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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

73. Verhandlungstag, 3.8.1964

 

Vernehmung des Zeugen Richard Böck

 

 

Vorsitzender Richter:

Zur Stützung des Gedächtnisses des Gerichts wollen wir Ihre Aussage auf ein Tonband nehmen. Sind Sie damit einverstanden?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja bitte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Bitte schön.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich spreche ja die Wahrheit, Hohes Gericht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und da hatte also draufgestanden, daß der Kocjan Sie nicht verraten hätte.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und weiter?

 

Zeuge Richard Böck:

Dann habe ich am Abend, auf den Abend hin - nach zwei Tagen war das ungefähr gewesen, gell - zu dem einen gesagt: »Du, ich möchte auf eine Nacht raus aus dem Kommandanturarrest. Ich habe meine Frau hier, die wohnt hier in der Nähe, und zwei Kinder. Ich würde dir eine Flasche Schnaps mitbringen.« Und dann hat er es sich überlegt, sagt er: »Da kann man schon rauskommen.« Dann habe ich gesagt: »Und morgen früh um fünf wäre ich wieder da.« Dann hat der gesagt: »Also, ist gut.«

 

Vorsitzender Richter:

Wer war das gewesen?

 

Zeuge Richard Böck:

Der, wo da drin war, der immer erzählt hat von dem Morden im Häftlingsbunker da hinten. Dann hat der da vom Fenster so ein Dings weggemacht, wo man das Fenster einhängt, und hat da am Ofen gebogen und gerieben. Und hat mit dem Stiefel wieder gestoßen und hat immer gerieben am Boden wieder, ein Betonboden, gell, war es. Und am Abend hat er gesagt: »Heute kannst du raus.« Dann bin ich am Abend aus dem Kommandanturarrest raus. Abends um halb neun ungefähr bin ich runter und vor. Bin die Treppen hoch, weil da war bloß so ein Aufgang, und bei der Kommandantur, wo man zur Kommandantur reinging, bei der Haustür hinaus.

Und dann bin ich gleich rüber zur SS-Bauleitung, weil ich gewußt habe, bei der SS-Bauleitung, da haben sie Fahrräder. Alle, die bei der Bauleitung waren, haben Fahrräder gehabt. Dann habe ich so ein Fahrrad genommen und bin zu meiner Frau heimgefahren. Dann bin ich zu meiner Frau gekommen, und dann sagt meine Frau: »Mein Gott, Mann, es ist ein Unglück geschehen. Was glaubst du, was heute passiert ist. Heute sind so Gestapo dagewesen. Sie sind ans Büffet hin und haben drei Briefe rausgenommen und sofort wieder weg.« Dann habe ich gesagt: »Au, dann bin ich verloren.« Weil die Häftlinge haben doch die Briefe über mich zu meiner Frau

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben die Briefe an Ihre Familie geschickt, und Sie haben die Briefe

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Und ich habe sie immer denen wieder gegeben, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Den Häftlingen übergeben.

 

Zeuge Richard Böck:

Zuvor habe ich es eine Tochter von einem hohen polnischen Staatsbeamten machen lassen, in Auschwitz. Die hat mich gebeten. Aber die Politische Abteilung hat etwas gemerkt, und da haben ihr damals der Grabner und ein gewisser Boger ziemlich nachgestiert. Also, das Mädel hat damals drei Nächte lang in einem fremden Haus geschlafen, daß sie es nicht erwischt haben, so wie sie mir erzählt hat. Dann habe ich gesagt damals zu ihrem Vater: »Herr Czernek, wir können das nicht mehr weitermachen, das ist Ihre Tochter, denken Sie doch, die begibt sich in Gefahr. Ich würde mit diesen Briefen aufhören, das ist zu gefährlich, ich habe schon selber keine Ruhe mehr.« Und dann habe ich natürlich auf Drängen von den Häftlingen die Briefe über meine Frau gehen lassen. Jetzt hat mir meine Frau schon mal gesagt gehabt: »Du, Mann, horch einmal, der Postbote hat gesagt: ›Frau Böck, wo bekommen Sie soviel Post her? Haben Sie so viele Verwandte in Polen?‹ « Und meine Frau hat aber nix gesagt dazu. Und dann habe ich gesagt: »Also gut, dann müssen wir aufhören wieder.« Und jetzt haben die die drei Briefe weg.

 

Vorsitzender Richter:

Und das waren Briefe von Familien von Häftlingen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, der eine war vom Kocjan dabei. Der Fahrer hat ja in der Fahrbereitschaft, wie mir nachher auch der Kocjan und alle erzählt haben, zu ihm gesagt: »Jetzt ist der Richard verloren. Wir sind bei ihm drüben gewesen, bei seiner Frau, und im Küchenbüffet liegen drei Briefe drin. Kocjan, von Ihnen war auch ein Brief dabei. Ich habe es gesehen.« Sagt der Kocjan: »Nicht möglich.« »Doch«, hat er gesagt, »ich habe den Absender gesehen.« »Und jetzt ist es gut«, sage ich, »ich kann nicht mehr heimfahren.« Und da haben mir die Häftlinge, der Rudi und der Ludi in der Fahrbereitschaft, der war in der Schreibstube, der Ludwig, und der Rudi war hinten in der Elektroabteilung. Und die haben mir wiederholt gesagt, sie hätten Verbindungen mit der polnischen, mit der österreichischen und mit der russischen Widerstandsbewegung. Dann habe ich zu meiner Frau gesagt: »Ich weiß, in Krakau ist die Widerstandsbewegung, wenn ich bloß wissen würde, dann würde ich direkt flüchten jetzt und würde nach Krakau, die würden mich verbergen. Wenn ich jetzt hinübergehe, die hängen mich auf.«

Und dann habe ich aber um drei Uhr doch nachgegeben meiner Frau und bin nach Auschwitz gefahren. Bin ich rüber, habe das Fahrrad hingestellt, bin wieder reingegangen, alles anstandslos gegangen. Um fünf rum war ich wieder im Bunker drin. Jetzt haben wir nicht mehr abschließen können. Dann haben wir Stiefel genommen, haben wir die Stiefel hingestellt, ich und der andere. Eine Flasche Schnaps habe ich mitgebracht, gell, und für ihn habe ich müssen einen Brief erledigen. Der war für ihn scheinbar auch sehr wichtig.

Jetzt, um halb sieben herum ungefähr, kommt der Unterscharführer und will aufschließen. Jetzt geht es nicht, jetzt hat er schnell zugeschlossen und dann wieder auf, und dann hat er einen Stoß gegeben, und wir haben die Tür zugehalten, und dann sind wir weg und sind wir so hingestanden und haben uns ein bißchen blöd gestellt. Sagt er: »Hier war doch auf.« Habe ich gesagt: »Ach, wo?« »Ach, hier war doch auf.« Haben wir gesagt: »Ja, uns ist es auch so vorgekommen, aber?« »Ich habe doch zugeschlossen gestern.« Dann ist er wieder hinauf, und dann ist er mit einem Oberscharführer runtergekommen, ich würde ihn sofort erkennen, wenn ich ihn sehe, aber ich weiß nicht mehr, wie der geheißen hat. »Euch werde ich schon kommen!« hat der gesagt, hat das Schloß probiert und so, und dann hat man uns wieder reingesperrt.

Untertags haben wir dann gehört, daß man immer klopft draußen im Gang. Da hat man immer was gemacht, aber was, weiß ich nicht. Und ich sage nachher zum anderen, am Abend: »Weißt du was, ich haue wieder ab.« Sagt er: »Das kannst du schon, ich schließe dir wieder auf.« Am Abend wollte ich raus - jetzt war ich doch platt. Haben die doch eine Eisentür hingemacht gehabt, unten am Bunker. Jetzt haben wir nicht mehr hinausgekonnt. Jetzt haben wir den Dietrich reingetan, jetzt geht es nicht auf. Jetzt bringen wir den Dietrich nicht mehr raus. Im Moment kommt von oben [+ der eine] langsam die Treppe runter, jetzt sind wir weggesprungen, sind in die Zelle rein. Dann haben wir in der Zelle hinten so gespitzt, dann habe ich gesagt: »Du, der Dietrich muß raus.« Dann bin ich vor, dann habe ich probiert. Geht nicht raus. Der andere hat immer die Schlüssel probiert draußen und hat sie nicht hineingebracht, dann ist er wieder her und ist wieder hinaufgelaufen, und dann ist er langsam oben wieder runtergekommen. Und der andere hat dann den Dietrich rausgebracht, dann sind wir wieder in die Zelle hineingesprungen. Und in der Zelle drinnen kommt der eine her und hat gesagt: »Ich habe es ja gewußt, daß auf ist.« Und am nächsten Tag ist dann der andere von mir gleich weggekommen, und von der Luftwaffe ein Soldat namens Rübsamen ist dann in mein Zimmer reingekommen, da war ich mit dem zusammen. Der hat auch Häftlingsbegünstigung gemacht gehabt, gell, und ist scheinbar dann nach Auschwitz, aber ist dann nach einigen Tagen wieder weggekommen und ist dann zu seiner Einheit, die scheinbar zuständig war, zur Bestrafung, oder wie es geheißen hat.

Drei Wochen war ich im Kommandanturarrest. Und auf einmal hat es geheißen, wir kommen alle weg. Mittlerweile ist der Palitzsch gekommen, auch in den Kommandanturarrest, unten rein. Na, wenn wir beim Haarschneiden draußen gestanden sind oder beim Austreten, dann hat man doch draußen ein bissel so gesprochen, dann ist er so recht dasig rumgestanden. Ich habe mir ja gedacht: »Hat dich das Schicksal getroffen.« Wie oft hat mir der Kocjan erzählt, steht er an der Mauer hinten, an der Schwarzen, und hat die Gummischürze über der Uniform gehabt, und die Pistole hätte er gehabt und hätte jeden Tag 40, 50 Mann erschossen. Der Kocjan ist in England. Dieser Zeuge ist jederzeit, glaube ich, beizubringen, und da möchte ich auch bitten, daß der vorkommt. Und dann habe ich gedacht: »Unglück hast du genug.« Seine Frau hat Typhus bekommen, ist dann gestorben. Deshalb - als er reingekommen ist, hat er es mir mal nachher erzählt - hätte er mit einer Lettin, mit einem Häftlingsmädel, ein Verhältnis gehabt. Und der Kapo hat das gesehen und hat ihn dann verraten. Und auch, wo ich das dann gehört habe, habe ich gedacht: »So ein Schweinekerl bist du, hast solche Sachen schon geleistet.« Und jetzt, am Schluß, andere hätte er aufgehängt, wenn sie hätten mit einem anderen Mädel ein Verhältnis gehabt oder so was, und er selber hat es dann gemacht.

Wir sind dann weggekommen und sind hintergekommen ins Häftlingslager rein. Ich kann Ihnen sagen, ich war damals

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

War das der Block 11, wo Sie hingekommen sind?

 

Zeuge Richard Böck:

Weiß ich nicht. Ich weiß nur, weil ich oben reingekommen bin, waren ein Haufen Leute drinnen, die haben auf dem Tisch gestanden, auf den Bänken haben sie gestanden, auf dem Boden, die waren wie hineingepropft gewesen. Und die hat man nachher auf einmal alle weg, aber was, weiß ich nicht. Was Gutes habe ich nicht geahnt.

Jetzt war ich dann unten im Häftlingsbunker. Und eine Luft - ich habe schier nur so hinaufschauen können, da habe ich nur den Himmel gesehen. Und auf einmal kommt ein Kapo rein, ein großer, starker Mann, Jakob hat er geheißen. Und der hat mich immer getröstet und hat gesagt: »Wird Ihnen nix passieren, die Häftlinge haben mir alles [+ gesagt:] Sie sind ein guter Mensch. Sie sind der Mensch, das ganze Lager sagt von Ihnen: ›Der mit den roten Backen‹.« »Ja, das weiß ich schon lange, das sagt man schon lang«, habe ich gesagt zu dem. Dann hat er gesagt: »Glauben Sie, wie ich unglücklich bin, was ich machen muß alles.« Und hat mir so erzählt, daß er muß die Hände zurückhalten, und werden Erschießungen gemacht unten drinnen. Und einmal habe ich ein Mädel dann gehört, die hat gesungen, »Stern von Rio«. So schön hat sie gesungen. Und am nächsten Tag habe ich nichts mehr gehört, und bei der Nacht, da bin ich mal aufgewacht, und da habe ich auch so gehört daneben, genauso, und ich weiß ganz genau, daß ein Schuß gefallen ist. Aber das Mädel habe ich nicht mehr singen gehört. Und da habe ich an den gedacht, der in der Zelle das erzählt hat.

Und drei Wochen war ich im Kommandanturarrest. Ich habe bekommen von dem Kapo Schokolade, Speck, Pralinés, also ich habe gestaunt, wo die Sachen

 

- Schnitt -

 

Zeuge Richard Böck:

geben dann, nicht. Eines schönen Tages kommt meine Frau nach Auschwitz und ist dann vorgegangen. Und dann hat es auf einmal geheißen, mittags um zwölf Uhr - das war an einem Freitag, - ich soll vorkommen zur Rapportführerstube. Dann bin ich da vorgekommen, und dann war ein Mann da dringesessen und hat mich gefragt, wieso ich hier sei. Und dann habe ich gesagt: »Ich weiß gar nicht, warum.« Da hat er gesagt, ich müßte doch wissen warum. »Sind Sie noch nicht vernommen worden?« Dann habe ich gesagt: »Nein.« Dann hat er gesagt: »Bei Ihnen hat man aber eine Hausdurchsuchung gemacht, man hat doch bei Ihnen einen Haufen Decken gefunden.« Dann habe ich gesagt: »Das höre ich das erste Mal jetzt, aber das werden Sie unterlassen. Ich habe zu Hause, bevor der Krieg angegangen ist, eine Gastwirtschaft gehabt, habe erst extra die Decken mit raufgenommen. Das war für die Fremdenbetten, das lasse ich mir nicht bieten.« Dann hat er gesagt: »Nun ja, sonst ist ja bei Ihnen nichts gefunden worden.« Dann habe ich gesagt: »Das ist mir aber schon ganz neu, meine Frau hat ja mir auch nichts gesagt.« Da hätte ich mich bald versprochen. Sagt er: »Haben Sie mit Ihrer Frau Verbindung?« Dann habe ich gesagt: »Nein, ich schreibe ihr. Jeden Tag darf ich doch eine Karte schreiben. Die hat man mir ja gegeben zum Schreiben.« Und sagt er: »Moment«, hat die Tür aufgemacht, dann ist meine Frau reingekommen. Dann haben wir uns umarmt, haben wir uns geküßt, und den kleinen Buben hat sie dabeigehabt. Und meine Frau hat gleich zu erzählen angefangen, hat gesagt: »Der Kleine ist dreimal vom Schlitten runtergefallen und ist so erfroren jetzt«, und so. Und dann habe ich gesagt: »Ich kann mir gar nicht erklären, was man von mir will. Jetzt fahre ich schon so lange Verpflegung, habe noch nichts schwarz, was untern Nagel geht, vom Wagen genommen.« Das habe ich auch nicht. Aber ich habe es runternehmen lassen. Aber ich habe ja nichts genommen. Und so konnte ich das auch behaupten. Hat er gesagt: »Also gut, Sie werden entlassen. An Weihnachten sind Sie zu Hause.« Und dann bin ich entlassen worden, und halt über Weihnachten durfte ich zu Hause sein, vom Untersturmführer Wiegand aus.

Und als ich zurückgekommen bin, haben mich die Kameraden aufgeklärt, haben gesagt: »Du brauchst dir das nicht gefallen lassen, du warst unschuldig« und so weiter. »Ja, was soll ich da machen?« Haben sie gesagt: »Da gehst du da hinauf zur Kommandantur und tust dich beschweren und läßt es dir nicht gefallen.« Jetzt bin ich hinauf zur Kommandantur, dann war der Hauptscharführer Nebbe oben. Und dann habe ich es ihm natürlich vorgehalten. Wie ein Wilder habe ich mich gebärdet. Und ich habe gesagt: »Ich beschwere mich an der höchsten Stelle, das lasse ich mir gar nicht gefallen« und so. Dann hat er gesagt: »Also gut, Sie kriegen 14 Tage Urlaub.« Und dann habe ich 14 Tage Urlaub gekriegt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, sagen Sie mal, Sie sind verhaftet worden im November 43, ja? [...] Und warum sind denn diese Briefe Ihnen nicht vorgehalten worden, die man damals bei Ihnen gefunden hatte?

