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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

95. Verhandlungstag, 1.10.1964 und 96. Verhandlungstag, 2.10.1964

 

 

Vernehmung des Zeugen Aleksandr Lebedev

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit] einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Согласны ли Вы с тем, что Ваши показания будут записаны на магнитофонную плёнку для облегчения работы суда?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, согласен.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich bin einverstanden.

 

Vorsitzender Richter:

Aleksandr Lebedev, wie alt sind Sie bitte?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сколько Вам лет?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пятьдесят два.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

52

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Jahre alt. Sie sind verheiratet?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы женаты ?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, женат.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich bin verheiratet.

 

Vorsitzender Richter:

Und von Beruf?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ваша профессия ?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Журналист и врач.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Journalist und Arzt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie wohnen in?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы проживаете?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Город Москва.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Moskau.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Улица Крупской.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Krupskaja-Straße.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Дом восемь дробь один, квартира восемьдесят пять. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und sind mit den Angeklagten nicht verwandt und nicht verschwägert?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы не состоите в каких-либо отношениях родства или своячества с подсудимыми?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, не состою.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, ist es richtig, daß Sie am 25.6.41 zur sowjetrussischen Armee eingezogen wurden und dort den Rang eines Reservemajors bekleidet haben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правда ли, что Вы были призваны на военную службу в Советскую Армию 25 июня 1941 года в чине майора?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Правильно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Reserve, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ist es richtig, daß Sie im Oktober 41 verwundet um Kiew in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правда ли, что в октябре сорок первого года под Киевом или в окрестностях Киева Вы были взяты в немецкий плен?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Правильно, в пирятинском окружении. Под Пирятиным, возле Киева.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das stimmt alles. Es war aber nur in der Nähe von Kiew, Pyryatyn hieß der Ort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie sind dann aus der deutschen Kriegsgefangenschaft zunächst geflohen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вначале Вы бежали из немецкого плена?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я два раза бежал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin zweimal geflohen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Первый раз с транспорта в Судетских горах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einmal aus dem Transport in den Sudetenbergen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Второй раз – из стационарного лагеря »шталага« под Маннгеймом. [...] В мае сорок второго года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zum zweiten Mal aus dem Stalag bei Mannheim. — В мае какого года?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В мае 42-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Mai 1942.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Прошёл через всю Германию, Чехословакию, На границе Чехословакии с Польшей был пойман.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin durch ganz Deutschland und die Tschechoslowakei gegangen, und an der Grenze zwischen der Tschechoslowakei und Polen bin ich dann festgenommen worden.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда это было?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это было, приблизительно, осенью 42-ого года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ungefähr im Herbst 1942.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В ноябре я находился в гестаповской тюрьме в [Остравской Мораве ].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im November befand ich mich bereits im Gefängnis in Mährisch-Ostrau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist es richtig, daß man Ihnen zunächst den Vorwurf machte oder den Verdacht aussprach, Sie seien Fallschirmjäger gewesen und seien abgesprungen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правда ли, что Вам сначала было поставлено в обвинение, что Вы парашютист и что Вас сбросили с парашютом?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, это сказали: что мы засланы в Чехословакию для партизанской борьбы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, man hat uns gesagt, wir seien geschickt worden in die Tschechoslowakei für den Partisanenkampf.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом, когда мы объяснили, откуда мы бежали во время английской бомбёжки, то они проверили и убедились, что мы – действительно, бежавшие во время бомбардировки из лагеря военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir Ihnen erzählt haben, daß wir während des Fliegeralarms eines englischen Angriffs geflüchtet sind aus dem Gefangenenlager, hat man das überprüft und festgestellt, daß wir die Wahrheit gesagt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dann kamen Sie wann nach Auschwitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вас привезли в Аушвиц, в Освенцим?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В тюрьме мы просидели ноябрь, по-моему, декабрь. А в декабре, или уже в начале 43-го года, зимой, очень морозно было, нас привезли в Аушвиц. Несколько машин ехало из гестаповской тюрьмы в [Остравской Мораве ].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir blieben dort im Gestapo-Gefängnis November/Dezember, und entweder Ende Dezember oder Anfang 1943 – es war sehr kalt – wurden wir in mehreren Wagen nach Auschwitz gebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поскольку на допросах нас очень били, то мы даже потеряли ориентацию, точность числа, месяца. Знали, что была зима. Кажется, январь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da wir sehr geschlagen wurden während der Verhöre, haben wir die Orientierung, den Sinn für die Zeit, für das Datum verloren. Ich weiß, daß es sehr kalt gewesen ist. Es war vielleicht November, also November, Dezember oder Anfang...

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wie groß war Ihr Transport?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каков был Ваш транспорт, сколько людей?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В каждой машине [+ машине] человек по 60. Среди них поляки, чехи, русские, хорваты.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ungefähr 40 Mann.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In jedem Wagen befanden sich ungefähr sechzig Personen, darunter waren Polen, Tschechen, Russen, Kroaten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, einen Moment, in was für einer Art von Wagen sind Sie denn dorthin gefahren worden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А какие это были машины? Что это, грузовики?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это машины большие грузовые, видимо, пятитонные, крытые.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das waren große Lastwagen, schätzungsweise fünf Tonnen, geschlossen, also gedeckte.

 

Vorsitzender Richter:

So. Und Sie haben das letzte Mal ausgesagt: »Wir, 40 Personen, Tschechen und Polen, wurden in einen Lastwagen verladen.«1

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, когда Вас в первый раз допрашивали, »мы, 40 человек, поляки, русские, чехи, хорваты были в одной машине«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. И поляки говорили, что нас везут в Аушвиц. Мы, русские, тогда не имели понятия, что такое Аушвиц. На »люфт«! Они молились Богу, Езус-Марию вспоминали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, und die Polen haben damals uns gesagt, daß es sich eben um Auschwitz handelt. Wir hatten keine Ahnung davon. Sie haben auch gebetet, »Jesus Maria«, und davon gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wie Sie in Auschwitz ankamen, wo wurden Sie da zunächst hingeführt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вас привезли в Освенцим, куда вас там сразу привели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас привезли прямо к »браме« этого »штаммлагеря« в приёмочный отдел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir sind direkt ans Tor des Stammlagers gebracht worden, und zwar in die Aufnahmeabteilung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Автоматчики нас быстро выгнали из машин...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden von mit Automaten bewaffneten Männern sehr schnell aus dem Wagen herausgeworfen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И построили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und aufgestellt.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Automaten, wollen wir sagen, mit Gewehren bewaffnete Männer. Oder mit automatischen Gewehren? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это, значит, были автоматчики, солдаты с оружием?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Солдаты-эсэсовцы, да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das waren die SS-Soldaten mit Gewehren.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Gewehren. Nun, kamen Sie dann nach dem Aufnahmeblock wohin?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В какое помещение Вас привели, где было это приёмочное отделение?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В помещение нас не вводили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но где это находилось?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сначала перед лагерем, видимо, как я понял.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden in kein Gebäude hineingeführt. Zuerst war das, so wie ich verstanden habe, vor dem Lager selbst.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом ввели в лагерь через »браму«-ворота и привели к блоку. Он называется »эффект«...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Effektenkammer.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Эффекткамера«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann wurden wir durch das Tor geführt ins Lager hinein, und ich glaube, wie heißt denn das, Effektenkammer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vor die Effektenkammer.

 

Vorsitzender Richter:

Block Nummer wieviel?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

26-ой, по-моему, блок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube 26.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Was geschah dann mit Ihnen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И что потом было с Вами?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Выстроили между блоками...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir sind dann zwischen den Blocks aufgestellt worden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Заставили раздеться

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat uns gezwungen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Донага.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Uns nackt auszuziehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всю гражданскую одежду приказали положить в мешок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unsere Zivilkleidung, die ganze Kleidung in einen Sack reinzustecken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

При этом солдаты-эсэсовцы и »гефтлинги« некоторые, »капо« нас избивали палками жестоко.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dabei haben uns die SS-Männer und manche Häftlinge – das waren Kapos – grausam geschlagen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кричали — »Schnell, schnell!«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat gerufen: »Schnell, schnell!«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом стали делать нам дезинфекцию, так называемую.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann begannen Sie, bei uns Desinfektionen durchzuführen, die sogenannte Desinfektion.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сбривали волосы, где только могли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Haare geschoren, überall dort, wo es möglich war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Совершенно тупыми бритвами и негодными машинками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit ganz unpassenden Rasiermaschinen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit stumpfen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Половину выдирали с корнем.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und unpassenden Rasiermaschinen. Die Hälfte der Haare wurde mit den Wurzeln rausgerissen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом лизолем эти места смазывали, как калёным железом прижигали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und danach wurden diese Stellen mit Lysol beschmiert wie mit einem brennendem Eisen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы орали сильнее, чем от побоев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben geschrieen noch lauter, als es nach den Schlägen geschah.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом пригнали на »альте вашерай«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann wurden wir zur alten Wäscherei getrieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это, кажется, блок номер первый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, das war der Block Nummer 1.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там облили нас ледяной водой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wurden wir mit eisigkaltem Wasser begossen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Опять с побоями, с палками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wiederum mit Schlägen, mit Stockhieben eingedeckt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом выгнали на улицу, на снег.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann wurden wir auf der Straße in den Schnee

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы стояли около двух часов совершенно голые.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In den Schnee getrieben, und dort standen wir ganz nackt zwei Stunden lang.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На ногах даже потрескалась кожа от мороза, потому что мы мокрые были.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

An den Füßen platzte die Haut wegen dem Frost. Es war ja so feuchtkalt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом поместили на карантинный блок номер первый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann kamen wir in den Quarantäneblock Nummer 1.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Первый или второй, вот так.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

1 oder 2.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Рядом с »альте вашерай« он вроде, был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber gleich neben der alten Wäscherei jedenfalls.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но это только было начало.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber das war nur der Anfang.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Утром нас подняли в 4 часа.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Am nächsten Tag wurden wir um vier Uhr geweckt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Голыми выгнали на улицу.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nackt auf die Straße getrieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И опять часа два мы стояли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wiederum blieben wir zwei Stunden lang stehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пришёл »блокфюрер«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann kam der Blockführer.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß er?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как его звали ?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не знаю его фамилии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kenne ihn nicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Знаю, что »унтершарфюрер« по званию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kenne seinen Namen nicht. Ich weiß nur, daß sein Dienstgrad Unterscharführer war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Таким образом, мы целый месяц были на этом карантинном блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf diese Weise blieben wir einen ganzen Monat lang in diesem Quarantäneblock.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поляки говорили, что наш транспорт пойдёт на Дору, на подземный завод. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Polen haben uns gesagt, daß wir nach Dora gehen werden in eine Fabrik für unterirdische Arbeiten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Что спустят нас под землю, после чего ни один человек оттуда не возвращается.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Daß wir unter Tage gebracht werden, und danach kommt kein Mensch wieder raus.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но, почему-то, на Дору нас не отправили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber aus irgendeinem Grund sind wir doch nicht nach Dora geschickt worden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Часто приходил на карантинный блок начальник отделения Политического отдела Аушвица по приёму »гефтлингов« и по обработке русских военнопленных Ганс Штарк. Как я тогда узнал от старых »штубистов« и от »блокалтестера«-поляка, который по-русски говорил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einige Male kam auf unseren Quarantäneblock der Leiter der Politischen Abteilung, wie ich das von den Tschechen und Polen – und zwar nicht von den neuen Tschechen und Polen, sondern von denjenigen, die schon lange dort gewesen sind, von den Stubenältesten, der Stubenälteste war Pole und sprach etwas russisch – erfahren habe, mit Namen Hans Stark. Der war zuständig für die Aufnahme und Bearbeitung der russischen Kriegsgefangenen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Тогда он [+ Ганс Штарк] был молодой человек...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war damals ein junger Mann.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Типа стиляги, очень хорошо одевался.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sehr gut angezogen, im Typ des Halbstarken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У него всё было пригнано, и форма, и сапоги, видимо, точно сделал, по мерке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sehr modern angezogen, alles war sehr genau, die Stiefel und die Uniform, alles nach den Vorschriften, sehr schön.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лицо у него было очень симпатичное.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sein Gesicht war sehr sympathisch.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Даже доброе, казалось.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Gesicht schien sogar gut zu sein.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но что он вытворял с заключёнными!

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber das, was er getan hat mit den Häftlingen, als er kam

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я просто считал его патологическим садистом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Darauf stützte ich meine Meinung, daß er ein pathologischer Sadist gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он выстраивал голых заключённых

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er ließ die nackten Häftlinge sich aufstellen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Брал хлыст или палку

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nahm einen Stock oder eine Peitsche

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И бил их по половым органам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und schlug ihnen damit auf die Geschlechtsorgane.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом люди, уцелевшие из 13 тысяч первой группы военнопленных в Аушвице, рассказывали, что он так же обрабатывал и первый транспорт военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wie später die Kriegsgefangenen erzählt haben, diejenigen, die von den 13.000 sowjetischen Kriegsgefangenen am Leben geblieben sind, hat er auf diese Weise ebenfalls die erste Gruppe der sowjetischen Kriegsgefangenen bearbeitet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Наши два свидетеля, которые ждут вызова вашего Суда, [...] Мишин и Полежаев, лично пострадали от Ганса Штарка, когда он их бил по половым органам палкой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unsere zwei Zeugen, die jetzt auf die Ladung des Gerichtes warten, Mischin und Pogoschew, sie haben persönlich auf die Geschlechtsorgane mit dem Stock von Stark geschlagen bekommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так закончился наш карантин.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Damit endete unsere Quarantäne.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И я попал в команду »баугоф«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich kam in das Kommando Bauhof.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И жил на 17-ом блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und lebte auf dem Block 17.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это против лагерной кухни.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war gegenüber der Lagerküche.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Würden Sie bitte mal an der Karte zeigen, wo diese sogenannte Effektenkammer war, Block 26, wo dann der Quarantäneblock 2 war und wo schließlich der Block 17 oder, wie Sie früher gesagt haben, 17a war?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

17. — Может быть, Вы будете так добры показать на карте, где находилась »эффектенкаммер«, это 26-ой блок, потом блок второй. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это центральная »брама«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist das Haupttor.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это столовая.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist die Küche.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это »бакляйдскамера«. Нет, сначала, 17-ый блок вот

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zuerst mal hier der Block 17.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Где жила команда »баугоф«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wohnte das Kommando Bauhof.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это был карантинный блок, первый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist hier der Quarantäneblock Nummer 1.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Этот вот – »альте вешерай« между ними.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und da dazwischen, das ist die alte Wäscherei.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом я на »баугоф« работал до марта.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe auf dem Bauhof bis zum März gearbeitet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И с помощью Организации сопротивления лагеря

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und mit Hilfe der Untergrundbewegung im Lager

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Через »арбайтиста«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwischen den

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das wollen wir nachher.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Меня сумели

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Это потом.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Weiter aussagen. Also wir haben

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Да, меня сумели перевести в команду »багляйтскамеры« в 27-ой блок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Gelang es ihnen, mich in den Block des — Какого коммандо ?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Бекляйдунгскаммер«.

 

Vorsitzender Richter:

Wo war die?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unterzubringen. — Где она была?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это вот 27-ой блок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war hier der Block 27.

 

Vorsitzender Richter:

27. So, dann nehmen Sie bitte wieder Platz.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Пожалуйста, сядьте.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Рядом это вот »эффекткамера« была.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und hier daneben ist die Effektenkammer.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда нас пригнали, то вот этой постройки не было между блоками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als man uns dahin getrieben hat, da war dieses dazwischen, dieses Gebäude, noch nicht da.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Постройку потом сделали, грязное бельё мы туда ходили сортировать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Später also hat man dazwischen dieses Gebäude aufgerichtet, und hier brachten wir die schmutzige Wäsche zum Sortieren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В первой части этого барака было »почтелле«, почта.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im ersten Teil dieser Baracke war die Poststelle

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А во второй части был склад для сортировки грязного белья.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der zweite Teil, das war die Stelle, wo man die schmutzige Wäsche sortiert hat.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. [Pause] Zu diesem Abschnitt möchte ich einige Fragen noch an den Zeugen richten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

К этому периоду времени я бы хотел несколько вопросов Вам поставить.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пожалуйста.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bitte sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Ist es richtig, daß Sie bei Ihrer Einweisung einen Vermerk auf Ihre Karten bekommen hatten, »Rückkehr unerwünscht«?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правда ли это, что когда Вы были привезены в лагерь, на Ваших бумагах была пометка » Rückkehr unerwünscht«. Это значит, »Возвращение нежелательно«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я сам не мог, этих документов видеть. Когда я оформлялся на »шрайштубе«, уже в лагере, на »эффекткамере«, то поляк-»шрайбер« видел. Он мне сказал: »тебе – капут«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich konnte das selbst nicht feststellen. Aber als ich in der Effektenkammer meine Papiere in Ordnung gebracht habe, dort in der Schreibstube hat der Schreiber, ein Pole, zu mir gesagt: »Du wirst kaputt sein.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там нас в три плана фотографировали и какую- то, заполняли личную карточку с бумагами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden dort von drei Seiten aufgenommen, und man hat unsere Personalkarte ausgefüllt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я в архиве нашёл эту карту и эти фотокарточки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe im Archiv diese Karte und die Lichtbilder später gefunden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот это моя карточка

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist mein Bild

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Из эсэсовского архива.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aus dem SS-Archiv.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nein, ich möchte jetzt noch mal zurückkommen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

А на карте потом обнаружилось, что стоял какой-то секретный грифф, который переводится как »Мрак и туман«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf diesem Papier war ein Vermerk, irgendein Chiffrevermerk, das später auf diese Weise gedeutet wurde, daß es bedeutete Nebel und Dunkelheit.

 

Vorsitzender Richter:

Nebel und Dunkelheit

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Dunkelheit. [...] »Nacht- und Nebel«.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Nacht- und Nebel«. »Nacht- und Nebel«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, »Ночь и туман«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Ночь и туман«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun sagen Sie bitte, wann haben Sie zum ersten Mal Kenntnis bekommen von diesem Vermerk?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вы первый раз узнали об этой пометке »Ночь и туман«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

После войны уже, когда мы получили из архивов эту карточку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das geschah nach dem Kriege bereits, als man aus dem Archiv dieses Bild bekommen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das, nach dem?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach dem Kriege.

 

Vorsitzender Richter:

Nach dem Krieg.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ja, ja, ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als man im Archiv die

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Die Frage, Herr Direktor, ist falsch übersetzt worden. Entschuldigung bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Der Herr Direktor hatte nicht gefragt, wann er Kenntnis bekommen hat von dem Vermerk »Nacht und Nebel«, sondern wann er Kenntnis bekommen hat: »Rückkehr unerwünscht«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, das war ja meines Erachtens der Vermerk.

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Das ist dasselbe.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, war nicht dasselbe.

 

Vorsitzender Richter:

Na, dann fragen Sie bitte den Zeugen noch mal, ob dieser Vermerk »Nacht und Nebel« gleichbedeutend gewesen sei mit dem von ihm vorher angedeuteten Vermerk »Rückkehr unerwünscht«?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но обозначает ли это одно и то же?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это мне сказал писарь, »шрайбер«-поляк, когда оформлялись. Он записывал нам документы. И вот, когда нас снимали во всех видах, он и сказал... »Тебе – капут«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wiederhole noch einmal: Ich habe das selbst nicht gesehen, aber als wir unsere Papiere dort ausgefüllt haben und unsere Aufnahmen gemacht wurden, hat mir der Schreiber, Pole, gesagt: »Mit Dir wird kaputt sein.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом [+ это сказал] следователь Гестапо в [Остравской Мораве ], когда он нам зачитал приговор. За неоднократный побег из лагеря военнопленных я был приговорён к смертной казни. Но, вместо того, чтобы расстрелять во дворе, как они всегда делали, нас – целую группу отправили в Освенцим. Мы так считали, что это для исполнения приговора, который был вынесен Гестапо

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Gestapo-Untersuchungsrichter in Mährisch- Ostrau hat damals uns das Urteil vorgelesen, und ich wurde wegen mehrmaliger Fluchtversuche zur Todesstrafe verurteilt. Und als wir nach Auschwitz gebracht wurden, haben wir gemeint, das ist zur Vollstreckung der Strafe. Daß man das nicht auf dem Hof durchgeführt hat, sondern eben dafür uns ins Lager gebracht hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Тогда в тюрьме сидело 10 тысяч, и там просто, видимо, не управлялись с расстрелами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Damals befanden sich im Gefängnis 10.000 Personen, und es scheint, daß sie einfach nicht fertig wurden mit dem Erschießen von diesen vielen Menschen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich frage den Zeugen deshalb, weil bei seiner Vernehmung am 19. Mai 1964 vor dem Staatsanwalt Kügler der Zeuge folgendes gesagt hat. Wollen Sie es ihm erst übertragen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я спрашиваю Вас об этом потому, что 19-го мая 1964 года, когда Вы были допрошены перед прокурором Кюглером, Вы сказали следующее.Я цитирую.

 

Vorsitzender Richter:

Ich zitiere:

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я цитирую .

 

Vorsitzender Richter:

»Schließlich kamen wir Ende 1942, etwa im November, nach Auschwitz.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»В конце 1942 года в ноябре, приблизительно, нас привезли в Освенцим.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Зимой, да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, im Winter.

 

Vorsitzender Richter:

»Auf unseren Karten, die mitgegeben wurden, stand: Rückkehr unerwünscht«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»На наших картах, которые были вместе с нами, было написано: Возвращение нежелательно.«

 

Vorsitzender Richter:

»Dort, bei der Gestapo in Mährisch-Ostrau, war ein ungarischer Dolmetscher, der uns diesen Vermerk übersetzt hat.«2

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Там, в тюрьме, в Моравской Остраве, был венгерский переводчик, который нам это перевёл.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, венгерского переводчика не было, а там был польский переводчик. Это, видимо,неточность.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das war kein ungarischer, das war ein polnischer Dolmetscher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber das soll doch in Mährisch-Ostrau geschehen sein, während er heute sagt: »Wir haben das erst erfahren von dem Polen, der dort bei dieser Effektenkammer beschäftigt war.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но в первый раз Вы говорили, что это было в Моравской Остраве, а теперь вы говорите, что это было в »эффектенкамере«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, у меня противоречий нет, потому что переводчик нам объявил приговор, который нам вынесли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Этот венгерский?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Польский переводчик в Моравской Остраве. Это переводчик Гестапо. Он нам объявил приговор. Мы уже знали, что мы приговорёны таким образом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der polnische Dolmetscher damals in Mährisch- Ostrau hat uns das Urteil übersetzt. Und auf diese Weise haben wir das erfahren.

 

Vorsitzender Richter:

Tja, also, ich kann Ihnen nur vorlesen, was Sie hier bei Ihrer Vernehmung zu Protokoll gegeben haben.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я могу вам только прочитать то, что вы в прошлый раз во время допроса сказали.

 

Vorsitzender Richter:

Nun weiter.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, видимо, тут не совсем [+ точно], потому что был двойной перевод и, может быть, некоторые неточности вкрались или меня не поняли. Протокол подлежал дальнейшей обработке и подписанию. А я протокол не сумел прочитать и подписать в готовом его виде. Я бы, при читке, эти всё детали выправил так, как нужно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es geschahen vielleicht diese Ungenauigkeiten durch das doppelte Übersetzen. Wenn ich das noch mal durchgelesen hätte, wäre ich vielleicht auf diese Ungenauigkeiten aufmerksam geworden und hätte das geklärt.

 

Vorsitzender Richter:

Welchen Winkel haben Sie dort getragen, in Auschwitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Какой треугольник Вы имели в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

Красный треугольник.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Rot. Den roten Winkel.

 

Vorsitzender Richter:

Hatte der noch eine besondere Kennzeichnung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Был он как-то особенно обозначен, этот треугольник?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет .

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten gesagt, einen roten Winkel mit dem Buchstaben R.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что это был красный треугольник с буквой Р .

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да .

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

So. Was bedeutete das R?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что обозначала эта буква Р?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Русский.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Russe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun sagten Sie, daß bereits in Mährisch-Ostrau Ihnen eine Art Todesurteil vorgelesen worden sei.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы, значит, сказали, что уже в Моравской Остраве был Вам прочитан приговор к смертной казни?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так переводчик нам сказал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So hat uns der Dolmetscher das gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Hatten Sie damals auch Ihre Personalien angeben müssen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Нужно ли было тогда подать относительно Вас личные данные? Имя, фамилию, и так дальше?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я на свою фамилию везде был [+ записан].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich lief überall unter meinem Namen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лебедев, Александр.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Lebedev, Aleksandr.

 

Vorsitzender Richter:

Auch Ihren Beruf?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И Ваша профессия тоже была [+ указана]?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, безусловно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Ihren Dienstgrad beim Militär?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И Вы подали также [+ сведения] о том, в каком военном чине Вы были?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это они не спрашивали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Danach hat man nicht gefragt.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht. Was haben Sie als Beruf angegeben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А как Вы назвали тогда свою профессию?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сейчас вспомню, уже давно было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Gleich werde ich mich daran erinnern, das ist schon so lange her.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wo haben Sie denn Ihren Beruf zum erstenmal angegeben, in Mährisch-Ostrau oder im Lager Auschwitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Где Вы первый раз назвали свою профессию, в Моравской Остраве или в Освенциме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В [Моравской Остраве].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Mährisch-Ostrau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там уже был протокол, допрос, приговор.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wurde das Protokoll aufgenommen, war die Vernehmung und auch das Urteil.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben bei Ihrer Vernehmung hier in Deutschland gesagt: »In der Schreibstube der Personalabteilung saß glücklicherweise ein Pole, der mir geraten hat, weder meinen Dienstgrad noch meinen Beruf anzugeben. So gab ich an, ein einfacher Soldat und von Beruf Techniker oder Chemiker zu sein.«3

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Auschwitz?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»К счастью, в персональном отделении в Освенциме был поляк, который мне тогда посоветовал не называть ни моей профессии, ни моего военного звания.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Oфицерского военного звания.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»И потому я назвался простым солдатом, а профессию назвал: техник.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, кажется ещё, »техник-химик«. Вот я вспомнил, совершенно верно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ja, jetzt erinnere ich mich: sogar »Technikerchemiker«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Техник – »химикер«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Technikerchemiker« habe ich angegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Aber was hatte das für einen Sinn, wenn Sie vorher in Ihren Akten und in Ihren Papieren etwas anderes angegeben hatten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но какой же в этом был смысл, если Вы раньше уже сообщили в протоколе и в Ваших бумагах другое звание и другую профессию?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, и в [Моравской Остраве] я так же говорил, наверное.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, wahrscheinlich habe ich es in Mährisch- Ostrau genauso gesagt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что, если бы я в Аушвице сообщил другое, то ведь они же могли бы сличить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn ich nämlich in Auschwitz etwas anderes angegeben hätte, dann hätten sie doch mal das...

 

Vorsitzender Richter:

Nachgeprüft.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nachprüfen können.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поляк единственное сказал, что интеллигенции здесь, в Аушвице очень плохо [+ придётся].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Pole hat lediglich gesagt: »Der Intelligenz geht es hier im Lager sehr schlecht.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Назовись, лучше, рабочим«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Und deswegen gebe dich einfach als Arbeiter aus, das ist besser.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Es fällt mir nur auf, wenn Sie das vorher schon angegeben hatten, daß Sie sich dann wörtlich ausdrücken: »In der Schreibstube saß glücklicherweise ein Pole, der mir geraten hat, weder Dienstgrad noch Beruf anzugeben.« Das heißt doch: Wenn der unglücklicherweise nicht dort gesessen hätte, hätte ich auch noch meinen Beruf und meinen Dienstgrad richtig angegeben.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я обращаю на это внимание, поскольку Вы во время Вашего допроса сказали, что »к счастью, сидел поляк, который мне посоветовал не называть ни моей профессии, ни моего военного звания«. Это слово »к счастью« обозначает, что если бы там, на несчастье был кто-нибудь другой, то Вы, может быть, всё это сообщили бы? Да?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, из гестаповской тюрьмы они запрашивали лагерь военнопленных и, наверное, так и записывали. Я так понимаю?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Gestapo-Gefängnis hat man wahrscheinlich im Kriegsgefangenenlager nachgefragt und es so geschrieben, wie es dort angegeben wurde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что они говорили: »Если вы бежали, [убив постовых], то мы вас завтра повесим.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil sie uns gesagt haben: »Wenn ihr geflüchtet seid und dabei den Posten ermordet habt, dann werdet ihr morgen aufgehängt.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А когда, две недели они нас не вызывали на допрос – видимо,проверяли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als sie uns dann zwei Wochen lang nicht zum Verhör gebracht haben, dann haben sie es sicherlich während der Zeit nachgeprüft.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И всё это выяснили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und all diese Sachen geklärt.

 

Vorsitzender Richter:

Na. Nun etwas anderes. Sie haben bei Ihrer Vernehmung eben den Angeklagten Stark belastet und haben von ihm erzählt, daß er die Leute so wüst geschlagen hätte. Warum haben Sie das nicht vor ein paar Monaten gemacht, nämlich am 19. Mai 64, als der Staatsanwalt Kügler Sie vernommen hat?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сейчас в Ваших показаниях Вы говорите о подсудимом Штарке и очень сильно обвиняете его в том, что он зверски избивал заключённых. Почему Вы об этом не сказали во время Вашего допроса, который вел несколько месяцев тому назад прокурор Кюглер?

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, wenn ich vielleicht folgendes einwerfen darf: Auf Blatt 5 der Vernehmung befindet sich die Angabe, daß der Zeuge auch noch Aussagen über Boger, Klehr, Hantl, Breitwieser, Lucas, Capesius und Mulka machen könnte. Den Angeklagten Stark habe er im Lager auch gekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich will nicht diese Vernehmung jetzt irgendwie werten. Aber wenn ich das im Zusammenhang sehe, so glaube ich doch, daß der Zeuge hier vornehmlich wegen Doktor Lucas befragt worden ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Er hat aber auch von Stark erzählt auf Seite 10 der Vernehmung. Und hat auf Seite 10 etwas angegeben, was er nicht selbst gesehen, sondern was er von anderen gehört hat. Wenn er also schon von Stark gesprochen hat, da fällt es mir auf, daß er diese Sache nicht angegeben hat. Bitte schön, würden Sie ihm das sagen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Прокурор Кюглер пометил здесь, что Вы в конце протокола сказали, что готовы будете ещё сказать о Мулке и обо всех тех, кого он перечислил, кроме подсудимого Штарка. На это обращает внимание председатель: на странице 10-ой Вы написали о том, что Вы слышали относительно подсудимого Штарка от других людей. Почему же Вы тогда не сказали того, что Вы сейчас говорите?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, вспоминая карантинный блок, я вспомнил. У меня не электронный мозг. Там каждый день убивали в течении двух лет, и каждый факт я не могу хорошо помнить. Но при допросе прокурор Кюглер сказал, что, поскольку на Штарка, на Богера, на других очень много свидетельских показаний, то, дескать, больше [+ в дополнительных показ aниях] суд, может, и не нуждается. Он просил меня сконцентрировать внимание на том, что я помню о Лукасе, о других подсудимых. [...] Поэтому я концентрировал на этом внимание. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jetzt, nachdem ich über die Quarantänezeit ausgesagt habe, fielen mir verschiedene Einzelheiten wieder ein. Ich habe kein Elektronengehirn und konnte mich an Verschiedenes gleichzeitig nicht entsinnen. Und dann, während meiner Vernehmung durch den Staatsanwalt Kügler, hat er mir gesagt, daß ich mich auf bestimmte Angeklagte konzentrieren soll. Daß über Stark, Boger und andere bereits viele Zeugen ausgesagt haben. Ich soll mich auf Lucas und andere beschränken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но в конце допроса я сказал, что могу также дать Суду показания и о Богере

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber am Ende der Vernehmung habe ich gebeten zu vermerken, daß ich auch in der Lage bin, über andere auszusagen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И о Штарке, и о Брейтвизере, который был »коммандофюрер« »бекляйдунгскамер« наших.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Über Stark, Boger und auch über Breitwieser. — который был?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Коммандофюрером Коммандо багляйтскаммер«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der in der Bekleidungskammer Kommandoführer gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, Sie wurden dann in dem Bauhof eingesetzt und hatten dann eine Verletzung. Stimmt das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, тогда Вас определили в команду »Баухоф«, и там Вы получили какое-то ранение, или заболели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я был зачислен в рабочую команду

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wurde einem Arbeitskommando zugeteilt

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По разгрузке всякого материала на платформе.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar zum Ausladen verschiedenen Materials auf der Plattform.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там [+ привозили] строительные материалы: цемент, лес.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war Baumaterial, Lehm, Zement und Holz.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там был, я не помню его фамилии, »коммандофюрер« и »капо« Вилло

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Капо?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вилло, кажется, был »капо«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вилли

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они оба, вместе [убивали] каждый день из сотни человек – по двадцать, по тридцать. Мы все несли мёртвых на »аппель« через »браму«, под музыку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also, jeden Tag haben wir dort diese Arbeiten verrichtet. Und der Kommandoführer und ein Kapo namens Willi, glaube ich

 

Vorsitzender Richter:

Willi, Willi.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ja, ja, Willi.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hat dann im Durchschnitt aus einer Gruppe von 100 Personen 20 bis 30 direkt an Ort und Stelle getötet, so daß wir die Leichen mittragen mußten, damit die Zahl stimmt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это страшная команда была.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein schreckliches Kommando.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда нечего было разгружать, то [+ нас] заставляли целыми днями носить камни огромные, [+ а сами] стояли с палками и беспрерывно били.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn man nichts hatte zum Ausladen, hat man die Häftlinge gezwungen, Steine zu schleppen. Und sie standen herum mit den Stöcken und schlugen auf die Häftlinge ein.

 

Vorsitzender Richter:

Nun kamen Sie wann weg von diesem Kommando?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И когда Вы ушли из этого »коммандо«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там я познакомился с »фолькдойчем форарбайтером« Лауренц.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort habe ich einen volksdeutschen Vorarbeiter Laurenz kennengelernt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Его команда ходила на разгрузку платформ в другую сторону лагеря, не на »баугофе«, а на склад пиломатериалов. И он, узнав что я русский из Москвы, взял меня в свою команду. Видимо хотел меня спасти, избавить от смерти.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dieses Kommando, in dem er als Vorarbeiter tätig war, arbeitete auf der anderen Seite zum Ausladen von Sägewerkmaterialien. Und er wollte, als er erfahren hat, daß ich Russe aus Moskau bin, mich anscheinend retten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда не было эсэсовцев, мы ничего не делали, сидели у костра.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war so ein Kommando, wenn keine SS-Männer dabei waren, da haben wir nichts getan und am Feuer rumgesessen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там не убивали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort hat man nicht getötet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы даже доставали немножко с »Канады«– из ямы помойной – разных объедков, гнилой картошки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir haben dort aus »Kanada« aus den Abfällen sogar Kartoffeln bekommen. Stückweise.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wie sind Sie dahingekommen, zu dem guten Kommando?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И как Вы туда попали, в это хорошее »коммандо«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот это [+ благодаря] »капо« Лауренцу, я уже объяснил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ja eben erklärt, daß dieser Kapo Laurenz mir hat

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Он очень хорошо относился к русским.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der war den Russen gegenüber sehr gut eingestellt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сочувствовал нашей жестокой судьбе в Освенциме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hatte Mitgefühl mit unserem Schicksal, mit unserem schweren Schicksal in Auschwitz.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что в Освенциме хуже, чем к русским и к евреям, ни к кому так не относились.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil in Auschwitz hat man keinen schlimmer als die Russen und die Juden behandelt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я считаю его настоящим, гуманным человеком.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ihn so aufgenommen wie einen humanen, wirklichen Menschen.

 

Vorsitzender Richter:

Ist es richtig, daß Sie dort krank geworden sind in dem Kommando Bauhof?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но это правда, что Вы там заболели, в этом »коммандо«? Первом, »баухоф«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я болел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich war krank.

 

Vorsitzender Richter:

Was bekamen Sie für eine Krankheit?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Чем Вы там болели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У меня было фронтовое ранение в шею.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hatte eine Kriegsverletzung am Hals.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И [+ рана] всё время гноилась.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und diese Verletzung eiterte immerfort.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну и тогда я весь покрылся экземой и фурункулами от страшного голода.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als ich dann mit Ekzem und mit Furunkulose vor Hunger ganz bedeckt war

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Единственное было лечение: мы умывались собственной мочой по утрам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da gab es nur ein Mittel: Wir haben uns jeden Morgen mit unserem eigenen Urin gewaschen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она как-то дезинфицировала, прижигала немножко.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das hat irgendwie desinfiziert und etwas geätzt. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Kamen Sie auch in den Krankenbau?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И Вы попали потом в больницу?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, у меня был большой нарыв. Абсцесс.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich hatte einen Abszeß, ein Geschwür.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И я попал в больницу

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich kam in den Krankenbau

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На 20-ый блок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf den Block 20. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah dort mit ihm?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И что там было?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Меня оперировали там два поляка.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wurde ich von zwei Polen operiert.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Александр Гурецкий, который прекрасно говорил по-русски

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aleksander Górecki, der ausgezeichnet Russisch sprach

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И известный всем Деринг.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der allen bekannte Dering.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Тот самый Деринг, который сейчас, кажется, в Лондоне.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Derselbe Dering, der, glaube ich, jetzt in London ist.

