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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

69. Verhandlungstag, 24.7.1964

 

Vernehmung der Zeugin Hildegard Bischoff

 

Vorsitzender Richter:

Frau Bischoff, Sie heißen mit Vornamen Hildegard?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind eine geborene?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Quandt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind wie alt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

51.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind von Beruf?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich bin Angestellte. Im öffentlichen Dienst.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wohnen in?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Bremen. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und sind Sie verwandt oder verschwägert mit einem der Angeklagten?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Bischoff, Sie sind auch in Auschwitz gewesen. Und zwar mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Karl Bischoff, der dort bei der Bauleitung tätig war.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann sind Sie etwa dort gewesen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ende 1941.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie sagten mal »August oder September 41«?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das ist vielleicht ein bißchen früh.

 

Vorsitzender Richter:

So. Also Ende 41. Bis wann?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Bis zur Flucht. Bis, ich glaube, 18. Januar 45.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. 18. Januar 45. Das war der Tag, an dem das Lager evakuiert worden ist.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja, das weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben dort gewohnt innerhalb der äußeren Postenkette.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

In einem Einfamilienhaus.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sind endgültig hingezogen - Sie sagten, im Spätherbst - also vielleicht im Oktober oder November 41?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Bischoff, Sie waren ja nun praktisch die ganze Zeit dort, in der das Lager bestand. Haben Sie bei dieser Gelegenheit auch beobachten können, daß Menschen getötet worden sind?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Würden Sie uns das mal erzählen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich habe einmal beobachtet, also nicht direkt, es war schon geschehen, hinter unserem Garten wurde eine Frau erschossen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie haben da ein Geschrei gehört, und es wurden Schüsse abgegeben.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Da ist eine Frau erschossen worden. Wissen Sie, wer das damals getan hat und wieso es dazu gekommen ist?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Ich habe es nicht gesehen. Ich wurde darauf aufmerksam, als gerufen wurde. Und dann fielen Schüsse. Ich meine, sie wollte vielleicht fliehen, durch die Postenkette.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie in Auschwitz die Krematorien gekannt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Ich habe einmal eines gesehen, als es im Bau war. [...]

 

Vorsitzender Richter:

War das das erste der vier großen Krematorien, die nachher bestanden haben, oder war das das zweite oder dritte?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. Ich weiß überhaupt nicht, daß mehr gebaut wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Wußten Sie, was in diesen Krematorien vorging?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein, damals wußte ich das nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Als Sie es angesehen haben nicht.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Ich habe angenommen, daß es eben wie ein Krematorium zur Bestattung, zur Verbrennung [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Verbrennung von Leichen, von Menschen, die auf natürliche Weise zu Tode gekommen seien?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wann haben Sie zum erstenmal gehört, daß dort Vergasungen stattfanden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja. Vergasungen? [Pause] Vergasungen. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie sind Sie denn darauf aufmerksam geworden? Oder hat Ihnen das jemand erzählt? Oder haben Sie selbst Wahrnehmungen gemacht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Ja. Ich wurde darauf angesprochen von einer Frau, die auch im Lager wohnte. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also keine Frau, die dort als Gefangene wohnte, sondern?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Ich weiß nicht mehr, wie sie hieß.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, was hatte sie denn für einen...

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Sie machte mich auf den Geruch aufmerksam. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und wann war das ungefähr?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Wann war das? [Pause] Vielleicht Anfang 44 oder...

 

Vorsitzender Richter:

44, ja?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

44 oder Ende 43.

 

Vorsitzender Richter:

Ende 43/Anfang 44. Sie haben doch dann, als Sie das nun bemerkt hatten, sicherlich mal mit jemandem darüber gesprochen - vielleicht mit ihrem Mann darüber gesprochen oder mit sonst jemandem. Haben Sie keine näheren Kenntnisse bekommen, was da los war, in diesem Lager?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Doch, dann ja.

