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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

122. Verhandlungstag, 21.12.1964

 

Vernehmung des Zeugen Männe Kratz

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Männe Kratz:

Bitte sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wann, Herr Kratz, sind Sie denn nach Auschwitz gekommen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich kam Anfang Januar 1940, 43, Verzeihung. 43, am 15. Januar kam ich nach Auschwitz und bekam dort die Nummer – darf ich mal nachsehen – 85.908.

 

Staatsanwalt Vogel:

Darf ich darauf aufmerksam machen, daß sich ein Vermerk über eine Befragung des Zeugen Kratz auf Blatt 3.256 der Akten1 befindet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich danke schön. Herr Zeuge, Sie sind also am 15.1.43 nach Auschwitz gekommen und haben dort die Nummer 85.908 gehabt. [...] Und Sie sind aus welchen Gründen dorthin gekommen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Weil ich Jude bin.

 

Vorsitzender Richter:

Weil Sie Jude sind. Also aus rassischen Gründen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo wurden Sie denn damals festgenommen? Und von wo aus wurden Sie denn transportiert?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich kam aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden, weil ich eine Verhandlung hatte wegen der Nürnberger Gesetze, bekam dort zwei Jahre, sechs Monate Zuchthaus, und nach Verbüßung der Strafe wurde ich dann nach Auschwitz überstellt.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie Sie in Auschwitz ankamen, wo sind Sie da zunächst untergebracht gewesen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also wir sind in der Nacht angekommen. Die allseits bekannte Begrüßung, nach der kam ich dann in einen sogenannten Quarantäneblock, war dort im Quarantäneblock zirka acht oder 14 Tage und wurde dann dem Kommando Bauhof zugestellt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Dieses Kommando Bauhof beschäftigte sich mit Erdarbeiten, Transportarbeiten, Steinetragen und so weiter. Und eines Tages wurde dann meine Nummer im Block aufgerufen, und ich wurde der SS-Zahnstation zugeteilt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wann war das ungefähr?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Also ich möchte nach bestem Wissen sagen, ich war ungefähr schon vier oder fünf Wochen, sechs Wochen vielleicht, in dem Kommando Bauhof, um dann für die SS-Zahnstation zugeteilt zu werden. Es war auch im

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Da Sie am 15.1.43 hingekommen sind und außer der Quarantäne noch ungefähr sechs Wochen gearbeitet haben, kann man wohl annehmen, daß das im März gewesen sein könnte. Ende März 1943. Könnte das stimmen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ende März 43 zu der Zahnstation. Und wo wohnten Sie damals? Wo schliefen Sie?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also wir waren dann sogenannte kommandierte Häftlinge. Das heißt, wir nahmen an dem Appell nicht teil, sondern der wurde innerhalb des Blocks abgehalten. Und ich kam dann in Block 9. Ja, da war dann die gesamte SS-Zahnstation, die war in einer Stube.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da waren Sie untergebracht und arbeiteten in der SS-Zahnstation.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, in dem »Sonderkommando« der SS-Zahnstation.

 

Vorsitzender Richter:

Was ist das gewesen, »Sonderkommando«?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das »Sonderkommando« der SS-Zahnstation beschäftigte sich damit, die herausgebrochenen Zähne der Toten einzuschmelzen. Und die daraus entstandenen Goldbarren, die wurden dann, soweit mir bekannt war, ans SS-Reichssicherheitshauptamt nach Berlin geschickt.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Berlin geschickt. Ja. Nun, Herr Kratz, wie war das? Wo kamen denn diese Zahnersatzteile her, die Sie nachher eingeschmolzen haben?

 

Zeuge Männe Kratz:

Die kamen aus Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat die denn dort abgeholt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also ich selbst war in Birkenau nie. Also ich habe dieses Lager, Gott sei Dank, nicht betreten. Und das wurde uns in einem Sanka – das weiß ich nicht mehr genau, zwei- oder dreimal in der Woche – gebracht, ein großer Kübel, nicht wahr, mit diesen Zähnen, rausgerissenen Kieferteilen und so weiter. Und dann waren wir vier Häftlinge, die das dann einschmelzen mußten. Und dann entstanden so Platten in dieser Größe, und die wurden dann ans Reichssicherheitshauptamt zum Versand gebracht.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Weitergegeben.

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wer hat das denn angefahren mit dem Sanka? Waren das SS-Männer, oder waren das die Zahnärzte?

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Ja, das waren SS-Männer. Namentlich kann ich die leider nicht angeben. Aber angefahren kam es immer mit dem Sanka.

 

Vorsitzender Richter:

Immer mit dem Sanka.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ob die Zahnärzte das dort selbst geholt haben, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das können Sie nicht sagen. Herr Zeuge, wissen Sie, wer diese Goldteile entfernt hat? Die sind doch vermutlich den Leichen entfernt worden, ja?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wer das gemacht hat?

 

Zeuge Männe Kratz:

Wer das gemacht hat, nicht. Aber im Lager kursierte es. Also ich wußte zum Beispiel, daß es ein sogenanntes »Kanada«-Kommando gab.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Und in diesem »Kanada«-Kommando, da sollen dann Häftlinge gewesen sein, die das also dann den Toten entfernen mußten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Und in bereitstehende Kübel dann rein

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, wie gesagt, Sie waren nie dort, und Sie haben es deshalb auch nie selbst gesehen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein. Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, hatten Sie nur diese Arbeiten, oder hatten Sie auch zahnärztliche Arbeiten dort zu verrichten?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich selbst hatte keine zahnärztlichen Arbeiten, sondern war nur dem »Sonderkommando«, das nannte sich »Sonderkommando der SS-Zahnstation«, zugestellt. Also ich hatte keinerlei andere technische Arbeiten, ganz gleich welcher Art. Nach einer gewissen Zeit hatte ich einen, wie soll ich mich ausdrücken... Der Kommandoführer, das war der damalige SS-Hauptsturmführer Doktor Willy Frank, und der nahm mich dann so quasi als Kalfaktor. Also ich habe dann den Hausdiener gemacht. Ich habe alle vorkommenden Arbeiten [+ erledigt], Saubermachen, Ofenheizen und so weiter, habe das Essen geholt für die Herren selbst und hatte dadurch eine, ich möchte mich so ausdrücken: eine leichte Vorzugsstellung. Und das habe ich auch bis zum Schluß gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Erst habe ich aber mitschmelzen müssen. Also monatelang habe ich erst diese Geschichten mit ausschmelzen müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo wurde denn das ausgeschmolzen, in welchem Raum?

 

Zeuge Männe Kratz:

Es war ein großer Raum, zirka 30 Quadratmeter. Das war der sogenannte Technikraum. In dem wurden dann alle anfallenden zahntechnischen Arbeiten gemacht. Und dann war ein kleiner Nebenraum, da saßen wir. Da waren wir vier Häftlinge drin: ein Slowake, ein Franzose, ein Holländer und ich, ein Deutscher. Wir vier, wir haben das ausgeschmolzen. Die andern sind nachher leider alle abgelöst worden, das heißt, Sie kamen nach Birkenau, und ich bin

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Warum sind die andern alle abgelöst worden?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also man sprach da, daß man die Leute ablöst, daß sie vielleicht nicht zuviel wissen sollen, nicht zuviel sehen sollen. Allerdings sind nach der Ablösung dieser drei – wo ich leider nicht weiß, was mit ihnen geschah – keine Neuen mehr genommen worden. Also es war bis zur ziemlichen Auflösung des Lagers.

