Logo Fritz Bauer Institut
 
Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

103. Verhandlungstag, 22.10.1964

 

Vernehmung des Zeugen Michael Kruczek

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nummer 218 gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Nummer 218. Das heißt, Sie kamen schon im Jahr...

 

Zeuge Michael Kruczek:

Also am 14. Juni mit dem ersten Transport aus dem Gefängnis in Tarnów.

 

Vorsitzender Richter:

1940?

 

Zeuge Michael Kruczek:

40.

 

Vorsitzender Richter:

Sie kamen 1940 in das Lager und sind geblieben bis wann?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Am 2.6.44 wurde ich entlassen.

 

Vorsitzender Richter:

Entlassen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht in ein anderes Lager, sondern nach Hause.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, entlassen nach Hause.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Hause. Herr Zeuge, haben Sie in dieser Zeit den Angeklagten Breitwieser kennengelernt?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja, gut.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns mal sagen, was Sie von diesem Angeklagten wissen und was Sie uns von ihm sagen können?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja. Ich habe seit September 40 in der Effektenkammer gearbeitet, und im Block nebenan war die Bekleidungskammer. Chef war Arthur Breitwieser. Ich wußte, daß er ein polnischer Student war. Das kann ich sagen, daß er niemanden geschlagen hat, höchstens die Häftlinge angeschrien. Aber das war eine Methode. Weil im Gefängnis das Geschrei, das war ein Schutz oder auch eine Methode des Kampfes. Das machten die SS-Männer und manchmal auch welche von den Häftlingen. Die Blockältesten und Kapos haben viel geschrien und so, aber das hat niemandem Schaden gebracht.

Der Breitwieser, Arthur, war sehr menschlich für uns. Solche Fälle gab es auch, aber er war besonders. Ich habe persönlich vor ihm keine Angst gehabt. Nie. Weil ich das wußte, und ich war überzeugt, daß er niemanden Schaden bringen kann und nicht schlagen wird, wird nicht auch — donieść.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er wird auch niemanden [anschwärzen] bei den anderen.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich habe da in der Bekleidungskammer einen Kollegen gehabt. Er war Student der Medizin, aber ist gestorben, Emanuel Girlotka. Mit ihm habe ich viel gesprochen. Auch Arthur Breitwieser war dabei. Wir waren vorsichtig, deswegen, weil wir alle Studenten waren. Das war gefährlich für uns, eine Rede zu halten oder sich zu versammeln. — Zawsze był — Wir waren immer vorsichtig, überall. Deswegen habe ich höchstens viermal Schläge bekommen. Aber das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Von Breitwieser?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, nein, von anderen. Von dem Lagerältesten Wieczorek, von Palitzsch, Rapportführer, vom SS-Mann Emmerich und, ich glaube, von einem der Häftlinge, Podatzki. Aber ich habe in einer polnischen Zeitung gelesen oder im Radio gehört – ich weiß nicht genau – die letzten Worte des Angeklagten Arthur Breitwieser. Er sagte, er wollte unser unmenschliches Schicksal mildern. Und da habe ich gleich gesagt, ja, das ist wahr. Er wollte uns helfen, so gut wie möglich es für ihn und überhaupt für die SS-Männer ging. Ich habe auch andere Fälle mitbekommen, daß SS-Männer manchmal geholfen haben. Und Breitwieser gehört...

