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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

67. Verhandlungstag, 17.7.1964

 

Vernehmung der Zeugin Helene Cougno

 

Vorsitzender Richter:

haben nichts dagegen. Nun, Frau Cougno, Sie sind also in diesem Güterwagen angekommen.1 Und wer hat Ihnen nun befohlen, daß Sie aussteigen sollten?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das war so ein Durcheinander, SS-Leute und Kapos sind gekommen: »Alles raus, raus, raus! Schnell, schnell, schnell, schnell!«, das berühmte Auschwitz-Tempo, und sofort Männer und Frauen getrennt, die alten Leutchen mit den Kindern, die – wie wir später erfahren haben – nicht fähig waren zum Arbeitseinsatz, Krüppel, Kranke und so weiter und so fort, Frauen extra und Männer extra. Und wir wurden in Fünferreihen aufgestellt zum Arbeitseinsatz. Und wir hatten ein großes Glück – ich weiß auch nicht, wie das gekommen ist –, mein Mann, die Kinder und ich, wir haben uns ein bißchen abseits gestellt und haben gesprochen untereinander. Und da ist vom Arbeitseinsatz Sell vorbeigekommen und hat gefragt, ob wir Deutsch können, Schreibmaschine und so weiter und so fort. Worauf wir bejaht haben, was für Sprachen wir auch können. Und da wir jeder einige Sprachen können, wurden wir sofort eingeteilt zur Politischen Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Wer?

 

Zeugin Helene Cougno:

Meine Tochter und ich. Meine Tochter war in der »Lebendabteilung«, und ich war in »Totenabteilung«, also das waren die Namen der zwei Büros. Und mein Mann und mein Sohn wurden erst als Dolmetscher für die Griechen-Transporte eingesetzt, und dann waren sie in der Häftlingsschneiderei. Wie die Transporte sich dann vermindert haben und keine Arbeit [+ mehr da war], wurden sie in die Häftlingsschneiderei versetzt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie bitte, um noch einmal zurückzukommen zu dem Augenblick der Ankunft: Sie sagen, es war ein großes Geschrei, die SS

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Mit Prügel – also das bekannte, das wissen Sie ja auch, wer nicht schnell geht, der hat halt mal ein paar draufbekommen, geschubst und so weiter und so fort. Koffer dalassen und das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, wo blieben die Koffer, in dem Wagen drin?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, das war alles auf der Rampe draußen.

 

Vorsitzender Richter:

Also die Koffer mußten Sie aus dem Wagen herausnehmen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, alles war raus, alles war raus.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann haben Sie nun den Koffer neben sich in der Hand gehabt.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein. Wir wurden weiter getrieben. Wir hatten die Koffer nicht in der Hand. »Los, los, los, das braucht man nicht, das braucht man nicht!«

 

Vorsitzender Richter:

Koffer stehenlassen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, alles stehenlassen.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie haben wahllos die Koffer stehenlassen, wo sie grade standen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dann hieß es: »Schnell, schnell!« Und wer hat Ihnen denn nun den Befehl gegeben, sich so einzuordnen: Frauen, Männer, Kinder?

 

Zeugin Helene Cougno:

Männer. Das waren sowohl, wie wir später erfahren haben, Kapos, also Häftlinge, und SS-Leute.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber an Namen und Persönlichkeiten können Sie sich nicht mehr erinnern?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein. Nein, unmöglich.

 

Vorsitzender Richter:

Unmöglich. Nun, nachdem Sie sich also schon so aufgegliedert hatten in Frauen, Männer, in Arbeitsunfähige und Greise und Kinder und so weiter, wer hat denn nun bestimmt, wer zur Arbeit geht und wer nicht zur Arbeit geht?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich weiß nicht, ich glaube, das war ganz willkürlich, SS-Leute, die die Leute gesehen haben, ob die arbeitsfähig sind oder nicht arbeitsfähig. Ich glaube, das war eine ganz willkürliche Sache, wie es eben gerade gekommen ist. Nicht nach einem gewissen Schema.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, bestimmt nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob ein Arzt dabei war?

 

Zeugin Helene Cougno:

Kann ich Ihnen auch nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie haben doch nachher in Ihrer Tätigkeit so ein bißchen einen Einblick bekommen in die

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, also da haben wir gehört davon. Denn wir haben ja alles schriftlich gehabt, alle Befehle. Und das wurde ja schriftlich bei uns durchgegeben. Das weiß ich, es sollte immer ein Arzt dabeisein.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie nachträglich erfahren.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, das ist nachträglich.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber ob in dem Moment, wo Sie angekommen sind, ein Arzt dabei war, das wissen Sie nicht?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, das kann ich Ihnen nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nun, Sie waren auch damals sicher sehr aufgeregt und haben deshalb so auf die Einzelheiten

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, wir waren sechs Tage unterwegs, unter sehr schlechten Verhältnissen, 80 Menschen in einem Viehwaggon, die sanitären Verhältnisse überhaupt nicht und sehr wenig Wasser. Also können Sie sich denken, wie wir heraus sind, waren wir eigentlich nicht sehr zurechnungsfähig.

 

Vorsitzender Richter:

Richtig, ja. Nun, Sie sind also dann mit einer Anzahl von Frauen vermutlich ins Lager gekommen, oder waren da Männer und Frauen gleichzeitig?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, es waren nur Frauen allein und Männer.

 

Vorsitzender Richter:

Männer allein.

 

Zeugin Helene Cougno:

Aber ich glaube, wir waren damals die einzigen, meine Tochter und ich, die in den Büroblock, das sogenannte Stabsgebäude, nach Auschwitz gekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Und die anderen Frauen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Und die anderen sind nach Birkenau. In Auschwitz selbst war 1943 noch kein Frauenlager. Das kam erst später.

 

Vorsitzender Richter:

Sie meinen im Stammlager?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, die waren unten in Birkenau, nicht [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die waren in Birkenau.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht im Stammlager Auschwitz. Im Stammlager Auschwitz I waren ja nur Männer. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Mit Ausnahme des Blocks 10 [unverständlich]

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Block 10 und unser Block, also das Stabsgebäude, das außerhalb des elektrischen Stacheldrahtes war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie auch in dem Stabsgebäude gewohnt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Wir haben unten im Keller gewohnt. Und oben haben die Aufseherinnen gewohnt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Würden Sie uns vielleicht an der Karte da hinten einmal zeigen, wo dieses Gebäude war? [Pause] Zu Ihrer Orientierung, da unten steht ein schwarzer Pfeil. Das ist der Eingang zu dem Lager, wo da diese Aufschrift stand »Arbeit macht frei«. Und von dort aus ging man dann rechts, das soll der Küchenbau sein, diese

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Rechts, das?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, nein, nein. Hier. Zeigen Sie mal den Pfeil, den schwarzen. Da, jawohl. Da ist der schwarze Pfeil.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und das ist der Küchenbau.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Können Sie sich jetzt ungefähr zurechtfinden?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, denn schauen Sie, wir waren außerhalb des Lagers.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Jetzt, wenn Sie mal genau sehen wollen, da läuft der Stacheldraht nach dem ersten Gebäude, links. Da läuft der Stacheldraht durch.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Da sind aber unsere Bürogebäude.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Jetzt zeigen Sie mal bitte auf Ihren Bürobau.

 

Zeugin Helene Cougno:

Da war unser Bau. Und hier war das sogenannte Standesamt, das gehörte auch zur Politischen Abteilung mit. Und hier ist Krematorium I gewesen, was nicht mehr benutzt wurde, wie ich dort war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. Also das Standesamt I, das heißt ein Teil der Politischen Abteilung war da. Und zwar was war das für ein Bau, war das eine Baracke?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das war ein Barackenbau, [...] und das waren Steingebäude.

 

Vorsitzender Richter:

Das waren Steingebäude, ja. Jawohl.

 

Zeugin Helene Cougno:

Richtige Gebäude, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, schön.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und wir haben gewohnt im Stabsgebäude. Das ist meiner Ansicht nach hier. Denn das war ganz außerhalb des Lagers, außerhalb des Stacheldrahtes.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal in Ihrer Zeit etwas von dem sogenannten Theaterbau gehört? [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist das nicht der Theaterbau, wo Sie da eben drauf gezeigt hatten, rechts außen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich müßte sie anlügen, aber nach meiner Meinung – ich war auch in Auschwitz vor zwei Jahren –, nach meiner Orientierung muß das Stabsgebäude hier sein. Denn das war dann wieder nachher das neue Lager, glaube ich, das neue Frauenlager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich nicht, verstehen Sie

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Können Sie nicht bestimmt sagen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Jedenfalls Sie haben dort gearbeitet, links. [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl, jawohl, und zwar vis-à-vis vom Block 1 habe ich gearbeitet.

