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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

78. Verhandlungstag, 17.8.1964

 

Vernehmung des Zeugen Albert Ehrenfeld

 

Vorsitzender Richter:

[+ Haben Sie etwas dagegen, wenn wir Ihre] Aussage auf ein Tonband nehmen zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. Ja, also dann bitte wollen Sie die Frage beantworten, wie es zu dieser Verhaftung im Mai 1944 gekommen ist?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, die Verhaftung ist schon etwas früher geschehen, nachdem die deutschen Truppen [in Klausenburg] angekommen sind. Und wir wurden zur Zwangsarbeit geschleppt.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das ungefähr?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Das war Ende März 44, ja. Und es dauerte ungefähr fünf, sechs Wochen, bis [sie uns] dann ins Ghetto [gebracht] haben, mit meiner Familie und mit [allen Juden].

 

Vorsitzender Richter:

Einen kleinen Moment mal, bitte schön. [Pause] Tja. Breitwieser ist vertreten durch Doktor Zarnack und Doktor Fertig? [...] Ah ja. Für den Doktor Zarnack der Herr Rechtsanwalt Horn.

 

Verteidiger Horn:

Ich hatte mich vorhin gemeldet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ich habe es nicht mitbekommen. Danke schön. Ja. Also Sie sagten, Sie sind in Klausenburg in ein Ghetto zusammengezogen worden. Und wo befand sich dieses Ghetto?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

In einer Ziegelfabrik.

 

Vorsitzender Richter:

In einer Ziegelfabrik. [...] Ja. Kannten Sie aus Ihrer Tätigkeit auch den Herrn Doktor Berner?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Berner?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Der war aber in dieser Ziegelfabrik auch verhaftet worden.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Aber nicht in Klausenburg.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Das war eine andere Ziegelfabrik.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

An einem anderen Ort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Es war ein schwer auszusprechender Name.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, ja, richtig. Aber es war zufällig auch eine Ziegelfabrik. Ja. Also Sie sind in eine Ziegelfabrik dort eingewiesen worden. Und wie lange ungefähr waren Sie da drin? Einen Monat ungefähr, sagten Sie vorhin?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Ich glaube, bis 5. oder 6. Juni.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bis 5. oder 6. Juni. Sie haben allerdings bei Ihrer Vernehmung einmal gesagt, Sie wären im Mai 44 in Klausenburg ansässig gewesen und wären dann durch die ungarische Gendarmerie verhaftet worden. 1

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, die ist zu uns gekommen, die ungarische Gendarmerie.

 

Vorsitzender Richter:

Aber das muß etwas vorher gewesen sein. Denn Sie sagten, Sie waren doch in dieser Ziegelei noch ungefähr einen Monat zusammengezogen bis Anfang Juni, nicht?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Von Mai bis Juni?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Von Mai bis Juni.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Und nachdem Sie also dort einen Monat etwa gewesen sind, sind Sie abtransportiert worden?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie viele Transporte ungefähr waren es, die da abtransportiert wurden?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich glaube, fünf.

 

Vorsitzender Richter:

Sie glauben, fünf. In welchem waren Sie?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich erinnere so: mit dem vierten.

 

Vorsitzender Richter:

Sie glauben, mit dem vierten Transport. Und sagen Sie bitte, wie viele Menschen waren ungefähr in einem solchen Transport? Haben Sie eine Ahnung, eine Übersicht oder...

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Über 1.000.

 

Vorsitzender Richter:

Über 1.000. Und Sie meinen, Sie wären bei dem vierten Transport gewesen. Außer Ihnen, wer ist von Ihrer Familie damals noch mit transportiert worden?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Meine Frau, [Pause] ein elfjähriger Bub, Sohn, und ein sechsjähriges Mädchen.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie zusammen in einem Waggon?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Ja, und meine Schwiegermutter, die Mutter von meiner Frau.

 

Vorsitzender Richter:

Die Mutter Ihrer Frau. Und wie viele Menschen waren in einem solchen Waggon zusammengetrieben?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ungefähr 70.

 

Vorsitzender Richter:

War das ein Güterwagen, oder war das ein Personenwagen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Personenwagen habe ich überhaupt nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. War es ein Güterwagen. Da waren etwa 70 Menschen drin. Wie lange dauerte denn die Fahrt von Klausenburg bis zum Ausladeort?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich glaube, fünf Tage und fünf Nächte. So ungefähr.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie in dieser Zeit einmal Wasser bekommen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Wasser nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Und Verpflegung?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts zu trinken?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nichts zu trinken.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wissen Sie, daß Sie in Kaschau von der SS übernommen worden sind? Wieso haben Sie das gewußt? Sie waren doch eingesperrt in den Wagen.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, man hat dort geöffnet.

 

Vorsitzender Richter:

Man hat geöffnet?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, sagen Sie bitte, wann sind Sie in Auschwitz angekommen? Sie dachten, Sie waren vielleicht fünf Tage unterwegs.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. 10./11. bis spätestens 12. Juni.

 

Vorsitzender Richter:

Also in der Zeit zwischen, na, sagen wir

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Ungefähr 10.

 

Vorsitzender Richter:

Um den 10. Juni herum sind Sie in Auschwitz angekommen. Sind Sie am Tag oder in der Nacht dort angekommen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Frühmorgens, ganz früh morgens.

 

Vorsitzender Richter:

Ganz früh morgens. War es schon hell?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Oh, ich glaube, es war drei oder vier Uhr.

 

Vorsitzender Richter:

Vier morgens. Also man kann sagen, in der halben Nacht.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. — Mert égtek a lámpák.

 

Vorsitzender Richter:

Und war es noch dunkel damals?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Es war nicht dunkel, weil es war — borzasztó erősen.

 

Vorsitzender Richter:

Dämmerig?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ki volt világítva.

 

Dolmetscher Dienesch:

Es war alles stark beleuchtet.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Sehr stark beleuchtet.

 

Vorsitzender Richter:

War sehr stark beleuchtet. Wissen Sie, ob damals der Transport zwischen diesen Lagern in Birkenau angekommen ist, das heißt also auf der sogenannten Rampe? Wenn Sie mal an diese Karte sehen wollen. Da ist das Lager Birkenau. Links ist das Frauenlager. Oben sind diese Krematorien [eingezeichnet]. Links unten ist der Eingang. Und da sind nun verschiedene braune Striche gezogen. Das soll die Eisenbahngleise darstellen, während rechts das eigentliche Männerlager ist, unten das Quarantänelager und dann die verschiedenen Lager bis oben zu dem Krankenlager. Können Sie sich da zurechtfinden auf der Karte? Nein? [Pause] Wissen Sie, wo Sie ausgeladen worden sind in Auschwitz? Ob vor dem Lager oder mitten im Lager?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich erinnere mich nicht daran.

 

Vorsitzender Richter:

Sie erinnern sich nicht mehr. Nun, nachdem Sie angekommen waren, erzählen Sie uns doch bitte jetzt einmal, wie sich da das Weitere vollzog. Der Zug hielt also. Was geschah nun?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Na, ich werde das, wenn Sie gestatten, ungarisch sagen, das ist für mich viel, viel leichter. — Letörték a plombát, az ólómplombát, és

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sprechen Sie bitte ins Mikrofon.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

És odajöttek ilyen haeftlingruhas haeftlingek és kiabáltak: »Gyorsan, gyorsan, gyorsan leszállni, minden csomagot ott hagyni, utánuk fogják hozni.« Tessék ezt megmondani.

