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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle


Angeklagte im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965)

Strafverbüßung

1. Richard Baer

* 9. September 1911, Floß/Oberpfalz, † 17. Juni 1963, Frankfurt am Main

SS-Sturmbannführer; Kommandant von Auschwitz I (Stammlager) in der Zeit von Mitte Mai 1944 bis zur Evakuierung des Lagers im Januar 1945; Tatvorwurf: Befehle zur Tötung einer Vielzahl von Menschen, insbesondere von Juden aus Ungarn; Untersuchungshaft ab 20. Dezember 1960; im Untersuchungsgefängnis in Frankfurt am Main verstorben.

 

2. Stefan Baretzki

* 24. März 1919, Czernowitz/Bukowina, † 21. Juni 1988, Bad Nauheim

SS-Rottenführer, Blockführer in Birkenau ab Frühjahr 1942 bis Januar 1945; Tatvorwurf: Mitwirkung an Selektionen auf der Rampe, an Hinrichtungen und an der »Liquidierung« des Theresienstädter Familienlagers (März 1944), Einzeltötungen; Untersuchungshaft ab 12. April 1960; Urteil: lebenslang + 8 Jahre Zuchthaus, rechtskräftig ab 20. Februar 1969 (BGH-Entscheidung); Selbstmord im Konitzky-Stift, Bad Nauheim, in das Baretzki wegen schwerer Erkrankung eingeliefert worden war.

 

3. Emil Bednarek

* 20. Juli 1907, Königshütte/Oberschlesien, † 27. Februar 2001, Waldsassen

Häftling in Auschwitz ab Juli 1940 (Häftlingsnummer 1325), Blockältester und Kapo der Strafkompanie; Tatvorwurf: eigenmächtige Tötung einer Vielzahl von Häftlingen; Untersuchungshaft ab 25. November 1960; Urteil: lebenslanges Zuchthaus; Strafhaft ab Februar 1969 (BGH-Entscheidung); nach Gnadenentscheidung am 1. Dezember 1975 aus der Haft entlassen; Umwandlung der lebenslangen Freiheitsstrafe in eine zeitige von 20 Jahren.

 

4. Heinrich Bischoff

* 16. Juli 1904 Essen-Überruhr, † 26. Oktober 1964, Essen

SS-Unterscharführer; Blockführer in der Zeit von 1942 bis 1945; Tatvorwurf: Vielzahl von Einzeltötungen; Untersuchungshaft vom 21. Juli 1959 bis 27. November 1959, Haftverschonung; Verfahren wegen Krankheit im März 1964 abgetrennt.

 

5. Wilhelm Boger

* 19. Dezember 1906, Stuttgart, † 3. April 1977, Bietigheim

SS-Oberscharführer; Angehöriger der Politischen Abteilung in der Zeit von 1943 bis 1945; Tatvorwurf: Beteiligung an Selektionen auf der Rampe und im »Zigeunerlager« (BIIe), an Aussonderungen von Häftlingen aus Arrestblock 11 (Stammlager) und an Erschießungen an der »Schwarzen Wand«; Durchführung von Verhören (»verschärften Vernehmungen«) mit Todesfolge; Untersuchungshaft ab 8. Oktober 1958; Urteil: lebenslang + 5 Jahre Zuchthaus, rechtskräftig ab 20. Februar 1969 (BGH-Entscheidung); in Strafhaft verstorben.

 

6. Arthur Breitwieser

* 31. Juli 1910, Lemberg/Galizien, † 20. Dezember 1978, Bonn

SS-Unterscharführer; Mitglied der Lagerverwaltung und Chef der Häftlingsbekleidungskammer von Mai 1940 bis Januar 1945; Tatvorwurf: Mitwirkung an der ersten Vergasung von Häftlingen Anfang September 1941 in Block 11 (Stammlager); Untersuchungshaft vom 9. bis 22. Juni 1961; Urteil: Freispruch.

 

7. Pery Broad

* 25. April 1921, Rio de Janeiro/Brasilien, † 28. November 1993, Düsseldorf

SS-Rottenführer; Angehöriger der Politischen Abteilung in der Zeit von 1942 bis Januar 1945; Tatvorwurf: Beteiligung an Selektionen auf der Rampe, Durchführung von Verhören mit Todesfolge, Teilnahme an »Bunkerentleerungen« (Aussonderung von Häftlingen aus Block 11 des Stammlagers zur Erschießung an der »Schwarzen Wand«); Untersuchungshaft vom 30. April 1959 bis 23. Dezember 1960 und vom 6. November 1964 bis 21. Februar 1966; Urteil: 4 Jahre Zuchthaus; Haftbefehl mit Beschluss der 3. Strafkammer des LG Frankfurt am Main vom 21. Februar 1966 aufgehoben, am selben Tag Entlassung aus der Untersuchungshaft.