 

Vorsitzender Richter:

Und wurde damals auch nicht mehr eingeschmolzen, oder warum wurden keine Neuen genommen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Zeitlich fiel das ungefähr in den Vormarsch der Russen rein, so daß dann die Geschichte eingestellt wurde. Und wir sind dann eines Nachts, also sozusagen bei Nacht und Nebel, vor den anrückenden Russen geflohen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob dieses Ablösen Ihrer Kameraden und das Aufhören des Einschmelzens etwas zu tun hatte mit dem Einstellen der Vergasungen überhaupt? [Pause] Daß dann keine Vergasungen mehr stattfanden und infolgedessen auch keine Ersatzteile mehr anfielen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also diese Frage kann ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Nicht beantworten. Ich weiß nur, nicht wahr, daß nach den dreien, als die drei wegkamen, keine

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wann war denn das ungefähr, wie die wegkamen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Soweit erinnerlich Dezember oder Anfang Januar 45. Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Dezember 44 oder Anfang Januar 45.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wann sind Sie dort aus dem Lager weggegangen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich bin mit der allgemeinen Auflösung des Lagers, mit der Flucht vor den anrückenden Russen dann nach Mauthausen gekommen. Das war im Januar 45.

 

Vorsitzender Richter:

Am 18. Januar oder früher oder später?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also es muß in diesen Tagen [+ gewesen sein]. Ich schätze... Ich denke, zwischen dem 17. und 19. Januar. Ich wußte die Tage früher mal ganz genau. Aber ich habe es leider vergessen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Kratz, Sie nannten vorhin den Doktor Frank, der Sie da als Kalfaktor eingestellt habe. Wie war denn das Verhältnis zu dem Doktor Frank?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich möchte, Herr Präsident, folgendes sagen: Ich kann über den Herrn Doktor Frank nur das sagen, wie er rein persönlich zu mir war und wie er mich behandelt hat. Alles weitere, also wie er sich auf andern Stellen gezeigt hat beziehungsweise wessen er angeklagt ist, dazu kann ich keine Stellung nehmen. Und ich möchte das ausdrücklich betonen: Das rein persönliche Verhältnis, was wir beide hatten, das bin ich gern bereit in voller Wahrheit hier bekanntzugeben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also ich hatte beim Doktor Frank... Er war zu mir, und das möchte ich ehrlich sagen, [Pause] anständig, menschlich im Gegensatz zu den andern SS-Männern, die ich kannte, die ja – jede Beschreibung wäre ja... Es ist bereits genügend bekannt. Also er hatte einen durchaus anständigen Ton. Er hat sich auch für mich persönlich – ich rede allerdings nur von mir – sehr anständig eingesetzt. Ich habe mir verschiedene Notizen gemacht, die sich wahrheitsgemäß zugetragen haben. Was eine der schlimmsten Sachen war im Lager, das war der Bunker. Ich selbst war im Bunker, und weil

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wann waren Sie im Bunker?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich war im Bunker, [Pause] also ich war im SS-»Sonderkommando«, da kam ich 43 hin, 44, 1944.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Zeuge Männe Kratz:

1944.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wissen Sie noch ungefähr, um welche Zeit? Im Sommer oder im Frühjahr oder im Herbst?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, Herr Präsident, das...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht mehr.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich nehme an, ich glaube zu erinnern, im Spätsommer.

 

Vorsitzender Richter:

Im Spätsommer.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum sind Sie in den Bunker gekommen?

 

Zeuge Männe Kratz:

In den Bunker kam ich... Der Doktor Frank hatte mir dann... Das waren diverse Begebenheiten. Wir waren auch dann im Frauenlager, worin er sich da betätigt hat, da hat er verschiedenes, für meine Begriffe, unter den damaligen Umständen sehr Anständiges getan.

Ich war eines Tages beim Essenholen und hatte für den Frank und für einen gewissen Unrath das Essen aus der SS-Küche geholt. Und ich war dann beim Unrath in der Wohnung, in der Unterkunft, um da sauberzumachen. Und da traf mich, da kam ein damaliger Arbeitsdienstführer, der hieß Sell. Sell hieß der Herr, der sich nicht des besten Rufes rühmen konnte. Und er sah mich auf der Straße, ich habe vorschriftsmäßig gegrüßt. Wo ich herkomme? Und ich sagte ihm da drauf: »Ich war beim Herrn Hauptscharführer Unrath.« Und: »Was hast du da gemacht?« Ich sage: »Ich habe da saubergemacht.«»Was, ohne Passierschein unterwegs? Sofort in den Bunker!« Das war die Begründung.

Wie es nachher war, weiß ich nicht. Jedenfalls erfuhr zwei Tage oder drei Tage später Frank davon und hat tatsächlich bei dem damaligen Lagerkommandanten durchgesetzt, daß ich freikam. Und ich kam aus dem Bunker, und er hat mich wieder in sein Kommando aufgenommen. Und das Kommando bedeutete ja in Auschwitz eine absolute Lebensfrage. Ich bin dann bei ihm gewesen, bin da wieder bis zum Schluß gewesen.

Dann kann ich auch, was die Person des Frank anbetrifft, nur das sagen, daß mir nicht erinnerlich ist, daß irgendwelche Häftlinge von ihm jemals geschlagen wurden. Das nicht. Er hat sie - menschlich, doch, anständig behandelt.

Dann möchte ich etwas sagen: Gleich am Anfang habe ich mich mit ihm unterhalten, und dann sagte er zu mir – wenn ich es auch, ich möchte mich unterbrechen, nicht wörtlich wiedergeben kann, aber in der Erinnerung ist es so, daß ich es jederzeit bestimmt verantworten kann, was ich sage. Und dann haben wir dieses Gebiß, also die Zähne der Leichenteile, diese Goldteile – die wurden teilweise auch, wenn es zum Beispiel Kautschukstücke waren, entfernt und wurden dann auf Wachsplättchen aufgezogen, weil die damalige Industrie bereits so danieder war, daß einfach kein Zahnersatz mehr geliefert werden konnte. Da sprach dann Frank mit mir eines Tages. »Ja«, sagt er, »wir haben ja die Leute nicht dazu, um das alles«... Das wurde ausgebrannt, die Zähne wurden in Salzsäure gesäubert und dann auf Wachsplättchen aufgezogen, so daß sie dann als neue Garnitur zur weiteren Verwendung, wenn sie keimfrei waren, benutzt werden konnten. Und nachdem es ja irrsinnige Mengen waren, so waren die schon irgendwie, sagen wir mal, eine Entlastung für die Fabriken, die damals nichts geliefert haben.

Ich sage also: »Ja, hier ist niemand mehr, Herr Frank.« Und: »Was können wir da machen?« Und da sagte ich: »Im Block 11«, nein, »10«– das war dieser Block von Clauberg –, »da sind ja viele Mädchen«, sage ich, »wenn wir das vielleicht so arrangieren könnten, daß wir da vielleicht ein paar Mädchen haben. Und wir schaffen die Zähne dahin, die sie dann sortieren und auf Wachs aufziehen. So hätten Sie auf der einen Seite die Arbeitskräfte gespart, auf der andern Seite«, habe ich mir das aber allerdings gedacht, kann man auf irgendeinem Weg diese Mädchen reklamieren von irgendwelchen Versuchen. Und da wurden ja laufend Versuche gemacht von dem Clauberg.

