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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

116. Verhandlungstag, 27.11.1964

 

Vernehmung des Zeugen Willi Hilse

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie damit einverstanden, daß wir Ihre Aussage auf ein Tonband nehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie waren während des Kriegs wo bedienstet? [...]

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich war von 1942 bis 1944 in der Güterabfertigung Auschwitz und kam dann in das Wagenbüro der damaligen Reichsbahndirektion Oppeln.

 

Vorsitzender Richter:

Also von 42 bis 44 in Auschwitz.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann sind Sie dort weggekommen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Im Juli 44.

 

Vorsitzender Richter:

Im Juli 44. Herr Zeuge, was hatten Sie dort für einen Dienst in Auschwitz?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich war erster Vertreter des damaligen Dienstvorstehers, Oberinspektor Barthelmäs.

 

Vorsitzender Richter:

Und der Dienstvorsteher wiederum hatte welche Aufgaben?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ihm oblag die gesamte Aufsicht über die Güterabfertigung. Der Güterabfertigung unterstellt waren noch die Fahrkartenausgabe, Gepäck-, Expreßgutabfertigung, Zollabfertigung, Bahnhofskasse, dann die Ostdienstkohlenverteilungsstelle und noch drei große Zugabfertiger.

 

Vorsitzender Richter:

Also das heißt, Sie hatten die Aufsicht über diese Stellen. Selbst ausgeführt haben Sie praktisch keins dieser Ämter.

 

Zeuge Willi Hilse:

Doch.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich?

 

Zeuge Willi Hilse:

Mir unterstand unmittelbar der Wagendienst und die Zugabfertigung und die Ostdienstkohlenverteilungsstelle.

 

Vorsitzender Richter:

Also jetzt wollen wir die Kohlendienstverteilungsstelle, oder wie das heißt, mal nebenbei lassen. Erstens mal die Wagengestellung. Die unterstand Ihnen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und zweitens die Zugabfertigung.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Bezog sich die Zugabfertigung nur auf Personenzüge oder auch auf Güterzüge?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nur auf Güterzüge.

 

Vorsitzender Richter:

Die Zugabfertigung, bezog die sich nur auf abgehende Züge oder auch auf ankommende Züge?

 

Zeuge Willi Hilse:

Auf beides. Auf eingehende wie auch auf abgehende Züge.

 

Vorsitzender Richter:

Also müssen Sie auch Bescheid wissen über die sogenannten RSHA-Transporte vom Reichssicherheitshauptamt, die seinerzeit nach Auschwitz gekommen sind und weitergeleitet worden sind in das Lager.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl. Mir ist bekannt, daß im Mai 44 Transporte von Ungarn gefahren worden sind ins Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, ich muß Sie darauf hinweisen, daß Sie berechtigt sind, nach Paragraph 55 der Strafprozeßordnung die Aussage zu verweigern, weil Sie sich nicht selbst einer strafbaren Handlung bezichtigen müssen und weil unter Umständen die Gefahr besteht, daß gegen Sie ein Strafverfahren eingeleitet wird. Wollen Sie nach dieser Belehrung noch Aussagen machen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl, ich habe nichts zu verbergen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Belehrt nach 551. Herr Zeuge, Sie haben also gesagt, Sie wußten, daß derartige Transporte durchgingen. Nun, was für Frachtbriefe hatten diese Transporte denn?

 

Zeuge Willi Hilse:

Soweit ich mich heute noch entsinnen kann, waren sämtliche Züge, die von Ungarn gefahren wurden in das Lager Auschwitz, auf Großen Wehrmachtsfrachtbrief abgefertigt.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Wehrmachtsfrachtbriefe kamen mit dem Zug, mit dem Begleitpersonal des Zuges an?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja. Der Zugführer des Zuges übergab mir den Großen Wehrmachtsfrachtbrief, oder, wenn ich eben nicht zur Stelle war, wurde er in der Zugabfertigung übergeben, einem Zugabfertiger. Und von dort kamen sie dann zu mir.

 

Vorsitzender Richter:

Und blieben bei Ihnen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, soweit ich mich heute noch entsinnen kann, sind sämtliche Großen Wehrmachtsfrachtbriefe nach Oppeln geschickt worden.

 

Vorsitzender Richter:

War das die Direktion?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das war die Direktion.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, was stand denn ungefähr auf so einem Frachtbrief drauf?

 

Zeuge Willi Hilse:

Auf der Vorderseite war der Aufdruck »Großer Wehrmachtsfrachtbrief«, und der Frachtbrief enthielt dann alle Angaben für die Abfertigung des Wagens und die Frachtberechnung. Und auf der Innenseite des Frachtbriefes, soweit ich mich entsinnen kann, muß die Wagen- oder die Achszahl des Zuges gestanden haben und auch die Zahl der in den Zügen beförderten Personen. Denn das war ja wichtig für die Abrechnung mit der Wehrmacht oder beziehungsweise mit der Waffen-SS.

 

Vorsitzender Richter:

Also da es sich ja um Güterzüge gehandelt hat, muß ja nach meinem Dafürhalten unter allen Umständen auch der Inhalt dieses Transportes gekennzeichnet gewesen sein.

 

Zeuge Willi Hilse:

Zweifellos.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagen, das war die Anzahl der Personen, die da drin gewesen sind in den Zügen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja. Und die Achszahlen des Zuges.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, wie viele Menschen waren denn in einem solchen Güterwagen drin?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das ist natürlich schwer zu sagen. Sämtliche Wagentüren waren dicht geschlossen, also man hatte keinen Einblick in die einzelnen Wagen. Es standen lediglich die Luftklappen offen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Sie hatten doch den Frachtbrief, wo was draufstand.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das ja.

 

Vorsitzender Richter:

Na, was stand denn da drauf?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, da kann ich mich heute nach 20 Jahren nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also ich meine natürlich nicht, daß Sie mir genau auf den einzelnen Menschen die Zahl nennen können, aber so ungefähr. Ich meine, was war denn ungefähr die Zahl der Verladenen, die da drin waren? Sie machen sich doch da auch, wenn Sie so einen Frachtbrief sehen, irgendein Bild, nicht, daß Sie sich sagen, wir befördern meinetwegen – um mal eine Zahl zu nennen – 20 Stück Vieh da drin, und jetzt kommen da [Züge] mit 50 oder 60 Menschen oder 70 oder 100 – ich weiß ja nicht, wie viele drin waren. Daß Sie sich Gedanken gemacht haben: Na, das ist ja ein Transport, der ist schlimmer als ein Viehtransport.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich schätze, daß in jedem Wagen vielleicht 50 bis 60 Personen gewesen sind. Wenn nun der Zug mit der höchst zulässigen Wagenzahl, also das sind 60 Wagen, ausgelastet war, müßten das meines Dafürhaltens 3.600 Menschen ergeben, nicht. Ob das nun in jedem Fall zutraf, das kann ich natürlich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Und wie viele Transportzüge sind denn ungefähr gekommen in Ihrer Zeit?

 

Zeuge Willi Hilse:

Also, ich kann mich ganz genau noch entsinnen, und zwar um eine Zahl zu nennen, etwa 120. Es können natürlich mehr, es können natürlich auch weniger gewesen sein, das kann ich heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Und zwar in welcher Zeit ungefähr?

 

Zeuge Willi Hilse:

Von Mai 44 begannen die ersten Transporte.