 

Dolmetscher Dienesch:

Zuerst wurden die Bleiplomben der Waggons abgebrochen. Dann erschienen Sträflinge in Häftlingskleidung oder Leute in Häftlingskleidung, und sie schrien: »Rasch, rasch! Aussteigen! Gepäck zurücklassen, das Gepäck wird nachgebracht!«

 

Vorsitzender Richter:

In deutsch?

 

Dolmetscher Dienesch:

Németbe?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Dolmetscher Dienesch:

In deutsch.

 

Vorsitzender Richter:

In deutsch, ja. Nun, was geschah dann?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nekem a kabátom föl volt akasztva egy szegre, hogy kevesebb helyet foglaljon el. A feleségem, a két gyermekem és az anyósom leszálltak a vagonbol. Nagyon nagy tömeg volt, és én egy tíz másodpe rcel, amíg leakasztottam a kabátot és föl vettem, később szálltam le. És amikor leszálltam, már elsodorta őket a tömeg. Soha az életben többé nem láttam a családomat.

 

Dolmetscher Dienesch:

Da mein Mantel an einem Nagel hing, blieb ich etwas zurück, um den Mantel...

 

Vorsitzender Richter:

Abzuhängen.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Abzuhängen. Inzwischen stiegen meine Frau und die Kinder aus, und während dieser Zehntelsekunde wurden sie von der Menge weggedrängt, und ich sah sie nicht wieder.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich habe sie niemals, nie mehr im Leben gesehen. Und nichts gehört.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun sind Sie also dann ausgestiegen aus dem Wagen. Was geschah mit Ihnen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Akkor engem is sodort a tömeg elő re, és akkor láttam meg egy férfit egy ilyen SS uniformisban, egy tisztet, és mellette volt egy motorbicikli.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich wurde von der Menge fortgetrieben. Plötzlich sah ich vor mir einen SS-Mann, neben ihm ein Motorrad.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ein Offizier.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ein SS-Offizier mit Motorrad.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

A motorrád állt mellette és ő mutatott jobbra és balra.

 

Dolmetscher Dienesch:

Das Motorrad war neben ihm abgestellt. Und dieser Offizier zeigte nach links und nach rechts.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie eine Ahnung oder haben Sie später gehört, wer dieser Offizier gewesen ist?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Später habe ich [+ es] selbstverständlich gehört. Zwischen uns waren nämlich welche, die ihn [kannten].

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wer war das?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Zuerst möchte ich Ihnen noch etwas erzählen. — Mellettem állott egy Deutsch Gábor nevű kolozsvári gyógyszerész, aki akkor jött haza nemrégen Ukrainából, lefagyott lábujjakkal, és őt is deportálták. És azt mondta nekem: »Te, hát nem ismered azt a férfit, aki ott kinn van?« Mondom, hát honnan ismernék én egy SS tisztet

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, jetzt soll zunächst mal der Dolmetscher übertragen.

 

Dolmetscher Dienesch:

Neben mir stand ein Apotheker namens Deutsch, Gábor.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Aus Klausenburg.

 

Vorsitzender Richter:

Wie? Ein Apotheker?

 

Dolmetscher Dienesch:

Namens Deutsch, Gábor, [...] der erst vor kurzem aus der Ukraine zurückkehrte mit abgefrorenen Zehen. Dieser machte mich aufmerksam und fragte: »Kennst du den Mann nicht?«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Und darauf antwortete ich: »Von wo soll ich einen SS-Offizier hier in Auschwitz kennen?«

 

Vorsitzender Richter:

Ja. »Woher soll ich den Mann kennen?«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie ging es dann weiter?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Und dann sagte er mir, daß [es Capesius ist].

 

Vorsitzender Richter:

Sagte dieser Deutsch?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, daß es Capesius ist.

 

Vorsitzender Richter:

Wie kannte denn er ihn? Er kam doch aus – sagten Sie nicht, aus der Ukraine, der Deutsch?

 

Dolmetscher Dienesch:

Honnan ismerte ez a Deutsch Gábor Capesiust?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Kolozsvárból, Clujról.

 

Dolmetscher Dienesch:

Aus Klausenburg.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Klausenburg.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist aber nicht in der Ukraine.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, előbb azt mondta, hogy Ukrajnából jött.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát persze, ott volt munkaszolgálatban

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Habe ich das falsch verstanden?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja. Der Deutsch, Gábor, war vorher in der Ukraine als Zwangsarbeiter, ist aber ein Klausenburger.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, er ist aus Klausenburg, war vorher als Zwangsarbeiter in der Ukraine, dort waren ihm die Füße abgefroren oder die Zehen abgefroren, und er kannte den Doktor Capesius von Klausenburg her?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, persönlich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wie ging es weiter?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Oda ment és beszélgetett vele, Capesiusal.

 

Dolmetscher Dienesch:

Deutsch ging zu Capesius und sprach mit ihm.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was hat er mit ihm gesprochen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

És kérdezte tőle hogy mit jelent az, hogy egyiket balra küldik, másikat jobbra küldik.

 

Dolmetscher Dienesch:

Er fragte, was das bedeute, daß welche nach links und andere wieder nach rechts gehen.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

S akkor ő azt válaszolta, hogy akik balra mennek, azoknak már jó dolguk lesz. Azoknak nem lesz nehéz munkájuk.

 

Dolmetscher Dienesch:

Er antwortete, die, die nach links gingen, die hätten es leicht, die würden keine schwere Arbeit bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und auch bessere Unterbringung? Oder? Sollten die auch besser untergebracht werden?

 

Dolmetscher Dienesch:

És azt is mondta, hogy jobban lesznek ellátva vagy jobb lakást kapnak?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ott nem lesz nehéz dolguk és nem lesz nehéz munkájuk, ott könnyű lesz. Nem lesz nehéz munkájuk. Jobb dolguk lesz.

 

Dolmetscher Dienesch:

Er sagte, sie würden es leicht haben und keine schwere Arbeit bekommen. Sie würden es besser haben.

 

Vorsitzender Richter:

Die nach links gingen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Dolmetscher Dienesch:

Azok meg balra mentek.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Und er hat damals recht gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wer ging denn nach links? Gingen da auch Frauen und Kinder hin?

 

Dolmetscher Dienesch:

Kik mentek balra? Asszonyok és gyerekek is? Nők és asszonyok?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát minden asszony, ha fiatal vagy öreg volt, ha 14 éven aluli gyereke volt.

 

Dolmetscher Dienesch:

Jede Frau, ob alt oder jung, wenn sie ein Kind unter 14 Jahren hatte.

 

Vorsitzender Richter:

Ging auch nach links?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie haben bei dieser Kolonne Ihre Frau nicht mehr gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. — A sok nőt láttam.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, Sie sagten mir doch vorhin, Sie hätten in Klausenburg den Doktor Capesius selbst gar nicht kennengelernt.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Bei Ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter haben Sie gesagt, dieser SS-Offizier sei Ihnen bekannt vorgekommen. Heute sagen Sie, auf die Frage des Herrn Deutsch hätten Sie geantwortet: »Wie soll ich hier einen SS-Offizier kennen? Natürlich kenne ich ihn nicht.« Und damals sagten Sie, er sei Ihnen bekannt vorgekommen. Und nachdem nun der Herr Deutsch Sie darauf hingewiesen habe, es handele sich um den früheren Propagandisten der IG Farbenindustrie in Klausenburg: »Daraufhin habe ich ihn auch erkannt«, schreiben Sie. 12.893, Herr Hüllen, ja? 2

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Tessék megmondani a bíró úrnak, hogy Kolozsvár nem egy olyan nagy város, láttam.

 

Vorsitzender Richter:

Vorhalt aus 12.893, ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Biztosan láttam, mit tudom én, hogy mikor láttam az utcán járni vagy kelni. De nem tudtam kicsoda. Hát lehet hogy az arca ismerős volt nekem is. De nem ismertem őt személyesen.

