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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

106. Verhandlungstag, 30.10.1964

 

Vernehmung des Zeugen Jehuda Bacon

 

Vorsitzender Richter:

[+ Sind Sie damit einverstanden, daß wir] Ihre Aussage auf ein Tonband aufnehmen zum Zweck der Stützung des Gedächtnisses des Gerichts?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Bitte schön.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind in Auschwitz gewesen, und wollen Sie uns bitte einmal sagen, wann Sie hingekommen sind?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich bin in Auschwitz im Dezember 43 angekommen.

 

Vorsitzender Richter:

Im Dezember 1943. Und Sie kamen woher?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich kam aus Theresienstadt.

 

Vorsitzender Richter:

Aus Theresienstadt. Dort waren Sie schon längere Zeit im Lager?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, seit 42.

 

Vorsitzender Richter:

Seit 42. Und woher kamen Sie nach Theresienstadt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Aus Mährisch-Ostrau.

 

Vorsitzender Richter:

Aus Mährisch-Ostrau. Und wann wurden Sie dort festgenommen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Im Herbst 42.

 

Vorsitzender Richter:

Im Herbst 42. Und wie lange blieben Sie in Auschwitz?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich blieb in Auschwitz bis zum 18. Januar 45.

 

Vorsitzender Richter:

Also bis zur Auflösung des Lagers. Das war also etwas über ein Jahr, ein Jahr und ein paar Monate. Nun, Herr Zeuge, können Sie uns sagen, wo Sie beschäftigt wurden in Auschwitz?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich war am Anfang im Familienlager BIIb, bis zur Auflösung. Das war im Juli 44. [...]

Vorsitzender Richter:

BIIb bis Juli 1944. Und dann?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Dann wurde ich mit einer Gruppe von ungefähr 80 Jugendlichen von 12 bis 16 Jahren ausselektiert und in das Männerlager BIId, Stammlager, geschickt. [...] Dort kamen wir auf den Block Nummer 13.

 

Vorsitzender Richter:

Wie lange blieben Sie dort in dem Lager?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

In BIIb blieb ich von Dezember bis Juli 44. Von Juli 44 bis zum 18. Januar 45, [...] [+ bis zum] Weitermarsch nach Mauthausen

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, ja, blieben Sie in BIId.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

War ich in BIId, und zwar am Anfang auf dem Block Nummer 13.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist jetzt in d, in Dora?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das ist alles in d, im Männerlager.

 

Vorsitzender Richter:

Block 13?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Block 13, wo auch die Strafkompanie war. Später wurden wir

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wissen Sie noch wann?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Bitte? [...]

Vorsitzender Richter:

Wann kamen Sie wieder aus der Strafkompanie heraus?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Wir waren nicht als Verurteilte in der Strafkompanie, sondern als eine spezielle Gruppe von 80 Kindern dem Block zugeteilt, wo die Strafkompanie wohnte, weil da andere Verhältnisse waren, mehr isoliert.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie blieben dort bis zum Weitermarsch nach

 

Zeuge Jehuda Bacon [unterbricht]:

Nein, wir wurden dann später in einen anderen Kinderblock, ich denke 29, wo

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Wissen Sie noch, wann das war, ungefähr?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Das war ungefähr nach zwei oder drei Monaten. Da war unser Blockältester Hans Euringer, seine Nummer war 71.302.

 

Vorsitzender Richter:

Block 29, aber auch in dem Lager d.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, alles im Lager d.

 

Vorsitzender Richter:

Wie hieß denn Ihr Blockältester in dem Block 13?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Emil Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Emil Bednarek.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Sein Schreiber hieß Kupiec, und ich erinnere mich auch noch an einen seiner Dienstmänner, welcher Marian hieß.

 

Vorsitzender Richter:

Marian. Nun, Herr Zeuge, wollen wir mal einen Augenblick stehenbleiben bei Bednarek. Sie waren zwei Monate nur dort in diesem Block?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Zwei bis drei Monate.

 

Vorsitzender Richter:

Zwei bis drei Monate. Aber was haben Sie denn in dieser Zeit für eine Erfahrung mit dem Blockältesten Bednarek gemacht?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Zu uns Jugendlichen war er für die Verhältnisse in Auschwitz korrekt. Aber zu den anderen Häftlingen hat er sich nicht so gut benommen.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist uns bisher auch immer bestätigt worden, daß er zu den Jugendlichen sich nicht schlecht benommen hätte. Und was wissen Sie denn von seinem übrigen Verhalten gegenüber den anderen Häftlingen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich war öfters dabei, wie Häftlinge verprügelt wurden, strafweise. Sie bekamen eine Strafe, und da wurden sie über einen Bock gelegt, und die SS- Männer oder manchmal Bednarek oder andere haben diese Strafprügel, manchmal 25, 30 oder 50 Schläge, ihnen gegeben. Aber außer diesen Strafen wurden manchmal Häftlinge verprügelt, und ich hörte auch von anderen Häftlingen, daß Herr Bednarek öfters die Häftlinge mißhandelte. Und so hörte ich auch - das erzählten mir die Häftlinge, welche länger bei uns im Lager waren -, daß er angeblich teilnahm an den Selektionen, das heißt an der Auflösung des tschechischen Familienlagers. Das war am 8. März ungefähr, 44.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Herr Zeuge, wäre es für uns natürlich zunächst wichtig, von Ihnen zu wissen, was Sie da gehört haben. Haben Sie das im Lager gehört oder nachher?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Im Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Im Lager. Sie waren also im Block 13, aber in einem bestimmten Abteil dort, wo auch die Strafkompanie untergebracht war. Und Sie haben uns eben gesagt, Bednarek hat zunächst sich beteiligt an den Prügelstrafen. Und Sie haben einen Unterschied gemacht zwischen diesen Prügelstrafen und haben gesagt: »Und auch sonst soll er Häftlinge geschlagen haben.« Wir wollen jetzt mal von diesen Prügelstrafen absehen - weil ja da meistens noch andere dabei waren, wie Sie uns eben sagten, SS-Männer, die auch unter Umständen die Strafen selbst vorgenommen haben - und wollen mal zunächst bleiben bei denen, von denen Sie sagten: »Und auch andere Prügel hat er den Leuten gegeben.« Wissen Sie von einem Fall uns zu berichten, wo er jemand dabei totgeschlagen hat?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Totgeschlagen, nein. Verprügelt, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Totgeschlagen haben Sie keinen Fall erlebt.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Aber haben Sie selbst gesehen, daß er andere Häftlinge geprügelt hat, ich will mal sagen, außerhalb dieser Prügelstrafen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Nur das passierte in Auschwitz öfters.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hat er einen Stock dazu gehabt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Soweit ich mich erinnere, benützte er die Faust oder manchmal diesen Schemel, welcher da war, und schlug zu.