 

Vorsitzender Richter:

Mai 44, bis Sie weggegangen sind im Juli 44.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das kann ich nicht sagen, ob bei meinem Weggang im Juli 1944 nach Oppeln [...] die Transporte aus Ungarn beendet waren, das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, das können Sie nicht sagen. Ich meine nur, bis zu Ihrem Weggang im Juli 44 schätzen Sie ungefähr 120 Transporte aus Ungarn.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Noch das Gericht Fragen? Nein? Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, Sie sagten, Sie hatten mit dem Wagendienst, mit all dem zu tun.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Zunächst eine Frage: Wie waren die Züge zusammengestellt? Waren das M-Wagen2 deutscher Art, oder waren auch umgespurte russischer Art, also Vierachser dabei?

 

Zeuge Willi Hilse:

Es waren alles gedeckte Wagen

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Also .

 

Zeuge Willi Hilse:

Gedeckte Wagen, ja. Nun war es ja während der Kriegszeit auch so, daß alle Wagen, auch von denjenigen Eisenbahnverwaltungen, die von uns besetzt waren, freizügig verwendet werden konnten. Ich muß also annehmen, daß auch in diesen Transporten fremde Eisenbahnwagen enthalten waren, nicht nur allein Wagen der damaligen Deutschen Reichsbahn.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Das waren nun alles Ganzzüge?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganzzüge, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Von welcher Kommandantur waren die genehmigt?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das steht auf dem Wehrmachtsfrachtbrief drauf.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das weiß ich nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Die fuhren als Leergut zurück?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, sie wurden in das Lager gefahren, dort wurden sie entladen. Sie liefen zurück in den Bahnhof Auschwitz.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und dann?

 

Zeuge Willi Hilse:

Und wurden dann den Entseuchungsanstalten Ziemięcice-Nord oder Mysłowice zugefahren.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wurden dann entseucht.

 

Zeuge Willi Hilse:

Dort wurden sie entseucht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Was wurde dann aus den Zügen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Dann, nehme ich an, sind sie aller Wahrscheinlichkeit... Das war keine Angelegenheit des Wagendienstes, auch nicht der Güterabfertigung Auschwitz, aber ich vermute, daß diese zusammengestellten Züge im gleichlaufenden Turnus immer wieder nach Ungarn gefahren worden sind.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das muß Ihnen ja aufgefallen sein, wenn immer gleichartige Züge wiederkamen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das konnten wir nur kontrollieren anhand der Wagennummern.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Eben.

 

Zeuge Willi Hilse:

Aber wagendienstlich gesehen haben wir nicht

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Sie sagten ja: »wagendienstlich« gesehen. Das Wagendienstliche unterstand Ihnen auch, haben Sie uns vorhin gesagt.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das bedeutet, wenn ein Zug aus Ungarn kommt und Endstation in Auschwitz ist, daß eine gewisse wagendienstliche Kontrolle ja durchgeführt werden muß.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, in diesem Falle nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Warum nicht?

 

Zeuge Willi Hilse:

Wir konnten das deshalb nicht, weil die Züge, wenn sie in Auschwitz ankamen, umgespannt wurden. Das heißt also, es wurde eine Rangierlok beigestellt, und der Zug wurde unmittelbar in das eigentliche sogenannte KG – diesen Ausdruck erwähne ich mal hier, man bezeichnete das als Kriegsgefangenenlager, das war also das eigentliche Vernichtungslager –, dort wurden die Züge sofort zugefahren. Sie wurden zurückgedrückt und kamen wieder in den Bahnhof, mit einer neuen Maschine bespannt, und wurden dann den Entseuchungsanstalten zugefahren. Wir hatten also keine Möglichkeit

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Sie trafen keine Feststellung, ob etwa ein Heißläufer dabei war?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das ist nicht Angelegenheit des Wagendienstes oder der Güterabfertigung. Dann muß der Wagen

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Wer machte das denn in Auschwitz?

 

Zeuge Willi Hilse:

Der Betrieb.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und?

 

Zeuge Willi Hilse:

Die Rangierer.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

War der Betrieb eingeschaltet insoweit?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, auf jeden Fall.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und Sie wissen also auch nicht, ob die Züge in Auschwitz im Lager aufgeteilt werden mußten? Ob der Zug in seiner ganzen Länge einfahren konnte?

 

Zeuge Willi Hilse:

Soweit mir bekannt, ist der Zug in seiner ganzen Länge in das Lager gefahren worden.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ohne weiteres? Brauchte nicht geteilt zu werden?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ohne weiteres, nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Brauchte nicht auseinandergezogen zu werden?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Waren Sie mal da draußen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ein einziges Mal.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wann? Bei welcher Gelegenheit?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich hatte dienstlich dort draußen zu tun. Der Zutritt zu diesem Vernichtungslager war uns Eisenbahnern grundsätzlich verboten.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wo hatten Sie dienstlich zu tun?

 

Zeuge Willi Hilse:

In diesem Vernichtungslager. Ich kann aber nicht mehr sagen, aus welchem dienstlichen Grunde ich dort drin zu tun hatte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wie kamen Sie da rein?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich bin auf der Lok gefahren.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Auf der Lok. Schauen Sie sich mal da diesen Plan an. Entspricht das Ihrer Erinnerung? [Pause] Sehen Sie das Gleis? Links das Gleis, das da reingeht? Gehen Sie doch ruhig mal hin. Sehen Sie sich das an.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich muß dazu sagen, daß wir mehrere Anschlüsse hatten. Wir hatten

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, das wollte ich gerade von Ihnen hören.

 

Zeuge Willi Hilse:

Wir hatten einen Anschluß in das eigentliche Verwaltungslager, der unmittelbar in der Nähe der Güterabfertigung vorbeiführte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, das ist da drüben, das Lager. Da ist der Anschluß nicht mit drauf.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das scheint mir das hier zu sein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das ist das Vernichtungslager. Das ist nicht der Verwaltungsanschluß.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das kann sein, hier. Ich kann mich noch ganz gut entsinnen, daß hier zwei Gleise waren.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Zwei Gleise, sagen Sie?

 

Zeuge Willi Hilse:

Zwei Gleise, ja. Das weiß ich. Und das war der Eingang hier. Das stimmt auch. Ich entsinne mich ganz genau auf diese beiden Toreingänge hier mit den Bögen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie sagten, Sie fuhren also auf der Lok da rein in dieses Lager.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, bitte schön, legen Sie die Stange wieder hin. Sie können sich wieder hierhersetzen. Sie fuhren in das Lager rein.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und blieben Sie auf der Lok stehen? Was machte die Lok? Was geschah dann?

 

Zeuge Willi Hilse:

Die Lok hat gar nichts gemacht. Die blieb so lang am Zuge, bis die Wagen entladen wurden.

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Also die Lokomotivführer blieben dabei, bis die Wagen entladen wurden. Was machten Sie damals?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich bin damals in das Bürogebäude gegangen, also das ist diese

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Wo das B da steht wohl?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht, hier vorne mit diesen runden Eingängen, nicht. Ich habe dort meine Sache erledigt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Was haben Sie erledigt da?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich Ihnen heute nicht mehr sagen. Was das für eine dienstliche Angelegenheit war, das kann ich Ihnen nicht mehr

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Es muß doch immerhin recht wichtig gewesen sein, wenn Sie da in dem einen Fall mit dem Transport ins Lager reingefahren sind.

 

Zeuge Willi Hilse:

Zweifellos. Und ich bin auch, das möchte ich hier erwähnen, fast nicht mehr aus diesem Lager herausgekommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und warum nicht?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, weil ich keinen besonderen Ausweis bei mir hatte, um überhaupt dieses Lager betreten zu können. Wir hatten lediglich

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, und die Lokführer, hatten die denn einen Ausweis? War das Auschwitzer Personal, oder war das das Streckenpersonal?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das war Auschwitzer Rangierpersonal.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das war nicht das Streckenpersonal.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, auf keinen Fall.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und die Streckenlok war abgehängt, und die Rangierlok hatte den Zug reingezogen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Selbstverständlich, jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und das Auschwitzer Rangierpersonal hatte besondere Ausweise.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das weiß ich nicht – ich glaube nicht, denn die Züge mußten ja letzten Endes doch reingefahren werden.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, die waren ja nun auch drin. Warum hat man Ihnen Schwierigkeiten gemacht?