 

Vorsitzender Richter:

Zu ihnen.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Zu ihnen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, können Sie sich entsinnen, daß im Oktober 1941 im Keller von Block 11 Menschen vergast worden sind?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja. Wahrscheinlich waren das sowjetische Kriegsgefangene. Bei uns wurde gesagt, da sind die politischen

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Die politischen Kommissare.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Politischen Kommissare. Einen Tag vorher wußte ich, daß wir eine Vergasung [+ haben würden], wahrscheinlich von den Kollegen. Das mußte in der Nacht sein, weil am nächsten Tag nach der Vergasung – das war wahrscheinlich Sonntag – Mittagsappell war. Wir standen auf dem Appellplatz, und einer von den SS-Männern – einer der Bewacher auf Block 11, den Namen weiß ich nicht, aber ich kann mich an ihn erinnern, es war ein Großer – ist mit der Gasmaske auf den Block 11 gegangen. Wir sagten: »Es ist schon nach der Vergasung. Er geht feststellen.« Und ich dachte, und jetzt denke ich, daß er das mitmachen mußte. Das war einer von den zwei Wächtern — strażników 11.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Das war einer von der Wachmannschaft auf dem Block 11.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Das war der Große. Aber ich weiß

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Würden Sie ihn wiedererkennen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy ksiądz go pozna?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, würden Sie mal sehen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Groß war er

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Vielleicht stehen die Angeklagten mal auf.

 

Zeuge Michael Kruczek:

[Pause] Auf dem Block 11 [+ waren] Sie. Der zweite von [unverständlich]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Der zweite?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Der zweite. 22.

 

Vorsitzender Richter:

Wer ist das?

 

Richter Hotz:

Nummer 22.

 

Vorsitzender Richter:

Wer ist das?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Wahrscheinlich hatte der die Überwachung von Block 11. Zwei waren es, einer war ein Großer, Langer. Sie waren damals höchstens 30 Jahre alt. Das ist schon 20 Jahre her. 25 oder so in meinem Alter.

 

Vorsitzender Richter:

Sie meinen, dieser Mann wäre in Block 11 gewesen, den Sie eben bezeichnet haben?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy ksiądz sądzi, że ten człowiek był w bloku 11 wtedy w ty m czasie?

 

Zeuge Michael Kruczek:

On był w mundurze — Er war in SS-Uniform. Das ist 20 Jahre her. Er war groß, er hat überwacht. Aber das müssen die Kollegen besonders gut wissen.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie sich die Angeklagten bitte mal alle ansehen, von Anfang bis zu Ende.

 

Zeuge Michael Kruczek:

[Pause] Den kenne ich, den Herrn Angeklagten, aber jetzt weiß nicht, ob aus Auschwitz oder erst aus der Presse. Weil in der Presse habe ich die Gesichter gesehen, das weiß ich. Aber auf keinen Fall kann ich mich erinnern, daß der Angeklagte vor meinen Augen war in den ersten zwei Jahren, als ich im Hauptlager Auschwitz war. Was er mit den Häftlingen zu tun hatte im Hauptlager, das weiß ich nicht. Ich kannte nur meine Vorgesetzten und die Blockältesten, Kapos, mit welchen ich zu tun hatte. Ich habe immer Angst vor den SS-Männer gehabt, ich wollte weit weg von ihnen, daß ich keine Schläge bekomme, und ich wollte rausgehen aus dem KZ.

Und [+ der] hier muß Bednarek sein, den Bednarek kenne ich auch. Der war Schutzhäftling, Emil Bednarek. Ja, Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wir wollen jetzt zunächst stehenbleiben bei dem Angeklagten Breitwieser. Es wird dem Angeklagten Breitwieser zur Last gelegt, er hätte bei der ersten Vergasung, die im Keller von Block 11 durchgeführt wurde, Giftgas Zyklon B in die Kellerräume eingeführt, so daß die Menschen dann daran gestorben sind. Wissen Sie, ob das wahr ist, oder wissen Sie, ob es nicht wahr ist? Oder wissen Sie gar nichts davon?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Der Angeklagte Breitwieser hatte die [+ Verantwortung für die] Desinfektionskammer. Der ist öfters mit der Gasmaske gegangen, er hat unsere Kleidung und Häftlingswäsche und Räume vergast. Aber nein, ich glaube nicht, weil er war nicht — On jak by nie był przeznaczony. On jak by miał inną rolę.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er war ja nicht dafür vorgesehen. Er hatte eine andere Aufgabe.

