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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

58. Verhandlungstag, 22.6.1964

 

Vernehmung des Zeugen Karl Hykes

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren dann seit 37 Mitglied der NSDAP

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Waren bei der Allgemeinen SS Unterscharführer

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und sind nach Auschwitz eingezogen worden zur Waffen-SS. Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Herr Hykes, der Vorsorge [+ halber] mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie das Recht haben, die Aussage zu verweigern, wenn Sie Dinge gefragt werden, durch deren wahrheitsgemäße Beantwortung Sie sich selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen müßten

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, da verzichte ich drauf

 

Vorsitzender Richter:

Ich muß Ihnen das nur sagen und muß Sie darauf hinweisen. Nehmen Sie es ins Protokoll 1 auf. Nun, Herr Hykes, Sie hatten Ihre Grundausbildung in Auschwitz bekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren in dieser Zeit von irgendwelchen Wachdiensten und so weiter freigestellt. Stimmt das

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, also ganz zuerst habe ich Wachdienst gemacht. Also ganz kurz nach meiner Ausbildung

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nach Ihrer Ausbildung. Herr Hykes, sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein Tonband nehmen zur Stärkung des Gedächtnisses des Gerichtes

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Bitte schön

 

Vorsitzender Richter:

Es soll nicht veröffentlicht werden

 

Zeuge Karl Hykes:

Gut, jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Herr Hykes, wann war denn Ihre Ausbildungszeit beendet

 

Zeuge Karl Hykes:

Herr Vorsitzender, da muß ich leider sagen, daß ich diese chronologische Reihenfolge nicht mehr so genau kenne. Es hat ungefähr so acht Wochen gedauert, kann ein Vierteljahr gewesen sein

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Genau weiß ich es nicht. Auf jeden Fall mindestens acht Wochen. Könnte auch ein Vierteljahr gewesen sein. Ich möchte auch sagen, ein Vierteljahr war es vielleicht

 

Vorsitzender Richter:

Und wozu sind Sie dann eingeteilt worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Zuerst war ich kurze Zeit als Begleitposten bei irgendwelchen Häftlingskommandos

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Und dann war ich schon nach sehr kurzer Zeit zur Schreibstube abkommandiert, der 2. Kompanie

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Sie bei der Schreibstube der 2. Kompanie zu tun gehabt

 

Zeuge Karl Hykes:

Nun, da habe ich so Dienstpläne aufgestellt, allgemeiner Schriftwechsel

 

Vorsitzender Richter:

Und hatten Sie auch die Häftlingsgeldverwaltung

 

Zeuge Karl Hykes:

Das war später. Das war später. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also zunächst waren Sie bei der 2. Kompanie und waren kurze Zeit mit Kommandos unterwegs

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie in dieser Zeit gesehen, daß Häftlinge von irgendwelchen SS-Leuten oder von Kapos oder sonstigen Menschen mißhandelt oder gar getötet worden sind

 

Zeuge Karl Hykes:

Bei den Kommandos, die ich gemacht habe, ging es immer ruhig zu, da habe ich das nicht erlebt

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie es nicht erlebt

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein. Nichts

 

Vorsitzender Richter:

Was hatten Sie insbesondere für Arbeitskommandos? Stimmt es, daß Sie bei der Gärtnerei und bei dem Buna-Werk beschäftigt waren

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich Ihnen nicht genau sagen. Es kam willkürlich. [...] Die Wachmannschaften wurden dann vor dem Schutzhaftlager aufgestellt. Und dann, ich weiß nicht, wie das so vor sich ging: Ein Kommando, da wurden eben die Leute aufgerufen, hier die Wachmannschaften, da war immer ein Postenführer dabei. Und dann gingen wir los. Wer das war, das weiß ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Und wie die Kommandos zustande kamen, weiß ich auch nicht

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Nun sind Sie bei der 2. Kompanie in der Schreibstube gewesen und sind dann von der 2. Kompanie versetzt worden, und zwar wohin

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich sagte Ihnen schon, Herr Vorsitzender, ich kann nicht die Reihenfolge sagen. Ich war einmal

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ist es richtig, daß Sie 2. Rechnungsführer in der 1. Kompanie waren

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das wollte ich Ihnen gerade noch sagen. Ich bin also einmal gewesen 2. Rechnungsführer der 1. Kompanie

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich war Schreiber im Bataillon. Ich war Schreiber in der Kommandantur, und ich war als Verwaltungsangestellter nachher in der Häftlingsgeldverwaltung. Wie die Reihenfolge genau war, kann ich nicht mehr genau sagen. Zuletzt war ich jedenfalls in der Häftlingsgeldverwaltung

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie auch in der Verwaltung des Konzentrationslagers

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Ja, da war ich auch

 

Vorsitzender Richter:

Und wo saßen Sie da

 

Zeuge Karl Hykes:

In der Standortkasse. [...]

 

Vorsitzender Richter:

War diese Standortkasse untergebracht in dem Haus der Kommandantur

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, es war das zweite Gebäude. Das erste Gebäude war die Kommandantur, das zweite war wohl die Standortkasse, und dann kam der Sanitätsbau

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kam der Sanitätsbau

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Also daß der Sanitätsbau am Ende lag

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Drei Gebäude waren das

 

Vorsitzender Richter:

Drei Gebäude waren das, richtig. Und Sie waren in dem mittleren

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich war auch mal in der Personalabteilung in der Kommandanturabteilung. Ich war auch mal in der Personalabteilung der Kommandantur. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und das war das zweite Gebäude

 

Zeuge Karl Hykes:

Das war das erste Gebäude

 

Vorsitzender Richter:

Das erste Gebäude

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dann sind Sie bis zur Evakuierung des Lagers in Auschwitz geblieben

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sind Sie zurückgekommen von Auschwitz? Wo sind Sie dann hingekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nach Berlin erst mal

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie sind Sie nach Berlin gekommen? Sind Sie mit diesem Häftlingstransport dorthin gekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Nach Oranienburg

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und an welchem Tag mit welchem Transport sind Sie denn abmarschiert

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich Ihnen nicht genau sagen. Es war, glaube ich, ungefähr der 18. Januar

 

Vorsitzender Richter:

18. Januar. Das wäre der letzte Transport gewesen

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie da als Wachmannschaft beteiligt? Welchen Dienstgrad hatten Sie denn

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich hatte zuletzt Unterscharführer. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie da eingeteilt als Begleitpersonal für diesen

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nicht eingeteilt, also wir gingen da eben mit. Eingeteilt war ich nicht, aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun ja, also ich muß sagen, das ist doch eine militärische Organisation gewesen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, so war das nicht mehr

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie konnten doch dort nicht einfach mitgehen, sondern Sie sind doch befohlen worden irgendwie

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten doch einen bestimmten Befehl

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, darauf kann ich mich gar nicht mehr besinnen, Herr Richter. Wir wurden eben mitgeschickt

 

Vorsitzender Richter:

Na, also beim Militär wird man nicht einfach mitgeschickt

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Doch

 

Vorsitzender Richter:

Sondern da bekommt man seinen bestimmten Auftrag

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, ich kann nicht mal sagen, wer da mein Vorgesetzter war oder was. Wir waren da mehrere und hatten eben die Häftlinge zu begleiten

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wie ist denn nun dieser Abtransport gewesen? Da waren doch sicher sehr viele schwache und elende und kranke und kaum gehfähige Leute dabei

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, auch, jawohl, jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Wie haben die sich denn verhalten bei diesem langen Marsch? Konnten die denn das überstehen, oder sind auch welche zurückgeblieben

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das kann ich auch nicht sagen. Ich hatte da mal eine Situation – ich kann nicht mehr sagen, wo das gewesen ist, in welchem Ort –, da war eine Jüdin, die hatte sich das Bein gebrochen. Und da sollte die irgendwie wohl erschossen werden oder was. Und da habe ich mich noch persönlich dafür eingesetzt, habe ich sie bei einem Bauern eingeliefert und habe gesagt: »Sorgen Sie dafür, daß dieses Mädchen solange hierbleibt«, und das könnte nachgewiesen werden

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Die habe ich bei einem Bauernhof abgeliefert

 

Vorsitzender Richter:

Nun, das war also eine einzelne Frau oder ein Mädchen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Wie ist es denn im allgemeinen gewesen? Sie haben gesagt, die sollte erschossen werden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich weiß nicht, ich vermute das. Ich meine, das war eben..