Und Frank war dieser, wenn man so sagen kann, Idee sehr zugänglich. Er ging mit mir ins Frauenlager, es war in Auschwitz-Stammlager, und in den Block 10. Ich weiß es nicht mehr genau, aber er sagte dann zu mir: »Na, such dir mal sechs oder acht Mädchen aus.« Ich konnte ja niemand aussuchen, sondern nahm da einfach, sagte: »Die, die, die.« Und soviel ich weiß, diese Mädchen, die für die sogenannte SS-Zahnstation dann arbeiteten, wurden dann von den Versuchen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ausgenommen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Zurückgestellt. So daß diese Mädchen... Ich habe bis zuletzt, denn bis zur Auflösung des Lagers war ich ja in Auschwitz –, ich glaube, mich erinnern zu können, daß ich einen größeren Teil davon da immer in dem Block gesehen habe. Also das hat er auch getan, und diese Mädchen wurden dann reklamiert und arbeiteten für die Zahnstation.

 

Vorsitzender Richter:

Hatten Sie denn, um dabei zu bleiben, dem Doktor Frank gesagt: Erstens haben wir den Vorteil, daß wir dann die Zähne auf Wachsplättchen aufgezogen bekommen, und zweitens können wir damit den Mädchen es ersparen, daß sie zu Versuchen benutzt werden?

 

Zeuge Männe Kratz:

Herr Präsident, ich glaube

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Oder hatten Sie das nur bei sich gedacht?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das habe ich bei mir gedacht.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie bei sich gedacht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie also nicht ausdrücklich

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Das wagte ich nicht auszusprechen, weil ich ja die innere Einstellung des Menschen doch nicht so genau klarlegen konnte. Das wußte ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

So daß es also möglich wäre, daß das einzige Motiv für den Doktor Frank gewesen sein kann, hier Arbeitskräfte zu haben und diese Dinge zu erreichen, die er erreichen wollte, nämlich diese Zähne irgendwie wieder brauchbar zu machen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also darüber habe ich mit ihm

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht gesprochen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nicht gesprochen. Ich habe allerdings... Es wurde gesprochen, daß man diese Mädchen dadurch von den Versuchen zurückstellen muß. Ich erklärte ihm auch: »Schauen Sie, wenn sie erst mal angelernt sind, hat es ja keinen Zweck, wenn die da irgendwie zu Versuchen kommen, um dann vergast zu werden.« Und sie sind auch zurückgestellt gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Von dem Bunker sprach ich, von der Zahnstation auch. Dann sollte ich selbst mal sogenannt »auf Transport gehen«. Und es ist ja allseitig bekannt, was das bedeutete. Und davon hat mich Frank ebenfalls zurückstellen lassen. Ich glaube, mich erinnern zu können, und gelesen habe ich es in jedem Fall mal – ob es nun jetzt bei Frank war, ich glaube es, weil einen andern Kontakt hatte ja in dem Lager nicht. Eines Tages lag ein Brief bei ihm auf dem Schreibtisch. Ich hatte sein Privatzimmer, das er da in Auschwitz hatte, und da lag ein Brief. Und da hat er mir gesagt: »Geh mal her, lies dir mal das durch.« Und ich habe mir das durchgelesen. Oben stand drauf: »Der Standortarzt Wirths«. Soweit ich mich erinnere, Herr Präsident, war die Rede in dem Brief davon, daß er, mit sofortiger Wirkung, glaube ich, zur Truppe versetzt wird, und als Begründung: Er versteht es nicht, zwischen sich und den Häftlingen den nötigen Abstand zu wahren. Ich glaube, ich habe das beim Frank gesehen. Irgendwo in Auschwitz bei jemanden habe ich das gesehen. Also ich glaube, daß das bei Frank war.

Das ist das, was ich persönlich im Umgang mit ihm sagen kann. Und ohne irgendwie da meinen andern Leidensgenossen, wie kann ich mich ausdrücken: Ich möchte niemandem in den Rücken fallen, meinen andern Leidensgenossen. Zu mir persönlich ist das die volle Wahrheit, was ich gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, etwas anderes: Wissen Sie auch, ob Doktor Frank bei den Selektionen auf der Rampe beteiligt gewesen ist?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Geredet wurde davon.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Weil das, was alles nach Birkenau ging, mußte ja in diesem oder jenem Sinne unbedingt damit zu tun haben. Ich selbst war nie in Birkenau. Ich habe ihn auch nicht gesehen. Ich war nie da.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn ab und zu mal mit dem Sanka wegfahren sehen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Zu welchem Zweck und wohin?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Also den Zweck kann ich nicht angeben. Wir hatten aber, soweit erinnerlich, in Auschwitz... Auschwitz war das Stammlager. Und da befanden sich zirka, ich glaube, fünf oder sechs weitere Zahnstationen, die alle im gewissen Sinne Frank unterstanden. Also, sofern erinnerlich, hatten sie eine Zahnstation im Zigeunerlager, dann war eine Zahnstation in Birkenau, dann war die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das Zigeunerlager war doch in Birkenau.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, aber es zählte. Man sagte Zigeunerlager, und dann gab es ja in Birkenau noch andere Häftlinge, aller Nationen, aller Rassen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das Zigeunerlager war das Lager e in Birkenau.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, also ich war nie da, ich hab's, Gott sei Dank, nie betreten. Dann war die Häftlingszahnstation. Dann war die SS-Zahnstation, und dann waren noch in verschiedenen Nebenlagern, soweit erinnerlich, glaube ich, Buna oder Jawischowitz, da waren überall... Und die unterstanden alle

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Doktor Frank.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, er ist natürlich überall rumgefahren. Das weiß ich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ob er in diesem Sanka auch eventuell mal zum Krematorium gefahren ist, wissen Sie das?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Und ob in diesem Sanka etwa Gasbüchsen transportiert worden sind zur Vergasung in den Gaskammern, wissen Sie davon etwas?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht. Herr Kratz, wie ist es denn nun mit folgendem gewesen? In der Zahnstation waren doch noch mehrere Zahnärzte, nicht, zum Beispiel der Doktor Schatz,

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie den auch?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hatten Sie denn mit dem auch zu tun?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was hatten Sie mit ihm zu tun?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also der Doktor Schatz [Pause] Ich möchte es zusammengreifen, um nicht zu weit auszuschweifen. Also ich bin mit Schatz auch relativ gut ausgekommen, wie mit an und für sich allen, die in der Zahnstation waren. Da waren im ganzen ja fünf Herren da.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

In der Zahnstation. Ich bin mit ihm ausgekommen, er hat mir auch nichts getan. Das darf ich auch sagen. Schatz war ein anderer Mensch wie Frank. Also auch bei den Häftlingen, bei den Zahnstation- Häftlingen, war Frank irgendwie beliebter, wenn ich mich so ausdrücken darf. Frank war beliebter. Ich kann von Schatz – Schlagen, unmenschlich, nein, das kann ich nicht sagen. Das wäre nicht wahr.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob Schatz auf die Jagd gegangen ist?

 

Zeuge Männe Kratz:

Als Jäger?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Das wußte ich, daß er Jäger ist. Das ja, das hat er erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß er auch dort in Auschwitz auf die Jagd gegangen ist?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob Doktor Schatz bei diesen Selektionen auf der Rampe teilgenommen hat?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich war nicht da, also ich kann es...

