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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

106. Verhandlungstag, 30.10.1964

 

Vernehmung des Zeugen Horst Huley

 

Vorsitzender Richter:

Des Gedächtnisses des Gerichts. Es wird von seiten der Verteidigung behauptet, Sie seien mit dem Angeklagten Baretzki von Anfang an zusammengewesen. Stimmt das?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, also, was soll ich verstehen unter »Anfang«. Also ich bin Ende

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, also von Ihrer Ankunft in Auschwitz.

 

Zeuge Horst Huley:

Es kann sich um ein, zwei Monate vielleicht zeitlich [+ handeln]. Ich weiß es nicht genau, wann Herr Baretzki gekommen ist, aber ungefähr muß es derselbe Zeitpunkt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie wissen nicht, wann er gekommen ist. Wann sind Sie denn gekommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Ende 41.

 

Vorsitzender Richter:

Ende 1941. Wissen Sie, ob Baretzki damals schon da war?

 

Zeuge Horst Huley:

Das kann ich nicht genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht genau? Und Sie wissen auch nicht, wann er gekommen ist?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Und wissen Sie, wie lange Sie mit ihm zusammen waren?

 

Zeuge Horst Huley:

Tja, wie soll ich das verstehen? Im Lager oder in der Kompanie?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, zusammen in der Wachkompanie.

 

Zeuge Horst Huley:

Also mindestens bis Ende 42.

 

Vorsitzender Richter:

Bis Ende 42. [Pause] Sind Sie dann weggekommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, ich bin nicht weggekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ist er weggekommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, warum können Sie sich nun entsinnen, bis Ende 42?

 

Zeuge Horst Huley:

Weil wir zusammen Weihnachten und Silvester gefeiert haben.

 

Vorsitzender Richter:

42?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, Ende 42.

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie auch zusammen untergebracht, in einer Unterkunft?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie im selben Raum wie er geschlafen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, das glaube ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das glauben Sie nicht. Nun, bis zu der Zeit vom 31.12.42, wo Sie da zusammen Silvester gefeiert haben, waren Sie da und auch Baretzki ausschließlich zum Wachdienst eingeteilt?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und ins Lager ist Baretzki in dieser Zeit nicht gekommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, nur als Wachtposten.

 

Vorsitzender Richter:

Nur als Wachtposten. Oder auch als Wachtposten für Außenkommandos?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, das waren wir alle.

 

Vorsitzender Richter:

Das waren Sie alle.

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aber im Lager selbst hat er damals keine Befugnis gehabt?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wann Baretzki als Blockführer eingesetzt worden ist?

 

Zeuge Horst Huley:

Wann er eingesetzt worden ist, weiß ich nicht. Aber ich kann mich erinnern, wann ich ihn als Blockführer das erste Mal wahrgenommen habe. Und zwar muß das im August 43 gewesen sein oder September.

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie ihn zum ersten Mal wahrgenommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, also woran ich mich heute noch bewußt erinnern kann, weil ich damals in Birkenau Wache hatte, und ich habe ihn besucht, als er Blockführer war. Er hatte Nachtdienst.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie waren damals noch bei der Wachkompanie?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und er hatte Nachtdienst, und zwar als Blockführer in Birkenau, und das war im Juli oder August 43?

 

Zeuge Horst Huley:

Es kann auch September gewesen sein. Ich weiß es nicht genau. Es war auf jeden Fall Herbst schon, also Spätsommer, Herbst.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ich weiß nicht, welche Bilder Sie meinen. Meinen Sie dieses Bild, Herr Rechtsanwalt Gerhardt?

 

Verteidiger Gerhardt:

Was Sie eben dem Zeugen auch hier vorgelegt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie sich das Bild mal ansehen? Wen Sie darauf erkennen?

 

Zeuge Horst Huley:

[Pause] Das Bild habe ich schon gesehen. Also

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wann haben Sie das Bild gesehen?

 

Zeuge Horst Huley:

Das letzte Mal oder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wie Sie das letzte Mal hier waren?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja. Also ich kann nur eine Vermutung aussprechen, daß das der Herr Hawaleschka eventuell sein kann.

 

Vorsitzender Richter:

Wie, der Herr?

