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Fritz Bauer Institut: Mitschnitte Prozessprotokolle

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

 

93. Verhandlungstag, 25.9.1964

 

Vernehmung des Zeugen Friedrich Althaus

 

Vorsitzender Richter:

Herr Althaus, Sie heißen mit Vornamen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Friedrich Richard.

 

Vorsitzender Richter:

Wie alt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

53.

 

Vorsitzender Richter:

Sie sind von Beruf?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Schaufenster- und Messegestalter.

 

Vorsitzender Richter:

Also Werbefachmann?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Werbefachmann.

 

Vorsitzender Richter:

Werbefachmann. Sie wohnen in?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Mönchengladbach.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie verheiratet?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Sind Sie verwandt oder verschwägert mit einem der Angeklagten?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Nein. Herr Althaus, ich darf zunächst Ihren Lebenslauf kurz wiederholen bis zu dem Moment, wo Sie nach Auschwitz kamen. Sie sind der Sohn eines Verwaltungsbeamten, sind in Mönchengladbach aufgewachsen, waren zunächst in der Volksschule und dann in der Oberrealschule bis zur Obersekundareife, haben dann Ihre Lehre absolviert und waren in diesem Beruf auch tätig bis zu Ihrer Einberufung zur SS.11

Zeuge Friedrich Althaus:

Zum SS-Reiterregiment.

 

Vorsitzender Richter:

Reiterregiment. Seit wann haben Sie der Allgemeinen SS angehört?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Seit 1935. Ich war vorher im NSKK.

 

Vorsitzender Richter:

NSKK. Sind dann übergetreten zur Allgemeinen SS und waren auch Mitglied der NSDAP.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, Sie sagten eben, Sie seien einberufen worden zum SS-Reiterregiment. Das lag wo?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

In Tarnów.

 

Vorsitzender Richter:

In Tarnów?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Tarnów.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie sind dort ausgebildet worden?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, als Reiter.

 

Vorsitzender Richter:

Als Reiter. Konnten aber dann nicht kriegsverwendungsfähig bleiben, weil Sie eine Magen- und Stirnhöhlenerkrankung hatten?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Infolgedessen sind Sie wohin versetzt worden?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja nach Auschwitz.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Auschwitz. Wann?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ende 1940.

 

Vorsitzender Richter:

Ende 1940. Wie lang sind Sie dort geblieben?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Bis Ende 1944.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum sind Sie dort weggekommen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe mich versetzen lassen nach Buchenwald, weil in Weimar meine Familie wohnte.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Sie waren in Auschwitz wo zugeteilt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich war Rechnungsführer von Anfang an, in der 3. Kompanie und später in der Hundestaffel Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Von wann ab?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Hundestaffel seit der Gründung dieser Staffel.

 

Vorsitzender Richter:

Wann war das?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja wann ist das gewesen? 44, 43. Ich kann es nicht genau sagen.

 

Vorsitzender Richter:

Sie haben bei Ihrer Vernehmung ausgesagt, Sie blieben bei der Einheit, nämlich der Wachkompanie, als Rechnungsführer bis zum Herbst 44 und wurden dann auf eigenes Ersuchen zum KL Buchenwald versetzt.22

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Also das stimmt nicht?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das stimmt. Was Sie jetzt sagen, Herr Vorsitzender, stimmt. Auf eigenes Ersuchen bin ich nach

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ja, Sie sagten aber doch, daß Sie zwischendurch auch bei einer Hundestaffel tätig gewesen seien?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, also erst die 3. Kompanie. Und später wurde die umgewechselt in die Hundestaffel. Das ist die gleiche Kompanie gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

Und blieben Sie da weiterhin Rechnungsführer?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich bin weiterhin Rechnungsführer geblieben.

 

Vorsitzender Richter:

So daß Sie also in den Außendienst gar nicht reingekommen sind?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun, als Sie hinkamen nach Auschwitz, war das Lager ja noch im Aufbau begriffen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Sie waren dann, wie Sie eben sagten, bei der 3. Kompanie als Rechnungsführer eingesetzt. Und was hatten Sie dort für eine Aufgabe?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Besoldung, Verpflegung, dann, wenn von der Heimat irgendwelche Briefe kamen, die Kompanieangehörige irgendwie...

 

Vorsitzender Richter:

In Kenntnis zu setzen.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Wünsche geäußert wurden, mußte ich beantworten.

