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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

127. Verhandlungstag, 14.1.1965

 

Vernehmung des Zeugen Milton Buki

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wi heißt ir mit dem nomen?

 

Zeuge Milton Buki:

Milton.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Milton.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind wie alt?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wos is ajer alter?

 

Zeuge Milton Buki:

55.

 

Dolmetscher Grünblatt:

55 Jahre.

 

Vorsitzender Richter:

55 Jahre alt. Sind Sie verheiratet?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und von Beruf?

 

Zeuge Milton Buki:

Kaufmann. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Sie wohnen in?

 

Zeuge Milton Buki:

Los Angeles.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind nicht verwandt und nicht verschwägert mit den Angeklagten?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ir sejt nischt a kojrev fon al di angeklagte do?

 

Zeuge Milton Buki:

Schande.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Das wäre für ihn eine Schande, erklärt der Zeuge.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Buki, Sie sind ebenfalls im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gewesen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie dorthin gekommen?

 

Zeuge Milton Buki:

Im Dezember 42.

 

Vorsitzender Richter:

Im Dezember. Und können Sie uns noch genau den Tag nennen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, den 12.

 

Vorsitzender Richter:

12. Dezember 1942. Sie kamen damals woher?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Fun wanen sejt ir gekumen?

 

Zeuge Milton Buki:

Vom Ghetto Mlawa.

 

Vorsitzender Richter:

Mlawa. Und waren verhaftet worden wegen Ihrer rassischen Eigenschaft, also weil Sie Jude waren?

 

Zeuge Milton Buki:

Richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Deshalb.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Deshalb, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie lange sind Sie denn in dem Lager geblieben?

 

Zeuge Milton Buki:

Bis Januar 45.

 

Vorsitzender Richter:

Bis Januar 45 - bedeutet das, bis zur Evakuierung des Lagers?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie noch den Tag, wann das war?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, 18. Januar. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Buki, als Sie in das Lager kamen, sind Sie zunächst einige Tage in welchem Block untergebracht worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Am ersten war ich in Block 14, ich glaube, für eine Nacht, und nachher in Block 2.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar war das im Lager Birkenau?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht im Stammlager Auschwitz I?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau.

 

Zeuge Milton Buki:

Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

In Block 2. Und könnten Sie uns jetzt vielleicht mal an der Karte zeigen, wo dieser Block 2 gewesen ist?

[Pause] Also wenn Sie sich zurechtfinden wollen auf der Karte, will ich Ihnen folgendes sagen: Links unten sehen Sie ein braunes Gebäude. Das ist das Tor, durch das die Eisenbahnschienen hindurchgelegt waren und durch das auch die Eisenbahnzüge durchgefahren sind, wenn sie ins Lager Birkenau hineinfuhren. Links von diesen Eisenbahnschienen, die hier braun gezeichnet sind, befindet sich das sogenannte a-Lager beziehungsweise BI-Lager, in dem späterhin die Frauen untergebracht waren. Während sich rechts von dieser Eisenbahnlinie das Männerlager befand, unter BII.

Und dieses Männerlager war aufgeteilt in verschiedene Lager, Unterlager, nämlich die Lager a bis f. A war meistens Quarantäne. Dann b und c, das war zum Teil das Theresienstädter Lager. Dann kam das eigentliche Männerlager d, und dann kam das Zigeunerlager. Und oben war f. Wie Sie sehen, ist das die Krankenabteilung gewesen. Oben sehen Sie das sogenannte Kanada-Lager. Und links und rechts von dem »Kanada«-Lager sehen Sie braune Gebäude. Das sollen die Krematorien und die Gaskammern sein. Können Sie sich jetzt auf der Karte zurechtfinden?

 

Zeuge Milton Buki:

[unverständlich]

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge erklärt, er ist sehr aufgeregt, und kann sich nicht zurechtfinden auf der Karte.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht zurechtfinden. Nun, wenn er sich nicht zurechtfinden kann, dann soll er wieder Platz nehmen. [...] Bitte?

 

Richter Hotz:

Kann er so angeben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, Sie sagten eben, Sie kamen dann in Block 2. Und wo hat sich denn dieser Block 2 befunden? Wo war denn der?

 

Zeuge Milton Buki:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

In Birkenau. Und in welchem Lager in Birkenau? Da waren doch verschiedene Lager.

 

Zeuge Milton Buki:

Im Männerlager1.

 

Vorsitzender Richter:

Im Männerlager. Hatte dieses Männerlager die Bezeichnung d wie Dora?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Er kann sich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Also im Männerlager, Block 2. War dieser Block 2 abgeteilt von den anderen Blocks, daß da die Leute in dem Block 2 besonders abgeschirmt waren von den übrigen Gefangenen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie geschah denn das? War da ein Stacheldraht drum herum, oder war eine Mauer drum herum, oder wie war das?

 

Zeuge Milton Buki:

Wir haben eine Wache gehabt in dem Block an der Tür.

 

Vorsitzender Richter:

An der Tür. War das auch ein Gefangener?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, es war Stacheldraht. Ich kann mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen es nicht genau. Aber jedenfalls

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Wir haben niemals probiert, zu versuchen rüberzugehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber jedenfalls: Sie haben mit den anderen Gefangenen keinen Umgang haben können?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein. [...] Wir kamen in Kontakt, aber nicht offiziell. Es war nicht erlaubt.

 

Vorsitzender Richter:

Es war nicht erlaubt.

 

Zeuge Milton Buki:

Wir haben Verbindungen gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben Verbindungen gehabt, aber es durfte nicht bemerkt werden.

 

Zeuge Milton Buki:

That's right.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, Sie sind dann in Block 2 geblieben bis zu Ihrer Evakuierung?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und in diesem Block 2 gehörten Sie welchem Kommando an?

 

Zeuge Milton Buki:

»Sonderkommando«.

 

Vorsitzender Richter:

Dem »Sonderkommando«. Wollen Sie uns bitte sagen, was Sie als Mitglied dieses »Sonderkommandos« für eine Aufgabe hatten.

 

Zeuge Milton Buki:

Die Klamotten zusammenzunehmen, zusammenzubinden und zu sortieren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Das war Ihre persönliche Aufgabe. Nun, das »Sonderkommando« bestand etwa aus wie vielen Personen?

 

Zeuge Milton Buki:

Das [kommt darauf an], es waren Zeiten, da waren es 400.

 

Vorsitzender Richter:

400.

 

Zeuge Milton Buki:

Es waren Zeiten, als die ungarischen Transporte kamen, [da waren es um] 900.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wenn nun dieses »Sonderkommando« herabgesetzt wurde, also wenn es nicht mehr 900 waren, sondern nur noch 400, was geschah denn mit diesen Menschen?

 

Zeuge Milton Buki:

Die sind umgebracht worden.

 

Vorsitzender Richter:

Die sind umgebracht worden. Und wie wurden sie umgebracht?

 

Zeuge Milton Buki:

Einmal [wurden] um die 200 nach Lublin genommen.2

 

Vorsitzender Richter:

Nach Lublin. In ein anderes Lager.

 

Zeuge Milton Buki:

Dann einmal [kamen] die nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Also Auschwitz I, Stammlager.33

 

Zeuge Milton Buki:

Auschwitz I.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sie dort ums Leben gekommen sind, das wissen Sie nicht?

 

Zeuge Milton Buki:

Das verstehe ich nicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wi hot men sej dort umgebracht, im Stammlager oder in Lublin?

 

Zeuge Milton Buki:

[unverständlich]

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge weiß es nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Weiß es nicht.

 

Zeuge Milton Buki:

Einmal hat man die gebracht nach Birkenau zum Verbrennen [unverständlich]. - Ich glajb, as si wurdn vergaset in Auschwitz I un men hot sej gebracht dernoch zu varbrenen nach

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Nach Birkenau.

 

Zeuge Milton Buki:

Wajl di, welche hobn gearbet, hobn derkent di in hobn nochdem derzejlt, as men hot sej gebrengt zu farbrenen do.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge glaubt sich daran erinnern zu können, daß eine Gruppe von diesen »Sonderkommando«-Mitgliedern vergast zurückgebracht worden ist zur Verbrennung in das Birkenau-Krematorium.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wenn Sie die Freundlichkeit hätten, uns genau zu übersetzen, wie der Zeuge es sagt in der direkten Rede, nicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Genau wie er antwortet. Herr Zeuge, Sie waren also bei dem »Sonderkommando«. Und nun frage ich Sie: Was hatte denn das »Sonderkommando« in seiner Gesamtheit für eine Aufgabe?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wos far oifgabn hot gehat dos »Sonderkommando« als ganz?

 

Zeuge Milton Buki:

Dos »Sonderkommando« als ganzes hot gehat on ojfgabe, ojszufirn di bafele wejgn farbrennen, warfen ojf di

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Moment. Die Hauptaufgabe des »Sonderkommandos« war es, die Leichen zu verbrennen. Weiter.

 

Zeuge Milton Buki:

Un wen di krematoriums senen noch nischt gewesn, hobn gebrent

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sprechen Sie doch bitte ins Mikrofon hinein, ja?

 

Zeuge Milton Buki:

Wen di krematoriums senen noch nischt gewesn, is geworn gebrent in griber. Senen mir gegangen mit loren, un di lajchen hobn gedarft zu weren geworfen ojf di loren, zuzufirn zi dem fajer.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Vor der Errichtung von Krematorien wurden die Leichen in Leichengruben verbrannt. Die Leichen wurden auf Lastwagen zu den Gruben gebracht.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er nicht gesagt, auf Loren?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Auf Loren, ja, das sind Lastwagen.

 

Vorsitzender Richter:

Loren sind aber keine Lastwagen, sondern sind kleine Wägelchen, die auf Schienen fuhren.

 

Zeuge Milton Buki:

Das, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Zeuge, nun würde es mich doch mal sehr interessieren: Als Sie am 12. Dezember 1942 dorthin kamen, wo wurden denn da Menschen vergast und verbrannt?

 

Zeuge Milton Buki:

An disem tage, wen wir sind am 12. gekomen nach Birkenau, un am 14. senen mir in »Sonderkommando« genumen geworen das erschte mol, wi ich glojb, hobn di »Sonderkommando« gearbet bajm farbrenen funem »Sonderkommando« fun - before.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Diese erste Aufgabe des »Sonderkommandos« im Dezember 1942 war die Verbrennung der Leichen von den vorangegangenen »Sonderkommandos«.

 

Zeuge Milton Buki:

Weil wen mir senen gekumen am platz, senen gewen in gestreifte malbuschim, - Kleidung, - un senen gewen zeworfn af di felder. Sej senen sich funanandergelifn un asoj me hot sej ojsgeschoßn.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Bei Ankunft des Zeugen mit seinem Transport lagen die gestreiften Anzüge der Häftlinge auf dem Platz herum.

 

Zeuge Milton Buki:

Anzüge angezogen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wo lag denn dieser Platz, von dem Sie jetzt sprechen?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wo is gewejn dos ort, wo ir sejt angekumen - und diese gestreiften Anzüge gesehen habt?

 

Zeuge Milton Buki:

Gesen - richtig ken ich sich nicht dermonen, wejl es is gewejn dos erschte mol

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Würden Sie das Mikrofon ein bißchen näher nehmen.

 

Zeuge Milton Buki:

Jo. Ich ken sich nicht gut orjentirn, derfar wejl ich bin gekumen dos erschte mol ahin dortn un mir hobn gesejn a solchs min is geworn wild. Mir hobn dos gesen, is mer nischt farblibn

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Herr Vorsitzender, Sie möchten doch sicherstellen, daß sowohl der Zeuge als auch der Dolmetscher etwas näher an das Mikrofon herangehen. Man hört es hier einfach nicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Jo. Also red a bisl - näher - ins mikrofon.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie sich ein bißchen näher setzen, ja?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja. Ich glaube, das ist jetzt richtig. Ist das richtig jetzt?

