Logo Fritz Bauer Institut
 
Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

93. Verhandlungstag, 25.9.1964

 

Vernehmung des Zeugen Helmut Giesa

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden,] daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich bin einverstanden.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Giesa, Sie heißen mit Vornamen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Helmut.

 

Vorsitzender Richter:

Helmut. Wie alt?

 

Zeuge Helmut Giesa:

52.

 

Vorsitzender Richter:

Verheiratet?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Von Beruf?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Industriekaufmann.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie wohnhaft in Essen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein, Mannheim.

 

Vorsitzender Richter:

In Mannheim. [Pause] Und sind Sie verwandt oder verschwägert mit den Angeklagten?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Herr Giesa, ich darf kurz Ihren Lebenslauf rekapitulieren bis zu dem Moment, wo Sie nach Auschwitz gekommen sind. Ihr Vater war Polizeiobersekretär in Torgau. Sie hatten erst die Vorschule, dann das Gymnasium besucht bis zur Obersekundareife, haben dann eine kaufmännische Lehre durchgemacht, waren im Reichsarbeitsdienst. Und wann sind Sie in die NSDAP eingetreten?

 

Zeuge Helmut Giesa:

1933 im Mai.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann in die SS?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ein Vierteljahr später.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben dann als kaufmännischer Angestellter weitergearbeitet bis zu Ihrer Einberufung zur Waffen-SS. Wann war das?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Am 2. oder 3. September.

 

Vorsitzender Richter:

1939?

 

Zeuge Helmut Giesa:

1939, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind zur Nachrichteneinheit gekommen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl. Erst nach Braunschweig, und von Braunschweig nach Nürnberg zur SS-Nachrichtenabteilung, Ersatzabteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Zur Ersatzabteilung.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wurden worin ausgebildet?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Als Nachrichtenmann, Fernsprecher.

 

Vorsitzender Richter:

Als Fernsprecher. Sie kamen dann zu einer Feldeinheit, haben mit dieser Feldeinheit den Westfeldzug mitgemacht

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und ließen sich aber nicht aktivieren, sondern sind zunächst nach Hause gegangen, um dann nach drei Wochen wieder eingezogen zu werden, und kamen wohin?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Wann haben Sie dort Ihren Dienst angetreten?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Also im Herbst 1940 muß das gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben mal ausgesagt, am 1. September 40.1 Das könnte stimmen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Kann auch stimmen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lang blieben Sie in Auschwitz?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich war bis Anfang 43 da.

 

Vorsitzender Richter:

Bis Anfang 43.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren wo tätig?

 

Zeuge Helmut Giesa:

In der Abteilung Unterkunft.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben mal ausgesagt, in der Schreibstube des Wachbataillons.2

 

Zeuge Helmut Giesa:

Da bin ich acht Tage gewesen, die ersten acht Tage. Und nach acht Tagen habe ich mich zur Kommandantur rüber gemeldet, weil ich da einen Hauptscharführer auf dem Sportplatz kennenlernte, der einen Schreiber suchte. Und als er erfuhr, daß ich Kaufmann war, fragte er mich, ob ich zu ihm kommen will. Und ich sagte: »Selbstverständlich, ich bin damit einverstanden.« Und bei unserem seinerzeitigen Bataillonskommandeur hat er schon die Erlaubnis eingeholt. Und ich bekam dann Bescheid, daß ich versetzt werde, acht Tage später, zur Abteilung Unterkunft.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Welchen Dienstrang hatten Sie damals?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich bin als Sturmmann hingekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sind Sie zum Ende des Krieges einrangiert gewesen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich bin von Auschwitz als Unterscharführer weggekommen und war zum Schluß Oberscharführer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wann sind Sie weggekommen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Anfang 43.

