaminski eine Person war, die viel Autorität unter den Häftlingen gehabt hat. Er war so ein Häftling: Wenn der SS-Mann kommt, da schreit er, aber sonst war er eher gut.

 

Vorsitzender Richter:

Erträglich.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, und er [dachte logisch]. Er wußte, was er will. Das [gab] eine große Verzweiflung damals. Bei vielen Häftlingen war es so: Was Kapo Kaminski sagt, ist immer gut. Ja, das war so ein...

 

Vorsitzender Richter:

Es war ihr Führer gewissermaßen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und jetzt, was kommt weiter? Nachher haben wir es so gesagt: »Na, Gott sei Dank, daß die SS-Angehörigen nur wissen, daß der Kapo Kaminski«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das vorgehabt hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Nur den Muhsfeldt wollte. Weil wenn sie es wissen, das Ganze

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was wirklich war.

 

Zeuge Filip Müller:

Dann können wir... Der Plan, 1944, vor dem Erschießen des Kaminski, den [Aufstand] zu machen, war so, ich kann es ganz objektiv schildern, ich war noch dort: Es war Nachmittag schon gegen — v létě, pozdě v létě.

 

Dolmetscher Stegmann:

Spät im Sommer.

 

Zeuge Filip Müller:

Spät im Sommer. Der Plan war so: Wenn die Kommandos einrücken, da werden wir auch einrücken ins Lager, auch wenn wir damals schon im Krematorium III wohnten. Wir haben gewohnt...

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr in 13.

 

Zeuge Filip Müller:

Nicht mehr in Block 13, sondern im Krematorium III, und die Häftlinge in Krematorium I und II. Also machen wir es so, in jedem Krematorium war es so: Wenn die Kommandos einrückten, machte der Kommandoführer schon Appell, nicht Appell, nur »Wieviel seid ihr?« und so

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er zählte durch, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Also den Kommandoführer erledigen und die ein oder zwei Posten. Und jetzt: Drei Häftlinge nehmen sich die Uniformen, und sie führen diese Häftlinge so wie ins Lager. Sie kamen von Krematorium IV und III erst in den Krankenbau, Blockführerstube, dann ins Zigeunerlager, Blockführerstube, und nach BIId, Blockführerstube. Und bei jeder Blockführerstube kommen die zwei SS-Angehörigen – das wären schon die Häftlinge gewesen – in die Blockführerstube und erledigen die Blockführer dort. Einer geht und zerreißt die telefonische...

 

Vorsitzender Richter:

Schnur.

 

Zeuge Filip Müller:

Und so hätten wir [+ es gemacht] bis zu BIId. Der Plan der Krematorien II und I war so, daß sie es auch so machen, aber von der anderen Seite, bei dem FKL, das ist das Frauenkonzentrationslager. Dort wird es auch gemacht, und hinten an der anderen Seite zerrissen sie die Drähte. Sie haben es auch gemacht mit Gummi...

 

Vorsitzender Richter:

Handschuhe, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Das waren nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber so Gummibekleidung über den Händen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Zudem haben wir noch gehabt ein paar, möchte ich sagen — několik krabiček střelnýho prachu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Einige Schächtelchen mit Schießpulver.

 

Zeuge Filip Müller:

Das Schießpulver haben wir gebracht von den Frauen, von dem Kommando Union. [Wie kam es dazu?] Das war so: In der Fabrik, dem Werk, ist eine Pumpe gestanden, so eine Pumpe zum Wasserpumpen. Und die Kapos haben es immer so gemacht – Kaminski und der Schlojme10, Lajzer11, das waren die Kapos des Krematoriums IV. Und nachher war es der Mietek, der Polacke, der kam vom Krematorium I. Und es war so: Wir gehen, fünf, sechs Häftlinge, zur Union, nehmen die Pumpe, bringen sie ins Krematorium IV, viermal, nachher vom Krematorium II.

Aber das [Schießpulver] war nicht in Krematorium IV. Das war in Krematorium I, und nachher wurde es ins Krematorium II gebracht. Weil das war so, Herr Vorsitzender, daß der Häftling, der auf Krematorium I arbeitete, der konnte ins Krematorium II, weil dort nur eine Straße war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber er konnte nicht ins Krematorium III oder IV, weil dort schon die »Sauna« war.

 

Vorsitzender Richter:

Da war »Kanada« dazwischen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja, die »Sauna« und dann die Baracken, die kann ich zeigen, und wenn

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ich sehe es von hier aus. Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und das war ein Häftling, der bringt dieses Pulver. Und die Pumpe, die haben sie aufgeschraubt und die eine Hälfte und eine — krabici.

 

Vorsitzender Richter:

Eine Büchse.

 

Zeuge Filip Müller:

Das waren drei oder vier Büchsen, herein in diese

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit Sprengstoff.

 

Zeuge Filip Müller:

Und wieder zugeschraubt. Und wir kamen...

 

Vorsitzender Richter:

Mit der Pumpe hinein.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber das war nicht bei uns, das war im Krematorium II. Erst in I und dann in II. Zu uns ist es gekommen, aber dann kam es dorthin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Dann kam es wieder dorthin, so daß man nimmt einen — kolečko, trakař

 

Dolmetscher Stegmann:

Einen Tragkarren.

 

Zeuge Filip Müller:

A na tom jsme [+ to] vozili.

 

Dolmetscher Stegmann:

Einen Einradkarren.

 

Zeuge Filip Müller:

50 kilo šamotu jsme v tom naschvál převáželi a mezi tím jsme to vozili.

 

Dolmetscher Stegmann:

50 Kilo Schamott haben wir herübergebracht, und da ist zur

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Zwischen dem war das drin, ja.

 

Dolmetscher Stegmann:

Dazwischen waren diese

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Diese Büchsen.

 

Vorsitzender Richter:

Die Pulverbüchsen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Dolmetscher Stegmann:

Schießpulver.

 

Zeuge Filip Müller:

Und so war es, ja. Also Kapo Kaminski war damals erschossen worden, als das Zigeunerlager vergast wurde. Und jetzt muß ich es aber so sagen, jetzt wurde es aber so gemacht: Wenn wir das da machen, müssen in jedem Krematorium ein paar Häftlinge bleiben – fünf, vier oder sechs –, die das Krematorium

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In die Luft sprengen.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, nein, das Pulver war nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht genug.

 

Zeuge Filip Müller:

Das hat man dann gesagt, nicht so stark, daß das in die Luft gehen konnte.

 

Vorsitzender Richter:

Aber anstecken jedenfalls, in Brand setzen.

 

Zeuge Filip Müller:

Feuer machen. Ja. Und die Organisation, die im Lager war, hat gesagt: »In dieser Stunde, in dieser Minute, wenn ihr es macht, diesen Nachmittag«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Werden wir auch ausbrechen.«

 

Zeuge Filip Müller:

»Werden wir, jedes Kommando, auch das da machen.«»Und wir haben Verbindung mit den Partisanen von Kattowitz.« Aber ich habe das nur von Kapo Kaminski gehört. Und wenn ich hinterher fragte, wer wer ist, sagte er nie, mit wem er gesprochen hatte. Ich hatte es mitgeteilt, diese Nachrichten. Zuerst war es, als ich im Jahr 44 kam, damals waren wir vorerst noch im Lager. Als die ungarischen Transporte [kamen], wohnten wir schon im Krematorium. Vorher habe ich es gesagt dem Ota Kraus, Erich Kulka. Und die anderen Häftlinge

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, und nun kam es also eines Tages auch tatsächlich dazu.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, das ist anders gekommen. Das war also der Plan. Aber jetzt: Im Jahre 1944, das war schon gegen Herbst, damals war schon der Kommandoführer Scharführer Buch. Damals war der Moll schon weg. Es kam zu so einer Sache, daß der Buch eine Selektion machte. Er selektierte und sagte: »Hier in Krematorium III, IV sind 300 Häftlinge. Von diesen 300 Häftlingen gehen 270 zu einer sehr guten Arbeit. Und sie werden es fabelhaft haben, Brot, Trinken, alles.«

Na ja, aber die Selektion im Krematorium war doch nicht die erste. Damals waren schon viele ungarische Juden dort, die arbeiteten. Damals waren dort auch schon die sowjetischen Gefangenen. Die kamen – ich weiß nicht, ob zehn oder zwölf – von dem »Sonderkommando« Lublin.12

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Die evakuiert waren. Und er selektierte am Abend die Häftlinge, welche also zu...

 

Vorsitzender Richter:

Das gute Kommando bekommen sollten.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und nachher, am anderen Tag, nachmittags: »Los, alles!« Also mußte alles — nastoupit.

 

Vorsitzender Richter:

Zur Seite treten.

 

Dolmetscher Stegmann:

Antreten.

 

Zeuge Filip Müller:

Antreten. Und jetzt wählt man die Nummer der Häftlinge Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Von den 270.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja. Wie ich [mich erinnere], blieb ich zwischen den [ungefähr] 30, die dort...

 

Vorsitzender Richter:

Die zurückbleiben.

 

Zeuge Filip Müller:

Die zurückbleiben. Und jetzt wählt man von 100.000 – ja, so geht das – runter, und meine Nummer ist doch 28.000. Da war 100.000 A, B und weiß ich wie. Na, und so geht es. Der erste geht heraus, der zweite geht heraus, der dritte geht heraus, dann das Kommando, die andern, die 29. Aber ich war noch nicht dabei.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Die waren schon beim Tor, nicht beim Tor, das war so eine — taková španělská [+ stěna].

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Eine Wand.

 

Dolmetscher Stegmann:

Eine Spanische Wand.

 

Zeuge Filip Müller:

Eine Wand, aber maskiert mit einem Tor drauf.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und auf einmal ruft der Buch – damals war dort auch noch der Rottenführer Kurschuss: »Und jetzt die Nummern, die Nummern, die Nummern!« Und die Nummern gehen nicht heraus. Also was ist los? Aber damals waren schon viele Häftlinge, [+ ein] paar Häftlinge, auf dem Boden des Krematoriums III und...

 

Vorsitzender Richter:

Haben schon Feuer gelegt.

 

Zeuge Filip Müller:

Feuer gelegt. Ah, da kommt schon das große Feuer. Und vordem aber – die Häftlinge waren auf der einen Seite, die selektiert waren, die anderen nicht – gehen viele Häftlinge auf die SS-Männer los, die dort waren. Der Buch, der hatte ein Rad. Er sieht es, und er [steigt] auf das Rad und...

 

Vorsitzender Richter:

Fährt fort.

 

Zeuge Filip Müller:

Fährt fort, ja. Die Häftlinge wollten ihm [+ hinterher], aber sie konnten ihn schon nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Erwischen.

 

Zeuge Filip Müller:

Den Kurschuss auch nicht, der ist auch bei der »Sauna«, bei »Kanada« durch. Aber die anderen zwei wurden dort erschlagen. Aber was sich dort getan hat, auf einen SS-Angehörigen sind 30, 4013 Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Draufgestürzt.

 

Zeuge Filip Müller:

Häftlinge drauf, ja. Aber da sehe ich schon, da brannte das Krematorium, und die Sirene geht schon...

 

Vorsitzender Richter:

Los.

 

Zeuge Filip Müller:

Geht schon los. Die 29 Häftlinge, die waren gleich beim Tor. Die gehen zum Krematorium IV. Und die waren ausgewählt, weil dort noch ein Transport war zum Verbrennen. Darum waren sie da, diese 30, zum Verbrennen. Weil das war so: Der Aufstand, der jetzt kommt, der war nicht organisiert.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern das war

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Von dem haben wir auch nicht positiv gewußt, daß das jetzt [geschehen] wird. Das war nun damals eine große Sache, wenn ich es von heute sehe. Aber das waren die Häftlinge, die selektiert waren. Und die sagen: [...] »Wenn schon, dann geht ihr.« Aber [+ es] war nicht so gemacht, wie die Organisation wollte. Und darum ist es auch so nicht...

 

Vorsitzender Richter:

Nicht geglückt.

 

Zeuge Filip Müller:

Nicht hundert Prozent...

 

Vorsitzender Richter:

Gelungen.

 

Zeuge Filip Müller:

Gelungen, ja. Und so war es. Und nachher wollte ich auf die andere Seite, aber ich konnte schon nicht [+ mehr], weil die SS-Angehörigen [+ kommen]. Man sieht schon, die kommen, die laufen von den Seiten und schießen. Und da gehe ich zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Sie in III?

 

Zeuge Filip Müller:

In III, auf dem Hof.

 

Vorsitzender Richter:

Auf dem Hof in III.

 

Zeuge Filip Müller:

Zurück auf den Hof in III, da sehe ich, das Krematorium...

 

Vorsitzender Richter:

Brennt.

 

Zeuge Filip Müller:

Brennt schon. Und von der anderen Seite, von der Seite, wo der Krankenbau ist, schießt man schon.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Schießt man schon. Na, woher? Dann schießt man schon drin in den...

 

Vorsitzender Richter:

In den Hof vom Krematorium hinein.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, nein, — na dvoře.

 

Dolmetscher Stegmann:

Auf dem Hof.

 

Zeuge Filip Müller:

Auf dem Hof von allen Seiten. Da liege ich auf der Erde und komme in das Krematorium III. Aber ich konnte dort nicht sein, weil schon — ohořelý stropy padaly.

 

Vorsitzender Richter:

Von oben das Feuer herunterkam, die Decke herunterbrach.

 

Zeuge Filip Müller:

Stropy toho krematoria už padaly, byly ohořelý.

 

Dolmetscher Stegmann:

Ja, es fiel schon das Dach herunter, die Decke.

 

Zeuge Filip Müller:

Das alles, das Feuer [kommt] herunter. [...] Na, da denke ich, was jetzt also machen? In dem Augenblick mache ich [+ folgendes]: Dort war eine Klappe aus — taková kovová deska.

 

Dolmetscher Stegmann:

Aus Metall, eine Metalldecke.

 

Zeuge Filip Müller:

Decke.

 

Vorsitzender Richter:

Deckel.

 

Dolmetscher Stegmann:

Deckel vielleicht.

 

Zeuge Filip Müller:

Která spojovala komín s pecemi. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Kanal.

 

Dolmetscher Stegmann:

Die den Kamin mit dem Ofen verband.

 

Zeuge Filip Müller:

Ein Kanal. Und dann gehe ich in den Kanal und bleibe dort. Da sehe ich oben vor mir schon den Kamin, und es fließt schwarzes Wasser und — vařící voda.

 

Dolmetscher Stegmann:

Heißes Wasser, siedendes Wasser floß herunter.

 

Zeuge Filip Müller:

Die Feuerwehr war schon dort. Und das geht alles auf mich, da bin ich ganz [+ naß] schon vom Wasser, und da bleibe ich dort. Nach einer dreiviertel oder einer Stunde höre ich schon das Schießen von Revolvern. Da habe ich gehört, weil da der Kamin war, wie man draußen schießt. Weil draußen hat man noch [+ auf] die Häftlinge geschossen, die man hat

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Erwischen können.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber einige Häftlinge sind weggelaufen an der Seite der »Sauna«. Im Krematorium I und II – Sie haben auch gesehen, daß das brannte. Nun, damals machten sie es so, daß am Krematorium I die Drähte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Gesprengt wurden?

 

Zeuge Filip Müller:

Und sie laufen, so gegen 100 Häftlinge, die laufen. Und die — ten střelný prach

 

Vorsitzender Richter:

Die Büchsen.

 

Dolmetscher Stegmann:

Das Schießpulver.

 

Zeuge Filip Müller:

Es war nur so, daß man es auf dem Dach angezündet hat, aber — ono [+ to] nic neudělalo, ono [+ to] odházelo jenom ty břidlice.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es ist nicht explodiert.

 

Dolmetscher Stegmann:

Sie haben nichts gemacht, sie haben nur die Funken weitergetrieben, die sind zerstoben.

 

Zeuge Filip Müller:

Zerstoben, aber das war nicht so stark. Da liefen 100 Häftlinge. Und ich höre, wie man auf dem Hof des Krematoriums III schießt.

Da bleibe ich dort. Jetzt ist Nacht. Ich dachte noch: Das Krematorium IV hatte schon damals die Drähte dort, aber das war nicht die Kleine Postenkette. Und vielmals war es so, daß die Drähte dort waren, aber die Posten waren nicht dort. Wir waren doch vom Lager draußen so ein bißchen. Nicht viel, aber doch ein bißchen vor den Drähten.

Da gehe ich heraus, jetzt sehe ich den ganzen Hof – noch nicht den ganzen –, aber am Hof liegen die Häftlinge, erschossen, vom Krematorium III. Da war schon Nacht. Da schlich ich mich langsam auf die andere Seite und komme nach dem Wald – es ist ein kleiner Wald dort – zurück zum Krematorium IV. Und ich glaube, daß ich durch die Drähte...

 

Vorsitzender Richter:

Durchkomme.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Weil das war schon nicht [+ mehr] die Kleine Postenkette, das war schon...

 

Vorsitzender Richter:

Außerhalb, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber ich sehe da, ich habe gehört, auf den Türmen waren SS-Männer, und zwischen den Drähten spazierten sie.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Posten gehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Das war so, daß man konnte nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hinein.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, aber ich war schon so [+ müde], ich konnte schon nicht mehr. Weil wenn man einige Meter, ich weiß nicht wieviel, aber 100 Meter oder 200 Meter oder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also Sie kamen nicht mehr hinein?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, nein, da war ich schon müde.

 

Vorsitzender Richter:

Wo sind Sie dann hingegangen?

 

Zeuge Filip Müller:

Da [unverständlich] und kam auf die andere Seite und sage mir: Bei der »Sauna«, wo »Kanada« ist, ist ein Tor. Bei diesem Tor hat immer ein SS-Angehöriger gestanden. Das war ein Sturmmann, der vordem im Krematorium als Posten war, ein älterer SS-Angehöriger, der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht bösartig war.

 

Zeuge Filip Müller:

Immer selbst dort gestanden hat. Da sage ich: Na, wenn nicht, da schlage ich ihn. Ja. Und ich komme wieder zum [+ Krematorium] III, und wieder wollte ich zu der »Sauna«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Kanada«, ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Zu »Kanada«, weil dort ein Tor war. Aber ich war 15 oder 20 Meter vor ihm, da sehe ich, daß dort 10 oder 15 SS-Angehörige waren. Weil es war Nacht, ich habe gehört, wie sie sprechen und so.

Aber ich konnte schon nicht mehr – nicht her, nicht hin. Ich war schon so müde. Und einen Meter [vorankommen], so, daß man es nicht sieht, auf der Erde... Ich liege dort wenigstens eine Stunde. Und nach der einen Stunde kam ich wieder zurück ins Krematorium III. [+ Ich] konnte schon nicht anders machen; mache ich auch die Platte heraus, wo ich vordem war, gehe in den Kamin. Und ich war so müde. So, an der Wand, habe ich geschlafen.

In der Früh höre ich — ruch, známý hlasy — eine Bewegung und auch Stimmen. Und das waren die Stimmen der Häftlinge, die die Erschossenen, die dort waren, am andern Tag auf einen Wagen [laden] und zum Krematorium IV zum Verbrennen ziehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ins [+ Krematorium] IV bringen sollen zum Verbrennen, ja.

Herr Zeuge, ich habe jetzt noch folgende Fragen: Wieso kam es eigentlich, daß Sie in der ganzen Zeit nicht auch abgelöst worden sind? Sie wissen doch, oder wir wissen es jedenfalls, daß die Angehörigen des »Sonderkommandos« alle paar Monate selektiert wurden und irgendwie getötet wurden. Wieso kam es, daß Sie die ganze Zeit dort sein konnten, ohne daß Ihnen dieses Schicksal bereitet worden ist?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich werde es schildern. Ich muß so sagen: Als ich in das »Sonderkommando« kam, da waren wir 20 Jahre. Ich war ein Junge. Und man könnte es austeilen auf zwei solche Teile, warum ich lebe. Der erste Teil sind solche Zufälle, wo ich das überhaupt nicht regulieren oder logisch denken kann, was ich mache oder machen soll. Weil dort war doch keine logische... Dort weiß man nicht eine Minute, was morgen ist oder in einer Minute ist.

Also das, daß ich dem Häftling diese Dollars gegeben habe, das mußte ich. Wenn ich es nicht gegeben hätte, dann... Als ich wieder im Krematorium erschien im Jahre 1943, da waren auch die andern Häftlinge, weil dort, weil das Kommando

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Krematorium I

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Des Krematoriums, die Arbeiten, weil ich mit ihnen zusammen damals, sie kommen nach mir, ja. Das Krematorium I so gegen — v létě.

 

Dolmetscher Stegmann:

Im Sommer.

 

Zeuge Filip Müller:

Im Sommer 43

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zu Ende war.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja. Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment. Wenn Sie jetzt Krematorium I sagen, da meinen Sie das in Auschwitz I?

 

Zeuge Filip Müller:

In Auschwitz, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dann sagten Sie also, im Sommer 43 war das Krematorium geschlossen.

 

Zeuge Filip Müller:

Geschlossen. Und das Kommando Fischl und die Heizer zusammen, Mietek, Józek, Wacek14, Fischl – Fischl schon nicht [+ mehr], er ist gestorben, aber Schwarz war dort –, kamen nach Birkenau. In diesem Jahr, als sie auch dort waren, war keine Selektion. Dort war überhaupt keine Selektion.

 

Vorsitzender Richter:

Also im Sommer 43 wurde das Krematorium I geschlossen.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

43 wurde das Krematorium I geschlossen. Weil die Häftlinge von dort kamen, ich habe mit ihnen gesprochen, ja. Und ich kann auch sagen, warum das war, weil sie es mir sagten. Das ist aber schon eine Sache, die ich gehört habe.

 

Vorsitzender Richter:

Also jedenfalls waren Sie doch immerhin zwischen dem Sommer 1943 und dem 18.1.1945, das waren anderthalb Jahre

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Im Krematorium, ohne daß Ihnen das Schicksal geworden ist, daß sie selektiert und vernichtet worden sind.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und warum?

 

Zeuge Filip Müller:

In den Jahren 1943 bis 45 waren in Birkenau Selektionen. Aber ich sage, in dem Stammkrematorium, im Stammlager, waren keine. Dort war es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, Sie waren ja nicht mehr dort. Sie waren ja mittlerweile in Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber die Kameraden kamen, und die blieben schon in...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, man hat doch immer gesagt, die Angehörigen des »Sonderkommandos«, die drei, vier Monate das dort mitgemacht hatten, die so viel wußten und die so viel gesehen hatten, die wurden dann immer getötet, damit sie nicht länger dortbleiben sollten.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

So ist uns bisher gesagt worden.

 

Zeuge Filip Müller:

[+ Da] waren Selektionen, aber man konnte nicht sagen, alle zwei oder drei Monate. Also ich sage so: Im Jahre 1942, als ich im Krematorium Auschwitz gearbeitet habe, war dort überhaupt keine Selektion.

 

Vorsitzender Richter:

Keine, nein. Wir sind jetzt zwischen 43 und 45

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Im Jahre 1943 war eine Selektion. Das war so gegen Ende des Sommers 1943, als die Selektion15 gemacht [+ wurde], am Vorhof vom Block 13. Wir waren 30 Häftlinge als Heizer. Wir arbeiteten im Krematorium IV. Wir kamen immer zurück nach dem Appell.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Da kamen wir zurück, und da war schon eine Selektion. Schwarzhuber war dort. Und man hat die Starken genommen, man hat ihnen gesagt: »Ihr fahrt nach Lublin.« Und die Nichtstarken, die hat man dort gelassen, damit man es so... Aber nachher, als das »Sonderkommando« von Lublin16 kommt, sehen wir, daß sie haben — boty, holínky.