 

Vorsitzender Richter:

So geht es besser, ja. Und stellen Sie das noch ein bißchen [+ näher], bis an den Tischrand. Der Zeuge sitzt immer noch ein bißchen weit [+ weg]. So.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also ich möchte gern wissen, wo der Platz war, wo diese Kleidungsstücke, wie Sie sagten, diese Klamotten, herumlagen und wo die Menschen nachher verbrannt worden sind.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich ken sich nischt erinern, wejl das erschte mol, wen wir komen und sen, - daß welches vorgekommen ist - die Häftlinge waren in der gestreiften Kleidung, und geworfen auf das Feld, Erschossene. Und wir waren so, daß ich nicht den Platz erinnern kann, wo es war. Das war das erste Mal. Aber wie ich jetzt denke, glaube ich, daß es war nicht an dem Platz von den Gaskammern.

 

Vorsitzender Richter:

Wie sagt er?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge sagt, er kann sich nicht genau erinnern, wo der Platz gewesen ist. Der Schock bei der Ankunft war sehr groß, als sie diese gestreiften Kleider herumliegen sahen und auch tote Menschen. Es lagen auch erschossene Leichen herum. Er glaubt aber, angeben zu können, das war der Platz vor dem Krematorium.

 

Vorsitzender Richter:

War denn damals schon ein Krematorium da?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun sagten Sie: der Platz vor dem Krematorium. Wurde da später ein Krematorium hingebaut?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ich habe das nicht gesagt.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wo ist nachher ein Krematorium dort gebaut worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Das Krematorium wurde nachher näher zum Lager gebaut.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Die Krematorien wurden nachher näher zum Lager gebaut, nicht an dem Platz, an den der Zeuge gekommen ist.

 

Vorsitzender Richter:

War denn nachher dort an diesem Platz vielleicht doch ein Krematorium, das nicht erst gebaut wurde, sondern das vielleicht aus umgebauten Bauernhäusern bestand?

 

Zeuge Milton Buki:

Vor den Krematorien war kein Krematorium. - Nor di lajchn worn gebrent in di graben.

 

Vorsitzender Richter:

In den Gräben. Und waren denn da Häuser, wo die Leute vergast worden sind?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, kleine Häuschen.

 

Vorsitzender Richter:

Kleine Häuschen. Waren das früher Bauernhäuser?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glojb nicht, es wor gekalkt wejß. Es wor nicht gebojt.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Weiß gekalkte Häuser.

 

Vorsitzender Richter:

Häuschen, ja. Und diese Häuschen waren außerhalb dieses Lagers, waren etwas weiter entfernt, und zwar oben von den Krematorien abgesetzt. Sehen Sie da hinten so braune Blöcke?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Dürften das diese Häuser gewesen sein?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, das war weiter wie die Krematorien, bevor.

 

Vorsitzender Richter:

Weiter.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Aber es war »Sonderkommando« I und »Sonderkommando« II.4 Es war geteilt, die zum Verbrennen waren... die Gräben waren ganz besondere von den Kommandos. Es war abgeteilt.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Die Kommandos haben besondere Leichenverbrennungsgräben zugeteilt bekommen: »Sonderkommando« I und »Sonderkommando« II.

 

Vorsitzender Richter:

Und als Sie hinkamen, wie viele »Sonderkommandos« bestanden denn damals?

 

Zeuge Milton Buki:

Wie?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wifl komandos senen gewejn zu der zejt, wo ir sind ungekumen in lager?

 

Zeuge Milton Buki:

Wen ich bin gekumen in lager, glojb ich, is kejner nicht gewejn, wejl fon unds hot men genumen 200 man.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge sagt, zu der Zeit, wo er angekommen ist, gab es keine »Sonderkommandos«. Aus seinem Transport wurden 200 Häftlinge ausgewählt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun spricht er doch eben von »Sonderkommando« I und »Sonderkommando« II.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Also müssen doch zwei »Sonderkommandos« bestehen.

 

Zeuge Milton Buki:

Es waren von den Ankommenden 200 Mann ausgeteilt, und von den 200 Mann wurden geteilt 100 und 100, und nachher wurden mehr [dazugenommen].

 

Dolmetscher Grünblatt:

Also von den ursprünglich 200 ausgewählten Häftlingen wurden die in zwei Gruppen je 100 aufgeteilt. Nachher wurden noch weitere dazugenommen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie viele Häuser waren denn zur Vergasung damals vorgesehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Wie?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Bitte wiederholen Sie die Frage, Herr Vorsitzender.

 

Vorsitzender Richter:

Wie viele Häuser waren damals zur Vergasung vorgesehen?

 

Zeuge Milton Buki:

»Sonderkommando« I war ein Haus, und »Sonderkommando« II war ein zweites Haus.

 

Vorsitzender Richter:

Also zwei Häuser insgesamt, ja? Und wie viele Menschen gingen denn in ein solches Haus?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, bei 2.000. Ich glaube, 2.000 oder 1.000. Ich kann mich nicht erinnern. Die Krematorien gedenke ich Bescheid, aber damals gedenke ich nicht Bescheid.

 

Vorsitzender Richter:

Damals haben Sie keine Erinnerung mehr daran.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie lange wurden denn in diesen beiden Häusern Menschen vergast?

 

Zeuge Milton Buki:

Bis di krematoriums gebojt sind.

 

Vorsitzender Richter:

Und wann war das, bitte?

 

Zeuge Milton Buki:

Nachher war das nicht. Nachher war bei den ungarischen Transporten

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Wan hot men gebojt di krematorien?

 

Zeuge Milton Buki:

Die krematoriums, glojb ich, 43.

 

Vorsitzender Richter:

1943. Und wie viele Krematorien wurden denn 43 gebaut?

 

Zeuge Milton Buki:

Es woren gebojt vir.

 

Vorsitzender Richter:

Vier Krematorien. Wurden die gleichzeitig fertig, oder wurden die nacheinander fertig?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, es war nicht zusammen. - Ich glojb as krematorium II war bevor die krematorium I.

 

Vorsitzender Richter:

Erst das Krematorium II?

 

Zeuge Milton Buki:

So, so

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Dann das Krematorium I? Ja?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, ich denke so.

 

Vorsitzender Richter:

Sie denken so. Und wie ist es mit III und IV?

 

Zeuge Milton Buki:

III und IV, glojb ich, ken ich nicht... Ich bin nimals gekumen III und IV.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind niemals nach III und IV gekommen. Sie waren dann später in welchem der Krematorien tätig?

 

Dolmetscher Grünblatt:

In wos far a krematorium hot ir gearbet?

 

Zeuge Milton Buki:

In II.

 

Vorsitzender Richter:

In II. Das war im Jahr 1943. Und können Sie sich entsinnen, ob es Frühjahr war oder Sommer oder Herbst oder Winter?

 

Zeuge Milton Buki:

Was sennen gebojt [unverständlich]

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann mich speziell nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Sie können sich nicht erinnern. Nun, da waren Sie also einige Monate an diesen Bauernhäusern tätig, wo die Leichen in Gräben verbrannt wurden.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wurden da täglich Vergasungen vorgenommen?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Is es tugteglech geschejn, as man di menschen vergaset hot?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Merstens tagteglich.

 

Vorsitzender Richter:

Meistenteils?

 

Zeuge Milton Buki:

Tagtäglich, am Tag und bei Nacht.

 

Vorsitzender Richter:

Bei Tag, auch in diesen Bauernhäusern?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Auch in der Nacht, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Milton Buki:

Wenn die Transporte gekommen sind.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn Transporte gekommen sind. Und wissen Sie, wer damals diese Leitung von seiten der SS gehabt hat?

 

Zeuge Milton Buki:

Die Leitung waren der Kaduk und Moll.

 

Vorsitzender Richter:

Kaduk und Moll?

 

Zeuge Milton Buki:

Moll, ja. Die waren das.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie bitte, wie lange hatte der Kaduk die Leitung da?

 

Zeuge Milton Buki:

Der Kaduk war [+ da], bis die Krematorien fertig wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Bis die fertig wurden? Und dann hat er die Leitung nicht mehr gehabt?

 

Zeuge Milton Buki:

Habe ich Kaduk nicht mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht mehr gesehen. Und wer war dann der Leiter?

 

Zeuge Milton Buki:

Der war Muhsfeldt. - Ich hob zum balejgen dos von dem Muhsfeldt. - Die Erklärung habe ich abgegeben 1946.

 

Vorsitzender Richter:

Wo haben Sie 1946 diese Erklärung abgegeben?

 

Zeuge Milton Buki:

Die Erklärung habe ich abgegeben, ich war als Zeuge nach Lüneburg genommen. Es war der Prozeß gegen Hössler und andere, Schwarzhuber.5

 

Vorsitzender Richter:

Gegen Hössler und Schwarzhuber?

 

Zeuge Milton Buki:

Schwarzhuber und andere, glaube ich.

 

Vorsitzender Richter:

Bestehen Bedenken, daß ich diese Erklärung einmal verlese? Keine Bedenken. Im allseitigen Einverständnis der Prozeßbeteiligten ergeht Beschluß: Die von dem Zeugen überreichte Erklärung, datiert: Linz, den 14. Februar 46, und unterschrieben von dem Zeugen, soll verlesen werden.6

»Meilech Buki, Oberösterreich. Ich, Meilech Buki, geboren am 1. November 1909 zu Drobin, Kreis Plock in Polen, war vom Dezember 1942 bis Januar 1945 als politischer Häftling im Lager Auschwitz II. Ich war bei einem »Sonderkommando« beschäftigt, das hauptsächlich bei Arbeiten im Krematorium verwendet wurde. Wie ich erfahren habe, ist SS-Oberscharführer Muhsfeldt als »Henker von Majdanek« verhaftet worden. Muhsfeldt war später Chef der Krematorien I und II in Birkenau bei Auschwitz und auch mein Vorgesetzter.

Ich erinnere mich ganz genau, wie Muhsfeldt alleine 300 Häftlinge erschossen hat. Diese 300 Menschen brachte man eines Tages vom zweiten Arbeitslager zum Krematorium. Muhsfeldt wählte einen Mann aus und befahl ihm, einen Walzer zu singen, und versprach ihm, ihn dafür am Leben zu lassen. Nachdem die 300 Leute erschossen waren, hat er auch den Sänger getötet. Obwohl die Schüsse nicht gleich tödlich waren und viele Opfer noch lebten, gab er trotzdem den Befehl, sie in die Leichenhalle zwecks Verbrennung zu schaffen. Nach jedem umfallenden Opfer lachte er zynisch auf.« "Von seinem besonderen Sadismus zeugt die Tatsache, daß er sich eine Spezialrute hat anfertigen lassen, bestehend aus einem Draht, überzogen mit Leder. Mit diesem Instrument schlug er unbarmherzig alle diejenigen Opfer, die zum Vergasen bestimmt waren, und gleichfalls unser Arbeitskommando. Eines Tages hat er auch unseren Kapo namens Kaminski, einen polnischen Juden, grundlos erschossen. Beim Appell gab er uns dieses bekannt und fügte gleichzeitig hinzu: »So mache ich es auch mit euch.«

Nach seiner Ankunft in Auschwitz hat er die einzelnen Arbeitskommandos umgruppiert. Er verringerte die einzelnen Kommandos, verlangte aber trotzdem die gleiche Arbeitsleistung wie früher. Naturgemäß konnte das gleiche Arbeitspensum nicht erfüllt werden. Daraufhin schlug er uns ständig und erklärte, wir würden Sabotage treiben. Außerdem hat er uns nach der schweren Arbeit immer noch abends Strafsport machen lassen.

Ein Arbeitskamerad hat einmal heimlich einem im Krankenbau befindlichen Kranken ein Stück Brot gebracht. Muhsfeldt hat dies erfahren und daraufhin den Arbeitskameraden so geschlagen, daß er kurze Zeit später an den Verletzungen starb.