 

Zeuge Richard Böck:

Ah, Entschuldigung, jetzt kommt noch etwas anderes. Als ich dann am nächsten Tag zurück war, als ich bei meiner Frau war, dann hat man doch wieder - Schnitt -

 

Zeuge Richard Böck:

Rasiert und

 

Sprecher (nicht identifiziert) [unterbricht]:

[unverständlich] ein bißchen vorgehen.

 

Zeuge Richard Böck:

Aha. Entschuldigung, bitte. Und da hat der Häftling mir ins Ohr gesagt: »Brauchen Sie keine Angst haben, Politische Abteilung, die Baracke ist abgebrannt.« »Herrgott im Himmel«, habe ich mir gedacht, »jetzt bin ich gerettet.«[Pause] Ist der Boger.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Ja, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Der Fahrer hat erzählt, daß die Briefe bei der Politischen Abteilung hingelegt worden sein sollen. Und dann hätten sie, die werden morgen früh, wenn der Hauptsturmführer Grabner - der war nicht da - die Briefe aufmacht, dann ist der Richard verloren. Hat der damals gesagt. Jetzt war die Sache gut, ich war dann schon ein bissel ruhiger und habe schon gedacht: »Haha, jetzt bin ich gerettet.« Und ich war auch gerettet. Als ich dann entlassen war, haben sie mir in der Fahrbereitschaft erzählt, in der Nacht sei die Baracke mit Benzin umgossen worden und sei angezündet worden. Ich habe dann zum Kocjan öfter gesagt: »Kocjan, ich möchte nur wissen, wer die Baracke angezündet hat.« Und der Kocjan hat zu mir immer gesagt: »Das wird schon gut sein.« Aber wissen tu ich es

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, Sie wissen es bis zum heutigen Tag nicht, wer die Baracke angezündet

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Weiß ich nicht, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, daß sie mir das Leben gerettet haben. Das weiß ich ganz bestimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie mal, Sie haben eben den Angeklagten Boger erkannt. Haben Sie ihn dort in dem Lager Auschwitz auch gesehen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ich habe ihm mal gesagt: »Dir komme ich noch!« Dann hat er gesagt: »Ich komme dir!« Dann habe ich gesagt: »Gib bloß Obacht!« Ich habe mich nicht gefürchtet vor den Herren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. War er denn gefürchtet in dem Lager?

 

Zeuge Richard Böck:

In der Fahrbereitschaft, wenn ich manchmal früher zu Hause war oder ich habe Reparatur gehabt am Wagen, dann habe ich zum Kocjan meistens gesagt: »Kocjan, sehen Sie die vielen Mädel da drüben stehen, die stehen Schlange vor der Politischen Abteilung, vor der Scheißbaracke dort.« Und dann habe ich gesagt: »Kocjan, warum schreien denn die Mädel so? Was ist denn da los?« Sagt er: »Mein Gott, Herr Richard, die haben schwere Vernehmungen.« Dann habe ich gesagt: »Was ist das, schwere Vernehmung? Was machen die da?« Dann hat er gesagt: »Die Winde.« Da habe ich gesagt: »Die Winde? Was ist denn das, die Winde?« Und da hat der mir was erzählt, wie wenn sie da die Hand - aber das möchte ich nicht behaupten jetzt, ich kann nur sagen, wie er es mir so erklärt hat - drehen täten, scheinbar, und das seien also kolossale Schmerzen oder was. Und dann von der »Boger- Schaukel« hat er wörtlich [gesprochen]. Und dann habe ich gesagt: »Wieso sagen Sie da ›Boger- Schaukel‹?« Sagt er: »Ja, weil doch der Boger drin ist.« Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aber Einzelheiten davon können Sie uns nicht sagen?

 

Zeuge Richard Böck:

Gesehen habe ich nichts, aber schreien habe ich die Mädel oft hören.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Haben Sie denn während Ihrer Zeit dort einmal den Adjutanten Mulka kennengelernt?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, kennengelernt nicht, aber gesehen von weitem so und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. Wissen Sie, ob er Ihr Vorgesetzter war?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, freilich, wenn er Adjutant war, hat er auch

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was meinen Sie?

 

Zeuge Richard Böck:

Wenn er Adjutant war, hat er ja über die Fahrbereitschaft

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zu befehlen gehabt. Aber Sie selbst sind mit ihm als Vorgesetztem nie zusammengekommen?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein. Mal gegrüßt.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie von ihm mal Fahrbefehle unterschrieben gesehen?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, habe ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Wer hat denn die Fahrbefehle unterschrieben?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich weiß nicht, ich habe da nie hingeschaut. Den Fahrbefehl habe ich in die Mappe hineingesteckt, das ist eben schade, nicht, das

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja. [Pause] Haben Sie einmal etwas erlebt, während der kalten Jahreszeit, daß Leute da standen, die am nächsten Morgen noch stehen mußten?

 

Zeuge Richard Böck:

Damals sind zwei Häftlinge - da war ich noch gar nicht lange in Auschwitz, ich glaube, daß es zwei Tage später war, nachdem ich in Auschwitz habe antreten müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie gekommen nach Auschwitz?

 

Zeuge Richard Böck:

24. November 1941. [...] In diesem Jahr, als der Rußlandfeldzug angegangen ist, im Juni. Aber bitte, Herr Oberamtsgerichtsvorsitzender, darf ich noch mal auf den Herrn Mulka zurückkommen?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich glaube, der damalige Adjutant Mulka ist erst gekommen im Jahre 43 oder 44.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeuge Richard Böck:

Nicht?

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Soviel wir bisher festgestellt haben, ist der Angeklagte Mulka gekommen 42, im Februar, und ist geblieben bis zum März 43. [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Aha. Sonst hätte ich das gesagt, was ich beim Baer sagen wollte. Meine Ansicht, so ungefähr. [...] Der Baer ist damals gekommen, ich habe einmal den Baer so beobachtet, der ist so dagestanden wie ein getauftes Lamm, kann man sagen. Das war alles schon so organisiert, der Mann hat ja gar nichts, keinen Einfluß

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zu tun brauchen?

 

Zeuge Richard Böck:

Nicht haben können mehr dazu, das ist ja schon alles angelaufen gewesen. Das ist grade, wie wenn ich in eine Mühle hineinkomme, da sind vier, fünf Arbeiter drinnen, und jeder kennt seinen Mahlstein und alles, und ich muß da zuerst bloß schauen, was da eigentlich los ist. Und so ist das da auch gewesen. Inzwischen war ja schon der Lagerkommandant Liebehenschel. Und damals waren große Erleichterungen, habe ich von den Häftlingen tagtäglich in die Ohren gehört. Bei Liebehenschel sei mal eine Zeitlang schon nicht mehr so geschlagen worden, also alles sei schon etwas besser gewesen. Ich habe das damals sehr bedauert, daß der Mann aufgehängt worden ist.1

 

Vorsitzender Richter:

Und dann kam Baer?

 

Zeuge Richard Böck:

Dann kam der Baer.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie den Adjutanten von Baer auch gekannt? Nein?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Angeklagten Höcker gekannt?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, gehört habe ich den Namen immer, aber wenn ich ihn sehen würde, ich würde ihn, glaube ich, nicht kennen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie würden ihn nicht kennen.

 

Zeuge Richard Böck:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun haben Sie bei Ihrer Vernehmung etwas gesagt von einem Antreten auf dem Appellplatz am 28. Februar 41.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Kann denn das gewesen sein, waren Sie denn da schon dort?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, am 24. war ich ja schon in dem sogenannten Monopolgebäude.

 

Vorsitzender Richter:

Am 24. Februar, ja?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Ich weiß auch, daß das ganze Lager damals noch gar nicht aufgestockt war. Nur einzelne Blöcke waren aufgestockt, die sind doch alle nachher aufgestockt worden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Richtig.

 

Zeuge Richard Böck:

Und damals haben Häftlinge doch die Judengebäude abgebrochen vor der Brücke von Auschwitz, wenn man rausläuft, links. Da sind doch große Judenhäuser gewesen, Wohnungen von Juden. Also, eine Stukkatur haben sie dort gehabt, Arbeiten, das waren Häuser, die mal wahrscheinlich viel Geld gekostet haben, und die hat man alle abgebrochen. Und das hat ein sogenanntes Abbruchkommando oder Dachdeckerkommando, wie das geheißen hat, gemacht, da draußen. Und da habe ich von der Bäckerei - da war so eine Bäckerei da dran, über die Straße hinüber - immer Brot gefahren, dann habe ich immer den Häftlingen heimlich ein paar Kommißbrot, gegeben. Die waren ja so elend, so mager, Skelette, die Köpfe, wie die ausgesehen haben, ohne Haare, das soll ein Mensch sehen. Das hat ja einen erbarmen müssen, wenn man ein bißchen noch ein Herz im Leib hat.

Und damals war bei den Häftlingen einer dabei, mit Namen Koscielniak, ein großer Maler heute in Warschau, soviel ich weiß. Und der hat genauso mitgelitten, und der hat mich gefragt, ob er von mir ein Porträt machen dürfte. Und die anderen Häftlinge haben auch so zugesprochen, ob ich es nicht machen lassen möchte. Dann habe ich gesagt: »Nein, ein Porträt will ich nicht, an so was habe ich kein Interesse. Ich mag bloß ein schönes Ölgemälde, so was möchte ich schon haben.« Und dann hat man darüber geredet: »Ihr braucht mir nix geben, das mache ich so.« Und dann bin ich ein paarmal hingegangen und habe da zugeschaut, wie die das Judenhaus abbrechen, innen drinnen, die Mauern. Die Mauer, die war schon weg, und die so rüber ist noch gestanden. Und da hat der Kapo angesetzt, oben sitzen noch fünf, sechs Häftlinge und haben die Steine weggeklopft. Die haben sie so ein bißchen abgeputzt und runtergeschmissen, die hat man unten aufgefangen. Dann haben sie so lange, dicke Feuerwehrhaken reingebracht. Und haben da die Mauer angesetzt, der Kapo mit den Häftlingen: »Ho. Ho.« Und ist die Mauer runtergefallen. Oh, ich war erschrocken. Eine Staubwolke, und die Häftlinge, abends hat man sie tot reingetragen. Und ein jeder Häftling hat - ich weiß nicht mehr - vier oder fünf Steine tragen müssen, so hat er es müssen tragen, so raufgebeugt, das war eineinhalb Kilometer von da draußen rein bis ins Lager. Die haben den Rotz runtergehängt, also, ich sage Ihnen, ein Trauerzug, ich weiß nicht, wie man es sagen soll. Wer hat das Recht gehabt, oder wer hat das so haben wollen, daß man Menschen so plagt und daß man Menschen so runtersetzt? Ich habe damals noch einen kleinen Wagen gefahren, einen Borgward, dann habe ich zum Kocjan gesagt damals: »Kocjan, das sollten Sie mal da draußen sehen.«

Aber ein paar Tage später habe ich ans Lager hinfahren müssen, da habe ich in der Häftlingsküche was holen müssen. Im Feld draußen haben sie geschafft, Häftlinge, Kommando, draußen. Und da bin ich da drin gehockt, im Wagen drin, dann habe ich nicht hinein dürfen, der Blockführer hat mich nicht hineingelassen. Und da habe ich natürlich ein bissel gesprochen: »Ich muß da hinein, es pressiert, und ich will weiterkommen«, nicht, und so. Und dann habe ich mit dem Blockführer Streit gekriegt. In dem Moment springt der Palitzsch raus, faucht wie ein Faun: »Was willst du da?« und so und so. Dann habe ich gesagt: »Ich muß da hinein, ich muß rein, ins Häftlingslager, ich muß zur Häftlingsküche hin.« »Mach halt mal auf, laß ihn rein«, hat er gesagt, nachher, nicht, und der hat mich dann halt reingelassen. Und dem Kocjan habe ich das nachher erzählt, von da draußen. Da habe ich gesagt: »Kocjan, Sie haben recht, was Sie gesagt haben. Die müssen ja Tote reinbringen.« »Weil gestern«, habe ich gesagt, »wo ich am Lager dran gewesen bin, haben sie mich nicht reingelassen.« Da sind die ganzen Häftlinge ausmarschiert, und dann sind die Offiziere dagestanden, auch der Lagerkommandant und verschiedene Offiziere, mit Namen kann ich nicht alle sagen, einer war Untersturmführer, der war vorher bei der 4. Kompanie gewesen, der ist auch so dagestanden, dann hat der Kapo geschrien: »Mützen ab!« Dann haben die Häftlinge alle die Mützen runter, rausmarschiert, ganz zackig, und dann hat er gemeldet: »Dachdeckerkommando 65 Mann!« Dann hat der nachgeschrien, von denen Offizieren einer: »Dann bringst du mir heute abend 20 Mann weniger, sonst hast du einen kalten Arsch, du Bandit!« Hat er wörtlich nachgeschrien. Dann habe ich gesagt: »Kocjan, jetzt glaube ich es Ihnen, ich habe selber gehört, wie man spricht. Die müssen ja die Gefangenen reinbringen.«

In Auschwitz war alles auf Vernichtung eingestellt, das getraue ich mich jetzt wörtlich zu behaupten. Wenn ein Häftling sich erhängt hat - hat mir der Stublewski erzählt, das war ein polnischer Offizier, der war nach dem Krieg in Günzburg - und hat ihm den Strick abgeschnitten, seinem Nebenkamerad, dann hat der Nebenkamerad 25 Stockschläge bekommen. Der Stublewski hat keine 25 Stockschläge bekommen, weil der Hauptscharführer bei seinem Kommando oder was er unter sich gehabt hat, ihn scheinbar davor beschützt hat oder die Meldung ein bißchen runtergedrückt.

 

Vorsitzender Richter:

Abgeschwächt, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Dann haben die Häftlinge in der Fahrbereitschaft erzählt vom »Pfahlhängen«. Ich habe es noch nicht gesehen, aber ich weiß, Jesus Christus ist am Kreuz gehängt. Ich glaube, daß Jesus Christus nicht so gelitten hat, wie wenn ein Häftling da oben hängt mit den Armen. Mir hat das Herz geblutet. Oder hat man schon hier was gesprochen vom Stehbunker? [Pause] Stehbunker, da geht der Mann am Abend rein. Das habe ich nicht gesehen, aber das haben mir wahrheitsgetreue, anständige, brave Menschen erzählt. Und geht mit zwei Mann rein, und nach einer halben Stunde brennt schon kein Streichholz mehr, und um Mitternacht wird die Luft so knapp, daß der Häftling den anderen stranguliert. Und der, der tot ist, den drückt er nachher an die Wand, um halb drei Uhr, drei Uhr rum. Und so muß er die Luft herholen, bis morgen früh um fünf Uhr, und da kommt er raus und muß dann wieder an die Arbeit. Ich kenne einen Mann - schade, daß ich den Namen nicht weiß - er war von Olmütz, aber der Mann müßte ausfindig gemacht werden, der hat vier Tage Stehbunker gehabt. Bei der DAW2 bin ich damals gewesen, vorübergehend, und da habe ich dem Häftling Zigaretten geschenkt, und da ist er erwischt worden und gemeldet worden vom Hauptsturmführer Wagner. Und da hat der Häftling vier Tage Stehbunker gekriegt. Am dritten Tag sind die Kapos... der Robak, Leoaus Myslowice, war Kapo, ein Sohn von einer großen Möbelfabrik in Myslowice, und der Kapo August war ein guter Mensch. Wenn die einen Häftling geschlagen haben, dann haben sie es nur markiert, so nach außen hin, daß man hat gemeint. Aber sie waren nicht schlecht. Und die haben gesagt: »Der«- ich weiß nicht, Lowaki, oder wie er geheißen hat - »ist wieder dabei.« Dann habe ich gesagt: »Wo?« Dann haben sie gesagt: »Da drüben.« Dann habe ich gesagt »Warum?« Dann haben sie gesagt: »Ja, der ist schon die dritte Nacht im Stehbunker.« Dann habe ich gesagt: »Ja, warum? Was ist da dabei?« Dann haben sie mir das so erzählt. Dann habe ich gesagt: »Ruft ihn mir mal her.« Der Hauptsturmführer Wagner war noch nicht da, gell, und dann habe ich [+ mich] können ruhig mit ihnen unterhalten. Jetzt rufen sie her, dann habe ich gesagt zu ihm: »Ja, du alter Lump«, habe ich gesagt, »hast schon wieder einen umgebracht heute Nacht.« Dann hat er gesagt: »Herr Rottenführer, ich will auch leben.« Dann habe ich gesagt: »Nein, nein«, habe ich gesagt, »ich habe nur Spaß gemacht, ich weiß, was Sie mitmachen.« Und am vierten Tag ist er noch mal gekommen. Und ich habe ihm sogar ermöglicht, daß er oben, in [unverständlich] oben, in dem Zimmer oben bei den Deutschen Ausrüstungswerken, sich hineinlegen konnte. Habe ihm ein paar Decken gegeben, habe abgeschlossen und bin nach Brzeszcze gefahren um Kohlen. Und wie ich von Brzeszcze zurückgekommen bin nach dem Lager um halb vier Uhr haben wir ihn rausgelassen. Da hat er die Decken noch auf dem Arm gehabt, wie er in der Früh hinein ist. Dann habe ich gesagt: »Ja, was ist, haben Sie nicht geschlafen?« Sagt er: »Ich kann nicht schlafen.« Dann kriegt er noch mal Stehbunker, hat er gemeint: »Heute die letzte Nacht«, und ist er noch mal gekommen, am vierten Tag. Bitte, was hat der Mann geleistet in vier Tagen.