 

8. Victor Capesius

* 7. Februar 1907, Reußmarkt/Siebenbürgen, † 20. März 1985, Göppingen

SS-Sturmbannführer; Leiter der SS-Apotheke in der Zeit von Ende 1943 bis Ende 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung an der »Abwicklung« von Transporten (Selektionen auf der Rampe); zusammen mit dem SS-Arzt Josef Mengele Selektionen im Lager; Beschaffung, Verwaltung und Ausgabe der Tötungsmittel Zyklon B und Phenol; Untersuchungshaft ab 4. Dezember 1959; Urteil: 9 Jahre Zuchthaus, im Januar 1968 aus der U-Haft entlassen.

 

9. Klaus Dylewski

* 11. Mai 1916, Finkenwalde/Kreis Stettin, † 1. April 2012, Hilden

SS-Oberscharführer; Ermittlungsbeamter der Politischen Abteilung in der Zeit von 1941 bis 1944; Tatvorwurf: Teilnahme an Rampenselektionen, Auswahl von Insassen von Arrestblock 11 (Stammlager) zur Erschießung an der »Schwarzen Wand« (»Bunkerentleerungen«), Erschießungen an der »Schwarzen Wand«; Untersuchungshaft vom 24. April bis 23. Mai 1959, vom 16. Dezember 1960 bis 22. März 1961 sowie ab 5. Oktober 1964; Urteil: 5 Jahre Zuchthaus, 1968 aus der Untersuchungshaft entlassen.

 

10. Willy Frank

* 9. Februar 1903, Regensburg, † 9. Juni 1989, München

SS-Hauptsturmführer; Leiter der SS-Zahnstation in der Zeit von März 1943 bis August 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung bei der Vernichtung der ungarischen Juden im Sommer 1944 gemäß Dienstplan (Rampenselektionen); Untersuchungshaft ab 5. Oktober 1964; Urteil: 7 Jahre Zuchthaus, rechtskräftig ab 20. Februar 1969 (BGH-Entscheidung), 1970 aus der Strafhaft entlassen.

 

11. Emil Hantl

* 14. Dezember 1902, Mährisch-Lotschnau, † 18. August 1984, Plochingen

SS-Unterscharführer; Sanitätsdienstgrad in der Zeit von 1943 bis 1944; Tatvorwurf: Beteiligung an Selektionen im Häftlingskrankenbau, Tötung von Häftlingen mit Phenolinjektionen (»Abspritzen«); Untersuchungshaft ab 26. Mai 1961; Urteil: 3 ½ Jahre Zuchthaus, am 19. August 1965 nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt.

 

12. Karl Höcker

* 11. Dezember 1911, Engershausen/Kreis Lübbecke, † 30. Januar 2000, Lübbecke

SS-Obersturmführer; Adjutant des Lagerkommandanten Richard Baer in der Zeit von Mai 1944 bis Januar 1945; Tatvorwurf: Mitwirkung am in Auschwitz durchgeführten Vernichtungsprogramm; Untersuchungshaft ab 25. März 1965; Urteil: 7 Jahre Zuchthaus, rechtskräftig ab 20. Februar 1969 (BGH-Entscheidung); 1970 bedingt aus der Strafhaft entlassen.

 

13. Franz Hofmann

* 5. April 1906, Hof an der Saale, † 14. August 1973, Straubing

SS-Hauptsturmführer; Schutzhaftlagerführer in Auschwitz I (Stammlager) in der Zeit von Dezember 1942 bis Mai 1944; Tatvorwurf: Überwachung von Rampenselektionen, Anordnung von Lagerselektionen, Mitwirkung bei »Bunkerentleerungen« im Block 11 des Stammlagers und bei Erschießungen an der »Schwarzen Wand«, eigenmächtige Einzeltötungen; Untersuchungshaft ab 16. April 1959, Strafhaft ab 28. Mai 1962 (Verfahren vor dem LG Hechingen); Urteil: lebenslanges Zuchthaus, in Strafhaft verstorben.