 

Vorsitzender Richter:

Wo? Wollen Sie mal drauf zeigen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Hier ist Block 1, also hier hat irgendwo der Lagerkommandant gewohnt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, da oben in dem Häuschen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, da hat er gewohnt. Hier war Block 1, also hier haben wir gearbeitet, und dann muß hier die Baracke gewesen sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ganz recht, ja, das stimmt.

 

Zeugin Helene Cougno:

Da muß hier die Baracke gewesen sein, und dann sind wir [unverständlich] durch einen Eingang.

 

Vorsitzender Richter:

Aber gewohnt, geschlafen haben Sie auf der anderen Seite?

 

Zeugin Helene Cougno:

Im Stabsgebäude. [...] Außerhalb des Stacheldrahts.

 

Vorsitzender Richter:

Des Stacheldrahts. So, dann kommen Sie bitte wieder hierher. In der zweiten Baracke haben Sie gearbeitet oder in der ersten?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, ich habe im Hauptgebäude gearbeitet. In der Politischen, nicht im Standesamt. Ich habe nicht in der Baracke gearbeitet, sondern daneben.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, nein, nein, in dem Steinhaus.

 

Zeugin Helene Cougno:

Im Steinhaus.

 

Vorsitzender Richter:

Aber da stehen doch drei Steinhäuser hintereinander.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, das eine war das SS-Revier, das erste, die Verwaltung das zweite, und die dritte war die Politische Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, da sind wir meines Erachtens bisher anders beschieden worden. [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Vis-à-vis vom Krematorium I war das SS-Revier. Dann war die Verwaltung. Und dann war unsere Politische Abteilung, und vis-à-vis, ein kleines Stückchen über die Straße, war die Baracke, wo das Standesamt war. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also ich muß Sie doch bitten, noch einmal hinzugehen an die Karte. [...] Denn das haben wir bisher ganz anders geschildert bekommen. Also da oben sehen Sie das kleine Häuschen, das war das Häuschen von dem Kommandanten.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das war von dem Kommandanten, jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Jetzt kommt das erste Haus. Was war da drin?

 

Zeugin Helene Cougno:

Die Politische war drin, Kommandantur, ja, die Politische Abteilung, Kommandantur.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Moment, Kommandantur oder Politische Abteilung?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das hieß die Kommandantur. Aber darin waren wir auch untergebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Ganz da oben in dem ersten Haus?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, hier unten, hier unten, ja. Denn ich weiß es ganz genau, Herr Staatsanwalt, denn mein Mann und mein Sohn waren im Block 1, und vom Fenster meines Büros habe ich sie gesehen – erlauben Sie –, wenn die hier Appell gestanden sind. Dadurch weiß ich das genau. Das können Sie sich denken.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht, denn wenn

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also in dem ersten Haus waren Sie in der Politischen Abteilung tätig.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht im Standesamt, das war vis-à-vis.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, nein, nicht im Standesamt. Aber das war doch dann gar nicht gegenüber der Politischen Abteilung?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, wir sind schräg hinübergegangen.

 

Vorsitzender Richter:

Schräg hinüber gegangen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir sind über die Straße und schräg hinüber gegangen.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Also das heißt, das erste Haus nach dem Wohnhaus des Kommandanten, das war Ihr Arbeitsgebiet, nämlich die Politische Abteilung. Na, dann bitte nehmen Sie wieder Platz. Ich hatte bisher eine andere Vorstellung von der Situation.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich weiß das so genau, weil mein Sohn und mein Mann dort waren. Sie können sich denken, jedesmal, wenn Appell war, daß ich, ob es erlaubt war oder nicht, zum Fenster gegangen bin und geschaut habe...

 

Vorsitzender Richter:

Ob sie noch da sind und wie es ihnen geht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ob sie noch da sind. Und dort war auch im Anfang die Schneiderei untergebracht, die dann nachher außerhalb des Lagers in den neuen Räumen untergebracht wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Frau Cougno, das war also etwa am 20. März 43, wie Sie hingekommen sind.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie wurden sofort

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nach drei bis vier Tagen.

 

Vorsitzender Richter:

Nach drei bis vier Tagen, das heißt also, wo Sie vielleicht in Quarantäne waren oder...

 

Zeugin Helene Cougno:

Die wurde aufgehoben. Und wir waren einen Tag in Auschwitz, dann wurden wir überstellt, meine Tochter und ich, in die Politische Aufnahme in Birkenau für einige Zeit, um die griechischen Transporte zu übernehmen, da wir beide Griechisch und Deutsch sprachen und Spanisch – weil doch da sehr viel Spanisch gesprochen wird – und wir dadurch als Dolmetscher [gebraucht wurden.] Wie dann die griechischen Transporte abgeflaut sind, wurden wir zurückgebracht in die Politische Abteilung nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo waren Sie in Birkenau damals tätig?

 

Zeugin Helene Cougno:

In der Politischen Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wo war die?

 

Zeugin Helene Cougno:

Die war ungefähr vis-à-vis von der Küche in Birkenau, im Frauenlager, nur fürs Frauenlager, nicht fürs Männerlager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wenn Sie mal an diese Karte sehen wollen, das ist das Lager Birkenau. Da ist links das Frauenlager.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kommt die Rampe und dann rechts das Männerlager.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das muß ungefähr hier gewesen sein, da müßte irgendwo die Küche gewesen sein.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Hier oder hier?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein. Ja. Jetzt weiß ich nicht genau, welche die Küche war, neben der »Sauna« waren wir, wir haben

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die »Sauna«, die liegt da, wo der Buchstabe B steht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Da ungefähr, ja?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Also wir waren in der »Sauna«2 installiert. Die Politische Abteilung Birkenau war in der »Sauna«. Vorne hatten wir ein Büro, um alle diese Papiere auszufüllen, und dann kamen die Leute in eine Baracke, wo sie tätowiert worden sind. Nachher kamen sie in die »Sauna«, wo die Haare geschnitten worden sind, Häftlingskleidung und so weiter und so fort. Und nachher kamen sie wieder durch unser Büro. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, dann bitte nehmen Sie wieder Platz. Sie haben also dort einige Tage gearbeitet, bis die

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Einige Wochen.

 

Vorsitzender Richter:

Einige Wochen, bis die griechischen Transporte abgewickelt waren, und sind dann zurückgekommen in das Stabsgebäude, [...] wo Sie uns vorhin schon davon erzählt haben. Nun, Sie sind wie lange geblieben, in dieser Politischen Abteilung?

 

Zeugin Helene Cougno:

Bis das Lager am 17. Januar 1945 aufgelöst wurde, das heißt, wie wir zurückgehen mußten.

 

Vorsitzender Richter:

Am 17. beziehungsweise 18. Januar, nicht?

 

Zeugin Helene Cougno:

17.

 

Vorsitzender Richter:

17. Ja. [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, es wurde ja eingeteilt in Transporte [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In verschiedene Transporte.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren also jedenfalls in einem Transport am 17. dabei. Ja. Nun, wollen Sie uns bitte von dieser Tätigkeit erzählen, wem waren Sie zugeteilt und was war Ihr Arbeitsgebiet?

 

Zeugin Helene Cougno:

Mein Arbeitsgebiet war die Totenabteilung. Das wurde deshalb so genannt: Wenn die Totenmeldungen aus den Revieren kamen oder von »SB«, so wurde die Kartei herausgesucht – also das ist jetzt von Sammeltransporten, nicht von Gestapoüberstellungen, sondern von Sammeltransporten –, da wurde die Kartei herausgesucht des Häftlings, Mann oder Frau, wurde ein Kreuz gemacht »verstorben am Soundsovielten«, wurde aus der Lebendkartei herausgenommen in die Totenkartei. Bei »SB«– das wissen Sie ja, was das bedeutet – wurde dasselbe gemacht. Nur wurden dann die Karteikarten ganz herausgenommen, Pakete gemacht. Und wir hatten unten dann im Krematorium I ein Zimmer, wo wir unsere alten Akten hatten und unsere alten Karteikarten, die...

