Logo Fritz Bauer Institut
 
Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

75. Verhandlungstag, 7.8.1964

 

Vernehmung des Zeugen Friedrich Hirsch

 

Vorsitzender Richter:

Damals haben Sie etwas anderes gesagt. Sie haben nämlich gesagt, man hätte Ihnen zwar angedroht, Sie müßten eine Spritze bekommen, wenn Sie nicht ein Glas austrinken würden, was man vor Sie gestellt hätte.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Richtig, so ist es gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

So ist es gewesen. Und dann hätten Sie das Glas ausgetrunken, und dann seien Sie eingeschlafen. Warum hat man das gemacht? Sie sagen heute, damit Sie nicht fliehen sollten.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Ihrer Vernehmung, Vorhalt aus Blatt 521 der Akten, am 13. Februar 1959, haben Sie einen anderen Grund angegeben, und zwar haben Sie gesagt: »Wenn Gefahr bestand, daß ich bei Grenzkontrollen und so weiter angesprochen werden könnte, stellte man mir ein solches Glas hin«, daß Sie einschlafen mußten.1

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, es bestand die Gefahr, daß Rumänien, weil sie ja auf der rechten Donauseite aufwärts fuhren, eine Kontrolle machte, also eine Zollkontrolle. Und wenn sie diesen Raum öffnete, in dem ich war, dann hätten sie mich wohl gefragt, was ich hier tue. Und wenn ich gesagt hätte, daß ich hier in Gefangenschaft bin, hätten sie mich möglicherweise befreit. Es wäre möglich gewesen. Und man hat mir gesagt, daß ich dann sagen sollte, daß ich doch irgendwie freiwillig da bin oder so ähnlich. Und da haben sie mir vorsorglich das zu trinken gegeben, damit ich schlafen sollte, wenn diese Möglichkeit kam.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, dann sind Sie also mit diesem Schiff etwa vier Tage gefahren und kamen dann nach Wien. Wie ging es dann in Wien weiter?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In Wien wurde ich dann in die Roßauer Lände, in die große Polizeikaserne überstellt und von der Gestapo vernommen.

 

Vorsitzender Richter:

Bevor Sie nun dorthin geschafft wurden, in die Kaserne, wie kamen Sie denn in Wien an? Waren Sie da in einem Raum für sich, und waren Sie da etwa gefesselt, oder waren Sie sonstwie wieder im Schlaf, oder wie war das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich hatte die Hände gefesselt und war in einer Kabine im Schiff ganz oben für mich.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Da kamen Sie in das Polizeigefängnis nach Wien. Und wie lange waren Sie dort?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

13 Monate.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben bei Ihrer Vernehmung gemeint, es wären nur neun gewesen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist auch möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann sind Sie wem überstellt worden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nach München.

 

Vorsitzender Richter:

Vors Sondergericht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und bekamen dort?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ein Jahr Gefängnis.

 

Vorsitzender Richter:

Wegen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Wie heißt es...

 

Vorsitzender Richter:

Zersetzung der Wehrkraft?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Oder wegen

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Heimtücke?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Heimtücke, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wegen Heimtücke. Und dieses Jahr haben Sie abgesessen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Oder haben Sie es nicht abgesessen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war bereits abgesessen, und ich habe mir eingebildet, ich werde in Freiheit gesetzt, wurde aber am Gerichtssaal sofort mit

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Mit einem Schutzhaftbefehl verhaftet, ja? [...]

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind dann wohin gekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Überstellt zurück nach Wien.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Wien. Warum wohl nach Wien? Sie waren doch Reichsdeutscher?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das wußte ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Aber jedenfalls, Sie sind nach Wien wieder zurückgekommen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und von dort sind Sie wohin gekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Auschwitz. Wissen Sie noch, wann Sie in Auschwitz ankamen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es muß wohl der 29. Dezember gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie meinten, es wäre der 30. gewesen, aber auf einen Tag kommt es nicht an. 30. Dezember neunzehnhundert?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

1941.

 

Vorsitzender Richter:

41. Und blieben dort bis?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Bis zum 17. Januar 1945.

 

Vorsitzender Richter:

Dort wurden Sie dann weggebracht und kamen zunächst nach Oranienburg, sind dann noch bis in die Gegend von Mecklenburg gekommen, sind dort geflüchtet und haben dann die Kapitulation erlebt.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, sagen Sie bitte, Sie kamen nach Auschwitz in welchen Block?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In das Hauptstammlager Auschwitz in Block 4.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie dort lange geblieben, oder war das nur eine Quarantänezeit?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war eine kurze Zeit. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie da schon zu Arbeiten eingeteilt worden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

14 Tage mußten wir im Lager bleiben, mußten Stubendienste verrichten. Und erst dann wurde ich zum Arbeitskommando geschickt.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar wohin?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ins sogenannte Sprengkommando.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo lag das Sprengkommando?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das lag eigentlich nirgends, sondern es war so, daß im weiten Lagerbereich Ruinen waren, und die wurden zuerst ausgegraben, zur Sprengung vorbereitet, nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und wurden dann gesprengt.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und auf diese Weise kamen wir bald da, bald dort hin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo waren Sie untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Block 4. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aber doch nur kurze Zeit.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo kamen Sie dann hin, wie Sie von dem Block 4 wegverlegt wurden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich muß sagen, daß ich von diesem Sprengkommando wegkam und bin zum Dachdeckerkommando gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war das untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das Dachdeckerkommando, das war nicht irgendwo untergebracht, sondern das war draußen, hatte eine Baracke, und wurde dann als Arbeitskommando im weiten Lagerbereich herumgeschickt.

 

Vorsitzender Richter:

Aber wo wohnten Sie, wo war

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Im Block 4 immer noch. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und sind Sie auch mal aus diesem Block 4 herausgekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Anschließend gab es eine Ausschreibung vom Reichsbodenwirtschaftsdienst Berlin, und dazu habe ich mich gemeldet, zur Schachtmeisterausbildung. Und da kamen wir nach Budy.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, sollten Sie sich selbst einer strafbaren Handlung schuldig gemacht haben, so brauchen Sie Fragen, die dahin zielen und bei deren Beantwortung Sie sich selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen müßten, nicht zu beantworten. Ist Ihnen das klar? Belehrt nach 552. Nun, Sie kamen also nach Budy. Nun weiter.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In Budy haben wir Vorfluter gebaut.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo waren Sie untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Dort hatten wir eigene Baracken, und anfangs marschierten wir zurück nach Auschwitz, alle Tage.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie wieder in Block 4?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie in Block 4, und nachher hatten Sie draußen in Budy eigene Baracken.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind also im Dezember 41 hingekommen. Und wie lange ungefähr blieben Sie denn im Block 4?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Sache ging rasch zu Ende in Budy, dadurch daß ich mit einem SS-Mann hinübergegangen bin nach Jawischowitz in das Bergwerk, in das Dorf, und habe dort Essen geholt für die Häftlinge, das uns angeboten worden ist von polnischen Zivilisten. Dabei wurden wir von dem Arbeitsdienstführer Emmerich überrascht und sofort ins Lager zurückgebracht, nach Auschwitz. Dort wurde ich gleich nach Block 11 abgeführt.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das ungefähr?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war [Pause] April.

 

Vorsitzender Richter:

Neunzehnhundert?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

42.

 

Vorsitzender Richter:

42. Ja. [...] Sie sagten also ungefähr im April 1942, ja? [...] Sind dann in den Block 11 gekommen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat Sie denn da hingebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das kann ich heute nicht mehr genau sagen. Vor der Blockführerstube des Hauptlagers wurde ich – nachdem der Aumeier mich geprügelt hatte und der Palitzsch – nach Block 11 geführt.

 

Vorsitzender Richter:

Die Politische Abteilung hat sich nicht mit Ihnen befaßt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Noch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Noch nicht. In Block 11 geführt, das war etwa im April, und wie lange blieben Sie dort?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es muß nur einige Tage gewesen sein, denn ich glaube – wenn ich mich richtig erinnere –, am 12. Mai wurde ich unter Bewachung nach Birkenau geführt in die Strafkompanie.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Hat man in der Zwischenzeit, zwischen Ihrer Einlieferung im April und Ihrer Verbringung nach Birkenau, Sie da vernommen bei der Politischen Abteilung?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich bin nicht sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind nicht sicher.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nun kamen Sie also nach Birkenau zur Strafkompanie.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagten vorhin: »Ich bin noch nicht vernommen worden.« Vorhin: bei Ihrer Einlieferung in Block 11. Aus den Worten »noch nicht« habe ich entnommen, daß Sie später vielleicht vernommen worden sind.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Vernehmung hat eigentlich stattgefunden durch den Lagerführer Aumeier und durch Palitzsch. Die haben mich gefragt und haben mich da ausgepreßt, mit wem ich da Verbindungen hätte und so weiter. Dabei habe ich immer wieder welche...

 

Vorsitzender Richter:

Schläge bekommen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Schläge bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, nachdem Sie in die Strafkompanie gekommen waren, kamen Sie da noch mal zurück in den Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, der Bunker war in Auschwitz, und ich war in Birkenau. Ich blieb in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie kamen also nicht noch mal in den Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Ich bin nie wieder in das Hauptstammlager zurückgekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Also auch nicht in den Block 11?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, in den Block 11 kam ich wohl wieder.

 

Vorsitzender Richter:

Kamen Sie noch mal wieder.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann denn?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Jahre 43. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und warum kamen Sie im Jahr 43 noch mal in den Block 11?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Jahre 43 hat man mich irgendwo gefaßt. Ich habe mit einer Frau mich unterhalten, und da wurde ich angezeigt. Und da hat mich die Politische Abteilung gefaßt und hat mir dann eine Strafanzeige gemacht, und ich bekam drei Monate Strafkompanie. Und zuvor war ich wochenlang im Bunker, auf Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

Stellen Sie bitte im Protokoll fest: »Es wird festgestellt aus dem Bunkerbuch, Blatt 6, Band 2, daß der Zeuge Friedrich Hirsch, geboren 18.7.1910,« ja?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

1912.