 

Dolmetscher Stegmann:

Schuhe, Stiefel.

 

Vorsitzender Richter:

Von ihren Leuten, die dort ins Gas gegangen sind.

 

Zeuge Filip Müller:

Da fragen wir, da sagen sie, daß sie dort vergast wurden. Das war eine. Das zweite Mal war wieder eine Selektion.

 

Vorsitzender Richter:

Wer waren denn die Häftlinge im »Sonderkommando« 13, die nicht im Krematorium Dienst getan haben? Was haben die denn für eine Arbeit gehabt oder für eine Aufgabe?

 

Zeuge Filip Müller:

Sie waren Stubendienste, die nicht im Krematorium [+ waren].

 

Vorsitzender Richter:

Und trotzdem im »Sonderkommando« waren?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Die also da immer selektiert wurden, wie Sie eben sagten?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das waren lauter Stubendienste?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, das waren nur Häftlinge, die im »Sonderkommando« gearbeitet [+ haben].

 

Vorsitzender Richter:

Und was taten die denn im »Sonderkommando«?

 

Zeuge Filip Müller:

Arbeiten.

 

Vorsitzender Richter:

Genau dasselbe, was Sie machten?

 

Zeuge Filip Müller:

Die waren nicht Heizer, aber was anderes.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern was waren die denn?

 

Zeuge Filip Müller:

Sie haben die Klamotten...

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagten doch vorhin, daß das keine Einteilung war, daß der eine das machte, der andere jenes, sondern jeder, der im »Sonderkommando« war, wurde auch für alles eingesetzt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ja, ja. So ist es.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kam es denn, daß diese Leute, die da vor Ihnen selektiert worden sind, schon in Ihrem Block 13 waren?

 

Zeuge Filip Müller:

Na ja. Wir waren als Heizer da. Aber vielmals ist Gorges gekommen und hat gesagt: »Die Klamotten muß man«

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wegbringen.

 

Zeuge Filip Müller:

Das gab es auch, ja. Das war nicht immer, daß es so war. Es war doch nicht eingeteilt, daß [+ es hieß]: »Der da muß das [+ machen] « oder »Der da muß das [+ machen] «. Aber wir kamen ins Lager immer nach dem Appell.

 

Vorsitzender Richter:

Nun noch eine Frage: Sie haben uns vorhin gesagt, als Sie damals von Aumeier von Block 11 ins Krematorium geführt worden seien, da hätte dort Stark gestanden und später

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Ins Krematorium in Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in Auschwitz. Wieso wußten Sie, daß dieser Mann Stark war?

 

Zeuge Filip Müller:

Damals, als ich am ersten Tag angekommen bin, wußte ich [+ es] überhaupt nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Eben.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich wußte [+ es] nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das meine ich auch, ja. Aber Sie sagten uns doch, es wäre Stark gewesen. Wann haben Sie denn erfahren, daß das Stark war?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich werde es schildern. Nach einigen Tagen, als ich dort gearbeitet habe, habe ich die SS-Männer, den Rottenführer dort und den Klaus, zusammen...

 

Vorsitzender Richter:

Sprechen hören?

 

Zeuge Filip Müller:

Sprechen [+ hören]. Es waren Zeiten, daß der Rottenführer kommt: »Ist hier der Unterscharführer Stark?« Ja? Und das ist eine Person, ich möchte sagen, das ist ein SS-Angehöriger, der mir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und ebenso haben Sie uns dann von Grabner und Aumeier gesprochen. Wieso kannten Sie diese Namen?

 

Zeuge Filip Müller:

Auch das haben sie zusammen [+ gesprochen]. Herr Vorsitzender, wir standen ein oder zwei Meter vor ihnen, wenn wir die Klamotten zusammenlegten. Da sprechen sie, da geht es zwei Stunden, und da sprechen sie zusammen.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben Sie weiterhin uns erzählt, daß in diesem Krematorium I in Auschwitz ein Brand ausgebrochen war, weil sie diese Öfen oder die Ventilatoren nicht richtig bedient haben. Was hat denn da eigentlich gebrannt?

 

Zeuge Filip Müller:

Das hat nicht gebrannt so. Die Ventilatoren haben die Ziegel herausgerissen. Und das Feuer kam heraus.

 

Vorsitzender Richter:

Wo heraus, aus den Öfen?

 

Zeuge Filip Müller:

Aus den Öfen, ja, herausgerissen. Und da mußten wir es mit Wasser

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Löschen.

 

Zeuge Filip Müller:

Aber nicht Feuer am Dach oder so.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben Sie gesagt, bei dieser Gelegenheit hätte der Stark drei Häftlinge erschossen, so daß Sie nur noch vier gewesen seien. Von den sieben hätte er drei erschossen, so daß nur noch vier übriggeblieben seien. Bei Ihrer Vernehmung haben Sie gesagt: »Stark erschoß bei dieser Gelegenheit vor meinen Augen vier Häftlinge.«17

 

Zeuge Filip Müller:

Na, vielleicht. Ich konnte sagen, daß es damals Neumann, Goldschmidt und Filip Weiss waren.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kannten Sie die Leute denn mit vollem Namen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich konnte es sagen. Den Filip Weiss kannte ich mit Namen, weil er ist wie ich in der Stadt Sered am Vág geboren und [+ hat dort] gelebt.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie kannten ihn schon von früher?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, von früher.

 

Vorsitzender Richter:

Und die anderen?

 

Zeuge Filip Müller:

Den Goldschmidt kannte ich schon nicht mit dem anderen Namen.

 

Vorsitzender Richter:

Außerdem kannten Sie auch den Samuel Jankowski mit Namen.18

 

Zeuge Filip Müller:

Samuel Jankowski, mit ihm [+ war ich] vom Jahre 1943 bis zum Ende im »Sonderkommando«. Er lebt auch. Als die Evakuierung des Konzentrationslagers Auschwitz war, da lebten von dem »Sonderkommando« nicht nur ich, sondern ich habe sie gesehen: Lulus, Samuel Jankowski, Schwarz und ich.

 

Vorsitzender Richter:

Nun haben Sie uns erzählt, daß nach diesem Unfall in dem Krematorium I die Leichen aufgeladen worden sind auf Lastwagen und hinausgefahren worden sind. Wer hat denn die Leichen aufgeladen auf die Laster?

 

Zeuge Filip Müller:

Wir.

 

Vorsitzender Richter:

Wieviel Lastwagen waren denn das? Eins, zwei, drei?

 

Zeuge Filip Müller:

Mehr, mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Mehr. Und wieviel Leichen werden das ungefähr gewesen sein?

 

Zeuge Filip Müller:

Gegen 500 Leichen.

 

Vorsitzender Richter:

Und die haben Sie abgefahren in diesen Sumpf. Und dann haben Sie sie am nächsten Tag wieder herausziehen müssen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo sind denn die Leichen dann hingekommen, nachdem Sie sie herausgezogen hatten?

 

Zeuge Filip Müller:

Von dem Grab?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Wir zogen sie nicht heraus, nur auf eine

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nur aufgeschichtet auf einen Haufen?

 

Zeuge Filip Müller:

Bei Nacht haben wir sie nur, wie man sagt, — my jsme je odhazovali.

 

Dolmetscher Stegmann:

Wir haben sie nur beiseite geworfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Und anderntags kamen wir, und das Auto nimmt das Wasser. Da gehen wir, und — stahovali jsme je na jednu hromadu.

 

Dolmetscher Stegmann:

Dann haben wir sie auf einen Haufen zusammengezogen.

 

Vorsitzender Richter:

Und liegenlassen?

 

Zeuge Filip Müller:

Und mit Chlor noch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit Chlorkalk bestreut, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Und auch Erde. Nur ein bißchen Erde darauf.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben Sie gesagt, der Boger sei seinerzeit mit dem Motorrad gekommen. Heute haben Sie gesagt, er sei mit einem Fahrrad gekommen.

 

Zeuge Filip Müller:

Entweder Motorrad oder Fahrrad, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann hatten Sie noch gesagt, Boger sei bei jeder Vergasung zugegen gewesen.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben gesagt: »In diesem Zusammenhang möchte ich unterstreichen, daß bei jedem Vergasen oder [+ jeder] Erschießung im Krematorium stets Boger dabei war.«19

 

Zeuge Filip Müller:

Vielleicht ist es nicht so. Aber wenn ich mich gut erinnere, war er bei vielen Vergasungen [+ dabei], aber bei allen [+ Aktionen], wo man geschossen hat. Immer war er dort, wo man geschossen hat. Er kam vorher, eine halbe Stunde, und nachher kamen die Menschen zum Schießen.

 

Vorsitzender Richter:

Das war aber schon in dem Krematorium in

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Das war schon im Krematorium IV. Im Jahre 1942 habe ich Boger nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

42 haben Sie ihn nicht gesehen?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagten aber, Sie haben doch einmal gesehen, wie an der Schwarzen Wand im Block 11 Erschießungen vorgenommen wurden. Und da waren nur Stark und Klaus, wie Sie sagten.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, und noch der Rottenführer, aber der schießt nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Der Rottenführer, dessen Namen Sie nicht kennen.

 

Zeuge Filip Müller:

Der schießt nicht, der steht nur dort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen.

 

Richter Hotz:

Herr Müller, kennen Sie Herrn Josef Farber aus Prag?

 

Zeuge Filip Müller:

Den Farber? Ich kenne ihn nicht. Aber heute habe ich, bevor ich hierher kam, gehört, daß er herkommt zum

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Sie kennen ihn gar nicht?

 

Zeuge Filip Müller:

Überhaupt [+ nicht], auch vom Lager nicht.

 

Richter Hotz:

Haben Sie sich mit einem ehemaligen Häftling oder mit jemand anderem in der letzten Zeit oder überhaupt in den letzten Jahren über die Person des Klaus einmal unterhalten, dieses Klaus, den Sie uns vorhin hier gezeigt haben?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich verstehe nicht.

 

Dolmetscher Stegmann:

Darf ich ihm das übersetzen?

 

Richter Hotz:

Bitte sehr.

 

Dolmetscher Stegmann:

Mluvil jste někdy s nějakým [bývalým] vězněm o panu Klausovi, o kterém jste tady dnes mluvil? [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Richter Hotz:

Wie kommt es, daß Sie heute den Klaus hier zeigen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich möchte es so sagen: In den Jahren nach dem Konzentrationslager — já jsem se [+ tím] nezabýval.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren etwas verwirrt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe meine Arbeit, meine Kinder. Und ich wollte vergessen, was es war. Es hat mich alles interessiert, was von Konzentrationslagern geschrieben war und so. Aber sonst wollte ich vergessen – auch wenn es nicht geht, das kann man nicht vergessen.

Und ich sprach vielmals mit Kameraden vom Konzentrationslager. Aber ich habe schon im Jahre 1963, bei Gericht, gehört, daß die SS-Angehörigen hier sind. Und ich hörte erstmals von Stark, von Stark und Boger. Ich kannte nicht die Namen von den andern. Und damals habe ich schon vor dem [+ Distriktsgericht in Prag] gesagt, daß es der Klaus war, aber ich kannte schon nicht mehr den Namen.

 

Staatsanwalt Wiese:

Seite 7.20

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Stimmt.

 

Richter Hotz:

Ich habe keine Fragen mehr. Danke sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Vom Gericht noch Fragen? Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Wiese:

Herr Zeuge, um nochmal auf die Erschießung an der Schwarzen Wand zurückzukommen. Standen Sie im Hof zwischen Block 10 und 11?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Staatsanwalt Wiese:

Wie oft haben Sie den von Ihnen mit Klaus bezeichneten SS-Mann dort gesehen? Einmal, mehrmals?

 

Zeuge Filip Müller:

Mehrmals.

 

Staatsanwalt Wiese:

Können Sie sich erinnern, genau erinnern, wieviel Personen dieser Klaus erschossen hat bei den Malen, an denen Sie ihn beobachtet haben?

 

Zeuge Filip Müller:

Das möchte ich so sagen: Zusammen – wenn Stark geschossen hat und, wenn sie mehr waren, auch Klaus –, zusammen minimal, was ich gesehen habe, 2.000. Minimal.

 

Staatsanwalt Wiese:

Beide zusammen, Stark und der Klaus?

 

Zeuge Filip Müller:

Aber mehr Stark. Der Klaus schoß nur damals, wenn [+ Transporte mit] 80 oder 100 [+ Leuten kamen]. Aber vielmals kamen Transporte nur mit 50, 60 Leuten. Da schießt Stark.

 

Staatsanwalt Wiese:

Das ist uns bekannt. Ich habe dann im Augenblick keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, wir haben zwar den Zeugen benannt, wußten aber bisher überhaupt nicht, daß es ein Protokoll21 darüber gibt. Ich selbst habe dieses Protokoll nicht gesehen, sondern lediglich Herr Rechtsanwalt Raabe.

Und ich frage: Wird der Zeuge heute hier zu Ende vernommen? Denn ehe man Fragen an ihn stellt, wäre es doch außerordentlich wichtig, dieses Protokoll kennenzulernen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Rechtsanwalt Ormond, wenn die Fragen nicht übermäßig viele sind, hatte ich die Absicht, den Zeugen heute zu Ende zu vernehmen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha. Es ist natürlich sehr schwer – dieses Protokoll umfaßt doch eine ganze Anzahl von seiten.

 

Vorsitzender Richter:

Zehn Seiten wohl. Ja, Herr Rechtsanwalt, ich habe, als ich den Termin heute angesetzt habe, lediglich Ihren Beweisantrag22 in Händen gehabt. Ihr Beweisantrag hat sich auf drei Zeilen erstreckt, und ich habe deshalb auch bei meiner Disposition damit gerechnet, daß wir mit dem Zeugen allerhöchstens eine Stunde uns aufhalten müßten.

Infolgedessen kommen wir jetzt vollkommen aus der ganzen Planung heraus. Denn ich sehe, daß auch die andern Zeugen, die hier noch geladen sind – zum Beispiel Paisikovic und Radvanský und auch Kret –, ganz weitgehende Aussagen zu machen haben, die gar nicht schnell abgewickelt sein werden.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Mit der Ausnahme Paisikovic kenne ich auch die andern Protokolle nicht. Die waren auch nicht bei den Akten gewesen bei diesem Prozeßtag.

 

Vorsitzender Richter:

Die habe ich am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft bekommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das ist dann natürlich sehr schwer. Für Sie und für uns.

 

Vorsitzender Richter:

Eben.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Vorsitzender, wir haben die Protokolle ja auch nicht. Es ist auch für uns sehr schwer, dann überhaupt Fragen zu stellen, wenn die Zeugen also geladen werden, uns hier präsentiert werden, und wir wissen nicht, was sie früher gesagt haben. Wir sind überhaupt nicht in der Lage, irgendwelche Vorhalte zu machen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Rechtsanwalt, wem sagen Sie das.

 

Verteidiger Steinacker:

Ihnen, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, mir. Aber ich habe sie ja selbst nicht gehabt. Wie kann ich sie Ihnen geben?

 

Verteidiger Steinacker:

Nein, das sage ich ja auch nicht. Aber Sie haben sie jetzt.

 

Vorsitzender Richter:

Jetzt habe ich sie.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie haben sie jetzt. Und ich muß dem Kollegen Ormond insoweit beitreten: Ich sehe mich auch außerstande, an den Zeugen Fragen zu stellen, weil ich gar nicht weiß, was in dem Protokoll alles drinsteht. Ich kann natürlich nur das stellen, was er jetzt hier gesagt hat und was ich mitgeschrieben habe. Aber ich kann ihm nicht Vorhalte machen, weil ich das Protokoll nicht kenne.

 

Vorsitzender Richter:

Meine Herren, wenn Sie diese Schwierigkeiten haben, dann muß ich eben vorschlagen, daß wir den Zeugen noch mal auf den Donnerstag bestellen und daß Sie dann in der Lage sind, innerhalb dieser paar Tage die Protokolle einzusehen; allerdings dann auch die andern, Paisikovic und Radvanský. Von Kret habe ich kein Protokoll, da habe ich nur eine längere literarische Auslassung.23

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Vorsitzender, ist es möglich, daß das fotokopiert wird von seiten des Gerichts, denn es sind ja wohl nicht nur der Kollege Ormond und ich [+ betroffen], die Verteidigung des Angeklagten Stark [+ auch].

 

Vorsitzender Richter:

Von Kret habe ich kein Protokoll. Da habe ich nur die Auschwitz-Hefte.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja gut, die haben wir auch.

 

Vorsitzender Richter:

Sehen Sie.

 

Verteidiger Erhard:

Aber die decken sich nicht mit dem Beweisantrag24, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, aber jedenfalls könnte ich mir vorstellen, daß der Zeuge Kret bei seinen Aussagen auch darüber berichten wird und will und vielleicht sogar muß.

 

Verteidiger Erhard:

Ich glaube, der Herr Ormond hat ja den Herrn Kret konkret benannt, und zu ganz anderen Dingen als zu dem, was in den Auschwitz-Heften drinsteht. Ich glaube, es wäre doch wohl auch mindestens eine Pflicht der Fairneß, daß er uns sagt, wo er sein Wissen her hat.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, ich nehme an

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Ich habe ihn schon gefragt

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Der Kret hat, das habe ich Ihnen ja gesagt, einen ausführlichen Bericht in den Auschwitz-Heften geschrieben

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Ja, da steht ja von Ihrem Beweisantrag gar kein Wort von drin.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

»In der Strafkompanie.« Das ist das, was ich gehabt habe. Und sonst ist mir gesagt worden, daß der Zeuge Kret Wichtiges zu bekunden hat. Einzelheiten darüber weiß ich nicht mehr als das, was in dem Beweisantrag drinsteht.

 

Verteidiger Erhard:

Herr Vorsitzender, darf ich mir dennoch die Anregung erlauben, den Zeugen heute fertig zu vernehmen. Denn es werden ihm viele Vorhaltungen nicht zu machen sein. Die Vorhaltungen, die Sie, Herr Vorsitzender, ihm gemacht haben, sind ja deutlich für jeden zu hören gewesen, und die Beurteilung daraus wird für das Gericht nicht allzu schwer sein. Ich würde noch einige Vorhalte zu machen haben und mehr auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Erhard... Können Sie am Donnerstag noch mal hierherkommen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Er kann noch kommen. Ich könnte mir vorstellen, daß dann auf jeden Fall noch Fragen gestellt werden. Und ihn heute zu Ende zu vernehmen, das würde mindestens bis sechs Uhr dauern.

 

Verteidiger Erhard:

Herr Direktor, ich glaube, ich habe nur drei Fragen etwa. Ich würde Sie bitten, die drei Fragen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Sie. Aber Sie sehen, daß hier der Rechtsanwalt Steinacker sitzt

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Ich würde Sie bitten, daß Sie die Fragen heute noch zulassen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte sehr. Habe ich nichts dagegen. Dann stellen Sie bitte Ihre drei Fragen.

 

Verteidiger Erhard:

Herr Zeuge, ist es richtig, daß Sie, was Ihnen der Herr Vorsitzende schon vorgehalten hat, in Prag am 2. Dezember 1963 eine Aussage vor dem dortigen Bezirksrichter gemacht haben?

 

Zeuge Filip Müller:

Das habe ich gemacht, ja.

 

Verteidiger Erhard:

Wie erklären Sie sich, daß Sie damals beispielsweise gesagt haben, Sie wären nur während des Monats Juli 1942 in Birkenau gewesen, während Sie heute gesagt haben, Sie wären ab Anfang Juli bis zum Jahre 1943 in Birkenau gewesen? Was ist richtig?

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Rechtsanwalt, entschuldigen Sie bitte, würden Sie den Vorhalt konkretisieren, auf welcher Seite und wo das steht?

 

Verteidiger Erhard:

Seite 5 oben, zweite Zeile.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, würden Sie mal nachsehen auf Seite 8, siebte und achte Zeile von unten. Würden Sie das mal lesen?

 

Verteidiger Erhard:

[Pause] Da steht nur, daß er im Krematoriumskommando in Birkenau ab Sommer 1943 gearbeitet hat.

 

Vorsitzender Richter:

Bis zum 18. Januar 45. Genau das hat er heute gesagt.25

 

Verteidiger Erhard:

Ich halte ihm was anderes vor: Ich halte ihm vor, daß er auf der Seite 5 seiner damaligen Aussage gesagt hat, daß er nur während des Monats Juli 1942 nach Buna gegangen sei, bis dort die Typhusepidemie ausgebrochen sei. Dann sei man nicht mehr nach Buna gefahren. Während er heute gesagt hat, er ist von Sommer, von Anfang Juli 42 bis 43 in Birkenau gewesen und ist erst dann zum Krematoriumskommando gekommen. Das hat er dann allerdings heute gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Moment. Er hat gesagt, im April 42 kam er nach Auschwitz und war im Kommando Fischl von Mai bis Ende Juni 42. Und dann kam er nach Buna. Dann kam er von Buna zurück, zunächst in den Krankenbau, vom Krankenbau zu dem Kartoffelschälerkommando. Und dann kam er im Juli 43 vom Kartoffelschälerkommando wiederum in dieses Krematoriumskommando, diesmal in Birkenau.

 

Verteidiger Erhard:

Also ich habe seine Aussage heute hier mitgeschrieben und so verstanden, daß er, als er aus dem Fischl-Kommando herauskam, nach Buna gekommen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Buna, richtig. So war es auch. Und, weiter?

 

Verteidiger Erhard:

Und daß er erst 1943 dann in das Krematoriumskommando in Birkenau kam.

 

Vorsitzender Richter:

Genau so war es.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Verteidiger Erhard:

Er hat aber hier gesagt, er ist nur einen Monat in Buna gewesen, früher in seiner Vernehmung.

 

Vorsitzender Richter:

Moment.

 

Verteidiger Erhard:

Ich halte ihm ja nur den Widerspruch zwischen seiner heutigen Aussage und der damaligen vor.

 

Staatsanwalt Kügler:

Er sagt ja heute auch nichts anderes.

 

Vorsitzender Richter:

Also er sagte zunächst: »Beim Krematorium hielt ich es bis Ende Juni 42 aus«, das hat er auch heute gesagt, »als es mir gelang, unter der wirksamen Hilfe des Arbeitsdiensthäftlings« und so weiter »durch Ersetzung mit einem andern Häftling wegzukommen. Um mich nicht in unmittelbarer Nähe von Auschwitz aufzuhalten, fuhr ich erneut nach Buna, bis zum Juli 42.«26

 

Zeuge Filip Müller:

Ich kann es sagen, das ist nicht so gewesen. Erst mal bis Juli 42 fahre ich wieder, weil damals hat man noch in den Waggons zurück [+ transportiert], und nachher ins Lager Monowitz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, von Auschwitz nach Buna selbst, nach Monowitz, weil man wegen der Typhusepidemie die Leute nicht mehr in das Stammlager zurücktransportiert hat, sondern man hat sie in Monowitz gelassen.

 

Verteidiger Erhard:

Gut. Für mich reicht das. Weitere Frage: Wie hieß Ihr Kamerad Schwarz mit dem Vornamen?

 

Zeuge Filip Müller:

Moritz oder Max. Moritz oder Max.

 

Verteidiger Erhard:

Sie haben auch heute Moritz gesagt. Damals haben Sie Max gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich sagte Ihnen schon vorher: Max oder Moritz.

 

Verteidiger Erhard:

Er hat vielleicht Max und Moritz geheißen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Was soll denn dieses [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, also weiter.