 

Vorsitzender Richter:

Abgelegt waren.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht gebraucht waren. Und wenn man dann wieder mal eine Akte gebraucht hat für irgend jemanden – das wurde immer am Jahresschluß gemacht –, mußte man heruntergehen und die Akte eben wieder heraussuchen und heraufbringen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und in der Totenabteilung haben wir dann noch folgendes gemacht: Also wenn es ein Pole, also kein Jude, ein Nichtjude war, oder ganz egal welcher Nationalität, aber Nichtjude, da kam noch die Akte, die wurde auch beschrieben, zum Beispiel: Verstorben am Soundsovielten um soundso viel Uhr an der und der Krankheit. [...] Also das wurde dann aufgeschrieben nach Minute, nach Sekunde und die Krankheitsursache.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Also das war ja nur gut für uns, so hatten wir einen schreibenden Beruf. Und waren unter Dach und Fach. Denn das ganze war ja eine Komödie. Sie glauben doch nicht, daß im Krankenbau [irgend jemand] genau dabei war, wie der Häftling gestorben ist. Das hat man schon alleine abgemacht. Nur wenn [+ man] dann gekommen ist und man hat die Leute tot gefunden – ich war selbst im Krankenbau krank gelegen –, hat man eben verschiedene Zeiten auch angegeben, daß man nicht so sieht, daß der vielleicht schon die ganze Nacht gelegen ist oder...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Das war in der Totenabteilung. Meine Tochter, es war ein ganz kleines Mädel von 16 Jahren, die hat in der sogenannten Lebendabteilung gelebt. Also da wurden die Akten abgelegt. Es wurde ja über jeden Häftling ein Akt, sagen wir, oder ein Papier – bei Sammeltransporten war es ja nur ein Blatt, und bei Transporten, ob das jetzt Jude oder Christ war – von der Gestapo eingeliefert, da war immer

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ein Aktenstück dabei, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ein Akt. Und das war in der Lebendabteilung. Natürlich, wenn Untersuchungen waren und Vernehmungen, da wurde das rausgesucht, kam von uns weg, also von der Lebendabteilung, kam hinüber, wo eben die Untersuchungen waren, drüben im Standesamt, und kam dann wieder zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun sagten Sie eben etwas von Sammeltransporten. Die Leute, die mit einem Sammeltransport ankamen und gar nicht ins Lager gekommen sind, weil sie eben nicht für arbeitsfähig begutachtet wurden, was geschah denn mit diesen Leuten?

 

Zeugin Helene Cougno:

Diese Leute kamen nach Birkenau, Krematorium III und IV, wurden vergast und verbrannt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, und was geschah – ich meine jetzt einmal büromäßig –, bekamen die auch eine Karteikarte angelegt, bekamen die ein Aktenstück?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein. Wir wußten es nur. Sie wissen ganz bestimmt, das Lager ist ja wie das Leben. Es wird getratscht. Wir wußten, wann Transporte kamen. Das haben wir ja sowieso gewußt, wenn ein Transport erwartet wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Sie haben mich vielleicht nicht ganz richtig verstanden.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, aber es wurden keine offiziellen Papiere davon angelegt, keine Kartei und keine Akte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wieso wußte man denn, daß diese Leute tatsächlich alle angekommen waren und daß sie alle zu Tode gebracht worden waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wußten wir unter uns Häftlingen, von den Leuten auch, die am Krematorium gearbeitet haben. Sie werden sagen, die wurden alle drei Monate vergast, schön. Aber es ist durchgesickert, es waren die Läufer, die von einem Lager zum anderen kamen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, es dreht sich jetzt nicht so sehr darum, daß die Leute tatsächlich vergast wurden, sondern ich meine jetzt: Hatten Sie in der Politischen Abteilung gar keine Stelle, die festgehalten hat, daß, will ich mal sagen, an dem heutigen Tage ein Transport gekommen ist von 2.000 Menschen oder drei Transporte gekommen sind von je 1.000 Menschen und daß von diesen 3.000 Menschen, will ich mal sagen, 2.500 oder 2.800 ins Gas geschickt worden sind und der Rest ins Lager gekommen ist?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wußten wir nur bei Transporten, von denen ein gewisser Arbeitseinsatz ins Lager kam.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und zwar von den Leuten [...] wiederum, gesprächsweise.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, nein, nein, wir wußten ganz genau, es wird heute ein Transport von da oder da erwartet.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Natürlich, und dann wußten wir, ungefähr war es immer die gleiche Zahl.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ich will nun wissen: Die Verwaltung des Konzentrationslagers, hatten die denn gar keine Übersicht darüber, wie viele Menschen a) angekommen und wie viele b) von diesen vergast wurden und wie viele

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Natürlich haben sie.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wo wurde denn das geführt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wurde weder bei mir in der Totenabteilung noch bei meiner Tochter [+ geführt]. Ich glaube, das wurde oben beim Oberscharführer Kirschner geführt oder bei Grabner, nachher bei Schurz. [...] Denn wie ich gekommen bin, ist Grabner weggekommen – ich habe ihn fast nicht mehr gesehen – und dann ist, ich glaube, Obersturmbannführer Schurz [+ gekommen]. Also es spielt ja keine Rolle, der Titel.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. Und Sie wissen jedenfalls nicht von diesen Dingen, wie die im einzelnen behandelt worden sind, und können uns deshalb auch Zahlen nicht angeben?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Sie sagten eben dann weiterhin, diese Karteikarten sind von Ihnen bearbeitet worden, je nachdem, ob die Leute Juden waren oder ob sie

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nein, das wurde ziemlich gleich behandelt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun sagten Sie, im einen Fall wurde noch etwas mehr dazugeschrieben, Todestag und Todesursache.

 

Zeugin Helene Cougno:

Bei den Nichtjuden wurde das in die Akten geschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

In die Akten geschrieben. Und bei den Juden wurde das

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nur auf der Karteikarte.

 

Vorsitzender Richter:

Aber da wurde es auch vermerkt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Aufgeschrieben, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wurde also trotzdem auch vermerkt: Todesursache

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, nur Todesursache, Tag

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und Tag und Stunde, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Aber nicht in den Akten, nicht in den Aufnahmebögen. Es wurde doch von jedem Häftling, der lebend hereinkam, ein Aufnahmebogen gemacht. Das wissen Sie bestimmt. Also in der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und der lief dann durch in der ganzen Lagerzeit.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, der lief durch, der wurde aufgehängt, der kam in ein Dossier – wie sagt man das –, in so einen Umschlag rein. Und der wurde aufgehängt, so wie alle anderen Akten auch im Schrank aufgehängt waren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, wie ist es nun gewesen mit diesen Todesursachen? Ist Ihnen da aufgefallen, daß dieselbe Todesursache immer wiederkehrte?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, selbstverständlich: Typhus, Durchfall, besonders Flecktyphus, Tuberkulose.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun waren das ja Krankheiten, die an sich im Lager auch tatsächlich stark vertreten waren. [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Natürlich, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ich meine nun, haben Sie auch irgendwelche Anhaltspunkte dafür, daß Todesursachen eingesetzt worden sind, die der Wirklichkeit nicht entsprochen haben?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann sehr leicht möglich sein, daß dann

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Sie wissen es nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das ging vom Krankenbau aus.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Wenn sehr viele Tote in einer Nacht waren, ist geschrieben worden, es ist Lungenentzündung oder Diphtherie oder so.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ich denke eben an etwas anderes. Ich denke daran, daß vielleicht Leute entweder ins Gas geschickt worden sind und gar nicht an einer Krankheit gestorben sind.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, die wurden ja aber überführt. Die wurden erst aus dem Häftlingskrankenbau herausgenommen und in den Block überstellt, von da dann die Leute alle vergast worden sind.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun sind aber doch auch, soviel wir bisher gehört haben, Leute direkt vom Häftlingskrankenbau ins Gas gekommen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich nicht beschwören.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das habe ich gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gehört, das wissen Sie nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich nicht beschwören. Das habe ich gehört, das habe ich nicht gesehen. Ich war selbst mit Typhus dort

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wer war denn dort Ihr Vorgesetzter in der Zeit, wo Sie dort waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Mein persönlicher Vorgesetzter war Unterscharführer Setnik.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und der Vorgesetzte von uns allen war Oberscharführer Kirschner.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und natürlich der Vorgesetzte von der ganzen Politischen Abteilung, sowohl für die SS als für uns, war erst Grabner, also an den kann ich mich nur ganz...

 

Vorsitzender Richter:

Dunkel noch erinnern, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, denn er ist sofort weggekommen, und ich war noch ein bißchen, sagen wir, mit dem Kopf angeschlagen, wie ich vom Transport gekommen bin. Und dann haben wir Obersturmbannführer Schurz gehabt, das war ein Österreicher auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und Sie haben also diese Arbeiten gemacht. Sind Sie auch mit den anderen Abteilungen der Politischen Abteilung zusammengekommen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Natürlich. Wenn was war, sind wir ins Standesamt herüber, wir mußten auch von uns Akten, Todesakten oder Lebendigakten hinübergeben. Und dann die ganzen Todesakten, die wir beschrieben haben, die kamen dann ins Standesamt herüber. Und im Standesamt mußten sie doch Beileidsbriefe nach Hause schreiben, wenn es arische Tote waren, Beileidsbriefe und die Urnen nach Hause schicken mit der Asche und so weiter und so fort. Natürlich haben wir diese Akten selbst herübergetragen. Wenn wir [+ keine] Zeit hatten, sind die Mädchen vom Standesamt gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie auch mit der Vernehmungsabteilung zusammengekommen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir haben uns alle gekannt, denn wir haben im selben Block alle geschlafen.