 

Dolmetscher Dienesch:

Klausenburg ist keine große Stadt, es ist daher ohne weiteres möglich, daß ich ihn auf der Straße gesehen habe und daß er mir daher bekannt vorkam.

 

Vorsitzender Richter:

So. Sie haben damals gesagt: »Aber ich kann mit Sicherheit sagen, daß ich ihn in Auschwitz als den früheren Propagandisten wiedererkannt habe.« 3

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát amikor mondta Deutsch hogy ez ő, és az arca nekem is ismerős volt, hát akkor persze hogy ő, és a későbbi. Ő volt az.

 

Dolmetscher Dienesch:

Nachdem mir Deutsch sagte, wer das sei, und er mir auch bekannt vorkam, da kam ich drauf, daß das tatsächlich Capesius sei.

 

Vorsitzender Richter:

Den Sie aber vorher nicht gesehen hatten.

 

Dolmetscher Dienesch:

Amelyiket azelőbb nem látta, nem ismerte.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Akit azelőtt nem ismertem.

 

Dolmetscher Dienesch:

Den ich vorher nicht gekannt habe.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Szabad nekem is egy kérdést föl tenni?

 

Dolmetscher Dienesch:

Darf ich eine Frage stellen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja bitte.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Akkor mondja meg nekem a bíró úr, hogy hogy lehetséges az, hogy elibem tettek 18 év után 28 fényképet SS ruhában, és hát mi az, isteni gondviselés vagy mi vezette az újjamat és mutattam hogy ez volt az az ember.

 

Dolmetscher Dienesch:

Wie ist es dann möglich, daß ich nach etwa 18 Jahren aus verschiedenen, ich glaube, aus 28 Lichtbildern Herrn Capesius wiedererkannt habe?

 

Vorsitzender Richter:

Bei Ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

[unverständlich] 12.896. Das trifft nicht ganz zu.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. So war es nicht. Es wurde Ihnen ein loses Bildmaterial der Kripo vorgelegt, und Sie erklärten, daß Ihnen die 2087/60 abgebildete Person bekannt vorkäme. Sie nähmen an, daß es sich um den Capesius handeln könne. 4 Ja?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun mal weiter. Jedenfalls der Herr Deutsch hat mit dem Doktor Capesius gesprochen und hat Ihnen dann mitgeteilt, er habe gesagt, die Leute, die nach links gehen, werden einer leichteren Arbeit zugeführt. Das haben Sie uns jetzt gesagt.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wie ging es nun weiter? War bei diesem Doktor Capesius noch ein weiterer SS-Offizier?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein, er war allein.

 

Vorsitzender Richter:

Er war allein?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Allein.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es waren doch sicher noch eine Masse anderer SS-Leute da erschienen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ganz in der Nähe habe ich [keinen] gesehen. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, diese Leute, die links heraustreten mußten, was geschah mit den Leuten?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mi történt azokkal a személyekkel, akik balra kiléptek?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát én honnan tudjam, én nem balra mentem, én jobbra mentem, én csak hallottam már aznap, hogy azokat a gázkamrába viszik.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich weiß es nicht, denn ich ging nach rechts. Doch am selben Tag hörte ich, daß sie in die Gaskammern kämen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist bei Ihnen gefragt worden, ob in Ihrem Transport Ärzte oder Apotheker sich befänden?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sind auch welche da herausgetreten als Ärzte oder Apotheker?

 

Dolmetscher Dienesch:

Jelentkeztek gyógyszerészek vagy orvosok?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hogyne, többen jelentkeztek.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, mehrere.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben sich dabei nicht gemeldet?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Én nem folytattam a mesterségemet.

 

Dolmetscher Dienesch:

Denn ich habe meinen Beruf ja nicht ausgeübt.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Csak tanultam, de nem folytattam.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich habe ihn erlernt, aber nicht ausgeübt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sagen Sie, bei diesem Transport, mit dem Sie gekommen sind, waren da auch dieser Herr Hartmann, von dem wir vorhin sprachen, und ein Herr Abraham dabei?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, ja. Abraham war unser Oberbuchhalter, und Hartmann war mein Aktionsmitglied.

 

Vorsitzender Richter:

Wie alt waren die beiden Herren ungefähr?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hartmann war ungefähr 44 Jahre alt, ja. 43.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also ungefähr. Sie können es ja so genau auch nicht wissen.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

43, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ungefähr 43 Jahre alt. Und der andere Herr, der Abraham?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Der andere [+ war] 46 ungefähr.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben sich also nicht als Apotheker zu erkennen gegeben und wurden aber trotzdem nach rechts herausgewiesen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Rechts, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Also zu denen, die nicht in die Gaskammern gehen mußten?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und die beiden Herren Abraham und Hartmann?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich habe die Herren nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Wann haben Sie sie nicht gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

In Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also an diesem Tag sind Sie ja mit ihnen zusammen dort gewesen. Oder haben Sie sie bei der Ankunft gar nicht gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Auch bei der Ankunft haben Sie sie nicht gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wußten also infolgedessen auch nicht, ob sie damals nach links oder nach rechts ausgewiesen wurden, sondern Sie wissen gar nicht mehr, was mit ihnen geworden ist?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát csak következhetek, hogy ha ott nem láttam őket a jobb oldalon, és munkába nem állították őket és egyszerre szálltak fel velem, tehát együtt érkeztünk meg, hát tertium non datur

 

Dolmetscher Dienesch:

Nachdem sie nicht bei mir auf der rechten Seite standen und ich sie auch bei der Arbeit nicht fand, kann ich nur folgern, daß sie umgekommen sind. Ein drittes ist nicht gegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber es ist nicht etwa so, daß sie gesehen hätten, wie sie bei der Selektion von Capesius auf die linke Seite beordert worden sind?

 

Dolmetscher Dienesch:

Hát nem látta, hogy őket balra küldték.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Őket egyáltalán nem láttam.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich habe Sie überhaupt nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich frage das deshalb, weil Sie bei Ihrer Vernehmung gesagt haben: »Die beiden waren von kräftiger Konstitution, sie waren kräftiger als ich. Trotzdem sind Sie nicht nach rechts, sondern nach links selektiert worden. Ich nehme an, daß bei dieser Entscheidung seitens des Selekteurs Capesius folgende Motive maßgebend gewesen sind« 5 und so weiter.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Dasselbe sage ich auch heute.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber Sie wissen ja gar nicht, ob Capesius sie nach links oder rechts ausgewiesen hat, Sie können uns nur sagen

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Ja, ich weiß es nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen nicht, was mit ihnen geschehen ist, Sie haben sie nie mehr gesehen. Und Sie haben daraus die Folgerung gezogen, daß sie damals mit in die Gaskammern geschickt worden sind.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, haben Sie außer diesem einen Mal den Doktor Capesius später noch einmal gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr. Im Lager nicht mehr. Und nach dem Krieg?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht mehr.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Er ist nicht nach Hause gekommen nach Klausenburg.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie waren nur ganz kurz im Lager Birkenau, fast nur eine Woche? Stimmt das?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nicht einmal ganz eine Woche.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mal ganz eine Woche. Und sind dann weggekommen nach Kaufering.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nach Kaufering, Oberbayern.

 

Vorsitzender Richter:

In Oberbayern. Und schließlich noch in ein Lager in der Nähe von Dachau überstellt worden, wo Sie dann schließlich befreit worden sind.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, von den amerikanischen Truppen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Ehrenfeld, Sie wissen aus Ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter, daß der Doktor Capesius Ihre Darstellung bestreitet. Und insbesondere bestreitet er, die Selektion durchgeführt zu haben. Sie bleiben bei Ihrer Aussage, und insbesondere [+ dabei], daß der Herr Deutsch mit dem Capesius gesprochen hat?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nachdem er Ihnen vorher gesagt hat: »Das ist doch der Doktor Capesius aus Klausenburg.«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Aus Klausenburg.