 

14. Oswald Kaduk

* 26. August 1906, Königshütte/Oberschlesien, † 31. Mai 1997, Langelsheim-Lautenthal

SS-Hauptscharführer; Block- und Rapportführer in der Zeit von 1942 bis Januar 1945; Tatvorwurf: Durchführung von Lagerselektionen sowie von Erhängungen und Erschießungen, Vielzahl von eigenmächtigen Einzeltötungen; Untersuchungshaft ab 21. Juli 1959; Urteil: lebenslanges Zuchthaus; ab Februar 1969 in Strafhaft, Strafunterbrechung ab 7. September 1989, Entlassung am 6. November 1990, Reststrafe für die Dauer von fünf Jahren zur Bewährung ausgesetzt, mit Beschluss des LG Marburg vom 20. Februar 1996 Strafrest erlassen.

 

15. Josef Klehr

* 17. Oktober 1904, Langenau/ Oberschlesien, † 23. August 1988, Leiferde

SS-Oberscharführer; Sanitätsdienstgrad und Leiter der sogenannten Desinfektoren in der Zeit von 1941 bis 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung an Rampenselektionen und Blockselektionen, in seiner Funktion als Leiter des Vergasungskommandos (Desinfektoren) Mitwirkung an Massentötungen in den Gaskammern, Tötung einer Vielzahl von Häftlingen durch Phenolinjektionen; Untersuchungshaft ab 17. September 1960; Urteil: lebenslang + 15 Jahre Zuchthaus; Strafhaft ab Februar 1969, Strafvollstreckung am 25. Januar 1988 wegen Vollzugsuntauglichkeit unterbrochen, durch Beschluss des LG Marburg vom 10. Juni 1988 Vollstreckung des Strafrests zur Bewährung ausgesetzt.

 

16. Franz Lucas

* 15. September 1911, Osnabrück, † 7. Dezember 1994, Elmshorn

SS-Obersturmführer; Lager- und Truppenarzt in der Zeit von Frühjahr bis Sommer 1944; Tatvorwurf: Beteiligung an Selektionen auf der Rampe nach Ankunft der Transporte aus Ungarn; Untersuchungshaft ab 24. März 1965; Urteil: 3 ¼ Jahre Zuchthaus, Haftbefehl des OLG Frankfurt am Main vom 23. März 1965 durch Beschluss des LG Frankfurt am Main vom 26. März 1968 aufgehoben, Urteil des LG Frankfurt am Main vom 19./20. August 1965 durch BGH-Entscheidung vom 20. Februar 1969 aufgehoben, im März 1968 aus der Untersuchungshaft entlassen, 1970 vom LG Frankfurt am Main freigesprochen.

 

17. Robert Mulka

* 12. April 1895, Hamburg, † 26. April 1969, Hamburg

SS-Hauptsturmführer; Kompanieführer des Wachsturmbanns von Anfang 1942 bis April 1942, Adjutant und Stabsführer von April 1942 bis März 1943; Tatvorwurf: Ausstellung von Fahrbefehlen für Transporte von Zyklon B nach Auschwitz und für den LKW-Transport von Deportierten zu den Gaskammern, Mitwirkung an der »Verwirklichung des nationalsozialistischen Vernichtungsprogramms«; Untersuchungshaft vom 8. November 1960 bis 6. März 1961, vom 29. Mai bis 13. Dezember 1961, vom 21. Februar bis 23. Oktober 1964 und vom 3. Dezember 1964 bis 6. Januar 1966; Urteil: 14 Jahre Zuchthaus; am 6. Januar 1966 wegen Haftunfähigkeit aus der U-Haft entlassen, am 23. März 1967 erneut in U-Haft, am 20. Februar 1968 entlassen.

 

18. Gerhard Neubert

* 12. Juni 1909, Johanngeorgenstadt/Erzgebirge, † 5. Dezember 1993, Diepholz

SS-Unterscharführer; Sanitätsdienstgrad in der Zeit von 1943 bis Ende 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung an Selektionen im Häftlingskrankenbau des Lagers Buna/Monowitz; Verfahren am 23. Juli 1964 wegen Krankheit abgetrennt; Untersuchungshaft ab 4. Januar 1966; im 2. Frankfurter Auschwitz-Prozess (14. Dezember 1965 – 16. September 1966) zu 3 ½ Jahren Zuchthaus verurteilt; Revision durch BGH-Entscheidung vom 3. Juli 1970 verworfen, die erfolgte Verurteilung zu Zuchthaus umgewandelt in Verurteilung zu Freiheitsstrafe; durch Beschluss des LG Frankfurt am Main vom 28. Januar 1971 Strafrest auf Bewährung ausgesetzt.