 

Vorsitzender Richter:

Doch, dann haben Sie sich erkundigt.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was haben Sie

 

Zeugin Hildegard Bischoff [unterbricht]:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Erkundigt? Diese Frau sagte es mir.

 

Vorsitzender Richter:

Die Frau sagte Ihnen, daß da Vergasungen stattfinden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ich könnte mir vorstellen, daß so etwas doch schockierend wirkt auf einen Menschen. Haben Sie nicht vielleicht einmal Ihrem Mann da Ihr Entsetzen zum Ausdruck gebracht oder Ihre Bestürzung?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Bestimmt. Das weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und hat er Ihnen nichts Näheres sagen können?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Aber Ihr Mann hat doch selbst die Krematorien gebaut.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. Das hat...

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie doch ganz genau, Frau Zeugin. Sie haben mir doch eben gesagt, Sie haben einmal ein Krematorium besichtigt, wie es in Bau war.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und bei welcher Gelegenheit war denn das? Das war doch an einem Sonntag.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Wir fuhren da vorbei, und dann hat mein Mann da noch irgend etwas besprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Hat er etwas zu erledigen gehabt, und bei dieser Gelegenheit waren Sie auch dabei. Und Sie wußten also doch, daß Ihr Mann das Krematorium baute, nicht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Oder wenigstens daran beteiligt war. Nun, sagen Sie bitte weiter: Haben Sie von den Angehörigen des Lagers, die heute hier angeklagt sind, irgendwelche Personen persönlich kennengelernt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja, sicherlich. Ich weiß nicht, wie alles angefangen hat.

 

Vorsitzender Richter:

Also zum Beispiel, da ist angeklagt: Mulka.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Kannten Sie ihn persönlich?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und bei welcher Gelegenheit haben Sie ihn kennengelernt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr. Das...

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn gesellschaftlich verkehrt mit Mulka? Waren da irgendwelche Veranstaltungen in dem SS-Heim oder so was? Ja?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Es waren Veranstaltungen für die Soldaten, und da gingen wir manchmal hin.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Eine Weihnachtsfeier war.

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie sich mit dem Angeklagten Mulka auch mal unterhalten? Über die Verhältnisse im Lager und so weiter? Sind Sie denn selbst in das Lager hineingekommen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Da war eine Friseurstube eingerichtet, da bin ich manchmal hingegangen.

 

Vorsitzender Richter:

War das innerhalb des Lagers? Oder war das außerhalb des Lagers?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das war bei uns in der Nähe. Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Mußten Sie denn durch den Lagereingang durchgehen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Sind Sie denn in das innere Lager eigentlich einmal hineingekommen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Hatten Sie einen Ausweis dort, der Ihnen ermöglichte, sich in diesem Gelände frei zu bewegen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Den mußte ich ja immer vorzeigen, wenn ich von zu Hause wegging.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie mußten durch die Große Postenkette durchgehen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben also Mulka kennengelernt. Haben Sie von Mulka irgendwas Besonderes erfahren? Wußten Sie, was er für eine Tätigkeit hatte?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Er war Adjutant.

 

Vorsitzender Richter:

Er war Adjutant. Und was hat er als Adjutant getan, wußten Sie das auch?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Haben Sie auch den Kommandanten Höß gekannt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Wußten Sie, in welchem Verhältnis Höß und Mulka zueinander standen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Waren die sich sehr freundlich oder waren die d'accord, also waren sie sich einig?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Oder waren sie gegensätzlich, oder wie?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich habe sie ja nur bei solchen Veranstaltungen gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Da hatten Sie keine Veranlassung, etwas festzustellen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Nun sind Sie aber mit dem Angeklagten Mulka mal persönlich irgendwie zusammengekommen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Erzählen Sie mal, was da gewesen ist. [...] Wieso hatten Sie was mit ihm persönlich zu tun?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Tja. [Pause]

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie wissen doch, worum es sich handelt, nicht? Um Ihre Anzeige, die Sie damals gegen Mulka erstattet hatten.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja. Ich weiß nicht mehr, bei welcher Gelegenheit das war.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, war es denn nicht so, daß damals eine Verfügung kam, daß alle Frauen, die sich in Auschwitz befanden, irgendwo zur Arbeit verpflichtet wurden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß Sie aus diesem Grunde Mulka aufgesucht haben?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich weiß gar nicht, daß ich ihn aufgesucht habe.