 

Vorsitzender Richter:

1912, ja so heißt es auch, »vom 6.5.43 bis zum 14.7.43 auf Einweisung der Politischen Abteilung sich im Arrest befunden hat.«3 Nun, in der Zeit, als Sie damals im Arrest waren, was haben Sie dort erlebt, insbesondere an Erschießungen und sonstigen Unrechtmäßigkeiten?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Ich tue mich heute etwas schwer, zu unterscheiden zwischen der ersten Einlieferung und der zweiten. Ich kann das nicht mit Sicherheit auseinanderhalten, die zahlreichen Erschießungen, die da vorgekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie sagen also, es sind zahlreiche Erschießungen vorgekommen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo saßen Sie denn im Bunker, unten im Keller?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Keller unten, ja, in verschiedenen Zellen.

 

Vorsitzender Richter:

In verschiedenen Zellen. Das heißt also, man hat Sie einmal dahin gebracht, einmal dorthin gebracht.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aber in einem Stehbunker waren Sie nicht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal einen Stehbunker gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ich war im Stehbunker, und zwar in Birkenau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Aber die Stehbunker im Hauptlager Auschwitz I haben Sie nicht gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die habe ich zwar gesehen, ich wußte auch, wo sie waren, damals, als ich unten war, aber ich habe nichts damit zu tun gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hineingesehen haben Sie nicht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sie nur von außen gesehen. Nun, wissen Sie etwas darüber, ob dort Leute verhungert sind in der Zeit, als Sie dort waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, das habe ich gehört. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das gehört in der Zeit, als Sie im Bunker selbst drin waren, oder haben Sie es nachträglich gehört?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe schon vorher solche Dinge gehört. Weil man ja selbst mit diesen Möglichkeiten rechnen mußte, und ich habe sogar jemanden gekannt, den sie dort verhungern haben lassen.

 

Vorsitzender Richter:

Wer war das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Da gab es zwei Leute dieses Namens. Einen davon haben sie dort verhungern lassen, das weiß ich noch. Aber ich kann den Namen im Augenblick nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Bruno Graf?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Pachala?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Roman?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht. Dieser Mann, ist der verhungert in der Zeit, als Sie im Bunker waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Haben Sie denn, wie Sie im Bunker selbst drin waren, irgendwelche Feststellungen treffen können, daß da einer im Stehbunker drin war und daß der am Verhungern war und daß das

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Nein, das konnte ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das konnten Sie nicht. Also was Sie insofern wissen, das wissen Sie von Erzählungen dritter Seite. Nun, sagen Sie bitte, als Sie nun zum zweiten Mal festgenommen worden sind, damals nämlich, als Sie mit einer Frau gesprochen hatten, da schildern Sie uns doch bitte mal, wie es zu dieser Verhaftung gekommen ist und wie das sich weiter abgespielt hat.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich hatte damals in Birkenau das Kommando Kompostierung 2. Das war ein verlassener Bauernhof, und an diesem Bauernhof wurden vom Frauenlager Fäkalien angeführt. Und da kamen Frauen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Erde dazu, und da wurde Komposterde daraus hergestellt.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ja. Und da kamen Frauen, unter anderem eine Bekannte, die kam da mit, und mit der unterhielt ich mich gerne, und ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Waren Sie denn ein Kapo?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar in diesem Fall also leider eines weiblichen Häftlingskommandos.

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Nein. Nein. Nein, das ja nicht. So weit ging das nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern was hatten Sie dort zu tun?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich hatte ein kleineres Kommando, kurzweilig, Fäkalien und Stall- und Pferdemist wurden dort kompostiert, mit Erde überschüttet. Und da arbeiteten wir ganz ruhig, etwas abseits vom Lager, ziemlich unangefochten. Und wenn die da vom Frauenlager kamen, hat man sich natürlich gefreut und hat sich da unterhalten. Das war streng verboten. Und ich weiß es nicht mehr, wer es gerade war, der mich gemeldet hatte. Jedenfalls, ich wurde gemeldet und wurde in den Bunker eingeliefert.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Waren Sie damals noch in der Strafkompanie?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wo waren Sie da untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich war wieder im freien Lager in Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Im Männerlager.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Männerlager, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das war das Lager d?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das gab es damals noch nicht, das war das alte Lager. Das alte Lager hatte diese Bezeichnungen nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, gut.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich war damals wieder im Block 4, das ist nicht identisch mit diesem Block, in dem ich als erstes

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Im Stammlager.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Sondern das war der Reichsdeutschen-Block 4, im Lager Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lang waren Sie denn in der Strafkompanie überhaupt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Drei Monate genau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie dort in der Strafkompanie auch schon Kapo?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In der Strafkompanie gab es nur einen Kapo. Aber es waren viele drin, die Kapos waren, und die nannten sich oder fühlten sich als Kapos. Aber ich kam hin und war ein bereits geprüfter Schachtmeister und übernahm Vermessungsarbeiten beim Bau des Königsgrabens, der von der Weichsel her zum Lagergelände führte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich frage Sie deshalb, weil Sie bei Ihrer Vernehmung, auf Blatt 529 vom 13. Februar 1959, gesagt hatten: »Ich hatte während meines Aufenthaltes im KZ Auschwitz an einem Schachtmeisterkurs teilgenommen und die Prüfung im Jahr 1942 bestanden. In der Folgezeit wurde ich Kapo der Strafkompanie und hatte die Arbeit für den Bau des sogenannten Königsgrabens zu leiten.« 4

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Diese Angaben habe ich niemals gemacht. Ich war niemals Kapo der Strafkompanie, sondern ich war in der Strafkompanie, und dort gab es nur einen Kapo, das war der sogenannte Oberkapo. Während ich selbst eine Arbeitsgruppe führte, die aber nicht die Bezeichnung Kapo verdiente und geführt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben aber genehmigt und unterschrieben: Fritz Hirsch.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist unwahrscheinlich.

 

Vorsitzender Richter:

Ich kann es Ihnen schwarz auf weiß zeigen

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Glaube ich, glaube ich. Aber hier ist ein Irrtum.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie sagen, Sie waren nicht Kapo in der Strafkompanie, sondern Sie waren lediglich Schachtmeister und waren infolgedessen dort praktisch der maßgebende Mann bei den Arbeiten am Königsgraben.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, ich war bei den Vermessungsarbeiten maßgeblich.

 

Vorsitzender Richter:

Oder bei den Vermessungsarbeiten.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kann Ihnen die Kapos nennen, die das Kommando, das Häftlingskommando, geführt haben. Ich weiß auch genau die SS-Leute, die das Kommando geführt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber Sie waren es nicht. Nun, was ist da nun passiert in diesem Kommando, und wieso kamen sie mit der Politischen Abteilung in Berührung?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Als ich in der Strafkompanie war, hatte ich eigentlich mit der Politischen Abteilung keine Berührung mehr, weil ich für sie ja bereits bestraft

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Abgeschrieben, ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und abgeschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Sie sind doch dann wieder in den Bunker gekommen, nicht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, das war nach der ersten Entlassung aus der Strafkompanie.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und warum kamen Sie dann wieder in den Bunker, im Mai 1943?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war die Geschichte mit diesem Frauenkommando.

 

Vorsitzender Richter:

Nun erzählen Sie bitte weiter. Sie haben also mit der Frau gesprochen, Sie wurden verraten, und was geschah nun?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich wurde [Pause] nach Auschwitz geliefert in den Block 11 und war dort einige Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das haben wir ja vorhin festgestellt.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Im Mai.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist bereits der zweite Akt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ich möchte nur wissen, warum Sie in den Bunker gekommen sind und was dem vorausgegangen ist. Sie sind gemeldet worden, dann müssen Sie doch vernommen worden sein, Sie müssen von irgendwem vernommen worden sein, und da möchte ich gern mal Näheres wissen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Diese Anzeige wurde der Politischen Abteilung übergeben, und da war irgendeine Person da, die bestimmte, daß für diese Unterhaltung, für diese Beziehungen, wie sie mir gesagt haben, eben drei Monate Strafkompanie fällig sind. Das war alles.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, wie die Person hieß, die das angeordnet hat?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist ja so gegangen, daß ich nicht persönlich bestellt wurde, daß man mich nicht persönlich vernommen hat, sondern daß nur eine Meldung geschrieben wurde. Und daraufhin wurde ich zu diesen drei Monaten Strafkompanie verdonnert und eingeliefert. Aus dem Bunker entlassen, und bei einem Appell – ich kann mich noch gut erinnern, es war der, glaube ich, Heilige Abend 42, ja – bin ich eingeliefert worden.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, also das kann nicht stimmen, denn Sie sind erst im Mai in den Arrest gekommen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist das erste Mal. Das ist die zweite Affäre.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, Herr Zeuge, da sind wir nicht ganz klar. Also zunächst einmal kamen Sie im Jahr 42, wie Sie sagten, einmal in den Arrest, und zwar meinten Sie, März, April, ja?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Mai, ja, so was.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in dieser Zeit ist im Bunkerbuch nichts eingetragen von Ihrer Person. Aber das soll nicht unbedingt ausschlaggebend sein. Das wollen wir jetzt mal genau auseinanderhalten. Damals im April 1942 kamen Sie hinein, weil Sie sich Essen besorgt hatten von einer Polin, außerhalb des Lagers.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sind von Aumeier und?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Palitzsch.

 

Vorsitzender Richter:

Palitzsch vernommen und geschlagen worden, sind in den Bunker gesperrt worden, blieben in dem Bunker einige Zeit und kamen dann in die Strafkompanie.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Für?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Drei Monate.

 

Vorsitzender Richter:

Drei Monate. Nachdem die drei Monate herum waren, sind Sie aus der Strafkompanie herausgekommen und kamen wieder in das normale Lager, Block 4, aber in Birkenau.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dann kamen Sie ein zweites Mal in den Bunker, und diesmal, weil Sie mit einer Frau gesprochen hatten.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar bei der Kompostierungsstätte.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und damals geschah was? Sind Sie da vernommen worden von der Politischen Abteilung?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich glaube nicht. Das dürfte auch eine Meldung gewesen sein, und man hat mir die drei Monate Strafkompanie verpaßt.

