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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

47. Verhandlungstag, 21.5.1964

 

Vernehmung des Zeugen Omelan Kowal

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Ja. Sie sprechen Deutsch. Dann bitte schön. Aber Sie können auch hier ruhig sitzen. Alle fünf oder vier Zeugen, die da sind. Bleiben Sie ruhig mal sitzen. [Pause] Sind vier. [Pause] Wie ist Ihr Name?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Kowal.

 

Vorsitzender Richter:

Kowal. Wie schreiben Sie sich? Wollen Sie mal buchstabieren bitte. Wollen Sie mal Ihren Namen buchstabieren, Herr Kowal.

 

Zeuge Omelan Kowal:

K-O-W, also...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

W, Wilhelm.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, A-L.

 

Vorsitzender Richter:

Kowal. Und mit Vornamen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Omelan. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl. Und Sie sind der Herr Doktor Michael [Szewczuk]? Wer ist das? Sind Sie, bitte schön. Ja. Wie heißen Sie mit Vornamen?

 

Zeuge Michael Szewczuk:

Michael.

 

Vorsitzender Richter:

Michael. [Szewczuk], geschrieben: S-Z-E

 

Zeuge Michael Szewczuk [unterbricht]:

Szewczuk.

 

Vorsitzender Richter:

Szewczuk. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ganz recht. Und Sie sind der Herr Rudolf?

 

Zeuge Rudolf Kauer:

Kauer.

 

Vorsitzender Richter:

Kauer. Und Sie sind der Herr Stuck oder wie das heißt?

 

Verteidiger Steinacker:

Vitošyns'kyj.

 

Zeuge Borys Vitošyns'kyj:

Borys Vitošyns'kyj.

 

Vorsitzender Richter:

Vitošyns'kyj. Da ist also der Herr von Stuttgart nicht erschienen?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Nein. Der ist wohl hier, aber ich kann ihn nicht finden.

 

Verteidiger Steinacker:

Er war hier, ist aber

 

Sprecher (nicht identifiziert) [unterbricht]:

Er war hier.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ist anscheinend in der Mittagspause.

 

Vorsitzender Richter:

Vitošyns'kyj, mit Vornamen?

 

Zeuge Borys Vitošyns'kyj:

Borys.

 

Vorsitzender Richter:

Borys. [...] Ja. Sie sollen hier als Zeuge vernommen werden, und ich mache Sie deshalb meiner Pflicht gemäß auf die Bedeutung und die Wichtigkeit des Eides aufmerksam und verwarne Sie vor den Strafen des Meineids. Halten Sie sich in allen Teilen Ihrer Aussage unbedingt an die Wahrheit. Ihr Eid bezieht sich auch auf die Angaben über Ihre Person. Und nun bitte ich den Herrn Kowal, zunächst hierzubleiben. Die drei übrigen Zeugen bitte ich, zunächst hinauszugehen. Ich rufe Sie einzeln wieder herein. Herr Kowal, Sie können Platz nehmen. Sie heißen mit Vornamen, wie Sie uns bereits gesagt haben, Omelan. Sie sind wie alt?

 

Zeuge Omelan Kowal:

44 Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

Verheiratet?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Verheiratet.

 

Vorsitzender Richter:

Von Beruf?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Geschäftsdirektor.

 

Vorsitzender Richter:

Geschäftsdirektor. Wohnhaft in?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Brüssel.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie verwandt oder verschwägert mit den Angeklagten?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Herr Kowal, kennen Sie den Zeugen Kral, und woher kennen Sie ihn, und was wissen Sie von ihm?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, ich kenne Herrn Oberkapo Kral.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er war in Auschwitz, als ich dahin gekommen bin in 42.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er war Oberkapo vom Kommando Neubau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er war auch schuld an verschiedenen Meutereien mit meinen Kameraden.