Der Kapo Müller war Schlosserkapo. Der ist in Auschwitz etwa entlassen worden 43 rum. Er ist immer nach Auschwitz gekommen in das Haus der Waffen-SS, vis-à-vis vom Bahnhof. Und da hat er sich da drinnen immer unterhalten, ein Gläschen Bier getrunken; er hat da ein Mädel poussiert, die hat in der Küche gearbeitet. Ich glaube, die war von Reichenberg, wenn ich mich noch erinnere. Und da hat er manchmal Gelegenheit bekommen, mit dem Mädel zu sprechen. Eines schönen Tages sitzt er beim Stab zusammen mit dem Obersturmführer Seidler. Noch nie gefallen, der Name? Wenn der in die Fahrbereitschaft gekommen ist, da hat man gemeint, der Hund sei in eine Hühnerfarm kommen, da hat er sein Motorrad einem [+ hingeworfen], der Häftling hat es noch aufgefangen, dem nächsten mit den Füßen hinein, und der hat sich gebärdet wie ein Wilder, daß wir in die Fahrbereitschaft hinter das Garagentor gesprungen sind, und haben noch hinausgespitzt, was der noch alles macht. Da haben wir uns selber schon gefürchtet. Und der Häftling, der Müller, Kapo Müller, der sagt: »Du hättest nicht mal ein Bild daheim an der Wand, wenn wir nicht gewesen wären. Du hättest nicht einmal einen Schrank im Schlafzimmer, du hättest nicht einmal ein Bett zum Reinlegen. Alles haben wir dir ›organisiert‹.« Der Seidler sei aufgestanden, der Müller habe ihm eine solche geschmiert, daß er unter den Tisch hinabgeflogen sei. Dann haben ihn die Offiziere und die, die es gesehen haben, überwältigt. Und der Müller ist ins Lager gekommen. Und der Hauptscharführer Fritzsche ist mit mir manchmal nach Kattowitz gefahren, im Verpflegungswagen, und hat für die Fahrbereitschaft Ersatzteile besorgt, der hat erzählt: »Jetzt sind es sechs Wochen, der Kapo Müller sitzt immer noch im Stehbunker.« Dann haben wir gesagt, wir drei, ich und der Scholz und der Fritzsche: »Was hat der Müller eigentlich geleistet in diesen sechs Wochen. Wenn er sechs Wochen im Stehbunker aushält, dann muß er jeden Tag einen umgebracht haben.«

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, einige Tagen, nachdem Sie gekommen waren, haben Sie am 28. Februar3 gesehen, wie ein Appell auf der Lagerstraße stattgefunden hat.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Wollen Sie uns davon etwas sagen?

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Ich weiß nicht, hat das Hohe Gericht einen Einblick von meinem Innersten? Anständige Menschen bezeugen meine Ehrlichkeit und meinen guten Willen in Auschwitz. Ich habe die letzten Tage nachts gar nicht mehr geschlafen. Mir träumt von Auschwitz, manchmal bin ich selber Häftling. Ich wundere mich eigentlich, daß ich heute noch lebe. Oft haben die Häftlinge der Fahrbereitschaft gesagt: »Herr Richard, Sie müssen Obacht geben, wir geben schon auf Sie Obacht. Sie brauchen nicht auf uns Obacht geben.« Dann habe ich gesagt: »Ja, ich gebe auf euch sowieso ja gar nicht Obacht.« Aber, haben sie gesagt, ich soll vorsichtig sein, es sei schon so gefährlich. Alles spricht schon von mir, vielleicht ist doch ein Häftling einmal dabei, der etwas verrät. Was ja auch schon vorgekommen ist, was ich auch weiß. Ich möchte das Hohe Gericht bitten, vielleicht darf ich das hier mal runterlesen. Ich glaube, daß ich alles so zusammengefaßt habe, was ich gesehen und was ich gehört habe und was ich so ungefähr weiß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, das kann ich Ihnen leider nicht gestatten. Sie können zwar Ihre Notizen benützen, um Ihr Gedächtnis zu stützen, Sie dürfen uns aber nichts vorlesen. Sie müssen uns das frei sagen, was Sie wissen. Und uns kommt es jetzt zunächst einmal darauf an zu wissen, was am 28. Februar gewesen ist, wie Sie damals hingekommen sind.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. [Pause] Wir haben damals, weil wir uns doch noch geweigert haben, Dienst zu machen, immer beim Monopolgebäude beim Fenster runtergeschaut. Das Monopolgebäude steht so, und da geht das Bahngleis noch runter am Monopolgebäude, und da ist das Lager, das Hauptlager, das Stammlager.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Und da ist dazwischen ein Kiesplatz. Wir schauen am Abend hinüber, da stehen Häftlinge. Eiskalte Nacht. »Mützen ab!« Manchmal hat einer gehustet, das hat man gut gehört. Und es ist so bang gewesen bei uns. Ich glaube, der Lange hat es auch gesehen, der war auch bei uns. Und hat man halt disputiert, und niemand hat gewußt, warum die da stehen. In der Früh schauen wir rüber, und da stehen sie noch dort. Mittlerweile ist mittags durchgesickert, daß zwei Häftlinge geflohen sind, und zur Strafe muß das ganze Lager 48 Stunden stehen. Bitte, sage mir jemand von den Herren Angeklagten, daß das nicht wahr ist. 48 Stunden sind sie gestanden. Wie viele sind umgefallen? Wenn ein Häftling umgefallen ist, hat der Nebenhäftling gar nicht runterschauen dürfen, in dem Moment hat er schon eine von hinten mit dem Stiefel...

 

Vorsitzender Richter:

Getreten bekommen.

 

Zeuge Richard Böck:

Vom Kapo. Der Kapo hat ja auch eine Fotze reingekriegt, wenn er nicht Ordnung drinnen gehalten hat. Das ist nicht immer gesagt, daß die Kapo Lumpen waren, sondern es hat Kapo gegeben, die haben geschlagen, um ihr Leben zu erhalten. Ich erinnere mich, ich habe mal bei einem Kommando gesehen, da war der Emmerich, ich weiß nicht, stimmt der

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Emmerich, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Name, Blockführer: »Kapo, komm her!« Der Kapo ist hergekommen, und er hat er ihm eine Fotze hineingehauen. Der Kapo fliegt um, aber der Kapo ist schnell wieder aufgestanden. Wehe, wenn er nicht aufgestanden wäre. Ich weiß, was passiert wäre, aber er ist sofort wieder aufgestanden. »Kannst du nicht besser schlagen?« Der Kapo ist weg, hat einen Prügel genommen, so einen langen, gleich so dick, und auf die Häftlinge eingehauen. »Kapo, komm mal her!« Der Kapo ist herkommen: »Mach den fertig!« Dann hat er müssen den fertigmachen. Und am Schluß hat er müssen ihm auf dem Hals stehen. [Pause] Ich habe gesehen, wenn ein Häftling am Boden liegt, und der Kapo schlägt auf ihn ein, er hat noch die Schaufel in der Hand, er hat immer noch so probiert, aber was er auf ihn eingeschlagen hat, [+ darauf] hat er gar nicht reagiert. So stelle ich mir heute eine Ohnmacht oder eine Bewußtlosigkeit vor. Da spürt man scheinbar nichts mehr. Ich habe mir manchmal gedacht, ein glücklicher Umstand muß das sein, wenn man dann nichts weiß und spürt es dann nicht mehr, wenn man tot geht. So ungefähr habe ich mir das vorgestellt. Ich weiß nicht, versteht man mich oder versteht man mich nicht? Aber ich möchte bitte die Wahrheit sprechen.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, damals, wie Sie die Leute auf dem Appellplatz gesehen haben - das war am 28. Februar - haben Sie mal ausgesagt, und das scheint auch zu stimmen.

 

Zeuge Richard Böck:

Entweder am 26. oder am 28., also

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, jedenfalls Ende Februar.

 

Zeuge Richard Böck:

Ein paar Tage, nachdem ich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hingekommen bin.

 

Zeuge Richard Böck:

Hingekommen bin, um die Zeit rum war es.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sagten, es war sehr kalt.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Und am anderen Morgen standen die immer noch auf dem Platz. Und den ganzen Tag über und die folgende Nacht bis zum nächsten Morgen.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Die Häftlinge wären sehr leicht bekleidet gewesen, stimmt das?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, es war in Auschwitz verboten, hat mir der Kocjan erzählt, einen Pullover zu tragen im Winter. Der Kocjan hat Pullover getragen, aber unterm Hemd. Aber er hat gesagt, wenn man ihn erwischt, kriegt er 25 Stockschläge.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie gesehen, daß viele umgefallen waren von diesen Leuten?

 

Zeuge Richard Böck:

Das habe ich nicht gesehen. [...] Nein, das war immer ein bißchen so neblig gewesen, so leicht, und alles genau hat man können nicht [+ sehen]. Aber die Häftlinge hat man stehen sehen. Das ist ja eine große Masse

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hat Ihnen jemand später erzählt, daß viele der umgefallenen Häftlinge erfroren seien?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, das hat man gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat man gesprochen.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Sie wissen nicht, wer es Ihnen erzählt hat? Und Sie wissen auch nicht, wie das festgestellt worden ist, daß die

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Unter uns SS-Leuten ist ja gesprochen worden, unterm Lange, unterm Bublitz, der war von da oben von der Ostsee, ich weiß nicht mehr jetzt, wie er mit dem Vornamen geheißen hat, das war auch ein sehr weicher Mensch. Der hat einmal hinuntergeschaut, dann hat er gesagt: »Ich muß brechen.« Dann habe ich gesagt: »Ich auch.« Aber der hat tatsächlich brechen müssen, also so schlecht ist dem geworden. Ein Kapo hat auf einen Häftling mit der Schaufel eingeschlagen, unten am Monopolgebäude. Wenn ich gleich so hinunterschaue, unten ist so die Rampe und da das Schienengleis und der Kiesplatz. Und der haut die Schaufel auf ihn ein, und die Schaufel bricht ab. So ist sie abgebrochen, so, so schief rüber. Und der stößt ihm am Boden den Stiel in den Bauch hinein. Und der Häftling hat den Stiel gehalten, und der Kapo wollte den Stiel rausziehen. Der läßt ihn nicht rausziehen, der hat ihn gehalten. Das haben wir so deutlich gesehen. Und dann ist er auf ihn mit dem Fuß draufgestanden und hat den Stiel rausgezogen, und dann ist der Häftling liegengeblieben. Das war ungefähr morgens um neun Uhr rum. Und um halb elf Uhr hat er sich nicht mehr bewegt. Und dann sind die ersten Häftlinge hingegangen. Einer hat ihm den Kittel runtergezogen, der andere hat ihm dann das Hemd runtergezogen, und die Hose haben sie ihm angelassen, und so ist er dann dort gelegen.

Und am Mittag haben sie damals, an dem Morgen, ich glaube, acht oder zehn Häftlinge, eine große Zahl, tot reingetragen. Zwei so lange Holzprügel, der eine hat es auf der Achsel und der auf der Schulter, und zwei Bretter rum, und da sind zwei drauf gelegen, und so sind mehrere. Das war die sogenannte Strafkompanie. Und da haben sie das Lied gesungen. Das hat geklungen - so hohle Stimmen -, wie wenn Tote jetzt reinmarschieren und singen. Mittags sind sie zum Einmarsch gegangen und haben die Häftlinge reingetragen und haben gesungen: »Lasset uns singen und fröhlich sein.« Das Lied, das habe ich ja tausend Mal gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Tja. Haben Sie gehört, daß Apellstehen veranlaßt worden ist, weil ein Häftling geflohen war? [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Zwei. Zwei Häftlinge seien geflohen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und da hätte man sie so lange stehen lassen wollen, bis der

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Zur Strafe

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wieder ergriffen war.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Später hat man sie bloß noch zwei Stunden stehen lassen. Später weiß ich auch, dann hat man gleich wieder die Sirene [+ heulen lassen]. Wenn man gewußt hat, daß es erfolglos ist, hat man sie dann früher wegtreten lassen. Also, später hat sich das nicht mehr über die Länge [+ erstreckt], aber zwei Stunden sind sie auch oft gestanden.

 

Vorsitzender Richter:

Und wissen Sie, wer das damals veranlaßt hat, dieses Appellstehen von den Häftlingen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, wahrscheinlich wird das der Kommandant gemacht haben, das war ja der höchste. Wenn es der nicht erlaubt, können sie es ja nicht machen, denke ich mir.

 

Vorsitzender Richter:

Konnte das nicht der Schutzhaftlagerführer auch machen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, da habe ich keine...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht im einzelnen.

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Dessen Kompetenz, das weiß ich nicht, wie weit das ging bei dem.

 

Vorsitzender Richter:

Und dann haben Sie mit einem gewissen Johnny eine Auseinandersetzung gehabt oder was?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

War das ein Oberkapo?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

War das der, der diesen Schaufelstiel da auf den anderen gelegt hat?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Was hat denn der sonst gemacht?

 

Zeuge Richard Böck:

Der Oberkapo Johnny, wie ich immer beobachtet habe, hat nur mit dem Mund getötet, Befehle. Da hat das Kommando unten stehen können, zum Beispiel Kieskommando. Die Schubkarren, die sie gehabt haben, die viereckigen, die Kasten. Da ist er so auf ein Podium drauf gehockt, so ist er oben gehockt und hat so einen Stecken gehabt, und dann hat er gesagt: »Karren hebt, Karren senkt, Karren hebt, Karren senkt, Karren hebt, Karren senkt!« Auf Kommando. Freiübungen gemacht, sozusagen. Und der, der nicht mitgekommen ist, zu dem haben müssen die Kapos hin, die Unterkapos, und haben auf ihn eingeschlagen, immer.

Dann bin ich in der Frühe mal rüber zur Fahrbereitschaft, zur SS-Küche gelaufen, da kommt der Johnny, dann hat er mich gesehen, bei mir war noch ein Kamerad auch dabeigewesen. Sagt er: »Morgen, Herr Sturmmann.« Dann habe ich gesagt: »Du brauchst mich noch grüßen, du Massenmörder.« Sagt er: »Herr Sturmmann, ich bin kein Massenmörder, ich muß.« Dann habe ich gesagt: »Ja, du mußt, du Spitzbube.« Hat der andere gesagt: »Richard, sei still, komm«, und hat mich gleich mitgezogen. »Komm, komm, komm, mach keine Dinger, das darfst du nicht sagen.«

 

Vorsitzender Richter:

Aber gemeldet worden ist damals nicht?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Passiert ist Ihnen damals nichts?

 

Zeuge Richard Böck:

Auch nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Hat sich diese Szene, die Sie uns eben geschildert haben, mit dem Schaufelstiel, hat die sich ereignet, wie die Leute da unten in der Kiesgrube standen oder ein andermal?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, die haben da unten gearbeitet. Es war ja gefroren und war kalt und hat Schnee auch noch gehabt. An der Kiesgrube haben sie immer Kies rausgemacht. Da war so ein ganz großer Trichter drin, wo sie Kies raus gemacht haben. Da sind Häftlinge oft drunten gestanden und haben von unten noch daher geschmissen. Der eine daher, der eine wieder weiter rauf. Manchmal, wenn es bei den Kapos heiß hergegangen ist, so wie beim Mirbeth zu Beispiel, wie viele hat man runtergeworfen, wo da unten das Wasser war, wie viele sind da ersoffen. Wie hat man die Häftlinge da hinten an den Schlagbaum, grad am Eck vom Lager, hinten, dort...

 

Vorsitzender Richter:

Das Lager ist ganz da hinten auf der Karte.

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Ja, ja, da hinten dort. Da fließt die Sola runter.

 

Vorsitzender Richter:

Oben ist die Sola, ganz oben. An der Karte. Gehen Sie mal hin, sehen Sie sich es mal an.