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen es nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich würde hier weder was verschweigen noch irgend etwas. Das bin ich allen schuldig. Aber ich war nie da, und ich habe ihn auch wirklich da nie gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie irgendwelche Feststellungen gemacht, aus denen Sie schließen konnten, daß diese beiden Herren von irgendeiner Selektion gekommen sind, daß sie besonders morgens in verschmutztem und übernächtigtem Zustand da ankamen und

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Es kam schon vor, daß ich zum Beispiel ihnen Feuer gemacht habe und daß dann – auch Frank –, daß sie kamen, nicht wahr, rasiert, gewaschen. Das kam schon vor. Aber von wo, selbst da, das ist mir...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Und wissen Sie, ob einer von diesen Vorgesetzten von Ihnen an der Schwarzen Wand irgendwie bei Erschießungen teilgenommen hat?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Und wissen Sie etwas davon, ob sie bei Vergasungen im Krematorium eingesetzt waren, in den Gaskammern?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie auch nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also mein Revier, ich kam ja aus dem nicht heraus. Ich meine, ich hatte wohl nachher einen Passierschein, und der Weg diente nur von dem Frauenblock

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Block 10.

 

Zeuge Männe Kratz:

Block 10.

 

Vorsitzender Richter:

Nach dem SS-Revier.

 

Zeuge Männe Kratz:

Raus, außerhalb des Lagers, das war mein Weg, den ich jeden Tag mehrere Mal machte. Und zur SS-Küche. Das waren die Wege, die ich hatte. Und alles andere war ja dann: saubermachen, putzen und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Wissen Sie, ob diese beiden, Doktor Frank und Schatz, ein Motorrad besessen haben?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Ich glaube, ein Motorrad war da. Aber...

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sind von seiten des Gerichts noch Fragen? Bitte sehr.

 

Richter Perseke:

Wissen Sie, ob Doktor Frank eine Gasmaske gehabt hat?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Richter Perseke:

Haben Sie nie eine gesehen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Richter Perseke:

Und von Doktor Schatz?

 

Zeuge Männe Kratz:

Weiß ich es auch nicht.

 

Richter Perseke:

Wissen Sie es auch nicht. Danke.

 

Richter Hotz:

Herr Kratz, Sie sagten vorhin, Sie hätten, als es um die Arbeitskräfte zum Einschmelzen oder Vorbereiten dieser Prothesen ging, gesagt: »Hier ist niemand mehr, Herr Frank.« Haben Sie tatsächlich Herr Frank zu ihm gesagt?

 

Zeuge Männe Kratz:

»Herr Hauptsturmführer« habe ich gesagt.

 

Richter Hotz:

Und können Sie uns irgendwelche Angaben machen über die Menge des zu Ihrer Zeit eingeschmolzenen Zahngoldes?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich meine, ich kann sagen, über die Menge des Rohmaterials, um Gottes Willen, aber über die Menge der gelieferten Zähne, die ausgeschmolzen werden sollten, das kann ich sagen. Und da kamen Kübel, normale Kübel, die waren meistens voll bis oben hin mit herausgerissenen Zähnen. Das kam. Also das waren volle Kübel. Und was übrigblieb, das waren dann, wenn alles, also [Pause] Ich kann es nur gedanklich wiedergeben, weil wir leider nie Gelegenheit hatten, das zu wiegen. Also das waren schon solche

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Barren.

 

Zeuge Männe Kratz:

Flatschen, möchte ich bald sagen, ja. Weil wir einen Block hatten, also, und da kam der Zahnersatz rein. Dann hatten wir Lötpistolen. Mit den Lötpistolen wurde es zum Schmelzen gebracht. Da sonderte sich das Gold von den Zähnen ab, blieb liegen, und die Zähne wurden dann mit der Zange rausgeworfen. Und das wurde dann immer mehr gemacht, bis dann ein solches Stück, in der Größe – so war es ungefähr, ja, mal kleiner, mal größer, in dieser Dicke. Das war dann fertig und kam dann zum Versand. Das waren immer [Pause] also mindestens sechs, acht solcher Ballen, Barren kann man nicht sagen, aber solcher Mengen.

 

Richter Hotz:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Richter Hotz:

Und wem wurde das abgeliefert?

 

Vorsitzender Richter:

Reichssicherheitshauptamt.

 

Richter Hotz:

Ja. Hier im Lager noch. Wem haben Sie das übergeben?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das nahm dann Frank. Ja.

 

Richter Hotz:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Richter Hotz:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Die Herren Staatsanwälte?

 

Verteidiger Laternser:

[unverständlich] Ein von uns benannter Zeuge. Das Fragerecht ist doch dann zuerst bei mir.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, das Recht nicht, aber

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Aber ich lasse dem Herrn Rechtsanwalt den Vortritt.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn Sie nichts dagegen haben, Herr Staatsanwalt. Bitte sehr.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, wissen Sie, ob Doktor Frank im Lager eine andere als zahnärztliche Tätigkeit ausgeübt hat, so zum Beispiel als Lagerarzt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Mir nicht bekannt.

 

Verteidiger Laternser:

Ihnen nicht bekannt. Wann ist Herr Doktor Frank abgelöst worden? Können Sie sich noch erinnern? [Pause] Etwa?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Also ich kann es jetzt nur in dunkler Erinnerung wiedergeben. [Pause] Ich glaube, es war kurz vorm Einmarsch der Russen, also vor dem Vormarsch der Russen. Das kann nur Ende Dezember gewesen sein, also im Dezember beziehungsweise Anfang Januar. Das ist mir datumsmäßig also nicht mehr erinnerlich.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Kann es auch früher gewesen sein?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Also bewußt erinnerlich möchte ich nicht vor November gehen, nein.

 

Verteidiger Laternser:

Nicht vor November.

 

Zeuge Männe Kratz:

Dezember eher.

 

Verteidiger Laternser:

Aber Sie wissen es nicht mehr mit Sicherheit.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, nein.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun, wissen Sie, von wem er abgelöst wurde?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, als Hauptsturmführer kam damals niemand mehr hin.

 

Verteidiger Laternser:

Kam nicht ein Hauptsturmführer Precht?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, ja.

 

Verteidiger Laternser:

War das sein Nachfolger?

 

Zeuge Männe Kratz:

Der Name ist mir bekannt. Nein, das kann...

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Precht, ja. Precht war jemand da. – Ich glaube, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Aber das wissen Sie auch nicht mehr sicher?

 

Zeuge Männe Kratz:

Den Namen weiß ich.

 

Verteidiger Laternser:

Den Namen wissen Sie.

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Den weiß ich. Ja, den Namen weiß ich.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Gut. Sie nannten vorhin bei Ihrer Aussage den Namen Unrath. Wer war Unrath?

 

Zeuge Männe Kratz:

Unrath gehörte ebenfalls zum Kommando der Herren, die dort drin waren, es waren fünf Herren im ganzen, und war, wenn ich mich so ausdrücken darf, die rechte Hand des Frank.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. War er Zahntechniker?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja. Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Wer war noch da als Zahntechniker?

 

Zeuge Männe Kratz:

Dann war zu meiner Zeit ein gewisser Zeiner. Zeiner, Mang, Unrath, Frank, und dann war ein Herr Grenzmann. Der Grenzmann2 wurde aber nach einer relativ kurzen Zeit abgelöst, weil er mir sagte, er hat es nicht ausgehalten, er kann es nicht mehr, also nervlich kann er es nicht mehr.