 

Zeuge Michael Kruczek:

I on tego na pewno nie robił.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er hat das bestimmt nicht getan.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Mnie się wydaję, że on nie był zdolny do tego.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Mir scheint es, daß er nicht fähig wäre, das zu tun.

 

Vorsitzender Richter:

Aber positives Wissen haben Sie nicht davon? Positives Wissen, ob er es getan hat, ob er es nicht getan hat?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, nein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Dokładne dane nie są [znane]?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nie są [znane]. — Ich habe nichts gehört, ich weiß nicht, daß er das getan hat.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist dem Angeklagten Breitwieser dann noch zur Last gelegt worden von dem Herrn Rechtsanwalt Doktor Kaul, in seinem Beweisantrag vom 10.9.641, daß Breitwieser im Jahr 1942 dem Blockältesten des Blocks 23 namens Rudolf befohlen habe, 54 sowjetische Kriegsgefangene bei 20 Grad Kälte nackend ins Freie zu treiben und dann mit kaltem Wasser zu übergießen. »In unmittelbarer Folge dieser Mißhandlung starben einige dieser Häftlinge.«

Würden Sie das vielleicht dem Herrn Zeugen noch einmal wiederholen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Jeden z powodów cywilnych w procesi e karnym, doktor Kaul, oskarżył w swoim dodatku do aktu oskarżenia 10.9.64 roku, że oskarżony Breitwieser w 1942 roku wydał polecenie blokowemu — Vom Block 20?

 

Vorsitzender Richter:

Block 20.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Z bloku 20, żeby wyprowadzić na ulicę

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, Verzeihung, es waren 20 Grad Kälte. Block 23.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Z bloku 23, przy 22 stopniach mrozu, wyprowadzić na podwórze 25 jeńców radzieckich, kazać [+ im] się rozebrać do naga i oblać ich wodą, na skutek czego zmarli.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nie, ja już byłem — Ich war schon in Golleschau, auf dem Filialkommando Golleschau. Nein, das hat bestimmt der Breitwieser nicht gemacht. Der konnte das nicht machen. Das war unmenschlich, und der hat sich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das ist Ihr Empfinden und Ihr Gefühl. Aber Positives können Sie uns nicht sagen. Es wäre ja auch sehr schwer, einen negativen Beweis zu erbringen, denn dann müßten Sie ja Tag und Nacht mit dem Breitwieser zusammengewesen sein. Sie wissen es also weder positiv noch negativ. Sie können uns nur Ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen. [Pause]

Herr Rechtsanwalt Doktor Zarnack.

 

Verteidiger Zarnack:

Herr Zeuge, wissen Sie etwas darüber, ob dieser Vorgang überhaupt stattgefunden hat im Januar 42? [...]

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich weiß, daß es im KZ Auschwitz solche Fälle gab. Das habe ich gehört, ob gesehen, kann ich mich jetzt in diesem Moment nicht erinnern. Aber bestimmt wurden verschiedene unmenschliche Taten verübt.

 

Vorsitzender Richter:

Aber?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ob gerade in dieser Zeit Breitwieser, Arthur, [+ so etwas gemacht hat], das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, der Herr Rechtsanwalt Zarnack wollte wissen, ob überhaupt ein solcher Vorfall sich im Januar 1942 abgespielt hat.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy w ogóle taki wypadek miał miejsce w styczniu 1942 roku?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Diese Zeit war schwer für die Häftlinge, und wahrscheinlich ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wahrscheinlich ja. [...]

 

Verteidiger Zarnack:

Können Sie etwas darüber sagen, wer so etwas anordnen konnte oder angeordnet hat? Konnten das die Blockführer von sich aus machen, oder bedurfte es eines höheren Befehls?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja, die Blockführer konnten auch von sich aus eine Anordnung...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Geben.