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie wieder drei Monate Strafkompanie bekommen, also zum zweiten Mal.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie damals auch im Bunker, Block 11?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war im Mai 1943?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sondern?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Mai? Nein, nein, nein, es war früher, glaube ich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, früher war es. Und wann meinen Sie etwa, daß es gewesen ist?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war Herbst.

 

Vorsitzender Richter:

Neunzehnhundert?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war Herbst

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

42?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

42 schon, glaube ich. Ja, ja. Muß es gewesen sein. Denn ich erinnere mich sehr gut, daß ich aus der Arrestzelle – das war die zweite Zelle im Block 11 gegen den Hof zu – schief hinaussehen konnte über diese Überwandung, die aufgebaut war vor den Fenstern, und die Birke, die hinter der Schwarzen Wand stand, den Kopf von dieser Birke sehen konnte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und die war?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die war grün. [...]

 

Vorsitzender Richter:

So daß Sie also meinen, es wäre im Herbst 42 gewesen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und da blieben Sie wie lange in dem Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das waren vielleicht vier, fünf Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Vier, fünf Wochen. Und dann kamen Sie vom Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Dann kam ich heraus.

 

Vorsitzender Richter:

Wieder in die Strafkompanie?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie nicht auch wieder drei Monate Strafkompanie bekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Doch, habe ich bekommen. Und zwar von Weihnachten an muß das gewesen sein, von Weihnachten 42 auf 43.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie in der Strafkompanie wieder?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und waren Sie dann noch ein drittes Mal im Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Also das waren die einzigen Fälle, als Sie im Bunker waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Einmal, weil Sie sich Essen besorgt hatten, und einmal, weil Sie mit der Frau gesprochen haben?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, also da muß ich Sie nun darauf aufmerksam machen, daß diese Aussage mit den Unterlagen, die uns zur Verfügung stehen, nicht übereinstimmt. Und zwar erstens muß ich Sie drauf hinweisen, daß – wie ich bereits vorhin gesagt hatte und festgestellt hatte – auf Blatt 6 des Bunkerbuchs II eingetragen steht: »Hirsch, Friedrich, 18.7.1912 zu [Altenerding], am 6.5.43, 6. Mai 43 bis zum 14. Juli 43 von der Politischen Abteilung eingewiesen, nämlich im Block 11.«

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ah ja, das kann auch sein.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist das erste. Das zweite, worauf ich Sie aufmerksam machen muß, ist, daß Sie bei Ihrer Vernehmung im Jahr 59 einen ganz anderen Grund angegeben haben, weshalb Sie eingeliefert worden sind. [...]

 

Richter Perseke:

Blattzahl?

 

Vorsitzender Richter:

529. Und zwar haben Sie damals eine Geschichte erzählt von einem gewissen Berger, Schorsch oder Schorsch Berger, der mit einem SS-Angehörigen etwas gehabt habe.5 Können Sie sich daran erinnern?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ich habe mit Schorsch Berger zu tun gehabt. Dieser Schorsch Berger hat in der Strafkompanie einen Häftling erschlagen, einen ehemaligen SS-Mann – ich habe den Namen wohl auch angegeben –, und der wurde von Boger erschossen, dieser Berger. Aber damit hat meine Bunkerangelegenheit nichts zu tun gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts zu tun gehabt. Nun, ja. Also dann will ich Ihnen mal vorhalten, was Sie damals gesagt haben: »Unter den Häftlingen befand sich auch ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger namens Schorsch Berger, genannt Schorsch Berger. Weshalb dieser in das KZ eingeliefert worden war, ist mir nicht bekannt. Ich nehme aber an, daß er ein krimineller Häftling war. Des weiteren befand sich unter diesen Häftlingen auch ein ehemaliger SS-Angehöriger. Den Namen kann ich nicht mehr angeben, er ist mir entfallen. Schorsch Berger hatte aus irgendeinem Grund einen Zorn auf diesen SS-Mann und versuchte, diesen zu beseitigen. Ein Menschenleben galt ja damals nicht viel, und es kam oft vor, daß sich Häftlinge gegenseitig umbrachten. An einem Tag des Monats August 1942 schlug Schorsch Berger während der Arbeit auf diesen ehemaligen SS-Mann ein, wobei der Schaufelstiel abbrach. Der ehemalige SS-Mann stürzte mit dem Gesicht in das Wasser, worauf Schorsch Berger das abgebrochene Stück Schaufelstiel nahm und den ehemaligen SS-Mann so lange unter Wasser drückte, bis dieser erstickt war. Da es sich bei diesem Häftling um einen ehemaligen SS-Mann gehandelt hat, wurden von der Politischen Abteilung sofort Ermittlungen eingeleitet.« Und jetzt kommt es: »Als verantwortlicher Kapo wurde ich am nächsten Tage von Lachmann vernommen, wobei er mir die Schuld für diesen Mord zuschieben wollte. Indem er gleich zu Beginn der Vernehmung sagte« – na, wissen Sie es noch, was er sagte?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

»Sie haben einen SS-Mann ermordet.«

 

Vorsitzender Richter:

»Du hast einen SS-Mann ermorden lassen.« Jetzt geht es weiter: »Ich konnte Lachmann wohl überzeugen, daß ich an dem Vorgang kein Verschulden hatte, wurde aber trotzdem in Arrest genommen und einige Tage später in den Häftlingsbunker Block 11 verbracht. Bis Anfang Oktober 42 verblieb ich sodann circa 70 Tage in einer Zelle des Häftlingsbunkers im Block 11.« 6

 

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja wieso? Was sollen wir da dann machen? Der heißt doch Hirsch. Ach so, dieser Schorsch, ja. Ja. Also, Sie sagten damals: »Ich bin eingeliefert worden, weil man mir die Schuld gab an dem Tod dieses SS-Manns.« Heute sagen Sie: »Ich bin eingeliefert worden, weil ich mit einer Frau gesprochen habe an der Kompostierungsstätte.«

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Mir fällt gerade der Name ein von diesem Mann: Das war der Sohn des Bahnhofsvorstehers von Freudenthal im Sudetenland, der hieß Franz Philipp.

 

Vorsitzender Richter:

Der Erschlagene?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wie verhält sich das? Sie haben hier zwei Dinge gesagt, die abweichen von Ihrer heutigen Aussage. Nämlich erstens haben Sie gesagt, daß Sie verantwortlicher Kapo gewesen wären, und zweitens einmal haben Sie gesagt, daß Sie auf Grund des Todes dieses SS-Manns Franz Philipp unter der Beschuldigung, Sie wären für diesen Tod verantwortlich, Sie hätten ihn erschlagen lassen, 70 Tage in den Block gesperrt worden seien. Was ist nun richtig?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Also richtig ist, daß man mir die Schuld an der Ermordung dieses Franz Philipp abgenommen hat, weil sich einwandfrei erwiesen hat, daß Schorsch Berger der Täter war und der Urheber der ganzen Affäre. Wenn ich das damals unterschrieben habe, dann muß ich irgendwie einer Täuschung unterlegen sein. Sicher ist, daß eine Frau schuld war, daß ich zum zweiten Mal in die Strafkompanie kam und auch in den Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber warum? Warum kamen Sie nun hin?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Weil ich mich mit ihr unterhalten habe.

 

Vorsitzender Richter:

Und die Sache mit dem Schorsch Berger?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Sache mit dem Schorsch Berger ist so, daß ich mit dem Schorsch Berger in der Bunkerzelle zusammenkam. Berger war vor seiner Erschießung mit mir zusammen auf Block 11 in derselben Zelle.

 

Vorsitzender Richter:

Der Berger ist erschossen worden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Während der Zeit, als Sie dort waren im Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, etwas später, ich bin entlassen worden aus dem Bunker

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wann?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das kann ich datumsmäßig nicht genau sagen. Sie haben vorhin das Datum genannt, das muß ja stimmen. Ich weiß nur, daß in diesem Augenblick die Amerikaner in Sizilien gelandet sind und der Berger gesagt hat, wenn sie jetzt rasch kommen, dann werde ich sagen, daß ich den erschlagen habe, weil er SS-Mann war. Und dann komme ich frei.

 

Vorsitzender Richter:

Darf ich noch mal sehen hier – oder Blatt 6, ich habe es ja hier. Also, Sie waren vom 6. Mai bis zum 14.7. dort, nicht, nach dem Bunkerbuch. Wenn Sie aber vom 14. Mai bis zum 14.7. dort waren, dann können Sie ja nicht dabeigewesen sein. Oder vielmehr muß ich sagen: Dann kann dafür nicht der Grund vorgelegen haben, daß im August 1942 der Berger einen SS-Mann erschlagen hat. Denn die Tat war ja dann nach Ihrer Entlassung aus dem Bunker bereits.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es stimmt auch nicht, daß der Vorfall sich im Jahre 42, sondern im Jahre 43 ereignet hat, mit Berger.

 

Vorsitzender Richter:

So?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ganz sicher.

 

Vorsitzender Richter:

So. Aha. Im Jahr 43.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe Berger erst 43 kennengelernt, damals war er Kapo des im Aufbau begriffenen Krematoriums I.

 

Vorsitzender Richter:

Gut. Jetzt, Herr Zeuge, folgendes: Sie haben nach dem Bunkerbuch vom 6. Mai bis zum 14. Juli 43 im Bunker gesessen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie erzählen, daß die Tat Berger/SS-Mann im August 1942 sich abgespielt habe. Heute sagen Sie: »Nein, es war auch das 43.« Ja?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist verwechselt mit der ersten Periode meines Aufenthalts in der Strafkompanie. Ich weiß auch noch genau, wo der Platz war. Der war unmittelbar hinter dem Lager. Mittlerweile war der Königsgraben bis an die Lagerzone des Lagers Birkenau in der Gegend des Krematoriums I herangekommen. Also muß es 43 gewesen sein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und wann im 43er Jahr?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Es war – ich kann das noch ziemlich genau sagen – am Ende meiner Strafzeit in der Strafkompanie. Es war Winter, und es war kalt.