 

Vorsitzender Richter:

Also auf der Schreibstube?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Nun sagen Sie, Ihre Kompanie ist doch zu Wachdienstzwecken eingesetzt gewesen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und diese Wacheinheiten haben ja die äußere und die innere Postenkette besetzt.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Kam es vor, daß da auch Fluchtversuche gemacht wurden?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Und was war denn da nun die Vorschrift für die Soldaten oder die SS-Angehörigen, wenn

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Die mußten ausrücken und suchen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Also zunächst, wenn sie auf Posten einen solchen Fluchtversuch in flagranti erlebt haben, mußten sie doch irgendwie handeln. Wie war die Instruktion? Sollten Sie die Leute anrufen oder?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja das ist mir nicht bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, ich nehme doch an, daß über diese Dinge Instruktionsstunden abgehalten wurden?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, die habe ich nicht besucht. Ich wohnte in Neu- Berun, und wenn mein Dienst beendet war, konnte ich nach Hause fahren.

 

Vorsitzender Richter:

Ja haben Sie denn überhaupt nicht an dem Kompaniedienst teilgenommen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Auch nicht bei Belehrungen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe wohl mal zwei oder drei, und zwar vom Schulungsleiter [+ abgehaltene] Schulungsabende besuchen müssen.

 

Vorsitzender Richter:

Na ja, das ist ja nicht wesentlich. Sondern mir kommt es hier auf die dienstlichen Dinge und dienstlichen Belange an. Sagen Sie, hatten Sie, als Sie hinkamen, irgendein Revers zu unterschreiben?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe nichts unterschrieben.

 

Vorsitzender Richter:

Wurden Sie nicht belehrt über Geheimhaltung?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, da kann ich mich nicht entsinnen. Ich glaube nicht. Also es ist im allgemeinen so gewesen, aber ich hatte meine Obliegenheiten als Rechnungsführer. Ich hatte meine Rechnungsführerstube und habe dort meine Sachen erledigt und bin zu den Kompaniebelehrungen, die vielleicht nach Dienstschluß waren, nicht mehr zugegen gewesen.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Nun, haben Sie etwas davon gehört, daß Angehörige des Wachbataillons Prämien bekamen oder Urlaub oder irgendwelche sonstigen Auszeichnungen, wenn sie Menschen »auf der Flucht« erschossen haben?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Mir ist kein Fall bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

[Pause] Gingen durch Ihre Hände auch die Urlaubsscheine?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, das machte der Stabsfeldwebel.

 

Vorsitzender Richter:

Ihnen ist kein Fall bekannt, daß ein Kompanieangehöriger auf Urlaub fahren durfte, weil er »auf der Flucht« einen Menschen erschossen hatte?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Wenn ich zurückgreife, entsinne ich mich, daß es mal der Fall gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Also nach den uns vorliegenden Listen war das öfter der Fall.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe da keine Einsicht gehabt. Aber wenn ich zurückgreife, entsinne ich mich, daß ein Wachkompanieangehöriger mal in Urlaub gefahren ist.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie einmal bei einer Exekution mitgewirkt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie eine solche beobachtet?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe eine gesehen. Das habe ich zu Protokoll gegeben.33 Das war Anfang 1940, und zwar durfte ich nicht hin. Ich bin

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Ende 1940 vermutlich.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ende 1940.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich durfte nicht hin. Das war Anfang des Lagers, da ist eine Sandgrube. Und da sind hingerichtet worden polnische Partisanen. Sie hatten nämlich noch die Uniform an. Und da wurde das Urteil verlesen in Deutsch und dann in Polnisch durch einen SS-Mann, durch einen Dolmetscher.

 

Vorsitzender Richter:

Nun, wissen Sie, ob zu diesen Exekutionen Mitglieder der Wacheinheit herangezogen worden sind?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, aus der Kompanie, der ich angehöre, ist abends davon beim Antreten der Kompanie gesprochen worden. Und es sollten sich Freiwillige melden, und die haben sich gemeldet dazu.

 

Vorsitzender Richter:

Wußten Sie, ob diese Leute Sonderrationen bekamen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das ist mir nicht bekannt. [Pause] Ich habe jedenfalls keine ausgegeben.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, ob Teilnehmer sogenannter Sonderaktionen Sonderrationen bekamen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das ist mir bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Was verstand man unter »Sonderaktion«?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Unter »Sonderaktion« verstand man eine bessere Verpflegung und

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Nein, nicht Sonderration, sondern »Sonderaktion«.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, eine »Sonderaktion« meinen Sie, Herr Vorsitzender, die durchgeführt wurde?