 

Vorsitzender Richter:

Die Mitarbeiter und die Häftlinge, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, denn das ganze war ja die Politische Abteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie auch die einzelnen SS-Leute gekannt, also zum Beispiel Broad, Boger?

 

Zeugin Helene Cougno:

Broad haben wir gekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Dylewski?

 

Zeugin Helene Cougno:

Dylewski, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Boger?

 

Zeugin Helene Cougno:

Boger haben wir gekannt, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Die sind ja auch alle zu uns rübergekommen, also nicht daß wir persönlich mit ihnen gearbeitet haben. Aber die sind zu uns rübergekommen, die haben ja auch mit Oberscharführer Kirschner oder mit Obersturmbannführer Schurz sprechen müssen, also

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie auch Stark gekannt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Stark?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

[Pause] Wenn ich ihn sehe, vielleicht, aber so

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht. Ja, bitte? Ja. Der wird auch damals wohl schon weg gewesen sein.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, ich bin erst 43

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ganz recht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich war vier, fünf Tage dort. Also Sie müssen rechnen, ab Mitte Mai war ich erst in Auschwitz wieder.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wissen Sie, wo die Vernehmungen durchgeführt worden sind in der Politischen

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Da war die Baracke. Wo unser Standesamt war, war eine Baracke, da waren die Häftlinge, und die wurden dann einzeln aufgefordert, zu denjenigen SS-Leuten zu kommen, die die Verhöre gemacht haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Natürlich, ich war nicht dabei, denn ich habe nicht dazugehört. Aber meine Kameradinnen waren dabei, und das waren meistens Frauen oder Mädchen, die natürlich Polnisch und Tschechisch sprechen konnten, daß die auch mit den Häftlingen sprechen können. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt also, aus eigener Wissenschaft können Sie uns da nichts erzählen. Sie können nur das sagen

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nur erzählen, was ich von meinen Kameradinnen gehört habe.

 

Vorsitzender Richter:

Jawohl. Nun, haben Sie einmal gesehen, daß irgendwo diese sogenannte Schaukel gestanden hat? Sie wissen, was ich darunter verstehe?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, die »Boger-Schaukel«.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wie Sie [sie] nennen. [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Die haben wir dort gesehen, also im Vorbeihuschen.

 

Vorsitzender Richter:

Im Vorbeihuschen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Sie verstehen?

 

Vorsitzender Richter:

Aber nicht, daß irgend jemand da drauf gehängt hat.

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nein, ich habe das nicht gesehen, nein, nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben das nicht gesehen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wäre nicht wahr. Das wieder weiß ich alles von meinen Kameradinnen und Freundinnen – es waren natürlich auch Freundschaften unter uns.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hießen die denn? Können Sie uns da ein paar Namen nennen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich kenne nicht die Zunamen, eine war die Dounia.

 

Vorsitzender Richter:

Die Dounia.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das war eine Russin, und die Dounia

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wasserstrom, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich glaube, sie hat in Frankreich gelebt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, sie heißt Wasserstrom, wir haben sie schon gehört, ja.

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Wo sie jetzt lebt, weiß ich nicht. Die Dounia war sicher hier. Also die kann Ihnen das ja von A bis Z schildern. Die hat ja in der Baracke gearbeitet, und die weiß alles, die Dounia.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Ihnen diese Häftlinge dort erzählt, diese Kameradinnen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Daß geschlagen worden ist, damit die Geständnisse kommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Geschlagen bis aufs Blut, ohne Rücksicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben sie Ihnen auch erzählt, daß Leute totgeschlagen worden sind bei dieser Gelegenheit?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich kann das nicht beschwören. Wir haben gesprochen. Also daß die Leute gewöhnlich dann gestorben sind, ist nicht [verwunderlich].

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Denn die wurden so geschlagen, und der Körper war ja nicht mehr widerstandsfähig. Und dann haben die Phlegmone bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. Nun ja. Also Sie haben da Schlußfolgerungen gezogen, die der Situation angepaßt waren. Aber, wie gesagt, positive Kenntnis von diesen Dingen haben Sie selbst nicht bekommen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Darf ich nicht sagen, denn ich habe es nicht bekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, darf ich Sie dann weiter fragen: Kennen Sie auch den Angeklagten Kaduk?

 

Zeugin Helene Cougno:

Kaduk, ja. Der war doch Lagerführer im Männerlager. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Wo?

 

Zeugin Helene Cougno:

In Auschwitz war er, der Kaduk.

 

Vorsitzender Richter:

In Auschwitz I?

 

Zeugin Helene Cougno:

Auschwitz I.

 

Vorsitzender Richter:

War er da Lagerführer, oder war er Rapportführer?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich glaube, Rapportführer.

 

Vorsitzender Richter:

Sie glauben, Rapportführer.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, ich glaube, Rapportführer.

 

Vorsitzender Richter:

Was wußten Sie von ihm?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wußte ich auch von meinem Sohn und von meinem Mann, die doch in Auschwitz I waren. Er war der gefürchtetste SS-Mann von ganz Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wußte ich ja von meinen Angehörigen. Wir haben uns ja nach dem Krieg wieder getroffen. Wir haben uns ja im Lager gesehen, also durchs Fenster.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und jetzt ist ja alles vorbei. Wir haben ihn auch gesehen im Krankenbau. Ich wurde operiert von Doktor Wasilewski aus Warschau an einer Mastoiditis. Und wir hatten doch keinen Krankenbau in Auschwitz I im Stabsgebäude. Wir hatten nur so ein kleines Revier, ganz klein, und ich wurde rübergebracht, also ich bin rübergegangen nach Auschwitz I ins Männerlager und wurde von Wasilewski operiert. Und ich habe dort auch meinen Sohn und meinen Mann gesehen. Das wurde unter uns Häftlingen gemacht, daß wir uns gesehen haben.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, was wissen Sie von Kaduk aus eigener Wissenschaft?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich weiß nur, daß er der gefürchtetste Rapportführer war, daß er geschlagen hat, daß er...

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie auch etwas von Strafmeldungen, die er geschickt

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, die Strafmeldungen! Also wenn ein Häftling etwas gegen die Ordnung gemacht hat, die sogenannte Lagerordnung, und erwischt wurde – und das war ja die Hauptsache –, da wurde von demjenigen [SS-Mann] eine Meldung gemacht. Die kam zu uns, also daß er bestraft wurde, mit Schlägen und so weiter und so fort. Also nicht zu mir in meine Totenabteilung, die kamen zu uns in die Politische

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Eben, das wollte ich grade sagen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Aber die haben wir gesehen. Die war in der Lebendabteilung.

 

Vorsitzender Richter:

Ist Ihnen da aufgefallen, daß besonders viele Strafmeldungen von Kaduk kamen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, das war bekannt. Die meisten waren mit »Kaduk« unterschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Die meisten waren von Kaduk. Nun, wissen Sie auch sonst Näheres, ob Kaduk irgendeinen Menschen getötet hat oder totgeschlagen hat?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das habe ich gehört. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Sie darüber gehört?

 

Zeugin Helene Cougno:

In der Rage, in der...

 

Vorsitzender Richter:

In der Wut.

 

Zeugin Helene Cougno:

In der Wut, daß er totgeschlagen und totgetrampelt hat.

 

Vorsitzender Richter:

Totgeschlagen und totgetrampelt. Das wurde damals schon erzählt im Lager?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das wurde schon im Lager erzählt. Es war für das ganze Lager, ob es auch bei uns im Büro war, wenn man gesprochen hat, Kaduk war ein Schreckgespenst von allen Häftlingen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Entschuldigen Sie, daß ich unterbreche.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeugin Helene Cougno:

Es haben auch vier Männer bei uns gearbeitet, wir waren ein Kommando. Vier, und dann war der alte Doktor Bernhard, fünf. Also die vier waren der Jaschu, die Polen, junge Polen von der Resistance. Und der eine war ein Mischling, der auch eine Christin zur Frau hatte, der alte Doktor Bernhard, und der hat auch bei uns gearbeitet. Aber der ist dann so aus unserem Blickfeld entschwunden.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wissen Sie auch etwas davon, daß von Zeit zu Zeit Selektionen im Lager stattfanden, [...] das heißt also die Auswahl von Leuten, die für das Gas bestimmt waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Natürlich wußten wir es, wir mußten doch die Listen schreiben.