 

Vorsitzender Richter:

Da war ein Schemel?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Diese [Schemel], welche man in Birkenau benützte. Vorsitzender Richter:

Hatten Sie dort welche?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, da waren immer Schemel.

 

Vorsitzender Richter:

Da waren Schemel. Der Bednarek hat uns nämlich gesagt, es wären gar keine Schemel dort gewesen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Oh ja, es waren auf jedem Block welche.

 

Vorsitzender Richter:

In jedem Block waren Schemel.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Oder neben dem, nicht wahr, Sitzgelegenheiten.

 

Vorsitzender Richter:

Und die benutzte er auch, um zu schlagen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Manchmal, in der Wut, hob er es und schlug jemanden, aber keinen...

 

Vorsitzender Richter:

Daß er einen totgeschlagen

 

Zeuge Jehuda Bacon [unterbricht]:

Keinen tot. Nein, das sah ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Aber immerhin, daß er geschlagen hat, haben Sie nicht nur gehört, sondern auch gesehen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Das war natürlich in Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun, Herr Zeuge, haben Sie auch den Angeklagten Baretzki dort kennengelernt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, ich habe den Herrn Baretzki gut gekannt, aber erst im Männerlager, wie ich nach BIId kam.

 

Vorsitzender Richter:

BIId, da haben Sie Baretzki kennengelernt.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Jetzt sagen Sie uns doch bitte mal, wie Sie ihn kennengelernt haben und wieso Sie wußten, daß dieser Mann Baretzki hieß.

 

Vorsitzender Richter:

Baretzki war im allgemeinen sehr gefürchtet im Lager, und jeder sagte: »Baretzki kommt« oder so, nicht wahr, daß wir auf der Hut sind. Zu uns Kindern war Baretzki sehr milde. Ich erinnere mich sogar an einen Vorfall: Am Anfang, als wir im Juli 44 auf Block Nummer 13 kamen, wurde irgendwie ein Pingpongtisch hergebracht, und sogar Baretzki spielte mit uns Pingpong. Er beteiligte sich öfters beim Fußballspielen; wir hatten die Möglichkeit, eine gewisse Zeit. Und ich weiß auch, daß er einmal mit einem anderen SS-Mann auf den sogenannten Kanada-Block ging, wo die Häftlinge [+ waren], welche bei der Rampe arbeiteten, und filzte sie und brachte uns einen ganzen Sack voll Proviant und Zahnbürsten mit und verteilte es uns Kindern. Daran kann ich mich gut erinnern. Aber ich sah auch einige grausame Sachen, die Baretzki nicht an uns Kindern, sondern an Häftlingen verübte. Und ich weiß ganz genau, was da passierte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und das wollen Sie uns bitte jetzt einmal erzählen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Einmal - das war wahrscheinlich August, und ich schaute von der Straße in die Richtung zwischen c-Lager und d-Lager -, da ging ein Häftling, Baretzki fuhr mit seinem Fahrrad von der Richtung, nicht [in der Nähe] der Krematorien I, II, sondern von III, IV, das heißt

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Können Sie es zeigen an der Karte?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Oh ja, kann ich.

 

Vorsitzender Richter:

Bitte schön.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

[Pause] Das war unser Lager, ja.

 

Vorsitzender Richter:

D.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das war d. Das war Nummer 7, 9, 13. Wir waren da. Das war die Straße. Der Häftling ging ungefähr von hier in diese Richtung, das heißt von der Richtung der Krematorien III, IV, das heißt die Straße Richtung hier. Baretzki kam hinter ihm her. Und ungefähr an einer von diesen Stellen - ich war da - schlug er ihn so zusammen mit der Faust, und später mit den...

 

Vorsitzender Richter:

Trat er ihn mit dem Fuß.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Daß der Häftling nicht mehr aufstand. Ich konnte nicht so lange zuschauen, das war zu gefährlich, und ging weg.

 

Ein anderes Mal, da war ich - wo ist das d- Lager? Ah, da ist das d-Lager - ungefähr da, und hier ist ein Transport angekommen. Hier stand eine Gruppe von [SS-Männern], und da war auch Baretzki, und da sah ich einen Häftling. Baretzki nahm eine Flasche und schlug ihm so fest auf den Kopf, daß er [zusammenbrach] und nicht aufstand. Was später passierte, kann ich nicht sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Mit einer Flasche?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Er schlug ihm ganz mächtig mit der Flasche auf den Kopf. Und das dritte Mal, das war früh im Herbst.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das mit dem Transport?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das waren damals die ungarischen Transporte, das konnte August, September sein.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Spätsommer 1944.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und das dritte Mal?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das dritte Mal, da war schon langsam Winter oder Spätherbst. Es war frühmorgens, ein nebliger Tag. Wir Jungs sind noch im Lager geblieben, die Arbeitskolonnen gingen schon raus, und es war eine Suche nach Menschen, die sich drückten. Und da fand man einen Häftling in dieser Latrine. Und Baretzki holte ihn raus - wir standen ungefähr hier, ja, das war da - und schlug ihn mit dem Stock. Das war von weitem, ich konnte sehen, wie das Blut von ihm rann. Und dann bekam er noch auf unserem Block Hiebe, wurde er noch verprügelt mit dem Stock.