 

Vorsitzender Richter:

Es war Winter, und es war kalt. Da ist das passiert?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und eingeliefert worden in den Bunker sind Sie im Mai. Da ist es weder Winter noch kalt. [Pause] Warum sind Sie dann so viele Monate später erst in den Bunker eingeliefert worden, oder hat Ihre Einlieferung in den Bunker gar nichts zu tun mit dem Berger?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, die hat nichts damit zu tun.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum haben Sie

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Das ist irgendwie ein Irrtum. Ich weiß es auch nicht, wieso das zustande kam. Mich hat der Lachmann, nachdem ich die Sache noch mal genau geschildert habe, sofort freigegeben. Und nach dieser Vernehmung bin ich in den Bunker gekommen und bin in der Zelle mit Berger zusammengekommen, der drin war auf Grund dieser Affäre. Und der hat

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und der hat Ihnen das erzählt, und daraufhin haben Sie es erzählt, als ob Sie es erlebt hätten oder als ob das der Grund gewesen wäre, weshalb man Sie eingesperrt hätte.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Berger hat von dieser Affäre mit mir im Bunker überhaupt nicht gesprochen. Wer ihn angezeigt hat, das weiß ich nicht einmal [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich denke, der Berger hat Ihnen doch sogar gesagt: »Wenn die Amerikaner sich ein bißchen eilen, dann werde ich sagen, daß ich den erschlagen habe, weil er SS-Mann war.«

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war ja ganz klar, denn ich war ja derjenige, der das dem Kommandoführer, dem Unterscharführer Eckhardt von der Strafkompanie, gemeldet hat. Der Mann wäre am nächsten Tag entlassen worden, da war der Entlassungsbefehl da. Aber über die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das habe ich jetzt nicht ganz mitbekommen, Herr Zeuge. Also, was haben Sie dem Dings von der Strafkompanie gemeldet?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Sache war so: Ich bin ins Lager zurückgegangen von der Strafkompanie und habe irgendwie ein Werkzeug oder was geholt. Mir unterstand der Gleisbau und die Feldlokomotive.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und als ich zurückkam, kamen von meinem Kommando Häftlinge gerannt und haben gesagt: »Der Berger hat den Franz Philipp erschlagen.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und dann bin ich sofort zum Unterscharführer Eckhardt gelaufen und habe gesagt: »Der Berger hat den Philipp erschlagen.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das drohte er schon immer, und ich habe dem Oberkapo von der Strafkompanie – das war Fritz Vaupel 7, [...] der wurde erschossen, weil er den Plagge ins Gesicht geschlagen hat, den Hauptscharführer Plagge.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Wurde er erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, also Sie haben nun gemeldet dem Unterscharführer...

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Eckhardt. [...] Der ließ sofort den Berger holen und schlug den Berger ins Gesicht. Und befahl uns allen, über den Fall zu schweigen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Abends wurde mit zahlreichen anderen, vor allem jüdischen Erschlagenen, die Leiche Bergers [Philipps] zurückgebracht. Das war übrigens so, daß der Körper noch sehr warm war, denn auf der Eisdecke der Strafkompanie war der Schnee zu Eis getreten und da fraß sich der Körper von Franz Philipp tief ins Eis. Man konnte wochenlang später immer noch die Stelle sehen, wo sich sein Körper in das Eis gefressen hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Es ausgehöhlt hatte, ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, weiter. Sie meldeten also das, und da sagte der zu Ihnen also: »Da wird nichts drüber gesprochen.«

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun kam abends das Kommando zurück und brachte den Erschlagenen mit.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Weiter.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nun kam von der Politischen Abteilung ein Zettel, daß Franz Philipp entlassen werden sollte. Der sollte zur Politischen Abteilung und sollte entlassen werden.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, Franz Philipp, das war der?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war der Erschlagene. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Der sollte entlassen werden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Der sollte entlassen werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, weiter.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und dann mußte man eine Todesmeldung schreiben, und der Mann war Reichsdeutscher. Man hatte uns befohlen zu schweigen. Ich habe selber nichts gesagt, denn es war ja nichts mehr zu machen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und es vergingen Wochen. Und ich hatte mittlerweile ein Kommando mit Zigeunern in einer Kiesgrube in Birkenau. Und da wurde ich eines Nachmittags von einem Lagerschreiber bei strömendem Regen geholt: »Schnell zur Politischen Abteilung nach Auschwitz.«

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und dann schwante mir nichts Gutes. Ich wußte nicht warum, die wußten es auch nicht, und da kam Lachmann. Ich wurde als erster hereingeholt, und da überfiel er mich mit der Beschuldigung, ich hätte einen SS-Mann erschlagen lassen. Und da habe ich mich sofort dagegen gewehrt und habe gesagt, so und so war das. Und dann hat er mir zum Schluß gesagt: »Jawohl, ich weiß, Sie haben sich für den Mann eingesetzt. Sie wollten nicht, daß das geschieht, ich bin genau unterrichtet.« Von wem, weiß ich nun nicht. Und damit war der Fall für mich erledigt.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, und das war, wie der erschlagen wurde, im Winter, und zwar wann im Winter? Im Winter 42 auf 43 oder

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Kurz vor meiner Entlassung aus der Strafkompanie, 43.

 

Vorsitzender Richter:

43 im Frühjahr?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kamen Sie in den Bunker wegen dieser Sache mit der Frau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und bei dieser Gelegenheit haben Sie den Berger getroffen. [...]

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, der war auch im Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum war der im Bunker?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Weil er von Lachmann überführt wurde, den Franz Philipp erschlagen zu haben.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie erklären Sie sich, daß dieser Berger erst am 21. April eingeliefert worden ist in den Bunker, wenn die Sache doch im Winter passiert

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Ja, vielleicht zwei Monate sind vergangen, bis die Sache aufgerollt worden ist. Irgendeiner, der ihm nicht gut gesonnen war, hat das der Politischen Abteilung gemeldet. Denn damals suchte die Politische Abteilung schon Leute, die am Tod der Häftlinge schuld waren. Diese Tendenz kannte man schon.

 

Vorsitzender Richter:

Wer den Berger gemeldet hat, wissen Sie?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Daraufhin kam der Berger in den Block 11. Und was wissen Sie über sein Schicksal?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Daß er dort erschossen worden ist.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar wann?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Also einige Wochen, nachdem ich aus dem Bunker entlassen worden bin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wieso wissen Sie es?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Berger war ziemlich bekannt, und es wurde davon gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Es wurde davon gesprochen. [Pause] Also jedenfalls stelle ich fest, daß Sie heute sagen, Sie sind weder Kapo gewesen, noch ist dieser Tod des Franz Philipp ausschlaggebend gewesen für Ihre Verhaftung und Ihre Verbringung in den Bunker.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich sage nicht, daß ich nicht Kapo gewesen bin, ich bin in vielen Kommandos Kapo gewesen, aber ich war nicht Kapo in der Strafkompanie. Das ist insofern ein Irrtum. Bevor ich zum zweiten Mal in die Strafkompanie kam, war ich natürlich Kapo. Und die Leute, die in die Strafkompanie kamen, die haben ihren Titel, wenn man so sagen darf, nicht abgelegt, sondern sie galten weiterhin als Kapos.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Sie haben gesagt

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Ich habe dort ein Arbeitskommando geführt, nicht, das Vermessungskommando, und als solcher wurde man dann auch wieder als Kapo bezeichnet, wenn man es einmal war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Sie haben sich selbst bei Ihrer Vernehmung bezeichnet als Kapo der Strafkompanie, als verantwortlicher Kapo.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In meinem Arbeitskommando.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun sagen Sie mal bitte: In Ihrer Zelle waren wie viele Häftlinge untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Fünf bis sechs.

 

Vorsitzender Richter:

Fünf bis sechs. Und können Sie sich noch entsinnen, daß man da eines Tages einen Mann hereingebracht hat, der anscheinend ohnmächtig war oder so was?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, da war ich auf der anderen Seite des Hofes, da hat man einen polnischen Häftling hereingebracht, der war so zerschlagen, daß man ihn nicht mehr setzen konnte, sondern auf dem Bauch liegend lassen mußte.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo wurde er hingebracht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In unsere Zelle. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und ist es richtig, daß seine Hose vollkommen durchblutet war

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Ja, die klebte am Körper.

 

Vorsitzender Richter:

Und das rohe Fleisch herausgesehen hat.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hat der Häftling gesagt, was ihm passiert sei?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, daß er auf der »Boger-Schaukel« war.

 

Vorsitzender Richter:

Daß er auf der »Boger-Schaukel« war. Und wer soll ihn so mißhandelt haben?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Boger.

 

Vorsitzender Richter:

Boger. Und was geschah mit dem Häftling?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Der war ein paar Tage lang da, und der stöhnte die ganze Zeit. Wir konnten schon nicht mehr richtig schlafen, und wir konnten ihn nicht aufrichten. Ein paarmal kam ein Pfleger und hat irgendwie was, eine Medizin, eine Desinfektionsmasse über seine Wunden gelegt, und dann hat man ihn rausgenommen. Ich weiß nicht, ob er mit dem Leben davongekommen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie den Boger sonst noch mal irgendwo gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Ich habe Boger gesehen, ich werde das nie vergessen. Vor der Küche begegnete ich ihm. Ich weiß nicht mehr, was ich da gerade zu tun hatte, es war am hellen Tag.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

War das in Birkenau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, nein, nicht in Birkenau, in Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz, ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In Auschwitz. Er ging mit einem Kleinkalibergewehr – das einen eigenartigen Trichter an der Mündung hatte – die Lagerstraße hinunter Richtung Block 11.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Und?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und da ich wußte, was dort war, war es mir klar, in welcher Absicht er da hinging.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie auch mal mit ihm zusammengestoßen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ich bin mit ihm zusammengestoßen, und zwar verließ ich im Zigeunerlager in Birkenau einen Block. Ich öffnete die Türe, und er stand direkt vor der Türe, ich war schockiert. Und da sagte er zu mir – ich habe schnell die Mütze abgerissen: »Kennst du mich? Ich bin der Teufel.«

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun, haben Sie auch irgendwelche Erschießungen – aber da können wir nachher drüber sprechen, wir wollen zunächst mal eine Pause einlegen bis fünf nach halb elf.