 

Zeuge Horst Huley:

Hawaleschka.

 

Vorsitzender Richter:

Hawaleschka. Und zwar welcher?

 

Zeuge Horst Huley:

Alexander.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ich meine, welcher auf diesem Bilde?

 

Zeuge Horst Huley:

Rechts.

 

Vorsitzender Richter:

Rechts?

 

Zeuge Horst Huley:

Also mit dem zugewandten Gesicht. Also, es ist eine sehr große Ähnlichkeit.

 

Vorsitzender Richter:

Hat dieser Mann auch mit Baretzki Ähnlichkeit?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Also, eben hat uns grade ein Zeuge versichert, daß er eine gewisse Ähnlichkeit, sogar eine recht große Ähnlichkeit feststelle mit dem Baretzki.

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, der Herr Hawaleschka, der hatte ziemliche Ecken, fast eine Glatze. Er hatte damals schon, ich glaube, entweder eine Prothese oder Brücken und so weiter. Also es war keine Ähnlichkeit. Außerdem war er größer als Herr Baretzki.

 

Vorsitzender Richter:

Sie glauben nicht, daß es Baretzki ist?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Dann geben Sie das Bild bitte wieder zurück. Sie selbst sind nach Auschwitz kommandiert worden von wo aus?

 

Zeuge Horst Huley:

Von Bad Langenau aus dem Umsiedlungslager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber nicht etwa von Treblinka aus?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, da war ich nie.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie den Baretzki schon gekannt vor Ihrem Aufenthalt in Auschwitz?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Wissen Sie, ob Baretzki mit der Sprache manchmal etwas Schwierigkeiten hatte? Das heißt allein schon einmal mit der Zunge, daß er eine schwere Zunge hatte, daß er

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Leicht ins Stottern kam

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn er was sagen wollte, nein?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie war es denn nun mit der Sprache? In welcher Sprache haben Sie sich mit Baretzki unterhalten?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, überwiegend Deutsch.

 

Vorsitzender Richter:

Überwiegend Deutsch. Und wenn Sie nicht Deutsch gesprochen haben?

 

Zeuge Horst Huley:

Also, wir haben fast immer Deutsch gesprochen. Ab und zu haben wir etwas Ukrainisch gesprochen, aber sonst nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ukrainisch? Ja, und wieso konnten Sie sich grade in dieser Sprache unterhalten? Baretzki war doch nicht aus der Ukraine.

 

Zeuge Horst Huley:

Nicht aus der Ukraine, aber aus Rumänien. Und da wurde überwiegend Ukrainisch gesprochen. Also nicht überwiegend, sondern in den Teilen, wo ukrainische Bevölkerung war, wurde Ukrainisch gesprochen. Und Rumänisch.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sich ab und zu auch in Ukrainisch unterhalten?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, ob er dann auch Polnisch konnte?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein. Also imitiert, aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, so ein großer Unterschied ist ja da nicht.

 

Zeuge Horst Huley:

Oh doch, ist ein sehr wesentlicher Unterschied.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber trotzdem, die Leute, die Ukrainisch sprechen, machen sich verständlich mit den Polen.

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Also ein Ukrainer und ein Pole können sich verständigen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, können sich verständigen mit den Polen. Ja. Nun, hat er sich mit Polen ab und zu mal verständigt? Konnten Sie das feststellen?

 

Zeuge Horst Huley:

Also nicht verständigt, sondern er hat versucht Polnisch zu sprechen, und, na, wie sagt man, mehr vielleicht aus Angabe.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie mal mit ihm zusammen zum Beispiel in Kattowitz oder in Myslowitz oder in Auschwitz oder Bielitz?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Und haben Sie sich da auch mit Leuten unterhalten, die dort ansässig waren?

 

Zeuge Horst Huley:

Also höchstens mit Gastwirten, aber sonst ist es mir nicht bewußt.

 

Vorsitzender Richter:

Gastwirten? Und hat er da mit den Leuten auch versucht, Polnisch zu sprechen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie eine Ahnung, wie die Tore ausgesehen haben, die zu den Krematoriumsöfen gingen? Das heißt also die Tore, die das übrige Lager von dem Gelände des Krematoriums absperrten.

