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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

111. Verhandlungstag, 13.11.1964

 

Vernehmung des Zeugen Vladimír Hanák

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind am 8. Mai 1942 in Auschwitz angekommen. Ich darf Sie kurz fragen: Ist es richtig, daß Sie dorthin gekommen sind, weil Sie in Ihrem Unterricht irgendwelche Bekundungen gemacht haben über die Person des Heydrich?

 

Dolmetscher Benesch:

Je to správně, že jste přišel do Osvětimi, [protože] jste ve Vašem vyučování něco řekl o osobě Heydricha?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Das stimmt. Sie sind wie lange in Auschwitz geblieben?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak dlouho jste byl v Osvětimi?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Od 8. května 42 do 28. září 44.

 

Dolmetscher Benesch:

Vom 8. Mai 1942 bis 28. September 44.

 

Vorsitzender Richter:

Bis 28. September 44. Und wo kamen Sie dann hin?

 

Dolmetscher Benesch:

A kam jste potom přišel?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nach Buchenwald, und bis zum Kriegsende war ich in Buchenwald.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, in Auschwitz, wo wurden Sie dort untergebracht?

 

Dolmetscher Benesch:

Kde jste byl ubytován v Osvětimi?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

8. května jsem přišel na blok jedenáctý. Byli jsme ubytováni v prvém poschodí, v části obrácené ke »Stěně smrti« do dvora, mezi blokem desátým a jedenáctým.

 

Dolmetscher Benesch:

Am 8. Mai 42 kam ich auf Block 11. Wir waren untergebracht im ersten Stock, und zwar in dem Teil, der zum Hof hin ging, zur Todeswand.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lange blieben Sie in Block 11?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak dlouho jste zůstal na jedenáctém bloku?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

12. května odpoledne, bylo [+ to] úterý, přišel nějaký Arbeitsdienstführer a přidělil mě do Häftlingskrankenbau jako Pflegra.

 

Dolmetscher Benesch:

Am 12. Mai, es war Dienstag, kam ein Arbeitsdienstführer und teilte mich als Pfleger ein, in den Häftlingskrankenbau.

 

Vorsitzender Richter:

Und in welchem Block?

 

Dolmetscher Benesch:

Do jakého bloku?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Žil jsem na bloku 28, spával jsem v čísle sedm, v přízemí, tenkrát tam ještě nebyla zřízena rentgenová stanice, ta byla teprve asi o rok později.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich schlief in Stube 7 auf Block 28 im Erdgeschoß. Damals war dort die Röntgenstation noch nicht eingerichtet. Das war etwa ein Jahr später.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie dort?

 

Dolmetscher Benesch:

A jak dlouho jste tam zůstal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Na bloku 28 jsem byl do 15. září, a pak jsem přeše l na blok devatenáctý.

 

Dolmetscher Benesch:

Dort blieb ich bis 15. September, und dann kam ich auf Block 19.

 

Vorsitzender Richter:

Auf Block 19 ebenfalls als Häftlingspfleger?

 

Dolmetscher Benesch:

Jako Pfleger?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange blieben Sie dort?

 

Dolmetscher Benesch:

A jak dlouho jste tam zůstal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Do 10. listopadu, kdy jsem byl přeložen do Buna- Werke Monowitze.

 

Dolmetscher Benesch:

Bis zum 10. November, und dann wurde ich verlegt in die Buna-Werke nach Monowitz.

 

Vorsitzender Richter:

Am 10. November 42.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Dolmetscher Benesch:

42.

 

Vorsitzender Richter:

Was machten Sie dort bei den Buna-Werken?

 

Dolmetscher Benesch:

A copak jste dělal v Buně?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Wieder als Pfleger.

 

Vorsitzender Richter:

Auch als Pfleger.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Im Revier, im Häftlingskrankenbau.

 

Vorsitzender Richter:

Bis wann?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak dlouho jste tam zůstal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

4. dubna, [+ to] byla neděle, roku 43 jsem byl přeložen [+ do] Bauabschnitt II, Zigeunerlager, Block 32.

 

Dolmetscher Benesch:

Am 4. April 43, es war sonntags, wurde ich verlegt auf den Bauabschnitt II im Zigeunerlager Block 32.

 

Vorsitzender Richter:

Im Zigeunerlager in Birkenau?

 

Dolmetscher Benesch:

V Březince?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

[+ V] Birkenau.

 

Dolmetscher Benesch:

Birkenau. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und bis wann blieben Sie dort?

 

Dolmetscher Benesch:

A jak dlouho jste tam zůstal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

7. května jsem byl přeložen do hlavního tábora Osvětim, opět na blok dvacátýosmý, do světnice číslo 14, v prvém poschodí.

 

Dolmetscher Benesch:

Am 7.5. wurde ich wieder ins Hauptlager verlegt, wieder auf Block 28, diesmal auf Zimmer 14 im ersten Stock.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Block 28 in Auschwitz I, ja?

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Auschwitz I.

 

Vorsitzender Richter:

Und blieben dort bis wann?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

28. září roku 44 jsem byl přeložen do Buchenwaldu.

 

Dolmetscher Benesch:

Am 28. September 44 wurde ich nach Buchenwald überstellt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie blieben also vom 7. Mai 43 bis zum 28.9.44 in Block 28. [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist richtig.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Herr Professor, Sie haben in dieser Zeit, in der Sie dort als Pfleger tätig waren, verschiedene SS-Leute kennengelernt. Wie hieß zunächst der Sanitätsdienstgrad, der dort tätig war?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak jste tam byl činný jako ošetřovatel, seznámil jste se s různými příslušníky SS. Jak se jmenoval sanitní poddůstojník, který tam byl?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Obersturmführer SS Entress und dann Unterscharführer SS-Sanitätsdienstgrad Josef Klehr.

 

Vorsitzender Richter:

Doktor Entress und Klehr. War das ein Unterführer?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Unterscharführer.

 

Vorsitzender Richter:

Unterscharführer. [Pause] Insbesondere würden wir uns jetzt interessieren für die Person des Unterscharführers Klehr.

 

Dolmetscher Benesch:

Zajímáme se především o Klehra.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wenn Sie meine Fragen verstehen, müssen Sie nicht besonders übersetzt werden. Da könnten wir vielleicht ein bißchen schneller vorankommen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben also eben von dem Angeklagten Klehr gesprochen. Und der war SS-Unterscharführer. Was hatte er denn für eine Funktion in diesem Krankenbau, wo Sie waren?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Er war sogenannter Sanitätsdienstgehilfe und war – ich sage es lieber tschechisch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Byl hlavně mým šéfem, protože Obersturmführer Entress byl jenom vzácným hostem. Ten tam přišel jenom tak nahodile, byl [+ tam] chvíli a odešel, kdežto Entress tam byl prakticky ve dne v noci.

 

Dolmetscher Benesch:

Entress?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vlastně, Klehr tam byl stále.

 

Dolmetscher Benesch:

Er war mein eigentlicher Chef, denn Entress war ein sehr seltener Gast. Aber Klehr war ständig dort.

 

Vorsitzender Richter:

Und welche Tätigkeit haben Sie denn als Pfleger dort ausgeübt?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Obersturmführer Entress mě určil jako Pflegra, který pomáhal v ambulanci, přitom měl na starosti takzvanou Lichtstation. — Das war Blaulicht und Rotlicht und Inhalationsapparat und dann Heilmassage.

 

Dolmetscher Benesch:

Entress bestimmte mich zur Hilfe in der Ambulanz, auf der Lichtstation und dann bei der Heilmassage. [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Block 28. [...]

 

Vorsitzender Richter:

28. Und bei der Heilmassage. [Pause] Sie waren vom 12.5. bis zum 15.9. zunächst auf Block 28. Und wo kamen Sie dann am 15.9. hin? Auf Block?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

19.

 

Vorsitzender Richter:

19, richtig.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Bylo to v době, kdy jsme měli hodně vší, blech a štěnic. Přišlo takzvané Vergasung, poprvé v životě jsem viděl plyn, Gas, Zyklon B, kde se Vergazoval ten blok dvacátýosmý. Takže se zablokova l, a pak jsme šli na blok 19.

 

Dolmetscher Benesch:

Wir waren damals sehr verlaust. Wir hatten viel Ungeziefer, Wanzen und Läuse. Und damals wurde eine sogenannte Vergasung durchgeführt. Da habe ich zum ersten Mal auch das Gas Zyklon B gesehen, mit dem diese Vergasung durchgeführt wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Wo wurde die Vergasung durchgeführt?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Všechny bloky v lágru, ale postupně, — nacheinander.

 

Dolmetscher Benesch:

Nacheinander wurden alle Blocks im Lager entlaust.

 

Vorsitzender Richter:

Wurden da auch Menschen dabei mit vergast?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Sie sagten also, Klehr war in dem Block 28 Ihr eigentlicher Vorgesetzter, weil Doktor Entress ein nicht sehr häufiger Gast war. Was hatte denn Klehr für eine Tätigkeit dort?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Obyčejně ráno bývala v ambulanci vizita, tedy prohlídka. Přišel lékař a všichni pacienti měli takzvanou Aufnahme. Přišli už ráno po budíčku a nastoupili nazí před tohoto lékaře za přítomnosti K lehra.

 

Dolmetscher Benesch:

Gewöhnlich war morgens in der Ambulanz die Visite, vor einem Arzt. Alle Kranken, die schon gleich nach dem Wecken vorne antraten, wurden dem Arzt vorgestellt.

 

Vorsitzender Richter:

Welchem Arzt, einem SS-Arzt oder einem Häftlingsarzt?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Obersturmführer SS-Arzt Entress.

 

Vorsitzender Richter:

Entress.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A tento lékař bral od každého nahého pacienta karty a dával [+ ty], kteří chtěli leichte Arbeit, to znamenalo smrt, unterš arfuehrerovi Klehrovi stranou.

 

Dolmetscher Benesch:

Dieser Arzt hatte eine Kartei in der Hand, und die nackten Patienten standen vor ihm. Sowie einer von diesen nackten Patienten leichte Arbeit haben wollte, hieß das für ihn Tod, und er gab die Karte dem Klehr.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Když odešel lékař Entress, byl rozkaz, zavést tyto odsouzené na smrt, v košilích, z bloku dvacátéhoosmého mezi bloky 20 a 21, do blízkosti místnosti, kde dostávali injekci Phenolu.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn der Arzt fortgegangen war, gab es den Befehl, die zum Tode Bestimmten in Hemden vom Block 28 in den Hof zwischen Block 20 und 21 zu bringen, das heißt in die Nähe dieses Raumes, in dem die Injektionen gegeben wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie bei solchen Visiten zugegen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne. — Nein.

 

Dolmetscher Benesch:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie dann, wie es vor sich gegangen ist, mit diesen Karten, die der Arzt dem Klehr gegeben hat?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já jsem [+ to] jenom pozoroval, poněvadž jsem byl vedle této funkce pomocným nosičem mrtvol. Takže ve dne jsem pracoval jako Pfleger a v noci nebo při popravách jako Leichenträger.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich war zugleich Hilfsleichenträger, so daß ich neben meiner Tätigkeit auch als Leichenträger zu tun hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Was hat das damit zu tun, daß Sie wissen, wie es sich bei diesen Visiten zugetragen hat?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

My jsme byli večer rádi, že si odpočineme. Když bylo moc mrtvých, tak jsme je z Waschraumu, blok 20, museli odnášet na vozy, a to trvalo někdy až do dvou hodin do rána, než jsme odklidili všechny mrtvé, takže jsme se málo vyspali.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn wir abends sehr müde waren, aber es gab viele Tote, dann mußten wir aus dem Waschraum diese Toten heraustragen und auf Wagen laden. Das dauerte manchmal bis zwei Uhr nachts. Und das bedeutete, daß wir sehr in Anspruch genommen waren.

 

Vorsitzender Richter:

Das glaube ich, Herr Zeuge. Ich hatte Sie aber etwas anderes gefragt. Sie haben uns eben eine Darstellung gegeben, wie es bei den Visiten zugegangen ist. Nämlich daß die Kranken einem SS- Arzt vorgestellt wurden und daß dieser Arzt dann dem Klehr die Karten gab, eventuell. Da Sie das selbst nicht gesehen haben und nicht dabei waren, möchte ich von Ihnen wissen, wieso Sie das wissen, wie Ihnen das bekanntgeworden ist.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jetzt verstehe ich. — My jsme měli zájem na tom, aby těch mrtvých bylo co nejméně, proto jsme se dívali, kteří pacienti jdou na jiné světnice, například na blok dvacátýosmý nebo dvacátýprvní. [+ Ti], kteří šli do bloku dvacátého, byli zabiti.