 

– Schnitt –

 

Vorsitzender Richter:

Herr Hirsch, ich wollte Sie noch befragen wegen Ihrer Zeit im Block 11. Haben Sie dort erlebt, daß Erschießungen vorgenommen worden sind?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Sie erlebt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Es wurden mehrmals Erschießungen vorgenommen, teils kamen diese Häftlinge aus den Zellen, teils wurden sie von außen angeliefert und erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wenn die aus den Zellen genommen wurden, wie spielte sich das ab, haben Sie das auch erlebt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie war das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Zellentür wurde von einem SS-Mann geöffnet. Wir wurden vorher darauf aufmerksam gemacht, daß die Politische Abteilung kam, mit dem Lagerführer. Wir standen in Reih und Glied. Der erste vorne meldete sich zuerst. Dann standen draußen die Mitglieder der Politischen Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, wer dabei war?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kannte einige.

 

Vorsitzender Richter:

Zum Beispiel.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Den Lagerführer Aumeier, Grabner, Boger, Broad und andere.

 

Vorsitzender Richter:

Die standen vor der Tür. Und was geschah dann?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Der Lagerführer hatte Papiere in der Hand, wahrscheinlich über jeden einzelnen Insassen einen Akt. Und dann wurde man über das Vergehen befragt, und dann wurde der Fall also entschieden. Entweder wurde man entlassen, erschossen, oder man mußte bleiben.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer entschied das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das entschied der Lagerführer.

 

Vorsitzender Richter:

Der Lagerführer. [Pause] Und hatte denn der Lagerführer eine solche Kenntnis, daß er bereits bei Nennung des Namens oder der Häftlingsnummer wissen konnte, wie weit die Untersuchung gediehen war und so weiter und so weiter?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Der Lagerführer ließ sich von den Referenten der Politischen Abteilung über den einzelnen beraten.

 

Vorsitzender Richter:

Aha.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kann da einen Fall anführen. Bei mir in der Zelle war ein junger Russe. Dieser Mann wurde ein paar Tage vorher ins Lager eingeliefert, kam auf ein Arbeitskommando und kannte sich in dem weiten Lagerbereich nicht aus und verlief sich, fand sein Arbeitskommando nicht in dem Moment, wo er einrücken sollte, wo das Kommando abgezählt wurde. Da hat der Kapo sofort gemeldet, daß einer geflüchtet ist. Daraufhin wurde Alarm geschlagen und der Mann als fluchtverdächtig irgendwo aufgegriffen und in den Bunker abgeliefert.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Der Mann war völlig eingeschüchtert, und nun kommt der Fall: Es war Bunkervisite. Aumeier stand da, Grabner stand da, Boger und alle anderen. Und sie hatten einen Zettel, da stand wahrscheinlich der Name drauf von dem. Und sie wußten nicht recht, was sie damit anfangen sollten. Keiner wußte etwas, und Aumeier, weil keiner etwas wußte, machte ein Kreuz. Das heißt erschießen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und als das Kreuz gemacht war, sagte Grabner: »Das ist der Idiot, der hat sich verlaufen. Der ist erst ein paar Tage da.« Daraufhin sagt der Aumeier: »Ah was, ein Bolschewik weniger.«

 

Vorsitzender Richter:

Und dann wurde er erschossen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Von den Erschießungen selbst haben Sie wohl nichts gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Gesehen nicht, aber gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Gehört, und zwar was gehört?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich saß in der zweiten Zelle auf der Seite, wo die Schwarze Wand stand. Vor den Erschießungen wurden diese hochgemauerten Schächte, damit man nicht hinausschauen konnte aus den Zellen, mit Decken zugedeckt. [Pause] Und bei einem dieser Fälle wurde die Decke, nachdem zugedeckt war, weggezogen, und oben stand Broad und reichte uns herunter eine Zigarettenkippe. Freundlich, lächelnd, so wie wenn überhaupt nichts wäre, wie wenn vielleicht irgendwo ein Trinkgelage abgehalten wurde, so war er gelaunt. Die Decke flog wieder zu, und Minuten später krachten draußen die Schüsse. Ein Mithäftling, der nicht mehr lebt, ein bekannter Massenmörder, Albert Hämmerle aus Tübingen, hatte einen kurzen Bleistift und machte für jeden Schuß, der draußen fiel, an die Wand einen Strich. Es waren 34. Und damals war dabei auch eine Bunkerinsassin, die ich kannte, es war die Polin Strowak. Sie hatte ein Haus hinter Budy, ein einsam stehendes Haus am Waldrand, und war verdächtig, flüchtigen polnischen Häftlingen Zivilkleider besorgt zu haben. Sie wurde hinausgeführt – ich kannte ihre Stimme –, und beim Anführen an die Schwarze Wand schrie sie noch einmal: »Ja nic nie robiłam!« Und dann krachten die Schüsse.

 

Vorsitzender Richter:

»Ich habe nichts getan!«

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, also bei diesem Vorfall, bei dem Sie den Namen Broad erwähnt haben, kannten Sie da schon den Angeklagten Broad damals?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Ja, ich kannte ihn.

 

Vorsitzender Richter:

Und wodurch?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Von Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kamen Sie in Birkenau mit ihm zusammen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, Broad hatte überall das Recht zu erscheinen, und er war ein sehr freundlicher, wohlwollender Mann, scheinbar. Und er sprach mit allen Leuten, die ihm interessant genug schienen, unterhielt sich mit ihnen. Und irgendwie mußte er erfahren haben, daß ich gute Beziehungen zu den Russen hatte und Russisch sprach. Und deswegen trat er an mich heran, ich sollte doch für die Politische Abteilung Spitzeldienste leisten, weil die Russen unsichere Kantonisten wären und ich als Deutscher, als Reichsdeutscher, schließlich doch verpflichtet wäre, also mitzuhelfen, das russische Untermenschentum in Schach zu halten. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Sie daraufhin geantwortet?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe mich natürlich aus der Schlinge gezogen und habe ihm gesagt, daß ich solche Beziehungen gar nicht hätte, daß ich wohl ein bißchen russisch könnte, aber daß die Russen zu sehr sich abkapselten und mich doch gar nicht dort hinschauen lassen würden.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, was wissen Sie davon, ob Broad bei dieser Erschießung sich beteiligt hat? Daß er da war, haben Sie gesagt, aber ob er auch geschossen hat?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Das konnten Sie nicht sehen, denn die Decke war ja drüber. Sie konnten das nicht sehen. Nun, diese Frau, die da erschossen worden ist, war die auch an dem Tag dabei, als Sie mit Broad gesprochen hatten?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, die wurde unmittelbar danach herausgeführt und...

 

Vorsitzender Richter:

Sie kannten Broad schon früher, sagten Sie, und er hat auch versucht, Sie zu Spitzeldiensten in der Politischen Abteilung anzuwerben. Haben Sie Broad auch auf der Rampe gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, sehr oft.

 

Vorsitzender Richter:

Sehr oft? Und haben Sie auch gesehen, ob er dort mit ausgewählt hat die Leute, die in die Gaskammern kommen sollten oder ins Lager?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Masse dieser Leute, die ankamen, wurde in die Gaskammern befördert. Die Leute wurden in erster Linie ausgewählt in solche, die zu Fuß in die Krematorien marschieren mußten. Und die anderen, die nicht mehr gehfähig waren, die wurden abgesondert, um auf Lastwagen verladen zu werden. Also die Masse, die laufen konnte, die wurde zu Fuß geschickt. Die anderen aber wurden auf Lastwagen abtransportiert. Und nur immer eine kleine Gruppe, die gerade im Lager vakant war, wurde, falls man nicht gerade Spezialarbeiter brauchte oder Ärzte oder so irgend etwas, die man ausgerufen hatte, dann ins Lager gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, wissen Sie auch, ob Broad mitgefahren ist in die Krematorien, mit den Lastwagen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ich glaube, mich erinnern zu können, daß er an einem Lastwagen an dem Trittbrett hing und mit zu den Krematorien gefahren ist. [Pause] Das hat sich sowieso keiner entgehen lassen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das einmal erlebt, oder haben Sie das mehrmals erlebt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich glaube, nur einmal.

 

Vorsitzender Richter:

Wo waren Sie nun gewesen, wie Sie sahen, daß Broad auf der Rampe stand?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich stand, und ich kann das heute nicht sagen, warum, mit Broad zusammen, nicht auf der Rampe, sondern sogar auf den Gleisen. Und nicht weit weg von uns – er wird das auch bestätigen können – arbeiteten mit den Krampen Polinnen und haben Gleise repariert.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und da machte er mir den Vorschlag.

 

Vorsitzender Richter:

Da hatten Sie diese Polinnen zu beaufsichtigen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, nein, nein, das waren Zivilpolinnen wahrscheinlich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und warum sind Sie denn überhaupt auf die Rampe gekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe dort mein Kommando gehabt, ich habe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was war das für ein Kommando?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Kommando Kartoffelhallenbau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was soll ich darunter verstehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Für die 200.000 vorgesehenen oder anwesenden Lagerinsassen brauchte man riesige Vorräte für den Winter, also in erster Linie Kartoffeln. Und da wurde eine riesige Kartoffelhalle unmittelbar an der Rampe gebaut.

 

Vorsitzender Richter:

Und dadurch waren Sie Augenzeuge von dem, was auf der Rampe vor sich ging?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und da haben Sie auch gearbeitet, wenn die Transporte einliefen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Natürlich.

 

Vorsitzender Richter:

Sind die nicht nur hauptsächlich nachts gekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war unbestimmt. Die Transportzüge, die oft Tage und Wochen gebraucht haben, bis sie aus dem Inneren Frankreichs oder woher kamen, die kamen unbestimmt an. Vorzug hatten die Militärzüge.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und dann wurden die wieder auf Seitengleise gestellt, und die haben sie dort verdursten und verhungern lassen.