 

Verteidiger Erhard:

Ein weiterer Vorhalt: Sie haben uns heute gesagt, daß Sie an dem Sonntag – nachdem Sie die ganze Nacht durch vom Samstag zum Sonntag mit den Leichen beschäftigt gewesen sind, sie aufzuladen, sie abzuladen –, daß Sie dann bis nach dem Mittag wieder in Block 11 gewesen wären, und zwar bis nach dem Mittagessen. Ist das richtig?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Verteidiger Erhard:

Darf ich Sie fragen: Warum haben Sie dann damals – Seite 4 in der Mitte seiner damaligen Vernehmung – gesagt, Sie wären vormittags wieder aus dem Bunker herausgeholt worden, um dann mit dem Feuerwehrauto jenseits von Auschwitz zu fahren? Wann sind Sie denn nun wirklich wieder weggekommen aus dem Lager, weggefahren aus dem Lager?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich werde es sagen. Das war so: Wir waren diese Nacht in dem Bunker – nicht in der Zelle 13, das war nachher –, wo kein Fenster war. Das war ein dunkler Raum. Wir kamen heraus den andern Tag so gegen zwölf oder halb zwölf oder elf oder eins – aber ich bin kein Statistiker, ich hatte dort andere Sorgen, wie sich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Tagesablauf abspielte. Also er sagt, er kann es nicht so genau wissen. Er hat vorhin gesagt, wenn ich nicht irre... Sie bekamen erst noch Ihr Essen, und dann wurden Sie weggefahren.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Verteidiger Erhard:

Eine weitere Frage: Wie erklären Sie sich, daß die vergasten Leichen so verletzt waren, daß Sie Ihre Kleidung bei dem Transport der Leichen mit Blut besudelten. Wo kam das her?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Die Frage ist beantwortet. Der Zeuge hat gesagt, es war ein derartiger Todeskampf, daß die Leute sich gegenseitig verkrampft und verkrallt haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Herr Direktor, ich möchte so sagen: Ich habe bei der Vergasung Hunderttausende Vergaste gesehen. Und die Menschen – weil die Vergasung, das war nicht eine Minute, das dauerte sieben, acht, zehn, auch mehr Minuten –, und die Menschen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hatten einen Todeskampf.

 

Zeuge Filip Müller:

Von ihnen geht alles Blut

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aus Nasen und Ohren.

 

Zeuge Filip Müller:

Und das war doch schrecklich, wie die Menschen litten. Auch Blut war dort, alles.

 

Verteidiger Erhard:

[Pause] Sie haben weiter in Ihrer früheren Vernehmung noch mehrere Einzelheiten über das, was Sie angeblich von dem Angeklagten Stark beobachten konnten, geschildert. Sind Ihnen noch konkrete Dinge in Erinnerung, die Sie heute nicht erzählt haben?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ich kann erzählen, ich habe doch gesehen, sagen wir, mehr als die halben Menschen bei Vernichtung.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe das nicht verstanden.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe wenigstens die [Hälfte der] Menschen gesehen, die vernichtet worden waren.

 

Vorsitzender Richter:

Die Hälfte der Menschen, die vernichtet worden waren.

 

Zeuge Filip Müller:

Wenn ich jeden Moment schildern würde, den ich noch weiß

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Könnten Sie jahrelang erzählen.

 

Zeuge Filip Müller:

Da könnten Sie hier sitzen, da könnte ich sprechen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, der Herr Rechtsanwalt will ja nur von Ihnen wissen, ob Sie noch Dinge wissen von dem Angeklagten Stark, die Sie uns nicht erzählt hätten. Verstehen Sie mich? Ob Sie noch etwas von dem Angeklagten Stark erzählen könnten, was Sie uns bisher nicht erzählt haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich könnte auch noch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie könnten noch Dinge erzählen.

 

Verteidiger Erhard:

Haben Sie früher gesagt, daß die Frauen, die der Angeklagte Stark nicht in die Gaskammern gehen ließ, eine größere Zahl jeweils gewesen seien? Heute haben Sie »zwei« gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein, von jedem Transport nimmt er, nicht immer, aber zu 90 Prozent immer Frauen. Aber von acht, zehn erschießt er zwei, drei, und die anderen schauen zu. Die anderen schauen zu.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschieht dann mit den anderen?

 

Zeuge Filip Müller:

Er erschießt sie dann [auch].

 

Vorsitzender Richter:

Er erschießt sie dann auch, nachdem er zwei bis drei so gequält hat, wie Sie das erzählt haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, so gequält, und die andern erschießt er dann. Ich war doch dabei. Soll der Stark sagen, ob er mich kennt. Soll er sagen, ob er Fischl-Kommando gesagt hat.

Ich möchte noch [etwas] sagen. Wenn ich hier die Hosen herunternehmen könnte, ich hätte ein Zeichen hier, wo mich Stark mit den [+ Füßen], mit einer Sohle schwer

 

Vorsitzender Richter:

Getreten hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich könnte ihm auch sagen, wann es war. Wenn wir die Leichen ziehen von Block 11, wo er schießt, damals ziehe ich den Wagen, den ersten. Und als man zu dem Krematorium, zu dem Tor, kommt, da ist so eine Mulde, und einmal macht der Wagen so, und die Leichen fallen.

Ja, was der Stark gemacht hat, das könnte ich Ihnen noch zeigen. Ich könnte noch vieles von Stark sagen. Wenn Sie wollen, dann kann ich es sagen. Weil ich war dabei.

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Wie erklären Sie sich, daß in den Auschwitz-Heften von den Vergasungen im Jahre 1942 nur Aufzeichnungen enthalten sind über solche in den Bauernhöfen bei Birkenau und nicht mehr im Alten Krematorium?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich widerspreche diesem Vorhalt, Herr Vorsitzender. Der Zeuge kann keine Angaben darüber machen, wie die Auschwitz-Hefte zustande gekommen sind. Wenn das Gegenstand der Beweisaufnahme werden soll

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Das habe ich ja nicht gefragt, wie die zustande gekommen sind

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Herr Rechtsanwalt, dann bitte ich Sie zu beantragen, daß der entsprechende Teil der Auschwitz- Hefte verlesen wird.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Rechtsanwalt, der Zeuge kann ja nicht wissen

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Ich frage, wie er sich erklärt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wie soll er sich das erklären?

 

Verteidiger Erhard:

Na gut.

 

Staatsanwalt Kügler:

Die Frage wäre allenfalls so zu stellen, wie es zu erklären ist, daß der Sachbearbeiter, der die Auschwitz-Hefte gemacht hat, von dem, was der Zeuge dazu zu sagen hat, bis jetzt noch nicht Kenntnis hat. Vielleicht ist die nächste Ausgabe anders.

 

Verteidiger Erhard:

Ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt Ormond, Sie hätten noch Fragen zu stellen?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, bei diesem Komplex – wir haben hier zwei Überlebende des »Sonderkommandos«, das ist doch einer der bedeutsamsten Zeugen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ich frage Sie ja nur.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich wollte also sehr darum bitten, daß uns dieses Protokoll zugänglich gemacht wird und daß ich dann Fragen stellen kann. Wenn ich es morgen früh bekomme, kann es fotokopiert werden, und ich kann es dann an jemand weitergeben, der es ebenfalls zu erhalten wünscht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ich bin bereit, es Ihnen sofort zu geben, denn ich brauche es heute nicht mehr. Vielleicht geben Sie es dann morgen gleich an den Rechtsanwalt Steinacker weiter. Wer möchte es noch haben? Also nur Rechtsanwalt Steinacker, daß er es morgen dann auch noch einsehen kann.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke sehr.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Vorsitzender, die anderen Protokolle auch, kann ich die dann vielleicht haben?

 

Vorsitzender Richter:

Die können Sie auch haben, aber ich bitte mir

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Die gebe ich Ihnen dann morgen wieder.

 

Vorsitzender Richter:

Also die insofern zu den Gerichtsakten gekommenen Protokolle sind damit Gegenstand der Akten und können eingesehen werden. Meine Herren, ich möchte Sie noch auf folgendes hinweisen

 

– Schnitt –

 

Zeuge Filip Müller:

Noch was sagen, aber ich bin schon, wenn ich von dem spreche...

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind ermüdet.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe hier noch viel zu sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben noch viel zu sagen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ich habe noch viel zu sagen. Aber ich bin schon...

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind ermüdet. Ja.

Herr Dolmetscher, ich bitte Sie dann, am Donnerstag früh um 8.30 Uhr noch mal dazusein.

 

– Schnitt –

 

98. Verhandlungstag, 8.10.1964

 

Fortsetzung der Vernehmung des Zeugen Filip Müller

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten uns am letzten Montag Ihre Erlebnisse erzählt, die Sie gehabt haben in den Krematorien, und hatten uns zum Schluß Ihrer Vernehmung gesagt, daß Sie noch weitere Aussagen machen könnten. Bitte, wollen Sie das jetzt tun.

 

Dolmetscher Jarolim:

Vy jste při výslechu řekl, že ještě můžete [dále vypovídat]. Pan předseda Vás prosí, aby jste tak udělal.

 

Zeuge Filip Müller:

Předně bych chtěl panu předsedovi říct toto: poněvadž jsem se minule nemohl vcelku vyjádřit, poněvadž německou řeč ovládám jenom částečně, tak k té otázce, proč žiju, aby mi bylo umožněno velmi stručně zrekapitulovat, jak se tedy stalo, že jsem toto vše přežil.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich will dem Herrn Vorsitzenden vor allem sagen, warum ich noch hier sitze und wie ich das alles überlebt habe. Und ich will in Kurzrekapitulation alles das sagen, was ich letztes Mal nicht sagen konnte.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1942, jak jsem už předtím vylíčil, jsem se dostal ze »Sonderkommanda« z Osvětimi za pomoci jednoho vězně, který stál u brány, a kterému jsem dal určité prostředky. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahre 1942 bin ich aus Auschwitz mit Hilfe eines Häftlings, dem ich bestimmte Zuwendungen machte, aus diesem Lager herausgekommen.

 

Zeuge Filip Müller:

Dívám-li se na to dne ska, kdybych i toto nebyl provedl, byl bych to prožil, kdyby nenastaly určité nemoci.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn ich heute darauf zurückblicke, wenn ich auch das nicht ausgeführt hätte, hätte ich das durcherlebt, wenn nicht bestimmte Krankheiten gekommen wären.

 

Zeuge Filip Müller:

Protože pak v roce 1943, kdy jsem se dostal do krematoria číslo I, do Birkenau, jsem se tam setkal s vězni

 

Dolmetscher Jarolim:

Weil dann, im Jahre 1943, als ich ins Krematorium Nummer I kam nach Birkenau, bin ich dort mit Häftlingen zusammengetroffen.

 

Zeuge Filip Müller:

Jako s Luluschem Mauricem, Lulus, Maurice, z Francie.

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit dem Lulus, Maurice, aus Frankreich.

 

Zeuge Filip Müller:

Uvádím dále Samuela Jankowskeho z Francie. Byl to polský žid, tedy byl to Francouz polského původu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich führe weiter an Samuel Jankowski aus Frankreich. Er war ein Franzose polnischen Ursprungs.

 

Zeuge Filip Müller:

Takže prakticky od mého odchodu ani v průběhu mého setrvání tam nedošlo v takzvaném Fischl-komandu v roce 1942 k žádné selekci. Konkrétně v Osvětimi.

 

Dolmetscher Jarolim:

So daß praktisch von meinem Weggang beziehungsweise im Verlauf meines Verweilens es zu keiner Selektion im sogenannten Fischl-Kommando kam im Jahre 1942, also konkret in Auschwitz.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1943, v létě, došlo k jedné selekci v »Sonderkommandu« v Birkenau, na dvoř e bloku 13, tam bydlelo »Sonderkommando«, byl to lágr BIId. Selekce byla prováděná po apelu, tedy v době, kdy my, to znamená 30 vězňů, jsme se jako topiči nacházeli v krematoriu číslo IV. Vrátili jsme se až po selekci. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahre 1943, im Sommer, kam es zu einer weiteren Selektion im »Sonderkommando« Birkenau.27 Die Selektion wurde im Vorhof des Blocks 13 durchgeführt – dort wohnte das »Sonderkommando«, das war das Lager BIId – und wurde nach dem Appell durchgeführt, also in einer Zeit, wo sie, diese 30 Häftlinge bei dem »Sonderkommando« in dem Krematorium Nummer IV, erst nach der Selektion, also nach dem Appell wieder zurückgekommen [+ sind].

 

Vorsitzender Richter:

Moment. War das nicht im Lager BIId wie Dora?

 

Zeuge Filip Müller:

Byl o to v kmenovém lágru v Osvětimi, v Birkenau, tak.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es war im Stammlager Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Also im Lager Birkenau, und zwar im Lager d wie Dora.

 

Dolmetscher Jarolim:

Jako Dora?

 

Zeuge Filip Müller:

Já neznám, jak se ty jednotlivé

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Tedy David

 

Zeuge Filip Müller:

Abych to konkrétně uved', bylo to směrem od zóny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Zóna to je láger?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne, to je koupel. Byla to třetí brána.

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit Richtung vom Bad war das das dritte Tor.

 

Zeuge Filip Müller:

První brána byla nemocnice, druhá brána byl Zigeunerlager a potom přišel ten láger.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das erste Tor war das Krankenhaus28, das zweite Tor war das Zigeunerlager29, und dann kam das Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist Lager d. Sie sagten vorhin b, oder habe ich Sie falsch verstanden? Hat er d gesagt?

 

Dolmetscher Jarolim:

D wie Dora.

 

Vorsitzender Richter:

Dann war das ein Hörfehler. Ich bitte um Entschuldigung.

 

Dolmetscher Jarolim:

Bitte sehr.

 

Zeuge Filip Müller:

To byla jediná selekce, která byla v roce 1943 provedena.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es war die einzige Selektion, die im Jahr 1943 durchgeführt worden ist.

 

Vorsitzender Richter:

Von dem »Sonderkommando«?

 

Zeuge Filip Müller:

»Sonderkommando«.

 

Dolmetscher Jarolim:

Von dem »Sonderkommando«.

 

Vorsitzender Richter:

Im ganzen Jahr 43 nur eine Selektion?

 

Zeuge Filip Müller:

V celém roce 1943?

 

Dolmetscher Jarolim:

Im ganzen Jahr 1943.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind vielleicht die Mitglieder des »Sonderkommandos« sonstwie umgebracht worden, ohne Selektion?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byli snad členové tohoto »Sonderkommanda« zlikvidováni nějakým jiným způsobem?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Zeuge Filip Müller:

»Sonderkommando« bylo v roce 1943 selektováno jednou, a to na nádvoří bloku 13.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das »Sonderkommando« im Jahr 1943 war einmal selektiert worden, und das auf dem Vorhof des Blocks 13.

 

Vorsitzender Richter:

Wir haben das bisher anders dargestellt bekommen. Wir haben dargestellt bekommen, daß alle drei bis vier Monate die Mitglieder des »Sonderkommandos« umgebracht worden wären.

 

Zeuge Filip Müller:

Já rozumím. Já bych jenom chtěl na to odpovědět, že jsem četl řadu literatury, která se touto otázkou zabývá.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich möchte dazu folgendes sagen: Ich habe eine ganze Menge Literatur gelesen, die sich mit dieser Frage befaßt.

 

Zeuge Filip Müller:

Pan předseda má plně pravdu, že se v této literatuře nachází zmínka o tom, že docházelo k likvidaci nebo-li k selekci »Sonderkommanda« v průběhu dvou, třech měsíců.

 

Dolmetscher Jarolim:

Der Herr Vorsitzende hat recht, daß in dieser Literatur ein Vermerk darüber besteht, daß es eben zu einer Selektion im Laufe von zwei bis drei Monaten kam.

 

Vorsitzender Richter:

So steht es in der Literatur. Aber Sie haben nur eine Selektion im Jahr 43 erlebt?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun weiter.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dále.

 

Zeuge Filip Müller:

Chtěl bych ještě podotknout, [+ e] [při té selekci], která byla provedená v roce 1943, byli vybráni ti nejsilnější vězni s tím, že odejdou na práci do Lublina.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich möchte noch bemerken: Bei der Selektion, die im Jahr 1943 durchgeführt worden ist, wurden Häftlinge ausgesucht, die kräftigsten, mit dem Bemerken, daß sie zur Arbeit nach Lublin gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das ist schon von Ihnen am Montag gesagt worden.

 

Dolmetscher Jarolim:

To jste řekl už v pondělí.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1944 dochází k další selekci

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahre 1944 kommt es zu einer weiteren Selektion.

 

Zeuge Filip Müller:

A tato selekce byla prová děná několik týdnů před vzpourou.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und diese Selektion wurde durchgeführt einige Wochen vor dem Aufstand.30

 

Zeuge Filip Müller:

To ovšem, co teď řeknu, to jsem jenom slyšel.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das, was ich jetzt sagen werde, das habe ich nur gehört.

 

Zeuge Filip Müller:

A to, že tito vězni byli zaplynováni v Effektenkammer v Osvětimi.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und das ist das, daß diese Häftlinge vergast wurden in der Effektenkammer von Auschwitz.

 

Zeuge Filip Müller:

Vím ovšem jenom tolik, že spalování těchto vězňů, a teď ovšem nevím přesně, buď v krematoriu jedna nebo dvě, bylo prováděno příslušníky zbraní SS

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich weiß allerdings nur so viel, daß diese Häftlinge – jetzt weiß ich nicht genau, ob im Krematorium I oder II – verbrannt wurden durch die Angehörigen der SS

 

Zeuge Filip Müller:

S tím, že se těmto vězňům řeklo, že se jedná o spálení civilního obyvatelstva, [+ které zahynulo] v průběhu bombardování.

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit dem Bemerken, daß den Häftlingen gesagt wurde, daß es sich um die Verbrennung von Zivilbevölkerung handelt, die im Verlauf der Bombardierung umgekommen ist.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1944 tedy došlo k této selekci, jak jsem řekl, několik týdnů před vzpourou.

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahre 1944 kam es zu dieser Selektion, einige Wochen vor dem Aufstand.

 

Zeuge Filip Müller:

A pak už dochází ke vzpouře »Sonderkommanda«, kde jsem se prakticky zachránil doslova zázrakem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dann kommt es, möchte ich sagen, zum Aufstand des »Sonderkommandos«, wo ich praktisch durch ein Wunder davonkam.

 

Zeuge Filip Müller:

A pak už přichází 18. leden 1945, kdy odcházím nejenom já, ale ještě několik dalších desítek příslušníků »Sonderkommanda«, do koncentračního tábora v Mauthausenu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und dann kommt schon der 18. Januar 1945, wo nicht nur ich, sondern einige weitere zehn des »Sonderkommandos« nach Mauthausen gekommen sind oder weggebracht wurden.

 

Zeuge Filip Müller:

Pravda je, že v Mauthausenu, před mým blokem, při apelu, předstoupili příslušníci SS a ptali se, kdo pracoval v »Sonderkommandu«.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es ist wahr, daß in Mauthausen beim Antreten, beim Appell einige SS-Leute vorgetreten sind und fragten, wer im »Sonderkommando« gearbeitet hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Chtěl bych tedy říct, že to »Sonderkommando« jsem prožil nikoliv jenom já, ale i další vězni, kteří tam od roku 1942 pracovali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich will daher sagen, daß nicht nur ich das »Sonderkommando« erlebt habe, daß auch andere Häftlinge vom Jahr 1942 [+ an] dort gearbeitet haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Jako Samuel Jankowski, Lulus Maurice a ostatní, se kterými jsem se sešel v táboře v Birkenau, když jsme odcházeli s transportem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wie der Samuel Jankowski, Lulus, Maurice, und die übrigen, mit denen ich im Lager Birkenau zusammentraf, als wir mit dem Transport davonkamen.

 

Zeuge Filip Müller:

Nehledě k té skutečnosti, že další desítky členů » Sonderkommanda« odcházely také s ostatními vězni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Abgesehen von dieser Tatsache, daß weitere zehn Angehörige des »Sonderkommandos« auch wegtransportiert worden sind mit den übrigen Häftlingen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem to se je dná o členy »Sonderkommanda«, kteří přišli teprve na jaře 1943. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Da handelte es sich um die Mitglieder des »Sonderkommandos«, die erst im Frühjahr 1943 praktisch in dieses »Sonderkommando« gekommen sind.

 

Zeuge Filip Müller:

To jsou tedy takové [principy], na které jsem nemohl mít žádný vliv, a které se odehrály mimo moji vůli, aniž bych si tak přál, nebo mohl něco dělat.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das sind Grundsätze, auf die ich keinen Einfluß hatte und die sich außerhalb meines Willens abgespielt haben, ohne daß ich es so wünschte oder etwas dazu tun konnte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem velmi důležitou roli při tom [+ hrálo], že mi bylo 20 let, že jsem byl mladej, že jsem chtěl žít.

 

Dolmetscher Jarolim:

Eine wichtige Rolle hat bei mir gespielt, daß ich 20 Jahre alt war, daß ich jung war, daß ich leben wollte.

 

Zeuge Filip Müller:

A co mě hlavně posilovalo, [+ byly] neustálé i když pomalé přípravy ke vzpouře. Přičemž jsem to viděl tak, že z těch několika set se může zachránit jenom několik.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und was mich hauptsächlich gestärkt hat, [+ waren] die ständigen Vorbereitungen zum Aufstand. Wobei ich das so sah, daß aus diesen einigen hundert nur einige wenige gerettet werden könnten.

 

Zeuge Filip Müller:

Tedy co kdybych to byl já. To byla asi ta druhá stránka mé vůle, proč tedy žiju.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und ich sagte mir, wenn das ich wäre – das war die zweite Seite meines Willens, warum ich eigentlich lebe.

 

Zeuge Filip Müller:

Já bych chtěl jenom vylíčit takovou příhodu, jak nemohl v Birkenau ani v Osvětimi rozhodovat sám člověk o [+ svém] osudu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich möchte nur einen Vorfall schildern, wie in Birkenau und auch in Auschwitz das Schicksal eines Menschen selbst entscheiden konnte.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak například: polští vězni, kteří pracovali v krematoriu jako topiči ještě daleko přede mnou, požáda li na podzim v roce 1944 přímo Politické oddělení o to, aby byli z Birkenau odtransportováni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Zum Beispiel: Die polnischen Häftlinge, die im Krematorium in Auschwitz als Heizer schon lange vor mir gearbeitet hatten, haben im Herbst 1944 direkt die Politische Abteilung gebeten, damit sie aus Birkenau abtransportiert werden.

 

Zeuge Filip Müller:

Byli to konkrétně: Mietek Morawa, Józek Ilczuk z Lublina a Wacek Lipka z Varšavy. Bylo jim vyhověno, také byli odvezeni a zastřeleni v Mauthaus enu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das waren konkret: Mietek Morawa, Józek Ilczuk aus Lublin, Wacek Lipka aus Warschau. Es wurde ihnen entsprochen. Sie wurden auch weggebracht und in Mauthausen erschossen.31

Zeuge Filip Müller:

Kdyby toto nebyli udělali, či-li prakticky si volili svůj osud sami, tak to normálně prožili

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn sie das nicht getan hätten beziehungsweise sich das Schicksal selbst gewählt hätten, hätten sie das normal alles erlebt:

 

Zeuge Filip Müller:

A při evakuaci 18. ledna 1945 [+ by byli] odešli společně s námi.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und am 18. Januar 1945 wären sie dann gemeinsam mit uns weggekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sind noch Fragen von seiten der Staatsanwaltschaft? Von seiten des Herrn Rechtsanwalts Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, wie viele Überlebende des »Sonderkommandos« oder der »Sonderkommandos« kennen Sie? Keine Namen, sondern nur Zahlen, bitte.

 

Dolmetscher Jarolim:

Kolik znáte z toho »Sonderkommanda«[+ těch], kteří [+ přežili?] Žádná jména, pouze čísla.