 

Vorsitzender Richter:

Wie konnten Sie denn so etwas vermuten? War denn da ein solcher Befehl gegeben, oder war das üblich, oder warum haben Sie das

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Na ja, ich würde nicht sagen »üblich«

 

Vorsitzender Richter:

Sind denn Leute erschossen worden bei diesem Rücktransport

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, sehen Sie, auch das habe ich nicht gesehen

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie nicht gesehen. Nun ja. Wer war denn in diesem Kommandanturgebäude, das heißt also in dem ersten Haus, sagten Sie, wer war denn da untergebracht

 

Zeuge Karl Hykes:

Die reine Kommandantur

 

Vorsitzender Richter:

Die Kommandantur, und da wohl noch

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Der Lagerführer Höß. Dann sein Adjutant

 

Vorsitzender Richter:

Wer war das

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das weiß ich auch nicht. Drei Stück hat er gehabt, damals. Ich weiß nicht, wer das war

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie den Adjutanten Mulka gekannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Der war auch mein Kompanieführer

 

Vorsitzender Richter:

Das war Ihr Kompanieführer

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. In der 1. Kompanie

 

Vorsitzender Richter:

Von der 1. Kompanie. Auch in der Zeit, wo er Adjutant war

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das war er später. Adjutant war er später, glaube ich

 

Vorsitzender Richter:

Das war später

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und dann war er Adjutant. Und was hatte er denn als Adjutant zu tun

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das kann ich Ihnen nun wirklich nicht sagen

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wissen Sie etwas darüber, daß zum Beispiel Leute in Auschwitz vergast worden sind

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo geschah denn das

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, in den Krematorien

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo waren die Krematorien

 

Zeuge Karl Hykes:

Die waren in Birkenau

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau. Und war in Auschwitz auch ein Krematorium

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Wo war denn das

 

Zeuge Karl Hykes:

Das waren so drei Gebäude. Und rechts davon war ein kleines Häuschen oder Gebäude, das war das Krematorium

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und sind dort auch Leute vergast worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Das kann ich Ihnen nicht sagen

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Wozu war denn das Krematorium überhaupt da

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, zum Verbrennen der Leichen, der Verstorbenen und so weiter

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zum Verbrennen der Leichen. Wurde es als solches auch bedient und gebraucht

 

Zeuge Karl Hykes:

Vermutlich wohl, ja

 

Vorsitzender Richter:

Vermutlich. Wo waren Sie denn untergebracht, wo haben Sie denn gewohnt in dieser Zeit

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich habe verschieden gewohnt. In der 2. Kompanie war wieder ein anderes Gebäude. Das war früher, glaube ich, eine polnische Kaserne. Da wurden die Bekleidungskammer und was da alles mögliche war, da haben [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wo lag denn das Gebäude? Im Lager

 

Zeuge Karl Hykes:

Im Lager, ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hatte das eine Blockbezeichnung

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, glaube ich nicht. Nein

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie mal dahinten hingehen, da ist eine Karte von dem Lager Auschwitz I. Ganz hinten rechts. [Pause] Wenn Sie sich diese Karte einmal ansehen würden. Da ist in der Mitte ein bläuliches Quadrat oder Rechteck, da soll der Küchenbau sein. Und

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Dies war aber [unverständlich] Schutzhaftlager, ja? [unverständlich] [...]

 

Vorsitzender Richter:

Das ganze ist das Schutzhaftlager I

 

Zeuge Karl Hykes:

Ach so, hier war das Gebäude, jetzt weiß ich Bescheid. Hier war das Krematorium, da waren die Gebäude, jawohl. Ungefähr

 

Vorsitzender Richter:

Jetzt sagen Sie, wo war das Krematorium? Wollen Sie mal drauf zeigen? Das war das Krematorium. Und wo war die Kommandantur, wo Sie drin waren? Da oben

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich war hier drin, ich war auch hier drin, in beiden Gebäuden

 

Vorsitzender Richter:

In beiden Gebäuden waren Sie drin

 

Zeuge Karl Hykes:

Erst hier und dann später hier

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo war der Sitz des Kommandanten und seines Adjutanten

 

Zeuge Karl Hykes:

Der war hier in diesem Gebäude

 

Vorsitzender Richter:

In dem ersten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Da oben, ja? Und haben Sie von dort aus feststellen können, wann Häftlingstransporte angekommen sind? Wo sind denn die Häftlingstransporte angekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, die kamen hier auf der Rampe an. Das sehe ich hier nicht drauf

 

Vorsitzender Richter:

Die ist nicht drauf. War das die Rampe im Auschwitz-Lager I

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, in Birkenau

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Die können Sie nicht da drauf sehen, denn die ist auf der anderen Karte drauf, auf der linken Karte, wo Birkenau ist. Wollen Sie mal da rübergehen an die andere Karte? Kennen Sie auch das Lager Birkenau

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn Sie da mal sehen wollten: Links ist ein gelber Strich, das soll die Rampe sein. [...]

 

Zeuge Karl Hykes:

Aha, dies hier

 

Vorsitzender Richter:

Das da oben drauf, ja. Würden Sie mal sagen, ob Sie diese Rampe kennen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, kenne ich

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kennen Sie die Rampe

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich habe doch da Dienst gemacht. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar Dienst gemacht als was

 

Zeuge Karl Hykes:

Bei der Geldverwaltung. Da wurden wir abkommandiert, da mußten wir eben [...] das Gepäck und die Effekten, was die so hatten, verladen. Und das wurde dann in den, wie heißt denn das [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

»Kanada«

 

Zeuge Karl Hykes:

»Kanada«

 

Vorsitzender Richter:

Wo lag denn das, »Kanada«? Können Sie uns das auf der Karte mal zeigen

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich nicht so genau sagen. [Pause] Muß so links hoch gewesen sein – aber wo? [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn Sie die Rampe entlang fahren, da sehen Sie oben, links und rechts, zwei Gebäude mit grünen Bäumen oder so was drum herum

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl, ja

 

Vorsitzender Richter:

Was waren das für Gebäude

 

Zeuge Karl Hykes:

Krematorien

 

Vorsitzender Richter:

Das waren Krematorien

 

Zeuge Karl Hykes:

Da auch, jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Rechts da oben die beiden Gebäude, waren das auch Krematorien

 

Zeuge Karl Hykes:

Diese hier? Ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und zwischen diesen beiden Teilen der Krematorien, da sehen Sie so eine Anzahl von Blöcken. Was war denn das

 

Zeuge Karl Hykes:

Das kann ich so nicht sagen. Ich möchte mal fragen: Wo war überhaupt der Eingang vom Lager Birkenau

 

Vorsitzender Richter:

Da war der Eingang

 

Zeuge Karl Hykes:

Ach so. Das weiß ich nicht, was das war

 

Vorsitzender Richter:

Wo war denn das Lager »Kanada«, wo Sie die Sachen abliefern mußten

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich Ihnen auch nicht sagen

 

Vorsitzender Richter:

Nun, war das unten am Tor, oder war das

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nein, nein, nein. Das weiß ich leider nicht. Ist nicht hier verzeichnet irgendwo, »Kanada«? Aber das weiß ich nicht. Kenne ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie nie in »Kanada« gewesen

 

Zeuge Karl Hykes:

Doch, schon, gewesen auch, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sind Sie denn da hingekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Man konnte sich hier in Birkenau sogar verlaufen. Wenn Nebel war, habe ich mich sogar verlaufen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sich im Nebel verlaufen

 

Zeuge Karl Hykes:

Oft, ja, wenn ich Posten hatte

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Dann nehmen Sie mal bitte wieder Platz. Sie sind also auf der Rampe gewesen, wenn Transporte ankamen. In welcher Zeit war denn das, wo Sie da dort waren

 

Zeuge Karl Hykes:

Das war 44

 

Vorsitzender Richter:

1944

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Kamen da sehr häufig Transporte an

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch erlebt, wie die sogenannten Ungarn-Transporte

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja. Auch, ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch erlebt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie ging denn das nun vor sich? Die Züge liefen ein. Wer hat Sie denn benachrichtigt, daß Sie dort hinausgehen sollten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das war dann der Schreiber der Häftlingsgeldverwaltung, das war Herr Winter, Unterscharführer Winter. Der hat eben eingeteilt: »Jetzt kommt ein Transport, da müssen wir Dienst machen.«

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wußte denn der Winter, daß da Transporte kamen

 

Zeuge Karl Hykes:

Das weiß ich auch nicht. Der war ja in der Schreibstube. [...] Das war so der Schreiber der Häftlingsgeldverwaltung. [...] Ja, also der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und war diese Schreibstube im selben Haus wie die Kommandantur

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, im zweiten Gebäude

 

Vorsitzender Richter:

Im zweiten Gebäude. Und was war denn in dem zweiten Gebäude noch mehr drin

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, da war die Standortkasse, wo ich zuerst gewesen bin. Dann war der Burger. Das war der Verwaltungsführer, der Chef

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß der? Burger

 

Zeuge Karl Hykes:

Sturmbannführer Burger. Der war der Verwaltungsführer. Und dann war der Stellvertreter. Das war, glaube ich, Obersturmführer Polenz. Und Herr Zöbisch, der Spieß von der Verwaltung. Langer, der war Kassenleiter

 

Vorsitzender Richter:

War denn außer der Kasse noch etwas anderes in diesem Haus drin

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, unten die Geldverwaltung. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und sonst noch etwas? War das also nur für Geldverwaltung, Kassenverwaltung, Häftlingskassenverwaltung bestimmt, das Gebäude? Sonst war nichts drin

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich wüßte nicht im Moment. Vielleicht..