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, da gab es eine besondere Zuteilung an Verpflegung und Schnaps.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Und nun will ich wissen, was man unter einer »Sonderaktion« verstanden hat.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, »Sonderaktion«. [Pause] »Sonderaktionen« gingen nicht von seiten der Kompanie aus, sondern durch die Kommandantur.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, Herr Zeuge, das nehme ich an. Ich möchte nur wissen, worin sie bestanden. Was haben denn die Leute getan, die bei einer »Sonderaktion« beschäftigt waren?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Die Judentransporte geleitet.

 

Vorsitzender Richter:

Geleitet? Wohin geleitet?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja also, wie mir bekannt ist, kam der Transport an, und der fuhr dann in das Hauptlager. Da habe ich keine Beziehungen dazu.

 

Vorsitzender Richter:

Ich kann das nicht recht verstehen. Der Transport kam an und fuhr dann in das Hauptlager. Nämlich wie?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nach Birkenau.

 

Vorsitzender Richter:

Nach Birkenau. Mit Autos oder mit Lastwagen oder mit?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Ja?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe nur Züge gesehen, die in Auschwitz am Bahnhof einliefen und dann weitergeleitet wurden.

 

Vorsitzender Richter:

Der Zug?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Der Zug.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und was hatten da die Wacheinheiten zu tun, die Sonderrationen bekamen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Den Zug zu begleiten beziehungsweise die ausgestiegenen Juden.

 

Vorsitzender Richter:

Zu begleiten oder abzusperren?

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Als Wache. Zu begleiten bis dahin. Weiter weiß ich nichts, weil wir ja keinen Zutritt dazu hatten zu diesem internen Lager.

 

Vorsitzender Richter:

Und wer gab diese Extrarationen aus?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das ist mir auch nicht bekannt. Da hatte die Kompanie nichts mit zu tun. Allerdings möchte ich sagen, daß in der Kompanie, der ich angehörte, keine Sonderrationen ausgegeben wurden, sondern diese Wachmannschaften irgendwie zu einer Sonderkompanie gehörten, zu einer kommandierten Kompanie oder wie das gewesen ist.

 

Vorsitzender Richter:

Haben Sie das Kleine Krematorium gekannt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das war jedem bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja? Und was geschah denn da drin?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Es wurden Leute verbrannt. Aber wir durften da nicht verweilen - es lag direkt am Kommandanturgebäude - und hatten da nichts verloren. Aber es konnte jeder sehen beziehungsweise riechen, was da vorging.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Daß dort auch Menschen getötet wurden, haben Sie das auch erlebt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das ist mir nicht bekannt.

 

Vorsitzender Richter:

Ist Ihnen nicht bekannt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Sagen Sie mal, wenn jemand in Auschwitz, also ein SS-Angehöriger, Dinge nicht tun wollte, die da von ihm verlangt wurden, was konnte er dagegen unternehmen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, er konnte Mensch bleiben. Er konnte sich dagegen weigern. Er konnte sagen: »Ich kann das nicht.« So nehme ich an, denn an mich ist das Ansinnen nie gestellt worden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wieso nehmen Sie dann an, daß diejenigen, an die das Ansinnen gestellt worden ist, sich so verhalten konnten? Haben Sie Beispiele dafür?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Tja, Beispiele sind, zur Kommandantur zu gehen mit dem Gedanken: Ich habe da einen einfacheren Dienst, ich habe den schweren Wachdienst nicht. Und so sind viele aus der Kompanie, die ich da hatte als Rechnungsführer, ausgeschieden und sind zur Kommandantur.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun, Herr Zeuge, diese SS-Leute, die dorthin kommandiert worden sind, sind ja nun schließlich nicht dorthin kommandiert worden, damit sie nur auf dem Büro saßen und Rechnungsführer spielten. Sondern die sind doch in erster Linie zu anderen Zwecken dorthin kommandiert worden. Und nun haben Sie gesagt, jemand, der das nicht mitmachen wollte, der konnte Mensch bleiben und brauchte das nicht zu tun. Und das möchte ich nun gern näher wissen. Wieso wissen Sie das? Und was konnte er tun, um davor bewahrt zu bleiben, und wie hat sich das ausgewirkt? Können Sie uns Fälle mitteilen, wo das so gewesen ist?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ein Beispiel in der Kompanie war ein gewisser Martin, der war Fischereimeister, kam dann zu den Fischereien draußen. Und den besuchte ich mal außerhalb der Dienstzeit. Und der hatte Häftlinge draußen als Kommando, und die wurden von ihm gut behandelt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Nun gab es ja auch Aufgaben, die ebendiese Möglichkeit nicht zuließen. Also ich will mal sagen, es ist einer beauftragt worden, Häftlinge in die Gaskammern zu fahren. Konnte er das abbiegen, wenn er nicht die Möglichkeit hatte, Rechnungsführer zu werden?