Ich erkläre, vorstehende Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht zu haben. Linz- Bindermichl, den 14. Februar 1946«, unterschrieben: »Meilech Buki, Häftlingsnummer 80.312 des Lagers Auschwitz". Das kann dem Zeugen wieder zurückgegeben werden.

Also das beschäftigt sich mit dem Muhsfeldt. Muhsfeldt war, wie Sie sagten, Leiter von den Krematorien I und II.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das stimmt. Aber bis Sie dorthin kamen, zu dem Krematorium II, waren Ihre Vorgesetzten Moll und Kaduk.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Das stimmt?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, was für einen Rang damals der Kaduk gehabt hat, was für einen Dienstgrad?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, daß er Unterscharführer war. Aber wir haben ihm immer einen größeren Rang gegeben, wir haben ihn gerufen Hauptscharführer, Hauptsturmführer, das...

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Aber ich glaube, daß er Unterscharführer war.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie haben gar keinen Zweifel, daß es Kaduk war, der Sie befehligte?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, keinen Zweifel.

 

Vorsitzender Richter:

Keinen Zweifel. Und Sie würden ihn auch heute wiedererkennen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube schon. Das ist schon 20 Jahre her, aber er war in Uniform. Aber ich glaube, daß ich [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie Bilder von ihm gesehen in der Zwischenzeit?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, ich habe keine Bilder. Nur ich habe nach dem Krieg ein Buch schreiben sollen, und der Kaduk ist vermerkt in meinen Schriften, welche ich hier in jiddisch geschrieben habe. Der Kaduk

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ich meine jetzt nicht Schriften, sondern ich meine Bilder. Haben Sie Bilder

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Bilder von Kaduk habe ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Auch in der Zeitung

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ich habe keinen Apparat gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Auch in der Zeitung haben Sie keine Bilder gesehen, jetzt, während des Prozesses?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Nein, nein, in Amerika habe ich keine Bilder gesehen. Ich habe viel gelesen wegen dem Schweinehund, aber...

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun weiter. Dieser Angeklagte Kaduk war also, vordem die Krematorien errichtet waren, Ihr Vorgesetzter bei der Vergasung und der Verbrennung der Menschen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Buki, wollen Sie uns doch einmal sagen, wie diese Vergasung und die nachfolgende Verbrennung vor sich ging. Wer hat die Leute dorthin gebracht? Wer hat ihnen was befohlen, und was haben die Leute dann getan? Wollen Sie uns das doch bitte mal schildern.

 

Zeuge Milton Buki:

Beser wolt gewen zu entfern ojf fragen, wajl ich bin nischt instand fisisch das zu machen noch gajstik, derfar wajl ich bin sejer ojfgeregt. Zu redn derfraj ken ich nischt. Af fragn ken ich entfern.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Zeuge bittet, ihm Fragen zu stellen. Er ist wegen seiner Aufregung und physischen Erschöpfung nicht in der Lage, ausführlich zu berichten.

 

Vorsitzender Richter:

Gut. Also: Wo kamen denn die Leute her, die da vergast werden sollten?

 

Zeuge Milton Buki:

Die kamen auf Lastwagen.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Lastwagen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wurden diese Lastwagen bis an die Häuser herangefahren, die zur Vergasung bestimmt waren?

 

Zeuge Milton Buki:

Die waren, ich glaube, 100, 200 Meter von den Lastwagen.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

200 Meter. Wissen Sie, ob diese Lastwagen die Leute von einem Eisenbahnzug geholt hatten, der dort ausgeladen worden war in Auschwitz oder in Birkenau?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich war nicht dabei. Aber ich nehme an, so wie ich angekommen bin. Ich habe gesehen, wie es vorgekommen ist [zuvor], ich glaube, dasselbe ist nachher.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wie war das, als Sie gekommen sind?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich bin gekommen, da habe ich gesehen, wie Männer von Frauen und Kindern abgeteilt

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sind Sie mit dem Eisenbahnzug gekommen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und da sind die Männer und die Frauen und die Kinder getrennt worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie viele Leute sind denn aus Ihrem Transport ins Lager übernommen worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Wir sind gekommen, [Pause] ich glaube

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Na, ungefähr.

 

Zeuge Milton Buki:

2.000. Es ist möglich, 2.000, ja.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie meinen, Sie wären etwa 2.000 Menschen gewesen?

 

Zeuge Milton Buki:

Bei 2.000. Aber ins Lager gekommen sind ein paar hundert junge Männer.

 

Vorsitzender Richter:

Ein paar hundert sind ins Lager gekommen. Und Sie glauben, daß auch die Leute, die mit den Lastwagen an diese beiden Häuser herangefahren gekommen sind, daß auch diese Menschen auf demselben Weg nach Auschwitz gekommen sind wie Sie?

 

Zeuge Milton Buki:

So glaube ich.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. So nehmen Sie das jedenfalls an. Wenn nun diese Lastwagen ankamen an den Häusern, wer hat denn nun zu den Leuten etwas gesagt, was sie tun sollten, daß sie aussteigen sollten? Oder hat man sie einfach abgekippt, oder wie war das gewesen?

 

Zeuge Milton Buki:

Die waren bewacht von SS mit Hunden.

 

Vorsitzender Richter:

SS mit Hunden.

 

Zeuge Milton Buki:

Hunde, ja. Und die SS... Es waren keine Befehle, es war Ausziehen und Anstellen.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat das gesagt?

 

Zeuge Milton Buki:

Die SS.

 

Vorsitzender Richter:

Die SS.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, wer von diesen SS-Leuten bei diesem Kommando dabei war? Haben Sie da welche gekannt?

 

Zeuge Milton Buki:

Der Befehlsgeber war Kaduk.

 

Vorsitzender Richter:

War Kaduk.

 

Zeuge Milton Buki:

Kaduk. Aber es war eine Menge mehr, die Wachleute.

 

Vorsitzender Richter:

Es waren noch Wachleute dabei.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Kaduk war der Befehlsgeber. War es auch Moll ab und zu?

 

Zeuge Milton Buki:

Moll war es zeitweise, nicht immer.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht immer.

 

Zeuge Milton Buki:

Achtermann war [+ da].

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß der?

 

Zeuge Milton Buki:

Ein SS-Mann. Achtermann.7 [...] Es waren noch mehr, aber ich erinnere nicht die Namen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und Kaduk befehligte dieses Kommando.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und der gab auch den Befehl "Ausziehen!«?

 

Zeuge Milton Buki:

Kaduk hat den Befehl "Ausziehen!« nicht gegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Milton Buki:

Das haben die niedrigeren [SS-Grade] gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nun mußten sich die Leute auf dem freien Platz da ausziehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Auf dem freien Platz ausziehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nachdem sie ausgezogen waren, was sagte man dann?

 

Zeuge Milton Buki:

Da sind sie mit Hunden in die Gaskammern getrieben worden.

 

Vorsitzender Richter:

In diese Häuser da, in diese zwei Häuschen?

 

Zeuge Milton Buki:

In die Häuschen, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und sie sind hineingetrieben worden. Wer hat ihnen denn den Befehl gegeben hineinzugehen? Waren das auch die niedrigen Dienstgrade, oder war da auch Kaduk dabei?

 

Zeuge Milton Buki:

Die sagten nicht mehr als "Aufgehen!« und "Aufgehen!«, aufgemacht die Tür mit den Hunden, kompakter, das heißt - nenter, nentergebracht an das hojs.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Aber nicht immer sind die alle rein.

 

Vorsitzender Richter:

Sie gingen nicht alle rein.

 

Zeuge Milton Buki:

Sie gehen nicht alle rein, und es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Weil es zu viele waren oder weil sie nicht wollten?

 

Zeuge Milton Buki:

Viele wollten nicht. Manches Mal war das auch zuviel.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und die letzten, welche gebracht wurden, waren alte, kranke Leute, die sich sogar ausziehen [unverständlich], in der Kleidung wurden die erschossen von draußen.

 

Vorsitzender Richter:

Draußen erschossen in der Kleidung.

 

Zeuge Milton Buki:

Draußen erschossen in der Kleidung.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat das gemacht?

 

Zeuge Milton Buki:

Meistenteils hat der Kaduk das gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind die Leute auch hineingetrieben worden in die Kammern, wenn sie nicht wollten?

 

Zeuge Milton Buki:

Mit Hunden, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Mit Hunden.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ist auch auf sie geschossen worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Auf die geschossen? Na, die konnten schon nachher nicht gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte? Ich verstehe nicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Hot men af di mentschn geschosn kedej si arajnzutrajbn in dise hajslech?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, die, welche nicht reinkonnten.

 

Vorsitzender Richter:

Die, welche nicht reinkonnten, die wurden

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Auf die wurde geschossen.

 

Zeuge Milton Buki:

Die wurden erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Erschossen. Aber so daß die Leute da hineingedrängt wurden und hinterhergeschossen wurde, damit sie schneller hineingingen in die Kammern, kam das auch vor?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Das kam nicht vor.

 

Zeuge Milton Buki:

Nein. Daß sie dann mit den Hunden [reingetrieben haben].

 

Vorsitzender Richter:

Die haben die Hunde reingetrieben. Und ist das öfter vorgekommen, daß Kaduk da Menschen erschossen hat?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Um wie viele Menschen handelte es sich dabei jeweils, um einen oder um mehrere, die er da totgeschossen hat?

 

Zeuge Milton Buki:

Mehrere.

 

Vorsitzender Richter:

Mehrere.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, das waren alte Leute, kranke Leute meistenteils. Die, welche nicht reinkonnten, die [wurden draußen] erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Womit hat denn Kaduk geschossen?

 

Zeuge Milton Buki:

Manches Mal hat er eine große Pistole gehabt und auch Maschinengewehre.

 

Vorsitzender Richter:

Und Maschinenpistole?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich war niemals im Militär. Ich weiß nicht den Unterschied von Maschinenpistole und... Aber er hat immer eine Pistole getragen.

 

Vorsitzender Richter:

Im Gürtel?

 

Zeuge Milton Buki:

Eine große Pistole getragen im...

 

Vorsitzender Richter:

Aber manchmal hatte er auch ein Gewehr, ein Maschinengewehr, wie Sie sagten, ja?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ja, er hat [+ es] getragen immer [über die] Schulter.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun, sagen Sie mal, wie oft ungefähr konnten Sie das beobachten, daß Kaduk derartige Erschießungen vorgenommen hat?

 

Zeuge Milton Buki:

So wie ich gesagt habe: Am Anfang war es schwer, [+ sich] zu orientieren, aber nachher waren wir es schon gewohnt, jedesmal haben wir es beobachtet, was er gemacht hat.

 

Vorsitzender Richter:

Waren das mehr als fünf Mal?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube schon, das war eine längere Zeit. Ich habe nicht - gezajlt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben nicht gezählt.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe keinen - record - geführt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben keine Rechnung geführt. Nun, sagen Sie bitte, was geschah mit den Leuten, die auf diese Weise erschossen worden sind?

 

Zeuge Milton Buki:

Wenn der Bunker voll war, dann haben die die Tür versiegelt.

 

Vorsitzender Richter:

Zugemacht.

 

Zeuge Milton Buki:

[Verschraubt.] Und nachher war ein Fenster, kleines Fenster, die haben das Zyklongas reingeschmissen.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat denn das gemacht?

 

Zeuge Milton Buki:

Das war ein spezieller Mann, der von der »Sauna" gekommen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Von der »Sauna"?

 

Zeuge Milton Buki:

Von der »Sauna«, ja. Ich glaube

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Von wo? - Fun wo is er gekumen?

 

Zeuge Milton Buki:

Von der »Sauna".

 

Dolmetscher Grünblatt:

»Sauna"?