 

Dolmetscher Benesch:

Wir hatten ja Interesse daran, daß es wenig Tote gab. Und so guckten wir immer, wie viele Patienten auf andere Zimmer im Block 28 gingen oder auf den Block 21. Die zum Block 20 gingen, wurden getötet.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A ještě něco. Ti, kteří zemřeli normální smrtí, byli nošeni do sklepa, polsky se říkalo »pivnice«, bloku dvacátéhoosmého. Ti, kteří byli zabiti Phenolem, byli skládáni jako dřevo ve Waschraumu bloku dvacátého.

 

Dolmetscher Benesch:

Die eines normalen Todes gestorben waren, wurden in den Keller von Block 28 gebracht. Die, die totgespritzt wurden, wurden wie Holz aufgeschichtet im Waschraum des Blocks 20.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie haben uns gesagt, daß Sie am 7. Mai 1943 erneut von Birkenau vom Zigeunerlager in das Stammlager, und zwar nach Block 28, gekommen seien. Haben Sie damals, als Sie erneut wieder nach Block 28 kamen, den Klehr noch vorgefunden?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein. Ich beendete im Zigeunerlager im April 43, im Block 32.

 

Vorsitzender Richter:

Was war da gewesen im Block 32?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das war wieder Krankenrevier.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben meine Frage nicht verstanden. Sie sind am 7. Mai 1943 wiederum nach Auschwitz ins Stammlager gekommen auf Block 28. Und da möchte ich gern von Ihnen wissen, ob Sie damals den Sanitätsdienstgrad oder Unterscharführer Klehr noch vorgefunden haben.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

In Auschwitz, nein.

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz nicht.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Wissen Sie, wo er sich da befunden hat?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Damals war schon Unterscharführer Hantl dabei. Als SDG.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja, — víte, kde byl Klehr v tom času?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Klehr, man erzählte, daß er hat Desinfektion und solche andere Sachen an der — na starosti. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Daß ihm Desinfektion oder übrige Dinge übertragen worden sind.

 

Vorsitzender Richter:

Wann haben Sie denn Klehr zum letzten Mal gesehen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

V dubnu roku 43, v cikánském lágru, na bloku 32, při holení.

 

Dolmetscher Benesch:

Im April 43 im Zigeunerlager auf Block 32 während des Rasierens.

 

Vorsitzender Richter:

April 43 im Zigeunerlager. Und was tat er dort? Er ließ sich rasieren oder was?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nevím, co tam dělal. Přišel na návštěvu, ozvalo se: »Achtung!«, a já jsem se právě holil, tak se mě ptal, proč se holím v pracovní době. Vysvětlil jsem mu, že jsme se i na bloku dvacátémosmém holili v pracovní době, poněvadž pro nás prakticky nebyla žádná volná hodina.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich rasierte mich, und Klehr kam herein. Es kam der Ruf »Achtung!«, und er fragt mich, warum ich mich während der Arbeitszeit rasiere. Ich erklärte ihm, daß wir auch auf Block 28 das getan haben, weil für uns ja keine feste Arbeitszeit bestand.

 

Vorsitzender Richter:

Und was wollte denn Klehr da im Zigeunerlager auf Block 32?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Aber dort dauernd tätig war er nicht?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ich habe ihn bis dahin dort nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann haben Sie ihn denn zum letzten Mal gesehen in dem Stammlager Auschwitz I? Sei es auf Block 28, sei es auf Block 19.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, — vielleicht noch im September.

 

Vorsitzender Richter:

42?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vielleicht Oktober, weiß ich nicht genau. Aber am 10. November bin ich nach Buna-Monowitz gegangen.

 

Vorsitzender Richter:

10. November sind Sie nach Monowitz gegangen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Und von da an habe ich ihn nicht mehr gesehen bis zum Zigeunerlager.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben ihn also bis zum 10. November 42 in Auschwitz I gesehen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. Je možné, pane předsedo, že to nebylo až do desátého. Já si teď nevzpomínám, jestli jsem ho v listopadu určitě viděl. To už nevím přesně.

 

Dolmetscher Benesch:

Es ist möglich, daß ich ihn nicht bis zum 10. November gesehen habe. Ich weiß nicht, ob ich ihn an den letzten Tagen noch gesehen habe. Das weiß ich nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Aber so um diese Zeit herum.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Tak přibližně.

 

Dolmetscher Benesch:

So etwa.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann haben Sie ihn im April 43 wiedergesehen im Zigeunerlager.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob er damals schon beschäftigt war mit der Desinfektion?

 

Dolmetscher Benesch:

Víte, jestli už tenkrát dělal dezinfekci? Jak přišel do Březinky?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. On byl specialista na tyto věci.

 

Dolmetscher Benesch:

Er war ja Spezialist für diese Dinge.

 

Vorsitzender Richter:

In dieser Zeit, wo Sie den Angeklagten Klehr in dem Lager Auschwitz I gesehen und kennengelernt haben – was hatten Sie damals für einen Eindruck von ihm, wie er sich den Gefangenen gegenüber verhielt?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Byl přemrštěně přísný. Za každou maličkost dával Meldung. A Meldung znamenalo skoro smrt.

 

Dolmetscher Benesch:

Er war übertrieben scharf. Für jede Kleinigkeit machte er Meldung, und Meldung war in etwa gleichbedeutend mit Tod.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich entsinnen darauf, daß er einmal einen Mann meldete, der sein Bett nicht richtig geordnet hatte?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns das mal bitte erzählen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Medik, z Lékařské Fakulty Brno, měl špatně ustlanou postel, dostal Meldung, šel do Birkenau, zemřel.

 

Dolmetscher Benesch:

Ein Medizinstudent der Medizinischen Fakultät in Brünn hatte ein schlecht gemachtes Bett. Er bekam eine Meldung, er ging nach Birkenau und starb.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jmenoval se Baštíř nebo Baštář, nevím přesně.

 

Dolmetscher Benesch:

Er hieß Baštíř oder Baštář, ich weiß es nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe Sie eben so verstanden: Er bekam eine Meldung, ging nach Birkenau und starb. Ist das richtig?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. — Stimmt. Dort starb [+ er], das war das Strafkommando.

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten das aber bei Ihrer Vernehmung in Aussig am 12. Dezember anders geschildert. Und zwar hatten Sie gesagt: »Diesen Umstand meldete Klehr dem Lagerleiter. Und der betreffende Häftling mußte einige Nächte hindurch im Untergeschoß von Block 11 im sogenannten Stehbunker stehen.«1

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Verzeihen Sie, Herr Vorsitzender, das ist ein Mißverständnis, er hat eben einen Vorfall mit einem tschechischen Studenten geschildert, und das ist auf derselben Seite etwa zehn Zeilen weiter unten.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pane předsedo, to byl Fedor, lékař z Košic, který dostal smrtící injekci.

 

Dolmetscher Benesch:

Das war Fedor, ein Arzt aus Kaschau, der die tödliche Spritze bekommen hatte.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

On měl také nějaký nepořádek, dostal Meldung a musel stát, nevím, asi 14 dní chodil denně stát Stehbunker na blok jedenáctý.

 

Dolmetscher Benesch:

Der bekam ebenfalls eine Meldung, und er mußte etwa 14 Tage täglich in den Stehbunker in Block 11.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

On byl tak unaven, že jsme se snažili, aby trochu usnul.

 

Vorsitzender Richter:

Kleinen Moment, wir kommen nicht so schnell mit. Wir wollen zunächst einmal bei dem bleiben, der in den Stehbunker kam. Nannten Sie nicht eben einen Namen, wie der Mann geheißen haben soll?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pamatuji si, že se jmenoval jako Fjodor [+ nebo] Fedor, byl z Košic.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich merkte mir den Vornamen Fjodor, Fedor

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Oder so ähnlich.

 

Dolmetscher Benesch:

Aus Kaschau oder so ähnlich.

 

Vorsitzender Richter:

Aus Kaschau. Der bekam eine Meldung und kam in den Stehbunker. Ist das richtig?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja, stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Richter Perseke:

Warum?

 

Vorsitzender Richter:

Weil er sein Bett nicht richtig gemacht hat.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was wurde aus diesem Fedor?

 

Dolmetscher Benesch:

Copak se s ním stalo?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Fedor, protože musel ve dne pracovat a v noci stát, poněvadž si nemohl ani sednout, ani lehnout, byl unaven, a usnul v rentgenové m Raumu, v prostoru, kde byl rentgen.

 

Dolmetscher Benesch:

Weil Fedor bei Tage arbeiten mußte und nachts stehen – es war nicht möglich ihm, zu knien oder zu sitzen –, schlief er im Röntgenraum ein.

 

Vorsitzender Richter:

Der Häftling, der das nicht ordentlich aufgebettete Bett hatte und der in den Stehbunker kam, das ist derselbe, der nachher bei der Arbeit einschlief?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já nerozumím.

 

Dolmetscher Benesch:

Je to ten samý vězeň? [...]

 

Staatsanwalt Vogel:

[unverständlich] als Lagerstrafe nachts über im Stehbunker und tags über arbeiten müssen. Und deshalb war er durch diesen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment, Herr Staatsanwalt, Sie haben nicht verstanden, was ich wollte.

 

Staatsanwalt Vogel:

Doch.

 

Vorsitzender Richter:

Der Zeuge schildert uns eben einen Vorfall, wo ein Häftling sein Bett nicht richtig hergerichtet hat und darauf in den Stehbunker kam. Und hat gesagt: »Dieser Mann hieß Fedor oder Fjodor oder so ähnlich.« Dann schilderte er von demselben Mann, daß er durch die Übermüdung tagsüber einschlief. Da will ich nur wissen, ob das derselbe gewesen ist. Denn die Vernehmung lautet etwas anders. In der Vernehmung heißt es: »Es geschah zum Beispiel, daß ein Häftling kein ordentlich aufgebettetes Bett hatte. Diesen Umstand meldete Klehr dem Lagerleiter, und der betreffende Häftling mußte einige Nächte hindurch im Untergeschoß von Block 11 im sogenannten Stehbunker stehen. Konkret erinnere ich mich an den Fall eines jüdischen Arztes aus Kaschau, den wir Fedor nannten und der auf diese Weise bestraft wurde.«2

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Daraus entnehme ich doch, daß dieser Fedor – erstens einmal war er kein Medizinstudent, sondern ein jüdischer Arzt – ein anderer Fall ist als derjenige, der in den Stehbunker gekommen ist.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nein.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Es ist nur ein anderer Fall mit dem tschechischen Medizinstudenten. Das kommt in der Vernehmung dann anschließend.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Ja, er sagt, er hat Stehbunker bekommen. Das heißt, er war nachts über im Stehbunker und tagsüber bei der Arbeit, mit Folgen.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann geht es aber weiter: »Konkret erinnere ich mich an den Fall eines jüdischen Arztes.«3 Wenn das derselbe gewesen wäre, von dem er vorher sagt, er wäre im Stehbunker gewesen, könnte er doch sagen, konkret erinnere ich mich daran, daß dieser Häftling infolge des Aufenthalts im Stehbunker nachher eingeschlafen ist. So könnte ich mir das vorstellen. Und deshalb frage ich den Zeugen, ob das dieselbe Person war. Ich weiß es ja nicht. Er muß es ja doch wissen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ich habe nur keinen Widerspruch entdecken können zu seiner früheren Vernehmung.

 

Dolmetscher Benesch:

Otázka je, zda to byla stejná osoba.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Es war derselbe.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano, byl to Fedor.

 

Vorsitzender Richter:

Dann ist es vielleicht im Protokoll etwas schlecht niedergelegt. Also es war jedenfalls derselbe Mann, der ursprünglich im Stehbunker war. Der schlief dann ein am Tag infolge Übermüdung. Das war derselbe.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Von dem sagen Sie, es sei ein jüdischer Arzt aus Kaschau gewesen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Sagten Sie vorhin nicht, es sei ein Medizinstudent?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein, das war ein Jude, Fedor, und Baštíř war ein sogenannter Arier aus Brünn, — Brno. — Das ist der Unterschied.

 

Vorsitzender Richter:

Dieser jüdische Arzt Fedor, der schlief dann am Tag ein bei der Arbeit. Wo war er denn beschäftigt?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Block 28, rechts war sogenannter Röntgenraum.