 

Vorsitzender Richter:

War also insbesondere von der Politischen Abteilung nichts drin

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, die war ja auf der anderen Seite. Das war eine Baracke

 

Vorsitzender Richter:

Das war eine Baracke

 

Zeuge Karl Hykes:

Ach, warten Sie mal. Nein. Irgendwo war eine Schreibstube der Politischen Abteilung. Ich kann nicht genau sagen, wo das war, ob das in der Kommandantur war oder was, wo die Mädchen die ganzen Karteien geführt haben. Das waren Jüdinnen. Ich kann aber im Moment nicht genau sagen, wo das gewesen ist, aber..

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind also zur Rampe kommandiert worden und sollten dort die Effekten in Empfang nehmen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Hat man Ihnen auch etwas gesagt, ob die Effekten von Ärzten und Sanitätspersonal besonders in Empfang genommen werden sollten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Es wurde auch beim Ankommen der Transporte auf Ärzte, Krankenschwestern immer Wert gelegt, die sollten sich dann melden. Das war auch bekannt

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah denn mit deren Gepäck

 

Zeuge Karl Hykes:

Mit den Ärzten

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das Gepäck der Ärzte und des Sanitätspersonals. Was geschah denn damit

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das wurde ja alles in »Kanada« gemacht, verwaltet

 

Vorsitzender Richter:

Das wurde in »Kanada« gemacht

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

War es nicht so, daß das gesondert abgefahren wurde von irgendeinem Sanitätsdienstgrad oder einem Arzt oder einem..

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, da waren laufend Lastwagen dabei, die das Gepäck eben abgeholt haben

 

Vorsitzender Richter:

Und wurde das gesondert abtransportiert, dieses Gepäck der Ärzte

 

Zeuge Karl Hykes:

Das kann ich gar nicht sagen. Das weiß ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Was hatten Sie denn zu machen dabei

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, wir hatten aufzupassen, daß eben das Gepäck aufgeladen wurde und weggeschafft wurde

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar alles nach »Kanada«

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und die Ärzte und das Sanitätspersonal, die konnten ihr Gepäck auch nicht mitnehmen? Also daß ihnen das gelassen wurde

 

Zeuge Karl Hykes:

Von den Häftlingen

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Die ankommenden Transporte, von den ankommenden Leuten

 

Zeuge Karl Hykes:

Das kann ich nicht so genau sagen. Ich vermute, daß also, wenn Ärzte dabei waren, daß die schon von den Kommandos – da war an der Spitze immer ein Führer dabei, auch ein Arzt war dabei und Rapportführer oder irgendwie Blockführer. Und die haben dann das alles eben in die Wege geleitet

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagten, an der Spitze, da war ein Arzt dabei und Blockführer

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Waren vielleicht auch zwei Ärzte, weiß ich nicht genau. Es waren immer mehrere, jedenfalls waren ein paar Führer immer dabei

 

Vorsitzender Richter:

Ein paar Führer dabei. Sie

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja. Blockführer auch

 

Vorsitzender Richter:

Blockführer auch. Und was noch? Rapportführer, sagten Sie

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja nun, also Rapportführer, Blockführer ist für mich dasselbe gewesen. Ich wußte den Unterschied nicht

 

Vorsitzender Richter:

Na, also wenn das die Häftlinge nicht gewußt haben, dann kann man das denen nicht übelnehmen. Aber als SS-Mann und Unterscharführer mußten Sie das doch eigentlich wissen

 

Zeuge Karl Hykes:

Wieso? [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, weil Sie doch darin ausgebildet worden sind. Sie haben doch Instruktionen bekommen

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Na ja. Rapportführer war eben ein höherer Dienstgrad als der Blockführer. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Blockführer, war das ein höherer Dienstgrad

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, der Rapportführer

 

Vorsitzender Richter:

Der Rapportführer war ein höherer Dienstgrad

 

Zeuge Karl Hykes:

Palitzsch zum Beispiel – ich habe den Namen zum Beispiel gehört –, das war ein Rapportführer. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Haben Sie auch den Angeklagten Kaduk gekannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Vom Ansehen, aber nur vom Ansehen. Er wird mich bestimmt auch nicht kennen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was war denn der

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, der war eben Schutzhaftlagerführer, Blockführer

 

Vorsitzender Richter:

Schutzhaftlagerführer und Blockführer. Na ja. Und was haben Sie von ihm erlebt, von dem Kaduk

 

Zeuge Karl Hykes:

Gar nichts. Nur das, was ich gehört habe, was ich in der Presse jetzt gelesen habe. Ich habe den Prozeß etwas verfolgt

 

Vorsitzender Richter:

Moment. Was haben Sie verfolgt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich habe den Prozeß hier in der Presse verfolgt

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also das interessiert uns weniger, das wissen wir selbst, was da passiert ist. Was wissen Sie aus der damaligen Zeit

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, Herr Vorsitzender, da habe ich nur eben, wie gesagt, die Bestätigung gefunden, was ich so gehört habe. Gesehen, kenne ich Kaduk

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und was hatten Sie gehört

 

Zeuge Karl Hykes:

Nun ja, was eben in der Presse so gestanden hat, daß er eben sehr hart war und so weiter

 

Vorsitzender Richter:

Daß er irgendwie hart war

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, also sehr energisch

 

Vorsitzender Richter:

Sehr energisch

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Also an und für sich ist energisch sein ja noch nichts Schlimmes

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Sie haben etwas ganz anderes bei Ihrer früheren Vernehmung 2 gesagt von dem Kaduk, am 14. September 1962, als Sie in Wolfenbüttel vernommen worden sind. Da haben Sie gesagt, Sie wüßten, daß er einen sehr üblen Ruf gehabt habe. 3

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das, ja, ich sagte ja schon

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Das habe ich nur gehört. Und das habe ich eben, wie gesagt, in der Presse auch wieder bestätigt gefunden. Aber sonst kenne ich Herr Kaduk in seiner..

 

Vorsitzender Richter:

Und worin bestand denn der üble Ruf? Was hat man ihm denn nachgesagt

 

Zeuge Karl Hykes:

Na, daß er eben auch mißhandelt hat und so weiter oder geschlagen hat

 

Vorsitzender Richter:

Daß er eben auch mißhandelt hat? Geschlagen hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch gehört, daß er mal einen totgeschlagen hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie nie gehört

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, nie

 

Vorsitzender Richter:

Nun, kannten Sie von der Politischen Abteilung den Angeklagten Boger

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

War der im selben Haus oder in einem anderen Haus tätig

 

Zeuge Karl Hykes:

In der Baracke. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatte er denn für eine Aufgabe? Was haben Sie von ihm gehört

 

Zeuge Karl Hykes:

Auch nur, daß er wieder sehr energisch war, sehr dienstlich und so weiter

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Und daß er wohl ein bißchen gefürchtet war

 

Vorsitzender Richter:

Daß er ein bißchen gefürchtet war

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar von wem

 

Zeuge Karl Hykes:

Von wem? Ich glaube, auch von SS-Männern

 

Vorsitzender Richter:

Auch von den SS-Männern, ja? Und warum

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich möchte ein Beispiel anführen: Wenn ich zum Beispiel einem Juden etwas gegeben hätte, irgendwie Brot, irgend etwas, ich glaube, dann hätte mich Herr Boger auch zur Rechenschaft gezogen. Also ich meine, er war eben..

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie sagten, wenn er herausbekommen hätte, daß Sie irgendeinen Kontakt mit den Häftlingen gehabt hätten, dann wäre er für Sie auch gefährlich geworden, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie sonst von dem Angeklagten Boger, ob er sich beteiligt hat an irgendwelchen Schlägereien

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das weiß ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Daß er die Leute geschlagen hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das weiß ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Nun, warum war er denn dann so gefürchtet und so gefährlich

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. [Pause] [...] Wie soll ich das erklären, Herr Vorsitzender? Ich habe meinen Dienst gehabt, büromäßig, wie das heute in der Verwaltung auch ist, ich ging morgens hin, machte meinen Mittag und machte meinen Dienstschluß. Und ich habe sonst keinen Kontakt gehabt mit den Diensteigenschaften, die Herr Boger hatte

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Habe da keinen Einblick drin gehabt

 

Vorsitzender Richter:

Nun ist doch sicher in diesem Lager auch gesprochen worden, und zwar unter Kameraden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und dann hatten Sie doch zweifellos auch Häftlinge auf der Schreibstube, die da Dienst tun mußten. Und da wird doch auch das eine oder das andere einmal besprochen. Ist da nichts einmal besprochen worden, was sich auf den Angeklagten Boger bezogen hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein. Nichts, gar nichts

 

Vorsitzender Richter:

Denn Sie haben seinerzeit ausgesagt: »Er war für die SS-Leute fast genauso gefährlich wie für die Häftlinge.« 4 [...]