 

Zeuge Horst Huley:

Sie meinen das Tor, das in der Umzäunung vom Krematorium war?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Horst Huley:

Stahlrohrrahmen mit Maschendraht.

 

Vorsitzender Richter:

Ein Stahlrohrrahmen mit Maschendraht.

 

Zeuge Horst Huley:

Also, das habe ich in Erinnerung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ja, Herr Rechtsanwalt Gerhardt, haben Sie sonst noch Fragen an den Zeugen?

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Zeuge, mit wie vielen Rumänen kamen Sie denn nach Auschwitz?

 

Zeuge Horst Huley:

Ungefähr 40 oder 50. Ich weiß nicht genau. [...]

 

Verteidiger Gerhardt:

Wie viele Rumänen befanden sich denn überhaupt im Bereich Auschwitz-Birkenau?

 

Zeuge Horst Huley:

Insgesamt?

 

Verteidiger Gerhardt:

Sie sagen, Sie kamen mit 40 nach dort. 40

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Ja. Die kamen aus verschiedenen Umsiedlungslagern. Es können 200, 300 gewesen sein, 350. Ich weiß es nicht genau.

 

Verteidiger Gerhardt:

350. 200 bis 300. Sind Sie mal im Stammlager gewesen?

 

Zeuge Horst Huley:

Im Lager selbst oder?

 

Verteidiger Gerhardt:

Im Stammlager, in Auschwitz.

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, nur als Postenkette, aber nicht

 

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Als Postenkette, ja. Ich meine, ob Sie in

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein.

 

Verteidiger Gerhardt:

Nicht. Konnte man denn da so ohne weiteres reinkommen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nee, nur mit besonderer Genehmigung, wenn man irgendwie einen Auf-

 

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Von wem?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, entweder vom Wachhabenden, der vorne war, oder vom Lagerkommandanten. Normalerweise sind ja nur die Blockführer reingegangen.

 

Verteidiger Gerhardt:

Und in diesem Jahr 42, als Sie bei der Wachkompanie waren, war das denn ein militärisch eingerichteter Betrieb?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, sowieso.

 

Verteidiger Gerhardt:

War denn da genaue Kontrolle? Von morgens bis abends, wer da war, wer sich entfernte?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, selbstverständlich.

 

Verteidiger Gerhardt:

Stand denn das Entfernen, auch nur von Stunden, unter Strafe?

 

Zeuge Horst Huley:

Tja also, wenn man nicht [sic!] erwischt wurde, ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Also es war ein militärisch eingerichteter Betrieb. Als Sie den Baretzki im d-Lager beziehungsweise in Birkenau besuchten, konnten Sie damals Feststellungen treffen, ob Baretzki erst ganz frisch in diese Position hineingekommen war? Hat er Ihnen irgendwas gesagt dabei?

 

Zeuge Horst Huley:

Nee, also da haben wir uns nicht drüber unterhalten.

 

Verteidiger Gerhardt:

Hat Baretzki Ihnen denn nicht gesagt: »Ich bin jetzt hier neu Blockführer geworden. Und ich will Sie mal hier herumführen, mal zeigen, was im einzelnen«

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein, daß er Blockführer war, das wußte ich schon, aber wie lange er da war – also, er war wohl ein, wie Sie sagen, ein frischer oder junger Blockführer, aber wie lange, das kann ich nicht sagen. Ob er schon zwei oder drei Monate da war oder wieviel.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja. Haben Sie mit Baretzki irgendeinen persönlichen Kreis gebildet? Und wer gehörte da noch dazu?

 

Zeuge Horst Huley:

Vorher?

 

Verteidiger Gerhardt:

Vorher. Ich möchte

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Vorher waren wir zusammen, wo wir noch bei der Wachmannschaft waren. Da sind wir zusammen ausgegangen auch.

 

Verteidiger Gerhardt:

Im Jahr 42, ja?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Wer war das? Baretzki, Sie und?

 

Zeuge Horst Huley:

Das war, ich komme jetzt auf den Namen nicht...

 

Verteidiger Gerhardt:

Gehörte da der Hawaleschka dazu, von dem eben die Rede war, wo Sie meinten

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Er war auch mit dabei. Und ein Herr...