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Ja, dazu kann ich nichts sagen, weil das nicht an mich herangetreten ist. Aber ich vermute, daß das sein konnte.

 

Vorsitzender Richter:

Und warum vermuten Sie das? Woraus schließen Sie das?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Tja, ich schließe das daraus: Es kommt doch auf den Charakter des einzelnen an und daß er das ablehnt, das zu tun.

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Also Sie meinen, es wäre möglich gewesen, sich zu melden, meinetwegen beim Kompaniechef oder bei dem Kommandanten, und zu sagen: »Ich lehne das ab, und ich tue das nicht.«

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich stehe auf dem Standpunkt, daß das möglich gewesen wäre.

 

Vorsitzender Richter:

Und glauben Sie nicht, daß man ihm vielleicht eine Befehlsverweigerung vorgeworfen hätte?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Möglicherweise. Ich weiß von einem Scharführer, so wurde jedenfalls erzählt, der hat Häftlingen mal irgendwie Wurst aus der Fleischerei zugeschoben. Und der soll, wie gesagt wurde, nach Matzkau gekommen sein zur Strafkompanie. Es wäre die Möglichkeit gewesen, daß der Betreffende eben in eine Strafkompanie gekommen wäre.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, und wenn er direkt den Befehl verweigert hätte?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, ihm wäre meines Erachtens da nichts passiert. Er wäre bestimmt nicht irgendwie erschossen worden.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das ist also eine Meinung ihrerseits, für die Sie uns aber irgendwelche Anhaltspunkte nicht geben können.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Kann ich Ihnen nicht geben.

 

Vorsitzender Richter:

Und Sie wollten wegkommen und haben sich weggemeldet?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nach Buchenwald.

 

Vorsitzender Richter:

Und das ist Ihnen auch geglückt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, aber nach mehrmaligen Versuchen, nach mehrmaligen Eingaben.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Hat man Ihnen irgend etwas gesagt, daß Sie die Eingaben in Zukunft unterlassen sollten?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, also es ist so gewesen, man hat es nicht gerne gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Ja. Aber sonst hat man Ihnen nichts gesagt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Man hat es abgelehnt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Man hat es zuerst abgelehnt.

 

Vorsitzender Richter:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Es sind auch Versuche gemacht worden, Anfang meiner Zeit in Auschwitz, durch meine Firma, mich freizubekommen. Das ist auch von dem damaligen Lagerkommandanten abgelehnt worden. Auch eine Versetzung zur SS-Gebirgsdivision Nord.

 

Vorsitzender Richter:

Kennen Sie von den Angeklagten irgendwelche Personen, zum Beispiel den Angeklagten Mulka?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Er ist mir nur einmal begegnet, und daher kenne ich ihn.

 

Vorsitzender Richter:

Was war er damals?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Er war damals entweder Ober- oder Hauptsturmführer.

 

Vorsitzender Richter:

Und in welcher Eigenschaft?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe nicht entsprechend seinen Wünschen gegrüßt. Ich mußte dann zehn Meter zurück und nochmals den deutschen Gruß erwidern. Sonst habe ich ihn nicht mehr gesehen.

 

Vorsitzender Richter:

Sonst haben Sie ihn nicht mehr gesehen.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Aber das ist mir in Erinnerung geblieben.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen Sie, was er für eine Funktion hatte?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ich habe es aus der Presse gelesen, aber das war mir damals nicht bekannt, vielleicht zu der Zeit, als ich nicht mehr dort war.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Eggert, Sie haben diesen Zeugen benannt?

 

Verteidiger Eggert:

Keine Frage.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Staatsanwalt.