 

Vorsitzender Richter:

Auch von Baretzki?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das weiß ich nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich weiß nur, daß er mit dem Stock auf den Kopf geschlagen wurde, und er blutete. Das weiß ich von Baretzki.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte, dann nehmen Sie wieder Platz. Haben Sie in diesen drei Fällen in einem Fall den bestimmten Eindruck gehabt, daß der Mann tot war, der von Baretzki geschlagen wurde?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich konnte nur von dieser Entfernung sehen, daß der Mann zusammenbrach, besonders den ersten Fall, welchen ich schilderte.

 

Vorsitzender Richter:

Bei diesem Durchgang.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Weil da dieser Mann alleine auf der Straße war. In dem zweiten Fall, wo ringsherum SS-Männer waren, da konnte ich nur sehen, daß er [zusammenbrach], und da haben ihn auch die SS-Männer verdeckt, so daß ich nichts mehr sehen konnte.

 

Vorsitzender Richter:

Nichts mehr sehen konnten. Und im dritten Fall, wissen Sie auch nicht, was aus ihm geworden ist?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Weiß ich nur, daß ihm das Blut nach einigen Schlägen stark...

 

Vorsitzender Richter:

Und wieso wissen Sie nun, daß es sich bei diesem SS-Mann um den Angeklagten Baretzki handelt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Na, Baretzki war sehr bekannt, und ich habe ihn sehr gut gekannt. Er war in meinen Augen damals hoch und ganz angenehm aussehend und war...

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie, haben Sie auch mit ihm gesprochen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

In dem Lager? Vielleicht. Ja, es war noch ein Vorfall, daran kann ich mich erinnern. Das heißt, er hat mich angesprochen. Das war ungefähr vor Weihnachten, nachdem die Arbeitskolonnen ins Lager kamen. Da war zwischen vier und sieben Uhr, denke ich, eine Pause, wo man schlafen ging oder so etwas. Und die Häftlinge gingen da auf der Lagerstraße. Baretzki kam und klaubte sich zehn Menschen heraus. Das war immer gefährlich, wir wußten ja nicht, was passieren kann. Und da sagte er mir einmal: »Komm auch du!« oder so etwas, in diesem Sinn. Und ich war einer von den zehn. Wir haben zu der SS-Stube, oder wie man das nennt, gehen müssen. Vor dem Lager war da so eine

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Die Blockführerstube.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Blockführerstube. Baretzki ging hinein, und wir wußten nicht, was kommt. Er nahm eine Wurst, schnitt sie in zehn Teile und gab uns jedem einen Teil und sagte: »Geht ab!« Oder »Haut ab!«, oder wie es damals eben gesagt wurde.

 

Vorsitzender Richter:

Waren das lauter Jugendliche, die er da

 

Zeuge Jehuda Bacon [unterbricht]:

Nein, vielleicht waren zwei Jugendliche darunter. Es waren verschiedene Häftlinge.

 

Vorsitzender Richter:

War das im Winter 44 auf 45?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das war vor Weihnachten 44. [...]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, 44. Da hat er bei dieser Gelegenheit mit Ihnen... Zeuge Jehuda Bacon:

Nur rausgerufen.

 

Vorsitzender Richter:

Rausgerufen, und das hat er in deutscher Sprache getan.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Haben Sie ihn auch mal nicht Deutsch sprechen hören?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich denke, aber ich kann es nicht genau sagen, daß er einige Wörter Jiddisch konnte. Aber das weiß ich nicht bestimmt. Manchmal, wenn er auf Häftlinge [einschlug] und so, da hat er noch etwas...

 

Vorsitzender Richter:

Zugerufen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Eine Sprache, die mir jedenfalls als Jiddisch vorkam.

 

Vorsitzender Richter:

Ob er Polnisch gesprochen hat, wissen Sie nicht?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Daran kann ich mich nicht

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also so genau können Sie es überhaupt nicht sagen. Ja, Herr Zeuge, wollen Sie bitte sich mal dieses Bild ansehen und uns einmal sagen, ob Sie jemand auf diesem Bild1 erkennen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

[Pause] Ja, der erste Mann rechts sieht dem Baretzki sehr ähnlich.

 

Vorsitzender Richter:

Sieht dem Baretzki sehr ähnlich. Haben Sie noch eine Erinnerung, ob er damals eine solche Mütze getragen hat?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Ich denke, er trug so eine Mütze.

 

Vorsitzender Richter:

Also die SS-Leute hatten doch damals meistens solche Schiffchen auf.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Es war so: Die höheren Offiziere, soweit ich mich erinnere, zum Beispiel Doktor Mengele, weiß ich genau, er hatte diese Art von Mütze, die runde

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, die Schildmütze, Tellermütze.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Aber die niedrigeren Chargen, soweit ich mich erinnere, hatten diese Art von Kopfbedeckung.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das sind also so eine Art Skimützen, nicht.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Und die ganz niedrigen Chargen hatten die...

 

Vorsitzender Richter:

Diese Schiffchen, diese Krätzchen. Ja, dann geben Sie das Bild bitte wieder zurück. [Pause] Ich habe keine Fragen mehr an den Zeugen. Bitte schön.

 

Richter Hotz:

Herr Bacon, wie sind Sie von Auschwitz wegtransportiert worden?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Von Auschwitz wurden wir in eine Kolonne weitergeschickt. Wir haben diesen sogenannten Todesmarsch durchgemacht. Wir gingen zwei, drei Tage, bis wir irgendwo ankamen, und dann wurden wir einwaggoniert und nach Mauthausen verschickt.

 

Richter Hotz:

Ist jemand von den Mithäftlingen für Ihre Betreuung verantwortlich gewesen? [...] Etwa Bednarek?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein, Bednarek war nicht mit uns.

 

Richter Hotz:

War nicht bei Ihrem Transport dabei.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein.

 

Richter Hotz:

Danke schön.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Hans Euringer war mit uns. Diesen sah ich später in Mauthausen.