 

Verteidiger Laternser:

War auch einer namens Simon da? [...]

 

Vorsitzender Richter:

Simon.

 

Verteidiger Laternser:

Auch ein Zahntechniker.

 

Zeuge Männe Kratz:

Häftling oder ein Herr?

 

Verteidiger Laternser:

Nein, ein Angehöriger der SS, ein Oberscharführer.

 

Zeuge Männe Kratz:

Kann das der Herr gewesen sein, der erst mit der damaligen Reichswehr – nein, Reichswehr gab es ja nicht mehr. Der kam in der Wehrmachtsuniform, so möchte ich mich ausdrücken. Der kam zuerst zu uns in der Wehrmachtsuniform und wurde dann nach ein paar Wochen zur SS übernommen.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Nun gut.

 

Zeuge Männe Kratz:

Wie der hieß, weiß ich nicht mehr.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Wissen Sie, daß Doktor Frank dem Zeugen Löffler, der heute mit Ihnen erschienen ist, mal sehr behilflich war?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, was mit Löffler war. Also Löffler war mal... Frank war in der Beziehung, möchte ich sagen – ich weiß nicht, wie ich mich jetzt richtig ausdrücken soll.

 

Verteidiger Laternser:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Er war in jedem Falle, wenn ich so sagen darf, hilfsbereit. Löffler war mal, ich glaube, abgelöst oder irgendwie. Und da habe ich dem Frank dann gesagt, daß der Löffler vorn an der Schreibstube war oder irgendwie. Also jedenfalls ist Frank dann raus und hat den Löffler dann wieder ins Kommando gebracht.

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Wissen Sie noch, was das für ein Kommando war, dem er zugeteilt werden sollte?

 

Zeuge Männe Kratz:

Der Löffler?

 

Verteidiger Laternser:

War der Löffler damals in Gefahr?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Und Frank hat ihn wieder zurückgeholt.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keinen weiteren Fragen mehr.

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Also das... Ich möchte da

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wollten Sie noch was sagen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Zeuge, Sie haben auf die Frage des Herrn Vorsitzenden, wann die Ablösung der drei Häftlinge, die mit Ihnen in der SS-Zahnstation im Schmelzraum gearbeitet haben, vor sich gegangen sei, gesagt, das wäre Ende Dezember 44, Anfang Januar 45 gewesen. Ich darf Ihnen folgendes vorhalten: Herr Doktor Frank sagt, daß die Ablösung etwa im Spätsommer 43 gewesen sei, nämlich daß da zu diesem Zeitpunkt in Birkenau die Schmelzräume eingerichtet worden seien. Können Sie sich daran erinnern?

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Steinacker, haben Sie sich nicht versprochen. Wollten Sie Sommer 43 oder 44 sagen?

 

Verteidiger Steinacker:

Spätsommer 43.

 

Vorsitzender Richter:

43?

 

Verteidiger Steinacker:

Spätsommer 43.

 

Zeuge Männe Kratz:

43?

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, Spätsommer 43.

 

Zeuge Männe Kratz:

Dieses Jahr ist mir für diese Begebenheit nicht erinnerlich, 43. Weil 43

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Erinnern Sie sich noch an Herrn Doktor Teuber?

 

Zeuge Männe Kratz:

Auch diesen Namen habe ich gehört. Ja, den Namen habe ich gehört.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, Sie haben doch hier ausgesagt, Sie sind im Frühjahr 43 zu der SS-Zahnstation gekommen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

War zu diesem Zeitpunkt schon Herr Doktor Frank Chef dieser SS-Zahnstation?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Nein, der Mang war da, das weiß ich mit Gewißheit, der Zeiner war auch da. [...] Den Namen Teuber, den habe ich... Es kann sein, daß der Herr – also irgend jemand anders war noch dazwischen. Aber ich kann Ihnen

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Bevor Doktor Frank Chef wurde.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, aber beim besten Willen, ich kann es nicht mehr genau sagen. Also auch diesen Namen habe ich gehört, er ist mir in irgendeiner Beziehung in Erinnerung, Teuber.

 

Verteidiger Steinacker:

Aber Sie können es nicht genau sagen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie können auch nicht sagen, ob etwa nach der Ablösung, nämlich nach Einstellen der Tätigkeit in dem Schmelzraum in Auschwitz I, im Stammlager, diese Tätigkeit woanders durchgeführt wurde, ohne Sie?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein. Mir ist auch nicht bekannt, daß zum Beispiel diese drei andern Häftlinge dahin überstellt wurden, um einen sogenannten gleichen Raum in Betrieb zu setzen. Sondern ich habe diese drei, leider Gottes, nie mehr im Leben wiedergesehen.

 

Verteidiger Steinacker:

Dann habe ich noch eine letzte Frage. Herr Zeuge, Herr Erich Kästner hat ein Buch geschrieben, »Notabene 45«.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Auf Seite

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

»Der tägliche Kram, Wert und Unwert des Menschen «.

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

236/237 ist eine Schilderung enthalten, da wird in einer Abkürzung von einem gewissen Kr. gesprochen. Diese Schilderung, stammt die von Ihnen?3

 

Zeuge Männe Kratz:

Also ich habe mich mit dem Doktor Kästner – der mich kannte, der 45 da wohnte, wo ich wohne – sehr nett und lange unterhalten. Es war ein sehr nettes Verstehen. Und ich erzählte ihm davon, was ich alles so erlebt habe und wo ich während des Krieges war. Und dann erschien damals in der damaligen »Neuen Zeitung« ein ganzseitiger Artikel über Wert und Unwert des Menschen, und dann in seinem Buch »Der tägliche Kram«, da hat er dann etwas reingeschrieben, was also

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Was auf Ihre Information

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Kann man so ausdrücken?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, das darf man so sagen.

 

Verteidiger Steinacker:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, es steht aber doch fest, daß Sie etwa im Spätsommer 1943, nein, 1944, sagten Sie, in den Bunker gekommen sind.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß Sie dort von dem Herrn Doktor Frank herausgeholt wurden, nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl, das ist wahr.

 

Vorsitzender Richter:

So muß er also doch im Spätsommer 1944 noch bei der Zahnstation gewesen sein. Sonst hätte er Sie ja nicht aus dem Bunker herausholen können, oder?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also, Herr Präsident, wenn es zu dieser Zeit war, also er hat mich auf jeden Fall – auf seine Initiative hin bin ich rausgekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Das wußte ich ja auch dann von den andern Häftlingen, die mir gesagt haben: »Mensch, hast du ein Glück, wenn der Frank nicht wäre.« Und Bunker war Tod, zu Deutsch. Also wenn ich hier etwas gesagt habe, was vielleicht datumsmäßig, erinnerungsmäßig nicht ganz, ich sage mal, übereinstimmt, so sind meine Grundauslegungen in jedem Fall absolut wahr. Ich habe es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Herr Zeuge, darum geht es uns auch gar nicht. Sondern wir haben große Schwierigkeiten wegen der einzelnen Zeitpunkte, verstehen Sie, weil verschiedene Angeklagte dann immer behaupten: »Das kann nicht sein, ich war nicht mehr dort um diese Zeit« und so weiter. Und deshalb ist es uns sehr drum zu tun, festzulegen, wann wer wo gewesen ist. Und nun hatten Sie gesagt, Sie waren im Bunker und sind auf die Initiative von dem Herrn Doktor Frank herausgeholt worden. Das steht einmal fest.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben vorhin gesagt, Sie können sich auf die genaue Zeit, wann Sie im Bunker waren, nicht mehr genau entsinnen. Sie glauben aber, daß es im Spätsommer gewesen sein könnte.