 

Vorsitzender Richter:

Am 15. April 43. Und kamen dann wieder zur Ersatzeinheit nach Nürnberg?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nach Nürnberg, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie sind dann wann in Gefangenschaft geraten?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Am 3. Mai 1945.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie da im Einsatz?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich war im Einsatz, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Helmut Giesa:

In Holland zum Schluß.

 

Vorsitzender Richter:

In Holland.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Vorher war ich in Jugoslawien und anschließend auch in Holland.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was war der Grund, weshalb Sie am 15. April 43 abgelöst wurden?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich hatte bereits dreimal meine Versetzung zur Front eingereicht. Zweimal war sie abgelehnt worden. Und das dritte Mal ist es mir geglückt, zur Nachrichtenersatzabteilung zu kommen, weil es hieß, es würden an der Front Nachrichtenleute gebraucht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nachdem Sie in amerikanische Gefangenschaft geraten waren, wurden Sie wohin überstellt?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ungefähr drei Wochen oder vier Wochen später dem Engländer, weil der Amerikaner zum Süden zog, und ich wurde dem Engländer übergeben.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben die Engländer mit Ihnen gemacht?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Es kamen die Vernehmungen, bei welchen Einheiten wir gewesen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Mit dem Ergebnis, daß was mit Ihnen geschah?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich habe alles angegeben, wo ich gewesen bin. Und wir sind dann von Lager zu Lager verlegt worden. Zum Schluß landete ich in Neuengamme. In Neuengamme war nochmals eine Vernehmung durch einen polnischen Hauptmann, dem ich auch erklärt habe, daß ich unten gewesen bin. Er fragte mich, ob ich irgendwelche Verbrechen begangen habe: erschossen, geschlagen, erschlagen. Ich habe das verneint. Sagte er: »Ist gut. Sie werden für ein Vierteljahr nach Polen kommen. Wir werden die Sache untersuchen, und wenn Sie nichts getan haben, kommen Sie selbstverständlich wieder zurück.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das war aber nicht so, sondern?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Wir kamen hin, haben erst mal ein halbes Jahr lang gewartet, bis wir überhaupt unsere Anklageschrift bekamen, und wurden fotografiert, wurden ausgehängt in Kattowitz und Umgebung, überall, wo wir eventuell gewesen sein könnten. Und es kam nichts Gegenteiliges für mich heraus. Ich wurde lediglich nachher angeklagt wegen Zugehörigkeit zur SS und Partei und wurde dafür dann inhaftiert.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lang bekamen Sie?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Sechs Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

Sechs Jahre Gefängnis. Waren bei dieser Bestrafung auch irgendwelche konkreten Taten, die Ihnen zur Last gelegt wurden?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Gar nichts. Nur Zugehörigkeit zur SS und Partei.3

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Strafe hatten Sie auch verbüßt, bis wann?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich bin noch einen Monat länger dagewesen, weil kein Transport rüberging, und bin einen Monat später dann nach Bischofswerda, glaube ich, drüben in Mitteldeutschland gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben uns schon gesagt, daß Sie praktisch in der ganzen Zeit auf der Schreibstube waren.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Verwaltung der Kommandantur, wem unterstand die?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Erstens dem Abteilungsleiter.

 

Vorsitzender Richter:

Wer war das?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das war ein Hauptscharführer Reinicke.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Über diesem Hauptscharführer Reinicke war der Verwaltungsführer. Das hat gewechselt. Zuerst war es ein Obersturmführer Rieck, soweit ich mich entsinnen kann. Dann kam...

 

Vorsitzender Richter:

Und Sturmbannführer Burger.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Burger. Ich glaube, zwischendurch war noch kurze Zeit ein anderer. Ich kann es nicht mehr genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Was hatten Sie da für Aufgaben?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Wir hatten die Verwaltung und Zuteilung der Mobiliare für die Truppenunterkünfte, beziehungsweise haben wir auch noch unsere Schränke, Tische, Betten, Bettbezüge und so weiter den Familien zur Verfügung gestellt, von denen Unterführer ihre Familien aus Evakuierungsgründen und so weiter nach Auschwitz geholt haben.