 

Richter Hotz:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Vom Gericht noch Fragen? Bitte schön.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Welche Häftlingsnummer hatten Sie?

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, Sie wollten noch was wissen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

168.194, ist tätowiert. [...]

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Und als Sie ankamen, fand eine Selektion statt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Sie kamen geschlossen ins Familienlager?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Wir kamen geschlossen ins Familienlager.

 

Ergänzungsrichter Hummerich:

Ja. Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob überhaupt Selektionen in Ihrer Zeit stattgefunden haben?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, bestimmt.

 

Vorsitzender Richter:

Bestimmt. Und wissen Sie auch noch, wer sich daran beteiligt hat?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

An Selektionen, die an mir gemacht wurden?

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Was verstehen Sie unter Selektion?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das heißt, die ich alleine durchgemacht habe oder die ich gesehen habe?

 

Vorsitzender Richter:

Die Sie gesehen haben. Alle, und auch die, die Sie selbst mitgemacht haben.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Die ersten Selektionen, die ich selbst mitgemacht habe, waren in Birkenau im Familienlager.

 

Vorsitzender Richter:

Theresienstadt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein, nein, im Familienlager in Birkenau, das heißt in BIIb.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das sogenannte Theresienstädter Lager.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Und zwar als man dieses Lager auflöste Mitte Juli 44, da kamen mehrere SS-Ärzte. Wir kannten sie sehr gut, weil wir einen Kinderblock hatten, und zu diesem Kinderblock kamen die SS-Ärzte und auch andere SS-Männer öfters und hörten uns zu, wie wir da verschiedene Vorstellungen hielten. Und viele von den Ärzten beteiligten sich später an Selektionen. An meiner Selektion beteiligten sich Doktor Mengele und Schwarzhuber. Aber zu uns kamen auch Doktor Klein und unser Lagerführer Buntrock, und wir hatten dort noch viele andere SS-Männer. Ich kann mich erinnern an Schwenk, Pestek, welcher dann später weglief mit einem Häftling, Bardo und noch andere. Ja, und das waren die Selektionen im Familienlager.

Später kamen wir, wie gesagt, ins Männerlager. Und dort gehörte ich einem besonderen Kommando zu, und zwar dem Rollwagen. Der Rollwagen war ein Wagen, und anstatt Pferde zogen ihn ungefähr 20 Jugendliche, und mit diesem Wagen fuhren wir in alle Lager und haben verschiedene Sachen aufgeladen oder mitgenommen. Wir waren öfters auch im Krematorium. Eine von den Arbeiten war, [+ daß] wir Asche vom Krematorium Nummer III nahmen und sie auf die vereisten Wege damals im Frauenlager BIIc streuten. Oder wir nahmen das Holz vom Krematorium, das normalerweise für die Verbrennung benützt wurde in den Gruben, und brachten dieses Holz in das Lager für die normale Heizung. Wir waren öfters in der »Sauna«, und wenn keine Menschen in den Gaskammern waren und wir fertig waren mit unserer Arbeit, erlaubte uns der Kapo, uns in den Gaskammern zu wärmen, so daß ich die Gaskammern ganz genau sah und auch die Entkleidungskammern.

Und durch diese Arbeit haben wir viel mehr gesehen, als die Häftlinge [normalerweise] sehen konnten. Und ich habe fast alle Transporte seit - ich kann mich erinnern, die großen Transporte von den Ungarn, das erste Mal sah ich sie ankommen ungefähr Ende Mai.

 

Vorsitzender Richter:

44.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Da war ich noch im Familienlager, und im Mai 44 kam ein großer Transport an. Und wir wunderten uns, weil die Leute so eine fremde Sprache sprachen, wir konnten sie nicht verstehen. Aber später sah ich vom Männerlager fast alle Transporte, die tagsüber kamen. Viele Freunde [+ habe ich] auch da zwischendrin gesehen, und ich sah die Menschen, die Kolonnen, welche entweder in die Gaskammer gingen oder ins...

 

Vorsitzender Richter:

Lager.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Oder in die »Sauna«. Aber die meisten Selektionen waren auf der Rampe, und die meisten der Leute, welche ins Gas gingen, gingen geradeaus in die Krematorien I, II und die Arbeitsfähigen in diese Lagerstraße zwischen c und d durch die »Sauna«. Aber öfters gingen auch Leute für die Vergasung durch die Straße c, d.

 

Vorsitzender Richter:

Die nachher zu III und IV gingen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, das heißt durch diese Straße, wo normalerweise die Arbeitsfähigen gingen. Und ich habe den Selektionen [sehr oft zugeschaut].

 

Vorsitzender Richter:

Sie können uns vielleicht noch folgendes sagen: Erstens, wo befand sich die »Sauna«, in die die Leute hineingingen, wenn sie vom Transport kamen? Können Sie uns das mal auf der Karte zeigen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, die Sauna befand sich - ich kann es Ihnen sagen, weil wir da öfters waren, und zwar

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Zeigen Sie es uns doch vielleicht, ja.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

[Pause] Ich erinnere mich, da war das Zigeunerlager, Krankenlager, dann waren die Baracken mit verschiedenen Effekten.

 

Vorsitzender Richter:

»Kanada«, ja.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Und hinter dem war hier die »Sauna«, das müßte die »Sauna« sein.

 

Vorsitzender Richter:

Das müßte die »Sauna« sein. Und da wurden die Leute hingeführt, die ins Lager kommen sollten, die also nicht vergast wurden?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und wollen Sie uns mal bitte den Weg zeigen, den diese Leute gegangen sind.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich konnte nur von da sehen, vom Männerlager, das heißt das erste Mal vom b-Lager aus. Da kamen die ersten Transporte, die Ungarn. Später sah ich die Leute vom d-Lager, und zwar da. Und da gingen dann die Leute zu Fuß oder manchmal die Älteren auf den Lkws, hier. Und die Arbeitsfähigen marschierten hier und gingen wahrscheinlich in die »Sauna«. Ich traf öfters Menschen in der »Sauna«. Als ich mit dem Rollkommando arbeitete, sah ich viele, ich weiß nicht, Hunderte oder Tausende von Frauen in der »Sauna«, in den Waschgebäuden.