 

Vorsitzender Richter:

Sie mußten die Listen derjenigen schreiben, die dann vergast worden waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Bei Massenselektionen im Lager mußten wir die Listen schreiben, für die Frauen extra. Also erst kamen sie von Birkenau rüber, dann kamen sie zu uns in die Politische Abteilung, dann mußten alle Akten rausgesucht werden oder Aufnahmen, die wir hatten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Blätter

 

Zeugin Helene Cougno:

Um zu schauen, ob nicht ein arischer Verwandter, das heißt irgendeine Mutter oder eine Großmutter oder irgendwie etwas Nichtjüdisches, war. Dann mußten die rausgenommen werden, und es kamen dafür andere rein. Denn die Summe, die festgestellt war, die wurde ja immer erfüllt. Es wurde in der Lebendabteilung gemacht und bei uns auch, denn da war dann immer ganz Hochbetrieb. Da mußten wir raussuchen, ob nicht irgendwo ein arischer Verwandter ist. Denn auch im Aufnahmebogen vom Sammeltransport haben wir den Namen unserer Eltern angegeben und wenn möglich unserer Großeltern, und wenn einer arischer Abstammung war, mußte es geschrieben werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie bitte, waren die Leute da schon vergast worden, als man Ihnen das...

 

Zeugin Helene Cougno:

Die Liste gab. Nein, da waren sie nur in dem Block.

 

Vorsitzender Richter:

Da waren sie noch im Block.

 

Zeugin Helene Cougno:

Da waren sie noch isoliert. In dem Block, von

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

War da ein besonderer Block, wo sie nach der Auswahl hineingekommen sind?

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl, das war der Block in Birkenau. Ich glaube, es war 29 oder 28.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau?

 

Zeugin Helene Cougno:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Im Männerlager?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, ich rede vom Frauenlager.

 

Vorsitzender Richter:

Vom Frauenlager.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, und im Männerlager selbstverständlich. Aber da weiß ich nicht die Nummer. Da war auch dieser Block. Aber das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Es war also ein Isolierblock, wo solche Leute

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Das war ein Riesenblock, der war auch, sagen wir, so wie ein Bauernhof angelegt, mit hohen Mauern davor und der Hof und das, und da haben sie diese Menschen, die gewußt haben...

 

Vorsitzender Richter:

Was ihnen bevorstand.

 

Zeugin Helene Cougno:

Was ihnen bevorstand, gesammelt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sie gesammelt. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Das heißt also, in diesem Augenblick waren sie noch am Leben.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Was geschah denn mit diesen Listen dann?

 

Zeugin Helene Cougno:

Diese Listen wurden protokolliert und abgelegt.

 

Vorsitzender Richter:

Wurden sie abgelegt, oder wurden sie vielleicht nach Berlin geschickt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Darüber kann ich nichts sagen. Bestimmt, alles wurde ja nach Berlin eingeschickt. Aber es kamen zum Beispiel Akten von Toten, die [+ von der] Gestapo eingeliefert waren, nicht von Sammeltransporten, die wurden ja auch nach Berlin zum RSHA geschickt und kamen dann wieder zurück. Woher ich das weiß? Einmal wurde dort bombardiert, und da kamen einige Akten zurück, die von uns eingeschickt worden sind. Und dadurch habe ich das gewußt. Und da war so ein Eckchen abgebrannt. Ich habe das noch meinem Personalchef gezeigt, damit er nicht glaubt, wir haben da irgendwas...

 

Vorsitzender Richter:

Angestellt, ja. Ja. Nun, ich frage Sie deshalb, weil Sie einmal bei Ihrer Vernehmung in Athen

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

In Saloniki.

 

Vorsitzender Richter:

Oder in Saloniki.

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Entschuldigen Sie. Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist zwar mit Athen beschriftet, aber wenn Sie sagen, es war Saloniki, ist es ja gleichgültig –, haben Sie geschrieben: »Ich kann bezeugen, daß öfter, etwa jeden zweiten bis dritten Monat, ein Befehl mittels Fernschreiben vom RSHA [...] von Kaltenbrunner kam und daß eine bestimmte Zahl von Männern und Frauen der ›SB‹ zuzuführen sind«.3

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl, diese Befehle kamen. Die kamen dann an das Lager Auschwitz, Birkenau, je nachdem. In Auschwitz waren weniger Selektionen, weniger auffällige wie in Birkenau, sowohl im Männer- wie Frauenlager. Die kamen rüber. Da mußten die Blockältesten die Listen zusammenstellen, also da war dann der Appell draußen, Sie haben sicher davon gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Dann mußten die Blocks antreten.

 

Vorsitzender Richter:

Also wissen Sie, Frau Zeugin, uns ist folgendes wichtig: nämlich festzustellen, ob diese Selektionen auf einen Anstoß oder einen Befehl oder eine Veranlassung von Berlin aus stattgefunden haben und dann durchgeführt worden sind oder ob erst die Selektionen durchgeführt worden sind und die dann genehmigt worden sind von Berlin.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, ich bin sicher, das war von Berlin, bei größeren...

 

Vorsitzender Richter:

Selektionen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht Selektionen von 50 und 100, sondern bei großen Selektionen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also ein paar hundert Menschen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, 1.000. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Diese großen Selektionen, die wurden von Berlin aus angeordnet.

 

Zeugin Helene Cougno:

Es wurde ein Befehl...

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal so ein Fernschreiben gesehen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Gesehen nicht, aber meine Kapo von unserer Politischen Abteilung, die Edith4, hat sie gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Die hat sie gesehen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Die hat direkt mit Oberscharführer Kirschner gearbeitet, und die hat sie gesehen. Und sie durfte eigentlich uns nichts sagen, und sie ist dann zu uns gekommen, da war sie immer ganz kaputt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

»Edith, was ist los?«»Nichts, nichts, ich kann es euch nicht sagen.« Und dann hat sie es doch einmal gesagt. Einmal abends sagte sie: »Wißt ihr, wenn ich so bin, nehmt es mir nicht übel, aber«...

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Sie haben dann weiterhin gesagt, diese Befehle seien dann von Ihrer Abteilung weitergegangen an das Lager.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ist zurückgekommen ins Lager, ausgebessert, wo christliche Verwandte waren, arische Verwandte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dann sind die Leute dann in diese Isolierbaracke oder in das Isolierhaus gekommen und sind dann später vergast worden. Ja. Und Sie, was haben Sie denn nun geschrieben für eine Todesursache bei

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Bei Vergasung?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

»SB«.

 

Vorsitzender Richter:

Einfach »SB«?

 

Zeugin Helene Cougno:

Einfach »SB«, ein Kreuz gemacht, »SB«, Datum und gestempelt das Datum. Keine näheren Details, nein, nein. Das wurde nur bei denen gemacht, die im Krankenbau gestorben sind.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ja. Und auf wessen Initiative gingen denn die kleineren Selektionen zurück?

 

Zeugin Helene Cougno:

Teils, teils.

 

Vorsitzender Richter:

Was heißt das?

 

Zeugin Helene Cougno:

Lagerarzt, wenn die Leute nicht mehr arbeitsfähig waren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das waren aber kleinere, das waren nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht die 1.000, sondern das waren eben bis zu 100 oder

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, und noch weniger. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wer nun die Initiative dazu ergriffen hat, Sie sagten eben Lagerarzt, wer war denn damals Lagerarzt?

 

Zeugin Helene Cougno:

In Birkenau bei den Frauen war Doktor Rohde.

 

Vorsitzender Richter:

Doktor Rohde.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und in Auschwitz...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Ja, sonst wissen Sie niemand, der da etwa die Verantwortung dafür tragen könnte, wenn solche Selektionen durchgeführt worden sind?

 

Zeugin Helene Cougno:

Kleine Selektionen – ich weiß nicht, ein Sturmmann wird das nicht machen können, aber ein Untersturmbannführer und ein höherer Grad schon.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ein Sturmmann nicht, der kann ja anders die Leute umbringen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun sagen Sie mal, konnten die Leute denn das tun, ohne daß der Kommandant davon in Kenntnis gesetzt wurde? Hatten die ein für alle Mal diese Erlaubnis, das zu tun?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, der Kommandant mußte von allem in Kenntnis gesetzt werden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wer hat das getan?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das ging von unserem Büro aus. Ich glaube, Obersturmführer Kirschner hatte bestimmt dem Kommandanten zur Kenntnis alles das durchgegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Wer war denn damals Kommandant?

 

Zeugin Helene Cougno:

Höß eine Zeitlang.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und Hössler. Ich glaube, Höß war dann bis zum Schluß.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, also dann kam doch zwischendurch noch mal Liebehenschel, nicht, und dann kam Baer.

 

Zeugin Helene Cougno:

Liebehenschel, ja, Liebehenschel auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und Baer kam nachher. Wissen Sie auch, wie der Adjutant hieß von dem Kommandanten?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, das wissen Sie nicht. Ja, ich hätte keine Fragen mehr.

 

Richter Hotz:

Frau Cougno, hat Ihnen die Dounia Wasserstrom oder Ourisson, wie sie vielleicht damals hieß

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, nein, Dounia haben wir sie nur genannt.