 

Zeuge Filip Müller:

[Pause] No tak já totiž nevím, kdo z toho »Sonderkommanda« dneska žije.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich weiß nicht, wer heute noch von diesem »Sonderkommando« lebt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale podle mého názoru to bude rozhodně několik desítek vězňů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Aber entschieden wird es nach meiner Ansicht eine Reihe von zehn Leuten, also nicht von zehn, sondern Zehner-Leuten sein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wie stark war denn bei den einzelnen Krematorien in Ihrer Zeit ein »Sonderkommando«?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kolik osob mělo takové zvláštní komando za Vaší doby?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak to Fischl-komando mělo v roce 1942 v Osvětimi sedm členů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das Fischl-Kommando hat im Jahr 1942 in Auschwitz sieben Mitglieder gehabt.

 

Zeuge Filip Müller:

Kromě toho ovšem tam bylo nezávisle na nás komando topičů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Unabhängig davon, außer uns, war da noch ein Kommando von Heizern.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1943, 1944 byl stav »Sonderkommanda« různý. Jednou to bylo po selekci kolem 350. Ovšem podle mého střízlivého odhadu, v době příchodu maďarských trasportů, kdy docházelo za 24 hodin k zaplynování 25000 lidí, činil stav »Sonderkommanda« kolem 900.

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahr 1943 und 1944 war der Stand des »Sonderkommandos« verschieden. Einmal gegen 350 nach der Selektion, nach meiner nüchternen Schätzung. In der Zeit der Ankunft der ungarischen Transporte, wo es innerhalb von 24 Stunden zur Vergasung von 25.000 Menschen kam, war der Stand des »Sonderkommandos« um 900.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Dabei ist berücksichtigt, daß in zwei oder in drei Schichten gearbeitet wurde?

 

Dolmetscher Jarolim:

Pracovalo se ve dvou až třech [směnách]?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, pracovalo se i na různých pracovištích a pracovalo se někdy nepřetržitě 60 hodin.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde auch an verschiedenen Arbeitsstätten gearbeitet. Es wurde auch ununterbrochen bis zu 60 Stunden in Schichten gearbeitet.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale byly zase dny, jeden nebo dva, mluvím konkrétně o roce 44, kdy nastal klid.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es gab auch wieder Tage, ein oder zwei – ich spreche konkret vom Jahr 1944 –, wo es einigermaßen Ruhe gab.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, wenn die Zahl also nahezu 1.000 war und Sie vorhin uns sagten, daß das in den Zehnern war, was übriggeblieben ist, dann müßte sich daraus ergeben, daß mehr Selektionen der Angehörigen des »Sonderkommandos« stattgefunden haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, wie erklären Sie denn dann

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Nein. Jak si to vysvětl ujete?

 

Zeuge Filip Müller:

No, já si to vysvětluju velmi jednoduše. Protože jednak v roce 1944 došlo prakticky ke dvěma selekcím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sehr einfach: Im Jahr 1944 kam es praktisch zu zwei Selektionen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Teďka byla vzpoura, kdy se řada lidí zastřelila.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es kam zum Aufstand, wo eine Reihe von Leuten erschossen worden ist.

 

Zeuge Filip Müller:

A teďka, podle mého střízlivého odhadu, zůstalo asi takových 150, 160 nebo 200 vězňů, který potom ještě zůstali naživu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dann, nach meiner nüchternen Abschätzung, blieben 150 bis 160 oder vielleicht 200 Häftlinge übrig, am Leben.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie haben uns vorhin erzählt, daß die SS aufgefordert hat, daß diejenigen, die dem »Sonderkommando« angehören, vortreten sollen. Und Sie sagten dann, Sie sind nicht vorgetreten. Waren denn die Angehörigen des »Sonderkommandos« nicht so bekannt bei der SS, daß mindestens eine Anzahl sich gar nicht verstecken konnte, sondern erkannt wurde?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Já bych chtěl na to odpovědět, že konkrétně ten esesman, který toto prováděl před naším blokem v Mauthausenu, byl fakticky esesman z Osvětimi, tedy z Birkenau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich möchte darauf hinweisen, daß konkret der SS-Mann, der diese Sache vor unserem Block in Mauthausen durchgeführt hat, ein SS-Mann aus Birkenau beziehungsweise Auschwitz war.

 

Zeuge Filip Müller:

Viděl jsem ho tam několikrát, ale on nepobýval v krematoriu. A tak jsem si řekl: prostě mě nepoznal.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe ihn dann einige Male gesehen. Er hat nicht im Krematorium gewohnt. Er hat mich jedenfalls nicht erkannt.

 

Zeuge Filip Müller:

A nebyl jsem tam sám. Konkrétně si pamatuju, že vedle mě stál kapo Lajzer32, Schlojme33 a další.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich war nicht allein da. Ich kann mich konkret erinnern, daß neben mir der Kapo Lajzer stand, Schloime und weitere.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ich möchte Sie jetzt wegen einzelner Angeklagter fragen. Sie haben uns erklärt, daß Stark sich aus der Kiste mit Wertgegenständen einzelne Schmucksachen und dergleichen angeeignet hat. Können Sie im einzelnen schildern – Sie haben das früher einmal getan –, wie er diese Sachen verwahrt hat oder versteckt hat?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Ta bedna se nacházela na nádvoří krematoria.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die Kiste, in der diese Wertsachen waren, die befand sich im Vorhof des Krematoriums.

 

Zeuge Filip Müller:

Do této bedny jsme házeli různé cenné předměty.

 

Dolmetscher Jarolim:

In diese Kiste wurden die verschiedensten Gegenstände, Wertgegenstände vor allem, hereingeworfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Chtěl bych podotknout, že to nebyl jenom Stark, který si takto bral. Bral si to i ten Rottenführer, bral si to i Klaus.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich möchte bemerken, daß es nicht nur Stark war, der so etwas genommen hat, sondern auch der Rottenführer, auch Klaus.

 

Zeuge Filip Müller:

Normálně to dělali tím způsobem, že se jim něco zalíbilo a dali si to do kapsy. Ovšem také někdy docházelo k takovým věcem, že tam byly nalezeny předměty z platiny, na nichž bylo třeba devět, já nevím, až tříkarátových briliantů, prostě těžké věci.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es war normal so, daß ihnen etwas gefiel, und sie steckten es in die Tasche. Es kam auch manchmal zu solchen Dingen: Es wurden auch Platinarmbänder gefunden, auf denen zwei- bis dreikarätige Brillanten waren.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak dělal to tím způsobem

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde auf die Art und Weise gemacht.

 

Zeuge Filip Müller:

Že v krematoriu se nacházely takové malé dřevěné bedny...

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Krematorium befanden sich kleine Holzkisten.

 

Zeuge Filip Müller:

Byly to bedny, do nichž byl balen popel [+ těch spálených], a které byly potom posílány příbuzným.

 

Dolmetscher Jarolim:

In diesen Kisten wurde dann die Asche den Verwandten geschickt.

 

Zeuge Filip Müller:

A do této bedny, to jsem několikrát viděl, si dával Stark – či to činil i pro ostatní, to nemohu říct – tyto předměty.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und in einer solchen Kiste, das habe ich einige Male gesehen, hat Stark – ob er es für die anderen auch getan hat, kann ich nicht sagen –, also in diese Kiste gab er diese Wertgegenstände.

 

Zeuge Filip Müller:

Vešel normálně do dveří chodby krematoria, odbočil do malé místnosti, do druhých dveří vpravo, kde se nacházel popel.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er kam in die Eingangstür des Krematoriums, bog in diesen kleinen Raum rechts ab, in die zweite Tür nach rechts, wo die Asche war.

 

Zeuge Filip Müller:

Toho popela byla poměrně velká halda.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war eine große Halde von Asche.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, — a tam si to, jak jsem sám několikrát viděl, schovával.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und da hat er einige Male, wie ich selbst gesehen habe, die Gegenstände versteckt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie noch ein anderes Versteck von Stark?

 

Zeuge Filip Müller:

Další takový případ, který tam byl... [+ to] dělal Stark [tímto] způsobem:

 

Dolmetscher Jarolim:

Ein weiterer Fall geschah auf folgende Weise:

 

Zeuge Filip Müller:

V tom posledním přísunu do S onderkommanda se nacházeli dva slovenští židé, z nichž jeden byl krejčí.

 

Dolmetscher Jarolim:

In dem letzten Schub des »Sonderkommandos« waren zwei slowakische Juden, von denen der eine ein Schneider war.

 

Zeuge Filip Müller:

Ten mu vždycky, na rozkaz Starka, rozpáral tady ty výložky.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und der hat immer auf Befehl von Stark ihm die Aufschläge aufgetrennt.

 

Zeuge Filip Müller:

Dělal to přímo v místnosti, v zadní části, kde měl kápo topičů svoji místnost.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er hat das konkret in dem Raum gemacht, in dem rückwärtigen Teil, wo der Kapo, der Heizer seinen Raum hatte.

 

Zeuge Filip Müller:

A tam zašíval určité [+ předměty].

 

Dolmetscher Jarolim:

Und dort hat er ihm einige Sachen eingenäht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie haben uns geschildert, daß Stark Frauen, die seine Opfer waren, besonders ausgewählt hat – zehn, fünfzehn, wenn ich mich erinnere –, und die dann besonders gequält hat, bevor er sie endgültig erschossen hat. Daß er sie also in verschiedene Körperteile geschossen hat und sich daran geweidet hat, wie seine Opfer gelitten haben. War Stark der einzige von den SS-Männern, der dieses grausame Spiel getrieben hat, oder gab es noch andere?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, rozuměl jsem otázce. Připomínám, byl jsem přímo u toho, několik metrů od něj.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich bemerke, ich war dabei, einige Meter von ihm entfernt.

 

Zeuge Filip Müller:

Dělal to Stark, přesto, že tam byl — Rottenführer.

 

Dolmetscher Jarolim:

So hat es Stark gemacht, obwohl der Rottenführer dabeistand.

 

Zeuge Filip Müller:

[Jeho] jméno neznám. Měl zrzavé vlasy [+ a] brýle.

 

Dolmetscher Jarolim:

Seinen Namen weiß ich nicht. Einer mit etwas rötlichem Haar, Brille.

 

Zeuge Filip Müller:

A při tom byl také ten Klaus.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und Klaus war auch dabei.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale toto střílení prováděl Stark.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das Schießen selbst hat Stark durchgeführt.

 

Zeuge Filip Müller:

I to mučení.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und auch das Quälen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, haben Sie bei Ihrer Tätigkeit dort beobachtet, daß irgendwelche SS-Führer – Kommandant, Adjutant, Ärzte – im Krematorium oder in der Nähe des Krematoriums Dienst gemacht haben?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak v této souvislosti chci říct, že pokud jde o rok 1942, je pravdou, že tam docházela řada důstojníků jako Aumeier, Grabner a další.

 

Dolmetscher Jarolim:

In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, sofern es um das Jahr 1942 geht, ist es wahr, daß dort eine Reihe von Offizieren war, Aumeier, Grabner und weitere.

 

Zeuge Filip Müller:

Vím jeno m, že ti dva tedy lékaři nebyli

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich weiß nur, daß diese beiden keine Ärzte waren.

 

Zeuge Filip Müller:

A tedy způsob, který se v roce 1942 prováděl v Osvětimi při zahánění lidí do plynu, byl odlišný od způsobu, jakým se to provádělo ve velkých továrnách na smrt v Birkenau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und ich weiß nur: Die Art, wie im Jahr 1942 in Auschwitz die Leute in das Gas gejagt worden sind, war verschieden von der Art, wie es in den Todesfabriken durchgeführt worden ist, in Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak pokud jde o Birkenau, tedy pokud jde o průběh roku 1943, 44, až tak nějak do podzimu, kdy se jako přestalo plynovat

 

Dolmetscher Jarolim:

Sofern es sich um Birkenau handelt, also für den Verlauf des Jahres 1943, 1944 bis zum Herbst, wo man damit aufhörte

 

Zeuge Filip Müller:

Tam byl vž dy, a to si velmi dobře pamatuji, přítomen lékař.

 

Dolmetscher Jarolim:

Da war immer, und das kann ich mir besonders gut merken, ein Arzt.

 

Zeuge Filip Müller:

Proč?

 

Dolmetscher Jarolim:

Warum?

 

Zeuge Filip Müller:

Byl to lékař, na jehož příkaz docházelo k otevření plynové komory.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war ein Arzt, auf dessen Befehl das Öffnen der Gaskammer erfolgte.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž situace vypadala tak, že při otevření plynové komory ti namačkaní lidé doslova vypadli ven.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wobei die Situation so aussah, daß beim Öffnen der Tür die dort hineingepreßten Leute buchstäblich herausgefallen sind.

 

Zeuge Filip Müller:

Dělal to tím způsobem, že se podíval do kukátka, předtím rozsvítil světlo, a dal příkaz, a to vžd y myslím »Kommandoführerovi« příslušného krematoria, k otevření plynové komory.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er hat das auf die Art und Weise gemacht, daß er durch das Guckloch sah, vorher hat er das Licht aufgedreht, und er gab den Befehl dem Kommandoführer des betreffenden Krematoriums, das Öffnen der Gaskammer.

 

Zeuge Filip Müller:

A tím prakticky i k provádění spálení [unverständlich]

 

Dolmetscher Jarolim:

Und damit die Verbrennung.

 

Zeuge Filip Müller:

Teprve teď se ujímali svých nucených prací vězni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und erst jetzt haben die dazu genötigten Häftlinge die Arbeit aufgenommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Waren die Ärzte oder war der diensttuende Arzt während des Vergasungsvorgangs beim Krematorium?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otá zce? Jestli byli lékaři ještě v průběhu při tom?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Byli při průběhu při tom.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die waren bei dem Vorgang dabei.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Trugen die Ärzte Gasmasken, oder hatten sie die Gasmasken bei sich?

 

Dolmetscher Jarolim:

Nosili lékaři plynové masky, nebo je měli pouze u sebe?

 

Zeuge Filip Müller:

Měli je u sebe.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie haben sie bei sich gehabt.

 

Zeuge Filip Müller:

Protože se, já bych chtěl jenom doplnit, stávalo, že po otevření té plynové komory si ještě lékař natáhnul plynovou masku.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es ist nämlich einige Male passiert, daß nach Öffnen der Gaskammer der Arzt die Gasmaske aufsetzte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale to nebylo vždy.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war aber nicht immer.

 

Zeuge Filip Müller:

Nahlédl dovnitř, zase zpět, sundal a odešel.

 

Dolmetscher Jarolim:

Blickte hinein in die Kammer, wieder zurück, hat die Gasmaske abgenommen und ist weggegangen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Haben Sie beobachtet, wie das Zahngold von den herausgerissenen Zähnen eingeschmolzen wurde? War der SS-Zahnarzt dabei?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste tomu?

 

Zeuge Filip Müller:

Vylíčím [+ to].

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wird geschildert.

 

Zeuge Filip Müller:

Je třeba říct, že pokud jsem já viděl, zuby byly trhány vždy vězni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Was ich gesehen habe, wurden die Zähne stets von den Häftlingen gezogen. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Byly házeny do jedné veliké dřevěné [...]

 

– Schnitt –

 

Zeuge Filip Müller:

Za několik dnů, nebo snad to bylo několik týdnů, já už si to tak přesně nepamatuji

 

Dolmetscher Jarolim:

Es mag in einigen Tagen oder einigen Wochen gewesen sein, ich kann es mir nicht mehr so genau merken

 

Zeuge Filip Müller:

Jsem přišel večer do bloku 13.

 

Dolmetscher Jarolim:

Da kam ich eines Abends in den Block 13.

 

Zeuge Filip Müller:

Uviděl jsem tam dva vězně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich sah dort zwei Häftlinge.

 

Zeuge Filip Müller:

Neue.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und zwar neue Häftlinge.

 

Zeuge Filip Müller:

No tak ono to tak vždycky bývalo, že když člověk třeba viděl, že tento vězeň má S, to znamená Slowake, že jsem se normálně hned k němu přihlásil, odkud je a tak.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es pflegte so zu sein: Wenn ich bei einem Häftling das S sah, das heißt, daß er ein Slowake war, daß ich mich dann natürlich zu ihm gemeldet habe.

 

Zeuge Filip Müller:

Přihlásil jsem se k němu, jmenoval se František Feldmann.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe mich zu ihm gemeldet, er nannte sich Franz Feldmann.

 

Zeuge Filip Müller:

Měl číslo kolem 38.000, já už si přesně [+ nevzpomínám].

 

Dolmetscher Jarolim:

Er hatte eine Nummer um 38.000 herum. Ich kann mich dessen nicht mehr genau entsinnen.

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Pocházel z Trenčianských Teplic ze Slovenska.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er stammte aus Trenčín Teplitz in der Slowakei.

 

Zeuge Filip Müller:

Byl to zubní technik.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war ein Zahntechniker.

 

Zeuge Filip Müller:

A společně s ním přiš el také ještě jeden další vězeň jménem Katz.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und gemeinsam mit ihm kam noch ein weiterer Häftling mit Namen Katz.

 

Zeuge Filip Müller:

Tento Katz byl Francouz, ale polského původu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und dieser Katz war ein Franzose polnischer Abkunft.

 

Zeuge Filip Müller:

Und — po rozhovoru s Feldmannem

 

Dolmetscher Jarolim:

Nach dem Gespräch mit Feldmann

 

Zeuge Filip Müller:

On sice už věděl, kde se nachází, poněvadž mi řekl, že přišli odpoled ne

 

Dolmetscher Jarolim:

Er sagte mir, er wisse, wo er sich befinde, weil er am Nachmittag kam

 

Zeuge Filip Müller:

Ale sdělil mi, že oni sem byli dáni jenom dočasně

 

Dolmetscher Jarolim:

Er teilte mir mit, sie seien nur auf eine bestimmte Zeit hierher kommandiert

 

Zeuge Filip Müller:

Protože to jim řekl jejich šéf, on vždycky říkal Chef, a že se po určité době vrátí zpět.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das hat ihnen so der Chef gesagt, und daß sie nach einer bestimmten Zeit wieder zurückkehren.

 

Zeuge Filip Müller:

A tito lidé, oba dva, tomu skutečně věřili.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und die beiden haben das auch geglaubt.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak příští den vyrukovali oba dva komandem do krematoria číslo I až II, poněvadž ti chodili společně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Am nächsten Tag sind beide mit dem Kommando des Krematoriums I und II ausgerückt, die sind gemeinsam gegangen.

 

Zeuge Filip Müller:

Und Krematorium III und IV — zase — gemeinsam.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und die Krematorien III und IV ebenso gemeinsam.

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem byl v té době ještě na krematoriu číslo I.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich war zu dieser Zeit noch im Krematorium I.

 

Zeuge Filip Müller:

Oni potom odešli do krematoria číslo II přes c estu, protože tam se dalo procházet.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie sind dann in das Krematorium II gegangen, und zwar über den Weg.

 

Zeuge Filip Müller:

Za několik hodin jsem také zašel za nimi.

 

Dolmetscher Jarolim:

In einigen Stunden bin ich ihnen nachgegangen.

 

Zeuge Filip Müller:

A oni se nacházeli společně s Katzem v jedné prázdné místnosti. Tam nebylo nic.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die beiden waren dann mit dem Katz zusammen in einem vollkommen leeren Raum.

 

Zeuge Filip Müller:

Po čase jim tam přinesli skříň, pak tam byly dvě postele takhle nad sebou

 

Dolmetscher Jarolim:

Nach einiger Zeit wurde ein Schrank hingebracht, dann wurde eine Bettstatt, eine Doppelbettstatt, übereinanderliegend, gebracht

 

Zeuge Filip Müller:

A oni několik dní absolutně nic nedělali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und sie haben einige Tage absolut gar nichts getan.

 

Zeuge Filip Müller:

Až jednoho dne, když jsem se totiž právě u něj nacházel, přijelo auto s červeným křížem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Eines Tages, als ich mich bei ihnen befand, kam ein Auto vom Roten Kreuz.

 

Zeuge Filip Müller:

Předjelo do pravé části krematoria číslo II, do pravé části nádvoří. Kdyby tady snad byl někde model toho krematoria, mohl bych přímo ukázat, kde se nacház elo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieses Auto mit dem Roten Kreuz ist in den Teil des Krematoriums Nummer II gefahren, den könnte ich zeigen.

 

Zeuge Filip Müller:

Vystoupil z něj SS-důstojník, ještě tam byl jeden šofér.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es ist ein SS-Offizier ausgestiegen und ein Fahrer.

 

Zeuge Filip Müller:

On to zah lédl a doslova řekl: »Je zde Chef .«

 

Vorsitzender Richter:

Er sah sich das an und sagte wörtlich: »Der Chef ist hier.«

 

Zeuge Filip Müller:

Na základě toho jsem já odešel.

 

Dolmetscher Jarolim:

Aufgrund dessen bin ich dann weggegangen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale on k němu mezitím utíkal

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Kdo?

 

Zeuge Filip Müller:

On, tedy jako Feldmann.

 

Dolmetscher Jarolim:

Der Feldmann lief dann mit dem Katz zu dem Offizier.

 

Zeuge Filip Müller:

A pak se ještě ke mně vrátil a říkal mi, zda bych jim nepomohl vykládat z auta některé věci.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er kam zu mir zurück und bat mich, ob ich ihnen nicht helfen könnte, aus dem Auto ein paar Sachen auszuladen.

 

Zeuge Filip Müller:

Pomáhal jsem, takže jsem viděl, co se tam [+ vykládalo].

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe geholfen und habe gesehen, was da ausgeladen worden ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo tam několik kusů takových šamotových kruhů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es waren einige Stücke von Schamotte-Ringen.

 

Zeuge Filip Müller:

Dále se tam nacházelo několik demižonů lihu a benzínu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Einige Behälter mit Alkohol und Benzin.

 

Zeuge Filip Müller:

Dále se tam nacházel nějaký bílý prášek, já nevím, co to bylo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Irgendein weißes Pulver, dessen... [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Beschaffenheit ich nicht kenne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das ich nicht kenne, ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Byla tam v jednom demižonu i kyselina.

 

Dolmetscher Jarolim:

In einem dieser Flaschenbehälter waren auch eine Säure

 

Zeuge Filip Müller:

Pak tam byl jeden kufr, v němž byly pinzety a různé nástroje.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und ein Koffer mit Pinzetten und verschiedenen Geräten.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. A když jsem to tam přinesl, řekl mi, abych šel ven.

 

Dolmetscher Jarolim:

Als ich das in den Raum hineintrug, sagte er mir, ich könne den Raum verlassen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ist noch eine Frage?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie, wer der Chef war?

 

Dolmetscher Jarolim:

Víte, kdo byl ten šéf?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak já jsem toho šéfa viděl.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe ihn gesehen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie wissen nicht seinen Namen?

 

Dolmetscher Jarolim:

Jméno nevíte?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Seinen Namen weiß ich nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, ich werde Sie später dann noch fragen zu diesem Punkt. Herr Zeuge, wissen Sie etwas Näheres darüber – wir haben das manchmal hier gehört –, auf welche besondere Art Kleinkinder am Krematorium den Tod gefunden haben?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Po zaplynování byla řada takových případů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nach dem Vergasen gab es eine Reihe derartiger Vorfälle.

 

Zeuge Filip Müller:

Když vězni S onderkommanda vyt ahovali mrtvá těla z těch komor

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß, als die Mitglieder dieses »Sonderkommandos« die toten Körper herausgezogen hatten

 

Zeuge Filip Müller:

Že dětem ještě tlouklo srdíčko.