 

Vorsitzender Richter:

Da oben war diese »Sauna«. Also wenn die Leute durchgeführt wurden durch diesen Mittelweg zwischen c und d, dann bedeutete das nicht etwa unbedingt, daß sie in die Krematorien III oder IV kamen, sondern im Gegenteil, nach Ihrer Darstellung

 

Zeuge Jehuda Bacon [unterbricht]:

Nicht im Gegenteil, sondern meistens. Das heißt nach der Frequenz der Transporte. Da gingen die Leute hier ins Krematorium und hier zur Arbeit. Aber es waren auch Ausnahmen, oder es passierte auch, daß die Leute, welche hier gingen, ins Krematorium gingen. Ich weiß das ganz genau, weil hier sah ich öfters Frauen mit Kindern, und da wußten wir, daß Frauen mit Kindern und Alte immer...

 

Vorsitzender Richter:

Nicht ins Lager kommen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nicht ins Lager kommen.

 

Vorsitzender Richter:

Dann nehmen Sie bitte wieder Platz. Und sagen Sie dann: Können Sie sich noch an einzelne Personen erinnern, die bei diesen Selektionen an der Rampe mitgewirkt haben?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Doktor Mengele meistens, Doktor Thilo; da erinnere ich mich noch an eine Kleinigkeit. Ich denke, er hatte nur einen halben Finger an einer Hand. Ich denke, es war die linke Hand, aber das kann ich heute nicht genau sagen. Schwarzhuber und höhere SS-Chargen, Hauptsturmführer, diese hatten drei Sterne. Aber als sehr viele Transporte, einer nach dem anderen kamen, besonders die ungarischen, da haben auch andere, gewöhnliche SS-Männer die Vorbereitungen zur Selektion oder die...

 

Vorsitzender Richter:

Aufstellung.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Sortierung gemacht, weil es zu...

 

Vorsitzender Richter:

Zu viele waren.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Zu viele waren.

 

Vorsitzender Richter:

Und können Sie sich entsinnen, ob auch Baretzki bei diesen Selektionen dabei war?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie ihn selbst gesehen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was hat er dort gemacht?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Auch die Menschen sortiert.

 

Vorsitzender Richter:

Sortiert. Aber die eigentliche Selektion, ob die Leute links oder rechts gehen sollten...

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das kann ich nicht genau sagen, weil alle SS-Männer da arbeiteten.

 

Vorsitzender Richter:

Zusammenstanden.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Und wer [wen wohin] schickte - ich weiß nur, daß er auch irgendwie die Menschen sortierte.

 

Vorsitzender Richter:

Das wissen Sie nicht genau.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Mit einem Stock: »Da, geh hier!« oder: »Da, geh da!«

 

Vorsitzender Richter:

Aber gesehen haben Sie ihn. Und auf diesem Bild, sagen Sie, ist ein Mann, der dem Baretzki sehr ähnlich sieht.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Waren noch von seiten der Staatsanwaltschaft Fragen zu stellen?

 

Staatsanwalt Vogel:

Sie erwähnten vorhin, Herr Bacon, daß am 8. März 44 im Theresienstädter Lager eine Vernichtungsaktion durchgeführt wurde. Sie waren zu diesem Zeitpunkt noch selbst in BIIb? [...] Konnten Sie den Verlauf dieser Aktion beobachten, und konnten Sie insbesondere feststellen, ob einzelne SS-Angehörige sich da aktiv beteiligt haben?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein, das konnten wir nicht. Ich war damals im BIIb-Lager. Der Transport, welcher vor uns kam, hatte in den Vermerken, das erzählte uns später unser Schreibführer, Herr Frank

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Der Schreiber.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Der Schreiber vom BIIb-Lager. Und der erzählte seinen wahrscheinlich guten Bekannten, daß wir eingeschrieben hatten: »sechs Monate ›SB‹ «, was zu bedeuten hatte, nach sechs Monaten sollten wir ins Gas gehen. Und der vorige Transport ging genau nach sechs Monaten ins Gas. Aber vorher sprach man im Lager über einen Arbeitstransport, und die SS-Männer, welche ins Lager gingen - wie der Doktor Klein und die anderen Ärzte -, beruhigten alle. Und als Zeichen dafür, daß es wirklich ein Arbeitstransport ist, hat man die Kranken bei uns gelassen im BIIb-Lager. Und alle anderen wurden ins BIIa, in das Quarantänelager, geschickt.

 

Ich weiß nur, daß am 7. oder 8. März dann die Blocksperre war. Niemand durfte raus und zuschauen, und am nächsten Tag haben wir erfahren durch Leute, welche vom Männerlager kamen, daß der ganze Transport vernichtet wurde, außer eben den paar Kranken, welche zu uns zurückgeschickt oder zurückgeblieben sind.

 

Ich weiß es auch außerdem von Menschen, die im »Sonderkommando« arbeiteten. Neben dem Block Nummer 13 waren Block Nummer 9 und 11. Da wohnten die Angehörigen des »Sonderkommandos«, das heißt die Leute, welche arbeiteten in den Gaskammern und den Krematorien. Und die erzählten uns vieles darüber, und auch wie sich unsere Leute, das heißt der Transport, welcher am 8. März 44 vernichtet wurde, benommen haben. Und wie man sie auch dadurch täuschte, daß man sie erst einmal mit den Lkws um das Lager führte, damit sie nicht denken, daß sie gehen grade[...] ins Gas.

 

Und außer diesen fragte ich nach unserm Jugendführer, der hieß Fredy Hirsch und der war schon Jugendleiter in Theresienstadt. Und wir Jugendlichen liebten ihn sehr und wollten wissen, was mit ihm passierte. Und da erzählte mir der »Sonderkommando«-Häftling, welcher arbeitete im Krematorium III bei der Verbrennung, daß er alleine den Fredy Hirsch verbrannt hatte und es sich darum so gut merkte, weil Fredy Hirsch nicht zusammen mit dem Rest des Transportes ging, sondern er hatte sich vorher vergiftet, damit er nicht diesen schauerlichen Dingen zusehen muß, wie seine Kinder in den Tod gehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das steht auch hier drin.