 

Zeuge Richard Böck:

Bitte. [Pause] Das ist der Haupteingang. [...] Und hier ist der Kiesplatz.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Hier. Hier ist das Monopolgebäude, so hier.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Und da war der Kiesplatz. Und hier war so ein Schlagbaum. So ein Balken, den man hat rauf und runter heben konnte. Und so fließt doch die Sola hier hinten.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ganz recht.

 

Zeuge Richard Böck:

Also, jawohl. Hier ist die Mauer runter. Und hier rum muß wohl die Schwarze Wand sein, zwischendrin.

 

Vorsitzender Richter:

Rechts mehr, rechts mehr. Da, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

In dem Block bin ich gewesen. 13 war das. Ich habe immer gemeint, das sei Block 24 gewesen, wo ich war. Und hier hat jetzt der Mirbeth die Kapos aufgetrieben, gell. »Und los!« Und die haben drauf eingeschlagen und den Schlagbaum aufgemacht. Und jetzt haben die Häftlinge gemeint, da können sie hinausspringen. Und oben, hier war ein Postenturm und dort, da war auch einer gewesen. Da heran rum, zu der Weite ungefähr, da haben die von oben runtergepfeffert. Ein paar sind in die Sola runter, aber die haben sie aus der Sola noch rausgeholt. Es ist keiner durchgekommen. Das war alles bloß markiert, daß die haben gemeint, sie kommen...

 

Vorsitzender Richter:

Aber wie gesagt, den Angeklagten Mulka haben Sie sonst näher nicht mehr erlebt, mit Ausnahme das eine Mal, wo er in die Werkstatt oder in die Fahrbereitschaft gekommen ist. Aber mehr wissen Sie von ihm nicht?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, kann ich nichts sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Und von dem Angeklagten Boger, wissen Sie da etwas Näheres, als daß er ein gefürchteter Mann im Lager war?

 

Zeuge Richard Böck:

Gesehen habe ich nichts, aber aus dem Weg ist ihm ein jeder gegangen, sogar SS-Männer.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wer das Mädchen damals war, das dieses Lied »Stern von Rio« gesungen hat, das wissen Sie nicht?

 

Zeuge Richard Böck:

Weiß ich nicht, nein.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ich hätte an den

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Und der Kapo Jakob hat mir erzählt, daß er früher der Trainer gewesen sei vom Schmeling. Er hätte

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ich verstehe nicht? Der hat Ihnen erzählt, daß?

 

Zeuge Richard Böck:

Er früher der Trainer vom Schmeling gewesen sei.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Schmeling gewesen sei, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Hat er mir erzählt auch noch, nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ich glaube, das stimmt auch, ja.

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Er hat sich mit mir öfters unterhalten.

 

Vorsitzender Richter:

Das wurde allgemein gesagt. Haben Sie auch den Angeklagten Kaduk gekannt?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl, Kaduk kenne ich noch als Unterscharführer sogar. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und was hatte denn der für eine Befugnis?

 

Zeuge Richard Böck:

Der Kaduk, das war der Nachfolger vom Palitzsch.

 

Vorsitzender Richter:

Als Rapportführer oder was?

 

Zeuge Richard Böck:

Der Kaduk ist doch Königshütter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich lese immer Berlin.

 

Vorsitzender Richter:

Wie, der Palitzsch?

 

Zeuge Richard Böck:

Der Kaduk.

 

Vorsitzender Richter:

Der Kaduk. Der Kaduk ist zur Zeit hier.

 

Zeuge Richard Böck:

Ach so, ja, aber der ist doch Königshütter.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Weil ein Häftling von Königshütte, mit Vornamen Hans - der könnte auch ausfindig gemacht werden - von der Fahrbereitschaft, hat mir öfter gesagt: »Der Kaduk ist ein großes Schwein, wie der die Menschen mißhandelt. Und wie der drauf ist, wenn jemand polnisch spricht. Früher durfte man in Königshütte nicht deutsch sprechen, und jetzt darf man nicht polnisch sprechen.«

Der hat mir mal geschrieben vor zwei Jahren, aber ich habe den Brief verlegt. Es ist sehr schade. Er hat geschrieben, er sei nach Tarnów gefahren, zu einem polnischen Offizier, zu einem Hauptmann, Osika hat der geheißen. Der hat auch bei uns in der Fahrbereitschaft gearbeitet. Und sie hätten beide geweint über meine Zeilen, und der Osika hätte gesagt: »Der Richard hat einen Mut gehabt, sein Mut war nicht zu brechen.« Und ich wußte, daß die beiden an das denken, als ich damals den Untersturmführer Wiegand einen Lumpen und einen Spitzbuben geheißen habe vor polnischen Offizieren. Und an das haben die wahrscheinlich gedacht, wie sie mir so geschrieben haben. Der Osika wohnt in Tarnów, das wäre auch ein guter Zeuge. Ein langjähriger Häftling, der viel erlebt und viel gesehen hat.

In der Fahrbereitschaft war es allerdings ein bißchen locker, da sind die Häftlinge ein bißchen besser behandelt worden. Erstens, als ich hingekommen bin, die ersten 14 Tage, da war ich Werkstattleiter, so hat man mich betitelt. Und da habe ich halt mit den Häftlingen so langsam Fühlung aufgenommen. Und der eine hat was Schönes machen können. Einer hat mir dann einmal so einen schönen Brieföffner gemacht, achteckig, aber ein Kunstwerk. Und so habe ich halt zum Kapo mal gesagt: »Kapo, Sie brauchen die Häftlinge nicht schlagen.« Hat er so geschaut, sagt er: »Ja, können Sie das bestimmen?« Da habe ich gesagt: »Nein, aber ich will das nicht sehen, das mag ich nicht haben.« Sagt er: »Ich muß manchmal einen schlagen, wenn er seine Arbeit nicht richtig [+ macht].« Dann habe ich gesagt: »Sie brauchen nicht schlagen, ich will das nicht sehen.« Und dann habe ich den Häftlingen immer Zigaretten gegeben, und auf einmal kommt der Kapo und sagt: »Herr Böck, wenn Sie Zigaretten haben, dann geben Sie sie mir, die brauchen Sie den Häftlingen gar nicht geben, ich gebe schon dem, der es verdient.« Dann habe ich gesagt: »Nein, nein, die täten Sie selber verschieben und verrauchen. Nein, nein, die rauchen die, denen ich es gebe. Sie kriegen ja auch welche«, habe ich gesagt.

Und es ist dann ein neuer Kapo kommen, mit Namen Müller. Er hat zuerst auch ganz energisch durchgreifen wollen, dann habe ich ihm auch gleich gesagt: »Na, horchen Sie mal, Kapo, Sie brauchen sie gar nicht schlagen. Das muß gar nicht sein, das geht so auch. Tun Sie doch die armen Menschen nicht noch blau hauen.« Sagt er: »Ja, nun, aber wenn der Alte« oder so. Dann habe ich gesagt: »Das spielt ja keine Rolle.« Aber das muß ich sagen, das war ein Mann von Muster. Der hat die Häftlinge geschont, wo er konnte. Und wenn es mal nicht anders sein konnte, dann hat er ihm halt eine ins Gesicht reingeschlagen, aber bloß so pro forma, damit der Alte gemeint hat, er sei mit ihnen schon so, wie es sein müßte.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie von dem Kaduk irgendeine persönliche Kenntnis? Ich meine, daß Sie etwas selbst gesehen haben, was er gemacht hat?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, an einem Samstag einmal, da habe ich schon den ersten Verpflegungswagen gefahren. 1944 rum ist es gewesen. Auf jeden Fall war schon links das erste Gebäude, wo die Mädchen drin waren, das Freudenhaus, wie man es betitelt hat. Da sind ja gar keine Häftlinge hineingegangen. Der Kocjan hat mir einmal erzählt, er sei mal oben gewesen, dann hat er nur eine Zigarette geraucht und sei wieder gegangen. Er hätte gezittert am ganzen Leib und sei so schwach gewesen. Es seien nur die Kapo hineingegangen, hat er mir gesagt, wörtlich.

Ich fahre da hin ans Lagertor und bin ein bißchen spät dran und habe noch etwas Häftlingsverpflegung, die muß ich noch hineinbringen. Das Tor war schon geschlossen. Jetzt ist das Tor aufgemacht worden, zwei oder drei Häftlinge sind gekommen, sind noch hinein. Der Kaduk ist hingegangen und hat einen ausgesackelt. Und da ist was rausgefallen, ich meine, ein Zigarettenstummel, wenn ich mich nicht täusche. So was ist es gewesen; ich war ja noch draußen am Lager, ich konnte ja noch nicht hinein. Und auf einmal geht er her und haut dem Häftling eine rein, und der fällt um. Der Häftling ist wieder aufgestanden, dann hat er ihm noch mal eine hingehauen, dann ist er wieder umgefallen, der Häftling. Und dann hat oben das Mädel runtergeschrien: »Das ist aber furchtbar, so was, so ein Mensch«, hat sie gesagt, »so macht man es ja nicht einmal einem Tier.« Ein ziemlich lautes Mundwerk hat sie gehabt. Und der Kaduk hat so hinaufgeguckt zu ihr und gesagt: »Dir komme ich schon auch noch, da oben.« So ähnlich, nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber daß er irgendeinen totgeschlagen hätte, das haben Sie nicht gesehen?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, das kann ich nicht bezeugen.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie von den Häftlingen gehört, daß er sehr gefürchtet war und daß er einer der Gefürchtetsten gewesen ist in dem Lager?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl, das habe ich gehört.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie gehört. Haben Sie einmal im Lager gesehen, daß da neue Häuser gebaut worden sind? Also, man hat das Lager doch ausgebaut nachher, nicht, im Jahr 1942, ja?

 

Zeuge Richard Böck:

Das Stammlager?

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Stammlager, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Das Stammlager war ja nur ein Stock hoch gewesen am Anfang. Und als ich hingekommen bin, waren schon verschiedene Blöcke, so hat es geheißen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Aufgestockt, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Aufgestockt. Und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie auch gesehen, daß neue Häuser dort gebaut worden sind? Daß man neue Baugruben ausgehoben hat und neue Blöcke gebaut hat?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, einmal an der Fahrbereitschaft, da ist ein großer, viereckiger Aushub gemacht worden. Und damals an einem Samstagnachmittag war ich Fahrer vom Dienst. Dann habe ich hinten zum Fenster hinausgeschaut, dann haben sie gesagt: »Heute haben die Kapos Strafarbeit.« Und da war ein Kapo dabei von der Landwirtschaft, ein großer, schöner Mann. Also, ein Gesicht hat der gehabt, ich glaube, der hat nie böse schauen können, immer ein lächelndes Gesicht. Und als mutigen Kerl habe ihn ich mir so vorgestellt. Und der war auch bei denen, die Strafarbeiten machen mßten. Und oben, ich glaube, der Emmerich war es, der Blockführer, der hat die Kapo unten angespornt. Und die haben immer über die Kapos reingeschlagen. Ich habe dann mit meinen Kameraden so gesprochen, dann haben sie gesagt: »Die haben Strafarbeit, weißt du, bei denen kommt zu wenig vor. Erstens sind sie ein bißchen zu lau mit den Häftlingen« und so weiter und so weiter. Und am anderen Tag haben die Häftlinge auch noch gesprochen davon, am Montag, und haben gesagt, die Häftlinge, die am wenigsten auf der Totenliste haben, all die Kapos sind zur Strafarbeit gekommen. Und so oft der Kapo von der Landwirtschaft einen reingekriegt hat mit dem Prügel, wo der oben immer, der Blockführer immer draufgedingt hat, hat sich der so umgedreht und hat gelacht. Das war ungefähr halb drei, um zwei Uhr hat er angefangen, der »Karneval«, hat man gesagt. Um halb vier ist der große Kapo schon oben gelegen. Man hat gesprochen nachher, mit lächelnden Lippen sei er in den Tod gegangen, so mutig sei der gewesen. Aber auch die anderen sind oben gelegen. Haben sie alle totgeschlagen. Die eigenen Kapos, die sie haben totschlagen müssen. Ich will ja aber nicht behaupten, daß die Kapos schlecht waren, die das gemacht haben. Wer kann mich verstehen jetzt? Ich will mein Leben retten. Ich hätte es nicht retten wollen. Ich habe oft gedacht: »Herrgott im Himmel, wenn ich sterben muß, dann sterbe ich gern für diese arme Menschen.« Drum habe ich auch immer wieder, immer wieder Briefe geschmuggelt, immer habe ich das gemacht, was falsch ist. Und heute ist es richtig.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, ich wollte von Ihnen wissen, haben Sie mal eine solche Baugrube gesehen, wenn da die Häuser gebaut worden sind?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, bei uns an der Fahrbereitschaft da dran. Wie hat das später geheißen? Ich glaube...

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das war aber außerhalb das Lagers.

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Schädlingsbekämpfung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das war aber außerhalb das Lagers, gell?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, außerhalb des Lagers. So quer rüber.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Und im Lager selbst, haben Sie da auch mal gesehen, daß da ein neuer Block gebaut worden ist? Daß da eine Baugrube ausgehoben war?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Haben Sie nicht gesehen.

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, alles habe ich auch nicht gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Sind noch Fragen an den Zeugen zu stellen? Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Herr Zeuge, mit welchem Dienstgrad kamen Sie denn nach Auschwitz?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich kam nach Auschwitz als SS-Mann.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und mit welchem Dienstgrad sind Sie von Auschwitz weg?

 

Zeuge Richard Böck:

Als Unterscharführer.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Wie hieß der Müller mit Vornamen?

 

Zeuge Richard Böck:

Welcher Müller?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Der Kapo Müller.

 

Zeuge Richard Böck:

Das weiß ich nicht, bitte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und der Koczian, wie hieß der mit Vornamen?

 

Zeuge Richard Böck:

Der Kocjan? Stanislaus Kocjan. Der ist heute in England. Voriges Jahr wollte er mich besuchen, im Juni, das zweite Mal. Und jedes Mal bin ich nicht zu Hause. Der hat eine große Fabrik in England. Er hat eine gute Heirat gemacht.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Haben Sie Himmler mal in Auschwitz erlebt?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, da war ich jedesmal um Verpflegung in Kattowitz. Aber ich weiß, daß Himmler

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Ja, da muß ich Ihnen vorhalten, Sie haben uns aus einer Zeit, zu der Himmler - ausweislich Blatt 294 der Anklageschrift - in Auschwitz war, nämlich 1. März 1941, sehr genau geschildert, was Sie alles gesehen hätten mit dem Lager, das damals 48 Stunden im Freien gestanden habe.4

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja, und von Himmler, von der Besichtigung haben Sie nix mitgekriegt?

 

Zeuge Richard Böck:

Von Himmler?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, bitte, von welcher?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Der war am 1. März 1941 in Auschwitz. [...] Und vom 28. Februar haben Sie erzählt, daß das Lager da zwei Tage dagestanden hätte.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich weiß, daß Himmler in Auschwitz war um die Zeit rum und daß die Häftlinge geweint haben und haben gesagt, Himmler sei ins Lager reingelaufen und habe nur den Besichtigungsblock angeschaut. Und die Häftlinge hätten geweint, weil er nicht in ihre Stuben hineingeschaut hat. Weil da Leute zum Teil noch - also ich weiß es bestimmt - auf dem Boden gelegen sind, nachts, kein Tisch und kein Stuhl.

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Nein, es dreht sich mir um was anderes.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, bitte.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie sagten, gerade in der Zeit, in der die Besichtigung von Himmler unmittelbar bevorstand, da soll nach Ihrer [...] Aussage das Lager 48 Stunden lang im Freien gestanden haben. [...] Das erscheint mir einigermaßen unwahrscheinlich, denn vor einer Besichtigung wird meistens ein bißchen was hergerichtet.

 

Zeuge Richard Böck:

Das habe ich ja gar nicht behauptet.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Doch.

 

Zeuge Richard Böck:

Bitte?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ich halte Ihnen vor, daß am 1. März Himmler da war. Sie haben uns aber erzählt, daß am 28. Februar das Lager 48 Stunden im Freien gestanden hat.

 

Sprecher (nicht identifiziert):

Oder 26.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Oder 26.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich sage noch mal wörtlich, bitte: Am 26. oder am 28., also ein paar Tage, nachdem wir nach Auschwitz erst gekommen sind. Aber von einer Besichtigung vom Himmler oder von Antreten, irgendwas, ist niemand

 

Ergänzungsrichter Hummerich [unterbricht]:

Haben Sie nichts gemerkt, so.

 

Zeuge Richard Böck:

Es ist gar niemand angetreten. Nichts.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Dann schildern Sie uns doch bitte mal, was Sie erlebt haben bei einer Vergasungsaktion.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Von der ersten, bitte, gell?