 

Vorsitzender Richter:

Oder bei welcher Gelegenheit haben Sie das Thema mit ihm besprochen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, das habe ich schon soviel überlegt, es fällt mir nicht ein.

 

Vorsitzender Richter:

Fällt Ihnen nicht ein?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Bei dieser Gelegenheit haben Sie welchen Vorschlag dem Mulka gemacht? [Pause] Wie wollten Sie Ihre Arbeit verbringen? Oder Ihre Arbeit leisten? Wo?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich glaube, bei meinem Mann. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und war damit der Angeklagte Mulka einverstanden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr. Denn ich erwartete damals ein Kind. Ich brauchte nicht zu arbeiten. Das stellte sich dann raus.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wie kam es denn zu dieser Unterredung mit der Rede im Berliner Sportpalast?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Ich weiß, daß ein Gespräch stattgefunden hat. Aber ich kann mich nicht erinnern, wo.

 

Vorsitzender Richter:

Nun ja, das ist ja auch so wichtig nicht.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich kann mich wirklich nicht erinnern. Ich habe schon soviel darüber nachgedacht. Es fällt mir nicht ein.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Bischoff, Sie haben, wie der Angeklagte Mulka sich hier einläßt, ihn angezeigt, und zwar angezeigt in Berlin bei Pohl. Und haben ihn angezeigt deshalb, weil er den Doktor Goebbels als einen Idioten bezeichnet habe, der durch seine Sportpalast-Rede dem deutschen Volk Schaden zugefügt habe. Stimmt das?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich weiß nicht, ob das in der Form gewesen ist. Ich weiß nur, [Pause] daß mein Mann mich veranlaßt hatte, diesen Brief zu schreiben.

 

Vorsitzender Richter:

Wie konnte Ihr Mann Sie dazu veranlassen? Wieso wußte er das?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja, ich habe ihm sicherlich das Gespräch erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wußten doch, was eine solche Anzeige in der damaligen Zeit bedeutete?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, ob das eine Anzeige in der Form war, weiß ich heute nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Frau Bischoff!

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Also man kann Einzelheiten vergessen. Aber was damals eine Anzeige in diesem Sinne bedeutete, das weiß jeder von uns, der damals gelebt hat.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein, heute weiß ich das.

 

Vorsitzender Richter:

Das war doch eine lebensgefährliche Anzeige, nicht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, also heute weiß ich das.

 

Vorsitzender Richter:

Na, damals hat man es eigentlich noch besser gewußt. Nach meinem Dafürhalten. Ja. Was hat Sie denn nun veranlaßt, diese Anzeige zu machen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

[Pause] Tja, ich hatte meinem Mann das erzählt und...

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Na ja. Was geschah denn daraufhin mit Mulka?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. Ich wurde eines Tages gebeten, zu einer Rücksprache zu kommen, da ins Führerheim. Da waren Herr Mulka und ein Herr, den ich nicht kannte. Ich glaube, der kam aus Berlin.1 Und dann wurde darüber gesprochen.