 

Vorsitzender Richter:

Also mehr oder weniger Unterkunftsverwaltung?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nur Unterkunftsverwaltung, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Kannten Sie in dieser Eigenschaft einen SS- Rottenführer Arthur Breitwieser?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl, den kannte ich.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatte der für Aufgaben?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Der Rottenführer Breitwieser war in der Unterkunftskammer.

 

Vorsitzender Richter:

Der hat nichts zu tun mit dem Breitwieser, der hier angeklagt ist? Oder doch?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja, ich nehme an.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, in der Unterkunftsverwaltung, sagten Sie, sei Breitwieser gewesen.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja, in der Kammer.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte?

 

Zeuge Helmut Giesa:

In der Kammer hinten.

 

Vorsitzender Richter:

In der Kammer?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatte der für eine Tätigkeit dort?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja, das Material, was dann ausgegeben wurde, es wurde angefordert, wir haben das ausgeschrieben, und von drüben, von der Kammer aus, wurde das dann an die einzelnen Orte und Gegenden, Truppenunterkünfte ausgeliefert.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatte der für ein Schicksal in der polnischen Haft?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich habe gehört, daß er verurteilt worden ist. Er ist wohl im Hauptprozeß dabeigewesen.

 

Vorsitzender Richter:

In dem Hauptprozeß?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Mit wem wurden Sie verurteilt seinerzeit?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich war im Nebenprozeß.

 

Vorsitzender Richter:

Mit wem zusammen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich glaube, Gehri war ein Name, und den dritten kenne ich nicht mehr. Weiß nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wissen Sie, was Gehri für eine Tätigkeit in Auschwitz ausgeübt hat?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Gehri?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Gehri war, soweit ich orientiert bin, in der Häftlingsgeldverwaltung gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie einen Blockführer Gehring im Block 11?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Nun, Sie sagten also, Breitwieser sei in dem Hauptprozeß verurteilt worden. Sie wissen aus eigener Kenntnis nicht, wie das Urteil lautete?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben nur davon gehört?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie auch, was man ihm damals vorgeworfen hat?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie es auch nicht gehört?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben es aber mal ausgesagt. Sie haben gesagt

 

Zeuge Helmut Giesa [unterbricht]:

Ich habe

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Augenblick mal, darf ich dazu Stellung nehmen? Mir kam zu Ohren, Arthur Breitwieser stammte aus einer polnischen Gegend, aus Łódź oder Litzmannstadt. Also zu unserer Zeit hieß es Litzmannstadt, nachher war es ja Łódź. Und da wurde mir gesagt, daß er irgendwie Häftlinge belauscht hätte oder irgendwas und hätte da eine Meldung gemacht, wodurch Häftlinge irgendwie eingesperrt oder bestraft worden sind. Das habe ich gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie auch den Adjutanten des Kommandanten Höß?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Es gab mehrere.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie den Adjutanten Mulka?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja, habe ich gekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Wie sah der Adjutant Mulka aus?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Wie soll ich es denn beschreiben? Ich möchte sagen, eine Offiziersfigur.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. War er groß und schlank?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Groß und schlank, ja. Zurückgekämmtes Haar.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hat er eine Brille getragen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das kann ich heute nicht mehr sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie nicht mehr. Wieso kannten Sie ihn? Sie hatten doch an und für sich nichts mit ihm zu tun?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Wir waren im selben Hause.

 

Vorsitzender Richter:

Im selben Hause.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja, ich war unten im Erdgeschoß, und die Adjutantur war oben eine Etage.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie mal bei ihm in seinem Zimmer?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Die Möglichkeit besteht, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich entsinnen, ob er an seiner Zimmertür irgendeine Beschriftung hatte?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie mit ihm persönlich einmal etwas zu tun gehabt?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich habe eine Angelegenheit, das habe ich bereits vor drei Jahren bekanntgegeben. Und zwar hatte ich versäumt, eine Meldung pünktlich nach Oranienburg zu geben. Und ich sollte aufgrund dessen bestraft werden.