 

Vorsitzender Richter:

Dann ist er hingegangen und hat ihn gefragt: »Was ist mit den Leuten, die nach links kommen?«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was ist denn mit dem Deutsch gewesen, wo ist denn der hingekommen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nie mehr gehört von ihm.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn gesehen, daß er nach links gehen mußte?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Bitte?

 

Dolmetscher Dienesch:

Látta hogy Deutsch balra ment?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nem. Nem ment balra.

 

Dolmetscher Dienesch:

Nein, er ging nicht nach links.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nem ment balra. Jött velem jobb oldalra.

 

Dolmetscher Dienesch:

Er kam nach rechts mit mir.

 

Vorsitzender Richter:

Er kam nach rechts mit Ihnen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Später ist er irgendwo gestorben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also jedenfalls an diesem Tag wurde er nicht zu denen gestellt, die in die Gaskammern mußten?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Deutsch?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Dienesch:

Azon a nap nem ment balra.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nem.

 

Vorsitzender Richter:

Deutsch nein.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie bleiben dabei und sagen, daß Sie mit Sicherheit sich daran erinnern, daß dieses Gespräch stattgefunden hat zwischen Deutsch und Capesius und daß Deutsch Ihnen vorher auch erzählt hatte, daß es sich bei diesem SS-Offizier um den Doktor Capesius handelte. Der Doktor Capesius ist Ihnen ja dann bei dem Untersuchungsrichter auch gegenübergestellt worden.

 

Dolmetscher Dienesch:

A vizsgáló bírónál látta Capesius doktort?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen. Hát annak érdeke. — Es liegt in seinem Interesse

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und haben Sie ihn da wiedererkannt?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ráismert?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Also vor einer halben Stunde oder vor einer Stunde habe ich ihn auf einem Bild gesehen, Foto.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Und als er reingekommen ist, habe ich ihn schon [erkannt].

 

Vorsitzender Richter:

Moment, das ist ein Mißverständnis. Also vor einer halben Stunde, das heißt beim Untersuchungsrichter?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Beim Untersuchungsrichter.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Beim Untersuchungsrichter hatte man Ihnen Bilder gezeigt, und da hatten Sie ein Bild gezeigt und hatten gesagt: »Das könnte Doktor Capesius sein.«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Man hat mir viele Bilder gezeigt.

 

Vorsitzender Richter:

Viele Bilder gezeigt?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Viele Bilder gezeigt.

 

Vorsitzender Richter:

Da haben Sie eins herausgenommen und haben gesagt: »Das könnte«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Lange, lange Zeit hat das gedauert, bis ich darauf gekommen bin, daß er es war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nachdem Sie dieses Bild gesehen hatten, haben Sie ihn auch dann erkannt, wie er hereingeführt worden ist?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Und außerdem sage ich nicht, daß ich ihn in Klausenburg nicht gesehen habe, ohne daß ich wußte, wer er ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Als Klausenburger.

 

Vorsitzender Richter:

Und als Sie ihn nun lebend gegenüber gesehen hatten, haben Sie sich da auch wieder an diese Szene erinnert in Auschwitz? Und glaubten Sie, daß das derselbe Mann war, der in Auschwitz damals die Selektion durchgeführt hat?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und ist das heute auch noch Ihre Meinung?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, gewiß.

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen.

 

Richter Hotz:

Herr Doktor Ehrenfeld, kannten Sie einen Doktor Klein, aus Ihrer Heimat stammend?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ein Arzt?

 

Richter Hotz:

Einen Arzt Doktor Klein?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Alexander?

 

Richter Hotz:

Den Vornamen weiß ich im Augenblick nicht. Der als Arzt, SS-Arzt, in Auschwitz gewesen sein soll.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, so, SS-Arzt.

 

Richter Hotz:

Ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich kenne ihn nicht.

 

Richter Hotz:

Sie kennen ihn nicht?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. Nicht einmal vom Hören.

 

Vorsitzender Richter:

Noch eine Frage, bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Als Sie nach Auschwitz transportiert wurden, waren da Ihr Oberbuchhalter und Ihr Sozius, der Herr Hartmann, in dem gleichen Transport mit Ihnen?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mikor Auschwitzba jött, a főkönyvelője meg a kompanionja egy transzportban volt, egy szállításban?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen. Hát együtt szálltunk fel.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, im selben Transport, wir stiegen gemeinsam ein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Im gleichen Waggon auch?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aber im gleichen Transport?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Im gleichen Transport.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und beim Aussteigen in Auschwitz haben Sie die beiden noch mal gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nicht mehr gesehen. Und nicht mehr zurückgekommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wie viele waren denn auf die rechte Seite gekommen? War das übersehbar, oder waren das viele Hundert?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich habe nie nachgedacht, und ich habe keine Ahnung, wie viele es waren.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Also es ist auch möglich, daß die auf die rechte Seite gekommen waren, ohne daß Sie es gemerkt haben?

 

Dolmetscher Dienesch:

Lehetséges, hogy jobb oldalra jöttek, és maga nem vette észre?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nem lehetséges. Az nem lehetséges. Egy csoportban voltunk.

 

Dolmetscher Dienesch:

Nein, das ist nicht möglich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und warum ist das nicht möglich? Hätten Sie das gesehen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát mert minket elvittek egy öltözőbe, és ott mindenki heftlingruhát kapott. És aztán beosztottak a munkatáborokba. És csak azok nem jelentek ottan meg, akik aznap érkeztek meg, akik a bal oldalra mentek.

 

Dolmetscher Dienesch:

Wir kamen alle in eine Umkleidekammer, wo wir Sträflingskleider erhielten, und dort konnte ich feststellen, wer nicht dabei war.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Waren da alle beisammen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, gewiß.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und vorher, als der Transport ankam, hat da nur einer, von dem Sie sagen, daß das Doktor Capesius gewesen wäre, eingeteilt nach rechts oder links, oder waren da noch andere, die auch einteilten?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mondja legyen szívés [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ist schon gefragt.

 

Dolmetscher Dienesch:

Igen. Amikor megérkeztek, csak egy ember volt ottan, egy SS tiszt, amelyik szelektált, vagy több is?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, nur einer.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Danke.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Bitte schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Dolmetscher, würden Sie bitte übersetzen? Hat der Herr Deutsch, nachdem er mit Capesius gesprochen hat, Ihnen gegenüber durch ein Wort zu erkennen gegeben, daß er den Doktor Capesius wiedererkannt hat bei dem Gespräch?

 

Dolmetscher Dienesch:

Miután Deutsch Capesiussal beszélt, szólt magához, mondta, hogy ráismert Capesiusra?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát még azt is mondta, hogy mit beszélt vele.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, er teilte mir sogar mit, über was sie sich unterhalten haben.

 

Staatsanwalt Kügler:

Würden Sie es bitte sagen?

 

Dolmetscher Dienesch:

Miröl, miröl, mit mondott?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát azélő tt már elmondtam, hogy megkérdezte, hogy mit jelent az hogy bal oldalra küldeni és mit jelent az hogy jobb oldalra küldeni. És egyebet is

 

Dolmetscher Dienesch:

Wie ich bereits berichtete, er fragte, was das bedeute, daß welche nach links und andere wieder nach rechts gingen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Außerdem noch etwas?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Außerdem noch etwas. — Hogy kérdezte tőle, hogy lehetne egy borotvakészletet vagy valami igazoló iratot vagy egy fényképet megmenteni. És akkor ő azt mondta hogy tegyük a bakkancsba, onnan nem veszik el. Dehát a fürdőben ugye rögtön kifordították.