 

Vorsitzender Richter:

Meutereien mit Kameraden, wie soll ich das verstehen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Mein Ausdruck ist vielleicht nicht so gut, weil ich die deutsche Sprache schon fast vergessen habe. Ich habe die deutsche Sprache nicht in Gebrauch. Aber wenn ich nicht richtig sage, dann möchte ich es vielleicht in Ukrainisch oder Französisch sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie Russisch sprechen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Russisch verstehe ich, aber ich kann nicht sprechen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie können nicht sprechen. Und Polnisch?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Polnisch, ja, ich kann Polnisch. Wenn ich es nicht auch vergessen habe, weil es ich nicht in Gebrauch habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also Sie sagen, Kral war schuld an Meutereien Ihrer Kameraden. Was verstehen Sie darunter? Was soll er da gemacht haben?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Als Oberkapo hat er meine Kameraden geschlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

So, daß acht von meinen Kameraden, die mit mir gekommen sind, also in drei Monaten tot waren. Auch nicht er selber, aber auch seine Unterkapos und die anderen, die unter seinem Befehl waren.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagen, er selbst hat nicht geschlagen, aber die

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Er selbst hat auch geschlagen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat auch geschlagen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Er und seine Unterkapos?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und dadurch sind innerhalb von drei Monaten acht Menschen gestorben?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Acht Menschen von 24, die zusammen aus dem Gefängnis Krakau gekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch die Brüder Bandera gekannt?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hießen die?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Vasyl Bandera und Oleksa Bandera.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Oleksa? Ja, und was geschah mit ihnen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Also der erste, der tot war, das war eben Vasyl Bandera.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kam das?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Es war also auf dem Kommando Neubau. Wir haben den 2. Block gebaut.

 

Vorsitzender Richter:

Was war das für ein Block?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Der 2. Block in Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Block Nummer 2?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nummer 2, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Nun?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Und er war schon geschwächt von früheren Schlägereien und so weiter. Und dann mußte er die Schubkarren mit Zement und Beton in den ersten Stock transportieren.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie geschah das? Auf einer schiefen Ebene? Mußte er sie raufdrücken oder?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein, mit Schubkarren sollte er. Es waren zwei Bretter...

 

Vorsitzender Richter:

Bretter, ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bretter, so schief.

 

Vorsitzender Richter:

Schiefe Ebene, ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Schief und er mußte also

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hinaufdrücken?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Hinaufschieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er konnte es nicht tun. Und die Unterkapos haben ihn geschlagen. Er ist zu...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zu Boden.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Zu Boden gefallen. Und dort hat [+ man] ihn geschlagen auf dem Boden, Herr Oberkapo Kral war auch dabei. Er hat das also...

 

Vorsitzender Richter:

Geduldet.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er hat das geduldet. Also ich habe auch gesehen, daß er die Häftlinge geschlagen hat mit einer Latte, auf dem ersten Stock.

 

Vorsitzender Richter:

Aber diesen Wassil hat er nicht geschlagen? Das hat er nur

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Das habe ich nicht gesehen persönlich.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er nur zugesehen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Hat er zugesehen. Er hat auch etwas gesagt dabei.

 

Vorsitzender Richter:

Hat auch etwas gesagt dabei. Nun, und was geschah mit dem Wassil?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Also er war, ich glaube, fünf Tage auf dem Kommando Neubau. Wir haben ihn schon zum Lager – also die Kameraden, und ich war auch dabei und habe auch geholfen – transportiert. Er war nicht mehr fähig, zu Fuß ins Lager zu gehen. So daß eines Tages – also es war vielleicht der vierte Tag auf dieser Arbeit – hat er mich gebeten, daß ich mich an diese Personen, die ihn so geschlagen haben, erinnere. Und wenn ich einmal frei bin, daß ich die Wahrheit über diese Schlägerei sage. Also am fünften Tag ist er nicht mehr erschienen, und wir haben erfahren, daß er zum Krankenbau geschleppt wurde und dort also gestorben ist.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie von Hörensagen, von dritter Seite gehört?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, daß tot...

 

Vorsitzender Richter:

Daß er tot wäre.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Wäre, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das war der Wassil, und der andere, das war der

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Und der andere ist

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Doktor

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ein paar Tage später gekommen, weil er aus Rom gekommen ist. Die Gestapo hat ihn aus Rom...