 

Vorsitzender Richter:

Treffen.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Geben und vielleicht auch manche Blockältesten oder Kapos und die Lagerbehörden, durch die Vorgesetzten.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Auch von den Vorgesetzten könnte so ein Befehl gegeben werden.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Von den Blockführern.

 

Verteidiger Zarnack:

Eine weitere Frage, Herr Zeuge: Wissen Sie zufälligerweise, ob Breitwieser zu diesem Zeitpunkt noch in der bisherigen Tätigkeit war, in welcher Sie ihn kennengelernt haben, das heißt in der Effektenkammer?

 

Vorsitzender Richter:

Bekleidungskammer.

 

Verteidiger Zarnack:

Kleiderkammer.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy księdzu jest wiadome, czy Breitwieser miał to same stanowisko, czy pracował w tej tak zwanej Bekleidungskammer.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja.

 

Verteidiger Zarnack:

Oder war er zu diesem Zeitpunkt woanders bereits eingesetzt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy on w tym czasie miał już jakieś inne stanowi sko?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich weiß, daß der Angeklagte Breitwieser nur Bekleidungskammerchef war.

 

Verteidiger Zarnack:

Ja.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Von anderen Posten weiß ich nicht.

 

Verteidiger Zarnack:

Von den anderen Tätigkeiten von ihm wissen Sie nichts?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein. Nein.

 

Verteidiger Zarnack:

Darf ich positiv fragen, ob Sie wissen, daß er auch – vom Zeitpunkt erst mal zu schweigen – in der Lederfabrik war und dann in der Schreibstube der Unterkunftsverwaltung, dann auch im Lazarett gelegen hat und dann auch in Monowitz war?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich weiß nichts davon.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy księdzu wiadomo o jego rozmaitych etapach pracy, że on był w fabryce skóry, że pracował w zarządzie tego Unterkunftu, mieszkania eses manów, że leżał w szpitalu, następnie pracował w Monowicach?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein.

 

Verteidiger Zarnack:

Also ich darf Sie dahingehend verstehen, Herr Zeuge, daß Sie von diesen anderweitigen Tätigkeiten nichts sagen können?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, ich kann nichts sagen. Ich weiß nicht, ob der Angeklagte Breitwieser andere Posten in Auschwitz oder in Filialkommandos hatte. [...]

 

Verteidiger Zarnack:

Meine Frage beruht auf den Personalakten von Breitwieser, die dem Gericht vorliegen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, der Zeuge weiß es aber nicht, Herr

 

Verteidiger Zarnack [unterbricht]:

Ja, ja, ich wollte bloß erläuternd sagen, worauf meine Frage beruht. Danke, ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wissen Sie, daß Breitwieser vor dem Obersten Volkstribunal in Polen verurteilt worden ist?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, ich weiß das nicht. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser, falls auf seiten der Staatsanwaltschaft keine Fragen mehr sind. Bitte schön.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Zeuge, können Sie sich aus Ihrer Lagerzeit noch an Ihren Mithäftling Walter Petzold erinnern? Oder ist Ihnen der Name nicht mehr in Erinnerung?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Den Namen habe ich in der Zeitung gelesen. Welche Nummer er hatte, das weiß ich nicht. Wir kannten uns nach der Nummer.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Słucham.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Myśmy się znali po numerach często.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir kannten uns sehr häufig nur nach unseren Nummern. [...]

 

Staatsanwalt Vogel:

Also er ist Ihnen vom Namen her nicht mehr in Erinnerung?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

[+ To] znaczy, nazwiska sobie ksiądz nie przypomina?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Können Sie sich noch an andere Namen aus der Lagerzeit erinnern, an Namen von SS-Angehörigen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nun ja. Lagerführer Fritzsch, 1. Lagerführer Fritzsch.

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke, der ist tot. Da brauchen wir nicht drüber [+ zu reden]. Ist Ihnen

 

Zeuge Michael Kruczek [unterbricht]:

Nachher Aumeier und sein Vertreter [Seidler].