 

Dolmetscher Dienesch:

Er erkundigte sich, wie man ein Rasierzeug oder ein wertvolles Lichtbild verstecken könne. Darauf gab Capesius den Rat, man könne es in die Stiefel oder in die Schuhe schieben.

 

Staatsanwalt Kügler:

Hat der Herr Deutsch ausdrücklich erklärt: »Der Capesius hat mich wiedererkannt«?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát ő mondta hogy nem-e ismerem, meg hát hogy nem ismerem meg, hát hogyhogy nem ismerem meg, »hát nem tudod hogy ki ez?« Ő mondta. — Ausdrücklich.

 

Dolmetscher Dienesch:

Jó, de azután mondta is még Deutsch, hogy rá ismert, és hogy Capesius is Deutschra ráismert? Tudta Capesius hogy kivel beszél?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát biztosan tudta. Arról nem beszélt, de nekem mondta, hogy beszélt Capesiusal és ezeket és ezeket mondta. Szóval biztos hogy megismerte.

 

Dolmetscher Dienesch:

Herr Deutsch hat Herrn Capesius mit Gewißheit erkannt. Ob Herr Capesius Herrn Deutsch erkannt hat, darüber sprachen wir nicht. Ich kann nur annehmen, daß ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát másképpen hogy megy oda egy idegen SS tiszthez?

 

Dolmetscher Dienesch:

Wie wäre es denkbar, daß er sonst zu einem fremden SS-Offizier hinzutritt?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Er als Häftling.

 

Staatsanwalt Kügler:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe lediglich eine Frage: Wann, Herr Zeuge, haben Sie Gewißheit erhalten über das Schicksal des Herrn Hartmann und des Herrn Abraham?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mikor tudta meg biztosan, milyen sorsuk volt Hartmannak és Ábrahámnak?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nachdem ich einen von beiden nicht gesehen habe auf der rechten Seite, wo alle hinkamen, die nicht nach links geschickt worden sind.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond, er hat nie Nachricht bekommen. »Die Leute sind nicht zurückgekommen«, sagt er. »Ich habe sie nie mehr gesehen.«

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, das hätte ich gern gewußt, ob er nach dem Krieg von den Verwandten oder so etwas gehört hat.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts gehört.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Gehört ja, daß sie nicht zurückgekommen sind.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr? Nein? Von seiten der Verteidigung? Herr Doktor Laternser.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Vorsitzender, ich bitte um eine kurze Pause. Das kürzt vielleicht dann ab.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. Also bis um drei Uhr.

 

Verteidiger Laternser:

Jawohl. Danke sehr.

 

– Schnitt –

 

Verteidiger Steinacker:

getroffen, die mit Ihnen in dem gleichen Transport angekommen waren?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Wer war das?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

[Pause] Es waren viele, [...] aber ich kann mich nicht mehr erinnern.

 

Verteidiger Steinacker:

Können sich an keinen Namen erinnern?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

[Pause] Vielleicht, wenn ich lange nachdenken würde. [Pause] Es waren viele, weil von Klausenburg sind viele gekommen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Ist Ihnen von diesen Häftlingen erzählt worden, daß Herr Doktor Capesius derjenige war, der auf der Rampe selektiert hat?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich habe mit niemandem darüber gesprochen.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben mit niemandem darüber gesprochen?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. So erinnere ich.

 

Vorsitzender Richter:

Soweit Sie sich erinnern?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

So wie ich erinnere.

 

Verteidiger Steinacker:

Kennen Sie einen Herrn Sebestyén?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Wen?

 

Verteidiger Steinacker:

Sebestyén.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Sebestyén? Ja, kenne ich.

 

Verteidiger Steinacker:

War der mit Ihnen in Kaufering?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, er war mit mir in Kaufering.

 

Verteidiger Steinacker:

War der mit Ihnen im gleichen Transport?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. [...]

 

Verteidiger Steinacker:

War nicht im gleichen Transport.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Also bis Auschwitz ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Bis Auschwitz ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja. Aber er ist dort geblieben und, ich glaube, im Monat Dezember oder Ende November nach Kaufering gekommen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Herr Zeuge, ist es richtig und zutreffend, daß Sie zunächst, als Sie vom Untersuchungsrichter angeschrieben wurden, nicht gewußt haben, welche Aussagen Sie machen sollten, und daß Sie erklärt haben, Sie könnten sich an nichts erinnern?

 

Dolmetscher Dienesch:

Helyes ez, hogy az első íratra, amit Önhöz a vizsgáló bíró intézett, azt válaszolta, hogy nem emlékszik semmire, és azért nem akar vallomást tenni?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hogyhogy semmire?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ezt válaszolta?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hogy semmire nem emlékszem?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja. Ich habe nicht geantwortet, daß ich mich nicht erinnern könne.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, konnten Sie sich zu diesem Zeitpunkt, als Sie angeschrieben wurden, schon an bestimmte Personen erinnern, die Ihnen von dem Untersuchungsrichter namentlich benannt worden waren?

 

Dolmetscher Dienesch:

Már akkori időben emlékezhetett egyes személyekre,amelyeket a vizsgáló bíró a levelében említett?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát én nekem nem említett senkit se, csak Capesiust.

 

Dolmetscher Dienesch:

Es wurde nur Capesius genannt in dem Brief.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie beim Untersuchungsrichter zurückgefragt, Sie wollten zunächst einmal wissen, zu wem und über welches Thema Sie vernommen werden sollten?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ön ujra egy kérdést intézett a vizsgáló bíróhoz, és kérte, hogy magyarázzák meg hogy ki ellen valljon, vagy, vagy melyik ügyben lesz Ön kihallgatva.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát amikor már a levélben engem meghívtak, már akkor írták, hogy kinek az ügyében

 

Dolmetscher Dienesch:

Schon in dem Anschreiben, in welchem ich eingeladen wurde, wurde angegeben, in welcher Sache ich gehört werden soll.

 

Verteidiger Steinacker:

Stand da schon der Name von Herrn Doktor Capesius drin?

 

Dolmetscher Dienesch:

Benne volt már a doktor Capesius neve?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát ezt itt meg lehet látni. Én nem akarok mondani olyat, amire nem emlékszem pontosan.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich kann mich nicht genau erinnern. Das kann man aber hier doch leicht feststellen.

 

Verteidiger Steinacker:

Herr Vorsitzender, ich bitte, doch mal Blatt 11.323, Band 61 6, dem Zeugen zum Vorhalt zu machen.

Eine weitere Frage: Ist es richtig, Herr Zeuge, daß Ihnen der Untersuchungsrichter nach Ihrer Anfrage die Anschrift des Zeugen Glück mitgeteilt hat?

 

Dolmetscher Dienesch:

Helyes az, hogy a vizsgáló bíró az Ön kérésére a Glück tanunak a címét megadta?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

A Glück címét nem, most se tudom a Glück címét.

 

Dolmetscher Dienesch:

Nein, die Adresse wurde mir nicht angegeben, auch heute ist sie mir nicht bekannt.

 

Verteidiger Steinacker:

Nicht angegeben.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Elenben, szabad valamit hozzátegyek, elenben Capesius azt m ondta, hogy én biztos összebeszéltem Glückel, akire megesküszöm az élő Istenre, hogy én most se tudom hogy hol van. Tehát soha nem láttam mióta Kolozsvárról eljött.

 

Dolmetscher Dienesch:

Capesius behauptet, daß ich mich mit Glück abgesprochen habe

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Nein.