 

Vorsitzender Richter:

Was haben Sie denn gesagt, als Mulka Ihnen diese Worte zurief: »Goebbels, dieser Idiot, hat den totalen Krieg ausgerufen, was zur Folge hat, daß der Krieg verlorengeht«? Was haben Sie denn darauf geantwortet?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Also Frau Bischoff, man konnte ja damals, wenn jemand eine solche Äußerung machte, ihn sofort deswegen zur Rede stellen und konnte ihm etwa sagen: »Hören Sie mal, mein Lieber, wenn Sie derartige Reden führen, dann kann das für Sie ein Unglück bedeuten.« Und: »Ich will das nicht gehört haben, aber machen Sie das in Zukunft nicht mehr.« Das könnte man zum Beispiel getan haben.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, das weiß ich nicht, ob ich das gesagt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Also wenn Sie es gesagt hätten, wäre es ja ganz unmöglich gewesen, daß Sie dann hinterher ihn denunziert hätten, nicht? Aber jedenfalls, daß das eine lebensgefährliche Aktion war, das konnten Sie sich ja vorstellen. Zumal Sie ja die Anzeige wo gemacht haben? [Pause] Nun, ich dächte, bei Pohl in Berlin, nicht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja, na, die Adresse hat mir mein Mann ja gesagt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie wissen, wer Pohl war?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie wissen auch, was das [Wirtschafts-Verwaltungshauptamt] war! Nun, was geschah denn daraufhin? Sie sagten, Sie wurden ins Führerheim gerufen, zu einer Unterredung. Da war Mulka da - soviel ich weiß, bereits verhaftet - und kam von Berlin, um Ihnen gegenübergestellt zu werden. Bitte? Nein?

 

Staatsanwalt Kügler:

[unverständlich] Verhaftung, behauptet der Angeklagte Mulka. Die Zeugin hat davon jedenfalls nichts gemerkt. [...]

Nebenklagevertreter Kaul:

Die Zeugin hatte das Gegenteil [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja, das wollte ich ja nur von ihr wissen, nicht. Sie kann sich ja so schlecht an alles erinnern. Wie war es denn, war denn Mulka damals schon verhaftet oder nicht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Meiner Meinung nach nicht. Das wußte ich nicht. Ich wußte gar nicht, daß er weg war.

 

Vorsitzender Richter:

Sie wußten gar nicht, daß er weg war.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie sich denn gar nicht darum gekümmert, was daraus geworden ist?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Wußten Sie denn sonst etwas von den Vorgängen in Auschwitz? Haben Sie denn einmal gesehen zum Beispiel, daß Leute in den Draht gelaufen sind? Aus Verzweiflung, um ihrem Leben ein Ende zu machen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Das habe ich nie gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie nie gesehen. Auch nicht gehört?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Gehört ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nämlich von wem?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, ich kann Ihnen helfen. Die Bedienung, die bei Ihnen tätig war, die soll Ihnen das erzählt haben. Das war auch eine Frau, eine Gefangene aus dem Lager.2

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Die Bibelforscherin?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das mag sein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie sonst irgend etwas von den Zuständen im Lager gewußt? Zum Beispiel, daß die Leute dort mit Prügelstrafen bedacht worden sind? Und daß die Leute dort nichts zu essen hatten? Haben Sie denn niemals gesehen, daß solche Häftlingszüge da rausgeführt worden sind, aus dem Lager?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Doch. Die gingen ja morgens zur Arbeit.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie denn auch gesehen, wie die Leute behandelt worden sind?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Sie arbeiteten ja überall dort. Man konnte das ja sehen. Und dann schrieen immer die Kapos furchtbar mit ihnen rum. Und da habe ich auch gesehen, daß sie dann... [...]

 

Vorsitzender Richter:

Und haben Sie auch einmal den Angeklagten Mulka in dem Lager gesehen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein? Haben Sie ihn überhaupt dort außerhalb der gesellschaftlichen Veranstaltungen gesehen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Vorbeigehen oder -fahren, ja. Sonst nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Vorbeigehen oder vorbeifahren. Womit fuhr er denn? Mit einem Fahrrad? Oder mit einem Wagen, oder was?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Mit dem Auto sicherlich.