 

Vorsitzender Richter:

Herbeitransportiert?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Herbeitransportiert, jawohl. Und er war auf dem 11. Block. Er war nicht mit uns zusammen, und er hat nicht mit uns gearbeitet. Aber er [ging] denselben Weg. Also nach ein paar Tagen war er auch tot.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und haben Sie da gesehen, daß ihn jemand geschlagen hat?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Das habe ich nicht gesehen. Ich habe ihn bloß gesehen, als er marschierte auf den 11. Block. Wir waren schon auf Appell, während er zum 11. Block marschierte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also Sie haben gesehen, daß ihn die Arbeit außerordentlich drückte, daß sie ihm weh tat und daß er mitmarschiert ist. Und eines Tages haben Sie gesehen oder gehört, daß er tot war?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich habe gehört, daß er tot

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben gehört, daß er tot war. Aber ob ihn jemand geschlagen hat oder gar totgeschlagen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Das habe ich persönlich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht gesehen, nicht gehört.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Aber es gibt Kameraden, die haben das gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben die gesehen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Daß er geschlagen wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Von wem?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Und wie heißen die Kameraden?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ah, die sind in Amerika und Kanada.

 

Vorsitzender Richter:

Aha, so.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich kann die Namen sagen. Ich kenne...

 

Vorsitzender Richter:

Jetzt sagen Sie mal, Sie sind wo geboren?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Ukraine, in West-Ukraine.

 

Vorsitzender Richter:

In der Ukraine. Und zwar wo?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Rechina. Ist bei

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ist es bei Rechow?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Rechow. Ist das Rechow? Ist das...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Rachina.

 

Vorsitzender Richter:

Rachina.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ist in der Nähe von Stanisławów.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ist in der Nähe von Stanisławów. — Tak jest. Stanisławów. Stanisławów.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In der Nähe von Stanisławów.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Stanisławów.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Brüder

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Distrikt, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Bandera, waren das...

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bandera war auch von diesem Kreis.

 

Vorsitzender Richter:

War auch von diesem Kreis. Sie hatten einen Kreis dort?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Wie bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, Sie meinen von diesem Kreis, wo der geboren ist.

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Nein, er ist auch von diesem Kreis, wo ich geboren bin.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Er stammt aus dem gleichen Gebiet.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nachher in Auschwitz haben sich da die Ukrainer zusammengeschlossen zu irgendeinem näheren Klub oder so was?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

W obozie połączyli się Ukraińcy w grupę?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Das haben wir immer versucht, um zusammen zu sein, um uns zu verteidigen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und hatten Sie da besondere Feinde, die Ihnen das Leben besonders schwer gemacht haben?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nachher war es nicht so schlimm wie am Anfang, weil wir schon mehrere waren. Wir waren schon Hunderte.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war es denn, der ihnen das Leben schwergemacht hat dort in Auschwitz?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Also das war im Neubaukommando, nämlich Oberkapo Kral.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun haben Sie uns doch bisher immer nur gesagt, die Unterkapos hätten zwar auch diesen Bandera zum Beispiel geschlagen, der Oberkapo hätte auch mal mitgeschlagen, aber im allgemeinen hätte er sich dazugestellt und hätte es geduldet.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein, er hat auch dazu manche Worte gesagt. Ich erinnere mich nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Er hat auch manche Worte gesagt.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Was für Worte hat er gesagt. Aber ich sage, daß er nicht bloß geduldet hat, aber auch...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Niech pan po polsku mówi.

 

Vorsitzender Richter:

Die Leute noch angestiftet hat.

 

Zeuge Omelan Kowal:

 

Angestiftet, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Noch eine Frage?

 

Richter Perseke:

Eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Richter Perseke:

Wie lange war dieser Vasyl Bandera in dem Neubaukommando? Wie viele Tage oder Wochen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nicht mehr als fünf Tage.

 

Richter Perseke:

Insgesamt fünf Tage.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und der andere?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Und der andere auch nicht länger. Aber der ist ein bißchen später gekommen. Der Wassil war schon tot.