 

Zeuge Milton Buki:

»Sauna«, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, von der »Sauna".

 

Zeuge Milton Buki:

Das war der

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Von der »Sauna".

 

Zeuge Milton Buki:

Und wenn ich [mich nicht irre], das war in einem Auto vom Roten Kreuz.

 

Vorsitzender Richter:

Also wenn Sie sich nicht irren, meinen Sie, er sei mit einem Auto vom Roten Kreuz gekommen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, jedesmal ist mitgekommen ein Auto vom Roten Kreuz.

 

Vorsitzender Richter:

Jedesmal ist mitgekommen ein Auto vom Roten Kreuz.

 

Zeuge Milton Buki:

Am Anfang, als ich das erste Mal gekommen bin, habe ich gedacht, daß, wenn das Rote Kreuz... - er nimt keder, wos heist er versorgt es.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja. Er hat ursprünglich angenommen, daß die Rotkreuz-Ambulanz dafür da ist, um sich um die Kranken zu kümmern.

 

Vorsitzender Richter:

Waren da auch Ärzte dabei?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch Namen von diesen Ärzten kennengelernt?

 

Zeuge Milton Buki:

Nicht viele.

 

Vorsitzender Richter:

Und welche?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann nicht die Namen erinnern, ich bin zu aufgeregt.

 

Vorsitzender Richter:

Sollen wir mal eine Pause machen?

 

Zeuge Milton Buki:

Bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Sollen wir mal eine Pause machen in Ihrer Vernehmung?

 

Zeuge Milton Buki:

Wenn Sie wollen, bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bevor wir aber eine Pause einlegen, wollen wir doch zunächst die Angeklagten noch einmal vortreten lassen.8

 

- Schnitt -

 

Vorsitzender Richter:

eben uns damit befaßt, daß die Menschen, die dort eingeliefert wurden, in diese Bauernhäuser hineingetrieben wurden und daß dann jemand kam, der dieses Giftgas hineingeworfen hat. Wer das gewesen ist, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Milton Buki:

Zum bajspiel

 

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Wer hot arajngeworfn das giftgas in di hojslech zuerst?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, aber den Namen erinnere ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

An den Namen erinnern Sie sich nicht. Sie haben inzwischen die Angeklagten sich hier angesehen und haben gesagt, daß Sie sich auf die Person des Angeklagten Kaduk genau erinnern könnten.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, ich muß Ihnen hier folgendes vorhalten: Der Angeklagte Kaduk hat uns bisher immer wieder versichert, er sei überhaupt nie in Birkenau gewesen, sondern er sei vom Anfang bis zum Schluß nur im Stammlager Auschwitz gewesen.

 

Zeuge Milton Buki:

Das ist ajn lign!

 

Vorsitzender Richter:

Das ist nicht wahr, sagen Sie. Sondern Sie können sich genau darauf erinnern, daß er in diesen Gaskammern in Birkenau tätig geworden ist?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, wenn Sie erlauben, dann gebe ich dem Dolmetscher - er soll in jiddisch lesen -, was ich gleich nach dem Kriege geschrieben habe, daß der Kaduk, wegen dem Kaduk...

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Bitte schön, ja, geben Sie es ihm. [...] Also Sie haben hier eben den Angeklagten Kaduk wiedererkannt. Und es ist für Sie auch kein Zweifel, daß keine Namensverwechslung vorliegt?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, ich habe...

 

Dolmetscher Grünblatt:

Kent ir dos lejsn un ich wer ibertajtschn?

 

Zeuge Milton Buki:

Bitte?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Kent ir dos lejsn ich wer ibertajtschn?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich soll es ihm geben zum Lesen, einen Moment. [Pause] "Auf den Befehl«, hier, "vom Unterscharführer Kaduk"...

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja. "Auf den Befehl von Unterscharführer Kaduk"

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Bitte langsam noch einmal.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ojfn bafel fun... Soll ich direkt ibersetzen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, übersetzen Sie bitte direkt.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ah, dann muß ich es zuerst lesen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Dann lesen wir es zusammen, ja.

 

Zeuge Milton Buki:

"Ojfn bafel fun unterscharfirer Kaduk tajlt der Kapo ajn arbet in farschejdene komandos.«

Dolmetscher Grünblatt:

"Auf den Befehl von Unterscharführer Kaduk teilt der Kapo die Arbeit unter den verschiedenen Kommandos ein.«

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Weiter.

 

Zeuge Milton Buki:

»Di gasmaskn, di welche zijen arojs di kerpers fun bunker un warfn ales afn plats«...

 

Dolmetscher Grünblatt:

Is gasmaske is gewen a grupe?

 

Zeuge Milton Buki:

"Ja, di welche in di kamer arajn sind. Zwajtns di, welche schlepn sej zu zu di lorn. Di lornkomando welche ladn ajn di lorn zum tajl zuzubringn, tajl sej um sej wegzuschmajsn.«

Dolmetscher Grünblatt:

Also es folgen jetzt die Gruppen, in die die »Sonderkommando«-Häftlinge eingeteilt worden sind. Die Gruppe 1: Gasmaskengruppe, die haben die Leichen herausgezogen aus dem Bunker. Gruppe 2 waren die, die die Leichen gezogen haben bis zu den Loren. Gruppe 3 waren die, die die Leichen auf die Loren aufgeladen haben. Und was war die Gruppe 4?

 

Zeuge Milton Buki:

Fajerkomando, welche schmisn in fajer arajn.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Die Gruppe 4 war das sogenannte Feuerkommando, welches die Leichen in die Leichengruben reingeworfen hat.

 

Zeuge Milton Buki:

Das ist geschrieben 20 Jahre zurück. - Kent ir hinwajsn wi das papir un di...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, da erscheint also der Name Kaduk in dem Zusammenhang, daß er die Leute eingeteilt hat.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ohne Zweifel [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und das war also, wie Sie uns vorhin sagten, Ihr Vorgesetzter beziehungsweise Ihr Befehlsgeber.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, können Sie sich entsinnen, daß im Jahre 1943 einmal ein Transport mit 50 bis 70 Menschen9 kam, als Sie bereits zum Abmarsch sich bereitgemacht hatten, um nach dem Lager zurückzugehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns das bitte einmal erzählen.

 

Zeuge Milton Buki:

Einmal, als das Kommando [+ angetreten ist] - ich glaube, um fünf Uhr war Antreten von dem Kommando -, kommt ein Jungchen von zehn, elf Jahren zu dem Kommando und stellt [+ sich] auch in die Reihen. Und der Kaduk kommt her: »Was ist das für ein Junge?« Sagen wir: »Es ist ein Junge. Wir wissen nicht einmal, woher er kommt.« Aber wir wissen Bescheid, daß er von dem Transport war, weil manches Mal - di zusamengeklibn habn fun di ausbahaltene, di verwart warn in schtet un derfer haben die 50, 60 Mann gebracht, und di waren erschossen. - Nicht vergast, die waren erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, die waren bereits erschossen? Oder waren die noch am Leben, als sie kamen?

 

Zeuge Milton Buki:

Na, die waren am Leben. Die [wurden] dort erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Die wurden dort an Ort und Stelle erschossen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, Gas [wurde] nur benützt bei mehrere Zahl.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn [+ es eine] größere Zahl war.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, größere Zahl.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat die Leute denn erschossen?

 

Zeuge Milton Buki:

Das waren jedesmal andere.

 

Vorsitzender Richter:

Andere.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, aber nicht ausgeschlossen, der Kaduk auch.

 

Vorsitzender Richter:

Der Kaduk auch.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann nicht sagen, daß er immer der war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und als nun dieser Transport kam von 50 bis 70 Leuten, da kam dieser Junge und hatte sich von diesem Kommando losgelöst und war zu Ihnen zu dem »Sonderkommando« gelaufen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Und der Kaduk nimmt ihn bei der Hand und spricht zu ihm, beruhigt ihn, nimmt ihn zu einem Graben und erschießt ihn.

 

Vorsitzender Richter:

Nimmt ihn zu einem Graben und erschießt ihn dort?

 

Zeuge Milton Buki:

Erschießt ihn, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Zu einem solchen Graben, wo die Leichen verbrannt wurden?

 

Zeuge Milton Buki:

That's right.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja. Können Sie sich dann entsinnen, daß Sie einmal Ihren Bruder getroffen haben?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war denn das?

 

Zeuge Milton Buki:

Einmal hat man meinen Bruder gebracht von Auschwitz, der... Natürlich hat man die »Muselmänner« gerufen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Die »Muselmänner«, wissen Sie Bescheid schon, was der Name »Muselmänner« war?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und der hat mich gerufen beim Namen. Und ich habe - kajn acht gelajgt, - wir waren nicht - nenter zu di, - welche gebracht wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Wo war denn das? War das an diesen Häusern, wo die Vergasung...

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Da hat man die »Muselmänner« hingebracht.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und zwar auch, um sie zu vergasen dort?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Und als ich beobachtet habe, etliche Mal ruft man meinen Namen, habe ich mich [umgedreht], und von weitem habe ich meinen Bruder gesehen. Und ich habe schon [versucht], was zu sprechen mit dem, aber ich habe nicht gekonnt. Und von weitem hat er geschrien: "Bißchen Wasser!« Ob ich womöglich für ihn ein bißchen Wasser habe. Und ich habe kein Wasser gehabt.

Da habe ich einen Unterscharführer - es war so ein Kleiner, ich kann mich nicht erinnern [+ an] den Namen - gebeten: »Mein Bruder ist hier, fordert ein bißchen Wasser. [+ Ist es] möglich, kann ich [ihm] was verschaffen?« Es war Wasser in der Küche von Kaduk. Wir hatten ein Stübchen, und ein Häftling war der Koch für ihn. Und ich habe den Unterscharführer [gebeten], ein bißchen Wasser zu geben. Sagt er: »Es ist nicht erlaubt. Aber der Kaduk«, sagt er, »ist hier. Du [weißt] Bescheid, daß der Kaduk hier ist.« Und wenn ich den Kaduk gefragt habe: »Kann ich ein bißchen Wasser nehmen für meinen Bruder?«, dann schlägt er mich. Und der Kapo, als er bemerkte, daß das mein Bruder ist, sagt er zu mir: »Weißt du, geh mit den zehn Mann ins Lager und hol Mittag für das Kommando!«

 

Vorsitzender Richter:

Hat der Kapo gesagt?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Um Sie da wegzubringen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und in der Zwischenzeit waren zwei Mann von dem Kommando entflohen, die weggeschwommen sind in dem Wasser. Die haben im Wasser gearbeitet, beim Wasser natürlich, mit den [Gebeinen]. - Di bajner warn zestojsn fon di lajchn, nachher warn zerstojsn di bajner.

 

Vorsitzender Richter:

Was heißt: - Zestojsn di - [Gebeine]?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Zehakt.

 

Zeuge Milton Buki:

Zehakt af stiklech. Senen geworn asoj din zehakt un nochdem hot men es geton in waser. Fun di lajchn, fun di farbrente lajchn, hot men arojsgenumen di bajner, hobn sej arojsgenumen un zestiktl.

 

Vorsitzender Richter:

Ah, jetzt weiß ich es.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Die Knochen der verbrannten Leichen wurden zerstückelt und ins Wasser geworfen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Da waren zwei Leute geflohen.

 

Zeuge Milton Buki:

Sind ins Wasser rein, weggeschwommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und wir haben das nicht gewußt. Natürlich, wir waren im Lager Mittag[+ essen] holen. Als wir zurückkamen, am Wege haben wir schon gesehen, daß die Taxis mit den SS hin und zurück... Wir haben nicht gewußt, was passiert war. Aber als wir zum Platz kommen, ist [+ dort] der Kaduk, erwartet schon das Kommando von den zehn und fragt: »Wieviel wart ihr dort?« Und ich sage ihm: »Wir waren zehn, zehn Häftlinge.« Sagt er: »Du Schweinehund!« und schlägt mich. »Es waren zwölf.« Und er hat mich geschlagen. - Hot mich gekopjet, geschlogn mit di fis ojch zum gesicht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Er hat ihn mit den Füßen getreten und ins Gesicht geschlagen.