 

Vorsitzender Richter:

Dann kamen Sie vom Bauhof zu welchem Kommando? Wie hieß das Kommando, wo Sie da hinkamen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как называлась эта хорошая команда, в которую Вы попали после »баухофкоммандо«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она была составной частью команды »баугоф«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aha, das war ein Teil des Bauhofkommandos.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И жили на том же 17-ом блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir haben in dem gleichen Block 17 gewohnt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но это был какой-то взвод, если армейским языком говорить, который работал на складе пиломатериалов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber das war, wenn man so in der Militärsprache sprechen soll, ein Zug, der nur für diese bestimmten Materialien zuständig war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Все комманды были по 100 человек, а у нас было 30 человек.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die anderen Kommandos, die bestanden aus 100 Personen, und wir hatten nur 30 Personen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это была прямо какая-то аристократическая команда. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ja so ein aristokratisches Kommando gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann kamen Sie dort weg?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И когда Вы оттуда ушли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ушёл я в конце марта.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich ging Ende März davon weg.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в апреле

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, und im April

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Меня перевели в »бегляйтскамеру«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wurde ich der Bekleidungskammer zugeteilt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это сделал всё тот же Лауренц... [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das wurde von dem gleichen Laurenz bewerkstelligt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Который познакомил меня и ещё несколько русских с Эрнстом Бюргером. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ernst Burger. Das hat derselbe Laurenz bewerkstelligt, der mich und einige andere Russen mit dem Ernst Burger bekannt gemacht hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он работал »шрайбером« на 4-ом блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er war als Schreiber auf dem Block 4 tätig.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом, как я узнал в дальнейшем, он был одним из руководителей подпольного движения сопротивления.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wie ich auch später erfahren habe, war er einer der Führer der Untergrundbewegung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sagen Sie bitte, wo war die Bekleidungskammer untergebracht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Где находилась эта »бекляйдунгскамера« снабжения?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

Это не снабжение. Мы сортировали грязное бельё.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, wir haben dort die schmutzige Wäsche sortiert. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Block wieviel?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Где она находилась?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На 27-ом блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war auf dem Block 27.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? War das nicht in dem Block 16?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Не было ли это в блоке 16-ом? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, на 16-ом блоке эта команда жила.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dieses Kommando lebte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, aber ihre Wohnungen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ihre Wohnungen waren in 16. Und die Bekleidungskammer selbst war in 27.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Команда »бекляйдскамеры« жила на 16-ом блоке, на втором этаже.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also das Kommando der Bekleidungskammer wohnte im zweiten Stock des Blocks 16.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А на 16-ом [+ блоке] внизу была команда инженерного бюро – »баугоф«, которая ездила на работу в Катовице.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und unten, im ersten Stock, befand sich das Ingenieurkommando vom Bauhof. Die nach Kattowitz fuhren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Их, 8 человек, в июле 43-го года повесили в столовой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und aus diesem Kommando wurden acht Personen 1943 aufgehängt. Im Juli 1943.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie in dem Kommando Bekleidungskammer?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как долго Вы оставались в этом »коммандо«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всё время, вплоть до перевода на »Буну« Фарбен-Индустри.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ganze Zeit, ununterbrochen. Bis ich zu den Buna-Werken, IG Farbenindustrie, versetzt wurde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это, значит, весь 43-ий год. [...] И до июля или августа 44-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das heißt das ganze Jahr 1943. Und, so scheint mir, bis Juli, August 1944.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wurde er da zwischendurch auch einmal in dem Elektrikerkommando beschäftigt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А Вы в это время, в этом промежутке тоже работали в команде электриков?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не работал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe nicht gearbeitet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это было задание подпольного центра – организации, которая организовывала походы на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war die Aufgabe der Untergrundbewegung. Die organisierte die Ausflüge nach Birkenau.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не только я ходил, но и другие русские ходили, и французы ходили, и чехи. Делалось это так.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf diese Weise ging nicht ich, sondern die anderen auch, die Tschechen, Franzosen, Polen. Es war folgendermaßen:

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Арбайтист« лагеря, »гефтлинг« Круммэ [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war der Häftlingsvorarbeiter des Lagers [...] Krumme

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он, по-моему, сейчас в Мюнхене живёт.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, der wohnt zur Zeit in München.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

Эрнсту Бюргеру давали наши номера, тех, кого нужно было включить в эту »бау-гляйтунг«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also dieser Ernst Burger bekam dann unsere Namen, und diese Namen sollten auf die Liste kommen — [+ Должны были] быть включены куда?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В эту комманду электриков

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Namen mußten diesem Elektrikerkommando zugeteilt werden

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Которая выполняла работы на территории всего лагеря и на Биркенау часто ходила.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zu dem Kommando der Elektriker, die auf dem Gebiet des ganzen Lagers ihre Arbeiten zu verrichten hatten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und das war wie lange, daß Sie mit diesen Elektrikern gegangen sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew :

Как долго Вы с этими электриками работали?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

День-два, когда в команду включат. Между прочим, »капо« команды брал за это страшные взятки. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ja so: Ich wurde dann so für ein, zwei Tage diesem Kommando zugeteilt. Und dafür bekam der Kapo des Kommandos auch Geld.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он требовал золота, водки, сигарет.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er verlangte Gold, Zigaretten, Schnaps dafür.

 

Vorsitzender Richter:

Er sagt aber bei seiner Vernehmung vor dem Staatsanwalt: »Während dieser Zeit arbeitete ich im August 43 und im März 44 je zwei Wochen lang bei dem Elektrikerkommando der Bauleitung.«4

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я несколько раз там был. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали во время Вашего показания перед прокурором, что в августе 43-го года и в марте 44-го года Вы по две недели работали в этом »командо«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, и не только два раза, много раз. Наверное, раз 15 я в этой команде работал По два дня, по неделе, по пять дней.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und nicht nur diese zwei Mal, sondern ich habe vielleicht 15 Mal insgesamt in diesem Kommando gearbeitet, so zwei Tage lang, fünf Tage lang.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann kamen Sie nach Buna?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А когда Вы перешли в Буну?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В Буну – в июне. [...] В июне или летом, в конце

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Juni oder Juli. Das war Ende des Sommers.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В конце лета, кажется. В последние два-три месяца.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die letzten zwei Sommermonate.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в сентябре, в октябре нас вывезли в Нойенгамме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und September, Oktober wurden wir nach Neuengamme gebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Уже с Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bereits aus Birkenau. Von Birkenau aus.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас из Буны вернули на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden von Buna nach Birkenau zurückgebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом погрузили в транспорт, уже в Нойенгамме отправили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dort kamen wir in den Transport nach Neuengamme.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я даты [+ сейчас точно не назову]. 20 лет прошло, очень трудно [+ вспомнить]. Могу только говорить: зимой, летом, осенью, весной.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn man es gewußt hätte, hätte man sich da Notizen gemacht, aber jetzt nach 20 Jahren hat man nur in Erinnerung: Sommer, Frühling, Herbst oder Winter.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом, с точки зрения физиологии и психики, »гефтлинги« были очень ослаблены.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann vom physiologischen und psychischen Standpunkt aus: Die Häftlinge, die waren ganz geschwächte Menschen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мозги все были [отшиблены], и многое не помнишь, конечно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Gehirn arbeitete nicht mehr so. Und deswegen erinnert man sich an vieles nicht mehr.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

С огромным трудом всё вспоминаешь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit großer Mühe erinnert man sich jetzt an alles.

 

Vorsitzender Richter:

Ist es richtig, daß Sie im September 44 von Buna aus verladen wurden und nach Neuengamme gebracht wurden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но это правда, что в сентябре 44-го года Вы из »буны« были переведены транспортом в Ноенгамме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, сначала на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, zuerst nach Birkenau.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там недели две мы были, на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort blieben wir so ungefähr zwei Wochen lang.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда жгли венгерские и еврейские транспорты.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als man die jüdischen ungarischen Transporte verbrannt hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом нас погрузили

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann wurden wir verladen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всех русских.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle Russen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

Там и другие национальности попали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und die anderen Nationalitäten kamen auch noch dazu.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И доставили нас в Нойегамму.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir wurden nach Neuengamme gebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом в Бремен.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele Russen wurden damals verladen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сколько русских там было?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Около 3-х тысяч.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zirka 3.000.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Neuengamme?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И они попали в Нойенгамме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, потом, значит, нас перевели – только русских и немцев – перевели в Бремен.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann wurden wir, nur Russen, die anderen Nationalitäten nicht, nur Russen und Deutsche, nach Bremen gebracht. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы работали там на фабрике. Концлагерь около какой-то фабрики был, там машины, делали. По-моему, самоходки или транспортёры военные.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben dort für eine Fabrik gearbeitet. Das Konzentrationslager befand sich neben einer Fabrik, die hat so Maschinen gemacht, Autos und Transportmittel.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом был налет английской авиации.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann kam der englische Angriff. Englische Luftwaffe.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И от этой части города ничего не осталось. И две бомбы попали в дом, где располагался наш концлагерь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und von diesem Stadtteil blieb dann nichts übrig. Zwei Bomben fielen in unser Lager.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Много [+ людей] сгорело и было убито.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Viele verbrannten und wurden getötet.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele ungefähr von den 3.000?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сколько, приблизительно?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы разбежались все в каналы тогда. Дом горел, не было времени и возможности это подсчитывать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es ist sehr schwer zu sagen. Wir sind alle dann davongelaufen. Haben uns in Kanälen versteckt, das Haus brannte. Also, man konnte ja nicht zählen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben einmal gesagt: »Von den 3.000 Russen blieben noch 300 übrig.«5 Stimmt das etwa?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но вы когда-то сказали, что из этих 3-х тысяч осталось только 300 [+ человек]?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это потом ешё, мы в Бохуме были.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das ist später. Wir waren noch in Bochum.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

После Бремена эсэсовцы нас выловили на полях.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Danach, in Bremen, hat uns die SS auf den Feldern aufgelesen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это было человек 800, около 1000.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir waren so 800 bis 1.000 Personen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Погрузили в транспорт.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden verladen in einen Transport

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И отправили в Бохум.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und nach Bochum geschickt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лагерь барачного типа находился около большого металлургического завода.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Lager, so eine Barackenart, befand sich in der Nähe einer metallurgischen Fabrik.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Здесь мы тоже попали под страшную бомбёжку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und hier haben wir wieder furchtbare Luftangriffe erlebt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ночью было, не знаю, чьи самолёты, кто? Но и завод был расшиблен [разрушен] и весь наш лагерь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich weiß nicht, wie viele Flugzeuge und welche Flugzeuge es waren, ich weiß nur, daß die ganze Fabrik [...] getroffen wurde. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Дней пять мы разбирали завалы, откапывали трупы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir ungefähr fünf Tage lang die Leichen herausgeholt haben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всех раненых эсэсовцы добили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle Verwundeten wurden von den SS-Männern erschossen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом нашу колонну погнали из Бохума в Бухенвальд.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und unsere ganze Kolonne wurde dann aus Bochum nach Buchenwald getrieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В пути тоже очень много погибло.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unterwegs sind auch sehr viele umgekommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы шли на Эзенах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir gingen Richtung Eisenach.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На Ваймар, на Ваймар.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Richtung Eisenach, Weimar.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Из 3-х тысяч, выехавших из Освенцима, до Бухенвальда дошли человек 300, видимо.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir kamen nach Buchenwald, eben von diesen 3.000 Russen, etwa 300 an.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И там освободились. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

300. Und dort wurden wir befreit.

 

Vorsitzender Richter:

Oder haben Sie sich selbst durch einen Aufstand befreit?

 

Dolmetscherin Kapkajew :

Вы сами освободились, восстанием?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В Бухенвальде мы восстанием освободились.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, durch einen Aufstand befreiten wir uns selbst.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo sind Sie dann hingegangen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И куда вы тогда пошли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сначала пришли американцы – наши союзники.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zuerst kamen die Amerikaner, unsere Alliierten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Правда мы, бывшие заключённые, три дня сами обороняли эту гору Бухенвальдскую.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Drei Tage lang übrigens haben wir, die Häftlinge, selbst den Buchenwaldberg verteidigt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А когда пришёл первый эшeлон американской армии, [...] нас попросили всех опять зайти в лагерь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als der erste Zug der amerikanischen Armee kam, hat man uns gebeten, wieder ins Lager zu gehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но нам разрешили – большой группе, около семисот человек – участвовать в обороне этой горы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat uns aber erlaubt, so ungefähr 700 Personen, bei der Verteidigung dieses Berges teilzunehmen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что американцы пошли вперёд, дальше.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Amerikaner gingen nämlich weiter vorwärts.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А второй эшелон американской армии ещё не пришёл.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der zweite Nachschub der amerikanischen Armee ist noch nicht gekommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы пять дней сами управлялись.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir haben fünf Tage lang uns selbst...

 

Vorsitzender Richter:

Verteidigt.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Waren uns selbst überlassen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом, после обороны, мы пошли на восток, навстречу Советской армии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach der Verteidigung gingen wir dann Richtung Osten, der Sowjetischen Armee entgegen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И за Лейпцигом, там город Тропау

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hinter Leipzig, in der Stadt Troppau

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы встретили наши передовые части.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Haben wir unsere Vorhuten getroffen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben die Ihnen aufgegeben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И что они Вам поручили?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они нас накормили, переодели.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben uns zu essen gegeben und Kleidung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Дали отдохнуть.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Haben uns Zeit gelassen, uns auszuruhen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И выдали нам солдатское и офицерское обмундирование.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat uns die Uniformen dann angezogen, Soldaten- und Offiziersuniformen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы влились опять в армию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir kamen wiederum zur Armee.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Принимали участие в [+ сражениях на] южном направлении под Берлином. В боях мы не участвовали, только в тыловых службах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben auch teilgenommen südlich von Berlin. Wir haben nicht an den Kämpfen teilgenommen, aber im hinteren Teil der Front.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И также под Прагой, потому что 5-я танковая армия, которой мы были переданы...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und auch bei Prag.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она от Берлина совершила рейс на Прагу, для её освобождения.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und auch, weil die 5. Panzerarmee — танковая армия, что она сделала? Пожалуйста, ешё раз.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она из-под Берлина была переброшена для освобождения Праги.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil diese fünfte Panzerarmee von Berlin aus nach Prag zur Befreiung der Stadt geschickt wurde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В тот День Победы.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie Sie nun wieder nach dem Krieg nach Rußland zurückgekommen sind, was haben Sie dann gemacht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А когда вы после окончания войны прибыли в Россию, что Вы тогда делали?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

С мая до августа мы были в Германии, поправляли своё здоровье. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also von Mai bis August blieben wir in Deutschland und haben uns etwas um unsere Gesundheit gekümmert.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В августе мы выехали домой, на родину. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im August fuhren wir dann nach Hause.

 

Vorsitzender Richter:

Und zu Hause?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что дома было?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Дома? Ну, что дома бывает? Я не понимаю вопроса.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, was denn zu Hause? Ich verstehe die Frage nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun, haben Sie zu Hause gleich wieder in Ihrem Beruf gearbeitet, oder?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Начали вы сразу работать по Вашей профессии дома?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы прошли небольшую спецпроверку государственную.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben eine kleine staatliche Prüfung durchgemacht, wurden überprüft.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Наши власти проверяли, не были ли мы во Власовской армии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unsere Behörden haben festgestellt und überprüft, ob wir nicht in der Wlassow-Armee gewesen sind

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну вот, убедились они, что мы всё время находились в концлагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Haben sich überzeugt davon, daß wir die ganze Zeit im Konzentrationslager gewesen sind.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас демобилизовали из армии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir wurden dann demobilisiert.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И я пришёл опять на свою прежнюю работу в »Медицинскую газету«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich kam dann wieder zurück auf meinen alten Posten bei der medizinischen Zeitschrift.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я работаю в ней 25 лет, со дня её организации.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich arbeite in dieser Zeitschrift seit 25 Jahren vom Tage ihrer Gründung an.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Um das Kapitel abzuschließen, wollte ich Ihnen nur vorhalten aus Ihrer Vernehmung vom 19. Mai 64 vor dem Staatsanwalt Kügler, wo Sie auf Seite 5 sagen: »In Rußland wurden wir arg von den Berija-Behörden in die Zange genommen. Wo wir waren, was wir getan haben, wollten sie wissen. Man warf uns vor, daß wir für die Faschisten gedient haben. Dank unserer ausländischen Freunde, den Deutschen, den Polen und den Tschechen, die zu hohen Posten in ihren Ländern gekommen waren, wurde ich ungeschoren gelassen. Es gelang mir, durch die Aussage meiner ausländischen Kameraden genau zu beweisen, daß ich mit der Wlassow-Bewegung nichts zu tun hatte.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В Ваших показанях перед прокурором Кюглером Вы сказали, что власти Берии Вас тогда довольно сильно взяли в щипцы, проверяли, что Вы делали, и где были, и как Вы провели это время, и что, »благодаря нашим приятелям, немцам, полякам и чехам, которые в своих странах заняли высокие должности, удалось доказать, что мы не работали с фашистами, не служили во Власовской армии«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, наши власти вынуждены были делать такую проверку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, unsere Behörden waren gezwungen, so eine Überprüfung durchzuführen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но мы не были ни репрессированы, ни притеснены, с точки зрения работы, жизни.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber wir erlitten keine Repressalien im Hinblick auf unsere Arbeit, unser Leben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Просто очень детально выясняли, чем мы занимались эти годы у немцев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat lediglich ganz detailliert festgestellt, was wir alle diese Jahre hindurch bei den Deutschen

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie haben uns vorhin gesagt, daß Sie verschiedene dieser Angeklagten kennen und daß Sie von ihnen uns etwas berichten können.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что знаете некоторых из подсудимых, которые находятся здесь, и что Вы могли бы что-то о каждом из них сообщить.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn wir vielleicht mal anfangen wollen bei dem ersten, den Sie genannt haben. Das war Boger. Was wissen Sie von Boger?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Начнём с первого, о котором Вы говорили. Богер, что Вы можете сказать о нём?

 

Vorsitzender Richter:

Wieso kennen Sie ihn, bei welcher Gelegenheit haben Sie ihn kennengelernt, und was wissen Sie von ihm?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Откуда Вы его знаете, при каких условиях Вы с ним познакомились и что Вам известно?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вильгельма Богера я сначала лично не знал в Освенциме, но слышал молву о нём.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zuerst habe ich den Wilhelm Boger in Auschwitz nicht gekannt. Ich kannte nur seinen Ruf im Lager.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

От поляков, от чехов, от самих немцев, заключённых.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich hörte über ihn von Polen, von Tschechen, von den Deutschen selbst, die Häftlinge im Lager waren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Что после »рапорфюрера« Палича, отличавшегося жестокостью, Богер был, пожалуй, на втором месте. »Ходячая смерть« его звали, »летучая смерть«. Он всегда ездил на велосипеде и развлекался охотой на »гефтлингов«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man sagte, daß nach dem Rapportführer Palitzsch, der bekannt war durch seine Grausamkeit, an zweiter Stelle der Boger war, den man »fliegenden Tod« nannte. Er fuhr herum mit dem Fahrrad und amüsierte sich auf die Weise, daß er die Häftlinge quälte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Называли ещё Грабнера, кто он там был? Начальник? »Политише абтайль«? Я не знаю.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man nannte auch Grabner dabei. Ich weiß nicht genau, aber ich glaube, er war Leiter der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В марте 43-го года мне лично, »посчастливилось«, в кавычках, побывать в руках у этого Богера.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und im März 1943 ist es mir gelungen, in Anführungszeichen natürlich, ein wenig in den Händen von diesem Boger gewesen zu sein. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Зима была ещё, холодно.

 

Richter Perseke:

Ich habe nicht verstanden.

 

Vorsitzender Richter:

Im März 43 gelang es ihm, in die Hände von Boger zu kommen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es war noch Winter, es war noch kalt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как раз мы работали в этой команде Лауреанц по разгрузке пиломатериала, реек и досок

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir waren eben in diesem Kommando von Laurenz tätig beim Ausladen von Sägewerksmaterialien.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, это было: как из лагеря выходишь – направо.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und das war, wenn man aus dem Lager rausging, rechts.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В углу там.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Rechts in der Ecke.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И там же была вечно тлеющая яма, где сжигали продукты с сожжённых транспортов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dort befand sich auch ein fortdauernd brennendes Loch, wo die Lebensmittel aus den angekommenen Transporten verbrannt wurden. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Их обливали чем-то, не то бензином, не то нефтью, и в ямах так сжигали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, sie wurden mit Benzin oder mit einem anderen Mittel begossen und angezündet.

 

Vorsitzender Richter:

Also wir haben bisher von den Zeugen gehört, daß diese Lebensmittel abgefahren worden wären.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но мы слышали от свидетелей, что продовольствие, которое было в транспортах, собирали и отвозили.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, я не знаю, как по всему лагерю, но знаю – были две ямы, и мы на них кормились, всей командой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich weiß nicht, wie es im ganzen Lager gewesen ist. Aber es waren zwei solche Löcher, und unser ganzes Kommando profitierte eben davon. [...] Wir ernährten uns damit.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы подходили к этой яме, бросались в огонь, захватывали руками, что можно захватить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir kamen an diese Löcher heran, wir warfen uns ins Feuer, und mit den Händen zogen wir das raus, was noch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Noch nicht verbrannt war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Попадался хлеб заплесневелый, чёрствый. Банки с вареньем.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort befand sich Brot, bereits verfault und trocken. Und auch Konfitüre in Dо sen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И даже банки с салом иногда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Manchmal auch Dosen mit Speck.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В хлебе мы несколько раз находили запечёные золотые вещи.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir fanden einige Male im Brot Wertgegenstände, die dort eingebacken wurden. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie kamen Sie nun mit Boger auf diese Weise zusammen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ну, и каким образом, Вы там с Богером встретились?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы из команды ходили по очереди. Одни работают, двое идут к этой яме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also wir arbeiteten auf diese Weise: Der eine Teil arbeitete und zwei gingen dann in diese Grube.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А когда приносили всё вместе, это разогревали, делились друг с другом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann brachte man aus der Grube die Sachen wieder zu den anderen, und es wurde dann geteilt untereinander.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это называлось в лагере: »организир«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das nannte man im Lager »organisieren«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что паёк, который мы получали в порядке нормы, больше годился для того, чтобы уморить с голоду.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil diese Tötungsrationen, die wir bekommen haben, das war ja nun...

 

Vorsitzender Richter:

Zu wenig, ja.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я пошёл с двумя поляками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich ging also dorthin an die Grube zusammen mit zwei Polen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я их помню.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich erinnere mich an diese Polen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это было Мариан...

 

Vorsitzender Richter:

Benes.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Бенес, Мариан. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich erinnere mich an diese Polen, der eine hieß Marian Benes.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И Иосиф Комаровский, по-моему

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und Józef Komorowski, glaube ich.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У одного номер был 31.100 с чем-то

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Nummer von einem war 31.100 und soundso viel

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кажется, 31.218 вот, или 220.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, 31.218 oder 31.219, so was. Ich glaube, 218.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А у другого было 87.000, кажется. [...] С тремя нолями. Это были очень близкие мои друзья

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit drei Nullen. Es waren sehr nahe Freunde von mir.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Оба говорили немножко по-русски.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Beide sprachen ein wenig Russisch.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И вот мы были втроём, и неожиданно со стороны подъехал на велосипеде Богер.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir gingen also zu dritt. Und plötzlich kam von einer Seite her unerwartet Boger auf seinem Fahrrad.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он всегда ездил на велосипеде и появлялся почему-то неожиданно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er fuhr immer mit dem Fahrrad und tauchte immer so unerwartet auf, aus irgendwelchen Gründen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не знал, что это Богер.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wußte nicht, daß es Boger war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что до этого я его никогда не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bis dahin habe ich ihn niemals gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы, побросав все, что набрали, бросились бежать

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir, nachdem wir alles, was wir in den Händen hatten, auf die Erde geworfen haben, zu entfliehen begannen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По направлению к этим складам пиломатериалов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Richtung von diesen Lagern mit den Sägewerksbeständen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он стал кричать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Fing er an zu schreien.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом стал стрелять.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann begann er zu schießen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я как раз завернул за штабель и поэтому видел, что Мариана Беника [...] он убил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also ich sah, daß er Marian Benes [...] getötet hatte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И догнал меня.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann kam er auf mich zu.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Увидел, что у меня русский знак.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er bemerkte, daß ich das russische Zeichen habe

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Почему-то он, он третий выстрел в меня не сделал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und aus unverständlichen Gründen hat er den dritten Schuß auf mich nicht abgegeben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А взял железную палку, такой »дрот«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hatte eine eiserne Stange.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И гонялся за мной до потери сознания.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und hat mich gejagt bis zur Bewußtlosigkeit.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но я всё еще не знал, что это Богер.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich habe immer noch nicht gewußt, daß es Boger ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И потом, когда уже меня команда подобрала избитого, он мне выбил здесь, с обоих сторон, [+ зубы]. Так они у меня до сих пор и не вставлены.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als mein Kommando mich dann aufgelesen hat, nachdem ich ja von ihm geschlagen wurde. [...] Nachdem er mir die Zähne ausgeschlagen hat, bis heute habe ich sie noch nicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом ударил меня по оконечности позвонка. Копчик отбил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann hat er mich auch ins Kreuz mit der Stange geschlagen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я потом целый месяц ходил согнутый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich ging einen ganzen Monat in mich zusammengesunken und gebeugt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И боялся попасть в газкамеру при селекции.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil ich ja Angst hatte, daß ich bei der Selektion in die Gaskammer komme.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я потерял сознание. Он меня очень избил. И когда команда меня принесла уже под блок на »аппель« вечерний – там порядок такой, что мёртвых и живых, ослабших, сами члены команды несли на плечах через »браму«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich verlor das Bewußtsein und fiel. Das Kommando las mich dann auf. Es war nämlich eine Sitte im Lager, also es war so die Ordnung, daß man zum Abendappell alle mitnehmen mußte. Man hat die Geschlagenen auf dem Buckel getragen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На »аппеле« поддерживали с двух сторон товарищи.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Beim Appell wurde ich von zwei Seiten gestützt. Von den Kameraden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так »аппель« и прошёл. Потом привели меня на 20-ый блок, после »аппеля« уже.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So ging dann der Appell vorbei. Und danach wurde ich auf den Block 20 gebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Осмотрел меня доктор Александр Гурецкий, по кличке »Олек«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Doktor Aleksander Górecki hat mich untersucht. Man nannte ihn »Olek«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это был начальник 5-ой »штубе кранкебау« 20-го блока Ковальский.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war der Leiter der fünften Stube im Krankenbau in Block 20.

 

Vorsitzender Richter:

Was geschah mit dem Komorowski?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что случилось с Комаровским? С этим другим [+ поляком]? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По-моему, он [+ Богер] его тоже застрелил, потому что он [+ Комаровский] был принесён и под блоком лежал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich glaube, er wurde auch von ihm erschossen. Man hat ihn nämlich auf den Block gebracht, und der lag ja dort.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что все мёртвые лежали под блоком на »аппеле«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil alle Toten, die lagen während des Appells.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Блокфюрер« ходил и списывал номера в рапорт.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Blockführer ging herum und notierte sich die Nummern im Rapport.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это каждый день повторялось.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das wiederholte sich jeden Tag.

 

Vorsitzender Richter:

Ist der Benes, ist er auch zurückgebracht worden? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что было с Бенесом [+ Мариан Бенес] его тоже привели или принесли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Его принесли мёртвого.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat ihn tot zurückgebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И потом уже в команде и на блоке и поляки и все сказали, что это был Богер.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann später im Kommando und auch auf dem Block hat man gesagt, daß es Boger gewesen sei.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот я так познакомился с Богером.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

So lernte ich Boger kennen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А на допросах в »политише абтай« я ни разу не был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war niemals in der Politischen Abteilung bei den Vernehmungen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Хотя за нарушение порядка в »бакляйтскамере« они присуждали мне два раза по 20 ударов резиновой палкой по заднему месту, как штрафное наказание.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wurde lediglich zweimal, zur Strafe wegen Überschreitung der Ordnung in der Bekleidungskammer, dazu verurteilt, daß man mir 20 Hiebe auf das Hinterteil mit Gummiknüppeln gegeben hat. Zweimal à 20.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie Boger dann noch einmal im Lager gesehen oder bei anderen Gelegenheiten noch Mal erlebt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы потом ещё встречали Богера в лагере или при других обстоятельствах?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, в лагере встречал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich habe ihn im Lager getroffen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он и по лагерю-то часто ездил на велосипеде.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er fuhr auch oft durch das Lager auf einem Fahrrad.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я видел, как он двух поляков гонял по лагерю на этом же велосипеде.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gesehen, wie er zwei Polen, auf dem Fahrrad sitzend, durch das Lager jagte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И за какую-то провинность загнал их в пространство между двумя проволочными ограждениями, которые под электрическим током. Так я его второй раз видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er stellte sie zwischen zwei Drähte, die unter Strom standen, für irgendein Vergehen.

 

Vorsitzender Richter:

Wie soll ich das verstehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwischen die Drähte.

 

Vorsitzender Richter:

Er stellte sie zwischen die Drähte?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как это, он поставил их между проволок?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А вот одна и другая проволока под током. Между ними пространство. И пока ещё эсэсовцы с »гефтлингом« не начали заниматься, всегда ставили его в ограждение под током. Человек никуда не мог деться. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aha, zwei Drähte, die unter Strom standen, also zwei Linien.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это такое временное заключение.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der Häftling, wenn sie keine Zeit hatten, sich in dem Augenblick mit ihm zu befassen, wurde dorthin gestellt: Er konnte also nicht entfliehen und mußte dort stehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это там, ближе к Комендатуре, где был Политический Отдел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist dort in der Nähe, wo die Kommandantur und die Politische Abteilung gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ich weiß nun nicht, wie das mit den zwei Drähten zu verstehen ist. Wir haben bisher immer gehört, daß es einen nichtgeladenen Draht und einen geladenen Draht gab. Und daß zwischen dieser beiden Drähten es verboten war, sich überhaupt zu bewegen. Wer sich zwischen diesen beiden Drähten bewegte, wurde gewöhnlich von der Postenkette erschossen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мы слышали, что были две линии: одна под током, а другая без тока. И что там, посередине между этими двумя проволоками никто из узников не мог стоять, потому что тогда стреляли в него.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я лично на Буне два раза сам стоял, за провинность.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich persönlich, als ich bei Buna gewesen bin, stand auch wegen eines Vergehens so dazwischen.

 

Vorsitzender Richter:

So. Das war Boger. Von Stark haben Sie uns bereits erzählt, daß er Sie in der Kälte und im Schnee zwei Stunden habe stehen lassen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы говорили о Богере. О Штарке Вы уже рассказали, как он заставил Вас два часа стоять голым под снегом, на морозе.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это на карантине.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war während der Quarantäne. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Was wissen Sie sonst noch von...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что Вы ещё знаете о нём? [...] О Штарке.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Штарк имеет отношение к факту уничтожения 25.000 военнопленных в Освенциме. Я не ошибаюсь: 25.000, а не 13.000.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, also von Boger habe ich dann nichts mehr gesehen. Das ist nur, was ich gehört habe. Was Stark anbetrifft: Stark steht im Zusammenhang mit dem Problem der Vernichtung von 25.000 sowjetischen Kriegsgefangenen. Ich irre mich nicht, das sind keine 13.000, das sind 25.000.

 

Vorsitzender Richter:

Woher wissen Sie diese Zahl, und was wissen Sie?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Откуда Вам эта цифра известна?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это известно по освенцимским архивам, которые захватила Советская армия.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist bekannt aus den Archivmaterialien, die in Auschwitz von der Sowjetischen Armee erbeutet wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

13.000 военнопленных – это привезённые с августа по октябрь в 41-ом году.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die 13.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, das sind diejenigen, die in der Zeit zwischen August und Oktober 41 da hingebracht wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом в лагерь непрерывно доставляли русских военнопленных по приказу Мюллера и Гиммлера, который [+ документ] находится сейчас у меня в папке. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Danach kamen immerfort ins Lager die sowjetischen Kriegsgefangenen nach dem Befehl von Müller und Himmler. Die befinden sich hier, diese Befehle, bei mir. Hier in der Tasche habe ich die Unterlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, Sie selbst hatten wohl keine Gelegenheit, sich über diese Zahl eigene Anschauungen zu bilden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сами, наверное, не имели возможности составить собственное мнение относительно этих 25.000, на основании собственных...

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда я был в лагере, то нам уже тогда хорошо известно было от старых номеров [+ от уже находившихся здесь узников] об этих первых эшелонах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als ich im Lager gewesen bin, da war es uns durch die alten Lagerhäftlingen sehr gut über die ersten Transporte der Kriegsgefangenen bekannt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они [+ это число жертв] всё-таки правильно определялись поляками и самими немцами-заключёнными.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Zahl der ersten Transporte wurde ganz richtig von den Deutschen und Polen im Lager bestimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Ermittelt worden, ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ermittelt worden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в дальнейшем мы старались, когда уже действовала подпольная организация сопротивления, вести негласно статистику какую-то, хотя бы в уме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir selbst bemühten uns später, als diese Untergrundbewegung tätig gewesen ist, während dieser Arbeit die Statistik, wenigstens in Gedanken, festzuhalten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы знали о минском транспорте военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es war uns ein Minsker Transport der Kriegsgefangenen bekannt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы знали об эстонском транспорте военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es war uns ein estnischer Transport der Kriegsgefangenen bekannt

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда привезли обмороженых, безруких, безногих, и всех сожгли в газовой камере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als man die Personen mit erfrorenen Händen und Füßen gebracht hat und alle in den Gaskammern verbrannt wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это, видимо, период Мульки, он прекрасно об этом знает.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war wohl in der Periode von Mulka, der wird ja ausgezeichnet davon wissen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И потом попадали такие военнопленные, как я.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann kamen ja solche Kriegsgefangene wie ich.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По приказу Мюлллера в концлагерь направлялись для уничтожения 5 категорий советских военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach dem Befehl von Müller wurden ins Konzentrationslager fünf verschiedene Gruppen von Kriegsgefangenen gebracht, zwecks Vernichtung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

За бегство.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also erstens wegen Flucht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

За отказ от работы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wegen Arbeitsverweigerung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

За саботаж.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wegen Sabotage.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

За политическую неблагонадёжность.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wegen politischer Unzuverlässigkeit.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Определяли эту [степень надёжности] Особые отделы, которые были созданы при каждом лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und diese politische Unzuverlässigkeit wurde von besonderen Abteilungen, die in jedem Lager organisiert wurden, bestimmt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И в приказе Мюллера говорится: и те военнопленные, на которых нельзя в условиях стационарного лагеря наложить большую меру взыскания, но они нежелательны, тоже должны быть отправлены в концлагерь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann noch solche, die laut Befehl von Müller mit keiner größeren Strafe im Rahmen der Lagerordnung bestraft werden konnten, die jedoch unerwünscht waren. Die mußten ebenfalls ins Konzentrationslager gebracht werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, würden Sie uns diese Befehle von Müller, die Sie eben angeführt haben, einmal überreichen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Могли бы Вы нам передать то, что у Вас имеется, об этих приказах Мюллера?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они тут, они на русском языке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die sind ja nur in der russischen Sprache.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Государственное издательство.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist eine Staatsveröffentlichung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Здесь собрано, здесь собрано более ста приказов [Кейтеля] Иодля, Гиммлера, Мюллера, Розенберга по поводу уничтожения советских военнопленных. Сейчас я найду.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hier sind 100 verschiedene Befehle von Keitel, von Jodl. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Na, ich dachte, Sie hätten die Befehle in irgendeinem Original da.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das ist nur in einem Buch.

 

Vorsitzender Richter:

In einem Buch, schön. Danke schön.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Подлинники находятся в Москве, а часть – у профессора Алексеева, нашего эксперта по этому процессу. Он сейчас ожидает визу в Берлине.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ein Teil dieser Dokumente im Original befindet sich im Archiv in Moskau, und ein Teil ist in den Händen von unserem Sachverständigen, Professor Alexejew, der auf sein Visa in Berlin wartet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich hätte nun gern von Ihnen gewußt, welche Rolle Stark dabei spielte und wieso Sie das wissen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Меня бы интересовала роль Штарка, которую он играл во всем этом, и что Вам об этой его роли конкретно известно?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Штарка я лично видел только вот на карантинном блоке. Его развлечения, были чисто мальчишеские развлечения, как мне казалось.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe Stark persönlich nur während der Quarantänezeit gesehen. Es schienen so richtig jugendliche Amüsements gewesen zu sein.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И к его облику такое зверство как-то даже и не подходило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zu seinem Bild paßte eigentlich so eine furchtbare Grausamkeit nicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но потом удалось установить что-то о Гансе Старке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Was gelang es später über Hans Stark festzustellen.

 

Vorsitzender Richter:

Was heißt »später«?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что значит »позже« установить?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Позже«– это когда мы уже встретились с несколькими военнопленными, которые [выжили] из этой партии в 13 тысяч.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich meine »später«, als wir zusammen mit denjenigen kamen, die von den ersten 13.000 übriggeblieben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt also im Lager Auschwitz, ja?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это значит, ещё в лагере, в Освенциме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, в лагере, в те годы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, noch in diesen Jahren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На Биркенау 96 человек работало.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Birkenau arbeiteten 96 Personen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И у нас в »штаммлагере« несколько человек было таких, в некоторых командах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und einige Personen in verschiedenen Kommandos im Stammlager.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом руководители движения сопротивления, [давние узники], и немцы, поляки, антифашисты, чехи, французы, которые попали ещё в 40-ом году, в 41-ом в лагерь. Я просто заинтересовался судьбой моих соотечественников и старался как-то узнать о том, что тут произошло?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich erfuhr dann auch von den Deutschen, Polen, Tschechen und Franzosen, die alte Häftlinge gewesen sind, die bereits im Jahre 40 und 41 im Lager waren, was für ein Schicksal meine Kameraden erlitten haben. Das interessierte mich, was da geschehen ist mit unseren Kriegsgefangenen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они рассказали, что Ганс Штарк вместе с Паличем расстреляли группу советских комисаров-военнопленных [...] в мертвецкой крематория, экспериментальном крематории номер первый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die haben erzählt, daß Hans Stark zusammen mit Palitzsch eine Gruppe von sowjetischen Kommissaren in der Leichenhalle des Krematoriums I erschossen hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вводили по двое и стреляли в затылок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben sie zu zweit dann hingeführt und mit Genickschuß getötet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это мне рассказали, сам я этого не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das hat man mir erzählt. Das habe ich mit eigenen Augen nicht gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Также два поляка, один – польский офицер Разинский, видел из 20-го блока, из 27-го, когда газовали экспериментальную...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Из 20-го или 27-го?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Из 20-го блока, и потом один немец ещё был из 27-го блока.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как газовали? — Also, dann war noch ein polnischer Offizier namens Rasiński, der aus dem Block 20, und später ein Deutscher aus dem Block 27, beobachtet hat, wie man

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

По-моему, фамилия его была Бертольд.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, der Name von dem Deutschen war Berthold.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он был профессор медицины.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein Professor der Medizin. Die haben beobachtet, wie man vergast hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И работал на двадцатом блоке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der hat im Block 20 gearbeitet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они видели, как советских военнопленных 600 или 700 человек 13-го сентября силой загоняли в эти подвальные бункеры.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben gesehen, wie 600 oder 700 sowjetische Kriegsgefangene am 13. September 1941 mit Gewalt in unterirdische Bunker getrieben wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Am 13. Dezember

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

September.