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun frage ich Sie, was soll denn das heißen: »genauso gefährlich«? Sehen Sie mal, weder bei Broad noch bei anderen Leuten haben Sie gesagt, daß sie gefährlich gewesen seien. Aber der Boger, der war nun gerade sehr gefährlich, und da haben Sie gar nichts Näheres von ihm gehört

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Nun, kannten Sie auch den Angeklagten Broad

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl. Kenne ich

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar von Ihrer Tätigkeit bei der 1. Kompanie

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war er denn tätig

 

Zeuge Karl Hykes:

Der war in der Politischen Abteilung als Dolmetscher, glaube ich. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und hat er dort auch Vernehmungen durchgeführt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Das glaube ich wohl, ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo war er dann später

 

Zeuge Karl Hykes:

Im Zigeunerlager

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie das

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich habe ihn besucht. Mit Herrn Broad war ich persönlich bekannt. [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie haben einen persönlichen Kontakt mit ihm gehabt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Und war er auch auf der Rampe tätig

 

Zeuge Karl Hykes:

Das weiß ich nicht, glaube ich nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das wissen Sie nicht

 

Zeuge Karl Hykes:

Wüßte ich auch nicht

 

Vorsitzender Richter:

Dienstlich sind Sie mit ihm nicht in Berührung gekommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, gar nicht

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie etwas davon, daß er bei irgendwelchen Erschießungen oder sonstigen Tötungen beteiligt war

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nein, das weiß ich nicht. Und das habe ich auch nie gehört, auch privat nicht. Das wüßte ich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie etwas über die Tätigkeit des Angeklagten Dylewski sagen

 

Zeuge Karl Hykes:

Kenne ich auch nur vom Ansehen, kaum privat. Er war auch in der Politischen Abteilung. Und ich glaube, er war auch früher in der 2. Kompanie. Da war er mein Ausbilder, oder irgendwie damit hat er zu tun gehabt

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie mal, haben Sie den Angeklagten Klehr gekannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Klehr. Ja, da muß ich sagen, da habe ich Äußerungen gemacht, die muß ich heute widerrufen. Denn ich habe bei meiner letzten Vernehmung 5 gesagt, ich habe einen Mann gekannt, der mit der Gasmaske da im Lager rumgefahren ist. Aber als ich dann Bilder in der Zeitung gesehen habe, da war es nicht der Herr Klehr, den ich gemeint habe. Ich suche ihn, wo er ist. Ich habe ihn nicht wiedererkannt

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, dann stehen Sie mal auf, Klehr. Das ist er

 

Zeuge Karl Hykes:

Da sollte ich festgelegt werden und so weiter. Also nein, ich kann mich nicht entsinnen, daß er das war

 

Vorsitzender Richter:

Nicht so

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich möchte fast sagen, es war ein einfacher Bursche, den ich da gemeint habe

 

Vorsitzender Richter:

Ist das kein einfacher Bursche in ihren Augen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nun ja, auf den Bildern sah er mir ziemlich intelligent und auch gut aus. Und den Eindruck habe ich nicht gehabt von dem, den ich da gemeint habe

 

Vorsitzender Richter:

So. Na ja, dann nehmen Sie wieder Platz

 

Zeuge Karl Hykes:

Auch Braunschweiger, ich kenne ihn aber nicht. 6

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie den Angeklagten Mulka und den Angeklagten Höcker ab und zu auch mal auf der Rampe gesehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich nicht behaupten

 

Vorsitzender Richter:

Nein

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Ihr Gedächtnis scheint seit 1962 sehr stark nachgelassen zu haben

 

Zeuge Karl Hykes:

Herr Vorsitzender, das ist auch in der Gegenwart so, leider

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sehen Sie mal, Sie haben damals gesagt, erstens bezüglich des Angeklagten Klehr: »Bei den Vergasungen war Klehr auch dabei. Ich meine mich erinnern zu können, daß er mit Büchsen umhergerannt ist. Auf jeden Fall wußte man, daß er damit zu tun hatte.« 7

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

»Man«. »Man« wußte es

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich sagte Ihnen ja schon: Jetzt sehe ich den Herrn Klehr hier, aber ob er das war

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wenn »man« wußte, daß der Klehr bei Vergasungen zu tun hatte

 

Zeuge Karl Hykes:

Na, Herr Vorsitzender, ich muß mich da berichtigen. Ich kann jetzt nicht sagen: der Klehr. Den Mann, den ich gemeint habe, den ich da immer mit dem Rad auf

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, wie hat man Ihnen denn den Mann geschildert, den Sie gemeint haben? Man konnte Ihnen ja nicht jedesmal eine Fotografie vorzeigen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, nun gar nicht

 

Vorsitzender Richter:

Nein

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich sage, ich kannte nur einen Mann – ich weiß nicht mal, ob er Klehr geheißen hat –, der immer mit der Büchse da auf dem Buckel rumrannte und dann zum Lager fuhr. Da wußte man dann: Aha, der hat damit zu tun

 

Vorsitzender Richter:

Nun, und dann haben Sie bezüglich der beiden Angeklagten Mulka und Höcker gesagt, Vorhalt aus der Vernehmung vom 14. September 1962, Blatt 13.504: »Wenn mir zur Kenntnis gebracht wird, daß der Angeschuldigte Baer als letzter Kommandant und die Angeschuldigten Mulka und Höcker als Adjutanten der Kommandanten sich dahin einlassen, Sie hätten mit dem Betrieb auf der Rampe nichts zu tun gehabt, so betrachte ich diese Darstellung als lächerlich. Ich möchte mich eigentlich noch deutlicher ausdrücken.« 8

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das muß ich sagen, dazu stehe ich auch heute noch. Ein Führer

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, und warum

 

Zeuge Karl Hykes:

Weil die ganzen SS-Führer immer dabei waren

 

Vorsitzender Richter:

Die ganzen SS-Führer waren immer dabei

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, sicher, jeder. Die wurden immer abkommandiert

 

Vorsitzender Richter:

»Alle diese Leute haben nicht nur eingeteilt, sondern haben sich auch persönlich davon überzeugt, daß der Betrieb klappte.« 9

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, all das möchte ich auch heute noch behaupten

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn die Angeklagten Mulka und Höcker auf der Rampe gesehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, da kann ich mich auch nicht darauf besinnen. Ich kenne auch Herrn Höcker nicht im Moment

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, also den Angeklagten Mulka kennen Sie ja, nicht

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Den kenne ich. Jawohl, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagen, auf der Rampe haben Sie ihn aber nicht gesehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, auch Herrn Höcker nicht

 

Vorsitzender Richter:

Auch den Herrn Höcker nicht. [Pause] Dann haben Sie gesagt: »Es ist für mich aber sicher, daß die Vorgenannten alle auf der Rampe in Birkenau gewesen sind. Das kann ich mit gutem Gewissen behaupten.« 10

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl, das behaupte ich auch heute noch. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Sie sind 47 von Dachau durch die Amerikaner nach Polen ausgeliefert worden? Und sind in Krakau zu acht Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar warum

 

Zeuge Karl Hykes:

Wegen Zugehörigkeit zur Waffen-SS und zur Allgemeinen SS. Mir wurde nichts zur Last gelegt

 

Vorsitzender Richter:

Und Dienst im Konzentrationslager

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Ich habe dann mehrere sogenannte Bühnenschauen mitgemacht – in Frankreich, in Polen, auch in Dachau –, wo dann die Häftlinge waren, wo wir auf die Bühne treten mußten, Dienstgrad nennen, Dienststellung. Da waren sehr viele Häftlinge dabei, die ich gekannt habe. Es ist keiner dagewesen, der etwas gegen mich vorgebracht hat

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sind 54 wieder in die Bundesrepublik, hierher, zurückgekehrt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Apotheker Doktor Capesius gekannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Vom Ansehen. Es war ein Schwarzer, ich glaube, ein Rumäne. Ich suche auch, wo er ist. Nur vom Ansehen. Also wie gesagt, die Leute kennen mich auch alle nicht. Ich glaube, da sitzt er. Nur vom Ansehen

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wenn Sie ihn nur gesehen haben, wieso wußten Sie dann, daß er aus Rumänien stammt

 

Zeuge Karl Hykes:

Das hat man gehört. In unserer Kompanie waren ja auch Rumänen dabei. Auch schon der Name, der sagte mir das

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie gesehen, daß er auf der Rampe war

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, habe ich auch nicht gesehen

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie gesehen oder gehört, daß er irgendwie dieses Gas verwaltet hat oder daß er Phenol verwaltet hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das habe ich auch nicht gesehen. Nein, absolut nicht

 

Vorsitzender Richter:

Nun, sagen Sie, wenn so ein Transport angekommen ist, wie sind die Leute denn da eingeteilt worden? Wie geschah denn das, was ging denn da vor sich? Die Leute, die wußten doch gar nichts. Die wurden also zunächst wohl aufgefordert, aus den Waggons auszusteigen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Aber erst mal hatte immer eine Kompanie Dienst. Die stellten sich da auf, Postenkette, wurden verteilt. Dann kamen wir von der Geldverwaltung, die eben auf die Effekten achten mußten, und dann der übrige Stab: Führer, Blockführer und Sanitäter und Ärzte. Und das war dann so die Sache