 

Richter Perseke:

[unverständlich] Das hat uns ja schon ein Zeuge erzählt [unverständlich] Hat uns ja schon ein Zeuge erzählt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Staatsanwalt, wollen Sie weiter fragen?

 

Staatsanwalt Vogel:

Danke, ich habe keine weiteren Fragen. Ich bitte nur, nachher den Zeugen noch den Angeklagten gegenüberzustellen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Herr Staatsanwalt Kügler.

 

Staatsanwalt Kügler:

Eine Frage bitte, Herr Vorsitzender. Herr Bacon, Sie sagten, daß Sie auf der Rampe die Ankunft der Transporte öfters beobachtet haben. Haben Sie noch eine Erinnerung daran - aus der damaligen Zeit, nicht jetzt von der Karte, Herr Bacon -, wie viele Gleisstränge dort waren auf der Rampe?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Es waren mehrere Geleise. Das weiß ich.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Haben Sie noch eine Erinnerung daran, ob die Leute aus den Transporten sowohl nach der einen als auch nach der anderen Seite hin ausstiegen, also entweder nach dem Lager BI oder nach dem Lager BII, oder ob das sowohl als auch war?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich kann es Ihnen ganz genau sagen, weil wir öfters mit dem Rollwagenkommando [+ dort waren]. Nachdem der Transport schon abgefertigt wurde - zum Beispiel war eine von unseren Arbeiten, das Brot rauszunehmen von dem Gepäck, welches dablieb, und in unsere Küche zu bringen. So daß ich sah das Gepäck genau auf der Seite von [BIIb]. Aber das passierte meistens, wenn nicht viele Transporte hintereinander kamen. Sonst war es, daß sowohl rechts als auch links die Ankommenden ausstiegen.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie noch, wie viele Gleisanschlüsse damals da waren?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ich weiß nur, daß es mehrere waren.

 

Vorsitzender Richter:

Mehrere. Und wurden die alle befahren, oder ist der Zug immer auf demselben Gleis angekommen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Manchmal waren so viele Transporte, daß sie nebeneinander standen.[...] Das heißt, an zwei nebeneinander kann ich mich ganz genau erinnern.[...]

Staatsanwalt Kügler:

Haben Sie möglicherweise noch eine Erinnerung daran, daß es einmal vorgekommen ist, daß der Zug herausgeschoben wurde und daß dann erst die Selektionen begannen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Wie meinen Sie es bitte?

 

Staatsanwalt Kügler:

Also, ein Zug ist auf das Gleis gefahren. Die Leute sind ausgestiegen, wollen wir mal unterstellen, ja, und dann wurde der Zug entweder geteilt oder ganz herausgefahren. Und dann begann die Selektion, erst nachdem der Zug das Gleis verlassen hatte, der Eisenbahnzug schon weg war. Haben Sie das mal beobachtet?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Meistens waren noch die Züge da. Aber die Züge sind fortwährend gefahren, so daß ich es Ihnen nicht jetzt genau sagen könnte. Ja, im selben Augenblick konnte auch ein Zug zurückfahren. Das ist sehr wahrscheinlich und ist auch passiert.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, würden Sie mir bitte Ihr genaues Geburtsdatum sagen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

28.7.29

Nebenklagevertreter Ormond:

Wann sind Sie nach Theresienstadt gekommen? Da waren Sie wie alt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Über 13 Jahre.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

13 Jahre. Und wie Sie nach Auschwitz gekommen sind, waren Sie noch 14 Jahre alt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie sind freischaffender Künstler, Maler?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja. Und Lehrer an der Akademie.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Am Bezalel-Institut in Jerusalem?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Welche Abteilung?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Graphische Künste, Lithographie, Radierung und Zeichnen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Haben Sie nicht seinerzeit oder nach Ihrer Entlassung, nach Ihrer Befreiung Zeichnungen angefertigt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, das heißt, nach der Befreiung wurde ich sofort typhuskrank. Und noch im Spital, als das Fieber runterging, habe ich sofort die Aufzeichnungen von den Gaskammern und Krematorien genau aufgezeichnet, und ich habe es dabei.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja. Ich habe gebeten, die mitzubringen. Würden Sie die einmal zeigen bitte und erläutern?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Gerne.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

[Pause] Bitte noch festzustellen, Herr Vorsitzender, daß der Zeuge Nebenkläger ist. Die Nebenklage ist zugelassen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, wollen Sie uns bitte mal Ihre Zeichnungen vorlegen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Die Zeichnungen kann ich Ihnen nur zeigen, aber ich kann Ihnen Fotokopien hinterlassen, im Falle Sie sie wollen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.[...]

Nebenklagevertreter Ormond:

Gehen Sie ruhig zum Richtertisch und zeigen Sie sie dort.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das war das Krematorium II. In diesem Krematorium war ich öfters.

 

Vorsitzender Richter:

Also ein Bild vom Krematorium II. Das haben Sie dort noch angefertigt, in Auschwitz?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein, sofort, wie ich eben sagte

Vorsitzender Richter:

Ach, im Krankenhaus. Im Mai 45.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das war ein Block in...

 

Vorsitzender Richter:

Ein normaler Block in Birkenau.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

In Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Die sogenannten Pferdeställe, innen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

So sahen aus Entkleidungsräume im Krematorium II.