 

Vorsitzender Richter:

September.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

September, да, да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

1941

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

41, ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In die Bunker mit Gewalt getrieben wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И там ещё часть больных, кажется, поляков.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich glaube, noch dazu ein Teil von Kranken, Polen wohl.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда вот этот [+ немец Бертольд], с 27-го блока расказывал, я уже был в лагере. Блоки были двухэтажные.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als dieser Mann aus dem Block 27 darüber erzählte, da war ich bereits im Lager, und die Blocks waren zweistöckig.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я спросил: » Kак это с 27-го блока можно было через 20-ый видеть, как загружали бункеры 11-го блока?« Потому что там всё загорожено было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe dann gesagt: »Wie ist es möglich gewesen, daß man aus dem Block 27 durch den Block 20 sehen konnte, was in den Bunkern von Block 11 geschah?«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Оказывается, в то время блоки были одноэтажные, потом их надстроили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich wurde aufgeklärt darüber, daß damals die Blocks noch einstöckig gewesen sind, daß man später angebaut hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И вот они сказали, что в этом эксперименте, испытании »Циклона« принимали участие Гэс, Фричи, его заместитель, Ферч. Нет, или Фричи, или Ферч, я уж не помню фамилий хорошо.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben also erzählt, daß bei diesem Experiment mit Zyklongas, Höß und Fritzsch oder Förtsch6 – der Stellvertreter von Höß – teilgenommen habe.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Палич.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Palitzsch.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Штарк присутствовал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Palitzsch, Stark waren dabei

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, и другие работники политического отдела.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und andere Angehörige der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они других фамилий не называли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben keine weiteren Namen genannt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Намекали, что был и Барецкий, или Далецкий. Фамилии там ещё какие-то, но я точно этих фамилий не помню.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben noch irgendwelche Namen, wie Baretzki oder Dalezki7 erwähnt, aber genau kann ich mich an die Namen nicht entsinnen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А вот эти первые четыре-пять фамилий я помню хорошо.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber die ersten drei, vier Namen, die habe ich gut in Erinnerung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На второй день, когда были вскрыты двери, как они рассказывали, то ещё часть военнопленных были живы в этих подвалах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die haben erzählt, daß am zweiten Tage, als die Türen aufgemacht wurden, ein Teil von den Kriegsgefangenen noch lebte

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И, будто, Штарк вместе с Паличем дополнительно забрасывали туда коробки »Циклона«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und daß angeblich Stark und Palitzsch noch zusätzliche Zyklonmengen reingeworfen haben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Польский офицер Разанский потом с командой присутствовал при разгрузке этих бункеров.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Später war der polnische Offizier Rasiński dabei, als man diese Bunker geräumt hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он рассказывал страшные вещи.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hat ja schreckliche Sachen darüber erzählt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Люди стояли битком набитые, как поленья.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Daß die Menschen so dicht wie Heringe nebeneinander gepreßt standen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И когда открыли дверь, они падали, как поленья.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als man die Tür aufgemacht hat, dann fielen sie einfach auseinander.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Третий случай, который был известен.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der dritte Fall, der bekannt war

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Тоже в 41-ом году. Провели газацию советских военнопленных, но не в подвалах 11-го блока, а в покойницкой экспериментального крематория.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war noch eine Vergasung von sowjetischen Kriegsgefangenen, aber nicht mehr in dem Bunker des Blocks 11, sondern in der Leichenhalle des Krematoriums.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там было 900 человек.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wurden 900 Personen vergast.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В крыше были проделаны дыры, и через них забрасывали этот »Циклон«. Дыры потом затыкали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf dem Dach wurden Öffnungen gemacht, da rein wurde Zyklon B eingeschüttet, und dann später wieder zugemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Von wem?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А кто это делал?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По-моему, та же команда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es wurde, glaube ich, von dem gleichen Kommando gemacht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Русской проблемой занимался Политический отдел. По инструкции Гиммлера и Мюллера.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit dem Problem der sowjetischen Kriegsgefangenen beschäftigte sich die Politische Abteilung nach der Instruktion von Müller und Himmler.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Даже в его приказе есть [+ раздел] »Oбработка«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что это такое?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Называется »Обработка русских военнопленных«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war die »Bearbeitung der sowjetischen Kriegsgefangenen«, so war der Ausdruck.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Уже после войны на Краковском процессе Гесс, подтвердил этот факт уничтожения 900 военнопленных. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Später, während des Krakauer Prozesses gegen Höß8, hat der die Vernichtung der 900 sowjetischen Kriegsgefangenen bestätigt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я могу коротко зачитать из его показаний, если нужно. Н o я думаю, что суд располагает этими данными.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn Sie wünschen, dann kann ich die Aussagen von ihm Ihnen noch vorlegen, von Höß. Aber ich nehme an, daß Sie auch darüber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wir sind bereits im Besitz, ja. Nun

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Они это имеют.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, war die erste Vergasung am 13.9. oder am 3.9.?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда это было, 13 сентября или 3 сентября 41-го года?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В лагере говорили о двух датах. Одни уверяли, что это было 13-го, другие говорили – 3-го сентября.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Lager gab es zwei Versionen darüber: die eine, daß es am 13. September, und die zweite, daß es am 3. September 41 gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben das erzählt bekommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я лично слышал всегда о 13-ом сентября.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich persönlich habe immer vom 13. September gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben bei Ihrer Vernehmung früher einmal außer Stark auch noch die Namen Dylewski und Klehr genannt. Haben Sie von denen was gehört, daß sie bei diesen Vergasungen teilgenommen haben sollen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Во время Ваших показаний перед прокурором, Вы ещё говорили о Дилевском и Клере. Слышали ли Вы что-нибудь о том, что они тоже принимали участие в этой газации?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но я уже сказал сейчас. [...] В показаниях, что первые пять фамилий я запомнил. Это – Гесс, Фриче, Палич, Штарк, Грабнер. Так рассказывали немцы и поляки. Сейчас, через 20 лет трудно вспомнить. Я полагаю, что было похожее что-то на Барецкий, Дулевский. Работали ли они в то время в »Политише« отделе, я не знаю.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also ich habe eben in meiner Aussage gesagt, daß ich mich an die fünf Namen von Personen, die dabeigewesen sind, sehr gut erinnere, und das waren Höß, Fritzsch, Palitzsch, Stark und Grabner. Die anderen Namen, das ist nach 20 Jahren so schwer, sich daran zu erinnern, aber es kommt mir so vor, als ob Baretzki, Dylewski dabei [+ waren]. Ob sie zu dieser Zeit in der Politischen Abteilung tätig gewesen sind, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, haben Sie außerdem von Broad etwas sagen wollen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Хотели бы Вы что-нибудь ещё сказать о подсудимом Броаде?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, я о Штарке ещё не всё сказал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich möchte noch weiter über den Stark etwas sagen. Ich bin noch nicht fertig mit ihm.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Те четыре свидетеля, бывших военнопленных из первой группы, лично подвергались обработке Штарком. Они очень просят Суд Присяжных вызвать их, чтобы они могли дать свои показания. Меня он [+ Штарк] не бил, я не попал в эту компанию, а двух [+ этих военнопленных] он лично бил по половым органам. Однажды из 40 советских военнопленных он убил, кажется, 28 человек. Это всё на их глазах происходило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja. Ich wollte nur dem Gericht sagen, daß die vier Zeugen, die jetzt in der Sowjetunion leben und auf ihre Ladung warten, daß sie dem Schwurgericht in Frankfurt sehr dankbar gewesen wären, wenn das Gericht ihnen die Möglichkeit gegeben hätte, das, was sie persönlich von Stark erlitten haben, zum Ausdruck zu bringen. Ich persönlich wurde von ihm nicht geschlagen, aber die vier Zeugen, die wurden von Stark persönlich geschlagen. Sie wissen darüber, daß aus einer Gruppe von 40 sowjetischen Kriegsgefangenen [28] Personen von Stark persönlich getötet wurden. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und das sind welche Zeugen, wie heißen die?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как фамилии этих четырех свидетелей? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это – Погожев, Стенкин. Они вдвоём бежали из Биркенау. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Zeugen heißen Pogoschew, Stjenkin. Die beiden flüchteten aus Birkenau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Weiter, die nächsten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А как фамилия следующих?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мишин и Васильев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mischin, Wassiljew.

 

Vorsitzender Richter:

Wassiljew. Sagen Sie dem Zeugen, daß er beruhigt sein könne: Diese Zeugen sind auf den 23. und 29. Oktober bereits vorgeladen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich denke, 22. Oktober.

 

Vorsitzender Richter:

Nachmittags auf den 22. beziehungsweise 23. und 29.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich wollte Ihnen danach den Wunsch übermitteln, daß das konzentriert werden könnte auf den 22. und 23. Daß das nicht über den Bogen des 29. geht.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so. Ja, das wird wohl kaum zu machen sein, denn auf den 22., da sind so viele Zeugen geladen, daß wir das nicht mehr unterbringen können. Wir wollten nur am Nachmittag noch beginnen damit.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Суд хочет сказать Вам, что эти 4 свидетеля уже получили приглашение на 22-ое, 23-е и 29-ое октября.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Значит, я больше ничего не могу показать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

О Штарке?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

О Штарке.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann nichts mehr über Stark aussagen.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. Ja. Nun Broad.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Теперь – Броад.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я его не знаю. Слышал его фамилию, что он работал, кажется, на »Политише абтайлунг«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Außer dem Namen weiß ich nichts von ihm. Ich weiß, daß er in der Politischen Abteilung tätig gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В лагере не встречал его никогда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Lager bin ich ihm persönlich nie begegnet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И никаких рассказов о его деятельности не слышал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich habe auch keine Erzählungen über seine Tätigkeit im Lager vernommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Может быть, и рассказывали, но тогда все эти фамилии нам было очень трудно воспринимать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vielleicht hat man etwas erzählt, aber damals war es schwer, die Namen alle zu behalten.

 

Vorsitzender Richter:

Was wissen Sie von Kaduk?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что Вам известно о Кадуке?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лично я не встречал его в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich persönlich habe ihn im Lager nicht getroffen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как все заключённые тоже говорили, он был таким же жестоким зверем, душил людей собственными руками, стрелял. Развлекался.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Häftlinge im Lager sagten, daß er ebenfalls eine grausame Bestie gewesen ist. Daß er die Häftlinge mit eigenen Händen zu würgen pflegte, daß er auf sie schoß, daß er sich auf diese Weise amüsierte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я только знаком с материалами процессов в Советском Союзе, где Кадука судили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe mich lediglich mit den Unterlagen aus dem Prozeß in der Sowjetunion gegen Kaduk beschäftigt.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn Kaduk im Lager überhaupt gesehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вообще-то Вы Кадука в лагере видели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видел. Но свидетелем его зверств я не был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich habe ihn gesehen. Aber irgendwelche Grausamkeiten von ihm habe ich nicht gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но помню, говорили, что вот он убил этого поляка, он убил этого цыгана, он убил этого еврея.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man sagte von ihm, er hat diesen einen Polen oder jenen Juden getötet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie das Bulletin da von dem Auschwitz- Komitee, das sich in Ihrem Besitz befunden hat?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Есть ли у Вас какой либо »Бюллетень международного Освенцимского комитета«, который бы находился в Ваших руках?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Первые три номера. Я видел, читал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ersten drei Nummern der Bulletins habe ich gelesen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das hier?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но остальные, почему-то в Москву

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ob er das hier hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А имеете это при себе?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, здесь нет.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, hier nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. In diesem Bulletin haben Sie wohl auch gesehen die Bilder von Boger, Stark, Broad, Kaduk, Baretzki und Capesius?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы в этом бюллетене видели снимки Богера, Штарка, Броада, Кадука, Барецкого и Капесиуша?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В первом я видел снимки: зал заседаний. Довольно крупным планом и судьи, и обвиняемые.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im ersten Bulletin habe ich die Aufnahme vom Schwurgericht gesehen. Ziemlich deutlich die Richter und die Angeklagten.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso haben Sie darin den Angeklagten Capesius erkannt? Kannten Sie ihn denn schon im Lager Auschwitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каким образом Вы узнали на этом снимке подсудимого Капесиуса? Вы его знали уже в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Капезиуша? Да, я потом буду говорить подробно о врачебно-санитарной службе, которую я очень тщательно и глубоко изучал, интересовался всем, чем только можно, поэтому мне показали главного лагерного аптекаря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, auf den Capesius, da komme ich ja dazu, wenn ich über die Ärzte und Sanitätsdienstgrade im Lager berichte.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ich möchte nur wissen, ob Sie diesen Angeklagten im Lager Auschwitz gesehen und kennengelernt haben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но я хочу только знать, Вы видели в лагере этого подсудимого Капесиуса?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich habe ihn dort gesehen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso haben Sie sich darüber vergewissert, daß es sich hier um den Angeklagten Capesius handelt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И как Вы убедились в том, что это был подсудимый Капесиус?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, это надо говорить обо всей проблеме Военно-санитарной службы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man müßte dann über das ganze Problem des ärztlich-sanitären Dienstes im Lager sprechen.

 

Vorsitzender Richter:

Na, da können wir ja nachher drüber sprechen. Die Frage ist doch ganz einfach: Er hat Capesius wiedererkannt. Und da möchte ich wissen, wieso ihm Gelegenheit geboten war, im Lager Capesius zu sehen und zu wissen, daß es sich bei diesem Mann um Capesius handelt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы на снимке в этом бюллетене узнали Капесиуса. Я хочу только знать: почему Вы [...] решили, что это Капесиус? Кто Вам сказал, что этот человек и есть Капесиус?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он самый. Всех врачей лагеря я [+ знал в лицо]. И Вирца, и Глаубера, и Шумана, и Тило, и Менгеле, и Капесиуса, и Лукаса.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe alle Ärzte im Lager gekannt: den Mengele und Thilo, Schumann, Wirths, Capesius. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe eben nach Capesius gefragt. [...] Wieso haben Sie Capesius gesehen, und wieso haben Sie festgestellt, daß dieser Mann Capesius war?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но почему Вы, увидев Капесиуса, сразу решили, что это он?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что доктор Вилли Юрковиц и доктор Александр Гoрецкий, профессор Бертольд, Деринг, мне показывали: »вот идёт такой-то врач«. [+ Называли] его звание, даже какой университет окончил. Менгеле во Франкфурте на Майне Учился, Шуман в Берлине. Я очень интересовался медицинской интеллигенцией. Как они могли превратить медицину в такое орудие уничтожения людей? [...] Кроме того, конечно, и персонами интересовался. И все врачи-заключенные, которые работали на всех »Кранкебау«,они меня очень [+ интересовали]. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wurde von verschiedenen Leuten, von Willi Jurkowitz, von Aleksander Górecki, von Professor Berthold und von Dering informiert darüber, wie die einzelnen Ärzte im Lager heißen. Auch, wo sie studiert haben. Daß Mengele zum Beispiel in Frankfurt am Main studiert hat und Schumann in Berlin. Ich habe mich für die Ärzte im Lager besonders interessiert. Ich wollte ergründen, wie sie die Medizin in den Dienst der Vernichtung stellen konnten. Wie ist es dazu gekommen?

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso haben Sie Capesius gesehen, und wieso haben Sie sich überzeugt, daß dieser Mann Capesius war?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но каким образом Вы убедились, что это Капесиус?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В лагере говорили, что наши лагерные эсэсовские врачи привозят »Циклон Б« на машинах Красного Креста. Доставляли они и с фирмы, с заводов, из лагеря. И что этой доставкой »Циклона« и распределением его для газовых камер занимался Капезиус, главный аптекарь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Lager sagte man, daß die SS-Ärzte das Zyklon B in den Wagen mit dem Roten Kreuz bringen und daß sich mit der Verteilung dieses Gases der Lagerapotheker Capesius beschäftigte.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Dolmetscherin, sind Sie so liebenswürdig und sagen Sie jetzt dem Zeugen zum dritten und letzten Mal: Es würde mich interessieren, wieso er den Angeklagten Capesius kennengelernt hat, wieso er sich davon überzeugen konnte, daß dieser Mann Capesius war und was der Capesius eigentlich für ein Amt ausgeübt hat in dem Lager, ob das auch ein Arzt war.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каким образом всё же Вы познакомились вообще с Капезиусом, почему Вы убедились в том, что это как раз Капезиус, и каковы были его обязанности в лагере? Почему Вы думаете, что он врач?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мне его показали наши врачи-»гефтлинги«, что это главный аптекарь лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unsere Häftlingsärzte im Lager haben mir ihn gezeigt und gesagt, daß er der Hauptapotheker des Lagers ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я думал, что он снабжает »Кранкебау« лекарствами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gemeint, daß er den Krankenbau mit Medikamenten versorgt.

 

Vorsitzender Richter:

Bei welcher Gelegenheit konnten die Ärzte Ihnen den Apotheker Doktor Capesius zeigen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

При каких обстоятельствах узники-врачи могли Вам показать доктора Капезиуса, старшего аптекаря лагеря

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он иногда заходил и на 20-ый блок, и на 21-ый блок, и на 19-ый блок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, weil er manchmal auf den Block 20, 21 und 19

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

И у »эсэс-ревира« мы его несколько раз видели.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben ihn einige Male beim SS-Revier gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И один поляк мне показывал даже его аптекарский склад, где этот газ хранился.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und eines Tages hat mir ein Pole auch gezeigt, wo sein Apothekerlager gewesen ist, wo das Zyklon B gelagert wird.

 

Vorsitzender Richter:

Bei welcher Gelegenheit haben Sie Baretzki gesehen, und wer hat Sie darüber orientiert, daß es sich um Baretzki handelt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

При каких обстоятельствах Вы познакомились с Барецким? Кто Вам сказал, что это Барецкий? Как Вы убедились в том, что это фактически Барецкий?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Барецкого я не знал в лагере. Я слышал фамилию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Baretzki kannte ich nicht im Lager, ich hörte nur seinen Namen.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso konnten Sie ihn dann wiedererkennen auf den Bildern, die Ihnen gezeigt worden sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каким же образом Вы могли узнать его на снимке?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Где на снимке?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wo? Auf welchem Bild?

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben gesagt, Sie haben ein in russischer Sprache abgefaßtes Bulletin des Auschwitz-Komitees. »In diesem Bulletin sind die Bilder der Angeklagten Boger, Stark, Broad, Kaduk, Baretzki und Capesius zu sehen.«9 Wieso wissen Sie, daß es sich um diese Leute handelt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что в Ваших руках находится »Бюллетень Международного Освенцимского Комитета« на русском языке, и что там есть снимки, на которых подсудимые Богер, Штарк, Броад, Кадук, Барецкий, Капезиус. Откуда же Вам было известно что это Барецкий, если Вы его не знали?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видимо, это какое-то недоразумение. Я Барецкого по снимкам не мог узнать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, es handelt sich um einen Irrtum. Ich konnte den Baretzki nicht auf einem Bild erkennen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Vorsitzender, wahrscheinlich ist das doch sehr schlecht und falsch protokolliert worden

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Davon kann keine Rede sein.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich bitte Sie, ich bitte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, also Herr Rechtsanwalt, das können wir dem Plädoyer vorbehalten, nicht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, ich bitte Sie, das aufzuklären durch eine Frage an Herrn Staatsanwalt Kügler, der ja das Protokoll veranlaßt hat.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das können wir nachher noch tun, wenn wir mit der Vernehmung des Zeugen zu Ende sind, ja?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Denn es steht ja auch, ich darf darauf aufmerksam machen, Herr Vorsitzender

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich kann lesen, ich sehe genau, was da drin steht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich mußte das bezweifeln nach der Frage an den

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Daß ich lesen kann.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein. Aber daß Sie

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Na, also Herr Rechtsanwalt, jetzt wollen wir die Sache nicht weiter ausspinnen. Die Sache wird schon nachher wohl von dem Staatsanwalt Kügler geklärt werden. Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Geklärt werden müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Geklärt werden müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Es wird wohl geklärt werden, habe ich gesagt. Und dabei bleibt es. Nun, Herr Zeuge, weiter. Sie haben uns erzählt von Boger. Sie wollten Aussagen machen auch von Klehr.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы хотели бы ещё что-нибудь сказать о Клере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я могу немного сказать о Клере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich kann ein wenig von Klehr etwas sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Kennen Sie ihn persönlich?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы его лично знаете?

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie etwas persönlich von ihm wahrgenommen, oder haben Sie nur was von ihm erzählt bekommen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сами лично пережили что-то в связи с Клером, или Вам только рассказывали о нём?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, мне его показывали. Я Клера видел за одним его делом, когда он обрабатывал узников.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat mir den Klehr gezeigt. Ich habe ihn einmal bei der Arbeit gesehen, [...] а ls er die Häftlinge bearbeitete. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Клера мы почти каждый день видели, потому что он всегда у 20-го блока, у 19-го, у 21-го, у »Кранкебау«[+ появлялся]. Он был смотрителем »Кранкебау« и начальником дезинфекционной команды. Мы привозили бельё на дезинфекцию. Он делал, кроме того, профилактические уколы против сыпного тифа, брюшного тифа. Настоящие уколы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как санитар?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, как станитар в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also, wir haben den Klehr bei dem Block 20, 19 und 21, auch im Krankenbau, gesehen. Er war Sanitäter und auch Leiter des Desinfektionskommandos. Er hat ja die prophylaktischen Spritzen gegen Typhus und anderes, also richtige, normale Spritzen verabreicht auch. — И что ещё он делал?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это были какие-то его лагерные обязанности.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das waren seine Aufgaben im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Zeuge sagt: »Wir haben gesehen«. Wer war »wir«, und gehört er auch dazu?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали: »Мы его видели около блока 20-го, 19-го, 21-го«. Кто это »мы«? Это Вы и кто-то ещё другой?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это Константин Сорокин, который сейчас живёт в Молдавии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich meine mit »wir«: Konstantin Sorokin. Der jetzt in Moldawien lebt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Приблизительно в июле 43-го года »капо« »бекляйдунгскамеры« Бернард Сверцина велел нам пойти на 20-ый блок с »трагами« для грязного белья и забрать там какое-то бельё.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ungefähr i m Juli 1943 befahl uns der Kapo des Kommandos Bekleidungskammer, Bernard Świerczyna, mit den Tragen zu gehen und vom Block 20 irgendwelche Wäsche abzuholen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда мы вошли в блок, то увидели, что около 60-ти заключённых стоят раздетые.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir in den Block hineingingen, haben wir bemerkt, daß ungefähr 60 Häftlinge nackt dastehen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И выстроились перед кабинетом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und daß sie sich vor dem Zimmer aufgestellt haben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Дверь была не закрыта, а задёрнута простынёй.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Tür war nicht zu, nur mit einem Vorhang verdeckt, mit einem Laken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы забрали это бельё – 98 восемь комплектов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben die Wäsche geholt, das waren 98 Wäschekomplets.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Санитары вводили узников по одному в эту комнату за простынёй.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Sanitäter haben einzeln die Häftlinge hinter diesen Vorhang geführt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И там им делали какие-то уколы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und man hat ihnen dort irgendwelche Spritzen verabreicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы думали, что это уколы, так сказать, лечебного порядка.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben gemeint, daß es Spritzen seien, medizinischer Art, also wegen einer Behandlung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом убедились, что рядом с кабинетом, где вёл приём Клер... это был Клер действительно. Он именовал себя профессором, почему-то.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber später haben wir festgestellt, daß neben dem Sprechzimmer von Klehr – er nannte sich aus irgendeinem Grund »Professor«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Рядом была душевая.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Daß daneben sich ein Duschraum befand.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И когда случайно открыли [+ дверь] в эту душевую, там оказалось полно трупов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als wir diesen Duschraum zufällig öffneten, war der Raum voll von Leichen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы так решили, что эти 98 комплектов, или 86 – я уж точно не помню, около 100 примерно

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Einen kleinen Moment mal. Herr Angeklagter Klehr, es ist hier wirklich nicht zum Lachen. Und ich möchte Sie bitten, das Lachen einzustellen. Verzeihung, Herr Klehr, ich habe Kaduk gemeint. Ich habe Sie nicht gemeint, Kaduk habe ich gemeint. Ich habe mich versprochen. Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

То что тогда?

 

Vorsitzender Richter:

Also, bitte schön.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Повторите, пожалуйста.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда мы с Сорокиным собрали эти около 100 комплектов белья, и погрузили в »траги«, и увидели вот эти труппы, то предположили, насколько это мы тогда могли предполагать, что в кабинет вводят живых, а в душевую выбрасывают труппы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir damals diese etwa 100 Wäschekomplets abgeholt haben und verladen haben und nachdem wir die Leichen gesehen haben, da haben wir gemeint, so wie wir damals überhaupt darüber denken konnten, daß man anscheinend die lebenden Menschen hineinführt und sie später dann als Leichen in den Baderaum tut.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И польский врач Владислав Фейкель, который работал на этом блоке

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ein polnischer Arzt, Władysław Fejkiel, der auf diesem Block arbeitete

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он сейчас, кажется, в Кракове, в медицинской Академии работает

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, er ist jetzt in Krakau in der Medizinischen Akademie und arbeitet dort

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он тогда объяснил нам, что Клер делает инъекцию фенола.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der erklärte uns damals, daß Klehr die Phenolinjektionen verabreicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но через занавеску, когда вводили, я тоже видел Клера, он стоял с очень большим, не нашим медицинским, а ветеринарным шприцем. Очень большой шприц, кубиков на триста.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich selbst habe ebenfalls durch den Vorhang Klehr persönlich gesehen. Er stand mit einer Spritze, mit einer riesiggroßen, so eine Veterinärspritze, in der Hand, so ungefähr für 300 Kubikmeter.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кубических сантиметров.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Kubikzentimeter, Verzeihung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он колол в рёберную часть сердечной мышцы. Через ребро.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und er stach zwischen die Rippen

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сзади, через ребро

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von hinten durch die Rippen.

 

Vorsitzender Richter:

Von hinten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von hinten. — Сзади?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, через ребро.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hinten durch die Rippen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

То есть, узник его не видел перед собой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also der Häftling hat ihn vor sich nicht gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он [+ Клер] стоял сбоку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er stand seitlich.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Хефтлинг« поднимал руку, вот так, и он [+ Клер], если говорить анатомически, делал инъекцию между четвёртым и пятым ребром.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Häftling hob die Hand, und von der Seite, wenn man anatomisch sich ausdrücken soll, zwischen der vierten und fünften Rippe machte er dann diese Injektion.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас тут же прогнали санитары-эсэсовцы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Sanitäter haben uns sofort weggejagt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

До конца мы эту процедуру не видели.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir blieben dort nicht allzu lange und sahen das Bild nicht bis zum Ende.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видели только, что душевая была полна трупов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das einzige nur, daß der Duschraum voll von Leichen gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. War bei dem Klehr bei dieser Gelegenheit noch jemand anders dabei?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Находился ли кто-нибудь ещё вместе с Клером при этом?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Два санитара.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwei Sanitäter.

 

Vorsitzender Richter:

Sanitäter oder zwei Häftlinge?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это были санитары-узники?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, это были санитары-эсэсовцы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das waren SS-Sanitäter.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У Клера было звание капрала, кажется.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, der Klehr war im Rang eines Korporals

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что, когда он напяливал чистый врачебный халат, у него петлицы здесь были видны всегда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil er ja so einen sauberen weißen Kittel da drauf hatte, und man sah seinen Dienstgrad noch da.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wußten Sie, daß das Klehr war?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А откуда Вы знали, что это был Клер?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Kлера мы давно знали. Это главный смотритель госпиталей. Не один раз видели, как он приходил на селекции. Отбирал, осматривал сам больных, проводил дезинфекции. В »бекляйдунгскамере« у нас много раз был. Мы его знали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, wie sollten wir den Klehr nicht kennen? Der war so ein Hauptaufseher für die Krankenblocks. Der kam ja auch oft zu uns in die Bekleidungskammer.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он приходил даже в »бекляйдунгскамеру« к »кап o« к нашему. По-моему, за спиртом или за золотом, не знаю, что он там

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er kam auch zu uns in die Bekleidungskammer, zu unserem Kapo. Ich glaube, um Gold oder Spiritus abzuholen.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, wären Sie so liebenswürdig und würden uns auf einem Blatt Papier einmal diesen Flur zeigen und zeigen, wo der Vorhang war und wo Sie gestanden haben und wo Sie das alles gesehen haben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Нарисуйте нам, пожалуйста, как выглядело это помещение. Какой это был корридор? Где была эта занавеска? Где Вы стояли? Где находился подсудимый? Как это всё выглядело?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так. Это комната была.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Какая комната?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Одну минуточку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hier ist der Korridor, hier standen die Häftlinge.10 Da in der Ecke befand sich diese Wäsche, die abgeholt werden sollte, hier. Hier waren die Tragen, hier haben sie geladen. Da ist der Vorhang. Hier ist das Zimmer, in dem Klehr war. Ich glaube, es stand darauf: »Arztzimmer«. Hier ist die Tür in den Duschraum. Und von der Seite haben wir reingeguckt und gesehen, daß der Duschraum voll von Leichen war.

 

Vorsitzender Richter:

Was heißt von der Seite? Das muß doch hier die Außenwand sein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die andere Tür, hat er gemeint. Ich frage mal gleich. — Как Вы говорите, что Вы с этой стороны видели? Здесь же стена, наверное, была? Или вход это был?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, здесь выход был из душевой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Куда?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В корридор, наверное.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, da war der Ausgang aus dem Duschraum. Ich weiß nicht wo

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Я же здание не изучал. Инженерные проекты не рассматривал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe das Gebäude nicht genau studiert. Ich habe keine Pläne davon gesehen. Aber hier war eine Tür, ein Ausgang von der zweiten Seite.

 

Vorsitzender Richter:

Ich will nicht wissen, ob der Zeuge Pläne gesehen hat, sondern ich will wissen, was sich seinen Augen dargeboten hat. Das ist doch hier offensichtlich der Korridor?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist der Korridor.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und der Korridor geht doch mitten durch den Block durch, und auf beiden Seiten des Korridors waren doch die Räumlichkeiten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hier sind die einzelnen Räumlichkeiten.

 

Vorsitzender Richter:

Räumlichkeiten auf der einen Seite. Und hier auf der anderen Seite. Ja nun, er zeigt doch hier an diesen Raum. Der war doch offensichtlich auf der anderen Seite des Korridors. Und nun, wenn der Korridor mitten durch den Bau geht und links und rechts Räumlichkeiten sind, dann kann natürlich hinter einem kleinen Raum noch ein anderer Raum sein. Der kann auch meinetwegen einen Ausgang nach außen haben. Aber dann müßte das doch hier die Straße sein. So ist meine Auffassung.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я не спрашиваю Вас о планах. Только, если здесь идёт корридор, по одной стороне корридора находятся комнаты.

 

Vorsitzender Richter:

Nun wir haben sie ja wiederholt gesehen, sie können

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

И по другой стороне тоже комнаты.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

По другой стороне находятся

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben wir x-mal

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Тоже комнаты. Здесь комната Клера. Здесь, как Вы говорите, душевая. И здесь выход. Но что дальше? Здесь же стена тогда должна быть

 

Vorsitzender Richter:

[unverständlich] mal sehen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Так, как и с этой стороны. Корридор проходит по середине.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну это в следующую »штубу«, видимо, выход был. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но Вы-то видели с какой стороны? Где вы стояли, когда смотрели в душевую?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы смотрели вот, через занавеску.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ну да, что в душевой были труппы

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в душевых, это потом уже, когда мы вышли из блока, [+ увидели] что душевая полна трупов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит с улицы был вход?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

С улицы, по-моему. С другой стороны, что ли. Я не знаю. Если бы я сейчас поехал в Освенцим, туда, на этот блок, я бы ориентировался лучше.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn ich jetzt nach Auschwitz fahren würde, da würde ich mich besser darin orientieren. Aber so, wie ich mich daran erinnere, da haben wir von hier aus in dieses Zimmer geguckt zwischen dem Vorhang. Und später haben wir reingeguckt in den Duschraum und haben die Leichen gesehen, wie wir fortgingen, vielleicht von der Straße aus. Hier war auf jeden Fall ein

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Планировка блоков в Освенциме была разная. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. [...] Herr Zeuge, ich möchte Sie auf folgendes aufmerksam machen. Wir haben diese Situation jetzt schon vielfach aufgezeigt bekommen, und zwar von Zeugen, die dort in dem Block beschäftigt waren. Diese Zeugen haben uns die Situation alle völlig anders gezeichnet.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я хочу только обратить Ваше внимание на то, что как раз эти случаи нам уже несколько раз описывали другие свидетели, которые работали в этом же самом блоке. И они рассказывали иначе.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поскольку я лишь однажды был таким наблюдателем, а они постоянно работали, то, видимо, они более точны. Я говорю о единичном случае, который совершенно внезапно столкнул меня с этой проблемой. Если бы я знал, что через 20 лет будет проходить этот процесс, а я останусь в Освенциме живым, я бы всё это, может быть, в памяти как-то фиксировал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, da diese Zeugen, wie Sie gesagt haben, dort gearbeitet haben, und für mich war das ein Einzelfall, daß ich es gesehen habe, dann sind sie wahrscheinlich genauer in ihren Schilderungen. Ich habe so einen Fall einmal gesehen. Ich bin einmal in Berührung gekommen mit diesem Problem, und wenn ich damals gewußt hätte, daß ich nach 20 Jahren am Leben bleibe und das zu schildern haben werde, dann hätte ich mir das vielleicht genauer alles in Erinnerung behalten.

 

Vorsitzender Richter:

Zum zweiten kann ich Ihnen sagen, daß bisher alle Zeugen uns gesagt haben, daß diese tödlichen Spritzen ausgeführt wurden mit der sogenannten Rekordspritze.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Кроме того, я ещё хочу Вам сказать, что все свидетели до сих пор нам говорили, что инъекции производились этой иглой, которая называется »Рекорд«.

 

Vorsitzender Richter:

Und drittens haben uns alle Zeugen bestätigt, daß die Spritzen direkt ins Herz geführt wurden.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Кроме того, все свидетели нам говорили, что инъекция производилась прямо в сердце.

 

Vorsitzender Richter:

Und es ist ja nicht erklärlich, warum man, wenn man ins Herz spritzen will, von hinten hineinspritzt.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И это непонятно, почему [+ это делалось] сзади, если надо попасть в сердце?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не сзади, а сбоку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist ja so seitlich mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist seitlich geschehen.

 

Vorsitzender Richter:

Seitlich mehr.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это [+ делавший укол заходил] сбоку, чтобы не стоять перед глазами »гефтлинга«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Seitlich, damit man nicht vor den Augen des Häftlings steht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что эсэсовцы всё же люди, и у них оставалось что-то человеческое.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die SS-Männer waren doch Menschen auch letzten Endes, und irgend etwas Menschliches ist wohl in ihnen noch geblieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не все способны убивать, глядя жертве в глаза.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nicht jeder konnte ja so ein Töten direkt Auge in Auge durchhalten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я консультировался. Я же не выдумываю, мне же говорили польские врачи, которые были свидетелями этих случаев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich denke mir das doch nicht aus. Das haben mir die polnischen Ärzte erzählt, die Häftlingsärzte, die diese Fälle beobachtet haben.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Ihnen das erzählt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И Вилли Юрковиц, чешский врач, и Владислав Фейкель, польский врач, они, наверно, лучше разбираются в том, как это делали немцы, чем некоторые свидетели, которые здесь выступали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und ich glaube, der Willi Jurković, ein tschechischer Arzt, und auch der Fejkiel, der polnische Arzt, die mir das erzählt haben, haben etwas mehr davon verstanden als die Zeugen, die hier ausgesagt haben.

 

Richter Perseke:

Den haben wir ja gehört, den Fejkiel.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun ja. Wir haben den Zeugen auch hier gehört. Wissen Sie von Klehr noch etwas zu sagen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мы этого свидетеля тоже здесь слышали. Вы можете ещё что-нибудь сказать о Клере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, больше я ничего не скажу о Клере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich sage nichts mehr über Klehr.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts mehr. Was wissen sie von Hantl?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что Вам известно о [...] Гантель.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben damals ausgesagt: »Der Zeuge erklärte nunmehr, daß er Aussagen über Boger, Klehr, Hantl« und so weiter »machen möchte.«11

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Гантль? Гантль, это наверно, санитар.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist doch sicher ein Sanitäter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er muß es ja wissen, ich weiß es nicht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но это же Вы должны знать, а не я.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я знал, что он санитар, Клеру он помогал. Ходил иногда с ним вместе.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wußte, daß er Sanitäter gewesen ist, daß er dem Klehr geholfen hat, daß er mit dem Klehr zusammen ging.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но и другие санитары ходили, поэтому я о Гантле лично ничего не могу сказать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber die anderen Sanitäter gingen auch mit, und deswegen kann ich über Hantl persönlich ja nichts sagen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мой мозг тогда не мог всего вместить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mein Gehirn konnte damals nicht alle erfassen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Было бы неправильно, если бы я обо всех давал коментарии и справки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es wäre nicht richtig, wenn ich über alle jetzt Auskunft und Kommentare abgeben wollte.

 

Vorsitzender Richter:

Wir machen dem Zeugen gar keinen Vorwurf daraus, daß er das nicht weiß. Nur, wenn er nichts weiß, soll er uns das ruhig sagen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Нет-нет, мы не делаем Вам совершенно никакого упрёка по этому поводу, только если Вы не знаете, скажите нам.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я не знаю. Потому что это всё свыше человеческих сил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich weiß nicht. Alles Wissen ist über die

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Всю Освенцимскую трагедию, её виновников

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ganze Auschwitzer Tragödie und alle

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Потому что эти убийства каждый день происходили. Не один случай – каждый день. И можно тысячи случаев привести, но это просто невозможно. В Освенциме только убивали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Tötungen fanden nicht einzeln statt. Das geschah jeden Tag, und es ist einfach unmöglich, das alles zu – in Auschwitz wurde nur getötet.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie etwas von Breitwieser?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Известно Вам что-нибудь о Брайтвизере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Брайтвизер был шеф »командо« »Бегляйтскамеры«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Breitwieser war Chef des Kommandos Bekleidungskammer.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это был очень интересный молодой человек. Такой подтянутый. Красивый.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein sehr gut aussehender junger Mann. Sehr gerade, in einer geraden aufrechten Haltung. Schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das interessiert uns hier weniger, als was er getan hat dort in Auschwitz.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это нас меньше интересует. Только то, что он делал там.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я понимаю.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nichts davon? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы ничего не знаете о нём?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По сравнению с другими эсэсовцами он был более интеллигентный.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Vergleich zu den anderen SS-Männern war er intelligenter.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он каждый день приходил в нашу »бекляйдунгскамеру« по утрам, на час, на двадцать минут.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er kam jeden Tag zu uns in die Bekleidungskammer. Für eine Stunde, für eine halbe Stunde, für 20 Minuten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Иногда брал палку. Просто развлекался: бил кто попадёт [+ под руку].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Manchmal nahm er einen Stock und amüsierte sich damit, daß er den ersten besten schlug.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но чтоб он убивал кого-нибудь? Ругался очень. Шумел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber getötet, nein. Das hat er nicht. Er schimpfte und fluchte. Machte viel Krach. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я помню, как-то мы разгружали автомашину с этими деревянными »гефтлинскими« ботинками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich erinnere mich, daß wir eines Tages einen Lastwagen mit Holzpantoffeln für die Häftlinge abluden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И плохо разгружали. [...] Без темпа. он в нас бросал [+ чем попало]. Придёт и ботинками в морду запустит, или чем ещё: » Schnell, schnell, los!«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir haben nicht schnell genug gearbeitet, so daß er uns dafür diese Holzpantinen ins Gesicht geworfen hat und immer schrie dabei: »Schnell, schnell!«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда мы сортировали гражданскую одежду, которую привозили возами с »Канады«, мы раскрашивали пальто, костюмы большими полосами на спине – для лагерного употребления. Сортировали и там находили много денег и драгоценностей: огромные пачки долларов, часы, бриллианты, царскую монету, чеканки пятого, четвёртого [+ 1904, 1905] года, по пять, по десять рублей. Он приходил и требовал, чтобы »капо« »бекляйдунгскамеры« все, так называемые, трофеи сдавали обязательно [+ ему].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben in der Bekleidungskammer verschiedene Zivilkleidungsstücke sortiert. Wir haben auf diese Mäntel und Kleidungsstücke Streifen hinten gemalt, damit es nur für den Lagergebrauch bestimmt wird. Und in diesen Kleidungstücken befanden sich oft verschiedene Wertgegenstände. Ganze Päckchen mit Dollars und Goldmünzen, auch alte russische, zaristische Goldmünzen und verschiedene andere Sachen. Breitwieser pflegte zu dem Kapo dieser Bekleidungskammer zu kommen und verlangte von ihm, daß er ihm diese Trophäen aushändigt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Говорили, что он на этом очень разбогател.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man erzählte, daß er grade mit diesen Sachen sehr reich geworden ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я сам видел, как он заходил к »капо« несколько раз.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ja selbst persönlich gesehen, wie er mehrere Male zum Kapo gekommen ist

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И чего-то в карманы [...] запрятал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und etwas in den Taschen versteckte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сказать, что Брайтвизер убивал, истязал, не могу, поскольку я его за такими делами не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann aber nicht sagen, daß Breitwieser jemanden getötet oder gefoltert hat, weil ich ihn dabei, bei solchen Handlungen, nicht gesehen habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ich glaube, wir machen für heute Schluß. Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Darf ich noch ganz kurz zu dieser Bilderfrage Stellung nehmen?