 

Zeuge Willi Hilse:

Weil ich eben keinen Ausweis hatte. Also dieses Lager durfte man grundsätzlich nicht betreten. Ich bin aber reingefahren auf eigene Verantwortung, weil ich dort irgend etwas aus dienstlichen Gründen zu erledigen hatte. Und das habe ich auch gemacht, und ich wäre beinahe nicht mehr aus dem Lager herausgekommen, aus diesem eigentlichen Vernichtungslager. Weil ich eben keinen Ausweis für das Betreten dieses Lagers bei mir hatte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nun wollen wir uns mal aus Ihrem Aufgabenbereich zurückerinnern, was das gewesen sein könnte. An sich hatten Sie ja doch nur zu kontrollieren nicht die technische Zugabfertigung, sondern die Abfertigung der Papiere.

 

Zeuge Willi Hilse:

Die Abfertigung der Papiere auch nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sondern?

 

Zeuge Willi Hilse:

Da war die Versandabfertigung da oder die

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Aber Sie waren doch vorgesetzt.

 

Zeuge Willi Hilse:

Mir unterstand nur der Wagendienst.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nur der Wagendienst.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nur der Wagendienst. Ich hatte mit dem Versand oder Empfang

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Was könnte also der Grund gewesen sein, daß Sie damals da rein gefahren sind?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich Ihnen heute

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Innerhalb Ihrer Tätigkeit, überlegen Sie mal. Aus Ihrem Aufgabenbereich heraus. Das waren ja nicht so viele Details, was Sie zu tun hatten.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich heute nicht mehr

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Können Sie nicht mehr sagen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein. Ich weiß nur so viel: Die Güterabfertigung hatte einen Verbindungsmann vom Lager zur Güterabfertigung. Und dieser Verbindungsmann, das war ein SS-Unterscharführer, der holte die Frachtbriefe von der Güterabfertigung ab, und er brachte sie auch wieder hinein in das Lager. Und da kann ich mich wohl entsinnen noch, daß ich ihm diese Sache gegeben hatte, damit er sie vielleicht erledigen konnte. Das war aber nicht möglich, und deshalb mußte ich in dieses besondere Lager dort rein. Ich kann Ihnen aber nicht sagen, aus welchem Grunde dort.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nun etwas anderes zu den Frachtbriefen. Es mußte für jeden Zug, der ankam, ein Frachtbrief vorhanden sein?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Der mußte Ihnen übergeben werden?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nun mußte der Frachtbrief auch aus zwei Gründen richtig deklariert sein, einmal aus Verkehrssicherheitsgründen – die Waggons durften ja nicht überladen sein – und zweitens aus Gründen der Bezahlung, ist doch wohl klar.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und welcherart haben Sie das überprüft beziehungsweise, wenn Sie es nicht überprüft haben, haben Sie das gemeldet? Was geschah da, oder hatten Sie Anweisung, daß das nicht überprüft werden durfte?

 

Zeuge Willi Hilse:

Die sind nicht überprüft worden, die Frachtbriefe.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wer hat Ihnen Anweisung gegeben, daß Sie es nicht überprüfen sollten?

 

Zeuge Willi Hilse:

Wir konnten sie auch praktisch gar nicht überprüfen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, wenn Sie es nicht überprüfen konnten, mußten Sie Meldung machen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Die brauchte ich nicht. Auf den Frachtbriefen stand ja nicht die Wagenzahl oben oder die Wagennummer. Anders wäre es gewesen, wenn der Frachtbrief

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Sie hatten doch einen Großen Wehrmachtsfrachtbrief.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Da war der Transport auf der zweiten Seite genau deklariert.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, eben.

 

Zeuge Willi Hilse:

Aber es waren nicht die Wagennummern angegeben. Wenn ich also als Wagendienst

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Die Wagennummern nicht, ja. Sie sagen, vom Wagendienst aus konnten Sie nicht kontrollieren.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wer hat nun den Inhalt kontrolliert?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das ist dann in Oppeln geschehen. Die Frachtbriefe gingen

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

In Oppeln konnten sie es nicht mehr tun, denn in Oppeln war der Zug leer. Da stand er inzwischen in Mysłowice zur Entseuchung.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, es waren doch aber in den Frachtbriefen die Achszahlen angegeben, und immerhin konnte das verglichen werden durch

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, und im 40-Tonner-G-Wagen3 durften rein 50 bis 60 Menschen äußerstenfalls. Und wir haben hier Zeugen gehört, daß da über 100 drin waren. Das war zum Beispiel etwas, was kontrolliert hätte werden müssen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Also wenn ich rangegangen wäre an einen Transportzug, der unter strenger Bewachung der SS stand, dann hätten sie mich zweifellos erschossen. Ich will Ihnen hierzu nur einen Fall nennen: Es war im Sommer des Jahres 1944, da stand ein Transportzug von Ungarn im Bahnhof Auschwitz, unmittelbar gegenüber der Güterabfertigung. Die Wagentüren waren geschlossen. Nur die Luftklappen waren offen. Und eine Frau hielt ein kleines Kind im Arm und rief fortlaufend nach Wasser. Ich habe mir dann ein Herz gefaßt, ich habe dann einen Krug Wasser genommen und bin rangegangen an den Zug. Und als ich in unmittelbarer Nähe des betreffenden Wagens stand, kam sofort ein SS-Mann an mich heran und fragte, was ich hier zu suchen habe. Ich habe ihm daraufhin geantwortet: »Ich möchte dieser Frau den Krug Wasser geben.« Die Antwort des SS-Mannes: »Wenn Sie nicht sofort weggehen hier von dem Wagen, schieße ich Sie tot.«

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie waren doch in Uniform und hatten auch eine Pistole dabei.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, die hatte ich nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wieso, das war doch ein Bereich, wo die Bahn bewaffnet war, die von Ihrer Dienststellung. Was waren Sie? Reichsbahninspektor

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Nein, keinesfalls. Kein Eisenbahner war in Auschwitz mit einer Waffe ausgerüstet.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Waren Sie Reichsbahninspektor damals, oder was waren

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Ich war Reichsbahninspektor, jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und Sie hatten doch gewisse bahnpolizeiliche Befugnisse auch.

 

Zeuge Willi Hilse:

Gewiß. Wir hatten ja außerdem auch noch

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Die Bahn hat doch bei Wehrmachttransporten, wenn irgend etwas den Bahngesetzen widersprach, auch eingegriffen, sogar recht groß eingegriffen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Da war doch die Bahnpolizei da.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja eben, die hatten Sie. Sie hatten doch auch in Auschwitz Bahnpolizei.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, die war auch da.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nicht wahr. Und es war ja auch ungesetzlich, daß in Transporten Leute am Verdursten waren. Und da wurde keine Bahnpolizei geholt?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das weiß ich nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Na, danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie sagten, daß Sie ab 1942 dort waren. Ab wann war das denn?

 

Zeuge Willi Hilse:

Im September 42 bin ich

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Im September 42. Und Sie sprachen von 120 Transportzügen und bezogen das ausdrücklich darauf, daß es sich hier um die Ungarn-Transporte gehandelt hat. Wie ist es denn sonst gewesen? Ab wann sind denn Ihrer Erinnerung nach Transportzüge, Güterwagen mit Menschen, die vernichtet werden sollten, angekommen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja. Da müßten Sie den Herrn Oberinspektor Barthelmäs dazu fragen. Der Herr Barthelmäs ist sofort nach der Besetzung Polens nach Auschwitz gekommen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja nun, Sie sind aber doch ab September 42 da gewesen. Sind nicht damals auch schon derartige Züge angekommen in Auschwitz?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja gewiß, da sind laufend Transportzüge angekommen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Können Sie darüber Zahlen angeben?