 

Verteidiger Gerhardt:

Ladisch vielleicht?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja. War auch dabei.

 

Verteidiger Gerhardt:

Hat der Ladisch gestottert?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Danke. Ich habe sonst keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Ihre Personalien stimmen noch? Sie heißen Horst Huley, sind 43 Jahre alt?

 

Zeuge Horst Huley:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind nicht älter geworden inzwischen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Es wäre ja möglich gewesen, daß Sie Geburtstag gehabt hätten.

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, der ist am 7.8.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Zeuge, Sie sagten, Sie seien Ende 41 nach Auschwitz gekommen

 

Zeuge Horst Huley:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und seien Ende 42 noch bei der Wachkompanie gewesen.

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich habe Sie mal vernommen am 10.7.1962, und da haben Sie damals gesagt, daß Sie im Herbst 1941 nach Auschwitz gekommen sind.1 Das ist richtig?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, das stimmt. Im Herbst 41 bin ich

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Also nicht Ende, sondern im Herbst.

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, das ist doch

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Na, ja, das ist nicht ganz dasselbe, ob man sagt im September oder im Dezember.

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Ich kann mich nicht entsinnen. Ich weiß, es gab keine Blätter mehr an den Bäumen, also muß es [...] Herbst gewesen sein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja. Und dann sagten Sie damals – ich will es Ihnen mal vorlesen. Es gibt dort

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Ich weiß, es war ein Datumsirrtum. Wo ich gesagt habe 40, Ende 40. Das ist aber 41 gewesen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nein. »Ich blieb dort etwa drei Jahre. Während dieser Zeit gehörte ich immer zum Wachsturmbann mit Ausnahme einer kurzen Zeitspanne, in der ich der Bauabteilung zugeteilt worden war.«2

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, das war ganz kurz vor

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja, es war also doch nicht ganz so kurz. Lassen Sie mich den Vorhalt erst mal fertigmachen.

 

Vorsitzender Richter:

Vorhalt aus 12.982.

 

Staatsanwalt Vogel:

982. Das hatte ich Ihnen damals schon vorgehalten, und da hatten Sie dann weiter gesagt: »Ich möchte berichtigen, insgesamt war ich etwa von Herbst 1942 bis Ende 1943 oder Anfang 1944 in der Bauabteilung tätig.«3 Demnach ist es doch nicht so, daß Sie Ende 42 noch bei der Wachkompanie waren.

 

Zeuge Horst Huley:

Doch, das war ich.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, haben Sie damals die Unwahrheit gesagt, oder sagen Sie es heute?

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein, ich habe nicht die Unwahrheit gesagt. Es kann sein, daß ich mich also vielleicht im Datum geirrt habe. Es ist schon so lange her. Aber ich war nur eine kurze Zeit in der Bauabteilung.

 

Staatsanwalt Vogel:

Na, das haben Sie damals auch zunächst gesagt. Und dann, nach längerem Nachdenken, haben Sie gesagt, es war doch von Herbst 42 bis Ende 43 oder Anfang 44.

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, so lange kann es nicht gewesen sein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das würde also bedeuten

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein, es muß nach

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Daß Sie mit Sicherheit an Weihnachten und Silvester 42/43 nicht mehr bei der Wachkompanie waren.

 

Zeuge Horst Huley:

Doch, doch, ich war es. Es muß später

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Und worauf beruht es, daß Ihre Erinnerung, wie Sie meinen, heute sicherer und zuverlässiger ist als vor einigen Jahren?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja, weil ich mich mit der Sache länger jetzt befaßt habe.

 

Staatsanwalt Vogel:

Aha. Und was hat Ihnen Anlaß dazu gegeben, sich

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Ja, die Erinnerung, weil wir damals zusammen gefeiert haben, und zwar in einer Gärtnerei draußen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das ist Ihnen jetzt wieder eingefallen?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Während Sie früher nach reiflicher Überlegung, wie Sie versichert hatten damals, glaubten, daß Sie im Herbst 1942 zur Bauabteilung gekommen sind.

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, das muß Herbst 43 gewesen. Denn ich habe auch

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Na, Sie meinten doch damals »von Herbst 42 bis Ende 43«. Das ist über ein Jahr. Da können Sie doch heute nicht sagen, das war von Herbst 43 bis Ende 43.