 

Vorsitzender Richter:

Sie hätten die Klammer vermutlich erst weiter hinten setzen sollen, nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Es ergibt sich aus dem Zusammenhang, daß das eine Bemerkung des Vernehmenden ist. Ich kann nun natürlich kein Russisch. Unter den Bildern befanden sich russische Unterschriften, und ich möchte anregen, den Zeugen zu fragen, ob in diesem Bulletin Bilder waren von den genannten Angeklagten mit der Unterschrift. Daß es sich eben hier bei diesem Bild um den Stark, bei diesem Bild um den Capesius und so weiter handelt.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt, wenn Sie protokollieren, daß der Zeuge bei Ihnen gesagt hat: »In diesen Bulletins sind Bilder der Angeklagten« und so weiter »zu sehen.«

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, das hat er eben nicht gesagt, ich möchte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, sehen Sie, das kann ich natürlich nicht wissen. Wenn er das nicht gesagt hat.

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Weil der nächste Satz lautet: »Der Zeuge erklärte nunmehr«. Die Klammer ist ein Satz zu weit nach vorne.

 

Vorsitzender Richter:

So, dann ist gut.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Und außerdem, Herr Direktor, ist der letzte Satz auch in indirekter Rede: »Den Angeklagten Stark habe er im Lager kennengelernt.«12

 

Staatsanwalt Kügler:

Dann geht es weiter auf der nächsten Seite in direkter Rede. »Der Zeuge erklärt nunmehr:«

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Also ist die Sache aufgeklärt. Wir brauchen uns darüber nicht mehr

 

Richter Perseke [unterbricht]:

Die Klammer ist verkehrt oben

 

Vorsitzender Richter:

Die Klammer ist verkehrt gesetzt, ja.

 

– Schnitt –

 

96. Verhandlungstag, 2.10.1964

 

Fortsetzung der Vernehmung des Zeugen
Aleksandr Lebedev

 

Vorsitzender Richter:

was Sie von Doktor Lucas wissen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Господин Лебедев, вчера мы услышали от Вас о том, что Вы могли нам сказать по отношению к подсудимым Богер, Клер, Брайтвизер и Хантель. Об этих двух последних Вы нам особенно много не могли ничего рассказать. Сегодня, пожалуйста, расскажите нам о докторе Лукасе.

 

Vorsitzender Richter:

Und Stark haben wir auch gestern gehört.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вчера также ещё мы слышали от Вас о Штарке.

 

Vorsitzender Richter:

Also Doktor Lucas.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, доктор Лукас.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

О докторе Лукасе. Как я уже показывал суду, меня очень интересовала врачебно-санитарная служба лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Одну минутку. — Also in bezug auf Doktor Lucas: Wie ich bereits dem Gericht gestern gesagt habe, habe ich mich sehr für den ärztlich-sanitären Dienst im Lager interessiert.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я с помощью поляков, немцев, многих врачей, узнавал, интересовался, и, главным образом. потому, что подпольная организация сопротивления пересылала сведения о преступниках в Краков по подпольным связям.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Одну минутку. — Ich habe eine Reihe von Auskünften seitens der Polen und Deutschen erhalten, und darüber hinaus hat die Untergrundbewegung im Lager verschiedene Angaben über die Verbrechen der einzelnen Personen im Lager nach außen, nach Krakau, geschickt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы знали, что мы все погибнем, но подпольная организация считала – пусть народ узнает имена наших мучителей. И мне было поручено, вместе с профессором Бертольдом, собирать эти сведения о врачах, которые работали в Освенциме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir waren der Meinung, daß wir das Lager nicht überleben, daß wir sterben werden. Aber wir wollten, daß die Welt draußen alles über das Lager erfährt und die Namen unserer Henker zur Kenntnis bekommt. Ich bekam die Aufgabe, die Ärzte im Lager zu studieren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас потрясла деятельность врачей в Освенциме. Эти люди давали священную клятву Гипократа – не вредить. Люди самой гуманной профессии на Земле.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir waren erschüttert über die Handlungen von Ärzten in Auschwitz. Diese Menschen haben einen heiligen Hippokrates-Eid geleistet, daß sie der Menschheit nicht schaden werden. Das waren Menschen des humansten Berufes in der Welt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И они стали там убийцами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und diese Menschen wurden im Lager zu Mördern.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я знал Вирца, главного врача.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kannte den Lagerarzt Doktor Wirths.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Профессора Глаубера, акушера -гинеколога.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Den Professor Clauberg, Professor der Gynäkologie.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Был на 10-ом блоке два раза, где он производил эксперименты по стерилизации.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war zweimal auf dem Block 10, wo er Experimente und Sterilisierungsversuche durchgeführt hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Знал Тило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kannte den Thilo. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кениг, он потом уже появился в Освенциме, в начале 44-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

König.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Доктор Лукас, Франц. Знакомство с ним произошло при следующих обстоятельствах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und dann erschien in Auschwitz Anfang 1944 Doktor Franz Lucas. Die Bekanntschaft mit ihm fand unter folgenden Umständen statt:

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда я работал в »бекляйдунгскамере«, эта команда работала внутри лагеря. Не выходила за ворота.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als ich in der Bekleidungskammer arbeitete – dieses Kommando arbeitete innerhalb des Lagers. Es ging nicht nach draußen, durch das Tor.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы могли наблюдать в течении дня, что делалось в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wir konnten während des Tages beobachten, was im Lager geschieht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда остальные рабочие команды уходили на свои места за лагерь, мы наблюдали каждый день такую картину.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das heißt, wenn alle anderen Kommandos auf ihre Posten nach außerhalb des Lagers gingen, beobachteten wir jeden Tag folgendes Bild.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

К 20-му блоку, к »Кранкебау«»шрайберы« сводили из каждого блока всех больных и калек, которые не могли идти на рабочие команды.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zum 20. Block des Krankenbaus brachten die Schreiber alle Kranken und Gebrechlichen, die nicht zur Arbeit gehen konnten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ходили по блокам и вылавливали под лушками.13 прятавшихся узников, которые тоже не могли ходить на команды.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie gingen durch die Blocks und suchten unter den Betten nach denjenigen, die nicht mit den Kommandos zur Arbeit gehen konnten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом приводили всех к 20-му блоку. Приезжали врачи и проводили селекцию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann brachten sie alle zum Block 20, und die Ärzte kamen. Sie führten dann die Selektionen durch.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы всегда наблюдали из »бекляйдунгскамеры«, или работая на улице, сортируя бельё, которое привозили, сваливали прямо на землю, или из окон блока.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir in der Bekleidungskammer haben dann beobachtet, entweder während wir auf der Straße die Wäsche, die dorthin gebracht wurde und einfach hingeworfen wurde, sortierten, oder auch durch die Fenster vom Block aus.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Раза два селекции эти проводил Уленброк, гарнизонный врач.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zweimal wurden diese Selektionen von dem Garnisonsarzt Uhlenbroock durchgeführt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я его тоже лично знал в лицо.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kannte ihn ebenfalls von Angesicht zu Angesicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И вот, приблизительно, в конце марта или в апреле 44-го года – уже было тепло. Точного числа я не помню.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und es war ungefähr April oder auch Ende März – es war schon warm – 1944. [...] Ich erinnere mich nicht an das ganz genaue Datum.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

утром, после ухода рабочих команд, проводилась очередная селекция 20-го блока.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es fand also nach dem Morgenappell, nachdem die Außenkommandos fortgegangen sind, die gewöhnliche Selektion statt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Собрали »доходяг«, то есть, узников, которые были дистрофиками и больными, калеками. Человек 150 – 180, по-моему.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat also diese Kranken gesammelt, die an Dystrophie litten und irgendwelche Gebrechen hatten. Ungefähr 150 bis 180 Personen, meiner Meinung nach.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И один из врачей проводил селекцию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und einer von den Ärzten hat dann die Selektion durchgeführt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не знал, что это Франц Лукас был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wußte nicht, daß es Franz Lucas gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это был человек среднего роста. По-моему, звание оберштурмфюрера. В чёрных очках, солнечных. В белых перчатках.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein Mann mittlerer Größe. Ich glaube, er war Obersturmführer. Mit einer dunklen Sonnenbrille. In weißen Handschuhen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Приехало две машины к 20-му блоку. С солдатами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwei Autos kamen zu dem Block 20. Mit Soldaten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Селекция проводилась так. Людей раздевали. И врач осматривал их физическое состояние: определял степень истощения. Степень дистрофии. Способен ли он дальше работать в команде.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Selektion sah folgendermaßen aus: Die Menschen wurden nackt ausgezogen, und der Arzt prüfte ihren körperlichen Zustand, das heißt, in welchem Erschöpfungsgrad sie sich befinden. Ob Dystrophie vorhanden ist? Ob er weiterhin in der Lage ist, im Kommando zu arbeiten?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всех отобранных больных погружали на машину.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle ausgesuchten Kranken wurden in Autos verladen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Многие узники даже не успевали съесть пайку хлеба. И поляки »бекляйдунгскамеры«[+ сказали нам], что это была, так сказать, борьба с симулянтами, с одной стороны, а с другой стороны – уничтожение ослабевших узников.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wie mir die Polen, die in der Bekleidungskammer gearbeitet haben, erklärten, war das einerseits ein Kampf mit den Simulierenden und andererseits die Vernichtung der Schwachen und Kranken im Lager.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Люди падали на колени перед врачом. Слышно было, как некоторые кричали: »Пане доктор, я могу ещё робить.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einige Menschen fielen auf die Knie vor dem Arzt. Und wie wir gehört haben, haben manche dann gerufen: »Herr Doktor, ich kann noch arbeiten!«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, а доктор направо-налево показывал движением руки, куда кого девать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der Arzt zeigte dann mit der Geste nach links oder nach rechts, wohin man sie führen soll.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Через несколько часов, когда пришёл Александр Гурецкий, я часто на него ссылаюсь, потому что этот доктор прекрасно говорил по- русски без переводчика. Он сказал мне, что селекцию проводил акушер-гинеколог Франц Лукас. Недавно появившийся в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eine Weile später kam Aleksander Górecki. Ich erwähne diesen Namen oft, weil das ein Arzt gewesen ist, ein Pole, der ausgezeichnet Russisch sprach, also ohne Dolmetscher auskam. Er hat mir gesagt, daß die Selektion von einem Gynäkologen und Frauenarzt, Doktor Lucas, durchgeführt wurde, der vor kurzer Zeit im Lager erschien.

 

Vorsitzender Richter:

Darf ich noch mal den Namen wissen von diesem... Dolmetscherin Kapkajew:

Aleksander Górecki

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Гурецкий. Это пятая »штуба« 20-го блока »Кранкебау«, врач-терапевт, поляк.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war ein Therapeut von der 5. Stube des Blocks 20.

 

Vorsitzender Richter:

Haben wir schon verlesen, ja.14

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И там ещё был доктор Ковальский.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort war auch ein Doktor Kowalski. — Мы его уже имеем.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поэтому врачебно-санитарная служба в Освенциме имела больше прав определять судьбы людей, чем сами эсэсовцы. Они решали судьбы тысяч людей: или в газовые камеры, или на рабочие команды.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ärztlich-sanitären Dienste im Lager hatten noch mehr Rechte als die SS-Männer im Lager, weil sie über das Schicksal der Menschen zu entscheiden hatten. Sie entschieden über das Schicksal von 1.000 Menschen, ob sie in die Gaskammer gehen sollten, ob sie in die Arbeitskommandos kommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я знал, что они за это получали двойные пайки, и многие эсэсовцы с ревностью относились к врачам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich weiß, daß die Ärzte dafür eine doppelte Ration erhielten und daß die anderen SS-Männer neidisch darauf waren und in neidischer Art auf die Ärzte guckten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Второй раз я видел Лукаса на Биркенау. Я уже его знал в лицо. Это было, когда мы ходили с »Бауляйтунг« в женский лагерь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zum zweiten Mal sah ich Doktor Lucas in Birkenau. Ich kannte ihn dann schon persönlich. Das war damals, als wir mit der Bauleitung ins Frauenlager gingen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это было в конце мая, или в начале июня. Было уже очень тепло.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war entweder Ende Mai oder Anfang Juni. Es war schon sehr warm.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы тянули линию электропередачи по левой стороне разгрузочной площадки Биркенау. По левой стороне женского лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben die elektrischen Leitungen durchgezogen nach der linken Seite. An der linken Seite des Frauenlagers in Birkenau.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как раз пришли транспорта. Узники из команды »Канады«, которые приехали для сортировки имущества, то-есть барахла этого, сказали, что это транспорта, вроде бы, из Минска и Витебска.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben die Leitungen gelegt. Grade sind die Transporte angekommen. Die Häftlinge, die aus dem Kommando »Kanada« dorthin gegangen sind, um die Sachen aus den Transporten zu sortieren, die haben uns gesagt, daß angeblich diese Transporte aus Minsk und Witebsk angekommen sind.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это нас очень взволновало и заинтересовало, поскольку транспорта были из России.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da diese Transporte also aus Rußland kamen, hat es uns sehr aufgeregt, und wir waren daran sehr interessiert.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там три пути было, на разгрузочной площадке, три железнодорожных ветки расходились. Одна по эту сторону разгрузочной площадки, другая по ту сторону. Один транспорт по правой стороне, другой по левой стороне площадки. Ну, и как их выгрузили

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also als dann der erste Transport angekommen ist, und zwar an der linken Seite der Plattform, das waren drei Schienenstränge. Sie gabelten sich nach links, nach rechts und in die Mitte. Also von der linken Seite, als der eine Transport angekommen ist

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы стали очевидцами очередной селекции.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann haben wir die Selektion beobachtet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

С криком, с шумом выкинули всех из железнодорожных вагонов. Людей – в одну сторону, вещи – в другую, в грудах на платформе.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit Geschrei und Krach wurden alle aus den Waggons getrieben. Die Menschen auf eine Seite und die Sachen auf die andere Seite, auf einen Haufen geworfen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потом подошла группа эсэсовских офицеров. Там не только были врачи, но и видимо, и из управления лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann kam eine Gruppe von SS-Offizieren dazu. In der Gruppe befanden sich nicht nur Ärzte. Anscheinend auch Leute von der Lagerleitung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как и на всех селекциях, людей выстроили в колейку, и они подходили. Медленно шли. Врач стоял и сортировал их.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wie bei allen Selektionen wurden die Menschen in Reihen aufgestellt, und sie kamen dann langsamen Schrittes. Der Arzt stand und sortierte sie, wählte sie aus.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В данном случае два врача было. Второго врача я не помню. Не знал в лицо. А Лукаса по облику я узнал. Это был Лукас.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In diesem Fall waren es zwei Ärzte. An den zweiten Arzt erinnere ich mich nicht. Ich kannte ihn nicht vom Gesicht. Und den Lucas habe ich dem Gesicht nach erkannt, daß es Doktor Lucas war.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Транспорт был человек из 800. Трудно было определить, но была полна эта разгрузочная площадка. Мужчин мало было очень.Были больше женщины, дети, старики. И, действительно, мы слышали белорусскую речь. Польскую и белорусскую.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Transport waren ungefähr 800 Personen, es ist schwer zu sagen, wie viele, aber ungefähr so. Alles war voll von Menschen. Es gab wenige Männer dabei. Es waren meistens Frauen, Kinder und Greise. Und wirklich haben wir die weiß-ruthenische Sprache, so ein Dialekt, gehört. Polnische und weiß-ruthenische Sprache.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Doktor Lucas stand bei dieser Selektion direkt Ihnen zugewandt, oder war da der Eisenbahnzug dazwischen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Доктор Лукас стоял прямо перед Вами, так что Вы его видели в лицо, или между ним и Вами был поезд?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, поезд был справа.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, der Zug war rechts.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поезд был справа, площадка разгрузочная здесь была. Мы находились здесь. Поэтому поезд между нами не стоял.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hier ist der Platz, rechts war der Zug. Es stand also nichts dazwischen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы с командой »Канады« подошли очень близко, потому что команда »Канады«, узники в таких же полосатых формах. Мы ещё ближе подошли.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir kamen mit dem Kommando »Kanada« ganz nahe heran. Die »Kanada«-Leute hatten dieselben gestreiften Anzüge, und sie konnten ja nahe herantreten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я могу предъявить Суду фотокопию одного документа, как проходила селекция, подлинник которого есть у нас в Советском Союзе.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann dem Gericht eine Fotokopie von einer Aufnahme zeigen, die sich bei uns im Archiv im Original befindet, wie eine Selektion eben durchgeführt wurde.15

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот эти два офицера: это Тило стоит и, по- моему, Кёниг.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese zwei Offiziere, das sind Thilo und König.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А может быть, и другие, не знаю.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vielleicht auch andere, ich weiß nicht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но тут важно очень, что на селекционной площадке присутствует и команда »Канады«, состоящая из »гефтлингов«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Hier auf diesem Bild ist wichtig, daß bei der Selektion auch das Kommando »Kanada« steht, das aus Häftlingen bestand.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это только начало, только их [+ привезенных узников] выгрузили. Это на фото показано.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist der Anfang. Auf dem Bild wird der Anfang gezeigt, wie die ausgeladen wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поэтому во время той сумятицы мы могли тоже поближе подойти, и никто на это не обратил внимания.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und eben in der Zeit dieses Durcheinanders konnten wir auch nahe herantreten, und keiner wurde darauf aufmerksam.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас тоже видимо приняли за команду »гефтлингов«, которая грузила все эти пожитки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat uns anscheinend auch für diese Häftlinge gehalten, die die Sachen auszuladen hatten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Во время селекции молодых отбирали направо. Это были преимущественно девушки. Белорусские, еврейские, польские.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Während der Selektion wurden die jungen Menschen nach rechts gewiesen. Das waren meistens junge Mädchen. Weiß-Ruthenierinnen, Jüdinnen, Polinnen. Die wurden anscheinend nach der Seite geführt. — В сторону лагеря? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видимо, для рабочего лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

An die Seite, anscheinend für das Arbeitslager.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А остальные продолжали путь по перрону. По направлению ко второму и третьему крематориям.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und die anderen setzten ihren Weg auf dem Perron fort. In Richtung des zweiten und dritten Krematoriums.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я видел, как одна из молодых женщин с ребенком прорвалась между двух »эсэсманнов« к врачу, к Лукасу. И упала к его ногам. По-моему, хватала его за сапоги. О чём-то умоляла.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ebenfalls so ein Bild gesehen: Es war eine junge Frau mit dem Kind. Es gelang ihr, zwischen zwei SS-Männern sich an den Arzt, an den Doktor Lucas, vorzudrängen. Sie fiel vor ihm auf die Knie. Sie hat, glaube ich, seine Stiefel umarmt. Und sie bat ihn um etwas.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лукас вырвал из её рук ребенка, кажется, девочку, она была обвязана платком. И бросил ее прямо на железнодорожную линию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Doktor Lucas nahm ihr mit Gewalt das Kind aus der Hand, ich glaube, das war ein Mädelchen. Sie war so eingewickelt in ein großes Tuch. Und warf das Kind direkt auf die Gleise.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Другие солдаты тоже у молодых матерей вырывали детей из рук. Тоже их били. Бросали о землю.

 

Vorsitzender Richter:

Auf die Gleise.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die anderen Soldaten haben auch den jungen Müttern die Kinder aus den Armen gerissen. Sie haben sie ebenfalls geschlagen. Warfen sie auf die Erde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Многие солдаты были пьяные.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Viele von den Soldaten waren betrunken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот, что я видел собственными глазами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist das, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом, когда мы пришли в эту команду, мы пытались выяснить и фамилию другого врача, эсэсовца, который проводил селекцию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir zum Kommando zurückkamen, haben wir versucht, den Namen des zweiten Arztes, der die Selektion durchgeführt hat, festzustellen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нам сказали, что это был один из гарнизонных врачей. Член селекционной комиссии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat uns gesagt, daß es einer von den Garnisonsärzten gewesen ist. Angehörige der Selektionskommission.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В архивах сейчас мы обнаружили что.то вроде приказа Геса, которым была утверждена селекционная комиссия концлагеря Освенцим.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben im Archiv jetzt einen Befehl von Höß gefunden, wo die Selektionskommission für Auschwitz bestimmt wurde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я могу зачитать фамилии тех, кто состоял в селекционной комиссии. Документ этот находится сейчас у профессора Алексеева.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich darf Ihnen vorlesen die Mitglieder dieser Kommission. Dieses Dokument befindet sich gegenwärtig in den Händen von Professor Alexejew.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По приказу Геса в селекционную комиссию входили

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach dem Befehl von Höß nahmen an der Selektionskommission folgende Personen teil:

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кляйн, Виртс, Кениг, Тило, Менгеле, Лукас.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Klein, Wirths, König, Thilo, Mengele, Lucas.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Селекционные комиссии, видимо, менялись каждые два месяца, судя по приказу.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wie man nach dem Befehl beurteilen kann, wurde die Selektionskommission alle zwei Monate geändert.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie Doktor Lucas dann noch einmal gesehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы ещё раз видели доктора Лукаса?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Больше не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, nicht mehr gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

После этого я ещё в лагере находился 2-3 месяца. Больше в лагере доктора Лукаса не было. Он куда-то исчез, как и Палич.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er war später nicht mehr im Lager, in diesen zwei, drei Monaten, die ich im Lager war. Er verschwand genauso wie Palitzsch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da hätte ich noch einige Fragen dazu.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я ещё имею несколько вопросов к Вам.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пожалуйста.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Zunächst haben Sie gesagt, Sie seien zweimal in dem Clauberg-Bunker gewesen. Wie sind Sie da hineingekommen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что два раза были в бункере Клауберга.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На 10-ом блоке, да. Точно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf dem Block 10, ja. Genau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wie sind Sie da hingekommen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каким образом Вы туда попали?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Эксперименты там проводились на девушках. Тогда были гречанки, польки, две украинки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort wurden Versuche mit den Mädchen durchgeführt. Es gab dort Griechinnen. Polinnen. Zwei Ukrainerinnen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И мы с »бекляйдунгскамеры« каждый день носили им пряжу, большие мотки шерсти, из которой эсэсовцы заставляли их, в свободное от эксперимента время, вязать носки, варежки, свитера. После экспериментов, их заставляли ещё вязать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben jeden Tag von der Bekleidungskammer diesen Mädchen Wolle gebracht, damit sie in der von Versuchen freien Zeit stricken konnten, und zwar Socken und Pullover und Handschuhe. Sie wurden also nach den Experimenten noch gezwungen zu stricken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У нас очень большой интерес был к этому блоку. Потому что он был строго секретный.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir hatten ein großes Interesse in bezug auf diesen Block. Weil er streng geheim gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Окна были наглухо забиты досками. И вход туда карался смертной казнью, если бы кто и попытался [+ туда проникнуть].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Fenster wurden fest zugenagelt mit Brettern. Und unter Todesstrafe war es verboten hineinzugehen, wenn jemand es versucht hätte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мне очень многого стоило упросить »капо«»бекляйдунгскамеры« Бернарда, чтобы он меня туда послал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es kostete mich sehr viel, den Kapo der Bekleidungskammer, Bernard, dazu zu bewegen, mich dorthin zu schicken.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что, как правило, он посылал туда с пряжей немцев. Поскольку они говорили по- немецки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil er in der Regel mit der Wolle dorthin die Deutschen zu schicken pflegte, die der deutschen Sprache mächtig waren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там были две очень злые »эсэсманки«, которые, открывали дверь и начинали сразу бить плетью, даже того, кто принёс эту пряжу.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort waren zwei sehr böse SS-Frauen, die sofort, nachdem die Türen sich öffneten, auf die schlugen, die die Wolle gebracht haben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И вот, однажды, мы пошли с одним поляком из »бекляйдунгскамеры«.Подошли к блоку, позвонили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also eines Tages ging ich mit einem Polen aus der Bekleidungskammer dorthin. Wir kamen zu dem Block und klingelten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Железную дверь открыла нам одна из этих »эсэсманок«.Она сказала: »Ах, принесли пряжу? Проходите.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Eine von diesen SS-Frauen hat uns die eiserne Tür geöffnet. Sie hat gesagt: »Aha, ihr habt die Wolle gebracht, kommt rein.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы прошли по нижнему этажу. Поднялись на верхний этаж. И она нас заставила поставить »траги« и выгрузить эту шерсть. Вот такие мотки шерсти были большие.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir gingen durch das untere Stockwerk, kamen auf [...] die erste Etage.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie befahl uns, die Tragen hinzustellen und die Wolle auszuladen. Das waren große Wollknäuel.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она немного отвлеклась. И поляку этому удалось спросить двух девушек из Греции, что они тут делают?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie war ein wenig abgelenkt. Und es gelang dem Polen, zwei Mädchen aus Griechenland zu fragen, was sie hier tun.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они заплакали. И сказали, что их подвергают стерилизации.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben angefangen zu weinen. Und haben geantwortet, daß sie sterilisiert werden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы спросили: хирургическим путём, или ещё как-то? Они сказали, что не хирургическим, а облучением мощными дозами рентгена.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben gefragt, ob das auf einem chirurgischen Wege oder auf dem anderen Wege geschieht, und sie haben geantwortet, daß sie bestrahlt werden mit Röntgenstrahlen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Этот разговор заметила »эсэсманнка«. Она сзади налетела, исполосовала нас обоих плетью.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dieses Gespräch wurde von der SS-Frau bemerkt. Sie kam von hinten auf uns zugestürzt und schlug nach uns mit der Peitsche.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы опасались, что попадём за это на 11-ый блок смерти. Но, видимо, сказалась женская психология. Она просто нас выгнала из блока.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben Angst gehabt, daß wir dafür auf den Block 11, auf den Block des Todes, kommen. Aber anscheinend siegte die weibliche Psychologie, und sie warf uns einfach hinaus aus dem Block.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И второй раз потом мы пряжу носили, правда, на 2-ой блок уже не попадали. Но два раза я там был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir zum zweiten Mal dorthin kamen – wir haben ebenfalls Wolle gebracht –, da kam ich aber nicht mehr auf den zweiten Stock, war nur unten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кстати, в Советском Союзе, на процессе профессора Клауберга, который был у нас в плену, я выступал в качестве свидетеля.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Übrigens, während des Prozesses gegen Professor Clauberg, dieser Prozeß fand bei uns in der Sowjetunion statt, da habe ich als Zeuge dort ausgesagt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом профессора Клауберга советские власти передали правительству Федеративной Республики Германии. В связи с тем, что он учёный, решили: пусть разбирается с ним суд Федеративной Республики Германии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann wurde dieser Professor von den Behörden der Sowjetunion den Behörden der Bundesrepublik ausgeliefert. Unsere Behörden waren der Meinung, daß er Wissenschaftler sei und die Gerichte der Bundesrepublik Deutschland über ihn zu richten haben.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, Sie haben mal früher gesagt, der Herr Langbein hätte Sie auf die Person des Herrn Doktor Lucas hingewiesen.16 Stimmt das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы когда-то сказали, что Лангбайн обратил Ваше внимание на личность доктора Лукаса.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лангбайн. Многие обращали, Бертольд, Валентин Эрвин, немецкий врач.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also das war nicht nur Langbein, viele haben auf ihn aufmerksam gemacht: Berthold, Valentin Erwin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das haben Sie uns vorhin schon gesagt. Ich würde mich nur interessieren dafür, ob Ihnen der Herr Langbein auch den Herrn Doktor Lucas gezeigt hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это Вы уже говорили. Меня интересует, показывал ли Вам на доктора Лукаса тоже и Лангбайн?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лангбайн показывал на некоторых докторов. Видимо, и на доктора Лукаса, потому что было очень много там докторов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Langbein hat verschiedene Ärzte gezeigt, anscheinend auch den Doktor Lucas. Es gab viele Ärzte dort.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Может быть, и Лангбайн показывал, но лично мне представлял его Александр Гурецкий.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vielleicht hat Langbein mich auch auf ihn aufmerksam gemacht, aber persönlich hat ihn mir Górecki gezeigt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что Лангбайн работал на »эсэс-ревире«, который находился за лагерем.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil Langbein im SS-Revier tätig war. Und das Revier befand sich hinter dem Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie, wo war der Doktor Lucas damals tätig, wo war er beschäftigt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, где работал в то время доктор Лукас? Где было его место работы?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он работал, видимо, во врачебно-санитарном управлении лагеря. Как оно называлось, я не знаю точно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er arbeitete anscheinend in der ärztlich-sanitären Leitung des Lagers. Wie das hieß, weiß ich nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in welchem Lager, Auschwitz I oder

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Где? В Освенциме 1 или в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Его видели и в Освенциме 1 и в Биркенау. Точнее сказать не могу. Они всё время менялись, и там, и здесь. Я не могу утверждать, что Лукас работал на 10-ом блоке, потому что я этого не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat ihn sowohl in Auschwitz als auch in Birkenau gesehen. Sie wurden gewechselt auch, mal dort, mal hier. Ich kann nicht sagen, daß Doktor Lucas zum Beispiel dort auf dem Block 10 gearbeitet hat, weil ich ihn dort nicht gesehen habe.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что Тило и Уленброк точно так же появлялись, и другие тоже, то в »Штаммлагере«, то на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Thilo und Uhlenbroock, sie zeigten sich sowohl in Auschwitz als auch in Birkenau.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Менгеле, мы знали, что работает непосредственно на Биркенау. Потому что он там ставил на базе крематориев свои опыты с младенцами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von Mengele, da wußten wir, daß er unmittelbar in Birkenau tätig ist, weil er dort im Krematorium seine Experimente mit den Säuglingen gemacht hat.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also Sie sagen, der Herr Doktor Lucas war sowohl in Birkenau als auch in Auschwitz I beschäftigt und hat nun in ihrer Gegenwart diese Selektion durchgeführt.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, Вы сказали, что доктор Лукас работал и в Освенциме, и в Биркенау, и что два раза Вы видели, как он производил селекцию?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, один раз здесь, другой – там.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, einmal hier und einmal dort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun würde es mich interessieren, wo haben denn die Häftlinge gestanden, die da selektiert worden sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Меня интересовало бы, где стояли узники, которых селекционировали?

 

Vorsitzender Richter:

Im Lager, ich meine jetzt die Häftlinge bei der ersten Selektion, die er gesehen hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я имею в виду узников при первой селекции. Где они стояли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У входа в 20-ый блок. Их сгоняли туда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie standen beim Eingang zum Block 20. Sie wurden beim Block 20 aufgestellt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В это время в лагере объявлялся, как он назывался, »блокшперре«. У нас в »бекляйдунгскамере« даже закрывалась дверь в это время. Тоже никого не пускали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Währenddessen wurde im Lager die Blocksperre aufgerufen. Bei uns in der Bekleidungskammer wurde sogar die Tür zugemacht, und niemand wurde reingelassen während der Zeit.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В общем, мы работали в помещении, мы могли только из окон это видеть.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wenn wir im Block drin waren, da konnten wir das lediglich durch die Fenster beobachten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А если мы между блоками разбирали бельё, то могли наблюдать это просто со своих рабочих мест.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wenn wir aber die Wäsche zwischen den zwei Blocks sortiert haben, dann konnten wir das direkt von unserer Arbeitsstelle beobachten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und an diesem Tag, als Sie das beobachtet haben mit dem Doktor Lucas, waren Sie da im Haus oder außerhalb des Hauses?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А в этот день, когда вы наблюдали селекцию, проводимую доктором Лукасом, где Вы были – в помещении или на улице? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По-моему, мы были на сортировке белья в этот день.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, wir haben die Wäsche sortiert.

 

Vorsitzender Richter:

Außerhalb des Blocks?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, вне блока?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Mежду двумя блоками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nicht im Block, sondern zwischen den Blocks.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. So daß ich Sie also recht verstehe: Sie haben außerhalb des Blocks 27 gestanden und Wäsche sortiert, und Ihnen gegenüber auf dem Block 20 standen vor dem Haus die angetretenen Häftlinge und wurden von Doktor Lucas selektiert. Stimmt das so?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как я Вас понял, вы находились около 27-го блока, сортируя [+ бельё]?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Между 27-ым и 26-ым.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwischen dem Block 27 und 26 stand ich. — А напротив Вас, около 20-го блока, около входа, стояли узники, которых селекционировал доктор Лукас?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, so war es.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там [+ до него] было метров 50-60.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, es könnten ja so ungefähr 50, 60 Meter Entfernung gewesen sein.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Доктора Лукаса в лицо я не знал. Не знал, что это доктор Лукас проводил селекцию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich kannte damals vom Gesicht Doktor Lucas nicht. Ich wußte nicht, daß es Doktor Lucas gewesen ist, der die Selektion durchgeführt hat.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это сказал мне потом, час назад [+ часом позже], Александр Гурецкий, польский врач. Он объяснил, что Лукас в лагере недавно появился.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das wurde mir eine Stunde später von Aleksander Górecki, einem polnischen Arzt, gesagt. Er hat mir gesagt, daß Doktor Lucas vor kurzer Zeit im Lager aufgetaucht ist.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, Sie haben uns vorhin erzählt, daß diese Häftlinge, die da aussortiert wurden, sich gemeldet hätten beziehungsweise nach dem Morgenappell dorthin geführt worden seien, stimmt das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы нам рассказывали, что эти узники были приведены туда после утреннего »аппеля«. И они сами там [отметились]?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

С этого начинался рабочий день.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Damit begann ein Arbeitstag.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Иногда узников – обычно всех калек и больных – приводили на »Кранкенбау«. Но каждый день селекцию не проводили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also, sie wurden jeden Tag auf den Krankenbau geführt und kamen [unverständlich] Aber nicht jeden Tag gab es eine Selektion.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also das ist ja mittlerweile auch in allen Büchern beschrieben, und das wissen wir auch.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

За это время об этом написано уже во многих книгах, и мы уже об этом знаем.

 

Vorsitzender Richter:

Nur würde es mich interessieren, haben Sie den Begriff der sogenannten Arztvorsteller gekannt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Меня интересует, знали ли Вы это немецкое выражение »Arztvorsteller«? Это значит: те, которые [кто записался] к врачу.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А там, в Освенциме, никто не записывал никогда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also sollten Sie da aufgeschrieben werden zum Arzt? Also, in Auschwitz wurde keiner aufgeschrieben zum Arzt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Больных приводил на »Кранкебау«»шрайбер«, и иногда их осматривали врачи-узники.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Schreiber brachte die Kranken in den Krankenbau. Manchmal wurden sie von den Häftlingsärzten untersucht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Например, участников Движения сопротивления всегда старались госпитализировать, спасая от транспортов, даже делали им инъекции, чтобы повысить у них температуру. Десятки и сотни случаев я могу привести.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zum Beispiel wurden die Mitglieder der Untergrundbewegung ja extra durch Injektionen in einen Fieberzustand gebracht, damit man sie in den Krankenbau legen konnte, um sie auf diese Weise vor den Transporten zu schützen. Das waren Hunderte von solchen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда я после операции лежал на 19-ом блоке, я сам попал в селекцию.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als ich auf dem Block 19 selbst lag, war ich auch von solch einer Selektion betroffen nach der Operation. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Diese sogenannten Arztvorsteller, das sind die Leute gewesen, die nach dem Morgenappell in den Krankenbau geführt wurden. In welchen Bau wurden die denn geführt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Эти, так называемые, »Arztvorsteller«, были люди, которых после утреннего »аппеля« приводили к врачу. Куда их приводили?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На »Кранкебау«. И на 20-ый, и на 21-ый блок и на 19-ый. Больных всегда приводили к этим блокам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auf den Krankenbau. Das war Block 20, 21, 19. Man führte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wurden die in verschiedene Blocks geführt oder immer in denselben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Приводили их в разные блоки, или всегда к одному и тому же блоку?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В разные даже приводили.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In verschiedene Blocks.

 

Vorsitzender Richter:

In verschiedene Blocks.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Иногда в 20-ый, иногда в 19-ый. Ведь это каждый день было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Manchmal in den Block 20. Manchmal in den Block 19. Das geschah doch jeden Tag.

 

Vorsitzender Richter:

Dann weiter. Sie haben gesagt, nachdem Sie Doktor Lucas auf der Rampe gesehen haben, hätten Sie ihn nicht mehr gesehen. Stimmt das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что после того, как Вы видели на платформе второй раз доктора Лукаса, Вы его больше уже не видели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Больше в лагере я его не видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe ihn nicht mehr im Lager gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Ihrer Vernehmung vor dem Staatsanwalt Kügler am 19. Mai 1964 haben Sie aber ausgesagt: »Zwei Wochen später sah ich Doktor Lucas nochmals im Stammlager, und in den Sommermonaten im Jahr 1944 verschwand er plötzlich.«17

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Во время Вашего допроса 19-го мая 64-го года перед прокурором Кюглером Вы сказали следующее: »Двумя неделями позже, после этой селекции, я увидел его, то есть доктора Лукаса, в Штаммлагере. А в течении летних месяцев 44-го года он исчез из лагеря.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, ведь первая селекция была или

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В торая.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В »Штаммлагере« селекция была или в марте, или в апреле.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also die erste Selektion im Stammlager, die war doch im März oder April.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И на Биркенау, значит, когда мы ходили

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, nein, nein, jetzt

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Und in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in Birkenau.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und in Birkenau. — А в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в Биркенау позже она была. Это приблизительно в мае.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und in Birkenau fand sie später statt.