 

Staatsanwalt Vogel:

Die sind auch alle tot.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Rapportführer Palitzsch, und seinen Vertreter kannte ich, aber ich kann mich nicht an den Namen erinnern. Der ist nachher – ich glaube, nach einem oder zwei Jahren – zum Offizier befördert worden mit dem Palitzsch damals zusammen. In meiner Zeit, in den zwei Jahren Hauptlager in Auschwitz, war Boger nicht Rapportführer. Der hat nur zufällig einen Rapport abgegeben. Immer Palitzsch und sein Vertreter [+ haben das gemacht], aber der

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ist Ihnen beispielsweise der Name Stiwitz noch in Erinnerung?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Boger, Kaduk?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Kaduk, vom Hören.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nur vom Hören?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Kaduk, ja, vom Hören. Oft habe ich von Häftlingen gehört über einen gewissen Kaduk. Aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Von den Häftlingen zu Ihrer Zeit, wo Sie dort waren?

 

Staatsanwalt Vogel:

Aber ohne nähere Einzelheiten.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Erster Dolmetscher war Graf Baworowski, nachher der Leon Siwy, und Blockältester Bednarek, Emil. Siwy war auch Blockältester, Stefan Wirschniza

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie noch eine Frage, Herr Staatsanwalt?

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke, ich habe keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Augenblick noch mal. Sie nannten eben den Namen Bednarek.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Bednarek, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie ihn?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja. Am Anfang habe ich ihn gut gekannt. In den ersten zwei Jahren, als ich im Hauptlager in Auschwitz war bis Sommer 42 zuletzt habe ich in der Küche als Koch gearbeitet, nach der Effektenkammer, Unterkunftskammer. Da habe ich sehr oft den Emil Bednarek gesehen. [Pause] — Krzyczał, skakał.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er schrie, er sprang herum.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Er hat geschlagen, den Häftlingen Ohrfeigen gegeben. Er hat einen großen Eifer gezeigt. Aber wir haben gelacht, wir alten Häftlinge und Bekannten. Er war aus Oberschlesien, deswegen habe ich ihn da gekannt. Ich habe keine Angst vor ihm gehabt. Und ich habe ihm nie gesagt, daß er nicht schlagen soll, weil ich gedacht habe, das bringt keinen Schaden. — To nie przyniesie szkody. To nie zabija, to prawda...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe gedacht, das bringt ja niemandem einen Schaden. Niemand wird dabei getötet.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Das war zum Lachen. Er hat einen großen Eifer gezeigt, und das war komisch. Er ist durch die Reihen gelaufen, hat geschlagen, geschrien, und wir haben gesagt, er hat einen großen Wind gemacht, das ist der dumme Bednarek. Aber das war bis zum Sommer 42, als ich im Hauptlager war.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, dem Angeklagten Bednarek wird ja vorgeworfen, daß er Menschen totgeschlagen habe. Das wissen Sie ja.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Das sagen auch Häftlinge, das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das sagen auch Häftlinge. Aber Sie selbst haben davon keine Wahrnehmung gemacht?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, keinen Fall habe ich gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso haben Sie denn den Bednarek kennengelernt? [...]

 

Zeuge Michael Kruczek:

Alle Blockältesten haben wir gekannt, die älteren Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es war nicht Ihr Blockältester?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht gewesen.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nicht gewesen, nie gewesen, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie schon in der Auschwitzer Zeit gehört, daß Bednarek Leute totgeschlagen haben soll, oder erst nachträglich?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nachträglich. [...]

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz selbst nicht?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, in Auschwitz selbst nicht. Und die zwei letzten Jahre in Golleschau auch nicht. Ich habe höchstens was erfahren von den SS-Männern und der Politischen Abteilung. Wer wurde zum Tode verurteilt, vernichtet und von meinen Kollegen und Bekannten, also im ganzen.