 

Vorsitzender Richter:

Im Krematorium II.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Und zwar hier, das war unter der Erde. Hier waren Bänke, und hier waren Haken mit Nummern. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen auch den Vorgang erzählen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das ist uns schon bekannt, ja. Das ist also die Entkleidungskammer, wo die Leute ihre Kleider hinlegen mußten.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, aber nur in I und II. In Krematorium III und IV war es oben. So sah die Gaskammer aus.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, da kann ich nun nichts Richtiges drauf erkennen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Da kann ich Ihnen Näheres erklären. Ich habe es hier. Da unten waren Schachte für Wasser und so zur Abfuhr, hier waren Ventilationen, hier waren Lampen, geschützt durch einen Draht. Da waren scheinbar Duschen. Aber ich war damals sehr neugierig, und ich habe es mir genau angesehen. Die Duschen hatten nicht einmal Löcher für Wasser. Die Löcher waren nur eingeklopft, so daß nur optisch im ersten Augenblick sie aussahen wie eine Dusche. Aber wenn Sie sie näher betrachteten, dann war es, ja, eine Täuschung.

 

Und im Krematorium Nummer II, da waren zwei Gaskammern. Eine hinter der zweiten, und in jeder Gaskammer waren zwei solche Schächte, so wie ein Lift. Diese waren ungefähr 40 auf 40 Zentimeter, mit Stahlstangen und ringsherum mit festem Gitterdraht. Sie endeten über dem Plafond, und oben sah es aus - da habe ich es auch irgendwo aufgezeichnet -, so wie bei einer Kanalisation. Ja, so ein Deckel. Diesen hob man auf, und von oben schüttete man das Zyklon B rein. Ja, so sah es aus. Das ist auch ein [unverständlich] Blick von oben in diese Kanalisation, ja. Aber das Ganze ist unten, die

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Das ist ja dasselbe wie das hier.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, ja, ist dasselbe, das habe ich dann

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Lassen Sie es uns noch einen Moment hier [unverständlich] gleich wieder zurück.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Bitte schön.[...]Die Krematorien mit den zwei Kaminen, das waren Krematorium III und IV, die ihre Gaskammern oben hatten. Da war ich auch einmal drin.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Ja, Herr Rechtsanwalt Ormond, ist da noch eine Frage?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Zeuge, Sie hatten Gelegenheit, die Selektionen teilweise zu beobachten. Die Angeklagten erzählen uns meistens hier, sie hätten, wenn sie überhaupt auf der Rampe gewesen wären, nur dabeigestanden, ohne etwas zu tun. Stimmt das mit Ihrer Beobachtung überein, oder hat sich mehr oder weniger jeder, der dort war, aktiv beteiligt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Es kam immer eine Gruppe von SS-Männern, höhere Chargen und gewöhnliche SS-Männer. Und die beteiligten sich. Jeder hatte wahrscheinlich eine besondere Arbeit, ja. Denn es waren so viele. Manchmal konnte nicht der Doktor Mengele alles alleine selektieren. Es waren andere auch da, und dann waren auch die SS-Leute da, um die Menschen einzureihen. Also, ich denke, daß jeder auf irgendeine Weise beteiligt war.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, es kommt nicht darauf an, was Sie denken, sondern was Sie beobachtet haben.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Ja, das sah ich. Jeder hatte etwas [+ zu tun], er stand nicht passiv, sondern aktiv. Mit dem Stock ordnete der oder sagte: »Geh da hin!«, oder begleitete die Kolonnen in die Gaskammern oder

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Herr Rechtsanwalt, das wird auch sehr unterschiedlich gewesen sein. Zum Beispiel auf dem Bild, was uns hier vorliegt, was ich auch dem Zeugen gezeigt habe, da sind einige damit beschäftigt, die Leute einzuordnen. Andere stehen einfach in der Gegend herum und tun gar nichts. Zum Beispiel diese Figur, die der Zeuge eben erkannt hat, daß sie ähnelt dem Angeklagten Baretzki. Der Mann steht ja auch da und tut nichts. Also, es kann sein, daß er was getan hat, daß er in diesem Augenblick nichts getan hat.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Herr Vorsitzender, ich glaube mich zu erinnern, daß die Person da - es ist ja wohl Baretzki - in dem Augenblick an der Front einer weiteren Reihe von Menschen steht, die nun die nächsten sind, die da drankommen. Und daß er die Kommenden zurückhält, bis wieder ein Schub vorgelassen wird, der am SS-Arzt vorbeimarschiert. So habe ich dieses Bild aufgefaßt.

 

Vorsitzender Richter:

Tja.

 

Verteidiger Joschko:

Das können Sie nicht daraus schließen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ich hätte dann eine weitere Frage. Herr Zeuge, wer war Ihr Schutzhaftlagerführer im Theresienstädter Familienlager beziehungsweise später, wo sie im Kinderblock waren, und wer war der Lagerarzt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Der Lagerälteste war

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Nicht der Lagerälteste, sondern der SS-Führer, der Schutzhaftlagerführer?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Buntrock.[...]

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha. Und wer war der Lagerarzt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Es waren viele Ärzte bei uns. Wie ich sagte, sie gingen öfter zu uns auf den Kinderblock. Nach den Namen weiß ich noch Doktor Klein, Doktor Mengele

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Hat er schon genannt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie auch den Doktor Lucas gekannt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nicht dem Namen nach.

 

Vorsitzender Richter:

Nicht nach dem Namen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Dann, Herr Zeuge, welche ihrer Familienangehörigen haben Sie verloren?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Meine

 

Nebenklagevertreter Ormond [unterbricht]:

Mit wem sind Sie gekommen, wie Sie nach Auschwitz kamen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Mit meinen Eltern und mit meiner Schwester. Aber ich hatte noch eine Tante, und die hatte zwei Kinder, und viele andere Cousins.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Und wer ist von denen zurückgekommen?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nur ich.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Danke schön. Keine weitere Frage.

 

Nebenklagevertreter Kaul:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Keine Frage mehr. Von seiten der Verteidigung, Herr Rechtsanwalt

 

Verteidiger Gerhardt [unterbricht]:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Gerhardt, keine Frage. Wollen die Angeklagten Fragen stellen oder Erklärungen abgeben. Wie wäre es, Baretzki, mit Ihnen. Sie sind doch von dem Zeugen ziemlich belastet worden. Stimmt das nicht?

 

Angeklagter Baretzki:

Nicht alles, was der Zeuge

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Was stimmt denn? Erzählen Sie mal.