 

Staatsanwalt Kügler:

Herr Zeuge, ist Ihnen bekannt, wie der Herr Martin, der dann in dieses Fischereikommando gekommen ist, wie der mit Vornamen hieß und wo er her war, und möglicherweise, wo er heute ist?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, da muß ich mir noch mal in der Zeit die Sache überlegen. Ich weiß den Vornamen im Augenblick nicht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie wissen den Vornamen

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Nein, ich weiß auch nicht, wo er her war. [unverständlich]

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Haben Sie nach dem Krieg mit ihm Kontakt gehabt?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Danke schön.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön, Herr Rechtsanwalt Ormond.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja, danke sehr. Zwei Fragen, Herr Zeuge. Sie haben vorhin von den Exekutionen erzählt oder einer Exekution

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Einer, ja.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Der Sie mal beigewohnt haben. Erinnern Sie sich an einen dieser in Uniform befindlichen Leute, die exekutiert worden sind?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Die exekutiert worden sind

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Jetzt meinen Sie die Opfer der Exekution?

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Ja.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, ich weiß nur, daß es Polen waren in zerschlissener Uniform. Einer war dabei, der ging auf Krücken.

 

Vorsitzender Richter:

Ja, das wollte ich Sie fragen.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Es waren vielleicht sechs oder sieben.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Sie haben vorhin gesagt, das seien Partisanen gewesen. Sie sagen jetzt, einer ging an Krücken.

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Es hat geheißen, es wurde erzählt.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Der war beinamputiert.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja. Es wurde erzählt, es seien Partisanen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Aha. Eine andere Frage. Herr Zeuge, wollen Sie kurz schildern, wie Sie zu Ihrem Kriegsverdienstkreuz gekommen sind.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, das ist folgendermaßen gewesen. Eines Tages erschien auf der Schreibstube ein höherer Offizier des Führungshauptamtes. Und mein Kompaniechef hieß Merbach. Die beiden kannten sich. Und er sagte folgendes: »Hans, ich habe ein Kriegsverdienstkreuz zu vergeben. Wem geben wir das?« Tja, dann haben sie überlegt. Und dann hat dieser Offizier eine Streichholzschachtel genommen, zwei Streichhölzer, und wer das längste gezogen hatte, bekam das Kriegsverdienstkreuz.

 

Das war nicht das meine. Ich bekam meines so: Es wurden an die Konzentrationslager Kriegsverdienstkreuze vergeben, und die Schreibstube bekam eins zugeteilt. Und wer nun da saß, bekam es. Und da habe ich mein Kriegsverdienstkreuz bekommen.

 

Nebenklagevertreter Ormond:

Gut, danke sehr.

 

Staatsanwalt Kügler:

Sie sagten dann, daß Sie bei der Hundestaffel waren. War die in Birkenau untergebracht?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Die war in Birkenau.

 

Staatsanwalt Kügler:

Von Anfang an?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Staatsanwalt Kügler:

Bedeutet Ihnen das irgendeine Erinnerungsstütze, diese Skizze von dem Lager Birkenau? Können Sie uns sagen, wo Sie untergebracht waren? [Pause] Hier unten ist der Eingang mit dem Turm, durch den die Eisenbahn gefahren ist. Die Krematorien waren da oben.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ganz unten rechts in der Ecke. Nein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ganz oben rechts in der Ecke, meinen Sie?

 

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, das lag ganz rechts an der Landstraße hin nach Neu-Berun. Ich weiß nicht, ob ich das hier verfolgen kann.

 

Staatsanwalt Kügler:

Konnten Sie denn die Krematorien

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Nein, das muß da unten gewesen sein.

 

Staatsanwalt Kügler:

Wo waren Sie denn untergebracht dort?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

In der 7. Kompanie. Da lagen etwa acht Baracken. Und die letzte nach unten hin.