 

Zeuge Willi Hilse:

Die kann ich Ihnen nicht ansagen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie, woher die Züge kamen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das weiß ich auch nicht. Die Güterabfertigung ist in keiner Weise über die Transporte, die nach Auschwitz kamen, unterrichtet worden.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wieso haben Sie denn nun erfahren, daß das Ungarn-Transporte waren?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich hatte ja die Frachtbriefe, und auf den Frachtbriefen war doch der Stempel.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und auf diesen anderen Frachtbriefen, welche Länder waren denn da angegeben?

 

Zeuge Willi Hilse:

Da sind keine Frachtbriefe gekommen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Waren Frachtbriefe nur bei den Ungarn-Transporten?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sonst waren keine Frachtbriefe?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein. Die sind zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in das Lager gefahren worden. Wir haben, wenn überhaupt oder wenn Transporte in das Lager gekommen sind, dann haben wir das dadurch erfahren, daß uns die Zugabfertigung oder die Rangierpersonale gesagt haben, heute Nacht sind meinetwegen zwei oder drei Transportzüge ins Lager gefahren worden. Sonst hatten wir überhaupt gar keine Ahnung.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen etwas darüber bekannt, ab wann die Züge direkt in das Lager hineinfuhren, also ab wann dieses Gleis dort fertiggestellt war?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich nehme an, daß das 19434 war, ab 43, ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn der Ausbau des anderen Bahnhofteils, das war Angelegenheit der Bahnmeisterei. Das ging die Güterabfertigung gar nichts an.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen denn etwas darüber bekannt, wo früher die Züge hielten zum Ausladen der Leute, ehe sie bis ganz ins Lager hineinfahren konnten? Bestand da auch ein Gleis in Richtung auf Birkenau? Der Name Birkenau ist Ihnen doch sicherlich bekannt, ja?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ja, der ist mir bekannt, ja, ja. Tja. Wo sie da die Leute ausgeladen haben, das kann ich Ihnen nicht sagen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Gut, das wissen Sie nicht. Haben Sie mal irgend etwas zu tun gehabt mit der Kommandantur des Konzentrationslagers?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sonst nicht?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich möchte in diesem Zusammenhang noch eine Frage an den Angeklagten Boger richten. In Ihren früheren Aufzeichnungen befindet sich einmal ein Satz: »Die Ankunft der Judentransporte aus fast allen von deutschen Truppen besetzten Ländern Europas erfolgte periodenweise sehr unregelmäßig. Jeweils kamen in den einzelnen Perioden, mit täglichen Unterbrechungen, eins bis sechs Transporte mit 1.000 bis 3.000 Personen beiderlei Geschlechts und jeden Alters an.«5 Entspricht das auch noch Ihrer heutigen Erinnerung? [Pause] Können Sie auch noch etwas sagen über die Gesamtzahl der nach Auschwitz deportierten Menschen?

 

Angeklagter Boger:

Da ist auch was drin enthalten in diesem

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Da ist auch was drin enthalten, ja.

 

Angeklagter Boger:

Aber da möchte ich schon erläutern, wie das zustande gekommen ist damals. [unverständlich] Vier Millionen steht da, glaube ich, drin

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ich will es Ihnen zunächst mal in Erinnerung bringen, da heißt es: »Die Gesamtzahl der in Auschwitz durch Vergasung, Erschießung, Strang, Seuchen getöteten Häftlinge wird nie mehr genau zu ermitteln sein, übertritt aber sicher nach vorsichtiger Schätzung weit über vier Millionen.«6

 

Angeklagter Boger:

Die Zahl, die stammt nicht von mir.

 

Staatsanwalt Vogel:

Von Houstek-Erber, ja?

 

Angeklagter Boger:

Auch nicht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sondern?

 

Angeklagter Boger:

Von Houstek-Erber stammt die Zahl – die ich natürlich auch nicht kontrollieren konnte –, daß ungefähr vier Millionen im Gesamten nach Auschwitz gekommen sind, also im Einliefer- und im Durchgang.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, Sie schreiben aber doch ausdrücklich hier von getöteten Häftlingen.

 

Angeklagter Boger:

Ja, aber Herr Staatsanwalt, ich hätte darum gebeten, genauso wie es im Falle Broad der Fall war, daß das Ganze, die Protokolle der verschiedenen Vernehmungen, die damals in Ludwigsburg, in Zuffenhausen, in Dachau gemacht wurden, und außerdem Niederschriften, die mir immer wieder zurückgegeben, besprochen und korrigiert wurden – ich kann ja nun nicht sagen, wie das alles zusammengekommen ist, was Sie heute hier vorliegen haben –, deswegen wäre mir es angenehmer gewesen, Sie hätten mir das Ganze vorgelesen, dann hätten wir Punkt für Punkt Stellung nehmen können dazu.

 

Staatsanwalt Vogel:

Na, das ist ja schließlich nicht meine Schuld, denn Sie haben ja erklärt, Sie wollten in diesem Verfahren keine Angaben mehr machen

 

Angeklagter Boger [unterbricht]:

Ja, aber nun muß man auch berücksichtigen, wie das Ganze zusammengekommen ist, das heute nun als Protokoll hier vorliegt. Das sind

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja, können Sie das mal schildern? Wollen Sie sich dazu äußern?

 

Angeklagter Boger:

Das sind eine Vielzahl von Vernehmungen, die sowohl in Ludwigsburg – zuerst war ich dort im Zuchthaus untergebracht auf sechs Wochen, da wurde ich in der ersten Zeit täglich vernommen von verschiedenen amerikanischen Vernehmungsleuten –, dann im Lager Oßweil, anschließend im Lager Zuffen...

 

– Schnitt –

 

Nebenklagevertreter Ormond:

SS oder aus Ordnungspolizei?

 

Zeuge Willi Hilse:

Tja, das kann ich nicht ohne weiteres sagen und auch nicht beurteilen. Ich weiß nur so viel, daß sämtliche Züge unter starker Bewachung standen, daß die Leute alle die SS-Uniform trugen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hat sich der Transportführer jeweils mit Ihnen in Verbindung gesetzt bei Ankunft in Auschwitz?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, in keiner Weise. Ich habe nur Verbindung gehabt mit dem Zugführer, mit dem Zugführer der damaligen Deutschen Reichsbahn. Der mir, wie ich schon vorhin erwähnt habe, die Großen Wehrmachtsfrachtbriefe übergeben hat – oder zum Teil sind sie auch an andere Leute übergeben worden, die in der Güterabfertigung Dienst getan haben, wenn ich nicht da war, nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

War Ihnen der Ausdruck RSHA-Transporte ein Begriff, und waren diese Wehrmachtsfrachtbriefe rechts oben oder an einer anderen Stelle mit RSHA markiert?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich habe diesen Ausdruck oder dieses Stichwort, wenn ich so mal sagen soll, nicht gehört. Und ich weiß auch nicht, ob oben, wie Sie sagen, in der rechten Ecke des Großen Wehrmachtsfrachtbriefs ein entsprechender Hinweis war oder vielleicht das Dienstsiegel einer SS-Stelle oben war. Das kann ich heute nicht mehr sagen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wie haben Sie vom Zugdienst, vom Bahndienst denn untereinander diese Transporte bezeichnet?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, man hat damals immer den Ausdruck gesagt oder gehabt: »Judentransporte aus Ungarn.«