 

Vorsitzender Richter:

Röntgenraum. Da war er beschäftigt, da schlief er auch ein.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was geschah nun?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Klehr chodíval obyčejně hlavním vchodem, a my jsme dávali pozor, abychom ho varovali. Tentokrát šel nějak jako zloděj, a přišel z vchodu, kde to nikdo nečekal, takže toho Fedora přistihl.

 

Dolmetscher Benesch:

Normalerweise kam Klehr durch den Haupteingang. Wir paßten auf, um den Mithäftling zu decken. Aber damals kam Klehr wie ein Dieb durch den Seiteneingang und erwischte den Häftling.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Okamži tě poručil ho zavolat do Operation-sálu, dal mu injekci Phenolu, a já jsem ho večer jako nosič mrtvol házel na vůz, už studeného.

 

Dolmetscher Benesch:

Sofort gab er den Befehl, den Patienten in den Operationsraum zu bringen, gab ihm eine Phenolinjektion, und ich habe abends als Leichenträger diese Leiche fortgeschafft.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann war das bitte schön?

 

Dolmetscher Benesch:

Kdy to bylo?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

War vielleicht Juli, Juni, war warm — léto bylo — Sommer sicher.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war im Sommer.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sommer 1942.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

42.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie bei dieser Phenolinjektion selbst zugegen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie das, was Sie uns jetzt erzählt haben?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Viděl jsem ho na chodbě, jak šel zdráv do operačního sálu, a už jsem ho neviděl živého. Tak z toho usuzuji, že byl zabit Phenolem. Poněvadž tak rychle se neumírá.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich sah ihn gesund über den Flur in den Operationssaal gehen. Und dann habe ich ihn am selben Tag tot gesehen. Und daraus schließe ich, daß er mit Phenol getötet wurde. Denn so schnell stirbt man sonst nicht.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A věděl jsem, že je tam v operačním sále Klehr.

 

Dolmetscher Benesch:

Und ich sah, daß in dem Operationssaal Klehr war.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie bei dem Toten irgendeine Einstichstelle gefunden oder sonst einen Hinweis darauf, daß er eben durch Phenol gestorben ist.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne. Nebyl k tomu čas, poněvadž my jsme měli tenkrát asi 150 mrtvých.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war dazu keine Zeit. Wir hatten da an diesem Tag etwa 150 Tote.

 

Vorsitzender Richter:

Wie ist es mit dem Medizinstudenten aus Brünn? An dessen Namen können Sie sich nicht mehr entsinnen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Baštíř oder Baštář. Er studierte Medizin schon im letzten Semester. — Kdyby nám Hitler nebyl [+ býval] zavřel vysoké školy, byl [+ by] určitě d oktorem medicíny.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn Hitler nicht die Hochschulen uns zugemacht hätte, wäre er sicher schon Doktor der Medizin gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah nun mit ihm?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Byl potrestán, poněvadž dostal Meldung, a dostal se do Strafkompanie Birkenau.

 

Dolmetscher Benesch:

Er bekam eine Meldung und kam in die Strafkompanie nach Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum bekam er eine Meldung?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože Bettenbau, jak se tomu říkalo, neměl v pořádku. Ovšem, já jsem přesvědčen, že by to nedokázal nikdo lépe. To byla prostě ta jeho taková přehnaná přísnost.

 

Dolmetscher Benesch:

Weil sein Bettenbau nicht in Ordnung war. Aber ich bin überzeugt, es ging kaum besser zu machen. Das war, wie ich am Anfang sagte, die übertriebene Strenge.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Smím-li, pane předsedo, dodat, já jsem někdy spával raději na podlaze, když jsem se jako nosič mrtvol vrátil ve tři hodiny ráno, abych nemusel dělat Bettenbau, a vstávat o dvě hodiny dříve.

 

Dolmetscher Benesch:

Darf ich folgendes hinzusetzen: Ich schlief lieber auf dem Fußboden, wenn ich morgens gegen drei Uhr als Leichenträger zurückkam, damit ich das Bett nicht wieder machen mußte.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, waren Sie einmal dabei, wenn Klehr in eine Stube kam und jemand auf den Ruf »Achtung!« nicht sofort stillstand?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já jsem měl takzvané stationäre und ambulante Behandlung. Ve dne jsem byl v ambulanci, v takové místnosti, kde byla Schreibstube, na bloku 28.

 

Dolmetscher Benesch:

Bei Tag war ich in der Ambulanz im dem Block, wo die Schreibstube war, im Block 28.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A pak jsem chodil po blocích celého revíru s aparáty, třeba s Heizkasten a podobně, takže jsem měl možnost vidět, kdy přišel Klehr na světnici.

 

Dolmetscher Benesch:

Und dann ging ich auch durch die Blocks des ganzen Reviers mit den Apparaten, zum Beispiel dem Heizkasten, so daß ich die Möglichkeit hatte, auch zu erleben, wie Klehr eine Stube betrat.

 

Vorsitzender Richter:

Erzählen Sie bitte, was da geschah.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Když zavolal někdo na světnici: — »Achtung! Stube«, zum Beispiel 10, »belegt mit soviel und soviel Häftlingen«, mußten alle Häftlinge, so streng wie bei »Achtung!«, die Arme haben so an der Decke. Wer machte eine Bewegung links oder rechts, dem sagte man: »Heruntergehen, leichte Arbeit, Sanatorium.« Das bedeutete immer Tod. — Smrt.

 

Vorsitzender Richter:

»Heruntergehen, leichte Arbeit. «

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Heruntergehen, und bestimmte Pfleger mußten den Mann – nicht Mann, man sagte immer »ein Stück«, das waren keine Leute, seien nur »Stück« oder »Nummer«– nach Waschraum 20, zum Block 20 oder manchmal Operationssaal bringen, und der war erledigt. Also jeden Tag, kann ich sagen das aufrichtig, daß er hat wenigstens 100 Prozent mehr Leute getötet als Obersturmführer Entress. Wenigstens 100 Prozent mehr, aus eigener Initiative.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, haben Sie selbst derartige Gefangene, von denen er sagte »Runterkommen, leichte Arbeit«, in den Waschraum gebracht?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Auch mußte ich manchmal helfen, weil wenn Hinrichtung war bei dem Block 11, dann kam zum Beispiel der Befehl »Alle Pfleger und Leichenträger sofort antreten, los, los!« Und ich mußte manchmal auch helfen.

 

Vorsitzender Richter:

Ich meine jetzt hier grade in diesem Fall. Wenn Klehr in ein Zimmer kam, und es wurde »Achtung!« gerufen, und es bewegte sich jemand, dann hat er doch gesagt »Runterkommen!«, und die Leute mußten in den Waschraum, sagten Sie. Haben Sie einmal solche Leute mit in den Waschraum begleitet?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Auch.

 

Vorsitzender Richter:

Auch mit begleitet. Und wissen Sie dann auch aus eigener Kenntnis, ob Klehr sie dann getötet hat mit solchen Spritzen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ich habe es gar nicht gesehen, weil ich die Leute nur habe vorgeführt. Und bin ich wieder zurückgegangen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das war auf Block 20?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Block 20. Und manchmal auch Operationssaal Block 28.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie vielleicht auf ein Stück Papier uns einmal aufzeichnen nach Ihrer Erinnerung den Block 20, wo Klehr diese Abspritzungen vornahm? Das heißt also den Flur und die einzelnen Räume, wo sich das abspielte. Nein, das Innere.

 

Dolmetscher Benesch:

Prosím namalovat plán bloku 20, jak to asi uvnitř vypadalo.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Also das war der Eingang von der Hauptstraße.

 

Dolmetscher Benesch:

Prosím, pane profesore, namalovat.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Habe keine Brille, muß ich umtauschen.

 

Vorsitzender Richter:

Nehmen Sie sich nur Zeit dazu.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

So ist es besser. Hier ist Block 21. Hier ist Block 20. Hier war — brána, — eine Pforte?

 

Dolmetscher Benesch:

Ein Tor.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ein Tor. Die Häftlinge – hier war Block 21 –, die mußten da gehen zwischen dem Block 20 und 21, und von hier war der Waschraum, an dieser Seite ganz rechts.

 

Vorsitzender Richter:

Zeichnen Sie es doch grade mal ein. Zeichnen Sie in der Mitte den Flur.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

So, hier war der Waschraum.

 

Vorsitzender Richter:

Waschraum. Und wo war das Zimmer, wo Klehr diese

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Das habe ich auch nicht richtig gesehen, weil ich immer hier gearbeitet habe im Waschraum. Hier war so ein Flur, ein Gang. Also ich ließ nur die Häftlinge unten und bin weggegangen. Aber vom Waschraum habe ich fast jede Nacht die Toten weggeführt, nicht weggeführt, auf Wagen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, war denn zwischen dem Waschraum, wo Sie die Leute hinbrachten, und dem Raum, wo der Klehr diese »Abspritzungen« vornahm, war denn da irgend etwas dazwischen, daß Sie da den ganzen Flur nicht einsehen konnten? Oder konnten Sie den ganzen Flur entlang sehen, den Gang?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Konnten Sie sehen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Konnte [+ ich].

 

Vorsitzender Richter:

Dann zeichnen Sie uns doch mal auf das Papier den Flur und die einzelnen Räume, die da abgingen: den Waschraum, wo Sie die Leute hinbrachten, den Raum, wo der Klehr drin war, den Raum, wo die Leichen nachher abgeholt wurden und so weiter. Können Sie das nicht mal aufzeichnen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das war so wie in Block 28, Block 21, in Block 19, so war es überall. Das war hier so ein Haupteingang und war die Wäscherei. Sonst

 

Dolmetscher Benesch [unterbricht]:

Waschraum, Waschraum.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Waschraum, Waschraum. Sonst brauchte ich in kein Zimmer kommen. Weil mein Block war 28. Dort war ich zu Hause. In Block 28 kann ich es ganz genau zeichnen.

 

Vorsitzender Richter:

Na, dann geben Sie mir mal das Papier.4

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ich kenne nur den Waschraum.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] War das derselbe Waschraum, aus dem Sie abends die Leichen holten?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Da brachten Sie die Männer hin, die aufgrund dieses Rufes »Achtung!« nicht gleich sich ruhig verhalten hatten.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele waren das ungefähr, die da hingebracht wurden?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Wieviel Leute?

 

Dolmetscher Benesch:

Kolik lidí jste tam zavedl?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Manchmal, ich mußte mit einem [unverständlich] zwei Meter hoch wie Holz aufeinander. Also wieviel war es?

 

Vorsitzender Richter:

Das waren die Leichen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Alles voll.

 

Vorsitzender Richter:

Die Leichen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

[+ Ne ti], co zemřeli přirozeně, — nicht die eines natürlichen Todes Gestorbenen. Das waren nur die, die durch Phenol getötet wurden. Die waren im Leichenkeller Block 28. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ich möchte nur gern jetzt von Ihnen wissen, solange die Leute noch nicht tot waren, sondern noch am Leben waren, haben Sie sie doch da hingebracht in diesen Waschraum, von dem Sie mir sagen, es war derselbe Waschraum, aus dem Sie nachts die Leichen wieder rausgeholt haben.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Dolmetscher Benesch:

Ty jste tedy dovedl do [té samé koupelny], kde jste je večer zase jako mrtvoly vzal s sebou? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele Menschen haben Sie denn lebend dort hineingebracht?

 

Dolmetscher Benesch:

Kolik živých lidí jste tam asi odvedl?

 

Vorsitzender Richter:

Es wird unterschiedlich gewesen sein.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, — sagen wir so 25, vielleicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Es hat gewechselt wohl.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Es waren mal mehr, waren mal weniger.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja, das war unterschiedlich.

 

Vorsitzender Richter:

War unterschiedlich. Und wieviel waren es am wenigsten vielleicht?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Klehr war für immer so — zarovnání, — wie sagt man es?

 

Vorsitzender Richter:

Eine runde Zahl.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Wenn zum Beispiel Entress gibt 19, dann sicher nicht 20. Wenigstens 30 hat.

 

Vorsitzender Richter:

Also er hat immer [aufgerundet] auf eine runde Zahl.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Immer so runde Zahlen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun würde mich folgendes interessieren, wollen Sie mal mit uns überlegen: Wenn 20 oder 25 lebende Menschen in diesen Waschraum gebracht wurden und Klehr hat sie dann in dem Raum, wo er sich aufhielt, getötet, mußten doch die Getöteten auch wieder irgendwo hingebracht werden. Sind die denn zu den Lebenden in dem Waschraum gebracht worden?