 

Zeuge Milton Buki:

Un nachher hot er uns gefirt zu di komando. Wi di komane hobn mir afn bouch gelegn far a par stundn.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Nachher wurden sie zu dem Kommando weitergeführt, und dem Kommando wurde befohlen, sich stundenlang auf den Bauch zu legen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. [Pause] Sie sagten, nachdem die Krematorien eingerichtet waren, da ist Kaduk nicht mehr erschienen in Birkenau. Haben Sie Kaduk dann noch einmal woanders gesehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe Kaduk gesehen bei der Evakuierung von Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Bei der Evakuierung.

 

Zeuge Milton Buki:

Am Weg.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was haben Sie da von ihm gesehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Dieses Mal hat er [+ es] gemacht so wie jeder SS-Mann: Die, welche [beim] Marsch nicht so gegangen sind und die verhalten [unverständlich], sind erschossen worden und sind mit den Füßen in den Graben geworfen worden von dem Weg.

 

Vorsitzender Richter:

Also diejenigen, die angehalten haben, die nicht mehr weiterkonnten, sind erschossen worden und sind in den Graben geworfen worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich verstehe nicht. - Kenst du mir sogn [unverständlich]

 

Dolmetscher Grünblatt:

Hot men sej arajngeworf in di grubn nachdem men sej erschosn hat oder hot men sej

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nicht in den Gruben, in den Straßengraben.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja das heißt so in jiddisch.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte? So. Ja. Nun, das war, wie Sie glaubten sich zu erinnern, am 18. Januar 45.

 

Zeuge Milton Buki:

Wir [wurden] evakuiert am 18. Januar. Aber das war einen Tag oder zwei später, am Wege war das.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Kaduk hat hier behauptet, er hätte diesen Evakuierungsmarsch gar nicht mitgemacht.

 

Zeuge Milton Buki:

Wenn er sagt, daß er nicht in Birkenau war, dann kann er das schon sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also Sie sagen, Sie können sich bestimmt darauf erinnern, daß er an diesem Marsch

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ja, ich habe ihn gut, ich habe ihn viel zu gut gekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

[Pause] Er war immer besoffen.

Sprecher (nicht identifiziert):

[unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Na, das hat er vorhin doch schon gesagt. Also daß Kaduk und Moll zusammen mit den Hunden die Leute in die Gaskammern getrieben haben, das hatten Sie uns ja vorhin schon gesagt.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann nicht sagen, daß der Kaduk einen Hund gehabt hat. Und der Moll auch nicht. Es waren andere SS-Leute von der Bewachung, welche mit den Hunden waren. Welche, die mit den Transporten gekommen sind. Weil die Männer sind zu Fuß gekommen meistenteils. Und Frauen und Kinder an die Lastautos - und Kranke.

 

Vorsitzender Richter:

Und können Sie sich entsinnen, daß sich Häftlinge von diesem »Sonderkommando« einmal geweigert haben, die Arbeit zu tun?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Is es forgekumen, as di »sonderkomandos«-heftlinge hobn nischt gewolt arbetn?

 

Zeuge Milton Buki:

Es waren Zeiten, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und was geschah denn mit diesen Häftlingen?

 

Zeuge Milton Buki:

Einmal war das der Moll, hat zwei Leute genommen und - di ojwns farmacht.

 

Vorsitzender Richter:

Was soll das heißen, bitte schön?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wos hot ir gemajnt?

 

Zeuge Milton Buki:

Hot zwej man arajngelegt in di ojwns, di ojwns hobn nischt gebrent, natirlech. Un er hot sej farmacht, farschoftn af a gewiser zajt, hot er sej geschmisn in waser arajn un hot gezil af sej un geschosn.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Der Moll hat zwei Leute für eine gewisse Zeit in nicht geheizte Krematorienöfen gesteckt, dann herausgeholt, die Leute ins Wasser gestoßen und auf die mit der Pistole gezielt.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war Moll?

 

Zeuge Milton Buki:

Moll, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und das war auch zu einer Zeit, als die Krematorien schon in Betrieb waren?

 

Zeuge Milton Buki:

Moll war nachher auch.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Von Zeit zu Zeit, nicht immer.

 

Vorsitzender Richter:

Von Zeit zu Zeit. Nun sagen Sie, können Sie sich auch entsinnen, daß auf diese Häftlinge des »Sonderkommandos« Hunde gehetzt worden sind, weil sie sich geweigert hatten, diese Arbeiten zu verrichten?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Hot men di hind gehetst af di »sonderkomando«-heftlinge, wos hobn nischt gewolt di arbejt ojsfirn?

 

Zeuge Milton Buki:

Nachher ist [+ es] zum Aufstand gekommen für die...

 

Vorsitzender Richter:

Das war, als das Krematorium schon...

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, fertig.

 

Vorsitzender Richter:

In Gang war.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, ich meine jetzt noch die Zeit, vordem die Krematorien benutzt worden sind.

 

Zeuge Milton Buki:

Dann sind, ich kann es nicht feststellen, 200 oder 400 Mann weggenommen [+ worden], und die [wurden] umgebracht. 200 [kamen] nach Lublin, sogar mein Schwager war [dabei] auch.10

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Was wissen Sie noch von diesem Aufstand, von dem Sie eben gesprochen haben?

 

Zeuge Milton Buki:

Wir haben den Aufstand organisiert, und der Aufstand [hätte] in dem ganzen Lager zusammen sein sollen. Und nachher ist das Lager zurückgetreten. Es war ein Tag bestimmt, den Aufstand zu machen, und an diesem Tage kam die Verstärkung von der SS, es waren Transporte. Und wir hatten ausgerechnet, den Aufstand an einem Tag zu machen, wenn nicht so viel SS in Auschwitz ist, in Birkenau natürlich. Und an dem Tag, [als mehr SS kam, ist] das Lager zurückgetreten. Aber wir haben das Datum [eingehalten], und wir haben den Aufstand gemacht. Und unglücklicherweise [wurden] 200 Mann erschossen bei dem...

 

Vorsitzender Richter:

Von dem »Sonderkommando«?

 

Zeuge Milton Buki:

Vom »Sonderkommando«, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso kam es, daß Sie damals nicht mit zu Tod gekommen sind?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ich war im zweiten, ich war gegenüber im zweiten Krematorium, in diesem Krematorium.11 War im zweiten. Und wir [hatten verabredet], wenn ein Signal, wenn ein Zeichen kommt, das Zeichen sollte sein, daß die hinten die Strohsäcke [anzünden]. Und wenn wir ein Feuer sehen, dann machen wir das auch. Und die haben die Strohsäcke [angezündet], und das [+ hat] nicht gebrannt. Und wir haben von dem Zeichen nicht gewußt.

 

Vorsitzender Richter:

Gewußt.

 

Zeuge Milton Buki:

Und die haben das gemacht an dem ersten Krematorium, an dem zweiten sind wir verblieben. Und nachher sind die gekommen, Hauptsturmführer Schwarz und Houstek, und haben uns - farspartfar di ganze nacht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Eingesperrt.

 

Vorsitzender Richter:

Eingesperrt.

 

Zeuge Milton Buki:

Eingesperrt, und morgens haben wir die Arbeit zurückgestellt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und ist Ihr ganzes Kommando im Krematorium II nicht erschossen worden?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Die nicht?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein. Einer ist erschossen worden, weil der Achtermann, welchen ich schon vorher bemerkt habe, hat ein Fahrrad gehabt, und die Luft war rausgelassen von dem Fahrrad. Wer das gemacht hat, das weiß ich gar nicht. Und dann der Houstek kam, und der Achtermann 12, sagt ihm: »Die Schweinehunde haben mein Fahrrad kaputtgemacht.« Hat er einen genommen, hat [ihn erschossen.]

 

Vorsitzender Richter:

Aber sonst ist den Leuten aus dem Krematorium II damals nichts passiert?

 

Zeuge Milton Buki:

Nichts passiert.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind Sie dann wieder in Ihre Unterkunft gekommen, in Ihre Baracken gekommen am nächsten Tag?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, wir haben in den Krematorien gelebt in dieser Zeit. Oben war das Bett und...

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren damals im Krematorium selbst untergebracht.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sind noch Fragen des Gerichts?

 

Richter Hotz:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Richter Hotz:

Herr Zeuge, wie lange war Kaduk Ihr Vorgesetzter?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe vorhin gesagt

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Wie viele Monate?

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Bis zu den Krematorien.

 

Richter Hotz:

Ja, insgesamt? Wie viele Monate schätzen Sie?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich glaube, acht Monate bis ein Jahr, zehn Monate. Genau kann ich nicht feststellen, wieviel Monate. Aber jedenfalls, als die Krematorien fertig waren, dann habe ich schon

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie sind im Dezember 42 erst hingekommen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und 43 ist das Krematorium in Betrieb genommen worden.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, so denke ich.

 

Vorsitzender Richter:

Und da sagten Sie, erst ist das Krematorium I in Betrieb genommen worden.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Milton Buki:

Sicher kann ich es jetzt nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Sicher können Sie nicht. Also Sie sagen

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ich kann sogar nicht [erinnern] jetzt, welches war Nummer I und Nummer II.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich bin sehr aufgeregt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen also nicht genau, wie lange Sie da an diesen zwei Häuschen gearbeitet haben, bis Sie in die Krematorien gekommen sind.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wie lang sind Ihr geschäftig gewesen bei diesen Häuschen, bei den kleinen, bei den - pojerischen hojschen, wos hot man zuerst di menschn fargast? Wi lang sajt ir dort gescheftigt gewesn? Wi lang hot ir do gearbet?

 

Zeuge Milton Buki:

Far wos?

 

Dolmetscher Grünblatt:

In di hojslech, wo man hot di menschn geharget.

 

Zeuge Milton Buki:

Ah, in di hajslech. - Bis die Krematorien fertig waren. [Und sogar, als die Krematorien fertig waren], - di zwajte, di hajskes, warn in der Arbeit auch.

 

Richter Hotz:

Die Bunker.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, die Bunker.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Der Angeklagte Kaduk hat uns gesagt, er sei vom 28. Oktober 42 bis zum 21. August 43 im Krankenhaus gelegen wegen einer Malaria, wäre also in dieser Zeit gar nicht dort gewesen.

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Also Sie wissen bestimmt, daß er während dieser Zeit bei Ihnen dort Befehlsgeber war. Bitte schön.

 

Richter Hotz:

War Kaminski Ihr Kapo, oder war Kaminski Oberkapo der gesamten »Sonderkommandos«?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, Kaminski war mein Kapo. Ein Oberkapo war ein Reichsdeutscher.

 

Richter Hotz:

Ein Reichsdeutscher. Dann sagten Sie vorhin etwas, in der Küche von Kaduk sei Wasser gewesen. Habe ich Sie da richtig verstanden?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ir hot forhin derzejlt as der Kaduk a klajne kich gehabt hat un in der kich is gewejn waser?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Richter Hotz:

Wo war denn diese Küche?

 

Zeuge Milton Buki:

Das war ein sehr kleines Häuschen, er hat dorten seinen Koch gehabt. Ein Häftling von dem Kommando war ein Koch für ihn. Hat ihm - miteger - gekocht und hat ihm Kaffe gemacht am Morgen, jeden Tag.

 

Richter Hotz:

War dieses Häuschen in der Nähe der Bunker?

 

Zeuge Milton Buki:

Es war [etwa] 300 Meter vom Bunker.

 

Richter Hotz:

Aha.