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und nun frage ich Sie: Wenn es im Spätsommer gewesen wäre, müßte ja der Doktor Frank zu dieser Zeit auch noch auf dem Revier tätig gewesen sein.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, also wenn er mich rausgeholt hat, dann muß er, dann ist er ja dagewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Ist er dagewesen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ist er dagewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist die Sache.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Eine Frage. Als Ihre drei Kameraden wegkamen, war da Doktor Frank noch da? Oder war er da schon weg? [Pause] Wir wollen mal eine Frage vorausschicken: Waren Sie, bevor die drei Kameraden wegkamen, schon von denen losgelöst nur für Herrn Doktor Frank tätig? Oder hatten Sie bis zuletzt mit den dreien zusammengearbeitet?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich war mit ihnen bis zuletzt zusammen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Haben aber zu der Zeit schon für Doktor Frank gewisse Verrichtungen gemacht?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und als die drei nun wegkamen, war da Doktor Frank schon weg, oder war er noch da?

 

Zeuge Männe Kratz:

[Pause] Das kann ich nicht genau sagen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das können Sie nicht genau sagen. Dann eine andere Frage: Als Sie in den Bunker kamen, hat Doktor Frank Sie da gleich wieder rausgeholt, oder wurden Sie dort ganz ordnungsgemäß registriert?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich war mehrere Tage drin.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Also Sie wurden auch richtig aufgenommen, mit Personalien und allem?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Vorsitzender, dann bitte ich, aus dem Bunkerbuch II festzustellen, wann das Bunkerbuch endet. Daraus läßt sich nämlich dann festlegen, daß er nach diesem Zeitpunkt in den Bunker gekommen sein muß. Denn er ist im Bunkerbuch nicht enthalten.

 

Vorsitzender Richter:

Die letzte Einlieferung in diesem Bunkerbuch ist vom 1. Februar 44. Und die Entlassung vom 2. Februar 44. Aber hier ist noch einmal eine Entlassung am 24. Februar 44. [Pause] Ich glaube, daß diese Entlassung am 24. Februar wohl die letzte gewesen ist. 2.2.44. [Pause] Aber hier, auf Seite 64 des Bunkerbuchs II, da sind Entlassungsdaten eingetragen vom 21.12.43. Ach so, 43, ja. So daß also offensichtlich diese Entlassung am 24.2.44 die letzte gewesen sein muß. Infolgedessen kann der Zeuge nicht drin eingetragen sein. Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Kratz, habe ich Sie richtig verstanden, daß Sie gesagt haben hier, man habe davon geredet, Doktor Frank habe an Selektionen teilgenommen?

 

Zeuge Männe Kratz:

Da bin ich durch die Presse informiert worden. Also ich

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ich hatte das so verstanden, daß das in Auschwitz war, daß man in Auschwitz darüber geredet hat, als Sie noch dort waren.

 

Zeuge Männe Kratz:

Daß in Birkenau die Leute selektiert wurden, das wußte jeder. Also das kann kein Mensch irgendwie... Das ist ein Wahnsinn, wenn da jemand sagt, nein, das ist nicht wahr oder er hat es nicht gewußt. Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Nein, darum geht... Herr Kratz, darum geht es nicht. Was ist in diesem Zusammenhang in der Zahnstation über Doktor Frank gesprochen worden? Ist damals in der Zahnstation die Rede davon gewesen, daß Doktor Frank an diesen Dingen teilnimmt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also wir hatten dort diverse polnische Häftlinge, die ja nun durch den weit besseren Kontakt, den sie untereinander hatten, wesentlich besser informiert waren. Die sprachen schon davon.

 

Staatsanwalt Kügler:

Auch in bezug auf die Person des Doktor Frank?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also, von allen SS-Führern, die da waren, hieß es: »Ah, wo sind sie denn heut? Heut sind sie in Birkenau.« Und mit dem Wort Birkenau wußte man, daß Transporte angekommen sind. Und mit Transporten wußte man ebenfalls, daß welche dann fürs Gas beziehungsweise für die Arbeit ausgesucht wurden. Also das war ein, ich möchte bald sagen, ungeschriebenes

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ja. Nun, Herr Kratz, wenn ich es so formulieren darf: War Ihnen das damals gar kein Geheimnis, daß die auf die Rampe gingen, um zu selektieren, die SS-Zahnärzte, die da bei Ihnen waren?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ein Geheimnis war es nicht, nur

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Sie waren zwar selbst nicht dabei, aber Sie

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Nein, ich habe das Lager da draußen nie betreten, Gott sei Dank. Ein Geheimnis war es nicht. Nur habe ich zu der Einstellung des Frank – und ich rede immer wieder nur von mir rein persönlich beziehungsweise von den paar Häftlingen, die ich da kannte –, ja, die war so, daß ich es ihm ehrlich einfach nicht zugetraut habe.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie haben es ihm nicht zugetraut.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, ich habe es ihm nicht zugetraut.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Weil ich keinen Grund sah, daß er mich in dieser Art, sagen wir mal ruhig: vor vielem, vor dem Schlimmsten bewahrt hat, während er auf der andern Seite da Menschen dem Gas überantwortet.

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

In die Gaskammer schickt.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also es war kein Grund. Ich hatte nichts, was ich da geben konnte, außer meine Beine zum Laufen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Also dieses öffentliche Geheimnis in der SS-Zahnstation, das bezog sich sowohl auf Doktor Frank als auch auf Doktor Schatz. Ist das richtig?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nur habe ich es ihm nicht zugetraut, daß

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ja, gut. Nun, Herr Kratz, Sie sagten, daß Sie beim Putzen, wenn ich recht verstanden habe, wenn Sie die Wohnung da saubermachten oder das Dienstzimmer saubermachten, festgestellt hätten, daß die Herren morgens unrasiert und ungewaschen

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Ich sagte

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Angekommen sind. Habe ich Sie da recht verstanden?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, ich sagte, es ist schon vorgekommen, daß mal Herr Frank kam, nicht wahr, und sich früh morgens gewaschen hat und rasiert hat.

 

Staatsanwalt Kügler:

Aha.

 

Zeuge Männe Kratz:

Aber von

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ob er da nun aus Birkenau kam, das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, das weiß ich nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Herr Zeuge, Sie sagten vorhin von einem Herrn Grenzmann, der bei Ihnen beschäftigt war: »Er ist dann abgelöst worden, weil er es nervlich nicht durchhielt.«

 

Zeuge Männe Kratz:

So sagte er es mir und ist auch versetzt worden.

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Würden Sie mir sagen, was war der in der SS? Ein Unterscharführer oder was?

 

Zeuge Männe Kratz:

Darf ich sitzenbleiben, Herr... Soweit erinnerlich

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Bitte sprechen Sie zum Gericht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Soweit erinnerlich, war der Grenzmann auch Zahnbehandler. Also er hat die SS-Posten operativ, also zahnmäßig, betreut, behandelt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und was hat er Ihnen nun im einzelnen darüber erzählt, was

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Moment, Herr Rechtsanwalt Ormond, wenn ich dazwischen fragen kann. Der Rechtsanwalt Ormond hatte Sie gefragt, ob dieser nun als SS-Mann dort gewesen sei oder als Häftling.