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Doktor Lucas mal auf der Rampe gesehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, ich kenne ihn auch gar nicht. Nie den Namen gehört

 

Vorsitzender Richter:

Kennen ihn auch gar nicht. Nun sind also die Leute ausgestiegen gewesen. Wer hat denn nun die weiteren Befehle gegeben, was die Menschen tun sollten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, da war erstens mal ein großes Häftlingskommando. Die das wohl mehr oder weniger gemacht haben, waren selbst Häftlinge, so ein Kommando. Die haben dann die Leute eben aufteilen lassen: »Und ihr geht da runter«, und dann wurden die eben geteilt. Ein Teil

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, »Ihr geht da runter«. Wer, »Ihr geht da runter«

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das hat ja die Spitze entschieden. Da wußte ich genau, ein Teil machte seinen letzten Weg zum Krematorium

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Das wußten wir auch

 

Vorsitzender Richter:

Und wer bestimmte das, die Spitze

 

Zeuge Karl Hykes:

Das waren die Führer, die Ärzte

 

Vorsitzender Richter:

Die Ärzte. Und die anderen, die nun dabei waren bei der Spitze, haben die auch irgendwelche Anweisungen getätigt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, sehen Sie, an der Spitze, da hatte ich nichts mit zu tun. Da habe ich mich auch gar nicht aufgehalten, und da habe ich auch keinen Einfluß gehabt oder irgendwie gehört und gesehen, was da los war und wer das bestimmt hat

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie mal: Wenn Kinder mitgekommen sind, was geschah denn mit denen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, die wurden dann auch wahrscheinlich mit vergast

 

Vorsitzender Richter:

Die wurden wahrscheinlich mit vergast, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Vermute ich, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wußten denn die Kinder, daß sie zu der Gruppe gehen sollten, die zur Vergasung bestimmt war

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich sagte es ja, da war eine Spitze, die eingeteilt hat: »Geht da runter!« Es ging alles in ziemlichem Tempo und auch nicht gerade sehr freundlich zu. Und dann wurden sie, kann man sagen, fast gejagt, hier- und dahin

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat die Entscheidung nun getroffen, wo die einzelnen Leute hingehen sollten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das, möchte ich sagen, waren wohl die Ärzte und die Führer und, wie gesagt, die Blockführer, die da vorne waren. Wer nun den meisten Einfluß hatte oder wer da was zu sagen hatte, kann ich Ihnen auch nicht sagen

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie auch beobachtet, daß die Lagerkommandanten bei den Selektionen persönlich auf der Rampe waren

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, die sind auch dagewesen

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Baer zum Beispiel persönlich gesehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, also behaupten kann ich es nicht. Ich möchte aber wohl annehmen. Die waren alle mal da, mehr oder weniger. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich habe ja auch nur, wie gesagt, im letzten Jahr Dienst auf der Rampe gemacht, vorher überhaupt nicht. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, gerade im letzten Jahr, da waren doch die Transporte am häufigsten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Angeklagten Mulka überhaupt nicht näher gekannt, obwohl er Ihr Kompaniechef war

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein. Ich glaube nicht. Ich glaube auch, Herr Mulka kennt mich nicht

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das ist schon eher der Fall gewesen. Aber er war doch schließlich Ihr Kompaniechef

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja, ich kenne ihn. Ich habe ihn an sich nur als guten Kompanieführer kennengelernt

 

Vorsitzender Richter:

Hat dieser Kompaniechef Ihnen auch ab und zu mal einen Kompaniebefehl gegeben, oder war das

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nein, ich war ja damals abkommandiert schon

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und trotzdem gehörten Sie aber noch zur Kompanie, nicht

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und nun ist es ja so, beim Militär wenigstens, üblich gewesen, daß da jeden Tag ein Kompaniebefehl herauskam

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und der wurde dann ausgehängt sogar. Ja, wenn Sie nicht dabei waren beim Appell, mußten Sie sich ja wenigstens den Kompaniebefehl nachher ansehen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja. Ja, ja

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Ist da auch drin bestimmt worden, wer was zu tun hatte, wer zum Beispiel Wachdienst auf der Rampe hatte

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das wurde bestimmt. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Auf Dienstplänen

 

Vorsitzender Richter:

Dienstplänen

 

Zeuge Karl Hykes:

Wachkommando oder Hauptwache und so weiter

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wenn zum Beispiel die Kompanie dran war, dieses Wachpersonal zu stellen für die Rampe, das war doch wohl auch da drin, in dem Dienstplan

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das kann ich Ihnen auch wieder nicht sagen, wie das damals gewesen ist. Ich sagte ja, ich bin morgens angetreten, und dann war ich schon gleich wieder weg. Ich hatte mit dem Dienstbetrieb der Kompanie gar nichts zu tun

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Wissen Sie, ein Soldat, der noch in einer Kompanie drin ist, der weiß, was für ein Dienstplan aufgestellt ist

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Das wußte ich auch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das muß er nämlich wissen. Wenn er es nämlich nicht weiß, dann wird er die Folgen davon spüren

 

Zeuge Karl Hykes:

Das wußte ich auch, ja

 

Vorsitzender Richter:

Also müßten Sie deshalb das ja auch alles gesehen haben. Nun ja, darüber wissen Sie nichts mehr. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Noch Fragen? Seitens des Gerichts? Nicht mehr. Von seiten der Staatsanwaltschaft

 

Staatsanwalt Kügler:

Als Sie seinerzeit in der Kompanie waren, sind damals Freiwillige für Exekutionskommandos gesucht worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das glaube ich schon

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Wie ging das vor sich

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, wie ging das vor sich

 

Staatsanwalt Kügler:

Wer hat das gefragt, der Spieß oder der Kompanieführer

 

Zeuge Karl Hykes:

Der Spieß. Der Spieß. Ich kann mich an einen Spieß entsinnen, Jochum. Der war damals Spieß

 

Staatsanwalt Kügler:

Können Sie sich auch noch an einen Spieß namens Nebbe erinnern

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Haben Sie von dem auch dergleichen in Erinnerung

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, der war ja Kompanieführer bei der Kommandantur

 

Staatsanwalt Kügler:

Er war beim Bataillon, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, Kommandantur

 

Staatsanwalt Kügler:

Bei der Kommandantur. Nun, sagen Sie, als Sie seinerzeit 1944 auf der Rampe waren, um diese Effekten da einzusammeln, hatten Sie da vorher einen bestimmten Auftrag erhalten, der auch einen rechtlichen Inhalt hatte? Also daß man Ihnen gesagt hat etwa: »Die Effekten der Juden sind dem Staat verfallen und werden deshalb aufgesammelt«

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, so etwas nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Haben Sie etwas mit dem Abtransport der Effekten zu tun gehabt

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein. Die wurden auf den Wagen geladen, dann fuhren die nach »Kanada« hin. Und damit waren die für uns weg

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Hatten Sie also lediglich die Aufgabe, da aufzupassen, daß das

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, Gepäck aufgeladen wurde

 

Staatsanwalt Kügler:

Und mit dem Sortieren und dem Verschicken der Effekten später, hatten Sie da etwas zu tun

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Hatten Sie nichts zu tun. Nun, können Sie sich vielleicht daran erinnern, daß es in Birkenau noch einen Kommandanten namens Kramer gab

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. War der auch auf der Rampe

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, vermutlich. Wie gesagt, ich sagte Ihnen ja: Jeder Führer war auf der Rampe

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, jeder Führer war auf der Rampe

 

Zeuge Karl Hykes:

Möchte ich annehmen

 

Staatsanwalt Kügler:

Hat das Lager Birkenau eine eigene Verwaltung gehabt

 

Zeuge Karl Hykes:

Das weiß ich nicht mehr, glaube ich nicht. Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Die Verwaltung des Gesamtkomplexes saß

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, ja, ja, gleich vorne

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun sagten Sie, die Effekten seien mit Lastwagen abgefahren worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Können Sie sich auch daran erinnern, ob Häftlinge, also Leute aus den Transporten, mit Lastkraftwagen abgefahren worden sind

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, auch

 

Staatsanwalt Kügler:

Wo sind denn diese Lastkraftwagen hingefahren

 

Zeuge Karl Hykes:

Das weiß ich eben nicht. Ins Lager oder ins Krematorium, das weiß ich nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Ins Lager oder ins Krematorium

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Vermute ich, ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Wenn Sie versuchen, Ihre Erinnerung etwas anzustrengen und aufzufrischen, nämlich Ihre Erinnerung daran, was für Personen auf die Lastkraftwagen kamen, können Sie uns da etwas sagen? Waren das junge Leute, sogenannte Arbeitsfähige, oder waren das Ältere mit den Kindern

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Wahrscheinlich meistens die, die nicht gehen konnten. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Und was geschah denn mit denen, die nicht gehen konnten? Kamen die ins Lager, oder wurden die ins Gas geschickt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das weiß ich nicht. Ich habe ein Krematorium niemals von innen gesehen

 