 

Vorsitzender Richter:

Der andere war schon tot. Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wann sind Sie selbst nach Auschwitz gekommen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich bin am 20. Juli 42 nach Auschwitz gekommen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Können Sie sich noch an Ihre Häftlingsnummer erinnern?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Ich habe meine

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja, würden Sie sie bitte angeben.

 

Zeuge Omelan Kowal:

49.730. [...]

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Wo sind Sie dann zunächst untergebracht worden?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nach Mauthausen?

 

Staatsanwalt Vogel:

Nein, ich meine in Auschwitz.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ach, in Auschwitz.

 

Staatsanwalt Vogel:

In welchem Block?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Zuerst war es Block 11. Nachher es war eine Baracke zwischen Krankenhaus und Bekleidungskammer. Ich glaube, es war 23a oder so was. Ich erinnere mich nicht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und sind Sie sofort zu dem Kommando Neubau gekommen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Sofort.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wie lange dort geblieben?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Zwei oder drei Wochen, nicht mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ach insgesamt nur zwei oder drei Wochen

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Zwei oder drei Wochen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Im Kommando Neubau?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nachher bin ich zu einem anderen Kommando.

 

Staatsanwalt Vogel:

Zu welchem Kommando?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Feldscheune Babitz.

 

Staatsanwalt Vogel:

War das in einem Nebenlager?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein, das war in...

 

Staatsanwalt Vogel:

Außenkommando?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Außenkommando, jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Und dieser erste Fall, der Tod von Vasyl Bandera, ereignete der sich in der Zeit, als Sie selbst noch zum Kommando Neubau gehörten?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl, in derselben Zeit.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und der Bruder, [...] starb der auch noch während dieser zwei oder drei Wochen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl, in derselben Zeit.

 

Staatsanwalt Vogel:

Aber von dem zweiten Fall haben Sie selbst überhaupt nicht gesehen, wie er zu Tode gekommen ist?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich habe ihn gesehen, wie er so ganz zerschlagen war und als er marschierte auf den 11. Block.

 

Staatsanwalt Vogel:

Waren Sie damals nicht mehr im Block 11 untergebracht? [...]

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein. Nein, ich glaube, wir waren nicht mehr als zwei Tage im 11. Block, und nachher wurden wir in eine Baracke übergesiedelt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sind Ihnen noch Namen von SS-Angehörigen aus dieser Zeit bekannt? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Czy zna pan jeszcze nazwiska SS-Mannów?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nennen Sie doch ein paar, die Sie noch kennen.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich kenne also Lagerführer Aumeier.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Höß.

 

Vorsitzender Richter:

Höß. Kommandant.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Kommandant Höß. Ich kenne auch Palitzsch. Der war Rapportführer, glaube ich. Und ich kenne auch diese, die hier im Prozeß sind. Nämlich Kaduk [Pause] als Rapportführer, und andere kenne ich nicht näher.

 

Staatsanwalt Kügler:

Können Sie sich an einen namens Stark erinnern von der Politischen Abteilung?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, das habe ich gehört. Aber ich kenne

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Was haben Sie gehört in dem Zusammenhang?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich kann nichts Präzises sagen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie sagten, Sie hätten sich verteidigen müssen, die Ukrainer, dort.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Gegen wen denn, außer Kral?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Also gegen diese, die mit Kral auf Neubau waren, die uns noch kannten. Wenn wir später auf anderen Kommandos waren, waren wir nicht so bekannt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Waren das Deutsche auch, gegen die Sie sich verteidigen mußten unter den Häftlingen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Auch.

 

Staatsanwalt Kügler:

Der besondere Druck, der gegen Sie ausgeübt wurde, kam der von den Polen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Das glaube ich nicht. Oberkapo Kral wurde nicht als Pole betrachtet. [...] Er war Reichsdeutscher, meiner Ansicht nach.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ihrer Erinnerung nach. Gehören Sie heute noch einer Gruppe an, die zu diesem Bandera-Kreis gehört?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, also alle Kameraden, die in Auschwitz waren, sind meine Kameraden geblieben.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, nicht nur von Auschwitz, sondern auch sonst: Sympathisieren Sie mit dieser Gruppe?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Politisch?