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Nein, wo Sie dabei waren. Wo Sie mit dem Wagen mit hingefahren waren.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Der Hölblinger war zu mir eigentlich ein ganz guter Kamerad. Wohl habe ich vorige Woche gelesen, daß Hölblinger fast keine Aussage gemacht hat. Ich staune. Hölblinger hat mindestens jeden Tag das gesehen, was er mir damals die Möglichkeit gegeben hat zu sehen. Also, der Hölblinger sagte zu mir: »Morgen abend kannst du mit mir da rausfahren, kannst etwas sehen, wenn der Transport einläuft, dann hole ich dich.« Wie es mit dem Transport-Einlaufen war, das habe ich ja schon einmal gesagt, und das wird wahrscheinlich auch ein jeder wissen. Wenn der Fahrer von der Fahrbereitschaft einen Telefonanruf gekriegt hat, oben von der Fernsprechstelle oder wie das geheißen hat, da hat es geheißen: »Transport ist eingelaufen.« Als ich das zum ersten Mal gehört habe, habe ich gar nicht gewußt, was das bedeutet. Dann sagt der eine: »Was ist los?« Dann habe ich gesagt: »Ein Transport sei eingelaufen, was heißt denn das?« Sagt er: »Ich weiß auch nicht.« Nach einer Weile wieder. Sage ich: »Bitte, Transport ist eingelaufen?« Dann habe ich gesagt, »Wie?« Dann sagt er es wieder: »Den Kommandantenwagen vorfahren!« »Jawohl!« Dann bin ich nach hinten, dann habe ich den Kommandantenwagen angeguckt, dann bin ich hineingehockt, dann denke ich mir: »Ja, wo läßt man denn den anlaufen?« Ich konnte gar nicht finden, wo man ihn anlaufen läßt. Jetzt bin ich zu dem einen vor, zum zweiten Fahrer vom Dienst, sagt er, er weiß es auch nicht. Ja, was machen wir da? Jetzt habe ich gesagt: »Ich springe gleich rüber in die Unterkunft und sage, der Oberscharführer Heger soll rüberkommen.« Dann ist man rüber, dann ist der rübergekommen, dann hat der da unten hineingelangt und hat gesagt: »Da hinten geht er an.« Und hat der [unverständlich] gesagt: »Ja, so einen Blödsinn, das habe ich auch noch nicht gesehen.« Und dann sind wir vor, ich habe den Wagen vorgefahren. Der Kommandant ist ja draußen gestanden, ist in den Wagen und ist alleine weggefahren. Und ich bin hinübergelaufen zur Fahrbereitschaft wieder.

Und jetzt sagt der Hölblinger zu mir, ich kann mit ihm rausfahren. Also bin ich mit dem Hölblinger hinausgefahren. Das war noch nicht wie in Birkenau drinnen, im Lager, sondern das war noch draußen gewesen. Da ist es von der Bahn, wo der Zug gestanden ist, so schief runtergegangen, so wie ich mich erinnern kann. Es war dunkel, es war abends. Es war ungefähr gewesen neun Uhr, kann auch halb zehn gewesen sein. Und jetzt sind die Häftlinge alle rausgestiegen. Aber da haben sie müssen noch runterhüpfen, da ist ja gar kein Ding gewesen zum rauslaufen. Der Transport, das weiß ich noch ganz genau, der war von Holland.5 So einer von den ersten Transporten rum ist das so gewesen, also man hat gesagt: »Von den besseren Juden.« Ich habe gesehen, Frauen haben getragen - ich glaube, jede vierte Frau oder jede dritte Frau - Persianermäntel. Schön gekleidet. Die Männer alle sehr sauber gekleidet. Der Zug war ein Schnellzugwagen, ganz schöne Wagen, gewesen. Nicht so, wie andere gekommen sind, mit Dieselwagen. Und da haben die Lkws dort gestanden dann, von uns, von der Fahrbereitschaft, und da haben sie so große Treppen hingeschoben, die Häftlinge. Und da sind die Leute hinaufgestiegen auf den Lkw. Und haben sie vollgestanden und hinten die Klappe zugemacht, und dann sind sie da hinausgefahren. Als alle bereits vorüber waren, mittlerweile ist manchmal eine Frau hergekommen und hat gesagt: »Krank.« Dann hat der Hölblinger gesagt: »Nix, da kannst du nicht da hinüber.« Dann hat er gesagt: »Na, nix, da hinüber!« Und dann hat man sie auch auf den Wagen hinauf und fort. Er konnte es ja in den Wagen gar nicht reintun, weil das hat man bloß markiert mit dem Sanitätswagen. Soviel weiß ich ja schon.

Auf einmal hat es geheißen: »Jetzt geht es los.« Dann sind wir losgefahren, sind ich und der Hölblinger hinausgefahren, die Lastwagen sind schon voraus und dem letzten sind wir nachgefahren. Es war das frühere Birkenau, die Ortschaft, das weiß ich. Soviel habe ich mich orientiert. Es ist nur ein Haus gestanden, also ein langes Bauernhaus war es. Hinten dran an dem Bauernhaus waren zwei große Türen, dort. An der Seite - das habe ich erst aber nachher gesehen, als dies sich entwickelt hat -, da war ein rundes Loch, und die Tür war auch rund, die man aufgemacht hat. Jetzt sind wir reingegangen, da sind entweder vier oder fünf große Baracken, lange, gestanden, so herüben. So ist das Bauernhaus, und so, da rauf waren die Baracken gestanden, also vielleicht 20, 25 Meter bis da hinüber. Sind wir in die Baracke rein. Ich staune. Da stehen die Leute so hoch auf der Kleidung droben, lauter Kleider: Mäntel, alles, Hosen, nicht wahr, also alles. Und so ein Brett ist da so rauf gewesen, in der Länge so. Und jetzt stehen wir da so da, jetzt habe ich halt so geguckt, nicht. Da läuft mal wieder ein Blockführer, da läuft mal wieder ein SS-Unterscharführer. Hat er einen Stock gehabt von einem Juden, den er ihm scheinbar abgenommen hat, und hat umeinander gestockt. Das hat ausgeschaut wie so ein Handwerksbursche, so ist mir das vorkommen, so ein Soldat mit dem Stock da und der Pistole da. Jetzt schaue ich so dahin, dann sagt er: »Sind schon welche raus zum Baden. Komm, jetzt gehen wir hinüber.« Dann sind wir hinübergegangen, da sind grade so die letzten hineingelaufen. Die sind alle von der Baracke raus, nackt, und sind dann da hinübergelaufen. Da war so eine Tafel dann, so ein Schild: »Zur Desinfektion«, ganz genau: »Zur Desinfektion.« Dann sind sie rüber, dann haben die die Türe zugemacht. Nach einer Weile sagt der Hölblinger: »Guck, guck, guck. Jetzt bringen sie noch Kinder daher.« Jetzt haben die Leute, scheint es, die Kinder unten drin in der Kleidung ein bißchen zugedeckt und versteckt gehabt. Jetzt haben die Häftlinge, die da mitmachen haben müssen, die Kinder nachgebracht und rüber und die Tür aufgemacht, die Kinder hineingeschmissen und zugemacht. Und jetzt haben die geschrien drinnen. Und in dem Moment ist einer an der Leiter hinaufgestiegen zu dem runden Loch, ein SS-Mann war es, und hat da oben so gemacht, meine ich, so was, und hat die Büchse da hineingehoben und hat da so geschüttelt, es hat so geklappert, und hat dann das Türchen wieder zugemacht. Und da hat es geschrien. [Pause] Vielleicht zehn Minuten lang, ich weiß nicht. Und dann haben wir eine Weile gewartet, wir waren gespannt. Und dann habe ich gesagt zum Hölblinger: »Mir wird ganz schlecht, glaubst du das? Mensch, wenn ich nur gar nicht mit raus wäre.« Sagt er: »Sei still, nichts sagen, du bist mein Beifahrer, nichts anmerken lassen, die meinen, du gehörst zu mir. Da darfst du dir nix denken.« Es durfte nicht sein, daß er mich mitnimmt.

Jetzt haben sie, die Häftlinge, dann die Türen aufgemacht, und dann bin ich hin, habe ich so hineingeschaut, dann habe ich halt gesehen, daß alles so durcheinander ist. Der eine hat den Fuß da durch gehabt. Beim einen habe ich gesehen, der hat gleich den Finger da drinnen gehabt, bis im Auge, so weit, beim anderen. So haben sich die alle verkrampft. Und dann sind die Häftlinge hin, so ein blauer Dunst ist noch gewesen, oben rum so. Und geschwitzt müssen die alle haben, ganz heiß ist es da rausgekommen. Dann haben die Häftlinge sie so gepackt, rausgezogen und auf einen Leiterwagen hinaufgeworfen. Und wenn er immer voll war, haben sie ihn weggeschoben, so da hinten hinüber, wohin, weiß ich nicht. Und nachher hat man gesagt, sie schmeißen sie da hinten wo in den Graben hinein. Da sind die Krematorien ja noch nicht so gestanden.

Dann sind wir wieder zurückgegangen. Nachher ziehen sich die nächsten wieder aus. Da sind wir auch so hineingestanden. Dann sitzt ein Mädel auf den Kleidern und hat so geguckt. Dann geht der SS-Mann hin und sagt: »Willst du nicht baden? Du ziehst dich nicht aus?« Dann hat sie so gemacht und hat ihn so anguckt und gelacht. Dann ist er weglaufen, dann sagt der Hölblinger: »Kerl, jetzt mußt du gucken, jetzt gib Obacht.« Tatsächlich, er bringt zwei Häftlinge mit, die gehen hin, reißen dem Mädel die Kleider runter, und einer auf der Seite gepackt und auf der Seite, hinausgeführt und auch da hinüber. Dann sehe ich den Doktor Schilling, ein grauhaariger Mann ist er gewesen. So eine komische Brille hat er gehabt. Der sagt zu einer Frau was, auf jeden Fall auch, ob sie sich nicht ausziehen will, nicht baden. Dann sagt eine bessere Frau neben der, die hat einen schönen Mantel angehabt: »Ja, so was sind wir gar nicht gewöhnt.«[...] Dann hat der eine gesagt: »Das glaube ich schon, daß du das nicht gewöhnt bist, wo du herkommst«, so ähnlich. Der Schilling ist zu der Frau noch mal hin und hat der alten Frau eins ins Gesicht hineingeschlagen. Und nachher sind die Häftlinge gekommen und haben ihr genauso das Gewand runtergerissen und haben sie auch rübergeführt. Aber ich sage Ihnen, die Frau war so mager gewesen, daß ich direkt einen Ekel gehabt habe. Das andere will ich jetzt nicht mehr sagen. Ich habe zu Hause meine Frau, glaube ich, vier Wochen lang gar nicht mehr angeschaut, so bin ich damals beeindruckt gewesen.

Dann sind wir rüber, dann haben sie wieder zugemacht. Dann bringen vier Häftlinge noch mal zwei Frauen nach. Und dann haben sie nicht mehr aufgemacht, haben sie sie bloß an die Seite hingeführt. Und der Hauptscharführer Moll war dagestanden und hat so ein kurzes Gewehr gehabt, das hat aber gar nicht geknallt, so wie Luft hat das getan, und hat es hinten hingehalten. Und die haben sie umgeworfen, die Häftlinge, und die nächste auch wieder hinten hingeschossen und auch umgeworfen in den Schnee hinein, dann sind sie im Schnee drin gelegen. Ganz genau habe ich das gesehen. Und ich habe dann zum Hölblinger gesagt: »Komm, komm, jetzt gehen wir heim, ich halte es nicht mehr aus, ich muß ja morgen früh wieder wegfahren, um Verpflegung.« Und nachts um halb zwei bin ich heimgekommen. Ich bin mit ihm noch mit dem Sanitätswagen bis in die Fahrbereitschaft hinein, bis in die Garage, die Garage zum [unverständlich]. Dann hab ich gesagt: »Karle, was ich heut gesehen habe, Mann, jetzt reut mich es. Das ist ja was Furchtbares gewesen. Ja, Mensch, kannst du da mitmachen. Ich könnte das nicht«, habe ich gesagt, »Bub«.

 

Vorsitzender Richter:

Darf ich noch mal eine Frage stellen? Sie haben vorhin gesagt, daß ein Schild »Zur Desinfektion« da gehängt hätte.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl, das ist da so dran gewesen. Hier waren die Baracken, hier war das lange Bauernhaus gewesen, das war innen ausbetoniert. Und da dran ist so ein Täfelchen gewesen: »Zur Desinfektion.«

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was glauben Sie, für wen das Schild da hingehängt war? Für die SS, die da ging, oder für wen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich verstehe nicht, bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Für wen war das Schild da hingehängt, »Zur Desinfektion«? Wer sollte denn da lesen, daß es da zur Desinfektion ging?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich weiß heute noch nicht richtig: Was heißt eigentlich Desinfektion?

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, wissen Sie, das sind Entlausung und solche Entwesungen, also Desinfektion ist...

 

Zeuge Richard Böck:

Ich habe mir gedacht zum Baden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Dachten Sie?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben mal ausgesagt, dieses Schild wäre angebracht worden, um die Menschen im Glauben zu lassen, sie würden hier desinfiziert.6

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, zum Baden, jawohl, das...

 

Vorsitzender Richter:

Zum Baden?

 

Zeuge Richard Böck:

Das denke ich, sonst wären sie ja nicht so leicht hineingegangen. Denn da hat sich dann kurze Zeit darauf ein Vorfall abgespielt. Da hat ein Apotheker gerochen scheinbar, und hat geschrien: »Gas!« Das haben die Kameraden von der Fahrbereitschaft erzählt. Und dann hätten sie die SSler umringt, und einer hätte sogar eine Pistole denen rausgezogen, und da hätten sie damals von der Nacht bis zum anderen Mittag um halb eins gebraucht, bis sie die Häftlinge überwältigt haben, bis sie sie...

 

Vorsitzender Richter:

Bis sie da reingegangen wären?

 

Zeuge Richard Böck:

Und seitdem, als ich auf der Rampe war und habe die Verpflegung hinausgefahren, als ich damals den Mengele gesehen habe, hat der Mengele doch geschrien: »Die Ärzte und Apotheker nach vorn!« Und da habe ich mir sofort gedacht: Aha, damit die nicht das Gas riechen. Kann ich ja annehmen.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie mal auf der Rampe?

 

Zeuge Richard Böck:

In Birkenau?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, auch ein Mal.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, wie kam das?

 

Zeuge Richard Böck:

Na, da bin ich an einem Mittwoch mal früher heimgekommen, das war so im Sommer, 1944. Ich weiß auch, wo der Transport her war. Der Transport war von Ungarn gewesen. Im letzten Kriegshalbjahr ist es gewesen, so um die Zeit rum, Mitte 1944.7 Und dann hat der Untersturmführer Wiegand zu mir gesagt, ich soll sofort rüberfahren zur Häftlingsküche und soll dort Verpflegung laden. Und dann bin ich rübergefahren in die Häftlingsküche, weil ich ja früher heimgekommen bin damals. Ich habe da auch dänische Butter und Margarine und Käse geladen in Schwientochlowitz bei Kattowitz und bin früher zurückgekommen. Und jetzt bin ich rübergefahren ins Häftlingslager rein, bin hingefahren an die Häftlingsküche. Dann haben die mir so große Kisten aufgeladen, viereckige, mit so Handhebeln. Da waren lauter Brote, geschnitten, drin. Und da habe ich gestaunt, denke ich mir: Jetzt werden sie aber gut empfangen, die Häftlinge, es hat sich gebessert. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Belegte Brote?

 

Zeuge Richard Böck:

Belegte Brote, ja. Dann habe ich gesagt: »Ja, wo muß ich das hinfahren?« Und dann sagt zu mir der Eggersdörfer, so hat der geheißen, der Unterscharführer oder was er war.

 

Vorsitzender Richter:

Bei der Küche?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja. »Das fährst du da raus zur Rampe nach Birkenau.« Dann habe ich gesagt: »Wo ist denn das?« Dann hat er gesagt: »Ha, da darfst du doch bloß da drüben hinaus fahren, da findest du schon hin, in Birkenau drin.« Ich habe das nicht gewußt gehabt, damals, daß jetzt schon da drüben das so weit ist. Dann bin ich halt da rausgefahren, da draußen habe ich noch einen gefragt. Dann sagt er: »Fährst du gleich da rüber zum Haupttor und fährst da rechts rüber, dann bist du schon dran, an der Rampe.« Na ja, dann bin ich da hineingefahren. Und dann habe ich schon gesehen, daß ein Zug drinsteht. Und dann bin ich da hingefahren, die Lokomotive war schon weg. Ich weiß nicht, ist die rückwärts hinausgefahren? Der Zug ist halt ohne Lokomotive dagestanden, das habe ich gesehen. Dann habe ich immer geguckt, so ein bißchen dumm. Dann hat einer gesagt: »Stell den Wagen da her.« Dann bin ich so da hergestanden: Das war die Schiene, da steht der Zug, da drüben habe ich gleich den Mengele gesehen. Und ein paar Offiziere sind es gewesen, alle habe ich auch nicht gekannt. Moll habe ich auch gesehen, Hauptscharführer Moll.