 

Richter Hotz:

Dounia nur, vieles mitgeteilt von ihren Erlebnissen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Sie hat mir mitgeteilt – aber viel? Sie dürfen nicht vergessen, wir waren alle so kaputt, daß wir abends schon nichts mehr wissen wollten. Sie ist zum Beispiel gekommen: »Du, heute wurde wieder geschlagen, heute haben sie sie wieder totgeschlagen.« Oder: »Heute waren diese Untersuchungen und jene Untersuchungen«.

 

Richter Hotz:

Hat Ihnen die Dounia mal gesagt, daß irgend jemand von der Politischen Abteilung, ein SS-Angehöriger der Politischen Abteilung, ein Kind umgebracht hätte?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das hat sie erzählt.

 

Richter Hotz:

Das hat sie erzählt? Wann war das?

 

Zeugin Helene Cougno:

Da fragen Sie mich

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Ungefähr.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ungefähr, das muß noch Ende 43 gewesen sein. Denn ab 44 ist es ein bißchen – wie soll ich Ihnen sagen – leichter für uns geworden, ein bißchen.

 

Richter Hotz:

Hat sie nähere Einzelheiten über diesen Vorfall geschildert?

 

Zeugin Helene Cougno:

Mir nicht.

 

Richter Hotz:

Ihnen nicht.

 

Zeugin Helene Cougno:

Zu den anderen ja, mir nicht. Vergessen Sie nicht, Dounia war eine Polin und hat immer mit ihren polnischen Kameradinnen mehr gesprochen. Das ist selbstverständlich, daß sie auch in ihrer Muttersprache sprach. Und wir waren doch immer ein bißchen...

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Verzeihung, haben Sie von den Kameradinnen nachher gehört, was die Dounia ihnen erzählt hat?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir haben nicht mehr darüber gesprochen. Wissen Sie, für uns war das so selbstverständlich, alle diese Grausamkeiten, diese Morde, dieser Sadismus. Wir hatten eigentlich nicht mehr so viel, wenn eine von unseren Mädchen gekommen ist oder unseren jungen Frauen: »Du, heute war in der Zugangsbaracke der Teufel los, der hat wieder geschlagen wie verrückt« und so weiter und so fort. Wir haben auch nicht gefragt nach den Details. Sie müssen das verstehen, wir waren ja mittendrin, wir haben gar nicht mehr nach diesen Details gefragt.

 

Richter Hotz:

Dounia hat Ihnen auch keinen Namen gesagt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Richter Hotz:

Nein. Danke schön.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, das wurde bei uns nicht gemacht. Wir durften nicht mit anderen Häftlingen sprechen, was bei uns vorkam und so. Und jeder hat im Lager geschaut, sich sein Dach über dem Kopf zu halten, um nicht in Außenarbeit zu gehen. Und wir haben deshalb auch sehr wenig gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist von seiten des Gerichts noch eine Frage zu stellen? Herr Landgerichtsrat Hummerich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Frau Zeugin, welche Häftlingsnummer haben Sie?

 

Zeugin Helene Cougno:

38.911.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

38.911.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und wissen Sie zufällig, welche Häftlingsnummer Ihr Mann und Ihr Sohn hatte?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, mein Sohn 109.656. Der sitzt hier irgendwo, fragen Sie ihn selber.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

656 sagen Sie.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, und mein Mann 654.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

109.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Danke schön. Jetzt noch eine Frage, Sie kannten doch den Angeklagten Dylewski?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und haben Sie den schon gesehen gehabt auf der Rampe? Damals wußten Sie natürlich nicht, daß er es war, als Sie ankamen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Es war elf Uhr nachts.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und war es denn hell, oder war es dunkel?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, Scheinwerfer waren an, es war hell. Wir wurden angestrahlt durch Scheinwerfer. Das Lager war ja Tag und Nacht hell.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie glaubten sich früher mal zu erinnern, daß Sie wissen, aus eigener Anschauung, daß Dylewski bei Selektionen von Häftlingen mitgewirkt hat.

 

Zeugin Helene Cougno:

Na, alle haben mitgewirkt. Es wurde doch immer

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, und woher wissen Sie das nun?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich weiß doch, daß jedesmal jemand – die Namen kann ich nicht

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Also dabei auf der Rampe waren Sie naturgemäß nicht?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wer? Wir?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie! Sie! Nein.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, nur Büroarbeit, nur im Büro.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nur im Büro.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nur tags.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und woher wissen Sie nun, wenn

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Auch die Dounia nicht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Auch nicht, nein.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, nein, wir waren nur ausgesprochen...

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Im Büro tätig.

 

Zeugin Helene Cougno:

Im Büro tätig.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Sie haben also gar keinen Konnex gehabt mit den Gefangenen, die da ins Lager

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Angekommen sind.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Die angekommen sind. [...] Aber woher wußten Sie nun, daß zum Beispiel Dylewski – von Broad sagten Sie früher auch mal das gleiche

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, ich will Ihnen mal was sagen, es wurde doch immer jemand von der Politischen Abteilung der SS-Leute kommandiert.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Und das wußten Sie?

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Sowohl zur Rampe als auch zu Selektionen, sie wurden doch kommandiert.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und woher haben Sie das nun erfahren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Vom Büro aus.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, in welcher Form? Kam da jemand rein und sagte: »Broad, Dylewski oder Meier oder Schulze, zur Rampe!« Oder haben Sie das schriftlich gesehen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, die wurden hereingerufen, also vor mir nicht, zu Oberscharführer Kirschner.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ah, zu Kirschner, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und dort war die Edith, die Kapo-Edith, unsere Edith.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, die hat bei Kirschner ja gesessen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, die war die Sekretärin, sagen wir, die Privatsekretärin von Kirschner, und die hat das natürlich alles mitgekriegt.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und die hat mitgekriegt den Auftrag auch?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, natürlich, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und von der wußten Sie es dann, daß die an die Rampe sind.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie sprachen eben von Dylewski und von Broad, wenn ich Sie richtig verstanden

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wußten Sie auch, mit welchem Auftrag die an die Rampe geschickt wurden, zum Absperren oder zum Tätigsein?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein. Nein, die wurden mitgeschickt [+ zur] Bewachung und natürlich auch mit zur Auswahl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Woher wissen Sie das?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wieder von meinen Mithäftlingen, die

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Die Edith, die also gehört [+ hat] den Auftrag, den Kirschner den

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja. Ja, ja. Nur so weiß ich es, denn direkt – wir, wir waren die ganz kleinen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und diese Erinnerung, daß die Edith Ihnen das gesagt hat, geht zurück auf die damalige Zeit? Es ist nicht etwa so, daß Sie das später irgendwann mal erfahren haben?

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Nein, das geht auf die Zeit zurück, wo ich selbst im Lager war und mit der Edith Kontakt hatte, auf 43 bis 45.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und daraus wissen Sie das noch.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aha. Wissen Sie auch, in welcher Art Broad vernommen hat? Dort wurde ja so und so vernommen. Sie verstehen, was ich

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, es wurde ja meistens mit Schlägen vernommen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Obzwar Broad äußerst intelligent war und äußerst gebildet und wir oft darüber gesprochen haben, daß es uns sehr erstaunt, daß ein wirklicher Anwalt das macht, also ein Advokat. Und da wurde gesprochen, daß wir uns sehr gewundert haben. Das wurde unter uns Häftlingen [+ gesprochen], daß ein Mann, der eine gewisse Intelligenz, eine gewisse Bildung hat, sich hergibt, so die Leute zu verhören.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Also Broad hat auch mit Schlägen verhört?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, so haben wir das aus der Zugangsbaracke gehört.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Was? Aus der Zugangsbaracke

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, von den Mädchen, von unseren

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Die dort protokolliert haben.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, unseren Kameradinnen, ja.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Die protokolliert haben dort.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

[unverständlich]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Entschuldigen Sie, Herr Rechtsanwalt, ich frage die Zeugin. Und ich weiß noch nicht, ob Sie es direkt weiß oder woher sie [+ es] weiß. Trotzdem wissen Sie das bereits und wollen mir zuflüstern: »Das weiß die doch nicht.« Lassen Sie mich doch bitte mal zu Ende fragen.

 

Vorsitzender Richter:

So.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe bis jetzt noch gar nichts gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also haben Sie noch eine Frage?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, und das wußten Sie auch wieder nur

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Von meinen Kameradinnen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Von den Kameradinnen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, natürlich.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Die dort tätig waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Schauen Sie, wir haben alle, wir von der Politischen Abteilung, wir 40 Frauen – Mädchen, Frauen – haben alle in einem Zimmer geschlafen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir durften nicht mit den anderen Mithäftlingen schlafen. Und wir waren auch nicht sehr viel in Verbindung. Sowieso in unserem Block waren nur die Büroleute.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und es ist natürlich, wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, bleibt man auch in der Freizeit mit dem zusammen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, ja.