 

Dolmetscher Dienesch:

Von dem ich auch heute nicht weiß, wo er sich aufhält.

 

Verteidiger Steinacker:

Haben Sie Verbindung gehabt zu Herrn Langbein?

 

Dolmetscher Dienesch:

Volt Langbeinhez összeköttetése?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Langbeinal annyi összeköttetésem volt, hogy megtudta, azt írta nekem egy levelében, hogy megtudta, hogy ide be leszek idézve, és megkérte ő is hogy eljöjjek tanunak.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja. Ich hatte insoweit Verbindung mit Langbein, daß er mir mitteilte, daß ich in dieser Sache gehört werde, und er mich ersucht hat, hier als Zeuge zu erscheinen.

 

Verteidiger Steinacker:

Auch über welches Thema?

 

Dolmetscher Dienesch:

Azt is megmondta hogy miről lesz szó?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nem tudom.

 

Dolmetscher Dienesch:

Das weiß ich nicht.

 

Verteidiger Steinacker:

Können Sie sich nicht mehr erinnern?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. Nein.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie wissen nicht, ob er es Ihnen mitgeteilt hat, oder Sie können sich nicht mehr erinnern?

 

Dolmetscher Dienesch:

Nem emlékszik hogy mondta-e vagy nem mondta?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ich kann mich nicht erinnern.

 

Verteidiger Steinacker:

Sie können sich nicht erinnern. Dann noch eine andere Frage: Sie haben gesagt, daß Sie sich bei Doktor Wagner wegen der antisemitischen Propaganda des Herrn Doktor Capesius beschwert haben. Und Sie haben, wenn ich richtig gehört habe, gesagt: »Das war in den Jahren vor 42.«

 

Vorsitzender Richter:

Vor 42.

 

Verteidiger Steinacker:

Vor 42. Können Sie es etwas näher präzisieren?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Leider nicht auf ein näheres Datum.

 

Verteidiger Steinacker:

War es vor dem Krieg, vor 39?

 

Dolmetscher Dienesch:

A háború előtt

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Ja, es war vor 39. [...]

 

Verteidiger Steinacker:

Vor 39? Das wissen Sie bestimmt?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja, es war vor 39. [...] Es mußte vor 39 sein.

 

Verteidiger Steinacker:

Warum?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Mert a vállalat megszünt már 43-ban.

 

Dolmetscher Dienesch:

Es muß vor 39 gewesen sein, weil die Firma im Jahre 43 aufhörte zu bestehen.

 

Verteidiger Steinacker:

Das ist ja nur eine Schlußfolgerung, daß Sie sagen, es muß vor 39 gewesen sein, weil die Firma 43 aufhörte zu bestehen. Es könnte ja genausogut dann auch 40 oder 41 gewesen sein.

 

Dolmetscher Dienesch:

Éppen úgy 40 vagy 41 lehetett.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. 42 oder 43.

 

Verteidiger Steinacker:

War es?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

42 oder 43 war es.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ja.

 

Verteidiger Steinacker:

Wissen Sie, wann Herr Doktor Wagner

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Moment, was war da, als Ihre Firma aufgelöst worden ist oder als Sie sich beschwert haben über Doktor Capesius?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mi volt 42 vagy 43-ban?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát át kellett adjuk a

 

Dolmetscher Dienesch [unterbricht]:

Az Ön panaszkodása doktor Wagnernál vagy a cég feloldása?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Mind a kettő.

 

Dolmetscher Dienesch:

Mikor panaszkodott Ön, az a kérdés. Mikor panaszkodott Ön

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Hát éppen most mondtam, nem tudom pontosan. Hát hogy emlékezzek húsz évre pontossan vissza?

 

Dolmetscher Dienesch:

Igen, de a bíró azt kérdezte, hogy 43-ban lehetett, és Ön azt válaszolta hogy igen, 42-ben vagy 43- ban.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja. Ich kann mich nicht genau erinnern, wann ich mich bei Doktor Wagner beschwert habe. Es kann auch ohne weiteres 42 gewesen sein.

 

Verteidiger Steinacker:

Erinnern Sie sich, wann Herr Doktor Wagner – Sie haben das mal früher gesagt in Ihrer Aussage – weggekommen ist aus Klausenburg?

 

Dolmetscher Dienesch:

Tudja hogy mikor hagyta el Wagner doktor Kolozsvárt?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Az időre nem emlékszem, csak azt tudom, hogy elhagyta.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ich weiß nur, daß er Klausenburg verließ, jedoch nicht, wann.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, darf ich Ihnen vorhalten, Sie haben früher mal gesagt: »Ich erinnere mich daran, daß Doktor Wagner im Jahr 1942 eingezogen worden ist. Ob das vor oder nach der Arisierung war, weiß ich nicht.«

 

Dolmetscher Dienesch:

Előbb Ön azt mondta, hogy emlékszik, hogy Wagner doktor 42-ben vonult be. Hogy ez a zsidóüldözés előtt volt vagy azután, ezt nem tudja?

 

Verteidiger Steinacker:

Mich interessiert nur, ob dieses Datum, das er damals angegeben hat, nach seiner Erinnerung richtig und zutreffend ist.

 

Dolmetscher Dienesch:

Engem csak az érdekel, hogy ez a dátum helyes-e vagy nem.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Ez 42-ben lehetett.

 

Dolmetscher Dienesch:

Es muß 42 gewesen sein.

 

Verteidiger Steinacker:

Danke schön. Ach so, Herr Vorsitzender, noch den Vorhalt, um den ich gebeten habe, Blatt 11.323, ein Brief vom 24.1.62.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Zeuge, am 29. Januar 1962 hat Ihnen der Untersuchungsrichter einen Brief geschrieben. Und zwar schreibt er darin – ich kann ihn ja mal kurz verlesen: »In der Auschwitz-Angelegenheit bestätige ich dankend den Eingang Ihres Schreibens. Ihrem Wunsche entsprechend möchte ich Sie darüber informieren, was mich veranlaßt hat, Sie als Zeugen für dieses Verfahren in Betracht zu ziehen.

Angeschuldigt ist unter anderem ein Doktor Victor Capesius. Capesius war vor dem Krieg Repräsentant der IG Farbenindustrie in Rumänien. Capesius war dann 1944 als SS-Offizier in Auschwitz tätig. Ich habe bereits einen Zeugen, Josef Glück, der jetzt in Haifa wohnt und früher in Klausenburg ansässig war, vernommen. Der Zeuge Glück hat bekundet, bei seiner Ankunft in Auschwitz sei Doktor Capesius auf der Rampe in Birkenau als selektierender Offizier hervorgetreten. Der Zeuge Glück hat weiter ausgeführt, daß er mit Ihnen zusammen in Auschwitz angekommen sei und daß Sie ebenso wie er Doktor Capesius erkannt hätten.

Ich darf Sie zunächst informatorisch bitten, mir mitzuteilen, ob Sie sich an diese Vorfälle noch erinnern. Falls dies zutreffen sollte, würde ich mir vorbehalten, Sie zu bitten, zu einer zeugenschaftlichen Vernehmung nach Frankfurt am Main zu kommen. Da das Auschwitz-Verfahren möglichst bald zu einer Hauptverhandlung gebracht werden soll, wäre ich Ihnen für eine baldige Beantwortung meines Schreibens außerordentlich verbunden.« 7 Das ist das Schreiben, das der Untersuchungsrichter an Sie geschrieben hat. Können Sie sich daran erinnern?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Azt a bíró írta nekem?