 

Dolmetscher Jarolim:

Den Kindern noch das Herz geschlagen hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale ony byly vcelku v bezvědomí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie waren aber ohne Bewußtsein.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak v takovýc h případech se to potom hlásilo

 

Dolmetscher Jarolim:

Diese Vorfälle wurden gemeldet

 

Zeuge Filip Müller:

No a docházelo potom k tomu, že tyto děti byly stříleny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und es kam dann dazu, daß diese Kinder erschossen worden sind.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gab es auch eine andere Art, die Kinder zu töten?

 

Dolmetscher Jarolim:

Existoval ještě [jiný] způsob, [+ jak] usmrtit ty děti?

 

Zeuge Filip Müller:

Jo, to kdybych zde měl líčit!

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn ich das hier schildern sollte!

 

Zeuge Filip Müller:

Tak to bylo v roce 1943, 44, kdy docházelo k takovým scénám – kdy šéfem — der Verbrennung — byl — Hauptscharführer Moll.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war im Jahr 1944, daß es zu solchen Szenen gekommen ist – wo der Chef der Verbrennung der Hauptscharführer Moll war.

 

Zeuge Filip Müller:

Člověk, který doslova, když přišly děti, vzal to dítě od matky, odnesl ho dozadu, konkrétně co já jsem viděl, do krematoria číslo IV, kde se v roce 1944 nacházely dvě jámy.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ein Mensch, der, wortwörtlich, wenn Kinder kamen, das Kind von der Mutter wegnahm. Er hat es weggetragen, nach Rückwärts, was ich konkret gesehen habe, zum Krematorium Nummer IV, wo es im Jahr 1944 zwei große Gruben gegeben hat.

 

Zeuge Filip Müller:

A při této příležitosti tyto děti doslova házel do vařícího se tuku z těchto lidí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und bei dieser Gelegenheit hat er diese Kinder wortwörtlich in das kochende Fett von diesen Leuten hereingeworfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž, když to skončil, šel k svému »píplovi«, to byl takový jeho kalifaktor, vězeň. Pamatuji se, že v konkrétním případě to byl Francouz, bývalý mistr té nejlehčí váhy v boxu

 

Dolmetscher Jarolim:

Als er das beendet hatte, ging er zu seinem Kalfaktor, also zu seinem Diener, ich erinnere mich konkret, daß es ein Franzose war, ein Meister des Federgewichts

 

Zeuge Filip Müller:

A doslova mu řekl: »Je možno se najíst, svoji povinnost jsem vykonal.«

 

Dolmetscher Jarolim:

Und hat ihm wortwörtlich gesagt: »Es ist möglich, sich satt zu essen, meine Pflicht habe ich erfüllt.«

 

Vorsitzender Richter:

Bitte weiter.

 

Dolmetscher Jarolim:

Prosím dále.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ist es vorgekommen, daß Häftlinge von Ihrem Kommando die Ankommenden angesprochen haben oder gewarnt haben oder ihnen gesagt haben, was sein wird?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano jistě. No došlo k řadě takových případů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es kam zu einigen solchen Vorfällen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem důsledek spočíval v tom, že je zaživa spálili.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er schon gesagt.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die Folge davon war, daß man sie lebend verbrannt hat.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Daß diese Häftlinge, die die anderen gewarnt haben, lebend verbrannt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hat er auch schon gesagt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Verzeihung.

 

Vorsitzender Richter:

Die sind erschossen worden oder verbrannt worden. Die Häftlinge, die die anderen gewarnt haben vor dem, was kam

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Zaživa spáleni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die wurden lebend verbrannt.

 

Vorsitzender Richter:

Lebend verbrannt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, ich möchte den Zeugen fragen, ob er einige der Angeklagten wiedererkennt. Ich möchte den Vorschlag machen – damit nicht von der Verteidigung gesagt wird, sie würden die Schilder erkennen und sie hätten Bilder gesehen und sie kennten die Sitzfolge –, daß in diesem Fall doch die Angeklagten heraustreten, sich so stellen, wie sie wollen, und daß dann der Zeuge versuchen soll, ob er sie.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das werden wir tun, wenn die Fragen beendet sind.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ich widerspreche aber diesem Antrag.

 

Vorsitzender Richter:

Warum?

 

Verteidiger Gerhardt:

Weil ich nicht weiß, wozu er dienen soll. Der Nebenkläger kann sagen, kann behaupten, der und der Angeklagte soll das und das getan haben, was er dazu sagen kann. Wir treiben doch hier keine Ermittlungen.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, aber trotzdem

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Das ist ja keine Ermittlung.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Warum soll der Zeuge nicht sich die Angeklagten ansehen, Herr Rechtsanwalt? Das ist sogar nach dem Gesetz so üblich, nicht.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, so weit hier Belastungen von bestimmten Angeklagten vorgetragen worden sind.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Aber ich kann meines Erachtens nicht den Antrag stellen, daß der Zeuge aufstehen soll und soll hier die einzelnen Angeklagten daraufhin prüfen, ob er den einen oder anderen kennt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, da werden wir nachher drüber entscheiden.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Vorsitzender, ich widerspreche ebenfalls, weil ich der Auffassung bin, daß jeder Zeuge, der hierher kommt, die Angeklagten bereits kennt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, dann brauchen sie ja nicht herauszutreten, Herr Vorsitzender. Dann bitte ich darum, daß die Angeklagten aufstehen, verdunkelt wird, Licht, wie üblich, und daß er dann erklären soll, da er ja keine Namen kennt, wen von den Angeklagten er wiedererkennt und was er von den einzelnen weiß oder in Erinnerung hat.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wir werden darauf zurückkommen nachher, wenn die Fragen beendet sind.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe keine Fragen. Danke sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, darf ich noch einige Fragen zu einigen Punkten stellen?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Zeuge, Sie haben bei dem Krematorium I und bei dem Krematorium IV gearbeitet, wie Sie uns sagten. Bestand zwischen diesen beiden Krematorien hinsichtlich der architektonischen Gestaltung ein Unterschied?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Rozuměl. Bylo rozdílné. Krematorium číslo I a krematorium číslo II byly z hlediska architektonického, jak se ptají, úplně stejné.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das Krematorium I und das Krematorium II waren vom architektonischen Standpunkt aus vollkommen gleich.

 

Zeuge Filip Müller:

Krematorium III a krematorium IV byly rovněž stejné.

 

Dolmetscher Jarolim:

Krematorium III und Krematorium IV waren ebenfalls gleich.

 

Zeuge Filip Müller:

Co budu líčit, tak to platí o krematoriu I a II.

 

Dolmetscher Jarolim:

Was ich jetzt sage, gilt vom Krematorium I und II.

 

Zeuge Filip Müller:

Každé z nich mělo 15 pecí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Jedes hatte 15 Verbrennungsöfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Tyto pece se nacházely v přízemí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Diese Öfen waren im Erdgeschoß.

 

Zeuge Filip Müller:

Toto krematorium mělo, každé z těchto dvou, jeden komín.

 

Dolmetscher Jarolim:

Jedes dieser Krematorien hatte einen Kamin, also einen Rauchfang.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž při vchodu do krematoria I, po pravé straně, se vcházelo po schodech do svlékárny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Beim Eingang zum Krematorium I an der rechten Seite ging man über Treppen in den Auskleideraum.

 

Zeuge Filip Müller:

Tato svlékárna se nacházela v podzemí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieser Auskleideraum, der war unter der Erde.

 

Zeuge Filip Müller:

Na zdi této svlékárny byly věšáky, pod nimi dřevěné lavice, a pak v různých řečech, později pak, 44, i maďarsky, různá hesla.

 

Dolmetscher Jarolim:

An der Wand dieses Auskleideraumes waren Wäschehaken, darunter hölzerne Bänke, und in verschiedenen Sprachen, ab 44 sogar auch in ungarischer Sprache, verschiedene Losungen.

 

Zeuge Filip Müller:

Jako »Myj se!«

 

Dolmetscher Jarolim:

Wie — »Myj se!«

 

Zeuge Filip Müller:

Nein. »Wasche dich!«

 

Dolmetscher Jarolim:

»Wasch dich!«

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. — »Zum Bad!«

 

Dolmetscher Jarolim:

Oder: »Zum Bad!«

 

Zeuge Filip Müller:

Byly tam šipky, a pak teprve na druhé straně se nacházely dveře.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es waren Pfeile angebracht, und an der zweiten Seite befand sich die Tür.

 

Zeuge Filip Müller:

Z těchto dveří se pak vcházelo do plynové komory, a to vlevo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Von dieser Tür aus kam man in die Gaskammer, und das nach links.

 

Zeuge Filip Müller:

Naproti byl výtah, kterým byla potom mrtvá těla dopravována do spalovny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Gegenüber war ein Aufzug, mit dem dann die toten Körper in den Verbrennungsraum gebracht worden sind. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aber Herr Staatsanwalt, das haben wir doch alles schon gehört.

 

Dolmetscher Jarolim:

To už [+ jsme] všechno slyšeli.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wir haben es noch nicht gehört von einem Zeugen, der das selbst gesehen hat. [...] Und, Herr Vorsitzender, ich stelle die Frage deshalb: erstens, weil ich es für nicht unwichtig halte festzustellen, wie es tatsächlich gewesen ist und wie es dort ausgesehen hat. Und zweitens könnte ich mir vorstellen, daß bei der Behandlung der Frage, was die Ärzte, also hier die Zahnärzte und die Apotheker, gemacht haben – die Staatsanwaltschaft behauptet ja, daß sie nicht nur auf der Rampe waren, sondern daß sie später auch noch zur Gaskammer gegangen sind –, [+ es nötig wäre] zu wissen, wie das ausgesehen hat, wenn sie dort etwas getan haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wenn Sie es für unbedingt erforderlich halten, dann stellen Sie die Fragen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich will dem Zeugen in diesem Zusammenhang nur noch die eine Frage stellen: Ich will ihm die Fotografie der Rekonstruktion des Krematoriums I oder II vorhalten und will den Zeugen fragen, ob das seiner Erinnerung entspricht.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. [Pause] Ja, gehen Sie vielleicht mal an diese Seite mit dem Bild, so herum, ja.

 

Dolmetscher Jarolim:

To je rekonstrukce toho krematoria, které ovšem znáte.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Takto asi vypadalo krematorium číslo II, když se do něj vcházelo, jak teď stojí v této pozici.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das ist das Krematorium Nummer II.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale v této pozici je.

 

Dolmetscher Jarolim:

In dieser Position, so wie es hier jetzt ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Po levé straně byly ty svlékárny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Links die Auskleideräume. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Tady potom bunkry.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dann der Bunker.

 

Zeuge Filip Müller:

Nahoře spalovna.

 

Dolmetscher Jarolim:

Oben der Verbrennungsraum.

 

Zeuge Filip Müller:

Dále, ve vrchní části se potom nacházely místnosti, v nichž vězni bydleli.

 

Dolmetscher Jarolim:

Im oberen Teil hatten die Häftlinge gewohnt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Danke sehr. Ist es richtig, daß in dem Krematorium IV der Vergasungs- und Entkleidungsraum über der Erde war? [...]

 

Zeuge Filip Müller:

V krematoriu číslo IV i III byly plynové komory v jedné rovině se spalovnou i se svlékárnou.

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Krematorium IV und III waren die Gaskammern auf einer Ebene mit den Verbrennungsräumen und auch mit dem Auskleideraum.

 

Zeuge Filip Müller:

Každé z nich mělo dva komíny, osm pecí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Jedes hatte zwei Rauchfänge, acht Öfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž bych chtěl říct, že tyto plynové komory, to nebyla jedna plynová komora, ale to byly tři plynové komory, které na sebe navazovaly jedněmi dveřmi, které se daly zavíra t.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war also nicht eine Verbrennungskammer, sondern das waren drei Kammern, miteinander kombiniert.

 

Zeuge Filip Müller:

Tedy do jedné [+ je] nejdřív nahnali, zavřeli. Pak do druhé a pak do [+ třetí].

 

Dolmetscher Jarolim:

Erst hat man sie in die eine Kammer hereingetrieben, dann zugeschlossen, dann die zweite Kammer zugeschlossen, dann die dritte Kammer.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Hat sich das Zyklon B nach dem Einwurf unregelmäßig in der Gaskammer verteilt, oder ist das durch irgendwelche Schächte hindurchgefallen?

 

Zeuge Filip Müller:

Tak pokud jde o krematorium číslo I a II, v těchto plynových komorách s e nacházely sloupy, duté sloupy

 

Dolmetscher Jarolim:

Sofern es sich um das Krematorium I und II handelt, waren in dem Gasraum hohle Säulen

 

Zeuge Filip Müller:

Které spojovaly strop s podlahou.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die den Fußboden mit der Decke verbanden.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. A byly pak obehnány tako vým plechem, síťovaným plechem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und sie waren mit einem durchbrochenen Blech umgeben.

 

Zeuge Filip Müller:

Uvnitř se nacházela taková spirála.

 

Dolmetscher Jarolim:

Innen war eine Spirale.

 

Zeuge Filip Müller:

Když se ten plyn t am hodil, aby prostě to vypařování postupovalo pomalým způsobem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn das Gas oben eingeworfen wurde, sollte die Spirale dazu dienen, die richtige Verteilung des Gases zu bewirken.

 

Zeuge Filip Müller:

Pokud jde ovšem o krematoria III a IV, toto vše tam nebylo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sofern es sich um die Krematorien III und IV handelt, war all das nicht da drin.

 

Zeuge Filip Müller:

Plyn se vhazoval normálně z malého okna u zdi, ze strany zdi.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dort wurde das Gas von einem kleinen Fenster in der Mauer aus eingeworfen, also von der Seite eingeworfen.

 

Zeuge Filip Müller:

Toto okno se zvenčí uzavřelo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieses Fenster wurde von außen geschlossen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ta plynová komora na III. a IV. [+ krematoriu] se ještě lišila tím, že v jejím stropu nebyly takzvané sprchy, imitované sprchy. Ty byly jenom na jedničce a na dvojce.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und im Krematorium III und IV waren in dem Verbrennungsraum keine imitierten Brausen angebracht. Das war der Unterschied.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wann sind nach Ihrer Erinnerung die Vergasungen – also nicht die Verbrennungen, sondern die Vergasungen – eingestellt worden?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kdy byla zastavena ta zplyňo vání?

 

Zeuge Filip Müller:

Podle mého názoru to mohlo být buď koncem října nebo někdy v listopadu 44.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nach meiner Erinnerung im Oktober oder November 1944.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Sind in den Krematorien irgendwelche Experimente medizinischer Art durchgeführt worden, und wo war das?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Chtěl bych to říct. Byly prováděny.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurden Experimente durchgeführt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Welche?

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1944, při maďarských transportech se nacházeli dřív v jedné zvláštní místnosti v krematoriu číslo I dva maďarští lékaři, patologové

 

Dolmetscher Jarolim:

1944, bei den ungarischen Transporten befanden sich im Krematorium I in einem Raum zwei ungarische Ärzte, Pathologen

 

Zeuge Filip Müller:

Jeden z nich, pokud se pamatuji, se jmenoval dokt or Nyiszli, takový silný člověk

 

Dolmetscher Jarolim:

Der eine, wenn ich mich recht erinnere, hieß Doktor Nyiszli, ein kräftiger Mann

 

Zeuge Filip Müller:

Kde byly prováděny experimenty, a kam k nim také velmi často dojížděl doktor Mengele.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die hatten Experimente durchgeführt. Und zu ihnen kam auch sehr oft der Doktor Mengele.

 

Zeuge Filip Müller:

Později byli tito dva vězni přeloženi do krematoria číslo IV

 

Dolmetscher Jarolim:

Diese beiden Häftlinge wurden dann in das Krematorium IV gebracht

 

Zeuge Filip Müller:

Kde potom v místnosti vedle komína, která spojovala spalovnu se svlékárnou, společně s nimi pracoval ještě jeden, to nebyl lékař.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wo sie in dem Raum neben dem Kamin – das war der Raum, der den Verbrennungsraum mit dem Auskleideraum verband...

 

Zeuge Filip Müller:

Tam, ano.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dort, in diesem Raum, hat mit diesen beiden ungarischen Ärzten noch ein anderer Mann gearbeitet, der kein Arzt war.

 

Zeuge Filip Müller:

Pocházel z Terezína.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und er stammte aus Theresienstadt.

 

Zeuge Filip Müller:

Takže já osobně jsem viděl, že kupříkladu nakládali člověk a, který byl hrbatý, do jednoho sudu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe selbst persönlich gesehen, daß sie einen Menschen, der bucklig war, in ein Faß reingegeben hatten.

 

Zeuge Filip Müller:

Dávali tam různé kyseliny a soli za tím úč elem, aby dostali jeho kostru.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie haben verschiedene Salze und Säuren hineingetan, um sein Skelett zu gewinnen.

 

Zeuge Filip Müller:

Kromě toho však doc házeli do krematoria na motorce

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Na motorovém kole?

 

Zeuge Filip Müller:

Tedy na motorovém kole s ričkou, několikrát předtím, kdy docházelo k zastřelení lidí, dva esesmani.

 

Dolmetscher Jarolim:

Außerdem sind zwei SS-Männer auf einem Motorrad

 

Zeuge Filip Müller:

S ričkou, měli k tomu ještě druhý vozík. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit dem Beiwagen...

 

Zeuge Filip Müller:

A docházelo k tomu [proto], že po zastřelení, tedy došlo-li k zastřelení, si brali z těchto lidí maso.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und daß sie von den Leuten, die dort erschossen worden sind, Fleisch genommen hatten.

 

Zeuge Filip Müller:

Brali ho ze stehna a házeli do velikých kbelíků.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und zwar hatten sie es vom Schenkel genommen und haben das in große Eimer hereingetan.

 

Zeuge Filip Müller:

A pak [+ to] o dvezli pryč. Co se s tím stalo, nevím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und haben es weggefahren. Was damit geschehen ist, weiß ich nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Herr Zeuge, ich will Sie nun nur noch folgendes fragen. Mir ist einmal erzählt worden, daß das Verbrennen in den offenen Gruben so vor sich gegangen sei, daß dort ein Kommando beschäftigt war, das das heruntertropfende Fett von den brennenden Leichen auf die neuen Leichen hat heraufschöpfen müssen. Ist das richtig? Haben Sie das selbst gesehen?

 

Zeuge Filip Müller:

Je to naprosto správně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Úplně správně. — Es ist vollkommen richtig.

 

Zeuge Filip Müller:

Provádělo se to tím způsobem: Já jsem byl přítomen jak v jámách, nacházejících se v Březince, tak též [+ v] krematoriu IV, kde v zadní části nádvoří byly dvě jámy.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde auf die Art gemacht: Ich war in den Verbrennungsgruben in Birkenau, und auch im Krematorium IV, wo im rückwärtigen Teil des Hofes zwei dieser Gruben waren.

 

Zeuge Filip Müller:

V Březince byly tři jámy.

 

Dolmetscher Jarolim:

In Birkenau waren drei Gruben.

 

Zeuge Filip Müller:

Jedna z nich byla potom později zakopána.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die eine wurde dann später eingeebnet beziehungsweise zugeschüttet.

 

Zeuge Filip Müller:

Byly to jámy podle mě kolem 35, 30, snad 40 metrů dlouhé, já jsem si to neměřil.

 

Dolmetscher Jarolim:

Diese Gruben waren 40 Meter lang, ungefähr.

 

Zeuge Filip Müller:

Široké mohly být snad šest, sedm, nebo osm metrů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sechs bis sieben oder acht Meter breit.

 

Zeuge Filip Müller:

Hloubka těchto jam byla asi kolem dvou a půl metru.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die Tiefe etwa zweieinhalb Meter.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž to bylo uděláno tak, že ve spodní části těchto jam byl takový kanál, který měl spád. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

In dem unteren Teil der Gruben war so ein kleiner Grat.

 

Zeuge Filip Müller:

A na konci byly ještě daleko, takových několik metrů, vykopány takové díry.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und an den Grubenenden waren außerdem noch Vertiefungen, Löcher angebracht.

 

Zeuge Filip Müller:

Do těchto děr právě spadával lidský tuk.

 

Dolmetscher Jarolim:

In diese Löcher, in diese Gruben, ist eben das Menschenfett hereingeflossen.

 

Zeuge Filip Müller:

A tímto l idským tukem byli potom vězni nuceni polévat [+ mrtvoly].

 

Dolmetscher Jarolim:

Und mit diesem Menschenfett mußten dann die Häftlinge die Leichen übergießen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano.

 

Staatsanwalt Kügler:

Damit sie besser brannten. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, wurden die Häftlinge, die im Lager selektiert und anschließend vergast wurden, wurden die zusammen vergast mit den neu Angekommenen, die gleich auf der Rampe selektiert wurden in der Regel?

 

Zeuge Filip Müller:

Nerozumím. Přeložte mi to.

 

Dolmetscher Jarolim:

Darf ich um Wiederholung der Frage bitten?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Es gab zwei Gruppen von Häftlingen, die vergast wurden in Auschwitz. Einmal Häftlinge, die schon länger im Lager waren und dort selektiert wurden, und zum zweiten Häftlinge, die direkt von der Rampe ins Gas gingen. Wurden diese beiden Häftlingsgruppen in der Regel zusammen vergast?

 

Dolmetscher Jarolim:

Existovaly dvě skupiny vězňů. Jedna skupina, která byla selektována po příchodu, a druhá skupina, která byla selektována po delší době. Byly ty společně spalovány?

 

Zeuge Filip Müller:

Já bych řekl takhle: Já absolutně [nevím], jakým způsobem byly prováděny jednotlivé selekce. Ať už v táboře

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich weiß nicht, wie die einzelnen Selektionen im Lager

 

Zeuge Filip Müller:

A rovněž také ani nevím, jak byly prováděny na rampě.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und wie sie auf der Rampe durchgeführt worden sind. Ich war da nie gewesen.

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem tam nikdy nebyl. Já [nevím], jak se to dělalo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Also ich weiß nicht, wie das gemacht worden ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem jenom viděl, když už ti lidé přicházeli přímo tam.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe sie nur gesehen, wie sie dorthin

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Nein, Herr Zeuge, das ist ein Mißverständnis. Es wurden doch die »Muselmänner« aus dem Lager nach der Selektion vergast. Haben Sie gesehen, daß »Muselmänner« zusammen mit neu Angekommenen auf der Rampe selektiert und vergast wurden?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Zeuge Filip Müller:

To jsem nikdy neviděl,

 

Dolmetscher Jarolim:

Das habe ich nie gesehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Že by bylo docházelo k takovým případům, že přišel třeba transport řekněme z Francie nebo z Drancy, lidé, kteří přímo přišli, a byli by zaplynováni s těmi ostatními vězni. Až na určitý případ v roce 1942 .

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe nie gesehen, daß neu Angekommene mit bereits vorhandenen Häftlingen gemeinsam vergast wurden – bis auf einen einzigen Fall. — V tom případě prosím.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1942, když jsem se poprvé d ostal do krematoria v Osvětimi

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Jahr 1942, als ich das erstemal ans Krematorium nach Auschwitz kam

 

Zeuge Filip Müller:

A kde s transportem slovenských Židů byli také zaplynováni sovětští zajatci, kteří už tam byli.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wo mit einem Transport slowakischer Juden auch sowjetische Gefangene vergast wurden, die dort gewesen sind und mit vergast worden sind.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, wie viele Häftlinge sind Ihrer Erinnerung nach bei dem Krematoriumsaufstand umgekommen?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. No tak při útěku tam mohlo přijít asi takových 350, 300 nebo 400 o [+ život], to už si nepamatuji.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das habe ich mir nicht gemerkt.

 

Zeuge Filip Müller:

To bylo několik set.