 

Vorsitzender Richter:

Mai oder Juni?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also, im Mai etwa.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Май, июнь, да

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Mai, Juni etwa.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И после этого я не видал [+ Лукаса]. Ну, видимо, две недели, три недели, сроки трудно очень...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und später habe ich ihn nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und warum haben Sie dann bei dem Herrn Staatsanwalt gesagt: »Zwei Wochen später, nach der Selektion in Birkenau, sah ich Doktor Lucas nochmals im Stammlager«?18

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но почему же Вы перед прокурором сказали, что »две недели позже, после селекции в Биркенау, я видел доктора Лукаса в лагере«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Наоборот было всё. Сначала была селекция в »Штаммлагере«, а потом в Биркенау. Я так и говорил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das war doch umgekehrt. Zuerst war die Selektion im Lager, und dann war die Selektion in Birkenau, so habe ich gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl, das ist ganz richtig, so habe ich es auch verstanden.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Так я и понял.

 

Vorsitzender Richter:

Und nach der letzten Selektion in Birkenau, hat er ausgesagt, hätte er den Doktor Lucas zwei Wochen später nochmals im Stammlager gesehen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали на допросе в мае, что после селекции в Биркенау, »две недели спустя, я видел доктора Лукаса в лагере«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Он селекцию проводил?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, und wie, in welchem Zustand, ob er die Selektionen durchgeführt hat

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Entschuldigen Sie, ich kann nichts anderes tun, als ihm das vorhalten, was er wörtlich zu Protokoll gegeben hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew :

Извините, я не могу ничего больше сказать, кроме того, что записано в протоколе. Там сказано: »Я его видел две недели позже в лагере. Летом 44-го года он исчез из лагеря«.

 

Vorsitzender Richter:

Da steht drin: »Zwei Wochen später, nämlich nach dieser Selektion in Birkenau, sah ich Doktor Lucas nochmals im Stammlager.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Так написано: »Две недели позже, после этой селекции в Биркенау, я видел Доктора Лукаса в лагере.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не знаю, может, и видел. [...] Может быть, я его видел – на »браме« он стоял, может быть, на транспорте ехал. Может быть, видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nun ja, es ist möglich, daß ich ihn gesehen habe, daß er am Tor gewesen ist oder irgendwo vorbeiging, aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Zeuge, Sie haben uns hier ein Bild19 überreicht, wo zwei Ärzte drauf sein sollen. Sie sagten, wenn ich nicht irre, Doktor Klein und Doktor Thilo.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Thilo und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Thilo und König

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Thilo und König.

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl. Haben Sie auch einmal ein Bild gesehen, wo Doktor Lucas auf der Rampe abgebildet war?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы нам показали здесь снимок, на котором находятся, как Вы сказали, доктор Тило и доктор Кениг. Видели ли Вы когда-нибудь снимок, на котором бы был доктор Лукас, принимающий участие в селекции?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У меня такого снимка нет, и я не видел. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe kein solches Bild, und ich habe kein solches Bild gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. Also das war jetzt für Doktor Lucas. Er hatte dann noch etwas auszusagen über Doktor Capesius und Mulka. Zunächst bitte Doktor Capesius.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы хотите сказать ещё что-то на тему Капесиуса и Мулки. Сначала начнём с Капесиуса.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

О Капесиусе я вчера сказал уже.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Über Capesius habe ich bereits gestern ausgesagt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мне только рассказали врачи-»гефтлинги«, что Капесиус является старшим аптекарем лагеря. Что он, вроде бы, уничтожает румынских, венгерских евреев

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mir wurde von den Häftlingsärzten im Lager gesagt, daß Capesius der Lageroberapotheker ist. Daß er die rumänischen Juden und die ungarischen Juden vernichtet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Что он сам лично забрасывает »Циклон« в газовые камеры.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Daß er persönlich das Zyklon in die Gaskammer einwirft.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И что особенно важно, самое главное, что он использует для перевозки »Циклона« санитарные машины Красного Креста.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und, was das Wichtigste ist, daß er die Wagen des Roten Kreuzes dazu benutzt, um das Zyklon zu transportieren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лично я с Капесиусом не встречался. И его работу не наблюдал. Я о нём знаю только по рассказам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich persönlich kam in keine Berührung mit Capesius. Und ich habe seine Arbeit nicht beobachtet. Ich weiß über ihn lediglich vom Hörensagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was wissen Sie von dem Angeklagten Mulka?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что Вам известно о подсудимом Мулке?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мулка – это освенцимский Эйхманн.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mulka, das war der Eichmann von Auschwitz.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сейчас я попытаюсь это доказать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich werde versuchen, das jetzt zu begründen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сошлюсь только, если председатель Суда разрешит сослаться мне на два документа из того же архива.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich werde, wenn Sie mir erlauben, mich auf zwei Dokumente aus dem gleichen Archiv stützen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мулку я лично один раз видел в лагере, когда мы были на карантинном блоке. В январе- феврале 43-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich persönlich habe Mulka einmal im Lager gesehen. Als wir in dem Quarantäneblock waren. Das war im Januar/Februar 1943.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нас по 10, по 5 человек часто гоняли на выполнение мелких работ. На разгрузку угля, на уборку территории. Два раза мы подметали около помещения коменданта лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann wurden wir so zu zehn, zu fünf Personen gejagt, um so kleine Arbeiten zu verrichten. Zum Beispiel, um Kohle auszuladen. Um das Gebiet zu säubern. Wir haben zweimal das Territorium gereinigt in der Nähe, wo die Kommandantur stand.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Всегда нас сопровождал, один немец, бандит, »штубовый« карантинного блока, Фриц. Он тоже нас часто избивал, во время нашей работы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit uns ging immer ein Deutscher namens Fritz, ein Krimineller, Stubenältester auf diesem Quarantäneblock, der uns grausam zu schlagen pflegte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В один из таких вызовов нас послали на разгрузку угля. В эсэс-городке и в комендатуре не было центрального отопления, все печки топились углем.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und als wir eines Tages wiederum dann den Befehl bekamen, Kohle auszuladen, da in den SS-Gebäuden und auch in der Kommandantur keine Zentralheizung gewesen ist und alles mit Kohle geheizt wurde.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы разгружали уголь и в ящиках носили в это помещение. И потом, когда мы закончили эту работу, вышел высокий немец. Такой блондин с орлиным носом. И дал этому »штубисту«, Фрицу, пачку сигарет. Видимо, отблагодарив за эту разгрузку угля

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben also Kohle ausgeladen und in Kisten in die Gebäude gebracht. Als wir diese Arbeit beendeten, kam ein großer Deutscher heraus. Ein blonder Mann mit einer Adlernase, und er gab diesem Fritz, dem Stubenältesten, ein Päckchen Zigaretten. Anscheinend als Dank dafür, daß diese Kohle ausgeladen wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Und darf ich noch mal fragen, wohin die Kohle gebracht worden ist?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In die Gebäude.

 

Vorsitzender Richter:

In welche Gebäude?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В какое помещение был этот уголь принесен?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это, видимо, в комендатуру лагеря, я так понимал. Где сидел Гес.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In die Lagerkommandantur anscheinend, so wie ich damals verstanden habe. Dort, wo Höß saß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das war also außerhalb der inneren Umzäunung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это, значит, было вне внутреннего лагеря?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вне лагеря, да. Выводили за »браму« нас. Два автоматчика с нами было, »эсэсмана«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, außerhalb des Lagers. Man hat uns durch das Tor geführt. Zwei bewaffnete SS-Männer waren mit uns

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И »капо«, который смотрел [+ следил за нами] сильней, чем автоматчики. Он дал нам потом по одной сигарете, и сказал, что это был начальник штаба лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und der Kapo, der noch mehr auf uns achtete als diese bewaffneten SS-Männer. Er hat uns dann später jedem eine Zigarette gegeben und hat gesagt, daß es der Stabskommandeur des Lagers gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Начальник штаба лагеря, он его назвал: Мулка.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und nannte den Namen Mulka.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev :

Больше я Мулку там не видел. Он считался интеллигентом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mehr habe ich Mulka dort nicht gesehen und bin ihm auch nicht begegnet. Man hielt ihn für einen Intelligenzler.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но я возвращусь к первой мысли, что это – освенцимский Эйхманн.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber ich komme jetzt wieder zu meinem ersten Gedanken zurück, daß er der Eichmann von Auschwitz gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У нас есть в архивах статус положения адъютанта главного коменданта лагеря. Там написано.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bei uns im Archiv befinden sich die Feststellungen über den Status und die Aufgaben des Lagerkommandanten. Und dort steht geschrieben

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das wissen wir, das ist uns bekannt. Das brauchen Sie nicht zu sagen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

это мы знаем.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Tо из книг, а это из документальных данных – »Совершенно секретно«. Мы его представим суду, если он потребуется.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das wissen Sie aus den Büchern. Und wir haben das aus den Dokumenten, die streng geheim sind. Wenn das Gericht das für erforderlich hält, werden wir das dem Gericht vorlegen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was steht in den Dokumenten drin?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ну и что там написано, в этих документах?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Что адъютант является первым помощником и начальником штаба.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Daß der Adjutant der erste Helfer ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also das ist die Lagerordnung, das haben wir verlesen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это мы имеем, это было здесь зачитано.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie etwas Präzises und Konkretes darüber, was Mulka eigentlich getan hat in dem Lager?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но знаете ли Вы конкретно и точно, что, собственно говоря, Мулка сделал в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На период Mулки приходится уничтожение 8.000 советских военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In die Periode von Mulka fällt die Vernichtung von 8.000 sowjetischen Kriegsgefangenen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что в зимние месяцы 42-го и 43-го года, за пять месяцев было умерщвлено 8.000 советских военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In den Wintermonaten 1942 und 43, in den fünf Monaten wurden 8.000 sowjetische Kriegsgefangene getötet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Все распоряжения и графики этой работы исходили от Мулки, как от начальника штаба.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle Verordnungen darüber und die Einteilung kamen von Mulka als Leiter des Stabes.

 

Vorsitzender Richter:

Ja – und das wäre uns jetzt sehr interessant, wie kann der Zeuge das uns bestätigen oder belegen –, wieso weiß er das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мы очень заинтересованы в том, чтобы Вы доказали и представили нам, на основании чего Вы это утверждаете.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мулка собственноручно никого не убивал. Но его распоряжения по телефону и приказы приводили в движение все системы уничтожения.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mulka hat mit eigenen Händen niemanden getötet. Aber seine Anweisungen durchs Telefon und auch seine Befehle haben das ganze System der Vernichtung in Betrieb gesetzt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und da möchten wir jetzt gern von dem Zeugen wissen, wieso er das weiß.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вот мы охотно бы узнали от Вас, откуда Вы это знаете?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я уже повторял, что, во-первых, – будучи в лагере – через руководителя Движения сопротивления Эрнста Бюргера, Людвига Лакманиса, Фримеля и других. Они рассказывали о механизме уничтожения советских военнопленных. Сам я в это время в лагере не был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe bereits wiederholt ausgesagt, daß ich noch im Lager von verschiedenen Führern der Untergrundbewegung, wie Ernst Burger, Lokmanis und anderen, gehört habe über die Maschinerie der Vernichtung von sowjetischen Kriegsgefangenen. Ich war ja zu der Zeit nicht dort.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Русские помещались в девяти блоках, обнесенных колючей проволокой – был сделан лагерь в лагере.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie haben uns gesagt, die gesamte Maschinerie ist gelaufen aufgrund der telefonischen oder schriftlichen Anordnung des Mulka. Und das ist natürlich für uns außerordentlich wichtig, das festzustellen. Wir haben bloß bisher noch keinen Zeugen gehabt, der uns sagen konnte, mit einigen Ausnahmen, wie diese Anordnungen gelautet haben, wer sie gesehen hat und was er gemacht hat darin. Und deshalb würde uns sehr interessieren, wenn Sie uns einmal sagen würden, was im einzelnen der Mulka gemacht hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Так как Вы сказали, что телефонные приказания и другие письменные приказы Мулки приводили в движение всю махину уничтожения, нас бы интересовало, на основании чего и что именно Вы об этом знаете? Пока что, за некоторыми исключениями, не было ни одного свидетеля, который точно бы нам мог сказать, как это именно было, как это происходило, как выглядели эти приказы, и каким образом всё это осуществлялось?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я был простым узником в Освенциме. Я не мог, разумеется, присутствовать или проникнуть в главную комендатуру, чтобы наблюдать работу Мулки, как начальника штаба.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war ja ein einfacher Häftling im Lager, und es war für mich unmöglich, da hinzukommen, wo die ganze Arbeit der Lagerleitung und von Mulka verlief.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Zeuge, das glauben wir Ihnen unbesehen. Nur wenn Sie sagen: »Der Mulka hat das gemacht«, dann können Sie das ja doch eigentlich nur sagen, wenn Sie es entweder gesehen oder gehört haben. Und deshalb möchte ich wissen, da Sie es selbst nicht gesehen haben, wie Sie sagen, was Sie gehört haben im einzelnen. Nicht etwa so in großer Linie: »Das war der Eichmann von Auschwitz.« Das können wir schlecht ins Urteil schreiben. Sondern wir müssen wissen im einzelnen, was hat der Mulka gemacht und was haben Sie gehört darüber.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мы от Вас не требуем и не ожидаем того, чтобы Вы, как простой узник в лагере, могли точно это всё видеть. Но всё, что Вы видели или слышали, особенно то, что слышали о том, как это происходило, [+ Суду важно знать], кроме тех фраз, мол, этот »Мулка был Айхманном Освенцима«. Этого мы не можем написать в решение суда. Но конкретно, что Вам об этом известно?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У меня два источника насчёт этого имеются. Первый источник – я уже говорил – это рассказы старых узников. Которые возглавляли Движение сопротивления в Освенциме. Которые были допущены больше, чем я, и информированы больше, чем я.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe darüber zwei Quellen, die existieren. Über die erste Quelle habe ich bereits berichtet. Das sind die Erzählungen der alten Häftlinge, die Führer der Untergrundbewegung in Auschwitz gewesen sind. Die ja zu mehr Sachen Zugang hatten als ich und die besser als ich informiert waren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И второй [источник]: это некоторые архивные документы, но они уже обнаружены после войны.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und die zweite Quelle: Das sind manche Archivdokumente, die nach dem Kriege erst gefunden wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Во-первых, я имею в виду Памятку по обращению с военнопленными в Освенциме, которую подписали Гес и Мулка. Имеется подлинник документа.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Erstens meine ich ein Erinnerungsstück, also aufgeschrieben über die Regeln der Behandlung der Kriegsgefangenen, das von Höß und von Mulka unterschrieben wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Was ist das für ein Dokument, das von Höß und Mulka unterschrieben worden ist? Das

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Über die Methoden der Behandlung von sowjetischen Kriegsgefangenen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wo ist das Dokument?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Где этот документ находится?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это не Памятка, а Инструкция.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das sind Instruktionen darüber.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Moment, wenn ich Sie recht verstanden habe, sollen doch diese Instruktionen von Höß und Mulka stammen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как я понял, это подписано Гесом и Мулкой?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И Мулкой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und diese Instruktionen sind doch in einem Dokument enthalten? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И где это находится, этот документ?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это находится в наших архивах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dieses Dokument befindet sich in unserem Archiv.

 

Vorsitzender Richter:

Von Mulka und von Höß unterschrieben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Подписаны Мулкой и Гесом?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, Гесом – наверняка. Что касается подписи Мулки, у нас имеются четыре документа, где внизу написано »Главный адъютант лагеря Аушвиц«. А фамилия подписана в четырёх случаях по разному. Но, по-моему, это Мулка.

 

Vorsitzender Richter:

Für die Richtigkeit der Ausfertigung.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben vier Dokumente, die ganz bestimmt von Höß unterschrieben wurden. Und außerdem steht drunter »Adjutant des Lagers«, und je in

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

На машинке внизу напечатано.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mit der Schreibmaschine geschrieben, »Lageradjutant«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А наверху две подписи Мулки, очень похожие друг на друга в документах

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und oben sind jedesmal andere Unterschriften. Zwei Unterschriften sehen sich sehr ähnlich.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А в остальных пяти документах подпись очень изменена, почему-то.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und in den anderen fünf ist die Unterschrift etwas anders, variiert also.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но в этот период, которым датированы документы, адъютантом был Мулка.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber in dieser Periode war Mulka Adjutant des Lagers. Also in der Periode, die nach dem Datum des Dokuments festzustellen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Значит, первый документ – Инструкция об отношении к советским военнопленным.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also das erste Dokument sind Instruktionen über die Behandlung von sowjetischen Kriegsgefangenen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я зачитаю одну выдержку: »Нет никаких оснований допускать сентиментальность К советским военнопленным. К ним надо относиться, как к лютым врагам и зверям. Как к чудовищам. Эта проблема советских военнопленных не имеет никакого отношения к рыцарскому поведению наших солдат, или Правилам Женевской конвенции о правах военнопленных.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zum Beispiel – ich zitiere jetzt einen Satz: »Es gibt keine Veranlassung, Sentimentalität anzuwenden in bezug auf die sowjetischen Kriegsgefangenen. Man muß sie wie die schlimmsten Feinde und Bestien behandeln, wie Ungeheuer. Das Problem der Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen hat nichts zu tun mit der ritterlichen Haltung unserer Soldaten, weder mit der ritterlichen Handlung unserer Soldaten noch mit den Regeln der Genfer Konvention über die Kriegsgefangenen.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот она выдержана в таких тонах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dieses Dokument ist eben in dieser Art geschrieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Второй документ.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie ist das? Das Dokument befindet sich in welchem Archiv?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И где находится этот документ, в каком из архивов?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В архиве Советской Армии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im Archiv der sowjetischen Armee.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie es dort gesehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы это сами там видели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я видел копию. Я мог бы привезти эти документы на процесс. [...] Но по нашим законам Документы-подлинники доставляются представителям прокуратуры государственными представителями. Потому что у свидетелей могут эти документы похитить. Либо свидетелю могут не поверить. Поэтому у нас существует правило государственного [+ официального] представления этих документов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja. Ich habe die Kopie gesehen. Ich hätte diese Dokumente zum Prozeß mitbringen können, aber laut unserer Gesetze sind die Dokumente im Original durch den Vertreter der Staatsanwaltschaft vorzulegen, [...] als Vertreter des Staates. Denn dem Zeugen könnten diese Dokumente gestohlen werden. Oder man kann auch dem Zeugen keinen Glauben schenken. Deswegen gibt es bei uns eine Regel über die Vorlage und Überbringung von Staatsdokumenten.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Поэтому мы и просили визу на профессора Алексеева.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aus diesem Grunde haben wir um das Visum für den Professor Alexejew gebeten.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Und sind Sie in der Lage, uns eine beglaubigte Fotokopie dieser Urkunde zu beschaffen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Могли бы Вы нам достать заверенную фотокопию этих документов?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Конечно, это можно. Безусловно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Natürlich, es ist unbedingt möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Das wäre also sehr nett von Ihnen, wenn Sie das täten. Eine amtlich beglaubigte Fotokopie des Originals.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это было бы очень любезно с Вашей стороны, если бы Вы могли представить Суду заверенную властями фотокопию этих документов.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы мечтаем об этом всё время, чтобы Суду представить документы, и будем очень рады.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist unser Wunsch seit langer Zeit, diese Dokumente dem Gericht vorzulegen. Und wir bitten ja drum.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но как сделать это практически, организационно?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber wie man das praktisch eben bewerkstelligen soll

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Soviel ich weiß, existiert eine Postverbindung zwischen Rußland und Deutschland.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Существует же связь, почтовая между Советским Союзом и Германией.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, следует привезти документы и вручить официально.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, diese Dokumente muß man hierher bringen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was das Original anbelangt, will ich Ihnen ja gar nicht widersprechen, daß Sie die nicht aus der Hand geben wollen. Aber eine amtlich beglaubigte Fotokopie dieser Dokumente stellt ja an sich keinen besonderen Wert dar, weil die ja jederzeit wiederholt werden kann. Soweit Sie das Original behalten, können Sie doch eine amtlich beglaubigte Fotokopie uns mit der Post zuschicken.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я с Вами согласен, если дело касается подлинников. Это понятно, что Вы не можете выдать подлинники этих документов. Но заверенная фотокопия всегда может быть повторена. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не представляю здесь официально нашей Прокуратуры и Суда, в чьих руках находится решение всех этих проблем, но считаю, что копии, конечно, могли бы быть высланы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin natürlich hier kein amtlicher Stellvertreter der sowjetischen Staatsanwaltschaft oder der Gerichte, in deren Händen sich diese Dokumente befinden. Aber meine persönliche Meinung ist es, daß es möglich ist, solche Fotokopien anzufertigen.

 

Vorsitzender Richter:

Vielleicht haben Sie die Liebenswürdigkeit, sich einmal, wenn Sie zurückkommen, darum zu bemühen, daß wir eine amtlich beglaubigte Fotokopie dieser Berichte bekommen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Может быть Вы будете так любезны, после своего возвращения постараться, чтобы заверенные властями фотокопии этих документов попали сюда, в Суд?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я приложу все силы для этого.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, ich werde mir große Mühe geben, das zu tun.

 

Vorsitzender Richter:

Danke sehr.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Второй документ, очень интересный.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Спасибо большое. — Dann ist noch ein zweites Dokument auch sehr interessant.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В советских архивах обнаружено двенадцать отчётов инженера Фауста из »Фарбен- Индустри« в лагере Моновицы. Это главный представитель фирмы Фарбен-Индустри в Моновицах, на строительстве завода, синтетической фабрики.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben noch im Archiv zwölf Berichte von Ingenieur Faust aus den Werken in Monowitz. Er war der Hauptleiter der Arbeiten dort.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der IG Farbenindustrie.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der IG Farbenindustrie.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это называется »Еженедельные отчёты инженера Фауста«. В этих документах упоминается имя Геса и Мулки.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Dokumente heißen »Wöchentlicher Bericht des Ingenieurs Faust«.In diesen Dokumenten wird der Name von Höß und Mulka erwähnt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В данном случае с 8-го по 21-ое февраля 43-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und zwar es handelt sich um die Zeit zwischen 8. und 21. Februar 1943. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там говорится, что в соответствии с договором, заключённым Фарбен-Индустри с Гиммлером об использовании узников на Биркенау, то есть, в Моновицах, установлена плата эсэсовскому управлению Поля: 4 рейхсмарки за один рабочий день. А фактическая стоимость содержания: 50 пфеннигов. Ну, там расчёты какие-то пишутся.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dort steht geschrieben: Gemäß der Vereinbarung zwischen Himmler und der IG Farbenindustrie über die Benutzung der Häftlinge als Arbeitskräfte wird die Bezahlung, also das Entgelt, mit vier Reichsmark für den Tag pro Häftling festgelegt, obwohl die Unterhaltskosten nur 50 Pfennig pro Tag betrugen.

 

Vorsitzender Richter:

Also hat die IG mehr gezahlt, als in Wirklichkeit der Unterhalt der Häftlinge betrug.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И.-Г., значит, заплатило больше? 50 пфеннигов стоило содержание.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А, ну да, содержание.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, wenn Sie auch eine Fotokopie dieser Urkunden uns beschaffen würden in beglaubigter Form, dann... [...]

 

Verteidiger Laternser:

[unverständlich] die Urkunden lieber selbst sehen, als daß sie nur fotokopiert werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser, ich möchte zunächst einmal eine beglaubigte Urkunde sehen, nicht. Um mir dann ein Bild zu machen, ob wir vielleicht doch noch die Originalurkunden brauchen. Also wenn der Zeuge das in die Wege leiten würde, daß wir diese fotokopierten beglaubigten Urkunden bekämen, dann möchte ich ihn darum gebeten haben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

18 фотокопий, мы пришлём.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Да, эти фотокопии, чтобы Суд мог на основании этих заверенных фотокопий убедиться в том, нужно ли ему посмотреть подлинники.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Совершенно верно. Но я не договорил. Это расчётная часть, а вторая – следующая. Инженер Фауст пишет, что большинство узников на Биркенау находятся в очень плохом состоянии и не могут работать. И по распоряжению Геса и Мулки все физически ослабшие узники, работающие на Фарбен-Индустри, должны быть убраны.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also das war der eine Teil über die Zahlungsbedingungen. Und der zweite Teil ist allgemeiner Art. Der Ingenieur Faust schreibt, daß der Zustand der Häftlinge ein sehr schlechter ist, daß sie nicht in der Lage sind zu arbeiten. Und er fährt fort, daß laut Verordnung von Höß und Mulka alle Häftlinge, die krank und arbeitsunfähig sind, fortgeschafft werden müssen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Убраны! Вот слово: убраны. Убраны, это значит, в газовую камеру отправлены.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also »fortgeschafft werden«, das ist das Wort. Und das bedeutet: in die Gaskammer gebracht werden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как известно, с Фарбен-Индустри, с Буны 30.000 узников там погибли на строительстве этого завода. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Тридцать тысяч. — Und wie bekannt ist, sind 30.000 Häftlinge in den Buna-Werken gestorben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Все эти 18 документов мы постараемся представить Вам в копии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Alle diese 18 Dokumente werden wir uns bemühen, Ihnen in den Fotokopien vorzulegen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn ich bitten darf, die Fotokopien mit einer amtlichen Beglaubigung zu versehen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но, пожалуйста, эти фотокопии должны быть заверены официально.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Кто их должен заверить: Прокуратура, Суд или нотариус?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, durch wen müssen sie beglaubigt werden? Durch den Staatsanwalt?

 

Vorsitzender Richter:

Durch das Gericht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Суд должен заверить копии.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Суд.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bevor wir in die Befragung des Zeugen eintreten, möchte ich zunächst eine Pause einlegen bis um Viertel nach zehn.

 

– Schnitt –

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вопросы Суда.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пожалуйста.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, als Sie in den Krieg zogen, wurden Sie als Truppenmajor eingezogen oder als Arzt in Ihrem Beruf?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, пожалуйста, когда были Вы призваны на военную службу, Вы были простым военным или как военный врач призваны?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я работал в санитарном управлении армии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich habe in der sanitären Leitung der Armee gearbeitet.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und als Sie in Gefangenschaft gerieten, in dem Stammlager, im Mannheimer Raum, konnten Sie da in Ihrem Beruf arbeiten, oder waren Sie als kriegsgefangener Soldat in irgendeiner handwerklichen Tätigkeit tätig?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, пожалуйста, когда Вы попали в плен и находились в лагере около Маннхайма, Вы там тоже работали по своей специальности, как врач, или Вы исполняли другие работы простого солдата?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, я на общих правах военнопленного был, и в лагере не знали, что я офицер. Я был как солдат. Мы знали, что офицеров эсэсовцы тут же уничтожают.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich befand mich im Lager als einfacher Soldat, und niemand wußte, daß ich ein Offizier gewesen bin. Ich war als Soldat dort. Es war uns bekannt, daß die Offiziere sofort von den SS-Männern getötet werden.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, in Mannheim, da waren Sie aber doch nicht bei der SS?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но в Маннгайме ведь не были эсэсовцы.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Привезли нас »вермахтовцы«, а передали, по- моему, тоже эсэсовцам.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Wehrmacht hat uns gebracht, aber soweit ich mich erinnere, hat man uns da den SS-Leuten übergeben.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und als Sie wieder aufgegriffen wurden, haben Sie wieder nicht angegeben, daß Sie Arzt waren, das brauchten Sie ja dann auch nicht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А когда Вас снова поймали, то Вы тоже не сказали, что Вы врач, Вам не нужно было тогда...

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Конечно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Natürlich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Und Sie kamen, damals sagten Sie, nach Neuengamme von Birkenau aus.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы попали, как Вы вчера сказали, в Нойнгамму из Биркенау?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wann sind Sie weggefahren nach Neuengamme?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А когда Вас отправили в Нойнгамме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В сентябре, по-моему, транспорт был.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Im September, glaube ich, war der Transport.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und haben Sie in Birkenau lange auf den Transport gewartet, oder sind Sie gleich weggefahren?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Долго ли в Биркенау Вы ждали транспорт, или же Вас сразу увезли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Недели три, по-моему, или две.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Drei oder zwei Wochen, glaube ich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und vorher waren Sie in Monowitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А перед тем Вы были в Моновице?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und was haben Sie da gearbeitet, in Monowitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А что Вы там делали, как Вы там работали, в Моновице?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В Моновицах мы поехали не работать. Десять советских офицеров из »штаммлагеря« были переправлены в Моновицы для совершения побега.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach Monowitz sind wir nicht zur Arbeit gefahren. Zehn sowjetische Offiziere aus dem Stammlager wurden nach Monowitz überstellt, um eine Flucht vorzubereiten.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das verstehe ich nicht ganz.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Um die Flucht vorzubereiten. — Как это понять?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я объясню ещё... я ещё раньше

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich werde noch weiter ausholen müssen, um es Ihnen zu erklären. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sagen Sie zunächst einmal, wie lange waren Sie in Monowitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как долго Вы были в Моновице?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Июль, август. Месяца два, наверное, полтора.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwei Monate, etwa anderthalb Monate.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Und jetzt erzählen Sie, was da war.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Теперь, пожалуйста, расскажите, как это было.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По решению Организации Сопротивления, которую возглавлял Эрнст Бюргер и Юзеф Циранкевич, теперешний премьер-министр Польши, было принято решение помочь группе советских офицеров, десяти человекам, совершить побег. Для связи с краковским подпольным центром и дальнейшей помощи в освобождении Освенцима.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach dem Beschluß der Untergrundbewegung, die von Ernst Burger und Józef Cyrankiewicz geleitet wurde, Cyrankiewicz, der jetzt Premierminister in Polen ist, wurde beschlossen, daß eine Gruppe von sowjetischen Offizieren, zehn Personen, daß man dieser Gruppe von den Offizieren helfen soll, die Flucht durchzuführen. Um eine Verbindung mit der Zentrale der Untergrundbewegung Krakau zustande zu bringen zwecks weiterer Hilfe zur Befreiung von Auschwitz.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Через »арбайтиста« Крумме мы были переброшены на Буну.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Durch den Arbeitsdienst, durch Krumme, sind wir nach Buna überstellt worden. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Krumme war ein Häftlingsschreiber beim Arbeitsdienst?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А Крумме, это был писарь при »арбайтсдинсте«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. мы его звали »арбайтист« лагеря.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben ihn »Arbeitsleiter« im Lager genannt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aber er war Häftling?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но он был узником?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. Он сейчас в Мюнхене.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das ist ein Häftling. Er ist jetzt in München.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А Эрнст Бюргер через него включил нас в эту группу, в команду, которая ехала [+ в Моновицы].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und Ernst Burger hat uns durch ihn dieser Gruppe zugeteilt, die als Kommando dorthin fuhr.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

То-есть, они обвели эсэсовцев вокруг пальца.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben dann die SS-Männer so um den Finger gewickelt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wie groß war die Gruppe, die nach Monowitz kam?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как велика была это группа, которая пошла в Моновицы?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Десять человек, русские.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zehn Russen waren dabei.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nur? Sie ganz allein?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Alles Russen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но эта группа была – десять русских, или ещё кто-то?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, из »штаммлагеря« на Буну поехало 10 человек.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aus dem Stammlager nach Monowitz fuhr die Gruppe von zehn Personen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Mehr nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Не больше?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По-моему, нет.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, nein.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Сначала нас завезли на шахту. Мы там три дня были. А потом перебросили на Буну.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zuerst sind wir in den Schacht gebracht worden. Dort waren wir drei Tage gewesen. Und dann kamen wir nach Buna.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Работали мы в команде компрессорного цеха на строительстве в Буне. И сразу связались с англичанами. Их там работало 600 человек военнопленных. По плану, с нами должны были уйти 20 английских офицеров.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben in der Kompressorenzeche gearbeitet. Und kamen sofort in Verbindung mit den Engländern, weil dort 600 englische Kriegsgefangene gearbeitet haben. Geplant war folgendes: Mit uns sollten 20 englische Offiziere mitgehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы начали искать пути выхода из лагеря. И решили использовать канализационные трубы. Исследовали все коммуникации, которые выходили в Вислу.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben angefangen, nach den Wegen aus dem Lager zu suchen, und wir wollten die Kanalisationsröhre dabei benutzen. Wir haben alle Verbindungen, die zur Weichsel führten, untersucht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но при выходе труб в Вислу, они были закрыты металическими толстыми решётками.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber beim Ausgang zur Weichsel waren diese Röhren mit einem schweren eisernen Gitter verschlossen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Es kam also nicht zur Flucht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И, значит, это не привело к побегу?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. Мы затащили в трубы автогенные аппараты что-бы выжечь эти [+ решетки].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es kam nicht zur Flucht. Wir haben das Autogenschweißgerät dahin gebracht und wollten versuchen, die Röhre zu schmelzen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und dann kamen Sie auch nach Birkenau zurück?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но потом вы вернулись обратно в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Побег не удался. Потому что выдал нас провокатор – »капо« пожарной команды. Хотя он, правда, не знал плана нашего побега. Выдал нас, полагая, что мы что-то украли. Автогенную горелку. Нас тут же всех отправили на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also die Flucht ist nicht gelungen. Wir wurden von einem Provokateur, von einem Kapo der Feuerwehrkommandos, verraten. Obwohl sie über unseren Fluchtplan nichts gewußt haben, hat er uns verraten, und zwar über den Vorwurf eines Lagervergehen, daß wir etwas gestohlen haben, eben dieses Schweißgerät. Und wir wurden dann sofort alle zusammen nach Birkenau gebracht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И в это время пленные англичане совершили две диверсии на теплоцентрали. Поэтому, видимо, обстановка политическая там была напряжённая, нас всех выдворили [+ на Биркенау].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Währenddessen haben die Engländer zwei Diversionsversuche gemacht, auf die Wärmezentren von Häftlingen, und da die Atmosphäre sehr ungünstig wurde, hat man uns deswegen schleunigst zurück nach Birkenau geschickt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Eine andere Frage: Sie sagten seinerzeit bei der Vernehmung bei Herr Staatsanwalt Kügler, daß Sie im August 43 und im März 44 zwei Wochen beim Elektrikerkommando gearbeitet hätten. Sie sagten hier gestern in der Hauptverhandlung, daß Sie ab und zu mit dem Elektrikerkommando nach Birkenau gekommen seien.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Во время Вашего допроса прокурором Кюглером, Вы сказали, что в августе 43-го года и в марте 44-го года Вы работали в команде электриков. А вчера, здесь перед Судом, Вы сказали, что время от времени работали с командой электриков.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Совершенно верно. Я просто,отвечая прокурору, вспомнил две даты. А я был десятки раз с этой командой электриков в женском лагере, в частности. И узницы женского лагеря меня знают, их сейчас много живых. И во Франции, в Польше и в Чехословакии. Они меня знали тогда,ещё в лагере.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das ist ganz richtig so. Ich habe dem Staatsanwalt einfach diese zwei Fälle, die mir in Erinnerung kamen, diese zwei Daten genannt. Aber es waren mehrere Male. Ich bin mehrere Male mit den Elektrikerkommandos in Birkenau gewesen. Viele weibliche Häftlinge kennen mich heute noch, die jetzt in der Tschechoslowakei, in Frankreich, in Polen leben.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Soll das bedeuten, daß Sie während Ihrer ganzen Zeit, in der Sie in Auschwitz waren, ab und zu nach Birkenau kamen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это означает, что Вы, во время Вашего пребывания в Освенциме, много раз бывали в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Около десяти раз, наверное, бывал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, so zehnmal war ich bestimmt dort.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kamen Sie dabei auch mal ins Zigeunerlager?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы были и в цыганском лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я в цыганском лагере не был, но рядом с ним находился однажды.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war nicht im Zigeunerlager, aber einmal war ich neben dem Zigeunerlager.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Waren Sie auch mal im Krankenbau in Birkenau?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Бывали ли Вы когда-нибудь в больнице в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, около которой были крематории.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ja, daneben war das Krematorium.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie sagten heute, daß Sie besonders interessiert daran waren, was auf dem sanitären Sektor geschah. Haben Sie dort mit den Ärzten in Birkenau Fühlung aufgenommen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сегодня нам сказали, что особенно интересовались изучением санитарной службы лагеря. Общались ли Вы тогда с врачами в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, с врачами Биркенау мне не удалось общаться, потому что они все были при крематории. Они работали ассистентами Менгеле, ассистентами Тило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, es ist mir nicht gelungen, mit den Ärzten in Birkenau in Verbindung zu kommen, weil sie alle beim Krematorium gewesen sind.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich denke nicht an die SS-Ärzte, ich denke hier an die Häftlingsärzte.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я имею в виду не врачей эсэс, а врачей- узников. Имели ли Вы контакт с врачами- узниками в Биркенау?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В Биркенау мне это не удалось.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Birkenau hatte ich keine Verbindungen, es ist mir nicht gelungen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich frage das aus einem ganz bestimmten Grund: Sie haben uns heute von einer Selektion erzählt, bei der ein Arzt, von dem Sie später gehört hätten, daß es der Doktor Lucas war, die Schwachen ausgesondert habe. Und wir haben von einem Häftlingsarzt aus Birkenau gehört, daß in Birkenau der Doktor Lucas grade die Selektion abgeschafft habe.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы нам рассказывали о селекции в Биркенау, которую, якобы, как Вам говорили, проводил доктор Лукас. А мы слышали утверждение одного узника, о том, что доктор Лукас, после появления в Биркенау, прекратил селекции.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Наверное, этот узник ненормальный.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sicher ist dieser Häftling nicht normal.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Es ist nicht nur einer gewesen, es waren ehrenwerte Ärzte, das waren Häftlinge.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это был не один только узник, это были многие, уважаемые узники.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда мы уезжали в Нойенгамме и были в Биркенау в сентябре, то каждый день венгерские, варшавские транспорты прибывали. И каждый день проходили селекции. И людей жгли не только в крематориях, но и во рвах. Мы сами это видели. Какой узник это может скрыть?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als wir im September in Birkenau waren, bevor wir nach Neuengamme gingen, da kamen die ganze Zeit die Transporte aus Ungarn an. — откуда

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, ich habe es gehört, ich meine nicht die Transporte, sondern ich meine diese

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Und da wurden die Menschen vergast.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich meine nicht die Selektionen der Transporte, sondern die Selektionen im Krankenbau.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это я знаю, это слышал. Но я имею в виду не селекции транспортов, а именно селекции в больнице.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На Биркенау я знал доктора, женщину, немку, Герту Шрейдер.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kannte eine Ärztin in Birkenau, eine Deutsche, die hieß Doktor Gertrud Schreider.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Она работала на 25-ом блоке »кранкебау« в Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie hat auf dem Block 25, Krankenbau, in Birkenau gearbeitet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И она рассказывала, когда мы были на Биркенау, что отбор больных женщин происходит у них каждый день.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und sie hat mir erzählt, daß die Selektion der Frauen in Birkenau jeden Tag stattfindet.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wer hat das da gemacht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И кто это тогда проводил, эти селекции?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Врачи эсэсовские.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die SS-Ärzte.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У нас в Минске сейчас живут девяносто женщин [+ бывших узниц] из Биркенау. Они сами всё это видели. Они были в двух женских лагерях.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben in Minsk noch 90 Frauen aus Birkenau, die mit ihren eigenen Augen das Ganze gesehen haben. Das heißt, sie waren in zwei Frauenlagern.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich sprach eben nicht vom Frauenlager, sondern von dem Männer-Krankenbau. Aber eine andere Frage.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но я говорю не о женском лагере, я говорю о мужском »Кранкенбау«... [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А я на Биркенау больше был в женской секции. Я уже повторял это.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war ja meistens auf der Frauensektion. [...] Das habe ich ja schon wiederholt gesagt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, deswegen, ich hatte nur gefragt, ob Sie in dem Männer-Krankenbau auch gewesen wären.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я только хотел узнать, не были ли Вы также и на мужском »Кранкенбау«? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы много раз проходили мимо цыганского мужского лагеря. И работали по эту сторону проволоки – с внешней, а они с внутренней [+ стороны].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir sind nur mehrere Male vorbeigegangen. Und wir haben auf der anderen Seite vom Zaun gearbeitet. Nicht von innerhalb, sondern von außerhalb.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Eine andere Frage: Sie nannten den Selektionsbefehl von Höß über die Ärzte, die die Selektionskommission bilden sollten. Haben Sie da Unterlagen da, und können Sie uns sagen, welches Datum dieser Befehl trägt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы нам говорили сейчас о Приказе Гесса относительно состава селекционной комиссии.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это не Приказ, а утверждённый список членов селекционной комиссии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war kein Befehl, das war eine Liste. Die Liste über die Mitglieder der Selektionskommission.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вам не известно ли, случайно, от какого числа этот список?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Этот список [+ датирован] 44-м годом. Апрель, или май.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese Liste ist aus dem Jahre 1944. Entweder April oder Mai, so was.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У нас этих Списков много. И за 42-ой, и за 43-ий, и за 44-ый годы. Надо бы разобраться.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Übrigens, bei uns sind viele solche Listen. Aus dem Jahre 42, 43 und 44.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nun haben uns alle Zeugen bisher erzählt, daß im April und im Mai 1944 Höß gar nicht in Auschwitz gewesen sei. Zumindest nicht als Kommandant.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но нам многие свидетели говорили, что в апреле и мае 44-го года Гесса уже не было в лагере. Во всяком случае, как коменданта.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, значит, Бэр, видимо, подписал. Я ведь просматривал текст, но не так внимательно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nun, dann ist es vielleicht von Baer unterschrieben. Ich habe den Text gesehen, aber...