 

Angeklagter Baretzki:

[unverständlich] Das mit dem Schlagen da, daß ich den totgeschlagen habe, das nicht. Das ich einem mal eine geschmiert habe, das stimmt. Aber

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also, Sie sollen doch zum Beispiel auf der Rampe, wie der Zeuge eben gesagt hat, mit einer Flasche einen Mann so getroffen haben, daß der zu Boden gefallen ist. Mit einer Flasche, das nennt man dann doch

 

Angeklagter Baretzki [unterbricht]:

Das stimmt auf keinen Fall.[...]

 

Vorsitzender Richter:

Und dann sollen Sie in dem Durchgang zwischen c und d ja auch einen Mann niedergeschlagen, mit Füßen getreten haben, so daß der Mann bei Ihrem Weggehen bewußtlos auf dem Boden lag.

 

Angeklagter Baretzki:

[unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Stimmt auch nicht?

 

Angeklagter Baretzki:

Kann ich mich nicht erinnern.

 

Vorsitzender Richter:

Und daß Sie auf der Rampe waren und dort bei Selektionen anwesend waren?

 

Angeklagter Baretzki:

Das habe ich halt schon selber zugegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Das haben Sie zugegeben.

 

Angeklagter Baretzki:

Das habe ich ja immer zugegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und sind Sie das, der da abgebildet ist?

 

Angeklagter Baretzki:

Herr Vorsitzender, das bin ich doch gar nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das sind Sie nicht. Ja, dann nehmen Sie wieder Platz.

 

Verteidiger Gerhardt:

Herr Vorsitzender, nur daß sich da vielleicht kein Irrtum einschleicht. Der Angeklagte Baretzki hat zugegeben, auf der Rampe gewesen zu sein, nicht selektiert zu haben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, ja.

 

Verteidiger Gerhardt:

Die Zeugin, die letztens hier war, hat übrigens ja auch bestätigt, daß er nicht selektiert hat.

 

Angeklagter Baretzki:

Darf ich jetzt mal richtig erzählen, wie auf der Rampe das zuging?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das haben sie ja schon erzählt, wie Sie das dargestellt haben.

 

Angeklagter Baretzki:

Also ungefähr, wie der junge Mann das sagt, so ungefähr ist das zugegangen auf der Rampe. Denn die Leute, die angekommen sind, die mußten ja erst mal gezählt werden, wie viele das sind. Die sind ja nicht so gekommen und fertig aus. Da mußte ja die Liste unterschrieben werden, »so und so viele Gefangene sind gekommen«. Die mußten ja alle gezählt werden. Die werden aufgestellt und gezählt, und wenn es nicht stimmt, wird zehnmal gezählt, bis die Zahl stimmt. Und dann tun die Offiziere anfangen zu selektieren. Vorher selektieren sie ja nicht, erst muß ja gezählt werden. Die Zahl muß ja stimmen, das ist die Hauptsache zuerst. Manchmal tun sie eine Stunde zählen, manchmal ist in zehn Minuten gezählt.

 

Vorsitzender Richter:

Naja.

 

Angeklagter Baretzki:

Aber, daß einer selbst mal selektiert hat, das wird der Herr Zeuge auch selber sagen, daß der Blockführer da nicht bestimmt hat: »nach rechts« und »nach links«. Das stimmt nicht.

 

Vorsitzender Richter:

Das hat er ja gar nicht gesagt. Er hat ja gesagt: »Das kann ich gar nicht beurteilen, denn da waren so viele Leute da, daß ich nicht genau sehen konnte, was der einzelne getan hat.« Er hat gar nicht gesagt, daß Sie da nach rechts oder nach links ausgewählt hätten. Nun nehmen Sie Platz. Herr Zeuge, können Sie mit gutem Gewissen beschwören, was Sie gesagt haben? Ja.

 

Staatsanwalt Vogel:

Herr Vorsitzender, ich hatte vorhin

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ach so, die Gegenüberstellung noch angeregt.

 

Staatsanwalt Vogel:

Angeregt, ja. Ich meine, sie ist jetzt beinahe illusorisch geworden. Ich möchte den Zeugen deshalb nur fragen, ob er diesen Angeklagten eben erkannt hat.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Bitte?

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie den Mann eben erkannt, der gesprochen hat? Oder gehen Sie noch mal hin und sehen Sie mal nach, wen Sie da kennen.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Das ist der Herr Baretzki.

 

Vorsitzender Richter:

Das ist der Baretzki.

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Und neben ihm Herr Bednarek.

 

Vorsitzender Richter:

Sie erkennen neben dran Herrn Bednarek. Bednarek, wollen Sie auch nichts sagen dazu?

 

Angeklagter Bednarek:

Nein.

 

Verteidiger Gerhardt:

Was ich von dieser Identifizierung zu halten habe, das werde ich später ausführen, aber noch folgende Frage an den Zeugen: Haben Sie vorher schon mal den Angeklagten gesehen irgendwo, auf einem Bild, in der Zeitung?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Er wurde mir - als ich zur Polizei in Tel Aviv vorgeladen wurde, davor legte man mir vor die Fotografien. Und ich habe da den Herrn Bednarek und Herrn Baretzki erkannt.

 

Verteidiger Gerhardt:

Ja, gut. [...] Herr Zeuge, haben Sie den Zeugen heute hier oder gestern

 

Zeuge Jehuda Bacon [unterbricht]:

Heute? Nein, nein.

 

Verteidiger Gerhardt:

Nicht? Hat Ihnen auch niemand gezeigt, wo der Angeklagte Baretzki hier sitzt?

 

Zeuge Jehuda Bacon:

Nein.

 

Verteidiger Gerhardt:

Nicht? Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Zeuge, wollen Sie dann Ihre Aussage beeidigen?

 

- Schnitt -

 

 

1. Bild »Rampe mit SS-Leuten«. Vgl. Protokoll der Hauptverhandlung vom 30.10.1964, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 103, Bl. 860.

 

 
 
 
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