 

Dolmetscher Benesch:

Když jste dovedl 25 lidí najednou do [té jedné koupelny], a když Klehr potom řekněme dával ty phenolové injekce v nějaké místnosti, přece museli být ti mrtví někam odneseni. Myslíte, že mrtví byli odneseni k živým, do [té samé koupelny]?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne. Do Waschraumu chodili už jenom omráčení, kteří během několika minut, popřípadě vteřin, zemřeli. Byli ještě teplí, ale tam se skládali podle povelu. Vždycky křičel: — »Vordermann ausrichten!«, wie Holz.

 

Dolmetscher Benesch:

In den Waschraum kamen nur Sterbende.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, ich glaube, wir verstehen uns nicht. Vielleicht, Herr Dolmetscher, wollen Sie es doch einmal übertragen. Der Zeuge hat uns erzählt, wenn Klehr 20 oder 25 Menschen bestimmte zur »leichten Arbeit«, hieß das, daß sie gebracht werden mußten in den Waschraum.

 

Dolmetscher Benesch:

Když Klehr označil 20 nebo 25 lidí na lehkou práci, znamenalo to, že se museli odebrat do té koupelny?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne. Do koupelny jenom mrtví.

 

Dolmetscher Benesch:

In den Waschraum nur die Toten.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo kamen denn die Lebenden hin

 

Dolmetscher Benesch:

A kam přišli živí?

 

Vorsitzender Richter:

Wenn die nun von dem Krankenzimmer weggebracht werden mußten?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Čekali, a řeklo se jim, že dostanou injekci proti skvrnitému tyfu, aby se nebouřili.

 

Dolmetscher Benesch:

Sie warteten, und es wurde ihnen gesagt, sie bekommen eine Injektion gegen Flecktyphus, damit sie nicht unruhig würden.

 

Vorsitzender Richter:

Wo mußten sie sich denn dann hinbegeben, diese Kranken?

 

Dolmetscher Benesch:

A kde museli stát tito nemocní, kteří čekali?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože na chodbě se nevraždilo, tak oni mysleli skutečně, že [unverständlich] Byla tam potom taková hromada mrtvých. Když jich bylo víc, oni tam další nepustili.

 

Dolmetscher Benesch:

Kde byli tito lidé?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Na chodbě čekávali.

 

Dolmetscher Benesch:

Auf den Flur.

 

Vorsitzender Richter:

Auf den Flur. Haben Sie auch mal solche Menschen auf den Flur hinbegleitet?

 

Dolmetscher Benesch:

Doprovázel jste takové lidi i na na tu chodbu?

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Nein. — Já jsem [+ je] jenom přivedl, a odešel jsem, poněvadž jsem měl jinou práci.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich habe sie nur dort hingebracht und ging weg, weil ich eine andere Arbeit hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Wo dorthin?

 

Dolmetscher Benesch:

Kam jste je dovedl?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Do chodby před Waschraum. Zhruba.

 

Dolmetscher Benesch:

In diesen Flur etwa so vor den Waschraum.

 

Vorsitzender Richter:

In den Flur. Haben Sie festgestellt, daß in diesem Flur irgendwo ein Vorhang gespannt war?

 

Dolmetscher Benesch:

Byla tam někde nějaká záclona?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vzpomínám si, že někdy tam něco bylo, ale většinou to bylo zbytečné, protože oni zabíjeli tak, že stačili vodit vždycky minutu, dvě minuty, takže tam bylo pořád volno. Pauzy dělali, intervaly.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Frage ist doch, ob ein Vorhang da war?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Benesch:

Zjistil jste, že tam někde byla záclona?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vzpomínám si, že někdy byla. Ale nevím to určitě.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich erinnere mich, daß irgendwo etwas war. Aber ich weiß es nicht genau.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nicht genau. Also Sie sagen uns jedenfalls, daß die Leute, von denen Klehr gesagt hat: »Leichte Arbeit«, die mußten in dem Flur antreten unten im Erdgeschoß, im Parterre.

 

Dolmetscher Benesch:

Tito lidé, o kterých Klehr řekl: »Lehká práce«, museli nastoupit na chodbě v dolním poschodí a čekat.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben Sie sich um diese Leute nicht mehr gekümmert. Und abends mußten Sie aus dem Waschraum Leichen abtragen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was inzwischen geschehen war, haben Sie selbst nicht gesehen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Augenblick bitte. Wie ist es mit Arzneien gewesen? Hat Klehr die Arzneien ausgegeben, die die Leute brauchten und die für sie bestimmt waren?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak to bylo s medikamenty? Vydával Klehr medikamenty, které lidé potřebovali, a které byly určeny pro ně?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Im Gegenteil, er hat alles gestohlen.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich an einen Fall erinnern, wo Sie selbst Medikamente für einen kranken Gefangenen besorgt hatten?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Byl tam můj známý z Malé pevnosti terezínské, býval to Okresní hejtman ze Semil. Jmenoval se Friedrich.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war mit mir zusammen ein Bekannter aus der Kleinen Festung in Theresienstadt, ein Bezirkshauptmann von?

 

Vorsitzender Richter:

Namens Friedrich.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Semily.

 

Dolmetscher Benesch:

Von Semily namens Friedrich.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Friedrich hatte Asthma cardiale oder bronchiale, weiß ich nicht mehr. Er brauchte Calcium gluconicum und Asthmolysin. Ich besorgte es für ein Stück Brot von einem Bekannten aus »Kanada« und wollte ich geben dem Kamaraden. Aber war schon zu spät. Klehr hat es gesehen, und ich bekam Fußtritte und so weiter. Und der Mann ist sowieso gestorben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, würden Sie es dann noch übersetzen?

 

Dolmetscher Benesch:

Es war ja deutsch.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so. Jedenfalls, Sie hatten die Medikamente besorgt, und Klehr hat das gemerkt, hat Ihnen das abgenommen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und der Mann ist gestorben, weil er die Medikamente nicht bekommen hat.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Keine Medikamente.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wissen Sie, ob der Angeklagte Klehr sich auch beteiligt hat bei der Auswahl von Gefangenen für die Gaskammern?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jawohl. Es war im Sommer 42.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie vielleicht tschechisch sprechen. [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

V létě roku 42 bylo vybráno mezi blokem dvacátým a jednadvacátým odhaduji tak 600, 650, 700 vězňů do sanatoria, jak se říkalo: »leichte Arbeit«, čili do plynu.

 

Dolmetscher Benesch:

Im Sommer 42 wurden zwischen Block 20 und Block 21 etwa 600 bis 650 oder 700 Häftlinge in das Sanatorium, wie man sagte, ausgesucht für »leichte Arbeit«. Das hieß, sie gingen ins Gas.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie uns bitte, wie kam es zu dieser Auswahl? Wer hat die befohlen? Wer war dabei? Und wer hat die Auswahl vorgenommen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, hlavní slovo měl tenkrát Obersturmführer Entress, ale pak odešel, a Klehr už to ostatní obstarával sám.

 

Dolmetscher Benesch:

Zunächst führte Obersturmführer Entress, der ging aber weg. Und dann besorgte das Klehr allein.

 

Vorsitzender Richter:

Um wie viele Häftlinge handelte es sich schließlich?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vielleicht 650, vielleicht 700. — Všichni byli v košilích, to je znamení, že to nebylo Überstellung do jiného lágru.

 

Dolmetscher Benesch:

Sie waren alle in Hemden, das bedeutete, es konnte keine Überstellung in ein anderes Lager sein.

 

Vorsitzender Richter:

Warum konnte es keine Überstellung in ein anderes Lager sein?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože byla tradice, když někdo byl überstellt, tak měl boty, čapku a celý mundur.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war üblich, wenn jemand überstellt wurde, daß er Schuhe, die Mütze und die ganze Montur hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Behielt.

 

Dolmetscher Benesch:

Behielt, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Während in diesem Falle?

 

Dolmetscher Benesch:

A v tomto případě?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

V tomto případě byli v košilích a nesměli ze slunce jít ani na záchod, takže tam bylo cítit moč, výkaly, a Klehr ani nedovolil, abych je odtáhl do stínu. Měli žízeň, volali [unverständlich]

 

Dolmetscher Benesch:

Sie standen in Hemden in der Sonne da. Sie durften auch nicht zum Austreten weggehen. Man roch es ja auch schließlich, es waren dort Urin und Exkremente. Und Klehr erlaubte auch nicht, daß sie sich in den Schatten stellten.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Čekali několik hodin a řada jich zemřela.

 

Dolmetscher Benesch:

Sie warteten dort einige Stunden. Und eine Reihe von ihnen starb dort.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A mluvili ve všech jazycích, slyšel jsem tam francouzsky, polsky, rusky, německy, prostě všechny jazyky z Evropy, mimo Portugalce a Švédy jsem poznal všechny národy.

 

Dolmetscher Benesch:

Sie sprachen in allen Zungen. Ich hörte nahezu alle europäischen Sprachen.

 

Vorsitzender Richter:

Wo standen die Leute?

 

Dolmetscher Benesch:

Kde stáli ti lidé?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nestáli, už padali a klesali. Na dvoře mezi blokem dvacátým a jednadvacátým. Klehr si poprvé v životě sundal čapku, on byl vždycky upnutý, rozepnul si límec, bylo tam horko, sundal blůzu a seděl tam celé hodiny, aby někdo [nebyl odnesen]. Já jsem chtěl kamaráda odnést, a on to hlídal.

 

Dolmetscher Benesch:

Auf dem Hof zwischen Block 20 und 21. Klehr nahm seine Mütze herunter. Er, der sonst die Uniform bis oben hin geschlossen trug, öffnete die Uniform, zog auch seine Jacke aus, setzte sich hin und bewachte das etliche Stunden, damit kein Häftling weggetragen werden konnte.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Na jedné stoličce bez opěradla, z atímco druzí museli být na zemi v prachu a ve špíně. Proto tam bylo tenkrát plno blech.

 

Dolmetscher Benesch:

Nerozuměl jsem.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pacienti leželi v prachu, na písku. A všude byly blechy. — Viele Flöhe.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Patienten sanken nieder in den Sand, und dort überall waren sehr viele Flöhe gewesen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pane předsedo, je to neuvěřitelné, já jsem v životě neviděl, jak blechy poskakovaly, jako [kdyby se byla udělala sprcha z písku]. To byly tisíce blech.

 

Dolmetscher Benesch:

Es ist unglaublich, wenn man das nicht erlebt hat. Die Flöhe sprangen zu Tausenden immer empor. Man konnte es förmlich sehen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Přitom bylo napsáno: — »Eine Laus dein Tod«, — a my jsm e měli všichni jedním hmátnutím při Läusekontrolle [+ spoustu] vší. Všichni byli zavšivení.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war angeschrieben: »Eine Laus dein Tod«, und wenn man sich bei der Läusekontrolle unter die Arme griff, dann hatte man die Hand voll Läuse.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Přitom se Klehr nestaral, abychom měli dost mýdla, dost vody, o to on se nestaral, ale Bettenbau, to byl jeho koníček. A že byla krev a špína, štěnice, vši, to mu nevadilo.

 

Dolmetscher Benesch:

Er kümmerte sich nicht, ob wir genug Seife, genug Wasser hatten, ob es Läuse waren, Blut oder was anderes, das kümmerte ihn nicht. Aber Bettenbau, das war sein Steckenpferd.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, an welchen Tagesstunden haben denn die Leute da in dem Hof zwischen [+ Block] 20 und 21 stehen müssen? War das morgens, mittags, abends?

 

Dolmetscher Benesch:

V jakých denních hodinách?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Od budíčku čekali asi do dvou hodin odpoledne bez jídla, bez vody, bez možnosti jít na záchod.

 

Dolmetscher Benesch:

Vom Wecken morgens standen sie dort bis etwa zwei Uhr nachmittags, ohne Wasser, ohne etwas zu essen zu bekommen, ohne die Möglichkeit, eine Toilette aufzusuchen.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah dann mit ihnen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Přijížděly nákladní vozy, šoféři SS, a nakládali je, i mrtvé, kteří už to nevydrželi. Tak je tam házeli, jako dřevo, a pak je odváželi postupně. Kam jeli, nevím, vyjížděli bránou, kde bylo napsáno: — »Arbeit macht frei«.

 

Dolmetscher Benesch:

Es kamen Lastwagen, die Fahrer gehörten der SS an. Die Leute mußten die Wagen besteigen, die Toten wurden wie Holzstücke hinaufgeschmissen. Dann fuhren sie weg, wohin sie fuhren, weiß ich nicht. Sie verließen das Lager durch das Tor mit der Aufschrift »Arbeit macht frei«.