 

Vorsitzender Richter:

Und von diesem Hallenbau aus haben Sie also Broad beobachtet. Bei dieser Gelegenheit hat er auch mit Ihnen gesprochen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Hat denn Broad auch mit diesen Gleisanlagen etwas zu tun gehabt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Gleisanlagen waren zu meiner Zeit

 

– Schnitt –

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das waren keine Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

»Dieses Kommando unterstand irgendwie ebenfalls Broad, weshalb er sich oft dort befand, so daß ich mit ihm sprechen konnte.« 8

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Da könnte ich also nichts Sicheres sagen dazu. Ich glaube, nach der heutigen Erinnerung, daß er damit wohl nichts zu tun hatte, daß er ausschließlich sich um Häftlinge kümmerte.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Wann waren Sie denn dort bei diesem Hallenbau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das war schon Herbst 43.

 

Vorsitzender Richter:

Im Herbst 43?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Mitte bis Herbst. Und wurden Sie bei dieser Gelegenheit einmal zur Politischen Abteilung beordert?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich glaube nicht, meines Erinnerns nach.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Waren Sie auch einige Zeit im Block 22?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo war das, in Birkenau oder im...

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Den Block 22 gibt es eigentlich, glaube ich, bloß in Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Auschwitz I?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, das hat zu tun gehabt mit dem Reichsbodenwirtschaftsdienst.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dieser Block ist heute als, glaube ich, Block 18 aufgeführt, ja? Die Numerierung, die stimmt da nicht mehr so ganz?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und können Sie uns sagen, was für diesen Block charakteristisch war? Was war da für ein Platz davor?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Küche.

 

Vorsitzender Richter:

Und hatten da die Häftlinge auch so eine Art schwarzen Markt oder so was?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, da war auch die Kantine drin.

 

Vorsitzender Richter:

Küche, Kantine, war das ein Bau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. Vom Lagereingang rechts war das Gebäude der Küche. Und links war entweder 22 oder 24, ich weiß nicht mehr genau. Und die Häftlingsschreibstube, war die in 22 oder 24, da bin ich nicht sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und als Sie auf 22 lagen, konnten Sie da auch hinausgucken ans kleine Krematorium?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, von dort aus ist das möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und haben Sie da auch gesehen, daß Leute dort eventuell herumgingen mit Gewehren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was haben Sie da gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kann mich sehr gut erinnern an einen jungen, stämmigen SS-Mann, der mit einem Karabiner hin und her gegangen ist, das heißt, der wahrscheinlich in dieser Situation Leute erschossen hat. Aber den Namen weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Den Namen wissen Sie nicht mehr. War da auch die Politische Abteilung in der Nähe?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. In Baracken rund um das Krematorium herum.

 

Vorsitzender Richter:

Rund um das Krematorium. Und haben Sie dort auch Leute von der Politischen Abteilung gesehen, die mit Gewehren herumgegangen sind?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das möchte ich nicht behaupten.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Sie haben einmal gesagt, auf Blatt 536: »Ich sah oft, wie Angehörige der Politischen Abteilung mit ihren speziellen Hinrichtungsgewehren, eine Art Kleinkaliber mit Schalldämpfer, zu Erschießungen zum Block 11 gingen. Boger und Broad waren oft dabei.« 99 [Pause] Dann haben Sie weiterhin einen Fall vielleicht erlebt, wollen Sie uns darüber mal etwas erzählen, und zwar, daß ein Fluchtversuch geplant worden war. Wissen Sie was davon?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Na, Fluchtversuche wurden ununterbrochen geplant [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der aber herauskam. Und der nicht durchgeführt werden konnte.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Handelt es sich um den Fluchtversuch in der SK, in der Strafkompanie?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Na ja, wir waren am Königsgraben beschäftigt. Das war bei meiner ersten SK-Zeit, da waren ungefähr 300 Polen beschäftigt, die von der Politischen Abteilung in die Strafkompanie eingewiesen wurden. Und das waren Polen, die körperlich sehr kräftig waren und die man, bevor man sie umlegen wollte, zuerst zum Arbeiten ausnützen wollte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das wurde irgendwie ruchbar, und die Polen entschlossen sich zu flüchten. Und sie haben das auch getan. Aber die Wachmannschaften haben sofort die Verfolgung aufgenommen und haben an die 20 erschossen, während 20 durchkamen. Und die anderen haben die Flucht nicht ergriffen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah mit den anderen, die

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Die, die eingefangen wurden – sofort wurde die ganze SS alarmiert, die kamen in Wagen an und haben das ganze Gelände durchforscht und haben vielleicht zehn oder zwölf eingefangen –, die wurden dann nachträglich erschossen. Ungefähr 20 haben sie aber auf der Flucht erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich auch entsinnen, daß einmal etwa 300 polnische Bankbeamte erschossen worden sind?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, das habe ich gehört und auch über die näheren Umstände, die zu dieser Erschießung geführt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, man hat gesagt, daß sie beschäftigt waren draußen auf einem Acker, dieser Acker lag am Bahndamm der Bahnlinie Krakau. Und da soll ein Zug deutscher Verwundeter aus Rußland zurückgekommen sein. Und da hätte der Kapo das gemeldet, daß einige ihre Notdurft in Richtung dieser Verwundeten verrichtet hätten und angeblich die Verwundeten dadurch provozieren wollten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wieso wissen Sie das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das wurde erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, wer damals den Anstoß gegeben hat, daß diese 300 Menschen nachher auch erschossen wurden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Angeblich, wurde gesagt, es sei Hugo Breiden gewesen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Warum, was hat er gemacht?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Er hat das angeblich dem Lagerführer gemeldet, und der Lagerführer [Fritzsch], wenn er so hieß, der hat sofort an die Reichs-SS-Führung in Berlin gemeldet, daß polnische Untermenschen die tapfersten Menschen der Welt, die deutschen Soldaten, die deutschen Verwundeten...

 

Vorsitzender Richter:

Beleidigt hätten.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Beleidigt hätten.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das nur aus Gesprächen im Lager gehört, daß Breiden diese Denunziation ausgeführt haben soll?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Aus Gesprächen, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aus Gesprächen im Lager. [Pause] Wissen Sie etwas von Vergasungen, die versuchsweise zunächst stattgefunden hatten? Also nicht in den Krematorien sich abspielten, sondern vorher?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, auch das kenne ich nur vom Hörensagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Und was wissen Sie da vom Hörensagen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Na, daß man diese Häftlinge – in erster Linie Russen – in ein paar Arrestzellen des Bunkerblocks 11 gesperrt hat, daß man sie nackt reingesperrt hat, daß man sie dicht aufgefüllt hat und hat dann ein Büchse Zyklon B über sie geschüttet und den Bunker wieder zugemacht. Daß es Winter war, und daß sie dann zu Eis gefroren. Und daß man sie mit dem Pickel herausgehauen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Und sagen Sie, das haben Sie von Hörensagen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, wer das veranlaßt hat und wer dafür maßgeblich und verantwortlich war?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Damals war [Fritzsch] Lagerführer.

 

Vorsitzender Richter:

[Fritzsch]. Sie haben mal ausgesagt: »Mir wurde über diesen Vorgang folgendes erzählt: Boger ließ eine Zelle des Bunkers 11 abdichten«, und die waren soundso groß. »Boger ließ 20 bis 30 Häftlinge in diese Zelle einsperren. Inmitten der Häftlinge warf er eine geöffnete Büchse Zyklongas und schloß die Tür.« 10

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist so gesagt worden, aber ich glaube das nicht, denn Boger war damals, glaube ich, noch gar nicht da.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Sie hatten einen Freund, Rudi Friemel aus Wien?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was ist mit dem geworden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Rudi Friemel ist der Mann gewesen, der sich eine SS-Uniform beschaffte, mit seinem Freund, wie hieß er, Ernst Burger, mit einem verabredeten SS-Mann und einem polnischen Häftling, die flüchten wollten, weil er der Ansicht war, die hat er mir geäußert, daß sie uns lebend nicht entlassen werden. Daß es besser ist, jede Möglichkeit zu flüchten auszunützen. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie vorhin schon erwähnt: Sie hätten gesehen, daß Broad auf einem Trittbrett mit zum Krematorium gefahren sei.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ich lese jetzt zum zweiten Mal, daß Sie gesagt haben, das sei mehrmals geschehen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das ist möglich.

 

Vorsitzender Richter:

Wie? Sind Sie nicht einverstanden?

 

Verteidiger Laternser:

Nein, Herr Vorsitzender, der Zeuge hat ja nicht gesagt, daß er Broad gesehen hat, sondern er erklärte: »Ich glaube, mich erinnern zu können, ihn gesehen zu haben.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Verteidiger Laternser:

So sagte er.

 

Vorsitzender Richter:

Stimmt es so?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, schön. Das haben Sie aber nur einmal in Erinnerung, oder?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, es ist so gewesen, daß

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

[unverständlich] Darf ich noch mal [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Und dann sagte er auf Ihre weitere Frage: »Ich glaube nur einmal.« Auch wieder hinzugefügt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ich glaube, der Herr Beisitzende [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, weil ich nämlich jetzt hier wieder lese, daß er gesagt hat: »Selbst gesehen habe ich, wie der Uscha. Broad so mehrmals mit zum Tode Bestimmten zu den Krematorien gefahren ist. Er stand jeweils auf dem Trittbrett beim Führerhaus.« 11 Heute sagen Sie, Sie glauben sich nur daran erinnern zu können. Und Sie glauben sich auch nur an ein Mal erinnern zu können.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kann mich sehr gut erinnern, daß immer die Trittbretter besetzt waren. Ich weiß auch nicht, warum.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich entsinnen an einen Transport jüdischer Mädchen, im Alter von acht bis zehn Jahren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, wie viele Kinder das ungefähr waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, das waren 30 oder 40 Kinder.