 

Zeuge Männe Kratz:

SS-Mann.

 

Vorsitzender Richter:

Als SS-Mann.

 

Zeuge Männe Kratz:

SS-Mann.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und er war zuständig für die zahntechnische oder auch zahnärztliche Behandlung der SS-Leute?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl. Er hat ebenfalls mitbehandelt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Er lief auch im weißen Kittel rum.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und was hat er Ihnen – Sie scheinen ja ganz gut mit ihm gestanden zu haben –, was hat er Ihnen nun erzählt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Also Grenzmann kam eines Tages, und: »So«, sagt er dann, ausdrucksmäßig, also er hat sich so ausgedrückt, er wird abgelöst. Und er ist dann tatsächlich so weit aus sich herausgegangen, daß er sagte, er hält das nicht mehr aus. Er kann es nervlich nicht mehr. In der Nacht, da hat er alle möglichen Vorstellungen, und er wird versetzt. Und er ist dann auch tatsächlich versetzt worden. Also ich habe ihn nie mehr dann, nach einer gewissen Zeit, wiedergesehen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wo hat denn der Grenzmann Dienst getan?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nach dem, was er da gesagt hat, daß er es nicht aushält, muß er sowohl in der... Er war in der Zahnstation und muß auch in Birkenau zu tun gehabt haben, weil diese Sachen, das Aussuchen der Leute, das fand allerdings im Stammlager auch statt, also es war überall. Es gab da keinen geschützten Ort. Überall wurden die Leute ausgesucht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sind denn Grenzmann und andere Angehörige, SS-Angehörige der Zahnstation, von den SS-Zahnärzten mit zum Rampendienst genommen worden?

 

Zeuge Männe Kratz:

Zum Rampendienst. Sie meinen, nach Birkenau?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Also, ich meine den Dienst in Birkenau, von dem wir ja vorhin gehört haben, es war ein offenes Geheimnis

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Wie die Einteilung war und wer die Herren eingeteilt hat und sie dahin beordert hat, das kann ich nicht sagen. Der höchste Mann war oben der Standortarzt Doktor Wirths.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Und meiner Meinung nach, soweit ich mich erinnere, war der der absolute Chef von der ganzen Geschichte. Und der muß, denke ich, die Leute eingeteilt haben.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Ich will nicht wissen, verzeihen Sie

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wer eingeteilt hat. Sondern ich will wissen, ob es üblich war, daß nicht nur die SS-Zahnärzte, sondern auch SS-Unterführer im zahnärztlichen Dienst mit nach Birkenau gegangen sind? So wie der Grenzmann.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja, die Herren waren alle in Birkenau.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Die waren alle in Birkenau.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha. Dann habe ich eine weitere Frage. Sie waren doch, nach dem, was Sie uns erzählt haben, der Bursche oder der Putzer längere Zeit hindurch bei Doktor Frank gewesen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Es muß für Sie, nach dem, was Sie berichtet haben, da er anständig zu Ihnen war, doch ein Einschnitt gewesen sein, wie Doktor Frank wegkam und Sie nicht mehr sein Bursche sein konnten. Hat sich denn da Ihre Tätigkeit geändert?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, soweit mir erinnerlich, war ich dann nur eine relativ sehr kurze Zeit, wenn man so sagen kann, allein. Und dann waren ja die Auflösungserscheinungen überall schon wahrnehmbar.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Also

 

– Schnitt –

 

Zeuge Männe Kratz:

War ich dann nur eine relativ sehr kurze Zeit, wenn man so sagen kann, allein. Und dann waren ja die Auflösungserscheinungen überall schon wahrnehmbar.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Also würde sich daraus ergeben, daß Sie fast bis zum Schluß der Putzer von Doktor Frank waren.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also bis ich mit ihm auseinander kam, war ich das.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und das war zu einem Zeitpunkt, wie Sie eben sagen, wo schon die Auflösungserscheinungen wegen der herannahenden Russen sich bemerkbar machten.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Haben Sie denn dann überhaupt noch während dieser letzten Wochen eine andere Tätigkeit ausgeübt? Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Nein. Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Nicht mehr?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein. Nein, ich war nur gleich am Anfang in anderen Kommandos, aber nicht nachher mehr.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Etwas anderes, Herr Zeuge: Haben Sie nach dem Krieg die Verbindung mit Doktor Frank aufrechterhalten?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ich habe keinerlei Verbindung aufrechterhalten oder gesucht, sondern ich habe den Doktor Frank nach dem Krieg mal gesprochen.

Und zwar hat sich das so ergeben: Ich wohne in Schliersee und ging eines Tages da durch den Ort. Und da sah ich eine Frau, eine Dame, mit einem Kind, glaube ich, ja. Und ich denke: Nanu, die kennst du doch, ist doch irgendwo bekannt. Und es war Frau Frank. Ich habe dann mit ihr gesprochen, wir haben uns unterhalten: Ja, wo ist denn... Und sie sagte damals, sie wüßte nicht, wo Herr Doktor Frank ist. Das wußte sie nicht. Dann bekam ich doch Nachricht, also nicht Nachricht, sondern dann sagte mir selbige Frau Frank, jawohl, ihr Mann sei in [Pause] einem Ort in Niederbayern, soviel ich mich erinnere.

Es lief gegen ihn, soweit erinnere ich mich, ein Spruchkammerverfahren. Und in diesem Spruchkammerverfahren wurde ich in der gleichen Art ungefähr gefragt, bei einem Herrn Rechtsanwalt Doktor Hiltner. Der nahm das auf, was ich alles über den Frank wußte.

Ja, das war es. Und dann habe ich in den letzten Jahren gehört, er wäre in Stuttgart. Aber sonst habe ich ihn... [Pause] Ich habe ihn gesprochen... [Pause] Nein, ich habe ihn nicht getroffen weiter, soweit erinnerlich.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und Ihre Adresse war Doktor Frank bekannt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

War denn Frau Doktor Frank, wie sich daraus ergibt, in Auschwitz bei ihrem Mann gewesen und hat dort gewohnt?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und hat ihn manchmal auf der Zahnstation besucht?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke. Keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, wie Sie eingeteilt wurden zu diesem »Sonderkommando« bei der Zahnstation, wurden Sie da zu einer besonderen Geheimhaltung verpflichtet?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das war ein ungeschriebenes Gesetz, daß man keinesfalls mit jemand darüber reden durfte, was da getan wird. Das wußte man, und der Name »Sonderkommando« sagte schon im Lager unter allen, daß man, soweit es noch möglich war, die Hände auch vor diesem Kommando hochgehoben hat: »Um Gottes Willen, laß mich damit zufrieden.«

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja. Herr Zeuge, Sie gebrauchten vorhin wörtlich folgenden Satz: »Ich habe die drei Häftlinge leider Gottes nie wiedergesehen.« Das heißt Ihre Mithäftlinge in diesem »Sonderkommando«. Ist Ihre Ansicht über das Schicksal dieser Häftlinge, daß die damals in Birkenau getötet wurden, nachdem sie weggekommen sind? Haben Sie dafür Anhaltspunkte? Oder wollten Sie damit nur sagen, Sie wüßten nichts über diese Häftlinge?