 

Vorsitzender Richter:

Können Sie sich sonst noch an einen erinnern, der dabei war?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja? [Pause] Den Höß habe ich nicht gesehen, der war da nicht dabeigewesen, das weiß ich ganz gewiß. Aber wenn Sie so viele Leute sehen, da schauen Sie einen Moment

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja. Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Und dann sehen Sie sie, und dann kennen Sie nicht jeden. Und dann habe ich meinen Lkw so hergestellt, und so ist der Zug, gell. Und da habe ich den Mengele und die alle gesehen. Dann haben sie zuerst ein bißchen gesprochen miteinander, und ich bin an meinen Lkw so dran gelehnt an den Kotflügel und habe da so zugeschaut. Der Mengele ist dann weg von denen und hat dann so zurückgeschaut und hat gesagt: »Die Ärzte und Apotheker nach vorn!« Und dann hat jemand gerufen, aber anders wieder, in einer anderen Sprache. Ich weiß nicht, war das ein Dolmetscher? Aber es war ein Häftling. Und dann sind schon langsam die Herren gekommen, bessere Herren sind gekommen, vorgelaufen. Ich habe gesehen, die Anzüge sind verknittert, aber sie waren besser gekleidet, Brillenträger gewesen, zum Teil. Es waren elegante Leute, hat es den Eindruck gemacht. Und dann hat der Mengele so eine Geste gemacht. Dann sind sie hingestanden bei ihm, so links, dort. Und gleich als erste ist eine blonde Frau gekommen. Die Frau, die könnte ich heute noch kennen, so habe ich die angeschaut. Ich habe gleich gemeint, das sei die Lilian Harvey, die Filmschauspielerin. Und dann hat der Mengele zu ihr gesagt, wörtlich: »Wie alt?« Dann hat sie gesagt: »29 Jahre«. Dann hat der Mengele gesagt: »Sind Sie schwanger?« Dann hat sie gesagt: »Jawohl.« Dann hat der Mengele gesagt: »Im wievielten Monat?« Dann hat sie gesagt: »Im neunten.« Und dann hat der Mengele so gemacht, und dann ist sie so rübergelaufen, über die Bahngeleise rüber und rechts hinunter. Da ist ein Häftling gestanden, da ist ein Häftling gestanden, und ein jeder hat so gemacht, so eine Geste gemacht. Das »Sonderkommando« von den Häftlingen war das, sozusagen.

Dann ist gekommen ein junger Mann, 24 Jahre alt. »Gesund?, kräftig?« hat der Mengele gesagt. Dann hat er gesagt: »Jawohl.« Dann hat der Mengele so gemacht, mit dem Daumen - immer mit dem Daumen hat er so gemacht und so -, so hinüber. Dann ist er auch da hinübergestanden, wo die Ärzte gestanden sind. Dann ist gekommen ein alter Mann, der hat einen Bart gehabt, da hat er nicht gefragt, da hat er so gemacht. Und dann ist so der halbe Zug, schätze ich ungefähr, vorgelaufen gewesen, dann hat der Mengele auf einmal: »Ach was« gesagt. Dann ist alles da rübergelaufen. Dann sind gleich Frauen gekommen mit Kindern, dann sind Frauen gekommen, die haben so Chaisen geschoben, und es ist alles so da hinunter.

 

Vorsitzender Richter:

Mußte alles in die Gaskammer gehen?

 

Zeuge Richard Böck:

Das weiß ich nicht. Das habe ich nicht gesehen, aber da waren ja die Krematorien schon unten, und...

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob die Leute auch mit Lastwagen dort hingefahren worden sind?

 

Zeuge Richard Böck:

Zum Krematorium hinter?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Da sind ja sechs Lkws immer eingesetzt gewesen, um »zur Aktion« zu fahren.

 

Vorsitzender Richter:

Sechs?

 

Zeuge Richard Böck:

Mich wollte man ja auch einmal »zur Aktion« schicken, aber ich habe mich ja geweigert.

 

Vorsitzender Richter:

Sechs Lkws?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl, sechs Lkws im Einsatz gewesen. Und der Mercedes war auch mit Anhänger. Der Unterscharführer Schramme, der hat hauptsächlich viel Leichen gefahren.

 

Vorsitzender Richter:

Na, und sagen Sie, ist da auch ein Sanka mitgefahren, ein Sanitätskraftwagen?

 

Zeuge Richard Böck:

Wann?

 

Vorsitzender Richter:

Wenn die Leute hinten nach dem Krematorium gefahren worden sind.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, der Sanitätswagen, wenn Transport [+ war], ist der immer hinaus. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und wer war denn da drin?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ich glaube, noch ein Unterscharführer ist mit ihm gefahren, mit dem Hölblinger, denke ich mir, nicht, das...

 

Vorsitzender Richter:

Also, der Hölblinger, das war der Fahrer von dem Sanka?

 

Zeuge Richard Böck:

Das war der Fahrer, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Der ist immer gefahren.

 

Zeuge Richard Böck:

Vom Sankawagen.

 

Vorsitzender Richter:

Aber wer mit dem zusammen gefahren ist, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Richard Böck:

Das weiß ich nicht so.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht. Und hat der auch die Büchsen mit dem Gas mitgenommen?

 

Zeuge Richard Böck:

Die hat er drin gehabt im Sanitätswagen, das weiß ich bestimmt. Bei der ersten Vergasung, von der ich erzähle, hatte der ja hinten drin im Wagen die Büchsen stehen. Da haben sie es ja raus und sind dahin gelaufen an das Loch, die Leiter hinauf und haben es da hineingeschüttet.

 

Vorsitzender Richter:

Wo sind denn die Büchsen hergekommen?

 

Zeuge Richard Böck:

Das weiß ich nicht, wo der Hölblinger die geholt hat. Die hat er ja schon gehabt. Also ich nehme an, von der Schädlingsbekämpfung.

 

Vorsitzender Richter:

Das nehmen Sie an?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wo war die? [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, die war doch da unten rüber. Wenn hier die Fahrbereitschaft ist, dann ist es so rechts zur Landwirtschaft nach hinten gegangen, und so geradeaus, der ist ja erst später hingekommen gewesen, der Bau, und das ist da drinnen gewesen. Ich glaube, das ist der Apotheke angegliedert gewesen oder was das war.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das alte Krematorium noch gekannt?

 

Zeuge Richard Böck:

Das kleine?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, vis-à-vis von der Fahrbereitschaft.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da drin waren die Büchsen nicht? [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Ich weiß nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wissen es nicht.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich glaube nicht. Warum glaube ich das nicht? Am Anfang - da sind die Krematorien noch nicht gestanden -, da ist im kleinen Krematorium vergast worden. Und da bin ich am Abend einmal aus der Fahrbereitschaft raus, weil ich bin immer ein bißchen spät heimgekommen mit dem Verpflegungswagen. Dann habe ich den Untersturmführer Grabner und noch einen SS-Mann kommen sehen von Auschwitz, vom Bahnhof her. Und die sind gelaufen bis vor das Krematorium hin, und dort haben sie halt gemacht. Es möchten gewesen sein 40, 50 Juden; ich habe ja die Sterne gesehen. Sie haben alle Zivil angehabt. Und der Grabner, da dran am Krematorium ist er so hingegangen, und der eine hat dann die Tür aufgemacht, und dann hat er zu denen gesagt: »Hopp, los. Zieht euch aus.« Das hat er ganz heimlich gesagt, so ganz freundlich gesprochen mit ihnen. »Macht mal hopp, los, zieht euch um.« Und dann haben sie sich auszogen und sind da rein zum Baden. Und dann, zum Schluß zu, waren es doch einige, die haben noch ihr Gewand hingelegt. Einer hat noch etwas unten hineingelegt und mit seinem Sohn hat er rumgetan, wahrscheinlich waren es Vater und Sohn, ist mir so vorkommen, hat sie noch versteckt. Und dann sind sie mit hineingegangen. Und dann haben sie zugemacht. Und der andere SS-Mann ist oben hinaufgestiegen. Da sind doch Bäumchen gewachsen, so kleine, und Gras über dem Krematorium, über dem kleinen. Ist der oben hinauf, und hat da oben bei einem Rohr, da ist ein Rohr gewesen oder was...

 

Vorsitzender Richter:

Ein Stutzen?

 

Zeuge Richard Böck:

Genau habe ich es nicht gesehen, was er gemacht hat. Ich habe wohl gesehen, daß da oben etwas... Dann wieder zugemacht, und dann habe ich drinnen schreien gehört. Die habe ich weit hören schreien, bis ich draußen war, drüben bei der Unterkunft, bei uns. Und das ist ein ganz schönes Stück rum, 80 Meter vielleicht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber wer da raufgestiegen ist, das wissen Sie nicht?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, wenn ich ihn sehen täte, täte ich ihn schon kennen. Aber von der Politischen Abteilung war er, das weiß ich bestimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Wieso wissen Sie das bestimmt?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, weil er mit dem Grabner so gesprochen hat, und ziemlich bekannt sind sie gewesen, das ist mir gleich so vorgekommen. Ich habe mir halt dann gedacht: »So, so, das machst du alleine.« Und es ist mir auch so vorgekommen, daß der Grabner ziemlich Angst gehabt hat vor denen. Er hat ihnen so schön getan und sie so schön hineingelockt und dann die Tür so zugemacht.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie dann noch mal etwas [Pause] gehört davon, daß eine Kommission aus der Schweiz kommen sollte, um sich die »Judenumsiedlung« anzusehen?8

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, gut. Jetzt bin ich da draußen gestanden und habe das alles angeschaut gehabt, dann habe ich halt immer geguckt, wann meine Verpflegung nicht runterkommt. Dann habe ich gesagt: »Was soll ich jetzt machen eigentlich?« Sagt der: »Fahr es wieder hin, wo du es geholt hast«, hat dann einer gesagt. Und dann bin ich wieder zurückgefahren und habe es wieder in die Häftlingsküche hingefahren und habe es wieder runtergetan. Und dann in der Fahrbereitschaft die Kameraden - unter den Ungarnvolksdeutsche gab es Verschiedene, bei denen man gewußt hat, mit denen kann man reden, und wußte, die haben die gleiche Gesinnung - haben gesagt: »Das war bloß markiert.« Die haben gemeint, da kommt von der Schweiz eine Kommission und schaut sich die »Judenumsiedlung» an.

 

Vorsitzender Richter:

Und da wollten sie so tun, als ob da alles bestens in Ordnung wäre.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, da wollten sie ihnen wahrscheinlich die Brötchen auch geben, habe ich mir halt gedacht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, aber das wäre doch gar nicht möglich gewesen. Denn diese Kommission hätte sich doch dann mehr angesehen, die hätte doch das Lager und alles mögliche angesehen.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich weiß nicht, aber die haben gesagt, es sei schon mal einer dagewesen, und sie haben gemeint, daß die Kommission kommt. Also, das sei...

 

Vorsitzender Richter:

Ist noch eine Frage zu stellen? Bitte schön. Hat das Gericht noch Fragen? Nein? Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie sprachen davon, Herr Zeuge, daß sechs Lastkraftwagen speziell für »die Aktion« beschafft worden sind.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wann sind die denn beschafft worden?

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Ungefähr im Jahre 1942, im Frühjahr rum, ist das Vergasen so richtig angelaufen, glaube ich. Und da sind die Wagen

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Beschafft worden. Wie groß waren die? Können Sie das in Tonnen noch angeben?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, das sind schwere Wagen gewesen. Also ich schätze, daß es Fünftonner waren. Oder waren es vielleicht Sechstonner?

 

Staatsanwalt Kügler:

Fünftonner oder mehr. Wenn Sie sagen, daß die Vergasung da im Frühjahr so richtig angefangen hat, hat sich das noch in dem alten Krematorium abgespielt?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, Bunker 1 hat das, glaube ich, geheißen, das alte Bauernhaus da draußen. Da ist nämlich Tag und Nacht das gemacht worden. Da sind ja oft an einem Tag drei, vier Transporte eingelaufen. Das weiß ich ja, weil ich Fahrer vom Dienst war. Kaum ist ein Transport eingelaufen - ein paar Stunden später schon wieder ein Transport. Und dann haben sie gesagt, daß die bald schon gar nicht mehr Herr werden da draußen.

 

Staatsanwalt Kügler:

1942 schon?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

In diesen Bauernhäusern. Nun sagten Sie, wenn so ein Transport eintraf, dann wurden Sie telefonisch benachrichtigt, Sie seien da auch mal am Telefon gewesen.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Da hieß es also: »Transport ist angekommen.«

 

Zeuge Richard Böck:

Nein: »Transport ist eingelaufen.«

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist eingelaufen.

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Das war das Ganze, was gesagt worden ist.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und dann sagten Sie, Sie hätten also da zu erkennen gegeben, daß Sie das nicht richtig verstanden haben.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, und da habe ich zuerst gar nicht gewußt, was das ist.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und da hieß es dann: »Kommandantenwagen vorfahren!«

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Was hatte denn das zu bedeuten?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich habe den Wagen vor das Haus des Kommandanten fahren müssen und habe den Kommandanten verständigen müssen. Der Kommandant ist rausgekommen, hat sich in den Wagen hineingesetzt und ist rausgefahren.

 

Staatsanwalt Kügler:

Heißt das also, daß der Kommandant bei einer Transportankunft hinausfuhr?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. [Pause] Wer war denn der Doktor Schilling, von dem Sie sprachen, bei den Gaskammern? War das ein SS-Arzt?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Was hatte der da zu

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

War schon ein älterer Mann gewesen, er hat gar nicht so gut ausgesehen, eigentlich. Eine komische Brille hat er gehabt, außen stärker und innen dünner, die Gläser.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie, was er dort zu tun hatte, bei den Gaskammern?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, wenn er der Frau eine ins Gesicht hineinhaut - nichts Schönes hat er getan, glaube ich.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist darüber gesprochen worden, ob die Ärzte eine besondere Aufgabe hatten, also beispielsweise aufzupassen, daß den Leuten, die bei der Vergasung das Gas hineinschütteten, nichts passierte und daß die Ärzte feststellen mußten, ob die Leute tot waren oder so was? Wissen Sie etwas darüber?

 

Zeuge Richard Böck:

Da ist keiner hingegangen, da habe ich den Doktor Schilling nicht hingehen sehen, wenn sie die Tore aufgemacht haben. Das haben schon der Moll und die alle angeschafft den Häftlingen. Die Häftlinge waren ja so diszipliniert, die Häftlinge waren so folgsam, die Häftlinge haben alles gemacht, was ein SS-Mann gesagt hat. Die haben ja ihren besten Kameraden totgeschlagen, wenn es der SS-Mann gesagt hat.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun sagen Sie, Herr Böck, es gab also einen Kommandantenwagen, der da vorgefahren wurde?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen etwas darüber bekannt, ob auch die Adjutanten einen Wagen benutzt haben?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, das weiß ich nicht. Ich habe noch keinem Adjutanten den Wagen vorgefahren.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie haben keinem Adjutanten einen Wagen

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Nein, nur immer dem Kommandanten.

 

Staatsanwalt Kügler:

Dem Kommandanten.

 

Zeuge Richard Böck:

Aber nur dem Höß. Später bin ich ja gar nicht mehr eingeteilt worden als Fahrer vom Dienst. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Schriftliche Fahrbefehle haben Sie bekommen, sagten Sie.

 

Zeuge Richard Böck:

Jeden Morgen habe ich meinen Fahrbefehl abholen müssen, nach Kattowitz, um Verpflegung zu fahren. Jeder hat seinen Fahrbefehl drinnen holen müssen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun würde ich gerne von Ihnen wissen, ob Sie etwas drüber sagen können, ob solche Fahrbefehle nur dann schriftlich Ihnen gegeben wurden, wenn Sie aus dem Lager herausfahren mußten. Oder wissen Sie auch etwas, ob innerhalb des Lagers schriftliche Fahrbefehle erteilt wurden, also für Fahrten innerhalb das Lagers?