 

Dolmetscher Jarolim:

Vielleicht 300, vielleicht 350. Es waren einige Hundert. Weiß ich nicht mehr.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Wie viele Häftlinge wurden in der Selektion im Jahre 1944, die unmittelbar vor dem Aufstand stattfand, selektiert aus dem »Sonderkommando«?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kolik vězňů bylo selektováno před vzpourou v roce 44?

 

Zeuge Filip Müller:

Před tou vzpourou několik set. Já už se nepamatuji.

 

Dolmetscher Jarolim:

Einige Hundert, [+ das] weiß [+ ich] auch nicht genau.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Einige Hundert?

 

Dolmetscher Jarolim:

Einige Hundert.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Danke. Dann eine letzte Frage. Herr Zeuge, der Mann, der Ihnen als Chef von Feldmann und Katz bekannt war, hat dieser Mann sich auch als Überwacher des Vergasungsvorgangs betätigt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ten šéf od Katze a toho druhého zubního technika, od Feldmanna, byl dozorem u zplyňování?

 

Zeuge Filip Müller:

Později jsem ho viděl v krematoriu číslo III i IV.

 

Dolmetscher Jarolim:

Später habe ich ihn im Krematorium Nummer III gesehen, auch in Nummer IV.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hat er sich so betätigt, wie Sie uns vorhin die Tätigkeit der Ärzte geschildert haben, bei der Vergasung?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byl při zplyňování tak, jak jste to vylíčil?

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem tam toho člověka viděl několikrát, ale nemůžu ovšem konkrétně [+ říct], že bych ho byl viděl přímo při tom, že si [natahuje] plynovou masku.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe diesen Menschen da einige Male gesehen, ich kann aber konkret nicht sagen, daß ich ihn direkt beim Aufsetzen der Gasmaske gesehen habe.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale v krematoriu III a IV v těchto situacích byl.

 

Dolmetscher Jarolim:

Aber im Krematorium III und IV habe ich ihn gesehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž chci jenom připomenout, že pokud jsem mluvil s Katzem a s Feldmannem, oni mi vždy líčili, že se k nim chová velmi slušně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Als ich mit Katz und Feldmann sprach, wurde mir von den beiden gesagt, daß er, dieser Chef, sich zu ihnen sehr anständig benommen hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Že jim přinášel bílý chléb, marg arín a tak dále.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß er ihnen Weißbrot brachte, Margarine.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem faktem zůstává, že na druhé straně zase docházelo k tomu, a já jsem musel sám odtamtud několikrát odejít, že když tam [přišel], přicházel tam někdy kolem týdne, potom, když už se zlato tavilo, že mu to zlato, zvláště jemu, v kostkách dávali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Katz und Feldmann haben ihm das geschmolzene und in Würfel gegossene Gold dann persönlich übergeben.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Wo befand sich diese Schmelzanlage?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kde byla ta tavicí [+ pec]?

 

Zeuge Filip Müller:

Tak ta tavicí [+ pec] se nacházela v krematoriu číslo II.

 

Dolmetscher Jarolim:

Beim Krematorium Nummer II.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Sie befand sich im Krematorium II. Wenn ich Ihnen sage, daß nach unseren bisherigen Ermittlungen der Chef von Katz und Feldmann wahrscheinlich der hier befindliche Angeklagte Doktor Frank war und daß dieser Angeklagte sich dahingehend einläßt, daß er immer nur zur Überwachung des Einschmelzungsvorgangs zu den Krematorien mußte, und nachdem Sie uns jetzt gesagt haben, er befand sich auch in den Krematorien III und IV – konnte er in III und IV den Einschmelzungsvorgang überwachen, wenn Sie uns vorher sagten, daß sich die Schmelzanlage in Krematorium II befand?

 

Zeuge Filip Müller:

Já nerozumím.

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche dieser Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Warum?

 

Verteidiger Laternser:

Weil es keine Frage nach einer Tatsache ist, sondern ein Urteil wird dem Zeugen abverlangt. Und dafür ist der Zeuge [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, die Frage müßte dann so lauten: ob im Krematorium III oder IV sich auch eine Schmelzanlage befunden hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Keine?

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Gut.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Haben Sie, Herr Zeuge, in Birkenau in den Krematorien einmal gesehen oder mehrfach, wie Gas eingeworfen wurde? Haben Sie diesen Vorgang beobachten können von außen?

 

Dolmetscher Jarolim:

Viděl jste v krematoriích, jak se tam [vhazoval] ten plyn?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak to jsem viděl několikrát. Z povzdálí ovšem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe es einige Male gesehen, aus der Entfernung.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Können Sie uns Näheres darüber sagen, wer eingeworfen hat?

 

Dolmetscher Jarolim:

Můžete říci, kdo tam [vhazoval] plyn?

 

Zeuge Filip Müller:

Já si tyto lidi nepamatoval, protože to byli lidé, kteří tam přicházeli jenom na chvíli s Červeným křížem a zase odcházeli. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Das sind Leute, die nur für einen Augenblick hinkamen, die habe ich mir nicht gemerkt, und das kann ich auch nicht sagen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Haben Sie sich nicht gemerkt.

 

Zeuge Filip Müller:

I když [+ přijeli] několikrát za sebou, nezapamatoval jsem si je.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn sie einige Male nacheinander mit dem Roten-Kreuz-Auto kamen, habe ich mir sie wohl trotzdem nicht gemerkt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aha. Sind Sie in irgendeiner Form mit den Adjutanten zusammengekommen?

 

Dolmetscher Jarolim:

Přišel jste dohromady s pobočníkem?

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem nevěděl, kdo je pobočník.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er wußte nicht, wer ein Adjutant ist.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aha. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Die Verteidigung, bitte schön.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, Sie waren im Krematorium tätig. Ist Ihnen bekannt, daß im Krematorium III und IV auch die Goldzähne in Kisten gesammelt wurden?

 

Dolmetscher Jarolim:

[Pause] Je Vám známo, že v krematoriu III a IV byly zlaté zuby sbírány do beden?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Wurden die Kisten aus den verschiedenen Krematorien zu dem Krematorium gebracht, in dem der Schmelzvorgang vorgenommen wurde, nämlich im Krematorium II?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byly ty bedny se zuby přineseny do toho krematoria, kde byla tavicí pec?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Všechny tyto bedny byly stahovány z jednotlivých krematorií [+ a] předávány do krematoria číslo II, kde je zpracovávali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Alle diese Kisten mit den Goldzähnen wurden aus allen Krematorien zusammengezogen in das Krematorium Nummer II, wo die Schmelzanlage war.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, Sie sind am 2.12.1963 in Prag vor dem Distriktgericht vernommen worden. Auf wessen Veranlassung?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byl jste vyslýchán před Distriktní m soudem v Praze, 2.12.63. Na [jaký] podnět?

 

Zeuge Filip Müller:

Tím, že jsem se dozvěděl, že ve Franfurtu nad Mohanem bude prováděn proces, a [tudíž] jsem považoval za svoji povinnost, se přihlásit. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Als ich erfahren habe, daß in Frankfurt am Main der Auschwitz-Prozeß begann, habe ich es für meine Pflicht erachtet, mich zu melden, um dort auszusagen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Sind Ihnen bei dieser Ihrer Vernehmung Bilder vorgelegt worden?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byly Vám předloženy [obrázky]?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne, jak se to dělalo konkrétně: Já bydlím v Praze 10.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich wohne in Prag 10.

 

Zeuge Filip Müller:

Normálně jsem šel k soudu, za předsedou soudu

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich bin normal zum Gericht gegangen, zum Vorsitzenden

 

Zeuge Filip Müller:

A tento mi potom předal jednoho soudce a sepsal se protokol.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und er hat mich einem Richter übergeben und dem habe ich die Aussagen gemacht, zu Protokoll

 

Zeuge Filip Müller:

A odešel jsem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und bin weggegangen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Haben Sie vor Ihrer Aussage gewußt, wer in diesem Verfahren hier angeklagt ist?

 

Dolmetscher Jarolim:

Věděl jste, kdo je zde obžalován?

 

Zeuge Filip Müller:

No v průběhu těchto jednotlivých procesů, protože já jsem se přihlásil v prosinci 63, už i v novinách probíhaly takové krátké zprávy.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe mich bereits im Dezember 1963 gemeldet und in den Zeitungen sind schon kurze Nachrichten erschienen.

 

Zeuge Filip Müller:

A to o procesech, o lidech, o tom, co se tady děje.

 

Dolmetscher Jarolim:

Also es sind Nachrichten über den Prozeßverlauf erschienen.

 

Verteidiger Steinacker:

Mit Bildern?

 

Dolmetscher Jarolim:

S obrázky? — Mit Bildern?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak chci říct ne v souvislosti s tím procesem. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Nicht im Zusammenhang mit dem Prozeß.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale já sám, i když se nezabývám otázkou Osvětimi, poněvadž bych se zblázn il

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich befasse mich nicht mit dem Problem Auschwitz. Sonst könnte ich ja verrückt werden.

 

Zeuge Filip Müller:

Mám přesto ve své knihovně určitou literaturu

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe in meiner Bücherei eine bestimmte Zahl von Literatur

 

Zeuge Filip Müller:

V níž je řada autentických obrázků, které ukazují tento koncentrační tábor.

 

Dolmetscher Jarolim:

In der eine Menge authentischer Bilder ist, die das Konzentrationslager zeigen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, mich interessieren nicht die Bilder, die das Konzentrationslager selbst betreffen, sondern Bilder, die Ihnen vor Ihrer Aussage bekannt waren, von einzelnen in diesem Verfahren angeklagten Personen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ne, neviděl.

 

Verteidiger Steinacker:

Auch nicht in den Zeitungen? Sind Sie Bezieher der Rundschreiben, die vom Auschwitz-Komitee herausgegeben werden?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dostáváte oběžné dopisy od toho [výboru]?

 

Zeuge Filip Müller:

Tak od [tohoto výboru] dostávám oběžné dopisy jen tu a tam.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich bekomme sie nur ab und zu.

 

Verteidiger Steinacker:

Waren in diesen Rundschreiben Daten über einzelne Angeklagte veröffentlicht

 

Dolmetscher Jarolim:

Byla tam uveřejněna data o těch obžalovaných

 

Verteidiger Steinacker:

Und über ihre Tätigkeit in Auschwitz?

 

Dolmetscher Jarolim:

A jejich činnosti? [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich widerspreche der Frage. Die Frage kann höchstens so formuliert sein, ob der Zeuge in diesen Rundschreiben irgend etwas gelesen hat

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Aber zunächst

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Was solche Daten betrifft.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Staatsanwalt

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ob diese Daten veröffentlicht worden sind, darüber kann der Zeuge ja kein Urteil abgeben. Das kann der Herausgeber machen.

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Ich habe nach den... Ich darf dazu folgendes sagen. Ich verstehe den Widerspruch nicht. Ich habe gefragt, ob er die Rundschreiben erhalten hat, und habe dann gefragt, ob in den Rundschreiben so etwas enthalten ist. Natürlich schließt sich die zweite Frage an, ob er das gelesen hat. Ist doch klar.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt, erstens: Da der Zeuge sagt, ich habe sie nur ab und zu bekommen, ist es durchaus möglich, daß er auch welche nicht bekommen hat und in diesen Rundschreiben Daten veröffentlicht waren, die er nicht kennt.

 

Verteidiger Steinacker:

Gut, dann frage ich ihn

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er kann also nur sagen, ob er

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Dann frage ich ihn

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Solche Daten festgestellt hat.

 

Verteidiger Steinacker:

Gut.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, fragen Sie ihn.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie haben die Frage bereits gestellt.

 

Vorsitzender Richter:

Also hat er in diesen Rundschreiben irgendwelche Daten oder Namen dieser Angeklagten festgestellt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Četl jste v těch oběžnících nějaká jména, data o obžalovaných?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne, jen takové stručné líčení o průběhu těch procesů, jak to bylo třeba v našem tisku. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wird in diesen Rundschreiben nur so eine kurze Schilderung des Prozeßverfahrens gegeben, also keine Details.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak co se konečně dovídáme v našem tisku.

 

Dolmetscher Jarolim:

Was ich auch in der Presse bei uns lesen kann.

 

Verteidiger Steinacker:

Aber es wird eine Schilderung gegeben über diesen Prozeß und über die Angeklagten.

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem se tím vcelku ani tak dalece nezabýval.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe mich mit der Sache nicht beschäftigt.

 

Verteidiger Steinacker:

Ich denke, Sie befassen sich gerade damit, weil Sie so viel Literatur haben, haben Sie doch vorhin gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, ale já se tím nezabývám v souvislosti s nějakou otá zkou, že je proces. Já si to tu a tam přečtu, já tu souvislost s procesem nepotřebuji. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe die Literatur gelesen, ohne Rücksicht darauf, ob es den Prozeß gibt oder nicht.

 

Zeuge Filip Müller:

Už i léta předtím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Auch schon vorher, Jahre vorher.

 

Verteidiger Steinacker:

Sind Ihnen nach Ihrer Aussage, vor Ihrer Vernehmung hier in Frankfurt, von dritter Seite Bilder der Angeklagten vorgelegt worden?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie vor Ihrer Vernehmung hier in Frankfurt in Frankfurt oder bereits in Prag über Ihre Aussage mit Dritten gesprochen?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich widerspreche der Frage in dieser Form, weil der Zeuge möglicherweise die Tragweite seiner Antwort, wenn die Frage so gestellt wird, nicht übersehen kann und etwas sagt, was ihm nachher angelastet werden kann, daß es nicht richtig ist. Ob er über die Aussage gesprochen hat, ist ein derart weitgehender Begriff. Darunter kann also fallen, daß er irgend jemand gesagt hat, ich werde in Frankfurt aussagen. Darunter kann fallen, daß er zu irgend jemandem gesagt hat, ich werde über den Angeklagten Stark etwas aussagen und dergleichen. Ich bitte, daß der Verteidiger veranlaßt wird, einen konkreten Vorhalt dem Zeugen zu machen, wenn er dazu überhaupt einen Anlaß hat.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie hier in Frankfurt mit bestimmten, mit einzelnen Personen über Ihre Aussage, die Sie hier über einzelne Angeklagte zu machen haben, gesprochen?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich widerspreche auch dieser Frage. Sie ist nicht konkret genug gestellt. Der Verteidiger soll eine konkrete Frage stellen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ich bin sehr erstaunt darüber, daß die Staatsanwaltschaft überhaupt nicht daran interessiert zu sein scheint, ob Aussagen von Zeugen hier unbeeinflußt zustande gekommen sind oder ob irgendwelche Einflüsse von dritter Seite vorgenommen worden sind.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich muß diesem Vorwurf mit allem Nachdruck widersprechen, Herr Vorsitzender. Ich bin daran interessiert, daß der Zeuge, der nicht gerichtskundig ist, der kein Berufszeuge ist, hier nicht durch irgendeine Frage auf eine Art Glatteis geführt wird und etwas sagt, und nachher heißt es, der Zeuge schwört da einen Meineid oder dergleichen. Meine Aufgabe ist es, den Zeugen davor zu schützen, auf eine Frage, die nach meiner Auffassung nicht richtig gestellt ist, irgend etwas zu antworten. Die Frage ist, ich möchte es mild ausdrücken, nicht ganz fair.

 

Verteidiger Steinacker:

Ich will den Zeugen nicht aufs Glatteis führen. Sondern ich möchte von dem Zeugen wissen, ob er vor seiner Aussage, die er heute und vor einigen Tagen hier gemacht hat, hier in Frankfurt mit Personen über diese seine konkrete Aussage gesprochen hat. Die kann er mit ja oder nein beantworten.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Direktor

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ich widerspreche dieser Frage. Der Herr Verteidiger soll den Zeugen etwas Bestimmtes fragen oder ihm einen konkreten Vorhalt machen. Diese Frage ist in der Form zu allgemein gehalten.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich schließe mich dem Widerspruch an. Wenn die Frage darauf abstellt, ob der Zeuge vor seiner Vernehmung hier vor dem Schwurgericht bereits in irgendeiner Weise beeinflußt wurde, muß der Verteidiger diese Frage in dieser konkreten Form stellen, nämlich: ob eine Beeinflussung vorgelegen hat.

 

Verteidiger Steinacker:

Ich kann nicht den Zeugen fragen, ob er beeinflußt worden ist. Denn das wäre ein Werturteil, das der Zeuge abzugeben hätte. Das obliegt nicht ihm und nicht mir, sondern dann der Entscheidung des Gerichts. Ich kann nur versuchen, die Tatsachen festzustellen, aus denen sich möglicherweise diese Schlußfolgerung rechtfertigt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Dann darf ich vielleicht einen Vorschlag zur Güte machen. Ich möchte den Zeugen fragen, ob ihm irgend jemand seit seiner Abfahrt in Prag oder noch in Prag oder hier in Frankfurt gesagt hat, er soll etwas Bestimmtes aussagen, was ihm der Zeuge gesagt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Gut.

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otázce?

 

Verteidiger Steinacker:

Das kann zunächst mal beantwortet werden.

 

Vorsitzender Richter:

Gut.

 

Zeuge Filip Müller:

Rozuměl jsem.

 

Vorsitzender Richter:

[+ Hat Ihnen] in Prag vor Ihrer Abfahrt oder hier in Frankfurt irgendeine dritte Person gesagt, Sie sollten eine bestimmte Aussage in irgendeiner Beziehung machen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Verteidiger Laternser:

Mit wem haben Sie gesprochen?

 

Verteidiger Steinacker:

Mit wem haben Sie gesprochen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was denn? [Gelächter im Gerichtssaal]

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Was ist das denn für eine Frage?

 

Vorsitzender Richter:

Moment, meine Herrschaften, ich kann das nicht zulassen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche dieser Frage. Die Frage ist

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, er hat doch eben gesagt, es hat niemand ihm einen solchen Antrag

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Ja, das ist ja was

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja, das ist ja doch was gänzlich

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Das ist doch was ganz anderes, was ich jetzt frage.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Mit wem er gesprochen hat. Er kann mit dem Portier im Hotel gesprochen haben, mit dem Zugschaffner

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das interessiert doch gar nicht

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Mit dem Taxichauffeur. Die Frage ist derartig unkonkret. Ich bitte Sie

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Über die Aussage, Herr Vorsitzender, natürlich. Die Frage von Herrn Staatsanwalt Kügler war sehr konkret gestellt: ob er in einer bestimmten Richtung beeinflußt worden ist. Die hat er negativ beantwortet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Das ist selbstverständlich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Jetzt geht die Frage dahin, ob er

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das ist doch dieselbe Frage wie vorhin, der der Staatsanwalt Kügler widersprochen hat, nämlich die Frage, ob er mit jemand über diesen Prozeß gesprochen hat. Und da hat der Staatsanwalt Kügler gesagt, er widerspricht dieser Frage, weil die Frage nicht konkret genug ist. Denn es wäre möglich, daß er mit jemand gesprochen hat, daß er hier aussagen müsse, daß er am Soundsovielten aussagen müsse und so weiter und so weiter.

 

Verteidiger Steinacker:

Nicht über den Prozeß, sondern über seine Aussage, Herr Vorsitzender, hatte ich gesagt, nicht über den Prozeß. Daß der Zeuge über den Prozeß gesprochen hat

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das gehört doch alles dazu

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Daß er über den Prozeß gesprochen hat, das ist doch selbstverständlich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, was, über was

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Herr Zeuge, haben Sie hier in Frankfurt mit Vertretern der Nebenklage gesprochen? [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich widerspreche der Frage, weil sie also mit der Sache hier nichts zu tun hat. Dann soll der

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Ist das nicht konkret?

 

Staatsanwalt Kügler:

Das ist nicht konkret. Dann fragen Sie ihn doch ganz konkret, ob er von einem Vertreter der Nebenklage – ob ihm gesagt worden ist, er soll eine bestimmte Aussage machen.

 

Verteidiger Steinacker:

Moment, darum geht es ja gar nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Doch.

 

Verteidiger Steinacker:

Darum geht es gar nicht. Zunächst geht es um die Frage, ob er mit einem Vertreter der Nebenklage gesprochen hat.

 

Staatsanwalt Kügler:

Das steht ihm frei. Das kann er jederzeit tun. Darüber braucht er hier keine Auskunft zu geben, weil das nichts mit seiner Aussage zu tun hat.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, fragen Sie ihn, ob er ein Wort mit Herrn Rechtsanwalt Raabe oder mir gesprochen hat, ob er uns überhaupt kennt.

 

Verteidiger Steinacker:

Es gibt ja außer Ihnen noch mehrere Nebenklägervertreter.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, ich habe ihn zum ersten Mal lebend gesehen, da ich am Montag überhaupt gar nicht

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Ja, dann kann er es ja beantworten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Um die Sache kurz zu machen: Haben Sie gesprochen mit dem Herrn Rechtsanwalt Doktor Kaul, mit dem Rechtsanwalt Raabe, mit dem Rechtsanwalt Ormond – hier in Frankfurt?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Hat er nicht. So. Welche Fragen werden sonst noch von der Verteidigung gestellt? Haben die Angeklagten Erklärungen abzugeben oder Fragen zu stellen? Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, also wenn ich den Zeugen richtig verstanden habe, wollte er noch zu bestimmten anderen Angeklagten etwas sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er hat eine derartige Bemerkung gemacht. Jetzt wollen wir zunächst einmal dem Zeugen Gelegenheit geben, die Angeklagten sich anzusehen, nicht. Ich bitte die Angeklagten, mal hier vorzutreten. [Pause]

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

gezeigt auf Dylewski, oder Klaus, wie Sie sagen. Von ihm haben Sie uns auch erzählt. Sie haben dann von dem Chef dieser beiden Männer gesprochen, die dieses Zahngold herausbrachen. Und da hatte Sie nun einer der Herren Vertreter der Nebenklage – ich glaube, es war der Rechtsanwalt Ormond oder Raabe – gefragt, ob dieser Chef auch im Krematorium IV aufgetaucht wäre.34

 

Zeuge Filip Müller:

III und IV.

 

Vorsitzender Richter:

Und die haben Sie beantwortet, die Frage – III und IV –, und es wurde dann noch weiter gefragt, ob Sie dort beobachtet hätten, daß er dasselbe gemacht hätte wie auch die übrigen Ärzte. Diese Frage war nicht so ganz präzise. Was haben Sie gesehen im Krematorium III und IV, was er dort gemacht hat?

 

Zeuge Filip Müller:

Viděl jsem ho v řadě několika případů

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe ihn in einer Reihe von Vorfällen gesehen

 

Zeuge Filip Müller:

Jak v krematoriu číslo III, tak v krematoriu číslo IV.

 

Dolmetscher Jarolim:

Sowohl im Krematorium III als auch im Krematorium IV.

 

Zeuge Filip Müller:

Zvlášť na to si dobře pamatuji, poněvadž jsem ho právě poznal při příležitosti Katze s Feldmannem na krematoriu číslo II.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und besonders habe ich mich dran erinnert, daß ich ihn mit Katz und Feldmann gesehen habe im Krematorium IV.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was hat er da getan?

 

Dolmetscher Jarolim:

Co [tam] dělal?

 

Zeuge Filip Müller:

Nemohu tedy říct, že bych byl přímo viděl, že by si byl navlékal, jak jsem uváděl předtím, tu plynovou masku. Aby bylo jasně řečeno, postup těch lékařů nebyl vždy stejný. Jednou si tu masku navlékali, podruhé se jenom podívali do okna a stačilo [+ to].

 

Dolmetscher Jarolim:

Den Vorgang kann ich natürlich nicht genau schildern. Manchmal haben sich die Ärzte die Maske aufgesetzt, und manchmal haben sie nur durch das Guckloch geguckt.