 

Vorsitzender Richter:

Aber von Bednarek haben Sie dergleichen nicht gehört?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, ich habe kein Interesse an ihm gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also weniger das als die Tatsache, daß sich herumgesprochen hat, ob er nun ein gefährlicher und gefürchteter Totschläger war, oder ob sich herumgesprochen hat, daß er so ein bißchen, wie Sie eben sagten, Wind gemacht hat, ohne daß es zu ernsthaften Zwischenfällen gekommen ist. [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy w obozie tak opowiadano, że to jest poważny morderca, czy raczej [+ że] to jest człowiek, który dużo [zamieszania] robi i nic nie ma do...

 

Zeuge Michael Kruczek:

My starzy więźniowie tak [mówiliśmy]. Ale ci nowi się go bali, tacy nowi häftlindzy się go bali.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir alten Häftlinge, wir haben so über ihn gesprochen. Aber die neuen, die jungen Häftlinge

 

Zeuge Michael Kruczek:

Zugänge.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sie hatten Angst vor ihm.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Die Zugänge, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Keine Frage, danke.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Keine.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

[Pause] Hochwürden, als Sie auf einen Angeklagten zeigten, haben Sie bemerkt, daß Sie nicht wüßten, ob Sie ihn aus der Presse oder noch aus Auschwitz kennten. Nun habe ich die Frage: In welchen Zeitungen haben Sie Bilder von den Angeklagten dieses Prozesses gesehen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Am meisten in »Przekrój«, das ist eine Wochenschrift.

 

Verteidiger Laternser:

Und wo erscheint diese Zeitung?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Krakau.

 

Verteidiger Laternser:

In Krakau. Ist sie weit verbreitet in Polen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja, in den Intelligenzkreisen und schwer zu bekommen. Ich bekomme sie durch die Post.

 

Verteidiger Laternser:

Und waren das große, deutliche Bilder?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, also so Legitimationsfotos für die Passierscheine, so Formatbilder.

 

Verteidiger Laternser:

War da [mit] diesen Veröffentlichungen auch ein Aufruf verbunden, es sollten sich Zeugen für diesen Prozeß melden?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, habe ich nicht gesehen. Ich erfuhr das aus dem Radio drei Tage vor dem Prozeß erst.

 

Verteidiger Laternser:

Ah so, im Radio.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Im Radio, voriges Jahr im Dezember.

 

Verteidiger Laternser:

Was wurde denn da bekanntgegeben? Wurden da Zeugen aufgerufen, Sie sollten sich melden?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein. Ich habe mich selbst gemeldet, daß ich viele kenne. Die erste Zeit kenne ich, viele Häftlinge, viel gesprochen. Ich war damals Absolvent der Universität, nicht Geistlicher. Laie bin ich gewesen.

 

Verteidiger Laternser:

Und wo haben Sie sich dann als Zeuge gemeldet?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Bei der Generalprokuratur in Warschau und hier bei der — prokuratury [unverständlich]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Bei der Staatsanwaltschaft.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Staatsanwaltschaft in Frankfurt.

 

Verteidiger Laternser:

Ich danke, Hochwürden.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Knögel.

 

Verteidiger Knögel:

Herr Zeuge, Sie nannten vorhin den Namen Scherpe. Woher kennen Sie den Angeklagten Scherpe?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Den Angeklagten Scherpe kenne ich aus Golleschau. Der kam nach Golleschau als Sanitätsdienst. Ich wußte, daß er ein Oberschlesier ist von dem Gespräch mit meinem Vorgesetzten Mirbeth, der das Kommando in der Küche hatte. Ich dachte, daß er Polnisch versteht, ich war überzeugt. Er hat nicht polnisch gesprochen. Der war auch zu mir, zu den Polen gut, freundlich. — Nastawiony.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Sein [Benehmen] war freundlich.