 

Vorsitzender Richter:

Nun waren das aber doch keine Toten, sondern das waren doch lebendige Menschen, die grade ausgesucht waren und die, wie Sie sagten, von morgens neun bis mittags um 14 Uhr da stehen mußten. Was geschah denn mit diesen Leuten?

 

Dolmetscher Benesch:

Copak se stalo s těmi živými, kteří tam ještě byli naživu?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

To nevím, protože jsem o nich už nikdy neslyšel. Byli tam i moji známí, a ti zahynuli.

 

Dolmetscher Benesch:

Das weiß ich nicht. Ich habe niemals mehr etwas von ihnen gehört. Es waren auch Bekannte von mir dabei, und die sind ums Leben gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie denn, ob diese Leute mit Lastwagen abgefahren worden sind? [...]

 

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich] Gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, er hat gesagt, die Toten wurden wie

 

Dolmetscher Benesch [unterbricht]:

Nein, die Lebenden hatten die Wagen zu besteigen.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Toten wurden wie Holz hinaufgeworfen.

 

Vorsitzender Richter:

So, dann ist es gut. Sie haben also das gesehen und waren selbst dabei?

 

Dolmetscher Benesch:

Viděl jste to sám a byl jste přítomen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. Já jsem z vlastní iniciativy, jako ošetřovatel, dával v okurkové láhvi vodu. Voda se nesměla pít, ale já jsem si to dovolil dát lidem, aby se nap ili vody, když volali: — »Durst! Wasser!«

 

Dolmetscher Benesch:

Aus eigener Initiative habe ich als Pfleger in einem Gurkenglas Wasser den Häftlingen gereicht, obwohl es verboten war.

 

Vorsitzender Richter:

Hatten Sie dort auch eine Aufgabe?

 

Dolmetscher Benesch:

Měl jste tam úkol?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já jsem míval obyčejně, jako jiní, takzvanou Absperrdienst, — war Lagersperre. — A já jsem musel dělat Absperrdienst.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war Lagersperre angeordnet, und ich mußte wie gewöhnlich mit den anderen Absperrdienst machen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, Sie waren dann auf Block 19, und zwar bis zum 10. November 42. Können Sie sich erinnern, ob vor Ihrem Weggang aus Block 19 noch einmal eine solche Selektion stattgefunden hat?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ještě strašnější než ta v létě, celý blok šel do plynu, a šli i zdraví.

 

Dolmetscher Benesch:

Noch schlimmer als die im Sommer, der ganze Block ging ins Gas, und es gingen auch die Gesunden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Sta lo se dokonce, že před blokem dvacátýmosmým stáli zdraví lidé, a jakýsi esesman, ovšem nevím který, je tam nahnal, museli jít do toho vozu na smrt.

 

Dolmetscher Benesch:

Es passierte sogar, daß vor Block 28 einige Gesunde standen. — Prosím.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A museli do vozu.

 

Dolmetscher Benesch:

Und die mußten auch auf den Wink in den Wagen einsteigen und mitfahren in den Tod.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ti měli civil, ti měli ten Strafanzug.

 

Dolmetscher Benesch:

Diese Leute vor Block 28

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ti měli vězeňský úbor

 

Dolmetscher Benesch:

Sie hatten die

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A ti ostatní byli v košilích.

 

Dolmetscher Benesch:

Häftlingsmontur an. Die anderen waren in Hemden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pamatuji si, pane předsedo, že jeden ukazoval německy, byl to Polák, a povídá: »Prosím, já mám jenom prst nemocný.«— »Halt die Schnauze, du Blöder, du Arschloch. Los, los!«— Dostal po hlavě, jeden esesman ho uhodil, a hodil ho jak dřevo nahoru.

 

Dolmetscher Benesch:

Einer zeigte nur, es war ein Pole, und sagte auf deutsch: »Ich habe nur einen kranken Finger. Ich bin nicht schwer krank.« Und dann kamen die Worte

 

Vorsitzender Richter:

Die Worte: »Halt die Schnauze« und so weiter.

 

Dolmetscher Benesch:

Und er wurde geschlagen und auf den Wagen hinaufgeworfen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, was Sie uns eben erzählen, hat sich abgespielt vor Ihrem Weggang im Jahr 42. Wann? Kann es etwa im Oktober gewesen sein?

 

Dolmetscher Benesch:

Je to možné, že to bylo v říjnu?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

15. září jsem odešel z bloku dvacátéhoosmého na blok devatenáctý. Muselo to být v té době mezi 15. zářím a 10. listopadem. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Es muß zwischen dem 15. September, als ich wegging von dem Block, bis zum 10. November, als ich aus Auschwitz wegging, gewesen sein.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ale spíš v říjnu.

 

Dolmetscher Benesch:

Wahrscheinlich im Oktober.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagten eben, das war noch viel schrecklicher als im Sommer, als diese erste Selektion stattfand. Wie viele Lastwagen wurden denn damals im Oktober weggefahren?

 

Dolmetscher Benesch:

Kolik kamionů jelo v říjnu?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pane předsedo, to se nedalo počítat přesně, poněvadž jsem odskakoval pro vodu, a pro tu vodu jsem musel jít až do bloku dvacátéhoosmého. Takže někdy mně ten vůz ujel. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Ich habe diese Lastwagen nicht gezählt, weil ich ja immer wieder Wasser holte. Und das Wasser mußte ich vom Block 28 holen. Es kann durchaus sein, daß ich einen Wagen, der in der Zwischenzeit wegfuhr, nicht gesehen habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ich frage Sie aus folgendem Grunde: Sie haben bei dieser Selektion im Sommer 42 gesagt, es handle sich dabei um eine solche Anzahl, daß die Lastautos mit den Häftlingen von neun bis 14 Uhr in Betrieb waren.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das stimmt. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und bei dieser Selektion im Herbst 42 sagten Sie: »Sie wurden ebenfalls in die Gaskammern gebracht. Es konnte sich etwa um zwei Lastautos handeln, und da es passierte, daß sie nicht voll besetzt waren« und so weiter, hat er noch welche dazugenommen. Da waren es im Oktober nur zwei Lastwagen, und im Sommer waren es so viele Menschen, daß die Lastwagen von morgens neun bis nachmittags um 14 Uhr dauernd unterwegs waren. Wie soll ich das verstehen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jestli jde o počet, tak to je rozdíl. Ale chování esesmanů bylo u tohoto bloku devatenáctého horší. Poněvadž, když nastupovali vězni u bloku dvacátého, tak se chovali celkem slušně.

 

Dolmetscher Benesch:

Es geht hier nicht um die Zahl, es geht um das Verhalten der SS-Männer, die im ersten Fall sich noch verhältnismäßig anständig verhalten haben.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, worum es hier geht, das ist eine Frage. Uns geht es im Augenblick um die Anzahl der Gefangenen, die im Sommer und die im Oktober bestimmt worden sind für die Gaskammern.

 

Dolmetscher Benesch:

Jde zde o počet, který byl v létě.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

V létě [+ jich] bylo víc než na podzim.

 

Dolmetscher Benesch:

Im Sommer waren es mehr als im Herbst.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das dachte ich mir auch. Im Sommer, sagten Sie, 650 bis 700 Gefangene. Und wie viele können es im Herbst gewesen sein?

 

Dolmetscher Benesch:

A kolik jich bylo asi na podzim?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vielleicht die Hälfte, vielleicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Vielleicht die Hälfte, vielleicht aber auch etwas mehr. War da im Herbst ein Arzt dabei bei der Auswahl dieser Leute, die dort in die Gaskammern gebracht werden sollten?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

War kein Arzt dabei.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Keiner.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer bestimmte die Leute?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nur die Leute aus der Politischen Abteilung und die SS, welche ich nicht so gut kenne.

 

Vorsitzender Richter:

Die Leute aus der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja, die waren jeden Tag im Lager, und die machten immer solche Selektionen, fast jeden Tag.

 

Vorsitzender Richter:

Auch im Krankenbau?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Auch.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wußten Sie, daß die Leute aus der Politischen Abteilung kamen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Weil man immer erzählte im Block 28: »Aufpassen, Politische Abteilung!«

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie welche persönlich.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Später. Früher kannte ich ganz gut Oberscharführer Palitzsch, den ich immer mit einem Karabiner gesehen habe, wie er ins Fenster geschossen hat. Man hat bei der Häftlingsküche auf einen Gong [unverständlich] »Lagersperre!« Und jetzt ist mit dem Karabiner, und wer hat gesehen im Stock, immer geschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Der Palitzsch.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Alle Leute sind verschwunden, und jetzt ist Selektion. Also Palitzsch kenne ich ganz gut. Grabner kenne ich, das war der Chef der Politischen Abteilung. Und später im Jahre 43 und vielleicht 44 habe ich Boger gesehen, Lachmann gesehen, Kirschner habe ich gesehen und verschiedene andere. Jeder kennt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und diese kamen

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Und Kaduk, Kaduk auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Kaduk war aber nicht bei der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Kaduk aber später.

 

Vorsitzender Richter:

Später.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Er war fast jeden Tag besoffen.

 

Vorsitzender Richter:

Kamen diese Leute von der Politischen Abteilung auch in Block 19?

 

Dolmetscher Benesch:

Přicházeli lidé z Politického?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein, in den Block nicht. Ein SS-Mann schimpfte, da sagte er: »Glauben Sie, daß Sie noch einen neuen Wagen bekommen. Alle müssen antreten.« Also man mußte so pressen, daß die Leute haben gerufen in allen Sprachen: »Um Gottes Willen, Hilfe! — Oskur!, Pomož! — Wir haben wenig Platz!« Und man machte es so: Zwei, drei schicken. Und die Leute, die waren tot schon in einer halben Stunde, ohne Luft.

 

Vorsitzender Richter:

Also Herr Zeuge, Sie würden uns einen Gefallen tun, wenn Sie tschechisch sprechen würden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Gut.

 

Vorsitzender Richter:

Dann haben wir durch den Dolmetscher die einwandfreie Übertragung. Aber ich glaube, Sie haben meine Frage nicht verstanden. Ich habe Sie gefragt, ob bei diesen Selektionen im Krankenbau auch Leute von der Politischen Abteilung dagewesen sind und die Auswahl der Menschen vorgenommen haben.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja. Byli přítomni při selekcích v baráku nemocných také lidé z Politického oddělení, a vybírali oni také?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, nevybírali, jenom řídili dopravu a nástup.

 

Dolmetscher Benesch:

Nein, sie suchten nicht selbst aus. Sie regelten nur den Verkehr und das Antreten.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat ausgesucht?

 

Dolmetscher Benesch:

A kdo vybíral?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Obyčejně Sanitätsdienstgrad.

 

Dolmetscher Benesch:

Üblicherweise der Sanitätsdienstgrad.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich?

 

Dolmetscher Benesch:

Kdo?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Wer war damals? Und manchmal auch Obersturmführer Entress, im Jahre 42.

 

Vorsitzender Richter:

Auch manchmal Entress? Und wer sonst noch?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Klehr.

 

Vorsitzender Richter:

Und Klehr. Haben Sie auch die Leute ausgesucht im Oktober 1942, aus Block 19?

 

Dolmetscher Benesch:

Vybírali také oni v ří jnu 42 ty lidi na bloku 19?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pane předsedo, tady si opravdu už přesně nevzpomínám, nechtěl bych zkreslit skutečnost. Tady si přesně nevzpomínám, kdo tam byl, poněvadž jsem byl tak rozrušen... báli jsme se, že půjdeme také do plynu.

 

Dolmetscher Benesch:

Herr Vorsitzender, ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Ich möchte nicht die Wirklichkeit verzeichnen. Ich war damals sehr verstört, und ich hatte Angst, daß wir alle ins Gas gehen müßten.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen es also nicht mehr.

 

Dolmetscher Benesch:

Nevíte to už.

 

Vorsitzender Richter:

Die Leute, die da abtransportiert worden sind, von denen glauben Sie, daß sie in die Gaskammern gekommen sind und nicht etwa auf ein anderes Kommando.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar deshalb, wie Sie uns vorhin sagten, weil Sie keine Kleider anhatten, sondern nur in Hemden waren, mit Ausnahme von denjenigen, die auf Block 28 noch dazugeladen wurden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und die aus Block 28 noch dazugeladen wurden, das geschah auf die Anweisung von Klehr?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Das weiß ich auch nicht. Das war ein SS-Mann.