 

Staatsanwalt Kügler:

Politisch.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ja, jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Nun, hatten Sie sich auch gegen die SS-Leute zu verteidigen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Auch.

 

Staatsanwalt Kügler:

Auch. Würden Sie mir bitte sagen, wieso Sie gerade dazu kamen, sich an Herrn Rechtsanwalt Doktor Laternser zu wenden? Wie kamen Sie darauf?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich habe nicht...

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe es so verstanden, daß Sie sich an Herrn Rechtsanwalt Doktor Laternser gewandt haben, um hier eine Aussage zu machen.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Weil wir wußten, daß er neben Oberkapo Kral als – wie soll ich das sagen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

[unverständlich] po polsku [unverständlich]

 

Zeuge Omelan Kowal:

Że on się zajmuje znaczy...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Badaniem?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Badaniem świadka.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Tak, jak pan zrozumiałam?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Tak, tak.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Zwróciłem się do obrońcy Laternsera ponieważ wiedziałem, że on zajmuje się badaniem świadka.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Tak jest. Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich habe mich an den Rechtsanwalt Doktor Laternser gewandt, weil ich gewußt habe, daß er sich mit der Befragung des Zeugen Kral beschäftigt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Woher haben Sie das gewußt?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Skąd pan to wiedział?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Aus der Presse. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Aus der Presse in Brüssel?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein, ich war geschäftlich in München. Während dieser Deposition von Kral hier...

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Während der Vernehmung von Kral befand ich mich auf einer Geschäftsreise in München.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und was wollten Sie mit der Aussage erreichen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich wollte bloß die Wahrheit sagen, daß die Zeugen hier waren auch Verbrechenshelfer.

 

Staatsanwalt Kügler:

Alle? Weil Sie sagen: »Die Zeugen«.

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Nicht alle. Nicht, nicht, aber also in den...

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie meinen es speziell auf den Zeugen Kral?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Könnten Sie selbst irgend etwas über die Verbrechen sagen, die den Angeklagten angelastet werden? Insbesondere Kaduk?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein. Ich bin nicht also ihr Verteidiger, im Gegenteil. Aber ich kann nicht etwas zugeben, was bisher schon gesagt wurde.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Pan chce powiedzieć, że pan nie może nic więcej powiedzieć ponad to.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nic więcej.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Co było już tu powiedziane?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Co było już tu powiedziane.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Ich meine es so, daß ich nicht mehr sagen kann als das, was bereits hier ausgesagt wurde.

 

Staatsanwalt Kügler:

Im Hinblick auf die Angeklagten?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

W stosunku do oskarżonych?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

In bezug auf die Angeklagten.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Ich habe keine Fragen mehr.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wie lange waren Sie in Auschwitz, Herr Zeuge?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich war bis Januar 45, also bis zur Lagerevakuierung nach Mauthausen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Welcher Organisation gehören Sie an, welcher ukrainischen? [...] Wie heißt die?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ich widerspreche dieser Frage.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ich widerspreche der Frage.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich wüßte nicht, warum dem zu widersprechen ist, es ist ja immerhin

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Aus dem gleichen Grunde, wie Sie widersprochen haben, wenn wir gefragt haben, ob ein Zeuge der Kommunistischen Partei angehört.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das ist etwas anderes.

 

Verteidiger Erhard:

Nein, das ist genau dasselbe.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hier handelt es sich um eine ukrainische Gruppe, deren Tendenz ganz deutlich und ganz klar bekannt ist und die ganz bestimmte Absichten verfolgt.

 

Verteidiger Eggert:

[unverständlich] Kommunistischen Partei nicht klar sei.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Es hat sich in dem Fall, wo Sie widersprochen haben, darum gehandelt, daß ein Zeuge aus einem Land hinter dem Eisernen Vorhang kam und daß er da gefragt wurde, ob er Kommunist sei. Und darauf ist gesagt worden, es dürfte Ihnen ja bekannt sein, wie dort die Einstellung ist.