Staatsanwalt Kügler:

Gewiß. Ich meine, wenn Sie auf der Rampe waren, Herr Hykes, da hat man doch gewußt, was mit den Leuten passierte

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, gewußt schon, vom Hörensagen

 

Staatsanwalt Kügler:

Gut, also vom Hörensagen meinen Sie, daß diese Leute, die nicht gehen konnten, ins Gas gekommen sind

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun, haben Sie eine Erinnerung daran, wo die Fahrbereitschaft untergebracht war

 

Zeuge Karl Hykes:

Die Fahrbereitschaft, die war untergebracht gegenüber dem Hauptlager

 

Staatsanwalt Kügler:

Also gegenüber dem sogenannten Stammlager

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja, ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Wenn Sie sich mit dem Rücken zum Krematorium, wollen wir sagen, auf den Weg stellen, der zwischen dem alten Krematorium und dem SS-Revier durchläuft, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie wissen, welchen Weg ich meine

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja, ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Wenn Sie sich mit dem Rücken zu diesen beiden Gebäuden hinstellen, wo war dann die Fahrbereitschaft

 

Zeuge Karl Hykes:

Wohl direkt vor mir

 

Staatsanwalt Kügler:

Direkt vor Ihnen. Sie haben direkt auf die Fahrbereitschaft

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Und links war, glaube ich, das Gärtnerkommando oder irgend so was Ähnliches da

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Ist Ihnen etwas davon bekannt, ob es im Lager Birkenau eine eigene Fahrbereitschaft gegeben hat

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das weiß ich nicht. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Davon ist Ihnen nichts bekannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie denn, wer der Leiter dieser Fahrbereitschaft war, der Fahrdienstleiter? [Pause] Sagt Ihnen ein

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nein. Wenn ich den Namen höre, vielleicht weiß ich es

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Wiegand

 

Zeuge Karl Hykes:

Wiegand. Wiegand war ein Hauptscharführer

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Ist Ihnen der im Zusammenhang mit der Fahrbereitschaft

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, ich weiß nur, der war in der Verwaltung. Aber ob er in der Fahrbereitschaft war, weiß ich nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Das wissen Sie nicht

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun, Herr Hykes, würde es mich in diesem Zusammenhang interessieren, ob Ihnen im Verlauf Ihres Aufenthalts in Auschwitz jemals eine Lagerordnung bekannt gemacht worden ist

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das schon. Ich weiß nicht, wie Sie das meinen: eine Lagerordnung

 

Staatsanwalt Kügler:

Also eine Lagerordnung, in der drinstand, was die Aufgaben des Kommandanten, des Adjutanten, des Verwaltungsführers, der Politischen Abteilung, nun, was es da so alles gab

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Nein, dieses Ausführliche kenne ich nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie, was, von Ihrem Blickwinkel aus, die Aufgaben des Adjutanten waren

 

Zeuge Karl Hykes:

Na, eben die rechte Hand des Kommandanten

 

Staatsanwalt Kügler:

Der Adjutant war die rechte Hand des Kommandanten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, wie das bei einer Kompanie auch ist

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Können Sie irgend etwas darüber sagen, ob der Adjutant der Chef der Fahrbereitschaft war? Ich meine, daß der Kommandant über allem gestanden hat

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Der Höß

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist klar, daß aber dem Adjutanten speziell noch die Fahrbereitschaft unterstand

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, diese Funktion hatte ein Adjutant, glaube ich, nicht

 

Verteidiger Stolting II:

Ich widerspreche der Frage, Herr Direktor

 

Vorsitzender Richter:

Warum

 

Verteidiger Stolting II:

Die Frage ist längst beantwortet. Der Zeuge hat gesagt, er weiß nicht, wer der Leiter der Fahrbereitschaft war

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, also es war auch auf keinen Fall der Adjutant, das möchte ich auch sagen. Der hatte im allgemeinen das Gesamtinteresse zu vertreten und so weiter

 

Staatsanwalt Kügler:

Der Adjutant hatte das Gesamtinteresse zu vertreten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Meinen Sie, daß die Adjutanten über die Planung bei den Judentransporten nicht informiert waren

 

Verteidiger Stolting II:

Ich widerspreche dieser Frage. »Meinen Sie?«, das ist keine Frage nach Tatsachen

 

Vorsitzender Richter:

Also: Wissen Sie, ob diese Adjutanten orientiert wurden, wenn es sich um ankommende Transporte handelte

 

Zeuge Karl Hykes:

Möchte ich annehmen

 

Vorsitzender Richter:

Sie möchten es annehmen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ohne weiteres. Ich behaupte nur

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wissen Sie etwas positiv

 

Zeuge Karl Hykes:

Herr Vorsitzender, ich muß da noch mal etwas erläuternd sagen. Ich werde immer nur gefragt, soll ich ja und nein sagen. Ich war in einer untergeordneten Stellung und weiß nicht, was für Aufgaben ein Adjutant hatte, ein SS-Führer

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Aber ich nehme an, daß er das auf jeden Fall gewußt hat

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Nun, sagen Sie, Herr Hykes, wenn Sie Dienst auf der Rampe hatten, bekamen Sie da eine Sonderverpflegung

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Aus was bestand denn diese Sonderverpflegung

 

Zeuge Karl Hykes:

Wurst und auch Rum

 

Staatsanwalt Kügler:

Wurst und Rum

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja. Ich muß hier mal unterbrechen. Ich glaube, es haben alle bekommen, nicht nur wir, die auf der Rampe waren. Das ist wegen der Infektionsgefahr gewesen

 

Staatsanwalt Kügler:

Gewiß, wegen der Infektionsgefahr

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja. Genau

 

Staatsanwalt Kügler:

Das mag also sein. Wurst und Rum

 

Zeuge Karl Hykes:

Und ich weiß nur, daß es alle bekommen haben

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Meine Frage geht dahin, ob Sie, wenn Sie zu einem Transport herausgingen – ich weiß nicht, es waren vielleicht mehrere Transporte an einem Tag –, jedenfalls, wenn Sie an einem Tag hinausmußten, bekamen Sie für die Abfertigung der Effekten bei einem solchen Transport eine besondere Verpflegung

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Sei es, daß das aus Schnaps bestand..

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Staatsanwalt Kügler:

Worin bestand diese Verpflegung? Also eine Sonderration, wollen wir mal sagen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, in Wurst und eben in – was war das, Brot oder was oder..

 

Staatsanwalt Kügler:

War das Schnaps

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, Rum

 

Staatsanwalt Kügler:

Rum

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich kenne nur Rum, den es da gegeben hat

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Also damit wir uns recht verstehen: Diese Sonderrationen bekamen Sie extra dafür, daß Sie auf die Rampe gingen bei den Transporten

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Können Sie sich erinnern, ob es da auch Milch gab

 

Zeuge Karl Hykes:

Wüßte ich nicht, nein. Milch – wüßte ich nicht. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun habe ich noch folgende Frage, Herr Hykes: Sie sagten, daß also eine Spitze darüber entschied, wer ins Gas ging und wer ins Lager kam

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen etwas darüber bekanntgeworden, ob die Ärzte auch mit zum Krematorium gegangen sind? Haben Sie

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Kann ich nicht sagen, das weiß ich nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Sind Sie selbst mal bei einem Krematorium gewesen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Sind Sie nie in die Nähe gekommen

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Kam ich auch gar nicht rein

 

Staatsanwalt Kügler:

Kamen Sie gar nicht rein. Sie sagten, daß es da manchmal recht turbulent zuging

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Staatsanwalt Kügler:

Haben Sie gesehen, daß bei solchen Selektionen, wie wir das nennen, auch mal jemand getötet worden ist

 

Zeuge Karl Hykes:

Das habe ich an sich nicht erlebt

 

Staatsanwalt Kügler:

Hat man davon gesprochen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, nun ist das ja so: Ich war ja nicht jeden Tag auf der Rampe

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, sicher, sicher. Hat man davon gesprochen, daß da was passiert ist

 

Zeuge Karl Hykes:

Das weiß ich auch nicht

 

Staatsanwalt Kügler:

Daran können Sie sich nicht mehr erinnern

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe dann keine Frage mehr

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie haben ungefähr ein Jahr lang Dienst auf der Rampe gemacht, wenn Sie eingeteilt wurden

 

Zeuge Karl Hykes:

Jawohl

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hat denn das, was Sie dort erlebt haben, gar keinen Eindruck auf Sie gemacht

 

Zeuge Karl Hykes:

Oh ja, das hat es schon. Die ganzen Jahre haben auf mich einen Eindruck gemacht

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, dann müßten Sie aber doch in der Lage sein, etwas mehr zu berichten, als Sie das bisher getan haben

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, was erwarten Sie von mir? Was soll ich berichten

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Was sich da abgespielt hat, und wie das vor sich ging

 

Zeuge Karl Hykes:

Es war schrecklich, und das hat mich, ich meine, immer schon angegriffen. Und ich habe mich auch immer davor gedrückt, solche Kommandos selbst mitzumachen. Sehen Sie mal, ich konnte ja Blockführer werden, dann wäre es mir vielleicht besser gegangen. In mancher Beziehung hätte ich es besser gehabt. Ich habe das aber vermieden, ich wurde es ja nicht

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, Sie haben doch eine ganz bestimmte Aufgabe als der Vertreter der Häftlingsgeldverwaltung gehabt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, dadurch müssen Sie doch unmittelbar mit all dem, was sich da ereignet hat, in Berührung gekommen sein auf der Rampe

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, das habe ich auch geäußert. Ja

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Nun, Sie haben sehr wenig davon geäußert

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja nun, was soll ich denn noch sagen? Bitte fragen Sie, ich will gerne antworten

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Indem Sie einmal schildern, wie sich eine solche »Aktion«, zu der Sie am Tag oder nachts herausgerufen wurden, gerade während der Ungarn-Transporte – in der Nacht zum Beispiel –, wie sich die nun im einzelnen abgespielt hat und wer daran mitgewirkt hat. Sie müssen doch schildern können, Sie sind doch Behördenangestellter

 

Zeuge Karl Hykes:

Kann ich. Ja, ich kann auch schildern. Ich will auch versuchen, das zu machen. Ich sagte Ihnen ja, die Transporte kamen an, sahen sehr elend aus und sehr schlecht und

 

– Schnitt –

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gaskammer kam

 

Zeuge Karl Hykes:

Das habe ich nicht gemacht und nicht gesehen und auch nicht gesagt und weiß nicht, wer das gemacht hat

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, waren Sie denn so weit davon entfernt, daß Sie das nicht sehen konnten

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, also in der Nähe von der Führerspitze habe ich mich nicht aufhalten können. Da hatte ich nichts zu suchen

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja Gott, aber so weit war doch diese Spitze der Führer und des SS-Arztes nicht von Ihnen entfernt

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, ich weiß nicht, wie das so gewesen ist. Als Unterscharführer – damals war ich noch nicht mal Unterscharführer –, da kann ich mich doch nicht in die Nähe von einem SS-Führer hinstellen, einem Kompanieführer. Da habe ich nichts zu suchen

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe keine Frage, danke. Es ist ziemlich zwecklos

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Zeuge, wissen Sie noch, wann Sie zum ersten Mal Dienst an der Rampe in Birkenau gemacht haben? [...] In welchem Jahr

 

Zeuge Karl Hykes:

44. [...]

 

Verteidiger Stolting II:

Wissen Sie noch, wann die Rampe in Birkenau in Betrieb genommen worden ist

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, das weiß ich nicht

 

Verteidiger Stolting II:

Hat die damals schon mehrere Jahre bestanden, als Sie das erste Mal Dienst getan haben

 

Zeuge Karl Hykes:

Das Lager ist ja erst aufgemacht worden. Also wir kamen hin, da bestand, glaube ich, das Lager ein Jahr. Birkenau, glaube ich, existierte noch gar nicht

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Also von welchem Zeitpunkt sprechen Sie jetzt? Meinen Sie damit das Jahr 1943

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich bin 41 hingekommen, 41. Da bestand Birkenau noch gar nicht

 

Verteidiger Stolting II:

Ja, und wann ist die Rampe errichtet worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, also damals habe ich auf der Rampe überhaupt noch keinen Dienst gemacht und weiß nicht, wo die Rampe gewesen ist

 

Verteidiger Stolting II:

Wenn ich Ihnen sage, daß nach den bisherigen Zeugenbekundungen, dem Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahme, die Rampe in Birkenau im Sommer 1943 11 in Betrieb genommen worden ist, und wenn ich Ihnen weiter sage, daß wohl feststeht nach dem bisherigen Ergebnis der Beweisaufnahme, daß der Angeklagte Mulka im März 1943 von Auschwitz weggekommen ist, bleiben Sie dann auch weiter dabei, daß Sie mit gutem Gewissen beschwören können, daß alle diese Personen – dabei haben Sie den Angeklagten Mulka genannt – Dienst auf der Rampe in Birkenau gemacht haben

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Vorsitzender, ich widerspreche der Frage in dieser Form. Die Rampe in Birkenau ist ein vielschichtiger Begriff, der auch zu verschiedenen Zeiten verschieden war. Das, was wir hier auf der Karte sehen, ist nach den bisherigen Zeugenaussagen ab Mitte 1943. Es wurde aber auch als Rampe von Birkenau bezeichnet der Teil des Bahnanschlußgleises, der später weitergebaut wurde in der Nähe des Bahnhofs Auschwitz, der im Jahre 1942 zum Ausladen der Häftlinge diente

 

Verteidiger Stolting II:

Ich halte meine Frage ausdrücklich aufrecht, denn der Zeuge hat bisher immer nur von dieser Rampe etwas erzählt und nicht von der anderen Rampe

 

Vorsitzender Richter:

Nun, da wollen wir ihn doch

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ich bitte daher, über meine Frage zu entscheiden

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich kenne auch keine andere Rampe

 

Verteidiger Stolting II:

Sie kennen keine andere Rampe

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich kenne keine andere Rampe

 

Verteidiger Stolting II:

Also halte ich meine Frage aufrecht

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie kennen keine andere Rampe als die, die hier dargestellt ist, die sich innerhalb des Tores

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

In der Nähe von Auschwitz kenne ich keine Rampe

 

Vorsitzender Richter:

Die sich innerhalb des Tores von Birkenau befand, ja

 

Zeuge Karl Hykes:

Vom Hauptlager, ja

 

Vorsitzender Richter:

Und die sich befunden hat zwischen dem Tor und dem Krematorium

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, also die ging, wie gesagt, quer durch das Lager durch

 

Vorsitzender Richter:

Quer durch das Lager Birkenau durch. Eine andere Rampe kennen Sie nicht, und auf eine andere Rampe hat sich auch Ihre Aussage nicht bezogen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Bitte schön, weiter

 

Verteidiger Stolting II:

Ich habe meine Frage gestellt. Ich bitte darum, über die Frage zu entscheiden

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, wie heißt die Frage, wollen Sie sie noch mal bitte wiederholen

 

Verteidiger Stolting II:

Ich habe dem Zeugen folgendes vorgehalten: Nach dem Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahme steht wohl fest, daß diese Rampe in Birkenau erst im Sommer 1943 in Betrieb genommen worden ist. Es dürfte ferner feststehen, daß der Angeklagte Mulka bereits im März 1943 von Auschwitz wegkam. Ich frage ihn deshalb: Wollen Sie nunmehr auch weiterhin mit gutem Gewissen beschwören, daß alle diese Personen – darunter haben Sie vorhin nach Ihrer Erklärung den Angeklagten Mulka selbst namentlich bezeichnet – auf der Rampe Dienst gemacht haben

 

Zeuge Karl Hykes:

Sehen Sie mal, ich habe nicht Herrn Mulka persönlich genannt. Ich habe gesagt

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Doch, Sie haben ihn genannt

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ja, passen Sie auf. Ich sage, ich kann Ihnen nicht die Reihenfolge sagen, ich weiß nicht, wann der Mulka kam, wann er wegkam, wer da war. Ich habe nur gesagt, ich vermute und nehme auch stark an, daß alle Führer auf der Rampe Dienst getan haben. Ob das Herr Mulka war oder nicht war, wann er wegkam, das weiß ich überhaupt nicht

 

Verteidiger Stolting II:

Dann muß ich Ihnen denselben Vorhalt noch mal vorhalten, den Ihnen der Herr Vorsitzende bereits gemacht hat. Sie haben gesagt: »Wenn mir zur Kenntnis gebracht wird, daß der Angeschuldigte Baer als letzter Kommandant und die Angeschuldigten Mulka und Höcker als Adjutanten der Kommandanten sich dahin einlassen, sie hätten mit dem Betrieb auf der Rampe nichts zu tun gehabt, so betrachte ich diese Darstellung als lächerlich. Alle diese Leute haben nicht nur eingeteilt«– alle diese Leute –, »sondern haben sich auch persönlich davon überzeugt, daß der Betrieb klappte.« 12

 

Zeuge Karl Hykes:

Dabei habe ich unterstellt beziehungsweise angenommen, daß Herr Mulka noch da war. Wenn er nicht da war

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Sie haben unterstellt oder angenommen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, angenommen

 

Verteidiger Stolting II:

Danke sehr, ich habe keine Frage mehr

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, eben. Das wußte ich ja nicht, ob er nicht mehr da war. Genauso wie ich mich nicht auf den einzelnen Führer besinnen kann, daß er da war

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Zeuge, Sie sagten, daß Sie auf der Rampe mit den Effekten zu tun gehabt hätten. Der Abtransport selbst sei eine andere Sache gewesen. Meine Frage: Können Sie mal konkret dartun, worin Ihre Tätigkeit mit den Effekten bestand

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, die bestand darin: Wir standen da und mußten eben aufpassen, daß die Häftlinge das Gepäck, was die Transporte mitgebracht haben, auf den Wagen geladen haben. [...] Das war unsere Aufgabe

 

Verteidiger Gerhardt:

Jetzt eine weitere Frage. Wo kamen denn diese Häftlinge, die diese Tätigkeit ausgeübt haben, her

 

Zeuge Karl Hykes:

Das war ein »Sonderkommando«

 

Verteidiger Gerhardt:

Wie kam das dorthin

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, die waren schon da, wie wir kamen. Und wo die herkamen, weiß ich auch nicht. Die waren aber in Birkenau wahrscheinlich

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, Moment mal. Sie waren doch, wenn ich Sie richtig verstanden habe, aufgrund interner Dienstanweisungen dafür..