Der Adjutant rief mich hoch und sagte, das wäre genauso ein Strafvergehen wie irgendein Wachvergehen oder irgendwas, und ich würde dafür bestraft werden. Die erste Strafe lautete, daß ich die Meldung persönlich nach Oranienburg zu überbringen habe. Ich habe auch die Meldung dann zu Papier gebracht. Und die Sache wurde unterschrieben.

Es war vollkommen, ich möchte sagen, eine Nebensache. Ich weiß nicht mehr, worum es sich gehandelt hat, was das für eine Meldung war. Und ich habe die selbst in Oranienburg abgegeben. Aber vielleicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Es hat Ihnen niemand was getan.

 

Zeuge Helmut Giesa:

Vielleicht hatte der Adjutant gedacht, daß ich da irgendwie bestraft werde. Aber es ist nichts dabei rausgekommen. Ich bin wieder zurückgefahren. Es war alles in Ordnung.

 

Vorsitzender Richter:

Und bei dieser Gelegenheit haben Sie ein Päckchen für seine Tochter mitgenommen?4

 

Zeuge Helmut Giesa:

Jawohl, habe ich mitgenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wissen Sie, daß der Adjutant auch Urlaubsscheine unterschrieben hat?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das ist anzunehmen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie selbst keinen von ihm bekommen?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Doch, es kann auch sein.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat Ihnen damals die Papiere ausgestellt, die Sie brauchten, um nach Oranienburg zu fahren?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich glaube, die sind oben unterschrieben worden von dem Hauptsturmführer Mulka.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wissen Sie, ob Mulka auch etwas mit der Fahrbereitschaft zu tun gehabt hat?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Das kann ich nicht sagen, das war außerhalb meines Bereichs.

 

Vorsitzender Richter:

Wußten Sie, daß in Auschwitz Menschen vergast wurden?

 

Zeuge Helmut Giesa:

Ich habe das nicht gewußt. Aber es ist durchgesickert, daß etwas gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Eggert, Sie haben auf der Vernehmung dieses Zeugen bestanden. Wollen Sie bitte Ihre Fragen stellen.

 

Verteidiger Eggert:

Danke, ich habe keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Der Herr Staatsanwalt, Sie haben verzichtet? Herr Nebenkläger Ormond?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, selbstverständlich, der Zeuge kann zur Sache gar keine Angaben machen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Raabe?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Verteidigung? Nicht. Ich würde sagen, daß wir auf die Beeidigung verzichten können, weil seine Aussage unerheblich ist und auch nicht zu erwarten steht, daß unter seinem Eid eine wesentliche Aussage abgegeben werden könnte. [Pause] Dann unterbleibt die Beeidigung des Zeugen.

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 01.02.1961 in Essen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 44, Bl. 7.784.

2. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 01.02.1961 in Essen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 44, Bl. 7.784.

3. Vgl. Aleksander Lasik: Die Verfolgung, Verurteilung und Bestrafung der Mitglieder der SS-Truppe des KL Auschwitz. Verfahren, Fragen zu Schuld und Verantwortung, in: Hefte von Auschwitz 21, 2000, S. 259.

4. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 01.02.1961 in Essen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 44, Bl. 7.787.

 

 
 
 
Seitenanfang
Haftungsausschluss | Impressum
 
© 2011 Fritz Bauer Institut • Frankfurt am Main • Stiftung des bürgerlichen Rechts
Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
Copyright © 2011 Fritz Bauer Institut • Grüneburgplatz 1 • 60323 Frankfurt am Main
Telefon: 0 69 79 83 22 40 • Telefax: 0 69 79 83 22 41 • Email: info(at)fritz-bauer-institut.de
X
Titel
Testinfo
Testinfo
Bitte aktuelle Flash Version installieren
X