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Judentransporte.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Warum machen Sie eine so scharfe Zäsur immer, also so einen Abschnitt zwischen dem Beginn der »Ungarn-Aktion« und der vorherigen Zeit? Sie haben doch auch vorher laufend Transporte bekommen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja gewiß. Aber diese Transporte sind von uns von der Güterabfertigung gar nicht – also die haben wir gar nicht gewußt. Die sind reingelaufen in das Lager zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten, und die Züge sind entladen worden und sind wieder rausgedrückt worden und sind dann in Entseuchungsanstalten gefahren worden. Davon haben wir gar nichts gewußt und auch gar nichts gesehen. Hier wußten wir aber, daß Transporte in Auschwitz einliefen, dadurch, daß uns die Großen Wehrmachtsfrachtbriefe zugestellt wurden.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hat, bevor diese Transporte von Ungarn einliefen, eine Konferenz stattgefunden zwischen Ihnen, Ihrem Vertreter auf der einen Seite, Vertretern der Kommandantur oder sonst jemand auf der anderen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nicht bekannt. Ich kann nicht

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Ja, sind Sie völlig überrascht worden von diesen Transporten, die auf einmal eingingen?

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Jawohl. Die Züge liefen ein, und wir sind vor die Tatsache gestellt worden, daß jetzt eben ein Transport mit jüdischen Häftlingen hier ins Lager gefahren werden sollte, nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sind Sie denn nicht vorbereitet worden darauf, daß jetzt auf einmal verstärkt Transporte Tag und Nacht einlaufen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, gewiß waren wir überrascht, wenn an manchen Tagen vielleicht zwei oder drei oder vier oder fünf Transporte in Auschwitz einliefen, nicht. Das hat uns natürlich überrascht.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond, ich bitte, Ihre weiteren Fragen zunächst zurückzustellen. Wir müssen in die Mittagspause eintreten, weil ich ein auswärtiges Gespräch erwarte. Die Sitzung wird um dreiviertel zwei fortgesetzt.

 

– Schnitt –

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie haben uns wegen der Ungarn- Transporte gesagt, daß es sich um 120 Züge gehandelt hätte, etwa. Nun ergibt sich aus den verschiedenen Berichten und Zusammenstellungen, wie sie Gegenstand eines Parallelverfahrens7 bilden, daß insgesamt 147 Züge mit 437.400 Personen in der Zeit zwischen dem 15. Mai und 7. Juli in Auschwitz aus der »Ungarn-Aktion« eingetroffen sind. Würde das mit Ihren eigenen Schätzungen und mit Ihrem eigenen Wissen übereinstimmen?

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche dieser Frage. Das, was Herr Ormond in die Frage hineinlegt, ist nicht in dem Parallelprozeß festgestellt worden. Mir ist davon nichts bekannt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Es steht in der Anklageschrift drin und im...

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Die Anklageschrift ist, das müßten Sie doch wissen, kein Beweismittel. Die Anklageschrift sind die Behauptungen der Staatsanwaltschaft.

 

Vorsitzender Richter:

Also, dann wollen wir doch die Frage so formulieren: In dem Prozeß, offensichtlich ist es Hunsche- Krumey, wird von der Staatsanwaltschaft behauptet, es seien vom 15. Mai 44 bis zum 7.7.44 etwa 147 Züge mit 437.000 Personen [+ angekommen]. Herr Zeuge, ich glaube ohnehin, daß Sie so genau uns keine Auskunft geben können. Aber könnte das unter Umständen übereinstimmen mit dem, was Sie uns heute morgen gesagt haben? Sie haben heute morgen geschätzt auf 120 Transportzüge mit je 40 bis 60 Güterwagen etwa, sagten Sie, und haben da heraus gerechnet aus einem Zuge etwa 3.000 bis 3.500 Menschen, nicht?

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Verteidiger Eggert:

Das zu beurteilen ist doch aber wohl Sache des Gerichts und keine Zeugenfrage. Ich widerspreche deshalb der Frage ebenfalls.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, der Herr Rechtsanwalt Ormond will ja lediglich dem Zeugen eine Frage vorlegen, die dahin geht, ob diese Schätzung, die er uns heute morgen gegeben hat, von ihm eventuell rektifiziert werden kann, wenn er hört, daß die Staatsanwaltschaft derartige Behauptungen aufgestellt hat. Wissen Sie etwas Genaueres über die Zahlen als das, was Sie uns gesagt haben heute morgen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich bleibe bei meinen Aussagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie bleiben bei Ihren Aussagen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ist es richtig, daß jedem dieser Güterzüge ungefähr zwei Personenwagen für das Begleitpersonal und noch ein Sonderwagen beigefügt waren?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit nicht behaupten, denn ich bin weder an der Zugspitze noch am Schluß des Zuges gewesen. Die Möglichkeit besteht aber, daß ein Packwagen beigestellt war. Denn letzten Endes mußte ja der Zugführer auch in irgendeinem Wagen fahren. Ob nun am Schluß des Zuges ein besonderer Personenwagen mitgeführt worden ist für die Bewachungsmannschaft, das kann ich im einzelnen nicht sagen. Das weiß ich nicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Weitere Frage, Herr Zeuge: Sie haben vorhin erklärt, daß manchmal zwei bis drei Züge eingetroffen sind. Wie viele Züge konnten zur gleichen Zeit in das Lager Auschwitz hineinfahren und dort abgestellt werden?

 

Zeuge Willi Hilse:

Höchstens zwei Züge.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Zwei?

 

Zeuge Willi Hilse:

Denn das Anschlußgleis oder die Gleisanlage dort in das eigentliche Vernichtungslager Birkenau sieht ja nun doch zwei Gleise vor. Also mithin konnten ja doch nur zwei Züge dort Platz haben.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ist Ihnen bekannt, etwa von den Berichten des Bahnpersonals, nach welchen Seiten ausgestiegen wurde?

 

Zeuge Willi Hilse:

[Pause] Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Kennen Sie diese Aufnahme von den Gleisen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, die kenne ich, die kenne ich. Darf ich noch mal hier? Also wenn ich in dem Lager gestanden habe, wenn ich hier in diesem Gleisabschnitt oder hier in diesem Vernichtungslager gestanden habe, dann war an der linken Seite die Straße. Und links von der Straße waren lauter Baracken, mit hohen Drahtzäunen umgeben. Und soweit ich mich entsinnen kann, war das hier ein Frauenlager. Folglich konnte das Aussteigen der Häftlinge nur auf der linken Seite erfolgen.

 

Vorsitzender Richter:

Verstehe ich nicht, warum das folglich nur auf der linken Seite sein kann. Weil dort ein Lager war?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, weil dort die Straße war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber da war doch eine Rampe, wenn uns hier recht berichtet worden ist, da war doch eine Rampe. Und auf dieser Rampe stiegen doch die Leute aus. Und von dieser Rampe wurden sie dann geführt auf die Straße. Aber ich weiß nicht, warum das Aussteigen notwendigerweise auf der Seite erfolgt sein muß, wo eine Straße liegt.

 

Verteidiger Laternser:

Na ja, Herr Vorsitzender, man kann auch die Frage nicht so stellen, auf welcher Seite ausgestiegen wurde. Bei jedem Mal konnte es verschieden sein. Es gibt doch nicht eine Antwort für das Aussteigen auf mehrere hundert Transporte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Herr Rechtsanwalt, der Zeuge weiß es entweder, dann soll er uns sagen, was er weiß. Oder er weiß es nicht, dann soll er uns auch sagen, daß er nichts weiß.

 

Richter Perseke:

War ja nur einmal da.