 

Vorsitzender Richter:

Mit dem Auto fuhr er?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Ich kann mich nicht an ein bestimmtes Mal erinnern.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Konkreten Fall erinnern. Ja. Und was hatten Sie denn für ein Verhältnis mit dem Angeklagten Mulka?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Gar keins.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber ich meine, standen Sie freundlich mit ihm? Ich bitte, das natürlich nicht gleich falsch zu verstehen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Ja, man begrüßte sich und sprach ein paar Worte vielleicht. Aber sonst nichts.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? War er Ihnen nicht ausgesprochen unsymphatisch?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie sich nicht daran gestoßen, daß er a) nicht an der Front war, und b) in Auschwitz sich ein gutes Leben gemacht hat?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Daran gestoßen, will ich nicht sagen. Als er dann diese Äußerung gemacht hat, das hat vielleicht dazu beigetragen, daß ich das meinem Mann erzählt habe.

 

Vorsitzender Richter:

Waren Sie denn mit ihm irgendwie verfeindet?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben mal gesagt, er sei der Vertreter von Lagerkommandant Höß gewesen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Vertreter, das weiß ich nicht. Aber Adjutant war er. Vertreter, das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Hat Ihr Mann sich über Mulka aufgehalten und sich beschwert über ihn?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Staatsanwalt, ich weiß nicht, was ich sonst die Zeugin noch fragen soll. Ich habe keine Fragen mehr. Haben Sie noch Fragen? Bitte schön.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie, daß Ihr Ehemann nicht nur bei der Bauleitung beschäftigt war, sondern der Leiter der Bauleitung dort in Auschwitz war?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wissen Sie, daß er nicht nur die Krematorien, sondern auch die Gaskammern gebaut hat in Auschwitz?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Hat er Ihnen davon nie etwas erzählt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wollen Sie das auf Ihren Eid nehmen, Frau Zeugin?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, daß er das Krematorium gebaut hat, das wußte ich.

 

Staatsanwalt Kügler:

Daß er Ihnen nie erzählt hat, daß dort auch Gaskammern gebaut werden, daß er dabei beschäftigt ist, daß dort Menschen vergast werden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Das wollen Sie auf Ihren Eid nehmen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Nun sagen Sie mal, in welchem öffentlichen Dienst sind Sie denn heute beschäftigt?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich bin im Gewerbeaufsichtsamt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Was sind Sie denn da?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich bin technische Angestellte. [...]

 

Staatsanwalt Kügler:

Vor dem Untersuchungsrichter haben Sie gesagt, ich halte Ihnen das vor, Blatt 10.750: Sie - also Ihr Ehemann und Sie - hätten daran Anstoß genommen, daß Mulka mitten Kriege ein feuchtfröhliches Leben führte.3 Ist das richtig? [...]

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, und worauf gründet sich das?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Auf seinen Ausbruch damals, den er da in einer Weise vollführte...

 

Staatsanwalt Kügler:

Wo er über den Goebbels gesprochen hat?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Was hat denn das mit feuchtfröhlichem Leben zu tun? Das verstehe ich nicht. Unter feuchtfröhlichem Leben stelle ich mir also vor, wenn hier einer...

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Na, also so kraß kann man es nicht sagen. Aber es war doch bekannt...

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, Sie haben es aber doch so kraß vor dem Untersuchungsrichter gesagt. Sonst hätte der das doch wohl nicht so aufgenommen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das kann ich ja gar nicht in der Weise beurteilen. Ob er so gelebt hat. Es wurde nur darüber gesprochen.

 

Staatsanwalt Kügler:

Was wurde denn gesprochen?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Er arrangierte doch da diese Truppenbetreuung und war dann immer sehr verbindlich da mit den Künstlern und...

 

Staatsanwalt Kügler:

Na. Ich habe keine Fragen.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, Ihr Mann war Sturmbannführer gewesen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, also ganz zum Schluß.

Nebenklagevertreter Ormond:

Und er hat die Stelle geleitet, die offiziell hieß: Bauleitung der Waffen-SS und Polizei für das Konzentrationslager Auschwitz.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja. Sicher, ja.