 

Dolmetscher Dienesch:

Igen, a vizsgáló bíró írt Önnek egy levelet januáris 29.-én 1962.-ben, ahol ő az Ön kérésére megmagyarázta, hogy miről van szó, hogy doktor Capesius ügyéről van szó, és azt is megírta, hogy magán kívűl még tud egy más tanuról, még pedig Glück úrról, jelenleg Haifán él, és ez a Glück úr látta hogy Capesius úr a rámpán állt Auschwitzban és szelektált. S a bíró úr kérdezte magát, hogy Ön emlékszik-e erre és akar-e itt mint tanu fellépni.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen. Igen.

 

Dolmetscher Dienesch:

Emlékszik erre a levélre?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát hogyne, én először kaptam meghívót és nem tudtam miről van szó.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, ich erinnere mich an dieses Schreiben. Ich bekam zuerst eine Einladung, und ich wußte überhaupt nicht, von was die Rede sei.

 

Verteidiger Steinacker:

Was haben Sie denn auf diesen Brief geantwortet?

 

Dolmetscher Dienesch:

Mit válaszolt erre a levélre?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát hogy most elutazom Svédországba és majd ide írjanak nekem megint és akkor majd ha szükséges, akkor el fogok jönni tanunak.

 

Dolmetscher Dienesch:

Daß ich nach Schweden verreise und daß ich ersuche, mir nach Schweden zu schreiben, und falls es notwendig sei, würde ich als Zeuge auftreten.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Herr Vorsitzender, ich bitte, doch auch noch den Brief vorzulesen, den der Zeuge auf die erste Anfrage des Untersuchungsrichters dem Untersuchungsrichter geschrieben hat. Nach meinen Feststellungen müßte der auf [+ Blatt] 11.323 sein. Ich könnte mir aber auch was Falsches aufgeschrieben haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Nein.

 

Verteidiger Steinacker:

Weil der Brief vom 29., das ist die Mitteilung des Untersuchungsrichters an den Zeugen. Ich wollte aber den Brief vorgelesen haben, den der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also auf [+ Blatt] 323, da befindet sich ein Brief eines Desiderius Samu. Das ist aber nicht er.

 

Verteidiger Steinacker:

Ach, das ist nicht er?

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Er heißt ja doch Ehrenfeld.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, aber auf derselben Seite muß doch ein zweiter Brief sein.

 

Vorsitzender Richter:

Da ist ja nur ein Blatt, 1.323. Das ist ein Brief von einem Doktor Desiderius Samu, der an den Untersuchungsrichter schreibt. Der nimmt Bezug auf einen anderen Brief, den ihm der Untersuchungsrichter auch geschrieben hat, an den Samu.

 

Verteidiger Steinacker:

Aber nicht ein Schreiben des Zeugen?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, er heißt ja Ehrenfeld.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, ja. Ergibt sich aus dem Brief des Untersuchungsrichters vom 29.1. an den Zeugen, auf welchen Brief der Untersuchungsrichter antwortet?

 

Vorsitzender Richter:

Moment mal. Hier ist ein Brief vom 14.1.

 

Verteidiger Steinacker:

Richtig, ja, den meine ich. Den meine ich.

 

Vorsitzender Richter:

11.322, ja?

 

Verteidiger Steinacker:

Da habe ich mich in der Seitenzahl geirrt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da heißt es: »Ich erhielt Ihr wertes [+ Schreiben] vom 20.10.61 erst in diesen Tagen und teile Ihnen höflichst mit, daß ich Ihrem Wunsch nachzukommen gerne bereit bin. Doch vorher möchte ich ausführlich wissen, [...] worüber es sich handelt, ob ich mich auf die vor 15 Jahren geschehenen Erlebnisse erinnern kann. Ich ersuche Sie höflichst, Ihre werte Rückäußerung auf folgende Adresse aussenden zu wollen.« 8

Also das heißt, er schreibt in diesem Brief, er würde der Ladung gerne nachkommen. Vorher möchte er aber ausführlich wissen, worüber er vernommen werden sollte und ob er sich an diese Vorgänge auch noch erinnern könne. Daraufhin hat ihm der Untersuchungsrichter geschrieben, worum es sich handelt. Das habe ich ja vorgelesen.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja. Jetzt habe ich doch eine Frage. Herr Zeuge, vorhin auf meine Frage, ob Sie Herrn Glück gekannt haben und ob Sie mit ihm Verbindung haben, haben Sie gesagt, Sie wüßten überhaupt nicht, wo Herr Glück sich befindet. Ich darf Ihnen den Vorhalt machen, daß sich aus dem Brief des Untersuchungsrichters an Sie, den Sie eben bestätigt haben, ergibt, daß er Ihnen die Adresse des Herrn Glück angegeben hat.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Haifa ist keine Adresse. Das ist keine Adresse.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das ist unzutreffend. Er hat lediglich angegeben, daß er in Haifa wohnt, keine Adresse.

 

Verteidiger Steinacker:

Na ja. Gut. Haifa ist nicht so groß.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Hat 200.000 Einwohner.

 

Verteidiger Steinacker:

Na ja. Das gleiche gilt vielleicht für Klausenburg.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [...]

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein, 300.000 Einwohner hat Haifa.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich hätte noch eine Frage

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

An Herrn Ehrenfeld, und zwar in seiner Eigenschaft als Nebenkläger. Er wird ja von mir vertreten in dieser Eigenschaft. Herr Ehrenfeld, ist es richtig, daß Sie außer Ihrer Frau und Ihren beiden Kindern und der Schwiegermutter auch Ihre Mutter und Ihre beiden Schwestern in Auschwitz verloren haben?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ehrenfeld úr, helyes-e, hogy a feleségén és a gyerekein kívül még a saját édesanyát is elvesztette Auschwitzban? [...]

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Das ist richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und die weitere Frage: ob Sie in dem gleichen Transport waren wie Sie, Ihre Frau und Ihre Kinder.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Meine Mutter und Schwestern sind ein oder zwei Tage früher angekommen. Ich habe sie nicht mehr gesehen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Laternser:

Herr Zeuge, Sie haben auf die Fragen des Herrn Vorsitzenden erklärt, daß Sie die Herren Hartmann und Abraham in Auschwitz nicht gesehen haben, auch nicht bei der Ankunft.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ön az elnök úr kérdésére azt válaszolta, hogy Abrahamot és Hartmannt nem látta Auschwitzban

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Most is azt válaszolom.

 

Verteidiger Laternser:

Und Sie sagten auch noch, daß Sie nicht wüßten, ob die Herren Abraham und Hartmann von Herrn Doktor Capesius selektiert worden sind.

 

Dolmetscher Dienesch:

Még azt is mondta, hogy nem tudja, hogy Abraham és a másik úr Capesius által

 

Zeuge Albert Ehrenfeld [unterbricht]:

Hát csak ő szelektált aznap.

 

Dolmetscher Dienesch:

An dem Tag selektierte nur Herr Capesius.

 

Verteidiger Laternser:

Nun, aber Sie haben es ja nicht gesehen?

 

Dolmetscher Dienesch:

De nem látta.

 

Verteidiger Laternser:

Nun möchte ich Sie fragen: Wie kommt es, daß Sie folgendes dem Untersuchungsrichter zu Protokoll gegeben haben? Ich zitiere von Blatt 12.894, wörtlich: »In dem angekommenen Transport befanden sich auch zwei Herren aus der Firma Royal. Es handelte sich um Franz Hartmann, der Direktionsmitglied war, und Josef Abraham9

 

Dolmetscher Dienesch:

A megérkezett szállításban Abraham és Hartmann, a Royál cég tagjai is voltak?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Wie kommt es, daß Sie das ausgesagt haben, obwohl Sie nicht wissen, ob die beiden überhaupt nach Auschwitz gekommen sind?