 

Vorsitzender Richter:

Ein SS-Mann.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vielleicht Rapportführer Stiwitz, weiß ich jetzt nicht mehr. Aber ein SS-Mann hat es gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten bei Ihrer Vernehmung in Aussig ausgesagt: »Irgendwann im Herbst 1942, es konnte etwa im Oktober gewesen sein, ordnete Klehr an, daß eine Reihe von Häftlingen aus Block 19, deren Gesundheitszustand unvergleichlich besser war als der jener Häftlinge, die irgendwann im August 1942 vergast wurden, wie ich eben darüber sprach, ebenfalls in die Gaskammern gebracht wurden.«5 Sie haben also bei Ihrer Vernehmung in Aussig gesagt, Klehr wäre es gewesen, der diese Auswahl angeordnet hätte. Jetzt sagen Sie, ich kann mich nicht mehr darauf entsinnen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. Pane předsedo, já jsem o tom přemýšlel, když jsem přišel od soudu, a došel jsem k závěru, že jsem si to [popletl] s jedním výběrem vězňů-ošetřovatelů do plynu.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich habe darüber noch viel nachgedacht, als ich vom Gericht zurückkam. Und ich meine, daß ich es verwechsle mit einer anderen Selektion unter Häftlingspflegern.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ono to bylo jinak. Nás zavolal Entress, všechny ošetřovatele, a určoval sám, kdo z nás zůstane naživu, a kdo půjde na smrt. Tak to jsem si to tenkrát popletl.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war anders. Entress rief uns Häftlingspfleger und entschied, wer von uns am Leben bleibe und wer nicht. Das habe ich durcheinandergebracht.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ale to bylo o něco dřív, a tam byl u toho Klehr i Entress. Já jsem si to s tím [popletl].

 

Dolmetscher Benesch:

Das war etwas früher, und dabei waren Klehr und Entress. Ich habe das offensichtlich verwechselt.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Wo wurden denn die Leichen untergebracht, die tagsüber gestorben waren oder getötet worden waren in den Blöcken 19 bis 28?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Každý den se ukládaly do sklepa bloku 28.

 

Dolmetscher Benesch:

Jeden Tag wurden sie in den Keller des Blocks 28 gelegt.

 

Vorsitzender Richter:

War das immer so?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A když bylo hodně mrtvých lidí, tak jsme byli nuceni je i v létě skládat na chodník podél bloku dvacátéhoosmého.

 

Dolmetscher Benesch:

Und wenn es sehr viele waren, waren wir gezwungen, sie selbst im Sommer auf den Gehsteig entlang des Blocks 28 zu legen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vzpomínám si na scénu, že šla žena v uniformě SS, sogenannte Aufseherin, a ptala se, co se to děje. Viděla hromadu mrtvých a křičela: — »Um Gottes Willen!«

 

Dolmetscher Benesch:

Ich erinnere mich an die Szene, daß eine SS-Aufseherin in Uniform vorbeiging, den Leichenhaufen sah und schrie: »Was ist denn hier!«

 

Vorsitzender Richter:

»Um Gottes Willen!« Herr Zeuge, Sie haben uns vorhin gesagt, daß Klehr angeordnet hat, wenn jemand beim Ruf »Achtung!« nicht ruhig sich verhielt, daß er zu »leichter Arbeit« befohlen wurde, was auf deutsch hieß, daß er umgebracht wurde. Sie sagen: »Ich habe das selbst nicht beobachtet. Ich habe die Leute auf den Flur geführt, dann bin ich weggegangen. Ich hatte was anderes zu tun.« Haben Sie denn einmal selbst beobachtet, daß Klehr mit Phenol Einspritzungen machte?

 

Dolmetscher Benesch:

Viděl jste osobně, že Klehr stříkal [+ injekce] s Phenolem?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne přímo.

 

Dolmetscher Benesch:

Nein, nicht direkt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben bei Ihrer Aussage in Aussig folgendes gesagt: »Bereits bei meiner Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz erfuhr ich, daß Klehr mit irgendwelchen Injektionen die Häftlinge umbringt.« Insofern haben Sie das vom Hörensagen gewußt. »Und wie ich später auch aus eigener Beobachtung erfuhr, daß er als Injektionsmaterial Phenol verwendete, es geschah, daß er sich einen weißen Mantel anzog, um den Eindruck eines Arztes zu erwecken, und gab vor, Spritzen gegen Flecktyphus und andere ansteckende Krankheiten zu geben. In Wirklichkeit täuschte er unter diesem Schleier auch die Häftlingsärzte und tötete so Häftlinge.«6

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie sagen »aus eigener Beobachtung«. Was haben Sie selbst beobachtet?

 

Dolmetscher Benesch:

Co jste [+ vy] sám pozoroval?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já jsem od něj také dostal injekci proti skvrnitému tyfu. Měl bílý plášť. A tenkrát ji od něho dostali všichni ošetřovatelé, a nezabilo nás to. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Ich bekam von ihm selbst eine Injektion gegen Flecktyphus. Er trug einen weißen Mantel und die anderen Häftlingspfleger auch.

 

Vorsitzender Richter:

Sie hatten bestimmt keine Phenolinjektion bekommen gegen Flecktyphus.

 

Dolmetscher Benesch:

Jistě jste nedostal phenolovou injekci?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne, to bych byl mrtev.

 

Dolmetscher Benesch:

Dann wäre ich tot.

 

Vorsitzender Richter:

Dann wären Sie tot. Aber Sie sagen doch hier, »aus eigener Beobachtung« haben Sie festgestellt, daß Klehr Phenol als Injektionsmaterial verwendete, daß er sich dabei einen weißen Mantel anzog und vorgab, Spritzen gegen Flecktyphus zu geben, wodurch er die Häftlinge täuschte. »Aus eigener Beobachtung.«

 

Dolmetscher Benesch:

Vy jste [+ ale] řekl, že jste sám pozoroval, že Klehr dával phenolové injekce.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Potom, později, když už si lidé zvykli, že dává také injekce proti skvrnitému tyfu, tak chtěl-li zničit nějakého lékaře, jako zničil Fedora, toho z Košic, tak pak ho oklamal velmi snadno, poněvadž mu dal místo normální injekce Phenol.

 

Dolmetscher Benesch:

Prosím, opakujte.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Když jsme si potom zvykli, že dává injekce normální, proti skvrnitému tyfu, tak se mu důvěřovalo, a lidé tam šli, a pak dostali Phenol, když bylo potřeba.

 

Dolmetscher Benesch:

Als wir uns überzeugt hatten, daß er auch Injektionen gegen Flecktyphus gibt, vertrauten ihm einige und gingen zu ihm und bekamen Phenolinjektionen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das selbst gesehen und beobachtet?

 

Dolmetscher Benesch:

Viděl jste to sám a sám jste to pozoroval?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Přímo ne.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie einmal dabei, wie Klehr eine Phenolinjektion gab?

 

Dolmetscher Benesch:

Byl jste přítomen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht dabeigewesen. Wieso wissen Sie, daß er Ihnen vortäuschte, nämlich den Gefangenen, er wollte ihnen Spritzen gegen Flecktyphus geben, während er sie in Wirklichkeit tötete?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Přišel český zubní lékař, jmenoval se Matoušek, a byl volán, že dostane injekci proti skvrnitému tyfu. A dostal také Phenol.

 

Dolmetscher Benesch:

Es kam ein tschechischer Zahnarzt namens Matoušek. Er ist gerufen worden, daß er eine Injektion gegen Flecktyphus bekommen sollte. Und dieser bekam Phenol.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wissen Sie das?

 

Dolmetscher Benesch:

Jak to víte?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože to byl Čech, árijec, který byl tři roky zavřen někde v Golnově, nebo kde byla ta věznice, a když přišel, tak jsem ho sledoval, a jeho žena dostala Totenmeldung 6. října. A to není pravda, to nesouhlasí.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war ein tschechischer Häftling, der verhältnismäßig neu gekommen war. Er war schon drei Jahre vorher eingesperrt in Goldau oder irgendwo dort. Ich habe seinen Fall verfolgt...

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, — »Ihr Ehemann ist verstorben am 6. Oktober.«

 

Dolmetscher Benesch:

Und seine Frau bekam die Totenmeldung, er sei am 6. Oktober verstorben.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A uváděly se v tom, pane předsedo, vždycky falešné nemoci, ani jedna nemoc nesouhlasí. Entress nechal [+ udělat] seznam latinských nemocí a všechno se psalo.

 

Dolmetscher Benesch:

Und es wurden immer falsche Todesursachen darin angegeben. Entress fertigte ein Verzeichnis lateinischer Krankheitsbezeichnungen an, und die wurden dann übernommen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat Klehr diese Phenolinjektionen allein vorgenommen, oder hatte er da einen Helfer dabei? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

On poručil také vězňům.

 

Dolmetscher Benesch:

Er hat auch Häftlingen befohlen.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hießen die?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nejznámější byl Pańszczyk, ten se sám chlubil, i přede mnou, že zabil 12 tisíc lidí. A Stössel se přede mnou chlubil, že zabil přes 10 tisíc lidí.

 

Dolmetscher Benesch:

Die bekanntesten waren Pań szczyk, der vor mir sich aufspielte, daß er über 12.000 Leute getötet hätte, und Stössel, der erzählte, etwa 10.000 Leute getötet zu haben.

 

Vorsitzender Richter:

Pańszczyk und Stössel. Wieso wissen Sie, daß diese beiden Menschen bei Klehr Injektionen vorg enommen haben oder in seiner Gegenwart oder auf seinen Auftrag hin oder irgend so?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Kamarádi mě okamžitě varovali před Klehrem, Pańszczykem a před Stösslem, když jsem přišel na blok dvacátýosmý.

 

Dolmetscher Benesch:

Sowie ich auf Block 28 kam, warnten mich Kameraden sofort vor Klehr, vor Pańszczyk und vor Stössel.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben das also aus dem Mund der Kameraden gehört?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Oder haben Pańszczyk und Stössel Ihn en das selbst erzählt?

 

Dolmetscher Benesch:

Vyprávěli Pańszczyk a Stössel něco Vám osobně?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne, oni se chlubili před ostatními, když sehnali Schnaps, a byli trochu podnapilí.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn sie Schnaps bekommen hatten, etwas angetrunken waren, pflegten sie damit anzugeben.

 

Vorsitzender Richter:

Auch in Ihrer Gegenwart?

 

Dolmetscher Benesch:

Také za Vaší osobní přítomnosti?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wissen Sie etwas darüber, ob Klehr auch sogenannte Gesundheitskontrollen abgehalten hat?

 

Dolmetscher Benesch:

Dělal Klehr také takzvané zdravotní kontroly?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja. — Jestli je to tak možno nazývat.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn es möglich ist, es so zu nennen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Chodil na světnici, sledoval — Fieberkurven und so weiter.

 

Dolmetscher Benesch:

Er ging durch die Stuben und betrachtete die Fieberkurven und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er sich auch Gefangene vorführen lassen, bei denen er selbst feststellen wollte, ob sie gesund oder krank waren?

 

Dolmetscher Benesch:

Nechal si také předvádět nemocné, aby sám mohl zjistit, zda jsou nemocní nebo zdraví?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

To u nás neexistovalo. To nedělal ani Obersturmführer.

 

Dolmetscher Benesch:

Das machte noch nicht einmal der Obersturmführer.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Během deseti vteřin lékař rozhodl, jestli bude živ, nebo půjde na smrt.

 

Dolmetscher Benesch:

Binnen von zehn Sekunden hatte er entschieden, ob einer am Leben bleibt oder zum Tode geht.

 

Vorsitzender Richter:

Und hat er da irgendwie sich was von den Häftlingen vorführen lassen, etwa eine stramme Haltung oder irgendeine Körperübung oder so irgend etwas?

 

Dolmetscher Benesch:

Musel Häftlin něco předvádět?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Klehr napodoboval Obersturmbannführera Entresse. — Immer sagte: »Flexion, Extension«[unverständlich], solche — odborné názvy, no a tak Klehr napodoboval třeba Kniebeuge, a jestli byla angyloza, tak ho hned poslal na smrt.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Fachausdrücke, die Entress verwendete, zum Beispiel Flexion

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Verschiedene Bewegungen.

 

Dolmetscher Benesch:

Für verschiedene Bewegungen, verwendete Klehr dann in der Form wie Kniebeuge...

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Und so weiter.

 

Dolmetscher Benesch:

Und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, ich hatte Sie nun gefragt, ob Sie einmal gesehen haben, daß Klehr zum Beispiel Häftlinge Kniebeugen machen ließ, um dann zu entscheiden, ob der Betreffende arbeitsfähig sei oder nicht.