 

Verteidiger Steinacker:

Ich wollte nur der »Ansicht« widersprechen. Aber nach späteren Formulierungen nehme ich den Widerspruch zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Also wissen Sie noch, was aus diesen Häftlingen geworden ist?

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein, ich habe keinen mehr wiedergesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wollten Sie damit Andeutungen machen, daß sie unter Umständen umgebracht worden sein könnten?

 

Zeuge Männe Kratz:

Das muß ich leider sagen. Es kann auch sein, daß der eine vielleicht tatsächlich mit befreit wurde und dann später gestorben ist. Aber wiedergesehen habe ich von den dreien, deren Namen ich noch alle weiß, leider keinen mehr.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ist Ihnen etwas bekannt von einer Anordnung in der Zahnstation, daß diese drei Häftlinge wegkommen müßten, da sie Geheimnisträger sind und getötet werden sollten? Was noch nicht heißt, daß Sie wissen, daß sie auch tatsächlich getötet wurden.

 

Zeuge Männe Kratz:

Zu meiner Zeit, [+ während] meiner Tätigkeit, als ich da war, kam es mir schon zu Ohren beziehungsweise wurde, wie man so sagt, darüber gemunkelt: Na ja, also »Sonderkommando«, die werden sowieso sukzessive abgelöst, weil sie eben sehr viel da gesehen haben. Wenn ich mich so ausdrücken darf, das hat man mit dem Tod vor da schon getan.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Vorsitzender, ich möchte gerne eine Frage an den Herrn Doktor Frank stellen, wenn Sie erlauben.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. Ja, wir wollen erst mal die Vernehmung des Zeugen abschließen. Herr Doktor Kaul. Von seiten der Verteidigung, sind da noch Fragen zu stellen? Doktor Frank, bitte schön.

 

Angeklagter Frank:

Ich möchte den Herrn Kratz gern fragen, ob er sich nicht daran erinnern kann, daß ich Ende Februar 1943 nach Auschwitz kam und mein Chef, der Chef der Zahnstation, Hauptsturmführer Teuber war? Hauptsturmführer Teuber war da bis zum Frühherbst, und während der Zeit fand diese Schmelzanlage im ersten Stock statt. Ende 1943 wurde die Zahnstation ins Parterre verlegt und vergrößert und die Schmelzanlage nach Birkenau verlegt. Es war also im Herbst 43. Zu der Zeit kamen nach Birkenau, der Holländer ist mir nicht bekannt, der Herr Katz und Herr Feldmann. Wie wir von Zeugen aus dem

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment, Moment, habe ich Sie recht verstanden?

 

Angeklagter Frank:

Katz.

 

Vorsitzender Richter:

Zu dieser Zeit kam nach Birkenau auch der Herr Kratz?

 

Angeklagter Frank:

Katz. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Katz, ach so.

 

Angeklagter Frank:

Katz war ein französischer Jude.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Angeklagter Frank:

Im Verlaufe dieses Prozesses haben wir erfahren, daß sowohl Herr Katz wie Herr Feldmann noch leben. Dann: Herr Kratz, also der Zeuge, war im Bunker im Spätsommer 1944. Und nachdem Herr Kratz wieder aus dem Bunker war, bin ich relativ kurze Zeit darauf nach Dachau gekommen, im Austausch mit dem Hauptsturmführer Precht. Das war also Ende August 1944. Von da ab war dann Hauptsturmführer Precht der Leiter der Zahnstation. Herr Kratz war während der Zeit immer noch dort.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das gehört, Herr Kratz?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Was meinen Sie dazu?

 

Zeuge Männe Kratz:

Unbekannt ist mir, worüber ich mich ehrlich sehr freue, daß der Katz leben soll, dem ich sehr, sehr viel zu verdanken habe, und der Feldmann. Aber das mit dem Herrn Precht, das sagte ich vorher, war mir datenmäßig nicht genau so in Erinnerung. Aber den Namen kannte ich, und Teuber war auch...

Und diese Sache im ersten Stock, da wurde zuerst geschmolzen. Aber, wenn ich Herrn Doktor Frank anreden darf, dann ist es mir erinnerlich, Herr Doktor Frank, daß unten aber auch eine Zeitlang noch geschmolzen wurde, bevor das Büro für Sie eingerichtet wurde.

 

Angeklagter Frank:

[Pause] Nein, da täuschen Sie sich, Herr Kratz. Es wurde nur oben geschmolzen in einem Raum, der zum Lager hin ging

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Ja, ja.

 

Angeklagter Frank [unterbricht]:

Während die Zahnstation hernach zur Straße ging.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Angeklagter Frank:

Und da war kein Schmelzraum mehr unten. [Pause] Da wurde bereits in Birkenau der

 

Zeuge Männe Kratz [unterbricht]:

Wir haben unten, Herr

 

Angeklagter Frank [unterbricht]:

Schmelzraum eingerichtet.

 

Zeuge Männe Kratz:

Frank, Herr Doktor, also ich glaube mich fest zu erinnern, wir haben eine kurze Zeit unten noch geschmolzen. Ja, wir haben unten noch geschmolzen eine kurze Zeit, jawohl. Und dann wurde Ihr Büro eingerichtet, wo ich dann so den Kalfaktor gemacht habe.

 

Angeklagter Frank:

Ja, das weiß ich nicht mehr. Dann wollte ich noch etwas fragen.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja.

 

Angeklagter Frank:

Ob sich der Herr Kratz erinnern kann, daß der Zahntechnikermeister, also der Laborvorstand, als ich hinkam, ein Hauptscharführer Simon war. Hauptscharführer Simon ist dann im April oder Mai 1943 gegen den Oberscharführer Unrath mit Dachau ausgetauscht worden, so daß Simon dann ab April oder Mai 43 nicht mehr in Auschwitz war.

 

Zeuge Männe Kratz:

Der Name Simon, der ist mir noch irgendwie dunkel bekannt. Und Unrath kam etwas später.

 

Angeklagter Frank:

Ja.

 

Zeuge Männe Kratz:

Also Unrath kam etwas später.

 

Angeklagter Frank:

Jawohl, die haben sich ausgetauscht.

 

Zeuge Männe Kratz:

Ja. Unrath kam etwas später.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, Herr Doktor Frank, der Rechtsanwalt Raabe wollte noch eine Frage an Sie richten.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hat sich erledigt.

 

Vorsitzender Richter:

Hat sich erledigt. Bitte schön. Sonst sind

 

Angeklagter Frank [unterbricht]:

Ja, der Simon war dann, nachdem Unrath da war, nicht mehr da.

 

Zeuge Männe Kratz:

Nein.

 

Angeklagter Frank:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn keine Fragen mehr zu stellen sind: Herr Zeuge, wollen Sie das, was Sie uns gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Männe Kratz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn Sie

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. Vermerk der Sonderkommission bei der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt am Main vom 11.12.1959, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 20, Bl. 3.256.

2. Laut Aleksander Lasik: »Die Personalbesetzung des Gesundheitsdienstes der SS im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in den Jahren 1940-1945«, Hefte von Auschwitz 20, 1997, S. 351, gab es einen SS-Zahntechniker mit Namen Gratzmann.

3. Erich Kästner: Notabene 45. Ein Tagebuch. Zürich: Atrium Verlag, 1961.

 

 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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