 

Vorsitzender Richter:

War ja nur einmal da. Und der Herr Ormond hat eben fragen wollen, ob ihm sonstige Berichte oder Meldungen oder so was

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Ob er etwa Berichte bekommen hat von seinen Beamten

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Woraus das hervorgegangen ist. Also, was Sie für möglich halten, das ist nicht so wichtig hier als das, was Sie selbst erfahren haben, sei es aufgrund eigener Wahrnehmung, sei es aufgrund von Berichten und Meldungen, die Sie damals gemacht bekommen haben.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe dann keine weiteren

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Keine weitere Frage mehr. Herr Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Eine Frage: Herr Zeuge, Sie nannten heute Ihren Vorgesetzten in Auschwitz, ich glaube, Sie nannten den Namen Barthelmäs. Lebt dieser Mann noch?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, er lebt

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ja, Herr Rechtsanwalt, der wohnt in Nürnberg, ist dort Bundesbahnoberinspektor.

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche der Frage, die hat nichts damit zu tun, mit dem Prozeß

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Verzeihen Sie, Herr Staatsanwalt, ich habe eben den Zeugen gefragt. Ich weiß nicht, was Sie

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ich weiß es vielleicht besser als der Zeuge. Der kennt den doch gar nicht.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja, verzeihen Sie, ich habe Sie ja nicht

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Ich widerspreche der Frage

 

Nebenklagevertreter Raabe [unterbricht]:

Ich habe Sie ja hier nicht befragt eben.

 

Vorsitzender Richter:

Also, es ist der Zeuge gefragt worden, ob der Herr Barthelmäs heute noch lebt. Und warum widersprechen Sie der Frage?

 

Verteidiger Laternser:

Weil diese Frage weder mittelbar noch unmittelbar mit den angeschuldigten Taten laut Eröffnungsbeschluß in Zusammenhang steht.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso? Die Frage nach dem Herrn Barthelmäs klärt lediglich dessen Aufenthaltsort. Und warum soll der Aufenthaltsort eines Mannes, der eventuell als Zeuge in Frage kommen könnte, weil er unter Umständen etwas Näheres weiß von diesen Transporten, nicht wichtig sein? Also ich würde die Frage zulassen. Wissen Sie, wo der Herr Barthelmäs wohnt und ob er noch lebt und wo er sich aufhält?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, Herr Barthelmäs lebt noch. Und zwar lebt er in Nürnberg. Der war erster Vertreter von dem Dienstvorsteher der Güterabfertigung Nürnberg. Es ist durchaus möglich, daß er in der Zwischenzeit pensioniert worden ist. Aber ich nehme an, daß er auch heute noch in Nürnberg

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Noch eine Frage, Herr Rechtsanwalt Raabe?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine Frage mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Reiners.

 

Verteidiger Reiners:

Herr Oberinspektor, haben Sie sich über die Mittagspause noch mal mit den Dingen, mit denen Sie heute morgen befaßt wurden, beschäftigt?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein.

 

Verteidiger Reiners:

Nicht.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich habe meine Aussage gemacht, die...

 

Verteidiger Reiners:

Haben nicht darüber nachgedacht, noch einmal, was da heute morgen so...

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein.

 

Verteidiger Reiners:

Nicht. Ich nehme das zur Kenntnis. Ist Ihnen aber vielleicht aus anderem Zusammenhang nun die Antwort eingefallen, die Sie dem Herrn Ergänzungsrichter schuldig geblieben sind, was nämlich der Anlaß war, warum Sie das einzige Mal dort in Birkenau auf der Rampe waren?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich Ihnen auch jetzt nicht sagen.

 

Verteidiger Reiners:

Ich darf Ihnen vorhalten, daß mir das auffällt. Sie erinnern sich an das eine Mal, immerhin ein eigenartiger, besonderer Vorfall. Sie erinnern sich daran, daß Sie, [+ das ist Ihnen] nachher eingefallen, mit dem Ergänzungsmann, dem SS-Unterführer sprechen wollten. Sie erinnern sich daran, daß Sie selbst hinfahren mußten, weil es so nicht ging. Und Sie erinnern sich auch daran, daß Sie Schwierigkeiten hatten, das Lager zu verlassen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das stimmt.

 

Verteidiger Reiners:

Und deshalb fällt mir auf, daß Sie nun eigentlich den Grund der ganzen Herrlichkeit, der ganzen Veranstaltung, daß der Ihnen entfallen ist.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, dazu muß ich folgendes sagen: Denken Sie mal an, in der Zwischenzeit sind über 20 Jahre vergangen

 

Verteidiger Reiners [unterbricht]:

Vielen Dank, das ist mir auch ohnehin bekannt. Danach hatte ich Sie nicht gefragt. Ich hatte gefragt, ob Ihnen, nachdem Ihnen diese Nebendinge so ganz plastisch in Erinnerung sind, inzwischen vielleicht auch die Hauptsache eingefallen wäre. Aber Sie sagen mir ja, Sie hätten keinen Anlaß gehabt, über die Mittagspause darüber noch mal nachzudenken.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, ich kann mich auch heute, auch jetzt nicht daran erinnern, weshalb ich dort draußen gewesen bin.

 

Verteidiger Reiners:

Aha. Na ja. Also ich habe [unverständlich]

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Also muß es unbedingt eine dienstliche Angelegenheit gewesen sein, denn aus freien Stücken wäre ich doch nicht dort raus

 

Verteidiger Reiners [unterbricht]:

Das ist etwas ganz anderes, das wollte ich nicht wissen. Herr Oberinspektor, Sie sagten vorhin, diese Wagen, die da kamen, wären wohl des öfteren dieselben gewesen, die dann von Ungarn kamen, ausgeladen, entlaust und so weiter wurden und dann wieder zurückrollten. Sagen Sie mal, waren auch die Zugführer und das Begleitpersonal, also die Eisenbahnbeamten, die mitfuhren, waren das auch öfters dieselben?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Waren das auch? Wie war die Frage?

 

Verteidiger Reiners:

Ob das auch öfters dieselben waren, ob immer andere oder wie?

 

Zeuge Willi Hilse:

Sie müssen folgendes bedenken: Wenn ein Zug in Ungarn auf irgendeinem Bahnhof abgefahren wird oder hier in der Bundesrepublik oder, ganz gleich, bei einer anderen, fremden Eisenbahnverwaltung, daß doch das Eisenbahnpersonal, das Begleitpersonal niemals vom Versandbahnhof bis zum Bestimmungsbahnhof mitfährt.

 

Verteidiger Reiners:

Ja, das ist ja keine Antwort. Das könnten doch dazwischen immer dieselben gewesen sein, diejenigen, die bis zum Bestimmungsbahnhof dann fuhren.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

 

Verteidiger Reiners:

Ich stelle die Frage aus dem Grunde, weil Sie auf die Frage, ich glaube, auch wieder des Herrn Ergänzungsrichters, sagten, Sie hätten sich niemals mit dem Zugpersonal oder dem Begleitpersonal oder der Wachmannschaft über die, sagen wir mal, Eigenart der Fracht, der Ladung, die da transportiert wurde, unterhalten.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, habe ich auch nicht gemacht.

 

Verteidiger Reiners:

Haben Sie nicht gemacht. Eine Frage noch: Wer hat Sie eigentlich benachrichtigt, wann und wie die Züge, die bei Ihnen nun in Auschwitz auf dem allgemeinen Bahnhof ankamen, nach Auschwitz in das Lager auf die Rampe gefahren werden sollen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das ergab sich daraus, daß mir der Große Wehrmachtsfrachtbrief vorgelegt wurde und daß die Waffen-SS, die Bewachung doch bei den Zügen dabei war. Das genügte doch schon. Da konnte man doch ersehen, daß diese Transporte ins Lager gefahren werden.