 

Zeuge Michael Kruczek:

[Sein Benehmen] war freundlich und gut, auch gegenüber den Juden. Und wir haben uns gefreut, daß wir einen Sanitätsdienst haben in Golleschau wie den Angeklagten Scherpe.

 

Verteidiger Knögel:

Herr Zeuge, haben Sie noch eine Vorstellung darin, wann der Angeklagte Scherpe nach Golleschau gekommen ist? Vielleicht sagen Sie uns erst mal, Herr Zeuge, von wann bis wann Sie in Golleschau waren.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich war in Golleschau seit Ende Juli oder den ersten Tagen im August. Da waren schon die Fachleute, zehn Fachleute, da.

 

Verteidiger Knögel:

Welchen Jahres?

 

Zeuge Michael Kruczek:

42. Und ich bin also entlassen worden nach genau zwei Jahren. Und der Angeklagte Herr Scherpe kam in der ersten Zeit.

 

Verteidiger Knögel:

In der ersten Zeit. Herr Zeuge, haben Sie in Golleschau irgend etwas darüber gehört, daß der Angeklagte Scherpe dort selbständig Selektionen gemacht haben soll?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, wurde nichts gesagt.

 

Verteidiger Knögel:

Wissen Sie überhaupt in Golleschau etwas über Selektionen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja. Ja. Das machte der Krankenstubenchef, der Arzt Doktor Rubinstein mit dem Sanitätsdienst zusammen. Das waren die, die unfähig zum Arbeiten waren, die wurden nach Auschwitz geschickt, die Selektion war nach Auschwitz in das Hauptlager oder in den Krankenbau, aber nicht zur Vergasung. Es wurde nie gesagt, daß die zur Vergasung gehen.

 

Verteidiger Knögel:

Gut. Danke schön, ich habe keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, haben Sie in Golleschau vielleicht den Angeklagten Schlage kennengelernt?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Schlage? Schlage kenne ich vom Hören, aber ob aus Golleschau oder aus Auschwitz, das weiß ich nicht. Schlage [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeuge Michael Kruczek:

[unverständlich] Chef sein auf dem Block 11. Den anderen Herrn habe ich auch gesehen da in die Richtung Block 11...

 

Vorsitzender Richter:

Gehen.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Auch gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, würden Sie sich mal da oben den ersten Angeklagten ansehen, in der obersten Reihe. Kennen Sie ihn?

 

Zeuge Michael Kruczek:

[Pause] Ich weiß es nicht, ob ich den Angeklagten aus der Presse oder aus dem KZ kenne. Das kann ich jetzt nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie nicht sagen. Herr Zeuge, Sie haben eben von dem Angeklagten Boger gesagt, Sie hätten ihn wiederholt in den Block 11 gehen sehen. Hat er da ein Gewehr umgehabt oder nicht?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Świadek powiedział, że widział często oskarżonego Bogera idącego do bloku 11. Czy on miał przy sobie [broń]?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ja, die SS-Männer haben das alle getragen im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Pistole?

 

Zeuge Michael Kruczek [unterbricht]:

Kein Blockführer war ohne Waffe.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ale nie pistolet, tylko karabin.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein, mit dem Karabiner habe ich nur Palitzsch gesehen. Palitzsch mit der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Palitzsch haben Sie gesehen. Ja, ein kurzes Gewehr.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ein kurzes Gewehr.

 

Vorsitzender Richter:

Und Boger haben Sie nicht gesehen mit einem solchen?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

A Bogera z karabinem nie?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nein.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Nein.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Mit dem Gewehr nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sind keine Fragen mehr? Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Zeuge, Sie sagten, daß in Golleschau auch Selektionen vorkamen, die der Doktor Rubinstein mit dem SDG machte. Nun war der Doktor Rubinstein, wenn ich recht unterrichtet bin, doch selbst ein Häftlingsarzt.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Häftling.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und wer war der SDG? War es nicht auch der Scherpe?