 

Verteidiger Eggert:

Und hier handelt es sich um einen Ukrainer, der in Folge politischer Gründe ganz offenbar nicht mehr in der Lage ist, in seiner Heimat zu leben. Auch da dürften die politischen und die äußeren Verhältnisse völlig klar sein, Herr Kollege.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut. Also will der Zeuge Auskunft darüber geben, ob er einer ukrainischen Organisation angehört oder nicht?

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ich habe dieser Frage widersprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Also es ist widersprochen, und es muß darüber entschieden werden.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Dann möchte ich gleich noch eine Frage stellen, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Staatsanwalt, wollten Sie sich?

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich wollte dazu nur sagen, daß der Zeuge ja jedenfalls unter dem Verdacht, der Bandera-Gruppe zuzugehören, in das Lager eingeliefert wurde. Und insofern ist es schon wesentlich, ob man weiß, ob er auch heute noch einer solchen Gruppe angehört. [...]

 

Verteidiger Eggert:

[unverständlich] in das Lager eingeliefert worden seien, weil sie in dem Verdacht standen, Kommunisten zu sein. Ich vermag den Unterschied schlechterdings nicht einzusehen, Herr Staatsanwalt.

 

Vorsitzender Richter:

Also warum sind Sie damals ins Lager gekommen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Aus politischen Gründen.

 

Vorsitzender Richter:

Aus politischen Gründen. Und was hat man Ihnen zur Last gelegt? [...]

 

Dolmetscherin Kapkajew:

[unverständlich] co panu zarzucano?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Es war nach der [Unabhängigkeitserklärung] der Ukraine in Lemberg, 41. [...]

 

Vorsitzender Richter:

1941.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Am 30. Juni. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also Sie wollten wissen, Herr Rechtsanwalt Ormond, welcher politischen ukrainischen Partei der Zeuge angehört.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ganz richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Wir werden über diese Frage nachher entscheiden. Wollen Sie bitte zunächst Ihre weiteren Fragen stellen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Meine nächste Frage ist die: Haben Sie Ansprüche wegen Freiheitsentziehung nach dem Bundesentschädigungsgesetz gestellt? Und haben Sie solche Ansprüche zugesprochen bekommen?

 

Verteidiger Erhard:

Ich widerspreche dieser Frage ebenfalls. Hat mit der Aussage hier gar nichts zu tun.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Oh, ja, das hat sehr wohl damit zu tun. Nämlich ob

 

Verteidiger Erhard [unterbricht]:

Nach meiner Auffassung nicht, deswegen habe ich widersprochen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut. Die Frage geht dahin: Haben Sie Ansprüche gestellt auf Entschädigung wegen Freiheitsentziehung nach dem Bundesentschädigungsgesetz?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Haben Sie eine solche Entschädigung bekommen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Noch nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wo ist Ihr Anspruch anhängig?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Köln.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

In Köln beim Regierungspräsidenten?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Entschädigungsbehörde. Danke. Keine weitere Frage.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, wann haben Sie das erste Mal die drei Herren kennengelernt, die vorhin neben Ihnen hier vor den Schranken des Gerichts standen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Welche drei Herren?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Die drei Herren, die eben vorhin neben Ihnen standen.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bloß zwei.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Nein, neben Ihnen standen drei.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Diesen Deutschen kenne ich nicht gut.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Wer ist der Deutsche? Ich weiß nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Kauer. Rudolf Kauer. Das ist der Deutsche. Dann ist da Doktor Michael Szewczuk.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Den kenne ich.

 

Vorsitzender Richter:

Den kennen Sie. Und der Herr Stutz.

 

Zeuge Omelan Kowal:

Herr Vitošyns'kyj. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ah so, Vitošyns'kyj.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Also seit wann kennen Sie den Herrn Kauer?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Seit heute.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Wo haben Sie ihn kennengelernt?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Hier, also während ich erwartete den Prozeß.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hier vor dem Gerichtssaal?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Und seit wann kennen Sie den Herrn Doktor Szewczuk?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Seit 43.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und woher da?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Auschwitz.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und wo war der Herr Doktor Szewczuk in Auschwitz?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Er war als Arztgehilfe oder so was im Krankenhaus.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In welchem?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Auschwitz.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Meinen Sie im Stammlager?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Stammlager, jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Da war er Häftlingsarzt, oder war er

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Häftlingsarzt, jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Häftlingsarzt, aha. Und wissen Sie, wo der Herr Doktor Szewczuk wohnt?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Er wohnt in Österreich.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In Österreich. Wo da?