 

Vorsitzender Richter:

Sind sonst noch Fragen? Bitte schön.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie sagten vorhin, daß die Leute mit Lkws zu den Häusern, zu den Bunkern gebracht wurden.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ir hot forhin gesogt, as men hot di menschn mit lastwagn gebracht?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und nun wußten Sie ja nicht, wo die herkamen. Können Sie mir wenigstens sagen: Wie waren diese Leute gekleidet?

 

Zeuge Milton Buki:

Die waren gekleidet in Zivil.

Ergänzungsrichter Hummerich:

In Zivil.

 

Zeuge Milton Buki:

[unverständlich] Sie kamen in Ziviltransporten, polnische Juden, ungarische Juden, rumänische Juden, deutsche Juden. Und es waren sogar die, ich habe schon vorhin [+ davon] gesprochen, die »Muselmänner« von den Lagern. Wir haben die gerufen »Muselmänner«, aber

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, wie kamen die »Muselmänner«? Das wollte ich wissen von Ihnen. Wie waren die gekleidet?

 

Zeuge Milton Buki:

In Streifen.

Ergänzungsrichter Hummerich:

In Streifen.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kamen auch Menschen auf Lkws, die nur in Hemd und Unterhose waren?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Kamen auch.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Manches Mal kamen sie ganz nackt.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und manchmal kamen Leute auf den Lkws ganz nackt?

 

Zeuge Milton Buki:

Ganz nackt.

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

Staatsanwalt Kügler:

Können Sie uns etwas darüber sagen, Herr Zeuge, was die Ärzte bei den Bunkern gemacht haben, die SS-Ärzte? Was haben die dort getan bei der Vergasung?

 

Zeuge Milton Buki:

Speziell kann ich [+ es] nicht sagen. Es waren in dem Kommando sogar Ärzte von den Häftlingen, wie ich erinnere, drei Ärzte. Und die Ärzte, die SS, wenn die dorthin kamen, haben die verschiedene Experimente gemacht. Die haben im - kaslojes - mit Wasser - tswojkes...

 

Dolmetscher Grünblatt:

Was haben sie gemacht?

 

Zeuge Milton Buki:

Tswojkes - mit Stoff, ich weiß nicht, - wos far a stof das is gewesn, alkohol oder wos...

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und hobn farshidene experimenten gemacht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Also verschiedene SS-Ärzte haben an den Häftlingen Experimente durchgeführt.

Staatsanwalt Kügler:

Ja, ich meine nun, ob diese SS-Ärzte bei der Vergasung selbst irgendeine Tätigkeit ausgeführt haben.

 

Zeuge Milton Buki:

Die waren dorten, aber sie haben nichts gemacht. Die, so nehme ich an, haben aufgepaßt, ob die Vergasung gut ist. Das war die humanitäre Arbeit von den Ärzten.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Rechtsanwalt Ormond. Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie haben vorhin den Vorgang mit Ihrem Bruder erzählt. Ist Ihr Bruder dort umgekommen?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Is ir bruder umgekumen in dem krematorium?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, mit einem Kommando von Auschwitz hat man ihn gebracht und vergast.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Welche weiteren Angehörigen haben Sie in Auschwitz verloren?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wos noch far krojwim hot ir farlojren in Auschwitz?

 

Zeuge Milton Buki:

Meg ich? Dos is der rechtsanwalt?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja, das ist der Rechtsanwalt.

 

Zeuge Milton Buki:

Rechtsanwalt. Ich kann die alle... Das war meine Frau, die Kinder

Dolmetscher Grünblatt [unterbricht]:

Der Zeuge hat hier Bilder seiner Familie, die in Auschwitz umgekommen ist.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und wer war das alles?

 

Zeuge Milton Buki:

Das waren meine Frau, meine Tochter, eine Schwester mit dem Mann und Kindern, ein Bruder mit der Frau und Kind und eine Schwester und drei Kinder und Schwiegereltern, Schwager, Schwägerin.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wie alt war Ihr eigenes Kind?

 

Zeuge Milton Buki:

Bitte?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wi alt is gewejn ajer kind?

 

Zeuge Milton Buki:

Acht Jahre.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, ist Ihnen der Name Baretzki in Erinnerung?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, zu bekannt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Was war Baretzki?

 

Zeuge Milton Buki:

Der Baretzki war Blockführer vom Lager, beim Antreten vor der Blockführerstube.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Können Sie sich an einen bestimmten Vorfall mit ihm erinnern?

 

Zeuge Milton Buki:

Es war ein Vorfall im »Sonderkommando«. Er kommt in die Baracke, sehr oft war [+ er] in der Baracke. Und ich habe schon vorher gesagt, daß das Kommando überwacht war von einer Wache, von den Häftlinge natürlich. In der Tür war die, damit keiner rausgehen soll und kein Fremder reinkommen soll. Und jedesmal, wenn

 

- Schnitt -

 

Dolmetscher Grünblatt:

gesehen?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie bestimmt, daß der Betreffende an den Folgen der Mißhandlung gestorben ist?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ist der Mann gestorben, weil man ihn - asoj derharget hot?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich bin kein Arzt. Nur als menschliche Erfahrung weiß ich das. Aber ich habe nicht ärztlich festgestellt, ob er [daran] gestorben ist.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wer hat Ihnen denn erzählt, daß der Betreffende gestorben ist?

 

Zeuge Milton Buki:

Wir waren doch alle in einer Baracke.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Mann tot gesehen nachher?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wo ist er denn gestorben? In der Baracke?

 

Zeuge Milton Buki:

Im Krankenbau. Für das »Sonderkommando« war ein - boks [unverständlich], - waren das drei Etagen. Drei - boksn.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Drei Betten.

 

Zeuge Milton Buki:

Das war abgeteilt für den Krankenbau vom »Sonderkommando«. Weil das »Sonderkommando«[sollte] nicht in den allgemeinen Krankenbau kommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und dort ist er gestorben?

 

Zeuge Milton Buki:

Dort ist er gestorben.

 

Vorsitzender Richter:

Und das haben Sie gehört?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer hat Ihnen das gesagt?

 

Zeuge Milton Buki:

Im Block, da hat jeder gesprochen davon.

 

Vorsitzender Richter:

Im Block ist gesprochen worden davon.

 

Zeuge Milton Buki:

Daß er nicht mehr lebt. Ich habe ihn schon [+ nicht] mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben ihn nicht mehr gesehen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe keine weiteren Fragen, bitte nur festzustellen, daß der Zeuge als Nebenkläger zugelassen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nehmen Sie das ins Protokoll auf. Herr Rechtsanwalt.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Sagen Sie, Herr Zeuge, waren auch höhere SS-Offiziere bei den Vergasungen, bei den Gasmorden anwesend?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Hot ir baj den fargasungen gesejn hehere SS-ofizirn?

 

Zeuge Milton Buki:

Jedesmal.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Können Sie uns etwas Näheres darüber sagen, wer diese Offiziere waren?

 

Zeuge Milton Buki:

Die Offiziere. Ich kann [mich] nicht erinnern [+ an] die Namen. Ich wüßte nur die Namen der... Der Schwarzhuber war nicht so viel [+ dort]. Aber der Hauptsturmführer Schwarz, der war dorten, welchen ich gut gekannt habe, und verschiedene höhere Offiziere. Aber die Namen kann ich nicht erinnern.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Kennen Sie die Namen der Angeklagten, die hier angeklagt sind? Sie haben uns zwei Namen genannt: Kaduk und Baretzki. Baretzki, weil Herr Kollege Ormond Sie danach gefragt hat. Kennen Sie die anderen Namen der anderen Angeklagten hier?

 

Zeuge Milton Buki:

Die Angeklagten, die Namen sind mir bekannt, aber nicht so viel. Weil ich habe - sich nischt farnumen mit di namens. Ich wise nur di, welche got noent bekannt sind.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Wissen Sie vielleicht, wer zu Ihrer Zeit Adjutant des Kommandanten war?

 

Zeuge Milton Buki:

Die Kommandanten?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Nein, der Adjutant von den Kommandanten.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Also erst einmal die Kommandanten, schon ganz recht.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Wer is gewejn der komandant?

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, ich kann nicht erinnern die Namen. Ich bin zu aufgeregt, jetzt den Namen zu...

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Nun schön. Kannten Sie, ich meine nicht die Namen, sondern der Uniform nach die Adjutanten der Kommandanten?

 

Dolmetscher Grünblatt:

Hot ir derkant den adjutanten fin den komandanten an sejn uniform?

 

Zeuge Milton Buki:

No. No, di sind nun oft gekomen dorten. - Aber wenn wir gekommen sind, habe ich niemals gewollt sein bekannt mit diese sogar, daß er mich da nicht sehe. - Hot kejn mensch gewolt [unverständlich]

 

Dolmetscher Grünblatt:

Diese höheren Offiziere sind öfters gekommen. Aber die Häftlinge haben darauf geachtet, mit denen nicht in nähere Berührung zu kommen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Ja, das ist ja schon klar. Aber können Sie uns vielleicht sagen, ob der Adjutant des Kommandanten Mulka bei diesen Vergasungen anwesend war? Ist Ihnen das ein Begriff, der Name, oder erinnert Sie das an irgend etwas?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann nicht sagen.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Können Sie nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön. Herr Rechtsanwalt Jugl.

 

Verteidiger Jugl:

Herr Zeuge, der Herr Vorsitzende hat Sie schon darauf hingewiesen, daß Kaduk bisher immer sich dahin eingelassen hat, daß er nur in Auschwitz, nicht in Birkenau Dienst getan hat. Und da haben Sie gesagt, das würde nicht stimmen. Nun halte ich Ihnen aber vor, daß bis jetzt von den Zeugen - und es sind sehr viele vernommen worden, und viele haben zu Kaduk etwas gesagt - wollen Sie übersetzen, ich weiß nicht, ob er es verstanden hat.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ja. - Der anwalt fregt ajch: der Kaduk hot bis itst bahojptet, er is nor gewejn in Auschwitz un nischt in Birkenau. Dos hot schojn der her direktor funem gericht ajch ojch gesogt. Nun senen fil zojgn hir schojn farnumen wordn, fil hobn schojn ojsgesogt. - Bitte.

 

Verteidiger Jugl:

Alle Zeugen berichten aber nur über Kaduk in Auschwitz, nicht von Birkenau.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ale anderen ajdes hobn nor gesogt fon Kaduk, as as er is gewejn nor in Auschwitz, nischt in Birkenau.

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Augenblick, Herr Verteidiger, ich muß diesem Vorhalt in dieser Form widersprechen. Einen Augenblick, bitte. Ich muß dem Vorhalt in dieser

Verteidiger Jugl [unterbricht]:

[unverständlich] Ich bin noch nicht fertig, Herr Staatsanwalt.

Staatsanwalt Vogel:

So. Ja, dann bitte ich das auch

Verteidiger Jugl [unterbricht]:

Mit einer einzigen Ausnahme, das wollte ich noch dazu sagen. Ein einziger Zeuge hat bis jetzt etwas von Birkenau gesagt.

 

Dolmetscher Grünblatt:

S' is gewejn nor ajn ajnziger zeuge, nischt nor ir, wos hot ojch gesogt as er is gewejn in Birkenau un nischt in Auschwitz.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich kann ihn fragen: Die Zeugen, welche gesagt haben, daß er nicht in Birkenau war, waren die Zeugen von Birkenau oder von Auschwitz? Möglich, die waren von Auschwitz, die haben von Birkenau nicht gewußt. So wie ich kann nicht sagen von Auschwitz, wenn er war in Auschwitz und wenn er war nicht in Auschwitz.

 

Verteidiger Jugl:

Sie wollen damit sagen, daß ein Irrtum Ihrerseits ausgeschlossen ist?

 

Zeuge Milton Buki:

Also ich bestätige, daß der Kaduk in Birkenau war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Welchen Zeugen meinen Sie, Herr Rechtsanwalt Jugl?