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, gut. Von wem bekamen Sie denn den Befehl, sich zur Rampe zu begeben? [...]

 

Zeuge Karl Hykes:

Vom Schreiber

 

Verteidiger Gerhardt:

Vom Schreiber

 

Vorsitzender Richter:

Hat er schon gesagt. Vom Winter

 

Zeuge Karl Hykes:

Herr Winter, ja

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, gut

 

Zeuge Karl Hykes:

War im Dienstplan

 

Verteidiger Gerhardt:

Und Sie wissen nicht, wie dieses Kommando auf die Rampe kam

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, die unterstanden ja einem Blockführer vermutlich

 

Verteidiger Gerhardt:

Unterstand der Blockführer Ihnen wieder

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, nein, um Gottes Willen. Mir unterstand keiner

 

Verteidiger Gerhardt:

Moment mal, Sie sagten doch, Sie haben dann bei

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Dieses Kommando unterstand einem Blockführer

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja. Worin bestand Ihre Überwachungsfunktion? [...]

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja, ich sagte ja: Wir standen da und mußten drauf achten, daß das Gepäck, was mitgebracht worden ist, verladen wurde

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, ich verstehe nicht ganz Ihre Einlassung, wenn Sie sagen, daß der Blockführer Befehlsgewalt hatte

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Verteidiger Gerhardt:

Konnten Sie dann dem Blockführer Anweisungen erteilen

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, nein

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, dann entschuldigen Sie mal. Sie sagten, Sie hatten Überwachungsfunktion

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Verteidiger Gerhardt:

Dann müßten Sie auch Befehlsgewalt gehabt haben

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, wieso denn

 

Verteidiger Gerhardt:

Dann konnten also, wenn ich Sie richtig verstehe, die Häftlinge mit dem Blockführer tun und lassen, was sie wollten

 

Zeuge Karl Hykes:

Die Frage habe ich nicht verstanden

 

Vorsitzender Richter:

Der Blockführer ist doch gewöhnlich ranghöher gewesen als

 

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Ach, das sagt er

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

Ja, obwohl er manchmal nur dienstgradmäßig niedriger war

 

Vorsitzender Richter:

Und wenn er nun feststellte, daß etwas nicht in Ordnung war, konnte er sich an den Blockführer wenden, und der Blockführer konnte dann die Häftlinge schicken

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, gut, das ist seine Einlassung

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

So stelle ich mir das vor

 

Verteidiger Gerhardt:

Nur ist ja meines Erachtens der Blockführer nicht im Dienstrang höher gewesen. Ich stelle meine Frage im Hinblick darauf, daß der Angeklagte Baretzki ja sagt, er sei als Blockführer mit einem Kommando zur Rampe gegangen, und dort sei dann von einer anderen Person die weitere Überwachung übernommen worden

 

Zeuge Karl Hykes:

Einem Blockführer konnte ich niemals Anweisungen geben. [...]

 

Verteidiger Gerhardt:

Na gut, ich meine, ich verstehe das nicht, und möchte darauf

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Herr Rechtsanwalt, lassen Sie doch bitte den Zeugen mal aussprechen. Er hatte nämlich vorhin gerade angesetzt: »Es ist zwar richtig, daß die Blockführer manchmal einen niedrigeren Dienstrang hatten, aber«– und dann haben Sie ihn leider unterbrochen

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja. Es konnte ein Blockführer ein Sturmmann sein, und trotzdem hat er mehr Funktionen und mehr Rechte gehabt wie ein Unterscharführer oder Oberscharführer gar

 

Verteidiger Gerhardt:

Gut, ich habe keine Frage

 

Zeuge Karl Hykes:

Denn ein Blockführer hatte immer ein gewisses Häftlingskommando unter sich. [Pause]

 

Angeklagter Baretzki:

Herr Vorsitzender, darf ich dazu was sagen? [...] Wenn ich mit dem Kommando aus dem Lager gekommen bin auf die Rampe, dann meistens mal waren die von der Verwaltung schon da, meistens mal waren sie noch nicht da

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Angeklagter Baretzki:

Wenn die dann gekommen sind, das habe ich ja gesagt, von der Verwaltung, ist Aufräumungskommando, ja, kam das Kommando mit 100 oder 120 Häftlingen. Das war gut. Jetzt ist der Mann von der Verwaltung ja verantwortlich für das Gepäck

 

Vorsitzender Richter:

Ja

 

Angeklagter Baretzki:

Und der Blockführer ist verantwortlich für die Häftlinge. Also der hat mit den Häftlingen nichts zu tun. Und ich habe nichts zu tun mit dem Gepäck. Auf jeden Fall, der ist verantwortlich, daß das gesamte Gepäck verladen wird und zur Rampe geht und nach »Kanada« geht. Und ich bin verantwortlich, daß die Häftlinge die Arbeit machen, das Gepäck aufladen [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also wenn zum Beispiel ein Häftling einen Koffer genommen hätte und hätte ihn auf die Seite geschleppt, um ihn später heimzuschleppen

 

Angeklagter Baretzki:

Da war ich dafür verantwortlich

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Sie dafür verantwortlich. Wenn Sie das nicht gesehen hätten, sondern er hätte es gesehen, hätte er sich an Sie wenden müssen und hätte gesagt: »Paß auf deine Häftlinge auf!«

 

Angeklagter Baretzki:

Jawohl

 

Vorsitzender Richter:

Ja. So war es doch

 

Zeuge Karl Hykes:

In die Verlegenheit bin ich nicht gekommen

 

Vorsitzender Richter:

Ja. So. Ist sonst noch eine Frage zu stellen

 

Verteidiger Staiger:

Ich habe noch eine Frage

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, Herr Doktor Staiger

 

Verteidiger Staiger:

Herr Zeuge, waren Sie zu irgendeiner Zeit mit den Wehrpässen der SS-Leute beschäftigt? [...] Mit der Bearbeitung der Wehrpässe

 

Zeuge Karl Hykes:

Ja

 

Verteidiger Staiger:

Können Sie sich erinnern, wann das war? Ist es möglich, daß es

 

Zeuge Karl Hykes [unterbricht]:

War das 41 oder 42? In den Jahren

 

Verteidiger Staiger:

Ist es möglich, daß es auch um die Jahreswende 42/43 der Fall war

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein, 43 auf keinen Fall. 41/42 vielleicht

 

Verteidiger Staiger:

Jahreswende 42/43? [...]

 

Zeuge Karl Hykes:

Das kann ich nicht genau sagen, die Zeit. Da will ich mich gar nicht festlegen

 

Verteidiger Staiger:

Danke schön

 

Zeuge Karl Hykes:

Ich habe auch den Namen vergessen, wer damals der Chef da war. Das war zufällig, das weiß ich noch, ein Finanzinspektor aus Berlin. Wie der Name heißt, weiß ich nicht mehr. Der war der Leiter der Personalabteilung

 

Vorsitzender Richter:

Sind noch Fragen zu stellen

 

Verteidiger Staiger:

Herr Vorsitzender, eine Anschlußfrage noch. An die Versetzung des damaligen SS-Angehörigen Stark in eine normale Einheit können Sie sich nicht erinnern

 

Zeuge Karl Hykes:

Nein. Herrn Stark kenne ich auch nur vom Ansehen

 

Verteidiger Staiger:

Danke schön. Danke

 

Vorsitzender Richter:

Von seiten der Angeklagten Erklärungen oder Fragen? Nein? Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, beschwören, wobei wir allerdings zunächst die Frage ventilieren müßten, ob er vielleicht gemäß § 60, Ziffer 3 der Strafprozeßordnung unbeeidigt bleiben soll. Herr Staatsanwalt, werden Anträge insoweit gestellt

 

Staatsanwalt Kügler:

[unverständlich] stellt keinen Antrag

 

Vorsitzender Richter:

Von seiten der Verteidigung? [Pause] Das Gericht wird darüber beraten

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 22.06.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 99, Bl. 445.

2. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.500-13.505.

3. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.503.

4. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.503.

5. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

6. Der Angeklagte Klehr wohnte ebenso wie der Zeuge Hykes in den sechziger Jahren in Braunschweig.

7. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

8. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

9. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

10. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

11. Die Rampe in Birkenau, zwischen den Lagerabschnitten BI und BII gelegen, wurde im Mai 1944 in Betrieb genommen.

12. Vgl. richterliche Vernehmung vom 14.09.1962 in Wolfenbüttel, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 72, Bl. 13.504.

 

 
 
 
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