 

Zeuge Omelan Kowal:

In Ebensee.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In Ebensee. Und wann haben Sie den Herrn Doktor Szewczuk das letzte Mal hier heute vor diesem Prozeß gesehen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Auch in München.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

In München. Wo da?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Also in dem ukrainischen Verlag, wo er zur Zeit tätig ist. [...]

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Hatten Sie dort geschäftlich zu tun?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Ich bin Repräsentant von diesem Verlag in Belgien.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ach, so.

 

Vorsitzender Richter:

Ist das der Verlag in der Zeppelinstraße 67?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und den anderen, den dritten Herrn, den Herrn Vitošyns'kyj, kennen Sie den auch aus Auschwitz?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Den kenne ich noch von 41.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Den kennen Sie noch von 41. Noch aus Krakau?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Aus Lemberg noch. [...]

 

Nebenklagevertreter Raabe:

War er dann auch in Auschwitz?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Jawohl. Er war mit mir bis zum Ende.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ist er zur gleichen Zeit entlassen worden wie Sie?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Denselben Tag, also 6. Mai 45. Also die amerikanischen Streitkräfte in Ebensee...

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Wann haben Sie diesen Herrn das letzte Mal vor dem heutigen Prozeß gesehen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Ich kann es genau sagen. Es war im März.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Haben Sie sich damals mit diesem Herrn darüber unterhalten, daß in diesem Prozeß vielleicht mal ein Zeuge Kral gehört wird?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Nein, wir haben gesprochen, wir haben nichts Besonderes gefunden.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Was meinen Sie, Sie haben gesprochen?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bitte?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Sie sagten eben, Sie haben gesprochen. Ich habe das nicht verstanden. Worüber, meinen Sie? Haben Sie über den Auschwitz-Prozeß gesprochen?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Co pan ma na myśli? Mówiliście o procesie? O procesie ma pan na myśli mówiliście?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Tak jest.

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Wir haben über den Prozeß gesprochen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja. Und was meinen Sie mit der Äußerung: »Wir haben nichts Besonderes gefunden«?

 

Dolmetscherin Kapkajew:

Co pan miał na myśli?

 

Zeuge Omelan Kowal [unterbricht]:

Also das alles, was hier ausgesagt wurde, [fanden] wir nichts Besonderes. Es war das, was wir schon wußten. [...]

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Und dann sagen Sie: Seit März das nächste Mal, daß Sie ihn gesehen haben, das war erst wieder hier vorm Verhandlungssaal?

 

Zeuge Omelan Kowal:

Bitte?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Sie sagten eben, diese Besprechung, die Sie eben geschildert haben mit dem Zeugen

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

»War und eventuell in welchem, wird zugelassen. 2. Die weiteren Fragen von Rechtsanwalt Raabe, a) ob es sich bei dem Zeugen Kral um einen primitiven Schlä ger oder um einen intelligenten Menschen gehandelt habe, der mit Raffinesse vorgegangen sei, und b) ob der Zeuge es für wahrscheinlich halte, daß Kral – die Wahrheit der Aussage des Zeugen Vitošyns'kyj unterstellt – trotzdem nach Deutschland gekommen wäre, werden nicht zugelassen. Weil die Frage zu a) auf ein Werturteil abzielt und die Frage zu b) keine Frage nach Tatsachen ist.«1

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Die hatte ich zurückgezogen, die letzte Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte? [...]

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich sage: Die letzte Frage hatte ich ja zurückgezogen. Aber es macht ja nichts.

 

Vorsitzender Richter:

So. Das ist mir nicht klar gewesen. Also, da darf ich noch fragen, Herr

 

– Schnitt –

 

 

 

1. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 21.05.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 98, Bl. 372 f.

 

 
 
 
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