 

Verteidiger Jugl:

Herr Direktor, ich habe versucht, es in der Eile zu finden. Ich weiß, es ist ein einziger Zeuge, ich kann

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, zum Beispiel der Zeuge Paisikovic, der hat ausgesagt

Staatsanwalt Vogel [unterbricht]:

Es waren mehrere Zeugen.

 

Vorsitzender Richter:

Daß er Kaduk in der Küche bei dem Abschnitt BIId kennengelernt hat. Damals sei Paisikovic schon in dem Krematorium II beschäftigt gewesen.

 

Verteidiger Jugl:

Ich will das nachprüfen. Es ist wahrscheinlich dieser Zeuge, den ich meine.

 

Richter Hotz:

Es gibt noch mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Aber es sind auch noch andere außer [+ diesem].

Sprecher (nicht identifiziert):

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, welche

Nebenklagevertreter Kaul [unterbricht]:

Es war hier ein Zeuge, Herr Präsident, der sagte, daß er mit einer Frau irgend etwas in Birkenau beginnen wollte, der Kaduk.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ganz recht.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Im übrigen hat kein Zeuge direkt ausgesagt, daß Kaduk nicht in Birkenau war. Insoweit hat der Staatsanwalt Vogel schon recht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Ist noch eine Frage?

 

Verteidiger Jugl:

Ja, ich habe noch andere Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Verteidiger Jugl:

Dieser Fall mit dem Jungen, den Kaduk erschossen hat, wie Sie sagen, wo war das?

 

Vorsitzender Richter:

Das hat er gesagt.

 

Verteidiger Jugl:

Das habe ich dann nicht verstanden.

 

Vorsitzender Richter:

Das war an diesen Bauernhäusern, und er hat ihn dann zu dem offenen Graben hingebracht, wo die Leichen verbrannt wurden.

 

Verteidiger Jugl:

Und haben Sie das gesehen, daß Kaduk geschossen hat?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe es selbst gesehen.

 

Verteidiger Jugl:

Dann die Evakuierung des Lagers: Da sagten Sie, Sie hätten gesehen, daß Kaduk dabei war, und zwar zwei Tage nach der Evakuierung. Die Evakuierung war am 18. Januar 45. Das wissen Sie bestimmt, daß zwei Tage später Kaduk noch bei diesem Evakuierungsmarsch war?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe nicht gesagt, zwei Tage. Ich habe gesagt, möglich ein Tag, möglich zwei Tage. Weil die Evakuierung hat gedauert von Januar, [am] 18. waren wir rausgenommen von Birkenau. Und sogar bis [zum] 24. waren wir [auf dem] Weg. Am 24. bin ich entflohen vom Zug. Das war zwischen dem 18. und 24., möglich ein Tag, möglich zwei Tage, möglich drei Tage.

 

Verteidiger Jugl:

Ja, danke schön.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe gar nicht die Tage [zählen können], wie viele ich [auf dem] Weg war.

 

Vorsitzender Richter:

Was hatten Sie eben gesagt? Ich habe Sie nicht verstanden. Dann sind Sie geflohen?

 

Zeuge Milton Buki:

Geflohen, ja, vom Zug.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

In Schutt? Was heißt: von Schutt?

 

Zeuge Milton Buki:

Von dem Zug, wie die Transport war.

 

Vorsitzender Richter:

Ach vom Schub, vom Schub.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Also von dem Transport sind Sie geflohen.

 

Zeuge Milton Buki:

Vom Transport bin ich entflohen.

 

Vorsitzender Richter:

Und sind dann nicht mehr wieder gefangen worden.

 

Zeuge Milton Buki:

Nein, wir waren [unverständlich] behalten, und wir haben durchgemacht [unverständlich] Zeit.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben sich also versteckt und sind nicht mehr gefunden worden.

 

Zeuge Milton Buki:

Versteckt. Und wir haben [+ es] sehr, sehr schlimm gehabt bei dem Verstecken.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Geben Sie das wieder zurück.13 [Pause] Von seiten der Verteidigung? Bitte schön, Herr Rechtsanwalt Gerhardt.

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Zeuge, Sie berichteten von einem Vorgang bezüglich des Angeklagten Baretzki und sagten, daß der Häftling nach dem, was Sie gehört haben, am nächsten Tag gestorben sein soll. Bei Ihren Vernehmungen haben Sie ausgesagt, er soll mehrere Tage danach gestorben sein. Was ist nun richtig?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich hob nischt farstanen.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Jo. Ir hot hier ojsgesogt as der Baretzki hot ajnen heftling zusamengeschlogn un dem nekstn tog is er gestorbn.

 

Zeuge Milton Buki:

Entschuldigen Sie. Ich habe gesagt, ich glaube, [am] nächsten Tag oder noch einen Tag [+ später].

 

Verteidiger Gerhardt:

Na gut, dann

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Hören Sie mal, ich habe [nicht Buch] geführt im Lager [über] die Stunden und die Tage. Ich habe nicht gewußt, daß es kommt ein Tag sogar, wenn eine Rechnung - wir darfn gebn.

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Zeuge, ich mache Ihnen ja nur diesen Vorhalt. Da haben Sie vollkommen recht. Ich mache Ihnen nur diesen Vorhalt. Die Frage ist ja damit geklärt.

Herr Vorsitzender, ich darf mir nur folgenden Hinweis noch erlauben, es betrifft nicht meinen Mandanten, sondern den Angeklagten Kaduk: Der Zeuge hat nicht gesagt: »Das ist Kaduk.« Er hat lediglich gesagt: »Ich glaube, das ist Kaduk.«

 

Dolmetscher Grünblatt:

Ir hot nischt gesogt: »Dos is Kaduk«, as di menschn senen hir gestanen, nor: »Ich glojb es is der Kaduk.«

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, der ist so fett gefressen, daß er gar nicht... Er war besser im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Jugl, ich finde hier gerade noch, daß auch der Zeuge Szpalerski ausgesagt hat, daß Kaduk da gekommen sei nach BIId, um dort bei dem Oberkapo zu Mittag zu essen. Also es sind doch schon mehrere Leute gewesen, die das gesagt haben.

Einen Augenblick, meine Herren. Herr Rechtsanwalt Gerhardt, Sie haben eben gesagt, der Zeuge habe früher bei seiner Vernehmung gesagt, der Mann sei gestorben, einen Tag oder einige Tage nachdem Baretzki ihn zusammengeschlagen habe. Ich kann diese Aussage nicht finden.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ich kann es im Moment auch nicht genau sagen, denn drei Vernehmungen liegen vor.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, es sind zwei. Es ist zunächst eine eidesstattliche Erklärung des

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Beweisantrag.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, im Beweisantrag steht es so drin, das ist mir wohl bekannt. Aber der Herr Rechtsanwalt Gerhardt hat doch eben gerade gesagt, er hätte es in der Vernehmung gelesen.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, ich kann es Ihnen jetzt nicht sagen, [aus] welcher dieser drei Niederschriften ich das entnommen habe.

 

Vorsitzender Richter:

Nein, es sind keine drei Niederschriften. In der einen Niederschrift, da wird er lediglich genannt. Und dann hat er eine eidesstattliche Erklärung14 abgegeben, auf Blatt 11.200. Da steht nichts davon drin. Und dann ist er vernommen worden von dem Konsulat in Porto Alegre15, und bei dieser Vernehmung hat er auch den Baretzki nicht genannt. Also ich weiß nicht, wo Sie den Vorhalt herhaben.

 

Verteidiger Gerhardt:

Aber, Herr Vorsitzender, der Zeuge hat ja jetzt auf meine Frage erklärt, es ist auch möglich, daß es einige Tage später war.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, hätte ich noch folgendes zu fragen: Sie haben vorhin den Baretzki hier nicht erkannt unter den Angeklagten, Sie haben nur den Kaduk geglaubt erkennen zu können?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich mache keinen Irrtum. Ist er dort.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Stehen Sie mal auf. Meinen Sie ihn?

 

Angeklagter Baretzki:

Ist ja schon lange gesagt worden, daß ich das bin.

 

Vorsitzender Richter:

Von wem?

 

Angeklagter Baretzki:

Der Dolmetscher hat ja [unverständlich] gezeigt auf uns alle hier in der Pause.

 

Vorsitzender Richter:

Was wollen Sie sagen, wer hat gezeigt?

 

Angeklagter Baretzki:

Der Dolmetscher hat sich unterhalten mit dem Mann in der Pause.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Das ist nicht wahr.

 

Zeuge Milton Buki:

Was sagt er?

 

Vorsitzender Richter:

Das ist nicht wahr.

 

Dolmetscher Grünblatt:

Das ist nicht wahr.

 

Vorsitzender Richter:

Er behauptet, der Herr Dolmetscher hätte mit Ihnen darüber gesprochen und hätte Ihnen den Baretzki bezeichnet als

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Ich stelle fest, mit dem Dolmetscher habe ich keine zwei Worte gesprochen. Als ich rausgegangen bin, hat er noch gefragt, wie ich [+ mich] fühle. Und mehr habe ich nicht gesprochen mit ihm.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Ich habe ihn erkannt, als ich so gesucht habe.

 

Angeklagter Baretzki:

Herr Vorsitzender, bei der Gegenüberstellung bin ich in der Mitte gestanden ganz vorne, wenn Sie sich vielleicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Angeklagter Baretzki:

Wenn er mich gekannt hat, dann muß er mich [erkannt] haben. Und übrigens möchte ich noch dazufügen, daß das »Sonderkommando« bei uns im Lager in Block 13 untergebracht war, nicht in Block 2. In Block 2 war die Schreibstube. Und Block 1 war das Lebensmittelmagazin. Und Block 13 durfte kein Blockführer betreten. Nur von dem »Sonderkommando« der Kommandoführer durfte Block 13 betreten. Genau wie Block 11 nur von dem Kommandoführer von Block 11 betreten worden ist, aber von keinem Blockführer.16

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Er hat ja auch nicht behauptet, daß Sie im Block drin gewesen seien. Sondern er hat gesagt, es war eine jüdische Nachtwache. Und die hat nicht aufgepaßt und hat nicht gerufen, als Sie gekommen wären. Und da hätten Sie den Betreffenden zusammengeschlagen.

 

Angeklagter Baretzki:

Die Nachtwache ist ja im Block, aber nicht draußen. Auf der Straße befindet sich kein Mensch in der Nacht.

 

Vorsitzender Richter:

Wo war denn das, bitte schön?

 

Zeuge Milton Buki:

Ich will nicht argumentieren mit dem Angeklagten, 2 oder 13. Das ist gewesen nächst zu dem Strafkommandoblock.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nächst dem Strafkommando.

 

Zeuge Milton Buki:

Strafkommandoblock. Aber wissen Sie, daß er sagt 13 - [möglicherweise] ist das nachher 13 gewesen, weil das Lager gewechselt worden ist. Und die zweite Nummer war der Block. [Möglicherweise] war es nachher 13, oder zuerst 13 und nachher 2. Das kann ich nicht [+ sagen]. Aber das war in dem Lager nächst zu dem Strafkommandoblock.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo ist denn nun dieser Mann von dem Baretzki geschlagen worden? In dem Block, wo Sie

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Im Block.

 

Vorsitzender Richter:

Ist er reingekommen in den Block, der Baretzki?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja, er ist oft gekommen in den Block.

 

Vorsitzender Richter:

Er ist oft gekommen in den Block.

 

Zeuge Milton Buki:

Er ist gekommen zum Blockältesten [wegen] Schnaps und verschiedenen Sachen.

 

Vorsitzender Richter:

Aha. Und nun bitte, zeigen Sie dem Zeugen einmal dieses Bild. Ob er auf diesem Bild eine Person erkennt.

 

Zeuge Milton Buki:

[Pause] Na, das ist schon unten, da kann ich nichts erkennen.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. [Pause] Sind sonst keine Fragen mehr an den Zeugen? Kaduk.