 

Staatsanwalt Kügler:

Konnten Sie von dort aus das Lager Birkenau sehen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, aber ziemlich weit entfernt, den Stacheldraht.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Haben Sie von dort auch die Krematorien gesehen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Von dort aus war es nicht zu sehen. Wohl von der

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Auch nicht den Rauch der Krematorien?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, den konnten Sie nur sehen von der Landstraße, wenn Sie von Auschwitz nach Neu-Berun gingen. Etwa zwei Kilometer war der Wald Birkenau.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja, darüber ist Ihnen nie was zu Ohren gekommen, daß da auch Leute vergast worden sind?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, davon ist mir nichts bekannt. Es hat sich wohl rumgesprochen mit den Verbrennungen. Das wußte jeder, der dort wohnte, jeder Pole in Neu-Berun, weil das Tag und Nacht brannte. Und wenn Regenwetter war, schlug der Rauch sich nieder und zog dann über Dörfer und Land. Und da munkelte man das. Und jeder wußte das, wenn er auch nicht laut darüber sprach.

 

Staatsanwalt Kügler:

Ja. Wie viele Hunde waren denn da?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, etwa 20.

 

Staatsanwalt Kügler:

Und wie waren die untergebracht, in besonderen Hundeställen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Die hatten Boxen. Und dann war zusätzlich von der SS ein Hauptwachtmeister angefordert worden als Hundeausbilder. Ein älterer Herr.

 

Staatsanwalt Kügler [unterbricht]:

Als Hundeausbilder. Ja. Was wollen Sie dazu sagen, wenn ich Ihnen vorhalte, daß nach Bekundungen verschiedener Zeugen diese Hundestaffel eingesetzt wurde bei der Begleitung der Juden zu den Gaskammern?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Davon ist mir persönlich nichts bekannt. Es ist mir wohl bekannt, daß bei Außenkommandos, insbesondere wo Frauen auf den Feldern waren, die Hundeführer mit den Hunden draußen waren.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Raabe, bitte schön.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Herr Zeuge, Sie sagten vorhin wörtlich: »›Sonderaktionen‹ gingen nicht von der Kompanie, sondern von der Kommandantur aus.« Würden Sie bitte etwas genauer erklären, wie Sie das verstehen.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, mir ist nicht bekannt, daß ein Befehl kam an die Kompanie. Ich war ja nun kein Schreiber, aber was mir so geläufig ist, ist, daß es geheißen hat: »Hier, es sind durch Sie ›Sonderaktionen‹ auszuführen.« Ich habe damit ja nichts zu tun gehabt.

 

Vorsitzender Richter:

Wie? Das habe ich eben nicht recht verstanden. Ein Befehl

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Daß irgendein Befehl kam: »Sie müssen Männer abstellen«, angenommen an den Stabsscharführer, für eine »Sonderaktion«.

 

Vorsitzender Richter:

Männer abstellen an den Stabsscharführer für eine »Sonderaktion«?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, daß die Meldung an den Stabsscharführer kam, die Männer abzustellen für eine »Sonderaktion«.

 

Vorsitzender Richter:

Ach, eine Meldung an... So.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Aha. Und dieser Befehl kam von der Kommandantur an den Stabsscharführer, und der hat dann die Leute abgestellt, ja?

 

Vorsitzender Richter:

Ja das weiß ich nun nicht.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Nein, Entschuldigung, da habe ich falsch [unverständlich]

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön. Von wem kam die Meldung oder diese

 

Zeuge Friedrich Althaus [unterbricht]:

Wir haben keine bekommen. Ich habe gesagt, wenn der gekommen wäre, dann geht der an den Stabsscharführer beziehungsweise den Kompaniechef, und der mußte die Leute abstellen.

 

Vorsitzender Richter:

Ach so, das ist alles hypothetische Annahme von Ihnen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja.

 

Vorsitzender Richter:

Sie selbst haben keinen solchen Befehl gesehen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein.

 

Vorsitzender Richter:

Wissen auch nichts davon?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Nein, ich habe meinen Bereich gehabt. Ich hatte meine Stube und habe da meine Arbeiten gemacht.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Ja wie kommen Sie dann zu der Aussage, daß solche »Sonderaktionen« von der Kommandantur ausgingen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, »Sonderaktionen« sind ja gewesen. Und wenn die nicht aus den Kompanien kamen, müssen Sie ja irgendwoher veranlaßt worden sein.

 

Nebenklagevertreter Raabe:

Danke schön.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Bitte sehr.

 

Vorsitzender Richter:

Herr Rechtsanwalt Doktor Müller.

 

Verteidiger Müller:

Können Sie etwas über den Dienstgrad dieses vorhin erwähnten Martin sagen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Der Martin war späterhin Unterscharführer.

 

Verteidiger Müller:

In welchem Alter etwa?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Heute 56, schätze ich.