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда мы будем исследовать, увидим там, полагаю, подписи и Бэра, и Гесса. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann ja nicht sagen, vielleicht war das die

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Нет, в 43-м году Гесс был.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Entschuldigung, aber der Vorhalt stimmt nicht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Im Mai 44 war Höß in Auschwitz.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nicht als Kommandant.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Na sicher. Das ist doch die Zeit der ungarischen Transporte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

War Baer.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

War nicht Baer. April/Mai 44 war das.

 

Vorsitzender Richter:

April/Mai 44 war meines Erachtens Höß nicht mehr als Kommandant da.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Liebehenschel.

 

Vorsitzender Richter:

Da war doch Liebehenschel noch da, und dann kam Baer.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Baer war weit später.

 

Vorsitzender Richter:

44.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

44

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, und vor ihm war Liebehenschel.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Liebehenschel.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich habe da eine von mir gefertigte Abschrift aus dem Standortbefehl 14 aus dem Jahre 1944. Der datiert vom 8. Mai 44, und da heißt es: »Ich bin mit sofortiger Wirkung als Kommandant des Konzentrationslagers Lublin mit den Arbeitslagern Warschau, Radom, Budzyń und Bliżyn versetzt. Die Geschäfte des SS-Standortältesten hat bis auf weiteres SS-Obersturmbannführer Höß, Chef des Amtes DI, übernommen. Ich danke allen Führern«20 und so weiter, und so weiter. Das ist offensichtlich der Abschiedsstandortbefehl von Liebehenschel.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und dann kam ja

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also das war am 8. Mai, wenn ich nicht irre.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

8. Mai, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Da war also Liebehenschel schon wieder weggegangen?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und Baer war Kommandant von Auschwitz I, und Höß wurde nochmals Standortältester für das ganze Gebiet für die Zeit der Ungarn-Transporte. Und dann später wurde Baer auch Standortältester.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kam aber erst im Mai. Im April war er nicht da.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Na, jedenfalls 8. Mai.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, der Zeuge räumt ein

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Entschuldigung [unverständlich] Der Beginn der Ungarn-Transporte. Die fallen ja ausschließlich unter die Verantwortung von Höß.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Zeuge schlägt vor, [...] da die Dokumente vorhanden sind

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Entschuldigung, ich will gerade den Herrn Zeugen folgendes fragen: Es macht Ihnen ja niemand den Vorwurf, daß Sie nach den Daten geschaut haben. Können Sie uns sagen, ob Sie in Ihren Archiven Originaldokumente darüber haben, wo sie sind und wie man zu beglaubigten Abschriften gelangen kann?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Никто не делает Вам упрёка из-за того, что Вы не запомнили число [+ которым датирован список]. Но не могли бы Вы нам сказать, находятся ли эти документы у Вас в архиве? И каким образом можно бы было получить оригиналы, или заверенные копии этих документов?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я уже председателю Суда присяжных сказал, что постараемся прислать или копии, или подлинники.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe dem Herrn Vorsitzenden des Schwurgerichtes bereits gesagt, daß wir uns Mühe geben werden, entweder die Originale oder die beglaubigten Fotokopien dem Gericht zu beschaffen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

[unverständlich] erledigt [unverständlich] Die Erfüllung der Auflage, für die Sie mir eine Verlängerung bis zum 8. Oktober gegeben haben, so das ist [unverständlich] meines Beweisantrages vom 10. September.21

 

Vorsitzender Richter:

Sie glauben, daß Sie selbst die Dokumente beschaffen werden?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich glaube, daß sich diese Frage dadurch erledigt hat.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Dann habe ich keine weiteren Fragen mehr. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, Sie erwähnten vorhin des öfteren den Namen Doktor Uhlenbroock. Haben Sie Doktor Uhlenbroock in Auschwitz gesehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы несколько раз вспоминали фамилию доктора Уленброка. Видели ли Вы его в лагере? — In Auschwitz?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In Auschwitz.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, он был там. Он назывался гарнизонным врачом. Он заходил много раз в лагерь, проводил селекции.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, er war Standortarzt. Er ging oft ins Lager hinein und führte die Selektionen durch.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, halten Sie an dieser Aussage auch fest, wenn ich Ihnen vorhalte, daß uns bisher alle Zeugen bestätigt haben, daß Herr Doktor Uhlenbroock schon Anfang September 1942 Auschwitz verlassen hat? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Будете ли Вы придерживаться своих утверждений, если я Вам скажу, что многие свидетели здесь в своих показаниях сказали, что доктор Уленброк в начале сентября 42-го года уехал из Освенцима?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не знаю. Что я на это могу ответить?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das weiß ich nicht. Was kann ich denn darauf erwidern?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun, also der Herr Rechtsanwalt Raabe hat gesagt, der Uhlenbroock kann zu dieser Zeit gar nicht mehr dagewesen sein. Ob Sie trotzdem sagen wollen, Sie haben ihn gesehen dort?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Адвокат хотел бы этим сказать, что его [+ доктора Улленбрука] в это время уже вообще не было в лагере. Ведь Вы тогда его не могли там видеть в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вы поймите психологически: мы собирали данные по всем врачам, и, возможно, у меня [+ в памяти] просто запечатлелся доктор Уленброк. Не только потому, что я его лично там видел. Запечатлелись его дела и его пребывание в лагере, на основании всех этих материалов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie müssen das vom psychologischen Standpunkt betrachten. Das ist möglich, daß ich über Doktor Uhlenbroock nicht daraus entnehme, was ich selbst gesehen habe, sondern anhand von Materialien, was ich über seine Tätigkeit im Lager gehört und studiert habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also, Herr Zeuge, in diesem Fall muß ich doch mal ganz präzise fragen. Sie haben vorhin gesagt, Sie haben den Doktor Uhlenbroock im Lager selbst gesehen. Und wenn Sie jetzt sagen: »Ich habe das gelesen aus Materialien«, dann ist das doch ein himmelweiter Unterschied.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я должен очень точно поставить Вам вопрос. Если Вы перед тем сказали, что Вы лично видели Уленброка в лагере, то Вы не можете теперь это утверждать, только на основании изучения Вами факта его работы в лагере. Потому что это огромная разница. Видели ли Вы его лично, или Вы только слышали о его деятельности в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я точно повторяю: я слышал о его деятельности. Кроме того, знакомство так происходило: например, вот Бертольд... Об Уленброке я не давал показаний. Я попутно назвал его фамилию только.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich antworte ja ganz genau. Ich habe von seiner Tätigkeit gehört. Und dann, die Bekanntschaft mit ihm war folgendermaßen: Ich habe doch über Uhlenbroock keine Aussage gemacht. Ich habe nur en passant seinen Namen erwähnt.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn kennengelernt in Auschwitz oder nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но познакомились Вы с ним в лагере, или нет?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мне показывали его, среди других. Я не уверяю, что это именно Уленброк был. Могла быть и ошибка, потому что врачей очень много было, а я по-немецки плохо понимал. Профессор Бертольд мне показывал...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat ihn mir in der Gesamtmasse der Ärzte gezeigt. Es kann ja ein Irrtum vorgekommen sein, da ich ja die deutsche Sprache nicht beherrschte.

 

Vorsitzender Richter:

Also verehrtester Herr Zeuge, meine Frage geht dahin, ob Sie diesen Doktor Uhlenbroock leibhaftig in Auschwitz gesehen haben oder nicht. Die Frage ist klar, ich erbitte ein Ja oder ein Nein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мой вопрос, многоуважаемый господин свидетель, очень прост. Ответьте »Да« или »Нет«: видели ли Вы доктора Уленброка собственными глазами, или нет?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Ну, получается так, что мне показывали доктора Уленброка наши товарищи, а его в лагере не было. Значит, это была ошибка. Возможно, мне показывали не доктора Уленброка, а кого-нибудь другого. Может, Тило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es sieht so aus, daß man ihn mir gezeigt hat im Lager und hat gesagt: »Das ist Doktor Uhlenbroock«, und er war nicht im Lager. Also es muß ja ein Irrtum vorgekommen sein, [...] als man ihn mir gezeigt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Hat man Ihnen einen Mann gezeigt, von dem man behauptete, er sei Doktor Uhlenbroock?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, Вам показывали какого-то человека и говорили, что это доктор Уленброк?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, я документов у него не спрашивал и не мог спрашивать

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, aber ich habe ja doch nach keinen Dokumenten bei ihm gefragt. Ich war ja auch dazu nicht in der Lage.

 

Vorsitzender Richter:

Danach haben wir ja nicht gefragt.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Об этом Вас не спрашивали.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie behaupten jetzt auf die Frage des Herrn Rechtsanwalt Raabe, Sie haben einen Mann gesehen in Auschwitz, von dem Ihnen gesagt worden ist, es sei Doktor Uhlenbroock. Stimmt das so?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, Вы отвечаете, на вопрос, который Вам поставил адвокат Раабе, что Вам показывали человека, о котором сказали, что это доктор Уленброк?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, и больше я ничего о нём не знал. Я не пытаюсь выдумывать того, чего не было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, und mehr wußte ich nicht von ihm. Ich hege ja keinen Wunsch, etwas auszudenken, was nicht gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das möchte ich auch nicht hoffen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я надеюсь, что это так и есть.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie sehen, Herr Zeuge, wie leicht Sie da einem Irrtum zum Opfer gefallen sind. Und es ist sehr dankenswert, daß Herr Rechtsanwalt Raabe diesen Irrtum doch hier aufgeklärt hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы видите, господин свидетель, как легко может получиться у Вас ошибка. И мы очень благодарны господину адвокату Раабе, что эта ошибка выяснилась.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но я должен просить Суд учесть то обстоятельство, что русским в Освенциме было в этом отношении очень трудно. Мы не имели прямых контактов. И располагали только информацией, рассказами.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich möchte das Gericht um Verständnis dafür bitten, daß es den Russen in Auschwitz sehr schlecht gegangen ist. Wir haben keine unmittelbare Verbindung mit nichts und nirgends.

 

Vorsitzender Richter:

Es wird dem Zeugen das niemand übelnehmen. Nur wenn er präzise sagt: Ich habe den Sowieso dort gesehen, dann muß das wahr sein. Wenn es nicht wahr ist, dann wird die gesamte Grundlage unserer Entscheidung und unseres Urteils erschüttert.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Никто Вам не делает упрёка из-за этого. Но если Вы точно даёте показания и говорите, что такого-то человека видели в лагере, а потом это оказывается неправдой, то решение Суда об этом, конечно, оказывается уже поколеблено.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe, ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, Sie sagten uns heute, daß bei der Selektion auf der Rampe, als Sie Doktor Lucas gesehen hatten, noch ein weiterer Arzt dabeigewesen sei. Halten Sie an dieser Aussage fest, wenn ich Ihnen vorhalte, daß Sie früher ausgesagt haben, daß neben Doktor Lucas noch drei weitere Ärzte auf der Rampe waren?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сегодня нам сказали, что во время селекции, которую проводил доктор Лукас на платформе, находился ещё при нём другой врач, чью фамилию Вы не знали. Утверждаете ли Вы, если я Вам напомню, что Вы раньше сказали в Вашем показании, что кроме доктора Лукаса там было ещё три других врача?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, я говорил »три офицера«. Я и сегодня говорил это. Врачи они, или не врачи, я не знаю.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe gesagt: »drei Offiziere«. Und dasselbe habe ich ja auch heute gesagt. »Drei Offiziere« habe ich gesagt. Aber ob das Ärzte oder nicht Ärzte waren, das weiß ich nicht.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja, ich kann nicht mehr, als es Ihnen vorhalten. Dann eine letzte Frage: Sie haben heute gesagt, Herr Zeuge, daß Herr Doktor Lucas von einer Frau das Kind genommen hat und es auf die Schienen geworfen hat. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали сегодня, что доктор Лукас вырвал ребёнка из рук женщины и бросил его на железнодорожные рельсы.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Halten Sie an dieser Aussage fest, wenn ich Ihnen vorhalte, daß Sie vor Herrn Staatsanwalt Kügler ausgesagt haben: »Er schlug weder das Kind noch die Frau, er zog aber das Kind gewaltsam aus der Umarmung der Mutter.«22 Das heißt also, daß er dem Kind nichts angetan hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Подтверждаете ли Вы Ваше показание и дальше, если я обращу Ваше внимание на то, что в показаниях у прокурора Кюглера Вы сказали, что он [+ доктор Лукас] не бил ни мать и ни ребёнка? Значит, таким образом он ничего не причинил этому ребёнку?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, он только бросил его [+ на рельсы].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hat dem Kind [unverständlich] nichts getan, er hat das Kind nur geworfen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потому что женщина лежала с ребёнком у его ног. И он этого ребёнка выхватил из её рук и бросил на рельсы.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie lag zu seinen Füßen. Und er hat das Kind aus dem Arm genommen und geworfen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Bezeichnen Sie das als nichts tun, wenn man ein Kind auf die Schienen wirft? Ich verstehe das nicht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я этого не понимаю. Вы считаете, что он ничего не причинил ребёнку, если он взял ребёнка и бросил на рельсы?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я не проверил потом, что с ребёнком было. Я ведь не имел возможности туда подойти близко.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe ja später nicht geprüft, was mit dem Kind passiert ist. Ich hatte keine Möglichkeit gehabt, an das Kind näher heranzukommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Может быть, он бросил его на перину?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Also hat er das Kind auf die Schienen geworfen, ja oder nein?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но бросил он этого ребёнка на рельсы или нет?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Бросил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und warum haben Sie das früher nicht angegeben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А почему же Вы раньше об этом не сказали, в Вашем [+ прежнем] показании?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я говорил, что он вырвал из рук женщины ребёнка и бросил его.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gesagt, daß er das Kind aus dem Arm gerissen hat und geworfen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Das hat er nicht gesagt. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Нет. Это Вы не сказали.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

»Er zog es gewaltsam aus der Umarmung der Mutter.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, »он с силой вырвал из рук матери«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это, видимо, просто недосказаны два слова, выпали они.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also diese zwei Worte sind ja eben nicht hinzugefügt worden, sie sind irgendwo abhanden gekommen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я повторяю, что ежели бы протокол был отпечатан... а второй раз у меня не было времени задержаться во Франкфурте на Майне для окончательной [+ вычитки] протокола. У нас, по советскому законодательству, протокол вручают свидетелю, он его читает, правит, уточняет и потом подписывает. А у меня кончалась виза, и я здесь это не имел возможности сделать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als ich in Frankfurt gewesen bin, da hatte ich keine Zeit, mich noch mal mit dem Protokoll zu befassen. Es ist bei uns so eine Regel in der Sowjetunion, daß der Zeuge das Protokoll noch mal vorliest und verbessert und genau formuliert und erst dann unterschreibt. Ich hatte ja keine Zeit mehr, mein Visum ging zu Ende.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, haben Sie das [...] Protokoll unterschrieben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но ведь Вы же подписали этот протокол, как свидетель?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я протокола не подписывал, подписал я стенограмму беседы. Я так воспринимал это.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe kein Protokoll, ich habe das Stenogramm unseres Gespräches unterschrieben.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Протокол вручается, когда он отпечатан на машинке, точно выверен весь. У нас такой порядок. Я не знаю, может быть, в Федеративной Республике Германии другой порядок.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ein Protokoll ist es nur dann, wenn es mit der Schreibmaschine geschrieben ist. Das ist bei uns so eine Regel. In der Bundesrepublik Deutschland ist es vielleicht eine andere Regel. Aber bei uns es ist ja so, daß es mit der Schreibmaschine geschrieben wird und dann genau von dem Zeugen geprüft und formuliert wird.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, ich will Ihnen jetzt mal die letzten drei Sätze dieses Protokolls vorlesen, und sagen Sie mir dann bitte, ob das richtig ist, was in diesen Sätzen drin steht. »Dem Zeugen wurde die Aufnahme des Protokolls Satz für Satz von der Dolmetscherin zurückübersetzt.«23

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я В aм прочитаю три последних фразы этого протокола и, пожалуйста, скажите, соответствуют ли они действительности? »Протокол был переведён и прочитан предложение за предложением переводчицей свидетелю.«

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ist das richtig?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это правда?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так, это правда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das ist wahr.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

»Der Zeuge erklärte, daß er die Aufnahme des Protokolls verstanden habe und mit der Aufnahme in der vorliegenden Form einverstanden sei.«24 Ist das richtig?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Свидетель заявил, что он понял протокол и согласен с тем, чтобы он был выдержан в этой форме.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, с тем, чтобы он был оформлен. Я рассматривал его, как первичный опрос, который ещё подлежит уточнению в датах, в деталях. В данном случае выпало два слова: »и бросил на землю«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Einverstanden damit, daß dieses Protokoll in eine richtige Form gebracht wird. Ich habe das als so entwurfsmäßige Befragung betrachtet. Daß später noch genau nach den Daten und Einzelheiten detailliert, genau festgesetzt wird. Und in diesem Fall sind zwei Worte ausgefallen: »Auf die Erde geworfen.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Если бы я читал протокол машинописи, я бы, конечно, это дополнил.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn ich das Protokoll, von der Schreibmaschine geschrieben, gelesen hätte, dann hätte ich ohne Zweifel diese zwei Worte hinzugefügt.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich brauche den nächsten Satz nicht mehr vorzuhalten, weil da in der Tat steht, daß der Zeuge das Stenogramm unterzeichnet hat. Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

[unverständlich] Wie lange hat es gedauert, die Vernehmung bei Herrn Staatsanwalt Kügler?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Как долго длился Ваш допрос у прокурора Кюглера?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По-моему, несколько часов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich glaube, einige Stunden.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Am Vormittag kamen Sie hin? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы пришли туда в первой половине дня?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Перед обедом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, Vormittag.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Und wann gingen Sie weg?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И кончили, примерно, через два часа?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und wie lange wir dortgeblieben sind? So zwei Stunden.

 

Vorsitzender Richter:

Ich kann Ihnen helfen, Herr Rechtsanwalt, wenn Sie wollen. Auf Seite 9 des Protokolls steht: »Die Vernehmung am 19. Mai wurde um 12 Uhr 30 unterbrochen und soll am Mittwoch, den 20. Mai, um 8 Uhr 30 fortgesetzt werden.«[...]

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ist dann um neun Uhr fortgesetzt worden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Um neun Uhr fortgesetzt, ganz recht.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Aschenauer.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich darf auf die Frage des Herrn Kollegen Raabe zurückkommen. Herr Zeuge, im Zusammenhang mit dem Satz: »Er schlug weder das Kind noch die Frau, er zog aber das Kind gewaltsam aus der Umarmung der Mutter«, finde ich überhaupt das Wort »geworfen« nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das sagte er ja, das soll gefehlt haben.

 

Verteidiger Aschenauer:

Außer: »auf den Boden« oder »auf die Erde«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er sagt

 

Verteidiger Aschenauer [unterbricht]:

Diese zwei Wörter

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die beiden Worte seien nicht aufgenommen worden: »auf den Boden geworfen«.

 

Verteidiger Aschenauer:

Gut, schön, dann setze ich also fort. Herr Zeuge, Sie haben heute gesagt, daß Doktor Lucas angeblich das Kind zum Geleise geworfen hat, und sagten dann, daß die SS-Soldaten es genauso machten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сегодня сказали, что доктор Лукас вырвал ребёнка из рук матери и бросил на железнодорожные рельсы, и что то же самое делали другие эсэсовские солдаты.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, а молодые матери, которых отобрали, видимо, на рабочий лагерь, детей не отдавали. Эсэсовцы у них силой отбирали детей. Потому что на рабочий лагерь с детьми не отправляли. А матерям говорили, что дети будут помещены в детский сад. Mатери не верили и детей не отдавали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja. Die jungen Mütter, die zur Arbeit im Lager ausgewählt wurden, sie wollten ihre Kinder nicht hergeben, und die SS-Männer haben diese Kinder gewaltsam von den Müttern fortgerissen. Weil man ins Arbeitslager die Frauen mit den Kindern nicht mitgenommen hat. Man hat den Müttern gesagt: »Eure Kinder werden in einen Kindergarten kommen.« Aber keine Mutter hat diesen Worten geglaubt, und sie gaben ihre Kinder nicht her.

 

Verteidiger Aschenauer:

Und was geschah dann? [...] Wurden dann die Kinder auf das Gleis geworfen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И детей бросали тоже на рельсы?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Солдаты? Некоторые бросали, не на рельсы, а просто так, в кучу.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Soldaten meinen Sie? Ja, manche haben die geworfen, aber nicht auf die Schienen, sondern einfach so auf einen Haufen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Auf einen Haufen. Darf ich Ihnen vorhalten, was Sie vor dem Herrn Staatsanwalt Kügler ausgesagt haben. Es heißt hier: »Die SS-Männer, die dabei waren, töteten viele von den kleinen Kindern auf die Weise, daß sie die Kinder mit dem Kreuz über das Knie brachen.«25

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, кроме того, в Ваших показаниях перед прокурором Кюглером, что эсэсовцы убивали многих детей, ломая их о колено.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Lebedev, Sie sind Mediziner. Sind die Kinder sofort tot gewesen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Господин Лебедев, вы врач, медик, и считаете, что дети сразу же были мёртвы?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. То же мы видели, когда на Биркенау эсэсовцы жгли [+ узников] во рвах. Крематории не успевали перемалывать [+ умерщвлять].

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Отвечайте на вопрос, пожалуйста. — Das war in Birkenau, als wir gesehen haben, wie die SS-Männer in den Gräben die Menschen verbrannten. Die Krematorien konnten ja das alles nicht erfassen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, ich frage Sie zu der Handlung an der Rampe, und da sagten Sie beim Herrn Doktor Kügler, daß diese Kinder über das Knie gebrochen worden sind und daß sie tot waren.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я Вас спрашиваю: во время Ваших показаний у прокурора Кюглера, Вы сказали, что эсэсовцы убивали детей таким образом, что разламывали их о колено.

 

Verteidiger Aschenauer:

Und jetzt frage ich Sie: Können Sie sich das medizinisch vorstellen, daß die Kinder überhaupt sofort tot waren bei dieser Handlung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я хочу Вас сейчас спросить, именно как медика, полагаете ли Вы, что дети при этом сразу же умирали, когда их ломали о колено?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Конечно, их бросали тут же в ямы для сожжения. Я сам видел, как эсэсовцы, пьяные, брали ребёнка вот так, ударяли и бросали в яму. Это надо было оказаться в Биркенау, чтобы во всём этом убедиться.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, sicher. Und sie sind sofort dann in die Gräben geworfen worden, um verbrannt zu werden. Ich habe das selbst gesehen, wie die betrunkenen SS-Männer so ein Kind genommen haben, auf diese Weise geschlagen haben und in die Gräben geworfen. Dafür müßte man in Birkenau gewesen sein, um sich über diese Sachen zu überzeugen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ist Ihnen bekannt, daß der Tod bei Wirbelsäulenbrüchen bei Erwachsenen erst nach Tagen oder Wochen eintreten kann, und zwar infolge einer aufsteigenden Infektion von Blase oder Mastdarm, deren Tätigkeit gelähmt wird.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Известно ли Вам, что после разламывания позвоночника у взрослых, смерть наступает спустя дни, даже недели, в связи с параличом, мочевого пузыря и кишки, после инфекции?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это я воспринимаю не с точки зрения врачебного мышления. Потому что, в зависимости от локализации и от степени поражения спинного мозга...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das verstehe ich nicht von dem Standpunkt des ärztlichen Denkens. Das hängt doch von der Lokalisierung und vom Grade der Verletzung der Wirbelsäule ab.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja. Haben Sie eine Praxis ausgeübt seit Ihrem Studium, als Mediziner?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Работали ли вы практически, как врач, после окончания университета?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А что, собственно говоря, я не понимаю, какое отношение этого вопроса [+ к моим показаниям]? Экзамен мне?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich verstehe nicht, wozu dient diese Frage? Ist es eine Prüfung oder wie?

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja, mich wundern nur Ihre medizinischen Kenntnisse, Herr Zeuge. Das sage ich Ihnen ganz offen. Aber Herr Zeuge, mir genügt das, daß Sie keine Antwort geben, und ich darf zur nächsten Frage fortfahren.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я удивляюсь только Вашим медицинским познаниям, господин свидетель. Это я и хочу Вам открыто сказать. Но мне достаточно того, что Вы не дали ответа. Позвольте мне перейти к следующему вопросу.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, минуточку. Я хочу ответить доктору.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, bitte einen Moment. Ich möchte Ihnen antworten, Herr Doktor.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Детям ломали позвонки не для того, чтобы их потом лечить. Это знаменитый эсэсовский классический удар был: о колено ломать позвонки и бросать их [+ детей] в яму. Зачём же тут притягивать за волосы медицину? Я не понимаю. Это была методика.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich will Ihnen nun sagen, daß die Kinder dadurch, daß ihnen die Wirbelsäule gebrochen wurde mit dem Schlag über das Knie, getötet wurden, und nicht um behandelt und geheilt zu werden. Das war die klassische Methode, die Kinder auf diese Weise zu töten, die von den SS-Männern ausgeübt wurde. Wozu diese Beispiele mit der Medizin überhaupt hier zu zitieren?

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, wie weit waren Sie denn weg?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Господин свидетель, на каком расстоянии Вы находились от этого места?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы находились на самой платформе, сбоку. Вместе с командой »Канады«[+ доставленной суда] для разбора этого барахла.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben uns seitlich auf der Rampe selbst befunden. Zusammen mit dem Kommando »Kanada«, das mit der Sortierung der Sachen beschäftigt war.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ungefähre Entfernung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ну, приблизительно, какое это было расстояние?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Приблизительно, было метров двадцать-двадцать пять.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also ungefähr 20, 25 Meter Entfernung.

 

Verteidiger Aschenauer:

Dann habe ich eine weitere Frage, Herr Zeuge.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Тогда следующий вопрос.

 

Verteidiger Aschenauer:

Als Herr Doktor Lucas wegkam, wurde gesprochen, wohin Doktor Lucas käme?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie meinen fort vom Lager?

 

Verteidiger Aschenauer:

Fortkäme, ja, von dem Lager.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда доктор Лукас ушёл, исчез из лагеря, были ли разговоры о том, куда он ушёл?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, доктор Лукас был не такой уж крупной фигурой. Говорили о Паличе, что Гиммлер его отправил его под трибунал. А о Лукасе никаких разговоров не было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, über Lucas wurde nicht gesprochen. Er war nicht so eine wichtige Person. Über Palitzsch wurde gesprochen, daß er vor das Tribunalgericht gestellt wird. Aber Lucas war nicht so wichtig. Man hat über ihn nicht gesprochen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Darf ich Ihnen vorhalten, was Sie vor dem Herrn Staatsanwalt Kügler erklärt haben? Ich zitiere: »Die polnischen Ärzte sagten mir, er sei an die Front gekommen, und zwar angeblich, weil er sich sehr liberal im Lager benommen hätte.«26

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я хочу Вам напомнить то, что Вы говорили перед прокурором Кюглером. Я цитирую... »Польские врачи говорили, что он пошёл [+ был отправлен] на фронт, потому что, якобы, либерально вёл себя в лагере.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Этого я прокурору не говорил. Потому что никакой логики нет. Я Кюглеру говорил, что он [+ Лукас] проводил селекции, выхватывал ребёнка из рук матери. И вдруг – за либерализм был отправлен на фронт?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das habe ich dem Staatsanwalt nicht gesagt. Es gäbe dann doch keinen logischen Zusammenhang. Ich habe dem Kügler erzählt, daß er Selektionen durchgeführt hat, daß er ein Kind aus den Armen der Mutter gerissen hat. Und dann wegen liberaler Einstellung an die Front gekommen, das reimt sich nicht zusammen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Tja, im Laufe der Zeit würde es wohl notwendig sein, den Herrn Kügler dazu zu hören, was gesagt worden ist und nicht gesagt worden ist. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Frau Kapkajew, Sie waren ja selbst damals bei der Vernehmung.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Selbstverständlich.

 

Vorsitzender Richter:

Sie könnten ja auch als Zeuge auftreten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich kann mich

 

Verteidiger Aschenauer [unterbricht]:

Denkbar.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sehr gut daran erinnern, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Sie können sich dran erinnern?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Also ich wäre dann schon für den besten Zeugen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, die Dolmetscherin wird wohl der beste Zeuge sein, denn sie hat es in zwei Sprachen erlebt.

 

Verteidiger Aschenauer:

Richtig.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich habe das ganz genau in Erinnerung, Herr Vorsitzender, daß er das gesagt hat.

 

Verteidiger Aschenauer:

Hat er es gesagt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, die Frau Dolmetscherin sagt, daß Sie das gesagt haben. Sprechen Sie heute die Wahrheit?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Переводчица тоже говорит, что Вы сказали [+ на допросе у Кюглера], что он, якобы, пошёл [+ отправлен на фронт] за свои либеральные отношения. Говорите ли Вы правду сегодня?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я говорю правду. Но я не мог сказать »за либеральные отношения«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich spreche die Wahrheit. — Вы сказали [+ на допросе у Кюглера:] »Якобы«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Якобы«? Я не помню этого.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann mich nicht erinnern, daß ich es so gesagt habe.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Может быть, это просто не то выражение было, не тот термин?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Vielleicht war das eine andere Art, wie ich mich ausgedrückt habe.

 

Verteidiger Aschenauer:

Eben haben Sie gesagt, daß Sie das nicht gesagt haben. Jetzt können Sie sich nicht erinnern. Was ist die Wahrheit, Herr Zeuge?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы перед тем сказали, что не говорили. Теперь уверяете, что не припоминаете, что именно в этой форме сказали. Где же правда, господин свидетель?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Правда? Не знаю, какая правда здесь ищется.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich weiß nicht, nach welcher Wahrheit hier gesucht wird.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Какое отношение это имеет [+ к моим показаниям]: куда ушёл Лукас? Откуда это я знал? Я видел Лукаса – мучителя, убийцу. [...] А куда он пошёл, на какой фронт? Почему это мне нужно знать? И почему мне нужно об этом говорить?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Warum soll ich wissen, wohin er gegangen ist, an die Front oder nicht an die Front. Ich sah ihn als Mörder, als Quäler. Und warum sollte ich denn wissen, ob er überhaupt an die Front und wozu er dahin gegangen ist? Wozu denn diese Fragen?

 

Verteidiger Aschenauer:

Anscheinend, Herr Zeuge, hat die Wahrheit für Sie zwei Gesichter. Ich setze die Befragung fort.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

По всей вероятности, правда имеет для Вас два лица. Я буду дальше Вам задавать вопросы.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Пожалуйста.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, Sie sagten heute, daß Doktor Górecki Ihnen damals im Lager gesagt hat, daß Doktor Lucas Gynäkologe und Frauenarzt ist.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы показали, что доктор, польский врач Горецкий, Вам сказал, что доктор Лукас – гинеколог, врач по женским болезням, акушер.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich halte Ihnen vor, daß Doktor Lucas 1954 erst Frauenarzt wurde. [...] Wer hat Ihnen, Herr Zeuge, nach 1945 oder in diesen Tagen in Frankfurt gesagt oder die Information gegeben, daß Doktor Lucas Frauenarzt ist?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Доктор Лукас стал врачом по женским болезням только после 54-го года. Кто же Вам сказал после 45-го года, или, может быть, теперь, во Франкфурте, что он вообще врач по женским болезням?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я повторяю, что мне о Лукасе рассказывал Александр Гурецкий. Как и о других врачах, об их специальностях. Я передаю то, что услышал. От других.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich wiederhole, daß mir Aleksander Górecki das von Lucas gesagt hat. Wie auch über die anderen Ärzte, was sie sind und welches ihre Fachrichtung ist. Ich wiederhole das, was ich von anderen gehört habe.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, Sie sagten vorhin und gerade jetzt, daß Sie das Wissen von Doktor Górecki hätten, daß dieser Mann, der hier die Selektion durchführe, Doktor Lucas sei.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы, значит, сегодня сказали, что Вы слышали от Александра Горецкого, что человек, который производил селекцию, это доктор Лукас.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich halte Ihnen vor, daß nach Ihrer Aussage am [...] 19. Mai 64 es Doktor Kowalski war, der Ihnen angeblich gesagt hat, die Selektion werde von Doktor Lucas durchgeführt.27

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но в протоколе Вашего допроса 19-го мая Вы показали, что тот, кто Вам сказал, что селекции проводил доктор Лукас, это был доктор Ковальский.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это Олек Ковальский по кличке. Тот самый Олек – Александр Гурецкий. Ковальский Олек. И он ещё три фамилии имел в лагере, Олек. Для русских он был Александр Гурецкий. А поляки его называли, отчего-то, Ковальским.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist derselbe Mann, der Olek Kowalski und Alexander Górecki. Das ist dieselbe Person. Er hatte drei Namen im Lager. Für die Russen war er Alexander Górecki. Und dann hieß er noch Olek. Und die Polen haben ihn irgendwie Kowalski auch genannt.

 

Verteidiger Aschenauer:

Aha. Aber Herr Zeuge, war dieser, wie die Polen sagten, Kowalski, in der ganzen Zeit, wo Sie im Lager waren, im Lager Auschwitz?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Находился ли этот человек, которого поляки называли Ковальским, тоже в Освенциме, всё время, пока и Вы были в лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich darf Sie dann darauf hinweisen, daß dieser Herr Kowalski im April 1943 nach Neuengamme gekommen ist, und zwar [Pause] am 14.4., nachdem am 8.4. der Befehl zur Überstellung herausgekommen ist. Ich werde später Beweise vorlegen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Darf ich bitten, wenn Sie sagen, es ist ein Vorhalt, daß Sie uns auch sagen, woraus Sie das vorhalten, oder?

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich zitiere aus keinem Dokument, Herr Kollege, und ich kann ohne weiteres eben so fragen. Ich werde später, nicht jetzt, eben

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Ich beanstande diese Frage. Ich bestreite die Richtigkeit dieses Vorhalts. Kowalski ist nicht 1943 nach Neuengamme gekommen. Der Vorhalt ist unrichtig. Und bevor nicht der Beweis der Richtigkeit erbracht ist, halte ich die Frage nicht für berechtigt.

 

Vorsitzender Richter:

Die Frage wäre möglich.

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Frage schon.

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Den Vorhalt für berechtigt, Entschuldigung, nur den Vorhalt.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nur ein Vorhalt ist nicht...

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich habe mich versprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Also wenn Sie eine Frage stellen wollen in dieser Richtung, ist da nichts dagegen anzuwenden.

 

Verteidiger Aschenauer:

Dann frage ich so: Herr Zeuge, ist Ihnen bekannt, daß Herr Kowalski im April 1943 nach Neuengamme gekommen ist?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Господин свидетель, известно ли Вам, что этот господин Ковальский в апреле 43-го года был переведен в лагерь Нойенгамме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мне известно, что Ковальский/Гурецкий находился в лагере до моего отъезда.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Es ist mir bekannt, daß Kowalski/Górecki bis zum meinem Verlassen des Lagers im Lager gewesen ist.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И когда я сам приехал в Нойенгамме, никакого там доктора Ковальского-Гурецкого, того самого освенцимского доктора не было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich bin selbst nach Neuengamme gekommen, und ich habe dort keinen Doktor Kowalski/Górecki aus Auschwitz vorgefunden. Er war ja nicht da.

 

Verteidiger Aschenauer:

Eine weitere Frage, Herr Zeuge: Wie ist Ihre Häftlingsnummer?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Каков Ваш номер лагерный?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

88.349. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

88.349. [...]

 

Verteidiger Aschenauer:

Wann wurde diese Nummer eintätowiert?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вам вытатуировали этот номер?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда всему лагерю татуировка была. После побега троих русских, по приказу Гесса была проведена татуировка. Кажется, летом 43-го года.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als die Tätowierung im ganzen Lager stattgefunden hat. Nach der Flucht von drei Russen. Nach dem Befehl von Höß wurde die Tätowierung vorgenommen. Ich glaube, das war im Sommer 1943.