 

Angeklagter Kaduk:

[Pause] Herr Vorsitzender, ich hatte mit Birkenau gar nichts zu tun gehabt. Mein Vorgesetzter war gewesen der Hauptsturmführer Palitzsch, und ich habe nur im Stammlager Dienst getan. Bei der Evakuierung im Lager war ich nicht in Birkenau gewesen. Ich kam bei der Evakuierung ins Lager, war ich nicht im Stammlager gewesen, ich kam erst später [dahin]. Und hier hat ein Zeuge ausgesagt, ich hätte am 19. Januar 1945 einen gewissen Ackermann an der Küche erschossen. Momentan kann ich mich nicht erinnern an den Zeugen. Ich habe das aber geschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das stimmt, das hat einer gesagt.

 

Angeklagter Kaduk:

Jawohl, das hat er gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, und

 

Angeklagter Kaduk [unterbricht]:

Da konnte der Kaduk ja nicht letzten Endes sein im Stammlager und in Birkenau. Es war nur ein Kaduk gewesen, und das war ich. Im Stammlager habe ich [unverständlich] gemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, nun ist es doch hier so gewesen: Der Zeuge erzählt uns von dem Rückmarsch. Und er sagt, dieser Rückmarsch hat für ihn gedauert vom 18. bis zum 24. Januar. Dann ist er entflohen. Da die Leute ja zu Fuß gegangen sind und Sie ja eine Fahrmöglichkeit gehabt haben, ist es ja gar nicht ausgeschlossen, daß Sie sowohl bei dem Rückmarsch waren als auch in dem Lager gewesen sind, daß Sie hin- und hergefahren sind.

 

Angeklagter Kaduk:

Herr Vorsitzender, wo ich ins Lager kam, hatte ich keinen Lkw, keinen Pkw, auch kein Motorrad. Auch mein Fahrrad war weg gewesen. Ich bin zu Fuß dann nach Mauthausen, sagen wir mal, habe ich mich angeschlossen. Und mein Transport vom Stammlager, die sind alle nach Mauthausen gekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Na, Herr Kaduk.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, ja. Ja wenn Sie mir es nicht glauben wollen, na dann.

 

Vorsitzender Richter:

Soll das wirklich sein, daß die Leute alle so kräftig gewesen wären, daß sie hätten laufen können von Auschwitz bis nach Mauthausen?

 

Angeklagter Kaduk [unterbricht]:

Das weiß ich nicht. Sie sind mit den Wagen gefahren, also mit dem Transport sind sie gefahren, mit der Bahn, Eisenbahn, die Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, aber zunächst mußten sie ja einmal zur Eisenbahn laufen.

 

Angeklagter Kaduk:

Wer, ich?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, die Leute.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, das weiß ich nicht. Ich war ja nicht dagewesen, Herr Vorsitzender. Ich kam erst am 19. nach dem Stammlager. Da war niemand mehr dagewesen. Da hatte ich niemand gesehen im Stammlager. Und angeblich habe ich am 19. den einen Häftling Ackermann an der Küche erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie kamen am 19. ins Stammlager.

 

Angeklagter Kaduk:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und der Zeuge sagt, diese Vorfälle, die er beobachtet hat, waren in der Zeit zwischen dem 18. und 24., nicht? Wäre ja sehr gut möglich gewesen, daß Sie am 19. im Stammlager waren, da war niemand mehr da. Und nun sagen Sie doch selbst, daß Sie dem Zug gefolgt wären.

 

Angeklagter Kaduk:

Jawohl, das stimmt. [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja dann müssen Sie doch den Anschluß wieder gefunden haben an diese

 

Angeklagter Kaduk [unterbricht]:

Ja, da bin ich rüber, sind wir nach Mauthausen abkommandiert worden.

 

Vorsitzender Richter:

Und wie sind Sie dorthin gekommen?

 

Angeklagter Kaduk:

Na, mit der Bahn bin ich hingekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wie sind Sie an die Bahn gekommen?

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, ich habe doch von der Wehrmacht welche erwischt. Da haben sie mich mitgenommen, nicht wahr.

 

Vorsitzender Richter:

Die haben Sie mitgenommen.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind also gefahren worden und haben unterwegs den Häftlingszug wieder getroffen.

 

Angeklagter Kaduk:

Jawohl, das habe ich auch dem Untersuchungsrichter angegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Wo haben Sie denn den Häftlingszug getroffen?

 

Angeklagter Kaduk:

In der Tschechoslowakei.

 

Vorsitzender Richter:

In der Tschechoslowakei. Wann und wo?

 

Angeklagter Kaduk:

Ja das kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, ganz genau kann ich mich nicht erinnern. Da habe ich keine...

 

Richter Hotz:

Herr Kaduk, da habe ich noch eine Frage an Sie.

 

Angeklagter Kaduk:

Ja, bitte.

 

Richter Hotz:

Von wo kamen Sie, als Sie am 19. Januar nach Auschwitz wieder kamen?

 

Angeklagter Kaduk:

Wenn ich es Ihnen ehrlich sagen will, kam ich von zu Hause. Ich habe meine Familie evakuiert, da ich gesehen habe - am 18. war es gewesen oder 17. oder [+ am] 18. früh -, da haben die Offiziere ihre Frauen, nicht wahr, weggeschafft. Dann bin ich zu Obersturmführer Hössler gegangen. Ich habe ihn gebeten, ob ich vielleicht die eine Stunde oder zwei Stunden Urlaub kriegen könnte. Und ich bin

 

Richter Hotz [unterbricht]:

Und wo war Ihre Familie damals?

 

Angeklagter Kaduk:

Damals war sie zu Hause.

 

Richter Hotz:

Wo?

 

Angeklagter Kaduk:

In Königshütte hat sie gewohnt.

 

Richter Hotz:

In Königshütte.

 

Angeklagter Kaduk:

Königshütte, Nibelungenstraße 32.

 

Richter Hotz:

Ja.

 

Angeklagter Kaduk:

Ich habe nicht in Auschwitz gewohnt. Meine Familie hat in Auschwitz nicht gewohnt.

 

Richter Hotz:

Herr Kaduk, erinnern Sie sich daran, daß ein Zeuge, der Sie von zu Hause her noch kannte, hier ausgesagt hat, daß Sie am 5. Januar zum letzten Mal in Königshütte gewesen seien?

 

Angeklagter Kaduk:

War ich nicht. Ich war doch im Stammlager gewesen.

 

Richter Hotz:

Erinnern Sie sich, daß das dieser Zeuge hier gesagt hat?

 

Angeklagter Kaduk:

Ich kann mich nicht erinnern, welcher das war. Vielleicht war das der Zeuge Olszówka, Pozimski?

 

Richter Hotz:

Olszówka, soweit ich weiß.

 

Angeklagter Kaduk:

Olszówka. Na, Olszówka war Rapportschreiber. Zu dieser Zeit war ich im Stammlager gewesen.

 

Richter Hotz:

Ja, schön. Danke sehr.

 

Verteidiger Jugl:

Ich habe noch eine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön, Herr Rechtsanwalt.

 

Verteidiger Jugl:

Herr Zeuge, wo sind Sie vom Transport geflohen?

 

Zeuge Milton Buki:

Vom Transport sind wir... Wenn Sie [es genau wissen wollen], habe ich einen Kameraden, [+ ich bin] zusammen mit ihm geflohen, und er ist hier im Publikum.

 

Richter Hotz:

Ich wollte nur den Ort wissen, wo. Den Ort. [...]

 

Zeuge Milton Buki:

Wir sind in Prerau, in Prerau, Tschechoslowakei, vom Zug runter. Und wir haben von dem 24. bis [+ zu] dem 6. Mai die Befreiung... wir sind

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Sie waren also bereits in den Zug eingeladen? [...]

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

In den Eisenbahnzug?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Milton Buki:

Und von dem Kaduk kann ich erinnern, in dem Zugmarsch ist er einmal unterwegs mit einem Taxi gefahren. Und zurück ist er zu Fuß gegangen, so durchmarschiert wie

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was verstehen Sie unter »Taxi«?

 

Zeuge Milton Buki:

Bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Was verstehen Sie unter »Taxi«? Er wäre mit einer Taxe

 

Zeuge Milton Buki [unterbricht]:

Er ist mit anderen SS-Leuten gefahren.

 

Vorsitzender Richter:

Mit anderen SS-Leuten gefahren.

 

Zeuge Milton Buki:

Ja. Und zurück ist er selbst gegangen, durchmarschiert hin und zurück.

 

Vorsitzender Richter:

Wenn keine Fragen mehr sind, ist der Zeuge zu beeidigen. Herr Zeuge, können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Milton Buki:

Ja.

 

- Schnitt -

 

1. Der Zeuge Buki meint das Männerlager BIb.

2. Am 24.02.1944 wurde die Zahl der Häftlinge im »Sonderkommando« um die Hälfte reduziert. 200 Angehörige des »Sonderkommandos« wurden ins Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek überstellt und getötet. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 728.

3. Am 23.09.1944 wurden 200 Häftlinge des »Sonderkommandos« von Birkenau ins Stammlager verbracht und in einem Gebäude vergast, das bislang ausschließlich zur Desinfektion von Kleidung verwendet worden war. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 886.

4. Der Zeuge Buki meint die »Bunker 1« bzw. »Rotes Haus« und »Bunker 2« bzw. »Weißes Haus« genannten provisorischen Gaskammern.

5. SS-Hauptsturmführer Franz Hössler wurde im sogenannten Belsen-Trial 1945 zum Tode verurteilt, SS-Obersturmführer Johann Schwarzhuber stand in Hamburg im Ravensbrück-Prozeß (05.12.1946-03.02.1947) vor einem britischen Militärgericht und wurde zum Tode verurteilt. Beide wurden in der Strafanstalt Hameln hingerichtet.

6. Protokoll der Hauptverhandlung vom 14.01.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 106, Bl. 1.061.

7. Gemeint ist vermutlich der Kommandoführer SS- Unterscharführer Fredi Ackermann. Vgl. Friedler u. a., Zeugen aus der Todeszone, S. 278.

8. »Dem Zeugen wurden die Angeklagten gegenübergestellt. Er erkannte nach einigem Überlegen den Angeklagten Kaduk wieder und erklärte dazu: »Er ist jetzt dicker geworden... « » Protokoll der Hauptverhandlung vom 14.01.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 106, Bl. 1.061.

9. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.02.1962 in Pôrto Alegre, Brasilien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 62, Bl. 11.629.

10. Am 24.02.1944 wurde die Zahl der Häftlinge im »Sonderkommando« um die Hälfte reduziert. 200 Angehörige des »Sonderkommandos« wurden ins Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek überstellt und getötet. Vgl. Czech, Kalendarium, S. 728.

11. Der Zeuge Buki meint Krematorium III.

12. Gemeint ist der Kommandoführer SS-Unterscharführer Fredi Ackermann. Vgl. Friedler u. a., Zeugen aus der Todeszoen, S. 278.

13. »Der Zeuge legte 10 Fotos seiner Familienangehörigen vor, die in Auschwitz umgekommen sind. Die Bilder wurden vom Gericht und den Geschworenen in Augenschein genommen.« Protokoll der Hauptverhandlung vom 14.01.1965, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 106, Bl. 1.061 f.

14. Eidesstattliche Erklärung, undatiert, am 27.12.1961 auf dem Konsulat der Bundesrepublik Deutschland, Pôrto Alegre, Brasilien, überreicht. 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 60, Bl. 11.200.

15. Vgl. kommissarische Vernehmung vom 12.02.1962 in Porto Alegre, Brasilien, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 62, Bl. 11.627-11.630.

16. Der Angeklagte Baretzki spricht vom Männerlager BIId, während der Zeuge Buki für die Zeit bis Mitte 1943 vom Männerlager BIb sprach.

 

 

 

 
 
 
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Letzte Änderung: 18. Juli 2013
 
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