 

Zeugin Helene Cougno:

Und dadurch wissen wir das. Es wurde gesprochen.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Aber aus eigener Anschauung wissen Sie das alles nicht?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Frau Cougno, der Kapo Edith, war das Edith Grünwald?

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl. Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Haben Sie noch Kontakt nach dem Krieg mit ihr gehabt?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht. Ich habe es versucht, aber ich habe es nicht bekommen. Das weiß ich ganz genau, sie war erst in Kattowitz. Sie wurde in Kattowitz eingesperrt von den Polen, und dann kam sie wieder in die Tschechoslowakei. Ganz unbegründet, nach meiner Meinung.

 

Staatsanwalt Vogel:

Das Einsperren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nach meiner Meinung, aber natürlich, jeder hat seine eigene Ansicht.

 

Staatsanwalt Vogel:

Frau Cougno, in dieser Erklärung vom 24. Mai 19615 hatten Sie geschrieben, daß Sie sich noch an folgende SS-Männer der Politischen Abteilung erinnern, dann kommen einige Namen, dann heißt es: »Broad, der Untersuchungen geleitet hat und dabei geschlagen hat, wie ich aus eigener Anschauung bezeugen kann.«

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, ich habe mit unserem Staatsanwalt gesprochen, der mich vernommen hat, und habe ihm dasselbe erzählt. Sagt er: »Das ist eigene Anschauung?« Sage ich: »Das ist das, was meine Freundin mir erzählt hat.«

 

Staatsanwalt Vogel:

Also ist es an sich nicht Ihre eigene Anschauung, sondern das, was Sie erfahren haben.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Vogel:

Gut. Und bei Dylewski haben Sie damals angegeben, für den hätten Sie auch einmal bei einem Verhör aus dem Griechischen übersetzen müssen. Können Sie sich daran noch erinnern?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, ich mußte etwas übersetzen bei einem Verhör aus dem Griechischen ins Deutsche. Da war irgendwas Komisches mit Geld im Strumpfband, irgendeine ganz komische Angelegenheit.

 

Staatsanwalt Vogel:

Und ist bei dieser Vernehmung geschlagen worden von Dylewski?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nicht vor mir.

 

Staatsanwalt Vogel:

Nicht vor Ihren Augen. Gut, danke. Ich habe sonst keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, waren Sie in einem der ersten Transporte von Thessaloniki?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich bin im ersten Transport von Saloniki gekommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie etwas Näheres über das Schicksal des Transportes, das heißt, wie viele ausgewählt wurden zum Tod und wie viele ins Lager kamen, Männer und Frauen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir kamen 450 Lebendige ins Lager. Es war ein Transport von 2.500 Menschen, und die anderen kamen ins Gas.6 Es wurden immer nur zum Arbeitseinsatz durchschnittlich 25 Prozent gewählt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da müssen wir nachher noch mal drüber sprechen. Bitte schön, fragen Sie weiter.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, haben Sie das Schicksal der weiteren Transporte aus Thessaloniki verfolgen können, während Sie in der Abteilung waren?

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl, denn wie ich in Birkenau war und habe die Frauen übernommen – ich habe die Frauen übernommen dort, der Sprache wegen –, so haben die mir immer gesagt, wie groß so ein Transport war. Und dann war es sehr leicht für uns herauszubekommen, wie viele lebendig hereingekommen sind. Von den Frauen habe ich sowieso gewußt, durch die Aufnahme in Birkenau, und von den Männern konnte ich ganz leicht nachsehen, wie, wo, was. Wir hatten doch die ganzen Papiere und wußten, wer jetzt bei dem und dem Transport lebendig hereingekommen ist.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, wissen Sie, wie viele Juden von Thessaloniki nach Auschwitz gekommen sind und wie viele lebend zurückgekommen sind?

 

Zeugin Helene Cougno:

45.000 sind abtransportiert [+ worden], und 1.200 sind lebendig zurückgekommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ist Ihre Familie ganz zurückgekommen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Mein Mann und meine zwei Kinder, wir vier sind lebend zurückgekommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Das war aber ein ganz außergewöhnlicher Fall, daß eine

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Das war ein Wunder.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gibt es noch mehr solche Fälle in Thessaloniki, oder haben Sie das nur Ihren Sprachkenntnissen zu verdanken?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das haben wir wirklich nur den Sprachkenntnissen zu verdanken und vielleicht – ich weiß nicht, fragen Sie mich nicht, ich sage immer: Es war ein Wunder. Es gibt keine logische Erklärung.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, haben Sie bestimmte Anweisungen gehabt im Standesamt, unterschiedlich zu erfassen und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie war nicht im Standesamt.

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Verzeihung, in der Politischen Abteilung, bei diesen Aufzeichnungen arische und jüdische Häftlinge unterschiedlich zu behandeln?

 

Zeugin Helene Cougno:

Wir hatten ja nur die Toten. Also die Toten, die arischen, mußten eine ganz genaue Detaillierung des Todes, Stunde, Minute, Sekunde, haben. Das war mit einem Papier vom Krankenbau. Bei den Juden war es nicht notwendig, so genau Stunde und Sekunde anzugeben, nur »verstorben am Soundsovielten«. Nur die Juden, die auch von der Gestapo eingeliefert worden sind – also das heißt Polizeischutzhäftlinge –, bei denen mußte es ganz genau angegeben werden, genauso wie bei den arischen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Bei wem sind Beileidsschreiben geschrieben worden, bei welcher Kategorie von

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Im Standesamt.

 

Vorsitzender Richter:

Hat sie bereits gesagt. Bei Nichtjuden, bei Leuten, die irgendwie arische Verwandte hatten und so weiter.

 

Zeugin Helene Cougno:

Im Standesamt wurde das geschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Im Standesamt wurden die geschrieben.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Das war eine Abteilung von jungen Frauen, die das dort geschrieben haben, ein richtiges Standesamt, ganz richtig, wie es im Zivilleben auch ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Können Sie sich noch an den Wortlaut erinnern, der Ihnen da vorgeschrieben war? [...]

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche dieser Frage, die hat doch nichts...

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Verteidiger Laternser:

Ich widerspreche der Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja. Herr Rechtsanwalt, das spielt ja schließlich keine Rolle

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

[unverständlich] es wäre ja doch...

 

Zeugin Helene Cougno:

Das war ein ganz gewöhnliches Beileidsschreiben. Wir teilen den Herren Soundso mit, daß Sie Ihren Sohn Soundso an dem Tag an dieser Krankheit verloren haben.

 

Verteidiger Laternser:

Ich habe widersprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, also wollen wir die Frage nicht weiter behandeln.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Nein. Nein, ist nicht erforderlich. Ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr. Herr Rechtsanwalt Raabe.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Doktor Kaul.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Danke schön. Frau Zeugin, auf die Frage des Herrn Vorsitzenden haben Sie gesagt, daß die Befehle für die großen Selektionen aus Berlin kamen.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Das haben Sie vom Hörensagen erfahren.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja. Es hieß dann immer, das kam auch aus dem Büro von unserer Kapo Edith7, daß Befehl gekommen ist vom RSHA, daß wieder Vergasungen stattfinden.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

So. Diese Befehle, enthielten die bereits die Namen der zu Vergasenden?

 

Zeugin Helene Cougno:

Nein, nein. Es wurde dann ein Appell gemacht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Eine Minute. Diese Befehle waren also nur Blankobefehle?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ziffernbefehle.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ziffernbefehle. Es hieß also, 1.000

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Für Männer, für Männer.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Bitte schön.

 

Zeugin Helene Cougno:

Entschuldigen Sie. Und für Frauen. Also 2.000 und 2.000, 3.000 und 3.000.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Können Sie uns sagen, wo dieser Befehl, dieser Ziffernbefehl – das ist ein sehr guter Ausdruck – hingegeben wurde?

 

Zeugin Helene Cougno:

Bestimmt wurde das erst zu Obersturmbannführer Schurz, also da hineingegeben, und der hat es dann Oberscharführer Kirschner weitergeleitet. Denn wir haben dann den Auftrag bekommen. In der Zwischenzeit wurde das auch nach Birkenau gesagt, und es sind schon Listen gekommen. Da war da schon der Appell

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Da, an dem Punkt, bitte ich anzuhalten.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich möchte eben wissen: Wie verwandelt sich der Ziffernbefehl in der Wirklichkeit in den Mordbefehl, der den einzelnen betrifft? Das möchte ich gerne wissen

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, bitte.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Wenn Sie es sagen können. Und sagen Sie bitte

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja, das kann ich sagen. Das habe ich

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Sagen Sie bitte, Frau Zeugin, dazu, ob Sie es aus eigener Kenntnis wissen oder woher Ihr Wissen kommt.