Nebenklagevertreter Ormond:

Da hat er doch sicher sehr viel mit dem Adjutanten zu tun gehabt? Hat er Ihnen nicht davon berichtet?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Nein, das hat er nicht. Also ich wüßte das jedenfalls nicht, daß er mir da Einzelheiten erzählt hätte. Das weiß ich nicht. Er war ja auch sehr viel weg. Er war ja sehr viel unterwegs, auf anderen Baustellen.

Nebenklagevertreter Ormond:

Eine weitere Frage: Ist es zu einer Verhaftung von Mulka infolge dieser Anzeige gekommen oder nicht?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Mir ist das nicht bekannt. Ich weiß davon nichts.

Nebenklagevertreter Ormond:

Frau Zeugin, es würde doch sicher Ihnen, die Sie die Anzeige erstattet haben, bekanntgeworden sein

 

Verteidiger Stolting II [unterbricht]:

Ich widerspreche dieser Frage in dieser Form. Das ist eine typische Fangfrage.

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Gut, ich werde es anders formulieren. Frau Zeugin, ist im Lager darüber gesprochen worden, daß der Adjutant des Kommandanten verhaftet worden ist?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich hatte nur sehr wenig Bekannte. Und von denen habe ich das nicht gehört. Und von meinem Mann auch nicht.

Nebenklagevertreter Ormond:

Als Sie damals Mulka gegenübergestellt worden sind, bei der Vernehmung durch den Richter, oder wer da war, von Berlin, war da Mulka in Haft gewesen oder vorgeführt worden?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. Das weiß ich nicht.

Nebenklagevertreter Ormond:

Wissen Sie, was später aus diesem Verfahren geworden ist? Sind Sie als Zeugin vernommen worden irgendwo?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Nein.

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie sind also nur dieses eine Mal als Zeugin gehört worden von dem Richter und nicht später in irgendeinem Verfahren außerhalb von Auschwitz?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein, es ist mir auch nicht gesagt worden, daß ich dort als Zeugin vernommen werden sollte. Tja, ich hielt das für eine Rücksprache.

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, ich habe keine weitere Frage. Danke.

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich möchte gerne wissen, Frau Zeugin: In welcher Form verlief diese Rücksprache, von der Sie eben sprachen auf die Frage des Kollegen Ormond? Wie verlief die? Können Sie das dem Gericht schildern? Das war also im Führerheim.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

Nebenklagevertreter Kaul:

Und wie verlief die? Als Sie reinkamen, waren schon alle da?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. Wir waren nur zu dreien. Herr Mulka, der Herr aus Berlin und ich.

Nebenklagevertreter Kaul:

Als Sie in das Zimmer kamen, waren die beiden anderen Herren schon da?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht genau.

Nebenklagevertreter Kaul:

Können sich nicht mehr erinnern, wie es war.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

Nebenklagevertreter Kaul:

Saßen Sie, standen Sie?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Wir saßen an einem kleinen Tisch. Das weiß ich.

Nebenklagevertreter Kaul:

Gemeinschaftlich?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

Nebenklagevertreter Kaul:

Es ist besser, als daß ich Sie im einzelnen frage, können Sie uns das nicht im Zusammenhang schildern?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Mehr weiß ich wirklich nicht.

Nebenklagevertreter Kaul:

Sie haben es doch aber ziemlich genau noch gewußt am 9.12.61.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Tja.

Nebenklagevertreter Kaul:

War da zum Beispiel jemand, der Protokoll führte?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich glaube nicht, nein. [...]

Nebenklagevertreter Kaul:

War der Angeklagte Mulka in Uniform?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr. Das wüßte ich nicht. Aber die waren doch immer alle in Uniform.

Nebenklagevertreter Kaul:

Tja.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht.