 

Verteidiger Reiners:

Ich habe nicht so viele technische Kenntnisse über Eisenbahnwesen wie der Herr Ergänzungsrichter, aber es kommt mir doch merkwürdig vor, daß die SS der Bundesbahn beziehungsweise damals der Reichsbahn dienstliche Anweisungen erteilte. Das ist doch etwas merkwürdig. Das haben Sie eben gesagt, anderes heißt das ja nicht.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich habe mit den Transporten, mit dem eigentlichen Transport in das Lager ja gar nichts zu tun. Das Hineinfahren der Züge in das Lager, das waren doch rein betriebliche Angelegenheiten.

 

Verteidiger Reiners:

Und das hat Sie nicht interessiert?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, das ging mich überhaupt gar nichts an.

 

Verteidiger Reiners:

Ob Sie das was anging, habe ich nicht gefragt, ob Sie das nicht interessierte.

 

Zeuge Willi Hilse:

Na ja. Also wir haben bestimmt gefragt, nicht, nachdem die ersten Transporte eintrafen, was eigentlich hier los ist. Denn wir sind ja nicht verständigt worden, wir hatten ja überhaupt keine Ahnung davon.

 

Verteidiger Reiners:

Doch, das haben Sie heute morgen anders gesagt. Verständigt sind Sie worden, nicht wahr.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nun ja, ich bin verständigt worden durch den Zugführer, der mir die Frachtbriefe, den Großen Wehrmachtsfrachtbrief abgegeben hat.

 

Verteidiger Reiners:

Ach so meinten Sie das.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl. Aber ansonsten hatten wir keine Ahnung, wenn irgendwelche Transporte in das Lager gefahren werden sollten. Da sind wir grundsätzlich nicht informiert worden.

 

Verteidiger Reiners:

Und eine letzte Frage noch: Sie sagten heute morgen, Herr Zeuge, das Begleitpersonal, das Bewachungspersonal hätte nur aus SS-Angehörigen bestanden. Ich frage Sie, und ich bitte Sie, einen Moment nachzudenken, wollen Sie bei dieser Antwort bleiben?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, ich bleibe bei dieser Antwort. Denn das Bewachungspersonal, das an dem Zuge entlang stand, die trugen alle miteinander SS-Uniform.

 

Verteidiger Reiners:

Wollen Sie nicht lieber sagen, ich kann mich nicht mehr genau erinnern?

 

Vorsitzender Richter:

Na, Herr Rechtsanwalt.

 

Verteidiger Reiners:

Ich will ihm nicht was vorhalten

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich meine, wenn der Zeuge hundertprozentig diese Aussagen machen kann

 

Verteidiger Reiners [unterbricht]:

Dann habe ich keine Fragen mehr, Herr Vorsitzender

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Muß er es ja mit seinem Gewissen vereinbaren. Von seiten der Verteidigung? Herr Rechtsanwalt Doktor Eggert.

 

Verteidiger Eggert:

Herr Zeuge, als Sie das eine Mal mit ins Lager hineingefahren sind, da müssen Sie doch den äußeren Ablauf der Dinge mit haben beobachten können. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit mal auf die Karte lenken. Dort, wo das Eingangstor ist, hat doch der Zug mit der Rangierlokomotive, auf der Sie sich befunden haben, sicherlich gehalten, oder? Ich will es Ihnen nicht in den Mund legen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, die Lokomotive – wenn ich das mal kurz zeigen darf –, die ist hier vorgefahren und hat hier an diesem Tor gestanden

 

Verteidiger Eggert [unterbricht]:

Herr Zeuge, unten meine ich zunächst einmal. Er ist ja jetzt angekommen

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Ja, ja natürlich. Hier ist die Lokomotive, also die Zugspitze gewesen, und dann ist der Zug hier reingefahren.

 

Verteidiger Eggert:

Bevor er reingefahren ist, drängt sich doch für den Laien zunächst einmal die Vermutung auf, daß der Zug da nicht einfach reinfahren konnte, sondern daß da vorne am Tor erst etwas erledigt werden mußte. Und genau das möchte ich nun wissen, was sich da getan hat. Oder ist er in einem Zug vom Bahnhof oder Güterbahnhof Auschwitz durchgefahren, und die Lokomotive hat erst wieder gehalten, als sie da oben in der Nähe der Krematorien stand?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das war gar nicht möglich. Der Zug konnte hier, wenn er im Bahnhof Auschwitz stand, nicht in einem Zuge durchfahren. Er mußte erst in den Vorbahnhof, der 1943 neu erstellt worden ist. Dort mußte der Zug erst hineinfahren und von

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ein Vorbahnhof? Wo war der Vorbahnhof?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, also wenn ich hier den Bahnhof Auschwitz annehme, hier unten, dann war hier 1943 – also in Richtung nach Westen, in Richtung Troppau ist ein neuer Bahnhof gefertigt worden mit Rangiergleisen und Zugbildungsgleisen und so weiter. Und da ist der Zug erst hier rausgestoßen worden, und dann konnte der Zug erst hier reinfahren in dieses Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun meint aber der Herr Rechtsanwalt, ob der Zug an dem Eingangstor von Birkenau hat halten müssen.

 

Zeuge Willi Hilse:

Zweifellos, denn das Tor war doch verschlossen.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann will der Herr Rechtsanwalt wissen, ob dann, nachdem er gehalten hat, irgendwelche Formalitäten zu erledigen gewesen wären, damit der Zug freie Fahrt in das Lager bekam.

 

Zeuge Willi Hilse:

Meines Dafürhaltens nicht. Wenn hier das Tor geöffnet worden ist, hier von den Leuten der Waffen- SS, dann haben die doch dem Lokführer den Auftrag gegeben oder zumindesten gesagt: »Bitte fahren Sie weiter.«

 

Verteidiger Eggert:

Ja, Sie haben es doch einmal miterlebt, Herr Zeuge. Können Sie sich noch daran erinnern, wie es da gewesen ist

 

Zeuge Willi Hilse [unterbricht]:

Ja selbstverständlich. Aber an diese Einzelheiten, an diesen einzelnen Fall, was hier im einzelnen nun geschehen ist, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ob Sie da vielleicht einen Ausweis vorzeigen mußten oder einen Frachtbrief oder ob irgendein Befehlsempfänger da war oder ob irgend jemand von der Begleitmannschaft vorgetreten ist – so will das der Herr Rechtsanwalt, wenn ich ihn recht verstehe, wissen.

 

Verteidiger Eggert:

Danke.

 

Zeuge Willi Hilse:

Die Begleitmannschaft ist ja auch mit dem Zuge doch zum mindesten hier reingefahren. Und dann ist bestimmt

 

Vorsitzender Richter:

Da war doch sicher auch ein Zugkommandant dabei?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das nehme ich stark an.

 

Vorsitzender Richter:

Das nehme ich auch an. Und dieser Zugkommandant, der wird sich doch irgendwo haben melden müssen. Und der wird doch irgendwo haben sagen müssen: »Also, jetzt habe ich hier einen Transport mit so und so vielen Menschen«, auf der Fahrt nach Auschwitz.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, das ist zweifellos, dann hier

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie das nicht erlebt?

 

Zeuge Willi Hilse:

Daran kann ich mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich nicht erinnern. Noch eine Frage?