 

Verteidiger Müller:

Danke.

 

Vorsitzender Richter:

Sind von seiten der Angeklagten Fragen? Klehr.

 

Angeklagter Klehr:

Herr Zeuge, ich hätte da mal eine Frage. Mit welcher Begründung stützen Sie sich drauf, daß sich jeder wegmelden konnte vom Lager?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, ich habe eben gesagt, rein aus meinen eigenen Gefühlen heraus und aus dem Gefühl der Menschlichkeit. Das lag am Charakter des einzelnen. Ob das möglich gewesen wäre, weiß ich nicht. Aber ich schätze, daß es möglich gewesen wäre. Zumindest zu einem Posten, wo ich weiß, hier mußt du etwas tun, was mir nicht liegt.

 

Angeklagter Klehr:

Herr Zeuge, Sie waren von 40 bis 44 in Auschwitz.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Angeklagter Klehr:

Und Sie haben scheinbar nix gesehen und nix gehört und nichts gemacht. Sie haben ja natürlich einen trockenen Posten gehabt als Rechnungsführer. Da konnte für ihn der Krieg noch 50 Jahre dauern.

 

Vorsitzender Richter:

Moment, Herr Klehr, was sind das für komische Vorhalte? Sie können den Zeugen etwas fragen, aber nicht derartige ungehörige Fragen, nicht. Das geht ja nun nicht.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Kann ich dem Herrn Klehr darauf antworten?

 

Vorsitzender Richter:

Ja, bitte schön.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Herr Klehr, ich habe ja versucht wegzukommen. Erstens mal hat es meine Firma versucht. Es wurde abgelehnt. Und zum anderen kam eine Versetzung zur Gebirgsdivision Nord. Dann brach Fleckfieber aus, dann war eine Lagersperre, und die lief über Monate. Der Herr Höß ließ ja keinen raus, den er einmal hatte.

 

Angeklagter Klehr:

Ja, ebendarum, deshalb wollte ich Sie ja fragen, wie Sie begründen können, daß sich all die Leute wegmelden konnten aus dem Lager.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, von einem Posten, der etwas von mir verlangte, was ich mit meinem Gewissen nicht vereinbarte.

 

Angeklagter Klehr:

Da sind Sie gar nicht durchgekommen mit dieser Anschauung im Lager.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Bitte sehr?

 

Vorsitzender Richter:

Na ja. Also der Angeklagte Klehr meint, mit einer solchen Meinung hätte man damals praktisch nicht durchkommen können.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Es ist möglich, nur von meinem Gedanken heraus sage ich, daß es möglich gewesen wäre. Das hat doch in der Zeitung

 

Vorsitzender Richter [unterbricht]:

Möchte sonst einer der Angeklagten noch das Wort haben? Werden zur Beeidigung Anträge

 

Verteidiger Müller [unterbricht]:

Eine Frage an den Zeugen. Hat Ihnen Herr Martin einmal erzählt, daß der Adjutant Mulka drei- bis fünfmal Fische bekommen hat aus dem Teich?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Ja, zu der Zeit hat Herr Martin mir nichts erzählt. Das liegt auch schon

 

Verteidiger Müller [unterbricht]:

Aha. Danke schön.

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Das war 1942, wo ich da hinfuhr. Nein. Fische wurden übrigens verkauft an die SS-Angehörigen, die in Urlaub fuhren. Dann konnte man die im Laden kaufen.

 

Vorsitzender Richter:

Wo kaufen?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Im Laden im Lager. Da war ein Laden, ein Verkaufsgeschäft.

 

Vorsitzender Richter:

Werden zur Beeidigung Anträge gestellt? Nein? Ja, der Zeuge ist zu vereidigen? Ja? Können Sie das, was Sie gesagt haben, mit gutem Gewissen beschwören?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

Vorsitzender Richter:

Daß Sie auch nichts verschwiegen haben?

 

Zeuge Friedrich Althaus:

Jawohl.

 

- Schnitt -

 

 

 

 

 

 

 

1. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 16.12.1960 in Mönchengladbach, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 42, Bl. 7.365.

2. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 16.12.1960 in Mönchengladbach, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 42, Bl. 7.365.

3. Vgl. polizeiliche Vernehmung vom 16.12.1960 in Mönchengladbach, 4 Ks 2/63, Hauptakten, Bd. 42, Bl. 7.368.

 

 

 
 
 
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