 

Zeuge Richard Böck:

Nein, nicht immer. Wenn einer zum Beispiel nach Birkenau mußte, hinaus in die Praga-Halleoder sonstwie, dann hat der Fahrdienstleiter, der Untersturmführer Wiegand, gesagt: »Fahren Sie sofort da und da hin!« Dann ist der einfach da hingefahren. Genau wie bei mir, da hat er gesagt: »Fahren Sie sofort hinüber zur Häftlingsküche, Sie müssen dort Verpflegung laden.« Aber er hat zu mir nicht gesagt: »Sie müssen zur Rampe fahren.« Das habe ich erst da drüben dann erfahren.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Das ist mir ja auch aufgefallen. Ich habe gedacht, jetzt will ich bloß sehen, wo ich da hinfahren muß.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun, ist Ihnen erinnerlich, ob es noch eine andere Fahrbereitschaft in Auschwitz gab? Also, Sie hatten Ihre Fahrbereitschaft bei der Praga-Halle.

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Jawohl, es gab Fahrbereitschaft vom Haupttruppenwirtschaftslager, Fahrbereitschaft Verwaltung, da war ich. Obwohl ich für das Haupttruppenwirtschaftslager auch schon Verpflegung gefahren habe. Und es gab dann noch eine Fahrbereitschaft - wie hat jetzt die geheißen, die hat mehr für die Metzgerei gefahren, die ist nicht uns unterstanden.

 

Staatsanwalt Kügler:

Also, Sie sagen, es gab eine Fahrbereitschaft vom?

 

Zeuge Richard Böck:

Haupttruppenwirtschaftslager.

 

Staatsanwalt Kügler:

War das denn alles zusammengefaßt?

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Zusammengefaßt?

 

Staatsanwalt Kügler:

Waren diese Wagen an einer Stelle untergebracht?

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Also das Haupttruppenwirtschaftslager, glaube ich, hat mit der Kommandantur, Verwaltung nichts zu tun gehabt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wozu gehörten denn die sechs Lastwagen für die »Aktionen«?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich gesehen habe, daß sie an große Treppen hingestellt wurden, und dann sind die Leute hinaufgestiegen, und dann haben sie es hinausgefahren.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich meine, zu welcher

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Dann haben sie die ganze Bekleidung weggefahren

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Das ist richtig.

 

Zeuge Richard Böck:

Nach »Kanada«, und die ganzen Pakete und die ganzen Koffer und das ganze Zeugs.

 

Staatsanwalt Kügler:

Gehörten die zur Fahrbereitschaft Verwaltung?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie etwas darüber, ob es in Birkenau eine eigene Fahrbereitschaft gab?

 

Zeuge Richard Böck:

In Birkenau? Die hat zu uns gehört, in der Praga- Halle, weil man keinen Platz mehr gehabt hat bei so vielen Fahrzeugen. Wir haben ja, glaube ich, 80 Fahrzeuge gehabt, habe ich am Schluß gehört.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wo war denn die Praga-Halle?

 

Zeuge Richard Böck:

Die Praga-Hallewar gleich vis-à-vis vom Auschwitzer Bahnhof, so schief hinüber. Oben über die Schienen mußte man rüberfahren, es ist so einen Berg hinaufgegangen, da ist es dann so rechts hinuntergegangen, die Praga-Halle.

 

Staatsanwalt Kügler:

Diese Praga-Halle hat zur Fahrbereitschaft Verwaltung vom Stammlager gehört, ja?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen bekannt, ob sonst noch irgendwo im Bereich von Auschwitz Lastkraftwagen untergebracht waren, also ich denke speziell an das Lager Birkenau?

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Davon ist Ihnen nichts bekannt?

 

Zeuge Richard Böck:

Nur die vom Haupttruppenwirtschaftslager, die haben ja ihre eigene Garage gehabt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, wo war die denn?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich wollte ja auch schon mal ins Haupttruppenwirtschaftslager, als Fahrer, habe ich auch schon versucht, aber es ist schlecht hinzukommen gewesen, weil da war es sehr gut bei denen. Also schon in allem. Ich habe sogar gehört, daß die, die da gefahren sind, sogar monatlich immer fünf Mark gekriegt haben oder zehn Mark. Und das hätte ich auch ganz gern mitgemacht. Aber dann haben die Häftlinge wieder in der Fahrbereitschaft gesagt, ich soll doch bleiben, ich soll doch nicht weggehen. Wenn ich nicht mehr den Wagen fahre, dann müssen sie ja wieder Hunger leiden und so weiter.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Wo waren denn diese Kraftwagen untergebracht von den anderen?

 

Zeuge Richard Böck:

Zuerst noch bei uns in der Fahrbereitschaft. Und dann, weil es zu eng geworden ist, hat man die Praga-Halleein bißchen hergerichtet. Da waren ja die ganzen Fenster eingeschlagen und alles, die hat ja verheerend ausgeschaut. Dann hat man mich auch einmal hinaus getan zwei Tage, und dann hat der Alte gesehen, daß das umständlich ist, und dann hat man gesagt, das Verpflegungslager läßt man herüben bei der alten Fahrbereitschaft, das ist viel besser. Es ist besser zu Erreichen, und der Kommandant hat immer wieder was zu Besorgen gehabt. Einmal hat er mir Felle mitgegeben, wo die her sind, weiß ich auch nicht, aber ich kann mir es ja denken. Die habe ich einem Major in Kattowitz übergeben müssen. Und die Offiziere haben Lametta gebraucht, das habe ich auch wieder besorgen müssen, und einen Haufen Zeug. Lauter so Neben- Pöstchen, so Dinge habe ich gehabt immer wieder.

 

Staatsanwalt Kügler:

Als der Hölblinger Sie damals mitnahm und Sie bei dieser Vergasung zugesehen hatten, wann war das denn?

 

Zeuge Richard Böck:

[Pause] Ich glaube schon, daß es 42 gewesen ist. 41 kann es noch nicht gewesen sein. [Pause] Weil 41 sind die Mädel gekommen von Ravensbrück9, das weiß ich auch noch genau. Im Herbst rum, meine ich, muß es gewesen sei. So um den Herbst rum sind die Mädel gekommen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun, Herr Böck, ist Ihnen etwas bekannt darüber geworden oder ist Ihnen etwas darüber erzählt worden, wer das Gas eingeschüttet hat? Was das für Leute waren?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, die haben halt bei der »Aktion« mitgemacht, hat man gesagt. Der ist bei der »Aktion«, der ist bei der »Aktion«, der Böck fährt nächste Woche auch eine »Aktion«. Habe ich mich aber aufgelehnt, habe ich gesagt - da war er noch Hauptsturmführer gewesen, der Wiegand: »Wenn Sie mich zur ›Aktion‹ schicken, dann melde ich mich sofort am Montag an die Front, und das will ich durchdrücken.« Und da hat er mich noch ein bißchen bespöttelt, und dann hat er gesagt: »Also, lassen wir den Böck gehen, der kann das nicht machen.« Dann habe ich gesagt: »Nein, ich kann so was nicht mitmachen. Mache ich auch nicht.«

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, Herr Böck, danach hatte ich eigentlich nicht gefragt. Ich hatte gefragt

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Ist egal, aber das kommt ja auf diesen Dings, jetzt muß ich es Ihnen so sagen

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, ja. Wer hat denn

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

»Aktion«, nicht, zur »Aktion« fahren.

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Wissen Sie, wer das Gas eingeworfen hat in die Gaskammern? Was für Leute das waren?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ein SS-Mann.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Wissen Sie, ob die spezielle Funktionen hatten? [Pause] Also, waren das Sanitätsdienstgrade?

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Ich glaube, der, der es einmal gemacht hat, hat es wieder gemacht. Denn diese Brüder, die bei der »Aktion« mitgemacht haben, die haben ja, wenn ich UvD10 war, zehn, zwölf Flaschen im Schrank drin gehabt, Schnaps. Für jede »Aktion«, für jeden Transport, der eingelaufen ist, hat derjenige, der bei der »Aktion« mitgemacht hat, ob gefahren, ob sonstwie, einen Viertelliter Schnaps bekommen, das muß stimmen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Hm.

 

Zeuge Richard Böck:

Bitte, sage einer, der es besser weiß, ob ich gelogen habe.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das stimmt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ich habe mich schon orientiert über alles.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ist Ihnen während Ihres Aufenthalts in Auschwitz einmal bekanntgeworden, daß ein Offizier, also ein SS-Führer, verhaftet worden ist? Insbesondere, ob ein Adjutant verhaftet worden ist?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, ich weiß halt den Fall von dem Ungarnvolksdeutschen, der den drei Juden zur Flucht verholfen hat. Und dann haben sie ihn, ich glaube in Krakau, gebeten, er soll die Tochter auch noch nachholen. Und dann ist er noch mal gekommen, dann hat ihn ein Kapo verraten. In SS-Untersturmführeruniform ist er draußen ins Männerlager hinein. Im Frauenlager in Birkenau, ist [+ er] verraten worden. Und der ist dann aufgehängt worden. Damals mußte das ganze SS-Lager zusehen, wie der gehängt worden ist. Ich bin ja nicht hingegangen, ich bin heimlich verschwunden mit dem Fahrrad, bin zu meiner Frau heimgefahren. Weil ich gesagt habe, so was schaue ich gar nicht an.

 

Staatsanwalt Kügler:

Also, das war ein SS-Mann, der da verhaftet wurde?

 

Zeuge Richard Böck:

War ein SS-Mann, ein Ungarnvolksdeutscher soll es gewesen sein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Nun, ich habe in dem Zusammenhang eine Frage an den Angeklagten Mulka. Wer hat die sechs Lastkraftwagen beschafft damals?

 

Zeuge Richard Böck:

Wie bitte?

 

Staatsanwalt Kügler:

Nicht an Sie. Wer hat die sechs Lastkraftwagen beschafft?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, jedenfalls der Wiegand hat es nicht beschaffen können. Der Wiegand hat vielleicht bloß sagen können, er braucht die Wagen.

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Nein, sind Sie mal ruhig! Sind Sie mal ruhig, Herr Böck!

 

Zeuge Richard Böck:

Bitte.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sind Sie mal ruhig, einen Moment.

 

Angeklagter Mulka:

Herr Vorsitzender, darf ich eine kurze Erklärung abgeben?

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Angeklagter Mulka:

Ich beantworte keine Fragen der Staatsanwaltschaft mehr.

 

Verteidiger Stolting II:

[unverständlich] Den Grund müssen Sie sagen.

 

Zeuge Richard Böck:

Das ist ja der Mulka.

 

Angeklagter Mulka:

Die Staatsanwaltschaft hat meine Angaben in der Vergangenheit ständig als Unwahrheit und nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Sie hat mich darüber hinaus bezeichnet nicht als Soldaten, sondern als »uniformierten Angehörigen eines Mordkommandos«. Insoweit ist mein Entschluß gefaßt worden, keine [Frage] der Staatsanwaltschaft mehr zu beantworten. Dasselbe bezieht sich auf etwaige Fragen des Herrn Nebenklägers, des Herrn Professor Doktor Kaul. Dieser Entschluß ist endgültig.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich stelle fest, daß Sie nicht nur nicht ein Soldat waren, sondern daß Sie obendrein verlogen sind und feig.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, Herr

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Herr Direktor, ich bitte, auch das mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Das ist doch ein Ton, der sonst nicht üblich ist in einer Schwurgerichtsverhandlung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Staatsanwalt, also Sie können das jetzt nicht sagen. Das geht nicht. Sie können in Ihrem Plädoyer das auswerten, was Sie hier erlebt haben, aber derartige Beschimpfungen in einer Hauptverhandlung sind unüblich, und ich muß sie zurückweisen.

 

Verteidiger Müller:

Ich bitte das Gericht, den Staatsanwalt aufzufordern, sich bei dem Angeklagten Mulka zu entschuldigen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich denke nicht dran.

 

Vorsitzender Richter:

Also, Herr Rechtsanwalt, das ist eine andere Sache. Aber jedenfalls, Herr Staatsanwalt Kügler, Sie haben in der letzten Sitzung einen ähnlichen Ausdruck gewählt. Sie haben jetzt wieder sich so hier ausgedrückt. Ich habe Ihnen damals schon gesagt, daß im Gerichtssaal derartige Ausdrücke nicht üblich sind, ich muß Ihnen das heute zum zweiten Mal sagen. Und ich bitte Sie, sich in Zukunft danach zu richten.

 

Verteidiger Müller:

Ich darf bitte einen Strafantrag wegen Beleidigung gegen Staatsanwalt Kügler ankündigen.

 

Verteidiger Stolting II:

Herr Direktor, ich bin zwar nicht der Auffassung, daß der Herr Staatsanwalt durch Sie aufgefordert werden sollte, sich bei dem Angeklagten Mulka zu entschuldigen. Ich bin aber der Meinung, daß der Vorgang hier im Protokoll festgehalten werden müßte, und ich bitte darum, die Äußerung des Herrn Vertreters der Anklagebehörde, des Herrn Staatsanwalt Kügler, im Protokoll festzuhalten.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich schließe mich dem Antrag an.

 

Vorsitzender Richter:

 

Staatsanwalt Kügler erklärte gegenüber dem Angeklagten Mulka: »Sie sind nicht nur kein Soldat gewesen, Sie sind darüber hinaus noch ein Lügner«

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Nein: [...] »Sie sind verlogen und feige. «

 

Vorsitzender Richter:

»Sind darüber hinaus noch verlogen und feige.«11 So.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich wäre dankbar, Herr Vorsitzender, wenn vielleicht in das Protokoll aufgenommen werden könnte, daß der Angeklagte Mulka zuvor erklärt hat, er beantworte die Fragen des Staatsanwalts nicht mehr. Ich glaube, das steht in einem gewissen Zusammenhang.

 

Vorsitzender Richter:

»Vor dieser Äußerung hatte der Angeklagte Mulka erklärt, er beantworte die Fragen der Staatsanwaltschaft nicht mehr, nachdem Staatsanwalt Kügler von ihm behauptet habe, er sei kein Soldat gewesen, sondern ein Angehöriger einer Mörderbande.«12

 

Staatsanwalt Kügler:

Nein, »eines uniformierten Mordkommandos«.

 

Vorsitzender Richter:

»Eines uniformierten Mordkommandos.« So.

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Vorsitzender, würden Sie mir gestatten, in diesem Zusammenhang eine kurze Erklärung abzugeben?

 

Vorsitzender Richter:

Nein, Erklärungen werden jetzt keine

 

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Nein, nicht zu diesem Komplex.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Fragen zu stellen hier? Meine Herren, wenn Sie absolut wollen, daß wir hier in einem anderen Ton verhandeln, dann kann ich das auch tun. Ich habe bisher geglaubt, das sei nicht nötig, mit Rücksicht auf die doch sehr schwierige und auch sehr ernsthafte und sehr traurige Angelegenheit, die wir hier zu erledigen haben. Sind noch Fragen zu stellen? Jetzt gibt es keine Erklärungen mehr.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich darf

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was wollten Sie denn noch?

 

Verteidiger Müller:

Ich wollte vom Zeugen eine Frage beantwortet

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, eben ist noch der Staatsanwalt am Zeugen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ich habe keine Fragen mehr zu stellen.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Fragen mehr. Dann kommt der Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Böck, wenn die Nachricht einlief: »Transport ist eingelaufen« und Sie Fahrer vom Dienst waren, was war dann Ihre Aufgabe?

 

Zeuge Richard Böck:

Wenn ein Transport eingelaufen ist und ich Bereitschaftsdienst gehabt habe, wenn eine Fahrt gekommen ist, zum Beispiel - sagen wir, irgendwohin -, da ist angerufen worden und ist befohlen worden, daß da und dahin zu fahren ist, dann habe ich müssen einen Fahrer wegschicken. Und wenn keiner dagewesen ist oder sonstwie, dann habe ich müssen selber wegfahren, eventuell. Vom Fernschreibeamt oben oder aus der Fernschreiberei, wie es geheißen hat - Fernschreiberei hat man gesagt - kommt das. Ich habe nicht gewußt, wo das herkommt, aber von der Kommandantur, von der Fernschreiberei, hat es geheißen. Und hat es geheißen: »Transport ist eingelaufen«, dann hat automatisch einer spritzen und den Kommandantenwagen sofort vorfahren müssen. Habe ich schon einmal klar und deutlich [+ erklärt] und kann ich jederzeit doch...