 

Zeuge Filip Müller:

Takže já nemůžu konkrétně říct, že bych ho byl přímo viděl, že si [+ tu masku] navlékl.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich kann so konkret nicht sagen, daß ich ihn direkt dabei gesehen habe, daß er sich die Gasmaske aufgezogen hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale že v krematoriu číslo III a IV byl, v době, když tam přišli lidé živí, a při zaplynování také, to mohu konkrétně říct.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß er aber im Krematorium III und IV war, als die Leute hinkamen und dann wieder aus den Krematorien als Leichen zurück, das kann ich bestimmt sagen.

 

Vorsitzender Richter:

War das zu einem Zeitpunkt, wo Transporte vergast worden sind?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und habe ich Sie richtig verstanden, daß Sie eben gesagt haben, Sie hätten gesehen, wie er die Gasmaske aufgesetzt hätte? [...] Oder das habe er nicht gesehen?

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein, das hat er nicht gesehen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Das hat er nicht gesehen.

 

Zeuge Filip Müller:

Nicht hier.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das war also die Person des Angeklagten Doktor Frank. Dann haben Sie noch gezeigt auf den, der in dem Block 11 tätig gewesen ist. Was wissen Sie von ihm? Oder wissen Sie überhaupt nichts von ihm?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ich weiß. — My jsme totiž, to Fischl-Kommando, bydleli v roce 1942 na bloku 11.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das Fischl-Kommando hat im Jahr 1942 im Block 11 gewohnt.

 

Zeuge Filip Müller:

V cele 13.

 

Dolmetscher Jarolim:

In der Zelle 13.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

V této době, mohl to být květen nebo če rven 42, tam byl Blockführerem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das mochte im Mai oder Juni 42 gewesen sein, da war er der Blockführer. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Da war er der Blockführer. Und wissen Sie, was

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Einen Moment.

 

Zeuge Filip Müller:

Nejenom on, ale byli tam ještě další.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es waren noch weitere da.

 

Zeuge Filip Müller:

Protože oni měli noční šichty a tak.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es gab Nachtschichten.

 

Zeuge Filip Müller:

Ještě si pamatuji, jeden vysoký esesman. To jméno si už [+ nepamatuji].

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich erinnere mich an einen ziemlich großen SS- Mann, dessen Namen ich nicht mehr weiß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wissen Sie, was er dort für eine Tätigkeit ausgeübt hat als Blockführer?

 

Dolmetscher Jarolim:

Jakou tam měl činnost?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja, das weiß ich.

 

Zeuge Filip Müller:

[Pause] Tak v tomto bunkru jsem pobyl tedy téměř šest neděl.

 

Dolmetscher Jarolim:

Tak šes t neděl jste [+ tam] byl? — Sechs Wochen habe ich in diesem Bunker verbracht.

 

Zeuge Filip Müller:

Gegen. — Tak kolem šesti neděl. Tak jsem měl příležitost bezprostředně vidět i tohoto B lockführera v jeho akcích, v jeho činnosti.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und da hatte ich Gelegenheit, unmittelbar zu sehen auch diesen Blockführer in seiner Aktion.

 

Zeuge Filip Müller:

Jak už jsem předtím předeslal, nařízená práce Fischl-Kommanda spočívala v tom

 

Dolmetscher Jarolim:

Wie ich schon sagte, die befohlene Arbeit des Fischl-Kommandos bestand darin

 

Zeuge Filip Müller:

Že jsme jednak stahovali předměty, svršky, nakládali na nádvoří krematoria

 

Dolmetscher Jarolim [unterbricht]:

Jaké svršky?

 

Zeuge Filip Müller:

Oděvy, balíky, a odváželi a třídili různé .

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß wir die Kleider und die ganzen Habseligkeiten auf Wagen aufgeladen und weggefahren und sortiert haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Tyto práce byly prováděny buď brzy ráno nebo večer, po apelu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Aus diesem Grund wurden diese Arbeiten entweder zeitig morgens oder nach dem Appell am Abend durchgeführt.

 

Zeuge Filip Müller:

Čili prakticky bych řekl, když se jelo ráno, tak už v osm hodin jsme zase seděli v bunkru.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn man früh ausfuhr, sind wir schon um acht Uhr wieder im Bunker gesessen.

 

Zeuge Filip Müller:

A celý den nic a třeba zase celý den nic.

 

Dolmetscher Jarolim:

Den ganzen Tag war gar nichts.

 

Zeuge Filip Müller:

Tak právě při této příležitosti nás vyváděl tento Blockführer z cely 13 s tím, abychom se mohli projít na bloku, na bloku 11, na vzduchu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Grade bei dieser Gelegenheit hat uns der Blockführer aus der Zelle 13 herausgeführt, um eben dann im Block 11 ein bißchen an die Luft zu kommen.

 

Zeuge Filip Müller:

Dělalo se to zejména i z toho důvodu, že tento Fischl mu z různých transportů přinášel doutníky a takové různé věci.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde auch aus diesem Grund gemacht: Das hat konkret er gemacht, weil der Fischl ihm aus verschiedenen Transporten verschiedene Zigarren und verschiedene Sachen gebracht hat.

 

Zeuge Filip Müller:

A on nás pouštěl na to nádvoří.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und er hat uns auf den Hof gelassen.

 

Zeuge Filip Müller:

[Když jsme vyšli] ven z tohoto nádvoří po schodech dolů, museli jsme se posadit ke zdi po pravé straně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wir sind über die Treppen heruntergegangen [+ und] mußten uns rechts zur Wand setzen.

 

Zeuge Filip Müller:

Naproti nám b yl blok 10, kde byla okna zastřena.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und uns gegenüber war der Block 10, wo die Fenster verschlossen waren.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit Blenden zugemacht waren.

 

Zeuge Filip Müller:

Při této příležitosti jsem ne jednou, ale několikrát viděl, jak docházelo z jeho strany Dolmetscher Jarolim:

Bei dieser Gelegenheit habe ich nicht einmal, sondern mehrmals gesehen, wie es von seiner Seite

 

Zeuge Filip Müller:

Ale to nebylo jenom u něj, když to byl jiný Blockführer, tak i ten to dělal.

 

– Schnitt –

 

Dolmetscher Jarolim:

Nicht nur bei ihm. Wenn ein anderer Blockführer da war, hat es der genauso gemacht.

 

– Schnitt –

 

Zeuge Filip Müller:

K velkému týrání vězňů, kteří se z různých důvodů nacházeli v bunkru bloku 11.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es kam zu einem Quälen der Häftlinge, die aus verschiedenen Gründen im Bunker 11 waren.

 

Zeuge Filip Müller:

Konkrétně: on nás tam nechal sedět a my jsme se na to dívali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Konkret: Er hat uns da sitzen lassen, und wir haben uns das angesehen.

 

Zeuge Filip Müller:

To jsme museli, poněvadž jsme tam byli. Nic jiného nám nezbývalo, i když to bylo na druhé straně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es ist uns nichts anderes übriggeblieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wie wurden die Häftlinge aus Block 11 denn gequält? [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Dělalo se to takto: Na bloku 11 se v zemi nacházely čtvercové díry, které byly zakryté normálním kamenem.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde so gemacht: Auf dem Block 11 gab es quadratische Erdlöcher, die mit einem normalen Stein verschlossen waren. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Několik jich bylo v těsné blízkosti bloku 10, u zadní části jeho zdi, pod ním.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und diese Erdlöcher befanden sich unter dem Block 10. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Na nádvoří bloku.

 

Dolmetscher Jarolim:

Auf dem Hof des Blocks 10, in unmittelbarer Nähe, also gehäuft.

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Docházelo k tomu tím způsobem, že se do té díry zasadil takový rovný, dřevěný sloup, ten Stein byl vyhozený

 

Dolmetscher Jarolim:

Der Stein wurde entfernt, und in das Erdloch wurde eine starke Stange hereingesetzt.

 

Zeuge Filip Müller:

Vězeň byl přiveden z bloku 11

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieser Häftling wurde aus dem Block 11 herausgeführt

 

Zeuge Filip Müller:

Byl spoutaný nějak takto, do zad, to si už přesně nepamatuji, a pověšený nahoru.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die Hände wurden ihm nach rückwärts zusammengebunden und oben aufgehängt.

 

Zeuge Filip Müller:

Tento Blockführer a opakuji, nejenom on, ale i ti, kteří [ho zastupovali], on měl jednou noční, jednou denní, to bylo různé

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieser Blockführer, und nicht nur er, auch die, die ihn vertreten hatten

 

Zeuge Filip Müller:

Tam tyto vězně věšeli.

 

Dolmetscher Jarolim:

Hatten die Häftlinge so aufgehängt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem tak, že to prováděli ještě k tomu dva kápové.

 

Dolmetscher Jarolim:

So, daß es auch noch zwei Kapos gemacht hatten, die den heraufgehoben hatten.

 

Zeuge Filip Müller:

A docházelo k takovým momentům, že tento člověk zřejmě dostával velké bolesti, poněvadž začal řvát...

 

Dolmetscher Jarolim:

Und es kam zu solchen Augenblicken, daß dieser Mensch begann zu schreien, bekam große Schmerzen.

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž on k němu přišel a říkal mu, aby řekl pravdu, jak to tedy bylo, a že to s ním bude dobrý, a takové řeči k němu [vedl].

 

Dolmetscher Jarolim:

Er kam zu ihm, er soll die Wahrheit sagen, wie es war, daß es mit ihm gut sein wird.

 

Zeuge Filip Müller:

Tito vězni byli takovýmto způsobem na tomto bloku týráni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Also die Häftlinge in diesem Block wurden auf die Art und Weise gequält.

 

Zeuge Filip Müller:

A v několika případech jsem viděl, že byli tak ztýráni, že už nevstali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und in einigen Fällen habe ich gesehen, daß sie so gequält wurden, daß sie nicht mehr aufstehen konnten.

 

Zeuge Filip Müller:

To mohu říct jenom, pokud jde o ten blok [+ 11].

 

Dolmetscher Jarolim:

Das kann ich sagen, was den Block 11 betrifft.

 

Zeuge Filip Müller:

Pokud jsme byli v roce 42 na bloku 11 nuceni sbírat mrtvoly

 

Dolmetscher Jarolim:

Sofern wir im Jahre 1942 auf dem Block 11 gezwungen wurden, die toten Körper aufzuheben oder zu sammeln

 

Zeuge Filip Müller:

Které střílel Stark

 

Dolmetscher Jarolim:

Die der Stark erschossen hat

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

A když jich bylo víc, s ním také Klaus

 

Dolmetscher Jarolim:

Und wenn es mehr waren, auch Klaus

 

Zeuge Filip Müller:

Tak chci jenom podotknout

 

Dolmetscher Jarolim:

Möchte ich nur bemerken

 

Zeuge Filip Müller:

Že konkrétně tento Blockführer ani ostatní, které jsem viděl, tam nestříleli.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß diese Blockführer konkret haben nicht geschossen.

 

Zeuge Filip Müller:

Přitom chci ještě podotknout, že když jsme se někdy nacházeli přes den v bunkru, slyšeli jsme, že se na bloku 11 střílelo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wenn wir uns mal tagsüber im Bunker befunden haben, haben wir aus diesem Bunker gehört, daß auf Block 11 geschossen worden ist.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale při tom jsme my již nebyli.

 

Dolmetscher Jarolim:

Da waren wir aber nicht dabei.

 

Zeuge Filip Müller:

Z doslechu jsem se tam však dozvěděl

 

Dolmetscher Jarolim:

Also dem Vernehmen nach wurde gehört

 

Zeuge Filip Müller:

Že tato mrtvá těla sbírali vě zni z Krankenbau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß die Häftlinge aus dem Krankenbau diese toten Körper aufgesammelt haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Kdo tam střílel, jak se tam střílelo, nevím, já jsem [+ to] jenom slyšel z bunkru.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wer geschossen hat und wie, weiß ich nicht, ich habe nur die Schüsse gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, bei diesem Aufhängen an dem Pfahl, wo die Häftlinge gefragt wurden, ob sie die Wahrheit sagen wollten, war da sonst niemand dabei wie der Blockführer und die beiden Kapos?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sonst niemand?

 

Zeuge Filip Müller:

Jo, ještě takhle. Byly případy, že se tam nacházel ještě jeden esesman, kterého jsem já neznal.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es waren auch Fälle, wo noch ein SS-Mann dabei war, den ich selbst nicht gekannt habe.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale byly případy, kdy tam absolutně nikdo nebyl

 

Dolmetscher Jarolim:

Es waren auch Fälle, in denen überhaupt da war

 

Zeuge Filip Müller:

A kde tito Blockführeři přímo tyto otázky takto dávali.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und wo die Blockführer diese Fragen so gestellt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie erlebt, daß bei dieser Gelegenheit oder bei einer anderen Gelegenheit von diesem Blockführer, den Sie uns vorhin bezeichnet haben, jemand getötet worden ist?

 

Zeuge Filip Müller:

Byla řada takových případů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es war eine ganze Reihe derartiger Fälle.

 

Zeuge Filip Müller:

Několik, já nevím přesně, kolik jich bylo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die genaue Zahl weiß ich nicht.

 

Zeuge Filip Müller:

Tito lidé tam prostě skončili smrtí.

 

Dolmetscher Jarolim:

Die Fälle haben alle tödlich geendet.

 

Vorsitzender Richter:

Waren das solche, die aufgehängt worden sind?

 

Dolmetscher Jarolim:

Waren das solche, die aufgehängt worden sind?

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und in Ihrer Gegenwart sind die Leute gestorben?

 

Dolmetscher Jarolim:

Ze mřeli ve Vaší přítomnosti?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, my jsme tam seděli a viděli jsme, že ho sundali dolů, a už nevstal.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wir haben das gesehen und haben sie gesehen, wie sie von den Pfählen heruntergenommen wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Und sie waren tot?

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie waren tot und sind nicht mehr aufgestanden.

 

Zeuge Filip Müller:

A viděli jsme ještě řadu případů, že potom přišli dva vězni z bloku 11

 

Dolmetscher Jarolim:

Wir haben auch noch einige Fälle gesehen, wo zwei Häftlinge aus dem Block 11 kamen

 

Zeuge Filip Müller:

Vzali tyto vězně a odvezli je do Waschraumu.

 

Dolmetscher Jarolim:

Haben diese Häftlinge genommen und haben sie in den Waschraum gefahren.

 

Zeuge Filip Müller:

Šli po schodech nahoru, do bloku

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie sind über die Treppen in den Block gegangen

 

Zeuge Filip Müller:

A po levé straně, kde se ten Waschraum nacházel, je zatím pokládali. Co se tam stalo, nevím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und dort, in dem Waschraum, haben sie sie erst mal hingelegt. Was dann später damit geschehen ist, weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber ob sie tot waren?

 

Dolmetscher Jarolim:

Mrtví

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie waren tot?

 

Dolmetscher Jarolim:

Sie waren tot.

 

Vorsitzender Richter:

Und daran hat sich auch dieser Blockführer, der den Namen Schlage trägt, beteiligt. Das haben Sie gesehen?

 

Zeuge Filip Müller:

Viděl.

 

Dolmetscher Jarolim:

Habe ich gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Und

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Na vlastní oči.

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit eigenen Augen.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagen, es war mehr als einmal.

 

Zeuge Filip Müller:

Mehr als einmal.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Několikrát.

 

Dolmetscher Jarolim:

Mehr als einmal.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, Sie haben eben einmal das Wort »Klausen« gebraucht. Ist das vielleicht die tschechische Ausdrucksweise für den Vornamen Klaus?

 

Dolmetscher Jarolim:

Vy jste použil slova Klausen. Je to český tvar pro Klaus?

 

Zeuge Filip Müller:

Klause, ja, Klaus — mu tam říkali. [...]

 

Dolmetscher Jarolim:

Also untereinander

 

Zeuge Filip Müller:

Se mu říkalo Klaus.

 

Dolmetscher Jarolim:

Hat man Klaus gesagt.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale česky se říká: ten Klause.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja, im Tschechischen sagt man: der Klause.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, der Klause. Nun, Sie wissen aber und können das mit Bestimmtheit sagen, daß Sie nicht nur von diesem Mann den Namen Klaus kennen, sondern daß Sie eben auch sein Gesicht und seine Person kennen?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

A v této souvislosti, pane předsedo, bych chtěl vylíčit, že v roce 1943

 

Dolmetscher Jarolim:

In diesem Zusammenhang, Herr Vorsitzender, möchte ich noch schildern, daß im Jahre 1943

 

Zeuge Filip Müller:

Když se vrátili vězni z krematoria v Osvětimi

 

Dolmetscher Jarolim:

Als die Häftlinge aus dem Krematorium von Auschwitz zurückkehrten

 

Zeuge Filip Müller:

Byl to zase Lulus Maurice, Samuel Jankowski

 

Dolmetscher Jarolim:

Waren das Lulus Maurice, Samuel Jankowski

 

Zeuge Filip Müller:

Kteří ovšem už potom přišli i s těmi Poláky

 

Dolmetscher Jarolim:

Die mit den Polen dann zurückgekommen sind

 

Zeuge Filip Müller:

Mietek, Józek, Wacek, nebo jak se jmenoval

 

Dolmetscher Jarolim:

Mietek, Józek, Wacek

 

Zeuge Filip Müller:

Do krematoria v Birkenau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ins Krematorium nach Birkenau.

 

Zeuge Filip Müller:

Ovšem toto prosím, co říkám, to jsem slyšel jenom od nich.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das, was ich jetzt sage, habe ich nur von ihnen gehört.

 

Zeuge Filip Müller:

Že prostě Stark tam v tom krematoriu setrval do konce léta nebo do začátku podzimu 42

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß Stark bis zum Ende des Sommers 42 dort geblieben ist. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

A že potom, když tam oni zůstali, převzal po něm tuto funkci ten Klaus.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und dann, als sie da waren oder geblieben sind, hat diese Funktion nach ihm der Klaus übernommen.

 

Vorsitzender Richter:

Welche Funktion?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kterou funkci?

 

Zeuge Filip Müller:

To znamená, že on potom střílel, jak mi oni řekli, přímo v krematoriu v Osvětimi.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß er auch geschossen hat, wie sie gesagt haben, direkt im Krematorium in Auschwitz. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

A to v té původní plynové komoře.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und zwar in der ursprünglichen Gaskammer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

V této souvislosti bych, pane předsedo, [+ chtěl říct]

 

Dolmetscher Jarolim:

In diesem Zusammenhang, möchte ich, Herr Vorsitzender, noch folgendes sagen.

 

Zeuge Filip Müller:

že pokud jde o toho Klause, konkrétně mi zase ti vězni řekli

 

Dolmetscher Jarolim:

Sofern es geht um diesen Klaus, haben mir diese Häftlinge konkret gesagt

 

Zeuge Filip Müller:

[O jednom,] který se jmenoval Kusen,

 

Dolmetscher Jarolim:

Von einem, der Kusen hieß, ein Häftling.

 

Zeuge Filip Müller:

Kusen, to nebylo jeho jméno, to byla jenom přezdívka.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das war nicht sein Name, sondern das war so ein Deckname.

 

Zeuge Filip Müller:

Ten osobně mi vyprávěl

 

Dolmetscher Jarolim:

Der hat mir persönlich erzählt

 

Zeuge Filip Müller:

Že i tam střílel v modrákách... měl takovou modrou kombinézu

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß er in so einer blauen Kombination, die er anhatte, geschossen hat. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Přičemž tento Kusen mu vždycky musel čistit ty fleky od krve.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und wobei dieser Kusen ihm die Blutflecken reinigen mußte.

 

Zeuge Filip Müller:

Sám mi vyprávěl, že se jednou stalo

 

Dolmetscher Jarolim:

Er hat mir selbst erzählt, daß es einmal passiert ist

 

Zeuge Filip Müller:

Že mu to čistil a přehlédnul několik kapek krve, a že ho za to tedy zbil.

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß er ihm diese Blutflecken gereinigt hat und dabei einige übersehen hat, und daß er ihn dafür dann geschlagen hat.

 

Zeuge Filip Müller:

Tedy, prosím, to co nyní líčím, to jsem, pane předsedo, slyšel od lidí, kteří přišli potom z osvětimského krematoria do Birkenau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das habe ich also, Herr Vorsitzender, nur gehört. Und zwar habe ich das von den Leuten gehört, die dann aus dem Auschwitzer Krematorium nach Birkenau kamen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ist mir folgendes noch nicht ganz klar. Ich hatte in Erinnerung, daß Sie uns gesagt haben: »Das Kommando Fischl ist von Auschwitz nach Birkenau verlegt worden.« Ja?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja, ich verstehe, was Sie meinen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Ich werde es schildern.

 

Vorsitzender Richter:

Und der Stark ist ja nicht mit nach Birkenau verlegt worden. Wann soll denn nun der Angeklagte Dylewski diese Rolle des Stark übernommen haben?

 

Zeuge Filip Müller:

To komando F ischl, které tam v krematoriu pracovalo, bylo po mém odchodu z tohoto komanda sloučeno s topiči krematoria.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das Kommando Fischl, das in dem Krematorium gearbeitet hat, ist nach meinem Abgang aus diesem Kommando mit den Heizern also zu einem Haufen gemacht worden.

 

Zeuge Filip Müller:

Lišilo se to jenom tím

 

Dolmetscher Jarolim:

Es hat sich nur dadurch unterschieden

 

Zeuge Filip Müller:

Že polští vězni, ten Mietek, Józek, Wacek, bydleli normálně na bloku

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß die polnischen Häftlinge normal im Block wohnten

 

Zeuge Filip Müller:

Kdežto ti ostatní vězni bydleli na bloku 11 a v cele 13.

 

Dolmetscher Jarolim:

Während die anderen, die übrigen, in Block 11 und in der Zelle 13 gewohnt hatten.

 

Zeuge Filip Müller:

Celé toto komando potom přišlo po zrušení krematoria v Osvětimi do birkenauských krematorií.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieses ganze Kommando kam dann nach Verlegung des Krematoriums aus Auschwitz in das Krematorium in Birkenau. [...]

 

Zeuge Filip Müller:

Z jejich p ovídání buď koncem léta nebo na začátku podzimu 42, já si už přesně nepamatuju, odešel Stark

 

Dolmetscher Jarolim:

Aus ihren Erzählungen, Ende des Sommers oder Anfang des Herbsts 1942 ist Stark weggekommen

 

Zeuge Filip Müller:

A po něm převzal funkci Klaus.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und daß nach ihm diese Funktion Klaus übernommen hat. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und wo waren Sie in dieser Zeit?

 

Zeuge Filip Müller:

Já už jsem v této době byl v Monovicích, když se toto odehrávalo, potom v Krankenbau, ale sešel jsem se s nimi v roce 43 v birkenauských krematoriích.

 

Vorsitzender Richter:

Aha.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich war dann im Krankenbau und bin dann ja 1943 mit ihnen in Birkenau zusammengekommen.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ist mir klar. Sind keine Fragen mehr?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich habe eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Dieses Fischl-Kommando kam nach Birkenau. Wann kam das nun nach Ihrer Erinnerung nach Birkenau?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste otá zce?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano, — ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

43? Wann?

 

Zeuge Filip Müller:

To mohlo být tak 14 dní nebo měsíc po mém [+ příchodu].

 

Dolmetscher Jarolim:

Schätzungsweise 14 Tage oder einen Monat nach meinem Weggang.

 

Zeuge Filip Müller:

Když už jsem tam byl!

 

Dolmetscher Jarolim:

14 Tage, oh nein

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

14 Tage, nachdem Sie da waren.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nachdem Sie da waren.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und Sie sagten uns, Anfang 43 kamen Sie in Birkenau zum Krematorium I.

