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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

144. Verhandlungstag, 18.3.1965

 

Vernehmung des Zeugen Harry Fugmann

 

Vorsitzender Richter:

[+ Herr Zeuge, sind Sie damit einverstanden, daß ich Ihre Aussage auf ein Tonband nehme] zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Fugmann, es wird behauptet von seiten der Nebenklage, des Rechtsanwalts Ormond, daß Sie etwas wüßten von einem Vorfall, der sich abgespielt haben soll, wenn ich nicht irre, oben in Kurland oder im Baltikum

 

Sprecher (nicht identifiziert) [unterbricht]:

Bei Riga.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Riga, richtig, wo ein Mann erschossen worden sein soll, weil er sich geweigert habe, an Erschießungen teilzunehmen.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Entschuldigen Sie, daß ich dieser Frage widersprechen muß. Aber wir haben genau das Gegenteil in das Wissen des Zeugen gestellt: daß er nicht weiß, daß so etwas passiert ist.1

 

Vorsitzender Richter:

Ja, gewiß. Ich muß ihn doch fragen, ob er etwas davon weiß.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja, das ist richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Schön. Also sind wir darüber einig. Herr Fugmann, kennen Sie den Erwin Dietz?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Den kennen Sie nicht. Waren Sie während des Krieges in einer Ausbildungsabteilung, die in der Nähe von Riga untergebracht war?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was war das für eine Abteilung?

 

Zeuge Harry Fugmann:

SS-Panzeraufklärungs-Ausbildungsersatzabteilung.

 

Vorsitzender Richter:

SS-Panzeraufklärungs-Ersatzabteilung?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Ja

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ausbildungsersatzabteilung. Und in dieser Einheit haben Sie in der Nähe von Riga gelegen, ja?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeuge Harry Fugmann:

In Talsen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie bei dieser Gelegenheit einmal etwas davon gehört, daß da diese Panzereinheit zur Niederschlagung eines Aufstands in einem Judenlager beordert worden ist?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Und wissen Sie etwas davon, daß einmal ein Zugführer einer Einheit standrechtlich erschossen worden ist, weil er es abgelehnt hat, an Erschießungen von 16 Frauen und Kindern teilzunehmen?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie von einem Tagesbefehl gehört, der eine Drohung zum Inhalt hatte, daß es jedem so ergehen werde, der Befehle verweigere?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Diese Panzeraufklärungs-Ausbildungsersatzabteilung, hatte die eine besondere Nummer?

 

Zeuge Harry Fugmann:

I.

 

Vorsitzender Richter:

I?

 

Vorsitzender Richter:

Und wie hieß der Kommandeur?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Und den Erwin Dietz haben Sie nie gekannt?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

Richter Hotz:

Sanitäter soll er gewesen sein?

 

Vorsitzender Richter:

Er soll Sanitäter gewesen sein bei der Einheit.

 

Zeuge Harry Fugmann:

Kenne ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Kennen Sie nicht. Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Von seiten der Staatsanwaltschaft? Von seiten der Nebenklage? Doch?

 

Staatsanwalt Vogel:

Ist Ihnen bekannt, ob sich dort in der Gegend, in der sich Ihre Einheit befunden hat, ein Lager mit jüdischen Häftlingen befand?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Weiß ich nichts davon.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ist Ihre Einheit jemals zur Partisanenbekämpfung eingesetzt worden?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein, wir waren nur Rekruten.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie sind nicht eingesetzt worden?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Von einem Einsatz gegen den Ausbruch bewaffneter Häftlinge ist Ihnen nichts bekannt?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nichts bekannt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Wie oft wurden denn Tagesbefehle bei Ihnen verlesen? War das täglich?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Das kann ich nicht sagen.

 

Staatsanwalt Vogel:

Aber ein derartiger Inhalt, daß ein SS-Führer erschossen worden sei, wäre Ihnen das noch in Erinnerung? Ich meine, das war doch keine Routinesache an sich.

 

Zeuge Harry Fugmann:

Glaube ich kaum.

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie haben nichts davon gehört?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Nein.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und gab es bei Ihrer Einheit überhaupt einen SS-Junker im Sanitätsdienst?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Das weiß ich nicht mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ist Ihnen der Begriff bekannt?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Doch, aber das weiß ich nicht mehr.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das wissen Sie nicht mehr. Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe. Herr Doktor Kaul?

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Keine.

 

Vorsitzender Richter:

Von seiten der Verteidigung? Keine Frage. Von seiten der Angeklagten? Keine Frage, keine Erklärung. [...] Herr Zeuge, können Sie das, was Sie uns gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Harry Fugmann:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

 

 

1. Vgl. Beweisantrag von Nebenklagevertreter Ormond vom 10.03.1965, Anlage 2 zum Protokoll der Hauptverhandlung vom 11.03.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 109.

 

 
 
 
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