 

Vorsitzender Richter:

Und da soll auch ein Arzt dabeigewesen sein? Oder? Nein.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich erinnere mich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Eine Selektion fand bei diesen Mädchen nicht statt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, das war ein einzelner Waggon, der wurde von einer Lokomotive an die Rampe herangeführt, und die Kinder wurden ausgeladen. Es kam ein Lkw, und die Kinder standen eine Weile da. Ich stand in der Nähe, dann kamen ein Lkw, und es dauerte wieder eine Weile, und dann wurden die eingeladen. Ich habe dabei geholfen, die Kinder hinaufzuheben auf den Lkw, und ich kann mich noch erinnern, daß eine gezuckt hat und sich geweigert hat.

 

Vorsitzender Richter:

Na und, was geschah mit dem Kind?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Die Kinder wurden weggefahren in Richtung

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das Kind, das sich geweigert hat?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es hat nur eine abweisende Bewegung gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber trotzdem wurde es hinauftransportiert, nicht.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Trotzdem. Ja, natürlich. Die Kinder haben nichts geahnt. Sie haben sich völlig ruhig verhalten.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, hatten Sie keine Bedenken, dabei zu helfen? Wieso kamen Sie eigentlich dazu, zu helfen? Waren Sie

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Es war am Rande meines Arbeitskommandos und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Immer noch bei diesem Hallenbau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, Kartoffelhallenbau.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Kartoffelhallenbau, ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Und es war nicht sicher, daß sie ins Krematorium gefahren worden sind. Sie konnten auch woanders hingefahren werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Nun, sagen Sie bitte, Sie hatten uns den Namen Broad wiederholt jetzt erwähnt, können Sie uns noch andere Dinge von dem Angeklagten Broad sagen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe mich mit Broad gern unterhalten, er gab sich immer als feiner, freundlicher, humaner Mann.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie auch das Gegenteil von ihm erlebt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Habe ich nicht erlebt.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie nicht

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Ich habe ihn nur als Gentleman kennengelernt. Aber ich habe das Gefühl gehabt, daß diese Freundlichkeit nicht wirklich sei.

 

Vorsitzender Richter:

Ganz echt war. Ja, Herr Hirsch, Sie haben also einmal gesagt, daß der Angeklagte Broad dabeigewesen sei, wie die Erschießung da vorgenommen worden sei, wobei Sie allerdings nicht wissen, ob er selbst mit geschossen hat.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie haben dann weiterhin gesagt, er habe versucht, Sie anzuwerben als Spitzel für die Politische Abteilung.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß er auf der Rampe war und eventuell auch einmal mit ins Krematorium gefahren ist. Wie Sie nun in der Strafkompanie waren, da wollen wir doch zunächst einmal feststellen, wann das gewesen ist. Sie haben uns vorhin gesagt, es war, nachdem Sie zum ersten Mal und zum zweiten Mal aus dem Bunker entlassen worden sind. Fürs zweite Mal haben wir genaue Daten, nämlich Sie sind damals im Juli 1943 aus dem Bunker entlassen worden. Also müssen Sie anschließend an den Juli 43 in der Strafkompanie gewesen sein.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. Am Heiligen Abend des Jahres 42 ist auf dem Appellplatz zum zweiten Mal verlesen worden, daß ich in die Strafkompanie muß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Da bin ich also drei Monate später entlassen worden. Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das war zum zweiten Mal oder war das

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Das war zum zweiten Mal, und erst nach dieser Entlassung aus der Strafkompanie bin ich zum zweiten Mal in den Bunker gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und warum sind Sie zum zweiten Mal in die Strafkompanie gekommen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Was war das für eine Ursache? [Pause] Was war das? Ich glaube, ich habe darüber Angaben gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, nein, also die Angaben, die Sie gemacht haben, habe ich Ihnen alle schon vorgehalten, und danach hat es ja bisher so ausgesehen, als ob Sie eben im Anschluß an den Bunker in die Strafkompanie gekommen wären.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Es muß folgendes gewesen sein: Ein polnischer Jude namens Jakob Schwimmer, der in meinem Kommando war [...] – er wurde später gehängt, als ich bereits Birkenau verlassen hatte –, der hat mir aus Dankbarkeit eines Tages eine sehr gute Jacke gebracht, zum Anziehen. In der Morgenfrühe schon, um sechs Uhr, brachte er beim Aufstehen die Jacke, und ich konnte sie nicht mehr rechtzeitig zeichnen, also einen roten Streifen hinten aufnähen, und habe sie unter meinem Mantel angezogen. Und habe den Häftlingsmantel drübergezogen. Beim Ausmarsch wurde ich gefilzt, und – vielleicht hat es irgend jemand verraten gehabt – man stellte fest, daß ich eine Ziviljacke anhatte, und damit war ich fluchtverdächtig. Ich kam sofort in den Stehbunker in Birkenau und wurde abends daraus entlassen, und es gab eine Meldung. Und das ist wahrscheinlich die Ursache, daß ich in die Strafkompanie gekommen bin.

 

Vorsitzender Richter:

Das war also, sagten Sie, Weihnachten 42?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Vorher muß das gewesen sein, dieses Ereignis.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das Ereignis. Aber die Verurteilung zur Strafkompanie kam dann erst Weihnachten. Sie sagten, am Heiligen Abend.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie vorher ja auch schon mal in der Strafkompanie, und zwar nach dem ersten Arrest im Bunker.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Wann war das ungefähr?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich glaube, am 12. Mai 42 bin ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

42.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie Sie nun in der Strafkompanie waren, wer war denn da Blockältester?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

[Pause] Das erste Mal war Blockältester ein Mann aus der Gegend von Freiburg. Ich weiß seinen Namen, im Augenblick kann ich ihn nicht sagen. Ich habe ihn angegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nicht? Ein Krimineller aus der Gegend von Freiburg.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wer war dann Blockältester, wie Sie zum zweiten Mal drinnen waren? Also das erste Mal, das muß Mitte 42 gewesen sein.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Da war Blockältester der Mann von Freiburg.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Und das zweite Mal war Blockältester ein Oberschlesier aus Hindenburg. Das war der nachmalige Lagerälteste, und zwar war das [Pause] ich sage den Namen noch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Fällt mir im Augenblick nicht ein.

 

Vorsitzender Richter:

Das zweite Mal war ja im Dezember 42.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Also nach Weihnachten.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und das dritte Mal?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich bin nicht das dritte Mal dort gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie denn nicht, als Sie damals die Sache mit der Frau gehabt haben

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Dafür war ich im Bunker. [...] Das ist jetzt klar.

 

Vorsitzender Richter:

Und sagten Sie nicht, daß Sie da vom Bunker aus wieder in die Strafkompanie für drei Monate geschickt worden seien?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. Nein, nein. Sondern es war so, wie ich es jetzt sage, jetzt stimmt es genau. Ich bin in den Bunker gekommen wegen dieser Frau. Und nachdem ich entlassen war, war ich wieder frei.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie wieder frei.

 

Zeuge Friedrich Hirsch [unterbricht]:

Und bin nicht mehr in den Bunker gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Also waren Sie nur zweimal in der Strafkompanie.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Zweimal in der Strafkompanie und zweimal im Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich einmal Mitte 42 und einmal nach Weihnachten 42.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagten, damals waren Leute Blockälteste, aber nicht etwa Bednarek?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie Bednarek überhaupt als Blockältesten erlebt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. Bednarek war Blockältester vom Block 6 in Birkenau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nicht von der Strafkompanie?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein. Weiß ich überhaupt nichts davon.

 

Vorsitzender Richter:

Da wissen Sie nichts davon. Und was wissen Sie von Bednarek?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Daß er Blockältester von 6 war. Ich war typhuskrank und lag im Block vis à vis im Krankenbau. Und als ich einigermaßen wieder gehen konnte, als ich ein paar Schritte tun konnte, da habe ich mich aus dem Block herausgearbeitet, und er war als Blockältester vis à vis. Ich wog nach dieser Krankheit noch 95 Pfund. Ich war völlig ausgehungert und war am hinübergehen, und da hat er mir des öfteren Brot geschenkt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Einmal kam er heraus, völlig verzweifelt. Seine oberschlesischen Freunde, von denen ich eine Reihe kannte, die mit mir in der Strafkompanie waren, die waren reihenweise erschossen worden. Und er fürchtete, erschossen zu werden. Er war völlig durcheinander und kam heraus zu meinem Erstaunen und gab mir eine ganze Portion Brot und ein großes Stück Wurst und sagte: »Hier nimm, ich brauche es nicht mehr, ich werde erschossen.«

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, wieso kannten Sie Bednarek?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Er war Blockältester. Die Kranken, die vis à vis herauskamen, sich der Sonne ein bißchen aussetzten, die bettelten ihn gerne an, und er kam heraus und hatte ein Stück Brot. Mit einem Messer schnitt er jedem so einen Brocken herunter, weil er nicht viel zu vergeben hatte. Und wir hielten uns daran, irgendwie war das uns sehr wertvoll.

 

Vorsitzender Richter:

Ist Ihnen etwas davon bekannt geworden, daß Bednarek auch Leute totgeschlagen haben soll?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Wenn ich das gehört hätte, dann würde ich es hier sagen. Wenn ich es gesehen hätte, würde ich ihn nicht schonen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Von seiten des Gerichts keine Fragen mehr? Von seiten der Staatsanwaltschaft?

 

Staatsanwalt Wiese:

Eine Frage. Herr Zeuge, welche Tätigkeit in Ihrer Erinnerung verbinden Sie mit der Person des Angeklagten Broad auf der Rampe?

 

Verteidiger Laternser:

Die Frage ist beantwortet.

 

Staatsanwalt Wiese:

Nein.

 

Verteidiger Laternser:

Die Frage ist beantwortet.

 

Staatsanwalt Wiese:

Ist nicht beantwortet, er hat nur gesagt: »Ich habe ihn einmal gesehen, wie er mit einem Lkw «

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich habe ihn auch gefragt, ob er bei Selektionen mitgewirkt habe, worauf der Zeuge geantwortet hat: »Da waren immer einige da, und ich kann das im einzelnen nicht sagen, was der einzelne gemacht hat.«

 

Staatsanwalt Wiese:

Und nun wollte ich ganz speziell noch mal nachgefragt haben, für den Angeklagten Broad.