 

19. Hans Nierzwicki

* 18. Januar 1905, Dirschau/Westpreußen, † 15. Mai 1967, Nagold

SS-Hauptscharführer; Sanitätsdienstgrad in der Zeit von 1942 bis 1944; Tatvorwurf: Teilnahme an Selektionen im Häftlingskrankenbau, Tötung von Häftlingen durch Phenolinjektionen; Verfahren Anfang Dezember 1963 wegen Verhandlungsunfähigkeit des Angeklagten abgetrennt und gemäß § 205 StPO vorläufig eingestellt, das Verfahren wurde wegen Erkrankung des Beschuldigten nicht wieder aufgenommen.

 

20. Willi Schatz

* 1. Februar 1905, Hannover, † 17. Februar 1985, Hannover

SS-Untersturmführer; SS-Zahnarzt in der Zeit von Frühjahr bis Herbst 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung an Selektionen von Transporten im Sommer 1944 aus Ungarn; keine Untersuchungshaft; Urteil: Freispruch; Revision der Staatsanwaltschaft beim LG Frankfurt am Main durch BGH-Entscheidung vom 20. Februar 1969 verworfen.

 

21. Herbert Scherpe

* 20. Mai 1907, Gleiwitz/Oberschlesien, † 23. Dezember 1997, Mannheim

SS-Oberscharführer; Sanitätsdienstgrad in der Zeit von 1942 bis 1943; Tatvorwurf: Teilnahme an Selektionen im Häftlingskrankenbau und Tötung von Häftlingen durch Phenolinjektionen; Untersuchungshaft ab 15. August 1961; Urteil: 4 ½ Jahre Zuchthaus; am 19. August 1965 nach der Urteilsverkündung auf freien Fuß gesetzt; ab 7. April 1967 in U-Haft (neues Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main), am 1. Oktober 1967 entlassen, Ermittlungsverfahren eingestellt.

 

22. Bruno Schlage

* 11. Februar 1903, Truttenau/Ostpreußen, † 9. Februar 1977, Minden

SS-Oberscharführer; Arrestaufseher in Block 11 des Stammlagers in der Zeit von Ende 1941 bis zur Auflösung des Lagers; Tatvorwurf: Beteiligung an Aussonderungen und Erschießungen von Häftlingen aus Block 11; Untersuchungshaft ab 13. April 1964; Urteil: 6 Jahre Zuchthaus, rechtskräftig ab 20. Februar 1969 (BGH-Entscheidung); 1969 Strafaufschub.

 

23. Johann Schoberth

* 17. Dezember 1922, Aufseß/Franken, † 8. August 1988, Hollfeld/Franken

SS-Unterscharführer; Mitglied der Politischen Abteilung in der Zeit von Mitte 1943 bis Mitte 1944; Tatvorwurf: Mitwirkung an einer Selektion im Sommer 1944, mindestens einmal Beteiligung an einer Vergasungsaktion (gemeinschaftlich mit einem Angehörigen der Politischen Abteilung), Erschießungen von Häftlingen im Krematorium I (Stammlager); Haftbefehl des Amtsgerichts Frankfurt am Main vom 11. April 1960 nicht vollstreckt; Haftverschonung durch Beschluss des LG Frankfurt am Main vom 20. Juni 1960; Urteil: Freispruch.

 

24. Hans Stark

* 14. Juni 1921, Darmstadt, † 29. März 1991, Darmstadt

SS-Oberscharführer; Mitglied der Politischen Abteilung in der Zeit von Juni bis Dezember 1941 und März bis November 1942; Tatvorwurf: Beteiligung an Erschießungen von Häftlingen, an Selektionen auf der »Alten Rampe« und an einer Vergasung im »Alten Krematorium« (Stammlager); Untersuchungshaft vom 23. April 1959 bis 7. Oktober 1963 und vom 15. Mai 1964 bis 21. Februar 1966, erneute Verhaftung am 20. April 1966, Haftverschonung am 16. August 1968; Urteil: 10 Jahre Jugendstrafe.

 

 

Fritz Bauer Institut Geschichte und Wirkung des Holocaust, Frankfurt am Main
 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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