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Böck, wer hat sich um den Sanka gekümmert? Hat der Sanka einen ständigen Fahrer gehabt, oder ist der von einem weiteren Fahrer vom Dienst dann gefahren worden?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl, zum Beispiel der Holze hat auch einen Sanitätswagen gefahren. Ich kann aber jetzt nicht genau sagen, ob der Holze den SS-Sankawagen gefahren hat oder den Häftlingssanka auch. Aber ich glaube, er hat den Häftlingssanka auch gefahren, weil nämlich der Hinze - das war schon ein bißchen ein besserer, kann man sagen, ein gebildeter Mensch -, der hat meistens den Kommandanten auch gefahren, wenn es hat sein müssen, und auch wieder, glaube ich, den Truppensanka.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wer ist - wenn die Transportmeldung einging - mit dem Sanka abgeholt worden?

 

Zeuge Richard Böck:

Das weiß ich nicht. Das kann ich nicht sagen. Der Fahrer ist aus der Fahrbereitschaft hinausgespritzt. Wo der hin ist, weiß ich nicht. Daß er natürlich zur »Aktion« ist, zur »Häftlingsaktion«, das weiß ich bestimmt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie, wie der Arzt auf die Rampe gekommen ist, der SS-Arzt vom Dienst?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich habe gelesen in der Zeitung, daß der Hölblinger hier ausgesagt hat, mit ihm sei der Arzt hinausgefahren. Ich glaube das nicht, daß der Arzt zu dem hineingehockt ist. Das glaube ich gar nicht. Überhaupt, der Hölblinger hat eine solche schlechte Aussage gemacht, buchstäblich sofort hätte ich beantragt, daß er verhaftet wird. Weil der Hölblinger hat jeden Tag gefahren. Der Hölblinger hat auch »organisiert«: Brillanten, Gold. Brillanten, so groß wie Erbsen hat man manchmal bei den Frauen von den SS-Leuten gesehen. Sie haben manchmal dann auch so schöne Mäntel getragen. In Auschwitz war alles möglich. In Auschwitz war auch möglich, daß ein Offizier sich so heruntergegeben hat und hat einen Häftling so geschlagen, daß man gedacht hat, ist das eigentlich ein Mannsbild noch, hat der eine Bildung oder hat der ein Studium, das kann ja unmöglich sein. Wenn ich die Wehrmacht immer angesehen habe, was haben die für herrliche Offiziere gehabt, und bei uns waren meistens die obersten Führer, was Offiziere waren, Flegel, mit einem Wort, das getraue ich mich zu behaupten.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Böck, ich habe eine weitere Frage: Ist Ihnen einmal, wie Sie im Bunker waren, der Name Lilli Tofler bekanntgeworden? [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Nicht? Dann eine nächste Frage: Wie Sie noch in der Wachkompanie waren, da haben Exekutionen stattgefunden?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Sehr oft sogar.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Wie ist das vor sich gegangen?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich bin an der Fahrbereitschaft dort gestanden, abends, ungefähr, halb sechs. Und dann hat man doch gesehen, daß Häftlinge rausgeführt werden. Aber die sind nicht dahin geführt worden beim Monopolgebäude zu der Kiesgrube. Die sind woanders hingegangen. Ich bin denen nachgelaufen, das sind damals so 15 Mann gewesen, können auch mehr gewesen sein, und die Hände haben sie hinten zum Rücken so gelegt gehabt. Und sind noch [+ welche] mitgelaufen von der Kompanie, die waren sogar von der 4. Kompanie. Ich habe einige gekannt damals. Dem Namen nach kann ich es heute nicht mehr sagen, aber ich glaube, von Memmingen war auch einer dabei, droben, ein gewisser Schmied. Und sie sind da nachgelaufen, und dann bin ich auch nach. Ich bin so ein bißchen weiter weg geblieben, zuerst. Dann bin ich näher hin. Und dann habe ich gesehen - die Kiesgrube war so hineingegangen, und da war hinten eine Wand dort, die Kieswand, also eben rauf. Und da vorne war ein kleines bißchen rausgescharrt, aber es war kein Graben. Es war ja bloß so tief vielleicht. Und da sind die ersten Häftlinge davorgestanden. Und hinten sind die acht Mann von der SS gestanden, von der Kompanie, von der 4. Und der Kollmer hat Befehl gegeben. Ungefähr so: »Achtung, fertig, los.« Und da hat es einen Krach gemacht, und alle sind umgefallen. Aber ich weiß, daß nicht alle tot waren. Und da war ein Hauptscharführer, der wird so dick gewesen sein, wie ich heute bin, ein sauberer Kerl. Ein schönes Gesicht hat er gehabt. Er ist später Untersturmführer geworden, aber ich habe nie den Namen von ihm erfahren und eigentlich nie gewußt, wie er heißt. Und der ist nachher vorgegangen und hat einen jeden mit dem Fuß, der sich ein bißchen bewegt hat, [+ berührt] und hat ihm ins Genick mit der Pistole rein, dem nächsten auch und da auch. Und dann sind andere Häftlinge hin und haben die [+ weggebracht]. Und auf einen Leiterwagen - so ein alter Bauernleiterwagen war es gewesen mit so Sprossen - haben sie sie hinaufgeworfen. Und dann sind die nächsten noch mal hin, und ich sehe es noch wie heute - ich habe mir irgendwie gedacht, da macht der Kollmer auch noch mit, das hätte ich nicht geglaubt, ich habe immer gemeint, das sei ein anständiger Bauer in Regensburg, es hat geheißen, er sei von Regensburg: »Achtung, fertig, los.« Das war das Kommando. Dann haben sie alle wieder geschossen, und die vorne sind wieder umgeflogen. Und zuvor aber hat ein SS-Mann, das war ein SS-Sturmmann, glaube ich - er war aber, glaube ich, von der Politischen Abteilung, aber ich weiß nicht, wie er geheißen hat - etwas verlesen, aber nicht in deutsch, sondern in polnisch. Und ich habe dann später den Kocjan noch gefragt: »Kocjan, was waren denn des für welche, die da auf der ›Aktion‹ waren?« Sagt er: »Ach, mein Gott, lauter polnische Offiziere, die unterschrieben haben. Oder jetzt ist es, glaube ich, soweit, sie haben den Stadtrat von Tarnów restlos liquidiert. Also, gestern ist der letzte zur Exekution gegangen.« Dann habe ich gesagt: »Ja, wie kommt das, daß die polnischen Offiziere auf so eine Art und Weise... Die gehören doch in ein Kriegsgefangenenlager.« Da hat der Kocjan gesagt: »Ja, was glauben Sie, wie man es mit mir gemacht hat bei der Vernehmung, bei der Gestapo. Mich hat man so geschlagen diese Nacht, daß ich trotzdem nicht unterschrieben habe. Aber die haben unterschrieben, und jeder, der unterschrieben hat, geht zur Exekution.« Und später, nach einem Jahr einmal, hat der Kocjan gesagt: »Herr Richard, ich habe große Angst. Jetzt sind alle weg, die unterschrieben haben. Jetzt kann es sein, daß ich vielleicht auch... « Dann habe ich gesagt: »Kocjan, das eine sage ich Ihnen, wenn Sie merken im Lager, daß irgend etwas los ist, schauen Sie, daß Sie in die Fahrbereitschaft sofort kommen irgendwie. Wenn ich noch keinen hinausgebracht habe, aber Sie bringe ich raus«, habe ich gesagt. »Ihnen rette ich das Leben, das weiß ich ganz bestimmt«, habe ich gesagt zu ihm. Aber es ist ihm nichts passiert, er lebt heute noch.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Böck, hat der Obersturmführer Kollmer das Exekutionskommando eingeteilt oder nach Freiwilligenmeldungen gerufen?

 

Zeuge Richard Böck:

Auch da kann ich Auskunft geben. Als wir die paar Tage in Auschwitz am Anfang waren, 41, hat der Obersturmführer Kollmer gesagt: »Also, wir machen morgen eine Exekution.« Und da hat der Lange schon wieder Stimmung gemacht und hat gesagt: »Ich kann es nicht machen. Ich schieße auf keinen Menschen. Und guck doch hin, auf solche Leute, die sind ja so ärmlich, die können ja gar niemand mehr was tun, das ist ja unmöglich.« Und dann hat es am Abend geheißen: »Die Kompanie soll antreten!« Da hat der Kollmer gesagt: »Wer getraut sich, mitzumachen bei einer Exekution? Der soll sich freiwillig melden.« Ach, ich war unserem Herrgott dankbar, daß einige herausgegangen sind und haben sich gemeldet. Ich war so froh, glauben Sie mir.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und haben sich genug Freiwillige gemeldet?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, es hat gereicht. Es hat gereicht, scheinbar. [...] Es waren sehr wenige, aber es hat gereicht.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gab es dafür auch Sonderrationen, für die, die sich freiwillig gemeldet haben?

 

Zeuge Richard Böck:

Damals glaube ich nicht. Damals, da war nix gewesen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Erst später?

 

Zeuge Richard Böck:

Es ist manchmal gekommen von der Kommandantur: »Wer meldet sich als Blockführer?« Acht Tage später haben wir gesagt: »Siehst du ihn? Siehst du ihn? Guck, guck, guck. Da paßt er hin, da paßt der hin.« Also, das war so wie angemessen. Der hat da tatsächlich hingepaßt. Ich komme ganz auseinander jetzt, ich bin manchmal ganz fertig von Auschwitz. Ich habe in der Wirtschaft manchmal solche Streitigkeiten. Der eine sagt: »Nach 15 Jahren sollen sie aufhören.« Der eine sagt: »Jetzt ist einmal endlich Schluß.« Sage ich: »Die sollen diesen Menschen zur Rechenschaft ziehen, der Verbrechen gemacht hat.« Aber das eine will ich sagen: Es waren manche, die haben gut hingepaßt, da wo man sie gebraucht hat. Ob das als Blockführer war oder ob das in der Häftlingsgeldverwaltung war oder ob das zum Erkennungsdienst war oder ob das dort oder dorthin war. Sie hätten ja woanders sich auch hinmelden können, der oder derjenige. Aber das hat ihnen so, glaube ich, gefallen. Das war so ungefähr ihr Dings.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Böck, ich habe eine letzte Frage: Sie sind doch aus Günzburg.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Kannten Sie vor oder nach dem Krieg den Doktor Mengele aus Günzburg?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich kenne den Mengele, den Beppo, vor dem Krieg, ich kenne ihn als Stahlhelmmann. Später beim Reitersturm, glaube ich, habe ich ihn gesehen mit der Uniform vom Reitersturm, schwarze Uniform und Stiefel und Sporen. Und später in Auschwitz habe ich in der Frühe mal mit vier Mann von einer Wachkompanie von Birkenau - die mußten mir helfen Brot laden in Kattowitz, da habe ich vier Mann Brotlader gehabt - im Haus der Waffen-SS noch Verpflegung

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Augenblick, Herr Zeuge. Herr Vorsitzender, ich widerspreche der weiteren Befragung zu Herrn Doktor Mengele. Herr Doktor Mengele ist in diesem Verfahren nicht angeklagt, und was die Fragen gegen Herrn Doktor Mengele sollen, was der dort in Auschwitz gemacht hat, das interessiert uns hier nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Es ist ja gar nicht danach gefragt worden

 

Verteidiger Steinacker [unterbricht]:

Natürlich

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was er in Auschwitz gemacht hat. Der Herr Rechtsanwalt Ormond hat nur gefragt, ob der Zeuge den Doktor Mengele kennt.

 

Verteidiger Steinacker:

Na gut.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Frage war durchaus berechtigt, denn dieser Zeuge hat uns vorhin erzählt, er habe den Doktor Mengele auf der Rampe gesehen, wie er dort selektiert habe.

 

Verteidiger Steinacker:

Na gut.

 

Vorsitzender Richter:

Also wenn sich der Herr Nebenkläger deshalb darüber orientieren will, ob er denn den Doktor Mengele gekannt hat und ob er die Wahrheit gesprochen hat, ist dagegen gar nichts einzuwenden.

 

Verteidiger Steinacker:

Ja, das nehme ich ihm ab.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, also.

 

Verteidiger Steinacker:

Aber darum geht es doch gar nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Doch, darum geht es. Er hat ihn doch gefragt, ob er ihn gekannt habe vorher, bevor er nach Auschwitz gekommen ist. [...] Und dann sagt der Zeuge ja. Diese Frage ist beantwortet. Haben Sie eine weitere Frage?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ob Sie Doktor Mengele auch nach dem Krieg noch gesehen haben?

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. Nach dem Krieg? [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das ist jetzt wiederum, Herr Rechtsanwalt Ormond, nicht mehr zur Sache gehörig.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, dann habe ich

 

Zeuge Richard Böck [unterbricht]:

Ich habe zweimal Baguette mit rauf genommen, von seinem Vater. Und sein Vater war einmal drei Wochen droben, in Auschwitz, und hat ihn besucht. Der verstorbene Mengele.

 

Vorsitzender Richter:

Also, die Frage ist beantwortet.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke sehr

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich habe keine weiteren Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön. Von seiten der Verteidigung? Herr Rechtsanwalt Müller.

 

Verteidiger Müller:

Die erste Frage: Von welcher Zeit ab waren Sie in der Fahrbereitschaft tätig? [Pause] Etwa?

 

Zeuge Richard Böck:

Vielleicht 14 Tage kann ich gewesen sein bei der 4. Kompanie.

 

Verteidiger Müller:

14 Tage nach Ihrer Ankunft?

 

Zeuge Richard Böck:

Ja. Dann bin ich zum Arzt nach Gleiwitz gegangen, das kann auch gewesen sein, 14 Tage

 

Verteidiger Müller [unterbricht]:

Ja, gut. Ja.

 

Zeuge Richard Böck:

Weil ich habe mich ja so gesträubt und habe alles versucht.

 

Verteidiger Müller:

14 Tage also.

 

Zeuge Richard Böck:

Jawohl. [...]

 

Verteidiger Müller:

Welcher Art war Ihre Tätigkeit dort?

 

Zeuge Richard Böck:

Ich sage doch, ich habe mich immer krank gemeldet.

 

Verteidiger Müller:

Ja, Sie können doch nicht tätig sein, indem Sie sich immer krank melden.

 

Zeuge Richard Böck:

Warum nicht, ich bin ja...

 

Verteidiger Müller:

Also haben Sie in der Fahrbereitschaft gar keine Tätigkeit ausgeübt? [...]

 

Zeuge Richard Böck:

Ja, in der Fahrbereitschaft habe ich erst einen Borgward gefahren, einen sogenannten Eineinhalbtonner.

 

Verteidiger Müller:

Ach, Sie selbst als Fahrer?

 

Zeuge Richard Böck:

Da bin ich hingekommen als Fahrer von der 4. Kompanie weg.

 

Verteidiger Müller:

Also, in der Fahrbereitschaft waren Sie als Kraftfahrer tätig?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Verteidiger Müller:

Sonst nicht? Danke schön, keine Fragen mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Ist von seiten der Verteidigung noch eine Frage zu stellen? Nein? Von seiten der Angeklagten eine Frage zu stellen oder eine Erklärung abzugeben? Nein. Herr Zeuge, was Sie uns gesagt haben, können Sie mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Richard Böck:

Jederzeit.

 

Vorsitzender Richter:

Ich spreche Ihnen den Eid vor: Sie schwören bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß Sie nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen haben. Sprechen Sie mir bitte nach: Ich schwöre es.

 

Zeuge Richard Böck:

Ich schwöre es.

 

Vorsitzender Richter:

So wahr mir Gott helfe.

 

Zeuge Richard Böck:

So wahr mir Gott helfe.

 

Vorsitzender Richter:

Danke schön.

 

- Schnitt -

 

 

1. SS-Obersturmbannführer Arthur Liebehenschel wurde vom Obersten Nationalgerichtshof der Volksrepublik Polen mit Urteil vom 22.12.1947 zum Tode verurteilt und am 24.01.1948 hingerichtet (...). Vgl. Auschwitz 1940-1945, Bd. V, S. 99.

2. Deutsche Ausrüstungswerke.

3. 1941. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 05.02.1959 in Günzburg, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 3, Bl. 444.

4. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 05.02.1959 in Günzburg, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 3, Bl. 444.

5. Der erste Transport aus den Niederlanden traf am 17.07.1942 in Auschwitz ein. Vgl. Czech, S. 250.

6. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 02.11.1960 in Günzburg, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 39, Bl. 6.882.

7. Die systematische Deportation der Juden aus Ungarn begann Mitte 1944. Anfang Mai 1944 trafen bereits zwei Transporte aus Ungarn in Auschwitz ein. Vgl. Czech, S. 764.

8. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 02.11.1960 in Günzburg, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 39, Bl. 6.883.

9. Der erste Transport mit Häftlingsfrauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück traf am 26.03.1942 in Auschwitz ein. Vgl. Czech, S. 189.

10. Unteroffizier vom Dienst.

11. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 03.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101, Bl. 566.

12. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 03.08.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 101, Bl. 566.

 

 
 
 
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