 

Verteidiger Eggert:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr. Sonst noch eine Frage? Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Mir ist etwas heute morgen nicht klar geworden, eine Ihrer Antworten an den Herrn Nebenkläger, den Rechtsanwalt Ormond. Sie hatten auf Befragung gesagt, daß die früheren Transporte, vor den Ungarn-Transporten, einfach in das alte Lager, auf ein Gleis des Lagers gefahren worden wären und daß Sie davon gar nichts gehört hätten. War das so richtig?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ich habe gesagt, ich weiß nicht, wohin die Wagen gefahren worden sind [unverständlich]

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, und Sie hätten von den Transporten überhaupt nichts gehört. Die seien Ihnen gar nicht gemeldet worden.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, gar nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das ist mir nicht ganz klar, und zwar deswegen: Sie sagten doch, daß Sie Leiter der Güterabfertigung waren.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das war ich nicht. Ich war

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Nur stellvertretender Leiter.

 

Zeuge Willi Hilse:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, also Stellvertreter des Chefs. Und Sache der Güterabfertigung, das sagt ja der Name »abfertigen« schon, ist doch auch, daß kontrolliert wird, welche Güter ausgeliefert werden. Wenn es ganze Waggons sind, wird das auch abgefertigt. Auch dafür gibt es einen Frachtbrief. Stimmt das?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ganz recht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, und es ist ja doch im Reichsbahnbetrieb genau wie heute im Bundesbahnbetrieb völlig undenkbar, daß die Zugleitung etwa, nehmen wir an, hier in Frankfurt – Sie sind ja hier in Frankfurt tätig – in die Großmarkthalle Waggons reinfährt, ohne daß die Waggons abgefertigt sind. Das ist undenkbar. Folgen Sie mir da in soweit?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, natürlich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Eben. Natürlich. Und deswegen halte ich Ihnen vor, war es auch dort undenkbar, daß Waggons von der Zugleitung auf irgendein Lagergleis weggefahren wurden, ohne daß die Güterabfertigung davon benachrichtigt wurde, ohne daß die Güterabfertigung die Frachtbriefe vorprüfen, abfertigen und nachher nach Oppeln schicken konnte. Ich will damit sagen: Was Sie heute morgen Herrn Ormond gesagt haben, glaube ich Ihnen nicht.

 

Zeuge Willi Hilse:

Doch. Wie in diesem Falle hier, als die Transporte aus Ungarn gefahren

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ich meine jetzt nicht die Ungarn-Transporte, sondern die früheren Transporte, von denen Sie gesagt haben, die bekamen wir gar nicht zu sehen, davon haben wir gar nichts gehört. Die wurden einfach hingefahren zu dem Lager, auf ein anderes Gleis. Die Frachtbriefe müssen Sie doch gekriegt haben.

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, wir haben keine Frachtbriefe bekommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und haben Sie keine Meldung gemacht, daß im Bereich des Güterbahnhofs Auschwitz ein Güterverkehr stattfindet, der allen Bestimmungen der Reichsbahn widerspricht? Wobei nicht einmal festzustellen ist, ob die Fracht bezahlt wird? [...] Das wären ja praktisch schwarze Waggons gewesen, die im Netz der Reichsbahn hin und her geschoben worden wären. Sie sind doch alter Beamter. Das muß Ihnen doch klar sein.

 

Zeuge Willi Hilse:

In welcher Form die Abrechnung erfolgte, das weiß ich nicht. Das habe ich nicht gewußt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aber Ihre Aufgabe war doch, festzustellen, daß die zugehörigen Frachtbriefe da waren.

 

Zeuge Willi Hilse:

Das war nicht meine Aufgabe.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sondern? Wessen Aufgabe war es denn dann?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das...

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Das ist die Güterabfertigung.

 

Zeuge Willi Hilse:

Ja, die Güterabfertigung, gewiß.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Eben, da waren Sie tätig. Das haben Sie uns selbst gesagt. [...]

 

Zeuge Willi Hilse:

Sie können mich doch jetzt nicht verantwortlich machen, wenn hier in das Lager

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ich frage Sie ja nur. Oder war es so, daß da einfach befohlen worden war: »Da habt Ihr Euch nicht drum zu kümmern.«

 

Zeuge Willi Hilse:

Das ist nicht befohlen worden.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nicht befohlen worden.

 

Zeuge Willi Hilse:

In welcher Form die Züge, die vor Mai 1944 nach Auschwitz gefahren worden sind, abgefertigt worden sind und abgerechnet worden sind, das entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wissen Sie denn wenigstens, wie ein Waggon abgefertigt wurde, der mit Lebensmitteln in das Lager reinkam?

 

Zeuge Willi Hilse:

Der kam auf Frachtbrief.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Der kam auf Frachtbrief. Aha.

 

Zeuge Willi Hilse:

Der ging ein, der wurde abgestempelt, der ist verbucht worden und lief auf das Konto der Waffen- SS. Die mußte ja dann die Fracht bezahlen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, und von den anderen wissen Sie nichts?

 

Zeuge Willi Hilse:

Nein, da haben wir keine Frachtbriefe

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ist Ihnen bekannt, daß auch Griechen-Transporte kamen?

 

Zeuge Willi Hilse:

Das weiß ich nicht. Das höre ich heute hier zum ersten Mal.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Die sogar Sammelfahrkarten hatten?

 

Zeuge Willi Hilse:

Ist mir nicht bekannt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Da wissen Sie auch nichts von. Danke schön.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das waren ja auch gar keine Güterzüge.

 

Vorsitzender Richter:

Eben.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das waren ja auch dann keine Güterzüge, sondern mit Personenfahrkarten.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aber es wurde uns gesagt, daß die Fahrkartenausgabe auch zu dem gleichen Bereich gehörte, Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Eben, aber [unverständlich]

 

Verteidiger Erhard:

Darf ich in dem Zusammenhang eine Frage an den Angeklagten Stark stellen?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Erhard:

Herr Stark, was für Züge kamen, solange Sie in Auschwitz waren, mit Häftlingen an? Personenzüge oder Güterzüge?

 

Angeklagter Stark:

Nur Personenzüge.

 

Verteidiger Erhard:

Nur Personenzüge?

 

Angeklagter Stark:

Jawohl.

 

Verteidiger Erhard:

Danke. Eine Frage an den Zeugen: Haben Sie auch mit der Abfertigung von Personenzügen etwas zu tun gehabt?

 

Zeuge Willi Hilse:

Gar nichts.

 

Verteidiger Erhard:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Sind sonst noch Fragen zu stellen? Werden bezüglich der Beeidigung Anträge gestellt?

 

Verteidiger Reiners:

Ja, ich widerspreche der Beeidigung aus Paragraph 60, Ziffer 3. Es scheint mir keine Beeidigung möglich.

 

– Schnitt –

 

 

 

1. StPO § 55: »1. Der Zeuge kann die Auskunft auf solche Fragen verweigern, deren Beantwortung ihm selbst oder einem der im § 52 Abs. 1 bezeichneten Angehörigen die Gefahr strafrechtlicher Verfolgung zuziehen würde. 2. Der Zeuge ist über sein Recht zur Verweigerung der Auskunft zu belehren.«

2. Von der Deutschen Reichsbahn auch zum Mannschaftstransport verwendete gedeckte Güterwagen mit Sitzbänken.

3. Gedeckte Güterwagen, »Viehwagen«.

4. Der Gleisanschluß, die sogenannte neue Rampe, wurde im Mai 1944 fertiggestellt.

5. Vgl. Aufzeichnung des Angeklagten Boger vom 30.08.1945, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 5, Bl. 833.

6. Vgl. Aufzeichnung des Angeklagten Boger vom 05.07.1945, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 5, Bl. 826.

7. Strafsache Hermann Aloys Max Krumey und Otto Heinrich Hunsche, Angehörige des Sondereinsatzkommandos Eichmann in Budapest, 4 Ks 1/63, LG Frankfurt am Main.

 

 
 
 
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