 

Verteidiger Aschenauer:

Wieviel Zeit verstrich zwischen der Eintätowierung und dem Zeitpunkt, zu welchem Sie Herrn Lucas kennenlernten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сколько времени прошло от момента татуировки номера и тем моментом, когда Вы познакомились с доктором Лукасом? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Надо точно знать дату, когда проводилась татуировка. Я сейчас её не помню. От какого момента отталкиваться, как считать я должен?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dann müßte man ganz genau feststellen, wann die Tätowierung stattgefunden hat. Genau erinnere ich mich nicht daran. Von welchem Zeitpunkt soll ich denn beginnen zu

 

Verteidiger Aschenauer [unterbricht]:

Von dem Zeitpunkt der Tätowierung. Überlegen Sie sich den Zeitpunkt der Tätowierung, geben Sie mir dann die Monate an.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

От момента, когда была произведена татуировка номеров. Припомните, когда это было? До того момента, когда Вы познакомились с доктором Лукасом? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, also wenn die Tätowierung im Sommer 43 gewesen ist und die Begegnung war im Frühling, April oder Mai 44, dann muß man dann ausrechnen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich darf Ihnen aus der Vernehmung von Herrn Staatsanwalt Kügler vorhalten. Sie haben gesagt: »Ich bekam die Nummer 88.349. Diese Nummer ist übrigens ein Jahr nach meiner Einlieferung eintätowiert worden.«28

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали на допросе у прокурора Кюглера: »Я получил номер, вытатуированный номер 88.349, и эта татуировка наступила через год после того, как я прибыл в лагерь.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, это не так.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das ist anders.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Надо уточнить, когда была татуировка в Освенциме. Я помню, летом, когда бежали трое русских с команды, которая работала на Висле, в карьере. Но числа я не помню. Тогда был приказ Гесса провести массовую татуировку в Освенциме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man muß ja ganz genau festlegen, wann die Tätowierung im Lager stattgefunden hat. Ich weiß, das war eine Flucht von drei Russen а us dem Kommando, das an der Weichsel gearbeitet hat. Aber ich kann mich an das Datum nicht erinnern. Und dann war der Befehl von Höß, daß man die Massentätowierung im Lager durchführt.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich halte Ihnen vor, daß der Befehl von Höß vom 22. Februar 1943 ist. Für die beteiligten Herren, Auschwitz-Hefte.29

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Этот приказ Гесса вышел 22-го февраля 1943-го года.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Этот приказ? Татуировка после побега, летом проводилась.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, also dieser Befehl konnte ja sein, aber die Tätowierung war nach der Flucht im Sommer.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, aus den Auschwitz-Heften ergibt sich, daß Sie am 16. Januar 1943 nach Auschwitz gekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Das entspricht auch seiner Aussage.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich frage, Herr Zeuge, wie Sie dann den Herrn Stark zu diesem Zeitpunkt gesehen haben können, der am 1. Dezember 1942 Auschwitz verlassen hat?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

На основании тетрадей, это »Аушвицер Хефте«, есть такие тетради »Аушвица«, написано, что Вы прибыли в Освенцим 16-го января 43-го года, как Вы сегодня и сказали. Каким же образом Вы могли там встретить Штарка, о котором известно, что он в декабре 42-го года уже ушел из лагеря? Штарк. Если Вы прибыли 16-го января 43-го года в лагерь, вы не могли его там видеть.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я прибыл в декабре. Видимо, наш транспорт был на карантине, я уж повторял, и предназначался на Дору. Я говорил, что наш транспорт прибыл в конце года, если вернуться К моему показанию. Мы на карантине сидели.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wenn Sie zu meiner Aussage zurückkommen, dann werden Sie merken, daß ich gesagt habe: »Ende des Jahres bin ich nach Auschwitz gekommen.«

 

Vorsitzender Richter:

Er hat gesagt: »Es könnte im Dezember 42 oder im Januar 43 gewesen sein.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали, что это могло быть в декабре 42-го года или в январе 43-го.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, или в январе.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, so habe ich gesagt. Entweder im Dezember oder im Januar.

 

Vorsitzender Richter:

Die Auschwitz-Hefte sagen, Sie seien am 8. Januar dorthin gekommen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

16. Januar.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

16. Januar.

 

Vorsitzender Richter:

Oder 16. Januar.

 

Verteidiger Aschenauer:

Das ergibt sich aus den Zahlen. [...] Und zwar, es handelt sich um einen Transport aus Brünn. Gestapo Brünn.30

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В этих Освенцимских тетрадях написано, что Вы прибыли 16-го января 43-го года. Это был транспорт гестапо из Брюнн. Из Брна.

 

Verteidiger Aschenauer:

[Pause] Die Zahl liegt zwischen den beiden angegebenen Zahlen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. Herr Rechtsanwalt Doktor Aschenauer, haben Sie noch weitere Fragen?

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja, ich habe noch ein paar Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, Sie sagten gestern, Sie wären aus dem Stalag in Mannheim geflohen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вчера Вы сказали, господин свидетель, что Вы бежали из Сталага в Манхайме.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Около Маннгайма.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In der Nähe von Mannheim war das.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja. Aus der bei Herrn Staatsanwalt Kügler aufgenommenen Aussage ergibt sich folgendes. Ich zitiere: »Im Mai 1942 versuchten wir zu fliehen irgendwo in der Gegend von Bochum und Aachen, und zwar während eines Fliegerangriffes«

 

– Schnitt –

 

Verteidiger Aschenauer:

in Polen wieder aufgenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Gefangengenommen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Gefangengenommen.

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Gefangengenommen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Entschuldigung.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Мы прошли через Баварию, через Чехию, через Польшу, и только в октябре 42-го года нас в Польше поймали.«[...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Verteidiger Aschenauer:

Mannheim und Bochum?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А Маннгайм и Бохум? Тогда Шталаг здесь был. Нас привезли – людей, которые не могли стоять. Сказали, что нас везут в рурский промышленный бассейн.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie müssen das verstehen, das waren Leute, die gar nicht stehen konnten. Man hat uns gesagt, daß man uns in ein Ruhr-Industriebassin bringen wird.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И первые недели мы даже не знали, где мы в Германии находимся. У нас не было карты. Комендатура лагеря нам тоже не говорила, где мы находимся. Поэтому сначала мы предполагали, что лагерь был между Франкфуртом на Майне и Маннгеймом.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die ersten Wochen haben wir überhaupt nicht gewußt, wo wir uns in Deutschland befinden. Wir hatten ja keine Karte gehabt. Und die Lagerkommandantur hat uns auch nicht gesagt, wo wir uns befinden. Zuerst hat man gesagt, daß das Lager sich zwischen Frankfurt am Main und Mannheim befindet.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Потом некоторые говорили: »Нет, между Бохумом и Дюссельдорфом.«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Später haben andere gesagt: »Nein, das Lager befindet sich zwischen Bochum und Düsseldorf.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Мы документов лагеря этого не видали. И когда бежали, удалось приблизительно ориентироваться, тогда мы отошли километров сто. Уже были за Кобленцом, кажется когда достали карту Германии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben die Dokumente dieses Lagers nicht gesehen. Und als wir geflüchtet sind, da haben wir uns angefangen zu orientieren, erst nachdem wir 100 Kilometer gegangen sind. Als wir, glaube ich, hinter Koblenz waren und eine Karte von Deutschland bekommen haben.

 

Verteidiger Aschenauer:

Sagen Sie, Herr Zeuge, darf ich aus Ihrer gestrigen Aussage entnehmen, daß Sie von Prag nach Ihrer Heimat gekommen sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, правильно ли понял я Вас вчера, что Вы из Праги поехали на Родину?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. Из Праги мы вернулись в Германию. Я повторяю, в Бауцен. И жили в Бауцене. И Штремберге до августа 1945-го года. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, wir sind von Prag aus nach Deutschland gekommen. Ich wiederhole, nach Bautzen. Wir haben in Bautzen und in Spremberg gewohnt. [...] Und blieben dort bis August 1945.

 

Verteidiger Aschenauer:

Und vor Prag waren Sie im Raum von Berlin?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А перед Прагой Вы были под Берлином, в окрестностях Берлина?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, под Берлином. Между Дрезденом и Берлином.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwischen Dresden und Berlin.

 

Verteidiger Aschenauer:

[Pause] In Ihrer Aussage vor dem Herrn Staatsanwalt Kügler haben Sie gesagt, Seite 4 der Aussage: »Wir kämpften dann weiterhin bei Prag und wurden von da weiter nach Berlin geschickt. Dort habe ich als russischer Offizier gekämpft und das Kriegsende erlebt.«31

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы в своих показаниях перед прокурором Кюглером сказали, что из Праги Вас направили обратно в Берлин, и Вы там воевали как офицер. И окончание войны Вы пережили в Берлине.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да нет, зачем же смещать события? Берлинская операция была первой. Завершилась берлинская операция, и потом началась пражская операция. Это всему миру известно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein. Warum denn das verwechseln. Berlin war doch zuerst, die Berliner Operation. Und nachdem das in Berlin zu Ende ging, da begann dann die Prager Aktion. Das ist doch der ganzen Welt bekannt.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja, Herr Zeuge, was der Welt bekannt ist, das braucht ja nicht Ihre Aussage sein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Господин свидетель, то, что известно миру, это не обязательно должно быть Вашим показанием.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ich darf weiterfahren.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, я показания давал. Меня расспрашивали и я давал показания, как свидетель.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat mich gefragt, und ich habe ja als Zeuge geantwortet.

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja, ich bin auch dankbar, daß Sie antworten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я очень благодарен, что Вы отвечаете.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, Sie sagten gestern, daß 25.000 sowjetische Bürger in Auschwitz umgekommen sind. Handelt es sich hier um Kriegsgefangene?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали вчера, что 25.000 советских граждан погибло в лагере в Освенциме. Это военнопленные?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, советские военнопленные, в число которых были включены и гражданские лица. Потому что во все лагеря военнопленных эсэсовцы, гитлеровцы заключали не только солдат, но и всё взрослое население, которое способно носить оружие.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, diese 25.000, das sind Kriegsgefangene und auch die Zivilbevölkerung. Weil die SS-Männer in die Kriegsgefangenenlager auch die Zivilbevölkerung hinbrachte, solche, die fähig waren, das Gewehr zu halten.

 

Verteidiger Aschenauer:

In der Aussage vor Herrn Staatsanwalt Kügler sagten Sie: »In Auschwitz befanden sich 13.000 Russen.«32

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы сказали во время допроса перед прокурором Кюглером, в Освенциме было 13 тысяч...

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. В протоколе сказано, что тринадцать тысяч было уничтожено с октября 41-го года по февраль 42-го года. Это первые эшелоны только военнопленных. Но Освенцим существовал ещё три года. И советских военнопленных беспрерывно привозили. Особенно, бежавших из лагерей.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber es steht doch im Protokoll, daß diese 13.000 vernichtet wurden in der Zeitspanne zwischen Oktober 41 und Februar 42. Das waren die ersten Transporte von den Kriegsgefangenen. Aber Auschwitz bestand doch noch drei Jahre danach. Und die sowjetischen Kriegsgefangenen kamen immer wieder neu. Besonders die aus Lagern geflüchtet sind.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, das lese ich in dieser Aussage, die vor mir ist, nicht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я Вам читаю только то, что записано в Ваших показаниях.

 

Verteidiger Aschenauer:

Haben Sie diese Erläuterung, die Sie vorhin gegeben haben auf meine Frage, dem Herrn Staatsanwalt Kügler gegeben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Объясняли ли Вы то, что сейчас мне показали, об этих первых транспортах и периоде времени, объясняли ли Вы это и прокурору Кюглеру?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. Речь шла о том, об уничтожении первых транспортов. О газировании их [+ узников]. А вопрос о последующих событиях в лагере не поднимался на следствии. У нас имеются книги регистрации русских, советских военнопленных. По архивным данным, в первые полгода было [+ умерщвлено] тринадцать тысяч военнопленных. И я думал, что разговор идёт именно об этих, первых эшелонах советских военнопленных. А сейчас, когда по эсэсовским архивам подсчитали всех русских [+ военнопленных], то оказалось их около 25-ти тысяч.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, die Rede war von der Vernichtung und Vergasung der ersten Transporte. Und bei der Vernehmung wurde dann keine Frage über die weitere Zeit gestellt. Nach unseren Archivangaben sind im ersten halben Jahr eben diese Zahl von den sowjetischen Kriegsgefangenen vernichtet worden. Und ich habe gemeint, daß es sich um diese ersten Transporte der sowjetischen Kriegsgefangenen handelt. Und als man dann jetzt nach Archivangaben alles summiert hat, dann ist man zu der Zahl 25.000 gekommen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Auf Seite 9 Ihrer Aussage vor Herrn Staatsanwalt Kügler lese ich, ich zitiere: »Aufgrund meiner Tätigkeit beim sowjetischen Komitee nach dem Krieg und aufgrund der bei uns befindlichen Unterlagen, insbesondere des sogenannten Russischen Totenbuches, läßt sich feststellen, daß von Oktober 41 bis Februar 42 allein 8.320 russische Kriegsgefangene gestorben sind.«33 Also während der ersten Transporte.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы тогда сказали, во время Вашего допроса у прокурора Кюглера, что »на основании моей работы в Советском комитете бывших узников и, особенно, на основании данных, так называемой, Русской книги смертности, было определено, что из первых транспортов погибло 8.320 человек«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это за первые 5 месяцев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war in den ersten fünf Monaten.

 

Verteidiger Aschenauer:

Noch für zwei Fragen darf ich die Geduld des Gerichtes in Anspruch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment, Herr Rechtsanwalt, wollen wir doch den nächsten Satz auch noch gleich mal lesen? Der lautet nämlich: »Bei dem letzten Lagerappell, am 17.1.45, waren noch 97 russische Kriegsgefangene übrig.«34

 

Verteidiger Aschenauer:

Jawohl.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Дальше Вы сказали на допросе следующее: »на аппеле 17-го января 45-го года, в последний [+ день], осталось 97 человек.«

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

97 человек. Да, у нас в архивах есть рапорт эсэсфюрера, где он докладывал, что на такое-то число осталось столько-то советских военнопленных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben einen Rapport des SS-Führers von dieser Zeit von diesem Appell. Im Archiv haben wir das. Wo er meldet, daß zu diesem Zeitpunkt soundso viele sowjetische Kriegsgefangenen übriggeblieben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Zahl stimmt zwar nicht genau, aber wenigstens in der Größenordnung überein mit Ihrer anfänglichen Aussage: »In Auschwitz befanden sich 13.000 Russen, davon kamen 48 lebend nach Hause zurück.« Also von diesen 97 sind anscheinend noch einige umgekommen, so daß noch 48 dann schließlich zurückkamen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И это как раз совпадает в общем с тем, что Вы сказали на Вашем первом допросе, что в лагере было 13.000 военнопленных, 48 вернулись домой. Значит, из этих 97 ещё какое-то количество узников убили, а 48 остались живыми?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. Потом ведь из Освенцима многих советских пленных развезли и в Матхаузен, и в Бухенвальд, и в Дахау, Ораниенбург. Сейчас статистику эту трудно подсчитывать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist sehr schwierig, eine Statistik darüber genau festzulegen. Weil aus Auschwitz sind sehr viele Russen in verschiedene Lager gebracht worden. Nach Dachau, Mauthausen, Oranienburg.

 

Vorsitzender Richter:

So daß sie also nicht alle umgekommen sind?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Значит, они все умерли? А эти 48 остались в живых?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Это остались в живых 48 [+ человек], которые были в Освенциме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Diese 48, das sind diejenigen, die in Auschwitz [...] übriggeblieben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Aber man sollte doch aus Ihrer Aussage entnehmen, daß die Differenz zwischen 13.000 und 48 in Auschwitz umgekommen wäre?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Из того, что Вы сказали, выходит, что эта разница между 13.000 и 48 – все остальные люди погибли?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Видимо, да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Anscheinend, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie haben doch eben im Augenblick gesagt, es seien von diesen russischen Kriegsgefangenen Transporte in alle möglichen anderen Lager durchgeführt worden. Die müssen doch dann auch von diesen 13.000 abgezogen werden.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но Вы только что сказали, что [+ узники] из Освенцима были отправлены также в другие лагеря. [...] Из этих 13.000 ещё?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет. 13 тысяч привезли [+ в Освенцим] солдат и офицеров в [+ военной] форме, военнопленных. Но в »Аушвиц« поступали и такие военнопленные, как я. Уже не в форме, а пойманные по всей Германии. Многие ещё попадались, их записывали как цивильных.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, nein, 13.000, das waren diejenigen, die als uniformierte Soldaten [unverständlich] gebracht wurden. Die wirklichen, echten Kriegsgefangenen. Aber nach Auschwitz kamen ja andere, genauso wie ich, die Kriegsgefangenen, aber die so in ganz Deutschland irgendwo festgenommen wurden, nicht in Uniform. Viele sind dann festgenommen und als Zivilisten geführt worden.

 

Vorsitzender Richter:

Na, Herr Zeuge, ich will ja etwas ganz anderes fragen. Sie haben uns vorhin gesagt: »Es sind von den russischen Kriegsgefangenen wiederholt Transporte in andere Lager abgestellt worden«, nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы же только что сказали, что из Освенцима русские были отправлены в разных транспортах в другие лагеря?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, конечно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, natürlich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn die aber in andere Lager weggekommen sind, können Sie doch nicht ohne weiteres sagen, daß die Leute alle in Auschwitz umgekommen wären.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но если они попали в другие лагеря, то Вы не можете сказать, что они все погибли в Освенциме?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, безусловно.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, natürlich.

 

Vorsitzender Richter:

Natürlich. Wenn Sie aber sagen: »Es befanden sich 13.000 Russen in Auschwitz, davon kamen 48 lebend nach Hause«, wieso wissen Sie das?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но Вы говорите, что было 13.000 советских военнопленных в лагере, из них вернулось 48 домой. Откуда Вам это известно?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Эта цифра не точная. Мы разыскивали по всей стране. Объявились сорок восемь человек из этой первой группы военнопленных. А может, и ещё кто-то жив. Мы просто не знаем. Может, вернулось и больше.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist keine genaue Zahl, das ist die Zahl von denen, die wir im Lande gesucht und gefunden haben. Das heißt, 48 Personen haben sich gemeldet von dieser ersten Gruppe der Kriegsgefangenen. Vielleicht leben noch welche. Daß wir einfach nichts von ihnen wissen.

 

Vorsitzender Richter:

Die sich aus irgendwelchen Gründen nicht gemeldet haben.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Которые по той или иной причине не объявились.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. Это [+ только те, кого] удалось выявить Советскому комитету ветеранов войны. Страна у нас большая, и трудно очень через 20 лет разыскать этих людей сейчас. Но, безусловно, их ещё много может быть.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das gelang dem sowjetischen Komitee der Kriegsveteranen festzustellen. Unser Land ist sehr groß. Und es ist sehr schwer, nach 20 Jahren diese Menschen ausfindig zu machen. Aber ohne Zweifel es gibt noch mehrere.

 

Vorsitzender Richter:

Ich bin überzeugt.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, ist Ihnen, als Mitglied der Widerstandsbewegung in Auschwitz, bekanntgeworden, ob mehrere Häftlingstransporte aus dem Raum Witebsk, Minsk nach Auschwitz gekommen sind? [...] Dolmetscherin Kapkajew:

Известно ли Вам, как члену Организации сопротивления в лагере, что много транспортов прибыло из Витебска и Минска, из этих окрестностей?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нам известно три транспорта.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Viele nicht, aber drei Transporte sind uns bekannt.35

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, Sie haben gestern dem Gericht ein Buch überreicht. Befindet sich in diesem Buch ein Befehl der 3. Deutschen Panzerarmee, nach dem vom 13.3.43 bis zum 23.11.43 sieben Transporte nach Auschwitz gekommen sind, Transporte von Häftlingen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы вчера передали Суду книгу. Находится ли в этой книжке Приказ Третьей немецкой танковой армии, в котором написано, что за время от 13-го марта 43-го года по 23-е ноября 43-го года в Освенцим пришло 7 транспортов. [...]

 

Verteidiger Aschenauer:

Und enthält dieses Buch die Feststellung, daß im Jahr 44 kein Transport von diesen Häftlingen nach Auschwitz gekommen ist?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И есть ли также данные в этой книге о том, что в 44-м году никакой транспорт больше узников в Освенцим не доставлял?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

У нас, в этой книжке собраны Приказы Ставки верховного командования за подписью Кейтеля, Иодля, Гиммлера, Мюллера, Розенберга. Это высшие Приказы по по Германии.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In diesem Buch sind gesammelt Befehle unterschrieben von Keitel, Jodl, Rosenberg, Müller und anderen vom Hauptkommando... [...]

 

Verteidiger Aschenauer:

Kommt im diesen Buch ein Einsatzkommando vor?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Упоминается ли в этой книге, так называемая, — »Einsatzkommando«? [...]

 

Verteidiger Aschenauer:

Ja, Moment, also wenn hier Müller vorkommt, müßte der Begriff »Einsatzgruppe« und »Einsatzkommando« drin stehen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это то, что Мюллер возглавлял.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. Eсть две его Инструкции и Приказ начальникам концентрационных лагерей и служб.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Da sind zwei Instruktionen von Müller und Befehle von ihm da. Dа ist ein Befehl an die Kommandanten der Konzentrationslager.

 

Verteidiger Aschenauer:

Nein, Herr Zeuge, wir wollen es kurz machen. Ist Ihnen das, was ich gesagt habe oder Sie gefragt habe, in Erinnerung, wie Sie das Buch durchgeblättert haben, oder nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вы эту книжку просматривали, встретились ли Вы с тем, о чём я Вас сегодня спрашивал? Или с тем, что Вы сегодня говорили? Об этих данных относительно транспортов.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, насчёт транспортов здесь нет данных. Это в других архивных материалах. Здесь только Приказы на высшем уровне.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also über die Transporte sind hier keine Angaben. Diese Angaben befinden sich in den anderen Archivmaterialien. Das sind Befehle auf den höchsten Ebenen.

 

Verteidiger Aschenauer:

Herr Zeuge, ich danke Ihnen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Stolting II.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Zeuge, ich möchte noch mal auf jene Selektion zurückkommen, die Sie hinsichtlich des Doktor Lucas berichtet haben, daß er sie im Lager vorgenommen hat. Und zwar die sich auf Kranke bezieht.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я возвращаюсь к моему вопросу о той селекции, которая была проведена в лагере доктором Лукасом, и которая относится к больным.

 

Verteidiger Stolting II:

Habe ich Sie recht verstanden, daß diese kranken Häftlinge sich da zwischen den Blöcken völlig ausziehen mußten, nackt vor Doktor Lucas treten, und zwar mit hoch erhobenen Armen? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правильно ли я Вас понял, что эти узники должны были раздеться догола между блоками, и голыми должны были явиться перед доктором Лукасом с поднятыми кверху руками?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, это такой метод селекции. Я и на себе это испытал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, das wа r die Art der Selektion. [...]

 

Verteidiger Stolting II:

Die, wie sie auch nach Ihrer Auffassung Doktor Lucas vorgenommen hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И, по Вашему мнению, эту селекцию проводил доктор Лукас?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Как сказал мне Александр Гурецкий, это проводил доктор Лукас. До этого я Лукаса не знал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das ist meine Meinung nach Angaben von Aleksander Górecki. Der hat ja gesagt, daß es Doktor Lucas war. Bis zu dieser Zeit habe ich Doktor Lucas nicht gekannt.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja. Haben diese Häftlinge ihre Kleider ablegen müssen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Узники должны были снять свою одежду?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Рубашки [+ снять], раздеться.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie mußten sich ausziehen.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, und haben sie sie dann mitgenommen, oder haben sie sie ablegen müssen, liegenlassen müssen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но одежду они должны были держать в руках?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они одежду на землю бросали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie warfen die Kleidung auf den Boden.

 

Verteidiger Stolting II:

Ist es richtig, daß Doktor Lucas, oder wenn es ein anderer Arzt war, ein anderer Arzt bei der Auswahl nach rechts oder links sie dann, wenn er gesagt hat »nach links« oder gedeutet hat nach links, sie direkt auf den Lastwagen geschickt hat?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Действительно ли так было, что по распоряжению доктора Лукаса или того, кто проводил селекцию, если он указал пальцем, допустим, налево, то они сразу же отправлялись на машины?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Их сразу [+ гнали] на машины. Тут солдаты- »эсэсманы« стояли: — »Los, los, los, los!«— И прямо на машину.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, also da standen Soldaten und es hieß sofort: »Los, los, los!« und sie kamen direkt auf die Wagen.

 

Verteidiger Stolting II:

Ich darf dann davon ausgehen, daß sie dann nicht mehr zu ihren abgelegten Kleidern zurückkamen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Могу ли я исходить из того, что они больше уже не возращались к своей одежде? Что эти узники входили на машины, оставаясь голыми? [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, им, видимо, бросали эту одежду в машины. Даже говорили: »Поднимите воротники, а то получите насморк.« Это было злое издевательство. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, also wahrscheinlich wurde ihnen die Kleidung dann später nachgeworfen in die Autos.

 

Verteidiger Stolting II:

Der Zeuge hat es doch aus einer Entfernung von 60 Metern gesehen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man hat sogar gescherzt, man hat sogar gesagt: »Ihr müßt die Kragen hochstellen, sonst bekommt ihr Schnupfen.« Das war ja so ein böser Witz.

 

Verteidiger Stolting II:

Ich möchte wissen, was der Zeuge bei dieser Selektion gesehen hat. Sind die Häftlinge noch mal zurückgegangen zu dem Kleiderhaufen, oder bekamen sie die Kleider nachgebracht, oder sind sie nackt auf den Lkw geschickt worden und dann weggefahren worden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я хочу знать точно, что Вы видели при этой селекции? Как это было? Эти узники входили голыми на машины? Бросали ли им после этого одежду, или они так и уезжали, как стояли? Что Вы сами видели, своими глазами?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я сейчас эти детали дополню. Я просто не знал, что такие детали нужны.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Gut, also ich werde jetzt diese Einzelheiten noch hinzufügen. Ich wußte einfach nicht, daß man solche Einzelheiten braucht.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда грузили их на машины, одежду им подавали, видимо, так я как видел. Брали в охапку и туда забрасывали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Als sie auf die Autos kamen, da wurde ihnen anscheinend, so wie ich gesehen habe, die Kleidung dann nachgeworfen.

 

Verteidiger Stolting II:

Was heißt: »anscheinend, so wie ich gesehen habe«? Was hat er denn gesehen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но это: »видимо« или »как я видел«? Что Вы видели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я говорю: я видел.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Also ich sage: Ich habe es gesehen.

 

Verteidiger Stolting II:

Sie haben es gesehen. Haben sich dann die Häftlinge auf dem Lkw wieder angezogen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И что, эти узники одевались на машинах?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они так, набросывали на спину рубашку.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie haben ihre Hemden so über sich geworfen, so auf die Schultern.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

И кидали нам пайки хлеба, кричали, мол, всё равно ведь нам в газовую камеру.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Und sie warfen uns auch ihr Brot zu, also diese Brotrationen, die sie hatten, und riefen uns zu: »Wir werden das sowieso nicht gebrauchen, wir kommen in die Gaskammern.«

 

Verteidiger Stolting II:

Darauf wollte ich gerade zurückkommen. Diese Worte haben Sie aus einer Entfernung von 60 Metern gehört?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И Вы слышали эти слова на расстоянии 60 метров?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Там не 60, а метров 30 было. Я не измерял там расстояния.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das waren nicht 60 Meter, sondern 30 Meter.

 

Verteidiger Stolting II:

Vorhin waren es aber noch 60. Ich habe es nämlich mitgeschrieben. Ich habe ja doch nicht gemessen die Entfernung.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Тогда надо ехать в лагерь с линеикой и измерять всё. Вы меня заставляете точность до миллиметра на глаз определять?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Man müßte jetzt ins Lager kommen und ein Metermaß in der Hand haben und das alles genau abmessen. Warum zwingen Sie mich, mit Augenmaß so genau die Entfernung zu messen?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Уже с машины многие кричали: прощайте, друзья!

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Viele riefen sogar vom Wagen: »Auf Wiedersehen, Freunde«, »Lebt wohl, Freunde.«[...]

 

Verteidiger Stolting II:

Hinsichtlich Ihrer Bemerkung bezüglich der Entfernungen möchte ich Ihnen sagen, daß ich Ihnen nur das vorhalte, was Sie selbst gesagt haben, was ich vorhin mitgeschrieben habe. Da haben Sie gesagt: »etwa 60 Meter«. Und jetzt sagen Sie, nachdem ich Ihnen vorhalte, daß man das doch wohl kaum aus einer Entfernung von 60 Metern gehört haben kann, es waren dann 30. Na schön, ich will den Komplex offen lassen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я Вам только повторяю то, что Вы говорили. Вы сказали: »Это было приблизительно 60 метров«. Теперь, когда я Вас спросил: »Неужели Вы это слышали на расстоянии 60 метров?«, Вы отвечаете на это, что было 30 метров.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Так это можно здесь измерить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Na, man kann das doch messen. Sogar hier.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я же не измерял, чтобы давать потом показания.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe das doch nicht genau gemessen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

От 27-го блока по углу до 19-го или до 20-го блока – глазомером же определяешь.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von Block 27 bis Block 19 oder 20 im Winkel...

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я мог сказать: 30 метров, 45, 60 метров. Надо измерить это всё.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, da ist doch nur Augenmaß. Ich könnte sagen: 30, 45, 60

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Bitte die nächste Frage.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Direktor, der reicht mir, der Komplex.

 

Vorsitzender Richter:

Die nächste Frage, bitte.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Zeuge, wissen Sie etwas darüber, ob die sowjetischen Kriegsgefangenen im Stammlager in den Blocks 14 und 24 untergebracht waren mit einer nochmaligen Drahteinzäunung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Известно ли Вам, что советские военнопленные были размещены в блоке 14-ом и 24-ом, который был ещё раз обведён проволокой?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не только в этих блоках, а в девяти блоках.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sogar nicht nur in diesen zwei Blocks, sondern in neun Blocks.

 

Verteidiger Stolting II:

Es kommt mir auf die Drahteinzäunung an. Ob noch mal die sowjetischen Kriegsgefangenen in einer besonderen Drahteinzäunung gewesen sind.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но меня интересует не вопрос, сколько блоков, а только то, что они ещё раз были обведены проволокой.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, это называлось »лагерь в лагере«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, so war es. Es hieß sogar »Lager im Lager«.

 

Verteidiger Stolting II:

So, danke. Jetzt habe ich nur einen letzten Komplex. Herr Zeuge, haben Sie im Laufe dieses Jahres einen oder mehrere Artikel über den Auschwitz- Prozeß in irgendeiner Zeitung geschrieben? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, пожалуйста, в течении этого года написали ли Вы какую-нибудь статью или несколько статей на тему Освенцимского процесса?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я написал статью в своей »Медицинской газете«. И могу её сейчас представить. Но там я касался только Освенцимской врачебно-санитарной службы, роли врачей. Больше я нигде не писал и нигде не выступал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe einen Artikel in meiner medizinischen Zeitschrift geschrieben. Und ich kann das dem Gericht jetzt vorlegen. Aber dieser Artikel bezog sich nur auf den medizinisch-sanitären Dienst in Auschwitz. Die Rolle der Ärzte, die sie dort gespielt haben. Sonst habe ich nirgends geschrieben und bin auch nirgends aufgetreten.

 

Verteidiger Stolting II:

Danke sehr. Haben Sie in irgendeinem Artikel, den Sie geschrieben haben im Laufe dieses Jahres, Klage oder Beschwerde, ich weiß nicht, wie Sie das übersetzen müssen, darüber geführt, wie die Zeugen dieses Prozesses durch das Gericht vernommen würden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Жаловались ли Вы в какой-нибудь из своих статей, в течении этого года, на то, как допрашиваются свидетели перед этим судом?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Herr Vorsitzender, ich widerspreche der Frage.

 

Verteidiger Stolting II:

Das dachte ich mir.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Sehen Sie, wie wir übereinstimmen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не понимаю вопроса.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Eine Minute, ich möchte das auch begründen. Ich glaube, diese Frage hat mit dem Sachlichen natürlich überhaupt nichts zu tun, mit den Prozeßthemen. Mit der Erörterung, inwieweit die Glaubwürdigkeit des Herrn Zeugen gegeben ist oder nicht, hat sie genauso wenig zu tun, wenn er von dem Recht der freien Meinungsäußerung, die ja auch im Grundgesetz der Bundesrepublik besonders verankert ist, Gebrauch gemacht hat. Ich möchte insoweit der Frage widersprechen, und ich hoffe, daß Sie das bereits vorher gewußt haben, daß wir auch insoweit mit dem Ergebnis übereinstimmen werden.

 

Verteidiger Stolting II:

[unverständlich] Darf ich etwas dazu sagen? Meine Frage, die ich an den Zeugen gestellt habe, ist praktisch durch den Einwand des Herrn Kaul bereits beantwortet. Ich lege auf eine weitere Beantwortung dieser Frage keinen Wert mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte sehr. Herr Rechtsanwalt Heymann.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der Zeuge möchte aber gerne die Frage übersetzt haben. Darf ich das noch mal

 

Vorsitzender Richter:

Die Frage ist zurückgenommen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Этот вопрос уже взят обратно.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Heymann.

 

Verteidiger Heymann:

Ich habe nur eine Frage. Herr Zeuge, ist es richtig, daß alle russischen Kriegsgefangenen spätestens ab April 1942 sich in Birkenau befanden, bis auf einige wenige, wie Sie zum Beispiel, mit dem roten Winkel, die bei Kommandos im Stammlager waren?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Я имею только один вопрос. Правда ли, что все советские военнопленные с апреля 1942-го находились исключительно в Биркенау? За исключением тех немногих, как Вы, которые имели »красный треугольник« и были в освенцимском лагере?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По показанию свидетелей и по документам освенцимского лагеря, около 500 советских военнопленных были весной переведены из »Штаммлагеря« на строительство в Биркенау, дорог и бараков.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nach den Angaben der Zeugen und auch anderen Unterlagen steht fest, daß 500 sowjetische Kriegsgefangene für Arbeiten bei dem Barackenbau nach Birkenau gebracht wurden.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Вот из этих 500 человек и осталось на последнюю поверку 67. А все остальные погибли на строительстве Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von diesen 500 blieben eben beim letzten Appell 67. Alle anderen sind bei dem Bau von Birkenau umgekommen.

 

Verteidiger Heymann:

Herr Zeuge, im Termin vom 28.9. hat ein Zeuge unter anderem, wir wissen es schon länger, klar ausgesagt, daß spätestens am 12.4.42 der letzte Rest aller russischen Kriegsgefangenen nach Birkenau verlegt worden ist und niemand mehr im Stammlager war.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

28-го сентября было сказано одним свидетелем, другие это тоже подтверждали, что 12-го апреля 42-го года последние остатки советских военнопленных переведены в Биркенау. И в лагере Освенцимском никого больше уже не осталось.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. В форме солдат. [...] Так, приблизительно, сходятся эти данные.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In Soldatenuniform. Ja, ungefähr stimmen die Angaben.

 

Verteidiger Heymann:

Gut. Und noch eine letzte Frage: Sie hatten gestern erklärt, sie hatten einen roten Winkel mit der Aufschrift »R«. Was hatten die russischen Soldaten für eine Kennzeichnung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы вчера сказали, что имели »Красный Треугольник« с буквой »Р«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А какое было обозначение русских солдат?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Им на спине просто писали огромными буквами » Sowjetunion«. И татуировка. Приказ Кейтеля о татуировке военнопленных у меня здесь есть.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die hatten einfach auf dem Rücken mit großen Buchstaben geschrieben gehabt: »Sowjetunion«. [...] Und dann die Tätowierung. Darüber habe ich ja hier den Befehl von Keitel über die Tätowierung der Kriegsgefangenen.

 

Verteidiger Heymann:

Hatten die russischen Kriegsgefangenen in Auschwitz nicht einen weißen Streifen auf der Brust mit einem »R« und der Nummer dahinter?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Не имели ли советские военнопленные на груди белой полосы с буквой »Р« на ней?

 

Verteidiger Heymann:

Herr Zeuge [unverständlich] so ein Streifen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Moment mal, Sie haben ja erst mal gefragt.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Они имели такой номер тире »Aу«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die hatten so eine Nummer und dann Gedankenstrich und »Au«.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

»Ау«. Что это обозначало – »Ау«? Я до сих пор не могу расшифровать.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Was dieses »Au« bedeutete, bis heute kann ich mir nicht darüber klar werden.36

 

Verteidiger Heymann:

Ich meine nur den weißen Streifen in erster Linie. Mit dem Buchstaben »R« und der Nummer dahinter.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но я имею в виду только эту белую полосу на груди с буквой »Р«. [...]

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, я таких не видел в Освенциме.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe solche in Auschwitz nicht gesehen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я был на Биркенау, несколько раз видел этих уцелевших после строительства. У них был номер и »Ау«. Это, видимо, было в штрафкомандах »СК«.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich war in Birkenau, ich habe diese, die eben nach dem Bau noch am Leben geblieben sind, gesehen, und sie hatten eben diese Nummer und dann die Buchstaben »Au«. Das war anscheinend in den Strafkompanien.

 

Vorsitzender Richter:

Von den Verteidigern? Rechtsanwalt Joschko.

 

Verteidiger Joschko:

Herr Zeuge, als Sie in der Tschechei festgehalten wurden, waren Sie auch in Nemecky Brod?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Когда Вас поймали в Чехословакии, не случалось ли Вам быть в местности »Немецкий брод«?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Что это значит, »Немецкий брод«?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это название местности, »Немецкий брод«.

 

Verteidiger Joschko:

Das ist ein Ort. Ja oder nein?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не помню, не знаю. Не слышал такого.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich erinnere mich nicht. Ich habe so was nicht gehört.

 

Verteidiger Joschko:

Nein. War er dort, oder war er dort nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Но были ли Вы там, или не были, в такой местности? [...]

 

Vorsitzender Richter:

Es ist ihm kein Begriff, Herr Rechtsanwalt Joschko. [...]

 

Verteidiger Joschko:

Das genügt mir. Eine andere Frage: Herr Zeuge, [...] der polnische Häftling, mit dem er die Wolle nach dem Versuchsblock Nummer 10 gebracht hat, war er mit ihm befreundet?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Этот польский узник, с которым Вы носили шерсть на экспериментальный блок 10, Вы были с ним дружны?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да. Он работал в »бекляйдунгскамере«. Звали его Владик.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er arbeitete in der Bekleidungskammer. Man nannte ihn Wladek.

 

Verteidiger Joschko:

Kannte er ihn näher, oder waren sie näher bekannt miteinander, oder haben sie irgendwas ausgetauscht aus ihrem Leben, über ihre Schulausbildung und so weiter?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы с ним были близко знакомы и дружны? Рассказывали Вы что-нибудь друг другу о прошлой жизни, об учёбе, кто из Вас что окончил?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, мы не были дружны с ним, но жили на одном блоке. Большого контакта не было.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, wir waren nicht befreundet, aber wir wohnten in einem Block, und wie die Häftlinge leben miteinander. Eine größere irgendwelche Verbindung zwischen uns bestand nicht.