 

Zeuge Filip Müller:

Ne.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem se do krematoria číslo I dostal začátkem léta.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Bitte?

 

Dolmetscher Jarolim:

Mit Sommerbeginn kam ich in das Krematorium I.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sommerbeginn 43?

 

Zeuge Filip Müller:

43.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kamen Sie in Birkenau ins Krematorium.

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und kurz danach kam

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

So 14 Tage oder einen Monat [+ später] kamen die...

 

Vorsitzender Richter:

Die Fischl-Leute.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Ich frage

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Aber Fischl, wollte ich sagen, er konnte schon nicht. Fischl hatte Typhus bekommen.

 

Dolmetscher Jarolim:

Aha.

 

Zeuge Filip Müller:

Und starb. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich frage nämlich deshalb: Sie sagten vorhin, im Fischl-Kommando sei 1942 keine Selektion gewesen. Sie sagten aber dann weiter, wenn es genau übersetzt war: »1943 war dann eine weitere Selektion in Block 13.« War da vorher schon eine gewesen, und wann war das? Wissen Sie davon etwas? Wenn nämlich eine weitere Selektion in Block 13 war, muß ja vorher schon eine gewesen sein.

 

Zeuge Filip Müller:

Já to vylíčím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Er wird es schildern.

 

Zeuge Filip Müller:

V roce 1943 došlo v létě k jediné selekci.

 

Dolmetscher Jarolim:

Also im Sommer des Jahres 1943 kam es nur zu einer Selektion.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Filip Müller:

Koncem roku 1942

 

Dolmetscher Jarolim:

Ende des Jahres 1942

 

Zeuge Filip Müller:

Tedy to mluvím jenom z doslechu, to já nemohu znát.

 

Dolmetscher Jarolim:

Was ich gehört habe

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, danach frage ich Sie nämlich.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo v Birkenau »Sonderkommando« slovenských židů.

 

Dolmetscher Jarolim:

War in Birkenau ein »Sonderkommando« slowakischer Juden.

 

Zeuge Filip Müller:

Toto »Sonderkommando« se připravovalo na útěk.

 

Dolmetscher Jarolim:

Dieses »Sonderkommando« hat sich auf die Flucht vorbereitet.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo prozrazeno jedním vězněm, který byl zabit.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es wurde verraten durch einen Häftling, der erschlagen wurde.

 

Zeuge Filip Müller:

A buď koncem roku 1942 nebo začátkem 43 bylo toto »Sonderkommando« zplynováno.

 

Dolmetscher Jarolim:

Entweder Ende 1942 oder Anfang 1943 war dieses »Sonderkommando« vergast worden.

 

Zeuge Filip Müller:

V Osvětimi.

 

Dolmetscher Jarolim:

In Auschwitz.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und woher wissen Sie das?

 

Zeuge Filip Müller:

No tak to jsem slyšel v Birkenau.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das habe ich in Birkenau gehört.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Damals schon, oder haben Sie das später gehört, nach dem Krieg?

 

Dolmetscher Jarolim:

Tehdy nebo později?

 

Zeuge Filip Müller:

Ne, v táboře v Birken au.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das habe ich in Birkenau im Lager gehört.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wieviel waren das ungefähr, wie groß war das Kommando?

 

Dolmetscher Jarolim:

Jak bylo velké [+ to] komando?

 

Zeuge Filip Müller:

To já nevím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Das weiß ich nicht.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo tam prý, tedy jak jsem to slyšel, několik set lidí, ale kolik, nevím.

 

Dolmetscher Jarolim:

Es müssen dem Vernehmen nach einige hundert Leute gewesen sein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Haben Ihre ehemaligen Kameraden vom Fischl- Kommando Ihnen davon auch erzählt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Vyprávěli Vám [+ to] kamarádi z Fischl-komanda?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Auch. Noch eine Frage. Können Sie uns sagen, während welcher Zeit Sie im Block 13 im Stammlager in Birkenau gewohnt haben und während welcher Zeit Sie im Krematorium IV selbst gewohnt haben?

 

Dolmetscher Jarolim:

Rozuměl jste?

 

Zeuge Filip Müller:

Ano. Krematorium číslo III, tedy v bloku číslo 13 jsem bydlel.

 

Dolmetscher Jarolim:

In Block 13 habe ich gewohnt.

 

Zeuge Filip Müller:

Od léta 1943.

 

Dolmetscher Jarolim:

Vom Sommer 1943.

 

Zeuge Filip Müller:

Nevím tedy přesně

 

Dolmetscher Jarolim:

Weiß nicht genau, aber

 

Zeuge Filip Müller:

Ale asi tak do příchodu maďarských transportů v roce 44.

 

Dolmetscher Jarolim:

Bis zum Eintreffen der ungarischen Transporte, 44.

 

Zeuge Filip Müller:

Když se stal šéfem té Verbrennung Moll?

 

Dolmetscher Jarolim:

Als Moll Chef der Verbrennung wurde?

 

Zeuge Filip Müller:

A kdy jsme bydleli ne v krematoriu IV, ale v krematoriu III.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wo wir nicht im Krematorium IV, sondern im Krematorium III gewohnt haben.

 

Zeuge Filip Müller:

Všichni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Alle.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie haben in III gewohnt, nicht in IV?

 

Zeuge Filip Müller:

Všichni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Alle.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Alle in III gewohnt. Und in IV, hat da auch jemand gewohnt?

 

Zeuge Filip Müller:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Da waren doch an sich die gleichen Räume. [...] Hat da etwa die SS gewohnt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kdo tam bydlel v krematoriu [+ IV]?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wer hat in den entsprechenden Räumen im Krematorium IV gewohnt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Kdo bydlel v těch místnostech v krematorium IV?

 

Zeuge Filip Müller:

Tak v krematoriu číslo IV, přesto že tam bylo několik postelí, jsme bydleli až po vzpouře.

 

Dolmetscher Jarolim:

Im Krematorium IV, obwohl da Betten waren, haben wir erst nach dem Aufstand gewohnt.

 

Zeuge Filip Müller:

To už bylo ale jenom 30 vězňů.

 

Dolmetscher Jarolim:

Da waren aber nur 30 Häftlinge.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale předtím jsme bydleli všichni v krematoriu číslo III.

 

Dolmetscher Jarolim:

Vorher haben alle im Krematorium Nummer III gewohnt.

 

Zeuge Filip Müller:

A to přímo ve svlékárně.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und zwar direkt im Auskleideraum.

 

Zeuge Filip Müller:

Protože v tomto krematoriu číslo III, do příchodu maďarských transportů, se podstatně méně pálilo.

 

Dolmetscher Jarolim:

Bis zum Eintreffen der ungarischen Transporte wurde in diesem Krematorium weniger verbrannt.

 

Zeuge Filip Müller:

A my jsme tedy v té době bydleli v krematoriu číslo III.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wir haben während der Zeit im Krematorium III gewohnt.

 

Zeuge Filip Müller:

A teprve po vzpouře v krematoriu číslo IV.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und erst nach dem Aufstand im Krematorium Nummer IV.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und während Sie im Krematorium III wohnten, hat im Krematorium IV überhaupt niemand gewohnt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Niemand — tam nebydlel?

 

Zeuge Filip Müller:

Niemand.

 

Dolmetscher Jarolim:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Niemand gewohnt. Und im Krematorium I haben Sie nie gewohnt?

 

Zeuge Filip Müller:

Gewohnt in Krematorium II.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Haben Sie auch gewohnt?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Unterm Dach?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke.

 

Zeuge Filip Müller:

Pod střechou.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, während Ihres Frankfurter Aufenthalts, waren Sie auch im Frankfurter Büro des polnischen Auschwitz-Komitees? [...]

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich widerspreche dieser Frage. Es gibt überhaupt in Frankfurt kein Büro eines polnischen Auschwitz- Komitees.

 

Verteidiger Laternser:

Dann sind Sie nicht richtig orientiert, Herr Staatsanwalt. Sie können nicht alles wissen. [...]

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich weiß aber fast so viel wie Sie, Herr Rechtsanwalt.

 

Verteidiger Laternser:

Bitte?

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich weiß fast so viel wie Sie.

 

Vorsitzender Richter:

Also. Waren Sie in einem Büro des Auschwitz-Komitees?

 

Dolmetscher Jarolim:

Byl jste v nějakém úřadě?

 

Zeuge Filip Müller:

Já jsem nebyl v žádném Büru nebo tak.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich bin in keinem Büro gewesen.

 

Zeuge Filip Müller:

No, bavil jsem se zde s řadou lidí, jak říkám, s vrátným

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe mich hier mit einer ganzen Menge von Leuten unterhalten, mit Pförtnern

 

Zeuge Filip Müller [unterbricht]:

Vcelku slušnými a dobrými lidmi.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und braven Leuten.

 

Zeuge Filip Müller:

A cítím se ve Frankfurtu skutečně jako doma.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich fühle mich in Frankfurt wie daheim.

 

Verteidiger Laternser:

Keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Keine weiteren Fragen mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich darf noch mal klarstellen: Es gibt kein polnisches Auschwitz-Komitee hier in Frankfurt.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es gibt ein Auschwitz-Komitee.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, aber kein polnisches.

 

Vorsitzender Richter:

Eben.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Vorsitzender, ich habe noch eine Frage an den Angeklagten Stark. Herr Stark, Sie haben eben auf die Aufforderung des Herrn Vorsitzenden, eine Erklärung abzugeben, oder auf die Frage, ob Erklärungen abgegeben werden wollen, haben Sie keine Erklärung abgegeben. Ich möchte Sie daher ganz direkt fragen: Ist das wahr, was der Zeuge über Sie gesagt hat? Oder bestreiten Sie auch das?

 

Angeklagter Stark:

Ich gebe keine Erklärung ab.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Gibt keine Erklärung ab. Aber noch eine Frage hätte ich, einen kleinen Moment, Herr Staatsanwalt. Sie haben vorhin auch den Angeklagten Bednarek erkannt. Bednarek, woher kannten Sie ihn?

 

Dolmetscher Jarolim:

Odkud jste znal Bednarka?

 

Zeuge Filip Müller:

Znal jsem ho z bloku, protože ten blok 13, ve kterém jsme, jako to »Sonderkommando«, bydleli

 

Dolmetscher Jarolim:

In dem Block 13, in dem das »Sonderkommando« wohnte.

 

Zeuge Filip Müller:

Bylo v blízkosti Strafkommanda.

 

Dolmetscher Jarolim:

In der Nähe war der Block des SK, des Strafkommandos.

 

Zeuge Filip Müller:

A on tam byl Blockältester.

 

Dolmetscher Jarolim:

Und da war er Blockältester.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie von ihm etwas gehört? Hat er einen guten Ruf gehabt? Hat er einen schlechten Ruf gehabt?

 

Dolmetscher Jarolim:

Jakou měl pověst?

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie ihn persönlich?

 

Zeuge Filip Müller:

Já bych chtěl říct takto: Já jsem o něm nijak zvlášť neslyšel.

 

Dolmetscher Jarolim:

Ich habe von ihm nichts gehört.

 

Zeuge Filip Müller:

Protože je třeba vědět, že jsme byli izolováni.

 

Dolmetscher Jarolim:

Wir waren isoliert.

 

Zeuge Filip Müller:

Moje jediná starost, kterou jsem tedy měl, [+ byla]

 

Dolmetscher Jarolim:

Und meine einzige Sorge, die ich hatte

 

Zeuge Filip Müller:

Dostat se večer z tohoto bloku ke svým kamarádům.

 

Dolmetscher Jarolim:

War, am Abend aus diesem Block zu meinen Kameraden zurückzukommen.

 

Zeuge Filip Müller:

Ale že jsem ho tam viděl, to jako...

 

Dolmetscher Jarolim:

Daß ich ihn gesehen habe, das ist...

 

Zeuge Filip Müller:

Ať se ho zeptají, on mě určitě pozná.

 

Dolmetscher Jarolim:

Fragen Sie ihn doch bitte. Er wird mich bestimmt erkennen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er hat Sie ja wohl erkannt. Ich habe keine Frage mehr. Herr Staatsanwalt, wollten Sie noch etwas fragen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe eine Frage an den Angeklagten Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie die Frage vielleicht an mich stellen, ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Die von Herrn Professor Doktor Kaul vorgelegten Dokumente beweisen meiner Ansicht nach, daß der Angeklagte Mulka für den Häftlingseinsatz wenn nicht verantwortlich war, so doch, daß er den Häftlingseinsatz dirigiert hat. Ich hätte die Frage an den Angeklagten, ob er für den Einsatz des »Sonderkommandos« in dem Alten Krematorium verantwortlich war, ob er damit irgend etwas zu tun gehabt hat. Und wenn er das verneinen sollte, ob er weiß oder angeben will, wer dafür verantwortlich war.

 

Vorsitzender Richter:

 

Angeklagter Mulka, Sie werden gefragt, ob Sie den Einsatz der Häftlinge in dem sogenannten »Sonderkommando« befohlen hatten, ob Sie diesen Einsatz überwacht haben, und wenn das nicht Ihre Sache gewesen sei, wer dafür in Frage komme.

 

Angeklagter Mulka:

Der Arbeitseinsatzführer.

 

Vorsitzender Richter:

Der Arbeitseinsatzführer. Ja nun, dieses »Sonderkommando« mußte doch gebildet werden und mußte doch überhaupt zunächst einmal ins Leben gerufen werden, und es mußte doch organisatorisch ein solches »Sonderkommando« überhaupt aufgestellt werden. Das haben Sie nicht gemacht?

 

Angeklagter Mulka:

Davon ist mir nichts bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht. Wußten Sie denn von der Tätigkeit dieses »Sonderkommandos«?

 

Angeklagter Mulka:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht. Und Sie sagen, der Arbeitseinsatzführer war dafür verantwortlich.

 

Angeklagter Mulka:

Ich glaube, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Dann...

 

Angeklagter Mulka:

Darf ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

[unverständlich] Die andere Frage stellen. Der Arbeitseinsatzführer war nicht einmal ein SS-Führer, wenn ich recht unterrichtet bin. Und selbst wenn er ein SS-Führer gewesen sein sollte, dann unterstand er doch nach meiner Auffassung der Kommandantur. Ich bitte das dem Angeklagten vorzuhalten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Herr Staatsanwalt meint, selbst wenn der Arbeitseinsatzführer ein SS-Führer gewesen wäre, dann hätte er doch Ihnen unterstanden, nämlich der Kommandantur.

 

Angeklagter Mulka:

Ja, der Kommandantur wohl. Aber doch nicht dem Adjutanten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber wenn er der Kommandantur unterstanden hat, mußte er doch vermutlich auch über seine Tätigkeit irgendwelche Meldungen erstatten. Und diese Meldungen, die müssen doch dann zur Kommandantur gekommen sein.

 

Angeklagter Mulka:

Darüber war er, nach meiner Erinnerung, verantwortlich dem betreffenden Schutzhaftlagerführer.

 

Vorsitzender Richter:

Dem Schutzhaftlagerführer.

 

Angeklagter Mulka:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wollten noch etwa dazu sagen?

 

Angeklagter Mulka:

Ja, ich wollte noch etwas sagen zu der aufgeworfenen Frage dieses Dokumentes, was maßgeblich sein soll für meine Verantwortung für den Einsatz von Häftlingen. In diesem Dokument steht ausdrücklich drin: »Der Kommandant hat angeordnet«, daß dann und dann gearbeitet werden soll. Und dann unten drunter: »Auf Befehl, Mulka.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Im übrigen, damit ich es nicht vergesse: Meine Herren, wer hat eigentlich jetzt die Anlagen zu dem letzten Antrag35 des Herrn Oberstaatsanwalts? Herr Joschko. Und haben Sie die noch nicht weitergegeben? Also da habe ich ja doch damals extra darum gebeten, daß das schnell läuft von einem zum anderen. Wir müssen das doch wiederhaben.

 

Verteidiger Joschko:

Ich habe es erst bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte? Eben bekommen. Doktor Bürger, haben Sie es gehabt?

 

Verteidiger Bürger:

Noch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Knögel?

 

Verteidiger Knögel:

Ja, ich habe es gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Göllner?

 

Verteidiger Göllner:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Jugl?

 

Verteidiger Jugl:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Doktor Aschenauer? Schallock? Erhard?

 

Verteidiger Erhard:

Noch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Steinacker? Sie haben's gehabt. Ihnen habe ich's ja gegeben. Joschko hat es. Und Doktor Reiners.

 

Verteidiger Joschko:

Reiners hat es gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Reiners hat es gehabt. Also so daß jetzt noch Jugl, Doktor Aschenauer, Schallock und Erhard und Bürger noch beteiligt sind. Meine Herren, tun Sie mir den Gefallen und geben Sie das übers Wochenende allen anderen. Ja, das möchte ich bitten. Geben Sie es vielleicht heute dem Herrn Bürger, damit es der Herr Bürger dann an den Herrn Jugl weitergibt. Und der Herr Aschenauer, kommt der am Montag?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Nein. [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Also geben Sie es dann erst dem Herrn Doktor Aschenauer. Und sehen Sie doch zu, meine Herren, daß das in ein paar Tagen durchgelaufen ist. [Pause] Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, wenn der Angeklagte Mulka einräumt, daß er auf Befehl des Kommandanten einen Befehl des Kommandanten, der den Arbeitseinsatz betrifft, nämlich den Aufbau der Krematorien durch Häftlinge, weitergegeben hat, so ist ja wohl auch dieser Vorgang über den Arbeitsdienstführer gegangen. Denn der Einsatz der Häftlinge, die das Krematorium aufbauten, der wird ja wohl auch letzten Endes von dem Arbeitsführer organisiert worden sein auf Befehl des Kommandanten, weitergegeben durch den Adjutanten. Es ist nun nicht einzusehen, warum das nicht bei dem »Sonderkommando«

 

Verteidiger Eggert [unterbricht]:

Ich habe die ganze Zeit geschwiegen, Herr Vorsitzender, aber jetzt artet es zum Plädoyer aus. Die Formulierung »Es ist nicht einzusehen« nach dieser umfangreichen Voranschickung, die vielleicht als Vorhalt geeignet gewesen wäre, die ist sicherlich unzulässig.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich schließe daraus

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Herr Staatsanwalt, was Sie schließen, können Sie im Plädoyer tun.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, oder man

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber nicht jetzt hier.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, nun Gott, ich muß mich hier in diesem Fall über Sie an den Angeklagten Mulka wenden, Herr Vorsitzender, und ich möchte, daß dem Angeklagten Mulka ein weiterer Vorhalt gemacht wird.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also wir haben aber

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Und zwar den

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Augenblick die Vernehmung dieses Zeugen. Und die ist noch nicht abgeschlossen. Und die wollen wir jetzt erst mal abschließen. Dann können Sie vielleicht noch Vorhalte machen.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich] Ist das Dokument doch noch gar nicht verlesen.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, die Dokumente sind noch nicht verlesen. Und sie sind auch gar nicht in unserem Besitz. Sondern wir hatten sie dem Rechtsanwalt Doktor Reiners gegeben und haben sie noch nicht zurückbekommen. Vielleicht, Herr Doktor Jugl, werden Sie sich mal drum kümmern, nicht.

 

Verteidiger Jugl:

Das möchte ich sehr gern, aber meines Wissens ist Herr Doktor Reiners verreist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, das ist mir bekannt. Aber vielleicht kommt er auch mal wieder zurück, nicht.

 

Verteidiger Jugl:

Das hoffe ich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. So. Wenn keine Fragen mehr zu stellen sind an den Zeugen: Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Filip Müller:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

 

 

 

 

 

1. Schutzhaftlagerführer SS-Hauptsturmführer Hans Aumeier.

2. Der Zeuge Müller meint Alter Szmul Feinsilber alias Stanisław Jankowski.

3. Der Zeuge Müller meint die polnischen Häftlinge Józef Ilczuk, Wacław Lipka, Mieczysław Morawa.

4. Männerlager BIId.

5. Der Zeuge Müller sagt durchweg »Forst«, gemeint ist SS-Oberscharführer Peter Voss.

6. Der Zeuge Müller sagt durchweg »Forst«, gemeint ist SS-Oberscharführer Peter Voss.

7. Vgl. Friedler u. a.: Zeugen aus der Todeszone, S. 387.

8. Block 11 im Stammlager.

9. Das sogenannte Zigeunerlager wurde am 02.08.1944 liquidiert. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 837 f.

10. Der Zeuge Müller meint den Häftling Schlomo Kirzenbaum. Vgl. Friedler u. a.: Zeugen aus der Todeszone, S. 379.

11. Der Zeuge Müller meint den Häftling Eliezer Welbel. Vgl. Friedler u. a.: Zeugen aus der Todeszone, S. 389.

12. Am 16.04.1944 kamen 19 sowjetische Kriegsgefangene und ein deutscher Kapo in einem Transport aus dem Vernichtungslager Majdanek in Auschwitz an. Die 20 Häftlinge wurden dem »Sonderkommando« zugewiesen. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 757.

13. Die SS-Unterscharführer Rudolf Erler, Willi Freese und Josef Purke kamen beim Aufstand des »Sonderkommandos« ums Leben. Vgl. Standort- und Kommandanturbefehle, S. 499.

14. Der Zeuge Müller meint die polnischen Häftlinge Mieczysław Morawa, Wacław Lipka, Józef Ilczuk.

15. Eine Selektion Ende Sommer 1943 im »Sonderkommando« findet in der Forschungsliteratur keinen Beleg.

16. Am 16.04.1944 kamen 19 sowjetische Kriegsgefangene und ein deutscher Kapo in einem Transport aus dem Vernichtungslager Majdanek in Auschwitz an. Die 20 Häftlinge wurden dem Sonderkommando zugewiesen. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 757.

17. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.061.

18. Der Zeuge Müller meint Alter Szmul Feinsilber alias Stanisław Jankowski.

19. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.070.

20. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.065.

21. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.059-18.070.

22. Vgl. Anlage 4 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 06.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101.

23. Vgl. Josef Kret: »Ein Tag in der Strafkompanie«, in: Hefte von Auschwitz 1, 1959, S. 87-124.

24. Vgl. Anlage 4 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 06.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101.

25. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.066.

26. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 02.12.1963 in Prag, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 92, Bl. 18.062 f.

27. Am 24.02.1944 wurde die Zahl der Häftlinge im »Sonderkommando« um die Hälfte reduziert. 200 Angehörige des »Sonderkommando« wurden ins Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek überstellt. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 728.

28. Krankenbaulager BIIf.

29. BIIe.

30. Am 23.09.1944 wurden 200 Häftlinge des »Sonderkommandos« von Birkenau ins Stammlager verbracht und in einem Gebäude vergast, das bislang ausschließlich zur Desinfektion von Kleidung verwendet worden war. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 886.

31. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 956.

32. Der Zeuge Müller meint den Häftling Eliezer Welbel. Vgl. Friedler u.a.: Zeugen aus der Todeszone, S. 389.

33. Der Zeuge Müller meint den Häftling Schlomo Kirzenbaum. Vgl. Friedler u.a.: Zeugen aus der Todeszone, S. 379.

34. »Der Zeuge erkannte aus den ihm gegenübergestellten Angeklagten: Boger, Stark, ›Clause‹ Dylewski, den Blockführer von Block 11, Schlage, und Bednarek, ferner den ›Chef von Feldmann‹«. Protokoll der Hauptverhandlung vom 08.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103, Bl. 774.

35. Beweisantrag der Staatsanwaltschaft vom 22.09.1964 auf Ladung von 16 Zeugen. Dem Antrag waren die richterlichen Vernehmungsniederschriften der Zeugen beigefügt. Vgl. Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 24.09.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 102.

 

 
 
 
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