Nebenklagevertreter Kaul:

Als ich im Konzentrationslager war, habe ich die SS nur in Uniform gesehen.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja, das meine ich auch, aber mein Mann war ja auch in Zivil zuerst, die ganze Zeit.

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich möchte wissen, ob Sie sich erinnern könnnen, daß bei dieser

 

Zeugin Hildegard Bischoff [unterbricht]:

Nein, da kann ich mich nicht erinnern. [...]

Nebenklagevertreter Kaul:

Hatten Sie den Eindruck, daß der Angeklagte Mulka zu dieser Besprechung von weit her kam oder aus seinem Dienstzimmer kam?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht. Das war am Nachmittag, meine ich. Also es wurde nicht von einer Reise gesprochen oder...

Nebenklagevertreter Kaul:

Hatten Sie den Eindruck bei dieser Unterredung, daß er dabei nicht Herr seiner eigenen Freiheit war?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein. [...]

Nebenklagevertreter Kaul:

Wie verlief denn die Verabschiedung? Wer ging denn zuerst raus aus dem Zimmer.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich ich.

Nebenklagevertreter Kaul:

Sie zuerst?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Aber das weiß ich nicht mehr genau.

Nebenklagevertreter Kaul:

Das wissen Sie nicht. Und das war das einzige, was Sie gehört hatten?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

Nebenklagevertreter Kaul:

Ich danke schön, ich habe keine weitere Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Stolting II.

 

Verteidiger Stolting II:

Frau Bischoff, wann sind Ihre Kinder geboren?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

42 ein Adoptivkind und 45 der zweite Sohn.

 

Verteidiger Stolting II:

Ja? Sie sagten, wenn ich Sie recht verstanden habe, vorhin, daß Sie damals, als diese Äußerung gefallen sei wegen des Arbeitseinsatzes, in anderen Umständen gewesen wären.

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ja.

 

Verteidiger Stolting II:

Wann war denn das mit dem Arbeitseinsatz?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr. Ich weiß es wirklich nicht.

 

Verteidiger Stolting II:

In welchem Jahr war denn das?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

44 sicherlich.

 

Verteidiger Stolting II:

Na schön. Als Ihr Mann, wie Sie sagen, Ihnen den Auftrag gab, den Denunziantenbrief zu schreiben an Pohl, wußten Sie da, daß Pohl der Gerichtsherr des Angeklagten Mulka war?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Nein. Weshalb haben Sie denn dann gerade an Pohl geschrieben?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Ich weiß es nicht. Mein Mann sagte mir die Adresse. Ich nehme an, er war zuständig für die Lager.

 

Verteidiger Stolting II:

Aha. Haben Sie diesen Brief selbst formuliert, diesen Denunziantenbrief? Oder hat Ihr Mann Ihnen diesen Denunziantenbrief diktiert? [...]

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Das weiß ich nicht mehr genau. Sicherlich

 

Verteidiger Stolting II:

Was sicherlich?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Hat er ihn mir diktiert.

 

Verteidiger Stolting II:

Sicherlich hat er Ihnen diktiert. Wissen Sie noch, wie lang dieser Brief war?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Nein.

 

Verteidiger Stolting II:

Eine Seite, zwei Seiten?

 

Zeugin Hildegard Bischoff:

Weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Ich bitte, hier nicht

 

- Schnitt -

 

 

1. Mulka erklärte während seiner Gegenüberstellung mit der Zeugin Bischoff am 09.12.1961 in Frankfurt am Main, es habe sich um SS-Hauptsturmführer Denzel, SS-Richter, gehandelt. Vgl. die richterliche Vernehmung der Zeugin Bischoff vom 09.12.1961 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 58, Bl. 10.754.

2. Vgl. richterliche Vernehmung der Zeugin Bischoff vom 09.12.1961 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 58, Bl. 10.747.

3. Vgl. richterliche Vernehmung der Zeugin Bischoff vom 09.12.1961 in Frankfurt am Main, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 58, Bl. 10.750.

 

 

 

 
 
 
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