 

Verteidiger Joschko:

Ja. In welcher Sprache unterhielt sich dieser polnische Häftling mit den zwei Griechinnen, von denen er erfuhr, daß an ihnen Versuche durchgeführt wurden?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

На каком языке разговаривал этот поляк с теми гречанками, от которых он узнал, что над ними проводятся эксперименты?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

На немецком разговаривал.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er sprach Deutsch mit ihnen.

 

Verteidiger Joschko:

Und die Griechinnen sprachen auch Deutsch?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И эти гречанки тоже говорили по-немецки?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но там вместе с гречанками были и полячки. Ещё две девушки-украинки было. Но он говорил по-немецки, ему отвечали. Гречанки сначала вообще молчали, боялись. А потом тоже разговорились. Но это было всего буквально 2-3 минуты, пока не налетела эта »эсэсманка« на нас.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, mit den Griechinnen waren ja auch Polinnen. Zwei Ukrainerinnen waren auch dabei. Zwei Mädchen. Aber er sprach Deutsch. Die Griechinnen, die haben zuerst gar nicht geantwortet, sie hatten Angst gehabt. Und dann kamen sie ins Gespräch. Aber das dauerte ja buchstäblich zwei, drei Minuten. Bis diese SS-Frau angekommen ist.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, sprechen Sie Deutsch?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы говорите по-немецки?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, не говорю.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich spreche nicht.

 

Verteidiger Laternser:

Sie können es nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich spreche nicht. — Вы не умеете говорить?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Говорю немножко по-немецки, самое бытовое.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich spreche ganz wenig Deutsch. Nur die alltäglichen Umgangsworte.

 

Verteidiger Laternser:

Seit wann sind Sie in Frankfurt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

С какого времени Вы во Франкфурте?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Сейчас. — Wann meinen Sie? [...]

 

Verteidiger Joschko:

Nein, jetzt. Seit wann er jetzt in Frankfurt ist.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Нет, сейчас с какого времени Вы во Франфурте?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Во Франкфурт я прилетел, сейчас по билету посмотрю. В субботу, по-моему.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wann bin ich denn nun angekommen? Ich kann ja nach der Flugkarte gucken, ich glaube, Samstag.

 

Verteidiger Laternser:

Jetzt letzten Samstag oder?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

В эту субботу? [...]

 

Verteidiger Laternser:

[Pause] Hat Ihre Anwesenheit in Frankfurt auch noch andere Gründe als die der Vernehmung hier vor Gericht?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche dieser Frage, Herr Vorsitzender. Ich widerspreche dieser Frage. Sie hat mit dem Prozeßthema nichts zu tun, sie hat mit dem Beweisthema nichts zu tun. Sie hat mit der Person des Herrn Zeugen nichts zu tun. Sie hat mit der Glaubwürdigkeit des Herrn Zeugen nichts zu tun. Und sie ist aus den üblichen Gründen gestellt, die ich hier schon mehrfach anzuprangern genötigt gewesen war. Ich bitte dementsprechend, diese Frage nicht zuzulassen.

 

Verteidiger Laternser:

Ich bestehe auf dieser Frage und habe darauf nichts zu antworten. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ich darf noch einmal wiederholen, Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser: »Haben Sie noch andere Aufgaben hier in Frankfurt?«

 

Verteidiger Laternser:

Nein, nein, ich habe gesagt, ob seine Anwesenheit in Frankfurt auch noch andere Gründe hat als die der Zeugenvernehmung.

 

Vorsitzender Richter:

Noch andere Gründe.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Darf ich das übersetzen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nein, Sie dürfen es nicht übersetzen.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Der Frage ist widersprochen worden.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja. Gut.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bitte.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aber [unverständlich] kann nicht sein, daß [unverständlich] oder später darüber entschieden wird.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, nein, nein, die Frage wird gar nicht gestellt, denn es ist ja widersprochen worden. Also darf sie nicht gestellt werden. Klar?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, nicht klar, Herr Direktor, [...] ist die zweite Frage, die ich Ihnen gern beantworte hinsichtlich meiner Aufnahmefähigkeit. Es handelt sich nämlich um folgendes: Es handelt sich gar nicht darum, daß die Frage zu stellen ist oder nicht, sondern daß der Herr Zeuge über alle Vorgänge, die im Zusammenhang mit seiner Vernehmung stehen, unterrichtet wird. Hier ist eine Frage an ihn gestellt worden. Dieser Frage habe ich widersprochen. Das ist ein prozessualer Vorgang, das Gericht wird erst später entscheiden. Das ist ein prozessualer Vorgang, der mit seiner Vernehmung in einem direkten Zusammenhang steht. Insofern hätte er, genauso wenn er Deutsch verstehen könnte, dem alleine folgen können.

 

Vorsitzender Richter:

Hätte er gesehen, jawohl.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Er brauchte also dazu nicht erst rauszugehen.

 

Vorsitzender Richter:

Richtig.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Er muß also genauso befragt werden wie ein Zeuge, der Deutsch verstehen kann. Insofern bestehe ich darauf, daß dieser Vorgang ihm in seine Landessprache übersetzt wird.

 

Vorsitzender Richter:

Wird auch. Aber nur nicht jetzt. Es wird übersetzt mit der Entscheidung des Gerichts, ob die Frage zugelassen wird oder nicht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, ich möchte, daß der Vorgang ihm jetzt mitgeteilt wird. Und wenn Sie diesem von mir nunmehr als Antrag gestellten Wunsche nicht nachkommen, bitte ich um einen diesbezüglichen Gerichtsbeschluß.

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl. Weiter, Herr Rechtsanwalt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nein, Herr Direktor, das ist nicht möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich bitte, bevor weiter gefragt wird, daß der Zeuge über die Vorgänge unterrichtet wird entsprechend den Bestimmungen der Prozeßordnung. Da Sie dem Antrag nicht nachgekommen sind, habe ich um einen Gerichtsbeschluß gebeten. Insofern wird, so interessiert ich daran bin, die Verhandlung nicht in die Länge zu ziehen, es notwendig sein, daß das Hohe Gericht sich zurückzieht, um über diese Frage zu entscheiden, bevor weitere Fragen an den Zeugen gestellt werden.

 

Vorsitzender Richter:

Das steht nicht in der Strafprozeßordnung.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Jawohl, es steht in der Strafprozeßordnung.

 

Vorsitzender Richter:

Wo, bitte?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich kann gegen Entscheidungen des Vorsitzenden die Entscheidung des Gerichts anfordern.

 

Vorsitzender Richter:

Natürlich.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

In dem Augenblick, in dem Sie diese Entscheidung aussetzen.

 

Vorsitzender Richter:

Ich setze nicht aus.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Natürlich setzen Sie sie aus.

 

Vorsitzender Richter:

Das Gericht wird noch an diesem Tag über diesen Antrag entscheiden.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aber ich habe den Antrag gestellt, den Zeugen in Kenntnis zu setzen, bevor weitere Fragen gestellt werden. Diesen Antrag haben Sie abgelehnt. Darauf habe ich um Gerichtsbeschluß gebeten. Insofern muß ein Gerichtsbeschluß ergehen, bevor weitere Fragen gestellt werden.

 

Verteidiger Laternser:

Das letzte setzt Herr Kaul hinzu. Bevor weitere Fragen gestellt werden. Er meint vielleicht die Bestimmung des 242 der Strafprozeßordnung: »Zweifel über die Zulässigkeit einer Frage entscheidet in allen Fällen das Gericht.« Wann das Gericht zu entscheiden hat, ist eine zweite Frage.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich brauche keinen Dolmetscher, insbesondere nicht in iuridicis. Ich weise auch jetzt

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Na, was wir bis jetzt von Ihnen in Juristerei gehört haben, das war nicht soweit her.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Moment, meine Herren. Ich bitte also, keinen weiteren Lärm zu verursachen. Wir haben zehn Minuten nach zwölf. Es wird die Mittagspause eingelegt. Um Dreiviertel zwei wird die Sitzung fortgesetzt.

 

– Schnitt –

 

Richter Hotz:

»Seiner Zeugenvernehmung nach Frankfurt am Main gekommen sei, wird als nicht zur Sache gehörig zurückgewiesen.«37

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, haben Sie seit Ihrer Anwesenheit in Frankfurt mit Herrn Langbein gesprochen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Скажите, пожалуйста, с того времени, когда приехали теперь сюда во Франкфурт

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Herr Direktor, ich bin genötigt, auch dieser Frage zu widersprechen. Ich tue das wirklich mit innerem Widerwillen, weil ich selbst aufs äußerste in jeder Beziehung sachlich und persönlich interessiert bin, die Verhandlung so rasch, so zügig wie möglich durchzuführen. Diese Fragen haben nicht das geringste mit der Sache zu tun. Sie haben auch nichts mit der Person zu tun. Herr Langbein ist ein alter Kamerad des Herrn Zeugen. Wenn ich sage alt – er war jahrelang in Auschwitz. Der Herr Zeuge war jahrelang in Auschwitz. Nichts wäre selbstverständlicher. Ich weiß nicht, ob sie sich gesehen haben oder ob sie sich nicht gesehen haben. Aber all diese Fragen – ich bleibe bemüht, jedes scharfe Wort zu unterdrücken – gehen doch aber in eine ganz bestimmte Richtung, die zu vermeiden gerade angesichts derjenigen, die diese Leiden in Auschwitz erduldet haben, doch wirklich Veranlassung gegeben wäre. Ich bitte, diese Frage nicht zuzulassen.

 

Vorsitzender Richter:

Nächste Frage, bitte.

 

Verteidiger Laternser:

Wie oft haben Sie Langbein gesehen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Wo haben Sie Herrn Langbein gesehen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Was haben Sie besprochen?

 

Vorsitzender Richter:

Moment, wie oft haben Sie ihn gesehen, und was war die nächste?

 

Verteidiger Laternser:

Wo haben Sie ihn gesehen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo haben Sie?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Was ist besprochen worden?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Vorsitzender, vor der Beantwortung dieser Fragen für den Fall, daß Sie sie zulassen, was ich erhoffe aus rechtlichen Gründen, bitte ich aber, den Zeugen Langbein zu bitten, den Saal zu verlassen, weil ich im Anschluß daran ihn möglicherweise auch als Zeugen benennen werde. Herr Zeuge, waren Sie am vergangenen Samstag bei einer politischen Versammlung am Römerberg?

 

Vorsitzender Richter:

Ich glaube, diese Frage, Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser, brauchen Sie nicht zu stellen, weil die Antwort gerichtsbekannt ist. Hat ja überall in den Zeitungen gestanden und war im Rundfunk zu hören.

 

Verteidiger Laternser:

Nun gut, aber gerichtsbekannt ist ja ein Begriff, über den man streitet.

 

Vorsitzender Richter:

Richtig, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Man muß alles ja zum Gegenstand der Verhandlung machen. Deswegen frage ich den Zeugen, ob er an einer politischen Versammlung am Römerberg teilgenommen hat?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage aus den gleichen Gründen, aus denen ich die erste Frage beanstanden habe.

 

Vorsitzender Richter:

Weiter.

 

Verteidiger Laternser:

Wer hatte die Idee für diese politische Versammlung?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande diese Frage aus den gleichen Gründen. Ich möchte nicht noch einmal weit ausholen mit den Darlegungen. Mir fällt es allerdings schwer, angesichts des Insistierens bezüglich dieser Fragen mich zurückzuhalten. Ich wiederhole noch einmal: Es besteht keinerlei sachlicher und persönlicher Anlaß, diese Fragen zu stellen.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hatte die Idee für diese politische Versammlung?

 

Verteidiger Laternser:

Ja, von wem stammt sie?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage.

 

Verteidiger Laternser:

Ich möchte übrigens zu den Beanstandungen jetzt schon etwas sagen. Ich habe noch eine größere Anzahl von Fragen dieser Art. Es wird für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit dieses Zeugen von – nach meiner Meinung – wesentlicher Bedeutung sein, ob er zum Beispiel das Gastrecht hier in der Bundesrepublik dazu benutzt, eine politische Versammlung zu besuchen und dort kommunistische Reden zu halten. Das scheint mir doch ein Punkt zu sein, der für die Glaubwürdigkeit von Bedeutung ist. Und daß Herr Kaul anderer Meinung ist, das erwarte ich gar nicht anders. Wir kennen ja seine rechtliche Meinung. Er hält ja auch die Morde an der Mauer für rechtmäßig, und er hat auf Ihren Einwand hin erklärt, das sei ungeheuerlich, die Meinung des Vorsitzenden, die Sie in diesem Zusammenhang erwähnt haben

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Und nun, nichts ist eigentlich

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich bin jetzt am sprechen, und ich bitte, mich nicht zu unterbrechen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nichts ist eigentlich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment, eben ist der Herr Doktor Laternser dran, Sie kommen gleich dran.

 

Verteidiger Laternser:

Ich glaube daher, daß meine Fragen, die ich bis jetzt gestellt habe, zulässig sind, und ich bitte, jetzt in diesem Augenblick auch schon darüber zu entscheiden, denn ich habe in diesem Zusammenhang noch mehr Fragen zu stellen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich glaube, nichts kann besser die Berechtigung meines Widerspruches bestätigen als diese der primitivsten politischen Hetze dienenden Ausführungen des Herrn Laternser. Ich bitte, dem Widerspruch dementsprechend stattzugeben.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Vorsitzender, ich führe hier keine politische Hetze, sondern ich will nur untersuchen, ob man einen Zeugen, der zum Beispiel das Gastrecht mißbraucht in einem Maße, wie es dann dargetan wird durch seine eigenen Angaben, noch glauben kann. Und auf die Ausführungen von Herrn Kaul habe ich es nicht notwendig, auch nur irgend etwas zu erwidern.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser, haben Sie noch einen anderen Fragenkomplex, den wir vielleicht vorweg noch nehmen könnten, der sich nicht auf diese politischen Dinge bezieht?

 

Verteidiger Laternser:

Ja, das sind keine politischen Dinge, das sind Tatsachen, die sich ereignet haben, und ich bitte, Herr Vorsitzender, vielleicht darüber jetzt zu entscheiden. Ich habe noch mehrere Fragen dann in dem Zusammenhang. Ich habe dafür auch Verständnis, daß das Gericht zu bestimmen hat den Zeitpunkt, in dem Sie über die Zulässigkeit von Fragen entscheiden. Aber wenn sie sich dann so sammeln, wie es jetzt der Fall ist, dann ergibt sich ja doch aus der Beantwortung der Frage eine andere Frage, und deswegen fühle ich mich dadurch etwas beeinträchtigt.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun ja, wir würden diesen Komplex ja nachher ohnehin wieder anschneiden müssen. Nämlich entweder, wenn die Fragen zugelassen sind, oder wenn sie nicht zugelassen sind. Dann könnten Sie ja auf diesem Gebiet weiterfragen. Ich dachte nur, Sie hätten vielleicht noch andere Dinge zu fragen.

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ja, ich bin auch bereit, weiter auf diesen Punkt einzugehen. Wer hat bei dieser Veranstaltung gesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Haben auch Sie gesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

In welcher Sprache haben Sie gesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Was haben Sie vorgetragen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Dann: Was haben Sie gesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Mit wem haben Sie das vorher abgesprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Mit welchen Einwohnern der Bundesrepublik haben Sie vor Beginn dieser Veranstaltung verhandelt und ihren Ablauf besprochen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Mit welchen anderen Kommunisten waren Sie noch zusammen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Sind Sie selbst Funktionär in der Kommunistischen Partei?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Welche Funktion hatten Sie in der Sanitätsleitung? Das war die Frage des Landgerichtsrats Hummerich. [...]

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche dieser Frage

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment. Herr Doktor Kaul, jetzt wird ja etwas ganz anderes gefragt. Jetzt wird etwas gefragt aus dem Werdegang dieses Zeugen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aber das ist beantwortet.

 

Vorsitzender Richter:

Er hat gesagt, er wäre Sanitätsoffizier gewesen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Einmal hat er es Ihnen gesagt, daß er Major war, dann hat er es dem Herrn Ersatzrichter gesagt, daß er im Sanitätsdienst war. Also hat er beantwortet, daß er Major im Sanitätsdienst war, die Frage ist beantwortet, und deswegen widerspreche ich hier.

 

Verteidiger Laternser:

Ich frage dann, hat es auch im Sanitätsdienst politi sche Kommissare gegeben?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche dieser Frage, die sachlich überhaupt nicht das geringste mit den Beweisthemen, mit dem Eröffnungsbeschluß zu tun hat und auch persönlich völlig bedeutungslos ist.

 

Verteidiger Laternser:

War auch er ein politischer Kommissar in der Sanitätsleitung?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche dieser Frage. [...] Aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Dann: Für wie lange ist Ihnen das Visum erteilt worden?

 

Vorsitzender Richter:

Diese Frage kann zugelassen werden.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja. — До какого числа действительна Ваша виза?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

По 8-е октября.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bis zum 8. Oktober. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Von wem ist die Befristung ausgegangen, von Rußland, also der Sowjetunion, oder von Deutschland?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Кто определил этот срок? Советские власти или немецкие власти?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Немецкое посольство.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die deutsche Botschaft.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, stimmt das? Die Frage soll doch bedeuten: Ist das Einreisevisum limitiert oder das Ausreisevisum limitiert?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Что у Вас ограничено: виза на въезд или виза на выезд? Кто ограничил этот промежуток? Советские власти или немецкие власти?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Я должен объяснить Суду некоторые обстоятельства в связи с визой.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich muß dem Gericht die Umstände, die mit dem Visum zusammenhängen, überhaupt erklären.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Прокурор, прокуратура и Суд вызывали меня на процесс 3-го сентября.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wurde von der Staatsanwaltschaft und vom Gericht zur Verhandlung am 3. September geladen.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Советская сторона запросила визу. Но посольство Федеративной Республики в Москве визу задержало: было сказано, »в связи с Вашей болезнью«. И 24-го сентября сообщило Министерству Иностранных дел, что для господина Лебедева виза есть. И он должен немедленно вылетать на процесс в качестве свидетеля

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Von der sowjetischen Seite wurde nach dem Visum gefragt. Aber die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Moskau hat das Visum zurückgehalten, und die haben gesagt: »Das steht im Zusammenhang mit Ihrer Krankheit.« Und am 24. September wurde dem Außenministerium mitgeteilt, daß für Herrn Lebedev ein Visum vorliegt und daß er sofort zum Prozeß als Zeuge abfliegen muß.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, verzeihen Sie, das ist nicht ganz klar. Wir hatten den Zeugen doch auf den 9. Oktober geladen? Zum zweiten Mal.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

А кто Вас вызвал второй раз на 9-ое октября?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Das hat er noch nicht gewußt, Herr Direktor.

 

Verteidiger Laternser:

Der Zeuge soll es doch selbst sagen, nicht der Herr Kaul.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Herr Rechtsanwalt Doktor Kaul, wir sind doch eben daran, den Zeugen zu befragen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

So, ich dachte, Sie wollen die Sache aufklären, das könnte nämlich Herr Staatsanwalt Wiese mit einem Wort.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Кто Вас вызвал на 9-ое октября? Вы получили повестку на 9-ое октября?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В посольство был представлен первый вызов на 3-е сентября. В Германском посольстве. И они сказали, что »суд Вас вызывает в конце сентября и Вы должны выезжать.« Потому что первый вызов был уже. Это заявил советник Германского Посла. И 24-ого они выдали визу. И тут же прислали билет, оплаченный судом, прокуратурой. Он лежал в аэропорту, и мне тоже его Германское посольство вручило.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die Botschaft bekam zuerst mal den Antrag auf ein Visum für den 3. September. Und es wurde von der Botschaft mitgeteilt: »Das Gericht lädt Sie jetzt auf Ende September, Sie müssen sofort abreisen.« Weil die erste Ladung bereits vorhanden war. Das hat ein Botschaftsrat der deutschen Botschaft mitgeteilt. [...] Also sie haben mir am 24. das Visum ausgehändigt Und gleichzeitig die Flugkarte zugestellt, die von der Staatsanwaltschaft, vom Gericht bezahlt wurde. Die Flugkarte lag auf dem Flugplatz, und die deutsche Botschaft hat mir die Flugkarte ausgehändigt.

 

Verteidiger Laternser:

Nun gut, und dann sind Sie nach Frankfurt geflogen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

И Вы прилетели во Франкфурт?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Wer hat Sie am Flugzeug abgeholt?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Vorsitzender, jetzt wird es, glaube ich, doch so interessant, daß man diese Frage auf alle Fälle zulassen müßte. Die nächste Frage wird das vielleicht zeigen. Waren Sie hier in Frankfurt bei der sowjetischen Militärmission?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande das aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Wo haben Sie geschlafen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande das aus den gleichen Gründen.

 

Verteidiger Laternser:

Sind Sie mit dem Wagen der sowjetischen Militärmission in Frankfurt nach hier gebracht wurden?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande das aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Werden Sie heute auch wieder von dem gleichen Wagen abgeholt werden?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage aus den gleichen Gründen. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Werden Sie heute abend wieder in der sowjetischen Militärmission schlafen müssen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage aus den gleichen Gründen und weise auch diese Formulierung als ungehörig zurück. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Dann scheint sie doch richtig zu sein, wenn Sie sie als ungehörig empfinden. [...]

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich habe keine Veranlassung, Zwiegespräche hier, ausgerechnet mit Ihnen zu führen.

 

Vorsitzender Richter:

Soviel ich weiß, wohnt der Zeuge hier in dem Grand Hotel. Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Nun ein anderer Fragenkomplex: Sie haben bei Ihrer Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft am 19. oder 20. Mai 1964 ausgeführt – und ich zitiere jetzt wörtlich, jedenfalls so ist es protokolliert: »Man warf uns vor, daß wir für die Faschisten gedient haben. Dank unserer ausländischen Freunde, den Deutschen, den Polen und den Tschechen, die zu hohen Posten in ihren Ländern gekommen waren, wurde ich ungeschoren gelassen.«38 Wer waren diese Deutschen?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich beanstande die Frage aus folgendem Grunde: Sie ist bereits beantwortet. Die Frage ist gestern bereits beantwortet. Das kann der Herr Laternser natürlich nicht wissen, weil er gestern gar nicht da war. Der Zeuge hat sich zu diesem Komplex eingelassen gehabt, und zwar in einer etwas anderen Formulierung als die, wie sie den Niederschlag in seinem Vernehmungsprotokoll gefunden hatte. Daraufhin haben Sie, Herr Vorsitzender, unter ausdrücklicher Zitierung der gleichen Stelle den Zeugen eingehend befragt, und der Zeuge hat darauf eingehend geantwortet.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe den Zeugen nicht gefragt, wer die Deutschen gewesen seien, die ihn seinerzeit da unterstützt hätten.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Also ich habe es mir doch notiert, daß der Zeuge daraufhin geantwortet hat. Er hat zunächst begonnen: »Sind wir einer kleineren staatlichen Untersuchung unterzogen worden.« Das Wort liegt mir noch im Ohr. Und daraufhin haben Sie ihm die Stelle vorgehalten, und daraufhin hat er gesagt und hat einen polnischen Namen genannt. Ich habe hier die Notiz nicht mehr, weil ich nicht mehr

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Cyrankiewicz.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich glaube, er hat Cyrankiewicz gesagt und dann noch ein oder zwei Namen gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Also von deutschen Leuten habe ich keinen Namen gehört. Von polnischen Namen, da hat er welche genannt, das ist richtig. Aber von deutschen habe ich keine Namen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Also, bitte schön, soweit es sich auf deutsche bezieht, ziehe ich den Einspruch... [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Во время Вашего допроса 19-го и 20-го мая 64-го года во Франкфурте Вы сказали, что »после войны нам ставили в упрёк, что мы работали с фашистами, и благодаря помощи наших друзей, поляков, немцев, которые занимали в своих странах высокие посты, нам ничего не сделали«. Вчера был вопрос председателя тоже на эту тему, и Вы назвали несколько фамилий поляков – Циранкевича и других. Можете ли Вы сказать, какие это были немецкие друзья, которые тоже вступились за Вас?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Из обоих германских стран.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aus den beiden deutschen Staaten, meinen Sie? [...] Zeuge Aleksandr Lebedev:

К Федеративной Республике Германии советские органы, видимо, не обращались. Но мы получали письма отсюда, от старых друзей, от немцев.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Unsere Regierung hat sich an die Bundesrepublik anscheinend nicht gewandt, aber wir haben Briefe bekommen von alten Freunden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, der Herr Rechtsanwalt möchte wissen, ob er noch die Namen nennen kann.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Адвокат Латернсер хочет знать, не можете ли Вы назвать фамилии этих немцев из Германии, которые выступали в Вашу защиту после войны?

 

Vorsitzender Richter:

Er kann keine Namen mehr nennen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun haben Sie weiter dann

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Я, видимо, не буду говорить.

 

Verteidiger Laternser:

Nun ist weiter protokolliert worden. Ich zitiere jetzt: »Es gelang mir durch die Aussagen meiner ausländischen Kameraden, genau zu beweisen, daß ich mit der Wlassow-Bewegung nichts zu tun hatte.«39 [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

»Мне удалось при помощи моих заграничных друзей доказать, что я не имел ничего общего с власовской армией.«

 

Verteidiger Laternser:

Woher wußten denn diese ausländischen Freunde, nämlich die Deutschen, Polen und die Tschechen, daß Sie nichts mit der Wlassow-Armee zu tun hatten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Откуда было известно этим Вашим заграничным друзьям, этим немцам, полякам и другим, что Вы не были во власовской армии?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

А потому что, когда я попал в Освенцим, тогда ещё власовской армии не было. Она только формировалась. В 41-ом-42-ом году власовской армии ещё не было. А остальное время я был в Освенциме, у всех на глазах.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Weil damals, als ich nach Auschwitz gekommen bin, da gab es noch keine Wlassow-Armee. Die ist ja später dann organisiert worden. 41/42 gab es noch keine Wlassow-Armee. Und die übrige Zeit war ich in Auschwitz, vor den Augen von allen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja, dann verstehe ich aber nicht, daß Sie aussagen. Was ich Sie bitte aufzuklären, ist folgendes: Wie können die ausländischen Freunde dazu beitragen zu beweisen, daß Sie nicht in der Wlassow-Armee gewesen sind?

 

Vorsitzender Richter:

Weil er in Auschwitz war. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine weiteren Fragen. Bitte jetzt über die Fragen zu entscheiden. Ist doch klar, Sie sollen ihm das sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber das hat man doch in Rußland nicht gewußt. Man hat es ihm nicht geglaubt, und dann mußte er es erst unter Beweis stellen, so kann ich das jedenfalls mir erklären.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ja, hier die Bezugnahme auf die Erklärung des heutigen polnischen Ministerpräsidenten Cyrankiewicz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sonst noch Fragen? Herr Rechtsanwalt Eggert.

 

Verteidiger Eggert:

Herr Zeuge, ist es richtig, daß Sie im Anschluß an jene Veranstaltung auf dem Römerberg gegenüber der Presse erklärt haben, bei dem hier anhängigen Prozeß handele es sich nur um einen schüchternen Versuch zur Bewältigung der Vergangenheit?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Правда ли, что после собрания перед ратушей Вы сказали представителям прессы, что этот процесс – это такая маленькая проба [+ попытка] рассмотреть прошлое и покончить с ним?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich widerspreche der Frage aus den gleichen Gründen, aus denen ich [unverständlich] widersprochen habe

 

Zeuge Aleksandr Lebedev [unterbricht]:

Я могу ответить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich kann ja antworten aber. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Es muß erst entschieden werden über die Zulässigkeit der Frage.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Суд должен ещё определить, можно ли Вам ответить.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Jugl.

 

Verteidiger Jugl:

Herr Zeuge, Sie haben gestern gesagt, Sie hätten in Moskau das Urteil gegen Kaduk studiert. Ist das richtig?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы вчера сказали, что Вы в Москве знакомились с судебным решением по делу Кадука.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, мне приговор показывали.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, man hat mir das Urteil gezeigt.

 

Verteidiger Jugl:

War dieses Urteil ausführlich, umfangreich, gewissenhaft?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Это был короткий, или подробный приговор, Вы помните?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Нет, приговор небольшой, на двух страничках. Это не материалы следствия, а просто сам приговор.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das Urteil ist nicht lang, zwei Seiten. Das war nur das Urteil, das war kein Untersuchungsmaterial. Nur das Urteil.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, von dem ist auch die Rede.

 

Verteidiger Jugl:

Waren auch Protokolle dabei über die Verhandlung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Были ли при этом также протоколы самого Суда?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Не были, только сам приговор.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, das war nur das Urteil, kein Protokoll.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Но они есть в архивах. Мы можем их представить.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Aber die gibt es im Archiv, die Protokolle. Wir können sie vorlegen.

 

Verteidiger Jugl:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Wir haben ja das Protokoll. In Abschrift. [...]

 

Verteidiger Jugl:

Mir geht es ja darum, ob dieses Urteil und die Protokolle vollständig sind. Deshalb diese Frage. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Noch eine Frage? Hofmann.

 

Angeklagter Hofmann:

Herr Vorsitzender, ich hätte zwei Fragen zu stellen an den Herrn Zeugen. Herr Zeuge, Sie sagten heute vormittag, daß die russischen Kriegsgefangenen in Auschwitz gesondert untergebracht waren. Können Sie mir sagen, wie waren die abgetrennt von den anderen Wohnblocks?

 

Vorsitzender Richter:

Hat er bereits gesagt: durch einen doppelten Stacheldraht.

 

Angeklagter Hofmann:

Durch Stacheldraht. Haben Sie das selbst gesehen, diese Abtrennung von den anderen Wohnblocks, diesen Stacheldraht?

 

Vorsitzender Richter:

Ich glaube, er hat gesagt, er hätte es nur gehört. Fragen Sie ihn bitte, ob er den doppelten Stacheldraht selbst gesehen hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Вы говорили о том, что советские военнопленные были окружены ещё одной проволокой. В Аушвице. Вы сами это видели?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

В Аушвице? Нет. Я не застал эту колючую проволоку. Это мне рассказали узники и те военнопленные, которые были переведены на Биркенау.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein, ich habe diesen Stacheldraht nicht mehr vorgefunden. Das haben mir die Häftlinge und auch die sowjetischen Kriegsgefangenen, die nach Birkenau gekommen sind, erzählt.

 

Angeklagter Hofmann:

Ja, dann damit weiter keine Fragen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Haben sonst die Angeklagten noch Fragen? Doktor Lucas? Keine Fragen mehr. Da werden wir zunächst mal die Fragen entscheiden, die hier gestellt und beanstandet worden sind, und anschließend wollte ich dann heute nachmittag den Zeugen Rosenstock hören, den wir auf dreiviertel zwei bestellt haben. Von gestern ist der Zeuge noch.

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Zugelassen werden die Fragen des Rechtsanwalts Doktor Laternser: »Haben Sie Herrn Langbein gesprochen?«»Wie oft haben Sie Herrn Langbein gesehen?«»Wo haben Sie Herrn Langbein gesehen, und was ist mit ihm besprochen worden?«

Nicht zugelassen, und zwar als nicht zur Sache gehörig, werden die übrigen Fragen: »Haben Sie am Samstag an einer politischen Versammlung am Römerberg teilgenommen?«»Wer hatte die Idee für diese politische Versammlung? Von wem stammt sie?«»Wer hat bei dieser Veranstaltung gesprochen?«»Haben Sie auch gesprochen?«»In welcher Sprache haben Sie gesprochen?«»Was haben Sie gesprochen?«»Mit wem haben Sie das abgesprochen?«»Mit welchen Bürgern der Bundesrepublik haben Sie vor dieser Veranstaltung gesprochen, und mit welchen anderen Kommunisten waren Sie noch zusammen?«»Sind Sie Funktionär der KPD?«

 

Dolmetscherin Kapkajew:

KP.

 

Vorsitzender Richter:

»KP?«»Hat es im Sanitätsdienst einen politischen Kommissar gegeben?«»Waren Sie auch ein politischer Kommissar in der Sanitätsleitung?«»Wer hat Sie am Flugplatz abgeholt?«»Waren Sie hier in Frankfurt bei der sowjetischen Militärmission?«»Wo haben Sie geschlafen?«»Sind Sie im Wagen der sowjetischen Militärmission hierher gefahren worden?«»Werden Sie auch heute von dem Wagen der Militärmission oder vom gleichen Wagen abgeholt werden?«»Werden Sie auch heute in der sowjetischen Militärmission schlafen müssen?«

Abgelehnt wird ferner die Frage des Rechtsanwalts Doktor Eggert: »Haben Sie gegenüber der Presse erklärt, dieser Prozeß sei nur ein schüchterner Versuch der Bewältigung der Vergangenheit?«40

Ich bitte den Herrn Langbein, den Sitzungssaal kurz zu verlassen für den Fall, daß er nachher noch als Zeuge benannt werden soll. Frau Dolmetscherin, würden Sie bitte dem Zeugen die Frage vorlegen: Haben Sie mit Herrn Langbein gesprochen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Разговаривали ли Вы с Лангбайном?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, müßte dieser Beschluß nicht übersetzt werden für den Zeugen?

 

Vorsitzender Richter:

Warum?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Damit er weiß, was beschlossen worden ist.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er wird ja jetzt gefragt. Die Fragen bekommt er ja übersetzt. Was soll er die Fragen übersetzt bekommen, die nicht zugelassen sind? [...]

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Die Frage ist eine Anmaßung, vertrete ich, aber ich will durchaus nicht einen [unverständlich] Casus belli machen. Es ist natürlich gar keine Frage, daß

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, also, Frau Dolmetscher, sagen Sie dem Zeugen informatorisch, daß einige Fragen der Verteidigung nicht zugelassen worden sind.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Было поставлено адвокатом несколько вопросов. Первый был вопрос-комплекс, именно о Лангбайне, второй другого характера, и Суд признал их, как вопросы политического содержания, как не имеющие отношения к делу, и отклонил эти вопросы. Вы теперь отвечаете на те вопросы, которые связаны только с Лангбайном, поэтому Суд попросил Лангбайна удалиться на это время. — Ich habe sogar übersetzt, daß Sie angeordnet haben, daß Herr Langbein den Sitzungssaal verläßt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie mit Herrn Langbein gesprochen bei Ihrer jetzigen Anwesenheit in Frankfurt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Говорили ли Вы с господином Лангбайном в теперешнее Ваше пребывание во Франкфурте на Майне?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Лангбайна я не видел вообще. И только вчера он подошёл ко мне в столовую, когда я обедал во время перерыва, и пожал мне руку. Больше я его не видел и, вообще, не вёл с ним никакие переговоры.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe den Langbein überhaupt nicht gesehen. Gestern nur, während der Mittagspause, kam er auf mich zu und drückte mir die Hand. Das war alles. Ich habe ihn nicht mehr gesehen und auch keine Besprechungen mit ihm geführt.

 

Vorsitzender Richter:

Damit entfallen die übrigen Fragen.

 

Dolmetscherin Kapkajew [unterbricht]:

Erübrigen sich die anderen.

 

Vorsitzender Richter:

Sind noch Fragen zu stellen? Der Herr Langbein kann wieder hereinkommen. Sagen Sie ihm bitte Bescheid. Werden zur Beeidigung dieses Zeugen Anträge gestellt? Dann ist der Zeuge zu beeidigen. Fragen Sie ihn bitte, ob er bereit ist, das, was er gesagt hat, mit gutem Gewissen zu beschwören.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Готовы ли Вы сейчас присягнуть, что отвечаете за всё, что Вы говорили здесь?

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Да, готов.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja, ich bin bereit.

 

Zeuge Aleksandr Lebedev:

Когда ещё к процессу не готовились, и никакого процесса не было, все люди, о которых я дал показания, у меня были описаны [+ в этой книге] ещё в 57-ом году. Я могу представить её Суду.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich wollte nur mal sagen, daß mein erstes Buch über Auschwitz 1957 veröffentlicht wurde. Damals wurde noch kein Wort vom Prozeß gesprochen, und er war noch nicht vorbereitet, und diese Personen, von denen ich ja heute gesprochen habe in meiner Aussage, sind bereits in diesem Buch erwähnt worden. Ich kann dem Gericht dieses Buch auch da lassen.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. Wir haben ja seine Aussage.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Мы имеем Ваши показания.

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.64, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

2. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.64, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

3. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.64, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

4. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.64, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

5. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.64, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

6. Phonetisch geschrieben; gemeint ist Karl Fritzsch, 1. Schutzhaftlagerführer.

7. Phonetisch geschrieben.

8. Der Prozeß gegen Höß fand vom 11.03. bis 02.04.1947 in Warschau statt. Vgl. Auschwitz. Nationalsozialistisches Vernichtungslager, S. 453.

9. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

10. Vgl. Handskizze des Zeugen Lebedev. Anlage 1 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 01.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103.

11. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. und 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

12. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

13. Примечание: луша, лушка – простыня. Толковый словарь уголовных жаргонов, М.1991, с.100.

14. Vgl. Erklärung des Zeugen Górecki vom 20.10.1958, Anlage 5 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 03.07.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 100 sowie 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 2, Bl. 226.

15. Das Foto wurde nicht zu den Akten gegeben. Es stammt vermutlich aus dem »Lili Meier Album«.

16. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

17. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

18. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

19. Das Foto wurde nicht zu den Akten gegeben. Es stammt vermutlich aus dem »Lili Meier Album«.

20. Standort- und Kommandanturbefehle, S. 445.

21. Vgl. Beweisanträge von Rechtsanwalt Kaul vom 10.09.1964, Anlage 3 und 4 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 10.09.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 102.

22. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19./20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

23. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

24. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

25. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

26. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

27. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

28. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

29. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 420.

30. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 385.

31. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

32. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

33. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

34. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

35. Am 13.03.1943 kam der erste Transport aus Minsk in Auschwitz an. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 439.

36. Eine Sonderkommission, bestehend u.a. aus dem Chef der Gestapo Kattowitz, Rudolf Mildner, und dem Leiter der Politischen Abteilung, Maximilian Grabner, verhörte sowjetische Kriegsgefangene und ordnete sie vier Gruppen zu. Die als »fanatische Kommunisten« sowie als »politisch untragbar« eingestuften Kriegsgefangenen wurden in der Kartei und bei der Tätowierung mit den Buchstaben »Au« gekennzeichnet. Vgl. Kazimierz Smoleń, Sowjetische Kriegsgefangene im KL Auschwitz, in: Sterbebücher, Bd. 1, S. 144.

37. Das Gericht verkündigte folgende Beschlüsse: »1. Der Antrag von RA Dr. Kaul, dem Zeugen die beanstandete Frage übersetzen zu lassen, wird zurückgewiesen, da ein Anspruch auf Übersetzung von Fragen, gegen die Widerspruch erhoben ist, nicht besteht. 2. Die Frage von RA Dr. Laternser an den Zeugen, ob er aus anderen Gründen als zum Zwecke seiner Zeugenvernehmung nach Frankfurt a. M. gekommen sei, wird als nicht zur Sache gehörig zurückgewiesen.« Protokoll der Hauptverhandlung vom 02.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103, Bl. 756.

38. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

39. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 19. u. 20.05.1964 in Frankfurt am Main, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 18.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99.

40. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 02.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103, Bl. 758.

 

 
 
 
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