 

Dolmetscher Benesch:

Viděl jste sám, že Klehr nechal dělat tyto Kniebeuge?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. Mezi nosiči mrtvol byl nějaký Polák, už nevím, jak se jmenoval, Otka, Kostka nebo tak nějak, a on ho honil někde tam na dvoře tak, že chudák z toho onemocněl, ale mně se zdá, že zůstal naživu.

 

Dolmetscher Benesch:

Unter den Leichenträgern war ein junger Pole namens Kostka

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Vielleicht Kostka, weiß ich nicht.

 

Dolmetscher Benesch:

Oder so etwa, und ich weiß, daß er ihn über einen Hof jagte und ihn dort Leibesübungen machen ließ. Ich glaube aber, daß dieser Pole am Leben blieb.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gesehen?

 

Dolmetscher Benesch:

To jste sám viděl?

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das gesehen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was geschah dann mit diesem jungen Mann?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Byl z toho celý nemocný, ale uzdravil se.

 

Dolmetscher Benesch:

Er war sehr krank, aber er ist wieder gesund geworden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Tedy sport byl u nás velmi obvyklý. Každý den se dělal trestný sport, Strafsport.

 

Dolmetscher Benesch:

Jeden Tag wurde Strafsport bei uns gemacht. »Sport« war bei uns sehr beliebt.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Immer nieder, auf, hüpfen, rollen und so weiter.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat das gemacht mit Ihnen?

 

Dolmetscher Benesch:

A kdo to s Vámi dělal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Manchmal auch Sturmmann Jurda, ein Optiker in Block 28.

 

Dolmetscher Benesch:

Der Sturmmann Jurda.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Aus Bratislava, aus Preßburg war er. — Slovák, — Volksdeutscher.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, können Sie sich entsinnen, ob Häftlinge, die von Klehr ausgesondert worden sind, von ihm auch woanders mit Injektionen getötet worden sind als in dem Raum, den Sie uns vorhin geschildert haben? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein. — To jsem neviděl.

 

Dolmetscher Benesch:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht in den Krankensälen, in denen die Leute lagen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne.

 

Dolmetscher Benesch:

V sálech, kde leželi nemocní?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Neviděl jsem to.

 

Dolmetscher Benesch:

Das habe ich nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Herr Zeuge, dann muß ich Ihnen einen Vorhalt machen. Sie haben bei Ihrer Vernehmung folgendes ausgesagt: »Klehr nahm öfters gewisse Gesundheitskontrollen vor, wobei er feststellte, ob der Häftling fähig ist, Kniebeugen oder andere Bewegungen zu machen. Und nach dem sortierte er dann die Häftlinge, die zu diesen Bewegungen fähig waren und somit arbeitsfähig waren, von den Häftlingen, die infolge ihres ungünstigen Gesundheitszustandes nicht arbeiten konnten. Jeder dieser Häftlinge hatte sein Karteiblatt. Und nach dem Ergebnis dieser Feststellung sortierte Klehr diese Karten. Die so bestimmten arbeitsunfähigen Häftlinge wurden dann hinter einer Schirmwand in Block 20 von Klehr durch Injektionen getötet.«7

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Stimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was war das?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

To bylo to, [o čem] už jsme hovořili. Když byli vybráni, tak potom jsme je zavedli dolů, k té koupelně, a tam se to provádělo, jak už jsem o tom hovořil předem, pane předsedo.

 

Dolmetscher Benesch:

Das sind diese Ausgesuchten, die wir ja, wie ich vorhin sagte, in den Flur an den Waschraum führen sollten.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sagen doch hier: »hinter einer Schirmwand«. Was war denn das für eine Schirmwand?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Manchmal eine Decke.

 

Vorsitzender Richter:

Eine Decke. Wo war die denn angebracht, diese Decke? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Když je potom odnášeli, aby je ti čekající zase neviděli, tak vždycky zakřičel: — »Nächste, nächste« und so weiter.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich habe es nur von Bekannten gehört, daß, wenn die Leichen herübergetragen wurden, damit die Wartenden diese Leichen nicht sähen.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben es nicht gesehen.

 

Dolmetscher Benesch:

Sám jste to neviděl?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie haben dann abends aus dem Waschraum die Leichen wegtragen müssen? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne sám. Bývalo nás 10, 15, někdy víc nosičů.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich war es nicht allein. Wir waren zu zehnt, zu fünfzehnt oder noch mehr.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vždy jsme šli za bránu, šel s námi jeden voják, který měl na prsou nápis Lagerpolizei, vzali jsme si obyčejný selský vůz, žebřiňák, a jeli jsme pro mrtvoly.

 

Dolmetscher Benesch:

Wir gingen heraus, es war mit uns ein Soldat, der ein Schild trug

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Lagerpolizei.

 

Dolmetscher Benesch:

Lagerpolizei, und dann nahmen wir einen Bauernwagen, meistens einen Leiterwagen, und fuhren die Toten holen.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, Herr Zeuge, wo ist der Arzt Fedor aus Kaschau gestorben?

 

Dolmetscher Benesch:

Kde zemřel doktor Fedor z Košic?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

V operačním sále bloku 28.

 

Dolmetscher Benesch:

Im Operationssaal, Block 28.

 

Vorsitzender Richter:

Block 28. Also nicht etwa in Block 20 und auch nicht hinter dieser Schirmwand.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Wissen Sie, ob einmal nachts alle Leichenträger aus Block 28 antreten mußten?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja. [...] Přijel vůz, pozdě v noci, nevím, kolik bylo hodin, obrátil se zadní částí ke schodům a měl takový můstek. A my jsme museli všechny pacien ty z určité světnice odvádět do vozu. V košilích.

 

Dolmetscher Benesch:

Es kam in der Nacht ein Wagen, er stellte sich mit der Rückseite an den Ausgang, hatte eine Art Brücke, einen Übergang hinten. Und wir mußten alle Patienten in Hemden dort hineinführen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože z bloku 28 byly schody dolů, a zase by museli vystupovat, tak tam na úrovni těch schodů udělali takový můstek.

 

Dolmetscher Benesch:

Es waren Treppen von Block 28 herunter. Sie hätten heruntergehen müssen, drüben wieder hochsteigen in den Wagen. Und dann machten sie so eine Art Brücke.

 

Vorsitzender Richter:

Eine Art Brücke. Und was für Menschen wurden da auf die Wagen aufgeladen?

 

Dolmetscher Benesch:

Jací lidé to byli?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Pacienti.

 

Dolmetscher Benesch:

Es waren Patienten.

 

Vorsitzender Richter:

Patienten. Und wer hatte die vorher ausgesucht?

 

Dolmetscher Benesch:

A kdo je vybral?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

To nevím.

 

Dolmetscher Benesch:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann war das Ganze?

 

Dolmetscher Benesch:

A kdy to bylo?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Muselo to být v době nejpozději do 15. září, kdy jsem byl ještě na bloku dvacátémosmém.

 

Dolmetscher Benesch:

Es mußte noch bis zum 15. September sein, in dieser Zeit. Ich war noch auf Block 28.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie waren diese Häftlinge bekleidet?

 

Dolmetscher Benesch:

A jak byli oblečeni?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jenom v košilích, a někteří měli Pantinen.

 

Dolmetscher Benesch:

Nur in Hemden, und einige hatten auch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wissen Sie etwas davon, daß alle diese Selektionen von der Politischen Leitung des Lagers angeordnet waren?

 

Dolmetscher Benesch:

Víte něco o tom, že všechny tyto selekce byly nařízeny politickým vedením tábora?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie das?

 

Dolmetscher Benesch:

[Jak] to víte?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Politické oddělení spravovalo blok jedenáctý a mělo zájem na tom, aby co nejvíce vězňů uvolnilo místo dalším.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Politische Abteilung verwaltete den Block 11. Und sie hatte ein Interesse daran, zu erreichen, daß möglichst viele Häftlinge Platz für weitere Häftlinge machen sollten.

 

Vorsitzender Richter:

Das verstehe ich jetzt nicht recht. Also Sie waren doch im Krankenbau, Block 19, Block 28. Und nun sagen Sie, diese Selektionen in Block 19 und 28 wurden auf Veranlassung der Politischen Abteilung vorgenommen, weil die Politische Abteilung in Block 11 Platz schaffen wollte. Das reimt sich doch nicht zusammen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne v bloku. Oni potřebovali jenom zdravé lidi, kdo nebyl schopen práce, nesměl žít.

 

Dolmetscher Benesch:

Sie brauchten nur gesunde Leute. Wer nicht fähig war zu arbeiten, durfte nicht leben.

 

Vorsitzender Richter:

Auch das kann ich nicht verstehen. Ich will wissen, woraus Sie den Schluß gezogen haben, daß die Politische Abteilung verantwortlich war für die Selektionen in Block 19 und Block 28.

 

Dolmetscher Benesch:

Z jakého důvodu myslíte, že politické oddělení je zodpovědné za selekce v bloku 19 a v bloku 28?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Domnívám se, že chtěli zastavit epidemii, která se rozmohla, poněvadž byly ohrožené rodiny esesmanů.

 

Dolmetscher Benesch:

Es ist zu vermuten, daß sie die Epidemie stoppen wollten, die sich verbreitete, weil auch die Familien der SS bedroht waren.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, zu vermuten ist alles mögliche. Ich will wissen von Ihnen, wieso Sie aussagen konnten: »Soweit ich weiß, wurden diese Selektierungen von der politischen Führung des Lagers angeordnet.«[...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Rozumím. Protože jsem tam viděl lidi, kteří nikdy do nemocnice normálně nechodili. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Weil ich dort Leute gesehen habe, die normalerweise nie in den Krankenbau kamen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Grabner přece neměl co dělat v revíru, v nemocnici.

 

Dolmetscher Benesch:

Grabner hatte doch nichts im Krankenrevier zu tun.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A později tam chodil i Boger.

 

Dolmetscher Benesch:

Und auch Boger ging dorthin.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

43.

 

Dolmetscher Benesch:

43.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Lachmann auch.

 

Vorsitzender Richter:

Entschuldigen Sie, ich kann es immer noch nicht verstehen. Es wurden im Block 19 und im Block 28 Selektionen durchgeführt. Und Sie sagen, »soviel ich weiß, war die Politische Abteilung dafür verantwortlich«. Daher will ich wissen, woher Sie das wissen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No, pro nás bylo Politické oddělení jako Gestapo a Gestapo rozhodovalo o životě nebo smrti. Tak z toho usuzuji, že prostě měli zájem na tom, co prováděli.

 

Dolmetscher Benesch:

Die Politische Abteilung war ja die Gestapo. Und die Gestapo entschied über Leben und Tod. Und daraus schließe ich, daß die das da entschieden haben.

 

Vorsitzender Richter:

Woraus schließen Sie, daß dafür Grabner und Boger verantwortlich waren?

 

Dolmetscher Benesch:

A z čeho soudíte, že je Grabner a Boger zodpovědný?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Protože Boger měl Spitzly v lágru. Já jsem odnášel mrtvolu, která měla v rukou papír, kde bylo napsáno: »Doručit Politickému oddělení, do rukou Bogera«. To bylo ale už potom v roku 43, nebo možná později. [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Weil Spitzel im Lager waren. Ich trug einmal eine Leiche fort, die hatte in den geschlossenen Händen einen Zettel, auf dem stand: »Der Politischen Abteilung zu Händen von«

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

»Boger.«

 

Dolmetscher Benesch:

»Boger.«

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Roku 43.

 

Dolmetscher Benesch:

Das war im Jahre 43, »zustellen«.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Bylo tolik Spitzlů, které dirigovalo Politické oddělení.

 

Dolmetscher Benesch:

Es waren sehr viele Spitzel, die von der Politischen Abteilung dirigiert wurden.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Když dva vězni spolu hovořili, tak je roztrhli: »O čem jste mluvili?« Museli být vždycky předem domluveni.

 

Dolmetscher Benesch:

Wenn zwei Häftlinge miteinander sprachen, gingen die dazwischen und fragten: »Worüber habt ihr gesprochen?« Sie mußten sich vorher absprechen, was sie sagen wollten.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A vzpomínám si, později, to už bylo roku 43, přišel na blok Boger, všichni vězni museli stát v pozoru a volalo se: — »Das Ganze stillgestanden! Augen rechts!« Und Boger — šel jako lékař kolem nás a prohlížel si nás jednoho po druhém.

 

Dolmetscher Benesch:

Und einmal kam Boger im Jahre 43 auf die Station. Es wurde gerufen: »Stillgestanden! Augen rechts!« Und Boger visitierte wie ein Arzt und betrachtete jeden einzelnen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

To bylo v bloku dvacátémosmém.