 

Vorsitzender Richter:

Also, haben Sie den irgendwie bei einer Tätigkeit dabei beobachtet, den Broad?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Nein, das habe ich nicht.

 

Staatsanwalt Wiese:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt Kügler.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Zeuge, Sie sagten, am Heiligabend 1942 sei auf dem Appellplatz verlesen worden, daß Sie in die Strafkompanie mußten. Welcher Appellplatz war das denn?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Birkenau.

 

Staatsanwalt Kügler:

In Birkenau. Und wie hat sich das weiter abgespielt? Sind Sie dann gleich in die Strafkompanie? Am selben Abend noch? Oder wie?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, ich bin am selben Abend noch in die Strafkompanie gekommen. Nun war die Sache aber die, daß ich mittlerweile ein alter Häftling war, daß ich bereits Kommandos führte und für mich die Strafkompanie kein gefährliches Unternehmen mehr war. Ich ging da heraus und ging hinein. Ich war nicht mehr derartig festgenagelt, wie das der unbekannte Häftling war, und so war das für mich nicht mehr die Tortur, wie es für andere werden mußte, die zum ersten Mal hineinkamen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Nun darf ich Ihnen vorhalten, haben Sie mal gesagt, Sie hätten mit dem Bednarek eine Weihnachtsfeier erlebt.12

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wann war denn das?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es war der Heilige Abend des Jahres 42. Ich ging durchs Lager

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

42?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

42. Denn 43 war ich nicht mehr da. Ich habe mich hineingeschlichen. Er kannte mich ja gar nicht. Ich glaube nicht, daß er mich kennt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Und da sei eine Weihnachtsfeier gewesen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Wo war die denn?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Im Block 6.

 

Staatsanwalt Kügler:

In Birkenau?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

In Birkenau.

 

Staatsanwalt Kügler:

42 in Block 6 in Birkenau. War das nach diesem Appell?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, es war nachts.

 

Staatsanwalt Kügler:

War nachts. Gut, danke schön. Keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Eine Frage: Herr Zeuge, Sie sind früher einmal gefragt worden über die verschiedenen Kommandos, die innerhalb des »Sonderkommandos« bestanden haben. Können Sie kurz darüber Auskunft geben. Wegen der Haare, wegen der Zähne, wegen der Knochen.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ja, zur Zeit, als man die 60.000 vergasten Leichen ausgegraben hatte, nach der Affäre von Katyn13, wurden mit 900 Mann »Sonderkommando« in Tag- und Nachtarbeit diese Leute exhumiert, aus Gründen, die ganz klar sind. Und da war das »Sonderkommando« sehr aufgebläht, und die »Sonderkommandos«, die an der Vergasung teilnahmen, die wurden nach kurzen Abständen, nach drei, vier, fünf Wochen, regelmäßig samt und sonders erschossen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und welche Kommandos gab es da im einzelnen, wie war die Tätigkeit aufgeteilt?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich habe ein

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich widerspreche, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Warum?

 

Verteidiger Laternser:

Diese Frage und die damit bezweckte Antwort hat mit den angeschuldigten Taten doch nichts zu tun.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, es ist doch für das allgemeine Bild der dortigen Tätigkeit meines Erachtens nicht ohne Interesse. Also, ich würde die Frage zulassen. Wenn Sie

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Gut, dann nehme ich den Widerspruch zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es gab da ein Kommando

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Ich meine 53914, Herr Vorsitzender, darauf zielt meine Frage ab.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es gab da ein Kommando, von dem nach Verbrennungen die Knochenreste, von denen meistens die Schädel und Beckenknochen oder Armknochen noch vorhanden waren, gestampft wurden und auf Wagen mit zwei Pferdefuhrwerken auf die Felder gefahren. Dann gab es ein Kommando, das die Goldzähne ziehen mußte. Ein anderes Kommando schnitt lange Frauenhaare ab. Solche kleinen Teilkommandos gab es.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie selbst hatten nichts damit zu tun?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Es wurden Deutsche überhaupt nicht beschäftigt bei solchen Angelegenheiten. Es war niemals ein Deutscher dort tätig, nur einmal ein Kapo, der aus Buchenwald kam, der Praxis hatte mit den Verbrennungsöfen. Und bei einem Aufstand haben den jüdische Häftlinge – es war ein krimineller Häftling – entweder erschlagen oder ins Feuer geworfen, so habe ich erfahren. Aber wir selbst als Deutsche durften bei den Vernichtungsaktionen nicht in Erscheinung treten.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wer ist ausschließlich dafür verwendet worden?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ausschließlich Juden.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke schön, keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage. Doktor Müller?

 

Verteidiger Müller:

Herr Zeuge, Sie sagten, Sie wären gelegentlich auf der Rampe gewesen. Können Sie sagen, wie häufig Sie auf der Rampe waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich war nicht gelegentlich auf der Rampe, sondern ich war einige Monate an der Rampe, an der Arbeit mit meinem Arbeitskommando.

 

Verteidiger Müller:

Jeden Tag, wenn Züge eintrafen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich war immer an der Rampe, weil dort mein Arbeitskommando war. Da standen die großen Magazine. Dort an der Rampe, genau dort, wo auch die ankommenden Häftlinge ausgeladen wurden, mußte ich die Materialzüge entladen. [...]

 

Verteidiger Müller:

Können Sie sagen, welche Dienstgrade dort noch anwesend waren?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Vom Obersturmbannführer Höß bis zum kleinsten Sturmmann.

 

Verteidiger Müller:

Kennen Sie den Adjutanten Mulka?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich glaube nicht. Also ich habe seinen Namen eigentlich nicht gehört, und ich habe ihn wohl gesehen, aber ich kann mich nicht persönlich an ihn erinnern.

 

Verteidiger Müller:

Haben Sie ihn jemals auf der Rampe gesehen?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Ich kann mich nicht persönlich an ihn erinnern.

 

Verteidiger Müller:

Danke, keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Staiger?

 

Verteidiger Staiger:

Herr Zeuge, ich habe eine Frage. Sie sprachen von einem ehemaligen SS-Mann, der als Häftling in der Strafkompanie war und von dem Mithäftling Berger getötet wurde. Wissen Sie, warum dieser ehemalige SS-Angehörige in der Strafkompanie war?

 

Zeuge Friedrich Hirsch:

Das habe ich nicht einmal gefragt. Obwohl er unmittelbar neben mir war und mir zu Diensten stand, habe ich ihn nicht gefragt, warum er von der SS ausgestoßen worden ist und warum er in die Strafkompanie gekommen ist. Er war ein sehr einfacher Mann und ein Vielfraß, und weiter habe ich an ihm nichts bemerkt. Aber er hielt sich ruhig, es war kein Anlaß, ihn umzubringen. Und ich habe, bevor das geschah, den Oberkapo, den Gustav Vaupel, darauf aufmerksam gemacht. Und der wiederum hat den Schorsch Berger darauf aufmerksam gemacht, daß er den Mann in Ruhe lassen solle. Und trotzdem hat er es getan.

 

Verteidiger Staiger:

Danke sehr.

 

Staatsanwalt Kügler:

Eine Frage an den Angeklagten Bednarek: Wo waren Sie Weihnachten 1942? Im Stammlager oder in Birkenau?

 

Angeklagter Bednarek:

In Birkenau.

 

Staatsanwalt Kügler:

Eine Frage an den Angeklagten Doktor Schatz: Bei dem Befehl, der Ihnen erteilt worden ist, um auf die Rampe herauszugehen, ist Ihnen dabei gesagt worden, daß bei der Aussonderung Rücksicht genommen werden soll darauf, ob die Leute zu Fuß oder per Wagen ins Krematorium gehen?

 

Angeklagter Schatz:

Ich habe überhaupt keine Instruktionen darüber bekommen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Na, wir beide wissen, daß Sie sie bekommen haben, Herr Doktor Schatz.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe das eben nicht [unverständlich] Ja, wenn keine Fragen mehr sind – von seiten der Angeklagten wird das Wort nicht erbeten? Dann muß das Gericht sich

 

– Schnitt –

 

1. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 13./17.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 521.

2. Strafprozeßordnung, § 55: »1. Jeder Zeuge kann die Auskunft auf solche Fragen verweigern, deren Beantwortung ihm selbst oder einem der in § 52 Abs. 1 bezeichneten Angehörigen die Gefahr zuziehen würde, wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden. 2. Der Zeuge ist über sein Recht zur Verweigerung der Auskunft zu belehren.«.

3. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 07.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101, Bl. 583.

4. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 13./17.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 529.

5. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 17.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 529. Die Vernehmung mit dem Zeugen Hirsch fand am 13./17./24./27.02 und 02.03.1959 statt.

6. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 17.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 529.

7. Gemeint ist Gustav Vaupel.

8. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 24.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 534.

9. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 24.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 536.

10. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 27.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 549.

11. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 27.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 556.

12. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 03.03.1961 in Ludwigsburg, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 45, Bl. 8.024.

13. Im Februar 1943 entdeckten Angehörige der deutschen Wehrmacht ein Massengrab nahe des polnischen Ortes Katyn. In dem Massengrab wurden über 4.000 Leichen von polnischen Offizieren gefunden, die vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordet worden waren. Vgl. Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 542.

14. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 24.02.1959 in Stuttgart, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 4, Bl. 539.

 

 
 
 
Seitenanfang
Haftungsausschluss | Impressum
 
© 2011 Fritz Bauer Institut • Frankfurt am Main • Stiftung des bürgerlichen Rechts
Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
Copyright © 2011 Fritz Bauer Institut • Grüneburgplatz 1 • 60323 Frankfurt am Main
Telefon: 0 69 79 83 22 40 • Telefax: 0 69 79 83 22 41 • Email: info(at)fritz-bauer-institut.de
X
Titel
Testinfo
Testinfo
Bitte aktuelle Flash Version installieren
X