 

Zeuge Michael Kruczek:

Nachher war ein zweiter. Eine kurze Zeit, es waren Tage oder Wochen, das weiß ich nicht, waren sie zusammen, kam Nierzwicki oder Nowicki, aber der Angeklagte Scherpe muß

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nierzwicki.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ich werde das jetzt polnisch erzählen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Ein Ereignis. Also in der Halle, wo wir gegessen haben und die Küche hatten in Golleschau, habe ich den Namen Nowicki gehört. Ein SS-Posten rief: »Herr Nowicki!« In der Küche habe ich das gehört. Und der hat die Antwort gegeben: »Ich heiße nicht Nowicki, ich heiße Nowicki.« So habe ich verstanden. Ob er Nierzwicki oder Nowicki gesagt hat? Aber ich habe verstanden in der Küche: »Ich heiße Nowicki.« Also einen polnischen Namen hatte er. Wir haben gewußt, daß er Polnisch versteht, einen polnischen Namen hat und aus Pommern kam. Er war damals, ich weiß nicht, 25 bis 30 Jahre alt.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn keine Fragen mehr sind, von den Angeklagten keine Fragen mehr zu stellen sind, bitte schön.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Vorsitzender, noch eine Frage. Hochwürden, folgendes noch: Sie sagten also jetzt zum zweiten Mal, daß Sie nicht wüßten, ob Sie den Betreffenden

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

die Eindrücke vermischen und vermischt haben.

 

Verteidiger Laternser:

Ja, vielleicht kann grade dieser Zeuge in Zusammenhang mit einer solchen Bekundung mal seine tatsächliche Erinnerung schildern. Die Erinnerung, wenn er was

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja was, woran denn Erinnerung? Woran die Erinnerung?

 

Verteidiger Laternser:

Worauf er seine Angabe stützt, er wisse nicht, ob er den betreffenden Angeklagten noch von Auschwitz her kenne oder in der Presse sein Bild gesehen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Doktor Laternser, ich glaube nicht, daß wir diese Frage stellen sollten. Denn der Zeuge sagt, ich habe in Auschwitz viele Gesichter gesehen, und ich habe jetzt im Laufe des Prozesses auch in der Zeitung Bilder gesehen. Nun kann ich heute nicht mehr unterscheiden, was habe ich damals gesehen, was habe ich jetzt gesehen, in dieser Zeit. Er hat doch kein Motiv, er tut es doch nicht absichtlich, sondern es ist doch eben eine Schwäche des

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Das habe ich ja auf keinen Fall gemeint, sondern ganz im Gegenteil. Ich habe mir gerade von der Antwort dieses Zeugen in diesem Zusammenhang vielleicht etwas versprochen. Aber bitte, entscheiden Sie.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Also, Herr Rechtsanwalt, nehmen Sie den angeklagten Herren 20 Jahre ab und ziehen sie alle in SS-Uniform an

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Richtig.

 

Zeuge Michael Kruczek:

Dann erkenne ich alle.

 

Vorsitzender Richter:

Ich glaube, daß wir die Frage nicht weiter verfolgen sollten. Und wenn keine Fragen mehr an den Zeugen zu stellen sind, dann, Herr Zeuge, wollen Sie das, was Sie gesagt haben, beschwören?

 

– Schnitt –

 

 

1. Vgl. Beweisantrag von Nebenklagevertreter Kaul vom 10.09.1964, Anlage 3 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 10.09.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 102.

 

 
 
 
Seitenanfang
Haftungsausschluss | Impressum
 
© 2011 Fritz Bauer Institut • Frankfurt am Main • Stiftung des bürgerlichen Rechts
Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
Copyright © 2011 Fritz Bauer Institut • Grüneburgplatz 1 • 60323 Frankfurt am Main
Telefon: 0 69 79 83 22 40 • Telefax: 0 69 79 83 22 41 • Email: info(at)fritz-bauer-institut.de
X
Titel
Testinfo
Testinfo
Bitte aktuelle Flash Version installieren
X