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ich widerspreche dieser Frage. Die Frage ist eindeutig beantwortet. Der Zeuge hat gesagt: »Die beiden Herren waren in dem Transport, nur beim Aussteigen auf der Rampe habe ich sie nicht gesehen.«

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Genau so habe ich es gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also wollen wir die Frage so stellen vielleicht, Herr Rechtsanwalt: Wieso wissen Sie, daß die Leute in Ihrem Transport waren? Haben Sie gesehen, wie die mit Ihnen eingeladen worden sind?

 

Dolmetscher Dienesch:

Látta, mikor beszálltak, vagy felszálltak?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Persze, láttam.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja, das habe ich gesehen.

 

Verteidiger Laternser:

Aber Sie wissen ja nicht, ob sie angekommen sind, nicht?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Nein. Angekommen sind?

 

Verteidiger Laternser:

Ob sie angekommen sind, das wissen Sie nicht. Nun weiter. Sie sagen dann vor dem Untersuchungsrichter weiter aus: »Sie waren kräftiger als ich. Trotzdem sind sie nicht nach rechts, sondern nach links selektiert worden.« 10 [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ich habe das schon vorgehalten, Herr Rechtsanwalt. Wörtlich schon vorgehalten. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Ja. Dann aber, zum Schluß, sagen Sie zu diesem Kapitel auf Seite 4: »Ich schließe, daß Capesius über diese Rüge erbost war und daraufhin in Auschwitz Hartmann und Abraham, die nach ihrer körperlichen Verfassung an sich nach rechts gehört hätten, nach links selektierte. Ich weiß bestimmt, daß Capesius Hartmann und Abraham gekannt hat.« 11 Wie kommen Sie dazu, diese Behauptung aufzustellen, ohne selbst die Tatsachen zu wissen?

 

Dolmetscher Dienesch:

Még azt is mondta,hogy

 

Verteidiger Laternser [unterbricht]:

Würden Sie dafür mal eine Erklärung abgeben?

 

Dolmetscher Dienesch:

Azt is mondta a vallomáson

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Ich widerspreche der Frage. Der Zeuge hat nicht gesagt: »Ich behaupte«, sondern es steht klar und deutlich im Protokoll: »Ich schließe«.

 

Verteidiger Steinacker:

Über diese Rüge. Daß er über die Rüge erbost war, ja.

 

Verteidiger Laternser:

Und ich frage den Zeugen danach, wie er zu diesem Schluß kommt.

 

Vorsitzender Richter:

Gut. Wie kommen Sie zu dem Schluß, Herr Zeuge, daß diese beiden Herren, Hartmann und Abraham, deshalb ums Leben gekommen sind – was Sie ja praktisch damit sagen –, weil die beiden die Rüge gegen Doktor Capesius seinerzeit erhoben hatten?

 

Dolmetscher Dienesch:

Hogy jött Ön erre a gondolatra, hogy Capesius azért szelektálta Hartmannt és Abrahamot balra, szóval a halálra, mert ők panaszkodtak róla?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Hát ez csak egy hipotézis a részemről, mert különben az egészséges, erős, nem öreg embereket, minde t jobbra tették.

 

Dolmetscher Dienesch:

Das ist nur eine Hypothese von mir, weil im allgemeinen die starken und kräftigen Männer am Leben blieben.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Und nicht zu alte Männer. [...]

 

Verteidiger Laternser:

Das genügt mir als Antwort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist sonst noch eine Frage zu stellen? Von seiten der Verteidigung? Von seiten der Angeklagten? Hat der Angeklagte Capesius eine Erklärung abzugeben oder eine Frage zu stellen? Bitte schön.

 

Angeklagter Capesius:

Ich erkläre dazu, was ich auch schon bei meiner Gegenüberstellung gesagt habe: Ich bestreite, antisemitische Propaganda betrieben zu haben. Das bezieht sich sowohl auf die geschäftliche als auch auf die private Sphäre. Die näheren Umstände, die das Ausschließen wahrscheinlicher machen, sind dem Gericht bekannt; durch meine Frau bedingt. Außerdem, wenn ich wirklich selektiert hätte und die Herren gekannt hätte, warum hätte ich dann gerade den Schwächsten und den Direktor, der mich so gerügt hätte, verschonen sollen? Ich habe keinen von denen selektiert und auch nicht gekannt. Ich kenne einen Arzt gleichen Namens, Abraham, aber ich kenne keinen Josef Abraham, der bei [unverständlich] war.

 

Vorsitzender Richter:

Der bei Royal beschäftigt war?

 

Angeklagter Capesius:

Den kenne ich nicht. Doktor Wagner war Arzt und wissenschaftlicher Vertreter von Bayer. Doktor Wagner war nicht mein Chef, sondern ein Gleichgestellter. Mein Chef war Doktor Gustav Sonntag in Bukarest, den der Zeuge genauso gut kennt und das auch bei der Gegenüberstellung ja zugegeben hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß mir Doktor Wagner wegen der Art und Weise meiner Propaganda je irgendeinen Vorhalt gemacht hat. Und ich bin in derartiger Weise jedenfalls nicht tätig geworden. Ich bestreite hier die mir insoweit zur Last gelegte Handlung. [Pause] Ich bin am 2. Oktober 40 von Klausenburg weggegangen, eventuell am 10.11.40, jedenfalls nicht später.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Erklärungen mehr sonst von den Angeklagten? Werden bezüglich der Beeidigung Anträge gestellt? Keine Anträge. Dann ist der Zeuge zu beeidigen. Herr Ehrenfeld, können Sie das, was Sie uns gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Dolmetscher Dienesch:

Ehrenfeld úr, megeskedhetik mindenre, amit itten kijelentett?

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Igen, meg.

 

Dolmetscher Dienesch:

Ja.

 

Zeuge Albert Ehrenfeld:

Legfeljebb abban nem, hogy a pontos dátumokra nem emlékszem.

 

Dolmetscher Dienesch:

Nur die genauen Daten kann ich nicht beschwören.

 

Verteidiger Steinacker:

[unverständlich] den Zeugen unbeeidigt zu lassen, und zwar als Verletzten. [Pause] Er hat viele Angehörige nach seiner eigenen Darstellung verloren, und das rechtfertigt die Tatsache, daß der Zeuge nicht beeidigt wird. Deshalb ist er auch Nebenkläger.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich trete dem Antrag entgegen. Dann dürfte jeder Verletzte in diesem Verfahren – und es gibt unendlich viele Verletzte – nicht beeidigt werden. Der Zeuge hat ein Recht und einen Anspruch darauf, daß er seine Aussagen unter Eid machen kann. Ich bitte darum.

 

Verteidiger Laternser:

Das ist keine Begründung, die Herr Kollege Ormond soeben gegeben hat. Die Begründung ergibt sich aus dem Gesetz, und die ist vom Kollegen 12.

 

– Schnitt –

 

1. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.892.

2. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.893.

3. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.893.

4. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.896.

5. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.894.

6. Vgl. Schreiben des Zeugen Ehrenfeld vom 14.01.1962 an das Landgericht Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 61, Bl. 11.322.

7. Vgl. Schreiben des Untersuchungsrichters Düx vom 29.01.1962 an den Zeugen Ehrenfeld, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 61, Bl. 11.321.

8. Vgl. Schreiben des Zeugen Ehrenfeld vom 14.01.1962 an das Landgericht Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 61, Bl. 11.322.

9. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.894.

10. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.894.

11. Vgl. richterliche Vernehmung vom 02.07.1962 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 69, Bl. 12.895.

12. Der Zeuge Ehrenfeld wurde beeidigt. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 17.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101, Bl. 609.

 

 

 
 
 
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