 

Zeugin Helene Cougno:

Dieses Wissen kommt auch aus eigener Kenntnis, denn ich war eine Zeitlang in Birkenau. Ich bin auch im Infektionsblock gelegen, an Flecktyphus [+ erkrankt], in Birkenau. Und da kam der Befehl: »Appell!« Vor den Blocks, also das heißt vor den Judenblocks, wo ausschließlich Jüdinnen waren. Ich rede immer von Frauen, bei den Männern war es genau dasselbe. Da mußten sie sich hinstellen, und dann kam die Aufseherin Teuber mit einem Lagerarzt durch. Die Aufseherin Mandel – Teuber war ja im Männerlager –, das war eine [SSlerin], kam durch, und dann wurde nach persönlichem Gutdünken dieser Leute entweder rechts zum Arbeitseinsatz oder links [Pause] selektiert.

 

Vorsitzender Richter:

Zur »Sonderbehandlung«.

 

Zeugin Helene Cougno:

Daraufhin mußte jede Blockälteste Namen und Ziffer aufschreiben, also unsere Nummern und Namen, Staatsangehörigkeit. Diese Listen wurden dann in der Schreibstube mit der Maschine geschrieben und kamen von der Schreibstube Birkenau – Männer wie Frauen – in die Politische [+ Abteilung] Auschwitz. Und dort mußten wir nachschauen, daß keine arischen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Verwandten da waren.

 

Zeugin Helene Cougno:

Denn diese Leute wurden schon in den Block gegeben, in den Isolierblock, aber nicht eher vergast, bis wir das bestätigt haben, daß es keine arischen Verwandten [gibt]. Oder es kein Gestapo-Häftling ist.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Wenn ich Sie also recht verstanden habe, Frau Zeugin, individualisierte sich der Ziffernbefehl, wir wollen dabei bleiben, durch die Initiative, durch die Tätigkeit des jeweilig Auswählenden?

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Schön. Und erst dann kam die Namensliste der Ausgewählten an Sie.

 

Zeugin Helene Cougno:

Zu uns.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Um nun noch einmal zu kontrollieren.

 

Zeugin Helene Cougno:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Schön. Das ist also bei den großen Selektionen, das hatten Sie auf die Frage des Herrn Vorsitzenden geantwortet

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wenn ich da eine Frage dazwischen noch legen dürfte. Wissen Sie noch, wer dann diese Auswahl getroffen hat?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, im Frauenlager waren es immer die Aufseherin Mandel und der Lagerarzt, und im Männerlager, das war immer der Teuber, auch mit dem Lagerarzt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Zeugin Helene Cougno:

Aber es sind oft sehr gesunde Menschen reingekommen, es sind Leute, die schwach waren, übriggeblieben. Es war eine

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, uns hat es nur mal interessiert, ob Sie wissen

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

War das bereits festgelegt, wer also im Frauenlager und wer im Männerlager den Ziffernbefehl zu individualisieren hatte? Oder geschah das jeweils nach Gutdünken oder nach einem Dienstplan? Waren das immer dieselben?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das waren immer dieselben, die die Selektionen gemacht haben.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Woher wissen Sie das?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das weiß ich von meinen Mithäftlingen, die ich auch wiedergesehen habe nach dem Krieg und die in Birkenau waren. Es wurde immer darüber gesprochen, bei jeder Selektion waren die Oberaufseherin Mandel dabei und der Teuber. Also das wurde von 1.000 Seiten erzählt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nun haben wir aber, Frau Zeugin, hier gehört, daß bei großen Selektionen – ich differenziere das nach Ihrer Angabe, wir kommen jetzt gleich zu den kleineren – uns andere Namen genannt wurden als die, die Sie hier eben genannt haben.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ich wußte immer, daß Teuber und die Mandel dabei waren und der Lagerarzt. Wenn andere SS dabei kommandiert waren, die haben höchstwahrscheinlich nicht dieses Dings gehabt, wie diese zwei SS-Leute. Das war immer [bei] den großen Massenvergasungen, die auf Befehl von Berlin passiert sind.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Unmittelbar, Frau Zeugin, nachdem der Ziffernbefehl individualisiert war, wurden die ausgewählten Häftlinge, die zur Ermordung ausgewählten Häftlinge, bereits in diesen Bau gebracht, von dem Sie sprachen.

 

Zeugin Helene Cougno [unterbricht]:

Ja. Und mußten dort warten, bis die Listen kontrolliert von uns zurückkamen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

So konnte es also passieren, daß jemand, der bereits ausgewählt in dem Bau war, um auf seinen Tod zu warten, wieder herauskam.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, das gibt es. Das gibt es. Ich kenne sogar den Namen von einer jungen Frau, die lebt heute in England, die aus Griechenland stammt. Die wurde zweimal herausgenommen aus dem Block.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Weil sie also christliche Angehörige hatte.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, sie hatte eine arische Großmutter in Spanien und irgendwas. Sie stammte aus Spanien.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Schön. Und nun möchte ich nur ganz gern ähnlich, wenn es möglich ist, von Ihnen wissen, wie die kleineren Selektionen, wie sich das entwickelte. Da fehlt uns also ein Ziffernbefehl.

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja, das weiß ich auch nicht genau. Wir hatten nur gehört. Also es wurde wieder mal eine Selektion von 20, 30, 50 [+ durchgeführt]. Das war auch in den Außenlagern gewöhnlich, in Buna und in Jaworzno, ich weiß nicht, Sie werden das wissen. Also in den Grubenlagern dort, in den Außenlagern, wurden die meistens gewählt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Schön. Das wissen Sie also nicht genau.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich Ihnen nicht

 

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Aber etwas: Auf eine Frage des Herrn Vorsitzenden sagten Sie, der Kommandant wurde davon unterrichtet.

 

Zeugin Helene Cougno:

Der Kommandant wurde von allem unterrichtet.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ja, schön, gut. Wurde er vorher unterrichtet oder nachher?

 

Zeugin Helene Cougno:

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Aha.

 

Zeugin Helene Cougno:

Das könnte Ihnen die Kapo Edith alles wunderbar sagen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Schön. Ich danke.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. Herr Rechtsanwalt, wer wollte noch eine Frage stellen? Niemand?

 

Verteidiger Gerhardt:

Vielleicht eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Gerhardt:

Frau Zeugin, Sie sagten, ich habe mir das notiert, wörtlich: »Das Lager ist wie das Leben, es wird getratscht.«

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Würden Sie das vielleicht noch mal ein bißchen ergänzen, dem Gericht darlegen?

 

Zeugin Helene Cougno:

Was soll ich denn sagen? Gerüchte, ich glaube, nicht Gerüchte. Es waren keine Gerüchte. Ich muß Sie da enttäuschen. Es waren Wirklichkeiten. Es war nicht getratscht. Getratscht, das habe ich in dem Sinn [gemeint], wie wir das in Österreich sagen. Wir haben nach Dienstschluß im Bau zusammen gesprochen von dem einen und von dem anderen. Aber getratscht, wie Sie das jetzt meinen, bestimmt nicht.

 

Verteidiger Gerhardt:

Frau Zeugin, ich habe es so gemeint, wie Sie es gesagt haben, wie Sie es eben auch noch mal bestätigt haben. Sie haben sich mit Ihren

 

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Wie es die Zeugin gemeint hat, kann Sie ja wohl selbst besser beurteilen als Sie.

 

Verteidiger Gerhardt:

Na ja. Herr Staatsanwalt, was wir unter Tratschen verstehen, das brauche ich Ihnen wohl ja nicht zu erläutern.

 

Staatsanwalt Vogel:

Ja, Sie haben manchmal schon andere Auffassungen gehabt wie andere Leute hier im Saal. Das ist offenbar auch auf

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Meine Herrn, wir wollen dieses Zwiegespräch nicht unnötig fortsetzen. Wenn keine Fragen mehr zu stellen sind und von seiten der Angeklagten keine Erklärungen mehr gewünscht werden, dann müßten wir zur Vereidigung der Zeugin kommen. Werden zur Beeidigung Anträge gestellt? Nein.

Frau Zeugin, können Sie mit gutem Gewissen das beschwören, was Sie gesagt haben?

 

Zeugin Helene Cougno:

Ja.

 

– Schnitt –

 

 

1. RSHA-Transport aus Saloniki, Griechenland, Ankunft in Auschwitz 20.03.1943. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 445.

2. »Sauna« in Birkenau, BI.

3. Vgl. Vernehmung vom 24.05.1961 in Athen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 50, Bl. 9.055.

4. Edith Grünwald.

5. Vernehmung vom 24.05.1961 in Athen, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 50, Bl. 9.055.

6. Nach Czech, Kalendarium, S. 445, hatte der Transport eine Stärke von etwa 2.800 Menschen. 417 Männer und 192 Frauen wurden ins Lager eingewiesen.

7. Edith Grünwald.

 

 
 
 
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