 

Zeuge Horst Huley [unterbricht]:

Nein, nein. So lange war ich nie in der Bauabteilung.

 

Staatsanwalt Vogel:

Was bieten Sie jetzt? Wann sind Sie hingekommen zur Bauabteilung?

 

Zeuge Horst Huley:

Es muß Ende 43 gewesen sein, im Winter 43.

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Und wie lange?

 

Zeuge Horst Huley:

Also ein Vierteljahr höchstens.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nicht, wie Sie damals sagten, über ein Jahr?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein. Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das ist Ihre neueste Erinnerung, die Ihnen jetzt wieder gekommen ist?

 

Zeuge Horst Huley:

Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich hätte noch eine Frage, Herr Vorsitzender. Herr Zeuge, Sie sagen, Sie haben Weihnachten oder Silvester 42 mit Baretzki gefeiert. Das Zusammenfeiern war aber doch auch möglich, wenn der eine bei der Wachkompanie und der andere beim Kommandanturstab war?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein. Der war doch noch bei der Wachkompanie in der Zeit, 43.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ist es nicht so, daß an Weihnachten die Dinge etwas gelockert sind und daß man ruhig auch bei seiner alten Einheit dann mit bei der Feier dabeisein kann?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, ich weiß, wir hatten damals sogar Dienst. Wir hatten Dienst zu der Zeit, als

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Beide zusammen?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, abwechselnd. Nee, das waren verschiedene Bereitschaften. Er war in einer anderen Bereitschaft als ich.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wenn jemand, als Rottenführer insbesondere, wenn er also noch nicht Unterscharführer war, zunächst kommandiert wurde zum Kommandanturstab oder zum Schutzhaftlager, blieb er da nicht in der Kompanie zunächst?

 

Zeuge Horst Huley:

Der war damals noch gar kein Rottenführer. Der ist später Rottenführer geworden.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gewiß, wenn er noch weniger sogar war, blieb er dann nicht in der Kompanie für die Zeit der Kommandierung?

 

Zeuge Horst Huley:

Nein, wir waren ja nicht abkommandiert, sondern wir hatten Bereitschaft gehabt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Nein, ich frage Sie, mit Baretzki. Sie wollen daraus schließen, daß Sie die Weihnachtsfeier zusammen verbracht haben, daß der eine bei der Wachkompanie gewesen sei, nämlich Sie, und der andere auch bei der Wachkompanie.

 

Verteidiger Gerhardt:

Stimmt nicht, das stimmt nicht, Herr Nebenkläger. Der Zeuge hat gesagt: »Wir haben damals um die Weihnachtszeit abwechselnd Dienst getan. Aus diesem Grunde weiß ich ganz genau, daß wir zusammen noch Dienst getan haben.« Und, Herr Zeuge, vielleicht können Sie dem Gericht auch noch mitteilen, wo Sie Weihnachten zusammen gefeiert haben.

 

Zeuge Horst Huley:

Es war in einer Gärtnerei

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In einer Gärtnerei.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und wo haben Sie beide Dienst getan damals?

 

Zeuge Horst Huley:

Das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Also Postenkette. Ob das in Birkenau war oder im Stammlager, das weiß ich nicht mehr. Wir hatten Postenkettendienst.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr. Von seiten der Verteidigung? Von seiten der Angeklagten?

 

Angeklagter Baretzki:

Ich wollte dazu nur sagen, ich war in Auschwitz nie Rottenführer gewesen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz waren Sie nicht Rottenführer?

 

Angeklagter Baretzki:

Nur Sturmmann.

 

Vorsitzender Richter:

Sturmmann.

 

Angeklagter Baretzki:

Ich bin Rottenführer geworden am 20. April 1945 im Raum von Guben.

 

Vorsitzender Richter:

45.

 

Verteidiger Gerhardt:

45.

 

– Schnitt –

 

 

1. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 10.07.1962 in Grötzingen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.982.

2. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 10.07.1962 in Grötzingen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.982.

3. Vgl. staatsanwaltschaftliche Vernehmung vom 10.07.1962 in Grötzingen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.982.

 

 
 
 
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