 

Dolmetscher Benesch:

Das war im Block 28.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kannten Sie Boger?

 

Dolmetscher Benesch:

A jak jste znal Bogera? Jak to, že jste ho znal?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Boger byl synonymum [+ pro] vraha. Řeklo-li se Boger, pro vězně to znamenalo: — »Aufpassen, jetzt geht es los.«

 

Dolmetscher Benesch:

Boger war das Synonym für Mörder. Wenn es hieß »Boger«, dann hieß es bei den Häftlingen: »Achtung, jetzt geht es los.«

 

Vorsitzender Richter:

Hat man Ihnen deshalb die Person des Boger gezeigt und seinen Namen genannt, oder wer war das?

 

Dolmetscher Benesch:

Ukázal Vám někdo osobu Bogera a řekl: »To je jeho jméno«?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

My jsme mívali vždycky tak ová znamení, číslice: pozor na koho, když se někdo objevil. Nejvíce [+ jsme] se báli právě Bogera.

 

Dolmetscher Benesch:

Wir hatten ein System, zu melden, wenn er in die Nähe kam, eine Art von Decknummern. Am meisten hatten wir Angst vor Boger.

 

Vorsitzender Richter:

Als Sie dann nach Buna kamen, haben Sie dort auch Klehr gesehen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Als Sie aber zurückkamen, zunächst nach Birkenau, Block 32, da haben Sie Klehr einmal gesehen, wie Sie uns erzählten, als Sie grade beim Rasieren waren.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano. — Stimmt.

 

Dolmetscher Benesch:

Rozuměl jste?

 

Vorsitzender Richter:

Sie wußten, daß er damals mit Entlausungen beschäftigt war?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ist das tatsächlich seine Tätigkeit gewesen, oder war diese Tätigkeit nur vorgetäuscht?

 

Dolmetscher Benesch:

Bylo to odvšivování opravdu jeho činnost, nebo to jenom předstíral?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nemohu to dokázat, ale lidé, kteří byli v ilegální organizaci, to říkali.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich kann es nicht beweisen, aber Leute, die in der illegalen Organisation waren, behaupteten das.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal gesehen, daß ein Lager geräumt wurde und daß die Häftlinge in die Krematorien beziehungsweise in die Gaskammer gebracht wurden?

 

Dolmetscher Benesch:

Viděl jste, jak byl jednou vyklízen jeden tábor, a jak byli vězni odvezeni do plynových komor nebo do krematoria?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ano, několikrát. Měl jsem v takovém případě Absperrdienst.

 

Dolmetscher Benesch:

Einige Male habe ich das gesehen. Ich hatte in diesem Fall Absperrdienst.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Zum Beispiel in der Birkenallee.

 

Vorsitzender Richter:

In der Birkenallee. Das war aber in Auschwitz I.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja, Auschwitz I.

 

Vorsitzender Richter:

In der Nähe von den Krematorien waren Sie nicht, oder doch? [...]

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nein, nur — staré krematorium — bei Politischer Abteilung, — staré krematorium, — Krematorium I vielleicht.

 

Dolmetscher Benesch:

Das Alte Krematorium bei der Politischen Abteilung.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Als Leichenträger. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Sie drin?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja, vielmals, fast jede Nacht.

 

Vorsitzender Richter:

War um dieses Krematorium eine Mauer oder ein Zaun?

 

Dolmetscher Benesch:

Byla okolo toho krematoria nějaká zeď?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Já jsem viděl plot z desek a uprostřed stál košatý strom, nevím, co to bylo, poněvadž byl a noc.

 

Dolmetscher Benesch:

Plot

 

Zeuge Vladimír Hanák [unterbricht]:

Z desek. Desky, fošny, — Bretter.

 

Dolmetscher Benesch:

Es war um ihn rum ein Bretterzaun, und in der Mitte stand ein Baum.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

My jsme přijeli vždycky na nádvoří, esesman, ten nás doprovázel, se opřel o pušku a křičel jenom: — »Los, los, schneller!«

 

Dolmetscher Benesch:

Wir kamen auf diesen Hof. Der SS-Mann stützte sich auf sein Gewehr und rief nur: »Los, los, schneller!«

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A my jsme polili be ton vodou a každý měl řemen. Já jsem zpočátku neměl řemen, uvázal jsem mrtvolu za ruku a táhnul jsem ji jako sáně za sebou do té komory.

 

Dolmetscher Benesch:

Wir haben den Beton mit Wasser begossen. Jeder hatte einen Riemen. Ich hatte anfangs noch keinen, aber dann später auch. Der Riemen wurde der Leiche um die Hand gebunden. Und dann wurde sie wie ein Schlitten in die Kammer hineingezogen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vše to muselo jít »im Laufschritt«. Já jsem narazil jednou s kamarádem Čechem o okraj, vyšel mu vzduch, on vykřikl a já jsem se lekl, že žije.

 

Dolmetscher Benesch:

Pardon, já jsem nerozuměl.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Tahal jsem ho a narazil jsem s tou mrtvolou hrudníkem o rám dveří do krematori a.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich kann mich erinnern, daß ich einen Tschechen, eine Leiche, in den Krematoriumsraum hineinzog, und dabei stieß er mit der Brust an die Türschwelle des Krematoriums.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

A já jsem tenkrát myslel, že zešílím, a d ostal jsem od nějakého esesmana pažbou po hlavě.

 

Dolmetscher Benesch:

Es gab einen Laut. Ich nahm an, er schrie.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Tady mám úplně přeražené lokty, tady jsem ohluchl, a ještě nohu mám z toho zmrzačenou. Bylo to v noci.

 

Dolmetscher Benesch:

Es gab einen Laut. Ich erschrak sehr, weil ich dachte, er lebe noch, und bekam dann von einem SS-Mann einen Schlag mit dem Gewehrkolben. Der Zeuge zeigte auf seinen Arm, der von daher verletzt ist.

 

Vorsitzender Richter:

Mich würde jetzt interessieren, Sie sagten, um das Krematorium lief ein Zaun. War da auch ein Tor? [...]

 

Dolmetscher Benesch:

Byla tam také vrata?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja. — My jsme vždycky s vozem plných mrtvol projeli, brána se zase zavřela, a teď jsme rychle házeli. Zlaté zuby jsme měli vylamovat až v krematoriu.

 

Dolmetscher Benesch:

Ja. Wir fuhren durch das Tor hinein. Das Tor wurde hinter uns geschlossen. Dann warfen wir die Leichen herunter. Die Goldzähne und so weiter wurden erst im Krematorium.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, das haben Sie schon erzählt. Wenn das Tor geschlossen war, konnte man da von außen in den Hof des Krematoriums hineinsehen?

 

Dolmetscher Benesch:

Když byla vrata zavřená, mohl jste se zvenku dívat do dvora?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Jedině snad možná přes ty štěrbiny mezi ploty. Ale nevím, já jsem to nezkoušel.

 

Dolmetscher Benesch:

Die einzige Möglichkeit wäre durch die Ritzen zwischen den einzelnen Brettern. Ich habe es nicht versucht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben es nicht versucht, aus begreiflichen Gründen. Wenn Sie dabei erwischt worden wären, wäre es Ihnen vermutlich schlecht gegangen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aber daß man sich vor diesen Bretterzaun stellen konnte und dann beobachten konnte, wie lebende Menschen in das Krematorium hineingestoßen wurden, war das möglich?

 

Dolmetscher Benesch:

Bylo možné, že by se člověk postavil před ten plot, a potom [pozoroval], že byli živí lidé hnáni do krematoria?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Nikdo by u plotu nesmě l stát.

 

Dolmetscher Benesch:

Niemand hätte beim Zaun stehen dürfen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Na vysokých věžích byli Posti, a ti by okamžitě stříleli, kdyby se tam někdo zastavil.

 

Dolmetscher Benesch:

Auf den hohen Türmen waren ja Posten. Die hätten sofort geschossen, wenn jemand dort stehen geblieben wäre. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Das wollte ich aber weniger wissen. Ich wollte wissen, wenn Sie zum Beispiel vorbeigingen dort im schnellen Schritt, und das Tor war zu, und der Zaun war da, da konnten Sie doch vermutlich nicht durch den Zaun durchgucken und sehen, was am Eingang des Krematoriums geschah.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ne. Jenom křik bylo možno slyšet.

 

Dolmetscher Benesch:

Es wäre höchstens möglich gewesen, daß man Geschrei gehört hat.

 

Vorsitzender Richter:

Ich bin aber eben nicht am Hören, sondern am Sehen gewesen. [...] Und ich frage Sie das deshalb, weil uns gestern ein Zeuge erklärt hat, er hätte gesehen von der Straße aus, wie die Menschen in das Krematorium – er hat sogar zunächst gesagt »in den Ofen«, lebend in den Ofen, und dann hat er gesagt, er meinte unter dem Begriff »Ofen« das Krematorium, nämlich das Gebäude –, lebend in das Gebäude hineingestoßen worden seien. Das zu sehen, ist nach meinem Dafürhalten ausgeschlossen, wenn ein Bretterzaun mit einem Tor vor diesem Krematorium war. Auch das hatte dieser Zeuge nicht gesehen. Das geht nicht. Herr Zeuge, ich glaube, daß wir alles, was Sie seinerzeit vorgetragen hatten, mit Ihnen besprochen haben. Nur noch eins wäre zu sagen: Erstens, waren Sie auch einmal auf Block 11?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Vielmals. Als Leichenträger.

 

Vorsitzender Richter:

Als Leichenträger. Wo sind Sie da hineingekommen?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Mezi blokem desátým a jedenáctým, prošel jsem bránou, tam byl vůz, a házel jsem na povel: »Eins, zwei, drei«. Čtyři jsme házeli těžké mrtvoly a někdy dva.

 

Dolmetscher Benesch:

Zwischen Block 10 und 11 war ein Hof. Dort stand ein Wagen. Und auf Befehl warfen wir zu viert oder zu zweit Tote auf den Wagen hinauf.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Waren Sie auch einmal dabei, wenn auf dem Hof von Block 10/11 Hinrichtungen vorgenommen wurden?

 

Dolmetscher Benesch:

Byl jste také na dvoře, když tam byly popravy?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Až po popravách jsem vešel.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich kam erst nach den Hinrichtungen.

 

Zeuge Vladimír Hanák:

Ale viděl jsem jednou, bylo to zakázáno, pracoval jsem na bloku 10, kde byl prostor Clauberg, a díval jsem se vodorovnou štěrbinou, přicházet z bloku 11 středem ty, kteří byli, měli být zastřeleni.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich habe nur einmal von Block 10 aus durch eine Ritze gesehen, wie die aus Block 11 kamen, die erschossen werden sollten.

 

Vorsitzender Richter:

Die Menschen, die erschossen werden sollten. Wissen Sie auch, wer dabei geschossen hat?

 

Dolmetscher Benesch:

Víte, kdo střílel?

 

Zeuge Vladimír Hanák:

No z dálky, těžko. Velmi si pamatuji Palitzsche, v tu dobu to bylo známé, ale viděl jsem chodit do bloku Kaduka, Bogera, Stiwitze, Clausena a možná jiné, které bych nepoznal, nebo poznal.

 

Dolmetscher Benesch:

Ich sah in den Block hineingehen Kaduk, Boger, Stiwitz und so weiter. Auf die Entfernung war schwer zu erkennen, wer geschossen hat. Ich glaube, Palitzsch ganz sicher.

 

Vorsitzender Richter:

Palitzsch ganz sicher. Damit hätte ich keine Fragen mehr an den Zeugen. Sind keine Fragen zu stellen? Wenn viele Fragen zu stellen sind, müßten wir den Zeugen montags noch mal bitten. Andernfalls könnten wir ihn jetzt noch zu Ende fragen. Wie ist es? Herr Staatsanwalt, haben Sie keine Fragen? Herr Raabe? Und wie ist es mit der Verteidigung? Klehr, Sie wollten nachher noch was sagen.

 

Verteidiger Göllner:

[...] Klehr ist es erstens nicht gut. Er kann nicht die Verhandlung so lange durchstehen, hat er mir eben gesagt. Er hat sehr starke Magenschmerzen. Ich bitte, die Verhandlung auf Montag wieder anzusetzen. Ich habe ungefähr 15 Fragen an den Zeugen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.479.

2. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.478 f.

3. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.479.

4. Vgl. Skizze des Zeugen Hanák, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 16.11.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 104.

5. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.482.

6. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.483.

7. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.12.1963 in Ústí nad Labem, 4 Ks 3/63, Hauptakten, Bd. 97, Bl. 18.483 f.

 

 
 
 
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